TÜRKEI (Teil 2): Assos – Bergama (Pergamon) – Izmir – Selcuk/Ephesus

19.09. Um ca. 06:30 sitze ich im Finstern bei Cay und Simit und starte um ca. 7h bei Morgendämmerung meinen heutigen Tag. Es ist auch hier bereits frisch in der Früh und so wechsle ich erst so gegen 9h von meinem langärmeligen auf mein kurzärmeliges T-Shirt. Untertags treffe ich einen Jungen mit seiner Ziegenherde bevor ich am Abend an der Küste einen wunderschönen Campingplatz entdecke. Kurzerhand ändere ich meine Übernachtungspläne und stelle mein Zelt direkt mit Blick auf das Meer auf. An der Westküste der Troas Halbinsel lassen sich die Sonnenuntergänge wunderbar genießen und ich lerne auch Mariam aus Istanbul kennen. Sie ist am Weg nach Antalya, wo noch ihre Eltern wohnen. Sie fährt langsam die Küste runter und arbeitet hier als Übersetzerin remote. So kann sie gut Arbeit mit Urlaub verbinden.

20.09. Am frühen Morgen begleitet sie mich noch in den alten Hafen von Dalyan wo wir gemeinsam frühstücken und uns dann verabschieden. Sie wird hier noch einige Tage bleiben, für mich geht es weiter Richtung Süden. Am Vormittag erreiche ich die antike Stadt Alexandria Troas, die ca. im 3. Jhdt vor Chr. gegründet wurde. Sie erlebte ihre Blüte während der Römerzeit einige Jahrhunderte später. Besonders sehenswert sind die noch relativ gut erhaltenen Bögen der Herodes Atticus Therme.

Letzte Überreste der Herodes Atticus Therme in der antiken Stadt Alexandria Troas

Ich ernähre mich an diesem Tag hauptsächlich von dem Gemüse und den Früchten, die hier von den Frauen am Straßenrand zum Verkauf angeboten werden.

Gemüseverkäuferin am Weg nach Gülpınar

Über schöne Feldwege und wenig Asphalt erreiche ich kurz vor 19h die Ortschaft Gülpınar. Hier zeigt sich im Abendlicht ein wunderschöner Tempel, den ich mir noch, kurz bevor es finster wird, anschaue. Es ist der Apollo Smintheus Tempel, der vor einigen Jahren renoviert wurde und dem Gott Apollo geweiht ist. Ich übernachte für 250 TL (ca. 14€) im Gästehaus des Dorfes gleich neben der Moschee.

Apollo Smintheus Tempel in Gülpınar

21.09. Eine ältere Frau bereitet mir am Morgen ein türkisches Frühstück zu, das auch im Preis inkludiert ist. Es gibt hier meist Tomaten, Gurken, Käse, Oliven, Ei, Weißbrot und Tee. Die Hotelpreise sind hier so leistbar, sodass ich beschlossen habe doch vermehrt auch wieder in Unterkünften zu schlafen. Frisch geduscht ist halt doch immer wieder eine andere Qualität… Am Weg zur antiken Stadt Assos begegne ich heute vielen Schafhirten mit ihren Herden.

Frau beim Machen von Köfte (Hackfleischbällchen) – kurz vor Assos

Gegen 18h quartiere ich mich dann in der Ortschaft Behramkale in der Assos Tekin Pansyion ein, Preis 200 TL. Den Sonnenuntergang verbringe ich beim Athena Tempel und genieße den herrlichen Blick auf die Ägäis und die griechische Insel Lesbos. Der Nachbar ist sehr nahe hier.

Athena Tempel in Assos

22.09. Bei einer Busstation decke ich frühmorgens wieder einmal meinen Bedarf an Simits ab bevor ich entlang der Straße Richtung Osten und Kücükkuyu und Akcay gehe. Diese Gegend ist zum Teil bereits stark verbaut. Auch die Autobahn nach Izmir führt hier vorbei sodass ich mich hier nicht länger als notwendig aufhalte.

23.09. Auch heute starte ich wieder früh bei Morgengrauen und gehe entlang der Küste Richtung Burhaniye, das ich erst spät nach ca. 38 km erreiche. Übernachtung im Hotel Bayraktar direkt am Hauptplatz von Bürhanye, 200 TL inkl. Frühstück, sehr gut!!!

Atatürk Statue am Hauptplatz von Bürhanye. Als würde die Taube in seiner rechten Hand für Frieden rufen…

24.09. Heute knacke ich nach exakt 5 Monaten die 3.000 km Marke. Das ergibt genau einen Schnitt von 20 km pro Tag, inkl. Rasttage, etc… Ausserdem erfahre ich von Johannes, dass er gut mit seiner Reisegruppe in Istanbul gelandet ist. So steht einem geplanten Treffen am kommenden Dienstag nichts mehr im Wege. Am Weg nach Bagyüzü komme ich in einigen Ortschaften (zB Yabancilar) vorbei in denen es entweder kein Geschäft gibt oder eben eines gerade geschlossen hat.

Typischer Friedhof in der Türkei, hier in Yabancilar – es reicht auch ein ganz einfacher, natürlicher Stein inmitten von Zypressen
Ortschaft Yabancilar am Weg nach Izmir

So verpflege ich mich von reifen Feigen und bin froh, dass ich in Yabancilar von einer Frau 1 Liter Wasser bekomme. Gegen 17h erreiche ich dann die Ortschaft Bagyüzü und in einem Minimarkt lerne ich einen Einheimischen kennen, der gut Englisch spricht und mich zu einer Dorffeier einlädt. Es gibt ein Beschneidungsfest und viel Essen und Trinken. Im Islam ist es für Jungen ein Gebot und für Mädchen verboten. Es ist wie für die Juden ein Zeichen für ihren Bund mit Gott. Es ist allerdings anders wie im Judentum keine Pflicht sondern eine Empfehlung des Propheten Mohammed. Im Koran steht sie nicht. Fast alle muslimischen Männer sind beschnitten. Besonders in der Türkei fallen die Beschneidungsfeste prachtvoll aus. Letztlich bietet man mir dann auch noch an im Dorfgästehaus zu übernachten.

Mit Einheimischen in der Ortschaft Bagyüzü – es gab ein Beschneidungsfest im Dorf.

Mit dem Franzosen Emmanuel aus Paris – auch er ist zu Fuß nach Jerusalem unterwegs, und das ohne Geld! Es funktioniert…

Als ich mich schon niederlegen möchte, ruft mich plötzlich Emmanuel, ein Franzose, an. Er ist ebenfalls zu Fuß unterwegs und wir waren schon einige Zeit in Verbindung. Er sei ebenfalls im Dorf und habe von mir gehört. So gehe ich noch einmal zur Feier zurück und treffe ihn und andere Einheimische. Letztlich übernachtet er im selben Zimmer wie ich. Da er müde ist schläft er früh. Ich trinke noch ein Efes Bier mit Einheimischen bevor auch ich mich zur Ruhe begebe.

25.09. Emmanuel und ich frühstücken gemeinsam und starten dann gemeinsam unsere Wanderung Richtung Bergama und Izmir.

Am Weg nach Izmir – bei herbstlichen Temperaturen um die 20 Grad macht das Wandern wieder so richtig Spaß!

Er erzählt mir, dass er von Paris gestartet ist und via Italien, Albanien, etc in die Türkei gekommen ist. Er ist 31 Jahre alt und reist gänzlich ohne Geld. Und es funktioniert… Er wird immer wieder eingeladen und manchmal bekommt er auch Spenden, mit denen er sich über die Runden hält. In der Ortschaft Yukaribey essen wir zumittag und während ich zu Hause anrufe, ruht sich Emmanuel in einem Park aus. Als er gegen 15h immer noch im Park sich ausruhte machte ich mich alleine auf den Weg Richtung Bergama wo ich derzeit im Bergama Selinos Hotel nächtige. Es ist bereits Nebensaison, so lassen sich immer wieder gute Preise ausverhandeln. Emre, der Juniorchef gibt mir einen guten Preis, macht mir auch noch die Wäsche und bereitet mir letztlich auch noch ein sehr gutes Schwammerlgericht zu. So werde ich morgen gestärkt und wieder sauber in Bergama einlaufen. Iyi geceler – Gute Nacht!

TÜRKEI (Teil 1): Kesan – Istanbul – Gelipolu – Çanakkale – Troja)

03.09. In Feres gönne ich mir um 6h morgens noch die letzten Bougatsa (süße griechische Mehlspeise) bevor ich die letzten 20 km an die Grenze zur Türkei gehe. Ein wenig mit Wehmut verabschiede ich mich von diesem wunderschönen Land. Allerdings freue ich mich jetzt auch schon auf die Türkei. An der Grenze angekommen erfahre ich, dass seit der Flüchtlingskrise 2015 die Grenze nicht mehr zu Fuß überschritten werden darf. So versuche ich es zuerst mit Autostop beim nahegelegenen Duty Free Shop. Diesen 1 km über eine Brücke wird mich ja doch wer mitnehmen. Ein Taxi kostet immerhin ca. 80 Euro. Als sich nach einer halben Stunde nichts tut, beschließe ich einfach loszugehen. Schauen wir einmal wie weit ich komme und wie weit sie mich gehen lassen… Und tatsächlich, nach ca. 400 Metern kommt eine Brücke, die von zwei gut bewaffneten Militärs bewacht wird. Einer davon spricht gut Deutsch und ich erkläre ihm meine Situation. Er kennt das Spielchen natürlich eh nur zu gut… Er stellt sich zu mir und meint, es wäre behilflich, wenn er bei mir steht, dass jemand stehen bleibt. Und tatsächlich, nach ca. 10 Minuten bleibt ein albanischer LKW Fahrer stehen, der nach Antalya unterwegs ist. Es lebe Albanien! Nach ca. 1 km setzt er mich wieder ab. Der Rest ist Routine und so gegen 14 h bin ich auf der türkischen Seite.

Merhaba Türkiye – Hallo Türkei

Ich gehe heute noch bis Ipsala und trinke dort nach meiner Ankunft einmal einen Cay (Tee) und esse ein Simit (ringförmiges Brotgebäck mit Sesamkörner drauf). Während ein netter Türke auf meinen Rucksack aufpasst, hebe ich türkische Lira ab und besorge mir eine türkische Vodafone SIM Karte. Während in Griechenland die Teller und Gläser oft stundenlang auf deinem Tisch stehen bleiben, haben es die Türken eher eilig mit dem Abräumen. Es erinnert mich an frühere Besuche… Manchmal hab ich den cay noch nicht einmal zur Hälfte ausgetrunken, versucht schon ein eifriger Kellner mir das Glas abzunehmen… Es hilft einfach nur die Hand draufzuhalten… 🙂 In einem Hotel in der Nähe des Hauptplatzes quartiere ich mich für 250 TL (1€ = ca. 18TL) ein und verbringe einen ersten ruhigen Abend in der Türkei.

04.09. Zum Frühstück gibt es heute eine Hühnersuppe. Ich liebe die verschiedenen Csorbas (Suppen) in der Türkei. In Hidirköy mache ich eine Teepause und werde vom Besitzer eingeladen.

Lieber Teehausbesitzer in Hidirköy – er lud mich auf einen cay (Tee) und su (Wasser) ein – Vielen Dank!
Hirte am Weg nach Kesan

In Yeniceciftlik mache ich Mittag und auch hier werde ich von zwei liebenswerten Türken aus Istanbul zum Essen eingeladen. Es ist hier Tradition, erklären sie mir, vor allem auf dem Land. Um ca. 15h erreiche ich dann die kleine türkische Stadt Kesan wo ich im Taskin Hotel um 250 TL (ca. 14€) übernachte, inkl. türkischem Frühstück. Ich finde das Preis-/Leistungsverhältnis hier in der Türkei sehr gut. Ich gehe wieder einmal zum Friseur, der mir die Haare schneidet und den Bart abrasiert. Das ganze um 50 TL (ca. 3€). Ich werde die kommende Woche einen Abstecher nach Istanbul machen, bevor es von hier weiter geht Richtung Dardanellen und Izmir.

Meine Zeit in Istanbul: Ein Bus bringt mich für 200 TL vom otorgar (Busbahnhof) in Kesan nach ca. 3,5 Stunden in die 16 Millionenmetropole Istanbul. Ich habe für 1 Woche ein Bett im Hush Hostel in Kadiköy im asiatischen Stadtteil reservieren lassen. Ich war hier schon zweimal und ich finde das Stadtviertel Kadiköy etwas entspannter und auch billiger zum Übernachten als die europäischen Stadtviertel Sultanahmet, Galata und Besiktas.

Simit Verkäufer im asiatischen Stadtteil Kadiköy

Ich habe hier einige Sachen zu erledigen. Zum einen lasse ich mir von einem Terzi (Schneider) wieder einmal meine einzige Hose nähen.

Dieser Terzi (Schneider) machte mir eine Tasche innen neu und wechselte einen Zip – das ganze um 80 TL (also knappe 5 Euro)

Im Stadtteil Besiktas gibt es im Zorlu Center (einer der größten Shopping Malls in Istanbul) einen Asics Shop wo sie meinen Schuh in meiner Größe haben. Ich kaufe ihn und lass ihn mir in ihre Niederlassung nach Izmir schicken. Dort werde ich dann auf diesen neuen Schuh umsteigen. Sonst kann ich auch wieder einmal im Hushhostel auf dem Laptop von Murat meine Fotos absichern und den Reisebericht über Griechenland via email ausschicken. Abendessen gehe ich immer in das Kadi Lokantası in Kadiköy wo es gutes und billiges Essen gibt. Gleich gegenüber trinke ich dann auch immer noch einen cay, wo man mich schon kennt.

Cay (Tee) schmeckt immer gut – hier im Stadtteil Kadiköy gegenüber der Kadi Lokantasi

Ein Besuch auf den Prinzeninseln darf natürlich nicht fehlen. Diesmal klappt es wirklich und ich habe so ein wenig die Heimat von meinem Freund Raffi in Wien kennen lernen dürfen. Raffi hat in jungen Jahren dort immer die Sommermonate verbracht, wie er mir erzählte. Letztlich eine sehr schöne Schifffahrt dorthin und man kann ein wenig dem Grossstadtlärm entfliehen.

Der Name der Prinzeninseln leitet sich aus der Zeit der Sultane ab: als man Thronstreitigkeiten unter den in der Regel zahlreichen Söhnen eines Sultans vermeiden wollte, wurden diese noch bis zur Herrschaft von Sultan Mehmet III. (1595 – 1603) vom Thronfolger bei seinem Regierungsantritt ermordet.

Blick von der Hagios Giorgios Kirche – auf der Insel Büyükada, der größten der Prinzeninseln.
Spieler auf der Insel Büyükada – ein Bild von Atatürk darf natürlich nicht fehlen!
Idylle auf der etwas kleineren und ruhigeren Prinzeninsel Burgaz Adasi

Sonst besuche ich auch noch die blaue Moschee, die derzeit innen gerade renoviert wird und den Gulhane Park in der Nähe der Hagia Sophia.

Blick auf die Hagia Sophia – einst Kirche, dann Museum und jetzt wieder Moschee…
Blaue Moschee (oder Sultanahmet Moschee) im europäischen Stadtteil Sultanahmet

Einheimische genießen den Blick auf den Galataturm

Von Eminönü auf der europäischen Seite gelange ich dann abends immer mit der Fähre hinüber in den asiatischen Stadtteil Kadiköy. Schon immer wieder interessant ein Besuch dieser Millionenstadt am Bosporus. Die Meerenge, die Europa von Asien trennt. Und Schifffahrt en gehören für mich hier einfach dazu!

Fähranlegestelle im asiatischen Stadtteil Kadiköy

Gestern schaute ich mir dann noch das Europa League Fußballspiel Fenerbahce vs. Dynamo Kyew an, das der lokale Klub Fenerbahce in Kadiköy 2:1 gewann. Bei so einem Spiel ist das Spiel eher unwichtig, es zählt hier einzig nur die Atmosphäre. Und die war ein Hammer!

Fenerbahce Stadium im asiatischen Stadtteil Kadiköy

So wurde der Siegestreffer zum 2:1 in der Nachspielzeit gegen Dynamo Kiew gefeiert

09.09. Heute wird mein Freund Andreas aus Wien hier eintreffen. Er hat mich ja in Serbien auch schon einmal besucht und mir vor allem neue Schuhe nachgebracht. Auch dieses Mal kommt Nachschub.. 🙂 Ich werde hier noch über das Wochenende bleiben bevor es am Montag wieder zurück nach Kesan und weiter zu Fuß Richtung Izmir geht. Güle, güle (Auf Wiedersehen)!

Andreas und ich haben uns um 16h in seinem Hotel in Sultanahmet verabredet. Er hat wieder einmal wie in Serbien ein neues Paar Schuhe, eine Tube Hirschtalgcreme und eine Tube Bepanthen im Gepäck. Wir feiern unser Wiedersehen bei einem Fischbrötchen unter der Galatabrücke und baklava, auf die sich Andreas schon gefreut hat. Ich fahre dann mit der letzten Fähre rüber nach Kadiköy und trinke noch einen cay vor dem Bettgehen.

Wiedersehen mit Andreas – Baklava durften natürlich auch nicht fehlen!

10.10. Um ca. 10h hole ich Andreas von seinem Hotel ab und die erste Tat heute ist, dass wir die mitgebrachten Schuhe in ein Hotel nach Konya schicken. Sie (die Schuhe) müssen sich jetzt noch ein wenig gedulden bevor sie in Zentralanatolien zum Einsatz kommen. Als Belohnung trinken wir zwei cays in einer Nebengasse bevor wir unsere Sightseeing Tour in Sultanahmet und im Galataviertel beginnen. Zuerst besuchen wir das Grab des türkischen Architekten Sinan bevor wir uns von der T1 (Straßenbahn) über die Galatabrücke in das gleichnamige Viertel bringen lassen. Hier besichtigen wir eine interessante unterirdische Moschee, die kaum besucht ist und lassen uns dann einen guten türkischen Kaffee schmecken. Danach erklimmen wir den Galataturm und schlendern dann die Istiklalstraße Richtung Taksimplatz. Es ist quasi der Hauptplatz der Stadt und auch hier legen wir eine Rast ein.

‚Denkmal der Republik‘ am Taksim Platz – es soll an die Gründung der Türkischen Republik im Jahr 1923 durch Mustafa Kemal Atatürk erinnern. Er ist hier zweimal zu sehen – als Militärsperson und als Staatsmann

Den Abend lassen wir in einem ausgezeichneten Restaurant für Iskender Kebabs (Kebapci Iskender) auf der asiatischen Seite in Kadiköy ausklingen.

11.09. Beim Frühstück unterhalten wir uns ob wir heute mit dem Schiff in das Goldene Horn fahren wollen oder entlang am Bosporus. Der nette Rezeptionist im Hotel erklärt uns wo die Schiffe in Eminönü Richtung Bosporus abfahren. Eine halbe Stunde später sitzen wir auch schon auf einem der Dampfer und genießen die Aussicht auf die europäischen Stadtviertel Galata, Besiktas, etc und auf vorbeifahrende Frachter aus allen möglichen Ländern.

Rumeli Festung am Bosporus, der Meerenge zwischen Europa und Asien

Wir fahren bis zur Endstation Sariyer. Kulinarisches highlight des Tages ist heute eine Iskembe Suppe (Kuttelsuppe), die aus dem Rinder- oder Schafsdarm gewonnen wird. Nur mit viel Knoblauch und Petersilie bringen wir die Suppe runter. Ich merke mir den Namen der Suppe, da ich die kein zweites Mal haben muß… 🙂

Zurück in Sultanahmet trinken wir noch einmal cay beim alten Bahnhofsgebäude. Danach essen wir noch einmal in einer Lokantasi, die bei uns an Kantinen erinnern. Es gibt Selbstbedienung und sie haben den Vorteil, dass man sieht was es gibt und man nur darauf zeigen muss was man will. So gibt es keine unangenehmen Überraschungen. Dann verabschiede ich mich von Andreas, da ich morgen bald in der Früh wieder Istanbul verlasse und meine Wanderung von Kesan Richtung Izmir fortsetzen werde. Es war eine sehr schöne und spannende Zeit hier in Istanbul. Immer wieder schön Freunde zu treffen und auch meine Füße konnten sich gut erholen.

