UNGARN: Györ (Raab) – Balaton (Plattensee) – Pecs (Fünfkirchen) – Villany (Willand)

09.05. Nach einer längeren Mittagspause in Andau (Burgenland), in der ich meinen Reisebericht schreibe passiere ich am späten Nachmittag die Grenze nach Ungarn.

Willkommen ihr Magyaren, eure Sprache wird mir ewig verborgen bleiben. Aber nein, Siegfried gab mir bei der Verabschiedung noch ein paar Wörter mit wie ‚igen‘ (ja), ’nem‘ (nein), ‚kössenem‘ (danke), ‚teschek (bitte)’… ‚Jo napod‘ (Guten Tag) und ‚Viszlat‘ (Auf Wiedersehen) sind in der Zwischenzeit dazugekommen, natürlich auch ‚viz‘ (Wasser), dieses Wort werde ich noch sehr oft brauchen! Ich trinke derzeit ca 4 Liter Wasser pro Tag, Tendenz steigend, da es auch in Ungarn derzeit abnormal heiß ist. Bis zu 28 Grad steigt bereits das Thermometer in der ungarischen Tiefebene. Ich starte täglich bereits vor 6h und mache über die Mittagspause eine längere Pause, so entkomme ich der Mittagshitze. Der erste Ort in Ungarn ist Janossomorja (St. Johann), wo ich in einer kleinen Pension übernachte. Es ist ein langgezogener Ort und nach weiteren 2 km Fußmarsch ergattere ich dann doch noch ein Soproni.

10.05. Heute morgen versuche ich mein Glück beim Bankomaten und mit meinen Forint (derzeit 1€ = ca. 380 ung. Forint (HUF)) frühstücke ich in einer Bäckerei, die hier bereits um 4h morgens öffnen (gut für mich). Durch viel Natur und auch einer befahrenen Straße erreiche ich gegen Abend Lebeny (Leiden). In der Dorfkneipe trinke ich für den ersten Durst ein Borsodi und in Jimmy’s Pizzeria esse ich gebackenen Käse und trinke ein Soproni.

Stephan I der Heilige vor der Dorfkneipe in Lebeny. Er war ein magyarischer Fürst und von 1000 bis 1038 erster König des von ihm gegründeten Königreiches Ungarn. Er gilt als der Nationalheilige des heutigen Ungarns und christianisierte die heidnischen Magyaren.

Gestärkt frage ich die Kellnerin ob ich im Ort wo mein Zelt aufstellen könne. Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Chef schickt sie mich zum Sportplatz. Es ist bereits fast dunkel als ich hier mein Zelt aufbaue. In der Zwischenzeit dauert das nur mehr ca. 10 Minuten vom Ankommen beim Zeltplatz bis ich dann in meinem Zelt im Schlafsack liege.

11.05. Frühmorgens um 04:30 beobachtet mich ein Storch wie ich mein Zelt abbaue. Im Ort trinke ich noch einen Kaffee bevor ich entlang eines Dammes durch viel Grün gegen Mittag Györ (Raab) erreiche.

In einem Park trockne ich mein Zelt, Zeltunterlage und Schlafsack und quartiere mich ein wenig außerhalb der Stadt in einem Zimmer ein. Da Györ (ausgesprochen: Djör) eine liebe kleinere Stadt ist, beschließe ich hier eine zweite Nacht zu bleiben. Ich wasche am Nachmittag meine Sachen und erkundige am Abend die Stadt, die an der Raab liegt.

12.05. Heute ist Rasttag und ich genieße es länger als sonst zu schlafen und im Bett zu bleiben. Um 7h gehe ich dann frühstücken und streife durch die Stadt. Auf der modernen Universität esse ich zumittag kalte Früchtesuppe mit Erdbeeren und anderen Beeren und gefüllte Fleischrollade mit Erdäpfelpürre. Es schmeckte hervorragend und derzeit mache ich gerade Siesta in der Unterkunft. Am Abend durchstreife ich dann noch die Altstadt bevor es zu regnen beginnt. In der Zwischenzeit freue ich mich schon auf den Regen, da er auch Abkühlung bringt und mir so das Gehen erleichtert. In der Nacht hat es dann noch ein ordentliches Gewitter, das mich aus dem Schlaf holt.

