24.4.2022: Heute ist Georgitag (und auch Sonntag der Barmherzigen) , welcher Tag könnte besser passen zum Losgehen als dieser? Losgehen entlang der Donau, die genaue Route ergibt sich am Weg. All die Erledigungen zuhause sind hinter mir und nun heißt es ‚Leinen los‘. Über Amesschlag und Oberneukirchen geht es zuerst zur Burg Lobenstein. Von dort zur Giselawarte wo ich mich mit meinem Freund Sven verabredet habe. ‚Bis zur Gis geht’s eh, dann zieht es sich‘ lachen wir bei einem Kaffee beim Giswirt. Runter den Bachlberg mit einem kurzen Hallo bei meiner Tante Maria erreiche ich so gegen 17h den Garten meiner Mutter in Linz – Urfahr. Wir feiern noch Abschied, auch Max kommt noch dazu, dann übernachte ich in der Gartenhütte.






Am 25.4. gibt es noch ein gemeinsames Frühstück mit Muttern und Max bevor ich bei leichtem Regen entlang der Donau nach Mauthausen gehe. Über die Todesstiege erreiche ich die hübsche Stadt Mauthausen, wo ich am Abend Johannes Aschauer treffe. Er gibt mir sehr wertvolle Informationen und Tipps für den Weg Richtung Jerusalem. Er ging im Jahre 2010 diesen Weg schon einmal gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen und David Zwilling, er weiß von was er spricht.
26.4. Früh morgens starte ich in Mauthausen und erreiche um ca. 11h Arbing, wo ich nochmals Johannes in seinem Heimatort treffe. Er wünscht mir einen gesegneten Weg in das ‚heilige Land‘, den Segen kann ich brauchen. Kurz bevor es zu regnen beginnt erreiche ich nach 38km Grein. Ich schlafe hier im ehemaligen Franziskanerkloster Haus Antonius, wo ich ein Pilgerzimmer mit Frühstück bekomme.
27.4. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit dem Pfarrer und seiner Köchin besuche ich nun das wirklich schöne Café Blumensträußel. Draußen regnet es und so versäume ich auch nicht viel… Entlang des rechten Donauufers erreiche ich Ybbs an der Donau. Wohnen beim Bäcker Weinberger hat mir Johannes empfohlen und so kam es auch. Als ich die Bedienerin fragte ob ich im Hinterhof mein Zelt aufstellen könne, kommt auch schon der Chef vorbei. Wir wechseln ein paar Worte über meine bevorstehende Wanderung und kurzerhand bietet er mir ein Zimmer bei ihm an. Dem noch nicht genug, sagt er auch der Bedienerin sie soll mir einen Tee und was zum Essen bringen. Ich kann seinen Worten kaum glauben, so eine Hilfsbereitschaft habe ich wohl in Österreich noch nicht erlebt…
28.4. Heute geht es von Ybbs via der Kraftwerksbrücke Ybbs-Persenbeug zum Wallfahrtsort Maria Taferl und zum Schloß Artstetten. In Maria Taferl kommt, während ich mir eine Suppe koche, ein Junge zu mir. Er stammt aus der Nähe von Kiew und erzählt mir, daß er mit seiner Familie jetzt hier wohnt. Meine kleinen Russischkenntnisse ermöglichen es mir, mich mit ihm ein wenig zu unterhalten. Mit 9 Jahren sowas erleben, hoffentlich können sie bald wieder zurück.
Nach weiteren 6 km erreiche ich Artstetten. Im Schloß liegt der 1914 in Sarajevo ermordete Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie begraben. Ich schlafe im Schloßpark in meinem Zelt.





29.4. Gegen Mittag erreiche ich heute Melk. Ich schaue mir das Stift auch einmal von innen an und erfahre vom Portier, dass leider keine Pilgerzimmer frei sind, da das Stift ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat. So gehe ich zum Campingplatz, der nur ca 10 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum direkt an der Donau liegt.


