SERBIEN (Teil 3): Beograd (Belgrad) – Ljig – Gornji Milanovac – Cacak – Kraljevo – Kloster Zica – Kloster Studenica Kloster Gradatz – Raska

23.06. Ich schreibe bis zur Mittagszeit an meiner Webseite, verkleinere ausgewählte Photos um sie später auf die Webseite hochzuladen und zu beschriften. Das wiederholt sich so im Schnitt 1x in der Woche und dauert meistens nicht länger als ca. 2 Stunden. Beim Schreiben wird mir immer wieder bewusst, wie genau man etwas beobachten muß um es gut beschreiben zu können. Vor allem muss ich selber auch noch evtl einmal im Internet nachlesen, etc und lerne dabei auch noch immer etwas im Nachhinein über das Gesehene und Erlebte.

Kurz vor 14h bezahle ich dann meinen cafa domacka (heimischer Kaffee mit Kaffeesatz, der hier vor allem von den Einheimischen getrunken wird) im Hotel Kopernikus um rechtzeitig um 14h zum Treffen mit Andreas im Hotel Balkan zu sein. Wir haben hier heute quasi eine Hotel Tour geplant, aus der allerdings nichts wird, da das Balkan Hotel derzeit eine einzige Baustelle ist. Anstatt dessen essen wir einen Burek mit Joghurt in einer nahegelegenen Bäckerei. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag hier in Serbien und so überlegen wir was wir noch anstellen können. Wir besuchen die Bajrakli Moschee, die letzte noch erhaltene und aktive Moschee der ursprünglich 80 Moscheen in Belgrad. Dann schlendern wir in Richtung meiner Unterkunft durch das bohemische Viertel wo wir uns zum Ausklang noch einmal Cevapi (Cevapcici) gönnen. Danach verabschieden wir uns vor meinem Quartier. Wir sehen uns entweder in Skopje oder spätestens in Istanbul wieder. Zumindest haben wir es so vor… 🙂

24.06. Ich stehe heute schon um 04:30 auf und packe leise meine Sachen um die anderen im Schlafsaal nicht zu wecken. Mit meinem ca. 7 kg schweren Rucksack und den neuen Schuhen geht es leichten Schrittes noch einmal zum Republikplatz (quasi der Hauptplatz der Stadt) um mich offiziell von Belgrad zu verabschieden.

Abschied von Belgrad – hier am Platz der Republik

Straßenbahnen in Belgrad – es gibt 12 verschiedene Linien und keine U-Bahn!

Schon eine tolle Stadt dieses Belgrad mit ihren ca. 1,3 Mio. Einwohnern. Speziell der Abend auf dem Kalemegdan (Festung) hat mir sehr gut gefallen.

Am Weg Richtung Süden komme ich noch einmal am Dom des Heiligen Sava vorbei, der allerdings um 6h morgens noch nicht offen ist. Über mehrere Zubringerstrassen gelange ich an den Stadtrand und an das Ufer der Save, die ja in Belgrad in die Donau mündet.

Savebrücke in Belgrad

Am Ufer der Save trinke ich dann so gegen 9h einen Kaffee und beobachte ein internationales Kajakrennen bei dem auch Österreicher am Start sind. Am Abend erreiche ich nach mehr als 40 km Obrenowatz, wo ich eine Pizza esse und mir in einem kleinen Supermarkt noch das Frühstück für morgen kaufe. Ich schlafe in einem Park und es gibt auch kurz ein Gewitter.

25.06. Ich starte frühmorgens und gegen Mittag wird mein Wasser knapp. Als ich in Brgule eine Frau mit der leeren Plastikflasche um ‚woda‘ (Wasser) bitte, lädt sie mich in den Garten auf einen Kaffee ein. Hier sitzen schon ihr Mann, gemeinsam mit ihrer Tochter Verica und der kleinen Anna und ein gemeinsamer Freund der Familie, der als 20-jähriger 7 Jahre in Österreich gearbeitet hat und noch etwas Deutsch spricht.

