TÜRKEI (Teil 1): Kesan – Istanbul – Gelipolu – Çanakkale – Troja)

03.09. In Feres gönne ich mir um 6h morgens noch die letzten Bougatsa (süße griechische Mehlspeise) bevor ich die letzten 20 km an die Grenze zur Türkei gehe. Ein wenig mit Wehmut verabschiede ich mich von diesem wunderschönen Land. Allerdings freue ich mich jetzt auch schon auf die Türkei. An der Grenze angekommen erfahre ich, dass seit der Flüchtlingskrise 2015 die Grenze nicht mehr zu Fuß überschritten werden darf. So versuche ich es zuerst mit Autostop beim nahegelegenen Duty Free Shop. Diesen 1 km über eine Brücke wird mich ja doch wer mitnehmen. Ein Taxi kostet immerhin ca. 80 Euro. Als sich nach einer halben Stunde nichts tut, beschließe ich einfach loszugehen. Schauen wir einmal wie weit ich komme und wie weit sie mich gehen lassen… Und tatsächlich, nach ca. 400 Metern kommt eine Brücke, die von zwei gut bewaffneten Militärs bewacht wird. Einer davon spricht gut Deutsch und ich erkläre ihm meine Situation. Er kennt das Spielchen natürlich eh nur zu gut… Er stellt sich zu mir und meint, es wäre behilflich, wenn er bei mir steht, dass jemand stehen bleibt. Und tatsächlich, nach ca. 10 Minuten bleibt ein albanischer LKW Fahrer stehen, der nach Antalya unterwegs ist. Es lebe Albanien! Nach ca. 1 km setzt er mich wieder ab. Der Rest ist Routine und so gegen 14 h bin ich auf der türkischen Seite.

Merhaba Türkiye – Hallo Türkei

Ich gehe heute noch bis Ipsala und trinke dort nach meiner Ankunft einmal einen Cay (Tee) und esse ein Simit (ringförmiges Brotgebäck mit Sesamkörner drauf). Während ein netter Türke auf meinen Rucksack aufpasst, hebe ich türkische Lira ab und besorge mir eine türkische Vodafone SIM Karte. Während in Griechenland die Teller und Gläser oft stundenlang auf deinem Tisch stehen bleiben, haben es die Türken eher eilig mit dem Abräumen. Es erinnert mich an frühere Besuche… Manchmal hab ich den cay noch nicht einmal zur Hälfte ausgetrunken, versucht schon ein eifriger Kellner mir das Glas abzunehmen… Es hilft einfach nur die Hand draufzuhalten… 🙂 In einem Hotel in der Nähe des Hauptplatzes quartiere ich mich für 250 TL (1€ = ca. 18TL) ein und verbringe einen ersten ruhigen Abend in der Türkei.

04.09. Zum Frühstück gibt es heute eine Hühnersuppe. Ich liebe die verschiedenen Csorbas (Suppen) in der Türkei. In Hidirköy mache ich eine Teepause und werde vom Besitzer eingeladen.

Lieber Teehausbesitzer in Hidirköy – er lud mich auf einen cay (Tee) und su (Wasser) ein – Vielen Dank!
Hirte am Weg nach Kesan

In Yeniceciftlik mache ich Mittag und auch hier werde ich von zwei liebenswerten Türken aus Istanbul zum Essen eingeladen. Es ist hier Tradition, erklären sie mir, vor allem auf dem Land. Um ca. 15h erreiche ich dann die kleine türkische Stadt Kesan wo ich im Taskin Hotel um 250 TL (ca. 14€) übernachte, inkl. türkischem Frühstück. Ich finde das Preis-/Leistungsverhältnis hier in der Türkei sehr gut. Ich gehe wieder einmal zum Friseur, der mir die Haare schneidet und den Bart abrasiert. Das ganze um 50 TL (ca. 3€). Ich werde die kommende Woche einen Abstecher nach Istanbul machen, bevor es von hier weiter geht Richtung Dardanellen und Izmir.