12.09. Ich erwische gerade noch den Bus um 9h am otorgar in Istanbul und so erreiche ich um die Mittagszeit wieder Kesan wo ich meine Wanderung zu Fuß fortsetzen werde. In der Zwischenzeit ist es auch zumittag nicht mehr so heiß und so gehe ich heute noch ca. 15 km Richtung Gelipolu Halbinsel und den Dardanellen. Ich stelle mein Zelt am Rand eines Sonnenblumenfeldes auf und richte mich schon für die Nacht ein als der Besitzer und sein Sohn vorbeikommen. Sie wollen einfach nur wissen wer ich bin und was ich hier mache. Natürlich überhaupt kein Problem und sie hätten mich dann auch noch zum Abendessen eingeladen. Sehr gastfreundlich die Türken…

13.09. Da es in den Sommermonaten in Nordmazedonien und Griechenland sehr heiß war, ließ ich immer die Zelttür offen und verwendete nur das Moskitonetz vom Zelt zum Schlafen. Die Schuhe blieben im offenen Vorzelt. Auch an diesem Abend machte ich es so und am Morgen bemerke ich, dass mir ein Schlapfen fehlt. Diese hatte ich mir in Griechenland zugelegt um bei Pausen meinen Füßen mehr Luft zu geben. Es muss wohl der Kangal (anatolischer Hirtenhund) gewesen sein, der sich da einen Spaß erlaubte. Auch nach längerer Suche fand ich den Schlapfen nicht mehr und so ließ ich auch den zweiten zurück. In Zukunft werde ich allerdings mein Zelt wieder ganz schließen. Möchte nicht eines Tages mit nur einem Turnschuh aufwachen.. 🙂 Zur ‚Belohnung‘ bekommt der zutrauliche Hund auch noch was von meinem Frühstück ab.

Er war es wohl. Aber wer kann so einem Hund schon wirklich böse sein…

In der Ortschaft Adilhan trockne ich während der Mittagspause mein Zelt und lerne einen Einheimischen kennen. Die Schüsse, die vom Meer her zu hören waren, seien nur routinemäßige Militärübungen, meint er. So kann man dem nicht sehr geliebten Nachbarn auch seine Präsenz vermitteln… Als zur Mittagszeit der Muezzin zum Gebet aufruft folgen dem nur wenige Türken, die weiterhin an ihrem cay schlürfen. Auf meine Frage hin wie genau es denn die Türken mit den 5 Gebetszeiten pro Tag nehmen, meint er unter vorgehaltener Hand, dass manche auch gar nie beten. Sie würden es allerdings nie in der Öffentlichkeit preisgeben. Den Schein nach außen hin wahren, scheint auch in der Türkei wichtig zu sein. Wir verwenden den Google Translator um uns ein wenig zu verständigen und er fragt mich ob ich ein Ehepaar kennen lernen möchte, das in Wien gelebt hat. Das macht mich neugierig und wir besuchen die beiden in ihrem schönen Haus ein wenig außerhalb von Adilhan. Sie sind beide Mitte 70 und genießen hier den Lebensabend. Der Mann erzählt mir, dass er Schneidermeister war und lange eine Änderungsschneiderei in der Mariahilferstraße und im 18. Bezirk hatte. Die drei Kinder wohnen immer noch in Wien und manchmal kommen sie auch auf Besuch in die Türkei. Und beide sprachen ausgezeichnet Deutsch, das nach 51 Jahren in Wien immer noch gut funktionierte. Es gibt Feigen und Pfirsiche aus dem Garten, die hier so ganz anders schmecken als in Österreich. Eine Tasse türkischer Kaffee und Wasser durfte natürlich auch nicht fehlen.

Einladung von einem türkischen Ehepaar, das 51 Jahre in Wien lebte – vielen Dank!
Hirte mit seiner Herde

Nach ca. 30 km erreiche ich die Ortschaft Kavakköy, wo mir ein Restaurantbesitzer kleine Fische zubereitet. Es gibt hier keine Unterkunft aber ich kann mir zumindest in seinem Garten die Füße waschen. Letztlich übernachte ich wieder in meinem Zelt in einem Kiefernwald und verbringe eine ruhige Nacht.

14.09. Als ich frühmorgens mein Zelt abbaue bemerke ich, dass mich zwei Hunde in der Nacht bewacht haben. Wir frühstücken gemeinsam bevor ich mich Richtung Dardanellen aufmache. Heute ist mein 57. Geburtstag und so esse ich in der Ortschaft Bolayir zwei Teller Mercimek (Linsensuppe), meine Lieblingssuppe in der Türkei.

Mein Geburtstagsessen – Mercimek (Linsensuppe), meine Lieblingssuppe in der Türkei

Ich telefoniere untertags mit meiner Mutter und verbringe einige Zeit auch mit dem Beantworten der Glückwünsche. Wieder ein Jährchen um… In Gelipolu quartiere ich mich im Hotel Istanbul ein. Zum Geburtstag darf es doch auch wieder einmal eine Dusche geben! Den Abend verbringe ich mit dem Sohn des Hotelbesitzers in einem Café. Seine Meinung über die türkische Regierung ist nicht die beste, vorsichtig ausgesprochen…

15.09. Es sind noch ca. 45 km nach Cannakkale, die ich an einem Tag nicht gehen werde. So beschließe ich soweit wie möglich zu gehen und die Nacht im Zelt zu verbringen. Die Wanderung entlang der Halbinsel Gelipolu ist wunderschön. Auf der linken Seite die Dardanellen und auf der rechten Seite die Ägäis.

Blick auf die Dardanellen und vorbei fahrende Frachter

Untertags komme ich bei einem einheimischen Mädchen vorbei, das hier am Wegesrand ihre Wassermelonen, Tomaten, Paprika und sonstiges Gemüse verkauft.

Mädchen beim Verkauf ihres Obstes und Gemüses – ich kaufte ihr zwei Tomaten ab, als Draufgabe gab es ein Stück Wassermelone und Mandeln – vielen Dank!

Gegen Abend wird mein Wasser knapp und ich bin froh, dass ich eine Gedenkstätte an türkische Märtyrer (Akbas Friedhof) erreiche. Hier gibt es einen kleinen Shop mit Cola, etc und der liebenswerte Betreiber des Shops bringt mir auch noch Salz vorbei als er mich die Tomaten essen sieht.

Mein Abendessen – es gab Fisch von den Dardanellen!

Mit aufgefüllten Wasserflaschen zelte ich in der Nähe der Gedenkstätte.

16.09. Am Morgen schaue ich mir noch einmal die Gedenkstätte vom WK1 an bevor ich die letzten 10 km nach Eceabat gehe.

Akbas Friedhof – hier liegen türkische Soldaten, die als Märtyrer bezeichnet werden. Sie sind in der Schlacht bei Gallipoli während des WK1 gefallen.

Akbas Friedhof – hier liegen türkische Soldaten, die als Märtyrer bezeichnet werden. Sie sind in der Schlacht bei Gallipoli während des WK1 gefallen.

Von hier gehen Schiffe auf die asiatische Seite der Türkei hinüber, genauer gesagt nach Cannakkale. Ich erreiche Cannakkale um die Mittagszeit und quartiere mich im Obergeschoss des City Residence Hotels für 400 TL ein. Svetlana, die ukrainische Rezeptionistin, empfiehlt mir das Marinemuseum und einen Stadtspaziergang entlang der Promenade.

In den Straßen von Cannakkale

Im Marinemuseum sind hauptsächlich historische Boote und Waffen aus der Zeit im 1. Weltkrieg zu sehen.

Die Schlacht von Gallipoli (Gelipolu) wurde während des Ersten Weltkriegs vor und auf der türkischen Halbinsel Gallipoli auf der europäischen Seite der Dardanellen, aber auch auf der asiatischen Seite der Meerenge, zwischen Ägäis und Marmarameer ausgetragen. Sie endete mit einem Sieg des Osmanischen Reiches, das auf der Seite von Deutschland und Österreich kämpfte. Der Ausgang von WK1 ist allerdings auch bekannt…

Überreste des UB 46 – ein deutsches U-Boot, das mehrere Schiffe versenkte bevor es selbst von einer Unterwassermine im Jahre 1916 versenkt wurde.

Morgen geht es weiter Richtung Troja! Und die gute Nachricht – meine Blasen heilen ab seit ich keine Blasenpflaster mehr verwende und eine Hautemulsion schmiere. Ich hoffe es geht so weiter!

Den Abend verbringe ich entlang der Promenade wo gerade ein Trojafestival stattfindet.

17.09. Da es heute 32 km nach Troja sind stehe ich etwas früher auf und esse zum Frühstück Käse Burek und trinke einen cay mit Wasser. Es geht entlang der Küste jetzt Richtung Süden ohne große Steigungen und meist auf Asphalt. Da ist es auch einfacher ‚Kilometer zu machen‘, die Dardanellen immer in Blickweite. Zumittag kehre ich in ein kleines Lokal ein in dem es Pide (eine Art türkische Pizza) gibt. Auch gebe ich den Füßen immer wieder Frischluft indem ich während der Mittagspause aus den Schuhen und aus den Socken rausschlüpfe. Gegen 18h erreiche ich dann die Ortschaft Tevfikiye (früherer Name war Hisarlic), wo ich mich in der Pension Varol einquartiere. Ismael, der freundliche Besitzer, hat in Deutschland gearbeitet und spricht sehr gut Deutsch. Er gibt mir ein Zimmer für 200 TL (umgerechnet ca. 11€), das außergewöhnlich schön, groß und sauber ist. Sehr empfehlenswert diese Unterkunft! Am Abend bereitet mir die Frau von nebenan Mercimek und Köfte zu und ich gönne mir wieder einmal ein Efes Bier. Bei einem (oder besser zwei) cay im Ort beobachte ich die Männer beim Dorfplausch, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen hier. Teehäuser sind hier reine Männersache.

18.09. Gut ausgeschlafen gehe ich in ein anderes Teehaus frühstücken, das schon um 7h offen hat bevor ich den letzten Kilometer zu Fuß zu den Überresten der antiken Stadt Troja gehe.

Büste des griechischen Dichters Homer, im Hintergrund auch Büsten des Troja Prinzen Paris und der Helena.

Pünktlich um 08:30 kann man die Anlage von Troja betreten. Das erste was man zu sehen bekommt ist das berühmte trojanische Pferd, es gibt viele Mythen darüber.

Trojanisches Pferd in Troja – wurde 1975 fertig gestellt und dient hauptsächlich touristischen Zwecken

Selbst der griechische (anatolische) Dichter Homer hat im 8. Jhdt v. Chr. in seinem Heldenepos Ilias das Pferd und Troja bereits erwähnt und beschrieben.

Im Anschluss besichtige ich die Ausgrabungen der antiken Stadt Troja. Sie galt lange vergessen bevor der deutsche Kaufmann und Archäologe Heinrich Schliemann 1870 die Stadt wieder entdeckte.

Musiktheater in den Überresten der antiken Stadt Troja – erste Siedlung gab es hier bereits ca. 3000 v. Chr.

Da es hier auch noch ein sehr interessantes, nur 4 Jahre altes Museum gibt, beschließe ich noch eine weitere Nacht hier zu bleiben um mehr Zeit für den Museumsbesuch zu haben.

Museum in Troja – bis zu 8.000 Jahre alte Gegenstände werden hier gezeigt

Statue der Aphrodite, der Göttin der Schönheit aus dem 2. Jhdt. v. Chr. – Im Museum von Troja

Nach einer kurzen Mittagspause mache ich mit Ismael einen Ausflug an die Küste. Hier zeigt er mir noch deutsche Kanonen, die im Dardanellenkrieg 1915 verwendet wurden. Anschließend machen wir noch eine Teepause bevor wir wieder zurück fahren. Ismael gibt mir noch einige Tipps für den Weg bevor er sich zum Abendessen zurückzieht.

Mit Ismael (in der Mitte) und einem Freund von ihm bei einer Caypause.

Gesamtkilometer: ca. 2.870

Fazit:

Kaum in der Türkei angekommen wurde ich auch schon zu einem cay (Tee) und Simit (Brotgepäck) eingeladen. Die Gastfreundschaft kommt hier der im Kosovo schon sehr nahe. In Istanbul konnte ich nicht nur die Sehenswürdigkeiten und die türkische Küche genießen sondern auch einige organisatorische Dinge erledigen. Die türkische Küche gehört für mich zu einer der abwechslungsreichsten und besten Küchen der Welt. Letztlich macht die derzeit sehr niedrige Bewertung der türkischen Lira (1€ = ca. 18 TL) die Türkei für uns auch zu einem sehr preiswerten Reiseziel. Ausserdem sind auch meine Blasen wieder so gut wie verschwunden! Die Temperaturen gehen auch hier deutlich runter, sodass ich das Wandern auch wieder so richtig genießen kann. Ich freue mich jetzt schon sehr auf Izmir, Ephesus und das zentrale Anatolien. Güle güle (Auf Wiedersehen)!

GRIECHENLAND (Teil 2): Berg Athos – Stavros – Kavala – Insel Thassos – Alexandropouli – Feres

12.08. Da es einen Zusammenhang der Klöster auf dem heiligen Berg Athos und den Metéora Klöstern gibt (Mönch Athanasios floh ja bekanntlich vom Berg Athos nach Metéora), ließ ich es mir nicht nehmen, auch den heiligen Berg Athos auf der gleichnamigen Halbinsel von Chalkidiki zu besuchen. In Ouranoupoli angekommen erfahre ich, dass es morgen ein Schiff dorthin gibt. Da die Zimmer hier nicht unter 50 € pro Nacht zu kriegen sind, übernachte ich gemeinsam mit einem anderen Griechen ’sehr zentral‘ hinter dem Wehrturm am Strand.

13.08. Verschlafen müssen wir einen Covid Test machen um auf das Schiff zu kommen. Wir verbringen einen schönen Tag und sehen einige Klöster und den heiligen Berg Athos, der hier über 2.000 Meter aus dem Meer ragt.

Der heilige Berg Athos – nur Männern ist der Zutritt zu dieser Mönchsrepublik gestattet.
Ein Mönch in der Mönchsrepublik Athos

Danach erreiche ich gerade noch den Bus zurück nach Thessaloniki, wo ich noch eine Nacht im Zeus is loose hostel verbringe.

14.08. Nach mehr als 2 Wochen Pause vom Wandern starte ich also wieder gestärkt die Etappe Richtung Kavala, Alexandropouli und der Türkei, ca. 500 km.

Ein letzter Blick auf meine geliebte Stadt Thessaloniki (Saloniki)

Ich passiere viele kleinere Dörfer und finde letztlich bei einer eingezäunten kleineren Kirche einen guten Schlafplatz.

15.08. Heute ist Feiertag und in einem kleinen Dorf wird ein Gottesdienst gefeiert an dem ich auch teilnehme. Die Etappe von Thessaloniki nach Stavros ist landschaftlich wunderschön. Durch alte Eichenwälder gelange ich an einen größeren See.

Der Weg Richtung Osten führt durch alte Eichenwälder, hier am Weg nach Stavros

Ich verbringe in der Nähe des Ufers außerhalb des Ortes Loutra Volvis eine ruhige Nacht in meinem Zelt.

16.08. Heute erreiche ich den Küstenort Stavros. Es ist derzeit Hochsaison und vor allem viele Serben, Rumänen und Bulgaren machen hier Urlaub am Strand. Beim Vorbeigehen am Grill beschleunige ich den Schritt. Der Duft der gegrillten Fische, etc lockt verführerisch. Ich beschließe am heutigen Abend auch Fisch zu essen und kaufe mir eine Dose Sardinen und Brot. Eines meiner Lieblingsessen, das geht immer… In der Pension Pfaffenhofen ca. 5 km außerhalb von Stavros finde ich dann doch noch ein freies Zimmer. Der freundliche Besitzer, der auch gut Deutsch spricht, gibt mir einen Spezialpreis. Vielen Dank für den Unterkunftstipp Claudia, wenn Du das liest…:-) Es gibt eine wohlverdiente Dusche und auch meine Kleidung kann ich etwas waschen.

17.08. Immer wieder kommen mir hier in der Region Makedonien Hirten mit ihren Schafherden entgegen. Für mich bedeutet das immer Vorsicht vor den beschützenden Hunden. Bisher habe ich noch keine schlechte Erfahrung mit ihnen gemacht. Sie kommen dann doch geballt scharf bellend nahe, aber sie begnügen sich bisher immer relativ schnell damit wenn ich ihnen nicht zuviel Beachtung schenke. Ich hoffe stark, dass das so bleibt!

Gemeinsam sind wir stärker… 🙂

In der Nähe eines Monuments mit einem riesigen Löwen kreuzt sich mein Weg mit dem eines jungen Radfahrers aus Jakutien im weiten Osten Russlands.

Das Löwenmonument aus dem 4. Jhdt vor Chr. – gewidmet dem Admiral Laomedon von Lesbos, ein Gefährte von Alexander dem Großen
Vasilli aus Jakutien im Fernen Osten Russlands – er ist mit seinem Fahrrad von seiner Heimat nach Portugal unterwegs

Er ist von seiner Heimat nach Portugal unterwegs und suchte Wasser, das ihm ausgegangen war. Auch seine Meinung zum Russland/Ukraine Konflikt war beeindruckend. Ich zeige ihm meine letzte Wasserstelle, wir tauschen Kontakt aus und verabschieden uns in unterschiedlicher Richtung…

Die Nacht verbringe ich wieder auf einer der Schafherden und hoffe den heimkehrenden Schafen hier nicht mit meinem Zelt im Weg zu stehen.

18.08. Heute beginnt der Tag schon in der Früh mit einem Schreckmoment! Ich lasse übernacht immer meine Schuhe und Socken im Vorzelt stehen. Als ich in den linken Socken schlüpfe, merke ich, dass etwas uneben ist. Als ich dann noch in den Schuh rein wollte, wurde es knapp und immer enger… Und zwar für ein ca. 7 bis 8 cm großes, ca. 1 cm dickes blaues Kriechtier, das aussah wie ein Tausendfüßler. Ich bemerkte es leider erst als es sich zur Notwehr setzte und stach. Der Schmerz ließ nach ca. 2 Stunden Gehen wieder nach. In Zukunft werde ich nicht nur die Schuhe sondern auch die Socken genau unter die Lupe nehmen bevor ich rein schlüpfe.

In IIliokomi lädt mich eine nette Supermarktbesitzerin auf ein großes Schinken / Käseweckerl ein. Mit aufgefüllten Wasserflaschen verlasse ich gegen Abend das Dorf und verbringe eine romantische Nacht inmitten eines Olivenhaines.

19.08. Auch in diesem Teil Griechenlands steigen die Temperaturen derzeit noch auf ca. 35 Grad. So beschließe ich heute früher aufzustehen und mit Hilfe der Stirnlampe baue ich um 4h morgens das Zelt ab.

Morgenstimmung in Makedonien – auch die Griechen brauchen Strom!

Es steht heute eine kleine Bergetappe zum Kloster Eikosiphoinisses an, das ich um ca. 8h erreiche.

