KOSOVO

07.07. Nach einer ruhigen Nacht an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo gehe ich heute die letzten paar Kilometer entlang einer Schnellstraße an die Grenze.

An der Grenze zwischen Serbien und Kosovo – die Nummerntaferln werden fleißig abgeklebt

Hier wundere ich mich warum alle Autofahrer Teile ihrer Nummerntaferln abkleben. Später in einem Café wird mir erklärt, dass dies seit 2021 so von der serbischen und kosovarischen (kosovoalbanischen) Regierungen angeordnet sei. Es gab 2021 wieder einmal Zwischenfälle…

Mit weißen Streifen abgeklebtes serbisches Nummerntaferl

Im nördlichen Teil des Kosovo (nördlich des Flusses Iber), in dem vor allem immer noch Serben wohnen, dürfen Serben ihre 3 Buchstaben (SRB) und das Nationalsymbol vom Nummerntaferl nicht öffentlich zeigen. Umgekehrt auch Leute aus dem Kosovo nicht die 3 Buchstaben (RKS) in Serbien. Serbien, und auch manch andere Länder wie Griechenland, Spanien, Slowakei, Russland und China haben ja nach wie vor nicht die Rechtsstaatlichkeit des Landes Kosovos anerkannt. Offiziell erklärte Kosovo als ehemalige Teilregion von Serbien 2008 seine Unabhängigkeit. Nach dem Kosovo Krieg von 1998 bis 1999, der damit endete, dass die NATO Serbien Angriff um so der albanischen Bevölkerung im Kosovo zu helfen, erhielten die Kosovaren (zu fast 90% Kosovo Albaner) ihr eigenes Land. Die Lage an der Grenze zwischen Serbien und Albaner ist nach wie vor angespannt. KFOR (Kosovo Force) Einheiten, von der NATO aufgestellte Einsatztruppen, sichern im Kosovo immer noch den Frieden ab. Amtssprachen sind Serbisch und Albanisch. Das ca. 1,9 Mio Einwohner zählende Land wird von einer Kosovo-albanischen Regierung geführt, Hauptstadt ist Pristina.

Genug der Politik jetzt, aber irgendwie ist es Thema Nr. 1 wenn Du in dieses Land kommst… Am Weg nach Lesak sehe ich auch gepanzerte Polizeiautos, für den Fall der Fälle.

Gepanzerte Polizeiautos in der Nähe der Grenze zu Serbien

In Leposavic mache ich schließlich Mittagspause und in einem Café erklärt mir dann eben ein Pärchen die Story mit den Nummerntaferln. Am Weg Richtung Vuca passiere ich noch ein KFOR Camp wo ich mit einem jungen Amerikaner aus Virginia rede. Er sei schon lange hier, meinte er und wolle auch einmal Österreich sehen. Weitere Fotos ließ er letztlich nicht mehr zu.

KFOR (Kosovo Force) Camp Nothing Hill im Norden des Kosovo

Landschaft im Norden des Kosovo

Lieber Serben vor Vuca, im Norden des Kosovo

Lieber Serbe vor Vuca. Im Sack waren leere Maiskolben.

Ziemlich müde stelle ich in Vuca in der Nähe der Kirche mein Zelt auf und esse auf einem Parkbankerl mein mitgebrachtes Burek.

Meine erste Nacht im Kosovo – diesem Zeltplatz hatte ich noch einen lustigen Abend zu verdanken!

Plötzlich sehe ich, dass sich 2 Männer für mein Zelt interessieren. Später kommt einer davon zu mir und ich erkläre ihm in meinem spärlichen Serbisch die Situation. Daraufhin nimmt er mich mit in das Haus seines Vaters Stanko und es wird einer dieser langen und lustigen Abende wie ich sie schon des öfteren auch in Serbien erlebt habe.

