24.7. Heute ist mein erster Tag in Bosnien und Herzegowina, das mein 14tes Land auf meiner Wanderung ist.
Hier ein paar geschichtliche Erinnerungen an die Entstehung dieses Landes. Am Ende des Bosnienkrieges, der 1992 begann, stand der 1995 in Dayton (USA) paraphierte und in Paris am 14. Dezember unterzeichnete Dayton-Vertrag, der den nunmehr föderal organisierten Staat Bosnien und Herzegowina schuf, bestehend aus den beiden Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina und Republika Srpska. Bosnien selbst bildet heute keine administrative Einheit mehr, sondern ist innerhalb des Staates Bosnien und Herzegowina auf die Republika Srpska, die Föderation Bosnien und Herzegowina sowie den Distrikt Brčko aufgeteilt.
Wie bereits im letzten Bericht beschrieben, erklimme ich an diesem Tag den Berg Maglic (2.386m), den höchsten Berg von Bosnien und Herzegowina.
Am Weg zum Maglic (2.386m), dem höchsten Berg von Bosnien und HerzegowinaMaglic (2.386m) in SichtGipfelfoto am Maglic (2.386m), dem höchsten Berg von Bosnien und Herzegowina
Den Abend verbringe ich am Trnovacko See wieder auf montenegrinischem Staatsgebiet.
25.7. Ich verabschiede mich frühmorgens von den Belgiern und Engländern und finde mich wieder alleine auf der Via Dinarica. In der ersten Ortschaft Tjentište erklärt mir eine Betreiberin eines Lebensmittelladens, dass sich der nächste Bankomat in der 28 km entfernten Stadt Foca befindet. Da ich lokale Währung (Bosnische Mark) brauche, beschließe ich dorthin zu stoppen. Ich werde in Foca Geld abheben, mich etwas erholen und dann wieder nach Tjentište zurückkehren. Dann werde von Tjentište die Wanderung Richtung Heimat fortsetzen. Letztlich nimmt mich ein Buschaffeur gratis mit nach Foca, wo ich im Hotel Zelengora eine gute und preiswerte Unterkunft finde. Als erstes hebe ich Geld ab, 2 bosnische Mark (BAM) entsprechen ca. 1 Euro. Ein Friseur rasiert meinen Bart ab und macht mich so wohl wieder ein paar Jährchen jünger. Letztlich finde ich an diesem Tag früh das Bett, die letzten Tage haben auch bei mir Spuren hinterlassen.
26.7. Heute früh regnet es und es gibt auch wieder einmal ein leichtes Gewitter. Ich bin froh hier im Trockenen zu sein.
Feuchte Morgenstimmung über Foca, einer Stadt in der serbischen Republik, die Teil des Landes Bosnien und Herzegowina ist
Nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich zu einer Schneiderin, die mir meine kleinen Löcher in der Hose näht. Zwei Mark verlangt sie dafür, durchaus leistbar also. Bosnien und Herzegowina ist übrigens offiziell das ärmste Land Europas und hat eine Arbeitslosenquote von ca. 40%. Dementsprechend billig und niedrig ist auch das Preisniveau hier. Im Café und Restaurant Monte Christo schreibe ich dann heute wieder einmal meinen Bericht über Montenegro fertig und schicke ihn via WhatsApp aus.
Die Panna Cotta mundet – im Café Monte Cristo
Am Abend schaue ich mir noch im nahegelegenen Kino den Film ‚Oppenheimer‘ an. Er wird in Englisch mit serbischen Untertiteln gezeigt und der Eintritt kostet 5 BAM (umgerechnet 2,50€). Er dauert an die drei Stunden und er gefällt mir sehr gut.
27.7. Heute ist mein zweiter Rasttag hier und ich werde bald frühstücken gehen. Dann werde ich heute meine weitere Wanderung und Route planen. Nach dem Frühstück schaue ich kurz bei einer Erste Hilfe Station vorbei und der Arzt bescheingt mir, dass der kleine Schnitt auf der rechten Ferse bereits am Ausheilen ist und ich wieder weiter gehen kann. Ich habe mir bei den scharfen Steinen beim Baden am Trnovacko See eine kleine Schnittwunde zugezogen, die aber schon wieder besser wird. Dann schaue ich mir die Stadt Foca ein wenig an und besuche auch das örtliche Museum in Foca, das Ausstellungen aus dem WK2 und dem Bosnienkrieg zeigt.
