TÜRKEI (Teil 2): Assos – Bergama (Pergamon) – Izmir (Smyrna)

19.09. Um ca. 06:30 sitze ich im Finstern bei Cay und Simit und starte um ca. 7h bei Morgendämmerung meinen heutigen Tag. Es ist auch hier bereits frisch in der Früh und so wechsle ich erst so gegen 9h von meinem langärmeligen auf mein kurzärmeliges T-Shirt. Untertags treffe ich einen Jungen mit seiner Ziegenherde bevor ich am Abend an der Küste einen wunderschönen Campingplatz entdecke. Kurzerhand ändere ich meine Übernachtungspläne und stelle mein Zelt direkt mit Blick auf das Meer auf. An der Westküste der Troas Halbinsel lassen sich die Sonnenuntergänge wunderbar genießen und ich lerne auch Mariam aus Istanbul kennen. Sie ist am Weg nach Antalya, wo noch ihre Eltern wohnen. Sie fährt langsam die Küste runter und arbeitet hier als Übersetzerin remote. So kann sie gut Arbeit mit Urlaub verbinden.

20.09. Am frühen Morgen begleitet sie mich noch in den alten Hafen von Dalyan wo wir gemeinsam frühstücken und uns dann verabschieden. Sie wird hier noch einige Tage bleiben, für mich geht es weiter Richtung Süden. Am Vormittag erreiche ich die antike Stadt Alexandria Troas, die ca. im 3. Jhdt vor Chr. gegründet wurde. Sie erlebte ihre Blüte während der Römerzeit einige Jahrhunderte später. Besonders sehenswert sind die noch relativ gut erhaltenen Bögen der Herodes Atticus Therme.

Letzte Überreste der Herodes Atticus Therme in der antiken Stadt Alexandria Troas

Ich ernähre mich an diesem Tag hauptsächlich von dem Gemüse und den Früchten, die hier von den Frauen am Straßenrand zum Verkauf angeboten werden.

Gemüseverkäuferin am Weg nach Gülpınar

Über schöne Feldwege und wenig Asphalt erreiche ich kurz vor 19h die Ortschaft Gülpınar. Hier zeigt sich im Abendlicht ein wunderschöner Tempel, den ich mir noch, kurz bevor es finster wird, anschaue. Es ist der Apollo Smintheus Tempel, der vor einigen Jahren renoviert wurde und dem Gott Apollo geweiht ist. Ich übernachte für 250 TL (ca. 14€) im Gästehaus des Dorfes gleich neben der Moschee.

Apollo Smintheus Tempel in Gülpınar

21.09. Eine ältere Frau bereitet mir am Morgen ein türkisches Frühstück zu, das auch im Preis inkludiert ist. Es gibt hier meist Tomaten, Gurken, Käse, Oliven, Ei, Weißbrot und Tee. Die Hotelpreise sind hier so leistbar, sodass ich beschlossen habe doch vermehrt auch wieder in Unterkünften zu schlafen. Frisch geduscht ist halt doch immer wieder eine andere Qualität… Am Weg zur antiken Stadt Assos begegne ich heute vielen Schafhirten mit ihren Herden.

Frau beim Machen von Köfte (Hackfleischbällchen) – kurz vor Assos

Gegen 18h quartiere ich mich dann in der Ortschaft Behramkale in der Assos Tekin Pansyion ein, Preis 200 TL. Den Sonnenuntergang verbringe ich beim Athena Tempel und genieße den herrlichen Blick auf die Ägäis und die griechische Insel Lesbos. Der Nachbar ist sehr nahe hier.

Athena Tempel in Assos

22.09. Bei einer Busstation decke ich frühmorgens wieder einmal meinen Bedarf an Simits ab bevor ich entlang der Straße Richtung Osten und Kücükkuyu und Akcay gehe. Diese Gegend ist zum Teil bereits stark verbaut. Auch die Autobahn nach Izmir führt hier vorbei sodass ich mich hier nicht länger als notwendig aufhalte.

23.09. Auch heute starte ich wieder früh bei Morgengrauen und gehe entlang der Küste Richtung Burhaniye, das ich erst spät nach ca. 38 km erreiche. Übernachtung im Hotel Bayraktar direkt am Hauptplatz von Bürhanye, 200 TL inkl. Frühstück, sehr gut!!!

