TÜRKEI – Teil 6 (Silifke – Mersin – Tarsus – Adana – Iskenderun – Antakya)

14.11. Ruhetag in Silifke! Schon bei der Ankunft hier in dieser Stadt unweit der südtürkischen Küste sind mir die ersten Palmen und ‚Ohrwaschlkakteen‘ aufgefallen. Und vor allem ist es hier an der Küste wieder um ca. 5 bis 10 Grad wärmer als im anatolischen Hochland. Wieder ein Stück näher dem Nahen Osten gekommen.

Heute frühstücke ich gemütlich und schreibe wieder einmal meinen Bericht im Hotelzimmer. Erst gegen Mittag werde ich wieder aktiv und gehe zur Heiligen Thekla Kirche, eine unterirdische Höhlenkirche aus dem 4. Jahrhundert n. Chr.

Im Inneren der unterirdischen Höhlenkirche der Heiligen Thekla aus dem 4. Jahrhundert n. Chr.
Byzantinische Zisternen in der Nähe der Heiligen Thekla Kirche

Der Legende nach verbrachte die heilige Thekla, ursprünglich eine vornehme Jungfrau aus Ikonion, nach ihrer Bekehrung durch den Apostel Paulus und längeren Verfolgungen im 1. Jahrhundert n. Chr. hier in einer Höhle ihren Lebensabend und ist hier auch begraben.

Im Anschluss daran stärke ich mich in der Stadt mit einem Tavuk Tantuni (gefülltes Fladenbrot mit klein zerhacktem Hühner Fleisch) und Wasser. Dann überredet mich der Besitzer dieses Lokals doch auf die Burg zu gehen. Sie sei zwar geschlossen wegen Renovierungsarbeiten aber die Aussicht sei grandios.

Aufstieg zur Festung von Silifke

Recht hat er gehabt und als ich nach einer Umrundung der Burg wieder in die Stadt hinunter gehen wollte, lerne ich zwei Türken kennen. Einer hat 15 Jahre in Krefeld gearbeitet, spricht gut Deutsch und sie bieten mir spontan ein Efes Bier an. So unterhalten wir uns recht lange am Burgberg und verbringen einen schönen gemütlichen Nachmittag da oben.

Blick auf Silifke von der Festung

Dann verabschiede ich mich und gehe wieder zurück in die Stadt. Entlang dem Atatürk Bulvari, der Hauptstraße der Stadt, komme ich gegen Abend wieder in das Hotel zurück. In der Zwischenzeit ist auch meine Wäsche wieder fertig und ich esse am Abend noch eine Mercimek Suppe bevor ich mich in mein Zimmer begebe.

15.11. Nach dem Frühstück verlasse ich so gegen 8h das Hotel und gehe vorerst einmal wieder vorbei an der Ayatekla Kirche Richtung Küste. Ich durchquere das Göksu Delta und lege letztlich nach ca. 20 km eine Mittagspause ein. Entlang der Küste und einer Schnellstraße erreiche ich so gegen 18h die Ortschaft Kizkalesi wo ich mich im Hotel Peyda um 300 TL (exkl. Frühstück) einquartiere.

Nach mehr als 6 Wochen wieder am Meer – hier das Jungfrauenschloss vor der Ortschaft Kizkalesi

Morgen geht es weiter Richtung Mersin und der Provinz Hatay.

16.11. Zum Frühstück gibt es heute das erste Mal Menemen, eine Art türkische Eierspeise mit Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Es geht heute weiter entlang der Küste mit vielen Hochhäusern und leerstehenden Hotelanlagen und ich erreiche gegen Abend nach ca. 35 km Arpacbahsis wo ich im VM Resort Unterschlupf finde. Am Abend esse ich noch eine gute Käsepide und beobachte beim anschließenden cay einige Türken beim Kartenspiel mit ungewohnt viel Geld. Auch hier gibt es eben richtige Zocker.

17.11. Nach ca. 20 km erreiche ich heute gegen Nachmittag die ersten Vororte von Mersin. Die Straßen sind gesäumt von Palmen und Kakteen, südländisches Flair.

In den Vororten von Mersin
Lateinisch-katholische Sankt Antonius Kirche – eine der letzten noch existierenden Kirchen in Mersin

Im Hotel Mersin macht mir ein Hotelangestellter einen guten Preis und so erfreue ich mich an diesem wunderschönen Haus und Ort. Am Abend esse ich noch Et (Fleisch) Tantunis, für die ja Mersin bekannt ist bevor ich mich zur Ruhe begebe.

18.11. Ich lege heute einen Ruhetag ein, da sich bereits einige administrative Sachen angehäuft haben. Auch meine Socken hatten den Geist aufgegeben und in einem Décathlon kaufe ich mir zwei neue Paare. Leider bestätigt sich auch hier, dass der Schiffsweg nach Israel via Zypern nicht machbar ist. Man kommt zwar von hier nach Zypern aber von dort mit dem Schiff nicht mehr weiter nach Israel. Isreal hat nachwievor aufgrund der Pandemie jeglichen Schiffsverkehr für Personen eingestellt.

Sonnenaufgang über dem Hafen von Mersin

Auch habe ich auf Frieden in Syrien gehofft, allerdings vergeblich. Die Grenzen zwischen Türkei und Syrien sind geschlossen, es gibt keine Visa, etc… So bleibt mir nur der Luftweg und ich kaufe heute einen Flug von Antakya in der türkischen Provinz Hatay in die jordanische Hauptstadt Amman. Von dort werde ich dann weiter wandern nach Israel und Jerusalem.

19.11. Nachdem es mir sehr gut gefällt hier in Mersin und im Mersin Hotel habe ich spontan beschlossen noch einen weiteren Tag zu verbringen.

Blick auf Mersin – vom Frühstücksraum im 10. Stock im Hotel Mersin

Am Vormittag besuche ich den Hafen wo mir nochmals bestätigt wird, dass Passagiere von hier nicht mit dem Schiff nach Israel reisen können. Sonst sehr mondän dieser Hafen und es herrscht reger Betrieb mit dem Be- und Entladen von Containern, etc.

Reger Betrieb im Hafen von Mersin

Zumittag telefoniere ich wieder einmal mit Günter, es gibt einiges zu besprechen. Dann besuche ich das Atatürk Haus, in dem Mustafa Kemal Atatürk 1923 für kurze Zeit hier mit seiner Frau gelebt hat. Im Anschluss daran verbringe ich noch einige Zeit in der Mugdat Moschee, der größten Moschee in Mersin.

Mugdat Moschee, die größte Moschee in Mersin

Am Abend gehe ich dann entlang der Küste und Promenade wieder zurück ins Hotel. Die Einheimischen verbringen hier gerne die Abendstunden, treffen sich mit Freunden und genießen den Sonnenuntergang über dem Meer.

Fischer versuchen ihr Glück – an der Strandpromenade von Mersin

20.11. Ich genieße noch ein letztes Mal das hervorragende Frühstück und die tolle Aussicht vom 10. Stock im Hotel Mersin bevor ich mich so um 7:30 in Richtung Tarsus aufmache. Es warten wieder einmal mehr als 30 km auf mich, sodass ich relativ wenige Pausen einlege und gegen Abend die Stadt Tarsus erreiche. Es ist die Stadt, in der Apostel Paulus geboren wurde. Er brachte die Predigten und Lehren Jesu in die heidnische römische Welt. Paulus versuchte, das Christentum außerhalb der jüdischen Länder zu verbreiten , und als Ergebnis dieser Bemühungen sorgte er für die Christianisierung des heutigen Europas. Ich finde im Burhanoglu Konagi Hotel eine sehr gute Unterkunft und schaue mir am Abend das Fußball WM Eröffnungsspiel Katar vs Ecuador (0:2) an.

Ich liebe diese Hosen… Hier vor der Eski Moschee in Tarsus

21.11. Am Vormittag besuche ich einige Sehenswürdigkeiten in der Stadt wie die Pauluskirche, das Kleopatra-Tor und einige Moscheen.

Pauluskirche in Tarsus
Kleopatra’s Tor – hier traf die ägyptische Königin Kleopatra ihren Geliebten, den römischen General Antonius… 🙂

Kurz vor 12h hole ich dann meinen Rucksack vom Hotel und gehe am Nachmittag noch ca. 15km bis in die Ortschaft Yenice. Dort angekommen sagt man mir, dass es keine Unterkunft gebe und ich stelle mich schon auf eine Nacht im Zelt ein. Als ich dann noch ein Tantuni esse meint der Besitzer, dass ich ruhig auch in der Moschee schlafen könne. Gesagt, getan und ich verbringe eine ruhige Nacht im Freien vor der Moschee.

22.11. Um ca. 5:45 weckt mich der Gebetsruf des Muezzins und während ich meine Isomatte zusammenrolle kommen auch schon die ersten Männer zum Gebet in ihre Moschee. Noch im Finsteren gehe ich wieder zurück ins Ortszentrum und finde eine Bäckerei, wo ich Tee und gutes Fladenbrot direkt vom Backofen bekomme.

Bäcker in Yenice

Zwei, drei Stunden später werde ich in einer Ortschaft noch einmal von einem Teestubenbesitzer zum Frühstück eingeladen, es gibt Eierspeise mit Wurst, Brot und Tee. Ich nähere mich nun schon der Millionenstadt Adana. Ich mag es in solche Großstädte zu gehen. Zuerst kommen immer die Industrieviertel, dann die Vororte, dann ältere Häuser und letztlich im Zentrum die Sehenswürdigkeiten. Es ist schon etwas anderes in einer Stadt zu Fuß anzukommen als mit einem Fahrzeug. In der Stadt selber mache ich noch einmal Rast in einer der vielen Teestuben und werde vom kurdischen Besitzer auf einen Tee und Kaffee eingeladen. Letztlich setzen sich auch noch zwei Syrer aus Aleppo zu uns, die seit Ausbruch des Bürgerkrieges hier leben und arbeiten. Da ich hier zwei Nächte bleiben werde, suche ich mir im Zentrum eine Unterkunft (Saydam Hotel) und verbringe einen ruhigen Abend.

23.11. Heute war wieder einmal Ruhetag bei mir angesagt. Ausserdem kommt man ja nicht jede Tage in eine 2 Millionen Einwohnerstadt, es gibt einige Sehenswürdigkeiten hier. Ich frühstücke lange und erkundige im Anschluss ein wenig die Stadt.

Getrocknete Auberginen – in den Straßen von Adana

Es gibt hier die St. Paulus Kirche, die jedoch am Vormittag geschlossen ist. Später soll ich wieder kommen, sagt mir ein freundlicher Polizeibeamter. Ich besuche dann die Adana Ulu Cami, auch Große Moschee, genannt, die mir sehr gut gefällt. Vor allem auch der Aussenbereich mit Sitzmöglichkeiten und cay😀

Im Garten der Großen Moschee lässt es sich gut Tee schlürfen

Dann gehe ich zur Tasköprü Brücke, eine Brücke am Fluss Seyhan im Stadtzentrum von Adana. Die Brücke gilt als Symbol von Adana und stammt aus der Römerzeit. Darüber hinaus ist Taşköprü eine der ältesten noch genutzten Brücken der Welt.

Tasköprü Brücke – eine Brücke aus der Römerzeit und Symbol von Adana

Entlang des Flusses Seyhan gelange ich dann zur zweitgrößten Moschee des Landes, sie wirkt mit ihrer Größe fast ein wenig bedrohlich auf mich.

Tasköprü Brücke mit der dahinter liegenden Sabanci Zentralmoschee

Das Innere ist dann wunderschön und als ich so die Moschee am Boden sitzend von innen betrachte ruft mich meine Mutter an. Sie ist mir wieder einmal zuvor gekommen, sie hat ja heute Geburtstag! Gratulation!

Im Inneren der Sabanci Zentral Moschee – zweitgrößte Moschee des Landes

Zumittag probiere ich fast obligatorisch einen Adana Kebab, der tatsächlich seinem Ruf gerecht wird. Er wird hier mit pürierten Tomaten serviert, sehr köstlich! Auf dem Rückweg zum Hotel probiere ich es dann noch einmal mit der St. Paulus Kirche und tatsächlich hat sie nun offen. Sie wurde von den Armeniern erbaut und genützt bevor die Kirche 1915 nach deren Vertreibung in den anatolischen Besitz kam.

Im Inneren der St. Paulus Kirche

Den Nachmittag und Abend verbringe ich dann entlang der Tasköprü Brücke und bei der Großen Moschee. Ich trinke hier zwei cays, beobachte das Treiben auf der Straße und esse letztlich von einem vorbeifahrenden Simitverkäufer zwei Simits zum Abendessen.

Im Park der Großen Moschee

Es sind jetzt noch ca. 200 km bis Antakya, dem Endpunkt meiner Wanderung durch die Türkei. Dann geht es mit dem Flieger nach Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Inshallah!

24.11. Es sind jetzt noch ca. 200 km bis nach Antakya, in ca. 1 Woche rechne ich dort anzukommen. So verlasse ich Adana über die Tasköprü Brücke Richtung Osten und werde zumittag von einer Frau zum Kaffee einladen. Ich lerne dabei auch ihre Söhne und ihre Familie kennen.

Einladung zum Turkish cahve

In einem Lebensmittelladen kaufe ich mir wenig später eine Cola und Kekse und die Familie des Ladens gesellt sich schnell um mich. Es gibt auch noch Mandarinen, Äpfel und Tee. Jeder bekommt von jedem etwas ab.

Mittagspause am Weg nach Yakapinar
Hidir, ein 72-jähriger Türke, lässt sich die Mandarine schmecken

Für heute war später am Tag Regen angesagt und nachdem ich wieder einmal nicht weiß wo ich nächtigen werde, mache ich mich auf den Weg nach Yakapinar. Ca. 10km vor der Ortschaft erwischt mich die erste Front mit starkem Wind und Regen, auch Blitz und Donner gesellen sich dazu. Es geht dann doch immer recht schnell. Gewappnet mit Regenjacke und sexy Müllsack setze ich mutig meinen Weg fort und es ließ Gott sei Dank bald wieder nach.

Wenn es dich wieder einmal so richtig erwischt – zu beachten mein sexy Regenschutz

Als meine Kleidung wieder fast trocken war kam die zweite, noch stärkere Front mit denselben Zutaten, es wurde auch bereits etwas finster. Gemein irgendwie, denke ich mir nur… 🙂 Als ich dann bei Dunkelheit und waschelnass die Straße kurz vor Yakapinar erreiche, sehe ich ein Haus mit Licht. Durch das Fenster erkenne ich zwei Frauen, die gerade am Boden sitzend Abendessen und ich klopfe beim Fenster an. Irgendwas wird schon passieren… Die Frau kommt heraus und zeigt mir ein Häuschen in der Nähe wo ich hingehen und beim Fenster anklopfen solle. Auch dort klopfe ich an und zwei junge Türken wundern sich sichtlich über diesen nächtlichen Besuch. Sie geben mir Tee und ich wechsle meine Kleidung. Bald kommt auch Hací, der Besitzer dazu und er ist sofort damit einverstanden, dass ich hier bleiben kann. Es ist seine Arbeitsstätte hier an der Straße wo auf einer Waage die LKWs abgewogen werden. Und es gibt einen kleinen Raum mit zwei Betten.

V.l.n.r.: Hací, Yusuf, Ismail und ich bei bester Laune, und cay natürlich

Ich verbringe den Abend in der Nähe des Heizstrahlers, wir essen gelieferten Kebab und schließlich gibt es auch noch heisses Wasser mit einem kleinen Kübelchen, welch Genuss. Es regnet die gesamte Nacht durch!

25.11. Ich liege derzeit noch im Bett auf dieser LKW Abwiegestation und es regnet hübsch weiter. Übrigens: Die Waage zeigte gestern bei mir angeblich 71kg an. Ich kann das nicht glauben und werde das heute noch einmal verifizieren. Der Heizstrahler hat übrigens über Nacht seinen Job gut gemacht und meine Kleidung ist auch wieder trocken.

Der Heizstrahler ließ meine Sachen wieder schön trocken werden

Allerdings sagt der Wetterbericht heute noch keine Besserung, es soll heute den ganzen Tag durchregnen. Erst morgen ist Besserung angesagt. Sobald Hací kommt werde ich ihn fragen ob ich noch eine Nacht bleiben kann, das Gehen macht keinen Sinn bei dem Sauwetter!!!

Regenwetter in Yakapinar

Für Hací alles kein Problem, er hat es geahnt, dass ich noch bleiben möchte. Wir frühstücken gemeinsam Brot, selbstgemachten Käse und Honig und verbringen den Tag mit seinen kurdischen Freunden auf der LKW Ladestation. Zumittag kommt auch Haci’s Lebensgefährtin vorbei, die mich gestern hierher geschickt hat.

V.l.n.r.: Hací, ein kurdischer Freund, meine Wenigkeit und Haci’s Lebensgefährtin

Schließlich werde ich von Hací höchstpersönlich auf der LKW Waage abgewogen. Ich habe nach wie vor mein Gewicht von 80 kg und ich bin beruhigt… 🙂

Die LKW Waage bestätigt mein normales Gewicht – 80 kg!

Es hat in der Zwischenzeit aufgehört zu regnen, morgen geht es wieder weiter!

Den Abend verbringen wir mit Yusuf, einem weiteren Kurden und Housan, der Hací bei der Arbeit hilft.

26.11. Bereits um 6h morgens kommen heute die ersten LKWs zu Haci’s Abwiegestation. Laut Hací haben sich gestern die LKW Fahrer ausgeschlafen, heute wird wieder gearbeitet und gefahren. Wir frühstücken noch einmal gemeinsam bevor ich mich von ihm verabschiede. Es leben die Kurden!

Kurz nach einer alten und sehr schönen Brücke winkt mir der Teestubenbesitzer ich solle doch auf einen cay vorbei kommen. Selten lehne ich da nur ab…

In Yakapinar
Teestube in Yakapinar

Für mich sind das immer besondere Momente wenn du da mit dem Rucksack hineinspazierst und dich die Männer um den warmen Ofen herumsitzend anstarren und beginnen sich zu wundern wer das ist, etc… Fragen folgen natürlich und es wird gelächelt, gescherzt, aber auch Bewunderung sehe ich in ihren Gesichtern. Ohne diese Teestuben wäre die Türkei wohl nur halb so schön, denke ich mir oft. Dann setze ich meinen Weg weiter fort Richtung Kurtkulagi. Ich komme bei vielen Orangen- und Mandarinenplantagen vorbei und sehe von den ca. 2.000 Meter hohen Bergen bereits Schnee runterleuchten. Kurz nach Sirkeli mache ich dann bei einem Market eine Mittagspause und lerne den kurdischen Besitzer und seine Familie kennen. So zwischendurch erzählt er mir, dass er wegen Verbreitung von kritischen Kommentaren an der derzeitigen Regierung in Facebook zu 6 Jahren Haft verurteilt wurde. 2,5 Jahre hat er tatsächlich im Gefängnis von Ceyhan abgesessen. Auf meine Frage ob er Mitglied der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) gewesen sei, verneinte er, aber Sympathisant. Auch wurde ihm vorgeworfen, dass der Name seines Sohnes kurdisch sei…

Kurdischer Lebensmittelhändler in der Nähe von Sirkeli, mit seinem Sohn und seiner Tochter – als PKK Sympathisant saß er 2,5 Jahre in Haft weil er u. a. öffentlich die Regierung kritisierte

Sein Bruder sei Mitglied der PKK und lebe derzeit im Norden des Irak. Er wurde zu 55 Jahren verurteilt und konnte fliehen. Nach dieser berührenden Begegnung mache ich mich weiter auf meinem Weg und erreiche gegen Abend Kurtkulagi. Zwei jüngere Männer (einer davon ist Kemal) bringen mich in die Suat Kebapci. Das ist der Kebapladen von Suat und er freut sich über meinen Besuch. Auch könne ich hier übernachten, es ist zumindest warm hier drinnen. Er erzählt mir viel von seinem Sohn in Melbourne, zeigt mir Fotos und schließlich stellt er mich auch noch seinen Freunden in der Teestube vor. Vor dem Bettgehen bereitet er dann noch die Adana Kebap und Kebap Spieße vor bevor er sich verabschiedet und zu Bett geht.

Suat bereitet noch schnell die Adana Kebab Spieße für den nächsten Tag vor

Wenig später blase auch ich meine Luftmatratze auf und verbringe meine erste Nacht in einem Kebapladen.

Meine erste Nacht in einem Kebapladen – hier in Kurtkulagi (verdursten hätte ich wohl nicht müssen 😉

27.11. Als es schön langsam hell wird draußen packe ich meine Sachen und gehe in die Bäckerei gegenüber. ‚Good morning George‘ werde ich gleich begrüßt. Es ist Kemal von gestern, der mich natürlich schon kennt und hier als Bäcker arbeitet. Er bietet mir einen Sessel an und ich beobachte sie beim Brotbacken.

Kemal (rechts) beim Brotbacken – das Brot schmeckte vorzüglich

Schließlich bekomme ich ofenfrisches Brot mit Käse und Oliven als Frühstück, ein Gedicht. Erst heute morgen sehe ich, dass die nächste größere Stadt mit einer fixen Unterkunft in Reichweite liegt und so lege ich einen kleinen Zahn zu.

Hatay (Antakya), meine letzte Station in der Türkei, rückt näher – hier ca. 8 km nach der Ortschaft Kurtkulagi; auch Dörtyol liegt bereits in Reichweite
Während von 2.000 Meter hohen Bergen bereits der Schnee grüßt, sind jetzt in den Niederungen die Mandarinen reif

Nach relativ wenigen und kurzen Pausen erreiche ich dann nach ca. 43 km gegen Abend die Stadt Dörtyol und ich quartiere mich hier im noblen Hotel Fourway ein. Davor habe ich heute kurz vor Dörtyol noch meine erste Kontrolle von Gendarmen. Sie erkunden sich was ich hier mache, von wo ich komme, kontrollieren meinen Reisepass und schenken mir dann noch 5 Mandarinen, sehr liebenswert. Duschen, Abendessen und anschließend ein Hotelbett genießen, meistens das gleiche Programm wenn es wieder einmal eine Unterkunft gibt. Aber auch immer wieder ein gutes Programm.. 🙂

28.11. Nach einem ausgiebigen Frühstück starte ich heute wieder einmal früh und komme am Vormittag nach Payas. Es ist dies die Gegend der Keilerei (Schlacht) von Issos 333 v. Chr. zwischen Alexander dem Großen (König von Makedonien) und Dareios III. (König der Perser), die Makedonier gewannen. Manchen ist vielleicht noch der Spruch aus der Schule bekannt – 333 Issos Keilerei… Ich besuche hier die Festung von Payas, die Payas II. Moschee aus dem 16. Jhdt. und die dazugehörige Karawanserei.

Festung von Payas aus dem 12. Jahrhundert
Im Inneren der Payas II. Moschee aus dem 16. Jahrhundert

Am Weg nach Iskenderun bläst mir heute der Wind ordentlich um die Ohren, auch hier naht der Winter.

Iskenderun ist in Sicht – der Wind, der mir um die Ohren bläst nicht

Schließlich erreiche ich so gegen 17h Iskenderun und für 350 TL finde ich im Hatayli Otel eine gute Unterkunft. Am Abend esse ich in einer Lokantasi einen Iskender Kebab, wie sollte es auch anders sein in dieser Stadt. Die Schweizer verlieren im Fußball übrigens auch noch 0:1 gegen Brasilien, ein bisschen Abwechslung zum Wandern darf ja wohl sein.

29.11. Als ich pünktlich um 7h beim Frühstücksraum auftauche wird das Frühstück gerade aufbereitet. Ich war um eine Stunde zu früh dran aber ich bekomme zumindest soviel, dass es für das Erste reicht. Ich lasse dann vorerst den Rucksack noch im Hotelzimmer und schaue mir die Stadt mit ihrem Hafen an.

Im Hafen von Iskenderun – einer der wichtigsten Mittelmeerhäfen der Türkei

Iskenderun war vor Beginn des Bürgerkrieges in Syrien der Hafen von Aleppo und ist jetzt immer noch einer der wichtigsten Mittelmeerhäfen der Türkei.

Strandpromenade von Iskenderun – links das Hilton Hotel und rechts die Nihal Atakas Moschee

Es wird dann schon 10h als ich mit meinem Rucksack das Hotel verlasse. Es geht heute noch einmal vom Meeresniveau auf ca. 700 Höhenmeter hinauf und der Wind ist heute noch stärker als gestern. Manchmal versetzt er mich um ein oder zwei Meter und ich muss aufpassen nicht die Balance zu verlieren. Es ist wohl noch einmal eine kleine Prüfung, denke ich mir, bevor ich nach Antakya komme.

Der Wind hat auch etwas Gutes – er sammelt die vielen Plastiksackerl am Zaun…

In Belen mache ich eine kurze Teepause bevor es dann wieder bergab nach Ovakent geht. Der Wind lässt nach…

Ein liebenswerter 39-jähriger Türkei lädt mich in Belen auf eine Cola ein – vielen Dank!!! Er sitzt im Rollstuhl und interessierte sich für meine Wanderung…

Mitten in der Botanik kommt plötzlich von hinten ein Gendarmerieauto. Zwei junge Gendarmen und eine Gendarm in steigen aus und einer kontrolliert wieder einmal meinen Reisepass. Es ist wohl die Nähe zu Syrien und vlt auch der kürzlich verübte Terroranschlag in Istanbul, die dafür verantwortlich sind. Jesus, einer der Gendarmen, kontrolliert meinen Pass, alles okay.

Jesus, so heißt dieser Gendarm, kontrolliert meinen Reisepass – Im Anschluss gehen wir gemeinsam ein paar Kilometer und trinken noch einen cay… 🙂

Er findet Gefallen an meinem Unternehmen und ich biete ihm einen meiner Wanderstöcke an mit den Worten, er solle doch ein Stück mit mir gehen. Er ist nicht fad und so gehen wir ca. 2 km gemeinsam zu einem Wasserkraftwerk, wo sie Dokumente kontrollieren müssen. Gefolgt werden wir vom Gendarmerieauto und am Weg zum Wasserkraftwerk reden wir auch noch mit Einheimischen, die gerade bei der Olivenernte sind. Auch Spaß muss sein, denke ich mir nur…:-) Ich trinke noch im Wasserkraftwerk einen Tee mit ihnen bevor ich mich von ihnen verabschiede. Gegen Abend erreiche ich dann die Ortschaft Ovakent und quartiere mich im Kulubeci Hotel um 250 TL ein. Vor dem Schlafen esse ich noch eine Mercimek Suppe in der darunterliegenden Lokantasi bevor ich mich ein wenig von diesem Tag erhole. Es waren doch wieder ca. 40km bei vielen Höhenmetern und vor allem viel Wind, da tut das Rasten auch wieder einmal gut. Morgen geht es die letzten 25 km nach Antakya, die Kilometer und Tage hier in der Türkei sind gezählt.

30.11. Mein letzter Wandertag in der Türkei und das nach fast 3 Monaten! Wenn da keine Wehmut aufkommt… Nur mehr 25 km bis Antakya, kein Wind, flach und schönes Wetter – – > so stell ich mir das auch vor und so genieße ich den letzten Tag auch. Ich lasse mir Zeit, mache mehrere Teepausen, trinke Cola mit Bauarbeitern, zeige zwei Polizisten noch einmal meinen Reisepass und erreiche dann so um 15h Antakya, die Hauptstadt der Provinz Hatay.

Nach mehr als 4.800 komme ich in Antakya, dem antiken Antiochia, an.

Ich quartiere mich im Diwan Hotel um 450 TL ein, Dusche und feiere meine gelungene Ankunft hier im nahegelegenen Sultan Restaurant.

01.12. Nach dem Frühstück besuche ich die orthodoxe St. Peter und Paul Kirche und auch eine protestantische Kirche.

Im Inneren der orthodoxen St. Peter und Paul Kirche in Antakya.
Bäcker in Antakya

Im Anschluss verbringe ich den heutigen Tag damit all meine Sachen zu ordnen und zu richten bevor ich die Türkei verlasse. Die Wäsche wird gewaschen, dann richtet mir der Schneider Ahmet im Basar wieder meine Hose, wechselt den Zip beim Pullover, näht mein langärmeliges Shirt und einen Socken.

Schneider Ahmet richtet mein langärmeliges Shirt – im Basar von Antakya

Am Nachmittag lasse ich mir dann ein Stück Künefe schmecken, eine warme Süßspeise aus dieser Gegend.

Künefe – eine warme levantinische Süßspeise gefüllt mit warmen Käse

Den restlichen Tag verbringe ich im Basar und schaue am Abend Fußball WM in meinem Zimmer.

02.12. Heute ist ein wenig Sightseeing angesagt und um ca. 9h erreiche ich das Archäologisches Museum, sehr interessant.

Statue des Suppiluliuma I. – er war ein hethitischer Großkönig des 14. Jhdt. v. Chr. In seiner Regierungszeit wurde das Reich der Hethiter hier zur Großmacht
Eros und Psyche – Mosaik aus dem 3. Jhdt vor Chr.

Im Anschluss gehe ich zu Fuß zur St. Petrusgrotte bevor ich wieder im Basar lande.

St. Petrusgrotte in Antakya – eine Höhlenkirche und benannt nach dem Apostel Petrus, der die Christianisierung Kleinasiens von Antiochia aus betrieb

Heute finden auch meine alten Schuhe einen neuen Besitzer. Ein Schuster im Basar freut sich sichtlich darüber.

Links das Schuhprofil nach ca. 1.600 km, rechts eines nach ca. 20 km…

Sonst ein recht gemütlicher Tag, ein wenig Erholung ist angesagt.

03.12. Heute morgen liegt Nebel über der Stadt. So sichere ich nach dem Frühstück wieder einmal die Fotos auf meine zwei USB Sticks, die ich an unterschiedlichen Stellen aufbewahre. So bekomme ich wieder mehr Platz auf meiner SD Karte zum Fotografieren mit meinem Huawei P30 Handy. Als sich dann doch die Sonne durchsetzt, spaziere ich ein wenig durch die Stadt und trinke im Palladium Shopping Center einen guten Kaffee. Es ist ja mein letzter Tag hier in der Türkei, der sollte schön gemütlich werden.

Gebetszeit in der Habib Enajjar Moschee in Antakya

Danach wechsle ich noch meine restlichen türkischen Lira und Euro. Das Sinken der türkischen Währung ist täglich zu beobachten. Am Nachmittag gönne ich mir noch einmal Künefe mit Tee bevor ich den Abend im Hotel verbringe.

04.12. Nach dem Frühstück gehe ich zur nahegelegenen Busstation. Hier hilft mir ein Schuhputzer den richtigen Bus zum Flughafen zu erwischen. Um 55 TL gelange ich mit einem Havas Bus in ca. 45 Minuten zum Flughafen.

Flughafen in Antakya

Ein komisches Gefühl irgendwie jetzt so schnell und abrupt in den arabischen Raum zu gelangen. Ich hatte nur Handgepäck bis zu 7kg gekauft, die saudische Fluglinie Flynas checkt mir trotzdem meinen Rucksack, der mit den Stöcken jetzt ca. 8,4 kg wiegt, ohne zusätzliche Kosten direkt nach Amman ein. Das Flugzeug hebt letztlich pünktlich um 12:30 Richtung Ryad, der Hauptstadt von Saudi Arabien, ab.

Mit der saudischen Fluglinie Flynas geht es via Ryad nach Amman, der Hauptstadt von Jordanien

Gesamtkilometerca. 4.805

Fazit:

Ca. 2.200 km wanderte ich alleine nur in der Türkei. Von Ipsala an der Grenze zu Griechenland bis hierher nach Antakya an der Grenze zu Syrien, die nur ca. 20 km Luftlinie von hier entfernt liegt. Und das in knapp drei Monaten. Für Statistiker macht das einen Schnitt von ca. 28 km am Tag. Ich konnte das Wandern wieder so richtig genießen hier in der Türkei. Und der Herbst ist halt einfach schön zum Wandern, das hat sich auch hier bewahrheitet. Ich bin natürlich froh hier heil und ohne jegliche Blessuren angekommen zu sein. Das ist immer das Wichtigste und so soll es auch bleiben. Ich habe viel Gutes und Gastfreundschaft erfahren in der Türkei. Viele Einladungen zum Essen, Trinken und Schlafen von den Einheimischen bekommen. Vor allem auch die Begegnungen in den vielen Teestuben (cahves) werden mir ewig in Erinnerung bleiben… 🙂 In Anbetracht der vielen verschiedenen Völker und Ethnien, die hier leben, wünsche ich dem Land viel Stabilität und Frieden.

Letztlich hatte ich auch auf Frieden in Syrien gehofft, allerdings vergeblich… Und so werde ich am kommenden Sonntag von hier in Antakya nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens, fliegen. Von dort wandere ich dann wieder zu Fuß weiter Richtung Israel und Jerusalem, inshallah…

Bleibt mir nur mehr übrig vielen Dank für alles zu sagen diesem Land und seinen Leuten. Sie haben mir viel gelernt, nicht nur ein paar Wörter Türkisch…

TÜRKEI – Teil 5 (Konya – Kilistra – Chumra – Karaman – Mut – Silifke)

30.10. Ich verbringe den Vormittag mit einigen Erledigungen und Telefonaten im wirklich empfehlenswerten Aziziye Hotel in der Nähe der Aziziye Moschee bevor ich mich um die Mittagszeit zur Efe Çorba Stube mache.

Aziziye Moschee in Konya

Ich war bei meinen früheren Besuchen immer wieder in diesem Suppensalon und es ist schön zu sehen, dass es ihn immer noch gibt. Nach einer guten EzoGelin Suppe trinke ich in der Teestube daneben noch ein paar cays bevor ich das Mevlana Museum mit dem Rumi Grabmal besuche.

Grabmal von Rumi – ein persischer Sufi-Mystiker, Gelehrter und einer der bedeutendsten persisch-sprachigen Dichter des Mittelalters.

Am Abend esse ich Künefe, eine warme levantinische Süßspeise aus einem besonderen Käse und Kadaifi. Den Abend verbringe ich mit der Verwandtschaft der Hotelbetreiberin im Hotel.

31.10. Heute genieße ich einmal einen richtigen Ruhetag ohne viele Pläne. Zuerst besuche ich den Markt in der Nähe des Hotels wo ich mir Fleece Handschuhe kaufe für die kühlen Morgen und Abende. Dann besuche ich zwei Moscheen bevor ich noch einmal Shemsi in seiner letzten Ruhestätte aufsuche.

Teepause in der Nähe der Shemsi Moschee

Nach einem weiteren Kebab im Ali Baba gehe ich noch in den Kultur Park jenseits des Alaaddin Hügels. Ich durchstreife an diesem Tag ziemlich wahllos die Stadt und komme auch noch beim Atatürk Monument vorbei.

Atatürk Monument in Konya

Die Abendstunden verbringe ich in der Mahkeme Hamami, einem öffentlichen Bad in der Nähe der Shemsi Moschee. Es ist eines der ältesten Hamams in der Stadt, erklärt mir ein Einheimischer, und stammt noch aus der Zeit der Seljuken. Zuerst wärme ich meinen Körper auf bevor mich ein Einheimischer abschruppt und massiert. Ich fühle mich danach wieder gut und gehe früh ins Bett.

01.11. Heute sitze ich schon um 7h beim Frühstück und verlasse das Hotel kurz nach 07:30. Ich habe heute vor in die Ortschaft Kilistra zu gehen, die immerhin 42 km von Konya entfernt liegt. Ohne zuviel zu pausieren erreiche ich gemeinsam mit den Schafen gegen Abend Kilistra. Muharrem erwartet mich schon vor seinem shop. Ich wusste von seiner Unterkunft und wir waren schon im Vorfeld im Kontakt. Als er mich in sein Haus und in meinen Raum bringt ist der Ofen bereits angemacht und es ist angenehm warm. Es dauert nicht lange und er breitet am Boden ein Tuch aus auf dem wenig später unser Abendessen landet.

Muharrem und ich beim Abendessen in seinem Haus in Kilistra

Wir essen Linsensuppe, selbstgemachtes Fladenbrot, Tomaten, Pommes frites, Käse, etc und als Nachspeise gibt es Honigmelonen und verkleinerte Feigen- und Aprikosenstücke. Muharrem ist 46 Jahre alt und hat vier Kinder. Zwei davon leben bereits in Konya, die er morgen besuchen wird. Auf die Frage wieviel die eine Nacht bei ihm kostet überlässt er den Betrag mir und wir vereinbaren einen angemessenen Betrag. Nach ein paar cays gehen auch hier die Lichter aus und ich schlafe schnell ein.

02.11. Da Muharrem heute bereits um 7h Richtung Konya fährt frühstücken wir gemeinsam um ca. 06:30 wieder gutes Fladenbrot, Käse und selbstgemachten Wabenhonig.

Vom Bett direkt zum Frühstück – es schmeckte vorzüglich!

Er gibt mir dann auch noch Brot, Äpfel und Käse mit auf den Weg bevor wir uns verabschieden. Während ich ihm noch in seinem Auto Richtung Konya nachsehe gehe ich zu den nahegelegenen Steinkirchen von Kilistra.

Steinkirchen von Kilistra

Hier soll auch der Apostel Paulus vorbei gekommen sein bei seiner Verbreitung des Christentums. Zumittag erreiche ich die Ortschaft Hatunsaray wo ich Etli Ekmek (übersetzt: Brot mit Fleisch) esse. Es ist dies ein pizzaähnliches Gericht, das seinen Ursprung in Konya hat und weit verbreitet in den Städten der zentralen Türkei ist. Am Dorfplatz genieße ich noch mit einem lieben 88-jährigen Türken einen cay in der Sonne. Um am nächsten Tag Chumra erreichen zu können beschließe ich noch bis Kavak weiter zu gehen. In der Hoffnung auf eine Unterkunft frage ich beim Erreichen von Kavak den erstbesten Mann. Ich habe Glück, es ist der Besitzer des einzigen Lebensmittelladens hier. Er zeigt mir den Weg zu einem Dorfgemeinschaftsraum und meint, ich könne dort problemlos schlafen. Ich bringe meinen Rucksack dorthin und esse meine Jause gemeinsam mit ihm und seinem Sohn Abdullah am Dorfplatz. Als ich bereits in diesem Raum schlafe kommt gegen 21h ein Einheimischer herein, macht Licht an und wundert sich was ich hier mache. Er wusste nichts von mir und ich erkläre ihm die Situation. Schnell ist das Eis gebrochen und wenig später kommt auch noch ein Freund von ihm hier vorbei. Sie heizen den Ofen an und kochen Tee. Ich trinke noch 2 cays mit ihnen und wir haben letztlich viel Spaß. Gegen 23h gehen sie dann wieder und sie wünschen mir weiter alles Gute auf meinem Weg.

Ein nächtliches Stell-Dich-Ein mit Rüstür und Ashir – sie kochten nur mal kurz einen cay

03.11. Ich esse frühmorgens noch mein letztes Brot und einen Apfel und erreiche gegen Mittag Icericumra. Beim Mittagessen lerne ich einen Einheimischen kennen, der gut Englisch spricht und hier in der Nähe eine Firma mit 16 Angestellten leitet. Als er das Lokal verlässt, meint er nur kurz, dass er mein Essen auch mit gezahlt hat. Jeden Tag wiederholt sich diese unglaubliche Hilfsbereitschaft… Als ich am späten Nachmittag dann Cumra erreiche gehe ich als erstes in einen Vodafone Shop, da meine türkische SIM Karte seit gestern abgelaufen war. Ich erhalte eine neue SIM Karte, die in ca. 1 Stunde wieder aktiv sein sollte. In einem neuen Hotel in der Nähe des Zentrums dusche ich wieder einmal und während ich mich für das Abendesse anziehe, merke ich dass das Telefon inkl. WhatsApp mit AT No. tatsächlich wieder funktioniert. Am Abend tanke ich wieder einmal meinen Kalorienbedarf auf und werde jetzt bald schlafen.

04.11. Gut ausgeschlafen esse ich am Morgen eine Hühnersuppe (Tavuk corba) in einem Çorba Salonu und mache mich dann auf den Weg Richtung Ortaoba, das ca. 30 km entfernt liegt. Am Weg dorthin beobachte ich die Zuckerrübenernte, die jetzt voll eingesetzt hat. Sie werden in einer großen Zuckerfabrik weiter verarbeitet, der Tee soll ja weiter süß schmecken…:-) Zumittag erreiche ich die Ortschaft Türkmen Camili. Der Betreiber des Lebensmittelladens sei gerade in der Moschee beten, versichert mir ein Einheimischer. So setze ich mich vor die Moschee, esse meine zwei mitgebrachten Simits und warte bis das Beten vorbei ist. Als die Männer rauskommen spricht mich ein Einheimischer an und anstatt dass er mich in den shop bringt, nimmt er mich mit zu sich nach Hause. In Kürze bereitet er eine Eierspeise mit Brot und Tee zu und ein befreundeter Afghane gesellt sich dann auch noch zu uns dazu.

Einladung zu einer Eierspeise mit Käse und Brot – in Türkmencamili

Danach treffe ich einige Schafhirten am Fuße des Vulkans Karadag (auf deutsch: Schwarzer Berg, 2.270m), ein bereits seit einigen Tausend Jahren inaktiver Schichtvulkan. Auf der Nordseite bilden zahlreiche byzantinische Kirchenruinen bei den Dörfern Madenşehri (Madenşehir), das als das antike Barata angesehen wird, und Üçkuyu (Değle) die Region Binbirkilese (auf deutsch: 1001 Kirchen). Auf dem Mihalıç Tepesi, einem der 3 Gipfel des Vulkans Karadag befindet sich eine Sendestation des türkischen Fernsehsenders TRT.

Schafhirten am Fuße des Vulkans Karadag (2.270m)
Schafhirten am Fuße des Vulkans Karadag (2.270m)

Kurz vor Ortaoba kommt mir ein junger Türke auf seinem Moped entgegen und spricht mich in gutem Englisch an. Memduh, so heißt er, bietet mir an bei ihm zu übernachten, was ich natürlich gerne annehme. Zuvor essen wir noch bei seinem Onkel Ramazan und seiner Familie.

Mit Memduh (links) und seinem Onkel Ramazan samt Familie beim Abendessen – in der Ortschaft Ortaoba am Fuße des Vulkans Karadag – vielen Dank!

Wir gehen dann noch in das cahve (Teestube) im Ort, wo wir seine Freunde treffen. So ein Fremder ist natürlich Gesprächsstoff Nummer 1. Danach bringe ich meinen Rucksack in sein Haus wo sein Freund bereits den Stubenwärmer angeheizt hat. Nach ein paar cays schlafen wir gemütlich auf einer Matratze am Boden ein.

05.11. Nach einem kurzen Frühstück verabschiede ich mich von Memduh. Heute steht eine kleine Bergetappe an und gegen Mittag erreiche ich dann das Dorf Degle, in dem sich einige der über 50 Kirchen aus der byzantinischen Zeit befinden.