Die Gastfreundschaft geht weiter – hier in Vuca im Norden des Kosovo

Dexi, eine Deutsche aus dem Sauerland, erklärt mir, dass wir hier immer noch offiziell in Serbien sind, es lebe der Nationalismus. Und es sei halt nicht so üblich, dass hier in dieser Gegend wo ein Zelt steht… 🙂 Auf NATO und EU sind sie nach wie vor nicht gut zu sprechen und ich erfahre an diesem Abend auch von Stanko, dass Boris Johnson abgedankt hat. Ganz zu seiner Freude, und nicht nur zu seiner… 🙂

08.07. Heute ist nicht so mein Tag (zu viel Raki am Vorabend???) und ich mühe mich in das ca. 20 km entfernte Zvecan wo ich in einer Bäckerei wieder Burek und eine der Tomaten esse, die mir Stanko mit auf den Weg gab. Die Tomaten sind hier einfach ein Traum! Fleischig, saftig und geschmacklich einfach tomatisch… 🙂 Dann gehe ich noch die letzten Kilometer nach Mitrovica wo ich mich um 15 € im Hotel North City einquartiere.

Blick auf Mitrovica

Statue des Prinzen Lasar in Nord-Mitrovica – ein mittelalterlicher serbischer Führer, der 1389 die Kosovo Schlacht am Amselfeld gegen die Osmanen austrug. Sein Finger zeigt Richtung Amselfeld in der Nähe von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo.

Ich merkte, dass ich wieder einmal eine Dusche brauchte. Der freundliche Mladen an der Rezeption hilft mir auf der Terrasse mein Zelt, usw zu trocknen und erklärt mir, dass der Großteil der Kellner, etc derzeit an die Küste nach Montenegro und Kroatien gehen wo sie das Vielfache verdienen. Ebenso der Unterschied der Gehälter bei Hotelangestellten. Er bleibt noch, weil er noch ein paar Prüfungen von seinem Studium abschließen will und möchte dann ebenfalls ins Ausland.

Nach 1,5 Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt im angrenzenden Café fühle ich mich wieder etwas besser und erkundige die Stadt. Mitrovica ist ja durch den Fluss Iber in einen nördlichen (serbischen) Teil und einen südlichen Teil (kosovoalbanischen oder kosovarischen) getrennt. Die Kosovoalbaner sagen auch, dass nördlich der Brücke Serbien beginnt. An der südlichen Seite der Brücke in Mitrovica steht die kosovarische Polizei, an der nördlichen Seite die internationalen KFOR Soldaten mit ihren Gefährten. Überquert kann die Brücke nur zu Fuß werden.

Brücke in Mitrovica, die Grenze zwischen dem nördlichen (serbischen) Kosovo und dem südlichen (kosovoalbanischen oder kosovarischen) Kosovo

09.07. Beim Frühstück heute im Hotel erklärt mir auch der Kellner, dass auf der südlichen Seite und auch weiter im restlichen, südlichen Kosovo nur mehr mit Euro bezahlt werden kann. Ich werde jetzt dann entscheiden (und vor allem den Wettergott fragen) ob ich heute weiter gehe oder nicht. Seit gestern hat es endlich abgekühlt, allerdings ist für heute Regen angekündigt (der allerdings dann meistens eh nicht kommt). Mladen, der nette Rezeptionist erklärt mir, dass es heute den ganzen Tag regnen wird und so entschließe ich mich spontan einen Ruhetag einzulegen.

Mladen, der nette Rezeptionist im Hotel North City im nördlichen Mitrovica

Irgendwie waren die letzten Tage anstrengend… Am Morgen telefoniere ich auch wieder einmal länger mit Muttern, es gibt heute ein Gartenfest und sie macht dafür Apfelschlangerl! Da kann das Fest ja nicht mehr schief gehen… 🙂 Mladen erzählt mir danach auch noch viel über die Geschichte von Serbien, Kosovo und dem früheren Jugoslawien und empfiehlt mir angesichts der Wetterlage einen 3-teiligen Film über die Geschichte Jugoslawiens, Kosovo, etc… auf YouTube anzuschauen.

Titel des 3-teiligen Films:

Das Gewicht der Ketten (Weight of Chains), produziert 2010 einem jungen serbo-kanadischen Regisseur. Habe mir heute den ersten Teil angesehen – – > https://youtu.be/waEYQ46gH08

–> sehr empfehlenswert!!!

Der Bart wurde mir in der Hitze auch immer mehr lästig und so ließ ich ihn mir in einem Frizersalon (so heißen hier die Friseure) abrasieren. Das ganze um 100 serbische Dinar, ca. 1 Euro.

10.07. Frühmorgens um halb sechs lässt mich der Nachtwächter aus dem Hotel und ich überquere die Brücke in den Teil des Kosovos, in dem hauptsächlich Kosovoalbaner leben.