13.05. Noch etwas verträumt starte ich kurz nach 5h als sich der Himmel wieder etwas beruhigt hat. Ich habe mich entschlossen die Route zu ändern und nicht nach Budapest und dann entlang der Donau Richtung Serbien zu gehen. Ich wollte immer schon einmal zum Plattensee und auch nach Pecs, das eine sehr schöne südungarische Stadt sein soll. Und so gehe ich heute von Györ aus nicht Richtung Osten sondern Richtung Süden in das Bakonygebirge. Es ist allerdings kein richtiges Gebirge in unserem Sinne sondern eher eine Hügelkette und wird deshalb auch Bakonywald (auf deutsch: Buchenwald) genannt. Die Wanderung durch den Bakonywald zum Balaton (Plattensee) wird fünf Tage dauern.

Schmetterlinge im Bakonywald

Am ersten Tag erreiche ich bei leichtem Regen Pannonhalma, das älteste Kloster in Ungarn. Es ist wie Melk und Göttweig auch ein Benediktinerkloster und liegt auf dem heiligen pannonischen Hügel inmitten grüner Landschaft. Da ich heute etwas schwächelte beim Gehen erreiche ich grad noch eine halbe Stunde bevor das Kloster zumachte die Eintrittspforte. Ich kann im Souveniershop meinen Rucksack lassen und eine Studentin zeigt mir noch im Schnelldurchgang die wichtigsten Gebäude im Kloster. Danach setze ich mich einmal gemütlich in den Klostergarten, trinke Kaffee und besorge mir Wasser für den Abend und den nächsten Morgen. Dazu fülle ich immer meine beiden 1,5 Liter PET Flaschen an und auch die 0,5 Liter PET Flasche, die mich untertags auch immer mit Wasser versorgt. Nachdem sich alle Leute in das darunter liegende Dorf begeben haben, beginne ich mir eine Suppe zu kochen. Einige hundert Meter entfernt liegt das Millenniumdenkmal, wo ich im 5 Millionen Sternenhotel mit Blick auf das Kloster eine wunderschöne Nacht verbringe.

14.05. Dieser Tag bringt mich durch viele ehemalige schwäbische Dörfer, in denen zum Teil auch noch Deutsch gesprochen wird. Die Ungarndeutschen stammen ursprünglich aus Bayern und wurden Ende des 18. Jahrhunderts hier angesiedelt um das Land urbar zu machen. Nach 1945 wurden sie aufgrund der Kollektivschuld größtenteils aus diesem Gebiet vertrieben, manche zweisprachigen Ortsschilder erinnern noch an sie. In Laßldorf stärke ich mich mit gebackenem Käse bevor ich wieder auf dem Sportplatz mein Zelt aufstelle und übernachte. Auch das Schlafen im Zelt wird mir immer angenehmer und ich schlafe in der Zwischenzeit schon sehr gut auf der aufgeblasenen Luftmatratze.

15.05. Heute ist Sonntag und es ist so gut wie alles geschlossen in diesen abgelegen Dörfern. In Bakonybel finde ich dann doch ein offenes Restaurant in dem ich Bohnensuppe bekomme. Ich komme mit Ferri (Kurzform von Ferenc (Franz)) ins Gespräch. Er spricht sehr gut Deutsch und erzählt mir, dass er in München eine eigene Firma hat, die sich mit Altbausanierungen beschäftigt. Er erzählt mir auch, dass alleine im letzten Jahr über 40.000 Deutsche nach Ungarn gezogen sind. Vor allem wegen dem doch noch immer günstigeren Preisniveau als in Deutschland. Auch er hat sich kürzlich in Bakonybel ein Haus mit 240 m2 Wohnfläche und 2.000 m2 Grund gekauft. Gekostet hat es satte 90.000 €, er meinte allerdings, dass er Glück hatte. In Böhmischhütten fülle ich bei einer netten Familie meine Wasserflaschen auf und bekomme auch noch ein kühles Soproni in der Dose angeboten.

Ich übernachte in Böhmischhütten am Ortsrand und verspeise die aus Bakonybel mitgebrachte Pizza, da auch hier nichts offen hat.

16.05. Nach einer ruhigen Nacht und nur einigen Hundegebellen trinke ich nach 2 Stunden Fußmarsch in Varoslöd (Waschludt) zwei Kaffees zum Munterwerden. Mittags mache ich in Urkut (Urbrunn) eine längere Mittagspause und esse ein Schweinekotelett auf Karpaten Art. Das Fleisch ist mit gratinierten Kartoffeln umgeben und ordentlich deftig.