Meine Zeit in Istanbul: Ein Bus bringt mich für 200 TL vom otorgar (Busbahnhof) in Kesan nach ca. 3,5 Stunden in die 16 Millionenmetropole Istanbul. Ich habe für 1 Woche ein Bett im Hush Hostel in Kadiköy im asiatischen Stadtteil reservieren lassen. Ich war hier schon zweimal und ich finde das Stadtviertel Kadiköy etwas entspannter und auch billiger zum Übernachten als die europäischen Stadtviertel Sultanahmet, Galata und Besiktas.

Simit Verkäufer im asiatischen Stadtteil Kadiköy

Ich habe hier einige Sachen zu erledigen. Zum einen lasse ich mir von einem Terzi (Schneider) wieder einmal meine einzige Hose nähen.

Dieser Terzi (Schneider) machte mir eine Tasche innen neu und wechselte einen Zip – das ganze um 80 TL (also knappe 5 Euro)

Im Stadtteil Besiktas gibt es im Zorlu Center (einer der größten Shopping Malls in Istanbul) einen Asics Shop wo sie meinen Schuh in meiner Größe haben. Ich kaufe ihn und lass ihn mir in ihre Niederlassung nach Izmir schicken. Dort werde ich dann auf diesen neuen Schuh umsteigen. Sonst kann ich auch wieder einmal im Hushhostel auf dem Laptop von Murat meine Fotos absichern und den Reisebericht über Griechenland via email ausschicken. Abendessen gehe ich immer in das Kadi Lokantası in Kadiköy wo es gutes und billiges Essen gibt. Gleich gegenüber trinke ich dann auch immer noch einen cay, wo man mich schon kennt.

Cay (Tee) schmeckt immer gut – hier im Stadtteil Kadiköy gegenüber der Kadi Lokantasi

Ein Besuch auf den Prinzeninseln darf natürlich nicht fehlen. Diesmal klappt es wirklich und ich habe so ein wenig die Heimat von meinem Freund Raffi in Wien kennen lernen dürfen. Raffi hat in jungen Jahren dort immer die Sommermonate verbracht, wie er mir erzählte. Letztlich eine sehr schöne Schifffahrt dorthin und man kann ein wenig dem Grossstadtlärm entfliehen.

Der Name der Prinzeninseln leitet sich aus der Zeit der Sultane ab: als man Thronstreitigkeiten unter den in der Regel zahlreichen Söhnen eines Sultans vermeiden wollte, wurden diese noch bis zur Herrschaft von Sultan Mehmet III. (1595 – 1603) vom Thronfolger bei seinem Regierungsantritt ermordet.

Blick von der Hagios Giorgios Kirche – auf der Insel Büyükada, der größten der Prinzeninseln.
Spieler auf der Insel Büyükada – ein Bild von Atatürk darf natürlich nicht fehlen!
Idylle auf der etwas kleineren und ruhigeren Prinzeninsel Burgaz Adasi

Sonst besuche ich auch noch die blaue Moschee, die derzeit innen gerade renoviert wird und den Gulhane Park in der Nähe der Hagia Sophia.

Blick auf die Hagia Sophia – einst Kirche, dann Museum und jetzt wieder Moschee…
Blaue Moschee (oder Sultanahmet Moschee) im europäischen Stadtteil Sultanahmet

Einheimische genießen den Blick auf den Galataturm

Von Eminönü auf der europäischen Seite gelange ich dann abends immer mit der Fähre hinüber in den asiatischen Stadtteil Kadiköy. Schon immer wieder interessant ein Besuch dieser Millionenstadt am Bosporus. Die Meerenge, die Europa von Asien trennt. Und Schifffahrt en gehören für mich hier einfach dazu!

Fähranlegestelle im asiatischen Stadtteil Kadiköy

Gestern schaute ich mir dann noch das Europa League Fußballspiel Fenerbahce vs. Dynamo Kyew an, das der lokale Klub Fenerbahce in Kadiköy 2:1 gewann. Bei so einem Spiel ist das Spiel eher unwichtig, es zählt hier einzig nur die Atmosphäre. Und die war ein Hammer!

Fenerbahce Stadium im asiatischen Stadtteil Kadiköy

So wurde der Siegestreffer zum 2:1 in der Nachspielzeit gegen Dynamo Kiew gefeiert

09.09. Heute wird mein Freund Andreas aus Wien hier eintreffen. Er hat mich ja in Serbien auch schon einmal besucht und mir vor allem neue Schuhe nachgebracht. Auch dieses Mal kommt Nachschub.. 🙂 Ich werde hier noch über das Wochenende bleiben bevor es am Montag wieder zurück nach Kesan und weiter zu Fuß Richtung Izmir geht. Güle, güle (Auf Wiedersehen)!