Atatürk Statue am Hauptplatz von Bürhanye. Als würde die Taube in seiner rechten Hand für Frieden rufen…

24.09. Heute knacke ich nach exakt 5 Monaten die 3.000 km Marke. Das ergibt genau einen Schnitt von 20 km pro Tag, inkl. Rasttage, etc… Ausserdem erfahre ich von Johannes, dass er gut mit seiner Reisegruppe in Istanbul gelandet ist. So steht einem geplanten Treffen am kommenden Dienstag nichts mehr im Wege. Am Weg nach Bagyüzü komme ich in einigen Ortschaften (zB Yabancilar) vorbei in denen es entweder kein Geschäft gibt oder eben eines gerade geschlossen hat.

Typischer Friedhof in der Türkei, hier in Yabancilar – es reicht auch ein ganz einfacher, natürlicher Stein inmitten von Zypressen
Ortschaft Yabancilar am Weg nach Izmir

So verpflege ich mich von reifen Feigen und bin froh, dass ich in Yabancilar von einer Frau 1 Liter Wasser bekomme. Gegen 17h erreiche ich dann die Ortschaft Bagyüzü und in einem Minimarkt lerne ich einen Einheimischen kennen, der gut Englisch spricht und mich zu einer Dorffeier einlädt. Es gibt ein Beschneidungsfest und viel Essen und Trinken. Im Islam ist es für Jungen ein Gebot und für Mädchen verboten. Es ist wie für die Juden ein Zeichen für ihren Bund mit Gott. Es ist allerdings anders wie im Judentum keine Pflicht sondern eine Empfehlung des Propheten Mohammed. Im Koran steht sie nicht. Fast alle muslimischen Männer sind beschnitten. Besonders in der Türkei fallen die Beschneidungsfeste prachtvoll aus. Letztlich bietet man mir dann auch noch an im Dorfgästehaus zu übernachten.

Mit Einheimischen in der Ortschaft Bagyüzü – es gab ein Beschneidungsfest im Dorf.

Mit dem Franzosen Emmanuel aus Paris – auch er ist zu Fuß nach Jerusalem unterwegs, und das ohne Geld! Es funktioniert…

Als ich mich schon niederlegen möchte, ruft mich plötzlich Emmanuel, ein Franzose, an. Er ist ebenfalls zu Fuß unterwegs und wir waren schon einige Zeit in Verbindung. Er sei ebenfalls im Dorf und habe von mir gehört. So gehe ich noch einmal zur Feier zurück und treffe ihn und andere Einheimische. Letztlich übernachtet er im selben Zimmer wie ich. Da er müde ist schläft er früh. Ich trinke noch ein Efes Bier mit Einheimischen bevor auch ich mich zur Ruhe begebe.

25.09. Emmanuel und ich frühstücken gemeinsam und starten dann gemeinsam unsere Wanderung Richtung Bergama und Izmir.

Am Weg nach Izmir – bei herbstlichen Temperaturen um die 20 Grad macht das Wandern wieder so richtig Spaß!

Er erzählt mir, dass er von Paris gestartet ist und via Italien, Albanien, etc in die Türkei gekommen ist. Er ist 31 Jahre alt und reist gänzlich ohne Geld. Und es funktioniert… Er wird immer wieder eingeladen und manchmal bekommt er auch Spenden, mit denen er sich über die Runden hält. In der Ortschaft Yukaribey essen wir zumittag und während ich zu Hause anrufe, ruht sich Emmanuel in einem Park aus. Als er gegen 15h immer noch im Park sich ausruhte machte ich mich alleine auf den Weg Richtung Bergama wo ich derzeit im Bergama Selinos Hotel nächtige. Es ist bereits Nebensaison, so lassen sich immer wieder gute Preise ausverhandeln. Emre, der Juniorchef gibt mir einen guten Preis, macht mir auch noch die Wäsche und bereitet mir letztlich auch noch ein sehr gutes Schwammerlgericht zu. So werde ich morgen gestärkt und wieder sauber in Bergama einlaufen. Iyi geceler – Gute Nacht!

26.09. Gut gestärkt und mit frisch gewaschenem Gewand erreiche ich am späten Vormittag Bergama, das antike Pergamon. Schon von weitem sehe ich die Akropolis (Burg, Burgberg) von Bergama, die sowohl mit der Seilbahn als auch mit dem Auto erreichbar ist. Natürlich auch zu Fuß… 🙂

Die Akropolis (Burg) von Pergamon ist bereits von weitem sichtbar!