Schweinekotelett auf Karpaten Art

Mein Ziel ist heute noch nach Großschwaron zu kommen. Der Wetterbericht meldet Regen in der Nacht. In solchen Fällen versuche ich eher ein ordentliches Dach über dem Kopf zu haben. Bei der Ankunft erspähe ich in der Nähe der Burg einen überdachten Rastplatz mit Tisch und Bänken, ein idealer Platz für mich.

17.05. Nach einer dann doch relativ trockenen Nacht starte ich heute schon um 04:45, der Balaton ruft. Noch bin ich allerdings nicht auf dem Plattensee und erst nach ca. 3 Stunden kommt ein Kirschbaum, der mir ein unerwartetes Frühstück bereitet.

Dann erblicke ich das erste Mal den See, der doch um einiges größer ist als der Neusiedlersee.

Balaton (Plattensee)

In Balatonfüred kaufe ich beim Aldi ein und esse ein ganzes Baguette auf einen Sitz. In der Tankstelle genehmige ich mir eine Cafe Latte und telefoniere mit Muttern, die mich zuhause wieder auf den letzten Stand bringt und von den aktuellen ‚Problemen‘ berichtet. Der Campingplatz in Balatonfüred wird derzeit renoviert und öffnet erst in 3 Tagen, zu spät für mich. Der Security Beauftragte schickt mich zu einem anderen nahegelegenen Campingplatz, was sind schon zusätzliche 14km…:-)

Ziemlich geschafft komme ich dann kurz nach 17h beim Zeltplatz in Balatonakali an. Schon das Dorf gefällt mir sehr gut und auch mein Zeltplatz direkt am Ufer hat was. So war es ja doch gut, dass der andere Zeltplatz noch nicht offen hatte. Nach einer Dusche nach 5 Tagen Fußmarsch fühle ich mich wieder wie frisch geboren und stärke mich mit Gulaschsuppe und einem Dreher (örtliches Bier). Am Abend schaue ich noch den Anglern bei ihrer Arbeit zu bevor mich die Gelsen in das Zelt flüchten lassen.

18.05. Frisch ausgeschlafen wasche ich heute frühmorgens meine Wäsche und erreiche um 06:20 gerade noch den Bus nach Vesprim, wo ich gerade in einem Café sitze und diese Zeilen schreibe.

Veszprem (Vesprim) rüstet sich gerade für 2023, dem Jahr, in dem die Stadt Kulturhauptstadt Europas sein wird. Daher ist es derzeit eine einzige Baustelle und eher nicht so toll. Zurück am Campingplatz stärke ich mich wieder im Büffet mit drei Pakatschinken. Das Büffet wird von Zsolti gemeinsam mit seiner Frau Silvia betrieben. Ich lerne am Abend Szoltan und seine Freunde aus Veszprem kennen. Sie sind hier um zu angeln, vor allem am Abend beißen die Karpfen gut, meinen sie… Sie laden mich dann noch in ihren Bus ein wo wir natürlich auch noch den selbstgebrannten Apfel- und Kirschenschnaps verkosten müssen. Gegen Mitternacht gehe ich in mein Zelt zurück und ich schlafe gut und fest.

19.05. Heute habe ich mir vorgenommen, die Halbinsel Tihany zu besuchen. Ich nehme daher einen Bus nach Aszöfö und wandere die 6 oder 7 Kilometer in den Ort Tihany. Im Ort selber hat um 08:30 noch nichts offen ausser einem ABC Laden, wie hier die Lebensmittelläden genannt werden. Hier gibt es allerlei und auch einen Kaffee mit Mehlspeise, so kann der Tag beginnen. Tihany selbst ist mir mit all den Verkaufsstandln zu touristisch und so nehme ich noch einen anderen Bus, der mich in die bekannte Stadt Balatonfüred (Bad Plattensee) bringt. Es ist hier an der Uferpromenade noch die monarchische Vergangenheit zu spüren. Der Ort Balatonakali ist weit kleiner und speziell die Lajos Kossuth utca (Straße) gefällt mir sehr gut. Auf den Gehsteigen muss ich mich immer wieder bücken um unter den darüber hängenden Büschen durchzukommen. Den Abend verbringe ich wieder auf der Mole und betrachte den Sonnenuntergang über dem See. Hier treffe ich auch noch ein deutsches Pärchen, die mir erzählen, dass der See eine durchschnittliche Tiefe von 3 Metern hat. Auch ist am Nordufer das Wasser tiefer und es ist noch etwas beschaulicher als am Südufer. Am Rückweg zum Zelt begleiten mich die Rufe der Frösche und auch ein Kuckuck gesellt sich dazu. In der Zwischenzeit genieße ich mit all den Geräuschen das Schlafen in meinem Zelt.