Moschee im südlichen Mitrovica

Ich komme gut voran und gegen Mittag zeigen mir Kinder einen verstecken Minimarkt, wo ich mir ein Eis und ein Cola kaufe, ich brauche Zucker… 🙂

Danach lerne ich Sabedin kennen, der mich in seinen Wohnwagen auf einen Kaffee und Baklava einlädt.

Mit Sabedin und seiner Tochter in seinem Wohnwagen – der Kaffee und die Baklava schmeckten hervorragend!

Er spricht wie viele Kosovaren gut Deutsch, da er auch einmal in Deutschland gearbeitet hat. Später kommt auch noch seine Tochter dazu und wir haben eine schöne Kaffeepause. Die Leute haben nicht viel hier und trotzdem wollen sie dir immer wieder etwas schenken oder irgendwie helfen! Welch Unterschied zu westlichen Ländern denke ich mir jeden Tag immer wieder! Wir können hier noch viel lernen…

Am Weg nach Obilic passiere ich Dörfer, in denen Roma (Zigeuner) leben und letztlich grüsst mich ein hier lebender Serbe mitten auf der Straße mit lauten Worten ‚Welcome to Serbia!‘. Nun, so etwas in einem Land wie Kosovo zu sagen oder laut zu rufen, ist schon sehr provokant… Da ich ihm mit meinen paar Wörtern Serbisch meine Geschichte grob erklären kann lädt er mich in seine Kneipe auf ein Cola ein. Wir schauen nebenbei auch noch das Wimbledon Finale der Herren, das ihr serbischer Held Novak Djokovic in 3:1 Sätzen gegen den Australier Nick Kyrgios für sich entscheidet. Die Welt ist zumindest für heute wieder in Ordnung! Dann gehe ich weiter durch heruntergekommene Straßen, die von Roma bewohnt sind, passiere ein Kohlekraftwerk und erreiche gegen Abend letztlich die Stadt Obilic.

Kinder beim Spielen vor der Stadt Obilic

Kinder vor der Stadt Obilic

Auch hier spricht der Besitzer einer kleinen Pizzeria gut Deutsch und verschafft mir letztlich einen guten Platz zum Zelten – direkt im Garten der Hauptmosche!

11.07. Am Weg nach Pristina komme ich beim Gazimestán Denkmal vorbei, einer Gedenkstätte im Kosovo.

Gazimestan Denkmal, eine Gedenkstätte an die Schlacht am Amselfeld im Jahre 1389, bei der sich osmanische und serbische Streitkräfte gegenüber standen.

Wieder ein kleiner Ausflug in die Geschichte:

Sie befindet sich am Schauplatz der Schlacht auf dem Amselfeld, in der sich am 28. Juni 1389 ein christliches Heer, dessen serbische Hauptkontingente von den serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović und Vuk Branković geführt wurden, der muslimischen osmanischen Streitkraft unter Sultan Murad I. entgegenstellte.

Die Schlacht, in der sowohl Lazar als auch Murad zu Tode kamen, war vorentscheidend für Serbiens Übergang in die Vasallenschaft des auf den Balkan vordringenden Osmanischen Reichs. In der Moderne wurde jedoch mit dem als Niederlage empfundenen Ereignis ein serbisches nationales Mythos begründet, das Amselfeld- bzw. Kosovo-Mythos. 1459 wurde Serbien endgültig von den Osmanen erobert und blieb bis 1804 Teil des Osmanischen Reiches.

Am späten Vormittag erreiche ich dann Pristina, wo ich mir vorerst einen Kaffee mit guter Aussicht auf die Stadt kaufe. Auch hier lerne ich wieder einen Kosovaren kennen, der gut Deutsch spricht und hier neben mir mit seinem Bruder sitzt. Er sei mit der derzeitigen Regierung mit Premierminister Albin Kurti zufrieden, der zumindest versucht, die Korruption in Grenzen zu halten. Amerikaner, Israel, aber auch westeuropäische Länder haben bei den Kosovaren grosses Ansehen. Sie haben ihnen letztlich im Kosovokrieg 1998 und 1999 zum Sieg gegen die Serben verholfen. Vorausgegangen war dem Krieg gegen die Serben, daß der damalige serbische Präsident Milosevic 1989 der damals autonomen serbischen Region Kosovo den Autonomiestatus entzogen hat, was letztlich 1998 zum Krieg führte.

