NEPAL 2020 – Teil 2

Mustang

Lower Mustang

08.03. Nach dem Thorong Pass erfahre ich von Rudra, dass das permit fuer Upper Mustang wahrscheilich erst ab 15.03. gueltig sein wird. So habe ich ca. 1 Woche Zeit fuer die vielen Doerfer hier in Lower Mustang bevor wir gemeinsam nach Upper Mustang wandern. Ich bleibe insgesamt dann 4 Naechte in Muktinath und mache einige Tagesausfluege in umliegende Doerfer wie Jarkhot.

Der Schwarze Buddha in Muktinath überwacht die Dhaulagiri Range mitsamt dem Dhaulagiri (8.167m), siebthöchster Berg der Welt
Typische Holzleitern in den Dörfern von Lower Mustang, hier in Jarkhot

Es ist ein altes Dorf mit Steinpflaster, die Haeuser sind aus Steinen gebaut und mit Kuh- und Yakdung verklebt. Auf den flachen Daechern wird meist Getreide getrocknet und es wehen tibetische Gebetsfahnen an den jeweiligen Dachecken. In der German Bakery macht mir Djamjan und eine Nonne Dido, eine typisch traditionelle Kost, die aus Gerste oder Buchweizen hergestellt wird, aehnlich dem Tsampa.

Dido, eine traditionelle Kost im Mustanggebiet, die aus Gerste oder Buchweizen hergestellt wird.

Auf dem Weg nach Jhong sehe ich viele Blauschafe. Zwei Maennchen mit ihren grossen Hoernern stellen sich mir ca. 10 Meter vor den Weg und schauen mich gross an bevor sie abzischen. Ein beeindruckender Moment, den ich wohl fuer immer im Kopf bewahren werde. In Jhong beobachte ich eine Dolpa Frau beim Weben im Freien bevor ich wieder nach Muktinath zurueckkehre. Da ich noch Zeit vor unserer Upper Mustang Wanderung habe versuche ich dann ueber den Lubra Pass in das abgelegene Dorf Lubra zu kommen. Am Weg dorthin gerate ich allerdings in einen steilen, tiefverschneiten Hang. Ich falle bis zu den Hueften in den Schnee und da ich alleine bin mache ich hier relativ schnell einen Rueckzieher. Die Gefahr eines abgehenden Schneebrettes schien mir hier zu hoch… Anstatt dessen sichte ich auf der anderen Seite ein kleines Dorf im Tal, das laut meiner Karte und Orientierung Khingar sein muesste. Auch ist der Weg hinunter fast schneefrei und so sollte ich wieder zurueck auf sicheres Gebiet kommen. Gedacht, getan esse ich dann in Khingar eine Nudelsuppe und die Koechin erklaert mir einen anderen, sichereren Weg nach Lubra. Auf wunderbaren Steinpfaden erreiche ich dann so gegen 16h Lubra, das gegenueber einer Felswand liegt. Niemand wuerde hier ein Dorf vermuten, auch ich war mir nicht sicher bis ich es selber sah…:-)

Lubra, ein ‚vergessenes‘ Dorf in Lower Mustang

Einheimische verweisen mich auf die Dakar Lodge wo ich ein Zimmer bekomme. Am Abend kommt der Lastwagen von Jomsom mit vielen bestellten Waren im Dorf an. Die Einheimischen holen sich Ihre Sachen ab und tragen sie auf den Koepfen nachhause. Auch eine Franzoesin ist unter den Tragenden. Claire verbringt hier einige Tage in diesem Dorf um ein Buch ueber die Bon Religion zu schreiben.

Mit Claire, der Französin, in Lubra

Lubra ist ja eines der letzten Doerfer in Nepal in dem die vorbuddhistische Bon Religion gepflegt wird. Die Bon Religion war lange bevor der Buddhismus aufkam in Tibet und Zentralasien verbreitet. Erst mit dem Buddhismus wurde die Bon Religion verdraengt und heute gibt es nur mehr wenige Anhaenger dieser Religion. Beide Religionen weisen viele Aehnlichkeiten auf.

Es gibt allerdings einige Unterschiede der Bon Religion zum Buddhismus, die auch nach aussen ersichtlich sind:

  1. Die swastika ist im Buddhismus ein Friedenszeichen, das im Uhrzeigersinn ausgerichtet ist 卐 –> in der Bon Religion gegen den Uhrzeigersinn 卍
  2. Stupas, choerten und sonstige heilige Staetten werden im Buddhismus im Uhrzeigersinn umrundet, in der Bon Religion gegen den Uhrzeigersinn.
  3. Auf den Steinplatten der Mani (Steinmauern) befindet sich im Buddhismus der Spruch: Om mani padme hum, in der Bon Religion befindet sich ein anderes Mantra auf den Steinplatten.

Am naechsten Morgen besuche ich vier Steinhoehlen, die sich in der Felswand befinden. Sie dienten frueher vor allem Moenchen, die sich hier zum Meditieren zurueckzogen. Nachmittags gehe ich noch zu einer Schule wo derzeit lt tibetischer Englischlehrerin 78 SchuelerInnen unterrichtet werden. Sie kommen vorwiegend aus der abgelegenen Dolpo Region und werden voraussichtlich die naechsten 8 Monate hier verbringen ohne Kontakt zu Ihren Familien. Manche sind nicht aelter als 6 oder 7 Jahre, die Nepali werden schon frueh geprueft…. Am Abend kommen so gegen 18h die Ziegen ins Dorf zuruck, was immer ein Erlebnis ist. Dann kommt Claire zu mir in die Dakar Lodge und sie erzaehlt mir von Ihrem Interview mit einem Lama in Jomsom.

Einheimische Frau bei der Feldarbeit in Lubra, Lower Mustang

Naechsten Tag heisst es Abschied nehmen und ich gehe zufuss nach Jomsom runter. Hier quartiere ich mich im Pride & Spa ein, nehme eine warme Dusche und lass mich beim oertlichen Friseur wieder einmal rasieren, ein Rundumputz quasi…:-) Mit frischen Kleidern gehe ich dann ueber den ‚windigen Pass‘ nach Phalyak und weiter nach Kagbeni. Hier sollte ich ja Rudra treffen, den Nepali guide, der mit dem permit fuer Upper Mustang hier eintreffen sollte. Im Lhasa Hotel erfahre ich dann, dass er bereits mit dem Bus auf dem Weg von Kathmandu hierher ist und er in 2 Tagen hier eintreffen wird. Alles bestens also… Ich verbringe die zwei Tage Wartezeit hier damit, das verlassene Frauenkloster in Tiri zu besuchen. Im Kloster von Kagbeni leben viele Moenche und an einem Nachmittag verbringe ich eine puja (Gebetsstunde) mit ihnen.

Mönche vor dem Kloster in Kagbeni, Lower Mustang

Und dann trifft Rudra abends ein, er hat allerdings auch noch Andre, einen Kanadier aus Vancouver ‚im Gepaeck‘, der auch mitkommen will. Als ich Andre mit seinen Turnschuhen hier antanzen sehe und seine sonstige Ausruestung betrachte ueberkommen mich so meine Zweifel ob das mit ihm gut gehen wird…

Fazit:

Die Gegend in Lower Mustang ist wunderschoen mit Blick auf die Nilgiri Berge und der Dhaulagiri Range. Zum Teil sieht man auch schon in die canyon- und wuestenartige Landschaft von Upper Mustang hinein. Die Doerfer sind alle sehr urspruenglich und zum Teil in dieser Jahreszeit verlassen, da die Einwohner aufgrund der Kaelte die Winter lieber in der nahegelegenen Stadt Pokhara verbringen. Und es hat hier einen grossen Vorteil: Du kannst hier alles problemlos alleine erkundigen und brauchst vor allem kein zusaetzliches permit + guide wie fuer Upper Mustang.

NEPAL 2020 – Teil 3

Mustang

Upper Mustang

15.03. Heute ist der Tag der Tage und wir starten unsere Wanderung von Kagbeni nach Upper Mustang. Wir, das ist Andre, ein 40-jaehriger Kandier aus Vancouver, dann Rudra, ein 28-jahriger Nepali guide aus der Khumbu Region und meine Wenigkeit. In der Nacht davor hat es noch ein Gewitter gegeben und ordentlich geschneit. Am Weg zum ACAP (Annapurna Conservation Area Project) checkpost ‚beschiessen‘ uns die uebermuetigen Maedchen von den Hausdaechern mit Schnee, den sie von den Daechern schmeissen um die Daecher zu entlasten.

Schwer zu sehen, aber es gibt sie – die trickreichen Mädchen von Kagbeni – sie ‚beschiessen‘ uns mit Neuschnee von den Dächern

Nach dem check-in gehen wir dann Richtung Tangbe und Chhusang, den ersten Doerfern in Upper Mustang. Andre hat bereits hier grosse Probleme mit dem Gehen mit seinen Turnschuhen und mein Kommentar zu Rudra war nur: Hast Du denn hier zum Fussballspielen hierher mitgebracht?…;-) In Chele angekommen finden wir erst nach laengerer Suche ein Quartier. Auch Youri, ein Belgier aus Gent, ist hier mit seinem Guide Monud angekommen und wir verbringen gemeinsam den Abend.