Aladza Moschee in Foca – eine im Jahr 1550 und im Jahr 1992 während des Bosnienkrieges gesprengte Moschee im Herzen von Foca. Sie wird seit 2016 wieder aufgebaut.Kommandant Josip Broz Tito beim Diktieren einer Nachricht im Jahre 1942 während des WK2. Er führte als kommunistischer Partisanenführer Jugoslawien gegen die faschistischen deutschen und italienischen Besatzungsmächte in die Freiheit und wurde später Parteichef und Präsident Jugoslawiens – im Stadtmuseum von Foca Einzelne Gebäude erinnern immer noch an den Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 – in Foca
Ich sitze derzeit wieder im Café Monte Christo und schreibe diese Zeilen. Den restlichen Nachmittag und Abend verbringe ich damit, meine Applikation zur Navigation und Trackaufzeichnung (Oruxmaps) zu reparieren. Schon seit ca. 2 Wochen funktioniert es nicht mehr richtig und es wurde schön langsam nervig. Erst nach einer völligen Neuinstallation der Applikation funktioniert am Abend wieder alles so wie es sein soll und ein Test um ca. 21h mitten in der Stadt verläuft erfolgreich. Zufrieden gönne ich mir dann noch ein Bierchen und gehe schlafen.
28.07. Ich werde heute mit dem Bus wieder nach Tjentište zurück fahren. Von Tjentište, wo ich vor drei Tagen meine Wanderung unterbrochen habe, werde ich wieder weiter entlang der Via Dinarica Richtung Sarajevo gehen.
Karte der drei verschiedenen Routen der Via Dinarica von Slowenien nach Albanien – ich folge der weißen Route von Albanien bis nach Sarajevo
Am Weg zur Busstation trinke ich in einem Café noch einen Espresso. Bei der Busstation sehe ich bereits von weitem eine junge Frau mit ihrem Blondschopf. Das kann nur Alice, die Engländerin, sein. Matt trinkt gerade einen Kaffee, wie sie mir verrät und auch sie haben hier ihre Lebensmittelvorräte aufgestockt. Gemeinsam fahren wir also mit dem Bus wieder zurück nach Tjentište. Nach ca. drei Stunden Aufstieg zum Donje Bare, einem Bergsee, essen wir hier gemeinsam zu Mittag. Es gibt hier auch eine Wasserquelle und ich fülle meine Flaschen auf.
Kleine Hütte am Donje Bare, einem der vielen Bergseen in Bosnien und HerzegowinaBlumen am Donje Bare
Während die beiden hier übernachten werden, gehe ich an diesem Abend noch weiter zum Gornje Bare, einem weiteren der vielen wunderschönen Bergseen. Auf einer kleinen Anhöhe übernachte ich hier völlig alleine vor einer romantischen Bergkulisse.
Zeltplatz am Gornje Bare, einem der vielen Bergseen in Bosnien und Herzegowina
29.07. Am Morgen esse ich Müsli, Walnüsse und getrocknete Früchte und um ca. 7:30 ist mein Rucksack gepackt und wieder fertig zum Abmarsch. Ich auch? Nein, noch einmal setze ich mich nieder, genieße noch einmal die morgendliche Stimmung an diesem See und um ca. 8h bin dann auch ich bereit weiter zu gehen.
Blick auf den Gornje Bare (Bergsee) mit der umgebenden Bergkulisse der Zelengora BergeSchmetterling in den Zelengora BergenUnd noch einer…
Nach einigen Stunden bergauf erreiche ich um die Mittagszeit den Gipfel des Bregoč, mit 2.014m der höchste Berg des Zelengora Gebirges. Auch ein junges belgisches Pärchen ist hier oben und wir tauschen einige Informationen aus.