Andreas und ich haben uns um 16h in seinem Hotel in Sultanahmet verabredet. Er hat wieder einmal wie in Serbien ein neues Paar Schuhe, eine Tube Hirschtalgcreme und eine Tube Bepanthen im Gepäck. Wir feiern unser Wiedersehen bei einem Fischbrötchen unter der Galatabrücke und baklava, auf die sich Andreas schon gefreut hat. Ich fahre dann mit der letzten Fähre rüber nach Kadiköy und trinke noch einen cay vor dem Bettgehen.

Wiedersehen mit Andreas – Baklava durften natürlich auch nicht fehlen!

10.10. Um ca. 10h hole ich Andreas von seinem Hotel ab und die erste Tat heute ist, dass wir die mitgebrachten Schuhe in ein Hotel nach Konya schicken. Sie (die Schuhe) müssen sich jetzt noch ein wenig gedulden bevor sie in Zentralanatolien zum Einsatz kommen. Als Belohnung trinken wir zwei cays in einer Nebengasse bevor wir unsere Sightseeing Tour in Sultanahmet und im Galataviertel beginnen. Zuerst besuchen wir das Grab des türkischen Architekten Sinan bevor wir uns von der T1 (Straßenbahn) über die Galatabrücke in das gleichnamige Viertel bringen lassen. Hier besichtigen wir eine interessante unterirdische Moschee, die kaum besucht ist und lassen uns dann einen guten türkischen Kaffee schmecken. Danach erklimmen wir den Galataturm und schlendern dann die Istiklalstraße Richtung Taksimplatz. Es ist quasi der Hauptplatz der Stadt und auch hier legen wir eine Rast ein.

‚Denkmal der Republik‘ am Taksim Platz – es soll an die Gründung der Türkischen Republik im Jahr 1923 durch Mustafa Kemal Atatürk erinnern. Er ist hier zweimal zu sehen – als Militärsperson und als Staatsmann

Den Abend lassen wir in einem ausgezeichneten Restaurant für Iskender Kebabs (Kebapci Iskender) auf der asiatischen Seite in Kadiköy ausklingen.

11.09. Beim Frühstück unterhalten wir uns ob wir heute mit dem Schiff in das Goldene Horn fahren wollen oder entlang am Bosporus. Der nette Rezeptionist im Hotel erklärt uns wo die Schiffe in Eminönü Richtung Bosporus abfahren. Eine halbe Stunde später sitzen wir auch schon auf einem der Dampfer und genießen die Aussicht auf die europäischen Stadtviertel Galata, Besiktas, etc und auf vorbeifahrende Frachter aus allen möglichen Ländern.

Rumeli Festung am Bosporus, der Meerenge zwischen Europa und Asien

Wir fahren bis zur Endstation Sariyer. Kulinarisches highlight des Tages ist heute eine Iskembe Suppe (Kuttelsuppe), die aus dem Rinder- oder Schafsdarm gewonnen wird. Nur mit viel Knoblauch und Petersilie bringen wir die Suppe runter. Ich merke mir den Namen der Suppe, da ich die kein zweites Mal haben muß… 🙂

Zurück in Sultanahmet trinken wir noch einmal cay beim alten Bahnhofsgebäude. Danach essen wir noch einmal in einer Lokantasi, die bei uns an Kantinen erinnern. Es gibt Selbstbedienung und sie haben den Vorteil, dass man sieht was es gibt und man nur darauf zeigen muss was man will. So gibt es keine unangenehmen Überraschungen. Dann verabschiede ich mich von Andreas, da ich morgen bald in der Früh wieder Istanbul verlasse und meine Wanderung von Kesan Richtung Izmir fortsetzen werde. Es war eine sehr schöne und spannende Zeit hier in Istanbul. Immer wieder schön Freunde zu treffen und auch meine Füße konnten sich gut erholen.