Kloster Eikosiphoinisses

Es gibt hier Kaffee und Turkish Delights (oder Lokum), eine Süßigkeit, die ursprünglich aus der Türkei stammt. Gegen Mittag erreiche ich dann die Ortschaft Agios Christoferos, wo ich derzeit Mittag mache.

Die Brombeerzeit hat hier gerade richtig begonnen – willkommene Vitamine!

Mein Freund Panagiotis aus Athen hat mir eine Schlafgelegenheit in Kavala besorgt, wo ich morgen eintreffen sollte.

25.08. Ich sitze gerade in einem Café im Hafen von Prinos auf der Insel Thassos und versuche mich an die letzten Tage zurückzuerinnern. Am Weg nach Kavala komme ich auch an der antiken Stadt Philippi vorbei, die vorher Krinides hieß. Philipp II, der Vater von Alexander dem Großen, gab ihr seinen Namen nachdem er sie erobert hatte. Auch war es der Völkerapostels Paulus, der hier in der Stadt Philippi um das Jahr 49/50 n. Chr. die erste christliche Kirchengemeinde auf europäischem Boden gründete. Ohne ihm gebe es wohl kein Christentum…

Da hat sich jemand ein kühles Plätzchen gesucht – in der antiken Stadt Philippi

Vor dem Theater in der antiken Stadt Philippi – die alte Handelsstraße Vía Egnatia führt hier direkt vorbei.

Gegen Abend erreiche dann entlang der Vía Egnatia, eine der bedeutendsten Militär- und Handelsstraßen der antiken Welt, die kleine Küstenstadt Kavala.

Blick auf die Altstadt und den Hafen von Kavala

Mein Freund Panagiotis aus Athen hat hier in jungen Jahren studiert und dementsprechend immer noch viele Freunde. Einer davon ist Kostas, bei dem ich die nächsten zwei Tage bleiben kann. Wir verbringen gemeinsam mit seiner Tochter Alexandra zwei schöne Tage in Kavala und besuchen dabei auch Alexandra im Café, in dem sie in den Ferien arbeitet. Kostas betreibt hier einen Reinigungsladen in der Altstadt wo auch noch seine Mutter lebt. Wir besuchen sie in ihrem wunderschönen Haus mit Meeresblick und bringen ihr Essen vorbei. Sie hat bereits Schwierigkeiten mit dem Gehen und ist froh, dass sich ihr Sohn um sie kümmert. Samstagabend verbringen wir in einer griechischen Taverne und verkosten die griechischen Spezialitäten und Wein von der Insel Limnos.

Mit Kostas und seiner Tochter Alexandra in einer Taverne in Kavala

Am Montagmorgen des 22. Augusts verabschieden wir uns ‚bis zum nächsten Mal‘. Ich habe mich entschlossen ein paar Badetage auf der Insel Thassos zu verbringen. Eine Fähre bringt mich nach ca. 1,5 Stunden Fahrzeit auf die Insel Thassos in den Hafen von Prinos.

Fähre von Kavala auf die Insel Thassos
Kavala im ‚Rückspiegel’…

Ca. 1 km vom Hafen in Prinos entfernt gibt es einen Campingplatz, wo ich mein Zelt aufstelle und die nächsten Tage verbringe. Die letzten drei Tage besuchte ich u.a. das Dorf Theologos, die Hauptstadt der Insel Limenas (Thassos Town) oder einfach nur den Strand und lausche dem Meeresrauschen.

Verlassenes Haus mit den typisch steinernen Dächern im Bergdorf Theologos auf der Insel Thassos

Und irgendwonn bleib i donn dort… 🙂
Die Pfirsiche werden direkt von der Ladefläche des Autos verkauft – hier im alten Hafen von Limenas
Jünger Mann (wahrscheinlich Apollo) hält einen Widder – eine 3,5 m hohe Statue aus dem 6. Jhdt vor Chr., im Archäologischen Museum in Limenas

Gestern Abend hatten wir allerdings ein starkes Gewitter mit viel Wind und Regen und es hat angenehm abgekühlt. Für mich ein Zeichen, dass es auch für mich wieder Zeit wird, aufzubrechen. Ich verbringe heute noch einen ruhigen Tag hier bevor ich morgen früh mit der ersten Fähre wieder nach Kavala ans griechische Festland zurückfahre. Von dort geht meine Wanderung nach einer kleinen Pause wieder weiter Richtung Osten von Griechenland und der Türkei.

26.08. Auch von gestern auf heute morgen hatten wir noch einmal ein starkes Gewitter mit viel Regen. Nicht gerade das was man sich am Campingplatz mit dem Zelt wünscht. Und so packe ich frühmorgens um halb sechs im Finstern das patschnasse Zelt in meinen Rucksack ein und gehe Richtung Hafen. Pünktlich um 07:15 legt dann das Schiff ab. Während uns die Möwen verfolgen, lerne ich an der Reling den Bischof Stefanos kennen.

Bischof Stefanos auf der Fahrt von der Insel Thassos nach Kavala

Er ist der Metropolit der Insel Thassos, Kavala und Thessaloniki und bereitet gerade einen hochrangigen Besuch aus Athen, Kiew und Istanbul vor.

In Kavala angekommen holt mich Kostas vom Hafen ab. Wir gehen gemeinsam zu seiner Reinigungsfirma und trinken dann noch gemeinsam einen Kaffee. Auch Kopi, seine Frau und Alexandra kommen vorbei und gegen 11h verabschieden wir uns dann.

Mit Kostas in seinem Stammcafe in Kavala

Für mich geht die Wanderung wieder weiter Richtung Osten in die Türkei. Durch 5m hohes Schilf, einigen Baumwollfeldern und Olivenhainen gehe ich jeden Tag ca. 30km.

Olivenhaine aam Weg Richtung Alexandropouli im Osten von Griechenland

Ich passiere Lagunen mit Flamingos und gelange am dritten Tag am Abend in die Ortschaft Mesi wo ich im Garten einer Tankstelle mein Zelt aufstellen kann.

Lagunen mit Flamingos am Weg nach Alexandropouli

Es ist bereits Ende August und der September naht. Es hat zwar immer noch jeden Tag ca. 32 Grad aber es weht immer ein kühlendes Lüftchen vom Meer her, was für angenehme Abkühlung sorgt.

Schlafen am Strand ist wunderschön – am Weg nach Alexandropouli

Entlang der Küste und vielen Urlaubsressorts geht es letztlich dann die letzten Kilometer nach Alexandropouli.

Leuchtturm in Alexandropouli, ein Wahrzeichen der Stadt

Ich quartiere mich hier im Hotel Park ein und werde von der Besitzerin auf eine Portion Ladyfingers (Okra) mit einem Stück Feta Käse und Brot eingeladen. Sie erklärt mir, dass heuer im Februar ihr Vater gestorben ist und die Familie jetzt überlegt wie sie das Hotel weiterführen soll. Sie arbeitet in Luxemburg als Übersetzerin bei der UNO und ihre Schwester lebt in Thessaloniki, kein leichtes Unterfangen also. Im Hotel lerne ich auch noch Gian Piero und seine Frau aus Rom kennen, die jedes Jahr hier urlauben und den Vater auch gut gekannt haben. Besonders Gian Piero ist an meiner Wanderung interessiert und lädt mich zu ihm nach Rom ein falls meine Rückkehr dort vorbei führt, wer weiß…

An einem Abend gehe ich zu einen Dermatologen, der meine Füße und die Blasen in Augenschein nimmt. Er sticht mir zwei Blasen auf, desinfiziert sie und ratet mir von den Compeed Pflastern ab. Ich könne allerdings problemlos weitergehen. Wir werden sehen wie es weitergeht damit… 🙂

Am zweiten Tag erzählt mir die Besitzerin, dass am Vorabend ihr Onkel gestorben ist und er heute begraben wird. So ist es bei den orthodoxen Christen. Hier werden die Verstorbenen gleich am nächsten Tag begraben.

02.09. Heute starte ich wieder meine Wanderung und erreiche gegen Abend den griechischen Ort Feres, wo ich mich im Hotel Anthi einquartiere. Ich gönne mir eine Dusche und genieße meinen letzten Abend in Griechenland mit einem großen Teller Gyros. Morgen geht es über die Grenze in die Türkei!

Gesamtkilometer: ca. 2.650

Fazit:

Was wäre meine Wanderung ohne Thessaloniki, den Metéora Klöstern, Kavala und der Insel Thassos gewesen. Ich habe in Griechenland ein wenig ‚Urlaub vom Urlaub‘ gemacht, wenn man das so sagen kann. Bei der guten griechischen Küche und dem Meeresrauschen durchaus angebracht. Die Preise sind allerdings auch hier in Griechenland stark gestiegen, was das Leben für viele Einheimische nicht leicht macht. Ich habe auch viel Armut gesehen. Ich hoffe das Beste für das Land und den Menschen, die hier leben. Efcharisto poli Hellas! Ihr Hellenen werdet mir lange in Erinnerung bleiben!

GRIECHENLAND (Teil 1): Polykastro – Thessaloniki – Metéora

27.07. Kalimera Hellas (Hellada) – Guten Morgen Griechenland! Wieder einmal ein neues Land und wieder eine neue Sprache, ein anderes Volk, eine andere Kultur… Es gehört zum Reisen dazu, sich immer wieder einzugewöhnen, neue Wörter zu lernen, usw…

Kalimera Hellas (Hellada) – Guten Morgen Griechenland

Im ersten kleinen Dorf lernt mir die Besitzerin des Kaffeehauses die wichtigsten Wörter, die ich in den nächsten Wochen gut gebrauchen kann: Kalimera (Guten Morgen), efcharisto poli (vielen Dank), nero (Wasser), jassu (hello, auf Wiedersehen), pschomi (Brot), usw…

Im Ort Pefkodasos lerne ich den lieben Yanni kennen, der gut Deutsch spricht und viele Jahrzehnte in Stuttgart gearbeitet hat. Er verbringt die Winter immer noch in Deutschland. Im Sommer vermisst er die Sonne und das Essen im Freien…

Mit dem lieben Yanni in Pefkodasos

Gegen Abend erreiche ich die größere Ortschaft Polykastro. Hier gibt es für das erste einmal alles was ich brauche. Neue Pflaster und eine Salbe für meine Blasen, eine lokale griechische SIM Karte und gutes griechisches Essen. Nach dem Abendessen verlasse ich den Ort mit aufgefüllten Wasserflaschen und finde unter einem alten, schön aussehenden Baum einen romantischen Platz zum Schlafen. Aber wieder wird eine Nacht nicht so ruhig und romantisch wie geplant… 🙂

28.07. Gegen 2h morgens kommt extrem starker Wind auf und als ich ins Freie krieche, wird mir mein Fehler bewusst. Ich hatte das Zelt wirklich schön unter den Baum gestellt. Nur mit dem Nachteil, dass, wenn ein morscher Ast abbricht, dieser mich eventuell bei viel Glück ins Jenseits befördert. Abbauen geht auch nicht mehr bei dem Wind. So bleibt mir nur mehr übrig, daß ich fern vom Zelt im Freien bleibe. Und bangend hoffe ich, dass der Baum stark bleibt, er bleibt es auch… Als der Wind so gegen 6h morgens nachlässt, baue ich das Zelt ab und bin froh, heil davon gekommen zu sein. Ein Anfängerfehler bei der Zeltplatzauswahl. Aber wer rechnet schon bei diesem schönen Wetter jeden Tag mit so viel Wind auf einmal? Ich rechne in der Zwischenzeit mit allem und werde mein Zelt bei keinem Wetter mehr unter so einen Baum stellen.

Dieser ‚romantische‘ Zeltplatz erwies sich dann doch als nicht ganz so romantisch…

Ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag wieder was anderes dazulerne… Die Blasen an den Füßen sind ja auch größtenteils hausgemacht. Wozu brauche ich hier Schuhe mit einer Goretex Membran wenn es eh nie regnet. Dafür unterbindet die Goretex Membran jegliche Luftzufuhr zu meinen Füßen, da freut sich aber die Haut. Blasen sind nur die logische Folge. Und ich habe wahrlich keine empfindliche Haut… In dieser extremen heißen Etappe zwischen Skopje und Thessaloniki lerne ich bis jetzt am meisten dazu!

Gegen Mittag erreiche ich eine verlassene Tankstelle in Evropos. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die noch in Betrieb ist. Der Besitzer erklärt mir in gutem Deutsch, dass sein Großvater sie noch betrieben habe als es die Autobahn nach Thessaloniki noch nicht gab und hier dementsprechend viele Autos vorbeikamen. Heute ist Evropos ein verlassenes Dorf, in dem es auch kein Geschäft mehr gibt. So bin ich froh, dass er mir zumindest die Wasserflaschen auffüllt.

Im Ort Aspros gibt es nur eine Verpflegungsstation und ich lerne eine lustige Runde Männer kennen, die quasi beim Frühschoppen sitzen, zum Teil auf leeren Bierkisten wie ich. Sie lernen mir noch ein zusätzliches Wort – – > Jammas (Prost)… 🙂

Lustige Runde in Aspros

Es ist zur Zeit immer noch zu heiß in den frühen Nachmittagsstunden zu wandern. So lege ich mich in einem anderen Kaffeehaus im Schatten auf den kalten Fliesenboden um mich abzukühlen und auszuruhen.

Ein kühler Fliesenboden sorgt während einer Mittagspause für eine kurze Abkühlung, hier im Dorf Aspros

Den Abend verbringe ich im Zelt in der Nähe der Zuggleise und man glaubt es nicht, aber ich verbringe eine ruhige Nacht!

29.07. Gut ausgeschlafen starte ich frühmorgens und frühstücke auf einer Tankstelle. Die Tankstellen sind in letzter Zeit mein Hoffnungsschimmer geworden… 🙂 Ich gehe an diesem Tag noch bis Sindos, ca. 15 km vor Thessaloniki. Hier erklärt mir wiederum ein Tankwart, dass die Gegend nicht ganz sicher sei, viele Hunde, etc… Und Zimmer gibt es auch keine hier.

So frage ich bei einem Haus mit Garten einen jüngeren Griechen, der grad den Rasen spritzt, ob ich bei Ihnen im Garten mein Zelt aufstellen könne. Nach Rücksprache mit seinem Vater wird mir Eintritt gewährt und ich fühle mich sicher in meinem Zelt.

Zeltplatz in Sindos, einem Vorort von Thessaloniki. Ein liebenswerter Grieche ließ mich in seinem Garten übernachten.

30.07. Am nächsten Morgen schlafe ich gleich bis 7h. Was es ausmacht, wenn der Körper sich sicher fühlt… Der junge Grieche begrüßt mich mit einem herzerfrischenden ‚Kalimera‘ durch das Zelt herein. Im Nu kommt er auch noch mit einem kleinen Tischchen und einem Sessel und so frühstücken wir gemeinsam griechischen Kaffee und selbstgemachten Zitronenkuchen in ihrem Garten. Dann muss er weg und ein wenig später verabschiede ich mich auch noch von seinem Vater, der mir nochmals Wasser reicht. Die Gastfreundschaft gibt es auch in Griechenland noch.

Am Vormittag gehe ich dann noch die restlichen 15 km nach Thessaloniki, uns bekannt als Saloniki. Ich solle mich hüten in Thessaloniki, gab mir gestern noch ein Tankwart mit. Die Millionenstadt Thessaloniki sei ein Dschungel und ich solle aufpassen nicht überfallen zu werden. Wieviele solche Hinweise hab ich schon bekommen auf dieser Wanderung, ich habe aufgehört zu zählen… Aufpassen muss man allerdings überall, das ist meine Devise.

In Thessaloniki angekommen quartiere ich mich im ‚Zeus is loose‘ hostel ein – – > https://www.zeusisloose.com/

‚Best place in town‘ wurde mir von Alex, einem französischem Pilger, empfohlen und er sollte Recht behalten. Zentral gelegen, ruhig, sauber und tolle Roof top bar mit Blick auf die Altstadt!

Mein größtes Anliegen ist es hier denselben Schuh zu bekommen, den ich jetzt verwende, nur ohne Goretex Membran. Und nach etwas Suchen werde ich in einem Shop fündig.

Auch ein neues Leibchen habe ich erstanden – das alte löste sich auf…

Der Schuh sollte in den nächsten Tagen von Athen hierher geliefert werden. Ich dusche mich, wasche meine Wäsche und schlafe…

31.07. Heute ist Sonntag und ich besuche einen Gottesdienst. Dann erklärt mir die sehr hilfsbereite Fou von der Rezeption, dass auch am Sonntag hier Apotheken offen haben. Ich decke mich mit Arzneimitteln für meine Blasen ein und werde jetzt einmal längere Zeit pausieren. Meine Füße und ich selber werden es mir danken! Außerdem habe ich das Meer erreicht – ein weiterer Grund zum Rasten, Erholen, Feiern und Genießen.

Demetrioskirche – sie ist dem Schutzheiligen der Stadt Demetrios gewidmet und wichtigste Kirche in Thessaloniki.

Sterbliche Überreste des Heiligen Demetrios in der Demetrioskirche

01.-06.08. Während dieser Tage habe ich mich verliebt!

Sie ist romantisch, voller Überraschungen und verführt mich immer wieder mit ihrer Schönheit! Sie heißt Thessa und ist keine schwarzhaarige Griechin! Thessa ist die liebevolle Bezeichnung der Griechen für ihre Stadt Thessaloniki… 🙂

Weisser Turm, einer der 7 noch erhaltenen Türme in Thessaloniki und Wahrzeichen der Stadt – beliebter Treffpunkt für ein Pläuschchen

Hagia Sophia – die ’schöne‘ Kirche in Thessaloniki
Gewürze in Hülle und Fülle auf den Märkten von Thessaloniki
Granatapfel in einem der vielen Gärten in Thessaloniki

Galeriusbogen und die dahinter liegende Rotunde des Galerius – Relikte aus der Römerzeit unter Kaiser Galerius im 4. Jahrhundert. Der Galeriusbogen war einst das Haupteingangstor zur Stadt.

Mosaiken aus dem 4. Jahrhundert in der Rotunde des Kaisers Galerius. Sie wurde ursprünglich wahrscheinlich als Mausoleum gebaut, dann als Kirche genützt und später von den Osmanen zu einer Moschee umfunktioniert. Seit 1917 dient sie als Museum.

Wunderschöne Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert in der byzantinischen Hagios Nikolaos Orfanos Kirche – Hier das Begräbnis vom Heiligen Nikolaus

Und noch eine Freskomalerei aus dem 14. Jahrhundert in der Hagios Nikolaos Orfanos Kirche – hier der Heilige Georg, einer der 14 Nothelfer.
Heptapyrgion in der Oberstadt – Festung und Sitz der Garnison des Osmanischen Reiches bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Diente später nach der Befreiung von den Osmanen bis ca. 1990 als Gefängnis. Jetzt ist es ein Museum, das besichtigt werden kann.
Blick von der Oberstadt auf den Hafen von Thessaloniki – die Stadtmauern aus byzantinischer Zeit begrenzten einst die Stadt.
Mein persönlicher Favorit im Fotografischen Museum im Hafen von Thessaloniki
Abendstimmung beim Trigonenturm in der Oberstadt
Es lebe der Rembetiko, auch als griechischer Blues bekannt – Zwei Musiker mit ihrer Bouzouki (griechisches Lauteninstrument) und Gitarre in der Nähe des Trigonenturms.
Interessantes Bieretikett der Biersorte ‚Nymph‘ – ein in Thessaloniki gebrautes Bier

Die Stadt liegt in einem der geschütztesten Mittelmeerhäfen und besteht aus einer Oberstadt (Ano poli), von wo man von der Burg (Akropolis) einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den dahinter liegenden Berg Olymp hat.