Nette Begegnung und Einladung im Ort Brgule

Heute lerne ich Folgendes: Eine Einladung zum Kaffee bedeutet hier immer auch ein Stamperl Raki (Schnaps – meist Slivowitz, ein Zwetschgerner) und manchmal auch gleich Essen dazu wie diesmal. Die Hektaranzahl wird besprochen, dann kommen die Frauen und letztlich darf auch die Politik nicht fehlen. Die EU, NATO sei nicht gut und letztlich auch für den jetzigen Krieg in der Ukraine zumindest mitverantwortlich, das kommt immer raus. Ich versuche bei politischen Themen immer wertfrei zu bleiben, speziell auch als sie mich zur Situation im Kosovo befragen. Das sind echt heikle Themen hier…

In einem kleinen serbischen Laden. Das Gemüse wiegt hier die Verkäuferin noch selber bei der Kassa ab und hilft auch noch beim Einpacken ins Plastiksackerl.

Traktorfahren auf Serbisch – es wird immer freundlich mit der Hand gegrüsst

Letztlich verbrachten wir schöne gemeinsame Stunden und meine spärlichen Russischkenntnisse halfen mir wieder dabei. Ich schlafe letztlich außerhalb von Lajkovac, wo mich ein ordentliches Gewitter und starker Regen im Zelt überrascht. Das Zelt hat den Test bestanden!

26.06. Gegen Mittag erreiche ich zwischen Zenobitz und Ljig einen Friedhof, auf dem gerade ein Begräbnis stattfindet. Als ich vorbei gehe ruft mich ein junges Mädchen herbei. Es ist hier Tradition das Grab des oder der Verstorbenen mit Essen und Trinken auszulegen und dann im Kreise der Familie davon zu essen und auch zu trinken. Der Mann der Verstorbenen bietet mir ein Stamperl Raki an und als ich angesichts der Uhrzeit ablehne kommt das Mädchen herbei und erklärt mir, dass ich es einfach annehmen muss. So trinke ich das erste Mal in meinem Leben gemeinsam mit den anderen ein Stamperl Schnaps am Grab einer Verstorbenen.

Serbisches Begräbnis – vor allem am Land ist es in Serbien Tradition am Grab des oder der Verstorbenen zu essen und zu trinken, ein Relikt aus der osmanischen Besatzungszeit

Letztlich füllen sie noch ein Plastiksackerl mit Fisch, Brot, Gurke und Süßigkeiten an und geben es mir mit. Mein Rucksatz ist am Platzen aber es muss alles rein, das gehört so… Letztlich gibt mir der Mann der Verstorbenen auch noch ein halbes Fläschchen vom Raki mit, auch hier sind alle Bemühungen zwecklos das nicht anzunehmen. Das ist Gastfreundschaft auf dem Balkan!!! Manchmal frage ich mich wo die bei uns zu Hause geblieben ist…

Am Abend kaufe ich mir eine Dose Lasko, ein Bier aus Slowenien und esse von dem Mitgegebenen. Dann telefoniere ich noch mit meiner Mutter um all die Neuigkeiten von zuhause zu erfahren bevor ich mich auf Schlafplatzsuche begebe. Neben der Kirche des Heiligen Johannes des Täufer sitzt der Pfarrer mit seiner Frau vor seinem Haus heraussen. Er bietet mir neben seinem Haus ein überdachtes Hüttchen zum Schlafen an, wo ich im Freien übernachte. Bei einem Gläschen Rotwein und ratet mal… bei einem Stamperl Raki erzählen wir uns unsere Geschichten. In der orthodoxen Kirche gibt es ja kein Zölibat und so hat er 4 Töchter und 1 Sohn, die ausser dem Sohn schon alle in der Hauptstadt Belgrad wohnen.

Der Pfarrer mit seiner Frau neben der Heiligen Johannes der Täufer Kirche in Ljig

Ich kann mir in der Toilette noch etwas den Schweiß runterwaschen und schlafe zufrieden ein.

27.06. Ich muss heute das erste Mal durch einen Tunnel. Es gibt halt nicht nur Wald- und Wiesenwege am Weg nach Istanbul.

Beim Durchgehen meines ersten Tunnels – halb so schlimm, da auf der Seite ein kleiner Gehweg war

Zumittag lege ich mich in der Nähe eines Hauses unter einen Baum und esse den mitgebrachten Fisch mit Gurke und Brot. Es ist hier eine wahre Idylle, wahrscheinlich war das Leben zu Großmutter’s Zeiten nicht viel anders. Schafe, Gänse, Hühner, ein kleiner Hund und eine schwarze Katze beleben das Häuschen, nur von den Besitzern keine Spur.