Auch im Tas Konak Hotel bekomme ich als Pilger einen Spezialpreis für 2 Nächte (500 TL) und werde dafür auf Ihrer Webseite erscheinen… 🙂 Heute steht hier Sightseeing an. Zuerst besuche ich die Stadt und das archäologische Museum, in dem viele Funde von Pergamon zu sehen sind.

Frauen beim Plausch mit ihren typisch weiten Hosen – in den Straßen von Bergama
In den Straßen von Bergama – eine Teepause geht immer!
Schreibarbeiten werden hier noch auf der Straße mit einer alten Schreibmaschine erledigt – der Mann beherrschte das Adlersystem perfekt… 🙂
Das Medusa Mosaik aus dem 3. Jhdt n. Chr. dekorierte einst den Boden eines Gebäudes in der Akropolis von Pergamon – Im Archäologischen Museum von Bergama

Danach gehe ich zur Asklepieion, ein Heiligtumskomplex im Westen der Stadt, der für den griechischen Gott der Heilkunst, Asklepios, eingerichtet wurde. Es gab hier verschiedene Methoden zur Heilung von Krankheiten, man könnte es als Kuranstalt in der Antike bezeichnen.

Via tecta im Asklepieion – in der römischen Kaiserzeit wurde diese Straße von der Stadt Pergamon zum Heiligtum erbaut. Hier wurden die Patienten von den Ärzten voruntersucht. Die Todkranken und schwangeren Frauen wurden nicht in die Heilanstalt eingelassen. Im Hintergrund die Akropolis.

Um ca. 17h erreiche ich dann die Talstation der Seilbahn, die mich für 100 TL zur Akropolis raufbringt. Ich verbringe hier oben einen wunderschönen Abend zw den Überresten dieser antiken Stadt.

Trajan Tempel – Akropolis von Pergamon
Trajan Tempel im Abendlicht

Beim Runtergehen auf der antiken Straße verlaufe ich mich mit meinen Schlapfen und nur mit Mühe gelange ich zu meiner Unterkunft zurück.

27.09. Heute mache ich wirklich einmal einen Rasttag und genieße ein ausgiebiges Frühstück mit selbstgemachtem Brot, Eierspeise, Käse, Tomaten, Gurken, Butter, Marmelade und Honig. Und mehrere Tassen Cay durften natürlich dabei auch nicht fehlen. Es tut wieder einmal gut einfach nur durch die kleinen Gässchen zu gehen, Moscheen zu besuchen und kleinere Einkäufe wie ein neues Zahnbürstel, Zahnpasta und eine kleine Vorratspackung an Müsli mit Walnüssen zu erledigen.

Galenos von Pergamon (129 – 216 n. Chr.) – ein vorwiegend in Rom tätiger griechischer Arzt.

Rote Halle – Tempel der ägyptischen Götter

Heute ist auch ein Treffen mit Johannes Aschauer, dem Initiator des Jerusalemwegs (https://www.jerusalemway.org), geplant. Während ich in meine Unterkunft zurückgehe ruft mich Johannes an und erzählt mir, dass er und seine Reisegruppe bereits in Bergama ist.

Wenig später holen sie mich von der Roten Halle mit ihrem Taxi ab und nehmen mich mit rauf zur Akropolis. So habe ich noch einmal die Möglichkeit mit ihnen gemeinsam die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Akropolis wie den Trajan Tempel und das römische Theater zu besichtigen. Wir kommen auch bei einer Zisterne vorbei und bei einem Münzwurf gelingt es mir, eine 1 TL Münze auf einen Sockel zu platzieren. So sollte sich mein Wunsch erfüllen, dass ich noch heuer bis Weihnachten gesund und munter Jerusalem erreiche, inshallah…

Mit Johannes und der Reisegruppe aus AT und D vor dem Trajan Tempel auf der Akropolis in Bergama

Während der Besichtigung lerne ich auch einige Mitglieder der Gruppe kennen und tausche mich auch mit Johannes aus. Wie schnell sind die 5 Monate vergangen als ich ihn am Anfang meiner Wanderung in Mauthausen und Arbing getroffen habe.