Der wurde vergessen… am Weg von Kagbeni nach Chele
Tief verschneites Mustang – am Weg von Kagbeni nach Chele
Mit Youri, dem Belgier, in der Unterkunft von Chele

Am naechsten Morgen klagt Andre bereits ueber starke Kopfschmerzen. Er war ja am Vortag von Pokhara (800 Meter Seehoehe) mit dem Jeep nach Kagbeni (2.800 Meter Seehoehe) gekommen. Zu schnell zuviele Hoehenmeter, dazu seine Ausruestung und sonstige Verfassung… es wird ihm letztlich einfach zuviel und er entscheidet sich selber hier zu bleiben und nicht mehr weiterzugehen. Er kehrt letztendlich alleine zurück. Im Nachhinein wahrscheinlich die richtige und fuer ihn wohl die sicherste Entscheidung wie wir alle finden… Gemeinsam mit Youri und Monud gehen Rudra und ich durch zum Teil tiefen Schnee via Samar nach Syanboche wo wir gegen 17h eintreffen. Zum Teil sinken wir bis zu den Hueften im Schnee ein, diese Tour zehrt ordentlich an unseren Kraeften. Youri’s Kommentar war nur: Andre would have died here…:-) Am Abend essen wir das obligate Dal Bhat (Reis mit Linsen, Kartoffeln, Gemüse, etc) und staerken uns mit dem lokalen chang Bier, das entweder aus Gerste, Hirse oder Reis hergestellt wird.

Ein kleines Mädchen in Syanboche
Am Weg von Syanboche nach Ghami

Am naechsten Morgen merke ich schnell dass ich nicht gut bei fuss bin. Der gestrige Tag hat gezerrt, vor allem der tiefe Schnee. Auch Youri hat zu kaempfen. Bistari, bistari (langsam, langsam) heisst die Devise und so kommen wir nach mehreren Pausen gut in Ghami an. Wir trocknen hier in unserer Unterkunft unsere Schuhe und Socken und verbringen den Nachmittag mit viel heissem Wasser trinkend in der Sonne.

Müde und abgekämpft ‚lecken‘ wir unsere Wunden in der Unterkunft von Ghami

Nach einer erholsamen Nacht merke ich naechsten Morgen dass ich wieder fit bin und so gehen wir alle frohen Mutes weiter ins naechste Dorf Tsarang. Am Weg dorthin treffen wir ein Schweizer Paerchen, die uns auf den letzten Stand der Corona Krise in Europa unterrichten. Ich denk mir nur wie froh ich bin hier in den Bergen zu sein. In Tsarang finden wir eine gute Unterkunft mit Innenhof wo wir uns mit gutem Dal Bhat staerken. Am Nachmittag besuchen wir das verfallene Fort und den koeniglichen Palast. Von Tsarang sieht man bereits in die wunderschoenen, vielfaerbigen Canyons hinein. Viel erinnert hier an den US Bundesstaat Arizona mit seinen Canyons.

Altes Fort mit dem davor liegenden königlichen Palast in Tsarang
Teepause bei einer Tibeterin
Upper Mustang

Am naechsten und fuenften Tag unserer Wanderung geht es dann weiter nach Lo Manthang. Lo Manthang war frueher die Hauptstadt des ehemaligen Koenigreichs Mustang und ist von einer Mauer umgeben. Im einzigen offenen Hotel, dem Everest Hotel, quartieren wir uns ein. Es gibt hier wieder eine relativ grosse Auswahl an Lebensmittel, die vor allem vom ca. 15 km nahegelegenen Tibet reinkommen. Wir kaufen uns hier auch zusaetzlichen Lippenschutz, da die starke Sonneneinstrahlung, verstaerkt durch den Schnee, auch unseren Lippen zugesetzt hat. Am Abend bekommen wir auf CNN erstmals die volle Ladung an Neuigkeiten bzgl Corona ab und wir beraten unsere Lage. Youri wollte ja noch nach Indien und dann im Juni auf Ibiza seine Freundin heiraten. Es wird ihm hier schoen langsam klar, dass er einen Plan B braucht…;-) Mein Flug geht von Nepal zurueck, ich muss also keine Landesgrenzen mehr passieren, durchaus ein Vorteil in dieser Situation. Ich beschliesse daher einfach weiter zu wandern solange es geht und dann einen geeigneten Rueckflug von Kathmandu nach Europa zu kriegen. Da Youri Probleme mit seiner vereiterten Zehe hat legen wir einen ruhigen Tag ein. Wir besuchen nahegelegene, verfallene Festungen und mehrere mehr als 500 Jahre alte Kloester in Lo Manthang.

Einheimischer in Lo Manthang, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Mustang
Mit Monud und Rudra auf einem der alten, verfallenen Forts in der Nähe von Lo Manthang
Wandmalereien in einem der Klöster in Lo Manthang, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Mustang

Da am naechsten Tag Youri’s Fuss immer noch nicht besser ist beschliesst er mit einem Pferd nach Chhoser zu reiten, um seine Zehe zu schonen. Rudra und ich gehen zu fuss. Von einigen Frauen bekommen wir salzigen Buttertee und Rudra erzaehlt mir, dass Sie Tibetisch reden.

Einheimische Frauen am Weg von Lo Manthang nach Chhoser
Am Weg zurück von Chhoser nach Lo Manthang

In Chhoser besuchen wir dann ein Hoehlenkloster und nachdem auch Youri und Monud mit ihren Pferden eingetroffen sind gehen wir gemeinsam zur Hoehle von Garphu. Sie ist auf 5 verschiedenen Etagen mitten im Fels erbaut und bot vor ca 3 bis 4.000 Jahren den Einheimischen Schutz vor den vielen starken Winden hier in Mustang und auch vor einfallenden Feinden. Am Rueckweg nach Lo Manthang erfahren Rudra und ich, dass auch hier in Nepal schoen langsam der lockdown zu greifen beginnt und wir moeglichst noch irgendwie mit einem Vehikel aus dieser Gegend rauskommen sollten. Am selben Abend kommt ein junges chinesisches Paerchen mit Ihrem Toyota Hilux in unserem GH an und bietet Rudra und mir an uns naechsten Tag mit nach Kagbeni zu nehmen. Da faellt es einem schwer ‚Nein‘ zu sagen…;-) Youri und Monud fahren mit einem truck zurueck.

Dhakmar Chörten nördlich von Ghami. Chörten sind wichtige religiöse Bauwerke im Buddhismus und symobolisieren die Gegenwart von Buddha.

Die Strasse zurueck nach Kagbeni hat es in sich und bei einer Bruecke gibt Andy, der Chinese, kurz nicht acht und schon haengen wir mit einem Rad in der Luft. Nachdem wir alle ausgestiegen sind bringt er sein Auto doch wieder auf alle vier Raeder und gewarnt geht die Fahrt weiter.

Eine kleine Havarie am Weg von Lo Manthang nach Kagbeni
Die Strassen könnten besser sein… am Weg von Lo Manthang nach Kagbeni

Um ca 15h kommen wir heil in Kagbeni an und checken beim ACAP checkpost wieder aus. Im Buch sehen wir, dass wir die letzten waren, die nach Upper Mustang reinwanderten, danach hat Nepal alle weiteren permits gestoppt… so gesehen gerade noch Glueck gehabt und wir hatten wunderschoene 8 Tage im ehemaligen Koenigreich Mustang!

Fazit

Es ist ein wahres Privileg in das ehemalige Koenigreich Mustang hineinwandern zu duerfen. Es wurde erst 1992 fuer den Tourismus geoeffnet, davor war es streng abgeriegelt und fast von der Aussenwelt vergessen. Wir hatten wunderschoene acht Tage in dieser Bergwelt mit viel Sonnenschein. Allerdings auch mit viel Schnee, der uns vor allem zu Beginn zu schaffen machte. Sowohl die karge, wuestenartige Landschaft als auch die Haeuser und Einwohner zeigen, dass dieses Gebiet sowohl geographisch als auch ethnisch zu Tibet gehoert. Politisch allerdings ein Distrikt von Nepal. Es wird derzeit von den Chinesen eine Strasse von Tibet via Mustang nach Indien gebaut um den Handel auf dem Landweg zu ermoeglichen. Auch hier wird sich wahrscheinlich das Leben in absehbarer Zukunft damit stark aendern.