Nach dem Raki (Schnaps) ein kleines Mützchen – kurz bevor die Besitzerin heimkam… 🙂

Erst zwei Stunden später kommt die Besitzerin nach Hause und nach einem kurzen Plausch lädt sie mich noch zu einem Kaffee auf ihre Terrasse ein.

Ein cafa domacka (Einheimischer Kaffee) geht immer – hier mit der Besitzerin des Hauses

Auch hier tischt sie mit mehreren Gerichten auf, das ich aber diesmal ablehnen konnte. Gegen Abend gehe ich noch bis zu einer Schule weiter wo ich mein Zelt aufstelle und übernachte.

28.06. Es erwartet mich heute gleich frühmorgens eine kleine Bergetappe auf den Ostrvica (758m) und ich frühstücke erst gegen 8h kurz vor dem Ort Brezovica. In Brezovica selbst lade ich wieder von einem Kiosk Guthaben auf meine serbische SIM Karte, kaufe noch eine Tomate und Brot für den verbliebenen Fisch zum Mittagessen und trinke letztlich noch in einem Café einen cafa domacka.

Serbischer Traktor wartet auf seinen Einsatz…

Um ca. 10 mache ich mich dann auf Richtung Gornji Milanovac, wo ich mir heute wieder einmal ein Zimmer leisten werde. Ich sitze gerade in einem gemütlichen Garten inmitten der serbischen Natur und schreibe diese Zeilen. In Gornji Milanovac habe ich das erste Mal eine etwas ‚unangenehme‘ Begegnung, da ich mich mit dem Vermieter eines Zimmers nicht auf den Wechselkurs €/serb. Dinar einigen kann. So ziehe ich unverrichteter Dinge ab und übernachte letztlich im IG Hotel.

29.06. Die Hitze hat auch hier ihren derzeitigen Höhepunkt erreicht und so mache ich heute in Cacic von 13 bis 17h eine längere Mittagspause.

36 Grad ohne Lüfterl, die Füße beginnen zu rauchen… 🙂

Dann gehe ich noch bis ca. 20h und finde unter Obstbäumen einen schönen Schlafplatz. Mit serbischer Musik und dem Gebelle von aufgeweckt Hunden aus der Ferne schlafe ich schmunzelnd in meinem Zelt ein.

30.06. Heute geht absolut kein Lüfterl mehr und die Schwüle drückt ordentlich bei schwachen 36 Grad. Da ich etwas früher in Kraljevo wegen dem Frauenkloster Zica sein möchte, weiche ich von meiner Regel ab zwischen 13h und 16h zu pausieren. Ich gehe ca. eine Stunde zw 14 und 15h und merke leichte Kopfschmerzen, etc und höre wieder auf zu gehen. Definitiv keine gute Idee! Ziemlich geschwächt erreiche ich gegen 18h Kraljevo wo ich mir im Hotel Royal ein Zimmer für 2.500 Dinar (ca. 20€) nehme. Ich dusche mich gleich zweimal, wasche mein Leiberl, Socken, etc und trinke in der Hotellobby einen Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt. Als ich wieder gestärkt war und mich nach den Gebetszeiten im nahegelegenen Frauenkloster Zica erkundige lerne ich Petar (Peter) kennen. Er ist hier mit seinem erst 12-jährigen Bruder Simeon (Simon) und seinem Freund Pavle (Paul) und es entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit Petar und Pavle.

V.l.n.r.: Djordje (Georg auf serbisch, ausgesprochen: Tschordsche), Petar, Pavle und Simeon im Hotel Royal in Kraljevo

Petar erklärt mir, dass einer der Gründe für die morgenländische Schisma (Kirchenspaltung zwischen den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche) im Jahre 1054 war, dass die katholische Kirche ein Zentrum (Rom) mit einem Oberhaupt (Papst) haben wollte. In den orthodoxen Kirchen hat jedes Land, in dem es eine orthodoxe Kirche gibt (zB Serbien, Russland, Ukraine, Türkei, Ägypten, Äthiopien, Japan, etc), seinen eigenen Patriarchen. Was die EU anlangt sind seiner Meinung ca. 90% der serbischen Bevölkerung gegen einen Beitritt. Auf die Frage warum Präsident Vucic dann mit der EU liebäugelt, meint dann Pavle augenzwinkernd: Wenn all deine Nachbarn bereits bei der EU sind bzw dazugehören wollen, was solle er denn aus diplomatischen Gründen auch anderes sagen… Die Serben fühlen sich als Brüder der Russen, Mentalität, Sprache, Religion verbindet sie. Gegen 23h verabschieden wir uns und haben wohl gegenseitig viel voneinander gelernt.