12.09. Ich erwische gerade noch den Bus um 9h am otorgar in Istanbul und so erreiche ich um die Mittagszeit wieder Kesan wo ich meine Wanderung zu Fuß fortsetzen werde. In der Zwischenzeit ist es auch zumittag nicht mehr so heiß und so gehe ich heute noch ca. 15 km Richtung Gelipolu Halbinsel und den Dardanellen. Ich stelle mein Zelt am Rand eines Sonnenblumenfeldes auf und richte mich schon für die Nacht ein als der Besitzer und sein Sohn vorbeikommen. Sie wollen einfach nur wissen wer ich bin und was ich hier mache. Natürlich überhaupt kein Problem und sie hätten mich dann auch noch zum Abendessen eingeladen. Sehr gastfreundlich die Türken…

13.09. Da es in den Sommermonaten in Nordmazedonien und Griechenland sehr heiß war, ließ ich immer die Zelttür offen und verwendete nur das Moskitonetz vom Zelt zum Schlafen. Die Schuhe blieben im offenen Vorzelt. Auch an diesem Abend machte ich es so und am Morgen bemerke ich, dass mir ein Schlapfen fehlt. Diese hatte ich mir in Griechenland zugelegt um bei Pausen meinen Füßen mehr Luft zu geben. Es muss wohl der Kangal (anatolischer Hirtenhund) gewesen sein, der sich da einen Spaß erlaubte. Auch nach längerer Suche fand ich den Schlapfen nicht mehr und so ließ ich auch den zweiten zurück. In Zukunft werde ich allerdings mein Zelt wieder ganz schließen. Möchte nicht eines Tages mit nur einem Turnschuh aufwachen.. 🙂 Zur ‚Belohnung‘ bekommt der zutrauliche Hund auch noch was von meinem Frühstück ab.

Er war es wohl. Aber wer kann so einem Hund schon wirklich böse sein…

In der Ortschaft Adilhan trockne ich während der Mittagspause mein Zelt und lerne einen Einheimischen kennen. Die Schüsse, die vom Meer her zu hören waren, seien nur routinemäßige Militärübungen, meint er. So kann man dem nicht sehr geliebten Nachbarn auch seine Präsenz vermitteln… Als zur Mittagszeit der Muezzin zum Gebet aufruft folgen dem nur wenige Türken, die weiterhin an ihrem cay schlürfen. Auf meine Frage hin wie genau es denn die Türken mit den 5 Gebetszeiten pro Tag nehmen, meint er unter vorgehaltener Hand, dass manche auch gar nie beten. Sie würden es allerdings nie in der Öffentlichkeit preisgeben. Den Schein nach außen hin wahren, scheint auch in der Türkei wichtig zu sein. Wir verwenden den Google Translator um uns ein wenig zu verständigen und er fragt mich ob ich ein Ehepaar kennen lernen möchte, das in Wien gelebt hat. Das macht mich neugierig und wir besuchen die beiden in ihrem schönen Haus ein wenig außerhalb von Adilhan. Sie sind beide Mitte 70 und genießen hier den Lebensabend. Der Mann erzählt mir, dass er Schneidermeister war und lange eine Änderungsschneiderei in der Mariahilferstraße und im 18. Bezirk hatte. Die drei Kinder wohnen immer noch in Wien und manchmal kommen sie auch auf Besuch in die Türkei. Und beide sprachen ausgezeichnet Deutsch, das nach 51 Jahren in Wien immer noch gut funktionierte. Es gibt Feigen und Pfirsiche aus dem Garten, die hier so ganz anders schmecken als in Österreich. Eine Tasse türkischer Kaffee und Wasser durfte natürlich auch nicht fehlen.

Einladung von einem türkischen Ehepaar, das 51 Jahre in Wien lebte – vielen Dank!
Hirte mit seiner Herde

Nach ca. 30 km erreiche ich die Ortschaft Kavakköy, wo mir ein Restaurantbesitzer kleine Fische zubereitet. Es gibt hier keine Unterkunft aber ich kann mir zumindest in seinem Garten die Füße waschen. Letztlich übernachte ich wieder in meinem Zelt in einem Kiefernwald und verbringe eine ruhige Nacht.