Blick vom Kloster Vlatades auf die Altstadt von Thessaloniki

Kloster Vlatades aus dem 14. Jahrhundert. Das einzige noch bewohnte und betriebene Kloster in Thessaloniki.
Fresko aus dem 14. Jahrhundert im Kloster Vlatades.
Vlnr: Hl. Stefan, hl. Georg (eh klar.. :-)), hl. Demetrios (Schutzheiliger der Stadt) und hl. Johannes.

Unzählige byzantinische Kirchen, Märkte mit buntem Treiben, Einkaufsstraßen für alle Geschmäcker, aber auch Museen und ein interessantes Nachtleben laden hier zum Verweilen ein.

Geburtshaus von Mustafa Kemal Atatürk – Gründer der Republik Türkei im Jahre 1923.
Verschiedene Portraits von Mustafa Kemal Atatürk
Silber- und Goldmünzen aus dem Zeitalter als Makedonien ein großes Reich war, ca. 3 – 4. Jhdt vor Chr. – Im Archäologischen Museum von Thessaloniki.

Alexander der Große Statue am Quai von Thessaloniki – ehemaliger König von Makedonien (356 – 323 v. Chr.)
‚Umbrellas‘ Kunstwerk – beliebtes Fotomotiv am Quai von Thessaloniki

Auch das ist ‚Thessa’…
Statue des Eleftherios Venizelos (1864-1936) im Zentrum Thessalonikis – ehemaliger Premierminister Griechenlands. Unter seiner Führung wurde Kreta mit Griechenland vereinigt. Er gilt als größter Politiker Griechenlands in der Neuzeit. Im Hintergrund ganz links das blauweisse Hostel ‚Zeus is loose‘.
Ein Mural im Ausgehviertel Ladadika – hier steppt am Abend der Bär.

Für ein Tratscherl ist immer Zeit

Zumittag gehe ich immer zu Theodor essen. Sein kleines Lokal befindet sich gleich neben dem Hostel und er verwöhnt mich jeden Tag mit neuen griechischen Gerichten. Als Nachspeise gibt es immer Wassermelonen, die gut für den Durst geeignet sind.

Theodor in seiner Küche!

Im ältesten Trekkingsshop Griechenlands – – > Petridi Stores, Karolou Ntil 27, Thessaloniki 546 23

–> https://g.co/kgs/xDnyWN

decke ich mich wieder mit Reparaturkit für meine Isomatte und Zelt ein. Maria, die Tochter des Geschäftsinhabers, versorgt mich mit allem Notwendigen und gibt mir auch noch gute Tipps für die Metéora Klöster. Sie kommt auch öfters nach Schladming snowboarden, wer weiß vlt. gehen sich ja einmal ein paar gemeinsame Schwünge in Österreich aus. Nach einigen Tagen kommen die neuen Schuhe aus Athen, sie passen.

Geht doch auch ohne Goretex Membran, oder? Mein neuer Schuh aus Athen passt genau.

Und letztlich finden meine alten Schuhe auch noch einen würdigen Abnehmer. Als ich Olli, einen jungen Engländer, in der Hostellobby an seinem Fahrrad herumschrauben sehe, frage ich ihn ob er Schuhe brauche. Er fragte nach der Größe und sie passten genau!

Olli mit seinem Fahrrad im ‚Zeus is loose‘ hostel – er befindet sich auf einer Weltumrundung. Die Schuhe passten genau…

Er plant gemeinsam mit seinem Freund die Welt in den nächsten Jahren zu umfahren. Sie fahren für eine charity, hier ihr Instagram Profil, auf denen man ihnen folgen kann – – >

https://instagram.com/marcus.oli.world.tour?igshid=YmMyMTA2M2Y=

Ich werde hier noch bis Sonntag bleiben und überlege gerade einen eventuellen Abstecher zu den Metéora Klöstern zu machen bevor meine Wanderung im Norden Griechenlands Richtung Türkei weitergeht. Wir werden sehen…

06.08. Ich entschloss mich nun doch für einen Besuch der Metéora Klöster. Sie liegen ca. 200 km westlich von Thessaloniki in der Region Thessalien in der Nähe des Pindos Gebirges. Ich quartiere mich im Campingplatz Vrachos in Kastraki ein und erkundige für die nächsten drei Tage zu Fuß die Gegend. Am ersten Abend sollte ich gleich wieder einmal auf Abwegen kommen. Ein Einheimischer erklärt mir, dass es zwischen den Felsen einen Pfad zur nächsten Ortschaft Kalambaka gibt. Es wird letztlich eine Kletterei (die neuen Schuhe bewähren sich gleich einmal :-)) und durchschwitzt erreiche ich die ersten Häuser von Kalambaka.

Durch diese Schlucht geht es nur mit Klettern von Kastraki in die Ortschaft Kalambaka, von dem man schon die ersten Häuser sehen kann. Es dauerte allerdings noch ca. 1 Stunde bis ich diese Häuser erreichte…

Wenig später bricht ein Gewitter mit starkem Regen herein. Ich betrachte das Treiben geschützt von der überdachten Terrasse einer griechischen Taverne. Ein Kerzerl musste ich allerdings dann doch später, als sich wieder alles gelegt hatte, in der Agios Giorgios Kirche anzünden. Dieses Gewitter in der Schlucht bei der Kletterei, ich möchte nicht einmal denken daran… Glück brauchst du wirklich immer!!! Gewarnt gehe ich es dann in den folgenden Tagen etwas ruhiger an…

Campingplatz Vrachos im beschaulichen Ort Kastraki
Ortschaft Kastraki am Fuße der steil aufragenden Sandsteinfelsen

Ich starte meist zum Morgengrauen um ca. 6h und genieße die Ruhe mit den vielen Felsen und Klöstern bevor es um ca. 9h geschäftiger wird. Auch nach 17h, wenn die Besuchszeiten der Klöster enden, kannst du noch den Zauber von Metéora erleben. Die Klöster gehören zum UNESCO Weltkulturerbe und sind daher dementsprechend stark besucht.

Bereits im 11. Jahrhundert wurden die ersten Einsiedeleien in Metéora gegründet. Als es immer mehr wurden, gab es den ersten Zusammenschluss und es bildete sich das Kloster Doúpiani heraus. Mit der Ankunft des geflohenen Mönchs Athanasios, auch Meteoritis genannt, im Jahr 1334 begann die eigentliche Entwicklung des Klosterlebens. Der ganzen Region gab er daraufhin den Namen. Der Mönch Athanasios floh vom heiligen Berg Athos auf der Halbinsel Chalkidiki vor türkischen Überfällen, die im 14. Jhdt. begannen. Er war 1356 der Begründer des Klosters Metamorphosis, dem größten und wichtigsten Metéora Kloster. Der Name Metéora leitet sich ab vom griechischen Wort „meteoros“, was so viel bedeutet wie „hoch schwebend“.

Die Klöster wurden auf bis zu 400 Meter steil aufragende Sandsteinfelsen erbaut und scheinen bei dunstiger Luft tatsächlich manchmal in der Luft zu schweben. Es gibt insgesamt 24 Klöster, von denen derzeit noch 6 Klöster (4 von Mönchen und 2 von Nonnen) bewohnt sind. Mit den folgenden Bildern stelle ich Euch die 6 noch bewohnten Klöster ein wenig vor.

1. Kloster Metamorphosis, auch Kloster des Großen Meteoriten genannt. Es ist das größte und wichtigste Kloster der Region.
Im Inneren des Metamorphosis Klosters, des Klosters des Großen Meteoriten
Einer der 3 Mönche im Kloster des Metamorphosis Klosters, des Klosters des Großen Meteoriten

2. Varlaam Kloster in der Nähe des Klosters des Großen Meteoriten. Es ist nach dem Mönch Varlaam benannt, der ca. 1350 sehr asketische Bräuche hier lebte. Heute leben noch 6 Mönche im Kloster.

Morgenstimmung am Kloster Varlaam

3. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen das Kloster Rousanou – ein Nonnenkloster. Derzeit leben noch 7 Nonnen darin.

Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert waren die Klöster praktisch unzugänglich. Mensch und Waren wurden mit Seilwinden und in Netzen zu den Klöstern hinaufgezogen. Überreste dieser Transportsysteme kannst du noch heute an manchen Klöstern bewundern. Mittlerweile haben alle bewohnten Klöster einen Treppenzugang und sind somit leicht zu erreichen.

4. Das Kloster Agios Nikolaos Anapafsas (Heiliger Nikolaus Anapavsos) inmitten der steil aufragenden Sandsteinfelsen. Es lebt derzeit nur mehr 1 Mönch hier.
5. Agia Triada Kloster – Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit. Es wurde 1981 weltberühmt als Drehort für den James Bond Film ‚In tödlicher Mission‘. Auch in diesem Kloster lebt derzeit nur mehr 1 Mönch.

6. Kloster des Heiligen Stefan – ein Frauenkloster. Es leben derzeit noch ca. 30 Nonnen im Kloster.

Eine der ca. 30 Nonnen, die noch im Kloster des Heiligen Stefan wohnen.

Das Ypanatis Kloster wurde bereits 1367 gegründet und ist eines der ältesten Klöster in Metéora. Es ist nur auf schmalen Pfaden zu erreichen und nicht mehr bewohnt.
Abendstimmung über Metéora
Blick vom Metamorphosis Kloster auf das Varlaam, Rousanou und Agia Triada Kloster

11.08. Seit gestern bin ich wieder in Thessaloniki und ich bin immer noch begeistert vom Zauber der Metéora Klöster. Ich hoffe Thessa wird nicht eifersüchtig!:-)

Gesamtkilometer: ca. 2.200

Fazit: Griechenland ist für mich das Land der Sonne und Olivenbäume. Die Griechen wissen zu leben. Es ist ein eigenes Lebensgefühl – gutes Essen im Freien, das Meer, die mediterran aussehenden und liebenswerten Menschen. Für mich ist es auch Zeit hier ein wenig inne zu halten, zu genießen, zu feiern, mich zu erholen und mich für die nächste Zeit zu stärken. Efcharisto poli Hellas! – Vielen Dank Griechenland!

NORDMAZEDONIEN (Skopje – Veles – Negotino – Demir Kapija – Gevgelija)

16.07. Nach dem Grenzübergang ging es vorerst einmal ca. 12 km entlang der Hauptstraße zu einer Tankstelle wo ich mich stärke. Und das bei 38 Grad Aussentemperatur, was man so halt macht an einem Samstagnachmittag… 🙂

Neues Land, neues Abenteuer – wie hier mit Nordmazedonien

38 Grad Aussentemperatur, die Spritpreise lassen mich hingegen kalt.. 🙂

Da es bis Skopje noch zu weit ist um heute dort anzukommen, gehe ich bis ca. 15km vor der Hauptstadt von Nordmazedonien und komme bei einer Kirche vorbei. Nach genauer Inspektion ist das ein wunderschöner Schlafplatz, denke ich mir. Ich kaufe in einem Minimarkt noch Lebensmittel ein und verbringe einen ruhigen Abend bei dieser Kirche am Stadtrand von Skopje.

Blick auf Skopje, der Hauptstadt von Nordmazedonien

17.07. Nach einem Frühstück gehe ich frühmorgens bei ungleich angenehmer Temperaturen nach Skopje. Bei einem Aquadukt vergehe ich mich ein wenig bevor ich beim ersten Kaffeehaus gleich 2 Macchiatos mit viel, viel Wasser trinke.

Kaffeeplausch mit 2 Kosovaren, die in Skopje leben und arbeiten

Der Kellner und sein Freund sind ursprünglich aus dem Kosovo und sind hier, weil es hier in Skopje mehr und bessere Jobmöglichkeiten gibt als bei ihnen zuhause im Kosovo. Auch hier geht die Gastfreundlichkeit weiter und der Kaffee geht auf das Haus…

Über den osmanischen Teil der Hauptstadt von Nordmazedonien gelange ich über eine Steinbrücke zum Mazedonischen Platz, dem Hauptplatz der Stadt.

Mustafa Pascha Moschee in Skopje

Mustafa Pascha Moschee in Skopje

Grabstein eines Derwisch außerhalb der Mustafa Pascha Moschee in Skopje

Vor den Toren Skopje’s, der Hauptstadt von Nordmazedonien. Es waren bisher ca. 1.800 km von zuhause bis hierher.

In der ca. 500 Jahre alten orthodoxen Sveti Spas Kirche in Skopje – Kirche der Himmelfahrt Jesu

In der Zwischenzeit habe ich mich im zentral gelegenen Shanti Hostel einquartiert. 11€ für ein Bett im 8 Bettzimmer, inkl. Frühstück und mit Mischa (Dimitry) eine echte Bereicherung. Während ich hier im Restaurant Kalabalak sitze und eiskalten Macchiato schlürfe, wird meine Wäsche im Hostel gewaschen.

Pindjur – ein traditionneller und beliebter Sommersalat auf dem Balkan. Besteht aus einem Mix aus Paprika, Tomaten, Auberginen und Knoblauch. Dazu Ziegenkäse und geröstetes Brot, schmeckt hervorragend!

Ich werde hier ein bisschen verschnaufen bevor es weiter geht Richtung Griechenland. Die Grenze zu Griechenland liegt ja nur mehr 180 km entfernt! Wie schnell ging das denn? Fast zu schnell… 🙂

In frisch gewaschener Hose, etc verbringe ich den Abend im alten Basar im osmanischen Stadtteil von Skopje.

Unzählige Statuen in Skopje – ein Zeichen der Korruption im Lande wie ich später in einer geführten Tour erfahre

18.07. Mischa hatte mir empfohlen unbedingt die Matkaschlucht zu besuchen. Mit der Buslinie 60 fahre ich bereits um 7h in Richtung Matka. Der Fluß Treska wird hier zu einem Stausee aufgestaut. Nach einem Espresso gehe ich ca. 1 Stunde inmitten eines wunderschönen Canyons zu einer Tropfsteinhöhle von wo mich ein Boot zurück zum Ausgangspunkt nimmt.

Sveti Andrej Kloster in der Matkaschlucht

Tropfsteinhöhle in der Matkaschlucht

Dann kaufe ich mir ein reguläres Ticket um 500 maz. Dinar (60 Dinar = 1€) mit dem ich die Bootsfahrt noch einmal genießen kann und besuche auch die Tropfsteinhöhle. Auf der anderen Seite des Flusses gehe ich dann noch zur Sveti Nikola Kirche hinauf und von dort auf der Rückseite zurück zur Busstation. Es ist ein schöner Tagesausflug von Skopje und viele Einheimische kommen auch hier raus um der Hitze in der Stadt zu entgehen. Im Hostel gibt mir Mischa dann den Gästelaptop auf dem ich wieder einmal meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick sichere. Am späten Abend beschließe ich noch einen Tag länger hier zu bleiben. Skopje, das am Fluss Vardar liegt, gefällt mir mit seinen ca. 550.000 Einwohnern sehr gut und ich kann hier auch wieder einmal länger die Vorzüge einer Stadt genießen.

19.07. Während alle im Hostel noch schlafen gehe ich heute um 6h wieder in den osmanischen Stadtteil wo ich mir einige Moscheen und einen Markt anschaue.

Morgenmarkt im osmanischen Stadtteil in Skopje

Gegen 8h frühstücke ich wieder einmal eine Burek mit Ayran, das ich in der Zwischenzeit irgendwie zu jeder Tageszeit einmal esse. Täglich um 10h startet vor dem Mutter Teresa Memorial Haus eine gratis geführte, ca. 3-stündige Tour (Spenden willkommen) zu Fuß zu den zentralen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Gratis geführte Stadttour in Skopje – Hier in der Mazedonienstraße, der Hauptstraße Skopje’s. Unser lustiger guide Miha in seinem Element. Spenden sind willkommen!

Statue von Mutter Teresa (1910 – 1997) vor dem ihr gewidmeten Memorial Haus in Skopje. Sie widmete den Großteil ihres Lebens den Armen in Kalkutta (Indien), wo sie auch begraben ist.

Unser guide Miha macht das wirklich sehr gut und lustig und meint dann auch, daß es mit ’nur‘ 32 Grad derzeit der kühlste Sommer seit ca. 15 Jahren ist. Naja, schon sehr kühl 32 Grad… 🙂 So zwischendurch erklärt er uns auch wieso es in dieser Stadt soviele Statuen gibt. Die Regierung sei korrupt und ‚erklärt‘ der Bevölkerung, dass diese Statuen alle sehr, sehr teuer seien. In Wirklichkeit sind sie weit billiger und die Differenz wandert in ihre eigene Taschen… Dasselbe auch mit den vielen Casinos im Land. Es gebe so gut wie keine Spieler im Land, sie dienen nur der Geldwäsche… 1963 hat die Stadt ein schweres Erdbeben getroffen bei dem ca. 80 Prozent der gesamten Bausubstanz zerstört wurde, ca. 1.000 Menschen starben dabei,mehr als 200.000 Leute wurden obdachlos. Unter Tito’s Regierung wurde damals die Stadt wieder mit Hilfe auch von der damaligen Sovietunion und den USA aufgebaut. Eine Besonderheit damals während des Kalten Krieges.

‚Warrior on a horse‘ Monument am Mazedonischen Platz (Hauptplatz) in Skopje. Der Krieger hier am Pferd ist kein Geringerer als Alexander der Große, der hier als Mazedonier verehrt wird. Die Griechen sehen das anders…

Diesen beiden aus Saloniki stammenden Brüdern Kyrill und Methode haben wir das kyrillische Alphabet zu verdanken. Sie waren byzantinische Gelehrte und Priester und betrieben im 9. Jahrhundert die christliche Missionierung slawischer Völker. Sie übersetzten die Bibel aus dem Lateinischen in die slawische Sprache und brachten die Bibel so der slawischen Bevölkerung nahe.

Interessantes Postgebäude in Skopje – Brutalismus in Reinkultur

Wie schon öfters auf früheren Reisen in muslimische Länder verbringe ich heute die heißen Mittagsstunden in einer Moschee, diesmal in der ca. 500 Jahre alten Mustafa Pascha Moschee. Gegen 16:30 kommen dann die Gläubigen zum Gebet und sie erlauben mir dabei zu sein.

‚Coole‘ Musik und Publikum im Café Monfrere im alten Basar von Skopje

Am Abend treffe ich noch im alten Basar türkische Touristen aus Istanbul und Konya und wir trinken gemeinsam Cay, türkischen Tee. Letztlich tauschen wir auch noch Kontakte aus und sie laden mich ein sie zu besuchen wenn ich in diese Städte komme. Dankend nehme ich an, es ist allerdings noch ein weiter Weg bis dorthin…

20.07. Heute habe ich mir das 66 Meter hohe Millenniumskreuz (oder Jahrtausendkreuz) am Vodno Berg vorgenommen. Von hier oben soll es einen schönen Blick über die Stadt geben. Ein roter Doppeldeckerbus (made in China und nicht in UK!, wie uns gestern Miha bei der Tour erklärt hat) der Linie 25 bringt mich vom Hauptbusbahnhof zur Talstation eines Sessellift, erbaut von ?… der Fa. Doppelmayer aus Österreich. Hier warte ich gerade noch ca. 30 Minuten, da die Bahn täglich ausser Montag den Betrieb erst um 10h aufnimmt.

Millenniumskreuz am Vodno Berg außerhalb von Skopje – das 66 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt wurde 2002 als Denkmal für 2000 Jahre Christentum in Mazedonien erbaut.

Blick auf Skopje vom Millenniumskreuz in Skopje

In der Zwischenzeit sitze ich schon heroben am Vodno Berg und genieße die Aussicht auf Skopje. Heute ist mein letzter Tag hier in der Hauptstadt Nordmazedoniens, morgen gehe ich weiter Richtung Griechenland.