Im Zentrum lerne ich bei der Bibliothek Dardan kennen und er lädt mich zu einem Kaffee in das Café Monaco ein.

Mit Dardan im Café Monaco

Das NEWBORN Monument (Neugeborenendenkmal) im Zentrum von Pristina – es wurde am 17.2.2008 enthüllt, an dem Tag an dem das Kosovo offiziell seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.

Er arbeitet für eine NGO und war schon des öfteren in Wien. Die Wizz Air bietet manchmal in der Nebensaison um 20 oder 30 Euro einen Retour Flug nach Wien an, da geht sich das schon aus. Letztlich fahre ich noch mit dem Lift auf den Turm der Mutter Theresia Kathedrale von wo ich einen wunderschönen Blick über die Stadt genieße.

Blick von der Mutter Theresa Kathedrale in Pristina – im Vordergrund die Nationalbibliothek und eine verlassene orthodoxe Kirche

Da ich heute noch bei Kräften bin, entschließe ich mich spontan noch in das ca. 8 km entfernte Städtchen Gračanica zu gehen. Es gibt dort ein Frauenkloster und eigentlich wollte ich dort im Pilgerraum des Klosters schlafen. Doch es war schon geschlossen und so schlief ich in meinem Zelt direkt in einem kleinen Park vor der Polizeistation. Wenn man da nicht sicher ist… 🙂 Raki wird dann zu guter letzt auch noch getrunken, da hier vorwiegend Serben in dieser kleinen Stadt wohnen.

12.07. Nach einer doch ziemlich lauten Nacht mit vielen vorbeifahrenden Autos gehe ich noch etwas verträumt in eine Bäckerei wo ich frühstücke. Hier kostet ein Schokocroissant zB 50 Cent, ein Kaffee ebenso, eine mittelgroße Pizza 2 Euro, also definitiv das bisher billigste Land bis jetzt. Um ca. 7h morgens gehe ich dann ins ca. 700 Jahre alte orthodoxe Frauenkloster, wo heute eine etwas längere Messe bis fast 09:30 stattfindet.

Das ca. 700 Jahre alte Frauenkloster Gračanica, es wohnen derzeit noch ca. 15 Nonnen drinnen.

Morgengebet im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe wurden Kerzerl angezündet – im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe kaufe ich mir, wie von Fatmira vom Russischkurs in Linz empfohlen, eine brojanica, ein Armband aus Knoten, das mich auf meiner Reise beschützen soll. Möge es seine Wirkung haben… Dann gehe ich noch in den Ort Janjevo, wo ich Sandi aus Neumünster bei Hamburg kennenlerne. Er ist gebürtiger Bosnier aus der Nähe von Sarajevo, der in Neumünster ein kroatisches Lokal führte. Jetzt ist er schon in Pension und genießt das Leben. Zu seinem Land Bosnien Herzegowina meinte er nur: Dieses Land ist für die nächsten 100 Jahre ruiniert… Auf meine Frage, wer es wohl ruiniert habe, meinte er nur: Na, wer wohl… Das bekannte Daytona Abkommen mit 3 verschiedenen Präsidenten in einem Land hätte er nie gemacht.

Mit Sandi, einem gebürtigen Bosnier, in einem Café in Janjevo
Verlassene Gebäude in Janjevo – ein durchaus übliches Bild im Kosovo

Es passiert in diesem Land soviel jeden Tag, vor allem lerne ich soviele Menschen kennen, dass ich manchmal schon aufpassen muß um alles richtig einzusortieren. Zum Teil bleiben die Einheimischen mit ihren Autos stehen und sprechen mich an, usw. weil sie einfach nur wissen wollen von wo ich komme, etc. und helfen wollen. Es war in keinem Land bisher so wie hier. Zwischen Janjevo und Giljani übernachte ich wieder im Zelt auf einer einsamen Wiese in den Bergen des Kosovo. Und der Vollmond leuchtet die Landschaft aus. Und ein bisschen Ruhe tut auch gut.

13.07. Nach einer Nacht mit gutem Schlaf gehe ich anfangs durch viel Grün und gegen Mittag erreiche ich eine Tankstelle mit einem Restaurant.