14.09. Als ich frühmorgens mein Zelt abbaue bemerke ich, dass mich zwei Hunde in der Nacht bewacht haben. Wir frühstücken gemeinsam bevor ich mich Richtung Dardanellen aufmache. Heute ist mein 57. Geburtstag und so esse ich in der Ortschaft Bolayir zwei Teller Mercimek (Linsensuppe), meine Lieblingssuppe in der Türkei.

Mein Geburtstagsessen – Mercimek (Linsensuppe), meine Lieblingssuppe in der Türkei

Ich telefoniere untertags mit meiner Mutter und verbringe einige Zeit auch mit dem Beantworten der Glückwünsche. Wieder ein Jährchen um… In Gelipolu quartiere ich mich im Hotel Istanbul ein. Zum Geburtstag darf es doch auch wieder einmal eine Dusche geben! Den Abend verbringe ich mit dem Sohn des Hotelbesitzers in einem Café. Seine Meinung über die türkische Regierung ist nicht die beste, vorsichtig ausgesprochen…

15.09. Es sind noch ca. 45 km nach Cannakkale, die ich an einem Tag nicht gehen werde. So beschließe ich soweit wie möglich zu gehen und die Nacht im Zelt zu verbringen. Die Wanderung entlang der Halbinsel Gelipolu ist wunderschön. Auf der linken Seite die Dardanellen und auf der rechten Seite die Ägäis.

Blick auf die Dardanellen und vorbei fahrende Frachter

Untertags komme ich bei einem einheimischen Mädchen vorbei, das hier am Wegesrand ihre Wassermelonen, Tomaten, Paprika und sonstiges Gemüse verkauft.

Mädchen beim Verkauf ihres Obstes und Gemüses – ich kaufte ihr zwei Tomaten ab, als Draufgabe gab es ein Stück Wassermelone und Mandeln – vielen Dank!

Gegen Abend wird mein Wasser knapp und ich bin froh, dass ich eine Gedenkstätte an türkische Märtyrer (Akbas Friedhof) erreiche. Hier gibt es einen kleinen Shop mit Cola, etc und der liebenswerte Betreiber des Shops bringt mir auch noch Salz vorbei als er mich die Tomaten essen sieht.

Mein Abendessen – es gab Fisch von den Dardanellen!

Mit aufgefüllten Wasserflaschen zelte ich in der Nähe der Gedenkstätte.

16.09. Am Morgen schaue ich mir noch einmal die Gedenkstätte vom WK1 an bevor ich die letzten 10 km nach Eceabat gehe.

Akbas Friedhof – hier liegen türkische Soldaten, die als Märtyrer bezeichnet werden. Sie sind in der Schlacht bei Gallipoli während des WK1 gefallen.

Akbas Friedhof – hier liegen türkische Soldaten, die als Märtyrer bezeichnet werden. Sie sind in der Schlacht bei Gallipoli während des WK1 gefallen.

Von hier gehen Schiffe auf die asiatische Seite der Türkei hinüber, genauer gesagt nach Cannakkale. Ich erreiche Cannakkale um die Mittagszeit und quartiere mich im Obergeschoss des City Residence Hotels für 400 TL ein. Svetlana, die ukrainische Rezeptionistin, empfiehlt mir das Marinemuseum und einen Stadtspaziergang entlang der Promenade.

In den Straßen von Cannakkale

Im Marinemuseum sind hauptsächlich historische Boote und Waffen aus der Zeit im 1. Weltkrieg zu sehen.

Die Schlacht von Gallipoli (Gelipolu) wurde während des Ersten Weltkriegs vor und auf der türkischen Halbinsel Gallipoli auf der europäischen Seite der Dardanellen, aber auch auf der asiatischen Seite der Meerenge, zwischen Ägäis und Marmarameer ausgetragen. Sie endete mit einem Sieg des Osmanischen Reiches, das auf der Seite von Deutschland und Österreich kämpfte. Der Ausgang von WK1 ist allerdings auch bekannt…

Überreste des UB 46 – ein deutsches U-Boot, das mehrere Schiffe versenkte bevor es selbst von einer Unterwassermine im Jahre 1916 versenkt wurde.

Morgen geht es weiter Richtung Troja! Und die gute Nachricht – meine Blasen heilen ab seit ich keine Blasenpflaster mehr verwende und eine Hautemulsion schmiere. Ich hoffe es geht so weiter!

Den Abend verbringe ich entlang der Promenade wo gerade ein Trojafestival stattfindet.