NEPAL 2020 – Teil 4

Stranded in Nepal

Lower Mustang

22.03. Das chinesische Paerchen nimmt Rudra noch am selben Tag mit nach Pokhara. Ich beschliesse hier zu bleiben und geniesse im Hotel Lhasa wieder eine warme Dusche. Dann gebe ich meine Waesche zum Waschen und plane meine Weiterreise hier in Lower Mustang. Mein Plan ist weiterhin von hier nach Pokhara zurueckzuwandern.

Kagbeni – das Tor zu Upper Mustang

24.03. Da es hier in Kagbeni aufgrund der starken Schneefaelle zu einem laengeren Stromausfall kommt beschliesse ich nach zwei Naechten nach Jomsom zu gehen. Am Weg dorthin mache ich wieder in Old Kagbeni im Hillton Hotel (Betonung auf 2 l) eine Kaffeepause. Kurz darauf setzt sich ein Ukrainer zu mir und erzaehlt mir, dass seit heute frueh 06:00 ‚army hour‘ hier in Nepal herrscht. Dh es gilt auch hier Ausgangssperre, die die Armee ueberwacht. In den Bergen wird es (noch) nicht so eng gesehen.

Als ich im HiLLton Kaffee von einem Ukrainer erfuhr, dass seit heute ‚army hour‘ herrscht

Ich gehe weiter und erreiche ungehindert Jomsom. Am Ortseingang stehen 3 Armeejungs mit ihren MGs und ich erzaehle ihnen, dass ich ins Pride & Spa Hotel will. Sie lassen mich ungehindert passieren, weisen mich aber darauf hin eine Maske zu tragen, was ich dann auch tue. Im Hotel kennen Sie mich schon und geben mir auch wieder ein Zimmer.

Immer spassig die Zeit mit dem Koch und seiner Frau im Hotel Pride&Spa in Jomsom, Lower Mustang

Ich sondiere hier meine neue Lage. In der Zwischenzeit hoere ich auch von Tenzin, dem Hotelmanager, dass es wahrscheinlich in den naechsten Tagen nicht mehr moeglich sein wird weiterzugehen. Die Streckenposten halten einen auf. Auch wurden alle Hotel- und Lodgeeigentuemer dazu aufgefordert ihre Haeuser zu schliessen. Dh es wird nicht mehr moeglich sein eine Unterkunft zu finden, etc… Es wird auch hier von Tag zu Tag ‚ungemuetlicher‘ und ich merke auch wie die lokale Bevoelkerung Abstand zu uns westlichen Touristen nimmt. Auch in den Medien hoeren sie wie stark das Corona Virus bereits in Europa verbreitet ist und sehen uns als Bringer dieses Uebels in ihr Land an. Am naechsten Tag versuche ich dann die Streckenposten auf einem Nebenweg via Thini zu umgehen. In Thini teste ich die Lage ab und frage einfach einmal ca 10 Hotelbesitzer um eine Unterkunft. Ich bekomm nur Absagen obwohl die Haeuser leer sind. Tenzin’s Worte finden hier Bestaetigung und anstatt nach Marpha (wo es vermutlich dasselbe sein wird) weiterzugehen, gehe ich wieder nach Jomsom ins Pride & Spa Hotel zurueck, wo ich zumindest eine Unterkunft habe. Am naechsten Tag treffe ich 5 andere Touristen, die die gestrige Nacht in einer Notunterkunft verbrachten da sie kein Zimmer fanden. Tenzin nimmt sie in seinem Hotel auf und am Nachmittag kommen nochmals ca 15 Touris nach Jomsom und quartieren sich auch im Pride & Spa Hotel ein. Tenzin erweist sich hier als sehr hilfreich, er gibt uns hier allen eine Unterkunft und verhandelt mit der lokalen Polizei einen Transport nach Kathmandu aus.

Die ‚Gang‘ bereit zur Busfahrt von Jomsom nach Kathmandu

Es wird wohl die letzte Moeglichkeit werden hier wegzukommen, das naechste mal in 2 bis 3 Monaten wenn der lockdown zu Ende ist (vielleicht?). Es wird mir hier dann rasch klar, dass hier meine Wanderung zu Ende geht. Es ist einfach nicht die richtige Zeit hier zu sein, auch nicht in den Bergen… Am naechsten Tag vormittags wird dann von einem Polizisten eine Liste mit unseren Daten gemacht und mit einer Sondergenehmigung wird dann am nachmittag ein Bus bereitgestellt, der uns via Pokhara direkt nach Kathmandu bringt. Die Strasse nach Pokhara ist schlecht und gegen 2h frueh kommen wir im Yeti Hotel in Pokhara an. Tenzin ist als Dolmetsch mit von der Partie und erntet letzlich Applaus fuer seinen Einsatz hier uns alle rauszubringen. Ziemlich muede fallen wir alle ins Bett und schlafen ein paar Stunden. Simona aus Italien und Greg aus UK entscheiden sich in Pokhara zu bleiben und den lockdown abzuwarten. Sie haben ja noch ein Jahr Auszeit vor sich und zuhause wuerd sie ja auch nichts Besseres erwarten. Es hat so jeder seine eigene Geschichte und Gruende das eine oder andere zu machen. Der Song ‚Should I stay or should I go‘ von den Clash findet hier grossen Gefallen…;-) Bei mir waer die Reise in ein paar Wochen sowieso zu Ende gewesen und nachdem an ein Wandern zumindest in der Fruehjahrssaison hier eh nicht mehr zu denken ist entschliesse ich mich mit nach Kathmandu mit zu fahren und auf einen geeigneten Flieger nach Europa zu kommen.

Kathmandu

Kurz vor Kathmandu hat der zweite Bus, der ebenfalls Touristen in die Haupstadt bringt, eine kleine Panne und ich nuetze die Pause um mit Burak vom Maya Home, Tushal und Herrn Sautter vom oesterreichischen Konsulat in Kathmandu Kontakt aufzunehmen. Nach unserer Ankunft in Kathmandu uebergibt mir Burak im Maya Home mein zurueckgelassenes Gepaeck, dann holt mich Tushal vorm Maya Home ab. Nach einigem Suchen finden wir gemeinsam in der Naehe seines Wohnorts das Kathmandu Regency Hotel, eines der wenigen Hotels das offen hat. Ich bekomme fuer 1.800 NRP die Nacht inkl Fruehstueck ein sehr schoenes Zimmer, ein wuerdiger Ausklang meiner Reise. Es gibt hier einen schoenen Innenhof und letztlich wird es mir auch ermöglicht am PC in der Rezeption meine Geschichten in Nepal online zu bringen. In Kathmandu wird die Ausgangssperre um einiges strenger gehandhabt als in den Bergen. Nur am Morgen zw ca 7 und 9h und am Abend zw ca 17 und 19h darf man hier rausgehen, nur mit Maske und vorwiegend nur um Lebensmittel zu kaufen. Noch nie habe ich Thamel, das Stadtzentrum von Kathmandu, so leer gesehen.

Menschenleeres Thamel, Stadtzentrum von Kathmandu – hier vor dem Kaffee Pumpernickel, ein ungewohnter Anblick…

Ich habe mich ja nach Anraten von einigen dt Wanderern schon vor einigen Tagen auf dem deutschen Rueckholprogramm fuer einen Flug mit Quatar Airways von Kathmandu via Doha nach Frankfurt gemeldet. Gestern bekam ich die Bestaetigung von der dt Botschaft, dass in den nächsten Tagen der naechste Flug nach Frankfurt geht und ich dafuer eingeplant sei. Deutsche werden natuerlich bevorzugt und als Nicht-Deutscher ist man quasi auf standby. Ich glaubs erst wenn ich im Flieger sitz…:-)

Wer haette zu Beginn meiner Reise gedacht, dass diese Reise so zu Ende geht. Aber es gibt definitiv schlechtere Orte als in Nepal zu stranden. Die Nepalis erweisen sich auch in dieser Situation als sehr human, nachsichtig und hilfsbereit. Ein wahrer Schatz dieses Volk und ich werde mich sicher ewig an diese Situation und an die Leute hier erinnern!

PS: Und grad in dieser Minute erreicht mich ein mail, dass es morgen einen Flug von hier nach Prag geben wird, hurra!!

Es geht letztlich dann alles sehr schnell, Sachen packen, Geld zurückwechseln, etc… und schon sitzen wir in einem Hotel in der Naehe des Sammelplatzes in Thamel und warten auf den Shuttle Bus der uns zum Flughafen bringt. Ich lerne hier Mimi aus Wien kennen, die hier schon seit ca 15 Jahren lebt und auch abrauscht in die Heimat. Da sie um ein Hauseck zuviel Gepäck dabei hat bittet sie mich einen Teil Ihres Handgepaecks zu uebernehmen. Letztlich lassen sie uns alle beim check-in durch.

Mit Czech Airlines retour von Kathmandu nach Prag – ein Danke an die Tschechen!