Eine der Kirchen in der Ortschaft Degle – Überreste des frühen Christentums in dieser Gegend
Wunderschöne Gegend am Fuße des Vulkans Karadag – mit Blick auf die Ortschaft Üçkuyu rechts im Hintergrund

Es sind Überreste der frühen Christenheit hier in den ersten Jahrhunderten nach Chr. bevor im 9. Jhdt. Araber den Islam hierher brachten und die Kirchen weitgehend zerstört bzw. nicht mehr verwendet wurden. Am Weg nach Üçkuyu werde ich von Einheimischen zu Tee und Brot eingeladen bevor ich Mehmet Ince im Haus seiner Eltern treffe.

Einladung von Einheimischen zu Tee und Brot mit Käse – vor der Ortschaft Üçkuyu

Er wusste von mir bereits von Birgit, die ebenfalls vor kurzem hier vorbei kam und am Weg nach Jerusalem ist. Vielen Dank Birgit für diesen äußerst liebenswerten Kontakt! Eigentlich wollte ich ja an diesem Tag noch weitergehen aber es ist so nett hier und so beschließe ich am frühen Nachmittag doch bei ihm eine Nacht zu bleiben. Es ist einfach wunderschön hier mitten in einem Garten zu sitzen am Fuße eines Vulkans.

Mehmet im Garten seiner Eltern – im Bergdorf Üçkuyu

Mehmet ist gerade mit seinem Wirtschaftsstudium in Istanbul fertig geworden und sucht jetzt einen passenden Job. Vorzugsweise in Istanbul, Karaman ist zweite Wahl.

Gegen Abend wird es bereits kühl – hier beim Stubenwärmer im Raum seiner Großmutter

Er wohnt hier bei seinen Eltern und am Abend kommt auch noch sein Onkel mit der Großmutter vorbei. Sein Onkel grillt Fisch vom Schwarzmeer und es gibt zum Trinken auch wieder einmal ein Bierchen, wohlgemerkt der Marke Bremen.

Mit Mehmet (Mitte) und seinem Onkel beim Fischgrillen – das Bierchen schmeckte allerdings auch gut!
Mit Mehmet’s Onkel beim Fischessen

Nach mehr als einem Monat Abstinenz auch wieder einmal ganz gut. Danach bereiten Mehmet und ich dann mein Bett im Hause seines Onkels zu und wir gehen schlafen.

06.11. Da es heute über 40 km nach Karaman sind verabschiede ich mich von Mehmet und seiner Mutter um ca. 07:30. Mir bleibt ein sehr liebenswerter Mehmet und eine sehr liebenswürdige Familie in Erinnerung!

In der Ortschaft Madensehri besichtige ich noch eine weitere der vielen Kirchen und gelange um die Mittagszeit nach Kilbasan wo ich ein Etli Ekmek esse.

Eine der vielen Kirchen in der Region 1001 Kirchen – hier in Madensehri

Als es bereits finster wird komme ich dann schließlich doch nach Karaman und ich gönne mir zwei Nächte im Nadir Hotel im Zentrum der Stadt (375 TL die Nacht inkl. Frühstück). Am Abend esse ich Döner und als Nachspeise gibt es verschiedene Baklavas mit Tee. Ich werde morgen hier einen wohlfeilen Ruhetag einlegen!

07.11. Ich schlafe lange und genieße ein traumhaft gutes Frühstücksbuffet mit Eierspeise, verschiedenen Käsebrötchen, Honigmelonen, etc. Dann durchstreife ich die Stadt und umrunde die Festung der Stadt, die allerdings geschlossen ist.

Festung in Karaman
Hauptplatz von Karaman

Am Markt trinke ich mit den Männern cay und esse dann einen Adana Kebab. Als ich ins Hotel zurückkomme, versichert mir der Hotel Manager, der übrigens gut Deutsch spricht, dass er selbst aus der Stadt Adana komme und nur dort der Aldana Kebab wirklich gut schmeckt.

Adana Kebab – am Besten soll er in der Stadt Adana selbst schmecken, auch dieser war gut!

Ausserdem sei Mersin für die Tantunis (mit Fleisch gefüllte Fladenbrote) und Hatay für die guten Künefe bekannt. Ich werde gerne später auf meiner Wanderung seinem Rat folgen…:-) Ich telefoniere untertags auch wieder einmal mit zuhause und verbringe noch einen geruhsamen Abend im Bett des Hotels.

08.11. Heute geht es wieder weiter aufs Feld Richtung Süden und Mut und Silifke. Nach einem leichten stetigen Anstieg erreiche ich um die Mittagszeit die Ortschaft Tarlaören, wo ich zwei Frauen um Wasser bitte. Sie füllen nicht nur meine Wasserflaschen an sondern nehmen mich zu ihnen nach Hause mit zum Mittagessen. Sie machen gerade am Boden sitzend Fleischbällchen, die sie roh essen. Vom Rest in der Pfanne wird Wasser dazugegeben und als kalte Suppe gegessen. Ich habe diese Speisen noch nirgendwo in der Türkei gesehen, beides mundet hervorragend. Im Anschluss gibt es cay und als ich mich von ihnen verabschiede, geben sie mir auch noch ein mit Schafskäse gefülltes Brot und Wasser mit. Es bleibt mir wieder einmal nur übrig ‚Vielen Dank‘ zu sagen.

Hahn im Korb – in der Ortschaft Tarlaören

Ich wusste, dass es heute auf meinem Weg keine Unterkunft geben würde und fragte bei verschiedenen Tankstellen ob ich übernachten könne, es hat sich aber nichts wirklich ergeben. Vor allem war Regen angesagt. Als es schon finster wurde erreichte ich ein Arbeiterlager wo mir zwar Abendessen angeboten wurde aber auch hier war es nicht möglich zu schlafen. So ging ich auf der Straße weiter und nach Kilometer 38 finde ich in der Nähe der Straße Unterschlupf in einem leerstehenden Wintergarten wo ich eine Nacht mit Isomatte und Schlafsack verbringe.

09.11. Die Suche gestern nach einem festen Dach über dem Kopf machte sich dann vor allem in den frühen Morgenstunden bezahlt als es ordentlich zu regnen beginnt. Ich frühstücke das mitgebrachte Brot der Frauen und trinke viel Wasser. Als der Regen weniger wird gehe ich die Hauptstraße weiter und erreiche so gegen 10h Sertavul wo ich in einer Lokantasi einige Sachen zu machen habe, telefoniere, etc. und letztlich auch noch eine Mercimek Suppe mit Brot esse. Es geht heute noch einmal auf ca. 1.600 Meter rauf auf einen Pass bevor sich die Straße Richtung Küste und dem wärmeren Tiefland hinunterschlängelt. Güle güle anatolisches Hochland, fast ein bisschen Wehmut kommt auf in mir. Abseits der Straße auf kleineren Wegen erreiche ich nach einigen Stunden die Ortschaft Narlidere auf einer Seehöhe von ca. 600 Metern wo ich mit einigen Dorfjungen meine Kekse teile. Ich fülle bei der Moschee meine Wasserflaschen und zelte in einem niedrigen Kiefernwald außerhalb des Dorfes.

Zeltplatz außerhalb des Dorfes Narlidere – die Nächte hier auf ca. 600 Meter Seehöhe sind wieder deutlich wärmer!

10.11. Die Nacht war ruhig und deutlich wärmer. Da es am Weg keinen Lebensmittelladen gibt, esse ich in der Früh meine kleinen Müslinotrationen und mache mich auf den Weg nach Mut. Schon in Sille kurz vor Konya hörte ich, dass Mut für seine Oliven bekannt ist. Am Weg nach Mut beobachte ich dann die vielen Arbeiter bei der Olivenernte. Zumittag erreiche ich die Ortschaft Derincay wo es eine kleine Teestube gibt und esse dort einen Toast, der wieder einmal meinen Magen füllt.

Alte historische Brücke in der Ortschaft Derincay

Die Männer hier mit ihren Pluderhosen kommen und gehen, trinken Tee und fahren dann mit ihren Traktoren weiter nach Hause oder aufs Feld. Jeder kennt jeden… Am Nachmittag winken mir dann rastende Frauen zu und bieten mir Tee an. Sie machen gerade Pause von der Olivenernte und sind wohl auch über etwas Abwechslung froh. Ich lerne Hussain Ali kennen, der 15 Jahre in Frankfurt gearbeitet hat und gut Deutsch spricht.

Einladung zu Tee und Keksen – Hussein Ali beherrscht den Teekocher bestens!

Von ihm erfahre ich, dass an einem Tag bei der Olivenernte 250 TL zu verdienen sind, ca. 15 Euro. Nach einer Weile verabschiede ich mich und gegen Abend erreiche ich Mut wo ich mich im guten Grand Tas Otel am Stadtanfang für 300 TL einquartiere.

Grand Tas Otel in Mut

11.11. Nach einem Frühstück im obersten Stockwerk des Hotels mit guter Aussicht schaue ich mir heute morgen ein wenig die Stadt Mut genauer an. Es gibt hier eine Festung mit gutem Blick auf das umliegende Land, eine schöne Moschee in der Stadtmitte und ein geschäftiges, mit verschiedenen kleineren Shops und Essensstuben gefülltes Stadtzentrum.

Festung in Mut
Blick von der Festung in Mut auf die Stadt und das umliegende Land
In einem Park in der Stadt Mut

Letztlich trinke ich noch gemütlich einen cay (auf den ich von der Besitzerin eingeladen werde) bevor ich mich von dieser irgendwie interessanten Stadt verabschiede. Zumittag kaufe ich mir auf einer Tankstelle einen Strutzen Weißbrot und Dreieckskäse, als Nachspeise gibt es weißen Schoko mit Pistazien, mein Lieblingsschoko hier…

Landschaft am Weg nach Asagi Köserlerli

Schließlich erreiche ich so gegen 17h die Ortschaft Asagi Köserlerli, wo ich mir in einem Lebensmittelladen eine Cola kaufe. Ich frage den jungen Betreiber ob es hier eine Unterkunftsmöglichkeit gebe. Hayati, so heißt der Betreiber, ruft den Muhtar an und schnell ist klar, dass ich hier im Gemeinderaum des Dorfes übernachten könne. Ich lerne auch noch den Vater von Hayati kennen und letztlich essen wir bei Hayati’s Mutter Suppe und Nudeln. Am Abend haben wir noch viel Spaß mit der Dorfjugend, die sich hier jeden Tag am Abend vor dem shop trifft.

Mit Hayati vor seinem shop in Asagi Köserlerli

12.11. So gegen 7h wache ich auf, packe meinen Rucksack und gehe noch einmal zum Shop von Hayati. Ich werde noch einmal zu zwei Simits und einem Saft zum Frühstück eingeladen. Dann verabschiede ich mich von dieser sehr netten und wunderbaren Familie. Ich gehe weiter auf dem Weg entlang des Göksu Flusses und den daran liegenden Dörfern. In der Ortschaft Kargicak gibt es eine Lokantasi wo ich Reis und Bohnen esse. Durch Canyonlandschaft erreiche ich gegen Abend Keben und ein Stückchen weiter Degirmendere, wo es einige Teestuben gibt.

Der Fluß Göksu sucht sich hier seinen Weg zum Meer – am Weg nach Keben

Ich erkundige mich in einer dieser Teestuben nach einer Unterkunft und lerne dabei Ismail kennen. Er meinte dies sei kein Problem und wir trinken gemeinsam einige cays. Es gebe halt keinen Strom und keine Toilette, sehr wohl aber ein Bett mit Decke und Polster. Dann zeigt er mir meine Unterkunft und verabschiedet sich.

Schlafplatz in Degirmendere

13.11. Frühmorgens sitze ich dann schon so um 7h in der Teestube und esse meine Simits und letztlich ist auch der Tee fertig. Ich lerne auch noch Mustafa kennen, der mir versichert, dass die besten und größten Granatäpfel der Türkei nur in dieser Gegend zu finden seien. Entlang des Göksu Flusses findet gerade die Granatäpfelernte statt und wie es sein soll winkt mir ein Einheimischer ich solle doch näher kommen. Er bietet mir einen halben Granatäpfel an, den ich mit Genuss esse und mich satt werden lässt. Tatsächlich sind sie hier riesengroß und noch saftiger als diejenigen, die ich davor gegessen habe.

Lustige Begegnung bei der Granatäpfelverarbeitung – es wird vor allem Saft daraus gemacht!

Zumittag treffe ich einen Imker, der entlang der Straße seinen Honig verkauft. Als ich mein mitgebrachtes Simit auspacke kommt er sofort mit einer Honigdose vorbei und bietet ihn mir mit einem kleinen Löffelchen an. Umschwärmt von Bienen, die jedoch völlig harmlos sind, genieße ich diesen Leckerbissen. Der Honig schmeckt vorzüglich… Ich gehe dann die letzten Kilometer durch wunderschöne Canyonlandschaft entlang des Göksu Flusses nach Silifke.

Canyonlandschaft entlang des Göksu Flusses – kurz vor Silifke

Dabei lerne ich auch noch zwei junge Russen aus Smolensk kennen, die hier in der Nähe in einem Atomkraftwerk arbeiten. Sie geben mir einen halben Liter Wasser und seien froh derzeit gerade nicht zu Hause zu sein. Was ihnen nicht zu verdenken ist… Spasiba bolschoj Jungs! Gegen Abend erreiche ich dann Silifke und erfahre vom Betreiber des Göksu Otels, dass es kein Zimmer mehr gibt. Er schickt mich in das Ayatekla Otel in der Nähe des Busbahnhofes wo ich mich für zwei Nächte (je 375 TL inkl. Frühstück) einquartiere. Ich dusche wieder einmal, des Pilgers Lohn denke ich mir immer wieder. Am Abend esse ich noch eine Paca corba und gehe früh schlafen. Morgen werde ich hier wieder eine Pause einlegen bevor es Richtung Mersin weiter geht.

Gesamtkilometerca. 4.410

Fazit: Die wirkliche Türkei lernst Du im ländlichen Raum kennen. Nirgendwo sonst ist es leichter und besser die liebenswürdigen Menschen und ihre Gastfreundschaft kennenzulernen. Das Hochland von Anatolien hat viel zu bieten – Abenteuer fernab vom Tourismus, Gastfreundschaft, ursprüngliche Bevölkerung und schöne, abwechslungsreiche Landschaften. Wenngleich nun die Temperaturen hier an der Küste in Silifke vor allem abends wieder angenehmer sind, kommt schon ein wenig Wehmut auf, dass Anatolien hinter mir liegt. Güle güle Hochland von Anatolien!

TÜRKEI – Teil 4 (Pamukkale – Egirdir – Konya)

14.10. Frühmorgens schlage ich mir noch einmal kurz im Otel Anatolia den Magen voll – wie so oft mit Käse, Tomaten, Gurken, Oliven, Brot, etc. bevor ich mich wieder auf meinen Weg mache. Das Wetter verschlechtert sich im Laufe des Tages und gegen 18h erreiche ich die Ortschaft Kocabas wo ich um 400 TL im feinen Köklü Otel eine gute Unterkunft finde.

15.10. Beim Weggehen ist es heute noch trocken, das sollte sich aber im Laufe des Tages ändern. So komme ich wieder einmal in den Genuss von Regen, den ich schon fast vermisst habe.

Es zieht schlechtes Wetter auf – kurz vor Cardak

Ziemlich durchnässt erreiche ich dann Cardak, wo mir einige Jungs einen Tee anbieten.

Eine willkommene Einladung zum Tee – in Cardak

Dann lotst mich ein Junge in das Cardak Hotel (250 TL inkl Frühstück) und ich genieße eine warme Dusche. Beim anschließenden Lahmacunessen lerne ich den Besitzer des Hotels kennen. Wir trinken noch einen gemeinsamen cay und beobachten die Jugend beim OK Spiel.

16.10. Da mir das Frühstück zulange dauert bis es kommt, trinke ich in einer kleinen Bäckerei cay und esse ein Simit, mein bevorzugtes Frühstück. Auch geht es sich besser mit einem nicht zu vollem Magen. Am Weg nach Gemis treffe ich dann einen Schafhirten mit seiner Herde. Wir wechseln ein paar Worte und ziehen beide in unserer Richtung weiter.

Schafhirte mit seiner Herde am Weg nach Gemis
Am Weg nach Gemis

Es regnet zumindest nicht heute und so erreiche ich trocken die Ortschaft Gémis, wo gerade ein Markt stattfindet. Ich lerne hier Riza mit seinen Freunden kennen.

Mit dem lustigen Riza in Gemis – er ist Kartoffelhändler und spricht fließendes Französisch

Dann gehe ich weiter in die Ortschaft Akpinar. Ziemlich verlassen wirkt dieses Dorf auf mich. Als ich einen Einheimischen um Wasser frage, ladet er mich auch gleich zum Mittagessen ein. Ich nehme dankend an. Es kommt ein Tuch auf den Boden worauf das Essen verteilt wird. Dann setzen sich alle im Kreis herum und essen. Die Küche ist hier ausschließlich Frauensache.

Mittagessen in Akpinar – es gab Huhn, Tomaten, Zwiebeln, Brot und scharfen Paprika!

Ich verabschiede mich von dieser netten Familie und bei starkem Regen erreiche ich gegen Abend total durchnässt Basmakci. Im SOK Supermarkt bringt mich der junge Angestellte in das Belediyesi Otel (Gemeindehaus), da alle anderen Unterkünfte entweder geschlossen waren oder nur Frauen nahmen. Und es gibt hier vor allem eine warme Dusche. Am Abend esse ich noch eine warme Suppe und trinke viel Tee. Verkühlungsgefahr gebannt!

17.10. Heute geht es in die Berge und weder im Dorf Sariköy noch in Gülköy gibt es ein Lebensmittelgeschäft, das offen hat. In Gülköy wird gerade die Moschee renoviert und ich werde schön langsam hungrig. Ein Arbeiter schenkt mir einen halben Laib Brot mit Tomaten, Paprika und Zwiebeln – eine willkommene Mahlzeit!

Mahlzeit im Bergdorf Gülköy

Das Brot ist rund und ca. 5 cm dick, selbst gebacken und die Tomaten sehr klein, schmeckt alles sehr gut. In dieser Höhe wird auch das Obst und Gemüse nicht mehr so groß. In Kozluca treffe ich dann Cem in seinem Supermarkt und er füllt mir ein ganzes Sackerl mit Süßigkeiten an. Ich bräuchte Energie, meint er…

Mit Cem in seinem Supermarkt in Kozluca
Einheimische Frau im Supermarkt von Cem in Kozluca

Dann ruft er auch noch in Keçiborlu im Üstündağ Hotel an und ich bekomme daraufhin einen Rabatt. Statt 300 zahle ich nur 200 TL. (Zur Erinnerung: 1€ = 18 Türkische Lira (TL)). Am Abend esse ich die Reste vom Brot und den Tomaten von Gülköy und ziemlich müde schlafe ich früh in diesem riesigen Hotel mit wenigen Gästen ein.

18.10. Das Frühstück lasse ich mir auch hier wieder gut schmecken. Das Wetter ist jetzt wieder besser und nach ca. 8km erreiche ich die kleine Ortschaft Gümüsgün wo mir beim Vorbeigehen an einem Haus der Duft von frischgebackenem Brot in die Nase fällt. Ich bleibe stehen und frage ob ich etwas davon kaufen kann. Ihr könnt euch bereits denken wie das endete… Zum Brot kam noch Marmelade und 3 Äpfel, anschließend gingen wir dann noch cay trinken.

Die zwei Bäcker in ihrer Backstube in Gümüsgün

Gegen Abend erreiche ich nach ca. 35 km Isparta, eine größere Stadt der gleichnamigen Region in dieser Gegend. Ich quartiere mich für 250 TL im King Otel ein. Nach den vielen Nächten im Zelt genieße ich auch wieder die Vorzüge einer fixen Unterkunft. Warme Dusche und warmes Essen hat schon was, vor allem auch jetzt bei den bereits kühleren Temperaturen in der Nacht.

19.10. Da es das Frühstück meist erst ab 07:30 in den Hotels gibt, esse ich vor 7h eine EzoGelin Suppe in einem nahegelegenem Lokantasi und mache mich kurz nach 7h auf den Weg nach Egirdir und den gleichnamigen See. In der Ortschaft Büyükhacilar trinke ich gemeinsam mit Suat, dem Besitzer des Lebensmittelmarktes, und seinem Vater Süleiman Tee.

Mit Suat und seinem Vater Süleiman – beide sehr liebenswert und vor allem Süleiman totaler Erdoğan Fan

Süleiman, der eine Kuh besitzt, bringt mir zu meinem Brot auch ein Stück selbstgemachten Kuhkäse, schmeckt hervorragend. Gestärkt gehe ich dann die nächsten 5 km bergauf auf ca. 1.400 Meter Seehöhe und verbringe den Tag in einsamer Landschaft mit Ziegen- und Schafherden.

Anatolisches Hochland am Weg nach Egirdir
Auf einer Seehöhe von ca. 1.400 Meter kann es auch hier im Winter rutschig werden

Ich passiere auch ein naheliegendes Schigebiet und erreiche gegen Abend die Ortschaft Egirdir, das wunderschön am Egirdir See liegt. Im Otel Apostel finde ich um 240 TL eine geeignete Unterkunft und werde hier zwei Nächte bleiben.

20.10. Im 5. Stock gibt es hier das Frühstück mit traumhaft schönem Blick auf den See. Während ich mich meist mit dem Rücken zum TV setze bestaune ich die anderen Gäste beim Fernsehen. Sie haben dabei fast keine Zeit zum Frühstücken selber… 🙂 Dann sichere ich wieder einmal meine Fotos auf meine zwei USB Sticks, man weiß ja nie. Gegen 10h verlasse ich dann das Hotel und genieße einen richtigen Ruhetag zum ersten Mal seit langem. Ich durchstreife einen Markt hier im Ort und gehe dann entlang einer kleinen Halbinsel Richtung See hinaus.

Ein älteres Ehepaar beim Weintraubenverkauf – am Markt von Egirdir

Dort genieße ich die Ruhe und esse meine ersten Gözleme, anatolisches Fladenbrot gefüllt mit Käse oder Kartoffeln.

Meine ersten Gözleme in der Türkei. Fladenbrot meist gefüllt mit Käse oder Kartoffeln und eine Spezialität Anatoliens
Egirdir See inmitten von Anatolien

Im Hotel angekommen bringe ich mein langes Merinoleibchen zu einem Schneider. Es hat von den verschiedenen Waschmaschinen und Trocknern drei große Löcher abbekommen. Er erklärt sich bereit für 30 TL das ganze wieder zu flicken.

Männer beim OK spielen – in Egirdir

Jetzt mache ich gerade eine Siesta im Hotelbett bevor ich hier noch einen geruhsamen Abend verbringen werde. Morgen geht es weiter Richtung Konya, der Stadt der Mevlana und Derwische. Ca. 300 km sind es noch bis dorthin.

Am Abend gönne ich mir noch einen Adana Kebap in einer Kebapci bevor ich wieder einmal früh schlafen gehe.

21.10. Noch einmal betrachte ich die Leute beim Frühstück, besser gesagt beim Frühstücksfernsehen, und gehe dann so gegen 8h los.

Sonnenaufgang über dem Egirdir Gölü (Egirdir See)

Der heutige Tag bringt mich entlang der Südseite des Egirdir Sees zuerst in die Ortschaft Göktas wo der Lebensmittelladenbesitzer Mustafa sehr gut Deutsch spricht. Er sei in Duisburg aufgewachsen und erst vor ein paar Jahren wieder in die Türkei zurück gekehrt. Er bereitet Tee zu und gibt mir etwas von seinen Simits (Sesamringen) ab. Zu der von mir beschriebenen Gastfreundschaft der Türken meint er, dass er es weniger als Gastfreundschaft bezeichnen würde. Es hat laut ihm mehr mit Tradition und Religion hier in der Türkei zu tun. Im Koran steht ein Stelle in der es heißt, dass ein ’sehendes Auge ein Recht hat‘. Das heißt soviel wie, dass das Essen mit anderen Anwesenden geteilt werden soll. Seine Cousine Nergiz kommt auch vorbei. Sie spricht gut Englisch und ist in den Wintermonaten immer in Edmonton in London, wo ich sie doch einmal besuchen solle. Schließlich gibt mir Mustafa noch ein Sackerl Süßigkeiten mit auf den Weg. Es mache ihn glücklich mir zu helfen, sagt er und ‚eine gebende Hand sei besser als eine nehmende Hand‘ zitiert er auch hier wieder den Koran. Da hat er natürlich auch recht und dankend nehme ich an.

Tee (cay) gibt es in Anatolien am Straßenrand – ohne dem Tee würde das Land wohl stillstehen, scheint es…

Gegen 19h am Abend erreiche ich dann schon bei Dunkelheit das Haser Apart Otel, wo ich mich um 350 TL inkl. Frühstück einquartiere. Es ist ein moderner Neubau und ich bin der einzige Gast hier. Es stehe zum Verkauf, meinen die beiden Brüder, die mir auch noch einen Toast am Abend zubereiten.

Haser Apart Otel – es steht zum Verkauf

22.10. Als ich um 7h morgens wie vereinbart zum Frühstück komme, ist noch alles finster und die Küche kalt. Es dauert allerdings nicht lange und einer der beiden Brüder bereitet mir eine Eierspeise und das Frühstück zu. Es ist hier frühmorgens grimmig kalt und das schlägt sich auch auf das Gehtempo nieder… Die Finger wärmen sich trotzdem nur langsam auf. Im Eilschritt erreiche ich nach ca. 2 Stunden Gelendost, wo ich mich in einer der vielen Teestuben aufwärme. Es hat hier die Apfelernte voll eingesetzt und Unmengen an Äpfel werden auf Lastwägen weggebracht.

Apfelernte in Anatolien – Sie werden mit Löffelbagger auf Lastwägen gebracht

Zwei Frauen schenken mir Äpfel und bei einer Rast auf einem Holzbankerl bringt mir ein älterer Mann auch noch Weintrauben.

Dieser liebenswerte Türke schenkte mir von seinem Garten Weintrauben – vielen Dank!

Auch die Zwetschgen sind jetzt reif und ich esse hier so gute und süße Zwetschgen wie selten zuvor in meinem Leben. Gegen Abend erreiche ich ca. 4 km vor der Ortschaft Bagkonjak eine Tankstelle wo ich nach einer Unterkunft frage. So lerne ich hier Süleiman kennen. Er hat in Stuttgart gearbeitet und leitet jetzt die Tankstelle hier. Er bietet mir an hier mein Zelt aufzubauen und lädt mich auf eine Käsepide ein. Die Nacht im Freien im Zelt schlafe ich gut, allerdings hat es hier auf einer Höhe von ca. 1.000 Metern schon Minusgrade in der Nacht.

Zeltplatz bei der Tankstelle vor Bagkonjak
Das Thermometer geht im Oktober in Anatolien schon unter 0 Grad – in dieser Nacht hatte es -3 Grad.

23.10. In der Früh kommt Süleiman mit 2 Simits und einer Teigtasche gefüllt mit Käse vorbei und meint, das sei mein Frühstück. Beim Tankstellenwart bekomme ich warmen Tee und kann mich von der Nacht aufwärmen. Gut gestärkt geht es dann weiter in die Ortschaft Bagkonjak und Kozlucay, wo ich in einer kleinen Teestube mit Einheimischen einen Tee trinke.

Ortschaft Kozlucay in Anatolien – von hier geht es auf einen Pass auf 1.700 Meter

Von hier führt die Straße auf einen Pass auf 1.700 Meter, da muss man sich schon vorher noch ein wenig stärken. Um die Mittagszeit erreiche ich dann den Pass und auch hier gibt es eine kleine Hütte wo Tee ausgeschenkt wird und ich meine Mittagspause verbringe.

Kurz vor dem Pass auf ca. 1700 Metern

Mit frischem Bergwasser, das hier entspringt, gehe ich dann hinunter nach Cankurtaran und weiter in die Ortschaft Engili. Da die Nächte im Zelt schon etwas kühl werden, befrage ich mich beim Pidebäcker nach einer Unterkunft.

Pidebäcker in Engili

Es ergibt sich nichts wirklich Brauchbares und so fülle ich meine Wasserflaschen. Ein wenig außerhalb des Dorfes finde ich in einem Obstgarten ein geeignetes Plätzchen und verbringe eine weitere Nacht in meinem Zelt hier in Anatolien.

24.10. Um ca. 2h morgens muss ein Hund mein Zelt entdeckt haben und er beginnt ordentlich zu bellen. Er beruhigt sich dann zwar wieder, aber ich finde nicht wirklich mehr zu meinem Schlaf. Ziemlich müde packe ich dann noch in der Finsternis meinen Rucksack und mein durch Kondensationswärme nasses Zelt zusammen und gehe ca. 1,5 Stunden in die nächste Ortschaft Ilicak.

Teestube in der Ortschaft Ilicak – der Ofen gibt gute Wärme

Nach einem Frühstück mit viel Tee und 3 Simits komme ich schön langsam wieder in die Gänge und erreiche gegen Mittag die Ortschaft Ilyaslar wo ich einen Toast esse und mein Zelt in der Sonne trocknen lasse.

Teepause am Weg nach Derbent

Gegen 17 komme ich dann in die Ortschaft Doganhisar und ich frage auf der Straße jemanden um eine Unterkunft. Dieser jemand ist Mustafa und ruft einen anderen Mustafa (Mustafa Doyduk) an, der mich in seiner Wohnung im Tugra Otel übernachten lässt. Das Vertrauen scheint hier beinahe grenzenlos zu sein.

25.10. Heute habe ich wieder einmal gut geschlafen und bei Morgengrauen esse ich in einem Lokal eine Mercimek Suppe mit Brot und trinke cay. Nach einer kurzen Pause in Basköy gehe ich bis ca. 1 Stunde vor der Ortschaft Cigil wo ich meine restlichen Simits und einen Apfel zumittag esse.

Mit Kindern in einer Ortschaft am Weg nach Derbent – Tourist, tourist, tourist hörte ich sie noch rufen als ich weiterging
Renault ist DIE Automarke in der Türkei – hier einer der neueren Sorte, ein R12
Am Weg nach Derbent
Abendstimmung in Anatolien – hier am Weg nach Derbent

Durch wunderschöne Landschaft auf einer Höhe von bis zu 1.500 Metern gelange ich nach mehr als 45 km im Bergdorf Derbent an. In einer Teestube lerne ich den einheimischen Imam kennen, der mir eine Unterkunft bei Üzür verschafft. Die Dorfjungen scharen sich um mich und beschießen mich mit Fragen. Schließlich bringen sie mich in die Teestube von Üzür und er zeigt mir mein Zimmer über der Teestube. Nach einer warmen Dusche stärke ich mich in der Lokantasi von Isa mit Linsen, Brot und einigen Fleischstückchen. Dann holt mich Üzür ab, wir trinken noch einen gemeinsamen cay und er ist einverstanden, dass ich eine zweite Nacht bei ihm verbringe. Ausserdem erreichen mich an diesem Abend keine so freudigen Nachrichten von zuhause.

26.10. Heute morgen merke ich, dass ich auch nicht mehr der Jüngste bin und 45 km nicht meine bevorzugte Tagesdistanz sind. Bei einer Mercimek Suppe verbringe ich den Morgen wieder bei Isa und lasse dann beim Schneider im Ort meine Hose richten.

Isa bereitet die Döner für das Mittagessen vor
Zum wiederholten Mal landet meine Hose beim Schneider – hier in Derbent. Er arbeitet ca. 30 Minuten an meiner Hose und verlangt dann 15 TL (weniger als 1 Euro)

Ich werde heute hier noch ein wenig rasten und mich von den letzten Tagen erholen bevor es morgen weiter Richtung Konya geht.

Nach einem guten Döner bei Isa durchstreife ich noch ein wenig das Dorf und gehe früh schlafen. Erholung war angesagt.

27.10. In einer Bäckerei bekomme ich direkt vom Holzofen zwei Brötchen, die ich mir in einer der vielen Teestuben schmecken lasse.

Bäckerei in Derbent

Dann verabschiede ich mich von Isa und diesem beschaulichen Bergdorf auf ca. 1.500 Metern. Danach geht es auf fast 2.000 Meter hinauf, wo ich mit einem Schafhirten ein paar Worte wechsle und die schöne Aussicht genieße.

Blick auf die Ortschaft Mülayim und dem zentralen Anatolien – auf ca. 1.950 Metern war das die bisher höchste Erhebung auf meiner Wanderung

In der Ortschaft Mülayim suche ich vergeblich nach einem Lebensmittelladen. Schließlich bekomme ich vom Dorflehrer Brot, Tomaten und Äpfel. Er ist aus Konya und pendelt jeden Tag hierher zur Arbeit. Dann gehe ich auf Feldwegen weiter in die Ortschaft Salahattin. Ich setze mich neben der Moschee auf ein Bankerl und esse die Reste vom Lehrer in Mülayim. Es gesellt sich dann ein 65-jährkiger Türke zu mir. Sein Haus befindet sich genau gegenüber der Moschee und seine Frau bereitet uns Tee zu. Seine Kinder seien alle in Konya und er betreibt hier mit seiner Frau eine kleine Landwirtschaft. Als ich ihm von meiner Pilgerwanderung erzähle, meint er schließlich, er würde auch gerne einmal nach Mekka gehen. Bei diesen Worten sah ich eine große Sehnsucht in seinen Augen. Schließlich gibt er mir auch noch einmal Brot, Tomaten und Äpfel mit auf den Weg und wünscht mir alles Gute. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich für Leute wie ihn die Pilgerreise mitgehe…

Teepause in Salahattin – ich spürte seinen Wunsch nach einer Hadsch (Pilgerreise) nach Mekka

Am Abend komme ich dann in Basarakavak an wo ich im Büro des örtlichen Muhtas (Bürgermeisters) übernachten kann. Und das obwohl er gerade nicht im Dorf ist und ich ihn nicht kenne. Ich frage mich welcher Bürgermeister bei uns zuhause das zulassen würde. Am Abend esse ich von meinem Proviant und betrachte wieder die regen Gespräche in einer der Teestuben.

28.10. In der gleichen Teestube wie gestern gleich gegenüber dem Büro des Muhtars esse ich gemeinsam mit einem Einheimischen Brot, Tomaten, Äpfel, etc… Dies waren in letzter Zeit meine Hauptmahlzeiten geworden 🙂 Am Weg nach Kücükmuhsine lerne ich einen Kuhhirten auf seinem Pferd kennen und zwei Hunde begleiten mich bis weit in den Tag hinein.

Kuhhirte – am Weg nach Sille

Auch im Bergdorf Kücükmuhsine gibt es kein Lebensmittelgeschäft, sodass ich froh bin noch etwas Proviant im Rucksack zu haben. In Sille angekommen gehe ich in das Konak Hotel, der einzigen Unterkunft im Dorf. Es sei leider alles ausgebucht, meint der Besitzer Mehmet nur. Als er mein langes Gesicht sieht meint er, er könne mir am Abend wenn alle Gäste weg sind eine Matratze am Boden richten. Bei den derzeitigen Temperaturen in der Nacht draußen willige ich natürlich gerne dazu ein. Am Abend erzählt er mir auch, dass bis zum Bevölkerungsaustausch mit Griechenland in den Jahren 1923 und 1924 hauptsächlich Griechen in diesem Dorf lebten. Als sie 1924 nach Griechenland gebracht wurden, wurden alle Häuser zerstört und neu aufgebaut. Nur sein Hotel, die Kirche und die Hammam haben diese Zerstörungsaktion überstanden. Ich verbringe einen ruhigen Abend in seinem Kaffee und gegen Mitternacht gehen die Lichter aus.

29.10. Mehmet lädt mich in der Früh auch noch zum Frühstück ein – absolut legendär und empfehlenswert! Nur erlesene Produkte kommen auf den Tisch wie der Honig aus der östlichen Türkei, die Honigmelone von Cumra und die Oliven aus Mut.

Mit Mehmet, dem Besitzer des Konak Hotels in Sille, beim Frühstück – vielen Dank!

Dann besuche ich noch die Aya Elena Kirche und das Time Museum bevor ich mich von Mehmet verabschiede und die restlichen 12 km nach Konya gehe.

Aya Eleni Kilisesi (Kirche der Heiligen Helena) in Sille

Bei einer Moschee ca. 5 km vor dem Zentrum esse ich die letzten Reste der Tomaten, etc und erreiche am frühen Nachmittag das Zentrum von Konya.

Nach mehr als 6 Monaten und 4.000 km erreiche ich nun also Konya – die Stadt der Sufis und Derwische

Das Usulan Hotel von Ali, das ich von früheren Besuchen bereits kenne, wird nach wie vor renoviert und so quartiere ich mich im Aziziye Hotel gleich neben der gleichnamigen Moschee in der Nähe des Basars ein. Pro Nacht inkl. Frühstück 200 TL und die Zimmer sind okay. Ich hole mir dann vom Araf Hotel meine neuen Schuhe, die ich ja von Istanbul hierher geschickt habe. Die Wanderung kann weitergehen.

Mit den neuen Schuhen im Araf Hotel in Konya

Im Anschluss daran besuche Shemsi Tabrizi in seiner letzten Ruhestätte in der gleichnamigen Moschee. Er war 1185 in Täbris im heutigen Iran geboren was ihm später auch den Namenszusatz gab. Er war einer der großen Sufi Mystiker und Derwische seiner Zeit. Seine Wanderschaft brachte ihn schließlich nach Konya wo er Mevlana (Rumi) traf, seinerseits wiederum der Gründer der Derwischbruderschaft Mevlana und einer der größten persischen Dichter. Er war auch Freund, Lehrer und Schüler von Rumi.

Grabmal von Shemsi Tabrizi in der gleichnamigen Moschee

In der Nähe des Grabmals von Shemsi esse ich in der Ali Baba Kebapci einen herrlichen Kebab mit Lammfleisch.

Weltbester Kebap mit Lammfleisch und selbstgemachtem Ayran

Das Essen ist wirklich fantastisch gut in der Türkei. Den Abend verbringe ich im Kulturzentrum bei einer Sema, einer ca. einstündigen Tanzvorführung der sich im Kreis drehenden Mevlana Derwische. Immer wieder schön so etwas zu erleben.

Besuch einer Sema im Kulturzentrum von Konya – Derwische der Mevlana Derwischbruderschaft drehen sich dabei im Kreis

Kurze Erklärung: Ein Derwisch ist ein Mitglied einer religiösen islamischen Ordensgemeinschaft, zu dessen Riten Musik und rhythmische Tänze gehören. Sie sind vor allem durch Bescheidenheit und Disziplin bekannt. Seit Jahrhunderten ist für die tanzenden Derwische das Drehen um die eigene Achse ein Mittel, um im Rahmen des Sufismus, der islamischen Mystik, zu mehr Erkenntnissen über sich selbst zu kommen und sich mit dem Göttlichen zu verbinden.

30.10. Ich komme gerade vom Frühstück zurück und habe soeben mit Muttern telefoniert. Ihr Rucksack wurde wieder gefunden und alles ist wieder gut, hallelujah! 😇

Gesamtkilometerca. 4.030

Fazit: Die Türkei ist für mich das Land des cays (Tees), der Simits (Sesamringe), der Gastfreundschaft, der vielen Moscheen und Schafherden und der bellenden Hunde. Das zentrale Hochland von Anatolien erscheint im Herbst in wunderschönen Farben und erzeugt in mir eine unglaublich schöne innerliche Ruhe. Möge sie sich auf das Umfeld übertragen. Nach mehr als 4.000 km und 6 Monaten habe ich nun auch zu Fuß Konya erreicht und die Wanderung geht bald wieder weiter Richtung Südost.

TÜRKEI – Teil 3 (Selcuk/Ephesus – Aydin – Pamukkale)

05.10. Da ich wieder einmal eine Dusche brauche und hier auch länger bleiben möchte, quartiere ich mich für 350 TL im Nicea Hotel ein. Während mir die Putzfrauen die Wäsche macht, besorge ich mir zwei neue Ersatzheringe. Da es hier keine Heringe für mein Zelt gibt biegt mir ein geschickter Türke zwei 200er Nägel zurecht. Sie sind zwar etwas schwerer aber brechen auch nicht so schnell. Dann besuche ich das sehenswerte Museum mit Fundgegenständen hier aus Ephesus.

Artemisstatue aus dem 2. Jhdt n. Chr. – Sie ist im der griechischen Mythologie u.a. die Göttin der Jagd und der Tierwelt und gilt als Schutzherrin der Stadt Ephesus.

Als ich vom Museum zurückkomme, bringt mir die Putzfrau die gewaschene und trockene Wäsche. Frisch geschniegelt gehe ich mich mit meiner Hose und meinem Zelt wieder einmal zu einem terzi (Schneider), der mir versichert bis morgen wieder alles geflickt zu haben. Dann mache ich noch eine Runde in der Stadt, esse im Zentrum der Stadt und liege wiederum vor 20h im Bett und schreibe diese Zeilen.

06.10. Heute werde ich die antike Stadt Ephesus besuchen und habe mir dabei einiges vorgenommen. Zuerst frühstücke ich in einer kleinen Bäckerei Börek und Simit bevor ich mich zu Fuß auf den Weg Richtung Ephesus und dem Haus der Mutter Maria mache. Es ist immer ein ganz eigenes Gefühl so in alten Überresten von Städten zu gehen mit der Vorstellung, dass diese vor Jahrtausenden erbaut und entstanden sind.

Grotte der 7 Schläfer von Ephesus – Heiligenlegende mit einer Tradition im Christentum und im Islam

Ephesus, oder Efes wie es in der Landessprache auch genannt wird, ist natürlich ein Besuchermagnet und bereits um 9h morgens werden Touristen in großen klimatisierten Bussen herangebracht. Es gelingt mir gerade noch vor dem großen Andrang einen ersten Eindruck der Stadt zu bekommen, bevor ich weiter zum Haus der Mutter Maria gehe. Diese Kapelle auf einer Anhöhe von ca. 380m wird von Pilgern als möglicher Wohn- und Sterbeort der Maria Mutter Gottes gesehen.

Haus der Mutter Maria – möglicher Wohn- und Sterbeort der Mutter Maria

Danach gehe ich noch einmal zu den Überresten der antiken Stadt Ephesus zurück um sie mir noch genauer anzusehen. Am Weg hinunter nach Ephesus verabschiede ich mich auch vom Meer und der Ägäis. In Ephesus angekommen stärke ich mich mit einem halben Liter Wasser, die Preise sind hier ein Vielfaches vom Normalpreis. Allerdings schon sehr beeindruckend wieviel noch von dieser ehemaligen römischen Hauptstadt der römischen Provinz Kleinasiens erhalten ist.

Celsus-Bibliothek in Ephesus – eine öffentliche antike Bibliothek römischer Zeit
Hadrian’s Tempel – tempelähnliches Monument, dem Kaiser Hadrian (117 – 138 n. Chr.) gehuldigt

Auch ein österreichisches Archäologenteam war hier mit den Ausgrabungen beschäftigt und ist es auch heute noch.

Die Ausgrabungsarbeiten dauern nach wie vor an – in der antiken Stadt Ephesus

Ziemlich müde komme ich nach ca. 20 km wieder zurück nach Selcuk und schaue mir auch kurz noch den Artemistepel und die Johanneskirche an.

