NEPAL 2020 – Teil 3

Mustang

Upper Mustang

15.03. Heute ist der Tag der Tage und wir starten unsere Wanderung von Kagbeni nach Upper Mustang. Wir, das ist Andre, ein 40-jaehriger Kandier aus Vancouver, dann Rudra, ein 28-jahriger Nepali guide aus der Khumbu Region und meine Wenigkeit. In der Nacht davor hat es noch ein Gewitter gegeben und ordentlich geschneit. Am Weg zum ACAP (Annapurna Conservation Area Project) checkpost ‘beschiessen’ uns die uebermuetigen Maedchen von den Hausdaechern mit Schnee, den sie von den Daechern schmeissen um die Daecher zu entlasten.

Schwer zu sehen, aber es gibt sie – die trickreichen Mädchen von Kagbeni – sie ‘beschiessen’ uns mit Neuschnee von den Dächern

Nach dem check-in gehen wir dann Richtung Tangbe und Chhusang, den ersten Doerfern in Upper Mustang. Andre hat bereits hier grosse Probleme mit dem Gehen mit seinen Turnschuhen und mein Kommentar zu Rudra war nur: Hast Du denn hier zum Fussballspielen hierher mitgebracht?…;-) In Chele angekommen finden wir erst nach laengerer Suche ein Quartier. Auch Youri, ein Belgier aus Gent, ist hier mit seinem Guide Monud angekommen und wir verbringen gemeinsam den Abend.

Der wurde vergessen… am Weg von Kagbeni nach Chele
Tief verschneites Mustang – am Weg von Kagbeni nach Chele
Mit Youri, dem Belgier, in der Unterkunft von Chele

Am naechsten Morgen klagt Andre bereits ueber starke Kopfschmerzen. Er war ja am Vortag von Pokhara (800 Meter Seehoehe) mit dem Jeep nach Kagbeni (2.800 Meter Seehoehe) gekommen. Zu schnell zuviele Hoehenmeter, dazu seine Ausruestung und sonstige Verfassung… es wird ihm letztlich einfach zuviel und er entscheidet sich selber hier zu bleiben und nicht mehr weiterzugehen. Er kehrt letztendlich alleine zurück. Im Nachhinein wahrscheinlich die richtige und fuer ihn wohl die sicherste Entscheidung wie wir alle finden… Gemeinsam mit Youri und Monud gehen Rudra und ich durch zum Teil tiefen Schnee via Samar nach Syanboche wo wir gegen 17h eintreffen. Zum Teil sinken wir bis zu den Hueften im Schnee ein, diese Tour zehrt ordentlich an unseren Kraeften. Youri’s Kommentar war nur: Andre would have died here…:-) Am Abend essen wir das obligate Dal Bhat (Reis mit Linsen, Kartoffeln, Gemüse, etc) und staerken uns mit dem lokalen chang Bier, das entweder aus Gerste, Hirse oder Reis hergestellt wird.

Ein kleines Mädchen in Syanboche
Am Weg von Syanboche nach Ghami

Am naechsten Morgen merke ich schnell dass ich nicht gut bei fuss bin. Der gestrige Tag hat gezerrt, vor allem der tiefe Schnee. Auch Youri hat zu kaempfen. Bistari, bistari (langsam, langsam) heisst die Devise und so kommen wir nach mehreren Pausen gut in Ghami an. Wir trocknen hier in unserer Unterkunft unsere Schuhe und Socken und verbringen den Nachmittag mit viel heissem Wasser trinkend in der Sonne.

Müde und abgekämpft ‘lecken’ wir unsere Wunden in der Unterkunft von Ghami

Nach einer erholsamen Nacht merke ich naechsten Morgen dass ich wieder fit bin und so gehen wir alle frohen Mutes weiter ins naechste Dorf Tsarang. Am Weg dorthin treffen wir ein Schweizer Paerchen, die uns auf den letzten Stand der Corona Krise in Europa unterrichten. Ich denk mir nur wie froh ich bin hier in den Bergen zu sein. In Tsarang finden wir eine gute Unterkunft mit Innenhof wo wir uns mit gutem Dal Bhat staerken. Am Nachmittag besuchen wir das verfallene Fort und den koeniglichen Palast. Von Tsarang sieht man bereits in die wunderschoenen, vielfaerbigen Canyons hinein. Viel erinnert hier an den US Bundesstaat Arizona mit seinen Canyons.

Altes Fort mit dem davor liegenden königlichen Palast in Tsarang
Teepause bei einer Tibeterin
Upper Mustang

Am naechsten und fuenften Tag unserer Wanderung geht es dann weiter nach Lo Manthang. Lo Manthang war frueher die Hauptstadt des ehemaligen Koenigreichs Mustang und ist von einer Mauer umgeben. Im einzigen offenen Hotel, dem Everest Hotel, quartieren wir uns ein. Es gibt hier wieder eine relativ grosse Auswahl an Lebensmittel, die vor allem vom ca. 15 km nahegelegenen Tibet reinkommen. Wir kaufen uns hier auch zusaetzlichen Lippenschutz, da die starke Sonneneinstrahlung, verstaerkt durch den Schnee, auch unseren Lippen zugesetzt hat. Am Abend bekommen wir auf CNN erstmals die volle Ladung an Neuigkeiten bzgl Corona ab und wir beraten unsere Lage. Youri wollte ja noch nach Indien und dann im Juni auf Ibiza seine Freundin heiraten. Es wird ihm hier schoen langsam klar, dass er einen Plan B braucht…;-) Mein Flug geht von Nepal zurueck, ich muss also keine Landesgrenzen mehr passieren, durchaus ein Vorteil in dieser Situation. Ich beschliesse daher einfach weiter zu wandern solange es geht und dann einen geeigneten Rueckflug von Kathmandu nach Europa zu kriegen. Da Youri Probleme mit seiner vereiterten Zehe hat legen wir einen ruhigen Tag ein. Wir besuchen nahegelegene, verfallene Festungen und mehrere mehr als 500 Jahre alte Kloester in Lo Manthang.