20.05. Zsolti gab mir den Tipp mit dem Zug nach Badacsony zu fahren. Alleine die Zufahrt ist ein kleines Abenteuer. In jeder Station wird angehalten und der Stationswächter kommt mit seinem Schildchen aus seinem Häuschen heraus und plaudert kurz mit dem Zugführer. Es ist Tradition in Ungarn wie mir Henrik erklärt, den ich wenig später mit seiner Freundin Fruschi am Weg zum Aussichtsberg kennenlerne. Ich hatte heute beschlossen einmal das Handy nicht mitzunehmen und siehe da, um vieles mehr Kontakte zu den Leuten. Ich werde das jetzt öfters machen. Am Rückweg entdecke ich inmitten der Weinberge eine kleine Buschenschank. Es wird hier guter Weißwein gemacht und vor allem der Blaustengler mit einem Schmalzbrot schmeckt vorzüglich. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich dann wieder den Campingplatz und schlafe zufrieden nach einem schönen Tag ein. Überhaupt tut es gut ein wenig ‚Urlaub‘ vom Gehen zu machen und die Atmosphäre hier am Plattensee ist echt entspannend.

21.05. Weil es mir so gut gefällt hier habe ich kurzerhand beschlossen um einen Tag länger zu bleiben. So bleibt dann auch Zeit mit einigen Leuten zu telefonieren, die weitere Route zu planen und auch in den See zu gehen. Das Wasser hat derzeit ca. 20 Grad und es ist noch wenig los hier. Ab einer Entfernung von ca. 50 Meter vom Ufer kann auch ich dann keinen Seeboden mehr erspüren. Alles in allem ein sehr entspannender Tag heute und Zsolti gibt mir zum Abschied noch zwei panierte Hühnerschnitzel für den nächsten Tag mit.

22.05. Heute starte ich wieder mit meinem Rucksack vor 5h und gehe auf einsamen Wegen Richtung Tihany Halbinsel. Vom Aussichtsturm hier sehe ich den gesamten See mit seinen Schilfgürteln und Booten vor mir liegen.

Gegen 10:30 erreiche ich dann Tihanyrev von wo mich ein Schiff auf die Südseite des Sees nach Szantod bringt. Heute ist Sonntag und so decke ich mich noch mit Lebensmitteln und Wasser für den restlichen Tag ein. Nach mehr als 40 km erreiche ich dann Tab, wo ich mich mit einem Bohnengulasch und hervorragenden Somlauer Nockerln stärke. Die Nacht verbringe ich im Zelt in der Nähe des Sportplatzes.

23.05. Ich schlafe heute etwas länger, da gestern doch ein anstrengender Tag war und frühstücke zuerst in der Bäckerei. Die Preise hier für einen Cappuccino sind in etwa € 1,20 und für ein Mohnkipferl etwas weniger als ein Euro. Speziell in den kleineren und unbekannten Dörfern ist das Preisniveau noch deutlich niedriger als bei uns zuhause.

Am Weg nach Igal vergehe ich mich zweimal und finde dann doch immer wieder zurück auf die richtige Spur. Es macht mir Spaß, die Route selbst zu wählen und querfeldein zu gehen. In Igal angekommen bemerke ich einen Zeltplatz mit einem dazugehörigen Thermalbad, nichts wie hinein! Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe gehe ich noch in das Thermalbad und genieße die Sprudel und warmen Wassertemperaturen.

Den Abend lasse ich bei einer Langos (ungarischer Fladen) und einem Original Edelweiß Weizenbier ausklingen.

24.05. Weil es so schön und gut tut dieses Thermalbad, vor allem für meine Füße, beschließe ich noch einen weiteren Tag zu bleiben. So kann ich dann auch wieder einmal meine Wäsche in einer Waschmaschine waschen, mit der Hand ist das doch immer so eine halbe Sache…

Nach einem Thermalbad sitze ich gerade im Badbüffet und werd mich gleich noch einmal in die warmen Quellen stürzen… 🙂