Selfie mit Johannes auf der Akropolis von Pergamon – er ist im Jahre 2010 gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Otto Klär und David Zwilling nach Jerusalem gegangen

Er gibt mir noch einige Tipps für die bevorstehende Route durch die Türkei bevor wir uns wieder verabschieden. Die Reisegruppe wird in den kommenden Tagen mit ihrem Bus die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des türkischen Teils des Jerusalemwegs erreichen und besuchen können. Es war ein schönes Wiedersehen und ich lasse den Rasttag und Abend bei einer türkischen Pizza (Pide) ausklingen.

Pide – die türkische Pizza

28.09. Mit neuen Aufklebern für den Jerusalemweg verlasse ich heute Bergama wieder. In ca. 4 Tagen plane ich in Izmir zu sein wo bereits meine neuen Schuhe warten.

Derweilen habe ich noch keine übersehen… 🙂

Die heutige Route führt mich durch kleine Ortschaften. Meine Mittagspause verbringe ich bei einer Moschee wo ich einen Teil meines Müslis und die restlichen Früchte von Emre aufesse. Bauarbeiter laden mich wenig später auf ihrer Baustelle auf einen cay ein.

Cay Pause mit Bauarbeitern – am Weg von Bergama nach Ismailli

Es ist heute sehr windig und so bin ich froh gegen 17:30 in der Ortschaft Ismailli anzukommen. Ein älterer Herr deutet mir den Weg zu einer Unterkunft, da auch hier der Minimarkt gerade geschlossen ist. Es ist das Thousand Ally Hotel (https://1000ally.com/) und Sibel, die gut Englisch spricht, bietet mir ein Zimmer mit Dusche, inkl. Abendessen und Frühstück um 20€ an. Sie betreibt dieses Hotel erst seit ca. 2 Monaten gemeinsam mit ihrer kleineren Schwester und deren Mann. Alle drei hatten genug von der Millionenmetropole Istanbul und versuchen hier ihr Glück! Die Köfte und das selbstgemachte Gemüse schmeckten hervorragend, sehr empfehlenswert diese Unterkunft!

Thousand Ally Hotel in der Ortschaft Ismailli

29.09. Während mir Sibel beim Frühstück noch den Unterschied zwischen der Mercimek (Grün, einfach zu machen und lange haltbar) und EzoGelin Suppe (Rot, mit Tomaten, Tomatenmark und mehreren Zutaten, nicht so lange haltbar) erklärt, schlage ich mir noch den Bauch mit Tomaten und Gurken frisch aus dem Garten voll. Zum Abschied gibt sie mir auch noch ein Sackerl gefüllt mit Spinat Börek, Tomaten, Gurken und Brot mit. Ich sollte damit heute und morgen auskommen. Wenn man soviel Essen geschenkt bekommt ist es immer so eine zweigeteilte Freude als Wanderer. Zum einen freut es einem natürlich und man will es nicht ablehnen, zum anderen muss man es natürlich auch tragen…:-) Im Zweifelsfall nehme ich es allerdings immer gerne an!

Mit Sibel beim Frühstück – bald wird auch ihre Mutter zu ihr nach Ismailli kommen, sehr zu ihrer Freude.

In einer der folgenden kleinen Ortschaften esse ich außerhalb einer Moschee zumittag die mitgebrachten Börek, usw. und raste mich in einem riesigen Sofa aus. Nach ca. 34 km erreiche ich die Ortschaft Bozalan. Es wird hier in den Teehäusern allgemein geduldet, mitgebrachtes Essen auszupacken und zu essen. In Bozalan bringt mir der nette Teehausbetreiber sogar ein Teller und Messer, natürlich trinke ich etwas bei ihm. Auf meine Frage ob es hier eine Unterkunft gebe, verneint er. Ich könne allerdings bei ihm im Teehaus mit meiner Isomatte und Schlafsack übernachten. Da es bereits dunkel wird, nehme ich dieses Angebot gerne an und schaue dann den ganzen Abend den Kartenspielern bei Ihren Künsten zu. So gegen 22h, als das Teehaus noch voller Leute ist, deutet mir ein Einheimischer, dass ich mit ihm mitkommen solle. Er zeigt mir die gleich nebenan liegende Moschee und meint, ich könne auch im Vorraum der Moschee schlafen wenn ich wollte. Ein sauberer Teppichboden ist natürlich schon etwas Besseres und vor allem muss ich nicht warten mit dem Schlafengehen, bis die letzten Kartenspieler nach Hause gehen. So bringe ich meinen Rucksack in die Moschee und verbringe so meine erste Nacht in einer Moschee. Sie sollte nicht die letzte bleiben… 🙂
Kartenspieler in ihrem Element! Im Hintergrund der nette Teehausbetreiber – in Bozalan.