Reiter am Weg nach Giljani

Ich esse ein Teller Döner mit Salat, trinke eine Cola und dann noch einen Macchiato. Kosten: 2,50€. Also: Gebt der Inflation und den steigenden Preisen zuhause keine Chance und macht Urlaub im Kosovo! 🙂 Ihr seid sicher gerne willkommen… Der Kellner hilft mir ein Plätzchen zu finden um mein nasses Zelt zu trocknen. Ich habe in der Nähe eines kleinen Baches geschlafen, da ist die Luftfeuchtigkeit dementsprechend hoch und das Zelt so nass als hätte es geregnet. Gegen Abend erreiche ich dann die Stadt Giljani im Osten des Kosovo wo ich mir eine Nacht im Hotel Kristall gönne. Duschen, Essen gehen und einmal von einer sehr netten Hotelangestellten die Wäsche waschen lassen tut auch wieder einmal gut. Wie neu geboren liege ich derzeit im Kingsize Bett und höre den Muezzin die Moslems zum Gebet rufen. Ohne mich, ich schlafe jetzt eine Runde!

Blick vom Hotel Kristall auf Giljani

14.07. Ich frühstücke noch im Hotel bevor ich noch in der orthodoxen Kirche einem Gottesdienst beiwohne.

Gottesdienst in der orthodoxen Kirche in Giljani
Markt unweit der orthodoxen Kirche in Giljani

Am Weg nach Letnica, einem sehr bekannten Wallfahrtsort im Kosovo, werde ich unterwegs wieder einmal aufgehalten und zu einem Kaffee eingeladen.

Selbst nach dem amtierenden Präsidenten der USA wurde eine Straße benannt – sie wurde 2016 (nach dem Tod des Sohnes von Joe Biden 2015) nach ihm benannt. Kosovo sieht die USA als Retter der Nation, seit 1999 die NATO-Luftangriffe die Tötungen durch serbische Truppen gestoppt haben.

Die Kosovoalbaner wollen sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres Staates revanchieren, erfahre ich von einem in der Schweiz arbeitenden Mann. Der Kosovo ist ja das jüngste europäische Land und hat erst 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. In Remnik geht mir dann das Essen aus und ich habe Glück gerade noch vor der Gebetsstunde um 13h in einem Minimarkt Brot, Sardinen und 2 Tomaten zu ergattern. Während die Einheimischen in ihrer Moschee beten, finde ich auf der Rückseite der Moschee zwei Bankerln im Schatten wo ich Mittagspause mache. Auf dem Dach der Moschee haben Störche ihr Nest gebaut und ich schaue ihnen ein wenig beim Weg- und wieder zurückfliegen zu. Danach kommt noch ein Einheimischer zu mir, der etwas Französisch spricht und so unterhalten wir uns eben in dieser Sprache wenn ich schon nicht Albanisch und er nicht Deutsch spricht. So gegen 14h geht er dann nach Hause Mittagessen.

Muslimischer Kosovoalbaner vor der Moschee in Remnik – die weiße Kopfbedeckung sei typisch für die Albaner.

Ich schlafe noch etwas auf der Bank und nach 15h, als die ärgste Mittagshitze vorbei ist, gehe ich nach Stubble, wo es eine katholische Kirche gibt. Im Restaurant Park Ilir erfahre ich von Adonis, dem Sohn des Chefs, dass das gegenüberliegende KFOR Camp 2011 geschlossen wurde und jetzt ein verlassenes Gebäude ist. Er selbst studiert gerade Mechatronik in der Hauptstadt Pristina und hilft hier in den Ferien seinem Vater in ihrem Betrieb. Ich esse Paragjelle Ilire, eine traditionell albanische Kost und letztlich lädt Adonis mich noch auf eine Cola ein.

Traditionelle albanische Kost – Paragjelle Ilire (auf dem linken Teller Pogaqe – – > das Brot, auf dem rechten Teller Ajvar (rot), eine Mischung aus Paprika und Auberginen; dann Ajk (weiß), joghurtähnlich und von der Kuhmilch gewonnen und letztlich ghiz (rosa; Käse von der Kuhmilch gewonnen). Es war mir letztlich zu viel und ich nahm mir die Hälfte für den nächsten Tag in einer kleinen Box mit.