25.05. Am Weg von Igal nach Dombova verlaufe ich mich heute ordentlich und strande in einem mit Elektrozaun abgeschlossenen Bereich für Kühe, aus dem ich nur mit viel Mühe durch das Unterholz rauskomme. Vormittags erreiche ich dann das kleine Dorf Gölle. Als mich wie so oft Hunde durch den Hauszaun anbellen, diesmal sogar zwei, mache ich ein Erinnerungsfoto. Daraufhin kommt der Besitzer ebenfalls zum Zaun um die beiden zu beruhigen. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass Helmut ein Deutscher von der Wesel ist. Er lädt mich kurzerhand ein auf seiner Terrasse zu rasten und Monika, seine Frau, macht mir einen guten Kaffee. Sie erzählen mir, dass sie schon in der Rente sind und vor 4 Jahren hier dieses Haus mit Grundstück um nur 15.000€ gekauft haben. Und bei den um ca. 50% niedrigeren Lebenserhaltungskosten als in Deutschland (und auch Österreich) haben sie so ihre Realrente und deren Kaufkraft um einiges erhöht.

Ausserdem hat Helmut, wie er sagt, auch kein Problem mit dem ‚Gulaschkommunismus‘ hier im Lande unter der Führung von Victor Orban und seiner Fidesc Partei. Gerade vor kurzem wurde er ja wieder (zum fünften Mal in Folge) zum Premierminister gewählt und das mit relativ großer Mehrheit. Es seien laut Helmut auch noch ca. 10 andere deutsche Familien im Dorf, er und Monika sind also durchaus kein Einzelfall. Die Tatsache, dass Ungarn keine Flüchtlinge aufnimmt, begründet er damit, dass Ungarn eben hauptsächlich ein Agrarstaat sei und es sich einfach nicht leisten kann und will. In der Pandemie hätten sie auch Unterstützung vom Staat bekommen, auch der Spritpreis ist hier bei ca. umgerechnet 1,35€ gedeckelt. Und trotzdem machen die Mineralölkonzerne hier auch noch Gewinn, also irgendwas stimmt da bei uns zu Hause nicht…:-)

Ein ’spannendes‘ Storchennest

Ich gehe dann noch bis Dombova, wo ich gerade noch in einer Pizzeria Unterschlupf vor einem herannahenden Gewitter finde. Überhaupt ist hier in letzter Zeit der Himmel recht unruhig… Gegen 20h ist dann wieder alles vorbei und ich schlafe im Zelt in der Nähe der Pizzeria.

26.5. Ich frühstücke heute in einer kleinen Bäckerei und decke mich dann noch mit Proviant und Wasser für den Tag ein. Meistens mische ich jetzt das Wasser mit einer Cola. Da trinke ich mehr und Zucker bekomme ich ausserdem… Da es gestern stark geregnet hat sind heute die Feldwege keine gute Idee und ich gehe hauptsächlich auf der asphaltierten Straße nach Komlö.

27.5. ‚Jona pod‘ (Guten Tag) höre ich heute um ca. 4:30 von draußen in mein Zelt dringen. Es war der Platzwart des Fußballplatzes in Komlö. Er war zum frühmorgendlichen Rasenmähen gekommen. So starte ich dann heute meine Wanderung früher als gedacht und erreiche so gegen 11h über die Mesceg Berge Pecs (Fünfkirchen).

Hier lerne ich Gabor Kiss kennen und ich quartiere mich bei ihm in seiner Pension (Valcsics Villa Panzio) am nördlichen Stadtrand ein. Traumhaft gut immer wieder eine Dusche und zumittag koche ich mir in seiner Pension eine warme Suppe, die mich stärkt. Pecs ist eine Stadt mit ca. 145.000 Einwohnern und ist vor allem bei Studenten sehr beliebt. Ich trockne gerade das Zelt auf der Terrasse und werde mich dann nachmittags noch in der Stadt umsehen.

In der Nähe der Universität finde ich letztlich eine Wäscherei und während der Trockner die letzten Minuten arbeitet lese ich ein SMS von Christian, dass er mit seiner Freundin Lili schon in Pecs ist. Eine halbe Stunde später gibt es am Szecheny Ter (Hauptplatz) ein freudiges Wiedersehen. Wir verbringen den lauschigen Abend in der Kiraly utca (Hauptstraße) und am Szecheny Ter, wo reges Treiben herrscht.

Nach Mitternacht kommt Wind auf und Christian bringt mich mit seinem Auto noch in meine Unterkunft. Wenig später kracht und blitzt es wieder über Pecs.