Einheimischer in Lo Manthang, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Mustang
Mit Monud und Rudra auf einem der alten, verfallenen Forts in der Nähe von Lo Manthang
Wandmalereien in einem der Klöster in Lo Manthang, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Mustang

Da am naechsten Tag Youri’s Fuss immer noch nicht besser ist beschliesst er mit einem Pferd nach Chhoser zu reiten, um seine Zehe zu schonen. Rudra und ich gehen zu fuss. Von einigen Frauen bekommen wir salzigen Buttertee und Rudra erzaehlt mir, dass Sie Tibetisch reden.

Einheimische Frauen am Weg von Lo Manthang nach Chhoser
Am Weg zurück von Chhoser nach Lo Manthang

In Chhoser besuchen wir dann ein Hoehlenkloster und nachdem auch Youri und Monud mit ihren Pferden eingetroffen sind gehen wir gemeinsam zur Hoehle von Garphu. Sie ist auf 5 verschiedenen Etagen mitten im Fels erbaut und bot vor ca 3 bis 4.000 Jahren den Einheimischen Schutz vor den vielen starken Winden hier in Mustang und auch vor einfallenden Feinden. Am Rueckweg nach Lo Manthang erfahren Rudra und ich, dass auch hier in Nepal schoen langsam der lockdown zu greifen beginnt und wir moeglichst noch irgendwie mit einem Vehikel aus dieser Gegend rauskommen sollten. Am selben Abend kommt ein junges chinesisches Paerchen mit Ihrem Toyota Hilux in unserem GH an und bietet Rudra und mir an uns naechsten Tag mit nach Kagbeni zu nehmen. Da faellt es einem schwer ‘Nein’ zu sagen…;-) Youri und Monud fahren mit einem truck zurueck.

Dhakmar Chörten nördlich von Ghami. Chörten sind wichtige religiöse Bauwerke im Buddhismus und symobolisieren die Gegenwart von Buddha.

Die Strasse zurueck nach Kagbeni hat es in sich und bei einer Bruecke gibt Andy, der Chinese, kurz nicht acht und schon haengen wir mit einem Rad in der Luft. Nachdem wir alle ausgestiegen sind bringt er sein Auto doch wieder auf alle vier Raeder und gewarnt geht die Fahrt weiter.

Eine kleine Havarie am Weg von Lo Manthang nach Kagbeni
Die Strassen könnten besser sein… am Weg von Lo Manthang nach Kagbeni

Um ca 15h kommen wir heil in Kagbeni an und checken beim ACAP checkpost wieder aus. Im Buch sehen wir, dass wir die letzten waren, die nach Upper Mustang reinwanderten, danach hat Nepal alle weiteren permits gestoppt… so gesehen gerade noch Glueck gehabt und wir hatten wunderschoene 8 Tage im ehemaligen Koenigreich Mustang!

Fazit

Es ist ein wahres Privileg in das ehemalige Koenigreich Mustang hineinwandern zu duerfen. Es wurde erst 1992 fuer den Tourismus geoeffnet, davor war es streng abgeriegelt und fast von der Aussenwelt vergessen. Wir hatten wunderschoene acht Tage in dieser Bergwelt mit viel Sonnenschein. Allerdings auch mit viel Schnee, der uns vor allem zu Beginn zu schaffen machte. Sowohl die karge, wuestenartige Landschaft als auch die Haeuser und Einwohner zeigen, dass dieses Gebiet sowohl geographisch als auch ethnisch zu Tibet gehoert. Politisch allerdings ein Distrikt von Nepal. Es wird derzeit von den Chinesen eine Strasse von Tibet via Mustang nach Indien gebaut um den Handel auf dem Landweg zu ermoeglichen. Auch hier wird sich wahrscheinlich das Leben in absehbarer Zukunft damit stark aendern.

5 Kommentare

    Norbert

    Wunderschöne Fotos, dass die Berge faszinieren, ist hier nachvollziehbar. Tolle Erlebnisse.

    Sigrid Ilgner-Pacher

    Lieber Georg, “abenteuerlich” trifft es nur sehr ungenau, ein Gänsehautfeeling beim Lesen
    deines letzten Reiseabschnitts war die ganze Zeit dabei! Ich bin ausgesprochen froh, dass
    du wieder gut hier angekommen bist (und dich jetzt unserem weltweiten Abenteuer stellen musst. Ganz egoistisch werden mir aber deine lebendigen Berichte sehr fehlen.
    Liebe Grüße und bis hoffentlich bald! Sigrid

      Georg

      Liebe Sigrid,
      die Heimreise war diesmal wirklich ein wenig anders und so gesehen auch abenteuerlich… Umso mehr erfreue ich mich jetzt der Natur hier im Mühlviertel, die im Frühjahr wieder erwacht.
      Liebe Grüße und hoff auch, daß wir uns bald wieder einmal treffen können, Georg.

    Ingrid

    Wow, Georg, bei deinen Erlebnissen fehlen mir einfach die Worte um beschreiben zu können, wie großartig ich das alles finde!

      Georg

      Freut mich Ingrid und ja, Mustang war schon wirklich ganz was Spezielles…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.