Bei angenehmen Temperaturen gehe ich am Abend dann noch die letzten 3 Kilometer nach Letnica wo ich derzeit in der Unterkunft der katholischen Kirche logiere. Morgen hat mich Don Marian, so heisst der Pfarrer hier, um 7h zum Frühstück eingeladen. Er hat 11 Jahre in der Schweiz gearbeitet und spricht daher sehr gut Deutsch. In der Unterkunft habe ich endlich eine Badewanne gefunden und so konnte ich das kleine Loch in meiner Isomatte lokalisieren. Es war immer etwas Luft in den letzten Nächten ausgegangen… Ich habe das Loch mit einem Kugelschreiber markiert und morgen, wenn alles trocken ist, werde ich das Loch mit einem mitgebrachten Reparaturkit zukleben. Gute Nacht!

Das Loch war gefunden – jetzt muss es nur mehr geflickt werden… 🙂

15.07. Noch vor dem Frühstück mit Don Marian verklebe ich das winzige Loch in der Luftmatratze. 2 Nächte später im Zelt kann ich sagen, dass die Reparatur erfolgreich war und die Luft jetzt wieder zur Gänze hält. Ich frühstücke dann mit den beiden Pfarrern Don Marian und Don Alexander.

Frühstück mit Don Marian (links) und Don Alexander in Letnica

Don Marian spricht gut Deutsch. Er hat eine Schwester, die in Graz lebt und die er hin und wieder besucht. So gegen 8h morgens bedanke ich mich dann bei beiden für die Aufnahme und gehe Richtung Grenze zu Nordmazedonien. Dabei treffe ich zwei Schafhirten mit denen ich ca. 1 Stunde Rast im Schatten mache.

Lustige Zeit mit zwei Schafhirten am Weg von Letnica nach Smirë

In wunderschöner Bergwelt gehe ich dann die letzten Kilometer nach Smirë. Heute ist Freitag und während die Einheimischen um 13 Uhr die Moschee aufsuchen, esse ich draußen im Schatten die Reste von gestern.

Freitag pünktlich um 13h ist Gebetsstunde in den Moscheen, wie hier in Smirë

Bevor ich mich zur Bergetappe nach Kacanik aufmache, lädt mich ein Einheimischer noch auf einen Kaffee ein. Wie so oft hier reden manche Kosovaren Französisch, da sie einmal in der Schweiz, meistens Genf, gearbeitet haben. Ich gehe dann so um 15h los und am Ortsende holt mich noch ein Junge mit dem Fahrrad ein. Er drückt mir mit Lächeln noch eine Flasche Orangensaft in die Hand. So ist es hier, unglaublich… Und später am Weg nach Kacanik habe ich noch oft an diesen Jungen gedacht. Wie wenn er es gewusst hätte! Mir ging fast bei diesen Höhenmetern der ‚Treibstoff‘ aus und als ich Kacanik erreiche, waren meine flüssigen Vorräte zu Ende.

Schildkröten säumten den Weg nach Kacanik

Kacanik ist eine größere Stadt und hat eine Besonderheit. Es gibt keine Unterkünfte… So stärke ich mich einmal mit viel Cola und einer Burek und Joghurt bevor ich mich so gegen Dunkelheit auf Schlafplatzsuche mache. Manchmal komme ich mir wie ein Obdachloser vor, naja, ich bin ja auch einer… :-))) Und wieder war es eine nahegelegene Polizeistation mit einer kleinen Wiese davor, die mein kleines Problem löste. Ich frage 2 Security Leute und sie erlauben mir mit dem Daumen nach oben, dass ich vor ihrem Hüttchen mein Zelt aufstellen kann. Sie sehen mir dabei auch noch interessiert zu und ich höre sie reden wie ‚Aha, so macht er das, etc… :-)‘ Kurz darauf kommt ein deutschsprechender Kosovare vorbei und meint, einer von den beiden Security Beamten sei die ganze Nacht da und wird auf mich aufpassen. Selten fühlte ich mich so sicher wie in dieser Nacht!

Schlafplatz inmitten von Kacanik. Ein Security Beamter wachte über mich die ganze Nacht über vor der Polizeistation. Falimenderit (Danke)!

Einmal musste ich so um 2h morgens aus dem Zelt raus um meine Notdurft zu verrichten. Und tatsächlich, einer war im Hüttchen und hat mich sofort erspäht und mir mit der Hand lächelnd zugewunken. Was soll dir bei solchen Leuten echt passieren, denke ich mir….