28.05. Noch etwas verschlafen vom Vorabend frühstücke ich im Quartier und gehe dann Richtung Stadtzentrum. Auf einem Bauernmarkt am Ende der Kiraly utca gibt es traumhaft gute Wuchteln gefüllt mit Powidl Marmelade, usw. Kurz später treffe ich nochmals Christian und Lili und sie geben mir noch gute Tipps für Serbien und Kroatien. Sie haben ja letzte Woche gerade Backa Palanka (Plankenburg), die Heimatstadt von Lili besucht und sind bestens informiert. Im Z (Restaurant Föter am Hauptplatz) haben wir noch viel Spaß bevor wir uns dann wieder verabschieden und sie Pecs Richtung Baden und Bad Vöslau verlassen. Es tut immer wieder gut Freunde zu treffen. Am Nachmittag schaue ich mir dann die ehemalige Moschee Gazi Kassim Pascha an, die sich direkt auf dem Hauptplatz befindet und heute als römisch-katholische Kirche genutzt wird. Der Einfluss der Osmanen ist hier schon spürbar. Weiters besteige ich dann noch den Glockenturm der St. Peter und Paul Kathedrale von wo man einen guten Überblick über die Stadt bekommt. Am Abend schaue ich mir noch das CL Finale zw Real Madrid und Liverpool an bevor ich müde ins Bett falle.

29.05. Heute ist Sonntag und ich gehe wieder einmal in die Kirche. Mir macht es nichts aus wenn ich die Predigt vom Pfarrer nicht verstehe. Mir reichen die schönen ungarischen Lieder und das Innere der Hl. Sebastianskirche im Zentrum von Pecs. Da es heute regnet absolviere ich ein kulturelles Programm. Es gibt in Pecs wunderschöne Museen wie das Victor Vasarely Museum (Maler in Pecs geboren) und das Zsolnay Museum (weltbekannt für das wunderschöne Porzellan), beide absolut sehenswert!

Und am Abend hat mir Andrasz, den ich am Plattensee kennengelernt hatte, in der Konzerthalle ein Ticket für ein Konzert besorgt. Ebenfalls ein sehr schönes Gebäude und Andrasz hat mich an diesem Abend mit seiner Stimme beeindruckt.

Konzerthalle in Pecs (Fünfkirchen)

30.05. Es hat in den letzten Tagen ordentlich abgekühlt. Auch heute regnet es wieder und ich werde erst morgen, wenn das Wetter wieder besser wird, Richtung Serbien weitergehen. In der Touristeninfo lässt mich der Angestellte auf seinem PC meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick absichern. Auch er bedauert es, dass es in der ganzen Stadt kein einziges Internetcafe mehr gibt. Am Nachmittag durchstreife ich noch das kulturelle Viertel in der Nähe der Konzerthalle.

Es gibt hier auch einen TV Turm (höchstes Gebäude in Ungarn), von wo man einen tollen Blick über die Stadt und die Umgebung haben soll. Noch habe ich diese Worte in meinen Ohren als ich mich am späten Nachmittag mit einem Bus dorthin begebe. Leider hatte es in der Zwischenzeit zugezogen und aus der tollen Aussicht wurde da oben dann eben eine Nebelsuppe. Zu Fuß gehe ich dann zurück in mein Quartier und genieße dort noch die Abendstunden.

31.05. Heute verabschiede ich mich von Pecs und gehe von meinem Quartier ins Stadtzentrum wo ich mich in einer Bäckerei noch mit Proviant für den Tag eindecke.

Letzte Station meiner Ungarndurchquerung ist Villany (Willand), ein bekanntes Weinbaugebiet in Ungarn. Da ich spät gestartet bin schaffe ich es nicht ganz bis Villany. In einem Ort, ca. 10km vor Villany, bereitet mir am Abend eine Verkäuferin noch zwei Salamisandwiches zu. Ich schlafe wieder im letzten hinteren Winkel des Fußballplatzes. Generell haben sich Sport- und Fußballplätze als gute Plätze zum Zelten heraus gestellt. Flach, gemähter Rasen und Gemeineigentum, da sagt auch niemand etwas.

01.06. Ich esse zum Frühstück das zweite Sandwich von gestern und gehe dann die letzten 10km nach Villany. Kurz vor dem Ort komme ich bei einer Csarda (Gehöft) vorbei wo ich mittagesse und meine Akkus wieder auflade (sowohl die von meinem Handy, meiner Powerbank aber auch meine eigenen… :-)). Gestärkt erreiche ich dann das Ortszentrum von Villany wo ich in einem der vielen Weinkeller den Cabernet Villany (oder Cabernet Franc, quasi der Hauswein hier) und den Portugieser verkoste. Beide sehr gut wobei ich dem Cabernet Villany den Vorzug geben würde. Dazwischen gibt es auch hier Schmalzbrot mit Zwiebeln, heimische Gefühl kommt auf.