17.09. Da es heute 32 km nach Troja sind stehe ich etwas früher auf und esse zum Frühstück Käse Burek und trinke einen cay mit Wasser. Es geht entlang der Küste jetzt Richtung Süden ohne große Steigungen und meist auf Asphalt. Da ist es auch einfacher ‚Kilometer zu machen‘, die Dardanellen immer in Blickweite. Zumittag kehre ich in ein kleines Lokal ein in dem es Pide (eine Art türkische Pizza) gibt. Auch gebe ich den Füßen immer wieder Frischluft indem ich während der Mittagspause aus den Schuhen und aus den Socken rausschlüpfe. Gegen 18h erreiche ich dann die Ortschaft Tevfikiye (früherer Name war Hisarlic), wo ich mich in der Pension Varol einquartiere. Ismael, der freundliche Besitzer, hat in Deutschland gearbeitet und spricht sehr gut Deutsch. Er gibt mir ein Zimmer für 200 TL (umgerechnet ca. 11€), das außergewöhnlich schön, groß und sauber ist. Sehr empfehlenswert diese Unterkunft! Am Abend bereitet mir die Frau von nebenan Mercimek und Köfte zu und ich gönne mir wieder einmal ein Efes Bier. Bei einem (oder besser zwei) cay im Ort beobachte ich die Männer beim Dorfplausch, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen hier. Teehäuser sind hier reine Männersache.

18.09. Gut ausgeschlafen gehe ich in ein anderes Teehaus frühstücken, das schon um 7h offen hat bevor ich den letzten Kilometer zu Fuß zu den Überresten der antiken Stadt Troja gehe.

Büste des griechischen Dichters Homer, im Hintergrund auch Büsten des Troja Prinzen Paris und der Helena.

Pünktlich um 08:30 kann man die Anlage von Troja betreten. Das erste was man zu sehen bekommt ist das berühmte trojanische Pferd, es gibt viele Mythen darüber.

Trojanisches Pferd in Troja – wurde 1975 fertig gestellt und dient hauptsächlich touristischen Zwecken

Selbst der griechische (anatolische) Dichter Homer hat im 8. Jhdt v. Chr. in seinem Heldenepos Ilias das Pferd und Troja bereits erwähnt und beschrieben.

Im Anschluss besichtige ich die Ausgrabungen der antiken Stadt Troja. Sie galt lange vergessen bevor der deutsche Kaufmann und Archäologe Heinrich Schliemann 1870 die Stadt wieder entdeckte.

Musiktheater in den Überresten der antiken Stadt Troja – erste Siedlung gab es hier bereits ca. 3000 v. Chr.

Da es hier auch noch ein sehr interessantes, nur 4 Jahre altes Museum gibt, beschließe ich noch eine weitere Nacht hier zu bleiben um mehr Zeit für den Museumsbesuch zu haben.

Museum in Troja – bis zu 8.000 Jahre alte Gegenstände werden hier gezeigt

Statue der Aphrodite, der Göttin der Schönheit aus dem 2. Jhdt. v. Chr. – Im Museum von Troja

Nach einer kurzen Mittagspause mache ich mit Ismael einen Ausflug an die Küste. Hier zeigt er mir noch deutsche Kanonen, die im Dardanellenkrieg 1915 verwendet wurden. Anschließend machen wir noch eine Teepause bevor wir wieder zurück fahren. Ismael gibt mir noch einige Tipps für den Weg bevor er sich zum Abendessen zurückzieht.

Mit Ismael (in der Mitte) und einem Freund von ihm bei einer Caypause.

Gesamtkilometer: ca. 2.870

Fazit:

Kaum in der Türkei angekommen wurde ich auch schon zu einem cay (Tee) und Simit (Brotgepäck) eingeladen. Die Gastfreundschaft kommt hier der im Kosovo schon sehr nahe. In Istanbul konnte ich nicht nur die Sehenswürdigkeiten und die türkische Küche genießen sondern auch einige organisatorische Dinge erledigen. Die türkische Küche gehört für mich zu einer der abwechslungsreichsten und besten Küchen der Welt. Letztlich macht die derzeit sehr niedrige Bewertung der türkischen Lira (1€ = ca. 18 TL) die Türkei für uns auch zu einem sehr preiswerten Reiseziel. Ausserdem sind auch meine Blasen wieder so gut wie verschwunden! Die Temperaturen gehen auch hier deutlich runter, sodass ich das Wandern auch wieder so richtig genießen kann. Ich freue mich jetzt schon sehr auf Izmir, Ephesus und das zentrale Anatolien. Güle güle (Auf Wiedersehen)!