Überreste der Johanneskirche in Ephesus – sie war einst einer der größten Sakralbauten des Byzantinischen Reiches

Nach einer kurzen Stärkung bei Wasser und Cay hole ich mir vom Schneider die Hose und das genähte Zelt ab. Einwandfreie Arbeit um 30 TL (keine 2 €). Als ich ihm Trinkgeld geben will lehnt er dankend ab. So sind sie, die Türken… Ich kaufe mir dann noch einen Lippenschutz in der Apotheke, da der Wind und die Sonne noch immer sehr stark sind hier untertags. Auch das Ladekabel für mein Handy hat den Geist aufgegeben. Schön langsam wird mein mitgebrachtes Material müde, wie mir scheint… 🙂

Morgen früh geht es von hier wieder weiter landeinwärts Richtung Osten und dem zentralen Anatolien.

07.10. – 09.10. Ich verließ am 7. Oktober Selcuk in Richtung Osten und Sirince.

Blick auf Selcuk und das Meer
In den Straßen von Sirince – ein Bergdorf in der Nähe von Selcuk
Freskomalerei in der Johanneskirche in der Ortschaft Sirince

Die letzten drei Tage ging ich also weg von der Küste und landeinwärts in das große Anatolien. Hier ist gerade Erntezeit. Jeden Tag kommen mir viele Traktoren entgegen, geladen mit Strohballen, Baumwolle oder Holz. Auch hier steht der Winter vor der Tür.

Dieser Traktor hatte allerdings eine andere Mission – er geleitete ein Dromedar

Manchmal wird es auch eng auf den Straßen und ich muß aufpassen, daß mich nicht einer der LKWs oder Traktoren ungewollt mitnimmt.

Magnesia am Mäander – eine antike Stadt im Westen Kleinasiens

Die Gegend ist relativ flach, so komme ich gut voran. Gehen, Essen, Trinken und Schlafen könnte man die letzten Tage wohl am besten beschreiben bei meinem Spaziergang nach Jerusalem.

Baumwollfelder am Weg nach Pamukkale
Caypause im Schatten eines großen Baumes

Es gelingt mir immer wieder eine geeignete Unterkunft zu finden, bei den Preisen hier kann ich nicht widerstehen. So war es das Itak Hotel bei der Tankstelle in Ortaklar (195 TL), das Aydın Cembilitas Hamam Otel in Aydın (350 TL) und gestern das Kolcuoğlu Hotel ebenfalls bei der Tankstelle in Yenipazar (120 TL).

10.10. Ich gehe die paar Kilometer vom Hotel zurück nach Yenipazar und erledige ein paar Telefonate, die bereits anstanden. Es ist hier das Land der Baumwolle. Die Ernte hat jetzt voll eingesetzt und wie ein Tourguide aus Pamukkale erklärt, können auch viele der Einheimischen davon leben.

Baumwollernte am Weg nach Pamukkale

Die Bauern bringen auch die Strohballen für den Winter heim, die Kühe werden es ihnen danken.

Die Strohballen gehören unter ein schützendes Dach – am Weg nach Pamukkale

Gegen Abend erreiche ich dann doch noch die Ortschaft Pirlibey. ‚Es gebe hier keine Unterkunft, nur im ca. 5 km entfernten Kuyucak‘, wird mir gesagt. Da es allerdings bereits finster wird auch keine gute Option. Auf meine Frage, ob es möglich wäre, in der Moschee zu schlafen, meint ein Einheimischer, er müsse den Imam fragen. Ich höre ihn darauf hin mit ihm telefonieren, viel ‚tamam‘ (okay) und nach ein paar Minuten sagt er mir, dass auch der Imam einverstanden ist. Zuvor esse ich noch eine sehr gute pide im einzigen Esslokal des Ortes. Immer wieder interessant zuzusehen, wie der Teig gestreckt wird und die länglichen Teigformen dann im Holzofen verschwinden. Zurück am Dorfplatz lerne ich Yusuf kennen, der 18 Jahre in Linz in der Voest und in der Schiffswerft gearbeitet hat. Jetzt ist er in der Pension und lebt wieder in seinem Heimatort.

Mit Yusuf in seinem Heimatort Pirlibey – vielen Dank!

Er spricht noch immer sehr gut Deutsch und zeigt mir dann so gegen 21h in der Moschee den Platz, wo ich die Nacht verbringen kann. Er übernimmt die Rechnung für cay, cahva, etc, ich sei der Gast des Dorfes – vielen Dank Yusuf und all ihre Türken!

Übernachtung in der Moschee von Pirlibey

11.10. Ich wache früh auf und während ich meine Sachen zusammenpacke kommt auch schon der Imam vorbei. Er wusste von mir und wir tauschen uns so gut es geht aus bevor er zum Gebetsruf ansetzt. Übrigens hat er dies hier noch selbst getan, von wegen Tonband, etc… Während zwei oder drei Gläubige zum Beten kommen, verlasse ich auch schon wieder die Moschee und werde letztlich auch noch zum cay eingeladen. Ich gehe heute bei staubiger Luft über 40 km, teils durch eine große Baustelle wo eine neue Straße gebaut wird. Zweimal halte ich einen LKW an um mir einen halben Liter Wasser zu geben. Einmal bleibt einer selber stehen und gibt mir zwei hartgekochte Eier und Brot raus.

Eine der vielen cay Pausen in der Türkei – eine gute Gelegenheit Türken und ihr Land kennenzulernen, etwas Türkisch zu lernen und ihnen etwas von meinem Land und meinem Weg zu erzählen

Nach mehreren Cay Pausen erreiche ich dann ein Hotel mit einem Thermalbad. Genau das Richtige für mich heute und kurz darauf sitze ich schon im warmen Thermalwasser und entspanne mich vom langen Tag. Auch hier spricht der Besitzer Thair gut Deutsch und wir verbringen den Abend gemeinsam.

12.10. Zum Frühstück esse ich heute etwas von meinem Müsli. In Sarayköy macht mir eine Frau eine Kelle Paca csorba. Es ist dies ein Suppe mit Fleischstückchen drinnen, die auch recht gut schmeckt.

Kelle Paca csorba – die Suppen werden hier mit Salat und Brot serviert

Wieder eine der angeblich über 100 verschiedenen Suppen in der Türkei kennengelernt. In der Ortschaft Asagisamli lerne ich einen Tourguide kennen, der gut Englisch und Deutsch spricht. Obwohl ich wirklich nicht hungrig bin und noch 10 km bis Pamukkale vor mir habe lässt er es sich nicht nehmen, mich auf einen Köftesandwich einzuladen. Nach weiteren 10 km erreiche ich gegen Abend dann die Ortschaft Pamukkale und quartiere mich im Otel Anatolia (350 TL inkl. Frühstück pro Nacht) für zwei Nächte ein. Pamukkale ist für seine natürlichen Thermalbecken, umgeben von weißem Kalkstein, sehr bekannt und daher auch bei den Touristen sehr beliebt. Auch die Preise sind hier daher wieder andere. Weysel, der Hoteljunge, übernimmt meine schmutzige Wäsche, und nach ein paar cays gehe ich früh schlafen.

13.10. Heute mache ich wieder einmal einen Rasttag und genieße es um 8h beim Frühstückstisch zu sitzen. Mit frisch gewaschener Wäsche starte ich dann so um 9:30 in Richtung der weißen Sinterterassen, für die Pamukkale bekannt ist. Beim Eingang muss man nicht nur 200 TL Eintritt zahlen sondern auch die Schuhe ausziehen.

Barfuß und die Sandalen im Sackerl, geht es die kalksteinhaltigen Sinterterassen von Pamukkale hoch

Barfuß wandere ich dann mit vielen anderen Touristen aus allen Ländern der Welt die einzelnen mit mineralhaltigen Thermalwasser gefüllten Terassen hinauf. Im Anschluss daran gibt es hier auch mit Hierapolis wieder eine antike griechische Stadt zu besichtigen. Der Ort war im Altertum schon berühmt für die warmen Quellen, deren Wasser unterhalb der Stadt die weißen Kalksinterterassen von Pamukkale entstehen ließ. Besonders gefallen mir die Nekropolis mit den vielen Sarkophagen und das römische Theater.

Detail eines Sarkophags in der Nekropolis von Hierapolis

Während ich mich zur Mittagszeit bei einem Tee stärke, rufe ich bei Muttern an. Alles in Ordnung zuhause und sie wird heute wieder einmal in den Schallenberg fahren.

Gut erhaltenes römisches Theater von Hierapolis

Viel gut erhaltene Bausubstanz, ein gutes Museum und eine schöne Aussicht auf die Umgebung lassen mich letztlich den ganzen Tag da oben verbringen, bevor ich die weißen Sinterterassen wieder herunter spaziere in die kleine Stadt Pamukkale.

Statue von Hades, dem Gott der Unterwelt und der Toten – aus dem 2. Jhdt. nach Chr.
Paragleiter über den weissen Sinterterassen von Pamukkale
Die zahlreichen Touristen genießen die warmen Quellen von Pamukkale

Zuerst stärke ich mich mit einer EzoGelin Suppe bevor ich meine Schwester Edith anrufe. Sie hat ja heute ihren 60. Geburtstag und ich gratuliere ihr dazu. Es geht ihr soweit gut und sie feiert gerade das freudige Ereignis mit Kaffee und Kuchen bei ihrer Nachbarin.

Dann kehre ich wieder in mein Hotel zurück wo ich gerade einen Kaffee in der Lobby trinke und diese Zeilen schreibe.

Gesamtkilometerca. 3.555

Fazit: Die Gastfreundschaft der Türken ist wirklich legendär. Es gibt so gut wie keinen Tag ohne irgendeiner Einladung. Ich fühle mich sehr wohl und sicher hier in diesem Land. Möge es so bleiben!

TÜRKEI (Teil 2): Assos – Bergama (Pergamon) – Izmir (Smyrna)

19.09. Um ca. 06:30 sitze ich im Finstern bei Cay und Simit und starte um ca. 7h bei Morgendämmerung meinen heutigen Tag. Es ist auch hier bereits frisch in der Früh und so wechsle ich erst so gegen 9h von meinem langärmeligen auf mein kurzärmeliges T-Shirt. Untertags treffe ich einen Jungen mit seiner Ziegenherde bevor ich am Abend an der Küste einen wunderschönen Campingplatz entdecke. Kurzerhand ändere ich meine Übernachtungspläne und stelle mein Zelt direkt mit Blick auf das Meer auf. An der Westküste der Troas Halbinsel lassen sich die Sonnenuntergänge wunderbar genießen und ich lerne auch Mariam aus Istanbul kennen. Sie ist am Weg nach Antalya, wo noch ihre Eltern wohnen. Sie fährt langsam die Küste runter und arbeitet hier als Übersetzerin remote. So kann sie gut Arbeit mit Urlaub verbinden.

20.09. Am frühen Morgen begleitet sie mich noch in den alten Hafen von Dalyan wo wir gemeinsam frühstücken und uns dann verabschieden. Sie wird hier noch einige Tage bleiben, für mich geht es weiter Richtung Süden. Am Vormittag erreiche ich die antike Stadt Alexandria Troas, die ca. im 3. Jhdt vor Chr. gegründet wurde. Sie erlebte ihre Blüte während der Römerzeit einige Jahrhunderte später. Besonders sehenswert sind die noch relativ gut erhaltenen Bögen der Herodes Atticus Therme.

Letzte Überreste der Herodes Atticus Therme in der antiken Stadt Alexandria Troas

Ich ernähre mich an diesem Tag hauptsächlich von dem Gemüse und den Früchten, die hier von den Frauen am Straßenrand zum Verkauf angeboten werden.

Gemüseverkäuferin am Weg nach Gülpınar

Über schöne Feldwege und wenig Asphalt erreiche ich kurz vor 19h die Ortschaft Gülpınar. Hier zeigt sich im Abendlicht ein wunderschöner Tempel, den ich mir noch, kurz bevor es finster wird, anschaue. Es ist der Apollo Smintheus Tempel, der vor einigen Jahren renoviert wurde und dem Gott Apollo geweiht ist. Ich übernachte für 250 TL (ca. 14€) im Gästehaus des Dorfes gleich neben der Moschee.

Apollo Smintheus Tempel in Gülpınar

21.09. Eine ältere Frau bereitet mir am Morgen ein türkisches Frühstück zu, das auch im Preis inkludiert ist. Es gibt hier meist Tomaten, Gurken, Käse, Oliven, Ei, Weißbrot und Tee. Die Hotelpreise sind hier so leistbar, sodass ich beschlossen habe doch vermehrt auch wieder in Unterkünften zu schlafen. Frisch geduscht ist halt doch immer wieder eine andere Qualität… Am Weg zur antiken Stadt Assos begegne ich heute vielen Schafhirten mit ihren Herden.

Frau beim Machen von Köfte (Hackfleischbällchen) – kurz vor Assos

Gegen 18h quartiere ich mich dann in der Ortschaft Behramkale in der Assos Tekin Pansyion ein, Preis 200 TL. Den Sonnenuntergang verbringe ich beim Athena Tempel und genieße den herrlichen Blick auf die Ägäis und die griechische Insel Lesbos. Der Nachbar ist sehr nahe hier.

Athena Tempel in Assos

22.09. Bei einer Busstation decke ich frühmorgens wieder einmal meinen Bedarf an Simits ab bevor ich entlang der Straße Richtung Osten und Kücükkuyu und Akcay gehe. Diese Gegend ist zum Teil bereits stark verbaut. Auch die Autobahn nach Izmir führt hier vorbei sodass ich mich hier nicht länger als notwendig aufhalte.

23.09. Auch heute starte ich wieder früh bei Morgengrauen und gehe entlang der Küste Richtung Burhaniye, das ich erst spät nach ca. 38 km erreiche. Übernachtung im Hotel Bayraktar direkt am Hauptplatz von Bürhanye, 200 TL inkl. Frühstück, sehr gut!!!

Atatürk Statue am Hauptplatz von Bürhanye. Als würde die Taube in seiner rechten Hand für Frieden rufen…

24.09. Heute knacke ich nach exakt 5 Monaten die 3.000 km Marke. Das ergibt genau einen Schnitt von 20 km pro Tag, inkl. Rasttage, etc… Ausserdem erfahre ich von Johannes, dass er gut mit seiner Reisegruppe in Istanbul gelandet ist. So steht einem geplanten Treffen am kommenden Dienstag nichts mehr im Wege. Am Weg nach Bagyüzü komme ich in einigen Ortschaften (zB Yabancilar) vorbei in denen es entweder kein Geschäft gibt oder eben eines gerade geschlossen hat.

Typischer Friedhof in der Türkei, hier in Yabancilar – es reicht auch ein ganz einfacher, natürlicher Stein inmitten von Zypressen
Ortschaft Yabancilar am Weg nach Izmir

So verpflege ich mich von reifen Feigen und bin froh, dass ich in Yabancilar von einer Frau 1 Liter Wasser bekomme. Gegen 17h erreiche ich dann die Ortschaft Bagyüzü und in einem Minimarkt lerne ich einen Einheimischen kennen, der gut Englisch spricht und mich zu einer Dorffeier einlädt. Es gibt ein Beschneidungsfest und viel Essen und Trinken. Im Islam ist es für Jungen ein Gebot und für Mädchen verboten. Es ist wie für die Juden ein Zeichen für ihren Bund mit Gott. Es ist allerdings anders wie im Judentum keine Pflicht sondern eine Empfehlung des Propheten Mohammed. Im Koran steht sie nicht. Fast alle muslimischen Männer sind beschnitten. Besonders in der Türkei fallen die Beschneidungsfeste prachtvoll aus. Letztlich bietet man mir dann auch noch an im Dorfgästehaus zu übernachten.

Mit Einheimischen in der Ortschaft Bagyüzü – es gab ein Beschneidungsfest im Dorf.

Mit dem Franzosen Emmanuel aus Paris – auch er ist zu Fuß nach Jerusalem unterwegs, und das ohne Geld! Es funktioniert…

Als ich mich schon niederlegen möchte, ruft mich plötzlich Emmanuel, ein Franzose, an. Er ist ebenfalls zu Fuß unterwegs und wir waren schon einige Zeit in Verbindung. Er sei ebenfalls im Dorf und habe von mir gehört. So gehe ich noch einmal zur Feier zurück und treffe ihn und andere Einheimische. Letztlich übernachtet er im selben Zimmer wie ich. Da er müde ist schläft er früh. Ich trinke noch ein Efes Bier mit Einheimischen bevor auch ich mich zur Ruhe begebe.

25.09. Emmanuel und ich frühstücken gemeinsam und starten dann gemeinsam unsere Wanderung Richtung Bergama und Izmir.

Am Weg nach Izmir – bei herbstlichen Temperaturen um die 20 Grad macht das Wandern wieder so richtig Spaß!

Er erzählt mir, dass er von Paris gestartet ist und via Italien, Albanien, etc in die Türkei gekommen ist. Er ist 31 Jahre alt und reist gänzlich ohne Geld. Und es funktioniert… Er wird immer wieder eingeladen und manchmal bekommt er auch Spenden, mit denen er sich über die Runden hält. In der Ortschaft Yukaribey essen wir zumittag und während ich zu Hause anrufe, ruht sich Emmanuel in einem Park aus. Als er gegen 15h immer noch im Park sich ausruhte machte ich mich alleine auf den Weg Richtung Bergama wo ich derzeit im Bergama Selinos Hotel nächtige. Es ist bereits Nebensaison, so lassen sich immer wieder gute Preise ausverhandeln. Emre, der Juniorchef gibt mir einen guten Preis, macht mir auch noch die Wäsche und bereitet mir letztlich auch noch ein sehr gutes Schwammerlgericht zu. So werde ich morgen gestärkt und wieder sauber in Bergama einlaufen. Iyi geceler – Gute Nacht!

26.09. Gut gestärkt und mit frisch gewaschenem Gewand erreiche ich am späten Vormittag Bergama, das antike Pergamon. Schon von weitem sehe ich die Akropolis (Burg, Burgberg) von Bergama, die sowohl mit der Seilbahn als auch mit dem Auto erreichbar ist. Natürlich auch zu Fuß… 🙂

Die Akropolis (Burg) von Pergamon ist bereits von weitem sichtbar!

Auch im Tas Konak Hotel bekomme ich als Pilger einen Spezialpreis für 2 Nächte (500 TL) und werde dafür auf Ihrer Webseite erscheinen… 🙂 Heute steht hier Sightseeing an. Zuerst besuche ich die Stadt und das archäologische Museum, in dem viele Funde von Pergamon zu sehen sind.

Frauen beim Plausch mit ihren typisch weiten Hosen – in den Straßen von Bergama
In den Straßen von Bergama – eine Teepause geht immer!
Schreibarbeiten werden hier noch auf der Straße mit einer alten Schreibmaschine erledigt – der Mann beherrschte das Adlersystem perfekt… 🙂
Das Medusa Mosaik aus dem 3. Jhdt n. Chr. dekorierte einst den Boden eines Gebäudes in der Akropolis von Pergamon – Im Archäologischen Museum von Bergama

Danach gehe ich zur Asklepieion, ein Heiligtumskomplex im Westen der Stadt, der für den griechischen Gott der Heilkunst, Asklepios, eingerichtet wurde. Es gab hier verschiedene Methoden zur Heilung von Krankheiten, man könnte es als Kuranstalt in der Antike bezeichnen.

Via tecta im Asklepieion – in der römischen Kaiserzeit wurde diese Straße von der Stadt Pergamon zum Heiligtum erbaut. Hier wurden die Patienten von den Ärzten voruntersucht. Die Todkranken und schwangeren Frauen wurden nicht in die Heilanstalt eingelassen. Im Hintergrund die Akropolis.

Um ca. 17h erreiche ich dann die Talstation der Seilbahn, die mich für 100 TL zur Akropolis raufbringt. Ich verbringe hier oben einen wunderschönen Abend zw den Überresten dieser antiken Stadt.

Trajan Tempel – Akropolis von Pergamon
Trajan Tempel im Abendlicht

Beim Runtergehen auf der antiken Straße verlaufe ich mich mit meinen Schlapfen und nur mit Mühe gelange ich zu meiner Unterkunft zurück.

27.09. Heute mache ich wirklich einmal einen Rasttag und genieße ein ausgiebiges Frühstück mit selbstgemachtem Brot, Eierspeise, Käse, Tomaten, Gurken, Butter, Marmelade und Honig. Und mehrere Tassen Cay durften natürlich dabei auch nicht fehlen. Es tut wieder einmal gut einfach nur durch die kleinen Gässchen zu gehen, Moscheen zu besuchen und kleinere Einkäufe wie ein neues Zahnbürstel, Zahnpasta und eine kleine Vorratspackung an Müsli mit Walnüssen zu erledigen.

Galenos von Pergamon (129 – 216 n. Chr.) – ein vorwiegend in Rom tätiger griechischer Arzt.

Rote Halle – Tempel der ägyptischen Götter

Heute ist auch ein Treffen mit Johannes Aschauer, dem Initiator des Jerusalemwegs (https://www.jerusalemway.org), geplant. Während ich in meine Unterkunft zurückgehe ruft mich Johannes an und erzählt mir, dass er und seine Reisegruppe bereits in Bergama ist.

Wenig später holen sie mich von der Roten Halle mit ihrem Taxi ab und nehmen mich mit rauf zur Akropolis. So habe ich noch einmal die Möglichkeit mit ihnen gemeinsam die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Akropolis wie den Trajan Tempel und das römische Theater zu besichtigen. Wir kommen auch bei einer Zisterne vorbei und bei einem Münzwurf gelingt es mir, eine 1 TL Münze auf einen Sockel zu platzieren. So sollte sich mein Wunsch erfüllen, dass ich noch heuer bis Weihnachten gesund und munter Jerusalem erreiche, inshallah…

Mit Johannes und der Reisegruppe aus AT und D vor dem Trajan Tempel auf der Akropolis in Bergama

Während der Besichtigung lerne ich auch einige Mitglieder der Gruppe kennen und tausche mich auch mit Johannes aus. Wie schnell sind die 5 Monate vergangen als ich ihn am Anfang meiner Wanderung in Mauthausen und Arbing getroffen habe.

Selfie mit Johannes auf der Akropolis von Pergamon – er ist im Jahre 2010 gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Otto Klär und David Zwilling nach Jerusalem gegangen

Er gibt mir noch einige Tipps für die bevorstehende Route durch die Türkei bevor wir uns wieder verabschieden. Die Reisegruppe wird in den kommenden Tagen mit ihrem Bus die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des türkischen Teils des Jerusalemwegs erreichen und besuchen können. Es war ein schönes Wiedersehen und ich lasse den Rasttag und Abend bei einer türkischen Pizza (Pide) ausklingen.

Pide – die türkische Pizza

28.09. Mit neuen Aufklebern für den Jerusalemweg verlasse ich heute Bergama wieder. In ca. 4 Tagen plane ich in Izmir zu sein wo bereits meine neuen Schuhe warten.

Derweilen habe ich noch keine übersehen… 🙂

Die heutige Route führt mich durch kleine Ortschaften. Meine Mittagspause verbringe ich bei einer Moschee wo ich einen Teil meines Müslis und die restlichen Früchte von Emre aufesse. Bauarbeiter laden mich wenig später auf ihrer Baustelle auf einen cay ein.

Cay Pause mit Bauarbeitern – am Weg von Bergama nach Ismailli

Es ist heute sehr windig und so bin ich froh gegen 17:30 in der Ortschaft Ismailli anzukommen. Ein älterer Herr deutet mir den Weg zu einer Unterkunft, da auch hier der Minimarkt gerade geschlossen ist. Es ist das Thousand Ally Hotel (https://1000ally.com/) und Sibel, die gut Englisch spricht, bietet mir ein Zimmer mit Dusche, inkl. Abendessen und Frühstück um 20€ an. Sie betreibt dieses Hotel erst seit ca. 2 Monaten gemeinsam mit ihrer kleineren Schwester und deren Mann. Alle drei hatten genug von der Millionenmetropole Istanbul und versuchen hier ihr Glück! Die Köfte und das selbstgemachte Gemüse schmeckten hervorragend, sehr empfehlenswert diese Unterkunft!

Thousand Ally Hotel in der Ortschaft Ismailli

29.09. Während mir Sibel beim Frühstück noch den Unterschied zwischen der Mercimek (Grün, einfach zu machen und lange haltbar) und EzoGelin Suppe (Rot, mit Tomaten, Tomatenmark und mehreren Zutaten, nicht so lange haltbar) erklärt, schlage ich mir noch den Bauch mit Tomaten und Gurken frisch aus dem Garten voll. Zum Abschied gibt sie mir auch noch ein Sackerl gefüllt mit Spinat Börek, Tomaten, Gurken und Brot mit. Ich sollte damit heute und morgen auskommen. Wenn man soviel Essen geschenkt bekommt ist es immer so eine zweigeteilte Freude als Wanderer. Zum einen freut es einem natürlich und man will es nicht ablehnen, zum anderen muss man es natürlich auch tragen…:-) Im Zweifelsfall nehme ich es allerdings immer gerne an!

Mit Sibel beim Frühstück – bald wird auch ihre Mutter zu ihr nach Ismailli kommen, sehr zu ihrer Freude.

In einer der folgenden kleinen Ortschaften esse ich außerhalb einer Moschee zumittag die mitgebrachten Börek, usw. und raste mich in einem riesigen Sofa aus. Nach ca. 34 km erreiche ich die Ortschaft Bozalan. Es wird hier in den Teehäusern allgemein geduldet, mitgebrachtes Essen auszupacken und zu essen. In Bozalan bringt mir der nette Teehausbetreiber sogar ein Teller und Messer, natürlich trinke ich etwas bei ihm. Auf meine Frage ob es hier eine Unterkunft gebe, verneint er. Ich könne allerdings bei ihm im Teehaus mit meiner Isomatte und Schlafsack übernachten. Da es bereits dunkel wird, nehme ich dieses Angebot gerne an und schaue dann den ganzen Abend den Kartenspielern bei Ihren Künsten zu. So gegen 22h, als das Teehaus noch voller Leute ist, deutet mir ein Einheimischer, dass ich mit ihm mitkommen solle. Er zeigt mir die gleich nebenan liegende Moschee und meint, ich könne auch im Vorraum der Moschee schlafen wenn ich wollte. Ein sauberer Teppichboden ist natürlich schon etwas Besseres und vor allem muss ich nicht warten mit dem Schlafengehen, bis die letzten Kartenspieler nach Hause gehen. So bringe ich meinen Rucksack in die Moschee und verbringe so meine erste Nacht in einer Moschee. Sie sollte nicht die letzte bleiben… 🙂
Kartenspieler in ihrem Element! Im Hintergrund der nette Teehausbetreiber – in Bozalan.

30.09. Um kurz vor 6h früh erwachen ich mit dem Gebetsruf des Muezzins. In die Moschee kommt übrigens hier um diese Uhrzeit keiner zum Beten. So kann ich mich noch ein bisschen ausschlafen bevor ich im Morgengrauen gegen 7h früh wieder meine Sachen packe. Moscheen haben den Vorteil, dass es auch Stellen zum Waschen der Füße gibt, Toiletten und Handwaschbecken. All inklusive quasi… 🙂 Zum Frühstück esse ich das letzte Stück Brot mit einer Gurke, das mir Sibel mitgegeben hat und eine der großen Zwetschgen von Bergama. Mit deutlich leichterem Rucksack gehe ich heute Richtung Menemen, Izmir liegt schon in Reichweite. Vormittags kaufe ich mir in einem kleinen Shop einige Simits und Wasser bevor ich in Menemen Köfte esse.

Frauen vor einem kleinen Lebensmittelladen am Weg nach Izmir – die weiten Hosen sind hier bei den Frauen weit verbreitet.
Auch an den Hausfassaden zeigt sich immer wieder der Nationalstolz der Türken – und nicht nur der… 🙂

Zumittag setze ich mich bei den Restaurants meist ins Freie und schlüpfe aus den Schuhen raus. So bekommen meine Füße Luft und die Schuhe und Socken können ein wenig trocknen. Da ich morgen Izmir erreichen möchte, gehe ich noch spät in den Abend hinein. Und nachdem meine geplante Unterkunft ausgebucht ist, meint der Hoteljunge was ich denn von der naheliegenden Moschee halte. Nachdem ich jetzt gute Erfahrungen mit Moscheen gemacht habe, willige ich ein. Wenig später liege ich auch hier, natürlich mit Absprache des verantwortlichen Imams, auf dem feinen Teppich in der Moschee.

Übernachtung in einer Moschee in einem der Vororte von Izmir

Solche Nächte haben schon etwas ganz Besonderes! Es ist ein großes Privileg von den Einheimischen das Vertrauen zu bekommen hier übernachten zu können.

01.10. Ein neues Monat beginnt wieder so um 05:45 mit dem Ruf des Muezzins zum Gebet. Zum Unterschied zu Bozalan wurde mir gestern noch gesagt, dass hier frühmorgens sehr wohl praktizierende Muslims zum Gebet kommen. Ich packe daher sogleich meine Sachen. Bevor die ersten Männer kommen bin ich quasi schon nicht mehr da und sichtbar. Auch ich möchte sie nicht zuviel bei ihrem Gebet stören. Gleich nebenan hat bereits eine Bäckerei offen und ich frühstücke cay und Simit als ca. eine halbe Stunde später der Imam vorbei kommt. Er spricht gut Englisch und hat mich bereits gesucht. Er besteht darauf noch einen cay und ein Gebäck mit ihm zu frühstücken, er wolle mich einladen. Es wird dann fast 8h morgens als wir uns verabschieden. Auf die Frage wieso mich die Einheimischen in einer Moschee übernachten lassen, erklärt er mir, dass es im Koran stehe, Reisenden beim Erreichen ihres Zieles behilflich zu sein…

Frisch gestärkt gehe ich dann noch entlang des Meeres die restlichen 15 km durch die nördlichen Bezirke von Izmir bevor ich um die Mittagszeit eine Fähre auf die Südseite von Izmir nehme.

Fischer im nördlichen Izmir
Kleiner Hafen im nördlichen Izmir
Flamingos im nördlichen Izmir

Auf der Südseite ist das alte Izmir (früherer Name war Smyrna) mit der Promenade, dem alten Bazar und der alten Festung. Ich hatte ausnahmsweise im Lotus Garden Hostel ein Bett für 2 Nächte reserviert. Am Weg zum Hostel gehe ich durch den alten Basar und konnte einer EzoGelin Suppe nicht widerstehen. Sian, dein Tipp war wieder einmal sehr wertvoll! 🙂

Alter Basar (Kemeralti Basar) in Izmir
EzoGelin Suppe (Hauptzutaten sind Bulgur und rote Linsen) – ein wahrer Genuss!

Sie ist meines Erachtens noch besser als die Mercimek (beides sind ja Linsensuppen) und somit meine derzeitige Lieblingssuppe hier in der Türkei. Am Nachmittag hole ich mir die von Istanbul geschickten Asics Schuhe ab und werde von hier weg mit den neuen Schuhen weitergehen. Mit den alten Schuhen gehe ich auf die Straße und in den Basar. Sie haben schnell einen neuen Besitzer gefunden… 🙂

Dann lasse ich mir wieder einmal den Bart rasieren und die Haare schneiden. Friseurbesuche gehören für mich hier immer wieder zu einem besonderen Erlebnis! Bei einem cay telefoniere ich am Abend wieder einmal mit meiner Mutter und sie erzählt mir die letzten Neuigkeiten von zuhause. Sie war auf der Tappenkarseehütte im Großarltal wandern und in den Bergen hat es schon geschneit.

02.10. Ich hebe heute etwas Bargeld ab und besorge mir in einer Apotheke eine neue Salbe für meine Füße. Die liebe Burtschen aus dem Hostel meint sie wäre gut. Wir werden sehen… Jetzt sitze ich gerade bei einem türkischen Kaffee und werde heute noch die Atmosphäre der Stadt im alten Basar und im Konak Viertel an der Promenade verbringen. Morgen früh geht es wieder weiter – inshallah!

Kumre – eine Spezialität aus Izmir!
Uhrturm von Izmir – das Wahrzeichen der Stadt

Ich genieße den Abend noch im alten Basar und gehe früh ins Bett.

03.10. Um 6h morgens ist es jetzt auch hier noch finster draußen. Ich verlasse den Schlafraum möglichst leise und frühstücke in der Küche noch ein Müsli und einen Kaffee, den mir ein Mitbewohner gibt. Dann starte ich mit meinen neuen Schuhen die nächsten ca. 1.000 km bevor ich sie in Konya dann wieder wechseln werde – inshallah!

Von der Festung des antiken Smyrna hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den Hafen.

Blick von der Festung auf Izmir

Ich verbringe einen weiteren halben Tag um aus den Vororten dieser Millionenstadt raus zu kommen.

Kurz vor der Ortschaft Bulgurca wird es dann dunkel und ich versuche mein Zelt in einem Olivenhain aufzubauen. Allerdings ist der Boden derart trocken und hart, dass ich die Heringe kaum reinbekomme. Als dann auch noch einer bricht, packe ich etwas genervt wieder alles im Bausch und Bogen zusammen und suche bereits mit der Stirnlampe ein neues Plätzchen. Abseits der Straße finde ich dann doch noch einen geeigneten Platz und lege mich etwas geschafft zur Ruhe. Das war es aber noch nicht. Meine Stirnlampe muss den örtlichen Jäger alarmiert haben und er klopft bei mir am Zelt an. In meinen wenigen Brocken Türkisch erkläre ich ihm die Situation und er gibt sich damit zufrieden. Der Anblick von ihm mit seiner Büchse in der Hand ließ mich dann doch noch lächelnd einschlafen. Was nicht so alles abgeht an einem ganz normalen Tag, denke ich mir immer wieder.

04.10. Ich baue mein Zelt um ca. 6h ab. Es ist auch hier schon sehr frisch um diese Zeit und in Bulgurca wärme ich mich bei einem Tee auf. Am Nachmittag trinke ich in der Ortschaft Kurukuya wieder cay und beobachte dabei die Männer bei ihren angeregten Gesprächen. Manchmal glaube ich sie beginnen gleich zu streiten, dann lachen sie wieder gemeinsam… 🙂

Angeregte Gespräche in Kurukuya

Da es noch nicht so spät ist beschließe ich noch in die Ortschaft Yoncaköy zu gehen und dort am Meer wo zu übernachten. Es gibt hier keine Unterkünfte und ein Einheimischer, der gut Deutsch spricht, bietet mir an, mein Zelt bei ihm im Garten aufzustellen. Er gibt mir noch Wasser und muss dann weg. Vor dem Einschlafen merke ich wie eine Katze an meinem Zelt kratzt. Sie muss wohl mein Brot im Zeltinneren gerochen haben und wollte sich so Zugang verschaffen. Es ist eine sehr windige letzte Nacht am Meer und um Mitternacht suche ich meine Haube um mich nicht auch noch zu verkühlen.

Sonnenuntergang an der Ägäis

05.10. Am Morgen bemerke ich ein kleines Loch am Netz meines Zeltes, ein Souvenir meines nächtlichen Besuches. Und dann merke ich auch ganz leichtes Halsweh, jetzt kommt also wieder die Zeit um aufzupassen zu müssen. Nach ca. 1 Stunde Wanderung Richtung Ephesus geht mir das Wasser aus und ich frage bei einem Haus eine Frau ob sie mir die Flasche auffüllen könne. Während sie mit meiner Flasche im Haus verschwindet, kommt ihr Mann heraus und winkt mich zum morgendlichen Cay rein. Es sind dies Hussain und Marian, die hier gemeinsam in ihrem kleinen Häuschen leben. Wir verständigen uns irgendwie mit einigen Wörtern und nach ca. einer halben Stunde gehe ich gestärkt wieder weiter nach Selcuk.

Einladung von Hussain zum cay und Olivengebäck – vielen Dank!

Am Weg nach Selcuk, dem ehemaligen Ephesus, beobachte ich auch Männer und Frauen bei der Granatapfelernte. Es sind Syrer, die hier diese Arbeit verrichten. Die letzten Kilometer fuhren entlang der Festung und ich erreiche Selcuk um die Mittagszeit.

Syrer kurz vor Selcuk bei der Granatapfelernte

Gesamtkilometer: ca. 3.310

Fazit: Die Türkei hat auch kulturell sehr viel zu bieten. Dies wurde mir bei meiner Wanderung entlang der Troas Halbinsel nach Assos, Bergama und Izmir bewusst. Die Tempelanlagen von Bergama und das multikulturelle Flair von Izmir sind dabei die Höhepunkte. Ich hatte schon viele Wochen keinen Regen mehr und bei herbstlichen Temperaturen macht das Wandern mehr Spaß als je zuvor! Ich genieße es jeden Tag nicht zu wissen was passiert und wo ich schlafen werde. Und somit einfach darauf vertrauen, dass immer das Richtige zur richtigen Zeit kommt! Es funktioniert…

TÜRKEI (Teil 1): Kesan – Istanbul – Gelipolu – Çanakkale – Troja)

03.09. In Feres gönne ich mir um 6h morgens noch die letzten Bougatsa (süße griechische Mehlspeise) bevor ich die letzten 20 km an die Grenze zur Türkei gehe. Ein wenig mit Wehmut verabschiede ich mich von diesem wunderschönen Land. Allerdings freue ich mich jetzt auch schon auf die Türkei. An der Grenze angekommen erfahre ich, dass seit der Flüchtlingskrise 2015 die Grenze nicht mehr zu Fuß überschritten werden darf. So versuche ich es zuerst mit Autostop beim nahegelegenen Duty Free Shop. Diesen 1 km über eine Brücke wird mich ja doch wer mitnehmen. Ein Taxi kostet immerhin ca. 80 Euro. Als sich nach einer halben Stunde nichts tut, beschließe ich einfach loszugehen. Schauen wir einmal wie weit ich komme und wie weit sie mich gehen lassen… Und tatsächlich, nach ca. 400 Metern kommt eine Brücke, die von zwei gut bewaffneten Militärs bewacht wird. Einer davon spricht gut Deutsch und ich erkläre ihm meine Situation. Er kennt das Spielchen natürlich eh nur zu gut… Er stellt sich zu mir und meint, es wäre behilflich, wenn er bei mir steht, dass jemand stehen bleibt. Und tatsächlich, nach ca. 10 Minuten bleibt ein albanischer LKW Fahrer stehen, der nach Antalya unterwegs ist. Es lebe Albanien! Nach ca. 1 km setzt er mich wieder ab. Der Rest ist Routine und so gegen 14 h bin ich auf der türkischen Seite.

Merhaba Türkiye – Hallo Türkei

Ich gehe heute noch bis Ipsala und trinke dort nach meiner Ankunft einmal einen Cay (Tee) und esse ein Simit (ringförmiges Brotgebäck mit Sesamkörner drauf). Während ein netter Türke auf meinen Rucksack aufpasst, hebe ich türkische Lira ab und besorge mir eine türkische Vodafone SIM Karte. Während in Griechenland die Teller und Gläser oft stundenlang auf deinem Tisch stehen bleiben, haben es die Türken eher eilig mit dem Abräumen. Es erinnert mich an frühere Besuche… Manchmal hab ich den cay noch nicht einmal zur Hälfte ausgetrunken, versucht schon ein eifriger Kellner mir das Glas abzunehmen… Es hilft einfach nur die Hand draufzuhalten… 🙂 In einem Hotel in der Nähe des Hauptplatzes quartiere ich mich für 250 TL (1€ = ca. 18TL) ein und verbringe einen ersten ruhigen Abend in der Türkei.

04.09. Zum Frühstück gibt es heute eine Hühnersuppe. Ich liebe die verschiedenen Csorbas (Suppen) in der Türkei. In Hidirköy mache ich eine Teepause und werde vom Besitzer eingeladen.

Lieber Teehausbesitzer in Hidirköy – er lud mich auf einen cay (Tee) und su (Wasser) ein – Vielen Dank!
Hirte am Weg nach Kesan

In Yeniceciftlik mache ich Mittag und auch hier werde ich von zwei liebenswerten Türken aus Istanbul zum Essen eingeladen. Es ist hier Tradition, erklären sie mir, vor allem auf dem Land. Um ca. 15h erreiche ich dann die kleine türkische Stadt Kesan wo ich im Taskin Hotel um 250 TL (ca. 14€) übernachte, inkl. türkischem Frühstück. Ich finde das Preis-/Leistungsverhältnis hier in der Türkei sehr gut. Ich gehe wieder einmal zum Friseur, der mir die Haare schneidet und den Bart abrasiert. Das ganze um 50 TL (ca. 3€). Ich werde die kommende Woche einen Abstecher nach Istanbul machen, bevor es von hier weiter geht Richtung Dardanellen und Izmir.

Meine Zeit in Istanbul: Ein Bus bringt mich für 200 TL vom otorgar (Busbahnhof) in Kesan nach ca. 3,5 Stunden in die 16 Millionenmetropole Istanbul. Ich habe für 1 Woche ein Bett im Hush Hostel in Kadiköy im asiatischen Stadtteil reservieren lassen. Ich war hier schon zweimal und ich finde das Stadtviertel Kadiköy etwas entspannter und auch billiger zum Übernachten als die europäischen Stadtviertel Sultanahmet, Galata und Besiktas.

Simit Verkäufer im asiatischen Stadtteil Kadiköy in Istanbul

Ich habe hier einige Sachen zu erledigen. Zum einen lasse ich mir von einem Terzi (Schneider) wieder einmal meine einzige Hose nähen.

Dieser Terzi (Schneider) machte mir eine Tasche innen neu und wechselte einen Zip – das ganze um 80 TL (also knappe 5 Euro)

Im Stadtteil Besiktas gibt es im Zorlu Center (einer der größten Shopping Malls in Istanbul) einen Asics Shop wo sie meinen Schuh in meiner Größe haben. Ich kaufe ihn und lass ihn mir in ihre Niederlassung nach Izmir schicken. Dort werde ich dann auf diesen neuen Schuh umsteigen. Sonst kann ich auch wieder einmal im Hushhostel auf dem Laptop von Murat meine Fotos absichern und den Reisebericht über Griechenland via email ausschicken. Abendessen gehe ich immer in das Kadi Lokantası in Kadiköy wo es gutes und billiges Essen gibt. Gleich gegenüber trinke ich dann auch immer noch einen cay, wo man mich schon kennt.

Cay (Tee) schmeckt immer gut – hier im Stadtteil Kadiköy gegenüber der Kadi Lokantasi

Ein Besuch auf den Prinzeninseln darf natürlich nicht fehlen. Diesmal klappt es wirklich und ich habe so ein wenig die Heimat von meinem Freund Raffi in Wien kennen lernen dürfen. Raffi hat in jungen Jahren dort immer die Sommermonate verbracht, wie er mir erzählte. Letztlich eine sehr schöne Schifffahrt dorthin und man kann ein wenig dem Grossstadtlärm entfliehen.