01.07. Da die byzantinischen Morgengesänge jeden Tag von 5 bis 7:30h und von 17 bis 18h stattfinden, habe ich mir den Wecker für 4:30 gerichtet. Knapp nach 6h erreiche ich dann das Kloster und eine Schwester, die gut Englisch spricht, sagt mir, dass ich an den Morgengebeten mit byzantinischem Gesänge teilnehmen könne.

Frauenkloster Zica (ausgesprochen: Schitscha), mehr als 800 Jahre alt

Morgengebet mit den Nonnen im Frauenkloster Zica

Fresko- (Frisch-) Malerei im Frauenkloster Zica

Frauenkloster Zica

Es dauert dann bis ca. 8h und im Anschluss bittet mich die eine Schwester noch zum Frühstück. Es gibt Linsensuppe, Brot, Oliven aus dem Garten, gemischten Salat und Sardinen von Rovinj. Dazu Kaffee, Orangensaft und? einen Raki… 🙂

Danach noch erwähnenswert die Geschichte mit dem im Speisesaal zurückgelassenen Rucksack. Ich zünde danach ein Kerzerl an.

Nur übernachten darf man hier nur als Frau. Männer werden an das Männerkloster Studenica verwiesen, das ca. 2 Tagesmärsche von hier Richtung Kosovo liegt. So liege ich derzeit im Schatten im Klostergarten und mache heute einen Ruhetag. Um 17h werde ich mir heute noch die einstündige Vesper (vorletzte, abendliche Gebetsstunde) in diesem wunderschönen, mehr als 800 Jahre alten Frauenkloster anhören bevor ich weiter Richtung Kosovo gehe.

Nach der ca. einstündigen Vesper gehe ich noch in den 4 km entfernten Ort Mataruschka Banja wo ich ein Stück außerhalb auf einer frischgemähten Wiese in meinem Zelt schlafe.

02.07. Heute finde ich eine spannende Hängebrücke, die mich über den Fluss Ibar bringt. Im Café Kod Mira erfahre ich, dass ich im Norden des Kosovo auch noch mit Dinar zahlen kann, im Süden nur mit Euro. Der Fluß Ibar, der in Montenegro entspringt, teilt den Kosovo in den Norden und den Süden. Das Ibartal ist im Gegensatz zum bisherigen Serbien bergig und landschaftlich sehr schön.

Die Heuernte ist auch hier in Serbien voll im Gang, im Ibartal im südlichen Serbien

Serbisches Menü – Kaffee, Schnapserl und ein Glas Wasser

Beim Überqueren einer Hängebrücke über den Fluss Ibar in der Nähe des Cafés Kod Mira, südliches Serbien

Blick auf das Ibartal

Die Route führt allerdings entlang einer stark befahrenen Schnellstraße, so bin ich froh wohlbehalten am Abend die Ortschaft Polumir erreicht zu haben. Hier feiert ein Vater den 18ten Geburtstag seines Sohnes und lädt mich zu Speis und Trank ein. Er erzählt mir, dass er öfters in Wien ist und dort ältere Autos aufkauft, die er hierher bringt und wieder verkauft.

03.07. Nach einer Zeltnacht am Ufer des Ibar gehe ich frühmorgens um 5h los und erreiche das Männerkloster Studenica ziemlich schweißgebadet um genau 12h Mittags. Es ist das mit über 800 Jahre älteste Kloster in Serbien und wird auch als Wiege des serbischen Königreiches bezeichnet, das ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand.

