SERBIEN (Teil 1) + KROATIEN: Backi Monostor (RS) – Apatin (RS) – Vukovar (HR) – Ilok (HR)

03.06. Frühmorgens frühstücke ich auf der Tankstelle und fülle mir noch beide 1,5 Liter Wasserflaschen an bevor ich Ungarn Richtung Kroatien verlasse.

Kroatien:

Ich befinde mich jetzt im 3 Ländereck zwischen Ungarn, Kroatien und Serbien. Es sind nur ca. 20km durch Kroatien bevor ich zumittag nach Batina an die kroatisch/serbische Grenze komme. Arbeiter sitzen mit ihren Motorsensen unter einem großen Baum und einer lässt mir meine Wasserflaschen nachfüllen. Ich mache gemeinsam mit ihnen Mittag und verdrücke die 3 Salamisandwiches, die ich mit meinen letzten ungarischen Forint an der Tankstelle gekauft habe. Dann lasse ich die ärgste Mittagshitze vorübergehen bevor ich um ca. 15:30 über die Grenze nach Serbien gehe.

Serbien:

Ich bekomme hier meinen ersten Stempel in den Pass seit ich von zu Hause weggegangen bin, Serbien gehört ja nicht zur EU und ich befinde mich jetzt in der Vojvodina. Die Vojvodina ist sehr fruchtbar, ein Völkergemisch und offiziell eine autonome Region in Serbien.

Das kyrillische Alphabet hat mich hier eingeholt und im Laufe der letzten beiden Tage stelle ich fest, dass viele Wörter im Serbischen gleich oder ähnlich im Russischen sind. So ist für mich mit meinen wenigen Russischkenntnisse die Kommunikation doch einfacher als in Ungarn. Zumindest kann ich auch alles lesen, wie Ortsschilder usw. Gegen Abend erreiche ich nach 36 km Backi Monostor wo ich zuerst einmal ein Jelen (gutes serbisches Bier) trinke. Ich decke mich hier bei einem Bankomaten mit serbischen Dinar ein (1€ = ca. 116 SRD) und kaufe mir eine lokale serbische SIM Karte. So bin ich zumindest über WhatsApp erreichbar und natürlich auch via Email. Und so erreicht mich auch die gute Nachricht von zuhause, dass die Familienchronik fertig wurde und meine Schwester Edith schon fleißig beim Schmökern ist. Noch ein Jelen und Cevapcici beenden den langen Tag und als ich mein Zelt am Ortsrand aufbaue brauche ich schon die Stirnlampe.

04.06. Es hat heute Nacht geregnet und so packe ich frühmorgens mein nasses Zelt ein. Ich gehe entlang der Dunav, so wird die Donau hier genannt, in das 20 km entfernte Apatin. Ich merkte in der Zwischenzeit, dass ich eine Dusche brauche und so habe ich mir heute gegen Mittag ein Zimmer um ca. 20€ in der Marina von Apatin genommen. Die Dusche war herrlich und die gewaschene Wäsche und das nasse Zelt trocknen gerade auf dem Balkon. Cevapcici und ein kühles Jelen in der Marina lassen mich hier gut ankommen. Generell finde ich, dass hier auf den Straßen viel los ist. Es wird Musik gespielt und viel gelacht. Hier fängt der Balkan an!

05.06. Ich war wieder einige Tage unterwegs und so lege ich einen Rasttag ein. Gefrühstückt wird hier so, dass man zuerst in die pekara (Bäckerei) geht und sich etwas zum Essen kauft. Dann sucht man sich ein naheliegendes Café und trinkt dort einen Kaffee und isst das Mitgebrachte dazu.

Auch der schwarze Kaffeesatz lässt die Nähe zu Griechenland und Türkei erahnen. Auf Empfehlung von Fatmira vom Russischkurs in Linz nehme ich mir eine Pljeskavica vom Markt mit ins Hotelzimmer. Es ist ein Hackfleischgericht und gilt als Nationalspeise in Serbien. Es schmeckt vorzüglich. Ich erhole mich heute nachmittag im Hotelzimmer und schaue mir im TV das Tennis Herrenfinale in Roland Garros an. Señor Rafael Nadal gewinnt hier zum 14!!! Mal, diesmal gegen Casper Ruud aus Norwegen. Er ist ein Gigant hier.

06.06. Ausgeruht und mit frisch gewaschener Wäsche starte ich frühmorgens Richtung Süden. Ich werde kommendes Wochenende wieder Christian und Lili treffen. Diesmal in Backa Palanka, der Geburtsstadt von Lili. So habe ich noch etwas Zeit und ich entschließe mich auf der kroatischen Seite der Donau hinunter zu wandern. In Erdut mache ich am Grenzübergang eine Stunde Pause und trinke 2 Liter Wasser, die Hitze legt zu.