Der Name der Prinzeninseln leitet sich aus der Zeit der Sultane ab: als man Thronstreitigkeiten unter den in der Regel zahlreichen Söhnen eines Sultans vermeiden wollte, wurden diese noch bis zur Herrschaft von Sultan Mehmet III. (1595 – 1603) vom Thronfolger bei seinem Regierungsantritt ermordet.

Blick von der Hagios Giorgios Kirche – auf der Insel Büyükada, der größten der Prinzeninseln.
Spieler auf der Insel Büyükada – ein Bild von Atatürk darf natürlich nicht fehlen!
Idylle auf der etwas kleineren und ruhigeren Prinzeninsel Burgaz Adasi

Sonst besuche ich auch noch die blaue Moschee, die derzeit innen gerade renoviert wird und den Gulhane Park in der Nähe der Hagia Sophia.

Blick auf die Hagia Sophia – einst Kirche, dann Museum und jetzt wieder Moschee…
Blaue Moschee (oder Sultanahmet Moschee) im europäischen Stadtteil Sultanahmet

Einheimische genießen den Blick auf den Galataturm

Von Eminönü auf der europäischen Seite gelange ich dann abends immer mit der Fähre hinüber in den asiatischen Stadtteil Kadiköy. Schon immer wieder interessant ein Besuch dieser Millionenstadt am Bosporus. Die Meerenge, die Europa von Asien trennt. Und Schifffahrt en gehören für mich hier einfach dazu!

Fähranlegestelle im asiatischen Stadtteil Kadiköy

Gestern schaute ich mir dann noch das Europa League Fußballspiel Fenerbahce vs. Dynamo Kyew an, das der lokale Klub Fenerbahce in Kadiköy 2:1 gewann. Bei so einem Spiel ist das Spiel eher unwichtig, es zählt hier einzig nur die Atmosphäre. Und die war ein Hammer!

Fenerbahce Stadium im asiatischen Stadtteil Kadiköy

So wurde der Siegestreffer zum 2:1 in der Nachspielzeit gegen Dynamo Kiew gefeiert

09.09. Heute wird mein Freund Andreas aus Wien hier eintreffen. Er hat mich ja in Serbien auch schon einmal besucht und mir vor allem neue Schuhe nachgebracht. Auch dieses Mal kommt Nachschub.. 🙂 Ich werde hier noch über das Wochenende bleiben bevor es am Montag wieder zurück nach Kesan und weiter zu Fuß Richtung Izmir geht. Güle, güle (Auf Wiedersehen)!

Andreas und ich haben uns um 16h in seinem Hotel in Sultanahmet verabredet. Er hat wieder einmal wie in Serbien ein neues Paar Schuhe, eine Tube Hirschtalgcreme und eine Tube Bepanthen im Gepäck. Wir feiern unser Wiedersehen bei einem Fischbrötchen unter der Galatabrücke und baklava, auf die sich Andreas schon gefreut hat. Ich fahre dann mit der letzten Fähre rüber nach Kadiköy und trinke noch einen cay vor dem Bettgehen.

Wiedersehen mit Andreas – Baklava durften natürlich auch nicht fehlen!

10.10. Um ca. 10h hole ich Andreas von seinem Hotel ab und die erste Tat heute ist, dass wir die mitgebrachten Schuhe in ein Hotel nach Konya schicken. Sie (die Schuhe) müssen sich jetzt noch ein wenig gedulden bevor sie in Zentralanatolien zum Einsatz kommen. Als Belohnung trinken wir zwei cays in einer Nebengasse bevor wir unsere Sightseeing Tour in Sultanahmet und im Galataviertel beginnen. Zuerst besuchen wir das Grab des türkischen Architekten Sinan bevor wir uns von der T1 (Straßenbahn) über die Galatabrücke in das gleichnamige Viertel bringen lassen. Hier besichtigen wir eine interessante unterirdische Moschee, die kaum besucht ist und lassen uns dann einen guten türkischen Kaffee schmecken. Danach erklimmen wir den Galataturm und schlendern dann die Istiklalstraße Richtung Taksimplatz. Es ist quasi der Hauptplatz der Stadt und auch hier legen wir eine Rast ein.

‚Denkmal der Republik‘ am Taksim Platz – es soll an die Gründung der Türkischen Republik im Jahr 1923 durch Mustafa Kemal Atatürk erinnern. Er ist hier zweimal zu sehen – als Militärsperson und als Staatsmann

Den Abend lassen wir in einem ausgezeichneten Restaurant für Iskender Kebabs (Kebapci Iskender) auf der asiatischen Seite in Kadiköy ausklingen.

11.09. Beim Frühstück unterhalten wir uns ob wir heute mit dem Schiff in das Goldene Horn fahren wollen oder entlang am Bosporus. Der nette Rezeptionist im Hotel erklärt uns wo die Schiffe in Eminönü Richtung Bosporus abfahren. Eine halbe Stunde später sitzen wir auch schon auf einem der Dampfer und genießen die Aussicht auf die europäischen Stadtviertel Galata, Besiktas, etc und auf vorbeifahrende Frachter aus allen möglichen Ländern.

Rumeli Festung am Bosporus, der Meerenge zwischen Europa und Asien

Wir fahren bis zur Endstation Sariyer. Kulinarisches highlight des Tages ist heute eine Iskembe Suppe (Kuttelsuppe), die aus dem Rinder- oder Schafsdarm gewonnen wird. Nur mit viel Knoblauch und Petersilie bringen wir die Suppe runter. Ich merke mir den Namen der Suppe, da ich die kein zweites Mal haben muß… 🙂

Zurück in Sultanahmet trinken wir noch einmal cay beim alten Bahnhofsgebäude. Danach essen wir noch einmal in einer Lokantasi, die bei uns an Kantinen erinnern. Es gibt Selbstbedienung und sie haben den Vorteil, dass man sieht was es gibt und man nur darauf zeigen muss was man will. So gibt es keine unangenehmen Überraschungen. Dann verabschiede ich mich von Andreas, da ich morgen bald in der Früh wieder Istanbul verlasse und meine Wanderung von Kesan Richtung Izmir fortsetzen werde. Es war eine sehr schöne und spannende Zeit hier in Istanbul. Immer wieder schön Freunde zu treffen und auch meine Füße konnten sich gut erholen.

12.09. Ich erwische gerade noch den Bus um 9h am otorgar in Istanbul und so erreiche ich um die Mittagszeit wieder Kesan wo ich meine Wanderung zu Fuß fortsetzen werde. In der Zwischenzeit ist es auch zumittag nicht mehr so heiß und so gehe ich heute noch ca. 15 km Richtung Gelipolu Halbinsel und den Dardanellen. Ich stelle mein Zelt am Rand eines Sonnenblumenfeldes auf und richte mich schon für die Nacht ein als der Besitzer und sein Sohn vorbeikommen. Sie wollen einfach nur wissen wer ich bin und was ich hier mache. Natürlich überhaupt kein Problem und sie hätten mich dann auch noch zum Abendessen eingeladen. Sehr gastfreundlich die Türken…

13.09. Da es in den Sommermonaten in Nordmazedonien und Griechenland sehr heiß war, ließ ich immer die Zelttür offen und verwendete nur das Moskitonetz vom Zelt zum Schlafen. Die Schuhe blieben im offenen Vorzelt. Auch an diesem Abend machte ich es so und am Morgen bemerke ich, dass mir ein Schlapfen fehlt. Diese hatte ich mir in Griechenland zugelegt um bei Pausen meinen Füßen mehr Luft zu geben. Es muss wohl der Kangal (anatolischer Hirtenhund) gewesen sein, der sich da einen Spaß erlaubte. Auch nach längerer Suche fand ich den Schlapfen nicht mehr und so ließ ich auch den zweiten zurück. In Zukunft werde ich allerdings mein Zelt wieder ganz schließen. Möchte nicht eines Tages mit nur einem Turnschuh aufwachen.. 🙂 Zur ‚Belohnung‘ bekommt der zutrauliche Hund auch noch was von meinem Frühstück ab.

Er war es wohl. Aber wer kann so einem Hund schon wirklich böse sein…

In der Ortschaft Adilhan trockne ich während der Mittagspause mein Zelt und lerne einen Einheimischen kennen. Die Schüsse, die vom Meer her zu hören waren, seien nur routinemäßige Militärübungen, meint er. So kann man dem nicht sehr geliebten Nachbarn auch seine Präsenz vermitteln… Als zur Mittagszeit der Muezzin zum Gebet aufruft folgen dem nur wenige Türken, die weiterhin an ihrem cay schlürfen. Auf meine Frage hin wie genau es denn die Türken mit den 5 Gebetszeiten pro Tag nehmen, meint er unter vorgehaltener Hand, dass manche auch gar nie beten. Sie würden es allerdings nie in der Öffentlichkeit preisgeben. Den Schein nach außen hin wahren, scheint auch in der Türkei wichtig zu sein. Wir verwenden den Google Translator um uns ein wenig zu verständigen und er fragt mich ob ich ein Ehepaar kennen lernen möchte, das in Wien gelebt hat. Das macht mich neugierig und wir besuchen die beiden in ihrem schönen Haus ein wenig außerhalb von Adilhan. Sie sind beide Mitte 70 und genießen hier den Lebensabend. Der Mann erzählt mir, dass er Schneidermeister war und lange eine Änderungsschneiderei in der Mariahilferstraße und im 18. Bezirk hatte. Die drei Kinder wohnen immer noch in Wien und manchmal kommen sie auch auf Besuch in die Türkei. Und beide sprachen ausgezeichnet Deutsch, das nach 51 Jahren in Wien immer noch gut funktionierte. Es gibt Feigen und Pfirsiche aus dem Garten, die hier so ganz anders schmecken als in Österreich. Eine Tasse türkischer Kaffee und Wasser durfte natürlich auch nicht fehlen.

Einladung von einem türkischen Ehepaar, das 51 Jahre in Wien lebte – vielen Dank!
Hirte mit seiner Herde

Nach ca. 30 km erreiche ich die Ortschaft Kavakköy, wo mir ein Restaurantbesitzer kleine Fische zubereitet. Es gibt hier keine Unterkunft aber ich kann mir zumindest in seinem Garten die Füße waschen. Letztlich übernachte ich wieder in meinem Zelt in einem Kiefernwald und verbringe eine ruhige Nacht.

14.09. Als ich frühmorgens mein Zelt abbaue bemerke ich, dass mich zwei Hunde in der Nacht bewacht haben. Wir frühstücken gemeinsam bevor ich mich Richtung Dardanellen aufmache. Heute ist mein 57. Geburtstag und so esse ich in der Ortschaft Bolayir zwei Teller Mercimek (Linsensuppe), meine Lieblingssuppe in der Türkei.

Mein Geburtstagsessen – Mercimek (Linsensuppe), meine Lieblingssuppe in der Türkei

Ich telefoniere untertags mit meiner Mutter und verbringe einige Zeit auch mit dem Beantworten der Glückwünsche. Wieder ein Jährchen um… In Gelipolu quartiere ich mich im Hotel Istanbul ein. Zum Geburtstag darf es doch auch wieder einmal eine Dusche geben! Den Abend verbringe ich mit dem Sohn des Hotelbesitzers in einem Café. Seine Meinung über die türkische Regierung ist nicht die beste, vorsichtig ausgesprochen…

15.09. Es sind noch ca. 45 km nach Cannakkale, die ich an einem Tag nicht gehen werde. So beschließe ich soweit wie möglich zu gehen und die Nacht im Zelt zu verbringen. Die Wanderung entlang der Halbinsel Gelipolu ist wunderschön. Auf der linken Seite die Dardanellen und auf der rechten Seite die Ägäis.

Blick auf die Dardanellen und vorbei fahrende Frachter

Untertags komme ich bei einem einheimischen Mädchen vorbei, das hier am Wegesrand ihre Wassermelonen, Tomaten, Paprika und sonstiges Gemüse verkauft.

Mädchen beim Verkauf ihres Obstes und Gemüses – ich kaufte ihr zwei Tomaten ab, als Draufgabe gab es ein Stück Wassermelone und Mandeln – vielen Dank!

Gegen Abend wird mein Wasser knapp und ich bin froh, dass ich eine Gedenkstätte an türkische Märtyrer (Akbas Friedhof) erreiche. Hier gibt es einen kleinen Shop mit Cola, etc und der liebenswerte Betreiber des Shops bringt mir auch noch Salz vorbei als er mich die Tomaten essen sieht.

Mein Abendessen – es gab Fisch von den Dardanellen!

Mit aufgefüllten Wasserflaschen zelte ich in der Nähe der Gedenkstätte.

16.09. Am Morgen schaue ich mir noch einmal die Gedenkstätte vom WK1 an bevor ich die letzten 10 km nach Eceabat gehe.

Akbas Friedhof – hier liegen türkische Soldaten, die als Märtyrer bezeichnet werden. Sie sind in der Schlacht bei Gallipoli während des WK1 gefallen.

Akbas Friedhof – hier liegen türkische Soldaten, die als Märtyrer bezeichnet werden. Sie sind in der Schlacht bei Gallipoli während des WK1 gefallen.

Von hier gehen Schiffe auf die asiatische Seite der Türkei hinüber, genauer gesagt nach Cannakkale. Ich erreiche Cannakkale um die Mittagszeit und quartiere mich im Obergeschoss des City Residence Hotels für 400 TL ein. Svetlana, die ukrainische Rezeptionistin, empfiehlt mir das Marinemuseum und einen Stadtspaziergang entlang der Promenade.

In den Straßen von Cannakkale

Im Marinemuseum sind hauptsächlich historische Boote und Waffen aus der Zeit im 1. Weltkrieg zu sehen.

Die Schlacht von Gallipoli (Gelipolu) wurde während des Ersten Weltkriegs vor und auf der türkischen Halbinsel Gallipoli auf der europäischen Seite der Dardanellen, aber auch auf der asiatischen Seite der Meerenge, zwischen Ägäis und Marmarameer ausgetragen. Sie endete mit einem Sieg des Osmanischen Reiches, das auf der Seite von Deutschland und Österreich kämpfte. Der Ausgang von WK1 ist allerdings auch bekannt…

Überreste des UB 46 – ein deutsches U-Boot, das mehrere Schiffe versenkte bevor es selbst von einer Unterwassermine im Jahre 1916 versenkt wurde.

Morgen geht es weiter Richtung Troja! Und die gute Nachricht – meine Blasen heilen ab seit ich keine Blasenpflaster mehr verwende und eine Hautemulsion schmiere. Ich hoffe es geht so weiter!

Den Abend verbringe ich entlang der Promenade wo gerade ein Trojafestival stattfindet.

17.09. Da es heute 32 km nach Troja sind stehe ich etwas früher auf und esse zum Frühstück Käse Burek und trinke einen cay mit Wasser. Es geht entlang der Küste jetzt Richtung Süden ohne große Steigungen und meist auf Asphalt. Da ist es auch einfacher ‚Kilometer zu machen‘, die Dardanellen immer in Blickweite. Zumittag kehre ich in ein kleines Lokal ein in dem es Pide (eine Art türkische Pizza) gibt. Auch gebe ich den Füßen immer wieder Frischluft indem ich während der Mittagspause aus den Schuhen und aus den Socken rausschlüpfe. Gegen 18h erreiche ich dann die Ortschaft Tevfikiye (früherer Name war Hisarlic), wo ich mich in der Pension Varol einquartiere. Ismael, der freundliche Besitzer, hat in Deutschland gearbeitet und spricht sehr gut Deutsch. Er gibt mir ein Zimmer für 200 TL (umgerechnet ca. 11€), das außergewöhnlich schön, groß und sauber ist. Sehr empfehlenswert diese Unterkunft! Am Abend bereitet mir die Frau von nebenan Mercimek und Köfte zu und ich gönne mir wieder einmal ein Efes Bier. Bei einem (oder besser zwei) cay im Ort beobachte ich die Männer beim Dorfplausch, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen hier. Teehäuser sind hier reine Männersache.

18.09. Gut ausgeschlafen gehe ich in ein anderes Teehaus frühstücken, das schon um 7h offen hat bevor ich den letzten Kilometer zu Fuß zu den Überresten der antiken Stadt Troja gehe.

Büste des griechischen Dichters Homer, im Hintergrund auch Büsten des Troja Prinzen Paris und der Helena.

Pünktlich um 08:30 kann man die Anlage von Troja betreten. Das erste was man zu sehen bekommt ist das berühmte trojanische Pferd, es gibt viele Mythen darüber.

Trojanisches Pferd in Troja – wurde 1975 fertig gestellt und dient hauptsächlich touristischen Zwecken

Selbst der griechische (anatolische) Dichter Homer hat im 8. Jhdt v. Chr. in seinem Heldenepos Ilias das Pferd und Troja bereits erwähnt und beschrieben.

Im Anschluss besichtige ich die Ausgrabungen der antiken Stadt Troja. Sie galt lange vergessen bevor der deutsche Kaufmann und Archäologe Heinrich Schliemann 1870 die Stadt wieder entdeckte.

Musiktheater in den Überresten der antiken Stadt Troja – erste Siedlung gab es hier bereits ca. 3000 v. Chr.

Da es hier auch noch ein sehr interessantes, nur 4 Jahre altes Museum gibt, beschließe ich noch eine weitere Nacht hier zu bleiben um mehr Zeit für den Museumsbesuch zu haben.

Museum in Troja – bis zu 8.000 Jahre alte Gegenstände werden hier gezeigt

Statue der Aphrodite, der Göttin der Schönheit aus dem 2. Jhdt. v. Chr. – Im Museum von Troja

Nach einer kurzen Mittagspause mache ich mit Ismael einen Ausflug an die Küste. Hier zeigt er mir noch deutsche Kanonen, die im Dardanellenkrieg 1915 verwendet wurden. Anschließend machen wir noch eine Teepause bevor wir wieder zurück fahren. Ismael gibt mir noch einige Tipps für den Weg bevor er sich zum Abendessen zurückzieht.

Mit Ismael (in der Mitte) und einem Freund von ihm bei einer Caypause.

Gesamtkilometer: ca. 2.870

Fazit:

Kaum in der Türkei angekommen wurde ich auch schon zu einem cay (Tee) und Simit (Brotgepäck) eingeladen. Die Gastfreundschaft kommt hier der im Kosovo schon sehr nahe. In Istanbul konnte ich nicht nur die Sehenswürdigkeiten und die türkische Küche genießen sondern auch einige organisatorische Dinge erledigen. Die türkische Küche gehört für mich zu einer der abwechslungsreichsten und besten Küchen der Welt. Letztlich macht die derzeit sehr niedrige Bewertung der türkischen Lira (1€ = ca. 18 TL) die Türkei für uns auch zu einem sehr preiswerten Reiseziel. Ausserdem sind auch meine Blasen wieder so gut wie verschwunden! Die Temperaturen gehen auch hier deutlich runter, sodass ich das Wandern auch wieder so richtig genießen kann. Ich freue mich jetzt schon sehr auf Izmir, Ephesus und das zentrale Anatolien. Güle güle (Auf Wiedersehen)!

GRIECHENLAND (Teil 2): Berg Athos – Stavros – Kavala – Insel Thassos – Alexandropouli – Feres

12.08. Da es einen Zusammenhang der Klöster auf dem heiligen Berg Athos und den Metéora Klöstern gibt (Mönch Athanasios floh ja bekanntlich vom Berg Athos nach Metéora), ließ ich es mir nicht nehmen, auch den heiligen Berg Athos auf der gleichnamigen Halbinsel von Chalkidiki zu besuchen. In Ouranoupoli angekommen erfahre ich, dass es morgen ein Schiff dorthin gibt. Da die Zimmer hier nicht unter 50 € pro Nacht zu kriegen sind, übernachte ich gemeinsam mit einem anderen Griechen ’sehr zentral‘ hinter dem Wehrturm am Strand.

13.08. Verschlafen müssen wir einen Covid Test machen um auf das Schiff zu kommen. Wir verbringen einen schönen Tag und sehen einige Klöster und den heiligen Berg Athos, der hier über 2.000 Meter aus dem Meer ragt.

Der heilige Berg Athos – nur Männern ist der Zutritt zu dieser Mönchsrepublik gestattet.
Ein Mönch in der Mönchsrepublik Athos

Danach erreiche ich gerade noch den Bus zurück nach Thessaloniki, wo ich noch eine Nacht im Zeus is loose hostel verbringe.

14.08. Nach mehr als 2 Wochen Pause vom Wandern starte ich also wieder gestärkt die Etappe Richtung Kavala, Alexandropouli und der Türkei, ca. 500 km.

Ein letzter Blick auf meine geliebte Stadt Thessaloniki (Saloniki)

Ich passiere viele kleinere Dörfer und finde letztlich bei einer eingezäunten kleineren Kirche einen guten Schlafplatz.

15.08. Heute ist Feiertag und in einem kleinen Dorf wird ein Gottesdienst gefeiert an dem ich auch teilnehme. Die Etappe von Thessaloniki nach Stavros ist landschaftlich wunderschön. Durch alte Eichenwälder gelange ich an einen größeren See.

Der Weg Richtung Osten führt durch alte Eichenwälder, hier am Weg nach Stavros

Ich verbringe in der Nähe des Ufers außerhalb des Ortes Loutra Volvis eine ruhige Nacht in meinem Zelt.

16.08. Heute erreiche ich den Küstenort Stavros. Es ist derzeit Hochsaison und vor allem viele Serben, Rumänen und Bulgaren machen hier Urlaub am Strand. Beim Vorbeigehen am Grill beschleunige ich den Schritt. Der Duft der gegrillten Fische, etc lockt verführerisch. Ich beschließe am heutigen Abend auch Fisch zu essen und kaufe mir eine Dose Sardinen und Brot. Eines meiner Lieblingsessen, das geht immer… In der Pension Pfaffenhofen ca. 5 km außerhalb von Stavros finde ich dann doch noch ein freies Zimmer. Der freundliche Besitzer, der auch gut Deutsch spricht, gibt mir einen Spezialpreis. Vielen Dank für den Unterkunftstipp Claudia, wenn Du das liest…:-) Es gibt eine wohlverdiente Dusche und auch meine Kleidung kann ich etwas waschen.

17.08. Immer wieder kommen mir hier in der Region Makedonien Hirten mit ihren Schafherden entgegen. Für mich bedeutet das immer Vorsicht vor den beschützenden Hunden. Bisher habe ich noch keine schlechte Erfahrung mit ihnen gemacht. Sie kommen dann doch geballt scharf bellend nahe, aber sie begnügen sich bisher immer relativ schnell damit wenn ich ihnen nicht zuviel Beachtung schenke. Ich hoffe stark, dass das so bleibt!

Gemeinsam sind wir stärker… 🙂

In der Nähe eines Monuments mit einem riesigen Löwen kreuzt sich mein Weg mit dem eines jungen Radfahrers aus Jakutien im weiten Osten Russlands.

Das Löwenmonument aus dem 4. Jhdt vor Chr. – gewidmet dem Admiral Laomedon von Lesbos, ein Gefährte von Alexander dem Großen
Vasilli aus Jakutien im Fernen Osten Russlands – er ist mit seinem Fahrrad von seiner Heimat nach Portugal unterwegs

Er ist von seiner Heimat nach Portugal unterwegs und suchte Wasser, das ihm ausgegangen war. Auch seine Meinung zum Russland/Ukraine Konflikt war beeindruckend. Ich zeige ihm meine letzte Wasserstelle, wir tauschen Kontakt aus und verabschieden uns in unterschiedlicher Richtung…

Die Nacht verbringe ich wieder auf einer der Schafherden und hoffe den heimkehrenden Schafen hier nicht mit meinem Zelt im Weg zu stehen.

18.08. Heute beginnt der Tag schon in der Früh mit einem Schreckmoment! Ich lasse übernacht immer meine Schuhe und Socken im Vorzelt stehen. Als ich in den linken Socken schlüpfe, merke ich, dass etwas uneben ist. Als ich dann noch in den Schuh rein wollte, wurde es knapp und immer enger… Und zwar für ein ca. 7 bis 8 cm großes, ca. 1 cm dickes blaues Kriechtier, das aussah wie ein Tausendfüßler. Ich bemerkte es leider erst als es sich zur Notwehr setzte und stach. Der Schmerz ließ nach ca. 2 Stunden Gehen wieder nach. In Zukunft werde ich nicht nur die Schuhe sondern auch die Socken genau unter die Lupe nehmen bevor ich rein schlüpfe.

In IIliokomi lädt mich eine nette Supermarktbesitzerin auf ein großes Schinken / Käseweckerl ein. Mit aufgefüllten Wasserflaschen verlasse ich gegen Abend das Dorf und verbringe eine romantische Nacht inmitten eines Olivenhaines.

19.08. Auch in diesem Teil Griechenlands steigen die Temperaturen derzeit noch auf ca. 35 Grad. So beschließe ich heute früher aufzustehen und mit Hilfe der Stirnlampe baue ich um 4h morgens das Zelt ab.

Morgenstimmung in Makedonien – auch die Griechen brauchen Strom!

Es steht heute eine kleine Bergetappe zum Kloster Eikosiphoinisses an, das ich um ca. 8h erreiche.

Kloster Eikosiphoinisses

Es gibt hier Kaffee und Turkish Delights (oder Lokum), eine Süßigkeit, die ursprünglich aus der Türkei stammt. Gegen Mittag erreiche ich dann die Ortschaft Agios Christoferos, wo ich derzeit Mittag mache.

Die Brombeerzeit hat hier gerade richtig begonnen – willkommene Vitamine!

Mein Freund Panagiotis aus Athen hat mir eine Schlafgelegenheit in Kavala besorgt, wo ich morgen eintreffen sollte.

25.08. Ich sitze gerade in einem Café im Hafen von Prinos auf der Insel Thassos und versuche mich an die letzten Tage zurückzuerinnern. Am Weg nach Kavala komme ich auch an der antiken Stadt Philippi vorbei, die vorher Krinides hieß. Philipp II, der Vater von Alexander dem Großen, gab ihr seinen Namen nachdem er sie erobert hatte. Auch war es der Völkerapostels Paulus, der hier in der Stadt Philippi um das Jahr 49/50 n. Chr. die erste christliche Kirchengemeinde auf europäischem Boden gründete. Ohne ihm gebe es wohl kein Christentum…

Da hat sich jemand ein kühles Plätzchen gesucht – in der antiken Stadt Philippi

Vor dem Theater in der antiken Stadt Philippi – die alte Handelsstraße Vía Egnatia führt hier direkt vorbei.

Gegen Abend erreiche dann entlang der Vía Egnatia, eine der bedeutendsten Militär- und Handelsstraßen der antiken Welt, die kleine Küstenstadt Kavala.

Blick auf die Altstadt und den Hafen von Kavala

Mein Freund Panagiotis aus Athen hat hier in jungen Jahren studiert und dementsprechend immer noch viele Freunde. Einer davon ist Kostas, bei dem ich die nächsten zwei Tage bleiben kann. Wir verbringen gemeinsam mit seiner Tochter Alexandra zwei schöne Tage in Kavala und besuchen dabei auch Alexandra im Café, in dem sie in den Ferien arbeitet. Kostas betreibt hier einen Reinigungsladen in der Altstadt wo auch noch seine Mutter lebt. Wir besuchen sie in ihrem wunderschönen Haus mit Meeresblick und bringen ihr Essen vorbei. Sie hat bereits Schwierigkeiten mit dem Gehen und ist froh, dass sich ihr Sohn um sie kümmert. Samstagabend verbringen wir in einer griechischen Taverne und verkosten die griechischen Spezialitäten und Wein von der Insel Limnos.

Mit Kostas und seiner Tochter Alexandra in einer Taverne in Kavala

Am Montagmorgen des 22. Augusts verabschieden wir uns ‚bis zum nächsten Mal‘. Ich habe mich entschlossen ein paar Badetage auf der Insel Thassos zu verbringen. Eine Fähre bringt mich nach ca. 1,5 Stunden Fahrzeit auf die Insel Thassos in den Hafen von Prinos.

Fähre von Kavala auf die Insel Thassos
Kavala im ‚Rückspiegel’…

Ca. 1 km vom Hafen in Prinos entfernt gibt es einen Campingplatz, wo ich mein Zelt aufstelle und die nächsten Tage verbringe. Die letzten drei Tage besuchte ich u.a. das Dorf Theologos, die Hauptstadt der Insel Limenas (Thassos Town) oder einfach nur den Strand und lausche dem Meeresrauschen.

Verlassenes Haus mit den typisch steinernen Dächern im Bergdorf Theologos auf der Insel Thassos

Und irgendwonn bleib i donn dort… 🙂
Die Pfirsiche werden direkt von der Ladefläche des Autos verkauft – hier im alten Hafen von Limenas
Jünger Mann (wahrscheinlich Apollo) hält einen Widder – eine 3,5 m hohe Statue aus dem 6. Jhdt vor Chr., im Archäologischen Museum in Limenas

Gestern Abend hatten wir allerdings ein starkes Gewitter mit viel Wind und Regen und es hat angenehm abgekühlt. Für mich ein Zeichen, dass es auch für mich wieder Zeit wird, aufzubrechen. Ich verbringe heute noch einen ruhigen Tag hier bevor ich morgen früh mit der ersten Fähre wieder nach Kavala ans griechische Festland zurückfahre. Von dort geht meine Wanderung nach einer kleinen Pause wieder weiter Richtung Osten von Griechenland und der Türkei.

26.08. Auch von gestern auf heute morgen hatten wir noch einmal ein starkes Gewitter mit viel Regen. Nicht gerade das was man sich am Campingplatz mit dem Zelt wünscht. Und so packe ich frühmorgens um halb sechs im Finstern das patschnasse Zelt in meinen Rucksack ein und gehe Richtung Hafen. Pünktlich um 07:15 legt dann das Schiff ab. Während uns die Möwen verfolgen, lerne ich an der Reling den Bischof Stefanos kennen.

Bischof Stefanos auf der Fahrt von der Insel Thassos nach Kavala

Er ist der Metropolit der Insel Thassos, Kavala und Thessaloniki und bereitet gerade einen hochrangigen Besuch aus Athen, Kiew und Istanbul vor.

In Kavala angekommen holt mich Kostas vom Hafen ab. Wir gehen gemeinsam zu seiner Reinigungsfirma und trinken dann noch gemeinsam einen Kaffee. Auch Kopi, seine Frau und Alexandra kommen vorbei und gegen 11h verabschieden wir uns dann.

Mit Kostas in seinem Stammcafe in Kavala

Für mich geht die Wanderung wieder weiter Richtung Osten in die Türkei. Durch 5m hohes Schilf, einigen Baumwollfeldern und Olivenhainen gehe ich jeden Tag ca. 30km.

Olivenhaine aam Weg Richtung Alexandropouli im Osten von Griechenland

Ich passiere Lagunen mit Flamingos und gelange am dritten Tag am Abend in die Ortschaft Mesi wo ich im Garten einer Tankstelle mein Zelt aufstellen kann.

Lagunen mit Flamingos am Weg nach Alexandropouli

Es ist bereits Ende August und der September naht. Es hat zwar immer noch jeden Tag ca. 32 Grad aber es weht immer ein kühlendes Lüftchen vom Meer her, was für angenehme Abkühlung sorgt.

Schlafen am Strand ist wunderschön – am Weg nach Alexandropouli

Entlang der Küste und vielen Urlaubsressorts geht es letztlich dann die letzten Kilometer nach Alexandropouli.

Leuchtturm in Alexandropouli, ein Wahrzeichen der Stadt

Ich quartiere mich hier im Hotel Park ein und werde von der Besitzerin auf eine Portion Ladyfingers (Okra) mit einem Stück Feta Käse und Brot eingeladen. Sie erklärt mir, dass heuer im Februar ihr Vater gestorben ist und die Familie jetzt überlegt wie sie das Hotel weiterführen soll. Sie arbeitet in Luxemburg als Übersetzerin bei der UNO und ihre Schwester lebt in Thessaloniki, kein leichtes Unterfangen also. Im Hotel lerne ich auch noch Gian Piero und seine Frau aus Rom kennen, die jedes Jahr hier urlauben und den Vater auch gut gekannt haben. Besonders Gian Piero ist an meiner Wanderung interessiert und lädt mich zu ihm nach Rom ein falls meine Rückkehr dort vorbei führt, wer weiß…

An einem Abend gehe ich zu einen Dermatologen, der meine Füße und die Blasen in Augenschein nimmt. Er sticht mir zwei Blasen auf, desinfiziert sie und ratet mir von den Compeed Pflastern ab. Ich könne allerdings problemlos weitergehen. Wir werden sehen wie es weitergeht damit… 🙂

Am zweiten Tag erzählt mir die Besitzerin, dass am Vorabend ihr Onkel gestorben ist und er heute begraben wird. So ist es bei den orthodoxen Christen. Hier werden die Verstorbenen gleich am nächsten Tag begraben.

02.09. Heute starte ich wieder meine Wanderung und erreiche gegen Abend den griechischen Ort Feres, wo ich mich im Hotel Anthi einquartiere. Ich gönne mir eine Dusche und genieße meinen letzten Abend in Griechenland mit einem großen Teller Gyros. Morgen geht es über die Grenze in die Türkei!

Gesamtkilometer: ca. 2.650

Fazit:

Was wäre meine Wanderung ohne Thessaloniki, den Metéora Klöstern, Kavala und der Insel Thassos gewesen. Ich habe in Griechenland ein wenig ‚Urlaub vom Urlaub‘ gemacht, wenn man das so sagen kann. Bei der guten griechischen Küche und dem Meeresrauschen durchaus angebracht. Die Preise sind allerdings auch hier in Griechenland stark gestiegen, was das Leben für viele Einheimische nicht leicht macht. Ich habe auch viel Armut gesehen. Ich hoffe das Beste für das Land und den Menschen, die hier leben. Efcharisto poli Hellas! Ihr Hellenen werdet mir lange in Erinnerung bleiben!

GRIECHENLAND (Teil 1): Polykastro – Thessaloniki – Metéora

27.07. Kalimera Hellas (Hellada) – Guten Morgen Griechenland! Wieder einmal ein neues Land und wieder eine neue Sprache, ein anderes Volk, eine andere Kultur… Es gehört zum Reisen dazu, sich immer wieder einzugewöhnen, neue Wörter zu lernen, usw…

Kalimera Hellas (Hellada) – Guten Morgen Griechenland

Im ersten kleinen Dorf lernt mir die Besitzerin des Kaffeehauses die wichtigsten Wörter, die ich in den nächsten Wochen gut gebrauchen kann: Kalimera (Guten Morgen), efcharisto poli (vielen Dank), nero (Wasser), jassu (hello, auf Wiedersehen), pschomi (Brot), usw…

Im Ort Pefkodasos lerne ich den lieben Yanni kennen, der gut Deutsch spricht und viele Jahrzehnte in Stuttgart gearbeitet hat. Er verbringt die Winter immer noch in Deutschland. Im Sommer vermisst er die Sonne und das Essen im Freien…

Mit dem lieben Yanni in Pefkodasos

Gegen Abend erreiche ich die größere Ortschaft Polykastro. Hier gibt es für das erste einmal alles was ich brauche. Neue Pflaster und eine Salbe für meine Blasen, eine lokale griechische SIM Karte und gutes griechisches Essen. Nach dem Abendessen verlasse ich den Ort mit aufgefüllten Wasserflaschen und finde unter einem alten, schön aussehenden Baum einen romantischen Platz zum Schlafen. Aber wieder wird eine Nacht nicht so ruhig und romantisch wie geplant… 🙂

28.07. Gegen 2h morgens kommt extrem starker Wind auf und als ich ins Freie krieche, wird mir mein Fehler bewusst. Ich hatte das Zelt wirklich schön unter den Baum gestellt. Nur mit dem Nachteil, dass, wenn ein morscher Ast abbricht, dieser mich eventuell bei viel Glück ins Jenseits befördert. Abbauen geht auch nicht mehr bei dem Wind. So bleibt mir nur mehr übrig, daß ich fern vom Zelt im Freien bleibe. Und bangend hoffe ich, dass der Baum stark bleibt, er bleibt es auch… Als der Wind so gegen 6h morgens nachlässt, baue ich das Zelt ab und bin froh, heil davon gekommen zu sein. Ein Anfängerfehler bei der Zeltplatzauswahl. Aber wer rechnet schon bei diesem schönen Wetter jeden Tag mit so viel Wind auf einmal? Ich rechne in der Zwischenzeit mit allem und werde mein Zelt bei keinem Wetter mehr unter so einen Baum stellen.

Dieser ‚romantische‘ Zeltplatz erwies sich dann doch als nicht ganz so romantisch…

Ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag wieder was anderes dazulerne… Die Blasen an den Füßen sind ja auch größtenteils hausgemacht. Wozu brauche ich hier Schuhe mit einer Goretex Membran wenn es eh nie regnet. Dafür unterbindet die Goretex Membran jegliche Luftzufuhr zu meinen Füßen, da freut sich aber die Haut. Blasen sind nur die logische Folge. Und ich habe wahrlich keine empfindliche Haut… In dieser extremen heißen Etappe zwischen Skopje und Thessaloniki lerne ich bis jetzt am meisten dazu!

Gegen Mittag erreiche ich eine verlassene Tankstelle in Evropos. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die noch in Betrieb ist. Der Besitzer erklärt mir in gutem Deutsch, dass sein Großvater sie noch betrieben habe als es die Autobahn nach Thessaloniki noch nicht gab und hier dementsprechend viele Autos vorbeikamen. Heute ist Evropos ein verlassenes Dorf, in dem es auch kein Geschäft mehr gibt. So bin ich froh, dass er mir zumindest die Wasserflaschen auffüllt.

Im Ort Aspros gibt es nur eine Verpflegungsstation und ich lerne eine lustige Runde Männer kennen, die quasi beim Frühschoppen sitzen, zum Teil auf leeren Bierkisten wie ich. Sie lernen mir noch ein zusätzliches Wort – – > Jammas (Prost)… 🙂

Lustige Runde in Aspros

Es ist zur Zeit immer noch zu heiß in den frühen Nachmittagsstunden zu wandern. So lege ich mich in einem anderen Kaffeehaus im Schatten auf den kalten Fliesenboden um mich abzukühlen und auszuruhen.

Ein kühler Fliesenboden sorgt während einer Mittagspause für eine kurze Abkühlung, hier im Dorf Aspros

Den Abend verbringe ich im Zelt in der Nähe der Zuggleise und man glaubt es nicht, aber ich verbringe eine ruhige Nacht!

29.07. Gut ausgeschlafen starte ich frühmorgens und frühstücke auf einer Tankstelle. Die Tankstellen sind in letzter Zeit mein Hoffnungsschimmer geworden… 🙂 Ich gehe an diesem Tag noch bis Sindos, ca. 15 km vor Thessaloniki. Hier erklärt mir wiederum ein Tankwart, dass die Gegend nicht ganz sicher sei, viele Hunde, etc… Und Zimmer gibt es auch keine hier.

So frage ich bei einem Haus mit Garten einen jüngeren Griechen, der grad den Rasen spritzt, ob ich bei Ihnen im Garten mein Zelt aufstellen könne. Nach Rücksprache mit seinem Vater wird mir Eintritt gewährt und ich fühle mich sicher in meinem Zelt.

Zeltplatz in Sindos, einem Vorort von Thessaloniki. Ein liebenswerter Grieche ließ mich in seinem Garten übernachten.

30.07. Am nächsten Morgen schlafe ich gleich bis 7h. Was es ausmacht, wenn der Körper sich sicher fühlt… Der junge Grieche begrüßt mich mit einem herzerfrischenden ‚Kalimera‘ durch das Zelt herein. Im Nu kommt er auch noch mit einem kleinen Tischchen und einem Sessel und so frühstücken wir gemeinsam griechischen Kaffee und selbstgemachten Zitronenkuchen in ihrem Garten. Dann muss er weg und ein wenig später verabschiede ich mich auch noch von seinem Vater, der mir nochmals Wasser reicht. Die Gastfreundschaft gibt es auch in Griechenland noch.

Am Vormittag gehe ich dann noch die restlichen 15 km nach Thessaloniki, uns bekannt als Saloniki. Ich solle mich hüten in Thessaloniki, gab mir gestern noch ein Tankwart mit. Die Millionenstadt Thessaloniki sei ein Dschungel und ich solle aufpassen nicht überfallen zu werden. Wieviele solche Hinweise hab ich schon bekommen auf dieser Wanderung, ich habe aufgehört zu zählen… Aufpassen muss man allerdings überall, das ist meine Devise.

In Thessaloniki angekommen quartiere ich mich im ‚Zeus is loose‘ hostel ein – – > https://www.zeusisloose.com/

‚Best place in town‘ wurde mir von Alex, einem französischem Pilger, empfohlen und er sollte Recht behalten. Zentral gelegen, ruhig, sauber und tolle Roof top bar mit Blick auf die Altstadt!

Mein größtes Anliegen ist es hier denselben Schuh zu bekommen, den ich jetzt verwende, nur ohne Goretex Membran. Und nach etwas Suchen werde ich in einem Shop fündig.

Auch ein neues Leibchen habe ich erstanden – das alte löste sich auf…

Der Schuh sollte in den nächsten Tagen von Athen hierher geliefert werden. Ich dusche mich, wasche meine Wäsche und schlafe…

31.07. Heute ist Sonntag und ich besuche einen Gottesdienst. Dann erklärt mir die sehr hilfsbereite Fou von der Rezeption, dass auch am Sonntag hier Apotheken offen haben. Ich decke mich mit Arzneimitteln für meine Blasen ein und werde jetzt einmal längere Zeit pausieren. Meine Füße und ich selber werden es mir danken! Außerdem habe ich das Meer erreicht – ein weiterer Grund zum Rasten, Erholen, Feiern und Genießen.

Demetrioskirche – sie ist dem Schutzheiligen der Stadt Demetrios gewidmet und wichtigste Kirche in Thessaloniki.

Sterbliche Überreste des Heiligen Demetrios in der Demetrioskirche

01.-06.08. Während dieser Tage habe ich mich verliebt!

Sie ist romantisch, voller Überraschungen und verführt mich immer wieder mit ihrer Schönheit! Sie heißt Thessa und ist keine schwarzhaarige Griechin! Thessa ist die liebevolle Bezeichnung der Griechen für ihre Stadt Thessaloniki… 🙂

Weisser Turm, einer der 7 noch erhaltenen Türme in Thessaloniki und Wahrzeichen der Stadt – beliebter Treffpunkt für ein Pläuschchen

Hagia Sophia – die ’schöne‘ Kirche in Thessaloniki
Gewürze in Hülle und Fülle auf den Märkten von Thessaloniki
Granatapfel in einem der vielen Gärten in Thessaloniki

Galeriusbogen und die dahinter liegende Rotunde des Galerius – Relikte aus der Römerzeit unter Kaiser Galerius im 4. Jahrhundert. Der Galeriusbogen war einst das Haupteingangstor zur Stadt.

Mosaiken aus dem 4. Jahrhundert in der Rotunde des Kaisers Galerius. Sie wurde ursprünglich wahrscheinlich als Mausoleum gebaut, dann als Kirche genützt und später von den Osmanen zu einer Moschee umfunktioniert. Seit 1917 dient sie als Museum.