Kloster Studenica – die ersten Mönche kommen zum Gedenktag an die Heilige Anastasja, Mutter des Heiligen Sava

Ich ergattere in der Unterkunft des Klosters noch gerade das letzte Zimmer mit Dusche und WC am Gang. Grund dafür ist, dass heute Abend und morgen der Anastasja Srpska gedacht wird. Sie ist die Mutter des heiligen Sava, der Serbien im 12. Jahrhundert zur orthodoxen Kirche geführt hat. Ihre Reliquien sind in der Muttergotteskirche des Klosters aufbewahrt. Auch die ihres Mannes und ersten Königs Serbiens Stefan Nemanja, Vater des Heiligen Sava.

Die Feierlichkeiten beginnen um 21h und dauern bis 1h morgens. Die orthodoxen Gottesdienste gehen in die Beine, da durchwegs gestanden wird. In einer Pause lerne ich 2 jüngere Burschen aus der Gegend kennen. Sie erzählen mir, dass auch später noch die Särge der Heiligen Anastasja und ihres Ehemannes Stefan geöffnet werden.

Gläubige am geöffneten Sarg der Heiligen Anastasja

So ist an ein Nachhause gehen nicht zu denken und um 1h morgens falle ich dann halb entkräftet in das Bett… 🙂

04.07. Heute ist die Hauptfeier des Gedenktages an die Heilige Anastasja und viele Mönche und Bischöfe aus der Umgebung haben sich angesagt.

Einheimischer orthodoxer Mönch vor der Muttergotteskirche im Männerkloster Studenica

Grosser Auflauf zum Gedenktag der Heiligen Anastasja im Kloster Studenica

Die Feierlichkeiten dauerten heute nur 2 Stunden, danach gab es im Koloskopietergarten Verpflegung für alle.

Verpflegung inkl Raki (Schnaps) für alle nach den Feierlichkeiten, im Klostergarten Studenica

Ich erhole mich derzeit gerade von all diesen Ereignissen und werde morgen Richtung Kloster Gradac weiter gehen.

05.07. Frühmorgens verabschiede ich mich vom Rezeptionisten der Herberge im Kloster Studenica. Er gibt mir noch zusätzliches Essen mit auf den Weg ohne für alles auch nur irgendetwas anzunehmen. Ich werfe dann zumindest eine Spende für das Kloster ein. Auf einer frisch geteerten Straße geht es Richtung Rudno auf 1.100m Höhe, die höchste Erhebung seit ich von zuhause weg bin.

Die Straße zwischen Studenica und Gradatz ist noch nicht ganz fertig

Am Weg wird gerade noch ein Teil der Straße fertig gemacht und ich schwindle mich an den Baggern und LKWs vorbei nach Rudno.

Das Ortsschild von Rudno bekommt ein neues Pickerl vom Jerusalemweg verpasst. Johannes (Aschauer) hatte mir einige in Arbing zum Aufkleben mitgegeben.

Ich merke hier auf 1.100 m eine leichte Abkühlung und gehe nach einem Kaffee und Raki ins Tal Richtung Gradatz.

Kaffee- und Raki Pause in der Vila Selena in Rudno
Schmetterling am Weg nach Gradatz

Einheimische bei der Heuernte

Da das Geschäft in Gradatz gerade Mittagspause macht setze ich mich mit dem Essen vom Kloster Studenica auf ein Tischchen und lasse es mir schmecken. Als die Frau dann den Laden aufsperrt, lasse ich meinen Rucksack bei ihr und Einheimische wie der liebe Danilo oder Boban versprechen mir auf den Rucksack aufzupassen während ich mir das Frauenkloster Gradatz ansehe.

Frauenkloster Gradatz – die Wolken verheißen nichts Gutes

Dort angekommen ziehen schwarze Wolken auf und gerade noch vor Einbruch des Unwetters erreiche ich wieder den Lebensmittelladen in Gradatz wo die Frau schon nervös wird. Kurz darauf fängt es gehörig zu regnen an, gemischt mit Sturm, Hagel, Blitz und Donner.

So sah der Lebensmittelläden in Gradatz nach dem Unwetter aus

Nach und nach kommen auch die Männer von ihren Feldern ins Geschäft wo sie sich vor dem Unwetter schützen. Nach ca. 2 Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Wir besichtigen danach all die Schäden, die das Unwetter angerichtet hat, bevor ich mich in ein naheliegendes Appartement einmiete. Nach einer warmen Dusche schlafe ich schon so um 20h ein.