Ich schlafe auch hier wieder am Ortsrand auf dem Fußballfeld.

02.06. Ich bleibe heute vormittag noch hier und gehe nach dem Mittagessen Richtung Grenze zu Kroatien.

Es ist heute mein letzter Tag hier bei den Magyaren und gegen Abend erreiche ich den Grenzort Udvar. Mit Armin, einem bosnischen LKW Fahrer, trinke ich noch mein letztes kühles Dreher auf der Tankstelle.

Er ist am Rückweg von Ungarn nach Kroatien und weiter nach Bosnien Herzegowina. Er erzählt mir, dass Bosnien Herzegowina 3 Präsidenten hat (einen bosnischen, einen kroatischen und einen serbischen) und daher im Land nicht viel weiter geht, weil immer einer der 3 Präsidenten zu gewissen Entscheidungen nicht zustimmt. Tito sei ein guter Mann gewesen, versichert er mir noch zuletzt bevor ich mich auf Zeltplatzsuche begebe.

Fazit: Ungarn hat mich positiv überrascht. Ich konnte vor allem einmal den Plattensee sehen und erleben und auch die südungarische Stadt Pecs, die ich schon einmal als Student besuchen wollte. Daraus würde allerdings damals nichts. ‚Gut Ding braucht halt eben Weile‘ trifft hier am besten zu. Ich habe viele Deutschungarn kennengelernt und sie haben mir versichert, dass der sogenannte Gulaschkommunismus in Ungarn auch seine Vorteile hätte. Nach oben hin gedeckelte Energiepreise, Beihilfen vom Staat in der Pandemie, geringe Kriminalität und geringer Ausländeranteil (eben die Linie von Orban). Ich habe einige Freundschaften geschlossen und wünsche dem Land alles Gute und viel Erfolg in den nächsten Jahren! Vizlat (Auf Wiedersehen) ihr Magyaren!

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24 Kommentare

    Fritz

    Hallo Georg. Den Kommentaren die du bekommst ist nichts hinzuzufügen. Ich bewundere was du machst. Alles Gute.

      Georg

      Hallo Fritz,
      vielen Dank und wünsche dir auch alles Gute. Grüße aus Ilok in Kroatien.

    Peter

    Lieber Georg!
    Hatte erst heute Zeit dein Bilder an zu schauen. Voi cool.
    Eine andere Reiseunterkunft hast auch.
    Wie schwer is die; und wie viel hast mit; hast so lange Urlaub;
    Lgp

      Georg

      Lieber Peter,
      freut mich, dass dir meine Bilder gefallen!
      Mein Zelt wiegt ca. 1kg, sonst hab ich noch eine selbstaufblasbare Luftmatratze dabei und einen Quilt (Decke) mit Kunststofffüllung. Alles in allem wiegt mein Rucksack ca. 7 kg ohne Wasser und Proviant.
      Liebe Grüße und genieße noch ein wenig das dolce vita in Venedig, Georg.

    Petra

    Hallo Georg, echt beeindruckend, deine Reiseerlebnisse, ich wandere sozusagen beim Lesen mit, bewundernswert, welche Kontakte du immer knüpfen kannst! Ich wünsche dir weiterhin viele positive Eindrücke und bin schon gespannt auf Kroatien!

      Georg

      Hallo Petra,
      mir kommt vor, dass ich zu Fuß langsam genug unterwegs bin, dass ich immer wieder Leute kennenlerne. Bestes Beispiel gestern als ich von Vukovar nach Ilok ging. In einem Dorf dazwischen ist plötzlich ein alter Mann aus dem Haus rausgekommen und hat mir gewunken ich soll zu ihm auf einen Kaffee in den Innenhof reinkommen. Er war bereits in der Pension und Hardrock Fan. Wir haben dann gemeinsam Deep Purple, Led Zeppelin, usw gehört. So was find ich einfach so schön, weil ich mehr mit den Leuten ins Reden komme und ich so viele Geschichten über ihr Leben aber natürlich auch über den sogenannten ‚Heimatkrieg‘ (oder Kroatien Krieg), der hier zw 1991 und 1995 war, erfahre.
      Viel Spaß weiter beim Mitwandern und liebe Grüße, Georg.