Frühmorgens bedanke ich mich dann noch bei ihm und nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich heute Richtung Grenzübergang zu Nordmazedonien. Mein letzter Tag hier im Kosovo ist angebrochen und es überkommt mich etwas Wehmut. Am Weg zum letzten Ort vor der Grenze esse ich noch zumittag und mache mich dann in der Hitze auf zur Grenze. Nur nach Nachfrage bekomme ich vom Kosovo einen Ausreise- und von Nordmazedonien einen Einreise Stempel. Es geht hier eher locker ab, kein Vergleich zur Grenze zwischen Serbien und Kosovo! Nach 10 Tagen ist der Kosovo hinter mir und mit Nordmazedonien liegt ein neues Land und neue Abenteuer vor mir.

Fazit:

Selten, wahrscheinlich noch nie, habe ich soviel Hilfsbereitschaft und Zuspruch von der lokalen Bevölkerung erfahren. Dies hängt wohl mit ihrer Mentalität, aber auch mit der Tatsache zusammen, dass sie sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres erst seit 2008 unabhängigen Staates bedanken wollen. Es war für mich bisher das mit Abstand billigste Land, ein Macchiato kostet 30 Cent. Sie lieben und verehren den Westen, speziell die USA, wohin viele auch ausgewandert sind und dort arbeiten. Ich hoffe auf eine weiterhin friedvolle Zeit für dieses jüngste Land Europas. Falimenderit (Dankeschön) für eure Hilfsbereitschaft und die schöne Zeit, die ich bei Euch verbringen durfte. Wir, und damit meine ich mich selbst und den Westen, können noch viel von Euch lernen…

Gesamtkilometer: 1.790

8 Kommentare

    Richtsfeld Elfriede

    Sehr schön Folge dir jeden schritt.lg

      Georg

      Das freut mich… 🙂 bald gibt es wieder was Neues 😎👍 derzeit ist es einfach nur heiß…
      Liebe Grüße Georg👣🕊️

    Anton Mühlböck

    Ein wunderbarer Bericht von einer spannenden Reise von einer Region die ich vor 10 Jahren schon einmal etwas kennen lernen durfte. Viel Spaß und auf ein Wiedersehen in Linz wünscht Dir Anton

      Georg

      Lieber Anton,
      ja, der Kosovo ist schon ein interessantes Land hier am Balkan! Beim Verlassen dieses Landes kam auch ein wenig Wehmut auf…
      Liebe Grüße aus Skopje und alles Gute dir weiter auch, Georg!

    Holly Fredi

    Hallo Georg, sitze gerade auf der Bank vorm Haus und lese deinen Bericht, sehr spannend und interessant, wie immer, nur ich hätte nicht den Mut dazu, wünsche dir weiterhin viel Kraft und Ausdauer für deinen weiteren Weg an dein Ziel. Liebe Grüße Fredi 👣👍😎

      Georg

      Hallo Fredi,
      auch ich beginne jetzt schon ein bißchen zu staunen wo ich nun schon überall ankomme zu Fuß.. 🙂
      Aber generell sind diese Länder, wie jetzt der Kosovo, weit sicherer als unsere Medien berichten.
      Vielen Dank für deine Wünsche und Grüße retour nach St. Veit.
      Liebe Grüße und vor allem auch gesund bleiben, Georg 👣🕊️

    Sian R

    Your journey continues to be fascinating.
    Re. the fresco in the convent of Gračanica, I note the eyes have been removed. Perhaps this is an old one from the days of the iconoclasts, such as the ones we saw in Goreme, Turkey? Or was this done more recently, during the war which broke up Yugoslavia, by Muslims who were not prepared to destroy the fresco completely?

      Georg

      Hello Sian,
      I must admit that your eyes see more than mine. To be honest I don’t know for what reason the eyes are removed from the frescoes. But I just spoke with the waiter in a restaurant here in Skopje, Northern Macedonia, where I arrived today. He just said, that such things happened during the war many times, so he wouldn’t be surprised that this has political reasons…
      Take care my travel agent and greetings to London, Georg.
      PS: Just noticed today that h ere in Skopje all public buses are red doubledeckers! England must have good relations to Northern Macedonia… 🙂

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