06.07. Start wieder um 5h morgens da ich gegen Abend die Grenze zum Kosovo erreichen möchte. Soweit ist alles gutgegangen und ich sitze in Raska in einem Café wo ich diese Zeilen schreibe.

Hauptplatz in Raska, ca. 10km von der Grenze zum Kosovo entfernt

Es sind jetzt nur mehr ca. 10 Kilometer zur Grenze in den Kosovo und ich blicke gerne an die mehr als 5 Wochen in diesem Land im Balkan zurück.

Fazit:

Der Balkan beginnt (zumindest geografisch) nicht in Ottakring in Wien! sondern doch im Norden von Serbien… 🙂 Die Lebenslust, das freudige Miteinander und die immer laut gespielte Musik erinnern dich daran. Vor allem auch die Gastfreundschaft der Leute, selten wurde sie mir so zu Teil wie in Serbien. Das Land ist sowohl geografisch als auch politisch im Zwiespalt zwischen Ost und West. So gesehen hat sich im Vergleich zu früher (Osmanen vs. Habsburger) nicht viel geändert. Doch glaube ich, dass sich die Bevölkerung dem Osten (zB Russland) näher fühlt, sowohl von Sprache, Mentalität und Religion. Grob geschätzte 80- bis 90% der Bevölkerung sind gegen einen EU-Beitritt. Die serbisch orthodoxe Kirche besteht aus vielen Klöstern, speziell im Süden. Die Mönche (und Patriarch) dürfen nicht heiraten, während die Priester verheiratet sein müssen. Es gibt kein Zölibat in der orthodoxen Kirche. Und ohne Raki (Schnaps, meistens Slivowitz) geht hier gar nichts, zu keiner Uhrzeit. So bedanke ich mich für die ca. 5 Wochen bei diesem wunderschönen Land mit ihren wirklich gastfreundlichen Leuten und wünsche dem Land alles Gute für die Zukunft auf dem Balanceakt zwischen Ost und West.

Gesamtkilometer: 1.500

6 Kommentare

    Maria Hueber

    Lieber Georg,
    wir sind sehr beeindruckt von deinem abenteuerlichen Bericht aus dem man ersehen
    kann, daß du in dieser kurzen Zeit deiner Wanderung schon gehörig viel interessantes
    und lebenswichtiges erlebt hast.
    Wir wünschen dir weiterhin viel Neugierde, Kraft und gutes Schuhwerk –„ZIVELI“
    Liebe Grüße Maria und Josif.

      Georg

      Liebe Maria und Josef,
      fürwahr, diese Wanderung lehrt mir mehr als mir manchmal schon lieb ist.. 🙂
      Vielen Dank für Eure Zusprüche und Zivili (Prost), am besten mit Raki, Georg.

    Iris Dekan

    Lieber Georg,
    dein Bericht hat mir meine Mittagspause versüßt. Wirst du auch Bulgarien durchwandern – zumindest ein Stück weit? Bin schon gespannt wie ein (eventueller) Vergleich zu Serbien ausfällt! Danke fürs Mitreisen-lassen! Gute Zeit!

      Georg

      Liebe Iris,
      meine ursprüngliche Reiseroute durch Bulgarien hat sich etwas geändert und ich werde jetzt doch direkter in den Süden gehen. Kosovo, Nordmazedonien, Griechenland und Türkei sind die nächsten geplanten Länder… Bulgarien evtl auf der Rückreise dann.
      Liebe Grüße nach Wien und alles Gute mit Deiner neuen Wohnung, Georg.

    Sian R

    Ah …. Serbia. In spite of the war which split Yugoslavia it doesn’t seem to have changed since I hitch-hiked through in 1971.
    Nice that some things stay the same….
    Re. food and drink at the graveside; in Selcuk (Western Turkey, near Ephesus) they have a similar custom, of sharing food in the name of the deceased. In our case, sweet fried pastries. The woman I was travelling with at the time embarrassed me by going back time and time again for more. I will not travel with her again – and she wonders why…

      Georg

      Hello my travel agent.. 🙂
      interesting to hear that they have this custom also in Selcuk, western Turkey. And can imagine why you are not traveling anymore with this friend.
      Greetings from the holy Green one on the way to Kosovo!

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