Kroatien:

Dann gehe ich über die Donaubrücke und erreiche gegen Abend die Ortschaft Dalj in Kroatien. Hier gibt es einen ATM wo ich mir zuerst einmal einige kroatische Kuna (1€ = ca. 7,5 kroatische Kuna (HRK)) zulege. Nach einer Pizza und einem Osiecky Bier schlage ich gegen Dämmerung mein Zelt am Donauufer auf.

07.06. Im Ortskaffee beobachte ich die vielen Polizisten, die hier beim Plausch sitzen. Generell ist hier die Polizei viel präsenter als in Ungarn, wo ich oft tagelang keine Polizei gesehen habe. Es ist hier halt Grenzgebiet, etc… Gegen Mittag erreiche ich dann Vukovar, wo ich im Mornar Restaurant eine Fischsuppe esse und mein weiteres Vorgehen plane.

In den Aussenbezirken von Vukovar. Die Kriegsspuren des Jugoslawienkrieges in den 1990er Jahren sind noch gut sichtbar.

Gegen späten Nachmittag frage ich in den Straßen von Vukovar einen Jungen nach einem Quartier. Nach kurzem Überlegen ruft er seine Vermieterin an. Sie ist gerade in Deutschland und vermietet mir kurzerhand ihre Wohnung für einen wohlfeilen Preis. So geht das hier auf dem Balkan. Am Abend besuche ich die Innenstadt und den Wasserturm, ein Kriegsmahnmal an den Balkankrieg in den 1990er Jahren.

Vukovar war damals schwer betroffen vom Krieg (ähnlich wie jetzt Mariupol in der Ukraine) und die vielen Einschusslöcher in den Hausfassaden zeugen auch heute noch davon.

08.06. Im Kaffeehaus komme ich mit dem Besitzer und der Kellnerin ins Gespräch und wir trinken gemeinsam noch zum Abschluss ein Anisschnäpschen. Der Besitzer lässt nicht zu, dass ich bezahle. Auch hier wird Gastfreundschaft GROSS geschrieben… Vukovar war einst Teil des Habsburgerreiches, die barocken Fassaden in der Innenstadt erinnern noch daran. Gegen Abend lerne ich Kresi-mir kennen, einen 46-jährigen Kroaten, und er erzählt mir viel aus seinem Leben.

Dann werden wir auch noch Zeuge von einer lautstarken Auseinandersetzung zw. einem Kroaten und einem Serben. Kresi-mir erklärt mir, dass es hier immer noch starke Spannungen zw. Serben und Kroaten gibt. Daher wohl auch mehr Polizeipräsenz… Kresi-mir hat als 15-jähriger Junge seine Eltern im Krieg verloren und hofft auf eine friedliche Zukunft. Sehr bedrückend solche Geschichten…

09.06. Heute habe ich mir die mehr als 40 km nach Ilok, der letzten Stadt in Kroatien, vorgenommen.

Graffiti am Stadtausgang von Vukovar. In rot die Skyline von Vukovar.

Dementsprechend früh stehe ich dann vor der Bäckerei und die Verkäuferin gibt mir ausnahmsweise noch vor der Öffnung um 5h etwas zu essen und zu trinken. In Sarengrad wurde vor kurzem die letzte Kneipe zugesperrt. Jetzt stehen zwei Parkbankerl im Schatten vor dem Lebensmittelgeschäft, eine Bar auf Balkanart! Als ich dann das Dorf verlasse ruft mir ein Einheimischer nach ich solle doch eine Kaffeepause bei ihm machen.

Er ist bereits in Pension und war in seinem Leben viel im Ausland. Jetzt lebt er hier mit seiner Frau und ich merke wie froh er ist wieder einmal über frühere Zeiten reden zu können. Ich gehe dann durch viele Weingärten nach Ilok wo ich ziemlich müde gegen Abend ankomme.

Christian gab mir in Pecs den Tipp im Franziskanerkloster um ein Zimmer zu fragen. Nach langem Läuten und der Hilfe einer Einheimischen öffneten sich dann doch noch die Pforten. Ein Mönch namens Brat Grgur (Bruder Gregor) in seinem braunen Gewand mit weißer Kordel um die Hüften fragte mich in gutem Englisch was ich wolle, woher ich kam und wohin ich wolle. Nach kurzem Gespräch ließ er mich ein und zeigte mir mein Zimmer. Nach einer Dusche fühlte ich mich wie neu geboren. Als es dann draußen auch noch zum Donnern und Regnen anfing fühlte ich mich pudelwohl in meinem Zimmer. So schlief ich auch schon gegen 20h ein. Selten fühlte ich mich in einem Quartier so geborgen und willkommen wie hier. Mittelalterliches flair kommt auf!