Am Abend lasse ich die 4 Tage in Skopje bei einem Bierchen am Ufer des Vardar revue passieren. Diese Stadt wurde in den letzten Jahren etwas verschönert, vor allem mit unzähligen Brücken, Statuen und Denkmälern. Dazu kommt ein noch relativ authentisch wirkender osmanischer Stadtteil, der gute und preiswerte Ausgehmöglichkeiten bietet.

21.07. Frühmorgens schleiche ich mich aus dem Schlafraum des Shanti Hostels und frühstücke auf dem Bahnhof. Nach längeren Pausen komme ich immer wieder besser voran, die Temperaturen legen allerdings zu. So mache ich in Oreshani vor einem kleinen Minimarkt eine längere Mittagspause und schlafe im Schatten.

Mittagspause in Oreshani

Einheimische warnen mich dann noch vor so einigen Gefahren im Land und letztlich schlafe ich auf einer Anhöhe in der Nähe der Autobahn Richtung Thessaloniki.

22.07. Seit ich Skopje verlassen habe erinnert mich die Landschaft immer mehr an Griechenland. Felsige Berghügel, karge Vegetation und niedrige Bäume. In Veles erblicke ich in einem Garten den ersten Zitronenbaum und die Schildkröten werden immer mehr auf den Straßen. Ich kann Griechenland schon riechen! In Veles lädt mich ein freundlicher Einheimischer in seine Motorrad Werkstatt ein und wir trinken gemeinsam Cola.

Mit einem einheimischer Motorradmechaniker in seiner Werkstatt – er gab mir Cola zu trinken und füllte meine Wasserflaschen auf – vielen Dank!

Autos der Marke ‚Yugo‘ finde ich immer wieder interessant, hier ein Koral 55 (dh er hat 55PS). Sie verschwinden leider immer mehr vom Straßenbild. Dieser Kleinstwagen wurde von 1981 bis 2008 von der jugoslawischen (und später serbischen) Firma Zastava produziert und wurde damals sogar für einige Jahre als einziges osteuropäische Auto erfolgreich in die USA exportiert.

Letztlich gehe ich spät abends noch etwas weiter bis ich zu einer Autobahntankstelle komme. Es ist eine außergewöhnlich moderne Tankstelle und es gibt auch einen Duschraum für die LKW Fahrer. Die Verkäuferin versichert mir, dass außerhalb der Tankstelle Kameras montiert sind und so das Zelten auf der Grünfläche absolut sicher sei. So stelle ich mein Zelt neben all den LKWs auf, gehe duschen und trinke zufrieden einen Macchiato.

Moderne Tankstelle mit eigenem Duschraum

23.07. Dieser Tag geht in die Annalen ein. Es ist einfach nur mehr heiß hier mit Tageshöchsttemperaturen von jenseits der 40 Grad. Das Gehen fällt immer schwerer…

Die Pfirsiche werden reif – immer willkommene Abwechslung!

Nach knapp 40 km erreiche ich spätabends Negotino wo mich Buben zu einem Fußballplatz in der Nähe der Polizeistation bringen. Ich stelle hier mein Zelt auf und bedanke mich bei den Buben. Ich schlafe bereits als so gegen Mitternacht Lärm neben meinem Zelt entsteht und Jugendliche mein Zelt mit Cola- und Fantadosen bewerfen. Gefolgt von ‚Sorry, sorry‘ Rufen und Gekicher… Nach ca. 1 Stunde beruhigt sich das Ganze wieder und ich ’schlafe‘ noch mit einem Auge bis ca. 5h bevor mich der Hund vom Platzwart weckt. Eine ruhige Nacht halt wie man sich das eben wünscht…

24.07. Heute ist Sonntag und bevor ich Negotino verlasse finde ich noch eine Bäckerei wo ich Käse Burek mit Joghurt frühstücke. Am Weg nach Demir Kapija warnt mich noch ein Einheimischer, dass es auf meiner Richtung, in die ich gerade gehe, aus irgendeinem Grund kein Weiterkommen gebe. Ich denke bereits an Waldbrände und solche Sachen, glaube ihm allerdings letztlich nicht und gehe weiter. Es ist heute drückend heiss und ein älteres Ehepaar bietet mir eisgekühltes Wasser und Weintrauben an. Dankend nehme ich an und erhole mich in ihrem schönen Garten von der sengenden Hitze. Wahrscheinlich meinte der Einheimische die Berge, die zu überwinden waren.

Sengende Hitze macht zu schaffen, jeder Schatten ist willkommen, hier ein Autobahntunnel

Kurz vor Demir Kapija gibt es ein schönes Weingut, in dem ich die Mittagspause verbringe. Ich spüre heute zum ersten Mal leichte Kopfschmerzen und trinke viel. Letztlich lege ich mich für ca. 2 Stunden in den Schatten. Gegen Abend fühle ich mich dann wieder etwas besser und gehe noch in den Ort Demir Kapija. Hier kaufe ich bei einer Tankstelle Proviant für heute Abend und morgen früh, da die nächste Ortschaft ca. 20km entfernt liegt. Die Straße führt jetzt entlang den Gleisen Richtung Saloniki. Kurz vor Dämmerung erscheinen fünf Gestalten am Horizont und als sie näher kommen entpuppen sie sich als Marokkaner, die Richtung Serbien unterwegs sind.

5 Marokkaner am Weg nach Serbien und Italien zu einem ‚besseren‘ Leben

Es sind die ersten Flüchtlinge, die mir hier begegnen. Sie sind ohne Pass unterwegs und gehen hauptsächlich abends wenn es nicht so heiß ist. Später kommen mir dann noch mehr Marokkaner entgegen und ich beschließe mich dann so gegen 20h in die Büsche zu schlagen. Als ich ein geeignetes Plartzerl finde merke ich, dass diese Idee schon jemand anderer hatte. Es sind Nicole und Pascal, ein junges Pärchen aus Berlin, die seit 3 Monaten mit ihren Fahrrädern den Balkan unsicher machen und Ende September Tiflis, die Hauptstadt Georgiens, erreichen wollen. Am Abend frischt es ordentlich auf und in der Ferne gibt es ein schönes Wetterleuchten.

25.07. Als ich um 6h das Zelt abbaue, sind auch die beiden schon munter und wir tauschen noch Nummern aus um gegebenenfalls ein gemeinsames Bierchen in Thessaloniki zu trinken, etc… Ich gehe dann los und kurze Zeit später überholen sie mich, bis Saloniki dann! Doch es sollte anders kommen… Ca. 1 Stunde nachdem wir uns verabschiedet haben tauchen die beiden wieder am Horizont auf. Unter schattenspendenden Bäumen und in der Nähe einer Wasserquelle flicken beide ihre Reifen. Eine Routineaktion für die beiden…

Nicole und Pascal beim Flicken ihrer Reifen

Ich mache ca. eine halbe Stunde Halt bei Ihnen bevor ich wieder weitergehe. Bis Thessaloniki oder so, wer weiß das schon so genau… Am Weg nach Miravci treffe ich nochmals Marokkaner, die am Weg nach Norden sind. Ich gehe quasi in die falsche Richtung… 🙂

Marokkaner am Weg nach Serbien und Westeuropa. Wenn ich mir ihre Ausrüstung anschaue komme ich mir privilegiert vor.

Ich sitze derzeit in einem Restaurant in Miravci und werde so gegen 17h wieder weitergehen. Qui va doucement va loin –> langsam aber sicher !

Die Nacht verbringe ich an einem romantischen See und eine Einheimische versorgt mich nochmals mit Wasser und Lebensmitteln.

26.07. In der Früh merke ich, dass sich eine zusätzliche Blase gebildet hat. Es ist wohl die grosse Hitze hier, die im Schuh durch das Schwitzen soviel Feuchtigkeit entstehen lässt – – > beste Voraussetzungen also dafür! In Saloniki werde ich den Füssen etwas Ruhe gönnen… Nach ca. einer halben Stunde ist mein Zelt in der Zwischenzeit abgebaut und auch der Rucksack gepackt. Beim Weggehen treffe ich noch einen Einheimischen und er ist der erste, der mich für einen Migranten hält… 🙂 er hat ja nicht so Unrecht, nur gehe ich in die falsche Richtung! Als ich ihm sage, dass ich aus Österreich komme und Richtung Griechenland unterwegs sei, entspannt sich sein Gesichtsausdruck wieder deutlich.. :-)))

Dieser Bauer hielt mich als Erster ernsthaft für einen Migranten am Weg nach Norden. Als ich ihm sagte woher ich komme und wohin ich wollte kam wieder ein Lächeln in sein Gesicht… :-)))

Durch schöne Landschaft gelange ich letztlich so um 18h an die Grenze zu Griechenland. Wieder ist es eine moderne Tankstelle, die Duschen anbietet und ich kann mich so etwas erholen. Am Autoparkplatz erspähe ich ein paar Quadratmeter Rasenfläche wo ich mein Zelt aufstelle und eine ruhige Nacht verbringe.

Gesamtkilometer: 2.110

Fazit: Mazedonien oder jetzt seit 2019 offiziell Nordmazedonien hat immer noch stark mit Korruption der Regierung, etc zu kämpfen. So sind viele Menschen hier frustriert und wollen einfach weg um ein besseres Leben im Ausland zu finden. Für mich persönlich war es das bisher heißeste Land mit Tageshöchsttemperaturen von jenseits der 40 Grad und wohl auch damit der schwierigste Streckenabschnitt bisher. Die Gastfreundschaft lebt allerdings auch hier wie bisher überall am Westbalkan. Vielen Dank für die schöne Zeit!

Kosovo (Leposavic – Vuca – Mitrovica – Obilic – Pristina – Gračanica – Janjevo – Giljani – Letnica – Smirë – Kacanik)

07.07. Nach einer ruhigen Nacht an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo gehe ich heute die letzten paar Kilometer entlang einer Schnellstraße an die Grenze.

An der Grenze zwischen Serbien und Kosovo – die Nummerntaferln werden fleißig abgeklebt

Hier wundere ich mich warum alle Autofahrer Teile ihrer Nummerntaferln abkleben. Später in einem Café wird mir erklärt, dass dies seit 2021 so von der serbischen und kosovarischen (kosovoalbanischen) Regierungen angeordnet sei. Es gab 2021 wieder einmal Zwischenfälle…

Mit weißen Streifen abgeklebtes serbisches Nummerntaferl

Im nördlichen Teil des Kosovo (nördlich des Flusses Iber), in dem vor allem immer noch Serben wohnen, dürfen Serben ihre 3 Buchstaben (SRB) und das Nationalsymbol vom Nummerntaferl nicht öffentlich zeigen. Umgekehrt auch Leute aus dem Kosovo nicht die 3 Buchstaben (RKS) in Serbien. Serbien, und auch manch andere Länder wie Griechenland, Spanien, Slowakei, Russland und China haben ja nach wie vor nicht die Rechtsstaatlichkeit des Landes Kosovos anerkannt. Offiziell erklärte Kosovo als ehemalige Teilregion von Serbien 2008 seine Unabhängigkeit. Nach dem Kosovo Krieg von 1998 bis 1999, der damit endete, dass die NATO Serbien Angriff um so der albanischen Bevölkerung im Kosovo zu helfen, erhielten die Kosovaren (zu fast 90% Kosovo Albaner) ihr eigenes Land. Die Lage an der Grenze zwischen Serbien und Albaner ist nach wie vor angespannt. KFOR (Kosovo Force) Einheiten, von der NATO aufgestellte Einsatztruppen, sichern im Kosovo immer noch den Frieden ab. Amtssprachen sind Serbisch und Albanisch. Das ca. 1,9 Mio Einwohner zählende Land wird von einer Kosovo-albanischen Regierung geführt, Hauptstadt ist Pristina.

Genug der Politik jetzt, aber irgendwie ist es Thema Nr. 1 wenn Du in dieses Land kommst… Am Weg nach Lesak sehe ich auch gepanzerte Polizeiautos, für den Fall der Fälle.

Gepanzerte Polizeiautos in der Nähe der Grenze zu Serbien

In Leposavic mache ich schließlich Mittagspause und in einem Café erklärt mir dann eben ein Pärchen die Story mit den Nummerntaferln. Am Weg Richtung Vuca passiere ich noch ein KFOR Camp wo ich mit einem jungen Amerikaner aus Virginia rede. Er sei schon lange hier, meinte er und wolle auch einmal Österreich sehen. Weitere Fotos ließ er letztlich nicht mehr zu.

KFOR (Kosovo Force) Camp Nothing Hill im Norden des Kosovo

Landschaft im Norden des Kosovo

Lieber Serben vor Vuca, im Norden des Kosovo

Lieber Serbe vor Vuca. Im Sack waren leere Maiskolben.

Ziemlich müde stelle ich in Vuca in der Nähe der Kirche mein Zelt auf und esse auf einem Parkbankerl mein mitgebrachtes Burek.

Meine erste Nacht im Kosovo – diesem Zeltplatz hatte ich noch einen lustigen Abend zu verdanken!

Plötzlich sehe ich, dass sich 2 Männer für mein Zelt interessieren. Später kommt einer davon zu mir und ich erkläre ihm in meinem spärlichen Serbisch die Situation. Daraufhin nimmt er mich mit in das Haus seines Vaters Stanko und es wird einer dieser langen und lustigen Abende wie ich sie schon des öfteren auch in Serbien erlebt habe.

Die Gastfreundschaft geht weiter – hier in Vuca im Norden des Kosovo

Dexi, eine Deutsche aus dem Sauerland, erklärt mir, dass wir hier immer noch offiziell in Serbien sind, es lebe der Nationalismus. Und es sei halt nicht so üblich, dass hier in dieser Gegend wo ein Zelt steht… 🙂 Auf NATO und EU sind sie nach wie vor nicht gut zu sprechen und ich erfahre an diesem Abend auch von Stanko, dass Boris Johnson abgedankt hat. Ganz zu seiner Freude, und nicht nur zu seiner… 🙂

08.07. Heute ist nicht so mein Tag (zu viel Raki am Vorabend???) und ich mühe mich in das ca. 20 km entfernte Zvecan wo ich in einer Bäckerei wieder Burek und eine der Tomaten esse, die mir Stanko mit auf den Weg gab. Die Tomaten sind hier einfach ein Traum! Fleischig, saftig und geschmacklich einfach tomatisch… 🙂 Dann gehe ich noch die letzten Kilometer nach Mitrovica wo ich mich um 15 € im Hotel North City einquartiere.

Blick auf Mitrovica

Statue des Prinzen Lasar in Nord-Mitrovica – ein mittelalterlicher serbischer Führer, der 1389 die Kosovo Schlacht am Amselfeld gegen die Osmanen austrug. Sein Finger zeigt Richtung Amselfeld in der Nähe von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo.

Ich merkte, dass ich wieder einmal eine Dusche brauchte. Der freundliche Mladen an der Rezeption hilft mir auf der Terrasse mein Zelt, usw zu trocknen und erklärt mir, dass der Großteil der Kellner, etc derzeit an die Küste nach Montenegro und Kroatien gehen wo sie das Vielfache verdienen. Ebenso der Unterschied der Gehälter bei Hotelangestellten. Er bleibt noch, weil er noch ein paar Prüfungen von seinem Studium abschließen will und möchte dann ebenfalls ins Ausland.

Nach 1,5 Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt im angrenzenden Café fühle ich mich wieder etwas besser und erkundige die Stadt. Mitrovica ist ja durch den Fluss Iber in einen nördlichen (serbischen) Teil und einen südlichen Teil (kosovoalbanischen oder kosovarischen) getrennt. Die Kosovoalbaner sagen auch, dass nördlich der Brücke Serbien beginnt. An der südlichen Seite der Brücke in Mitrovica steht die kosovarische Polizei, an der nördlichen Seite die internationalen KFOR Soldaten mit ihren Gefährten. Überquert kann die Brücke nur zu Fuß werden.

Brücke in Mitrovica, die Grenze zwischen dem nördlichen (serbischen) Kosovo und dem südlichen (kosovoalbanischen oder kosovarischen) Kosovo

09.07. Beim Frühstück heute im Hotel erklärt mir auch der Kellner, dass auf der südlichen Seite und auch weiter im restlichen, südlichen Kosovo nur mehr mit Euro bezahlt werden kann. Ich werde jetzt dann entscheiden (und vor allem den Wettergott fragen) ob ich heute weiter gehe oder nicht. Seit gestern hat es endlich abgekühlt, allerdings ist für heute Regen angekündigt (der allerdings dann meistens eh nicht kommt). Mladen, der nette Rezeptionist erklärt mir, dass es heute den ganzen Tag regnen wird und so entschließe ich mich spontan einen Ruhetag einzulegen.

Mladen, der nette Rezeptionist im Hotel North City im nördlichen Mitrovica

Irgendwie waren die letzten Tage anstrengend… Am Morgen telefoniere ich auch wieder einmal länger mit Muttern, es gibt heute ein Gartenfest und sie macht dafür Apfelschlangerl! Da kann das Fest ja nicht mehr schief gehen… 🙂 Mladen erzählt mir danach auch noch viel über die Geschichte von Serbien, Kosovo und dem früheren Jugoslawien und empfiehlt mir angesichts der Wetterlage einen 3-teiligen Film über die Geschichte Jugoslawiens, Kosovo, etc… auf YouTube anzuschauen.

Titel des 3-teiligen Films:

Das Gewicht der Ketten (Weight of Chains), produziert 2010 einem jungen serbo-kanadischen Regisseur. Habe mir heute den ersten Teil angesehen – – > https://youtu.be/waEYQ46gH08

–> sehr empfehlenswert!!!

Der Bart wurde mir in der Hitze auch immer mehr lästig und so ließ ich ihn mir in einem Frizersalon (so heißen hier die Friseure) abrasieren. Das ganze um 100 serbische Dinar, ca. 1 Euro.

10.07. Frühmorgens um halb sechs lässt mich der Nachtwächter aus dem Hotel und ich überquere die Brücke in den Teil des Kosovos, in dem hauptsächlich Kosovoalbaner leben.

Moschee im südlichen Mitrovica

Ich komme gut voran und gegen Mittag zeigen mir Kinder einen verstecken Minimarkt, wo ich mir ein Eis und ein Cola kaufe, ich brauche Zucker… 🙂

Danach lerne ich Sabedin kennen, der mich in seinen Wohnwagen auf einen Kaffee und Baklava einlädt.

Mit Sabedin und seiner Tochter in seinem Wohnwagen – der Kaffee und die Baklava schmeckten hervorragend!

Er spricht wie viele Kosovaren gut Deutsch, da er auch einmal in Deutschland gearbeitet hat. Später kommt auch noch seine Tochter dazu und wir haben eine schöne Kaffeepause. Die Leute haben nicht viel hier und trotzdem wollen sie dir immer wieder etwas schenken oder irgendwie helfen! Welch Unterschied zu westlichen Ländern denke ich mir jeden Tag immer wieder! Wir können hier noch viel lernen…

Am Weg nach Obilic passiere ich Dörfer, in denen Roma (Zigeuner) leben und letztlich grüsst mich ein hier lebender Serbe mitten auf der Straße mit lauten Worten ‚Welcome to Serbia!‘. Nun, so etwas in einem Land wie Kosovo zu sagen oder laut zu rufen, ist schon sehr provokant… Da ich ihm mit meinen paar Wörtern Serbisch meine Geschichte grob erklären kann lädt er mich in seine Kneipe auf ein Cola ein. Wir schauen nebenbei auch noch das Wimbledon Finale der Herren, das ihr serbischer Held Novak Djokovic in 3:1 Sätzen gegen den Australier Nick Kyrgios für sich entscheidet. Die Welt ist zumindest für heute wieder in Ordnung! Dann gehe ich weiter durch heruntergekommene Straßen, die von Roma bewohnt sind, passiere ein Kohlekraftwerk und erreiche gegen Abend letztlich die Stadt Obilic.