Ca 2 Stunden später sitzen wir dann in einem mittelgrossen Vogel der Czech Airlines, der uns gemeinsam mit vielen Tschechen via Jerewan (Armenien) gut nach Prag bringt. Hier wird uns das Fieber gemessen und wir unterschreiben einen Wisch, der uns nach unserer Heimkehr zu einer 14-tägigen selbstüberwachten Heimquarantäne verpflichtet. Wird das angenehm…;-) Und so gegen halb zwei in der frueh finden wir uns dann wieder in einem Shuttle Bus der uns in einer Nacht und Nebel Aktion gut über die Grenze nach Österreich und nach Wien bringt. Am Wiener Hauptbahnhof ist um 6h morgens alles wie ausgestorben, nur der gute Anker Bäcker hat offen. Nichts wie hin auf einen guten Cappuccino und eine Zimtschnecke…;-) Und Mimi und ich müssen lachen als uns die Verkäuferin mit Ihrem Dialekt bedient, spätestens da weiss man wieder dass man zuhause ist.

Im Zug von Wien nach Linz – selbst Schaffner gibt es keine mehr…

Um halb sieben sitz ich so gut wie alleine im Zug nach Linz, die Fahrkarte hätte ich mir sparen können. Für ’soviele‘ Passagiere rentiert sich wohl kein Schaffner mehr. Eine halbe Stunde später geht ein Postbus nach St. Veit von wo ich dann die letzten Kilometer zu fuss nachhause in den Schallenberg gehe.

Zuhause im Schallenberg

Fazit:

Es waren wunderschöne 6 Monate in Nepal und Indien und ich konnte letztlich so gut wie alle meine Reiseziele besuchen, die ich mir vorgenommen hatte. Speziell die Bergwelt in Nepal ist halt schon was Besonderes, auch wenn es diesmal ein eher abruptes Ende genommen hat. Aber auch solche Situationen gehören zum Reisen und ich möchte keines dieser Erlebnisse missen.

INDIEN 2020 – Teil 2

Tamil Nadu

Kanyakumari

Der indische Pilgerort Kanyakumari ist der suedlichste Punkt auf dem indischen Festland an dem sich der indische Ozean, der Golf von Bengalen und das arabische Meer treffen. Es zieht Inder in Massen an.

Maiskolbenverkaeuferin in Kanyakumari, Tamil Nadu, Suedindien

So besuchte ich am zweiten Tag das Vivekananda Rock Memorial auf einer kleinen Insel, die mit einem Schiff zu erreichen ist. Es ist dem Swami Vivekananda gewidmet, einem hinduistischen Moench, der Ende des 19 Jhdts vor allem im Westen den Hinduismus zu einer Weltreligion machte und Yoga im Westen einfuehrte. Mit einem Nachtzug fahre ich dann weiter nach

Rameswaram

wo wir um ca. 6h morgens ankommen. Ich besuche den Ramanathaswamy Tempel, der dem Gott Shiva gewidmet ist. Allen Indern wird ein Kuebel voll Wasser ueber den Kopf geschuettet, quasi als Reinigung, ich entgehe diesem Geschehen… Mit einem Bus komme ich zu einem Strand wo man bei klarer Sicht angeblich nach Sri Lanka rueber sehen kann, ich bezweifle das aber.

Fischer am Strand von Rameswaram, Tamil Nadu, Suedindien

Mit einem weiteren Nachtzug geht es gegen Sonnenuntergang ueber schmale Eisenbahnschienen ueber das Meer nach

Thanjavur

das ein Zentrum der hinduistischen Religion in Suedindien ist. Gegen Mitternacht finde ich im Ganesh Hotel in der Naehe der Zugstation eine Unterkunft. Naechsten Tag besuche ich den Brihadeeswara Tempel aus der Chola Zeit, der zu Beginn des 11. Jhdts erbaut wurde und einer der groessten Tempel Indiens ist. Im Tempel selber befindet sich ein riesiger Nandi (Stier), der das Fortbewegungsmittel von Gott Shiva war.

Nandi (Stier) im Brihadeeswara Tempel, Thanjavur, Tamil Nadu, Suedindien

Pondicherry

Nach 2 Tagen in Thanjavur brachte mich ein Bus nach Pondicherry, der ehemaligen Hauptstadt von Franzoesisch-Indien. Es liegt direkt am Meer und es ist wunderschoen in den Strassen mit ihren noch gut erhaltenen kolonialen Haeusern zu gehen. In der „Villa a la Creole“ finde ich eine gute Unterkunft, wo es eine schoene Terasse und guten Fisch gibt.

In den Strassen von Pondicherry, Suedindien
Besuch von Marie, dem Hauspapagei in der Villa a la Creole, Pondicherry, Suedindien

Mit Alex, einem Franzosen aus der Provence, verbringe ich einige schoene Tage hier. Die Inder sind ja total kinofanatisch und da es hier ein englischsprachiges Kino gibt schaue ich mir auch gleich zwei Filme (Bad Boys for Life und Jojo Rabbit) an, ich hatte wohl ein wenig Aufholbedarf. Das Indian Coffee House wird zu meinem Stammlokal wo es um weniger als 1 Euro hervorragende Fruehstuecke wie Idli Sambar (Reiskuchen), Dosas aller Art, Pongal (Reis), Vaddas, etc gibt, typisch suedindische Kueche. Nach einer knappen Woche in dieser wunderschoenen Stadt fahre ich mit einem Morgenbus weiter nach

Mahabalipuram

Mahabalipuram ist eine kleine Stadt direkt an der Kueste. Ich finde im Sr Harul Hotel direkt am Strand ein guenstiges Zimmer, das highlight ist hier allerdings die Terasse, auf der ich viele Stunden verbringe.

Von dieser Terasse konnte ich mich nur schwer losreissen… in Mahabalipram, Tamil Nadu, Suedindien

Es kommen hier immer wieder viele Franzosen vorbei, es gibt gutes Essen und zwichendurch besuche ich auch den Kuestentempel, Arjuna’s Penance und viele andere Hoehlentempel, die vor allem im 7 Jhdt von der Pallava Dynastie in Auftrag gegeben wurden.

Arjuna“s Penance, Steinrelief in Mahabalipuram, Tamil Nadu, Suedindien

Eines Tages gehe ich mit dem Koch des Hotels Hummer kaufen und bin auch bei der Zubereitung in der Kueche dabei –> ein wahrer Traum!

Chennai

Nach ca. 2 Stunden Fahrt mit einem Bus komme ich in Chennai, der Haupstadt von Tamil Nadu, an. Auch hier quartiere ich mich wieder in der Naehe der Zugstation ein und erkundige die Stadt. Es hat um die 30 Grad und es ist eine feuchte Hitze, die mich staendig schwitzen laesst. Auch so begeistert mich diese Stadt nicht besonders. Sie ist gross, hat nicht wirklich ein Zentrum und ich vermisse auch irgendwie das Gefuehl hier gerne zu sein. Shavran von Hyderabad hat sich gemeldet und so beschliesse ich ihn am Weg zurueck nach Nepal in seiner Heimatstadt zu besuchen.

Telangana

Hyderabad

Mit einem Nachtzug komme ich fruehmorgens in Hyderabad, der Hauptstadt von Telangana, an. Das Klima ist schon gleich einmal weit angenehmer (vor allem trockener) und auch das muslimische Viertel im Stadtzentrum gefaellt mir sehr gut. Ich besuche das Charminar, die Mekka Moschee und die vielen Maerkte.

Die Burka ist weit verbreitet unter den Frauen in Hyderabad, im Hintergrund das Charminar, Hyderabad, Telangana, Suedindien

Im Hotel Shadab, meinte der Hotelbursche, gaebe es das beste Hyderabad Byriani der Stadt. Nun, ich kann es nicht beweisen aber es schmeckte sehr gut und Hyderabad ist ja beruehmt fuer seine Byrianis. Dann treffe ich Shavran und wir besuchen den Birla Mandir Tempel, der aus weissem Marmor erbaut wurde und eine schoene Aussicht ueber die Stadt bietet. Wir besuchen noch gemeinsam ein Museum und essen Paneer Tikka Masala zumittag, Shavran ist ja Vegetarier.

Gemeinsames Mittagessen mit Shavran in Hyderabad, Telangana, Suedindien

War schoen ihn auch in seiner Heimatstadt zu sehen, nachdem wir uns ja im Himalaya beim Wandern kennengelernt haben.

Uttar Pradesh

Varanasi

Eine Auto Rickshaw brachte mich fruehmorgens von Hyderabad nach Sekundarabad, von wo es um 9:30 einen Morgenzug Richtung Norden und Varanasi gibt. Es ist ja schon Mitte Februar und schoen langsam sollte es in Nepal ja wieder moeglich sein Wanderungen zu machen. Ein IT Ingenieur im Zug klaert mich auf, dass aktuell die CEO’s von IBM, Microsoft, Google, Novartis, etc.. alles Inder sind. Die Inder sind in der IT Welt wirklich am Vormarsch. Die Bevoelkerung waechst allerdings immer noch jaehrlich um ca 3 bis 4 % was zu erwarten hat, dass Indien bald China als bevoelkerungsreichstes Land ueberholen wird.