Wunderschöne Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert in der byzantinischen Hagios Nikolaos Orfanos Kirche – Hier das Begräbnis vom Heiligen Nikolaus

Und noch eine Freskomalerei aus dem 14. Jahrhundert in der Hagios Nikolaos Orfanos Kirche – hier der Heilige Georg, einer der 14 Nothelfer.
Heptapyrgion in der Oberstadt – Festung und Sitz der Garnison des Osmanischen Reiches bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Diente später nach der Befreiung von den Osmanen bis ca. 1990 als Gefängnis. Jetzt ist es ein Museum, das besichtigt werden kann.
Blick von der Oberstadt auf den Hafen von Thessaloniki – die Stadtmauern aus byzantinischer Zeit begrenzten einst die Stadt.
Mein persönlicher Favorit im Fotografischen Museum im Hafen von Thessaloniki
Abendstimmung beim Trigonenturm in der Oberstadt
Es lebe der Rembetiko, auch als griechischer Blues bekannt – Zwei Musiker mit ihrer Bouzouki (griechisches Lauteninstrument) und Gitarre in der Nähe des Trigonenturms.
Interessantes Bieretikett der Biersorte ‚Nymph‘ – ein in Thessaloniki gebrautes Bier

Die Stadt liegt in einem der geschütztesten Mittelmeerhäfen und besteht aus einer Oberstadt (Ano poli), von wo man von der Burg (Akropolis) einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den dahinter liegenden Berg Olymp hat.

Blick vom Kloster Vlatades auf die Altstadt von Thessaloniki

Kloster Vlatades aus dem 14. Jahrhundert. Das einzige noch bewohnte und betriebene Kloster in Thessaloniki.
Fresko aus dem 14. Jahrhundert im Kloster Vlatades.
Vlnr: Hl. Stefan, hl. Georg (eh klar.. :-)), hl. Demetrios (Schutzheiliger der Stadt) und hl. Johannes.

Unzählige byzantinische Kirchen, Märkte mit buntem Treiben, Einkaufsstraßen für alle Geschmäcker, aber auch Museen und ein interessantes Nachtleben laden hier zum Verweilen ein.

Geburtshaus von Mustafa Kemal Atatürk – Gründer der Republik Türkei im Jahre 1923.
Verschiedene Portraits von Mustafa Kemal Atatürk
Silber- und Goldmünzen aus dem Zeitalter als Makedonien ein großes Reich war, ca. 3 – 4. Jhdt vor Chr. – Im Archäologischen Museum von Thessaloniki.

Alexander der Große Statue am Quai von Thessaloniki – ehemaliger König von Makedonien (356 – 323 v. Chr.)
‚Umbrellas‘ Kunstwerk – beliebtes Fotomotiv am Quai von Thessaloniki

Auch das ist ‚Thessa’…
Statue des Eleftherios Venizelos (1864-1936) im Zentrum Thessalonikis – ehemaliger Premierminister Griechenlands. Unter seiner Führung wurde Kreta mit Griechenland vereinigt. Er gilt als größter Politiker Griechenlands in der Neuzeit. Im Hintergrund ganz links das blauweisse Hostel ‚Zeus is loose‘.
Ein Mural im Ausgehviertel Ladadika – hier steppt am Abend der Bär.

Für ein Tratscherl ist immer Zeit

Zumittag gehe ich immer zu Theodor essen. Sein kleines Lokal befindet sich gleich neben dem Hostel und er verwöhnt mich jeden Tag mit neuen griechischen Gerichten. Als Nachspeise gibt es immer Wassermelonen, die gut für den Durst geeignet sind.

Theodor in seiner Küche!

Im ältesten Trekkingsshop Griechenlands – – > Petridi Stores, Karolou Ntil 27, Thessaloniki 546 23

–> https://g.co/kgs/xDnyWN

decke ich mich wieder mit Reparaturkit für meine Isomatte und Zelt ein. Maria, die Tochter des Geschäftsinhabers, versorgt mich mit allem Notwendigen und gibt mir auch noch gute Tipps für die Metéora Klöster. Sie kommt auch öfters nach Schladming snowboarden, wer weiß vlt. gehen sich ja einmal ein paar gemeinsame Schwünge in Österreich aus. Nach einigen Tagen kommen die neuen Schuhe aus Athen, sie passen.

Geht doch auch ohne Goretex Membran, oder? Mein neuer Schuh aus Athen passt genau.

Und letztlich finden meine alten Schuhe auch noch einen würdigen Abnehmer. Als ich Olli, einen jungen Engländer, in der Hostellobby an seinem Fahrrad herumschrauben sehe, frage ich ihn ob er Schuhe brauche. Er fragte nach der Größe und sie passten genau!

Olli mit seinem Fahrrad im ‚Zeus is loose‘ hostel – er befindet sich auf einer Weltumrundung. Die Schuhe passten genau…

Er plant gemeinsam mit seinem Freund die Welt in den nächsten Jahren zu umfahren. Sie fahren für eine charity, hier ihr Instagram Profil, auf denen man ihnen folgen kann – – >

https://instagram.com/marcus.oli.world.tour?igshid=YmMyMTA2M2Y=

Ich werde hier noch bis Sonntag bleiben und überlege gerade einen eventuellen Abstecher zu den Metéora Klöstern zu machen bevor meine Wanderung im Norden Griechenlands Richtung Türkei weitergeht. Wir werden sehen…

06.08. Ich entschloss mich nun doch für einen Besuch der Metéora Klöster. Sie liegen ca. 200 km westlich von Thessaloniki in der Region Thessalien in der Nähe des Pindos Gebirges. Ich quartiere mich im Campingplatz Vrachos in Kastraki ein und erkundige für die nächsten drei Tage zu Fuß die Gegend. Am ersten Abend sollte ich gleich wieder einmal auf Abwegen kommen. Ein Einheimischer erklärt mir, dass es zwischen den Felsen einen Pfad zur nächsten Ortschaft Kalambaka gibt. Es wird letztlich eine Kletterei (die neuen Schuhe bewähren sich gleich einmal :-)) und durchschwitzt erreiche ich die ersten Häuser von Kalambaka.

Durch diese Schlucht geht es nur mit Klettern von Kastraki in die Ortschaft Kalambaka, von dem man schon die ersten Häuser sehen kann. Es dauerte allerdings noch ca. 1 Stunde bis ich diese Häuser erreichte…

Wenig später bricht ein Gewitter mit starkem Regen herein. Ich betrachte das Treiben geschützt von der überdachten Terrasse einer griechischen Taverne. Ein Kerzerl musste ich allerdings dann doch später, als sich wieder alles gelegt hatte, in der Agios Giorgios Kirche anzünden. Dieses Gewitter in der Schlucht bei der Kletterei, ich möchte nicht einmal denken daran… Glück brauchst du wirklich immer!!! Gewarnt gehe ich es dann in den folgenden Tagen etwas ruhiger an…

Campingplatz Vrachos im beschaulichen Ort Kastraki
Ortschaft Kastraki am Fuße der steil aufragenden Sandsteinfelsen

Ich starte meist zum Morgengrauen um ca. 6h und genieße die Ruhe mit den vielen Felsen und Klöstern bevor es um ca. 9h geschäftiger wird. Auch nach 17h, wenn die Besuchszeiten der Klöster enden, kannst du noch den Zauber von Metéora erleben. Die Klöster gehören zum UNESCO Weltkulturerbe und sind daher dementsprechend stark besucht.

Bereits im 11. Jahrhundert wurden die ersten Einsiedeleien in Metéora gegründet. Als es immer mehr wurden, gab es den ersten Zusammenschluss und es bildete sich das Kloster Doúpiani heraus. Mit der Ankunft des geflohenen Mönchs Athanasios, auch Meteoritis genannt, im Jahr 1334 begann die eigentliche Entwicklung des Klosterlebens. Der ganzen Region gab er daraufhin den Namen. Der Mönch Athanasios floh vom heiligen Berg Athos auf der Halbinsel Chalkidiki vor türkischen Überfällen, die im 14. Jhdt. begannen. Er war 1356 der Begründer des Klosters Metamorphosis, dem größten und wichtigsten Metéora Kloster. Der Name Metéora leitet sich ab vom griechischen Wort „meteoros“, was so viel bedeutet wie „hoch schwebend“.

Die Klöster wurden auf bis zu 400 Meter steil aufragende Sandsteinfelsen erbaut und scheinen bei dunstiger Luft tatsächlich manchmal in der Luft zu schweben. Es gibt insgesamt 24 Klöster, von denen derzeit noch 6 Klöster (4 von Mönchen und 2 von Nonnen) bewohnt sind. Mit den folgenden Bildern stelle ich Euch die 6 noch bewohnten Klöster ein wenig vor.

1. Kloster Metamorphosis, auch Kloster des Großen Meteoriten genannt. Es ist das größte und wichtigste Kloster der Region.
Im Inneren des Metamorphosis Klosters, des Klosters des Großen Meteoriten
Einer der 3 Mönche im Kloster des Metamorphosis Klosters, des Klosters des Großen Meteoriten

2. Varlaam Kloster in der Nähe des Klosters des Großen Meteoriten. Es ist nach dem Mönch Varlaam benannt, der ca. 1350 sehr asketische Bräuche hier lebte. Heute leben noch 6 Mönche im Kloster.

Morgenstimmung am Kloster Varlaam

3. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen das Kloster Rousanou – ein Nonnenkloster. Derzeit leben noch 7 Nonnen darin.

Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert waren die Klöster praktisch unzugänglich. Mensch und Waren wurden mit Seilwinden und in Netzen zu den Klöstern hinaufgezogen. Überreste dieser Transportsysteme kannst du noch heute an manchen Klöstern bewundern. Mittlerweile haben alle bewohnten Klöster einen Treppenzugang und sind somit leicht zu erreichen.

4. Das Kloster Agios Nikolaos Anapafsas (Heiliger Nikolaus Anapavsos) inmitten der steil aufragenden Sandsteinfelsen. Es lebt derzeit nur mehr 1 Mönch hier.
5. Agia Triada Kloster – Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit. Es wurde 1981 weltberühmt als Drehort für den James Bond Film ‚In tödlicher Mission‘. Auch in diesem Kloster lebt derzeit nur mehr 1 Mönch.

6. Kloster des Heiligen Stefan – ein Frauenkloster. Es leben derzeit noch ca. 30 Nonnen im Kloster.

Eine der ca. 30 Nonnen, die noch im Kloster des Heiligen Stefan wohnen.

Das Ypanatis Kloster wurde bereits 1367 gegründet und ist eines der ältesten Klöster in Metéora. Es ist nur auf schmalen Pfaden zu erreichen und nicht mehr bewohnt.
Abendstimmung über Metéora
Blick vom Metamorphosis Kloster auf das Varlaam, Rousanou und Agia Triada Kloster

11.08. Seit gestern bin ich wieder in Thessaloniki und ich bin immer noch begeistert vom Zauber der Metéora Klöster. Ich hoffe Thessa wird nicht eifersüchtig!:-)

Gesamtkilometer: ca. 2.200

Fazit: Griechenland ist für mich das Land der Sonne und Olivenbäume. Die Griechen wissen zu leben. Es ist ein eigenes Lebensgefühl – gutes Essen im Freien, das Meer, die mediterran aussehenden und liebenswerten Menschen. Für mich ist es auch Zeit hier ein wenig inne zu halten, zu genießen, zu feiern, mich zu erholen und mich für die nächste Zeit zu stärken. Efcharisto poli Hellas! – Vielen Dank Griechenland!

NORDMAZEDONIEN (Skopje – Veles – Negotino – Demir Kapija – Gevgelija)

16.07. Nach dem Grenzübergang ging es vorerst einmal ca. 12 km entlang der Hauptstraße zu einer Tankstelle wo ich mich stärke. Und das bei 38 Grad Aussentemperatur, was man so halt macht an einem Samstagnachmittag… 🙂

Neues Land, neues Abenteuer – wie hier mit Nordmazedonien

38 Grad Aussentemperatur, die Spritpreise lassen mich hingegen kalt.. 🙂

Da es bis Skopje noch zu weit ist um heute dort anzukommen, gehe ich bis ca. 15km vor der Hauptstadt von Nordmazedonien und komme bei einer Kirche vorbei. Nach genauer Inspektion ist das ein wunderschöner Schlafplatz, denke ich mir. Ich kaufe in einem Minimarkt noch Lebensmittel ein und verbringe einen ruhigen Abend bei dieser Kirche am Stadtrand von Skopje.

Blick auf Skopje, der Hauptstadt von Nordmazedonien

17.07. Nach einem Frühstück gehe ich frühmorgens bei ungleich angenehmer Temperaturen nach Skopje. Bei einem Aquadukt vergehe ich mich ein wenig bevor ich beim ersten Kaffeehaus gleich 2 Macchiatos mit viel, viel Wasser trinke.

Kaffeeplausch mit 2 Kosovaren, die in Skopje leben und arbeiten

Der Kellner und sein Freund sind ursprünglich aus dem Kosovo und sind hier, weil es hier in Skopje mehr und bessere Jobmöglichkeiten gibt als bei ihnen zuhause im Kosovo. Auch hier geht die Gastfreundlichkeit weiter und der Kaffee geht auf das Haus…

Über den osmanischen Teil der Hauptstadt von Nordmazedonien gelange ich über eine Steinbrücke zum Mazedonischen Platz, dem Hauptplatz der Stadt.

Mustafa Pascha Moschee in Skopje

Mustafa Pascha Moschee in Skopje

Grabstein eines Derwisch außerhalb der Mustafa Pascha Moschee in Skopje

Vor den Toren Skopje’s, der Hauptstadt von Nordmazedonien. Es waren bisher ca. 1.800 km von zuhause bis hierher.

In der ca. 500 Jahre alten orthodoxen Sveti Spas Kirche in Skopje – Kirche der Himmelfahrt Jesu

In der Zwischenzeit habe ich mich im zentral gelegenen Shanti Hostel einquartiert. 11€ für ein Bett im 8 Bettzimmer, inkl. Frühstück und mit Mischa (Dimitry) eine echte Bereicherung. Während ich hier im Restaurant Kalabalak sitze und eiskalten Macchiato schlürfe, wird meine Wäsche im Hostel gewaschen.

Pindjur – ein traditionneller und beliebter Sommersalat auf dem Balkan. Besteht aus einem Mix aus Paprika, Tomaten, Auberginen und Knoblauch. Dazu Ziegenkäse und geröstetes Brot, schmeckt hervorragend!

Ich werde hier ein bisschen verschnaufen bevor es weiter geht Richtung Griechenland. Die Grenze zu Griechenland liegt ja nur mehr 180 km entfernt! Wie schnell ging das denn? Fast zu schnell… 🙂

In frisch gewaschener Hose, etc verbringe ich den Abend im alten Basar im osmanischen Stadtteil von Skopje.

Unzählige Statuen in Skopje – ein Zeichen der Korruption im Lande wie ich später in einer geführten Tour erfahre

18.07. Mischa hatte mir empfohlen unbedingt die Matkaschlucht zu besuchen. Mit der Buslinie 60 fahre ich bereits um 7h in Richtung Matka. Der Fluß Treska wird hier zu einem Stausee aufgestaut. Nach einem Espresso gehe ich ca. 1 Stunde inmitten eines wunderschönen Canyons zu einer Tropfsteinhöhle von wo mich ein Boot zurück zum Ausgangspunkt nimmt.

Sveti Andrej Kloster in der Matkaschlucht

Tropfsteinhöhle in der Matkaschlucht

Dann kaufe ich mir ein reguläres Ticket um 500 maz. Dinar (60 Dinar = 1€) mit dem ich die Bootsfahrt noch einmal genießen kann und besuche auch die Tropfsteinhöhle. Auf der anderen Seite des Flusses gehe ich dann noch zur Sveti Nikola Kirche hinauf und von dort auf der Rückseite zurück zur Busstation. Es ist ein schöner Tagesausflug von Skopje und viele Einheimische kommen auch hier raus um der Hitze in der Stadt zu entgehen. Im Hostel gibt mir Mischa dann den Gästelaptop auf dem ich wieder einmal meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick sichere. Am späten Abend beschließe ich noch einen Tag länger hier zu bleiben. Skopje, das am Fluss Vardar liegt, gefällt mir mit seinen ca. 550.000 Einwohnern sehr gut und ich kann hier auch wieder einmal länger die Vorzüge einer Stadt genießen.

19.07. Während alle im Hostel noch schlafen gehe ich heute um 6h wieder in den osmanischen Stadtteil wo ich mir einige Moscheen und einen Markt anschaue.

Morgenmarkt im osmanischen Stadtteil in Skopje

Gegen 8h frühstücke ich wieder einmal eine Burek mit Ayran, das ich in der Zwischenzeit irgendwie zu jeder Tageszeit einmal esse. Täglich um 10h startet vor dem Mutter Teresa Memorial Haus eine gratis geführte, ca. 3-stündige Tour (Spenden willkommen) zu Fuß zu den zentralen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Gratis geführte Stadttour in Skopje – Hier in der Mazedonienstraße, der Hauptstraße Skopje’s. Unser lustiger guide Miha in seinem Element. Spenden sind willkommen!

Statue von Mutter Teresa (1910 – 1997) vor dem ihr gewidmeten Memorial Haus in Skopje. Sie widmete den Großteil ihres Lebens den Armen in Kalkutta (Indien), wo sie auch begraben ist.

Unser guide Miha macht das wirklich sehr gut und lustig und meint dann auch, daß es mit ’nur‘ 32 Grad derzeit der kühlste Sommer seit ca. 15 Jahren ist. Naja, schon sehr kühl 32 Grad… 🙂 So zwischendurch erklärt er uns auch wieso es in dieser Stadt soviele Statuen gibt. Die Regierung sei korrupt und ‚erklärt‘ der Bevölkerung, dass diese Statuen alle sehr, sehr teuer seien. In Wirklichkeit sind sie weit billiger und die Differenz wandert in ihre eigene Taschen… Dasselbe auch mit den vielen Casinos im Land. Es gebe so gut wie keine Spieler im Land, sie dienen nur der Geldwäsche… 1963 hat die Stadt ein schweres Erdbeben getroffen bei dem ca. 80 Prozent der gesamten Bausubstanz zerstört wurde, ca. 1.000 Menschen starben dabei,mehr als 200.000 Leute wurden obdachlos. Unter Tito’s Regierung wurde damals die Stadt wieder mit Hilfe auch von der damaligen Sovietunion und den USA aufgebaut. Eine Besonderheit damals während des Kalten Krieges.

‚Warrior on a horse‘ Monument am Mazedonischen Platz (Hauptplatz) in Skopje. Der Krieger hier am Pferd ist kein Geringerer als Alexander der Große, der hier als Mazedonier verehrt wird. Die Griechen sehen das anders…

Diesen beiden aus Saloniki stammenden Brüdern Kyrill und Methode haben wir das kyrillische Alphabet zu verdanken. Sie waren byzantinische Gelehrte und Priester und betrieben im 9. Jahrhundert die christliche Missionierung slawischer Völker. Sie übersetzten die Bibel aus dem Lateinischen in die slawische Sprache und brachten die Bibel so der slawischen Bevölkerung nahe.

Interessantes Postgebäude in Skopje – Brutalismus in Reinkultur

Wie schon öfters auf früheren Reisen in muslimische Länder verbringe ich heute die heißen Mittagsstunden in einer Moschee, diesmal in der ca. 500 Jahre alten Mustafa Pascha Moschee. Gegen 16:30 kommen dann die Gläubigen zum Gebet und sie erlauben mir dabei zu sein.

‚Coole‘ Musik und Publikum im Café Monfrere im alten Basar von Skopje

Am Abend treffe ich noch im alten Basar türkische Touristen aus Istanbul und Konya und wir trinken gemeinsam Cay, türkischen Tee. Letztlich tauschen wir auch noch Kontakte aus und sie laden mich ein sie zu besuchen wenn ich in diese Städte komme. Dankend nehme ich an, es ist allerdings noch ein weiter Weg bis dorthin…

20.07. Heute habe ich mir das 66 Meter hohe Millenniumskreuz (oder Jahrtausendkreuz) am Vodno Berg vorgenommen. Von hier oben soll es einen schönen Blick über die Stadt geben. Ein roter Doppeldeckerbus (made in China und nicht in UK!, wie uns gestern Miha bei der Tour erklärt hat) der Linie 25 bringt mich vom Hauptbusbahnhof zur Talstation eines Sessellift, erbaut von ?… der Fa. Doppelmayer aus Österreich. Hier warte ich gerade noch ca. 30 Minuten, da die Bahn täglich ausser Montag den Betrieb erst um 10h aufnimmt.

Millenniumskreuz am Vodno Berg außerhalb von Skopje – das 66 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt wurde 2002 als Denkmal für 2000 Jahre Christentum in Mazedonien erbaut.

Blick auf Skopje vom Millenniumskreuz in Skopje

In der Zwischenzeit sitze ich schon heroben am Vodno Berg und genieße die Aussicht auf Skopje. Heute ist mein letzter Tag hier in der Hauptstadt Nordmazedoniens, morgen gehe ich weiter Richtung Griechenland.

Am Abend lasse ich die 4 Tage in Skopje bei einem Bierchen am Ufer des Vardar revue passieren. Diese Stadt wurde in den letzten Jahren etwas verschönert, vor allem mit unzähligen Brücken, Statuen und Denkmälern. Dazu kommt ein noch relativ authentisch wirkender osmanischer Stadtteil, der gute und preiswerte Ausgehmöglichkeiten bietet.

21.07. Frühmorgens schleiche ich mich aus dem Schlafraum des Shanti Hostels und frühstücke auf dem Bahnhof. Nach längeren Pausen komme ich immer wieder besser voran, die Temperaturen legen allerdings zu. So mache ich in Oreshani vor einem kleinen Minimarkt eine längere Mittagspause und schlafe im Schatten.

Mittagspause in Oreshani

Einheimische warnen mich dann noch vor so einigen Gefahren im Land und letztlich schlafe ich auf einer Anhöhe in der Nähe der Autobahn Richtung Thessaloniki.

22.07. Seit ich Skopje verlassen habe erinnert mich die Landschaft immer mehr an Griechenland. Felsige Berghügel, karge Vegetation und niedrige Bäume. In Veles erblicke ich in einem Garten den ersten Zitronenbaum und die Schildkröten werden immer mehr auf den Straßen. Ich kann Griechenland schon riechen! In Veles lädt mich ein freundlicher Einheimischer in seine Motorrad Werkstatt ein und wir trinken gemeinsam Cola.

Mit einem einheimischer Motorradmechaniker in seiner Werkstatt – er gab mir Cola zu trinken und füllte meine Wasserflaschen auf – vielen Dank!

Autos der Marke ‚Yugo‘ finde ich immer wieder interessant, hier ein Koral 55 (dh er hat 55PS). Sie verschwinden leider immer mehr vom Straßenbild. Dieser Kleinstwagen wurde von 1981 bis 2008 von der jugoslawischen (und später serbischen) Firma Zastava produziert und wurde damals sogar für einige Jahre als einziges osteuropäische Auto erfolgreich in die USA exportiert.

Letztlich gehe ich spät abends noch etwas weiter bis ich zu einer Autobahntankstelle komme. Es ist eine außergewöhnlich moderne Tankstelle und es gibt auch einen Duschraum für die LKW Fahrer. Die Verkäuferin versichert mir, dass außerhalb der Tankstelle Kameras montiert sind und so das Zelten auf der Grünfläche absolut sicher sei. So stelle ich mein Zelt neben all den LKWs auf, gehe duschen und trinke zufrieden einen Macchiato.

Moderne Tankstelle mit eigenem Duschraum

23.07. Dieser Tag geht in die Annalen ein. Es ist einfach nur mehr heiß hier mit Tageshöchsttemperaturen von jenseits der 40 Grad. Das Gehen fällt immer schwerer…

Die Pfirsiche werden reif – immer willkommene Abwechslung!

Nach knapp 40 km erreiche ich spätabends Negotino wo mich Buben zu einem Fußballplatz in der Nähe der Polizeistation bringen. Ich stelle hier mein Zelt auf und bedanke mich bei den Buben. Ich schlafe bereits als so gegen Mitternacht Lärm neben meinem Zelt entsteht und Jugendliche mein Zelt mit Cola- und Fantadosen bewerfen. Gefolgt von ‚Sorry, sorry‘ Rufen und Gekicher… Nach ca. 1 Stunde beruhigt sich das Ganze wieder und ich ’schlafe‘ noch mit einem Auge bis ca. 5h bevor mich der Hund vom Platzwart weckt. Eine ruhige Nacht halt wie man sich das eben wünscht…

24.07. Heute ist Sonntag und bevor ich Negotino verlasse finde ich noch eine Bäckerei wo ich Käse Burek mit Joghurt frühstücke. Am Weg nach Demir Kapija warnt mich noch ein Einheimischer, dass es auf meiner Richtung, in die ich gerade gehe, aus irgendeinem Grund kein Weiterkommen gebe. Ich denke bereits an Waldbrände und solche Sachen, glaube ihm allerdings letztlich nicht und gehe weiter. Es ist heute drückend heiss und ein älteres Ehepaar bietet mir eisgekühltes Wasser und Weintrauben an. Dankend nehme ich an und erhole mich in ihrem schönen Garten von der sengenden Hitze. Wahrscheinlich meinte der Einheimische die Berge, die zu überwinden waren.

Sengende Hitze macht zu schaffen, jeder Schatten ist willkommen, hier ein Autobahntunnel

Kurz vor Demir Kapija gibt es ein schönes Weingut, in dem ich die Mittagspause verbringe. Ich spüre heute zum ersten Mal leichte Kopfschmerzen und trinke viel. Letztlich lege ich mich für ca. 2 Stunden in den Schatten. Gegen Abend fühle ich mich dann wieder etwas besser und gehe noch in den Ort Demir Kapija. Hier kaufe ich bei einer Tankstelle Proviant für heute Abend und morgen früh, da die nächste Ortschaft ca. 20km entfernt liegt. Die Straße führt jetzt entlang den Gleisen Richtung Saloniki. Kurz vor Dämmerung erscheinen fünf Gestalten am Horizont und als sie näher kommen entpuppen sie sich als Marokkaner, die Richtung Serbien unterwegs sind.

5 Marokkaner am Weg nach Serbien und Italien zu einem ‚besseren‘ Leben

Es sind die ersten Flüchtlinge, die mir hier begegnen. Sie sind ohne Pass unterwegs und gehen hauptsächlich abends wenn es nicht so heiß ist. Später kommen mir dann noch mehr Marokkaner entgegen und ich beschließe mich dann so gegen 20h in die Büsche zu schlagen. Als ich ein geeignetes Plartzerl finde merke ich, dass diese Idee schon jemand anderer hatte. Es sind Nicole und Pascal, ein junges Pärchen aus Berlin, die seit 3 Monaten mit ihren Fahrrädern den Balkan unsicher machen und Ende September Tiflis, die Hauptstadt Georgiens, erreichen wollen. Am Abend frischt es ordentlich auf und in der Ferne gibt es ein schönes Wetterleuchten.

25.07. Als ich um 6h das Zelt abbaue, sind auch die beiden schon munter und wir tauschen noch Nummern aus um gegebenenfalls ein gemeinsames Bierchen in Thessaloniki zu trinken, etc… Ich gehe dann los und kurze Zeit später überholen sie mich, bis Saloniki dann! Doch es sollte anders kommen… Ca. 1 Stunde nachdem wir uns verabschiedet haben tauchen die beiden wieder am Horizont auf. Unter schattenspendenden Bäumen und in der Nähe einer Wasserquelle flicken beide ihre Reifen. Eine Routineaktion für die beiden…

Nicole und Pascal beim Flicken ihrer Reifen

Ich mache ca. eine halbe Stunde Halt bei Ihnen bevor ich wieder weitergehe. Bis Thessaloniki oder so, wer weiß das schon so genau… Am Weg nach Miravci treffe ich nochmals Marokkaner, die am Weg nach Norden sind. Ich gehe quasi in die falsche Richtung… 🙂

Marokkaner am Weg nach Serbien und Westeuropa. Wenn ich mir ihre Ausrüstung anschaue komme ich mir privilegiert vor.

Ich sitze derzeit in einem Restaurant in Miravci und werde so gegen 17h wieder weitergehen. Qui va doucement va loin –> langsam aber sicher !

Die Nacht verbringe ich an einem romantischen See und eine Einheimische versorgt mich nochmals mit Wasser und Lebensmitteln.

26.07. In der Früh merke ich, dass sich eine zusätzliche Blase gebildet hat. Es ist wohl die grosse Hitze hier, die im Schuh durch das Schwitzen soviel Feuchtigkeit entstehen lässt – – > beste Voraussetzungen also dafür! In Saloniki werde ich den Füssen etwas Ruhe gönnen… Nach ca. einer halben Stunde ist mein Zelt in der Zwischenzeit abgebaut und auch der Rucksack gepackt. Beim Weggehen treffe ich noch einen Einheimischen und er ist der erste, der mich für einen Migranten hält… 🙂 er hat ja nicht so Unrecht, nur gehe ich in die falsche Richtung! Als ich ihm sage, dass ich aus Österreich komme und Richtung Griechenland unterwegs sei, entspannt sich sein Gesichtsausdruck wieder deutlich.. :-)))

Dieser Bauer hielt mich als Erster ernsthaft für einen Migranten am Weg nach Norden. Als ich ihm sagte woher ich komme und wohin ich wollte kam wieder ein Lächeln in sein Gesicht… :-)))

Durch schöne Landschaft gelange ich letztlich so um 18h an die Grenze zu Griechenland. Wieder ist es eine moderne Tankstelle, die Duschen anbietet und ich kann mich so etwas erholen. Am Autoparkplatz erspähe ich ein paar Quadratmeter Rasenfläche wo ich mein Zelt aufstelle und eine ruhige Nacht verbringe.

Gesamtkilometer: 2.110

Fazit: Mazedonien oder jetzt seit 2019 offiziell Nordmazedonien hat immer noch stark mit Korruption der Regierung, etc zu kämpfen. So sind viele Menschen hier frustriert und wollen einfach weg um ein besseres Leben im Ausland zu finden. Für mich persönlich war es das bisher heißeste Land mit Tageshöchsttemperaturen von jenseits der 40 Grad und wohl auch damit der schwierigste Streckenabschnitt bisher. Die Gastfreundschaft lebt allerdings auch hier wie bisher überall am Westbalkan. Vielen Dank für die schöne Zeit!

Kosovo (Leposavic – Vuca – Mitrovica – Obilic – Pristina – Gračanica – Janjevo – Giljani – Letnica – Smirë – Kacanik)

07.07. Nach einer ruhigen Nacht an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo gehe ich heute die letzten paar Kilometer entlang einer Schnellstraße an die Grenze.

An der Grenze zwischen Serbien und Kosovo – die Nummerntaferln werden fleißig abgeklebt

Hier wundere ich mich warum alle Autofahrer Teile ihrer Nummerntaferln abkleben. Später in einem Café wird mir erklärt, dass dies seit 2021 so von der serbischen und kosovarischen (kosovoalbanischen) Regierungen angeordnet sei. Es gab 2021 wieder einmal Zwischenfälle…

Mit weißen Streifen abgeklebtes serbisches Nummerntaferl

Im nördlichen Teil des Kosovo (nördlich des Flusses Iber), in dem vor allem immer noch Serben wohnen, dürfen Serben ihre 3 Buchstaben (SRB) und das Nationalsymbol vom Nummerntaferl nicht öffentlich zeigen. Umgekehrt auch Leute aus dem Kosovo nicht die 3 Buchstaben (RKS) in Serbien. Serbien, und auch manch andere Länder wie Griechenland, Spanien, Slowakei, Russland und China haben ja nach wie vor nicht die Rechtsstaatlichkeit des Landes Kosovos anerkannt. Offiziell erklärte Kosovo als ehemalige Teilregion von Serbien 2008 seine Unabhängigkeit. Nach dem Kosovo Krieg von 1998 bis 1999, der damit endete, dass die NATO Serbien Angriff um so der albanischen Bevölkerung im Kosovo zu helfen, erhielten die Kosovaren (zu fast 90% Kosovo Albaner) ihr eigenes Land. Die Lage an der Grenze zwischen Serbien und Albaner ist nach wie vor angespannt. KFOR (Kosovo Force) Einheiten, von der NATO aufgestellte Einsatztruppen, sichern im Kosovo immer noch den Frieden ab. Amtssprachen sind Serbisch und Albanisch. Das ca. 1,9 Mio Einwohner zählende Land wird von einer Kosovo-albanischen Regierung geführt, Hauptstadt ist Pristina.

Genug der Politik jetzt, aber irgendwie ist es Thema Nr. 1 wenn Du in dieses Land kommst… Am Weg nach Lesak sehe ich auch gepanzerte Polizeiautos, für den Fall der Fälle.

Gepanzerte Polizeiautos in der Nähe der Grenze zu Serbien

In Leposavic mache ich schließlich Mittagspause und in einem Café erklärt mir dann eben ein Pärchen die Story mit den Nummerntaferln. Am Weg Richtung Vuca passiere ich noch ein KFOR Camp wo ich mit einem jungen Amerikaner aus Virginia rede. Er sei schon lange hier, meinte er und wolle auch einmal Österreich sehen. Weitere Fotos ließ er letztlich nicht mehr zu.

KFOR (Kosovo Force) Camp Nothing Hill im Norden des Kosovo

Landschaft im Norden des Kosovo

Lieber Serben vor Vuca, im Norden des Kosovo

Lieber Serbe vor Vuca. Im Sack waren leere Maiskolben.

Ziemlich müde stelle ich in Vuca in der Nähe der Kirche mein Zelt auf und esse auf einem Parkbankerl mein mitgebrachtes Burek.

Meine erste Nacht im Kosovo – diesem Zeltplatz hatte ich noch einen lustigen Abend zu verdanken!

Plötzlich sehe ich, dass sich 2 Männer für mein Zelt interessieren. Später kommt einer davon zu mir und ich erkläre ihm in meinem spärlichen Serbisch die Situation. Daraufhin nimmt er mich mit in das Haus seines Vaters Stanko und es wird einer dieser langen und lustigen Abende wie ich sie schon des öfteren auch in Serbien erlebt habe.

Die Gastfreundschaft geht weiter – hier in Vuca im Norden des Kosovo

Dexi, eine Deutsche aus dem Sauerland, erklärt mir, dass wir hier immer noch offiziell in Serbien sind, es lebe der Nationalismus. Und es sei halt nicht so üblich, dass hier in dieser Gegend wo ein Zelt steht… 🙂 Auf NATO und EU sind sie nach wie vor nicht gut zu sprechen und ich erfahre an diesem Abend auch von Stanko, dass Boris Johnson abgedankt hat. Ganz zu seiner Freude, und nicht nur zu seiner… 🙂

08.07. Heute ist nicht so mein Tag (zu viel Raki am Vorabend???) und ich mühe mich in das ca. 20 km entfernte Zvecan wo ich in einer Bäckerei wieder Burek und eine der Tomaten esse, die mir Stanko mit auf den Weg gab. Die Tomaten sind hier einfach ein Traum! Fleischig, saftig und geschmacklich einfach tomatisch… 🙂 Dann gehe ich noch die letzten Kilometer nach Mitrovica wo ich mich um 15 € im Hotel North City einquartiere.

Blick auf Mitrovica

Statue des Prinzen Lasar in Nord-Mitrovica – ein mittelalterlicher serbischer Führer, der 1389 die Kosovo Schlacht am Amselfeld gegen die Osmanen austrug. Sein Finger zeigt Richtung Amselfeld in der Nähe von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo.

Ich merkte, dass ich wieder einmal eine Dusche brauchte. Der freundliche Mladen an der Rezeption hilft mir auf der Terrasse mein Zelt, usw zu trocknen und erklärt mir, dass der Großteil der Kellner, etc derzeit an die Küste nach Montenegro und Kroatien gehen wo sie das Vielfache verdienen. Ebenso der Unterschied der Gehälter bei Hotelangestellten. Er bleibt noch, weil er noch ein paar Prüfungen von seinem Studium abschließen will und möchte dann ebenfalls ins Ausland.

Nach 1,5 Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt im angrenzenden Café fühle ich mich wieder etwas besser und erkundige die Stadt. Mitrovica ist ja durch den Fluss Iber in einen nördlichen (serbischen) Teil und einen südlichen Teil (kosovoalbanischen oder kosovarischen) getrennt. Die Kosovoalbaner sagen auch, dass nördlich der Brücke Serbien beginnt. An der südlichen Seite der Brücke in Mitrovica steht die kosovarische Polizei, an der nördlichen Seite die internationalen KFOR Soldaten mit ihren Gefährten. Überquert kann die Brücke nur zu Fuß werden.

Brücke in Mitrovica, die Grenze zwischen dem nördlichen (serbischen) Kosovo und dem südlichen (kosovoalbanischen oder kosovarischen) Kosovo

09.07. Beim Frühstück heute im Hotel erklärt mir auch der Kellner, dass auf der südlichen Seite und auch weiter im restlichen, südlichen Kosovo nur mehr mit Euro bezahlt werden kann. Ich werde jetzt dann entscheiden (und vor allem den Wettergott fragen) ob ich heute weiter gehe oder nicht. Seit gestern hat es endlich abgekühlt, allerdings ist für heute Regen angekündigt (der allerdings dann meistens eh nicht kommt). Mladen, der nette Rezeptionist erklärt mir, dass es heute den ganzen Tag regnen wird und so entschließe ich mich spontan einen Ruhetag einzulegen.

Mladen, der nette Rezeptionist im Hotel North City im nördlichen Mitrovica

Irgendwie waren die letzten Tage anstrengend… Am Morgen telefoniere ich auch wieder einmal länger mit Muttern, es gibt heute ein Gartenfest und sie macht dafür Apfelschlangerl! Da kann das Fest ja nicht mehr schief gehen… 🙂 Mladen erzählt mir danach auch noch viel über die Geschichte von Serbien, Kosovo und dem früheren Jugoslawien und empfiehlt mir angesichts der Wetterlage einen 3-teiligen Film über die Geschichte Jugoslawiens, Kosovo, etc… auf YouTube anzuschauen.

Titel des 3-teiligen Films:

Das Gewicht der Ketten (Weight of Chains), produziert 2010 einem jungen serbo-kanadischen Regisseur. Habe mir heute den ersten Teil angesehen – – > https://youtu.be/waEYQ46gH08

–> sehr empfehlenswert!!!

Der Bart wurde mir in der Hitze auch immer mehr lästig und so ließ ich ihn mir in einem Frizersalon (so heißen hier die Friseure) abrasieren. Das ganze um 100 serbische Dinar, ca. 1 Euro.

10.07. Frühmorgens um halb sechs lässt mich der Nachtwächter aus dem Hotel und ich überquere die Brücke in den Teil des Kosovos, in dem hauptsächlich Kosovoalbaner leben.

Moschee im südlichen Mitrovica

Ich komme gut voran und gegen Mittag zeigen mir Kinder einen verstecken Minimarkt, wo ich mir ein Eis und ein Cola kaufe, ich brauche Zucker… 🙂

Danach lerne ich Sabedin kennen, der mich in seinen Wohnwagen auf einen Kaffee und Baklava einlädt.

Mit Sabedin und seiner Tochter in seinem Wohnwagen – der Kaffee und die Baklava schmeckten hervorragend!

Er spricht wie viele Kosovaren gut Deutsch, da er auch einmal in Deutschland gearbeitet hat. Später kommt auch noch seine Tochter dazu und wir haben eine schöne Kaffeepause. Die Leute haben nicht viel hier und trotzdem wollen sie dir immer wieder etwas schenken oder irgendwie helfen! Welch Unterschied zu westlichen Ländern denke ich mir jeden Tag immer wieder! Wir können hier noch viel lernen…

Am Weg nach Obilic passiere ich Dörfer, in denen Roma (Zigeuner) leben und letztlich grüsst mich ein hier lebender Serbe mitten auf der Straße mit lauten Worten ‚Welcome to Serbia!‘. Nun, so etwas in einem Land wie Kosovo zu sagen oder laut zu rufen, ist schon sehr provokant… Da ich ihm mit meinen paar Wörtern Serbisch meine Geschichte grob erklären kann lädt er mich in seine Kneipe auf ein Cola ein. Wir schauen nebenbei auch noch das Wimbledon Finale der Herren, das ihr serbischer Held Novak Djokovic in 3:1 Sätzen gegen den Australier Nick Kyrgios für sich entscheidet. Die Welt ist zumindest für heute wieder in Ordnung! Dann gehe ich weiter durch heruntergekommene Straßen, die von Roma bewohnt sind, passiere ein Kohlekraftwerk und erreiche gegen Abend letztlich die Stadt Obilic.

Kinder beim Spielen vor der Stadt Obilic

Kinder vor der Stadt Obilic

Auch hier spricht der Besitzer einer kleinen Pizzeria gut Deutsch und verschafft mir letztlich einen guten Platz zum Zelten – direkt im Garten der Hauptmosche!

11.07. Am Weg nach Pristina komme ich beim Gazimestán Denkmal vorbei, einer Gedenkstätte im Kosovo.

Gazimestan Denkmal, eine Gedenkstätte an die Schlacht am Amselfeld im Jahre 1389, bei der sich osmanische und serbische Streitkräfte gegenüber standen.

Wieder ein kleiner Ausflug in die Geschichte:

Sie befindet sich am Schauplatz der Schlacht auf dem Amselfeld, in der sich am 28. Juni 1389 ein christliches Heer, dessen serbische Hauptkontingente von den serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović und Vuk Branković geführt wurden, der muslimischen osmanischen Streitkraft unter Sultan Murad I. entgegenstellte.

Die Schlacht, in der sowohl Lazar als auch Murad zu Tode kamen, war vorentscheidend für Serbiens Übergang in die Vasallenschaft des auf den Balkan vordringenden Osmanischen Reichs. In der Moderne wurde jedoch mit dem als Niederlage empfundenen Ereignis ein serbisches nationales Mythos begründet, das Amselfeld- bzw. Kosovo-Mythos. 1459 wurde Serbien endgültig von den Osmanen erobert und blieb bis 1804 Teil des Osmanischen Reiches.

Am späten Vormittag erreiche ich dann Pristina, wo ich mir vorerst einen Kaffee mit guter Aussicht auf die Stadt kaufe. Auch hier lerne ich wieder einen Kosovaren kennen, der gut Deutsch spricht und hier neben mir mit seinem Bruder sitzt. Er sei mit der derzeitigen Regierung mit Premierminister Albin Kurti zufrieden, der zumindest versucht, die Korruption in Grenzen zu halten. Amerikaner, Israel, aber auch westeuropäische Länder haben bei den Kosovaren grosses Ansehen. Sie haben ihnen letztlich im Kosovokrieg 1998 und 1999 zum Sieg gegen die Serben verholfen. Vorausgegangen war dem Krieg gegen die Serben, daß der damalige serbische Präsident Milosevic 1989 der damals autonomen serbischen Region Kosovo den Autonomiestatus entzogen hat, was letztlich 1998 zum Krieg führte.