    Richtsfeld Elfriede

    Danke für den Kommentar mache weiter. So lg

      Georg

      Vielen Dank Mama für deine aufmunternden Worte, ich werde mich daran halten 😉🙏👣🕊️
      Liebe Grüße und auf bald wieder, Georg.

    Lambert Keplinger

    Hallo Georg. Großartig, du hast schon einiges erlebt und gesehen. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und freu mich auf ein Wiedersehen beim Fotoclub Abschlussfest in meiner Fischerhütte. LG Lambert

      Georg

      Hallo Lambert,
      vielen Dank für deine aufmunternden Worte 🙏
      Auch ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Dir und Euch allen in Bad Leonfelden. Allerdings wird es sich heuer bei mir zum Sommerfest nicht ausgehen, da ich da noch unterwegs sein werde. Halte Dich und Euch am Laufenden.
      Bin mir aber sicher, dass das Fest ein voller Erfolg wird. Für mich immer das Highlight der gemeinsamen Fotoclubabende! 😉
      Liebe Grüße und alles Gute dir auch weiter, Georg.

    Manfred

    Wunderbar, Georg! Deine Reise liest sich sehr harmonisch und stimmig!
    Genieß die Zeit und halt uns am Laufenden!

    Alles Liebe
    Manfred

      Georg

      Fein, werd ich machen Manfred!
      Beim Schreiben erlebe ich alles noch einmal und es intensiviert auch meine Reiseerlebnisse. Deshalb mache ich es auch gerne…
      Alles Liebe Dir auch, Georg.

    Lackner Fritz

    Servus Georg
    Danke den Beitrag und deine Dokumentation ist spitze
    Tolle Bilder
    Ich war auch 4 Tage Fischen am Balaton in Alsóörs war sehr schon und gutes Essen 😄
    Lg.aus dem Schallenberg
    😄

      Georg

      Hello Fritz,
      freut mich, dass dir meine Berichte und Fotos gefallen. Der Balaton hat schon was, ich hab auch viele Fischer gesehen.
      Wünsche Dir auch weiter alles Gute und lass mir den Schallenberg schön grüßen 😉👣🕊️

    Iris Dekan

    Immer wieder schön dich zu begleiten. Danke für deine Reiseberichte! Alles Liebe!

      Georg

      Liebe Iris,
      gern geschehen😉
      Viel Spaß weiter beim ‚Mitwandern‘, jetzt für einige Zeit im Balkan.
      Liebe Grüße und alles Gute dir auch, Georg.

    Fredi

    Hallo Georg, habe gerade deinen Bericht gelesen, super, wünsche dir auf deinem weiteren, hoffentlich Unfallfreien Weg alles Gute. LG Fredi 👍😎

      Georg

      Hallo Fredi,
      vielen Dank 🙏 ich versuche viel auf Feld- oder Waldwegen zu gehen was auch besser für meine Füße ist, und sicherer (vor Autos, etc) natürlich auch.
      Liebe Grüße nach St. Veit und alles Gute dir weiter auch, Georg.

    Helmut Hochedlinger

    Camping- Paula Helmut wünscht Dir weiterhin buen Camino 👍👍

      Georg

      Vielen Dank Helmut!!!
      Camping Paula in Frauenkirchen, sprich Du, war mir eine große Hilfe auf meinem Weg!
      Nochmals vielen Dank für deine Gastfreundschaft und Einladung!
      Liebe Pilgergrüße, Georg.

    Sven

    Hallo Schorschi,
    ich sitze gerade in meinem Rathaus und habe die letzte halbe Stunde gemütlich bei einem Kaffee Deine Tour durch Ungarn gelesen (wie man es als öffentlich Bediensteter halt so tut). Wie schon Sian geschrieben hat, ist es wirklich so, als würde man mit Dir unterwegs sein.
    Ich wünsche Dir einen guten Rutsch nach Kroatien und Serbien.
    Alles Gute und bis bald
    Sven

      Georg

      Hello Sven,
      da hast du recht, dass du so gemütlich das Wochenende angehst.
      Ich bin seit gestern in Serbien und es geht mir gut hier. Das kühle Jelen (serbisches Bier) und die Cevapcici schmecken…:-)
      Liebe Grüße in die Heimat und alles Gute dir weiter, Georg.

    Sian R

    Wonderful travel notes. it’s like walking along with you.
    Did you get my email with further information about ferries, etc?

      Georg

      Yes, I got them, thanks🙏 And was nice talking with you yesterday… 🙂

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