Nette Zugbegleitung am Weg nach Varanasi

In Varanasi angekommen kaufe ich mir noch fuer denselben Abend ein Zugticket weiter Richtung Norden nach Gorakhpur, gebe meinen Rucksack in die Aufbewahrung und verbringe nochmals einen schoenen Nachmittag und Abend an den Ghats von Varanasi.

Der Mitternachtsszug hat Verspaetung und kommt erst so gegen 1h frueh an. Er ist hoffnungslos ueberfuellt und an einen Sitz zu kommen nicht zu denken. Um ca 3h frueh bietet mir dann der Zugbegleiter sein Bettchen im Zwischenwagon an, das ich dankend annehme. So bringe ich dann doch noch so ca 3 bis 4 Stunden die Augen zu bevor wir in der Frueh in Gorakhpur ankommen.

Gorakhpur und Sunauli

Mit einem Bus komme ich in ca. 3 Stunden nach Sunauli, der Grenze zu Nepal. Problemlos bekomme ich hier ein 3 Monatsvisum fuer Nepal und so kommen wir gegen 23h in Kathmandu an. Gegen Mitternacht bin ich dann wieder im Maya Home, meinem Quartier, wo ich einige Sachen zurueckgelassen hatte und bin froh wieder ein Bett zu haben.

Fazit

Suedindien ist faszinierend und die Menschen sind deutlich weniger aufdringlich als in vielen anderen Gegenden in Indien. Auch die Kultur, Sprache, Kueche und die Denkweise unterscheidet sich stark vom Norden Indiens. So habe ich hauptsaechlich gute Erinnerungen, bin jetzt aber auch wieder froh in Nepal zu sein um weitere Wanderplaene schmieden zu koennen.

INDIEN 2019_2020 – Teil 1

I. Uttar Pradesh

Varanasi

Letzlich wird es dann in Nepal ca. Mitte Dezember doch in hoeheren Gefilden zu kalt zum Wandern (es faellt auch der erste Schnee) und so verhalte ich mich wie bei uns daheim die Schwalben, ich ziehe weiter in den Sueden.

Kurz vor der Grenze zu Indien lege ich noch einen kurzen Stop in Lumbini, dem Geburtsort Buddhas, ein und einen Tag spaeter gibt es ein Wiedersehen mit Varanasi im noerdlichen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Ich geniesse es an den ghats das rege Leben zu beobachten und die Sonnenauf- und untergaenge am Assi Ghat in der Naehe meiner Unterkunft zu erleben.

Morgengrauen am Assi Ghat in Varanasi (ehemaliges Benares), Uttar Pradesh, Indien

Da es in Varanasi im Dezember auch immer noch relativ frisch ist und mich immer noch ein Reizhusten aus dem Himalaya plagt beschliesse ich Richtung Suedindien zu fahren und Bundesstaaten wie Kerala und Tamil Nadu zu besuchen. Von Weihnachten merkt man hier so gut wie nichts und so kommt nur bei Anrufen zuhause ein leichtes Weihnachtsgefuehl auf…

II. Maharashtra

Mumbai (ehemaliges Bombay)

Gemeinsam mit einem Perser und zwei indischen Familien verbinge ich mehr als 30 Stunden in einem Zug von Varanasi nach Mumbai, die wirtschaftliche Metropole Indiens. Zugfahren ist immer ein Hit in Indien, es wird auf engstem Raum geplaudert, Essen geteilt, gelacht, gespielt. In den Gespraechen erfahre ich, dass Hochzeiten in Indien immer noch grossteils arrangiert sind und letzlich oft Familienentscheidungen sind. Solange ist es ja bei uns zuhause auch noch nicht her, dass es so war…

Letzlich kommen wir am spaeten Nachmittag in Mumbai an und ich quartiere mich in der Naehe der Central Station in einem hostel ein.

Central Station in Mumbai (ehemaliges Bombay), Maharashtra, Indien

Mumbai ist hektisch, es herrscht viel Verkehr, es wird gehupt und die Leute laufen in den Strassen. Das Leben ist hier sehr schnell und es geht hier vor allem um eines wenn man hier lebt, Busienss, Geld… Mir gefaellt diese Stadt trotzdem, sie hat noch etwas von dem kolonialen Charme. Es gibt viele kleine shops in den Strassen wo man bestes Essen wie paratha ( mehrschichtige Brotfladen), gebratenes Huehnchen, gebratenen Reis, usw bekommt. Ich besuche das Gateway of India, die Elefanteninsel mit Ihren Hoehlen und Goetterfiguren und verbringe die Abende meist am Marine Drive am Strand wo die Einheimischen sich zum Sonnenuntergang auf ein Schwaetzchen treffen.

III. Goa

Goa eilt wohl schon der Ruf voraus. War es vor Jahrzehnten beliebt bei den Blumenmaedchen ist es auch heute noch ein wenig so die Absteige einiger Europaer, die dem kalten Winter in Europa entgehen wollen. Gemeinsam mit Ayumu, einem Japaner aus Tokyo, verbringe ich drei schoene Tage am Meer, besuche ich die ca 400 Jahre alten Kirchen in Old Goa und geniesse die guten Fische hier an der Westkueste Indiens.

Neujahrsanstoss mit Ayumu, dem Japaner in Goa, Indien
Franz von Assisi Kirche in Old Goa, Goa, Indien

Das Feuerwerk zu Sylvester am Strand war definitiv das wildeste das ich je erlebet habe. Die Raketen flogen Dir quasi links und rechts ueber den Kopf…:-)

IV. Karnataka

Hampi

Ich wollte immer schon einmal nach Hampi, einem bedeutenden Pilgerort im suedlichen Indien. Mein Freund Panagiotis aus Athen hat mir vor ca 10 Jahren als wir uns in Afrika kennenlernten davon vorgeschwaermt wie schoen es hier sei. Nun, ich muss sagen, es halt alles gehalten und statt zwei oder drei Tage blieb ich eine ganze Woche. So hatte ich Zeit viele kleine Wanderungen zu den abgelegenen Steintempeln durch Reisfelder und Bananenplantagen zu machen.

Hanuman Languren beherrschen den Pilgerort Hampi, Karnataka, Indien
Bildnis von Hanuman, dem „Affengott“, in Hampi, Karnataka, Indien
Steinerner Streitwagen im Vittala Tempel in Hampi, Karnataka, Indien

Greg, ein kanadischer Journalist und schon im Ruhestand, verbringt hier schon seit 15 Jahren die Winter und macht mich mit dem halben Dorf bekannt…

Bangalore

Die Hauptstadt des Bundestaates Karnataka ist als das Silicon Valley Indiens bekannt. Grosse internationale Firmen, selbst auch IBM, haben hier grosse Zentren. IBM beschaeftigt allein in Bangalore mehr als 100.000 Mitarbeiter… Geetha, die aus Bangalore kommt und derzeit bei der IBM in Bruenn/CZ arbeitet ist gerade zuhause bei Ihrer Familie und sie laedt mich ein zur Taufparty Ihrer kleinen Nichte zu kommen. Bei einem hervorragenden brunch lerne ich Ihre gesamte Familie und Freunde kennen, es war ein sehr schoenes Wiedersehen. Naechstes mal wieder in Wien oder eben Bruenn.

V. Kerala

Munnar

Munnar ist die naechste Station meiner Reise Richtung Sueden. Die kleine Stadt liegt auf ca 1.500 Meter und hat daher ein sehr angenehmes Klima. Die Briten haben das als damalige Kolonialherren auch erkannt und begannen mit Teeanbau, der auch heute noch betrieben wird.

Teepflueckerin in Munnar, Kerala, Indien

Es ist ueberall gruen hier soweit das Auge reicht. Nur derzeit ein wenig ueberlaufen von Tamilen, da im angrenzenden Bundesstaat Tamil Nadu gerade Neujahr gefeiert wird…

Kumily

Ich fahre daher weiter nach Kumily, das vor allem fuer seine Gewuerze bekannt ist und verbringe zwei schoene Tage inmitten von Natur pur. Speziell die Geraeusche in den Naechten wenn dann die vielen Tiere aktiv werden sind mir noch gut in Erinnerung. Im Periyar Nationalpark mache ich mit den Tamilen eine Bootsfahrt bei der wir unter anderem viele Vogelarten und Elefanten sehen koennen.

Allepey

Manchmal passiert es so… Du kommst wo an, hast nicht viel davon gehoert und doch merkst Du vom ersten Augenblick an, dass Dir dieser Ort gefaellt. Allepey war so einer und so wurden aus einer geplanten Nacht fuenf. Die kleine Stadt liegt an einem See und angrenzenden Wasserkanaelen, die hier auch unter backwaters bekannt sind. Im KTC Guesthouse quartiere ich mich fuer 800 Rupien die Nacht in einem wunderschoenen alten Zimmer mit Ventilator ein. Martin gibt mir viele Tips fuer die Stadt, u.a. die Bootsfahrten nach Kavalam und Pullinkoonu mit einem government Boot.