Im Zentrum lerne ich bei der Bibliothek Dardan kennen und er lädt mich zu einem Kaffee in das Café Monaco ein.

Mit Dardan im Café Monaco

Das NEWBORN Monument (Neugeborenendenkmal) im Zentrum von Pristina – es wurde am 17.2.2008 enthüllt, an dem Tag an dem das Kosovo offiziell seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.

Er arbeitet für eine NGO und war schon des öfteren in Wien. Die Wizz Air bietet manchmal in der Nebensaison um 20 oder 30 Euro einen Retour Flug nach Wien an, da geht sich das schon aus. Letztlich fahre ich noch mit dem Lift auf den Turm der Mutter Theresia Kathedrale von wo ich einen wunderschönen Blick über die Stadt genieße.

Blick von der Mutter Theresa Kathedrale in Pristina – im Vordergrund die Nationalbibliothek und eine verlassene orthodoxe Kirche

Da ich heute noch bei Kräften bin, entschließe ich mich spontan noch in das ca. 8 km entfernte Städtchen Gračanica zu gehen. Es gibt dort ein Frauenkloster und eigentlich wollte ich dort im Pilgerraum des Klosters schlafen. Doch es war schon geschlossen und so schlief ich in meinem Zelt direkt in einem kleinen Park vor der Polizeistation. Wenn man da nicht sicher ist… 🙂 Raki wird dann zu guter letzt auch noch getrunken, da hier vorwiegend Serben in dieser kleinen Stadt wohnen.

12.07. Nach einer doch ziemlich lauten Nacht mit vielen vorbeifahrenden Autos gehe ich noch etwas verträumt in eine Bäckerei wo ich frühstücke. Hier kostet ein Schokocroissant zB 50 Cent, ein Kaffee ebenso, eine mittelgroße Pizza 2 Euro, also definitiv das bisher billigste Land bis jetzt. Um ca. 7h morgens gehe ich dann ins ca. 700 Jahre alte orthodoxe Frauenkloster, wo heute eine etwas längere Messe bis fast 09:30 stattfindet.

Das ca. 700 Jahre alte Frauenkloster Gračanica, es wohnen derzeit noch ca. 15 Nonnen drinnen.

Morgengebet im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe wurden Kerzerl angezündet – im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe kaufe ich mir, wie von Fatmira vom Russischkurs in Linz empfohlen, eine brojanica, ein Armband aus Knoten, das mich auf meiner Reise beschützen soll. Möge es seine Wirkung haben… Dann gehe ich noch in den Ort Janjevo, wo ich Sandi aus Neumünster bei Hamburg kennenlerne. Er ist gebürtiger Bosnier aus der Nähe von Sarajevo, der in Neumünster ein kroatisches Lokal führte. Jetzt ist er schon in Pension und genießt das Leben. Zu seinem Land Bosnien Herzegowina meinte er nur: Dieses Land ist für die nächsten 100 Jahre ruiniert… Auf meine Frage, wer es wohl ruiniert habe, meinte er nur: Na, wer wohl… Das bekannte Daytona Abkommen mit 3 verschiedenen Präsidenten in einem Land hätte er nie gemacht.

Mit Sandi, einem gebürtigen Bosnier, in einem Café in Janjevo
Verlassene Gebäude in Janjevo – ein durchaus übliches Bild im Kosovo

Es passiert in diesem Land soviel jeden Tag, vor allem lerne ich soviele Menschen kennen, dass ich manchmal schon aufpassen muß um alles richtig einzusortieren. Zum Teil bleiben die Einheimischen mit ihren Autos stehen und sprechen mich an, usw. weil sie einfach nur wissen wollen von wo ich komme, etc. und helfen wollen. Es war in keinem Land bisher so wie hier. Zwischen Janjevo und Giljani übernachte ich wieder im Zelt auf einer einsamen Wiese in den Bergen des Kosovo. Und der Vollmond leuchtet die Landschaft aus. Und ein bisschen Ruhe tut auch gut.

13.07. Nach einer Nacht mit gutem Schlaf gehe ich anfangs durch viel Grün und gegen Mittag erreiche ich eine Tankstelle mit einem Restaurant.

Reiter am Weg nach Giljani

Ich esse ein Teller Döner mit Salat, trinke eine Cola und dann noch einen Macchiato. Kosten: 2,50€. Also: Gebt der Inflation und den steigenden Preisen zuhause keine Chance und macht Urlaub im Kosovo! 🙂 Ihr seid sicher gerne willkommen… Der Kellner hilft mir ein Plätzchen zu finden um mein nasses Zelt zu trocknen. Ich habe in der Nähe eines kleinen Baches geschlafen, da ist die Luftfeuchtigkeit dementsprechend hoch und das Zelt so nass als hätte es geregnet. Gegen Abend erreiche ich dann die Stadt Giljani im Osten des Kosovo wo ich mir eine Nacht im Hotel Kristall gönne. Duschen, Essen gehen und einmal von einer sehr netten Hotelangestellten die Wäsche waschen lassen tut auch wieder einmal gut. Wie neu geboren liege ich derzeit im Kingsize Bett und höre den Muezzin die Moslems zum Gebet rufen. Ohne mich, ich schlafe jetzt eine Runde!

Blick vom Hotel Kristall auf Giljani

14.07. Ich frühstücke noch im Hotel bevor ich noch in der orthodoxen Kirche einem Gottesdienst beiwohne.

Gottesdienst in der orthodoxen Kirche in Giljani
Markt unweit der orthodoxen Kirche in Giljani

Am Weg nach Letnica, einem sehr bekannten Wallfahrtsort im Kosovo, werde ich unterwegs wieder einmal aufgehalten und zu einem Kaffee eingeladen.

Selbst nach dem amtierenden Präsidenten der USA wurde eine Straße benannt – sie wurde 2016 (nach dem Tod des Sohnes von Joe Biden 2015) nach ihm benannt. Kosovo sieht die USA als Retter der Nation, seit 1999 die NATO-Luftangriffe die Tötungen durch serbische Truppen gestoppt haben.

Die Kosovoalbaner wollen sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres Staates revanchieren, erfahre ich von einem in der Schweiz arbeitenden Mann. Der Kosovo ist ja das jüngste europäische Land und hat erst 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. In Remnik geht mir dann das Essen aus und ich habe Glück gerade noch vor der Gebetsstunde um 13h in einem Minimarkt Brot, Sardinen und 2 Tomaten zu ergattern. Während die Einheimischen in ihrer Moschee beten, finde ich auf der Rückseite der Moschee zwei Bankerln im Schatten wo ich Mittagspause mache. Auf dem Dach der Moschee haben Störche ihr Nest gebaut und ich schaue ihnen ein wenig beim Weg- und wieder zurückfliegen zu. Danach kommt noch ein Einheimischer zu mir, der etwas Französisch spricht und so unterhalten wir uns eben in dieser Sprache wenn ich schon nicht Albanisch und er nicht Deutsch spricht. So gegen 14h geht er dann nach Hause Mittagessen.

Muslimischer Kosovoalbaner vor der Moschee in Remnik – die weiße Kopfbedeckung sei typisch für die Albaner.

Ich schlafe noch etwas auf der Bank und nach 15h, als die ärgste Mittagshitze vorbei ist, gehe ich nach Stubble, wo es eine katholische Kirche gibt. Im Restaurant Park Ilir erfahre ich von Adonis, dem Sohn des Chefs, dass das gegenüberliegende KFOR Camp 2011 geschlossen wurde und jetzt ein verlassenes Gebäude ist. Er selbst studiert gerade Mechatronik in der Hauptstadt Pristina und hilft hier in den Ferien seinem Vater in ihrem Betrieb. Ich esse Paragjelle Ilire, eine traditionell albanische Kost und letztlich lädt Adonis mich noch auf eine Cola ein.

Traditionelle albanische Kost – Paragjelle Ilire (auf dem linken Teller Pogaqe – – > das Brot, auf dem rechten Teller Ajvar (rot), eine Mischung aus Paprika und Auberginen; dann Ajk (weiß), joghurtähnlich und von der Kuhmilch gewonnen und letztlich ghiz (rosa; Käse von der Kuhmilch gewonnen). Es war mir letztlich zu viel und ich nahm mir die Hälfte für den nächsten Tag in einer kleinen Box mit.

Bei angenehmen Temperaturen gehe ich am Abend dann noch die letzten 3 Kilometer nach Letnica wo ich derzeit in der Unterkunft der katholischen Kirche logiere. Morgen hat mich Don Marian, so heisst der Pfarrer hier, um 7h zum Frühstück eingeladen. Er hat 11 Jahre in der Schweiz gearbeitet und spricht daher sehr gut Deutsch. In der Unterkunft habe ich endlich eine Badewanne gefunden und so konnte ich das kleine Loch in meiner Isomatte lokalisieren. Es war immer etwas Luft in den letzten Nächten ausgegangen… Ich habe das Loch mit einem Kugelschreiber markiert und morgen, wenn alles trocken ist, werde ich das Loch mit einem mitgebrachten Reparaturkit zukleben. Gute Nacht!

Das Loch war gefunden – jetzt muss es nur mehr geflickt werden… 🙂

15.07. Noch vor dem Frühstück mit Don Marian verklebe ich das winzige Loch in der Luftmatratze. 2 Nächte später im Zelt kann ich sagen, dass die Reparatur erfolgreich war und die Luft jetzt wieder zur Gänze hält. Ich frühstücke dann mit den beiden Pfarrern Don Marian und Don Alexander.

Frühstück mit Don Marian (links) und Don Alexander in Letnica

Don Marian spricht gut Deutsch. Er hat eine Schwester, die in Graz lebt und die er hin und wieder besucht. So gegen 8h morgens bedanke ich mich dann bei beiden für die Aufnahme und gehe Richtung Grenze zu Nordmazedonien. Dabei treffe ich zwei Schafhirten mit denen ich ca. 1 Stunde Rast im Schatten mache.

Lustige Zeit mit zwei Schafhirten am Weg von Letnica nach Smirë

In wunderschöner Bergwelt gehe ich dann die letzten Kilometer nach Smirë. Heute ist Freitag und während die Einheimischen um 13 Uhr die Moschee aufsuchen, esse ich draußen im Schatten die Reste von gestern.

Freitag pünktlich um 13h ist Gebetsstunde in den Moscheen, wie hier in Smirë

Bevor ich mich zur Bergetappe nach Kacanik aufmache, lädt mich ein Einheimischer noch auf einen Kaffee ein. Wie so oft hier reden manche Kosovaren Französisch, da sie einmal in der Schweiz, meistens Genf, gearbeitet haben. Ich gehe dann so um 15h los und am Ortsende holt mich noch ein Junge mit dem Fahrrad ein. Er drückt mir mit Lächeln noch eine Flasche Orangensaft in die Hand. So ist es hier, unglaublich… Und später am Weg nach Kacanik habe ich noch oft an diesen Jungen gedacht. Wie wenn er es gewusst hätte! Mir ging fast bei diesen Höhenmetern der ‚Treibstoff‘ aus und als ich Kacanik erreiche, waren meine flüssigen Vorräte zu Ende.

Schildkröten säumten den Weg nach Kacanik

Kacanik ist eine größere Stadt und hat eine Besonderheit. Es gibt keine Unterkünfte… So stärke ich mich einmal mit viel Cola und einer Burek und Joghurt bevor ich mich so gegen Dunkelheit auf Schlafplatzsuche mache. Manchmal komme ich mir wie ein Obdachloser vor, naja, ich bin ja auch einer… :-))) Und wieder war es eine nahegelegene Polizeistation mit einer kleinen Wiese davor, die mein kleines Problem löste. Ich frage 2 Security Leute und sie erlauben mir mit dem Daumen nach oben, dass ich vor ihrem Hüttchen mein Zelt aufstellen kann. Sie sehen mir dabei auch noch interessiert zu und ich höre sie reden wie ‚Aha, so macht er das, etc… :-)‘ Kurz darauf kommt ein deutschsprechender Kosovare vorbei und meint, einer von den beiden Security Beamten sei die ganze Nacht da und wird auf mich aufpassen. Selten fühlte ich mich so sicher wie in dieser Nacht!

Schlafplatz inmitten von Kacanik. Ein Security Beamter wachte über mich die ganze Nacht über vor der Polizeistation. Falimenderit (Danke)!

Einmal musste ich so um 2h morgens aus dem Zelt raus um meine Notdurft zu verrichten. Und tatsächlich, einer war im Hüttchen und hat mich sofort erspäht und mir mit der Hand lächelnd zugewunken. Was soll dir bei solchen Leuten echt passieren, denke ich mir….

Frühmorgens bedanke ich mich dann noch bei ihm und nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich heute Richtung Grenzübergang zu Nordmazedonien. Mein letzter Tag hier im Kosovo ist angebrochen und es überkommt mich etwas Wehmut. Am Weg zum letzten Ort vor der Grenze esse ich noch zumittag und mache mich dann in der Hitze auf zur Grenze. Nur nach Nachfrage bekomme ich vom Kosovo einen Ausreise- und von Nordmazedonien einen Einreise Stempel. Es geht hier eher locker ab, kein Vergleich zur Grenze zwischen Serbien und Kosovo! Nach 10 Tagen ist der Kosovo hinter mir und mit Nordmazedonien liegt ein neues Land und neue Abenteuer vor mir.

Fazit:

Selten, wahrscheinlich noch nie, habe ich soviel Hilfsbereitschaft und Zuspruch von der lokalen Bevölkerung erfahren. Dies hängt wohl mit ihrer Mentalität, aber auch mit der Tatsache zusammen, dass sie sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres erst seit 2008 unabhängigen Staates bedanken wollen. Es war für mich bisher das mit Abstand billigste Land, ein Macchiato kostet 30 Cent. Sie lieben und verehren den Westen, speziell die USA, wohin viele auch ausgewandert sind und dort arbeiten. Ich hoffe auf eine weiterhin friedvolle Zeit für dieses jüngste Land Europas. Falimenderit (Dankeschön) für eure Hilfsbereitschaft und die schöne Zeit, die ich bei Euch verbringen durfte. Wir, und damit meine ich mich selbst und den Westen, können noch viel von Euch lernen…

Gesamtkilometer: 1.790

SERBIEN (Teil 3): Beograd (Belgrad) – Ljig – Gornji Milanovac – Cacak – Kraljevo – Kloster Zica – Kloster Studenica Kloster Gradatz – Raska

23.06. Ich schreibe bis zur Mittagszeit an meiner Webseite, verkleinere ausgewählte Photos um sie später auf die Webseite hochzuladen und zu beschriften. Das wiederholt sich so im Schnitt 1x in der Woche und dauert meistens nicht länger als ca. 2 Stunden. Beim Schreiben wird mir immer wieder bewusst, wie genau man etwas beobachten muß um es gut beschreiben zu können. Vor allem muss ich selber auch noch evtl einmal im Internet nachlesen, etc und lerne dabei auch noch immer etwas im Nachhinein über das Gesehene und Erlebte.

Kurz vor 14h bezahle ich dann meinen cafa domacka (heimischer Kaffee mit Kaffeesatz, der hier vor allem von den Einheimischen getrunken wird) im Hotel Kopernikus um rechtzeitig um 14h zum Treffen mit Andreas im Hotel Balkan zu sein. Wir haben hier heute quasi eine Hotel Tour geplant, aus der allerdings nichts wird, da das Balkan Hotel derzeit eine einzige Baustelle ist. Anstatt dessen essen wir einen Burek mit Joghurt in einer nahegelegenen Bäckerei. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag hier in Serbien und so überlegen wir was wir noch anstellen können. Wir besuchen die Bajrakli Moschee, die letzte noch erhaltene und aktive Moschee der ursprünglich 80 Moscheen in Belgrad. Dann schlendern wir in Richtung meiner Unterkunft durch das bohemische Viertel wo wir uns zum Ausklang noch einmal Cevapi (Cevapcici) gönnen. Danach verabschieden wir uns vor meinem Quartier. Wir sehen uns entweder in Skopje oder spätestens in Istanbul wieder. Zumindest haben wir es so vor… 🙂

24.06. Ich stehe heute schon um 04:30 auf und packe leise meine Sachen um die anderen im Schlafsaal nicht zu wecken. Mit meinem ca. 7 kg schweren Rucksack und den neuen Schuhen geht es leichten Schrittes noch einmal zum Republikplatz (quasi der Hauptplatz der Stadt) um mich offiziell von Belgrad zu verabschieden.

Abschied von Belgrad – hier am Platz der Republik

Straßenbahnen in Belgrad – es gibt 12 verschiedene Linien und keine U-Bahn!

Schon eine tolle Stadt dieses Belgrad mit ihren ca. 1,3 Mio. Einwohnern. Speziell der Abend auf dem Kalemegdan (Festung) hat mir sehr gut gefallen.

Am Weg Richtung Süden komme ich noch einmal am Dom des Heiligen Sava vorbei, der allerdings um 6h morgens noch nicht offen ist. Über mehrere Zubringerstrassen gelange ich an den Stadtrand und an das Ufer der Save, die ja in Belgrad in die Donau mündet.

Savebrücke in Belgrad

Am Ufer der Save trinke ich dann so gegen 9h einen Kaffee und beobachte ein internationales Kajakrennen bei dem auch Österreicher am Start sind. Am Abend erreiche ich nach mehr als 40 km Obrenowatz, wo ich eine Pizza esse und mir in einem kleinen Supermarkt noch das Frühstück für morgen kaufe. Ich schlafe in einem Park und es gibt auch kurz ein Gewitter.

25.06. Ich starte frühmorgens und gegen Mittag wird mein Wasser knapp. Als ich in Brgule eine Frau mit der leeren Plastikflasche um ‚woda‘ (Wasser) bitte, lädt sie mich in den Garten auf einen Kaffee ein. Hier sitzen schon ihr Mann, gemeinsam mit ihrer Tochter Verica und der kleinen Anna und ein gemeinsamer Freund der Familie, der als 20-jähriger 7 Jahre in Österreich gearbeitet hat und noch etwas Deutsch spricht.

Nette Begegnung und Einladung im Ort Brgule

Heute lerne ich Folgendes: Eine Einladung zum Kaffee bedeutet hier immer auch ein Stamperl Raki (Schnaps – meist Slivowitz, ein Zwetschgerner) und manchmal auch gleich Essen dazu wie diesmal. Die Hektaranzahl wird besprochen, dann kommen die Frauen und letztlich darf auch die Politik nicht fehlen. Die EU, NATO sei nicht gut und letztlich auch für den jetzigen Krieg in der Ukraine zumindest mitverantwortlich, das kommt immer raus. Ich versuche bei politischen Themen immer wertfrei zu bleiben, speziell auch als sie mich zur Situation im Kosovo befragen. Das sind echt heikle Themen hier…

In einem kleinen serbischen Laden. Das Gemüse wiegt hier die Verkäuferin noch selber bei der Kassa ab und hilft auch noch beim Einpacken ins Plastiksackerl.

Traktorfahren auf Serbisch – es wird immer freundlich mit der Hand gegrüsst

Letztlich verbrachten wir schöne gemeinsame Stunden und meine spärlichen Russischkenntnisse halfen mir wieder dabei. Ich schlafe letztlich außerhalb von Lajkovac, wo mich ein ordentliches Gewitter und starker Regen im Zelt überrascht. Das Zelt hat den Test bestanden!

26.06. Gegen Mittag erreiche ich zwischen Zenobitz und Ljig einen Friedhof, auf dem gerade ein Begräbnis stattfindet. Als ich vorbei gehe ruft mich ein junges Mädchen herbei. Es ist hier Tradition das Grab des oder der Verstorbenen mit Essen und Trinken auszulegen und dann im Kreise der Familie davon zu essen und auch zu trinken. Der Mann der Verstorbenen bietet mir ein Stamperl Raki an und als ich angesichts der Uhrzeit ablehne kommt das Mädchen herbei und erklärt mir, dass ich es einfach annehmen muss. So trinke ich das erste Mal in meinem Leben gemeinsam mit den anderen ein Stamperl Schnaps am Grab einer Verstorbenen.

Serbisches Begräbnis – vor allem am Land ist es in Serbien Tradition am Grab des oder der Verstorbenen zu essen und zu trinken, ein Relikt aus der osmanischen Besatzungszeit

Letztlich füllen sie noch ein Plastiksackerl mit Fisch, Brot, Gurke und Süßigkeiten an und geben es mir mit. Mein Rucksatz ist am Platzen aber es muss alles rein, das gehört so… Letztlich gibt mir der Mann der Verstorbenen auch noch ein halbes Fläschchen vom Raki mit, auch hier sind alle Bemühungen zwecklos das nicht anzunehmen. Das ist Gastfreundschaft auf dem Balkan!!! Manchmal frage ich mich wo die bei uns zu Hause geblieben ist…

Am Abend kaufe ich mir eine Dose Lasko, ein Bier aus Slowenien und esse von dem Mitgegebenen. Dann telefoniere ich noch mit meiner Mutter um all die Neuigkeiten von zuhause zu erfahren bevor ich mich auf Schlafplatzsuche begebe. Neben der Kirche des Heiligen Johannes des Täufer sitzt der Pfarrer mit seiner Frau vor seinem Haus heraussen. Er bietet mir neben seinem Haus ein überdachtes Hüttchen zum Schlafen an, wo ich im Freien übernachte. Bei einem Gläschen Rotwein und ratet mal… bei einem Stamperl Raki erzählen wir uns unsere Geschichten. In der orthodoxen Kirche gibt es ja kein Zölibat und so hat er 4 Töchter und 1 Sohn, die ausser dem Sohn schon alle in der Hauptstadt Belgrad wohnen.

Der Pfarrer mit seiner Frau neben der Heiligen Johannes der Täufer Kirche in Ljig

Ich kann mir in der Toilette noch etwas den Schweiß runterwaschen und schlafe zufrieden ein.

27.06. Ich muss heute das erste Mal durch einen Tunnel. Es gibt halt nicht nur Wald- und Wiesenwege am Weg nach Istanbul.

Beim Durchgehen meines ersten Tunnels – halb so schlimm, da auf der Seite ein kleiner Gehweg war

Zumittag lege ich mich in der Nähe eines Hauses unter einen Baum und esse den mitgebrachten Fisch mit Gurke und Brot. Es ist hier eine wahre Idylle, wahrscheinlich war das Leben zu Großmutter’s Zeiten nicht viel anders. Schafe, Gänse, Hühner, ein kleiner Hund und eine schwarze Katze beleben das Häuschen, nur von den Besitzern keine Spur.

Nach dem Raki (Schnaps) ein kleines Mützchen – kurz bevor die Besitzerin heimkam… 🙂

Erst zwei Stunden später kommt die Besitzerin nach Hause und nach einem kurzen Plausch lädt sie mich noch zu einem Kaffee auf ihre Terrasse ein.

Ein cafa domacka (Einheimischer Kaffee) geht immer – hier mit der Besitzerin des Hauses

Auch hier tischt sie mit mehreren Gerichten auf, das ich aber diesmal ablehnen konnte. Gegen Abend gehe ich noch bis zu einer Schule weiter wo ich mein Zelt aufstelle und übernachte.

28.06. Es erwartet mich heute gleich frühmorgens eine kleine Bergetappe auf den Ostrvica (758m) und ich frühstücke erst gegen 8h kurz vor dem Ort Brezovica. In Brezovica selbst lade ich wieder von einem Kiosk Guthaben auf meine serbische SIM Karte, kaufe noch eine Tomate und Brot für den verbliebenen Fisch zum Mittagessen und trinke letztlich noch in einem Café einen cafa domacka.

Serbischer Traktor wartet auf seinen Einsatz…

Um ca. 10 mache ich mich dann auf Richtung Gornji Milanovac, wo ich mir heute wieder einmal ein Zimmer leisten werde. Ich sitze gerade in einem gemütlichen Garten inmitten der serbischen Natur und schreibe diese Zeilen. In Gornji Milanovac habe ich das erste Mal eine etwas ‚unangenehme‘ Begegnung, da ich mich mit dem Vermieter eines Zimmers nicht auf den Wechselkurs €/serb. Dinar einigen kann. So ziehe ich unverrichteter Dinge ab und übernachte letztlich im IG Hotel.

29.06. Die Hitze hat auch hier ihren derzeitigen Höhepunkt erreicht und so mache ich heute in Cacic von 13 bis 17h eine längere Mittagspause.

36 Grad ohne Lüfterl, die Füße beginnen zu rauchen… 🙂

Dann gehe ich noch bis ca. 20h und finde unter Obstbäumen einen schönen Schlafplatz. Mit serbischer Musik und dem Gebelle von aufgeweckt Hunden aus der Ferne schlafe ich schmunzelnd in meinem Zelt ein.

30.06. Heute geht absolut kein Lüfterl mehr und die Schwüle drückt ordentlich bei schwachen 36 Grad. Da ich etwas früher in Kraljevo wegen dem Frauenkloster Zica sein möchte, weiche ich von meiner Regel ab zwischen 13h und 16h zu pausieren. Ich gehe ca. eine Stunde zw 14 und 15h und merke leichte Kopfschmerzen, etc und höre wieder auf zu gehen. Definitiv keine gute Idee! Ziemlich geschwächt erreiche ich gegen 18h Kraljevo wo ich mir im Hotel Royal ein Zimmer für 2.500 Dinar (ca. 20€) nehme. Ich dusche mich gleich zweimal, wasche mein Leiberl, Socken, etc und trinke in der Hotellobby einen Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt. Als ich wieder gestärkt war und mich nach den Gebetszeiten im nahegelegenen Frauenkloster Zica erkundige lerne ich Petar (Peter) kennen. Er ist hier mit seinem erst 12-jährigen Bruder Simeon (Simon) und seinem Freund Pavle (Paul) und es entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit Petar und Pavle.

V.l.n.r.: Djordje (Georg auf serbisch, ausgesprochen: Tschordsche), Petar, Pavle und Simeon im Hotel Royal in Kraljevo

Petar erklärt mir, dass einer der Gründe für die morgenländische Schisma (Kirchenspaltung zwischen den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche) im Jahre 1054 war, dass die katholische Kirche ein Zentrum (Rom) mit einem Oberhaupt (Papst) haben wollte. In den orthodoxen Kirchen hat jedes Land, in dem es eine orthodoxe Kirche gibt (zB Serbien, Russland, Ukraine, Türkei, Ägypten, Äthiopien, Japan, etc), seinen eigenen Patriarchen. Was die EU anlangt sind seiner Meinung ca. 90% der serbischen Bevölkerung gegen einen Beitritt. Auf die Frage warum Präsident Vucic dann mit der EU liebäugelt, meint dann Pavle augenzwinkernd: Wenn all deine Nachbarn bereits bei der EU sind bzw dazugehören wollen, was solle er denn aus diplomatischen Gründen auch anderes sagen… Die Serben fühlen sich als Brüder der Russen, Mentalität, Sprache, Religion verbindet sie. Gegen 23h verabschieden wir uns und haben wohl gegenseitig viel voneinander gelernt.

01.07. Da die byzantinischen Morgengesänge jeden Tag von 5 bis 7:30h und von 17 bis 18h stattfinden, habe ich mir den Wecker für 4:30 gerichtet. Knapp nach 6h erreiche ich dann das Kloster und eine Schwester, die gut Englisch spricht, sagt mir, dass ich an den Morgengebeten mit byzantinischem Gesänge teilnehmen könne.

Frauenkloster Zica (ausgesprochen: Schitscha), mehr als 800 Jahre alt

Morgengebet mit den Nonnen im Frauenkloster Zica

Fresko- (Frisch-) Malerei im Frauenkloster Zica

Frauenkloster Zica

Es dauert dann bis ca. 8h und im Anschluss bittet mich die eine Schwester noch zum Frühstück. Es gibt Linsensuppe, Brot, Oliven aus dem Garten, gemischten Salat und Sardinen von Rovinj. Dazu Kaffee, Orangensaft und? einen Raki… 🙂

Danach noch erwähnenswert die Geschichte mit dem im Speisesaal zurückgelassenen Rucksack. Ich zünde danach ein Kerzerl an.

Nur übernachten darf man hier nur als Frau. Männer werden an das Männerkloster Studenica verwiesen, das ca. 2 Tagesmärsche von hier Richtung Kosovo liegt. So liege ich derzeit im Schatten im Klostergarten und mache heute einen Ruhetag. Um 17h werde ich mir heute noch die einstündige Vesper (vorletzte, abendliche Gebetsstunde) in diesem wunderschönen, mehr als 800 Jahre alten Frauenkloster anhören bevor ich weiter Richtung Kosovo gehe.

Nach der ca. einstündigen Vesper gehe ich noch in den 4 km entfernten Ort Mataruschka Banja wo ich ein Stück außerhalb auf einer frischgemähten Wiese in meinem Zelt schlafe.

02.07. Heute finde ich eine spannende Hängebrücke, die mich über den Fluss Ibar bringt. Im Café Kod Mira erfahre ich, dass ich im Norden des Kosovo auch noch mit Dinar zahlen kann, im Süden nur mit Euro. Der Fluß Ibar, der in Montenegro entspringt, teilt den Kosovo in den Norden und den Süden. Das Ibartal ist im Gegensatz zum bisherigen Serbien bergig und landschaftlich sehr schön.

Die Heuernte ist auch hier in Serbien voll im Gang, im Ibartal im südlichen Serbien

Serbisches Menü – Kaffee, Schnapserl und ein Glas Wasser

Beim Überqueren einer Hängebrücke über den Fluss Ibar in der Nähe des Cafés Kod Mira, südliches Serbien

Blick auf das Ibartal

Die Route führt allerdings entlang einer stark befahrenen Schnellstraße, so bin ich froh wohlbehalten am Abend die Ortschaft Polumir erreicht zu haben. Hier feiert ein Vater den 18ten Geburtstag seines Sohnes und lädt mich zu Speis und Trank ein. Er erzählt mir, dass er öfters in Wien ist und dort ältere Autos aufkauft, die er hierher bringt und wieder verkauft.

03.07. Nach einer Zeltnacht am Ufer des Ibar gehe ich frühmorgens um 5h los und erreiche das Männerkloster Studenica ziemlich schweißgebadet um genau 12h Mittags. Es ist das mit über 800 Jahre älteste Kloster in Serbien und wird auch als Wiege des serbischen Königreiches bezeichnet, das ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand.

Kloster Studenica – die ersten Mönche kommen zum Gedenktag an die Heilige Anastasja, Mutter des Heiligen Sava

Ich ergattere in der Unterkunft des Klosters noch gerade das letzte Zimmer mit Dusche und WC am Gang. Grund dafür ist, dass heute Abend und morgen der Anastasja Srpska gedacht wird. Sie ist die Mutter des heiligen Sava, der Serbien im 12. Jahrhundert zur orthodoxen Kirche geführt hat. Ihre Reliquien sind in der Muttergotteskirche des Klosters aufbewahrt. Auch die ihres Mannes und ersten Königs Serbiens Stefan Nemanja, Vater des Heiligen Sava.

Die Feierlichkeiten beginnen um 21h und dauern bis 1h morgens. Die orthodoxen Gottesdienste gehen in die Beine, da durchwegs gestanden wird. In einer Pause lerne ich 2 jüngere Burschen aus der Gegend kennen. Sie erzählen mir, dass auch später noch die Särge der Heiligen Anastasja und ihres Ehemannes Stefan geöffnet werden.

Gläubige am geöffneten Sarg der Heiligen Anastasja

So ist an ein Nachhause gehen nicht zu denken und um 1h morgens falle ich dann halb entkräftet in das Bett… 🙂

04.07. Heute ist die Hauptfeier des Gedenktages an die Heilige Anastasja und viele Mönche und Bischöfe aus der Umgebung haben sich angesagt.

Einheimischer orthodoxer Mönch vor der Muttergotteskirche im Männerkloster Studenica

Grosser Auflauf zum Gedenktag der Heiligen Anastasja im Kloster Studenica

Die Feierlichkeiten dauerten heute nur 2 Stunden, danach gab es im Koloskopietergarten Verpflegung für alle.

Verpflegung inkl Raki (Schnaps) für alle nach den Feierlichkeiten, im Klostergarten Studenica

Ich erhole mich derzeit gerade von all diesen Ereignissen und werde morgen Richtung Kloster Gradac weiter gehen.

05.07. Frühmorgens verabschiede ich mich vom Rezeptionisten der Herberge im Kloster Studenica. Er gibt mir noch zusätzliches Essen mit auf den Weg ohne für alles auch nur irgendetwas anzunehmen. Ich werfe dann zumindest eine Spende für das Kloster ein. Auf einer frisch geteerten Straße geht es Richtung Rudno auf 1.100m Höhe, die höchste Erhebung seit ich von zuhause weg bin.

Die Straße zwischen Studenica und Gradatz ist noch nicht ganz fertig

Am Weg wird gerade noch ein Teil der Straße fertig gemacht und ich schwindle mich an den Baggern und LKWs vorbei nach Rudno.

Das Ortsschild von Rudno bekommt ein neues Pickerl vom Jerusalemweg verpasst. Johannes (Aschauer) hatte mir einige in Arbing zum Aufkleben mitgegeben.

Ich merke hier auf 1.100 m eine leichte Abkühlung und gehe nach einem Kaffee und Raki ins Tal Richtung Gradatz.

Kaffee- und Raki Pause in der Vila Selena in Rudno
Schmetterling am Weg nach Gradatz

Einheimische bei der Heuernte

Da das Geschäft in Gradatz gerade Mittagspause macht setze ich mich mit dem Essen vom Kloster Studenica auf ein Tischchen und lasse es mir schmecken. Als die Frau dann den Laden aufsperrt, lasse ich meinen Rucksack bei ihr und Einheimische wie der liebe Danilo oder Boban versprechen mir auf den Rucksack aufzupassen während ich mir das Frauenkloster Gradatz ansehe.

Frauenkloster Gradatz – die Wolken verheißen nichts Gutes

Dort angekommen ziehen schwarze Wolken auf und gerade noch vor Einbruch des Unwetters erreiche ich wieder den Lebensmittelladen in Gradatz wo die Frau schon nervös wird. Kurz darauf fängt es gehörig zu regnen an, gemischt mit Sturm, Hagel, Blitz und Donner.

So sah der Lebensmittelläden in Gradatz nach dem Unwetter aus

Nach und nach kommen auch die Männer von ihren Feldern ins Geschäft wo sie sich vor dem Unwetter schützen. Nach ca. 2 Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Wir besichtigen danach all die Schäden, die das Unwetter angerichtet hat, bevor ich mich in ein naheliegendes Appartement einmiete. Nach einer warmen Dusche schlafe ich schon so um 20h ein.

06.07. Start wieder um 5h morgens da ich gegen Abend die Grenze zum Kosovo erreichen möchte. Soweit ist alles gutgegangen und ich sitze in Raska in einem Café wo ich diese Zeilen schreibe.

Hauptplatz in Raska, ca. 10km von der Grenze zum Kosovo entfernt

Es sind jetzt nur mehr ca. 10 Kilometer zur Grenze in den Kosovo und ich blicke gerne an die mehr als 5 Wochen in diesem Land im Balkan zurück.

Fazit:

Der Balkan beginnt (zumindest geografisch) nicht in Ottakring in Wien! sondern doch im Norden von Serbien… 🙂 Die Lebenslust, das freudige Miteinander und die immer laut gespielte Musik erinnern dich daran. Vor allem auch die Gastfreundschaft der Leute, selten wurde sie mir so zu Teil wie in Serbien. Das Land ist sowohl geografisch als auch politisch im Zwiespalt zwischen Ost und West. So gesehen hat sich im Vergleich zu früher (Osmanen vs. Habsburger) nicht viel geändert. Doch glaube ich, dass sich die Bevölkerung dem Osten (zB Russland) näher fühlt, sowohl von Sprache, Mentalität und Religion. Grob geschätzte 80- bis 90% der Bevölkerung sind gegen einen EU-Beitritt. Die serbisch orthodoxe Kirche besteht aus vielen Klöstern, speziell im Süden. Die Mönche (und Patriarch) dürfen nicht heiraten, während die Priester verheiratet sein müssen. Es gibt kein Zölibat in der orthodoxen Kirche. Und ohne Raki (Schnaps, meistens Slivowitz) geht hier gar nichts, zu keiner Uhrzeit. So bedanke ich mich für die ca. 5 Wochen bei diesem wunderschönen Land mit ihren wirklich gastfreundlichen Leuten und wünsche dem Land alles Gute für die Zukunft auf dem Balanceakt zwischen Ost und West.

Gesamtkilometer: 1.500

SERBIEN (Teil 2) – Backa Palanka (Plankenburg) – Novi Sad (Neusatz) – Beograd (Belgrad)

11.06. Die zwei Nächte im Franziskanerkloster waren für mich wohl die schönsten in einer fremden Unterkunft. Gegen Mittag überquere ich problemlos die Grenze nach Serbien und Backa Palanka. Lili und Christian sind noch nicht da und so mache ich es mir einmal im Hotel Fontana gemütlich, wo wir die 3 nächsten Tage verbringen werden. Da Lili etwas müde von der Fahrt ist verbringen Christian und ich den Abend alleine in Ilok, Kroatien in einem Weinkeller. Der Traminer und gebackene Zander schmecken hervorragend. Bei der Rückfahrt über die Grenze fällt dann der Strom aus und so überlegten Christian und ich schon ob der Schranken auch manuell raufzukurbeln gehen würde. Letztlich kamen wir dann doch noch so gegen Mitternacht wieder zurück in unsere Unterkunft.

12.06./13.06. Die nächsten beiden Tage waren für mich so richtig Urlaub. Spät frühstücken und einfach die Seele baumeln lassen. Lili ist ja hier geboren und weiß auch viel zu erzählen. Ausserdem lernen wir mit ihr viele Einheimische kennen weil sie auch ihre Sprache spricht.

Die Abende verbringen wir meistens in einer Csarda und genießen die guten Fische oder essen gemeinsam eine Fischsuppe aus dem Kessel. Gegen Dämmerung sind allerdings dann immer die Gelsen an der Reihe… Nach zwei wirklich schönen und lustigen Tagen (und Nächten) verabschieden wir uns. Wer weiß wann wir uns wieder sehen…

14.06. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel geht es entlang dem Donaudamm Richtung Novi Sad, wo bereits Andreas, ein IBM Arbeitskollege aus Wien auf mich wartet. So richtig komme ich heute nicht in die Gänge und nach ca. 25 km erreiche ich eine Csarda wo mir der Besitzer erlaubt mein Zelt aufzustellen. Ich bade dann auch noch mit Einheimischen in der Donau, die hier doch schon deutlich breiter ist als bei zu uns zu Hause in Österreich. Die Nächte hier im Zelt an der Donau sind einfach traumhaft und mit den vielen Geräuschen der Tiere schlafe ich im Zelt immer schon besser als im Hotelzimmer.

15.06. Am Morgen esse ich zwei Hände voll von meinem mitgebrachten Müsli, das ich mit Wasser aufweiche. Kurz vor Futog hält mich ein einheimischer Radfahrer auf und wir reden in seiner Sprache so gut es hält geht. Er fragt mich auch nach meiner Meinung zum Ukrainekonflikt und meint letztlich: Russland ist gut! Serbien gilt generell als russlandfreunlich…

Am Nachmittag quartiere ich mich dann im City Hostel ein und treffe am Abend noch Andreas am Freiheitsplatz. Es gibt viel zu erzählen und gegen Mitternacht gehen wir beide schlafen.

Wiedersehen mit Andreas in Novi Sad (Neusatz), Serbien

Rathaus in Novi Sad

16.06. Ich besuche heute morgen Andreas in seinem Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Er hat mir ja wie vereinbart meine neuen Schuhe mitgebracht. Haarscharf dieselben, mit denen ich schon die ersten 1.000 km bis hierher gegangen bin. Never change a winning team, in dem Fall ’system‘ quasi… 🙂

Auf die nächsten 1.000 km nach Istanbul… 🙂 mit den neuen Schuhen sollte das möglich sein!

Auch eine neue Tube Hirschtalgcreme und Compeed Pflaster sind mit dabei. Freude kommt auf! Die neuen Schuhe ziehe ich gleich bei ihm im Hotel an, die alten nimmt er mir mit nach Hause. Zur Arbeit daheim im Mühlviertel reichen sie noch allemal. Dann verbringen wir den Tag in Novi Sad (Neusatz) und Petrovaradin (Peterwardein).

Über eine zweite Donaubrücke erreichen wir gegen Abend wieder das Stadtzentrum. Andreas war beim Überqueren dieser Brücke besonders schnell und erklärt mir dann bei einem Bierchen, dass er solche Brücken nicht mag, etc…

17.06. Heute ruft mich meine Mutter an und erzählt mir, dass gestern im Schallenberg gemäht wurde und alles in Ordnung ist. Gegen Mittag treffe ich wieder Andreas, der derzeit mit Herbert gerade seine Reise nach Skopje plant. Bin schon gespannt ob das was wird. Erfahre gerade, dass der Flug gebucht ist, dh evtl Wiedersehen in Skopje nicht unmöglich… 🙂

Am Abend verkoste ich noch gemeinsam mit Andreas die guten Weißweine aus der Frushka Gora bevor wir uns verabschieden. Ich starte ja morgen weiter zu Fuß Richtung Belgrad wo wir uns in 3 Tagen wieder treffen werden.

18.06. Um ca. 5h morgens gehe ich die Brücke hinüber Richtung Peterwardein und der Festung. Es gibt dort Clubs wo bis in den Morgengrauen gefeiert wird. Mir kommen noch die letzten Gäste lachend und gut aufgelegt entgegen.

Am Weg von Novi Sad Richtung Belgrad – hier beim Aufstieg zur Festung Peterwardein

Ich gehe an diesem Tag wieder einmal über 40 km und schlafe in der Nähe der Donau in meinem Zelt.

19.06. Der Weg führt weiter entlang der Dunav wie hier die Donau genannt wird. Es gibt immer wieder Csardas am Weg wo ich mich entweder mit Fisch oder einer Fischsuppe stärke.

Am Abend erlaubt mir ein Restaurantbesitzer mein Zelt bei ihm aufzustellen. Die Gelsen lassen mich am Abend schnell ins Zelt flüchten.

20.06. Heute ist der Tag an dem ich Belgrad, die Hauptstadt der Republik Serbien erreichen werde. Die Einheimischen essen hier meist zum Frühstück Burek mit einem Naturjoghurt was auch mir in der Zwischenzeit sehr schmeckt. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann die ersten Vororte Belgrads. Im neuen Stadtteil gibt es entlang der Donau schöne und feine Lokale, etc… Ich entscheide mich für meine Mittagspause für ein Schiff wo ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Karpfen esse. Geschmacklich sehr gut und weniger Gräten als gedacht.

Kellner beim Verteilen eines Zanders

Dann gehe ich entlang der Donau mit Blick auf den Kalemegdan (Festung) Richtung Stadtzentrum und dem alten Teil der Stadt.

Beim Überqueren der Brücke in Belgrad vom Neuen in den Alten Stadtteil

Gegen 17h erreiche ich meine Unterkunft ‚El Diablo‘ wo ich 4 Nächte voraus reserviert habe. Gegen Abend kommt dann Andreas vorbei und wir essen gute Pljeskavica im bohemischen Viertel. Es hat am Abend immer noch eine ordentliche Hitze und erst gegen 21h spüren wir eine leichtes Lüfterl.