10.06. Ich hole mir von der Bäckerei Croissants und frühstücke im Kloster. Brat Grgur kommt gegen 9h bei mir im Zimmer vorbei und gemeinsam setzen wir die Waschmaschine mit meiner Wäsche in Gang. Zumittag war ich heute im Hotel Dunav an der Donau. Zum Essen war es mir allerdings dort zu laut, da gerade ein Reisebus ankam. Im Zurückgehen zum Kloster kaufte ich mir noch ein Böreck und trank dazu ein Franziskaner Weißbier in der Klosterküche. So wie es sich hält in einem Franziskanerkloster gehört… 🙂

Morgen werde ich dann wieder über die Grenze nach Serbien und Backa Palanka gehen und am Nachmittag Christian und Lili treffen.

Fazit Kroatien: Kroatien ist im Gegensatz zu Serbien Teil der EU und wird mit Anfang 2023 den Euro als Zahlungsmittel einführen. Dementsprechend höher ist hier auch das Preisniveau im Vergleich zu Ungarn und Serbien. In Slawonien, so wird hier die kroatische Donauregion genannt, leben hauptsächlich katholische Kroaten aber auch einige orthodoxe Serben und muslimische Bosnier. Ich wünsche dem Land weiterhin eine friedliche Zeit in diesem interessanten Völkergemisch.

Gesamtkilometer: 984

6 Kommentare

    Romana

    Lieber Georg! Ich bin begeistert von deiner Chronik ebenso wie von deinen Reiseschilderungen. Vielen Dank dafür! Liebe Grüße von Romana

      Georg

      Liebe Romana, freut mich, dass dir die Familienchronik und die Berichte gefallen! Viel Spaß beim Lesen… 🙂
      Liebe Grüße von Novi Sad (Neusatz) in Serbien, Georg.

    Helga baier

    Hallo lieber Georg!
    Ich freue mich sehr dass es dir gut geht es ist beeindruckend wie du dich in der Fremde wohl fühlst beziehungsweise einfügst – mit den Menschen immer in Kontakt bist und nebenbei schon 1000 km in den Beinen hast. Deine Sprachkenntnisse sind natürlich da auch sehr hilfreich.
    Ich lasse es mir momentan auch sehr gut gehen – im Frühling hatte ich mit dem Heizungsumbau sehr viel zu tun – aber jetzt bin ich auf meine Art und Weise viel unterwegs – ein paar Tage am Bodensee – Tagesausflüge mit dem Rad und viele schöne gesellschaftliche Treffen mit Freunden. Ich habe Andreas Duchatczek von deiner Reise erzählt und ihm auch die Links weitergeschickt – ich hoffe, das ist in Ordnung.
    Halte mich bitte weiter auf dem Laufenden. Alles Liebe und viel Energie und Spaß auf deinem Weg. Komm gesund bald wieder nach Hause- du musst ja nicht den ganzen Globus umrunden.😂
    Liebe Grüße Helga

      Georg

      Liebe Helga,
      freut mich, dass du den Heizungsumbau erledigt hast und du jetzt wieder mehr Zeit für dich und deine Freunde hast.
      Ich hab derzeit auch Besuch aus Wien bekommen und laufe seit gestern wieder mit neuen Schuhen rum, meine Füße freuen sich!
      Und da kannst gerne meinen link zur Webseite jedermann (frau) weiterschicken. Dazu ist die Webseite ja da, dass meine Berichte gelesen werden, etc…
      Also wünsch Dir weiter einen schönen Sommer und schöne Treffen auch mit den Fotoclubmitgliedern in Bad Leonfelden.
      Liebe Grüße und alles Gute, Georg 👣🕊️

    Fredi

    Hallo Georg, alles Gute auf deiner Wanderung, meine Füße halten das nicht mehr aus, aber der Pinsel geht noch so halbwegs. 👍😂🍻 Liebe Grüße Fredi!!

      Georg

      Hallo Fredi,
      vielen Dank🙏🙏🙏
      Schmier mir auch täglich vor dem Schlafengehen meine Füße mit Hirschtalg ein. So halten sie bis jetzt gut durch.
      Wünsche Dir auch alles Gute und daß der Pinsel immer noch gut arbeitet… 🙂
      Liebe Grüße aus Novi Sad, Georg.

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