Fischer in den Wasserstrassen (backwaters) von Allepey, Kerala, Indien
Einheimischer in Kavalam, Kerala, Indien
Kingfischer in den Wasserstrassen von Allepey, Kerala, Indien

Vor allem die Bootsfahrt nach Kavallam, die schon um 6:30 morgens beginnt ist unsagbar schoen und ich mache sie gliech dreimal…:-) Das Boot gleitet durch die Kanaele wo immer wieder Einheimische zu- und aussteigen. Speziell am Morgen sind die verschiedensten Voegel wie der blaue Kingfischer, Kormorane, verschiedene Storch- und Reiherarten und viele mehr zu beobachten. Es ist mir als wuerde ich eine Universumserie ueber Voegel sehen…

Gebratener Pomfret (Seebrasse) mit Zitronenreis, ein Spezialitaet im Restaurant Thaff in Allepey, Kerala, Indien

Trivandrum

Mit einem weiteren government Boot geht es dann einen ganzen Tag weiter Richtung Sueden und Kollam von wo ich dann mit zwei Inderinnen aus Mumbai noch mit dem Nachtzug in Trivandrum, der Hauptstadt Keralas, ankomme. Am naechsten Morgen besuchen wir noch den Sree Padmanabhaswamy Tempel, der von aussen wunderschoen ausschaut. Weiter komme ich auch nicht da der Besuch fuer Nicht-Hindus untersagt ist.

Morgenbesuch im Sree Padmanabhaswamy Tempel, Trivandrum, Kerala, Indien

Tamil Nadu

Kanyakumari

Seit gestern befinde ich mich am suedlichsten Ende Indiens im Pilgerort Kanyakumari. An diesem Ort kannst Du Sonnenaufgang und -untergang ueber dem Meer erleben. Das wissen auch die Inder und sie kommen hierher in Massen.

Fischer bei der Morgenarbeit in Kanyakumari, Tamil Nadu, Indien

Ich werde morgen mit dem Nachtzug entlang der Ostkueste Indiens wieder Richtung Norden reisen und plane ca Ende Februar wieder in Nepal zu sein.

Fazit

Der Sueden Indiens ist komplett anders als der Norden. Sprache, Leute, Kultur, Essen und letztlich auch Denkweisen. Speziell Kerala hat es mir angetan mit Allepey, den Wasserstrassen und der wunderschoenen Natur und den Straenden. Auch ist es einer der wenigen Bundesstaaten in Indien wo mir die Inder nicht zu aufdringlich erscheinen und es sehr angenehm war zu bleiben.

Mount Everest

NEPAL 2019 – Teil 2

Kathmandu

Nach meiner Rueckkehr aus dem Langtang Gebiet hatte ich die eine Woche in Kathmandu hauptsaechlich mit verschiedenen Erledigungen und Treffen zu tun. Ich kaufe mir eine neue Tagestasche + Wasserflasche, verabschiede mich von verschiedenen Reisebekanntschaften, beantrage das Visum fuer Indien, checke nochmals die benoetigten permits fuer das Solukhumbu Gebiet beim National Tourist Board Office und besorge mir zwei Tage vor der Abfahrt aus Kathmandu auf der Chabahil Busstation das Busticket nach Salleri (1.100 Rupien) wo meine Wanderung losgehen soll. Am Tag vor der Abfahrt meldet sich noch Francis (ein Englaender, den ich vor 3 Jahren in Afghanistan kennenlernte) bei mir, dass er das Wochenende auch in Kathmandu sei und wir verbringen die letzten beiden Abende gemeinsam. Wir starten dann beide am gleichen Tag. Auch er will in das Everest Gebiet, er nimmt allerdings das Flugzeug nach Lukla und ist somit um einiges schneller als ich.

Solukhumbu

Die Busfahrt nach Salleri dauert ca. 14 Stunden und ziemlich geraedert verbringe ich die erste Nacht im Sunshine Hotel in Phaplu, oberhalb von Salleri. Es waren neben vielen Nepalis auch noch ein paar Russen im Bus, die ich spaeter am Weg noch ein paar mal treffen sollte. Der erste Tag bringt mich ueber den Taksindu Pass (ca 3.000m) nach Nunthala wo ich Ryan und seinen guide Rudra kennenlerne. Die beiden haben auch die 3 Paesse Wanderung vor. Entgegen meinem Vorhaben werden sie die 3 Paesse allerdings entgegen dem Uhrzeigersinn gehen. Wir tauschen noch Infos aus bevor wir uns dann beim Wandern aus den Augen verlieren. Die Strecke Richtung Namche Bazar rauf ist ziemlich ’nepali flat‘, wie hier gescherzt wird, also viel auf und ab und geht auch ziemlich in die Beine.

Weihnachtssterne am Weg nach Namche Bazar

Die Strasse Richtung Lukla wird auch schon fleissig gebaut, derzeit reicht sie schon bis Bupsa. In Chaurikharka schlafe ich bei Karsang Sherpa in seinem Stupa Homestay. Es gibt hervorragende Sherpa Stew Suppe (Shyakpa), Momos und Brennesselsuppe, mein Magen ist fast zu voll um gut schlafen zu koennen.

Momos, gefuellte Teigtaschen – der grosse Hit hier in Nepal

Via Monjo gelange ich dann nach Namche Bazar auf einer Hoehe von 3.400m. Im Nirvana Home lerne ich den 87-jaehrigen Kancha Sherpa kennen. Er ist der einzig noch lebende Sherpa, der 1953 bei Edmund Hillary’s und Tenzing Sherpa’s Erstbesteigung des Everest dabei war und es ist interessant zu hoeren wie er damals diese Zeit erlebt hat. Es sei sehr windig gewesen am Suedgipfel, er konnte sich kaum in der Kleidung bewegen und letzlich erhielt er fuer die Traegerdienste sein erstes Geld in seinem Leben, Muenzen mit denen er sich das erste mal was kaufen konnte.

Wenn ein Auslaender versucht Lebensmittel von ca. 110 kg zu bewegen… es ruehrte sich nix!

Zur besseren Akklimatisation verbringe ich drei Naechte in Namche und verbringe zweimal einige Zeit im Kloster von Kunde wo gerade eine puja (Gebete) stattfindet. Zumittag gibt es tsampa, das aus geroesteter Gerste hergestellt wird, und gesalzenen Buttertee. Beides vor allem in Tibet aber auch hier sehr beliebt.

Tsampa, ein tibetisches Gericht aus geroesteter Gerste, und tibetisches Brot mit Yakkaese. Es schmeckt hervorragend und gibt Kraft.
Mit Moenchen vor dem Kloster in Kunde.

Am Dienstag, 19.11. mache ich mich dann endgueltig auf zur 3 Paesse Wanderung im Uhrzeigersinn und erreiche nach einigen Stunden Thame, den ersten Halt. Der Nachmittag ist wolkig und gemeinsam mit 3 Franzosen sehe ich in der Naehe des Klosters das erste mal den nepalesischen Nationalvogel, danfe (oder auch himalayischer Glanzfasan) genannt.

Am Weg zum Renjo La

Gemeinsam mit Rene, Georges und Didier erreiche ich zwei Tage spaeter von Lungden den Renjo La (Renjo Pass), mit ca. 5.400m der erste der drei Paesse. Um ca. 10:30 empfaengt uns Kaiserwetter am Pass, die Himalayakette mit Nuptse, Lhotse, Everest, Makalu und vielen anderen Bergriesen liegt vor uns und wir koennen uns daran kaum sattsehen. Da es Didier mit der Hoehe nicht sehr gut geht gehen die 3 Franzosen schon fruehzeitig nach Gokyo runter. Ich bleibe noch bis ca. 14h oben und bin dann gemeinsam mit einem Schotten der letzte der den Pass verlaesst.

Panorama vom Renjo La mit Nuptse, Lhotse, Everest, Makalu und Konsorten…
Am Renjo La, im Hintergrund Mt. Everest, Lhotse, Nuptse, etc und der Gokyo See.

In Gokyo finde ich in der Cho Oyu View Lodge eine sehr gute und warme Unterkunft. Hier lerne ich Juergen, einen Deutschen kennen mit dem ich gemeinsam auf den Gokyo Ri (5.357m) gehe. Wir geniessen den traumhaften Sonnenuntergang und mit der Stirnlampe gelangen wir wieder in unser Quartier zurueck. Ich widme diesen Tag und diesen Sonnenuntergang meiner Mutter, die heute Ihren 80. Geburtstag feiert. Wir hatten im Sommer schon bei einer Bergtour in Oesterreich vorgefeiert.