30.4. Ich sitze gerade in einem Café in Melk und werde heute einen Ruhetag einlegen. Ganz so ruhig wird es aber dann auch wieder nicht, da ich mir in der Schallaburg die Ausstellung ‚Reiter Nomaden in Europa‘ anschauen möchte.
Es ging in dieser Ausstellung vor allem um die Nomadenvölker der Hunnen, Awaren, Ungarn und Bulgaren, die alle aus der zentralasiatischen Steppe kamen. Während die Hunnen und Awaren sich nicht halten konnten, gelang es den Ungarn und Bulgaren sich in der pannonischen Tiefebene und im Karpatenbecken dauerhaft anzusiedeln und einen eigenen Staat zu gründen. Voraussetzung dafür war wohl auch, dass sie sich zum Christentum bekehrten und so die Kirche im Rückhalt hatten.
01.05. Frühmorgens um 6h gehe ich heute los, ohne wieder einmal zu wissen wo ich schlafen werde oder wo ich am Abend ein Glaserl vom guten Wein in der Wachau kosten werde. So gefällt mir das Gehen und Reisen, nicht zu viel planen, alles kommt so wie es sein soll…


Vorbei beim Schloß Schönbühel geht es entlang des rechten Donauufers Richtung Mautern. Ich gehe hier meistens auf dem Treppelweg und habe auf der anderen Seite die bekannteren Orte der Wachau vor mir. Am rechten Donauufer ist es noch ruhiger und so gelange ich zumittag nach Oberarnsdorf, wo gerade der Maibaum aufgestellt wird. Im Feuerwehrhaus wird aufgekocht, das Surschnitzel und vor allem die selbstgemachte Mohntorte waren Weltklasse.


Am Abend erreiche ich Rossatzbach, wo ich wieder im Zelt in den Weingärten schlafe. Christian, ein IBM Arbeitskollege aus Bad Vöslau, kommt mich besuchen und wir trinken das eine oder andere Achterl im Heurigen Rinner und Rehrl-Fischer.



02.05. Auch heute starte ich wieder früh. Ich mag es ohne Frühstück loszugehen und dann nach ca 2 Stunden wo zu frühstücken. Heute war es im Gasthaus Hofer in Mautern soweit, wo ich nach ca. 8 km um 8h morgens einkehre. Die Besitzerin ist sehr interessiert an meiner Wanderung und so unterhalten wir uns länger darüber. Als ich zahlen möchte, meint sie ‚Nein, nein, der erste in der Saison, der diese Wanderung macht und bei mir einkehrt geht frei, und ich war wohl der erste. Nur hätte sie gerne, dass ich für sie ein Kerzerl in Jerusalem anzünde‘, natürlich Ehrensache! Ich lege mir jetzt schon eine Liste der Wünsche an, um nichts zu vergessen… 🙂
Zumittag erreiche ich das Benediktinerstift Göttweig, das imposant auf einem Hügel thront. Wunderschön die Lage dieses Stiftes, die Stiftskirche und das Deckenfresko von Paul Troger (1739) in der Kaiserstiege sind ein Genuss für die Augen.