21.06. Am Vormittag besuchen wir den Kalemegdan, der früher als Außenposten des osmanischen Reiches gedient hat.

Trg Republike (Platz der Republik) in Belgrad

Am Nachmittag lasse ich mir wieder einmal die Haare schneiden und sichere in der Unterkunft meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick.

22.06. Am Morgen trinke ich mit Julia und ihrer Mutter in der Nähe des hostels einen Kaffee bevor ich mit einer der alten Straßenbahnen Richtung Dom des Heiligen Sava fahre.

Mädchen beim Morgenplausch

Im Dom des Heiligen Sava

Dieser Kuppelbau ist schon sehr beeindruckend und ein Zentrum der orthodoxen Kirche hier in Serbien.

Die Führung im Tesla Museum begann etwas verspätet. So ging sich noch ein Espresso in diesem netten Café am Gehsteig aus.

Führung im Tesla Museum

Serbisches Parlament in Belgrad

Danach treffe ich Andreas im Tesla Museum. Sehr interessant, Nikola Tesla ist ja der Erfinder des Wechselstroms. Danach gehen wir wieder ins Stadtzentrum und kehren im mondänen Hotel Moskwa ein. Ich verkoste hier die Tart (Torte) Napoleon über die wir schon im Russischkurs soviel gehört haben. Sie schmeckt hervorragend, in Schichten mit Schoko-, Vanille- und ganzen Haselnussstücken gefüllt.

Tart (Torte) Napoleon – die Belgrader Variante, traumhaft gut!

Meine Russischlehrerin meint nach Ansicht eines Fotos der Torte allerdings, daß es sich wohl um die Belgrader Tart Napoleon handelte und die russische Tart Napoleon weiss sei. Wenn die auch so gut ist, dann weiß ich was ich mir in Zukunft zum Geburtstag wünsche… 🙂 Am Abend besuchen Andreas und ich nochmals den Kalemegdan und zwei kleinere Kirchlein. In einem Lokal direkt auf den Festungsmauern genießen wir den Sonnenuntergang und hören Musik aus den 1980er Jahren von einem nahegelegenem Club.

Kalemegdan (Festung) in Belgrad

Mosaik in der Crkva Svete Petke (Kirche der Heiligen Petka), in der es auch heilendes Wasser gibt.

23.06. Der erhoffte Regen und die damit verbundene Abkühlung kam nun doch. Während Andreas ein Museum und den Dom des Heiligen Sava besucht sitze ich in der lobby seines Hotels und schreibe diese Zeilen. Morgen fliegt Andreas wieder nach Wien und ich gehe weiter Richtung Süden und den Kosovo.

Gesamtkilometer: 1.150

SERBIEN (Teil 1) + KROATIEN: Backi Monostor (RS) – Apatin (RS) – Vukovar (HR) – Ilok (HR)

03.06. Frühmorgens frühstücke ich auf der Tankstelle und fülle mir noch beide 1,5 Liter Wasserflaschen an bevor ich Ungarn Richtung Kroatien verlasse.

Kroatien:

Ich befinde mich jetzt im 3 Ländereck zwischen Ungarn, Kroatien und Serbien. Es sind nur ca. 20km durch Kroatien bevor ich zumittag nach Batina an die kroatisch/serbische Grenze komme. Arbeiter sitzen mit ihren Motorsensen unter einem großen Baum und einer lässt mir meine Wasserflaschen nachfüllen. Ich mache gemeinsam mit ihnen Mittag und verdrücke die 3 Salamisandwiches, die ich mit meinen letzten ungarischen Forint an der Tankstelle gekauft habe. Dann lasse ich die ärgste Mittagshitze vorübergehen bevor ich um ca. 15:30 über die Grenze nach Serbien gehe.

Serbien:

Ich bekomme hier meinen ersten Stempel in den Pass seit ich von zu Hause weggegangen bin, Serbien gehört ja nicht zur EU und ich befinde mich jetzt in der Vojvodina. Die Vojvodina ist sehr fruchtbar, ein Völkergemisch und offiziell eine autonome Region in Serbien.

Das kyrillische Alphabet hat mich hier eingeholt und im Laufe der letzten beiden Tage stelle ich fest, dass viele Wörter im Serbischen gleich oder ähnlich im Russischen sind. So ist für mich mit meinen wenigen Russischkenntnisse die Kommunikation doch einfacher als in Ungarn. Zumindest kann ich auch alles lesen, wie Ortsschilder usw. Gegen Abend erreiche ich nach 36 km Backi Monostor wo ich zuerst einmal ein Jelen (gutes serbisches Bier) trinke. Ich decke mich hier bei einem Bankomaten mit serbischen Dinar ein (1€ = ca. 116 SRD) und kaufe mir eine lokale serbische SIM Karte. So bin ich zumindest über WhatsApp erreichbar und natürlich auch via Email. Und so erreicht mich auch die gute Nachricht von zuhause, dass die Familienchronik fertig wurde und meine Schwester Edith schon fleißig beim Schmökern ist. Noch ein Jelen und Cevapcici beenden den langen Tag und als ich mein Zelt am Ortsrand aufbaue brauche ich schon die Stirnlampe.

04.06. Es hat heute Nacht geregnet und so packe ich frühmorgens mein nasses Zelt ein. Ich gehe entlang der Dunav, so wird die Donau hier genannt, in das 20 km entfernte Apatin. Ich merkte in der Zwischenzeit, dass ich eine Dusche brauche und so habe ich mir heute gegen Mittag ein Zimmer um ca. 20€ in der Marina von Apatin genommen. Die Dusche war herrlich und die gewaschene Wäsche und das nasse Zelt trocknen gerade auf dem Balkon. Cevapcici und ein kühles Jelen in der Marina lassen mich hier gut ankommen. Generell finde ich, dass hier auf den Straßen viel los ist. Es wird Musik gespielt und viel gelacht. Hier fängt der Balkan an!

05.06. Ich war wieder einige Tage unterwegs und so lege ich einen Rasttag ein. Gefrühstückt wird hier so, dass man zuerst in die pekara (Bäckerei) geht und sich etwas zum Essen kauft. Dann sucht man sich ein naheliegendes Café und trinkt dort einen Kaffee und isst das Mitgebrachte dazu.

Auch der schwarze Kaffeesatz lässt die Nähe zu Griechenland und Türkei erahnen. Auf Empfehlung von Fatmira vom Russischkurs in Linz nehme ich mir eine Pljeskavica vom Markt mit ins Hotelzimmer. Es ist ein Hackfleischgericht und gilt als Nationalspeise in Serbien. Es schmeckt vorzüglich. Ich erhole mich heute nachmittag im Hotelzimmer und schaue mir im TV das Tennis Herrenfinale in Roland Garros an. Señor Rafael Nadal gewinnt hier zum 14!!! Mal, diesmal gegen Casper Ruud aus Norwegen. Er ist ein Gigant hier.

06.06. Ausgeruht und mit frisch gewaschener Wäsche starte ich frühmorgens Richtung Süden. Ich werde kommendes Wochenende wieder Christian und Lili treffen. Diesmal in Backa Palanka, der Geburtsstadt von Lili. So habe ich noch etwas Zeit und ich entschließe mich auf der kroatischen Seite der Donau hinunter zu wandern. In Erdut mache ich am Grenzübergang eine Stunde Pause und trinke 2 Liter Wasser, die Hitze legt zu.

Kroatien:

Dann gehe ich über die Donaubrücke und erreiche gegen Abend die Ortschaft Dalj in Kroatien. Hier gibt es einen ATM wo ich mir zuerst einmal einige kroatische Kuna (1€ = ca. 7,5 kroatische Kuna (HRK)) zulege. Nach einer Pizza und einem Osiecky Bier schlage ich gegen Dämmerung mein Zelt am Donauufer auf.

07.06. Im Ortskaffee beobachte ich die vielen Polizisten, die hier beim Plausch sitzen. Generell ist hier die Polizei viel präsenter als in Ungarn, wo ich oft tagelang keine Polizei gesehen habe. Es ist hier halt Grenzgebiet, etc… Gegen Mittag erreiche ich dann Vukovar, wo ich im Mornar Restaurant eine Fischsuppe esse und mein weiteres Vorgehen plane.

In den Aussenbezirken von Vukovar. Die Kriegsspuren des Jugoslawienkrieges in den 1990er Jahren sind noch gut sichtbar.

Gegen späten Nachmittag frage ich in den Straßen von Vukovar einen Jungen nach einem Quartier. Nach kurzem Überlegen ruft er seine Vermieterin an. Sie ist gerade in Deutschland und vermietet mir kurzerhand ihre Wohnung für einen wohlfeilen Preis. So geht das hier auf dem Balkan. Am Abend besuche ich die Innenstadt und den Wasserturm, ein Kriegsmahnmal an den Balkankrieg in den 1990er Jahren.

Vukovar war damals schwer betroffen vom Krieg (ähnlich wie jetzt Mariupol in der Ukraine) und die vielen Einschusslöcher in den Hausfassaden zeugen auch heute noch davon.

08.06. Im Kaffeehaus komme ich mit dem Besitzer und der Kellnerin ins Gespräch und wir trinken gemeinsam noch zum Abschluss ein Anisschnäpschen. Der Besitzer lässt nicht zu, dass ich bezahle. Auch hier wird Gastfreundschaft GROSS geschrieben… Vukovar war einst Teil des Habsburgerreiches, die barocken Fassaden in der Innenstadt erinnern noch daran. Gegen Abend lerne ich Kresi-mir kennen, einen 46-jährigen Kroaten, und er erzählt mir viel aus seinem Leben.

Dann werden wir auch noch Zeuge von einer lautstarken Auseinandersetzung zw. einem Kroaten und einem Serben. Kresi-mir erklärt mir, dass es hier immer noch starke Spannungen zw. Serben und Kroaten gibt. Daher wohl auch mehr Polizeipräsenz… Kresi-mir hat als 15-jähriger Junge seine Eltern im Krieg verloren und hofft auf eine friedliche Zukunft. Sehr bedrückend solche Geschichten…

09.06. Heute habe ich mir die mehr als 40 km nach Ilok, der letzten Stadt in Kroatien, vorgenommen.

Graffiti am Stadtausgang von Vukovar. In rot die Skyline von Vukovar.

Dementsprechend früh stehe ich dann vor der Bäckerei und die Verkäuferin gibt mir ausnahmsweise noch vor der Öffnung um 5h etwas zu essen und zu trinken. In Sarengrad wurde vor kurzem die letzte Kneipe zugesperrt. Jetzt stehen zwei Parkbankerl im Schatten vor dem Lebensmittelgeschäft, eine Bar auf Balkanart! Als ich dann das Dorf verlasse ruft mir ein Einheimischer nach ich solle doch eine Kaffeepause bei ihm machen.

Er ist bereits in Pension und war in seinem Leben viel im Ausland. Jetzt lebt er hier mit seiner Frau und ich merke wie froh er ist wieder einmal über frühere Zeiten reden zu können. Ich gehe dann durch viele Weingärten nach Ilok wo ich ziemlich müde gegen Abend ankomme.

Christian gab mir in Pecs den Tipp im Franziskanerkloster um ein Zimmer zu fragen. Nach langem Läuten und der Hilfe einer Einheimischen öffneten sich dann doch noch die Pforten. Ein Mönch namens Brat Grgur (Bruder Gregor) in seinem braunen Gewand mit weißer Kordel um die Hüften fragte mich in gutem Englisch was ich wolle, woher ich kam und wohin ich wolle. Nach kurzem Gespräch ließ er mich ein und zeigte mir mein Zimmer. Nach einer Dusche fühlte ich mich wie neu geboren. Als es dann draußen auch noch zum Donnern und Regnen anfing fühlte ich mich pudelwohl in meinem Zimmer. So schlief ich auch schon gegen 20h ein. Selten fühlte ich mich in einem Quartier so geborgen und willkommen wie hier. Mittelalterliches flair kommt auf!

10.06. Ich hole mir von der Bäckerei Croissants und frühstücke im Kloster. Brat Grgur kommt gegen 9h bei mir im Zimmer vorbei und gemeinsam setzen wir die Waschmaschine mit meiner Wäsche in Gang. Zumittag war ich heute im Hotel Dunav an der Donau. Zum Essen war es mir allerdings dort zu laut, da gerade ein Reisebus ankam. Im Zurückgehen zum Kloster kaufte ich mir noch ein Böreck und trank dazu ein Franziskaner Weißbier in der Klosterküche. So wie es sich hält in einem Franziskanerkloster gehört… 🙂

Morgen werde ich dann wieder über die Grenze nach Serbien und Backa Palanka gehen und am Nachmittag Christian und Lili treffen.

Fazit Kroatien: Kroatien ist im Gegensatz zu Serbien Teil der EU und wird mit Anfang 2023 den Euro als Zahlungsmittel einführen. Dementsprechend höher ist hier auch das Preisniveau im Vergleich zu Ungarn und Serbien. In Slawonien, so wird hier die kroatische Donauregion genannt, leben hauptsächlich katholische Kroaten aber auch einige orthodoxe Serben und muslimische Bosnier. Ich wünsche dem Land weiterhin eine friedliche Zeit in diesem interessanten Völkergemisch.

Gesamtkilometer: 984

UNGARN: Györ (Raab) – Balaton (Plattensee) – Pecs (Fünfkirchen) – Villany (Willand)

09.05. Nach einer längeren Mittagspause in Andau (Burgenland), in der ich meinen Reisebericht schreibe passiere ich am späten Nachmittag die Grenze nach Ungarn.

Willkommen ihr Magyaren, eure Sprache wird mir ewig verborgen bleiben. Aber nein, Siegfried gab mir bei der Verabschiedung noch ein paar Wörter mit wie ‚igen‘ (ja), ’nem‘ (nein), ‚kössenem‘ (danke), ‚teschek (bitte)’… ‚Jo napod‘ (Guten Tag) und ‚Viszlat‘ (Auf Wiedersehen) sind in der Zwischenzeit dazugekommen, natürlich auch ‚viz‘ (Wasser), dieses Wort werde ich noch sehr oft brauchen! Ich trinke derzeit ca 4 Liter Wasser pro Tag, Tendenz steigend, da es auch in Ungarn derzeit abnormal heiß ist. Bis zu 28 Grad steigt bereits das Thermometer in der ungarischen Tiefebene. Ich starte täglich bereits vor 6h und mache über die Mittagspause eine längere Pause, so entkomme ich der Mittagshitze. Der erste Ort in Ungarn ist Janossomorja (St. Johann), wo ich in einer kleinen Pension übernachte. Es ist ein langgezogener Ort und nach weiteren 2 km Fußmarsch ergattere ich dann doch noch ein Soproni.

10.05. Heute morgen versuche ich mein Glück beim Bankomaten und mit meinen Forint (derzeit 1€ = ca. 380 ung. Forint (HUF)) frühstücke ich in einer Bäckerei, die hier bereits um 4h morgens öffnen (gut für mich). Durch viel Natur und auch einer befahrenen Straße erreiche ich gegen Abend Lebeny (Leiden). In der Dorfkneipe trinke ich für den ersten Durst ein Borsodi und in Jimmy’s Pizzeria esse ich gebackenen Käse und trinke ein Soproni.

Stephan I der Heilige vor der Dorfkneipe in Lebeny. Er war ein magyarischer Fürst und von 1000 bis 1038 erster König des von ihm gegründeten Königreiches Ungarn. Er gilt als der Nationalheilige des heutigen Ungarns und christianisierte die heidnischen Magyaren.

Gestärkt frage ich die Kellnerin ob ich im Ort wo mein Zelt aufstellen könne. Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Chef schickt sie mich zum Sportplatz. Es ist bereits fast dunkel als ich hier mein Zelt aufbaue. In der Zwischenzeit dauert das nur mehr ca. 10 Minuten vom Ankommen beim Zeltplatz bis ich dann in meinem Zelt im Schlafsack liege.

11.05. Frühmorgens um 04:30 beobachtet mich ein Storch wie ich mein Zelt abbaue. Im Ort trinke ich noch einen Kaffee bevor ich entlang eines Dammes durch viel Grün gegen Mittag Györ (Raab) erreiche.

In einem Park trockne ich mein Zelt, Zeltunterlage und Schlafsack und quartiere mich ein wenig außerhalb der Stadt in einem Zimmer ein. Da Györ (ausgesprochen: Djör) eine liebe kleinere Stadt ist, beschließe ich hier eine zweite Nacht zu bleiben. Ich wasche am Nachmittag meine Sachen und erkundige am Abend die Stadt, die an der Raab liegt.

12.05. Heute ist Rasttag und ich genieße es länger als sonst zu schlafen und im Bett zu bleiben. Um 7h gehe ich dann frühstücken und streife durch die Stadt. Auf der modernen Universität esse ich zumittag kalte Früchtesuppe mit Erdbeeren und anderen Beeren und gefüllte Fleischrollade mit Erdäpfelpürre. Es schmeckte hervorragend und derzeit mache ich gerade Siesta in der Unterkunft. Am Abend durchstreife ich dann noch die Altstadt bevor es zu regnen beginnt. In der Zwischenzeit freue ich mich schon auf den Regen, da er auch Abkühlung bringt und mir so das Gehen erleichtert. In der Nacht hat es dann noch ein ordentliches Gewitter, das mich aus dem Schlaf holt.

13.05. Noch etwas verträumt starte ich kurz nach 5h als sich der Himmel wieder etwas beruhigt hat. Ich habe mich entschlossen die Route zu ändern und nicht nach Budapest und dann entlang der Donau Richtung Serbien zu gehen. Ich wollte immer schon einmal zum Plattensee und auch nach Pecs, das eine sehr schöne südungarische Stadt sein soll. Und so gehe ich heute von Györ aus nicht Richtung Osten sondern Richtung Süden in das Bakonygebirge. Es ist allerdings kein richtiges Gebirge in unserem Sinne sondern eher eine Hügelkette und wird deshalb auch Bakonywald (auf deutsch: Buchenwald) genannt. Die Wanderung durch den Bakonywald zum Balaton (Plattensee) wird fünf Tage dauern.

Schmetterlinge im Bakonywald

Am ersten Tag erreiche ich bei leichtem Regen Pannonhalma, das älteste Kloster in Ungarn. Es ist wie Melk und Göttweig auch ein Benediktinerkloster und liegt auf dem heiligen pannonischen Hügel inmitten grüner Landschaft. Da ich heute etwas schwächelte beim Gehen erreiche ich grad noch eine halbe Stunde bevor das Kloster zumachte die Eintrittspforte. Ich kann im Souveniershop meinen Rucksack lassen und eine Studentin zeigt mir noch im Schnelldurchgang die wichtigsten Gebäude im Kloster. Danach setze ich mich einmal gemütlich in den Klostergarten, trinke Kaffee und besorge mir Wasser für den Abend und den nächsten Morgen. Dazu fülle ich immer meine beiden 1,5 Liter PET Flaschen an und auch die 0,5 Liter PET Flasche, die mich untertags auch immer mit Wasser versorgt. Nachdem sich alle Leute in das darunter liegende Dorf begeben haben, beginne ich mir eine Suppe zu kochen. Einige hundert Meter entfernt liegt das Millenniumdenkmal, wo ich im 5 Millionen Sternenhotel mit Blick auf das Kloster eine wunderschöne Nacht verbringe.

14.05. Dieser Tag bringt mich durch viele ehemalige schwäbische Dörfer, in denen zum Teil auch noch Deutsch gesprochen wird. Die Ungarndeutschen stammen ursprünglich aus Bayern und wurden Ende des 18. Jahrhunderts hier angesiedelt um das Land urbar zu machen. Nach 1945 wurden sie aufgrund der Kollektivschuld größtenteils aus diesem Gebiet vertrieben, manche zweisprachigen Ortsschilder erinnern noch an sie. In Laßldorf stärke ich mich mit gebackenem Käse bevor ich wieder auf dem Sportplatz mein Zelt aufstelle und übernachte. Auch das Schlafen im Zelt wird mir immer angenehmer und ich schlafe in der Zwischenzeit schon sehr gut auf der aufgeblasenen Luftmatratze.

15.05. Heute ist Sonntag und es ist so gut wie alles geschlossen in diesen abgelegen Dörfern. In Bakonybel finde ich dann doch ein offenes Restaurant in dem ich Bohnensuppe bekomme. Ich komme mit Ferri (Kurzform von Ferenc (Franz)) ins Gespräch. Er spricht sehr gut Deutsch und erzählt mir, dass er in München eine eigene Firma hat, die sich mit Altbausanierungen beschäftigt. Er erzählt mir auch, dass alleine im letzten Jahr über 40.000 Deutsche nach Ungarn gezogen sind. Vor allem wegen dem doch noch immer günstigeren Preisniveau als in Deutschland. Auch er hat sich kürzlich in Bakonybel ein Haus mit 240 m2 Wohnfläche und 2.000 m2 Grund gekauft. Gekostet hat es satte 90.000 €, er meinte allerdings, dass er Glück hatte. In Böhmischhütten fülle ich bei einer netten Familie meine Wasserflaschen auf und bekomme auch noch ein kühles Soproni in der Dose angeboten.

Ich übernachte in Böhmischhütten am Ortsrand und verspeise die aus Bakonybel mitgebrachte Pizza, da auch hier nichts offen hat.

16.05. Nach einer ruhigen Nacht und nur einigen Hundegebellen trinke ich nach 2 Stunden Fußmarsch in Varoslöd (Waschludt) zwei Kaffees zum Munterwerden. Mittags mache ich in Urkut (Urbrunn) eine längere Mittagspause und esse ein Schweinekotelett auf Karpaten Art. Das Fleisch ist mit gratinierten Kartoffeln umgeben und ordentlich deftig.

Schweinekotelett auf Karpaten Art

Mein Ziel ist heute noch nach Großschwaron zu kommen. Der Wetterbericht meldet Regen in der Nacht. In solchen Fällen versuche ich eher ein ordentliches Dach über dem Kopf zu haben. Bei der Ankunft erspähe ich in der Nähe der Burg einen überdachten Rastplatz mit Tisch und Bänken, ein idealer Platz für mich.

17.05. Nach einer dann doch relativ trockenen Nacht starte ich heute schon um 04:45, der Balaton ruft. Noch bin ich allerdings nicht auf dem Plattensee und erst nach ca. 3 Stunden kommt ein Kirschbaum, der mir ein unerwartetes Frühstück bereitet.

Dann erblicke ich das erste Mal den See, der doch um einiges größer ist als der Neusiedlersee.

Balaton (Plattensee)

In Balatonfüred kaufe ich beim Aldi ein und esse ein ganzes Baguette auf einen Sitz. In der Tankstelle genehmige ich mir eine Cafe Latte und telefoniere mit Muttern, die mich zuhause wieder auf den letzten Stand bringt und von den aktuellen ‚Problemen‘ berichtet. Der Campingplatz in Balatonfüred wird derzeit renoviert und öffnet erst in 3 Tagen, zu spät für mich. Der Security Beauftragte schickt mich zu einem anderen nahegelegenen Campingplatz, was sind schon zusätzliche 14km…:-)

Ziemlich geschafft komme ich dann kurz nach 17h beim Zeltplatz in Balatonakali an. Schon das Dorf gefällt mir sehr gut und auch mein Zeltplatz direkt am Ufer hat was. So war es ja doch gut, dass der andere Zeltplatz noch nicht offen hatte. Nach einer Dusche nach 5 Tagen Fußmarsch fühle ich mich wieder wie frisch geboren und stärke mich mit Gulaschsuppe und einem Dreher (örtliches Bier). Am Abend schaue ich noch den Anglern bei ihrer Arbeit zu bevor mich die Gelsen in das Zelt flüchten lassen.

18.05. Frisch ausgeschlafen wasche ich heute frühmorgens meine Wäsche und erreiche um 06:20 gerade noch den Bus nach Vesprim, wo ich gerade in einem Café sitze und diese Zeilen schreibe.

Veszprem (Vesprim) rüstet sich gerade für 2023, dem Jahr, in dem die Stadt Kulturhauptstadt Europas sein wird. Daher ist es derzeit eine einzige Baustelle und eher nicht so toll. Zurück am Campingplatz stärke ich mich wieder im Büffet mit drei Pakatschinken. Das Büffet wird von Zsolti gemeinsam mit seiner Frau Silvia betrieben. Ich lerne am Abend Szoltan und seine Freunde aus Veszprem kennen. Sie sind hier um zu angeln, vor allem am Abend beißen die Karpfen gut, meinen sie… Sie laden mich dann noch in ihren Bus ein wo wir natürlich auch noch den selbstgebrannten Apfel- und Kirschenschnaps verkosten müssen. Gegen Mitternacht gehe ich in mein Zelt zurück und ich schlafe gut und fest.

19.05. Heute habe ich mir vorgenommen, die Halbinsel Tihany zu besuchen. Ich nehme daher einen Bus nach Aszöfö und wandere die 6 oder 7 Kilometer in den Ort Tihany. Im Ort selber hat um 08:30 noch nichts offen ausser einem ABC Laden, wie hier die Lebensmittelläden genannt werden. Hier gibt es allerlei und auch einen Kaffee mit Mehlspeise, so kann der Tag beginnen. Tihany selbst ist mir mit all den Verkaufsstandln zu touristisch und so nehme ich noch einen anderen Bus, der mich in die bekannte Stadt Balatonfüred (Bad Plattensee) bringt. Es ist hier an der Uferpromenade noch die monarchische Vergangenheit zu spüren. Der Ort Balatonakali ist weit kleiner und speziell die Lajos Kossuth utca (Straße) gefällt mir sehr gut. Auf den Gehsteigen muss ich mich immer wieder bücken um unter den darüber hängenden Büschen durchzukommen. Den Abend verbringe ich wieder auf der Mole und betrachte den Sonnenuntergang über dem See. Hier treffe ich auch noch ein deutsches Pärchen, die mir erzählen, dass der See eine durchschnittliche Tiefe von 3 Metern hat. Auch ist am Nordufer das Wasser tiefer und es ist noch etwas beschaulicher als am Südufer. Am Rückweg zum Zelt begleiten mich die Rufe der Frösche und auch ein Kuckuck gesellt sich dazu. In der Zwischenzeit genieße ich mit all den Geräuschen das Schlafen in meinem Zelt.

20.05. Zsolti gab mir den Tipp mit dem Zug nach Badacsony zu fahren. Alleine die Zufahrt ist ein kleines Abenteuer. In jeder Station wird angehalten und der Stationswächter kommt mit seinem Schildchen aus seinem Häuschen heraus und plaudert kurz mit dem Zugführer. Es ist Tradition in Ungarn wie mir Henrik erklärt, den ich wenig später mit seiner Freundin Fruschi am Weg zum Aussichtsberg kennenlerne. Ich hatte heute beschlossen einmal das Handy nicht mitzunehmen und siehe da, um vieles mehr Kontakte zu den Leuten. Ich werde das jetzt öfters machen. Am Rückweg entdecke ich inmitten der Weinberge eine kleine Buschenschank. Es wird hier guter Weißwein gemacht und vor allem der Blaustengler mit einem Schmalzbrot schmeckt vorzüglich. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich dann wieder den Campingplatz und schlafe zufrieden nach einem schönen Tag ein. Überhaupt tut es gut ein wenig ‚Urlaub‘ vom Gehen zu machen und die Atmosphäre hier am Plattensee ist echt entspannend.

21.05. Weil es mir so gut gefällt hier habe ich kurzerhand beschlossen um einen Tag länger zu bleiben. So bleibt dann auch Zeit mit einigen Leuten zu telefonieren, die weitere Route zu planen und auch in den See zu gehen. Das Wasser hat derzeit ca. 20 Grad und es ist noch wenig los hier. Ab einer Entfernung von ca. 50 Meter vom Ufer kann auch ich dann keinen Seeboden mehr erspüren. Alles in allem ein sehr entspannender Tag heute und Zsolti gibt mir zum Abschied noch zwei panierte Hühnerschnitzel für den nächsten Tag mit.

22.05. Heute starte ich wieder mit meinem Rucksack vor 5h und gehe auf einsamen Wegen Richtung Tihany Halbinsel. Vom Aussichtsturm hier sehe ich den gesamten See mit seinen Schilfgürteln und Booten vor mir liegen.

Gegen 10:30 erreiche ich dann Tihanyrev von wo mich ein Schiff auf die Südseite des Sees nach Szantod bringt. Heute ist Sonntag und so decke ich mich noch mit Lebensmitteln und Wasser für den restlichen Tag ein. Nach mehr als 40 km erreiche ich dann Tab, wo ich mich mit einem Bohnengulasch und hervorragenden Somlauer Nockerln stärke. Die Nacht verbringe ich im Zelt in der Nähe des Sportplatzes.

23.05. Ich schlafe heute etwas länger, da gestern doch ein anstrengender Tag war und frühstücke zuerst in der Bäckerei. Die Preise hier für einen Cappuccino sind in etwa € 1,20 und für ein Mohnkipferl etwas weniger als ein Euro. Speziell in den kleineren und unbekannten Dörfern ist das Preisniveau noch deutlich niedriger als bei uns zuhause.

Am Weg nach Igal vergehe ich mich zweimal und finde dann doch immer wieder zurück auf die richtige Spur. Es macht mir Spaß, die Route selbst zu wählen und querfeldein zu gehen. In Igal angekommen bemerke ich einen Zeltplatz mit einem dazugehörigen Thermalbad, nichts wie hinein! Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe gehe ich noch in das Thermalbad und genieße die Sprudel und warmen Wassertemperaturen.

Den Abend lasse ich bei einer Langos (ungarischer Fladen) und einem Original Edelweiß Weizenbier ausklingen.

24.05. Weil es so schön und gut tut dieses Thermalbad, vor allem für meine Füße, beschließe ich noch einen weiteren Tag zu bleiben. So kann ich dann auch wieder einmal meine Wäsche in einer Waschmaschine waschen, mit der Hand ist das doch immer so eine halbe Sache…

Nach einem Thermalbad sitze ich gerade im Badbüffet und werd mich gleich noch einmal in die warmen Quellen stürzen… 🙂

25.05. Am Weg von Igal nach Dombova verlaufe ich mich heute ordentlich und strande in einem mit Elektrozaun abgeschlossenen Bereich für Kühe, aus dem ich nur mit viel Mühe durch das Unterholz rauskomme. Vormittags erreiche ich dann das kleine Dorf Gölle. Als mich wie so oft Hunde durch den Hauszaun anbellen, diesmal sogar zwei, mache ich ein Erinnerungsfoto. Daraufhin kommt der Besitzer ebenfalls zum Zaun um die beiden zu beruhigen. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass Helmut ein Deutscher von der Wesel ist. Er lädt mich kurzerhand ein auf seiner Terrasse zu rasten und Monika, seine Frau, macht mir einen guten Kaffee. Sie erzählen mir, dass sie schon in der Rente sind und vor 4 Jahren hier dieses Haus mit Grundstück um nur 15.000€ gekauft haben. Und bei den um ca. 50% niedrigeren Lebenserhaltungskosten als in Deutschland (und auch Österreich) haben sie so ihre Realrente und deren Kaufkraft um einiges erhöht.

Ausserdem hat Helmut, wie er sagt, auch kein Problem mit dem ‚Gulaschkommunismus‘ hier im Lande unter der Führung von Victor Orban und seiner Fidesc Partei. Gerade vor kurzem wurde er ja wieder (zum fünften Mal in Folge) zum Premierminister gewählt und das mit relativ großer Mehrheit. Es seien laut Helmut auch noch ca. 10 andere deutsche Familien im Dorf, er und Monika sind also durchaus kein Einzelfall. Die Tatsache, dass Ungarn keine Flüchtlinge aufnimmt, begründet er damit, dass Ungarn eben hauptsächlich ein Agrarstaat sei und es sich einfach nicht leisten kann und will. In der Pandemie hätten sie auch Unterstützung vom Staat bekommen, auch der Spritpreis ist hier bei ca. umgerechnet 1,35€ gedeckelt. Und trotzdem machen die Mineralölkonzerne hier auch noch Gewinn, also irgendwas stimmt da bei uns zu Hause nicht…:-)

Ein ’spannendes‘ Storchennest

Ich gehe dann noch bis Dombova, wo ich gerade noch in einer Pizzeria Unterschlupf vor einem herannahenden Gewitter finde. Überhaupt ist hier in letzter Zeit der Himmel recht unruhig… Gegen 20h ist dann wieder alles vorbei und ich schlafe im Zelt in der Nähe der Pizzeria.

26.5. Ich frühstücke heute in einer kleinen Bäckerei und decke mich dann noch mit Proviant und Wasser für den Tag ein. Meistens mische ich jetzt das Wasser mit einer Cola. Da trinke ich mehr und Zucker bekomme ich ausserdem… Da es gestern stark geregnet hat sind heute die Feldwege keine gute Idee und ich gehe hauptsächlich auf der asphaltierten Straße nach Komlö.

27.5. ‚Jona pod‘ (Guten Tag) höre ich heute um ca. 4:30 von draußen in mein Zelt dringen. Es war der Platzwart des Fußballplatzes in Komlö. Er war zum frühmorgendlichen Rasenmähen gekommen. So starte ich dann heute meine Wanderung früher als gedacht und erreiche so gegen 11h über die Mesceg Berge Pecs (Fünfkirchen).

Hier lerne ich Gabor Kiss kennen und ich quartiere mich bei ihm in seiner Pension (Valcsics Villa Panzio) am nördlichen Stadtrand ein. Traumhaft gut immer wieder eine Dusche und zumittag koche ich mir in seiner Pension eine warme Suppe, die mich stärkt. Pecs ist eine Stadt mit ca. 145.000 Einwohnern und ist vor allem bei Studenten sehr beliebt. Ich trockne gerade das Zelt auf der Terrasse und werde mich dann nachmittags noch in der Stadt umsehen.

In der Nähe der Universität finde ich letztlich eine Wäscherei und während der Trockner die letzten Minuten arbeitet lese ich ein SMS von Christian, dass er mit seiner Freundin Lili schon in Pecs ist. Eine halbe Stunde später gibt es am Szecheny Ter (Hauptplatz) ein freudiges Wiedersehen. Wir verbringen den lauschigen Abend in der Kiraly utca (Hauptstraße) und am Szecheny Ter, wo reges Treiben herrscht.

Nach Mitternacht kommt Wind auf und Christian bringt mich mit seinem Auto noch in meine Unterkunft. Wenig später kracht und blitzt es wieder über Pecs.

28.05. Noch etwas verschlafen vom Vorabend frühstücke ich im Quartier und gehe dann Richtung Stadtzentrum. Auf einem Bauernmarkt am Ende der Kiraly utca gibt es traumhaft gute Wuchteln gefüllt mit Powidl Marmelade, usw. Kurz später treffe ich nochmals Christian und Lili und sie geben mir noch gute Tipps für Serbien und Kroatien. Sie haben ja letzte Woche gerade Backa Palanka (Plankenburg), die Heimatstadt von Lili besucht und sind bestens informiert. Im Z (Restaurant Föter am Hauptplatz) haben wir noch viel Spaß bevor wir uns dann wieder verabschieden und sie Pecs Richtung Baden und Bad Vöslau verlassen. Es tut immer wieder gut Freunde zu treffen. Am Nachmittag schaue ich mir dann die ehemalige Moschee Gazi Kassim Pascha an, die sich direkt auf dem Hauptplatz befindet und heute als römisch-katholische Kirche genutzt wird. Der Einfluss der Osmanen ist hier schon spürbar. Weiters besteige ich dann noch den Glockenturm der St. Peter und Paul Kathedrale von wo man einen guten Überblick über die Stadt bekommt. Am Abend schaue ich mir noch das CL Finale zw Real Madrid und Liverpool an bevor ich müde ins Bett falle.

29.05. Heute ist Sonntag und ich gehe wieder einmal in die Kirche. Mir macht es nichts aus wenn ich die Predigt vom Pfarrer nicht verstehe. Mir reichen die schönen ungarischen Lieder und das Innere der Hl. Sebastianskirche im Zentrum von Pecs. Da es heute regnet absolviere ich ein kulturelles Programm. Es gibt in Pecs wunderschöne Museen wie das Victor Vasarely Museum (Maler in Pecs geboren) und das Zsolnay Museum (weltbekannt für das wunderschöne Porzellan), beide absolut sehenswert!

Und am Abend hat mir Andrasz, den ich am Plattensee kennengelernt hatte, in der Konzerthalle ein Ticket für ein Konzert besorgt. Ebenfalls ein sehr schönes Gebäude und Andrasz hat mich an diesem Abend mit seiner Stimme beeindruckt.

Konzerthalle in Pecs (Fünfkirchen)

30.05. Es hat in den letzten Tagen ordentlich abgekühlt. Auch heute regnet es wieder und ich werde erst morgen, wenn das Wetter wieder besser wird, Richtung Serbien weitergehen. In der Touristeninfo lässt mich der Angestellte auf seinem PC meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick absichern. Auch er bedauert es, dass es in der ganzen Stadt kein einziges Internetcafe mehr gibt. Am Nachmittag durchstreife ich noch das kulturelle Viertel in der Nähe der Konzerthalle.

Es gibt hier auch einen TV Turm (höchstes Gebäude in Ungarn), von wo man einen tollen Blick über die Stadt und die Umgebung haben soll. Noch habe ich diese Worte in meinen Ohren als ich mich am späten Nachmittag mit einem Bus dorthin begebe. Leider hatte es in der Zwischenzeit zugezogen und aus der tollen Aussicht wurde da oben dann eben eine Nebelsuppe. Zu Fuß gehe ich dann zurück in mein Quartier und genieße dort noch die Abendstunden.

31.05. Heute verabschiede ich mich von Pecs und gehe von meinem Quartier ins Stadtzentrum wo ich mich in einer Bäckerei noch mit Proviant für den Tag eindecke.

Letzte Station meiner Ungarndurchquerung ist Villany (Willand), ein bekanntes Weinbaugebiet in Ungarn. Da ich spät gestartet bin schaffe ich es nicht ganz bis Villany. In einem Ort, ca. 10km vor Villany, bereitet mir am Abend eine Verkäuferin noch zwei Salamisandwiches zu. Ich schlafe wieder im letzten hinteren Winkel des Fußballplatzes. Generell haben sich Sport- und Fußballplätze als gute Plätze zum Zelten heraus gestellt. Flach, gemähter Rasen und Gemeineigentum, da sagt auch niemand etwas.

01.06. Ich esse zum Frühstück das zweite Sandwich von gestern und gehe dann die letzten 10km nach Villany. Kurz vor dem Ort komme ich bei einer Csarda (Gehöft) vorbei wo ich mittagesse und meine Akkus wieder auflade (sowohl die von meinem Handy, meiner Powerbank aber auch meine eigenen… :-)). Gestärkt erreiche ich dann das Ortszentrum von Villany wo ich in einem der vielen Weinkeller den Cabernet Villany (oder Cabernet Franc, quasi der Hauswein hier) und den Portugieser verkoste. Beide sehr gut wobei ich dem Cabernet Villany den Vorzug geben würde. Dazwischen gibt es auch hier Schmalzbrot mit Zwiebeln, heimische Gefühl kommt auf.

Ich schlafe auch hier wieder am Ortsrand auf dem Fußballfeld.

02.06. Ich bleibe heute vormittag noch hier und gehe nach dem Mittagessen Richtung Grenze zu Kroatien.

Es ist heute mein letzter Tag hier bei den Magyaren und gegen Abend erreiche ich den Grenzort Udvar. Mit Armin, einem bosnischen LKW Fahrer, trinke ich noch mein letztes kühles Dreher auf der Tankstelle.

Er ist am Rückweg von Ungarn nach Kroatien und weiter nach Bosnien Herzegowina. Er erzählt mir, dass Bosnien Herzegowina 3 Präsidenten hat (einen bosnischen, einen kroatischen und einen serbischen) und daher im Land nicht viel weiter geht, weil immer einer der 3 Präsidenten zu gewissen Entscheidungen nicht zustimmt. Tito sei ein guter Mann gewesen, versichert er mir noch zuletzt bevor ich mich auf Zeltplatzsuche begebe.

Fazit: Ungarn hat mich positiv überrascht. Ich konnte vor allem einmal den Plattensee sehen und erleben und auch die südungarische Stadt Pecs, die ich schon einmal als Student besuchen wollte. Daraus würde allerdings damals nichts. ‚Gut Ding braucht halt eben Weile‘ trifft hier am besten zu. Ich habe viele Deutschungarn kennengelernt und sie haben mir versichert, dass der sogenannte Gulaschkommunismus in Ungarn auch seine Vorteile hätte. Nach oben hin gedeckelte Energiepreise, Beihilfen vom Staat in der Pandemie, geringe Kriminalität und geringer Ausländeranteil (eben die Linie von Orban). Ich habe einige Freundschaften geschlossen und wünsche dem Land alles Gute und viel Erfolg in den nächsten Jahren! Vizlat (Auf Wiedersehen) ihr Magyaren!

Gesamtkilometer: 829

ÖSTERREICH: Schallenberg – Wien – Neusiedlersee

24.4.2022: Heute ist Georgitag (und auch Sonntag der Barmherzigen) , welcher Tag könnte besser passen zum Losgehen als dieser? Losgehen entlang der Donau, die genaue Route ergibt sich am Weg. All die Erledigungen zuhause sind hinter mir und nun heißt es ‚Leinen los‘. Über Amesschlag und Oberneukirchen geht es zuerst zur Burg Lobenstein. Von dort zur Giselawarte wo ich mich mit meinem Freund Sven verabredet habe. ‚Bis zur Gis geht’s eh, dann zieht es sich‘ lachen wir bei einem Kaffee beim Giswirt. Runter den Bachlberg mit einem kurzen Hallo bei meiner Tante Maria erreiche ich so gegen 17h den Garten meiner Mutter in Linz – Urfahr. Wir feiern noch Abschied, auch Max kommt noch dazu, dann übernachte ich in der Gartenhütte.

Meine Ausrüstung – Zelt, Schlafsack, etc alles dabei, und das um ca 7kg

Kleingram

Der Pilger hat das Jagawiesl erreicht

Todesstiege in Mauthausen

Treffen mit Johannes Aschauer – er ging den ganzen Tag Weg nach Jerusalem gemeinsam mit zwei anderen Herrschaften im Jahre 2010

Entlang am Treppelweg Richtung Wachau

Am 25.4. gibt es noch ein gemeinsames Frühstück mit Muttern und Max bevor ich bei leichtem Regen entlang der Donau nach Mauthausen gehe. Über die Todesstiege erreiche ich die hübsche Stadt Mauthausen, wo ich am Abend Johannes Aschauer treffe. Er gibt mir sehr wertvolle Informationen und Tipps für den Weg Richtung Jerusalem. Er ging im Jahre 2010 diesen Weg schon einmal gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen und David Zwilling, er weiß von was er spricht.