Kinder beim Spielen vor der Stadt Obilic

Kinder vor der Stadt Obilic

Auch hier spricht der Besitzer einer kleinen Pizzeria gut Deutsch und verschafft mir letztlich einen guten Platz zum Zelten – direkt im Garten der Hauptmosche!

11.07. Am Weg nach Pristina komme ich beim Gazimestán Denkmal vorbei, einer Gedenkstätte im Kosovo.

Gazimestan Denkmal, eine Gedenkstätte an die Schlacht am Amselfeld im Jahre 1389, bei der sich osmanische und serbische Streitkräfte gegenüber standen.

Wieder ein kleiner Ausflug in die Geschichte:

Sie befindet sich am Schauplatz der Schlacht auf dem Amselfeld, in der sich am 28. Juni 1389 ein christliches Heer, dessen serbische Hauptkontingente von den serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović und Vuk Branković geführt wurden, der muslimischen osmanischen Streitkraft unter Sultan Murad I. entgegenstellte.

Die Schlacht, in der sowohl Lazar als auch Murad zu Tode kamen, war vorentscheidend für Serbiens Übergang in die Vasallenschaft des auf den Balkan vordringenden Osmanischen Reichs. In der Moderne wurde jedoch mit dem als Niederlage empfundenen Ereignis ein serbisches nationales Mythos begründet, das Amselfeld- bzw. Kosovo-Mythos. 1459 wurde Serbien endgültig von den Osmanen erobert und blieb bis 1804 Teil des Osmanischen Reiches.

Am späten Vormittag erreiche ich dann Pristina, wo ich mir vorerst einen Kaffee mit guter Aussicht auf die Stadt kaufe. Auch hier lerne ich wieder einen Kosovaren kennen, der gut Deutsch spricht und hier neben mir mit seinem Bruder sitzt. Er sei mit der derzeitigen Regierung mit Premierminister Albin Kurti zufrieden, der zumindest versucht, die Korruption in Grenzen zu halten. Amerikaner, Israel, aber auch westeuropäische Länder haben bei den Kosovaren grosses Ansehen. Sie haben ihnen letztlich im Kosovokrieg 1998 und 1999 zum Sieg gegen die Serben verholfen. Vorausgegangen war dem Krieg gegen die Serben, daß der damalige serbische Präsident Milosevic 1989 der damals autonomen serbischen Region Kosovo den Autonomiestatus entzogen hat, was letztlich 1998 zum Krieg führte.

Im Zentrum lerne ich bei der Bibliothek Dardan kennen und er lädt mich zu einem Kaffee in das Café Monaco ein.

Mit Dardan im Café Monaco

Das NEWBORN Monument (Neugeborenendenkmal) im Zentrum von Pristina – es wurde am 17.2.2008 enthüllt, an dem Tag an dem das Kosovo offiziell seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.

Er arbeitet für eine NGO und war schon des öfteren in Wien. Die Wizz Air bietet manchmal in der Nebensaison um 20 oder 30 Euro einen Retour Flug nach Wien an, da geht sich das schon aus. Letztlich fahre ich noch mit dem Lift auf den Turm der Mutter Theresia Kathedrale von wo ich einen wunderschönen Blick über die Stadt genieße.

Blick von der Mutter Theresa Kathedrale in Pristina – im Vordergrund die Nationalbibliothek und eine verlassene orthodoxe Kirche

Da ich heute noch bei Kräften bin, entschließe ich mich spontan noch in das ca. 8 km entfernte Städtchen Gračanica zu gehen. Es gibt dort ein Frauenkloster und eigentlich wollte ich dort im Pilgerraum des Klosters schlafen. Doch es war schon geschlossen und so schlief ich in meinem Zelt direkt in einem kleinen Park vor der Polizeistation. Wenn man da nicht sicher ist… 🙂 Raki wird dann zu guter letzt auch noch getrunken, da hier vorwiegend Serben in dieser kleinen Stadt wohnen.

12.07. Nach einer doch ziemlich lauten Nacht mit vielen vorbeifahrenden Autos gehe ich noch etwas verträumt in eine Bäckerei wo ich frühstücke. Hier kostet ein Schokocroissant zB 50 Cent, ein Kaffee ebenso, eine mittelgroße Pizza 2 Euro, also definitiv das bisher billigste Land bis jetzt. Um ca. 7h morgens gehe ich dann ins ca. 700 Jahre alte orthodoxe Frauenkloster, wo heute eine etwas längere Messe bis fast 09:30 stattfindet.

Das ca. 700 Jahre alte Frauenkloster Gračanica, es wohnen derzeit noch ca. 15 Nonnen drinnen.

Morgengebet im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe wurden Kerzerl angezündet – im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe kaufe ich mir, wie von Fatmira vom Russischkurs in Linz empfohlen, eine brojanica, ein Armband aus Knoten, das mich auf meiner Reise beschützen soll. Möge es seine Wirkung haben… Dann gehe ich noch in den Ort Janjevo, wo ich Sandi aus Neumünster bei Hamburg kennenlerne. Er ist gebürtiger Bosnier aus der Nähe von Sarajevo, der in Neumünster ein kroatisches Lokal führte. Jetzt ist er schon in Pension und genießt das Leben. Zu seinem Land Bosnien Herzegowina meinte er nur: Dieses Land ist für die nächsten 100 Jahre ruiniert… Auf meine Frage, wer es wohl ruiniert habe, meinte er nur: Na, wer wohl… Das bekannte Daytona Abkommen mit 3 verschiedenen Präsidenten in einem Land hätte er nie gemacht.

Mit Sandi, einem gebürtigen Bosnier, in einem Café in Janjevo
Verlassene Gebäude in Janjevo – ein durchaus übliches Bild im Kosovo

Es passiert in diesem Land soviel jeden Tag, vor allem lerne ich soviele Menschen kennen, dass ich manchmal schon aufpassen muß um alles richtig einzusortieren. Zum Teil bleiben die Einheimischen mit ihren Autos stehen und sprechen mich an, usw. weil sie einfach nur wissen wollen von wo ich komme, etc. und helfen wollen. Es war in keinem Land bisher so wie hier. Zwischen Janjevo und Giljani übernachte ich wieder im Zelt auf einer einsamen Wiese in den Bergen des Kosovo. Und der Vollmond leuchtet die Landschaft aus. Und ein bisschen Ruhe tut auch gut.

13.07. Nach einer Nacht mit gutem Schlaf gehe ich anfangs durch viel Grün und gegen Mittag erreiche ich eine Tankstelle mit einem Restaurant.

Reiter am Weg nach Giljani

Ich esse ein Teller Döner mit Salat, trinke eine Cola und dann noch einen Macchiato. Kosten: 2,50€. Also: Gebt der Inflation und den steigenden Preisen zuhause keine Chance und macht Urlaub im Kosovo! 🙂 Ihr seid sicher gerne willkommen… Der Kellner hilft mir ein Plätzchen zu finden um mein nasses Zelt zu trocknen. Ich habe in der Nähe eines kleinen Baches geschlafen, da ist die Luftfeuchtigkeit dementsprechend hoch und das Zelt so nass als hätte es geregnet. Gegen Abend erreiche ich dann die Stadt Giljani im Osten des Kosovo wo ich mir eine Nacht im Hotel Kristall gönne. Duschen, Essen gehen und einmal von einer sehr netten Hotelangestellten die Wäsche waschen lassen tut auch wieder einmal gut. Wie neu geboren liege ich derzeit im Kingsize Bett und höre den Muezzin die Moslems zum Gebet rufen. Ohne mich, ich schlafe jetzt eine Runde!

Blick vom Hotel Kristall auf Giljani

14.07. Ich frühstücke noch im Hotel bevor ich noch in der orthodoxen Kirche einem Gottesdienst beiwohne.

Gottesdienst in der orthodoxen Kirche in Giljani
Markt unweit der orthodoxen Kirche in Giljani

Am Weg nach Letnica, einem sehr bekannten Wallfahrtsort im Kosovo, werde ich unterwegs wieder einmal aufgehalten und zu einem Kaffee eingeladen.

Selbst nach dem amtierenden Präsidenten der USA wurde eine Straße benannt – sie wurde 2016 (nach dem Tod des Sohnes von Joe Biden 2015) nach ihm benannt. Kosovo sieht die USA als Retter der Nation, seit 1999 die NATO-Luftangriffe die Tötungen durch serbische Truppen gestoppt haben.

Die Kosovoalbaner wollen sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres Staates revanchieren, erfahre ich von einem in der Schweiz arbeitenden Mann. Der Kosovo ist ja das jüngste europäische Land und hat erst 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. In Remnik geht mir dann das Essen aus und ich habe Glück gerade noch vor der Gebetsstunde um 13h in einem Minimarkt Brot, Sardinen und 2 Tomaten zu ergattern. Während die Einheimischen in ihrer Moschee beten, finde ich auf der Rückseite der Moschee zwei Bankerln im Schatten wo ich Mittagspause mache. Auf dem Dach der Moschee haben Störche ihr Nest gebaut und ich schaue ihnen ein wenig beim Weg- und wieder zurückfliegen zu. Danach kommt noch ein Einheimischer zu mir, der etwas Französisch spricht und so unterhalten wir uns eben in dieser Sprache wenn ich schon nicht Albanisch und er nicht Deutsch spricht. So gegen 14h geht er dann nach Hause Mittagessen.

Muslimischer Kosovoalbaner vor der Moschee in Remnik – die weiße Kopfbedeckung sei typisch für die Albaner.

Ich schlafe noch etwas auf der Bank und nach 15h, als die ärgste Mittagshitze vorbei ist, gehe ich nach Stubble, wo es eine katholische Kirche gibt. Im Restaurant Park Ilir erfahre ich von Adonis, dem Sohn des Chefs, dass das gegenüberliegende KFOR Camp 2011 geschlossen wurde und jetzt ein verlassenes Gebäude ist. Er selbst studiert gerade Mechatronik in der Hauptstadt Pristina und hilft hier in den Ferien seinem Vater in ihrem Betrieb. Ich esse Paragjelle Ilire, eine traditionell albanische Kost und letztlich lädt Adonis mich noch auf eine Cola ein.

Traditionelle albanische Kost – Paragjelle Ilire (auf dem linken Teller Pogaqe – – > das Brot, auf dem rechten Teller Ajvar (rot), eine Mischung aus Paprika und Auberginen; dann Ajk (weiß), joghurtähnlich und von der Kuhmilch gewonnen und letztlich ghiz (rosa; Käse von der Kuhmilch gewonnen). Es war mir letztlich zu viel und ich nahm mir die Hälfte für den nächsten Tag in einer kleinen Box mit.

Bei angenehmen Temperaturen gehe ich am Abend dann noch die letzten 3 Kilometer nach Letnica wo ich derzeit in der Unterkunft der katholischen Kirche logiere. Morgen hat mich Don Marian, so heisst der Pfarrer hier, um 7h zum Frühstück eingeladen. Er hat 11 Jahre in der Schweiz gearbeitet und spricht daher sehr gut Deutsch. In der Unterkunft habe ich endlich eine Badewanne gefunden und so konnte ich das kleine Loch in meiner Isomatte lokalisieren. Es war immer etwas Luft in den letzten Nächten ausgegangen… Ich habe das Loch mit einem Kugelschreiber markiert und morgen, wenn alles trocken ist, werde ich das Loch mit einem mitgebrachten Reparaturkit zukleben. Gute Nacht!

Das Loch war gefunden – jetzt muss es nur mehr geflickt werden… 🙂

15.07. Noch vor dem Frühstück mit Don Marian verklebe ich das winzige Loch in der Luftmatratze. 2 Nächte später im Zelt kann ich sagen, dass die Reparatur erfolgreich war und die Luft jetzt wieder zur Gänze hält. Ich frühstücke dann mit den beiden Pfarrern Don Marian und Don Alexander.

Frühstück mit Don Marian (links) und Don Alexander in Letnica

Don Marian spricht gut Deutsch. Er hat eine Schwester, die in Graz lebt und die er hin und wieder besucht. So gegen 8h morgens bedanke ich mich dann bei beiden für die Aufnahme und gehe Richtung Grenze zu Nordmazedonien. Dabei treffe ich zwei Schafhirten mit denen ich ca. 1 Stunde Rast im Schatten mache.

Lustige Zeit mit zwei Schafhirten am Weg von Letnica nach Smirë

In wunderschöner Bergwelt gehe ich dann die letzten Kilometer nach Smirë. Heute ist Freitag und während die Einheimischen um 13 Uhr die Moschee aufsuchen, esse ich draußen im Schatten die Reste von gestern.

Freitag pünktlich um 13h ist Gebetsstunde in den Moscheen, wie hier in Smirë

Bevor ich mich zur Bergetappe nach Kacanik aufmache, lädt mich ein Einheimischer noch auf einen Kaffee ein. Wie so oft hier reden manche Kosovaren Französisch, da sie einmal in der Schweiz, meistens Genf, gearbeitet haben. Ich gehe dann so um 15h los und am Ortsende holt mich noch ein Junge mit dem Fahrrad ein. Er drückt mir mit Lächeln noch eine Flasche Orangensaft in die Hand. So ist es hier, unglaublich… Und später am Weg nach Kacanik habe ich noch oft an diesen Jungen gedacht. Wie wenn er es gewusst hätte! Mir ging fast bei diesen Höhenmetern der ‚Treibstoff‘ aus und als ich Kacanik erreiche, waren meine flüssigen Vorräte zu Ende.

Schildkröten säumten den Weg nach Kacanik

Kacanik ist eine größere Stadt und hat eine Besonderheit. Es gibt keine Unterkünfte… So stärke ich mich einmal mit viel Cola und einer Burek und Joghurt bevor ich mich so gegen Dunkelheit auf Schlafplatzsuche mache. Manchmal komme ich mir wie ein Obdachloser vor, naja, ich bin ja auch einer… :-))) Und wieder war es eine nahegelegene Polizeistation mit einer kleinen Wiese davor, die mein kleines Problem löste. Ich frage 2 Security Leute und sie erlauben mir mit dem Daumen nach oben, dass ich vor ihrem Hüttchen mein Zelt aufstellen kann. Sie sehen mir dabei auch noch interessiert zu und ich höre sie reden wie ‚Aha, so macht er das, etc… :-)‘ Kurz darauf kommt ein deutschsprechender Kosovare vorbei und meint, einer von den beiden Security Beamten sei die ganze Nacht da und wird auf mich aufpassen. Selten fühlte ich mich so sicher wie in dieser Nacht!

Schlafplatz inmitten von Kacanik. Ein Security Beamter wachte über mich die ganze Nacht über vor der Polizeistation. Falimenderit (Danke)!

Einmal musste ich so um 2h morgens aus dem Zelt raus um meine Notdurft zu verrichten. Und tatsächlich, einer war im Hüttchen und hat mich sofort erspäht und mir mit der Hand lächelnd zugewunken. Was soll dir bei solchen Leuten echt passieren, denke ich mir….

Frühmorgens bedanke ich mich dann noch bei ihm und nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich heute Richtung Grenzübergang zu Nordmazedonien. Mein letzter Tag hier im Kosovo ist angebrochen und es überkommt mich etwas Wehmut. Am Weg zum letzten Ort vor der Grenze esse ich noch zumittag und mache mich dann in der Hitze auf zur Grenze. Nur nach Nachfrage bekomme ich vom Kosovo einen Ausreise- und von Nordmazedonien einen Einreise Stempel. Es geht hier eher locker ab, kein Vergleich zur Grenze zwischen Serbien und Kosovo! Nach 10 Tagen ist der Kosovo hinter mir und mit Nordmazedonien liegt ein neues Land und neue Abenteuer vor mir.

Fazit:

Selten, wahrscheinlich noch nie, habe ich soviel Hilfsbereitschaft und Zuspruch von der lokalen Bevölkerung erfahren. Dies hängt wohl mit ihrer Mentalität, aber auch mit der Tatsache zusammen, dass sie sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres erst seit 2008 unabhängigen Staates bedanken wollen. Es war für mich bisher das mit Abstand billigste Land, ein Macchiato kostet 30 Cent. Sie lieben und verehren den Westen, speziell die USA, wohin viele auch ausgewandert sind und dort arbeiten. Ich hoffe auf eine weiterhin friedvolle Zeit für dieses jüngste Land Europas. Falimenderit (Dankeschön) für eure Hilfsbereitschaft und die schöne Zeit, die ich bei Euch verbringen durfte. Wir, und damit meine ich mich selbst und den Westen, können noch viel von Euch lernen…

Gesamtkilometer: 1.790

SERBIEN (Teil 3): Beograd (Belgrad) – Ljig – Gornji Milanovac – Cacak – Kraljevo – Kloster Zica – Kloster Studenica Kloster Gradatz – Raska

23.06. Ich schreibe bis zur Mittagszeit an meiner Webseite, verkleinere ausgewählte Photos um sie später auf die Webseite hochzuladen und zu beschriften. Das wiederholt sich so im Schnitt 1x in der Woche und dauert meistens nicht länger als ca. 2 Stunden. Beim Schreiben wird mir immer wieder bewusst, wie genau man etwas beobachten muß um es gut beschreiben zu können. Vor allem muss ich selber auch noch evtl einmal im Internet nachlesen, etc und lerne dabei auch noch immer etwas im Nachhinein über das Gesehene und Erlebte.

Kurz vor 14h bezahle ich dann meinen cafa domacka (heimischer Kaffee mit Kaffeesatz, der hier vor allem von den Einheimischen getrunken wird) im Hotel Kopernikus um rechtzeitig um 14h zum Treffen mit Andreas im Hotel Balkan zu sein. Wir haben hier heute quasi eine Hotel Tour geplant, aus der allerdings nichts wird, da das Balkan Hotel derzeit eine einzige Baustelle ist. Anstatt dessen essen wir einen Burek mit Joghurt in einer nahegelegenen Bäckerei. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag hier in Serbien und so überlegen wir was wir noch anstellen können. Wir besuchen die Bajrakli Moschee, die letzte noch erhaltene und aktive Moschee der ursprünglich 80 Moscheen in Belgrad. Dann schlendern wir in Richtung meiner Unterkunft durch das bohemische Viertel wo wir uns zum Ausklang noch einmal Cevapi (Cevapcici) gönnen. Danach verabschieden wir uns vor meinem Quartier. Wir sehen uns entweder in Skopje oder spätestens in Istanbul wieder. Zumindest haben wir es so vor… 🙂

24.06. Ich stehe heute schon um 04:30 auf und packe leise meine Sachen um die anderen im Schlafsaal nicht zu wecken. Mit meinem ca. 7 kg schweren Rucksack und den neuen Schuhen geht es leichten Schrittes noch einmal zum Republikplatz (quasi der Hauptplatz der Stadt) um mich offiziell von Belgrad zu verabschieden.

Abschied von Belgrad – hier am Platz der Republik

Straßenbahnen in Belgrad – es gibt 12 verschiedene Linien und keine U-Bahn!

Schon eine tolle Stadt dieses Belgrad mit ihren ca. 1,3 Mio. Einwohnern. Speziell der Abend auf dem Kalemegdan (Festung) hat mir sehr gut gefallen.

Am Weg Richtung Süden komme ich noch einmal am Dom des Heiligen Sava vorbei, der allerdings um 6h morgens noch nicht offen ist. Über mehrere Zubringerstrassen gelange ich an den Stadtrand und an das Ufer der Save, die ja in Belgrad in die Donau mündet.

Savebrücke in Belgrad

Am Ufer der Save trinke ich dann so gegen 9h einen Kaffee und beobachte ein internationales Kajakrennen bei dem auch Österreicher am Start sind. Am Abend erreiche ich nach mehr als 40 km Obrenowatz, wo ich eine Pizza esse und mir in einem kleinen Supermarkt noch das Frühstück für morgen kaufe. Ich schlafe in einem Park und es gibt auch kurz ein Gewitter.