Am Abend komme ich nach Höbenbach zum Heurigen Ettenauer, wo mir Annemarie, die Chefin, telefonisch zugesagt hatte, dass ich mein Zelt bei Ihnen im Garten mit Marillenbäumen aufstellen könnte. Bei der Ankunft lerne ich dann auch Ihren Mann Hans kennen, der dann kurzerhand meinte, ich könnte auch bei Ihnen drinnen schlafen, da es gerade leicht zu regnen begann. Heute Abend kommt Claus aus Krems zu Besuch, und um halb zwölf waren wir die letzten Gäste, die übrig blieben. Essen und Trinken wie immer hervorragend. Vor allem der Grüne und Rote Veltliner, aber auch der Muskateller sind ein Traum, das Wein machen können Sie hier…
03.05. Annemarie weckt mich heute um halb sieben und wir frühstücken noch gemeinsam bevor ich mich kurz vor 8h auf den Weg mache. Auch sie interessiert sich für das was ich mache und erzählt mir unter vier Augen auch Details aus ihrem Leben. Diese Begegnungen und Gespräche auf dem Weg sind es letztlich, an die man sich später erinnert und gerne denkt und letztlich auch eine Reise ausmachen.
Im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg leben derzeit zw. 15 und 20 Priester. Der Schutzpatron des Stiftes ist der hl. Georg. Von einer anwesenden Führerin erfahre ich, dass der hl. Georg auch der Schutzpatron der Reisenden ist. Welch besseren Schutzpatron kann ich mir für meine Wanderung wohl wünschen!
Ich durchquere nun das nördliche Mostviertel und erreiche am Abend Würmla, wo ich im GH Burger übernachte. Hin und wieder eine Matratze und vor allem eine Dusche tut doch auch gut.
04.05. Heute liegt eine längere Etappe bis Purkersdorf vor mir und so bin ich wieder frühmorgens auf meinen Beinen. Die Wanderung über den Troppberg wird nichts da am Riederberg ein ordentliches Gewitter mit starkem Regen und Hagel aufzieht und ich gerade noch in der Autowerkstatt am Riederberg Unterschlupf finde. Bei einem Automatenkaffee betrachte ich das Treiben draußen und nachdem sich wieder alles verzogen hat, trabe ich die letzten Kilometer via Gablitz nach Purkersdorf runter. In der Jugendherberge kann ich endlich wieder einmal mein Gewand waschen und Thomas, der Leiter der JH, bietet mir sogar ein Fußbad an, das ich dankenswerterweise annehme. Fast jeden Abend reibe ich mir die Füße mit Hirschtalg ein und so hatte ich bisher noch keine Probleme mit Blasen oder ähnlichem. Gut bereift fährt sich besser gilt auch bei den Fußgängern… 🙂
05.05. Vor 6h bin ich bereits wieder auf den Beinen und es liegen noch Nebelschwaden entlang des Wien Flusses als ich Richtung Hietzing marschiere. Ich mache noch aus nostalgischen Gründen einen kurzen Abstecher zu meiner früheren Wohnung in der Hagenberggasse bevor ich mich im Café Schwarz mit Iris treffe. Sie zeigt mir danach auch noch ihre neue Wohnung in der Wittegasse bevor ich weiter Richtung Stephansdom ziehe. Liebenswerterweise gibt sie mir auch noch den Schlüssel für ihre andere Wohnung in der Salztorgasse in der Innenstadt mit, wo ich die nächsten zwei Tage bleiben werde. In der Mahü kaufe ich mir vorsorglich noch einmal dieselben Schuhe, mit denen ich jetzt gehe. Bei Bedarf schickt sie mir diese nach, sollte ich unterwegs einmal nichts Passendes finden. Im Stephansdom zünde ich ein Kerzerl an bevor ich mich in der Salztorgasse einquartiere.


06.05. Sitz grad im Café Castelleto wo ich diesen Beitrag schreibe und werde heute noch einige Sachen erledigen bevor ich morgen weiter gehen werde.
Wirklich viel erledigt habe ich allerdings nicht mehr. Vielmehr nützte ich die Zeit noch um im Café Prückel Isi mit ihrem zwei Monate alten Sohn Jonas zu treffen. Anschließend lernte ich im Stadtpark auch noch ihren Freund Christopher aus Kenia kennen.

07.05. Es war schön einmal zu Fuß von mir zuhause im Schallenberg nach Wien zu gehen. In die Stadt, in der ich studiert, gearbeitet und fast 30 Jahre meines Lebens verbracht habe. Um 06:30 starte ich dann heute meine Wanderung am Schwedenplatz dem Donaukanal Richtung Schwechat. Hier telefoniere ich wieder einmal mit Adi und gratuliere ihm zum Geburtstag. Es geht weiter Richtung Schwadorf und kurz danach erwischt mich ein Gewitter. So kann ich gleich meine sexy Regenbekleidung testen und komme letztlich relativ trocken beim Heurigen Purkharthofer in Stixneusiedl an.