26.4. Früh morgens starte ich in Mauthausen und erreiche um ca. 11h Arbing, wo ich nochmals Johannes in seinem Heimatort treffe. Er wünscht mir einen gesegneten Weg in das ‚heilige Land‘, den Segen kann ich brauchen. Kurz bevor es zu regnen beginnt erreiche ich nach 38km Grein. Ich schlafe hier im ehemaligen Franziskanerkloster Haus Antonius, wo ich ein Pilgerzimmer mit Frühstück bekomme.

27.4. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit dem Pfarrer und seiner Köchin besuche ich nun das wirklich schöne Café Blumensträußel. Draußen regnet es und so versäume ich auch nicht viel… Entlang des rechten Donauufers erreiche ich Ybbs an der Donau. Wohnen beim Bäcker Weinberger hat mir Johannes empfohlen und so kam es auch. Als ich die Bedienerin fragte ob ich im Hinterhof mein Zelt aufstellen könne, kommt auch schon der Chef vorbei. Wir wechseln ein paar Worte über meine bevorstehende Wanderung und kurzerhand bietet er mir ein Zimmer bei ihm an. Dem noch nicht genug, sagt er auch der Bedienerin sie soll mir einen Tee und was zum Essen bringen. Ich kann seinen Worten kaum glauben, so eine Hilfsbereitschaft habe ich wohl in Österreich noch nicht erlebt…

28.4. Heute geht es von Ybbs via der Kraftwerksbrücke Ybbs-Persenbeug zum Wallfahrtsort Maria Taferl und zum Schloß Artstetten. In Maria Taferl kommt, während ich mir eine Suppe koche, ein Junge zu mir. Er stammt aus der Nähe von Kiew und erzählt mir, daß er mit seiner Familie jetzt hier wohnt. Meine kleinen Russischkenntnisse ermöglichen es mir, mich mit ihm ein wenig zu unterhalten. Mit 9 Jahren sowas erleben, hoffentlich können sie bald wieder zurück.

Nach weiteren 6 km erreiche ich Artstetten. Im Schloß liegt der 1914 in Sarajevo ermordete Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie begraben. Ich schlafe im Schloßpark in meinem Zelt.

So komme ich mir auch manchmal vor wenn ich den Verkehr betrachte

Heiliger vor dem Schloß Persenbeug

Wallfahrtskirche Maria Taferl

Schloß Artstetten

So schaut es in meinem Zelt aus

29.4. Gegen Mittag erreiche ich heute Melk. Ich schaue mir das Stift auch einmal von innen an und erfahre vom Portier, dass leider keine Pilgerzimmer frei sind, da das Stift ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat. So gehe ich zum Campingplatz, der nur ca 10 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum direkt an der Donau liegt. 

Friedenstaube in Melk – Symbol des Jerusalemweg

Benediktinerstift Melk am Abend

30.4. Ich sitze gerade in einem Café in Melk und werde heute einen Ruhetag einlegen. Ganz so ruhig wird es aber dann auch wieder nicht, da ich mir in der Schallaburg die Ausstellung ‚Reiter Nomaden in Europa‘ anschauen möchte.

Es ging in dieser Ausstellung vor allem um die Nomadenvölker der Hunnen, Awaren, Ungarn und Bulgaren, die alle aus der zentralasiatischen Steppe kamen. Während die Hunnen und Awaren sich nicht halten konnten, gelang es den Ungarn und Bulgaren sich in der pannonischen Tiefebene und im Karpatenbecken dauerhaft anzusiedeln und einen eigenen Staat zu gründen. Voraussetzung dafür war wohl auch, dass sie sich zum Christentum bekehrten und so die Kirche im Rückhalt hatten.

01.05. Frühmorgens um 6h gehe ich heute los, ohne wieder einmal zu wissen wo ich schlafen werde oder wo ich am Abend ein Glaserl vom guten Wein in der Wachau kosten werde. So gefällt mir das Gehen und Reisen, nicht zu viel planen, alles kommt so wie es sein soll…

Vorbei beim Schloß Schönbühel geht es entlang des rechten Donauufers Richtung Mautern. Ich gehe hier meistens auf dem Treppelweg und habe auf der anderen Seite die bekannteren Orte der Wachau vor mir. Am rechten Donauufer ist es noch ruhiger und so gelange ich zumittag nach Oberarnsdorf, wo gerade der Maibaum aufgestellt wird. Im Feuerwehrhaus wird aufgekocht, das Surschnitzel und vor allem die selbstgemachte Mohntorte waren Weltklasse.

Am Abend erreiche ich Rossatzbach, wo ich wieder im Zelt in den Weingärten schlafe. Christian, ein IBM Arbeitskollege aus Bad Vöslau, kommt mich besuchen und wir trinken das eine oder andere Achterl im Heurigen Rinner und Rehrl-Fischer.

02.05. Auch heute starte ich wieder früh. Ich mag es ohne Frühstück loszugehen und dann nach ca 2 Stunden wo zu frühstücken. Heute war es im Gasthaus Hofer in Mautern soweit, wo ich nach ca. 8 km um 8h morgens einkehre. Die Besitzerin ist sehr interessiert an meiner Wanderung und so unterhalten wir uns länger darüber. Als ich zahlen möchte, meint sie ‚Nein, nein, der erste in der Saison, der diese Wanderung macht und bei mir einkehrt geht frei, und ich war wohl der erste. Nur hätte sie gerne, dass ich für sie ein Kerzerl in Jerusalem anzünde‘, natürlich Ehrensache! Ich lege mir jetzt schon eine Liste der Wünsche an, um nichts zu vergessen… 🙂

Zumittag erreiche ich das Benediktinerstift Göttweig, das imposant auf einem Hügel thront. Wunderschön die Lage dieses Stiftes, die Stiftskirche und das Deckenfresko von Paul Troger (1739) in der  Kaiserstiege sind ein Genuss für die Augen.

Am Abend komme ich nach Höbenbach zum Heurigen Ettenauer, wo mir Annemarie, die Chefin, telefonisch zugesagt hatte, dass ich mein Zelt bei Ihnen im Garten mit Marillenbäumen aufstellen könnte. Bei der Ankunft lerne ich dann auch Ihren Mann Hans kennen, der dann kurzerhand meinte, ich könnte auch bei Ihnen drinnen schlafen, da es gerade leicht zu regnen begann. Heute Abend kommt Claus aus Krems zu Besuch, und um halb zwölf waren wir die letzten Gäste, die übrig blieben. Essen und Trinken wie immer hervorragend. Vor allem der Grüne und Rote Veltliner, aber auch der Muskateller sind ein Traum, das Wein machen können Sie hier…

03.05. Annemarie weckt mich heute um halb sieben und wir frühstücken noch gemeinsam bevor ich mich kurz vor 8h auf den Weg mache. Auch sie interessiert sich für das was ich mache und erzählt mir unter vier Augen auch Details aus ihrem Leben. Diese Begegnungen und Gespräche auf dem Weg sind es letztlich, an die man sich später erinnert und gerne denkt und letztlich auch eine Reise ausmachen. 

Im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg leben derzeit zw. 15 und 20 Priester. Der Schutzpatron des Stiftes ist der hl. Georg. Von einer anwesenden Führerin erfahre ich, dass der hl. Georg auch der Schutzpatron der Reisenden ist. Welch besseren Schutzpatron kann ich mir für meine Wanderung wohl wünschen!

Ich durchquere nun das nördliche Mostviertel und erreiche am Abend Würmla, wo ich im GH Burger übernachte. Hin und wieder eine Matratze und vor allem eine Dusche tut doch auch gut.

04.05. Heute liegt eine längere Etappe bis Purkersdorf vor mir und so bin ich wieder frühmorgens auf meinen Beinen. Die Wanderung über den Troppberg wird nichts da am Riederberg ein ordentliches Gewitter mit starkem Regen und Hagel aufzieht und ich gerade noch in der Autowerkstatt am Riederberg Unterschlupf finde. Bei einem Automatenkaffee betrachte ich das Treiben draußen und nachdem sich wieder alles verzogen hat, trabe ich die letzten Kilometer via Gablitz nach Purkersdorf runter. In der Jugendherberge kann ich endlich wieder einmal mein Gewand waschen und Thomas, der Leiter der JH, bietet mir sogar ein Fußbad an, das ich dankenswerterweise annehme. Fast jeden Abend reibe ich mir die Füße mit Hirschtalg ein und so hatte ich bisher noch keine Probleme mit Blasen oder ähnlichem. Gut bereift fährt sich besser gilt auch bei den Fußgängern… 🙂

05.05. Vor 6h bin ich bereits wieder auf den Beinen und es liegen noch Nebelschwaden entlang des Wien Flusses als ich Richtung Hietzing marschiere. Ich mache noch aus nostalgischen Gründen einen kurzen Abstecher zu meiner früheren Wohnung in der Hagenberggasse bevor ich mich im Café Schwarz mit Iris treffe. Sie zeigt mir danach auch noch ihre neue Wohnung in der Wittegasse bevor ich weiter Richtung Stephansdom ziehe. Liebenswerterweise gibt sie mir auch noch den Schlüssel für ihre andere Wohnung in der Salztorgasse in der Innenstadt mit, wo ich die nächsten zwei Tage bleiben werde. In der Mahü kaufe ich mir vorsorglich noch einmal dieselben Schuhe, mit denen ich jetzt gehe. Bei Bedarf schickt sie mir diese nach, sollte ich unterwegs einmal nichts Passendes finden. Im Stephansdom zünde ich ein Kerzerl an bevor ich mich in der Salztorgasse einquartiere.

06.05. Sitz grad im Café Castelleto wo ich diesen Beitrag schreibe und werde heute noch einige Sachen erledigen bevor ich morgen weiter gehen werde.

Wirklich viel erledigt habe ich allerdings nicht mehr. Vielmehr nützte ich die Zeit noch um im Café Prückel Isi mit ihrem zwei Monate alten Sohn Jonas zu treffen. Anschließend lernte ich im Stadtpark auch noch ihren Freund Christopher aus Kenia kennen.

07.05. Es war schön einmal zu Fuß von mir zuhause im Schallenberg nach Wien zu gehen. In die Stadt, in der ich studiert, gearbeitet und fast 30 Jahre meines Lebens verbracht habe. Um 06:30 starte ich dann heute meine Wanderung am Schwedenplatz dem Donaukanal Richtung Schwechat. Hier telefoniere ich wieder einmal mit Adi und gratuliere ihm zum Geburtstag. Es geht weiter Richtung Schwadorf und kurz danach erwischt mich ein Gewitter. So kann ich gleich meine sexy Regenbekleidung testen und komme letztlich relativ trocken beim Heurigen Purkharthofer in Stixneusiedl an.

Berni Purkharthofer, der Besitzer, bietet mir an in seinem Zirkuswagen inmitten der Weinberge zu übernachten. Wer kann so ein Angebot schon ablehnen… 🙂

Am Donaukanal entlang Richtung Schwechat – im Hintergrund direkt hinter mir ist auch das IBM Gebäude zu sehen

08.05. Nach ca. zwei Stunden Morgensport erreiche ich das hübsche Städtchen Bruck an der Leitha. In einem Café gibt’s wieder ein Telefonat, diesmal mit Frau Chefin namens Mutter, es ist ja Muttertag… 🙂 Kurz vor Neusiedl am See treffe ich am Radweg Erich Klinger, einen ehemaligen Bioweinbauer aus Apetlon. Es gibt viele Neuigkeiten und letztlich wünscht er mir alles Gute auf dem Weg.

Isi empfahl mir Camping Paula in Frauenkirchen zum Übernachten. Am Telefon erkundige ich mich bei Helmut Hochedlinger ob der Campingplatz eh schon offen hat. Helmut bejaht und erkundigt sich telefonisch bei mir über die Sicherheitslage Richtung Süden, da er diesen Weg auch bald gehen möchte. Nach ca. 5 Minuten meinte er kurzerhand am Telefon: So, und jetzt hast Du Dir gerade eine Übernachtung bei mir verdient! Bei meiner Ankunft um 18:30 (nach 43 km) tischt er sofort auf und meint, dass er mir auch ein Zimmer gibt. Er ist auch schon einmal zu Fuß nach Rom und Santiago de Compostela gegangen und weiß, dass Pilger letztlich auch Hilfe brauchen um das Ziel zu erreichen. Nach einer Dusche bringt er mir auch noch ein Tablette voller Essen vorbei und meint letztlich ‚Buen Camino‘ – Guten Weg. Unglaublich diese Hilfsbereitschaft, mir wurde dies in dieser Form noch nie zuteil!

09.05. Siegfried, ein IBM Arbeitskollege aus Gols, hat sich angesagt und wir treffen uns um 08:30 in der Bäckerei Goldenitsch am Zicksee auf ein Frühstück. Er gibt mir noch einige Tipps mit auf meinem Weg durch Ungarn und Serbien, Länder, die er sehr gut kennt. Via St. Andrä bin ich nun nach Andau gegangen, wo ich gerade im nächsten Café sitze. Ich mache gerade Pause, da es jetzt zumittag schon recht warm wird und werde später noch über die Grenze nach Ungarn gehen.

Fazit: Es waren wunderschöne zwei Wochen vom Mühlviertel via der Wachau und Wien hierher ins Burgenland. In der Zwischenzeit bin ich gut eingegangen, das Hirschtalg tut immer wieder gut und auch das Wetter blieb mir bisher hold. Die Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft ist wohl die größte Überraschung bisher, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe. Buen Camino!

Gesamtkilometer: 427

ASIEN – 2 1/2 Jahre Abenteuer

LIVE-Multivisionsvortrag von Georg Richtsfeld

In mehr als 90 Ländern war Georg Richtsfeld bereits unterwegs, vorwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln aller Art. Im Vortrag „ASIEN – 2 1/2 Jahre Abenteuer“ berichtet der Reisende von seinem Streifzug durch mehr als 30 verschiedene Länder bis in den Osten Indonesiens und Japan. Schließlich kehrt er mit der transsibirischen Eisenbahn wieder zurück nach Europa ohne während seiner gesamten Reise in einem Flugzeug gesessen zu sein. Ein Vortrag voller Abenteuer, Begegnungen und der Erkenntnis, mit wenig glücklich zu sein.

Ort: Haus am Ring, Bad Leonfelden

Termin: Do, 23. September 2021, Start: 19:30

Eintritt: € 10,00

Reservierungen unter: www.georgrichtsfeld.info/termine

Weitere Termine:

Do, 30. September, 19:00 → Café Prückel, Stubenring, Wien

Mi, 20. Oktober, 19:00 → Stadttheater, Gmunden

Mi, 27. Oktober, 19:00 → Volkshaus Kleinmünchen, Linz

NEPAL – INDIEN: Trekking im Himalaya und Südindien

LIVE-Multivisionsvortrag von Georg Richtsfeld

In mehr als 90 Ländern war Georg Richtsfeld bereits unterwegs. Vorwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln aller Art. Am liebsten aber zu fuß mit dem Rucksack. Im Vortrag „Nepal – Indien: “Trekking im Himalaya und Südindien“ berichtet der Reisende von seinen intensiven Wanderungen, die ihn durch verschiedene Bergregionen Nepals, in den Süden Indiens und wieder zurück nach Nepal führte. Ein Vortrag voller Abenteuer, Begegnungen und der Erkenntnis, mit wenig glücklich zu sein.

Ort: Haus am Ring, Bad Leonfelden

Termin: Do, 15. Oktober 2020, Start: 19:00

Eintritt: € 10,00

Reservierungen unter: www.georgrichtsfeld.info

Weitere Termine:

Mi, 21. Oktober, 19:30 → Stadttheater Gmunden

Do, 29. Oktober, 19:00 → Café Prückel, Stubenring, Wien

Mi, 04. November, 19:00 → Volkshaus Dornach, Linz

Mo, 09. November, 19:15 → Atrium Bad Schallerbach

Mt. Everest (8.8.48m) im Abendlicht

NEPAL 2020 – Teil 1

Kathmandu

Ca. 20.02.2020: Zurueck von Indien mache ich mich voller Tatendrang an meine naechsten Wanderplaene. Da hier noch Vorsaison ist beschliesse ich den Annapurna Circuit zu gehen und besorge mir beim National Tourism Board das notwendige permit und die TIMS Card. Im Anschluss daran bietet sich auch Mustang an. Fuer Upper Mustang braucht man allerdings ein special permit und einen guide. Der ist schnell mit Rudra gefunden, den ich letztes Jahr in der Everest Gegend kennenlernte. Wir vereinbaren, dass er mit dem permit nach Kagbeni nachkommt (nachdem ich den Annapurna Circuit beendet habe) und wir dann gemeinsam nach Upper Mustang gehen.

Am 21. Februar wird hier Maha Shivaratri gefeiert, die Nacht des Buddha und auch offiziell Fruehlingsbeginn in Nepal. Ich gehe an diesem Tag zum hinduistischen Patupashinat Tempel wo ueberschwenglich gefeiert wird. Die wahren Stars sind hier allerdings die saddhus (heiligen Maenner), die es geniessen im Mittelpunkt zu stehen.

Annapurna Circuit

Am 23. Februar geht dann die naechste Wanderung los und ich fahre mit einem Bus von Kathmandu nach Besisahar. Hier beendete ich vor einigen Jahren den Manaslu Circuit, diesmal starte ich von hier den Annapurna Circuit. Ich quartiere mich im Manaslu GH ein und Vishnu, der Besitzer, gibt mir noch einige gute Tipps mit auf den Weg. Am Weg nach Bahundanda beginnt es zu regnen und ich mache in Ngadi Halt wo ich zumittag esse. Nachdem der Regen nachgelassen hat gehe ich noch bis Bahundanda weiter, wo mich die Schwester von Vishnu schon in Ihrem Super View Hotel erwartet.

Am Weg nach Tal, Annapurna Circuit

Naechste Station ist Jagat. Kurz davor biege ich beim Rainbow Hotel rechts nach Chipla und Upper Chipla ab, wo ich allerdings im ganzen Dorf keine Unterkunft finde. Unterhalb von Upper Chipla treffe ich einen Einheimischen, der mir ein Zimmer anbietet. Den ganzen Nachmittag regnet es leicht und ich bin froh ein Dach ueber dem Kopf zu haben. Am naechsten Morgen zeigen sich die Berge in einem weissen Mantel, es hat in der Nacht geschneit. Ich gehe dann nach Jagat hinunter und am Weg nach Chyamche erfahre ich, dass meine geplante Route von Manang zum Tilicho See derzeit nicht gehbar ist, einfach noch zuviel Schnee. Auch soll der Thorong Pass (5.416m) fruehestens erst in ca. 1 Woche passierbar sein, sofern es in der Zwischenzeit nicht nochmal schneit. Und ich denke mir, das wuerde gut passen, da ich eh noch ca 8 bis 9 Tage bis zum Pass unterwegs bin. Und ich hoffe natuerlich, dass es nicht wieder neu zu schneien beginnt… Im Dorf Tal wird Losar, das tibetische Neujahr, gefeiert und ich kann im buddhistischen Tempel einige Feierlichkeiten beobachten.

Girl Power in Tal, Annapurna Circuit

Naechste Etappe bergaufwaerts ist via Karte und Dharapani nach Timang. Von hier ist die Westseite des Manaslu schoen zu sehen und es kommen Erinnerungen an fruehere Tage auf. Der Manaslu sieht allerdings von der Westseite ganz anders aus als ich ihn von meiner Umrundung in Erinnerung hatte.

Westseite des Manaslu, mit 8.163m der achthöchste Berg der Welt
Die Abende mit den Einheimischen vor dem offenen Feuer waren unvergesslich, hier in Timang

In Chame verbringe ich wie so oft bisher den Abend alleine mit den Nepali. Unglaublich, dass sich auf diesem Circuit nichts tut, ist er doch sonst ueberlaufen wie fast keine andere Route in Nepal. Eine Einheimische weist mich allerdings schon darauf hin, dass das nichts mehr mit Vorsaison zu tun hat sondern mit Corona. Letztes Jahr um diese Zeit sei hier bereits Vollbetrieb gewesen, meint Sie dann noch… Am Weg nach Upper Pisang treffe ich Tushal, einen Nepali aus Kathmandu, mit seinem guide Jagat. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und gehen ab nun gemeinsam Richtung Thorong Pass. Am Weg nach Braga tut sich bereits das gesamte Annapurna Massiv auf, wunderbare Bergwelt. In Braga bleiben wir dann gleich zwei Naechte um einen Tagesausflug zum ca 4.900 Meter hochgelegenen Eissee zu machen. Quasi als Akklimatisationstour fuer den Pass. Tushal hat Schwierigkeiten mit der Hoehe und so gehe ich alleine zum Eissee rauf. Es ist mehr die Aussicht von hier oben die beeindruckt. Vom See selbst ist zu dieser Jahreszeit nichts als Schnee auf dem Eis zu sehen.

Am Weg zum Eissee. Im Tal das Dorf Braga mit dem Tilicho Peak im Hintergrund
Chörten mit der Annapurna Range im Hintergrund. Hier Annapurna III (7.555m).
Das Kloster von Braga
Neugierige Besucher in der Nähe des Klosters in Braga

In Braga erfahre ich von Jagat, dass Tushal unbedingt heute noch gegen Abend nach Manang gehen will, er moechte unbedingt zum Tilicho See. Nach einer kurzen Unterredung mit Tushal kann ich ihn dann doch noch ueberreden hier zu bleiben und Ruhe zu bewahren. Wenige Minuten spaeter erfahren wir auch, das die Route zum Tilicho See die naechsten 7 bis 10 Tage nicht moeglich ist. Wie gesagt, es hatte zuviel geschneit… Letztlich sieht das jetzt auch Tushal ein und ich muss ihm versprechen, mit ihm gemeinsam ueber den Pass zu gehen, dann will er weiter gehen. Was ich letztlich auch mache… So steht einem gemeinsam Weitergehen nichts mehr im Wege und am Weg nach Yak Kharka machen wir in Manang noch eine kurze Shoppingtour. Ich kaufe mir vor allem noch Spikes, die ich ueber meine Wanderschuhe ziehen kann. Speziell der Teil nach dem Pass runter nach Muktinath soll eine Rutschpartie werden, wir werden sehen… Den Nachmittag verbringe ich in Yak Kharka mit Tushal, einem Traeger und Rieke, einer Deutschen, mit Kartenspiel was uns allen viel Spass macht. 04.03. Am Morgen esse ich wie fast immer Milchporridge und trinke Ginger Lemon Honey Tea, der fuer den Hals gut ist und Halsschmerzen vorbeugt. Nach einer kurzen Pause in Thorung Phedi geht es ziemlich steil bergauf ins High Camp auf 4.900 Meter Seehoehe.

Steiler Anstieg zum High Camp (ca. 4.900m)
Mit Jagat im High Camp (ca. 4.900m).

Am Nachmittag ist es eiskalt in der Unterkunft, erst am Abend wird Feuer gemacht. Ich verzieh mich bald unter meine 3 Decken, die ich mir rechtzeitig gesichert habe. Das Gewand habe ich beim Schlafen schon seit Beginn der Wanderung nicht mehr ausgezogen…:-)

05.03. In der Nacht hat es noch leicht geschneit, in der frueh ist es aber wieder sternenklar. Wir haben Glueck, gutes Wetter! Die Nacht hatte ich allerdings kein Auge zugemacht, den Anderen erging es aehnlich. Um 04:30 essen wir noch unser Fruehstueck und um ca 05:00 morgens starten wir dann bei Finsternis mit unseren Stirnlampen und Spikes. Es ist klirrend kalt und ein wunderschoenes Erlebnis in dieser Bergwelt auf ca 5.000 Meter Seehoehe den Sonnenaufgang zu erleben. Relativ zuegig erreichen wir dann so gegen 08:00 den Thorong La, mit 5.416 Metern Seehoehe einer der hoechsten Paesse hier in Nepal. Auch Tushal hat sich gut gehalten und wir sind alle uebergluecklich hier oben stehen zu duerfen. Nach dem ueblichen Fotoshooting machen wir uns frueh zum Abstieg nach Muktinath bereit.

Mit Jagat, Tushal und Rieke am Thorong La, mit 5.416 Metern Seehoehe einer der hoechsten Paesse hier in Nepal.

1.700 Hoehenmeter bergab auf rutschigem Boden gehen fast noch mehr rein als der Aufstieg. Die Spikes machen sich jetzt bezahlt… In Muktinath quartieren wir uns auf 3.700 Meter Seehoehe im Town House ein und den Abend verbringen wir mit Feiern. Apfelbrandy aus Marpha im Mustanggebiet hilft uns dabei.

Am Abend wurde im Town House Hotel in Muktinath mit Apfelbrandy aus Marpha gefeiert

Die folgende Nacht schlafe ich durch wie ein Murmeltier, der Koerper holt sich was er braucht. Am naechsten Morgen fahren die meisten mit dem Bus zurueck nach Kathmandu oder gehen weiter. Ich lege hier einen Rasttag ein und gehe zum Vishnu Tempel, einem vor allem den Indern sehr heiligen Tempel. Es scheint die Sonne und es herrscht sehr angenehme Stimmung mit all den Indern, die hier im eiskalten Wasser vor dem Tempel auch ein Bad nehmen um sich zu reinigen. Da ich seit Beginn der Wanderung keine Dusche mehr hatte bestelle ich mir im Hotel einen 10 Liter Kuebel heisses Wasser mit dem ich mich mit einem kleinen Kuebelchen dusche. Es gibt nichts ueber eine warme Dusche und frische Kleider…:-)

Fazit

Ich haette nie gedacht, dass ich die Annapurna Umrundung fast menschenleer vorfinden wuerde, ist sie doch wohl eine der beliebtesten Trekkingtouren in Nepal. Somit war ich in jeder Unterkunft ein gern gesehener Gast und konnte die Abende mit den Einheimischen beim offenen Feuer in der Kueche verbringen. Landschaftlich wunderschoen mit tropischer Vegetation am Beginn bis hinauf zu den weissen Bergriesen der Annapurna Range. Im Nachhinein war es persoenlich fuer mich eher einer der leichteren Paesse in Nepal, vor allem aber auch weil wir gutes Wetter hatten!

NEPAL 2020 – Teil 2

Mustang

Lower Mustang

08.03. Nach dem Thorong Pass erfahre ich von Rudra, dass das permit fuer Upper Mustang wahrscheilich erst ab 15.03. gueltig sein wird. So habe ich ca. 1 Woche Zeit fuer die vielen Doerfer hier in Lower Mustang bevor wir gemeinsam nach Upper Mustang wandern. Ich bleibe insgesamt dann 4 Naechte in Muktinath und mache einige Tagesausfluege in umliegende Doerfer wie Jarkhot.

Der Schwarze Buddha in Muktinath überwacht die Dhaulagiri Range mitsamt dem Dhaulagiri (8.167m), siebthöchster Berg der Welt
Typische Holzleitern in den Dörfern von Lower Mustang, hier in Jarkhot

Es ist ein altes Dorf mit Steinpflaster, die Haeuser sind aus Steinen gebaut und mit Kuh- und Yakdung verklebt. Auf den flachen Daechern wird meist Getreide getrocknet und es wehen tibetische Gebetsfahnen an den jeweiligen Dachecken. In der German Bakery macht mir Djamjan und eine Nonne Dido, eine typisch traditionelle Kost, die aus Gerste oder Buchweizen hergestellt wird, aehnlich dem Tsampa.

Dido, eine traditionelle Kost im Mustanggebiet, die aus Gerste oder Buchweizen hergestellt wird.

Auf dem Weg nach Jhong sehe ich viele Blauschafe. Zwei Maennchen mit ihren grossen Hoernern stellen sich mir ca. 10 Meter vor den Weg und schauen mich gross an bevor sie abzischen. Ein beeindruckender Moment, den ich wohl fuer immer im Kopf bewahren werde. In Jhong beobachte ich eine Dolpa Frau beim Weben im Freien bevor ich wieder nach Muktinath zurueckkehre. Da ich noch Zeit vor unserer Upper Mustang Wanderung habe versuche ich dann ueber den Lubra Pass in das abgelegene Dorf Lubra zu kommen. Am Weg dorthin gerate ich allerdings in einen steilen, tiefverschneiten Hang. Ich falle bis zu den Hueften in den Schnee und da ich alleine bin mache ich hier relativ schnell einen Rueckzieher. Die Gefahr eines abgehenden Schneebrettes schien mir hier zu hoch… Anstatt dessen sichte ich auf der anderen Seite ein kleines Dorf im Tal, das laut meiner Karte und Orientierung Khingar sein muesste. Auch ist der Weg hinunter fast schneefrei und so sollte ich wieder zurueck auf sicheres Gebiet kommen. Gedacht, getan esse ich dann in Khingar eine Nudelsuppe und die Koechin erklaert mir einen anderen, sichereren Weg nach Lubra. Auf wunderbaren Steinpfaden erreiche ich dann so gegen 16h Lubra, das gegenueber einer Felswand liegt. Niemand wuerde hier ein Dorf vermuten, auch ich war mir nicht sicher bis ich es selber sah…:-)

Lubra, ein ‚vergessenes‘ Dorf in Lower Mustang

Einheimische verweisen mich auf die Dakar Lodge wo ich ein Zimmer bekomme. Am Abend kommt der Lastwagen von Jomsom mit vielen bestellten Waren im Dorf an. Die Einheimischen holen sich Ihre Sachen ab und tragen sie auf den Koepfen nachhause. Auch eine Franzoesin ist unter den Tragenden. Claire verbringt hier einige Tage in diesem Dorf um ein Buch ueber die Bon Religion zu schreiben.

Mit Claire, der Französin, in Lubra

Lubra ist ja eines der letzten Doerfer in Nepal in dem die vorbuddhistische Bon Religion gepflegt wird. Die Bon Religion war lange bevor der Buddhismus aufkam in Tibet und Zentralasien verbreitet. Erst mit dem Buddhismus wurde die Bon Religion verdraengt und heute gibt es nur mehr wenige Anhaenger dieser Religion. Beide Religionen weisen viele Aehnlichkeiten auf.

Es gibt allerdings einige Unterschiede der Bon Religion zum Buddhismus, die auch nach aussen ersichtlich sind:

  1. Die swastika ist im Buddhismus ein Friedenszeichen, das im Uhrzeigersinn ausgerichtet ist 卐 –> in der Bon Religion gegen den Uhrzeigersinn 卍
  2. Stupas, choerten und sonstige heilige Staetten werden im Buddhismus im Uhrzeigersinn umrundet, in der Bon Religion gegen den Uhrzeigersinn.
  3. Auf den Steinplatten der Mani (Steinmauern) befindet sich im Buddhismus der Spruch: Om mani padme hum, in der Bon Religion befindet sich ein anderes Mantra auf den Steinplatten.

Am naechsten Morgen besuche ich vier Steinhoehlen, die sich in der Felswand befinden. Sie dienten frueher vor allem Moenchen, die sich hier zum Meditieren zurueckzogen. Nachmittags gehe ich noch zu einer Schule wo derzeit lt tibetischer Englischlehrerin 78 SchuelerInnen unterrichtet werden. Sie kommen vorwiegend aus der abgelegenen Dolpo Region und werden voraussichtlich die naechsten 8 Monate hier verbringen ohne Kontakt zu Ihren Familien. Manche sind nicht aelter als 6 oder 7 Jahre, die Nepali werden schon frueh geprueft…. Am Abend kommen so gegen 18h die Ziegen ins Dorf zuruck, was immer ein Erlebnis ist. Dann kommt Claire zu mir in die Dakar Lodge und sie erzaehlt mir von Ihrem Interview mit einem Lama in Jomsom.

Einheimische Frau bei der Feldarbeit in Lubra, Lower Mustang

Naechsten Tag heisst es Abschied nehmen und ich gehe zufuss nach Jomsom runter. Hier quartiere ich mich im Pride & Spa ein, nehme eine warme Dusche und lass mich beim oertlichen Friseur wieder einmal rasieren, ein Rundumputz quasi…:-) Mit frischen Kleidern gehe ich dann ueber den ‚windigen Pass‘ nach Phalyak und weiter nach Kagbeni. Hier sollte ich ja Rudra treffen, den Nepali guide, der mit dem permit fuer Upper Mustang hier eintreffen sollte. Im Lhasa Hotel erfahre ich dann, dass er bereits mit dem Bus auf dem Weg von Kathmandu hierher ist und er in 2 Tagen hier eintreffen wird. Alles bestens also… Ich verbringe die zwei Tage Wartezeit hier damit, das verlassene Frauenkloster in Tiri zu besuchen. Im Kloster von Kagbeni leben viele Moenche und an einem Nachmittag verbringe ich eine puja (Gebetsstunde) mit ihnen.

Mönche vor dem Kloster in Kagbeni, Lower Mustang

Und dann trifft Rudra abends ein, er hat allerdings auch noch Andre, einen Kanadier aus Vancouver ‚im Gepaeck‘, der auch mitkommen will. Als ich Andre mit seinen Turnschuhen hier antanzen sehe und seine sonstige Ausruestung betrachte ueberkommen mich so meine Zweifel ob das mit ihm gut gehen wird…

Fazit:

Die Gegend in Lower Mustang ist wunderschoen mit Blick auf die Nilgiri Berge und der Dhaulagiri Range. Zum Teil sieht man auch schon in die canyon- und wuestenartige Landschaft von Upper Mustang hinein. Die Doerfer sind alle sehr urspruenglich und zum Teil in dieser Jahreszeit verlassen, da die Einwohner aufgrund der Kaelte die Winter lieber in der nahegelegenen Stadt Pokhara verbringen. Und es hat hier einen grossen Vorteil: Du kannst hier alles problemlos alleine erkundigen und brauchst vor allem kein zusaetzliches permit + guide wie fuer Upper Mustang.

NEPAL 2020 – Teil 3

Mustang

Upper Mustang

15.03. Heute ist der Tag der Tage und wir starten unsere Wanderung von Kagbeni nach Upper Mustang. Wir, das ist Andre, ein 40-jaehriger Kandier aus Vancouver, dann Rudra, ein 28-jahriger Nepali guide aus der Khumbu Region und meine Wenigkeit. In der Nacht davor hat es noch ein Gewitter gegeben und ordentlich geschneit. Am Weg zum ACAP (Annapurna Conservation Area Project) checkpost ‚beschiessen‘ uns die uebermuetigen Maedchen von den Hausdaechern mit Schnee, den sie von den Daechern schmeissen um die Daecher zu entlasten.

Schwer zu sehen, aber es gibt sie – die trickreichen Mädchen von Kagbeni – sie ‚beschiessen‘ uns mit Neuschnee von den Dächern

Nach dem check-in gehen wir dann Richtung Tangbe und Chhusang, den ersten Doerfern in Upper Mustang. Andre hat bereits hier grosse Probleme mit dem Gehen mit seinen Turnschuhen und mein Kommentar zu Rudra war nur: Hast Du denn hier zum Fussballspielen hierher mitgebracht?…;-) In Chele angekommen finden wir erst nach laengerer Suche ein Quartier. Auch Youri, ein Belgier aus Gent, ist hier mit seinem Guide Monud angekommen und wir verbringen gemeinsam den Abend.

Der wurde vergessen… am Weg von Kagbeni nach Chele
Tief verschneites Mustang – am Weg von Kagbeni nach Chele
Mit Youri, dem Belgier, in der Unterkunft von Chele

Am naechsten Morgen klagt Andre bereits ueber starke Kopfschmerzen. Er war ja am Vortag von Pokhara (800 Meter Seehoehe) mit dem Jeep nach Kagbeni (2.800 Meter Seehoehe) gekommen. Zu schnell zuviele Hoehenmeter, dazu seine Ausruestung und sonstige Verfassung… es wird ihm letztlich einfach zuviel und er entscheidet sich selber hier zu bleiben und nicht mehr weiterzugehen. Er kehrt letztendlich alleine zurück. Im Nachhinein wahrscheinlich die richtige und fuer ihn wohl die sicherste Entscheidung wie wir alle finden… Gemeinsam mit Youri und Monud gehen Rudra und ich durch zum Teil tiefen Schnee via Samar nach Syanboche wo wir gegen 17h eintreffen. Zum Teil sinken wir bis zu den Hueften im Schnee ein, diese Tour zehrt ordentlich an unseren Kraeften. Youri’s Kommentar war nur: Andre would have died here…:-) Am Abend essen wir das obligate Dal Bhat (Reis mit Linsen, Kartoffeln, Gemüse, etc) und staerken uns mit dem lokalen chang Bier, das entweder aus Gerste, Hirse oder Reis hergestellt wird.

Ein kleines Mädchen in Syanboche
Am Weg von Syanboche nach Ghami

Am naechsten Morgen merke ich schnell dass ich nicht gut bei fuss bin. Der gestrige Tag hat gezerrt, vor allem der tiefe Schnee. Auch Youri hat zu kaempfen. Bistari, bistari (langsam, langsam) heisst die Devise und so kommen wir nach mehreren Pausen gut in Ghami an. Wir trocknen hier in unserer Unterkunft unsere Schuhe und Socken und verbringen den Nachmittag mit viel heissem Wasser trinkend in der Sonne.

Müde und abgekämpft ‚lecken‘ wir unsere Wunden in der Unterkunft von Ghami

Nach einer erholsamen Nacht merke ich naechsten Morgen dass ich wieder fit bin und so gehen wir alle frohen Mutes weiter ins naechste Dorf Tsarang. Am Weg dorthin treffen wir ein Schweizer Paerchen, die uns auf den letzten Stand der Corona Krise in Europa unterrichten. Ich denk mir nur wie froh ich bin hier in den Bergen zu sein. In Tsarang finden wir eine gute Unterkunft mit Innenhof wo wir uns mit gutem Dal Bhat staerken. Am Nachmittag besuchen wir das verfallene Fort und den koeniglichen Palast. Von Tsarang sieht man bereits in die wunderschoenen, vielfaerbigen Canyons hinein. Viel erinnert hier an den US Bundesstaat Arizona mit seinen Canyons.

Altes Fort mit dem davor liegenden königlichen Palast in Tsarang
Teepause bei einer Tibeterin
Upper Mustang

Am naechsten und fuenften Tag unserer Wanderung geht es dann weiter nach Lo Manthang. Lo Manthang war frueher die Hauptstadt des ehemaligen Koenigreichs Mustang und ist von einer Mauer umgeben. Im einzigen offenen Hotel, dem Everest Hotel, quartieren wir uns ein. Es gibt hier wieder eine relativ grosse Auswahl an Lebensmittel, die vor allem vom ca. 15 km nahegelegenen Tibet reinkommen. Wir kaufen uns hier auch zusaetzlichen Lippenschutz, da die starke Sonneneinstrahlung, verstaerkt durch den Schnee, auch unseren Lippen zugesetzt hat. Am Abend bekommen wir auf CNN erstmals die volle Ladung an Neuigkeiten bzgl Corona ab und wir beraten unsere Lage. Youri wollte ja noch nach Indien und dann im Juni auf Ibiza seine Freundin heiraten. Es wird ihm hier schoen langsam klar, dass er einen Plan B braucht…;-) Mein Flug geht von Nepal zurueck, ich muss also keine Landesgrenzen mehr passieren, durchaus ein Vorteil in dieser Situation. Ich beschliesse daher einfach weiter zu wandern solange es geht und dann einen geeigneten Rueckflug von Kathmandu nach Europa zu kriegen. Da Youri Probleme mit seiner vereiterten Zehe hat legen wir einen ruhigen Tag ein. Wir besuchen nahegelegene, verfallene Festungen und mehrere mehr als 500 Jahre alte Kloester in Lo Manthang.

Einheimischer in Lo Manthang, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Mustang
Mit Monud und Rudra auf einem der alten, verfallenen Forts in der Nähe von Lo Manthang
Wandmalereien in einem der Klöster in Lo Manthang, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Mustang

Da am naechsten Tag Youri’s Fuss immer noch nicht besser ist beschliesst er mit einem Pferd nach Chhoser zu reiten, um seine Zehe zu schonen. Rudra und ich gehen zu fuss. Von einigen Frauen bekommen wir salzigen Buttertee und Rudra erzaehlt mir, dass Sie Tibetisch reden.

Einheimische Frauen am Weg von Lo Manthang nach Chhoser
Am Weg zurück von Chhoser nach Lo Manthang

In Chhoser besuchen wir dann ein Hoehlenkloster und nachdem auch Youri und Monud mit ihren Pferden eingetroffen sind gehen wir gemeinsam zur Hoehle von Garphu. Sie ist auf 5 verschiedenen Etagen mitten im Fels erbaut und bot vor ca 3 bis 4.000 Jahren den Einheimischen Schutz vor den vielen starken Winden hier in Mustang und auch vor einfallenden Feinden. Am Rueckweg nach Lo Manthang erfahren Rudra und ich, dass auch hier in Nepal schoen langsam der lockdown zu greifen beginnt und wir moeglichst noch irgendwie mit einem Vehikel aus dieser Gegend rauskommen sollten. Am selben Abend kommt ein junges chinesisches Paerchen mit Ihrem Toyota Hilux in unserem GH an und bietet Rudra und mir an uns naechsten Tag mit nach Kagbeni zu nehmen. Da faellt es einem schwer ‚Nein‘ zu sagen…;-) Youri und Monud fahren mit einem truck zurueck.

Dhakmar Chörten nördlich von Ghami. Chörten sind wichtige religiöse Bauwerke im Buddhismus und symobolisieren die Gegenwart von Buddha.

Die Strasse zurueck nach Kagbeni hat es in sich und bei einer Bruecke gibt Andy, der Chinese, kurz nicht acht und schon haengen wir mit einem Rad in der Luft. Nachdem wir alle ausgestiegen sind bringt er sein Auto doch wieder auf alle vier Raeder und gewarnt geht die Fahrt weiter.

Eine kleine Havarie am Weg von Lo Manthang nach Kagbeni
Die Strassen könnten besser sein… am Weg von Lo Manthang nach Kagbeni

Um ca 15h kommen wir heil in Kagbeni an und checken beim ACAP checkpost wieder aus. Im Buch sehen wir, dass wir die letzten waren, die nach Upper Mustang reinwanderten, danach hat Nepal alle weiteren permits gestoppt… so gesehen gerade noch Glueck gehabt und wir hatten wunderschoene 8 Tage im ehemaligen Koenigreich Mustang!

Fazit

Es ist ein wahres Privileg in das ehemalige Koenigreich Mustang hineinwandern zu duerfen. Es wurde erst 1992 fuer den Tourismus geoeffnet, davor war es streng abgeriegelt und fast von der Aussenwelt vergessen. Wir hatten wunderschoene acht Tage in dieser Bergwelt mit viel Sonnenschein. Allerdings auch mit viel Schnee, der uns vor allem zu Beginn zu schaffen machte. Sowohl die karge, wuestenartige Landschaft als auch die Haeuser und Einwohner zeigen, dass dieses Gebiet sowohl geographisch als auch ethnisch zu Tibet gehoert. Politisch allerdings ein Distrikt von Nepal. Es wird derzeit von den Chinesen eine Strasse von Tibet via Mustang nach Indien gebaut um den Handel auf dem Landweg zu ermoeglichen. Auch hier wird sich wahrscheinlich das Leben in absehbarer Zukunft damit stark aendern.