25.06. Ich starte frühmorgens und gegen Mittag wird mein Wasser knapp. Als ich in Brgule eine Frau mit der leeren Plastikflasche um ‚woda‘ (Wasser) bitte, lädt sie mich in den Garten auf einen Kaffee ein. Hier sitzen schon ihr Mann, gemeinsam mit ihrer Tochter Verica und der kleinen Anna und ein gemeinsamer Freund der Familie, der als 20-jähriger 7 Jahre in Österreich gearbeitet hat und noch etwas Deutsch spricht.

Nette Begegnung und Einladung im Ort Brgule

Heute lerne ich Folgendes: Eine Einladung zum Kaffee bedeutet hier immer auch ein Stamperl Raki (Schnaps – meist Slivowitz, ein Zwetschgerner) und manchmal auch gleich Essen dazu wie diesmal. Die Hektaranzahl wird besprochen, dann kommen die Frauen und letztlich darf auch die Politik nicht fehlen. Die EU, NATO sei nicht gut und letztlich auch für den jetzigen Krieg in der Ukraine zumindest mitverantwortlich, das kommt immer raus. Ich versuche bei politischen Themen immer wertfrei zu bleiben, speziell auch als sie mich zur Situation im Kosovo befragen. Das sind echt heikle Themen hier…

In einem kleinen serbischen Laden. Das Gemüse wiegt hier die Verkäuferin noch selber bei der Kassa ab und hilft auch noch beim Einpacken ins Plastiksackerl.

Traktorfahren auf Serbisch – es wird immer freundlich mit der Hand gegrüsst

Letztlich verbrachten wir schöne gemeinsame Stunden und meine spärlichen Russischkenntnisse halfen mir wieder dabei. Ich schlafe letztlich außerhalb von Lajkovac, wo mich ein ordentliches Gewitter und starker Regen im Zelt überrascht. Das Zelt hat den Test bestanden!

26.06. Gegen Mittag erreiche ich zwischen Zenobitz und Ljig einen Friedhof, auf dem gerade ein Begräbnis stattfindet. Als ich vorbei gehe ruft mich ein junges Mädchen herbei. Es ist hier Tradition das Grab des oder der Verstorbenen mit Essen und Trinken auszulegen und dann im Kreise der Familie davon zu essen und auch zu trinken. Der Mann der Verstorbenen bietet mir ein Stamperl Raki an und als ich angesichts der Uhrzeit ablehne kommt das Mädchen herbei und erklärt mir, dass ich es einfach annehmen muss. So trinke ich das erste Mal in meinem Leben gemeinsam mit den anderen ein Stamperl Schnaps am Grab einer Verstorbenen.

Serbisches Begräbnis – vor allem am Land ist es in Serbien Tradition am Grab des oder der Verstorbenen zu essen und zu trinken, ein Relikt aus der osmanischen Besatzungszeit

Letztlich füllen sie noch ein Plastiksackerl mit Fisch, Brot, Gurke und Süßigkeiten an und geben es mir mit. Mein Rucksatz ist am Platzen aber es muss alles rein, das gehört so… Letztlich gibt mir der Mann der Verstorbenen auch noch ein halbes Fläschchen vom Raki mit, auch hier sind alle Bemühungen zwecklos das nicht anzunehmen. Das ist Gastfreundschaft auf dem Balkan!!! Manchmal frage ich mich wo die bei uns zu Hause geblieben ist…

Am Abend kaufe ich mir eine Dose Lasko, ein Bier aus Slowenien und esse von dem Mitgegebenen. Dann telefoniere ich noch mit meiner Mutter um all die Neuigkeiten von zuhause zu erfahren bevor ich mich auf Schlafplatzsuche begebe. Neben der Kirche des Heiligen Johannes des Täufer sitzt der Pfarrer mit seiner Frau vor seinem Haus heraussen. Er bietet mir neben seinem Haus ein überdachtes Hüttchen zum Schlafen an, wo ich im Freien übernachte. Bei einem Gläschen Rotwein und ratet mal… bei einem Stamperl Raki erzählen wir uns unsere Geschichten. In der orthodoxen Kirche gibt es ja kein Zölibat und so hat er 4 Töchter und 1 Sohn, die ausser dem Sohn schon alle in der Hauptstadt Belgrad wohnen.

Der Pfarrer mit seiner Frau neben der Heiligen Johannes der Täufer Kirche in Ljig

Ich kann mir in der Toilette noch etwas den Schweiß runterwaschen und schlafe zufrieden ein.

27.06. Ich muss heute das erste Mal durch einen Tunnel. Es gibt halt nicht nur Wald- und Wiesenwege am Weg nach Istanbul.

Beim Durchgehen meines ersten Tunnels – halb so schlimm, da auf der Seite ein kleiner Gehweg war

Zumittag lege ich mich in der Nähe eines Hauses unter einen Baum und esse den mitgebrachten Fisch mit Gurke und Brot. Es ist hier eine wahre Idylle, wahrscheinlich war das Leben zu Großmutter’s Zeiten nicht viel anders. Schafe, Gänse, Hühner, ein kleiner Hund und eine schwarze Katze beleben das Häuschen, nur von den Besitzern keine Spur.

Nach dem Raki (Schnaps) ein kleines Mützchen – kurz bevor die Besitzerin heimkam… 🙂

Erst zwei Stunden später kommt die Besitzerin nach Hause und nach einem kurzen Plausch lädt sie mich noch zu einem Kaffee auf ihre Terrasse ein.

Ein cafa domacka (Einheimischer Kaffee) geht immer – hier mit der Besitzerin des Hauses

Auch hier tischt sie mit mehreren Gerichten auf, das ich aber diesmal ablehnen konnte. Gegen Abend gehe ich noch bis zu einer Schule weiter wo ich mein Zelt aufstelle und übernachte.

28.06. Es erwartet mich heute gleich frühmorgens eine kleine Bergetappe auf den Ostrvica (758m) und ich frühstücke erst gegen 8h kurz vor dem Ort Brezovica. In Brezovica selbst lade ich wieder von einem Kiosk Guthaben auf meine serbische SIM Karte, kaufe noch eine Tomate und Brot für den verbliebenen Fisch zum Mittagessen und trinke letztlich noch in einem Café einen cafa domacka.

Serbischer Traktor wartet auf seinen Einsatz…

Um ca. 10 mache ich mich dann auf Richtung Gornji Milanovac, wo ich mir heute wieder einmal ein Zimmer leisten werde. Ich sitze gerade in einem gemütlichen Garten inmitten der serbischen Natur und schreibe diese Zeilen. In Gornji Milanovac habe ich das erste Mal eine etwas ‚unangenehme‘ Begegnung, da ich mich mit dem Vermieter eines Zimmers nicht auf den Wechselkurs €/serb. Dinar einigen kann. So ziehe ich unverrichteter Dinge ab und übernachte letztlich im IG Hotel.

29.06. Die Hitze hat auch hier ihren derzeitigen Höhepunkt erreicht und so mache ich heute in Cacic von 13 bis 17h eine längere Mittagspause.

36 Grad ohne Lüfterl, die Füße beginnen zu rauchen… 🙂

Dann gehe ich noch bis ca. 20h und finde unter Obstbäumen einen schönen Schlafplatz. Mit serbischer Musik und dem Gebelle von aufgeweckt Hunden aus der Ferne schlafe ich schmunzelnd in meinem Zelt ein.

30.06. Heute geht absolut kein Lüfterl mehr und die Schwüle drückt ordentlich bei schwachen 36 Grad. Da ich etwas früher in Kraljevo wegen dem Frauenkloster Zica sein möchte, weiche ich von meiner Regel ab zwischen 13h und 16h zu pausieren. Ich gehe ca. eine Stunde zw 14 und 15h und merke leichte Kopfschmerzen, etc und höre wieder auf zu gehen. Definitiv keine gute Idee! Ziemlich geschwächt erreiche ich gegen 18h Kraljevo wo ich mir im Hotel Royal ein Zimmer für 2.500 Dinar (ca. 20€) nehme. Ich dusche mich gleich zweimal, wasche mein Leiberl, Socken, etc und trinke in der Hotellobby einen Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt. Als ich wieder gestärkt war und mich nach den Gebetszeiten im nahegelegenen Frauenkloster Zica erkundige lerne ich Petar (Peter) kennen. Er ist hier mit seinem erst 12-jährigen Bruder Simeon (Simon) und seinem Freund Pavle (Paul) und es entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit Petar und Pavle.

V.l.n.r.: Djordje (Georg auf serbisch, ausgesprochen: Tschordsche), Petar, Pavle und Simeon im Hotel Royal in Kraljevo

Petar erklärt mir, dass einer der Gründe für die morgenländische Schisma (Kirchenspaltung zwischen den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche) im Jahre 1054 war, dass die katholische Kirche ein Zentrum (Rom) mit einem Oberhaupt (Papst) haben wollte. In den orthodoxen Kirchen hat jedes Land, in dem es eine orthodoxe Kirche gibt (zB Serbien, Russland, Ukraine, Türkei, Ägypten, Äthiopien, Japan, etc), seinen eigenen Patriarchen. Was die EU anlangt sind seiner Meinung ca. 90% der serbischen Bevölkerung gegen einen Beitritt. Auf die Frage warum Präsident Vucic dann mit der EU liebäugelt, meint dann Pavle augenzwinkernd: Wenn all deine Nachbarn bereits bei der EU sind bzw dazugehören wollen, was solle er denn aus diplomatischen Gründen auch anderes sagen… Die Serben fühlen sich als Brüder der Russen, Mentalität, Sprache, Religion verbindet sie. Gegen 23h verabschieden wir uns und haben wohl gegenseitig viel voneinander gelernt.

01.07. Da die byzantinischen Morgengesänge jeden Tag von 5 bis 7:30h und von 17 bis 18h stattfinden, habe ich mir den Wecker für 4:30 gerichtet. Knapp nach 6h erreiche ich dann das Kloster und eine Schwester, die gut Englisch spricht, sagt mir, dass ich an den Morgengebeten mit byzantinischem Gesänge teilnehmen könne.

Frauenkloster Zica (ausgesprochen: Schitscha), mehr als 800 Jahre alt

Morgengebet mit den Nonnen im Frauenkloster Zica

Fresko- (Frisch-) Malerei im Frauenkloster Zica

Frauenkloster Zica

Es dauert dann bis ca. 8h und im Anschluss bittet mich die eine Schwester noch zum Frühstück. Es gibt Linsensuppe, Brot, Oliven aus dem Garten, gemischten Salat und Sardinen von Rovinj. Dazu Kaffee, Orangensaft und? einen Raki… 🙂

Danach noch erwähnenswert die Geschichte mit dem im Speisesaal zurückgelassenen Rucksack. Ich zünde danach ein Kerzerl an.

Nur übernachten darf man hier nur als Frau. Männer werden an das Männerkloster Studenica verwiesen, das ca. 2 Tagesmärsche von hier Richtung Kosovo liegt. So liege ich derzeit im Schatten im Klostergarten und mache heute einen Ruhetag. Um 17h werde ich mir heute noch die einstündige Vesper (vorletzte, abendliche Gebetsstunde) in diesem wunderschönen, mehr als 800 Jahre alten Frauenkloster anhören bevor ich weiter Richtung Kosovo gehe.

Nach der ca. einstündigen Vesper gehe ich noch in den 4 km entfernten Ort Mataruschka Banja wo ich ein Stück außerhalb auf einer frischgemähten Wiese in meinem Zelt schlafe.

02.07. Heute finde ich eine spannende Hängebrücke, die mich über den Fluss Ibar bringt. Im Café Kod Mira erfahre ich, dass ich im Norden des Kosovo auch noch mit Dinar zahlen kann, im Süden nur mit Euro. Der Fluß Ibar, der in Montenegro entspringt, teilt den Kosovo in den Norden und den Süden. Das Ibartal ist im Gegensatz zum bisherigen Serbien bergig und landschaftlich sehr schön.

Die Heuernte ist auch hier in Serbien voll im Gang, im Ibartal im südlichen Serbien

Serbisches Menü – Kaffee, Schnapserl und ein Glas Wasser

Beim Überqueren einer Hängebrücke über den Fluss Ibar in der Nähe des Cafés Kod Mira, südliches Serbien

Blick auf das Ibartal

Die Route führt allerdings entlang einer stark befahrenen Schnellstraße, so bin ich froh wohlbehalten am Abend die Ortschaft Polumir erreicht zu haben. Hier feiert ein Vater den 18ten Geburtstag seines Sohnes und lädt mich zu Speis und Trank ein. Er erzählt mir, dass er öfters in Wien ist und dort ältere Autos aufkauft, die er hierher bringt und wieder verkauft.

03.07. Nach einer Zeltnacht am Ufer des Ibar gehe ich frühmorgens um 5h los und erreiche das Männerkloster Studenica ziemlich schweißgebadet um genau 12h Mittags. Es ist das mit über 800 Jahre älteste Kloster in Serbien und wird auch als Wiege des serbischen Königreiches bezeichnet, das ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand.

Kloster Studenica – die ersten Mönche kommen zum Gedenktag an die Heilige Anastasja, Mutter des Heiligen Sava

Ich ergattere in der Unterkunft des Klosters noch gerade das letzte Zimmer mit Dusche und WC am Gang. Grund dafür ist, dass heute Abend und morgen der Anastasja Srpska gedacht wird. Sie ist die Mutter des heiligen Sava, der Serbien im 12. Jahrhundert zur orthodoxen Kirche geführt hat. Ihre Reliquien sind in der Muttergotteskirche des Klosters aufbewahrt. Auch die ihres Mannes und ersten Königs Serbiens Stefan Nemanja, Vater des Heiligen Sava.

Die Feierlichkeiten beginnen um 21h und dauern bis 1h morgens. Die orthodoxen Gottesdienste gehen in die Beine, da durchwegs gestanden wird. In einer Pause lerne ich 2 jüngere Burschen aus der Gegend kennen. Sie erzählen mir, dass auch später noch die Särge der Heiligen Anastasja und ihres Ehemannes Stefan geöffnet werden.

Gläubige am geöffneten Sarg der Heiligen Anastasja

So ist an ein Nachhause gehen nicht zu denken und um 1h morgens falle ich dann halb entkräftet in das Bett… 🙂

04.07. Heute ist die Hauptfeier des Gedenktages an die Heilige Anastasja und viele Mönche und Bischöfe aus der Umgebung haben sich angesagt.

Einheimischer orthodoxer Mönch vor der Muttergotteskirche im Männerkloster Studenica

Grosser Auflauf zum Gedenktag der Heiligen Anastasja im Kloster Studenica

Die Feierlichkeiten dauerten heute nur 2 Stunden, danach gab es im Koloskopietergarten Verpflegung für alle.

Verpflegung inkl Raki (Schnaps) für alle nach den Feierlichkeiten, im Klostergarten Studenica

Ich erhole mich derzeit gerade von all diesen Ereignissen und werde morgen Richtung Kloster Gradac weiter gehen.

05.07. Frühmorgens verabschiede ich mich vom Rezeptionisten der Herberge im Kloster Studenica. Er gibt mir noch zusätzliches Essen mit auf den Weg ohne für alles auch nur irgendetwas anzunehmen. Ich werfe dann zumindest eine Spende für das Kloster ein. Auf einer frisch geteerten Straße geht es Richtung Rudno auf 1.100m Höhe, die höchste Erhebung seit ich von zuhause weg bin.

Die Straße zwischen Studenica und Gradatz ist noch nicht ganz fertig

Am Weg wird gerade noch ein Teil der Straße fertig gemacht und ich schwindle mich an den Baggern und LKWs vorbei nach Rudno.

Das Ortsschild von Rudno bekommt ein neues Pickerl vom Jerusalemweg verpasst. Johannes (Aschauer) hatte mir einige in Arbing zum Aufkleben mitgegeben.

Ich merke hier auf 1.100 m eine leichte Abkühlung und gehe nach einem Kaffee und Raki ins Tal Richtung Gradatz.

Kaffee- und Raki Pause in der Vila Selena in Rudno
Schmetterling am Weg nach Gradatz

Einheimische bei der Heuernte

Da das Geschäft in Gradatz gerade Mittagspause macht setze ich mich mit dem Essen vom Kloster Studenica auf ein Tischchen und lasse es mir schmecken. Als die Frau dann den Laden aufsperrt, lasse ich meinen Rucksack bei ihr und Einheimische wie der liebe Danilo oder Boban versprechen mir auf den Rucksack aufzupassen während ich mir das Frauenkloster Gradatz ansehe.

Frauenkloster Gradatz – die Wolken verheißen nichts Gutes

Dort angekommen ziehen schwarze Wolken auf und gerade noch vor Einbruch des Unwetters erreiche ich wieder den Lebensmittelladen in Gradatz wo die Frau schon nervös wird. Kurz darauf fängt es gehörig zu regnen an, gemischt mit Sturm, Hagel, Blitz und Donner.

So sah der Lebensmittelläden in Gradatz nach dem Unwetter aus

Nach und nach kommen auch die Männer von ihren Feldern ins Geschäft wo sie sich vor dem Unwetter schützen. Nach ca. 2 Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Wir besichtigen danach all die Schäden, die das Unwetter angerichtet hat, bevor ich mich in ein naheliegendes Appartement einmiete. Nach einer warmen Dusche schlafe ich schon so um 20h ein.

06.07. Start wieder um 5h morgens da ich gegen Abend die Grenze zum Kosovo erreichen möchte. Soweit ist alles gutgegangen und ich sitze in Raska in einem Café wo ich diese Zeilen schreibe.

Hauptplatz in Raska, ca. 10km von der Grenze zum Kosovo entfernt

Es sind jetzt nur mehr ca. 10 Kilometer zur Grenze in den Kosovo und ich blicke gerne an die mehr als 5 Wochen in diesem Land im Balkan zurück.

Fazit:

Der Balkan beginnt (zumindest geografisch) nicht in Ottakring in Wien! sondern doch im Norden von Serbien… 🙂 Die Lebenslust, das freudige Miteinander und die immer laut gespielte Musik erinnern dich daran. Vor allem auch die Gastfreundschaft der Leute, selten wurde sie mir so zu Teil wie in Serbien. Das Land ist sowohl geografisch als auch politisch im Zwiespalt zwischen Ost und West. So gesehen hat sich im Vergleich zu früher (Osmanen vs. Habsburger) nicht viel geändert. Doch glaube ich, dass sich die Bevölkerung dem Osten (zB Russland) näher fühlt, sowohl von Sprache, Mentalität und Religion. Grob geschätzte 80- bis 90% der Bevölkerung sind gegen einen EU-Beitritt. Die serbisch orthodoxe Kirche besteht aus vielen Klöstern, speziell im Süden. Die Mönche (und Patriarch) dürfen nicht heiraten, während die Priester verheiratet sein müssen. Es gibt kein Zölibat in der orthodoxen Kirche. Und ohne Raki (Schnaps, meistens Slivowitz) geht hier gar nichts, zu keiner Uhrzeit. So bedanke ich mich für die ca. 5 Wochen bei diesem wunderschönen Land mit ihren wirklich gastfreundlichen Leuten und wünsche dem Land alles Gute für die Zukunft auf dem Balanceakt zwischen Ost und West.