Mit Juergen, einem Deutschen aus dem Schwarzwald, am Weg zum Gokyo Ri (5.357m).
Mount Everest im Abendlicht, gesehen vom Gokyo Ri. Mit 8.848m ist er der hoechste Berg der Erde.

Auf eine Seehoehe von ca. 4.700 Metern ist nicht wirklich an guten Schlaf zu denken und da in der Unterkunft alle am Husten sind (hier bekannt als „Khumbu cough“) erwischt es mich dann schliesslich auch hier und ich huste munter mit der Menge mit. Ich verbringe insgesamt vier Naechte hier, umrunde den heilige Gokyo See und gehe auch zum vierten und fuenften See, von wo man einen wunderschoenen Blick auch auf den Cho Oyu, mit 8.188m der sechsthoechste Berg, hat.

Blick auf den Cho Oyu, mit 8.188m der sechsthoechste Berg der Erde.
Tibetisches Schneehuhn in der Gegend von Gokyo.

Auch Ryan und Rudra nisten sich hier ein und schliesslich gehe ich gemeinsam mit 3 Indern (Venkat, Shavran und Naga) den zweiten Pass an. Der Cho La, wie er heisst, ist technisch ein wenig schwieriger zu gehen als der Renjo La, ein paar Eispassagen, aber letztlich kommt er mir nicht mehr ganz so anstrengend vor wie der erste Pass. Wohl auch aufgrund dessen dass wir schon laenger in dieser Hoehe heroben sind. Naga, der in den Naehe von Brisbane lebt, ist mit Ang, einem guide unterwegs und hat so seine Probleme. Ang uebernimmt seinen Rucksack und so schafft es halt so gerade drueber… die beiden anderen Inder wieselflink.

Mit drei Indern (Venkat, Shavran und Naga) am Cho La (5.420m).

In Dzongla quartieren wir und im Mountain Home ein wo mit Yakshit geheizt und wieder halbwegs viel gehustet wird. Am naechsten Morgen bin ich frueher aus den Federn und verlasse die drei mit Verabredung uns spaeter wieder zu treffen. In Gorakshep auf ueber 5.100m ist es saukalt, mein Wasser friert mir uebernacht in der Wasserflasche ein und in der Buddha Lodge wird auch kaum geheizt. Irgendwie ein Platz den man gerne wieder verlaesst…:-) Bevor ich das tue besteige ich allerding noch an einem Nachmittag den Kala Patthar (5.545m) um nochmals den Sonnenuntergang auf Everest & Co zu geniessen, es ist allerdings extrem windig.

Blick vom Kala Patthar (5.545m) auf Mt Everest, Lhotse und Nuptse.

Am naechsten morgen besuche ich noch das Everest Base Camp (EBC) von wo im Fruehjahr die Expeditionen starten und gehe dann wieder runter nach Lobuche wo ich mich in der EBC Lodge einquartiere. Tashi und Pemba Sherpa sprechen beide sehr gut Deutsch und Pemba macht mir einen hervorragenden Kaiserschmarren, ein Gedicht hier. Da sie immer wieder die Winter in Wien verbringen vereinbaren wir uns dort auch einmal zu treffen. Am naechsten Morgen erklaert mir Tashi noch kurz den Weg rauf zum Kongma La, dem dritten der 3 Paesse und mit ueber 5.500m auch der hoechste. Da diesen Pass eigentlich kaum jemand in dieser Richtung geht findet sich auch heute niemand und so starte ich alleine. Nach ca. 4 Stunden erreiche ich die Passhoehe wo mich Slava, ein Russe aus der Naehe von Moskau, mit einer heissen Tasse Tee empfaengt, eine Wohltat.

Am Kongma La (5.528m), dem dritten der 3 Paesse.

Er ist in der Gegenrichtung unterwegs, wir plauschen ein wenig bevor wir beide auf der anderen Seite wieder ins Tal gehen. In Chuckhung angekommen staerke ich mich am Abend bei Dal Bhat und viel Tee. Am naechsten Morgen geniese ich die traumhaft schoene Landschaft Richtung Pangboche, den Ama Dablam zur Linken, den heiligen Berg Taboche und den Cholatse zur Rechten, traumhafte Bergkulisse. In Pangboche befindet sich das aelteste Kloster in der Khumbu Region, es wird wieder viel gebetet. In der Gomba Lodge flickt mir der Grossvater meine Goretext Jacke und meinen Schlafsack. Er ist ein wandernder Schneider, der auch mit seiner tragbaren Naehmaschine mal ins Nachbardorf geht um dort nach dem Rechten zu schauen. Einen zusaetzlichen Tag nutze ich um in das Ama Dablam Basecamp hinaufzugehen, hier ist man diesem wunderschoenen Berg sehr nahe. Auch um diese Jahreszeit befinden sich noch zwei Expeditionsteams hier in Ihren Zelten um auf das Gipfelglueck zu hoffen.

Ama Dablam (6.812m), in der Naehe des Basecamps.

Dann geht es ziemlich rasch bergab und innerhalb einem Tag erreiche ich dann wieder Namche Bazar (3.400m) von wo ich die Tour gestartet habe. Da das Nirvana schon zu hat quartiere ich mich diesmal im Norling Guesthouse ein und verbringe einen Rasttag hier. Die letzten beiden Wochen da oben waren dann doch ziemlich kraefteraubend und so ist es dann wieder einmal gut einen Tag keinen Rucksack tragen zu muessen. Dann gehts relativ schnell wieder runter nach Chaurikharka wo ich wieder bei Karsang schlafe. Einen Tag spaeter komme ich nach Bupsa, von wo es am naechsten Tag einen Jeep nach Phaplu gibt. Im Jeep treffe ich Andre, einen Schweizer Arzt, der hier in Kharikhola fuer eine NGO arbeitet.

Andre verabreicht Sher eine seiner Medizinen gegen den Khumbu Husten, in Phaplu.

Gemeinsam fahren wir dann auch am naechsten Tag mit seinem Gefolge im Jeep nach Kathmandu. Nach knapp 4 Wochen also wieder einmal Stadtleben und ich werde die naechsten Tage damit verbringen wieder ein wenig Kraft zu tanken und meine weitere Reise zu planen.

Fazit: Traumhaft schoene Bergtour, relativ anspruchsvoll, bestes Wetter und um diese Jahreszeit auch nicht mehr so ueberlaufen wie im Oktober und Beginn November.

NEPAL 2019 – Teil 1

Anreise

07.11.2019: Vor ca. 3 Jahren war ich waehrend meiner Asienreise auch fuer 1 Monat in Nepal und dachte mir: Fuer dieses Land brauchst Du einfach mehr Zeit und ich werde wieder kommen. Es gibt hier soviele Berge, Berge und nochmals Berge – der Himalaya eben. Jetzt war also die Zeit gekommen. Wie immer gibt es noch viel zuhause zu erledigen bevor die Reise beginnen kann. Am 08.10.2019 ist es dann soweit und ich fliege mit der Quatar Airways von Wien via Doha nach Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. Am Flughafen in Wien lerne ich Laura, eine junge Deutsche, kennen, die gerade mit Ihrem Studium an der BOKU in Wien fertig wurde und 2 Monate in Nepal verbringen wird. In Kathmandu angekommen besuchen wir die Swayambunath Stupa (Monkey Temple) und geniessen das angenehme Leben im touristischen Viertel Thamel. Waehrend ich mich fuer meine erste Trekkingtour in das Langtang Gebiet vorbereite faehrt Laura in den Chitwan NP wo sie als volunteer arbeitet. Gamba, den ich im Maya Home kennenlernte, gibt mir noch einige gute Tips fuer meine Trekkingtour im Langtang Gebiet.

Tamang Heritage Trail

Mit einem Bus gelange ich schliesslich von Kathmandu innerhalb 8 bis 9 Stunden nach Syabru Besi, dem Ausgangspunkt meiner Trekkingtour. Gamba empfahl mir im alten Teil von Syabru Besi das View Point Resort und ich verbringe gleich zwei Naechte dort. Binita, die Eigentuemerin, bringt mich mit viel Tee wieder auf Vordermann und am naechsten Tag gehe ich am vormittag nach Chilime rauf. Es ist ein recht unspektakulaeres Dorf und ich mache einen Tagesmarsch nach Gatlang rauf. Ueberall wird Hirse, Gerste und andere Getreidesorten geerntet, die die Nepali auf kleinsten Terassen anbauen. In Tatobani uebernachte ich bei einer tibetischen Exilfamilie in einfachsten Verhaeltnissen. Es ist Tradition am Abend um den Ofen in der Kueche zu sitzen. Ein Einheimischer klagt an diesem Abend dass er bei der Strassenarbeit Schmutz in das rechte Auge bekam und so holte ich meine in Kathmandu besorgten Augentropfen. Schliesslich gebe ich ihm die Tropfen, dafuer musste ich den ganzen Abend Tschang (das lokale Bier, das meist aus Hirse oder Reis gemacht wird) mit Ihnen trinken. Wiederum geschwaecht gehe ich spaet abends ins Bett. Ngawang, die Tochter des Hauses, zeigt mich im Dorf herum und empfiehlt mir noch eine Unterkunft in Sherpa Gaun.