30.09. Um kurz vor 6h früh erwachen ich mit dem Gebetsruf des Muezzins. In die Moschee kommt übrigens hier um diese Uhrzeit keiner zum Beten. So kann ich mich noch ein bisschen ausschlafen bevor ich im Morgengrauen gegen 7h früh wieder meine Sachen packe. Moscheen haben den Vorteil, dass es auch Stellen zum Waschen der Füße gibt, Toiletten und Handwaschbecken. All inklusive quasi… 🙂 Zum Frühstück esse ich das letzte Stück Brot mit einer Gurke, das mir Sibel mitgegeben hat und eine der großen Zwetschgen von Bergama. Mit deutlich leichterem Rucksack gehe ich heute Richtung Menemen, Izmir liegt schon in Reichweite. Vormittags kaufe ich mir in einem kleinen Shop einige Simits und Wasser bevor ich in Menemen Köfte esse.

Frauen vor einem kleinen Lebensmittelladen am Weg nach Izmir – die weiten Hosen sind hier bei den Frauen weit verbreitet.
Auch an den Hausfassaden zeigt sich immer wieder der Nationalstolz der Türken – und nicht nur der… 🙂

Zumittag setze ich mich bei den Restaurants meist ins Freie und schlüpfe aus den Schuhen raus. So bekommen meine Füße Luft und die Schuhe und Socken können ein wenig trocknen. Da ich morgen Izmir erreichen möchte, gehe ich noch spät in den Abend hinein. Und nachdem meine geplante Unterkunft ausgebucht ist, meint der Hoteljunge was ich denn von der naheliegenden Moschee halte. Nachdem ich jetzt gute Erfahrungen mit Moscheen gemacht habe, willige ich ein. Wenig später liege ich auch hier, natürlich mit Absprache des verantwortlichen Imams, auf dem feinen Teppich in der Moschee.

Übernachtung in einer Moschee in einem der Vororte von Izmir

Solche Nächte haben schon etwas ganz Besonderes! Es ist ein großes Privileg von den Einheimischen das Vertrauen zu bekommen hier übernachten zu können.

01.10. Ein neues Monat beginnt wieder so um 05:45 mit dem Ruf des Muezzins zum Gebet. Zum Unterschied zu Bozalan wurde mir gestern noch gesagt, dass hier frühmorgens sehr wohl praktizierende Muslims zum Gebet kommen. Ich packe daher sogleich meine Sachen. Bevor die ersten Männer kommen bin ich quasi schon nicht mehr da und sichtbar. Auch ich möchte sie nicht zuviel bei ihrem Gebet stören. Gleich nebenan hat bereits eine Bäckerei offen und ich frühstücke cay und Simit als ca. eine halbe Stunde später der Imam vorbei kommt. Er spricht gut Englisch und hat mich bereits gesucht. Er besteht darauf noch einen cay und ein Gebäck mit ihm zu frühstücken, er wolle mich einladen. Es wird dann fast 8h morgens als wir uns verabschieden. Auf die Frage wieso mich die Einheimischen in einer Moschee übernachten lassen, erklärt er mir, dass es im Koran stehe, Reisenden beim Erreichen ihres Zieles behilflich zu sein…

Frisch gestärkt gehe ich dann noch entlang des Meeres die restlichen 15 km durch die nördlichen Bezirke von Izmir bevor ich um die Mittagszeit eine Fähre auf die Südseite von Izmir nehme.

Fischer im nördlichen Izmir
Kleiner Hafen im nördlichen Izmir
Flamingos im nördlichen Izmir

Auf der Südseite ist das alte Izmir (früherer Name war Smyrna) mit der Promenade, dem alten Bazar und der alten Festung. Ich hatte ausnahmsweise im Lotus Garden Hostel ein Bett für 2 Nächte reserviert. Am Weg zum Hostel gehe ich durch den alten Basar und konnte einer EzoGelin Suppe nicht widerstehen. Sian, dein Tipp war wieder einmal sehr wertvoll! 🙂

Alter Basar (Kemeralti Basar) in Izmir
EzoGelin Suppe (Hauptzutaten sind Bulgur und rote Linsen) – ein wahrer Genuss!