Gesamtkilometer: 1.500

SERBIEN (Teil 2) – Backa Palanka (Plankenburg) – Novi Sad (Neusatz) – Beograd (Belgrad)

11.06. Die zwei Nächte im Franziskanerkloster waren für mich wohl die schönsten in einer fremden Unterkunft. Gegen Mittag überquere ich problemlos die Grenze nach Serbien und Backa Palanka. Lili und Christian sind noch nicht da und so mache ich es mir einmal im Hotel Fontana gemütlich, wo wir die 3 nächsten Tage verbringen werden. Da Lili etwas müde von der Fahrt ist verbringen Christian und ich den Abend alleine in Ilok, Kroatien in einem Weinkeller. Der Traminer und gebackene Zander schmecken hervorragend. Bei der Rückfahrt über die Grenze fällt dann der Strom aus und so überlegten Christian und ich schon ob der Schranken auch manuell raufzukurbeln gehen würde. Letztlich kamen wir dann doch noch so gegen Mitternacht wieder zurück in unsere Unterkunft.

12.06./13.06. Die nächsten beiden Tage waren für mich so richtig Urlaub. Spät frühstücken und einfach die Seele baumeln lassen. Lili ist ja hier geboren und weiß auch viel zu erzählen. Ausserdem lernen wir mit ihr viele Einheimische kennen weil sie auch ihre Sprache spricht.

Die Abende verbringen wir meistens in einer Csarda und genießen die guten Fische oder essen gemeinsam eine Fischsuppe aus dem Kessel. Gegen Dämmerung sind allerdings dann immer die Gelsen an der Reihe… Nach zwei wirklich schönen und lustigen Tagen (und Nächten) verabschieden wir uns. Wer weiß wann wir uns wieder sehen…

14.06. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel geht es entlang dem Donaudamm Richtung Novi Sad, wo bereits Andreas, ein IBM Arbeitskollege aus Wien auf mich wartet. So richtig komme ich heute nicht in die Gänge und nach ca. 25 km erreiche ich eine Csarda wo mir der Besitzer erlaubt mein Zelt aufzustellen. Ich bade dann auch noch mit Einheimischen in der Donau, die hier doch schon deutlich breiter ist als bei zu uns zu Hause in Österreich. Die Nächte hier im Zelt an der Donau sind einfach traumhaft und mit den vielen Geräuschen der Tiere schlafe ich im Zelt immer schon besser als im Hotelzimmer.

15.06. Am Morgen esse ich zwei Hände voll von meinem mitgebrachten Müsli, das ich mit Wasser aufweiche. Kurz vor Futog hält mich ein einheimischer Radfahrer auf und wir reden in seiner Sprache so gut es hält geht. Er fragt mich auch nach meiner Meinung zum Ukrainekonflikt und meint letztlich: Russland ist gut! Serbien gilt generell als russlandfreunlich…

Am Nachmittag quartiere ich mich dann im City Hostel ein und treffe am Abend noch Andreas am Freiheitsplatz. Es gibt viel zu erzählen und gegen Mitternacht gehen wir beide schlafen.

Wiedersehen mit Andreas in Novi Sad (Neusatz), Serbien

Rathaus in Novi Sad

16.06. Ich besuche heute morgen Andreas in seinem Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Er hat mir ja wie vereinbart meine neuen Schuhe mitgebracht. Haarscharf dieselben, mit denen ich schon die ersten 1.000 km bis hierher gegangen bin. Never change a winning team, in dem Fall ’system‘ quasi… 🙂

Auf die nächsten 1.000 km nach Istanbul… 🙂 mit den neuen Schuhen sollte das möglich sein!

Auch eine neue Tube Hirschtalgcreme und Compeed Pflaster sind mit dabei. Freude kommt auf! Die neuen Schuhe ziehe ich gleich bei ihm im Hotel an, die alten nimmt er mir mit nach Hause. Zur Arbeit daheim im Mühlviertel reichen sie noch allemal. Dann verbringen wir den Tag in Novi Sad (Neusatz) und Petrovaradin (Peterwardein).

Über eine zweite Donaubrücke erreichen wir gegen Abend wieder das Stadtzentrum. Andreas war beim Überqueren dieser Brücke besonders schnell und erklärt mir dann bei einem Bierchen, dass er solche Brücken nicht mag, etc…

17.06. Heute ruft mich meine Mutter an und erzählt mir, dass gestern im Schallenberg gemäht wurde und alles in Ordnung ist. Gegen Mittag treffe ich wieder Andreas, der derzeit mit Herbert gerade seine Reise nach Skopje plant. Bin schon gespannt ob das was wird. Erfahre gerade, dass der Flug gebucht ist, dh evtl Wiedersehen in Skopje nicht unmöglich… 🙂

Am Abend verkoste ich noch gemeinsam mit Andreas die guten Weißweine aus der Frushka Gora bevor wir uns verabschieden. Ich starte ja morgen weiter zu Fuß Richtung Belgrad wo wir uns in 3 Tagen wieder treffen werden.

18.06. Um ca. 5h morgens gehe ich die Brücke hinüber Richtung Peterwardein und der Festung. Es gibt dort Clubs wo bis in den Morgengrauen gefeiert wird. Mir kommen noch die letzten Gäste lachend und gut aufgelegt entgegen.

Am Weg von Novi Sad Richtung Belgrad – hier beim Aufstieg zur Festung Peterwardein

Ich gehe an diesem Tag wieder einmal über 40 km und schlafe in der Nähe der Donau in meinem Zelt.

19.06. Der Weg führt weiter entlang der Dunav wie hier die Donau genannt wird. Es gibt immer wieder Csardas am Weg wo ich mich entweder mit Fisch oder einer Fischsuppe stärke.

Am Abend erlaubt mir ein Restaurantbesitzer mein Zelt bei ihm aufzustellen. Die Gelsen lassen mich am Abend schnell ins Zelt flüchten.

20.06. Heute ist der Tag an dem ich Belgrad, die Hauptstadt der Republik Serbien erreichen werde. Die Einheimischen essen hier meist zum Frühstück Burek mit einem Naturjoghurt was auch mir in der Zwischenzeit sehr schmeckt. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann die ersten Vororte Belgrads. Im neuen Stadtteil gibt es entlang der Donau schöne und feine Lokale, etc… Ich entscheide mich für meine Mittagspause für ein Schiff wo ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Karpfen esse. Geschmacklich sehr gut und weniger Gräten als gedacht.

Kellner beim Verteilen eines Zanders

Dann gehe ich entlang der Donau mit Blick auf den Kalemegdan (Festung) Richtung Stadtzentrum und dem alten Teil der Stadt.

Beim Überqueren der Brücke in Belgrad vom Neuen in den Alten Stadtteil

Gegen 17h erreiche ich meine Unterkunft ‚El Diablo‘ wo ich 4 Nächte voraus reserviert habe. Gegen Abend kommt dann Andreas vorbei und wir essen gute Pljeskavica im bohemischen Viertel. Es hat am Abend immer noch eine ordentliche Hitze und erst gegen 21h spüren wir eine leichtes Lüfterl.

21.06. Am Vormittag besuchen wir den Kalemegdan, der früher als Außenposten des osmanischen Reiches gedient hat.

Trg Republike (Platz der Republik) in Belgrad

Am Nachmittag lasse ich mir wieder einmal die Haare schneiden und sichere in der Unterkunft meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick.

22.06. Am Morgen trinke ich mit Julia und ihrer Mutter in der Nähe des hostels einen Kaffee bevor ich mit einer der alten Straßenbahnen Richtung Dom des Heiligen Sava fahre.

Mädchen beim Morgenplausch

Im Dom des Heiligen Sava

Dieser Kuppelbau ist schon sehr beeindruckend und ein Zentrum der orthodoxen Kirche hier in Serbien.

Die Führung im Tesla Museum begann etwas verspätet. So ging sich noch ein Espresso in diesem netten Café am Gehsteig aus.

Führung im Tesla Museum

Serbisches Parlament in Belgrad

Danach treffe ich Andreas im Tesla Museum. Sehr interessant, Nikola Tesla ist ja der Erfinder des Wechselstroms. Danach gehen wir wieder ins Stadtzentrum und kehren im mondänen Hotel Moskwa ein. Ich verkoste hier die Tart (Torte) Napoleon über die wir schon im Russischkurs soviel gehört haben. Sie schmeckt hervorragend, in Schichten mit Schoko-, Vanille- und ganzen Haselnussstücken gefüllt.

Tart (Torte) Napoleon – die Belgrader Variante, traumhaft gut!

Meine Russischlehrerin meint nach Ansicht eines Fotos der Torte allerdings, daß es sich wohl um die Belgrader Tart Napoleon handelte und die russische Tart Napoleon weiss sei. Wenn die auch so gut ist, dann weiß ich was ich mir in Zukunft zum Geburtstag wünsche… 🙂 Am Abend besuchen Andreas und ich nochmals den Kalemegdan und zwei kleinere Kirchlein. In einem Lokal direkt auf den Festungsmauern genießen wir den Sonnenuntergang und hören Musik aus den 1980er Jahren von einem nahegelegenem Club.

Kalemegdan (Festung) in Belgrad

Mosaik in der Crkva Svete Petke (Kirche der Heiligen Petka), in der es auch heilendes Wasser gibt.

23.06. Der erhoffte Regen und die damit verbundene Abkühlung kam nun doch. Während Andreas ein Museum und den Dom des Heiligen Sava besucht sitze ich in der lobby seines Hotels und schreibe diese Zeilen. Morgen fliegt Andreas wieder nach Wien und ich gehe weiter Richtung Süden und den Kosovo.

Gesamtkilometer: 1.150

SERBIEN (Teil 1) + KROATIEN: Backi Monostor (RS) – Apatin (RS) – Vukovar (HR) – Ilok (HR)

03.06. Frühmorgens frühstücke ich auf der Tankstelle und fülle mir noch beide 1,5 Liter Wasserflaschen an bevor ich Ungarn Richtung Kroatien verlasse.

Kroatien:

Ich befinde mich jetzt im 3 Ländereck zwischen Ungarn, Kroatien und Serbien. Es sind nur ca. 20km durch Kroatien bevor ich zumittag nach Batina an die kroatisch/serbische Grenze komme. Arbeiter sitzen mit ihren Motorsensen unter einem großen Baum und einer lässt mir meine Wasserflaschen nachfüllen. Ich mache gemeinsam mit ihnen Mittag und verdrücke die 3 Salamisandwiches, die ich mit meinen letzten ungarischen Forint an der Tankstelle gekauft habe. Dann lasse ich die ärgste Mittagshitze vorübergehen bevor ich um ca. 15:30 über die Grenze nach Serbien gehe.

Serbien:

Ich bekomme hier meinen ersten Stempel in den Pass seit ich von zu Hause weggegangen bin, Serbien gehört ja nicht zur EU und ich befinde mich jetzt in der Vojvodina. Die Vojvodina ist sehr fruchtbar, ein Völkergemisch und offiziell eine autonome Region in Serbien.

Das kyrillische Alphabet hat mich hier eingeholt und im Laufe der letzten beiden Tage stelle ich fest, dass viele Wörter im Serbischen gleich oder ähnlich im Russischen sind. So ist für mich mit meinen wenigen Russischkenntnisse die Kommunikation doch einfacher als in Ungarn. Zumindest kann ich auch alles lesen, wie Ortsschilder usw. Gegen Abend erreiche ich nach 36 km Backi Monostor wo ich zuerst einmal ein Jelen (gutes serbisches Bier) trinke. Ich decke mich hier bei einem Bankomaten mit serbischen Dinar ein (1€ = ca. 116 SRD) und kaufe mir eine lokale serbische SIM Karte. So bin ich zumindest über WhatsApp erreichbar und natürlich auch via Email. Und so erreicht mich auch die gute Nachricht von zuhause, dass die Familienchronik fertig wurde und meine Schwester Edith schon fleißig beim Schmökern ist. Noch ein Jelen und Cevapcici beenden den langen Tag und als ich mein Zelt am Ortsrand aufbaue brauche ich schon die Stirnlampe.

04.06. Es hat heute Nacht geregnet und so packe ich frühmorgens mein nasses Zelt ein. Ich gehe entlang der Dunav, so wird die Donau hier genannt, in das 20 km entfernte Apatin. Ich merkte in der Zwischenzeit, dass ich eine Dusche brauche und so habe ich mir heute gegen Mittag ein Zimmer um ca. 20€ in der Marina von Apatin genommen. Die Dusche war herrlich und die gewaschene Wäsche und das nasse Zelt trocknen gerade auf dem Balkon. Cevapcici und ein kühles Jelen in der Marina lassen mich hier gut ankommen. Generell finde ich, dass hier auf den Straßen viel los ist. Es wird Musik gespielt und viel gelacht. Hier fängt der Balkan an!

05.06. Ich war wieder einige Tage unterwegs und so lege ich einen Rasttag ein. Gefrühstückt wird hier so, dass man zuerst in die pekara (Bäckerei) geht und sich etwas zum Essen kauft. Dann sucht man sich ein naheliegendes Café und trinkt dort einen Kaffee und isst das Mitgebrachte dazu.

Auch der schwarze Kaffeesatz lässt die Nähe zu Griechenland und Türkei erahnen. Auf Empfehlung von Fatmira vom Russischkurs in Linz nehme ich mir eine Pljeskavica vom Markt mit ins Hotelzimmer. Es ist ein Hackfleischgericht und gilt als Nationalspeise in Serbien. Es schmeckt vorzüglich. Ich erhole mich heute nachmittag im Hotelzimmer und schaue mir im TV das Tennis Herrenfinale in Roland Garros an. Señor Rafael Nadal gewinnt hier zum 14!!! Mal, diesmal gegen Casper Ruud aus Norwegen. Er ist ein Gigant hier.

06.06. Ausgeruht und mit frisch gewaschener Wäsche starte ich frühmorgens Richtung Süden. Ich werde kommendes Wochenende wieder Christian und Lili treffen. Diesmal in Backa Palanka, der Geburtsstadt von Lili. So habe ich noch etwas Zeit und ich entschließe mich auf der kroatischen Seite der Donau hinunter zu wandern. In Erdut mache ich am Grenzübergang eine Stunde Pause und trinke 2 Liter Wasser, die Hitze legt zu.

Kroatien:

Dann gehe ich über die Donaubrücke und erreiche gegen Abend die Ortschaft Dalj in Kroatien. Hier gibt es einen ATM wo ich mir zuerst einmal einige kroatische Kuna (1€ = ca. 7,5 kroatische Kuna (HRK)) zulege. Nach einer Pizza und einem Osiecky Bier schlage ich gegen Dämmerung mein Zelt am Donauufer auf.

07.06. Im Ortskaffee beobachte ich die vielen Polizisten, die hier beim Plausch sitzen. Generell ist hier die Polizei viel präsenter als in Ungarn, wo ich oft tagelang keine Polizei gesehen habe. Es ist hier halt Grenzgebiet, etc… Gegen Mittag erreiche ich dann Vukovar, wo ich im Mornar Restaurant eine Fischsuppe esse und mein weiteres Vorgehen plane.

In den Aussenbezirken von Vukovar. Die Kriegsspuren des Jugoslawienkrieges in den 1990er Jahren sind noch gut sichtbar.

Gegen späten Nachmittag frage ich in den Straßen von Vukovar einen Jungen nach einem Quartier. Nach kurzem Überlegen ruft er seine Vermieterin an. Sie ist gerade in Deutschland und vermietet mir kurzerhand ihre Wohnung für einen wohlfeilen Preis. So geht das hier auf dem Balkan. Am Abend besuche ich die Innenstadt und den Wasserturm, ein Kriegsmahnmal an den Balkankrieg in den 1990er Jahren.

Vukovar war damals schwer betroffen vom Krieg (ähnlich wie jetzt Mariupol in der Ukraine) und die vielen Einschusslöcher in den Hausfassaden zeugen auch heute noch davon.

08.06. Im Kaffeehaus komme ich mit dem Besitzer und der Kellnerin ins Gespräch und wir trinken gemeinsam noch zum Abschluss ein Anisschnäpschen. Der Besitzer lässt nicht zu, dass ich bezahle. Auch hier wird Gastfreundschaft GROSS geschrieben… Vukovar war einst Teil des Habsburgerreiches, die barocken Fassaden in der Innenstadt erinnern noch daran. Gegen Abend lerne ich Kresi-mir kennen, einen 46-jährigen Kroaten, und er erzählt mir viel aus seinem Leben.

Dann werden wir auch noch Zeuge von einer lautstarken Auseinandersetzung zw. einem Kroaten und einem Serben. Kresi-mir erklärt mir, dass es hier immer noch starke Spannungen zw. Serben und Kroaten gibt. Daher wohl auch mehr Polizeipräsenz… Kresi-mir hat als 15-jähriger Junge seine Eltern im Krieg verloren und hofft auf eine friedliche Zukunft. Sehr bedrückend solche Geschichten…

09.06. Heute habe ich mir die mehr als 40 km nach Ilok, der letzten Stadt in Kroatien, vorgenommen.

Graffiti am Stadtausgang von Vukovar. In rot die Skyline von Vukovar.

Dementsprechend früh stehe ich dann vor der Bäckerei und die Verkäuferin gibt mir ausnahmsweise noch vor der Öffnung um 5h etwas zu essen und zu trinken. In Sarengrad wurde vor kurzem die letzte Kneipe zugesperrt. Jetzt stehen zwei Parkbankerl im Schatten vor dem Lebensmittelgeschäft, eine Bar auf Balkanart! Als ich dann das Dorf verlasse ruft mir ein Einheimischer nach ich solle doch eine Kaffeepause bei ihm machen.

Er ist bereits in Pension und war in seinem Leben viel im Ausland. Jetzt lebt er hier mit seiner Frau und ich merke wie froh er ist wieder einmal über frühere Zeiten reden zu können. Ich gehe dann durch viele Weingärten nach Ilok wo ich ziemlich müde gegen Abend ankomme.

Christian gab mir in Pecs den Tipp im Franziskanerkloster um ein Zimmer zu fragen. Nach langem Läuten und der Hilfe einer Einheimischen öffneten sich dann doch noch die Pforten. Ein Mönch namens Brat Grgur (Bruder Gregor) in seinem braunen Gewand mit weißer Kordel um die Hüften fragte mich in gutem Englisch was ich wolle, woher ich kam und wohin ich wolle. Nach kurzem Gespräch ließ er mich ein und zeigte mir mein Zimmer. Nach einer Dusche fühlte ich mich wie neu geboren. Als es dann draußen auch noch zum Donnern und Regnen anfing fühlte ich mich pudelwohl in meinem Zimmer. So schlief ich auch schon gegen 20h ein. Selten fühlte ich mich in einem Quartier so geborgen und willkommen wie hier. Mittelalterliches flair kommt auf!

10.06. Ich hole mir von der Bäckerei Croissants und frühstücke im Kloster. Brat Grgur kommt gegen 9h bei mir im Zimmer vorbei und gemeinsam setzen wir die Waschmaschine mit meiner Wäsche in Gang. Zumittag war ich heute im Hotel Dunav an der Donau. Zum Essen war es mir allerdings dort zu laut, da gerade ein Reisebus ankam. Im Zurückgehen zum Kloster kaufte ich mir noch ein Böreck und trank dazu ein Franziskaner Weißbier in der Klosterküche. So wie es sich hält in einem Franziskanerkloster gehört… 🙂

Morgen werde ich dann wieder über die Grenze nach Serbien und Backa Palanka gehen und am Nachmittag Christian und Lili treffen.

Fazit Kroatien: Kroatien ist im Gegensatz zu Serbien Teil der EU und wird mit Anfang 2023 den Euro als Zahlungsmittel einführen. Dementsprechend höher ist hier auch das Preisniveau im Vergleich zu Ungarn und Serbien. In Slawonien, so wird hier die kroatische Donauregion genannt, leben hauptsächlich katholische Kroaten aber auch einige orthodoxe Serben und muslimische Bosnier. Ich wünsche dem Land weiterhin eine friedliche Zeit in diesem interessanten Völkergemisch.

Gesamtkilometer: 984