Mit Ngawang und Ihrer Familie vor Ihrem Zuhause in Tatobani, Tamang Heritage Trail. Von links nach rechts: Yangzom (Mutter), Ngawang, meine Wenigkeit, Norbu Tsering (Vater) und Dechen (juengere Schwester)

Dann heisst es Abschied nehmen von dieser herzlichen Familie und innerhalb einiger Stunden gelange ich nach Nagthali, das bereits auf ueber 3.000 Meter liegt. Hier wird gerade mit Holzpfluegen Kartoffel gegraben. Von einem auf ueber 3.600 Meter hohen Aussichtspunkt sieht man traumhaft schoen in das tibetische Hochland hinein. Da am naechsten Tag dann das Wetter schlecht wird beschliesse ich spontan via Thuman noch nach Timure zu gehen. Ziemlich geschlaucht erreiche ich erst bei Finsternis diesen eher schaebigen Grenzort zw Nepal und Tibet. Auch dunkle Gestalten versuchen mir noch ein Quartier anzudrehen, das ich jedoch gerne ablehne und mir selber eines suche. Am naechsten Morgen sage ich noch kurz „Nihau“ (Hallo) an der Grenze bevor ich noch am selben Tag via Ling Ling nach Briddim gehe. Im Smile Home Stay bekomme ich gute Shyakpa, eine Sherpa Suppe und ich fuehle mich wieder gestaerkt. Am naechsten Tag treffe ich in Sherpa Gaun Ang Lakpa, der das Trekkers Guest House hier fuehrt. Er erzaehlt mir von einem Zwischenfall mit einem Suedkoreaner und einem Hollaender auf diesem Trail sodass ich froh bin heil durchgekommen zu sein. Es ist auch angedacht diesen Trail in naher Zukunft zu schliessen. So erklaert sich fuer mich jetzt auch im Nachhinein die Polizeikontrolle in Thuman…

Langtang Tal

Innerhalb von zwei Tagen steige ich dann von Sherpa Gaun nach Kyanjin Gompa auf, das bereit auf ueber 3.700 Meter liegt. Im Trekker Home lerne ich Tindi Sherpa, den Koch, kennen. Wir freunden uns an und er gibt mir einige gute Tips fuer Tagesmaersche von hier aus. Am ersten Tag starte ich gleich um 6h frueh auf den nahegelegenen Tserko Ri (4.984m), den ich bereits vor 12 Jahren schon einmal bestiegen habe.

Am Gipfel de Tserko Ri (4.984m)

Die Aussicht von da oben ist grandios und reicht vom Langtang Himal (Gebirge), dem Yala Gipfel (5.500m) und dem Ganja La Pass, ueber dem man von hier aus auch wieder zurueck nach Kathmandu kommen kann. Mit Einheimischen gehe ich ueber die Rueckseite des Tserko Ri’s wieder zurueck nach Kyanjin Gompa. Am naechsten Tag gehe ich es ruhiger an, ich gehe zum Langtang Gletscher.

Langtang Lirung (7.227m) mit seinen zwei Gletschern in der Naehe von Kyanjin Gompa.

Danach bringt mir Tindi ein wenig Nepali bei und ich lese ein wenig im 1954 erschienenen Buch „Cho Oyu – Gnade der Goetter“ von Herbert Tichy. Ich hatte es von zuhause mitgebracht. Beim Abstieg schlafe ich eine Nacht im Riverside und am naechsten Morgen treffe ich am Weg nach Thulo Shybru wieder die vierkoepfige deutsche Gruppe, die ich bereits beim Aufstieg ins Langtang Tal kennenlernte. Arne mit seiner Frau Anita, Katja und Bettina. Wir sollten uns spaeter und auch dann nochmals in KTM treffen. Gokarna, ihr guide, gibt mir gute Tips welche Touren seit kurzem auch ohne guide moeglich sind, zB, Kanchenjunga, Mustang, etc…

Gosaikunda & Helambu

In Thulo Shybru quartiere ich mich im Nepal View Hotel ein. Die Kueche ist hier in Nepal uebrigens traumhaft gut, Momos, Shyakpa, Dal Bhaat (Power 23 hours, half an hour toilet, half an hour shower…:-) – der Spruch stammt von Gokarna), Tsampa, etc… Am naechsten Morgen wird der letzte Tag des Tihar (Fest der Lichter) gefeiert, an dem die Toechter den maennlichen Familienmitgliedern eine tika, ein Segenszeichen im Hinduismus, auf die Stirn malen und sonst auch noch mit Blumen schmuecken. Auch ich werde Teil der Zeremonie und Reeta, die Tochter des Hotels, malt mir eine tika mit sieben verschiedenen Farben auf die Stirn. Die sieben verschiedenen Farben symbolisieren die sieben verschiedenen chakra, also die sieben verschiedenen Zentren spiritueller Kraft im menschlichen Koerper. Reeta hat einmal ein Jahr in D gearbeitet und ich werde sie heute Abend uebrigens wieder zum Essen in KTM treffen.

Tihar Fest, Fest der Lichter, in Thulo Shybru

Nach dieser Zeremonie gehts dann steil hinauf durch wunderschoenen, tropischen Maerchenwald nach Sing Gompa wo ich mit der dt Gruppe in der gleichen Unterkunft schlafe. Gokarna und Arne machen mir hier den Kantsch (Kanchenjunga) schmackhaft, wer weiss vielleicht wird’s ja was im naechsten Maerz. Fruehmorgen um 06:30 starte ich dann alleine noch zum heiligen See Gosaikunda (4.380m), den ich um die Mittagszeit erreiche. Zuerst umrunde ich ihn in der falschen Richtung (Umrundung immer im Uhrzeigersinn), dann trete ich auch noch einen Stein los, der Gott sei Dank niemanden erwischt. Der See scheint irgendwie was zu haben. Am Abend verabschiede ich mich vorerst einmal wieder von der dt Gruppe da ich noch eine zweite Nacht hierbleibe und sie weitergehen. Ich hatte vom Suriya Gipfel (5.145m) gehoert, und um ca 7h morgens starte ich alleine zum Aufstieg. Die Steinmaennchen sind die einzige Orientierungshilfe und ich schaffe es via der Rueckseite des Berges bis zum Fusse des Gipfels. Dort treffe ich Franzosen mit Ihrem guide und wir gehen die letzten paar hundert Meter gemeinsam zum Gipfel. Traumhaft schoener Blick auf den Manaslu (8.163m, achthoechster Berg der Erde), Annapurna II, Machapuchare (Fishtail), etc.

Blick vom Suriya Gipfel (5.145m) auf den Himalaya. Ganz rechts der Manaslu, mit 8.163m der achthoechste Berg der Erde.

Erinnerungen und ein wenig Wehmut kamen auf an meine Manaslu Umrundung vor ca 3 Jahren. Beim Abstieg lasse ich dann noch irgendwo meine kleine Tagestasche mit der Trinkflasche liegen und ziemlich entkraeftet (und dehydriert) komme ich wieder am Abend in der Unterkunft an.

Am Gipfel des Suriya Peaks (5.145m).

Am naechsten Morgen war ich wieder aufgetankt (mit viel Tee und Wasser…:-)) und bevor ich weitergehe umrunde ich den heiligen See nochmals in seiner ganzen Laenge (und diesmal in der richtigen Richtung!) sodass ich doch noch Frieden mit ihm finde. Danach geht’s relativ schnell via Helambu und mehreren Ortschaften wie Phede, Ghopte, Kutumsang und Chisapani zurueck nach Sundarijal. Von hier war es mit einem Bus nur mehr ca 2 Stunden und ich war wieder in der Hauptstadt Kathmandu. Hier habe ich mir wieder eine neue Tasche und Trinkflasche besorgt, das indische Visum beantragt, permits beantragt, etc… Ich werde hier noch ein paar Tage rasten bevor es zu meiner naechsten Wanderung aufgeht. Mehr dazu im naechsten Bericht.

Fotofestival Gesäuse 2019

Ich wurde eingeladen im Rahmen des Fotofestivals Gesäuse 2019 einen Kurzvortrag über meine zweijährige Asienreise zu halten.

Wann: Sa, 29. Juni 2019
Beginn: 20:00
Wo: Stiftskeller Admont, Stmk

Nähere Infos zu den 7 Kurzvorträgen und zum weiteren Rahmenprogramm mit einem anschliessenden Konzert an diesem Abend findet Ihr unter

http://www.fotofestival-gesaeuse.at

Für mich ist das absolutes Neuland und bin schon auf diesen Abend gespannt.

Ich freue mich auf Euer Kommen und bitte verbreitet die freudige Kunde fleissig weiter.

Fotofestival Gesäuse 2019