Berni Purkharthofer, der Besitzer, bietet mir an in seinem Zirkuswagen inmitten der Weinberge zu übernachten. Wer kann so ein Angebot schon ablehnen… 🙂


08.05. Nach ca. zwei Stunden Morgensport erreiche ich das hübsche Städtchen Bruck an der Leitha. In einem Café gibt’s wieder ein Telefonat, diesmal mit Frau Chefin namens Mutter, es ist ja Muttertag… 🙂 Kurz vor Neusiedl am See treffe ich am Radweg Erich Klinger, einen ehemaligen Bioweinbauer aus Apetlon. Es gibt viele Neuigkeiten und letztlich wünscht er mir alles Gute auf dem Weg.

Isi empfahl mir Camping Paula in Frauenkirchen zum Übernachten. Am Telefon erkundige ich mich bei Helmut Hochedlinger ob der Campingplatz eh schon offen hat. Helmut bejaht und erkundigt sich telefonisch bei mir über die Sicherheitslage Richtung Süden, da er diesen Weg auch bald gehen möchte. Nach ca. 5 Minuten meinte er kurzerhand am Telefon: So, und jetzt hast Du Dir gerade eine Übernachtung bei mir verdient! Bei meiner Ankunft um 18:30 (nach 43 km) tischt er sofort auf und meint, dass er mir auch ein Zimmer gibt. Er ist auch schon einmal zu Fuß nach Rom und Santiago de Compostela gegangen und weiß, dass Pilger letztlich auch Hilfe brauchen um das Ziel zu erreichen. Nach einer Dusche bringt er mir auch noch ein Tablette voller Essen vorbei und meint letztlich ‚Buen Camino‘ – Guten Weg. Unglaublich diese Hilfsbereitschaft, mir wurde dies in dieser Form noch nie zuteil!
09.05. Siegfried, ein IBM Arbeitskollege aus Gols, hat sich angesagt und wir treffen uns um 08:30 in der Bäckerei Goldenitsch am Zicksee auf ein Frühstück. Er gibt mir noch einige Tipps mit auf meinem Weg durch Ungarn und Serbien, Länder, die er sehr gut kennt. Via St. Andrä bin ich nun nach Andau gegangen, wo ich gerade im nächsten Café sitze. Ich mache gerade Pause, da es jetzt zumittag schon recht warm wird und werde später noch über die Grenze nach Ungarn gehen.




Fazit: Es waren wunderschöne zwei Wochen vom Mühlviertel via der Wachau und Wien hierher ins Burgenland. In der Zwischenzeit bin ich gut eingegangen, das Hirschtalg tut immer wieder gut und auch das Wetter blieb mir bisher hold. Die Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft ist wohl die größte Überraschung bisher, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe. Buen Camino!
Gesamtkilometer: 427

Richtsfeld Elfriede
Danke ist sehr schön bitte so weiter schreiben wir werden dich begleiten.
Georg
Hallo Mama, freut mich wenn ich dich und euch so ein wenig auf die Wanderung mitnehmen kann.
Liebe Pilgergrüße aus Andau im Burgenland, Georg.
Iris Dekan
Toll! Danke für deinen Reisebericht, die Fotos, das Gefühl, das rüberkommt.
Georg
Liebe Iris,
vielen Dank für die Blumen!
Wir sehen uns ja bald, liebe Grüße, Georg.
Sian R
Thank you for your lovely blog – and thank God for Google translate :>D
Just a suggestion – how about a map of your route, which you could update weekly? Having seen your Dove of Peace sign in Melk and that there is an official route, I’m sure there must be an option for that.
Georg
Hi Sian, the point is that I am not sure which way I will go, the route will be decided on the way…
Take care and looking forward to your info, Saint Georg.
Raffi
Super Bericht! Viel Spass! LG Raffi
Georg
Danke Raffi, freut mich wenn es dir gefällt 🙏