Sie ist meines Erachtens noch besser als die Mercimek (beides sind ja Linsensuppen) und somit meine derzeitige Lieblingssuppe hier in der Türkei. Am Nachmittag hole ich mir die von Istanbul geschickten Asics Schuhe ab und werde von hier weg mit den neuen Schuhen weitergehen. Mit den alten Schuhen gehe ich auf die Straße und in den Basar. Sie haben schnell einen neuen Besitzer gefunden… 🙂

Dann lasse ich mir wieder einmal den Bart rasieren und die Haare schneiden. Friseurbesuche gehören für mich hier immer wieder zu einem besonderen Erlebnis! Bei einem cay telefoniere ich am Abend wieder einmal mit meiner Mutter und sie erzählt mir die letzten Neuigkeiten von zuhause. Sie war auf der Tappenkarseehütte im Großarltal wandern und in den Bergen hat es schon geschneit.

02.10. Ich hebe heute etwas Bargeld ab und besorge mir in einer Apotheke eine neue Salbe für meine Füße. Die liebe Burtschen aus dem Hostel meint sie wäre gut. Wir werden sehen… Jetzt sitze ich gerade bei einem türkischen Kaffee und werde heute noch die Atmosphäre der Stadt im alten Basar und im Konak Viertel an der Promenade verbringen. Morgen früh geht es wieder weiter – inshallah!

Kumre – eine Spezialität aus Izmir!
Uhrturm von Izmir – das Wahrzeichen der Stadt

Ich genieße den Abend noch im alten Basar und gehe früh ins Bett.

03.10. Um 6h morgens ist es jetzt auch hier noch finster draußen. Ich verlasse den Schlafraum möglichst leise und frühstücke in der Küche noch ein Müsli und einen Kaffee, den mir ein Mitbewohner gibt. Dann starte ich mit meinen neuen Schuhen die nächsten ca. 1.000 km bevor ich sie in Konya dann wieder wechseln werde – inshallah!

Von der Festung des antiken Smyrna hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und den Hafen.

Blick von der Festung auf Izmir

Ich verbringe einen weiteren halben Tag um aus den Vororten dieser Millionenstadt raus zu kommen.

Kurz vor der Ortschaft Bulgurca wird es dann dunkel und ich versuche mein Zelt in einem Olivenhain aufzubauen. Allerdings ist der Boden derart trocken und hart, dass ich die Heringe kaum reinbekomme. Als dann auch noch einer bricht, packe ich etwas genervt wieder alles im Bausch und Bogen zusammen und suche bereits mit der Stirnlampe ein neues Plätzchen. Abseits der Straße finde ich dann doch noch einen geeigneten Platz und lege mich etwas geschafft zur Ruhe. Das war es aber noch nicht. Meine Stirnlampe muss den örtlichen Jäger alarmiert haben und er klopft bei mir am Zelt an. In meinen wenigen Brocken Türkisch erkläre ich ihm die Situation und er gibt sich damit zufrieden. Der Anblick von ihm mit seiner Büchse in der Hand ließ mich dann doch noch lächelnd einschlafen. Was nicht so alles abgeht an einem ganz normalen Tag, denke ich mir immer wieder.

04.10. Ich baue mein Zelt um ca. 6h ab. Es ist auch hier schon sehr frisch um diese Zeit und in Bulgurca wärme ich mich bei einem Tee auf. Am Nachmittag trinke ich in der Ortschaft Kurukuya wieder cay und beobachte dabei die Männer bei ihren angeregten Gesprächen. Manchmal glaube ich sie beginnen gleich zu streiten, dann lachen sie wieder gemeinsam… 🙂

Angeregte Gespräche in Kurukuya

Da es noch nicht so spät ist beschließe ich noch in die Ortschaft Yoncaköy zu gehen und dort am Meer wo zu übernachten. Es gibt hier keine Unterkünfte und ein Einheimischer, der gut Deutsch spricht, bietet mir an, mein Zelt bei ihm im Garten aufzustellen. Er gibt mir noch Wasser und muss dann weg. Vor dem Einschlafen merke ich wie eine Katze an meinem Zelt kratzt. Sie muss wohl mein Brot im Zeltinneren gerochen haben und wollte sich so Zugang verschaffen. Es ist eine sehr windige letzte Nacht am Meer und um Mitternacht suche ich meine Haube um mich nicht auch noch zu verkühlen.