15 Kommentare

    Pamela

    Querido Georg:
    Hola hola desde Viña del mar; Chile.
    Hermosas imagenes- Turquía y su gente; su cultura ; su historia milenaria….fascinante.
    Realmente un privilegio esta tremenda aventura que estas realizando ; en tiempos pandémicos.
    Abrazos
    Pamela

      Georg

      Querido Pame,
      es verdad, Turquía y su gente y cultura es muy interesante y lindo. Hoy he arrivado en Izmir, una ciudad con 5 millones habitantes. Vamos a ver…
      Abrazos y saludos, a tu familia también, Jorgito… 🙂

    Heinrich

    Hallo Georg!
    Ich habe Dir gestern 29.9. nachmittags einen Kommentar geschickt. Leider stelle ich fest ,es hat nicht geklappt. Meine IT- Kenntnisse sind unterm Hund!! Ich freue mich immer so sehr über deine Berichte ,dass ich es noch einmal probiere.
    Nochmals herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Ich wünsche dir viel Gesundheit und Durchhaltekraft. Deine Füße sind nicht zu beneiden. Die Berichte sind sehr lebendig, manchmal wünsche ich mir, mit dir unterwegs zu sein.
    Viele liebe Grüße aus dem bescheidenen Mühlviertel von Heinrich.

      Georg

      Hallo Heinrich,
      vielen Dank für deine nachträglichen Geburtstagswünsche 🙏🙏🙏

      Dein Kommentar von gestern ist übrigens eh auch angekommen, so sind Deine IT Kenntnisse doch um Vieles besser als du glaubst 👌👌👌😉
      Um deine Erlebnisse im Jahre 1967 beneide ich dich wirklich! Da sind wirklich noch nicht viele mit dem Rucksack durchgekommen, da warst du einer der Pioniere der damaligen Zeit…
      Den Füssen geht es Gott sei Dank wieder um Vieles besser und kann wieder völlig ohne Probleme schmerzfrei wandern. Welch Freude!!!
      Somit wünsche Dir einen schönen Herbst und eine schöne Zeit in Waxenberg, liebe Grüße Georg 👣🕊️🤞

    Heinrich

    Hallo Georg!
    Auch von mir die besten Glückwünsche zu deinem Geburtstag.Ich freue mich mit Dir, dass du wieder so großartige Sehenswürdigkeiten,Zeugen der Antike kennenlernen durftest. Deine Schilderungen begeistern mich immer wieder aufs Neue. Die Freundlichkeit der Leute dort habe ich schon 1967 erfahren dürfen. Nur auf diese Art und Weise lernt man Land und Leute kennen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude, achte auf dich, neue Hax’n kann man auch in der Türkei nicht kaufen.
    Viele liebe Grüße von Heinrich aus Waxenberg.

    Marion Schweighofer

    Hallo Georg, du hast wahrscheinlich seit deinem Geburtstag noch kein Sauerkraut gegessen, dann gelten unsere Glückwünsche noch: Alles Gute nachträglich! Habe Herbert deine wunderbaren Schilderungen vorgelesen und die Bilder gezeigt! Wir sind begeistert und bewundern dich. Liebe Grüße aus Helfenberg.

      Georg

      Hallo Marion,
      vielen Dank für deine Geburtstagswünsche🙏🙏🙏 Sie gelten natürlich noch, Sauerkraut hab ich eh noch keines gesehen hier… 🙂
      Freut mich wenn euch meine Berichte gefallen und ich euch ein wenig teilhaben lassen kann bei meiner Wanderung.
      Liebe Grüße nach Helfenberg und alles Gute dir und euch beiden auch, Georg 👣🕊️🤞