Sonnenuntergang an der Ägäis

05.10. Am Morgen bemerke ich ein kleines Loch am Netz meines Zeltes, ein Souvenir meines nächtlichen Besuches. Und dann merke ich auch ganz leichtes Halsweh, jetzt kommt also wieder die Zeit um aufzupassen zu müssen. Nach ca. 1 Stunde Wanderung Richtung Ephesus geht mir das Wasser aus und ich frage bei einem Haus eine Frau ob sie mir die Flasche auffüllen könne. Während sie mit meiner Flasche im Haus verschwindet, kommt ihr Mann heraus und winkt mich zum morgendlichen Cay rein. Es sind dies Hussain und Marian, die hier gemeinsam in ihrem kleinen Häuschen leben. Wir verständigen uns irgendwie mit einigen Wörtern und nach ca. einer halben Stunde gehe ich gestärkt wieder weiter nach Selcuk.

Einladung von Hussain zum cay und Olivengebäck – vielen Dank!

Am Weg nach Selcuk, dem ehemaligen Ephesus, beobachte ich auch Männer und Frauen bei der Granatapfelernte. Es sind Syrer, die hier diese Arbeit verrichten. Die letzten Kilometer fuhren entlang der Festung und ich erreiche Selcuk um die Mittagszeit.

Syrer kurz vor Selcuk bei der Granatapfelernte

Gesamtkilometer: ca. 3.310

Fazit: Die Türkei hat auch kulturell sehr viel zu bieten. Dies wurde mir bei meiner Wanderung entlang der Troas Halbinsel nach Assos, Bergama und Izmir bewusst. Die Tempelanlagen von Bergama und das multikulturelle Flair von Izmir sind dabei die Höhepunkte. Ich hatte schon viele Wochen keinen Regen mehr und bei herbstlichen Temperaturen macht das Wandern mehr Spaß als je zuvor! Ich genieße es jeden Tag nicht zu wissen was passiert und wo ich schlafen werde. Und somit einfach darauf vertrauen, dass immer das Richtige zur richtigen Zeit kommt! Es funktioniert…

20 Kommentare

    Ferdinand Dahlmanns

    Lieber Georg,
    ich bin zum ersten Mal auf Deinen Bericht gestoßen und bedanke mich herzlich dafür. Da ich selbst plane, den Jerusalemweg von Düsseldorf/Köln aus zu gehen, ist Dein Bericht eine gute Motivationshilfe, es tatsächlich zu tun. Gut finde ich, dass Du auf die alltäglichen Begebenheiten eingehst wie Essen, Quartier finden, Land und Leute, usw. Ich wünsche Dir weiterhin einen guten Weg!
    Viele Grüße aus Düsseldorf
    Ferdinand

      Georg

      Lieber Ferdinand,
      das freut mich wenn ich dir mit meinen Berichten behilflich sein kann den Jerusalemweg selbst zu gehen. Ich kann ihn nur bestens empfehlen.
      Liebe Grüße aus Pamukkale und alles Gute dir weiter bei den Vorbereitungen, Georg 👣🕊️

    Anton Mühlböck

    Lieber Georg, ich lese sehr gerne deine Reiseberichte und freue mich schon sehr auf deinen Vortrag darüber in Österreich bei dem ich dich wieder gerne Tontechnisch unterstützen möchte, lg Anton

      Georg

      Lieber Anton,
      vielen Dank🙏🙏🙏
      Das wäre eine große Freude und Unterstützung für mich. Macht sehr viel aus wie man letztes Mal im VH Kleinmünchen sehen oder besser hören konnte 👌👌👌
      Liebe Grüße und alles Gute dir auch weiter, Georg 👣🕊️

    Fredi

    Hallo Georg, habe gerade wieder deinen wunderschönen Reisebericht gelesen, was mich immer wieder fasziniert ist diese wunderbare Gastfreundschaft, neue Schuhe sind auch schon wieder fällig? 🤔 Wieviel km hast du noch vor dir?, zum Glück ist es nicht mehr so heiß, wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem weiteren Weg zum Ziel. Bleib gesund und achte auf deine Füße. Liebe Grüße aus St. Veit, Fredi 👍👣

      Georg

      Hallo Fredi,
      stimmt, die Gastfreundschaft ist echt sagenhaft! Da kann man nur lernen davon…
      Ich wechsle meine Schuhe immer so nach 1.000 bis 1.200 km, in Izmir waren sie wieder fällig. Auf der Ferse und vorne am Fußballen ist das Profil dann so gut wie weg… Also ich schätze, dass es noch ca. 1.500 km sind bis Jerusalem. Durch Syrien kann man derzeit leider immer noch nicht, kein Frieden, kein Visum und Grenzen geschlossen… Daher werde ich wahrscheinlich von der türkisch/syrischen Grenze nach Jordanien fliegen und von dort nach Jerusalem gehen…
      Liebe Grüße und alles Gute dir auch weiter, Georg 👣🕊️

    Heinrich

    Hallo Georg!
    Ich habe dir heute einen längeren Kommentar geschickt. (wollte ich). Wie ich ihn wegschicken wollte, war er auf einmal weg. und könnte ihn nicht mehr finden. Trotzdem will ich dir nochmals viel Freude und Gesundheit wünschen.
    VLG Heinrich und Krista.

      Georg

      Hallo Heinrich,
      vielen Dank immer wieder für Deine Kommentare und interessanten Beiträgen. Und kommt einer einmal nicht ans Ziel, so macht es auch nichts… 😉

      Liebe Grüße, auch an Krista, und alles Gute und viel Glück und Gesundheit Euch beiden auch, Georg 🤞👣🕊️

    Sian R

    So – perhaps when you open this you will be in Selcuk? It’s a beautiful little town full of lovely people. Wonderful even by Turkish standards.
    And, of course, you will visit Meryemana – the Virgin Mary’s house, up on the mountain. If you don’t feel like walking all the way up, stop by the statue near the foot of the hill. Send up a small prayer and wait. Almost invariably, someone will offer you a ride. (unless of course she wants you to approach as a pilgrim, on foot.)
    Please think of me and send up a small prayer for me as well as the other supplications you will surely make. If you take a pen and paper you can leave your written wishes there, too. And then there’s cay to be had before you head down, taking in the views all the way to Efes.
    Enjoy!

      Georg

      Dear Sian, Szzz, Kiwi girl and travel agent,
      just left Izmir today morning and will reach Efes most probably this coming Wednesday. Will send up a small prayer for you as well… 🙂
      Greetings to Chelsea and take care, Kidr, the absolutely holy one.

    christoph

    Danke für die Berichte und heutiges Gespräch. Alles Gute für deinen weiteren Weg 🙏🏻🕊️. Liebe Grüsse Christoph

      Georg

      Lieber Christoph,
      vielen Dank und hat mich auch sehr gefreut dich und euch alle heute in Bergama getroffen zu haben!
      Liebe Grüße und habt noch eine schöne Zeit in der Türkei, Georg 👣🕊️🤞

    Sian R

    I think you are even more in love with Turkey than with Thessa. :>D

    A tip. Now that the mornings are getting cooler, menemen, a very Turkish dish of soft, perfectly scrambled eggs with tomatoes, peppers, and onions, makes a lovely breakfast.
    (If, camping, you want to make your own, recipe here – https://www.themediterraneandish.com/menemen-recipe/ )

    Happy travelling …

      Georg

      Too many loves is not good, you know… 🙂
      And thanks for your culinary recommendation, will watch out for it soon 👌👌👌

        Sian R

        Ah – but don’t you know, the more love you give the more comes back to you 😀 .

        Georg

        Oh, right, I didn’t think about that…:-)))

    Maria Hueber

    Lieber Georg, mit Spannung verfolgen wir jede Woche deinen Bericht .
    Während sich bei uns schon der Herbst bemerkbar macht bist du noch in wärmeren Gegenden unterwegs. Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und viel Ausdauer….
    Liebe Grüße, Maria und Sepp

      Georg

      Liebe Maria,
      freut mich wenn dir und Sepp meine Berichte gefallen!
      Auch bei mir hat es deutlich abgekühlt. Zum Wandern allerdings perfekt sodass das Gehen eine wahre Freude macht.
      Liebe Grüße nach Linz, auch an Sepp, und dir auch alles Gute, Georg 👣🕊️

        Fritz

        Hallo Georg
        Deine Dokumentation ist Abenteuer pur sehr interessante Berichte.
        Alles Gute für deine Weiterreise .

        Lg Fritz

        Georg

        Hallo Fritz,
        vielen Dank und danke auch noch mal für das Foto 😉
        Liebe Grüße Georg 👣🕊️

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