    Fredi

    Hallo Georg, einen schönen guten Morgen aus St. Veit, bei uns ist leider ein richtiges Sau Wetter. Dein Reisebericht wie immer ganz toll, pass auf deine Füße und Schuhe gut auf😏
    Alles Gute zum Geburtstag 🥳Auf deinem weiteren Weg durch die Türkei wünsche ich dir das Beste. Liebe Grüße Fredi 👍😎👣

      Georg

      Hallo Fredi,
      vielen Dank für deine Glückwünsche🙏🙏🙏
      In der Türkei ist derzeit bestes Wanderwetter bei 20 bis 25 Grad, ein Traum!
      Hab mir in der Zwischenzeit wieder ein neues Paar Schlapfen gekauft, schauen wir einmal wielange ich sie habe… 🙂
      Grüße in das heimatliche Mühlviertel und nach St. Veit und dir auch weiter alles Gute, Georg👣🕊️👍

    Helga Baier

    Lieber Georg!
    Sorry, ich hab mich an deinem Geburtstag nicht gemeldet. Umso herzlichen wünsche ich dir das Allerbeste, bleib gesund, achte auf deine Füße und gönne dir viele Ruhepausen, um deine Reise noch besser genießen zu können. Es ist erstaunlich, wie du dich in der weiten Welt zurechtfindest und durch deine offene freundliche Art natürlich auch die besten Voraussetzungen dafür hast. Deine Reiseberichte lassen mich einfach nur staunen – vor allem deine Erlebnisse mit den Einheimischen. Du musst natürlich auch immer wieder viel Organisatorisches schaffen, das auch sehr viel Erfahrung erfordert. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viele schöne Begegnungen.

    Bei uns zu Hause ist es mittlerweile ganz schön frische geworden und der Herbst beinahe der Winter lässt schon grüßen.

    Liebe Grüße
    Helga

      Georg

      Liebe Helga,
      vielen Dank für deine Glückwünsche🙏🙏🙏
      Und ja, ich staune auch schön langsam selber wie weit mich meine Füße bereits gebracht haben. Es macht mir mehr denn je Spaß. Wohl ein Zeichen, dass es für mich das Richtige ist.
      Liebe herbstliche Grüße auch aus der Türkei und auf bald wieder einmal in Bad Leonfelden, Georg 👣🕊️🤞

    Sven

    Hallo Schorschi,

    es ist fast schon ein montägliches Ritual, dass ich Dein Reisetagebuch (natürlich im Dienst) lese. Da ist mir eingeschossen, dass der 14.9. schon war. Daher:

    Nachträglich alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag.
    Viel Vergnügen und interessante Erfahrungen im neuen Lebensjahr.

    Weißt Du schon, wie Deine Route in der Türkei bzw. danach sein wird?

    Herzliche Grüße
    Sven

      Georg

      Hallo Sven,
      vielen Dank für deine nachträglichen Geburtstagswünsche🙏🙏🙏 und freut mich wenn ich dir mit meinen Berichten ein wenig deinen Dienst versüßen kann… 😉👌
      Ich werde jetzt entlang der Küste nach Izmir und Ephesus runter gehen. Dann geht es von dort Richtung Osten in das zentrale Anatolien und Konya. Alles inshallah natürlich… 😊
      Liebe Grüße von der Troas Halbinsel nach Leonding und alles Gute dir auch weiter, Georg 👣🕊️🤞

    Sian R

    Wow! Istanbul looks so crowded compared to the time we were there however many (7?) years ago, just after the PKK bombings, when people stayed away for a while. But it’s always wonderful.
    Good to see the lokanta in Kadikoy is still very cheap. Thanks for the photograph, which shows prices. Mercimek (lentil soup) at less than on-third of a euro on the current exchange rate is even more of a bargain than before, I think. But don’t forget EzoGelin chorba, which is even nicer.

      Georg

      Hello Mothercourage, Sian, Szzz and travel agent,
      yes, it was 7 years ago that we stayed here together in the Hush Hostel in Kadiköy on the Asian side of Istanbul. Although it does not do any breakfast anymore it is still a very good and cheap place to stay. 250 TL a night in a dormitory is definitely a bargain for Istanbul.
      Today I had a Iskembe chorba made of small intestine, not really my favorite. Next time I will try a EzoGelin chorba. And for sure, for eating a Mercimek there is always space enough…
      Greetings from Istanbul, Kidr, the green one.

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