Am Weg zum Bregoč (2.014m), dem höchsten Berg der Zelengora Berge
Am Weiterweg sehe ich von weitem auch schon Alice und Matt herantraben, auch sie mussten relativ früh gestartet sein. Ich gehe weiter und denke mir: Auch die bosnischen Berge sind wunderschön, auch wenn bereits ein wenig niedriger als in Albanien und Montenegro. Am Nachmittag komme ich dann am nächsten Bergsee vorbei, dem Orlovacko Jezero. Heute ist Samstag und da dieser See auch mit dem Auto erreichbar ist, geht es hier relativ geschäftig und laut zu. Ich komme mit Bosniern aus Sarajevo ins Gespräch und nach ca. 10 Minuten packt einer von ihnen zwei Gaskartuschen zum Kochen aus. Ich konnte beinahe meinen Augen nicht trauen als ich diese Kartuschen sah. Es waren welche mit Drehgewinde, die ich sowohl in ganz Albanien als auch in Montenegro nirgendwo finden konnte. Die Bosnier sahen meine Erstaunung und fragten mich was denn los sei.. 🙂 Ich erzählte ihnen, dass ich schon seit ca. zwei Monaten solche Gaskartuschen suche. Mehr brauchte der eine Bosnier nicht zu hören und drückt mir eine in die Hand. Was er dafür bekommt, meine ich… Keine Chance, das ist ein Geschenk. Auch er möchte einmal die Via Dinarica gehen und ich gebe ihm als Dankeschön zumindest noch viele Tipps dafür. Dann verabschiede ich mich von Ihnen, tanke meine Wasserflaschen auf und gehe noch bis zum Stirinsko Jezero weiter. Es ist dies ein völlig einsamer, relativ großer Bergsee auf ca. 1.700 Höhenmeter und es leben hier viele verschiedene Vögel und Entenarten. Ich stelle hier an einer etwas tiefer gelegenen und windstillen Stelle mein Zelt auf und verbringe einen ruhigen und schönen Sonnenuntergang an diesem See.
Nickerchen am Stirinsko Jezero auf ca. 1.700 Höhenmeter
30.7. Frühmorgens genieße ich noch einmal die Stimmung am Stirinsko Bergsee und gehe dann weiter in Richtung Kalinovik, der nächsten kleineren Stadt.
Morgenstimmung am Stirinsko Jezero (ca. 1.700 Höhenmeter), einem einsamen Bergsee in den Zelengora Bergen
Der Weg ist heute teilweise wirklich schwierig zu finden, es sind meistens nur leicht ausgetretene Pfade zu erkennen. Zum Teil muss man sich den Weg durch die vielen Latschen wirklich selbst frei machen. Wer meint, dass die Via Dinarica ein schöner, frei begehbarer Wanderweg von Slowenien bis Albanien sei, liegt definitiv nicht richtig. Aber es macht es dadurch wohl um Vieles abenteuerlicher. Um die Mittagszeit erreiche ich einen Sattel auf ca. 1.900 Höhenmeter, von dem es nur mehr ca. weitere 100 Höhenmeter zum Gipfel des Velika Lelija (2.032m) sind. Ich lasse hier etwas abseits des Weges mein nasses Zelt trocknen und verspeise meine letzten Bureks, die ich mir in Foca gekauft habe.
Mittagspause am Fuße des Velika Lelija (2.032m)…
Nach ca. einer Stunde ist alles wieder trocken und ich packe mein Zelt fein getrocknet in meinen Rucksack ein. Gestärkt von der Pause verstecke ich meinen gepackten Rucksack hinter einer der vielen Latschen und besteige noch den Gipfel des Velika Lelija (2.032m). Der Aufstieg hat sich wirklich noch gelohnt und ich kann von weitem noch einmal die zwei höchsten Berge von Bosnien (Maglic, 2.386m) und Montenegro (Bobotov Kuk, 2.523m) erkennen.
Am Gipfel des Velika Lelija (2.032m)
Während ich so vor mich hinträume wird es relativ finster und hurtig begebe ich mich wieder in niedrigere Gefilde. Nach ca. einer Stunde begegne ich dann einer Schweizerin, die in Slowenien mit der Via Dinarica begonnen hat. Sie meint, der slowenische Teil ist relativ einfach, in Kroatien seien die Berge noch einmal niedriger als hier, auch gebe es in Kroatien keine oder so gut wie keine Bergseen und weniger Wasser, da alles unterirdisch verläuft. Dafür gebe es in Kroatien mehr bewirtschaftete Hütten mit gutem Essen, etc… In Bosnien und Herzegowina seien die Berge wunderschön und die Leute superfreundlich… Das also eine kurze Zusammenfassung von Tamara, der Schweizerin, über die Via Dinarica von Slowenien bis Bosnien und Herzegowina. Dann gehe ich noch die letzten 15 Kilometer nach Kalinovik und quartiere mich im Hotel Moskva ein. Kalinovik ist das erste Dorf in Bosnien und Herzegowina, das rein von Serben bewohnt wird, bosnischen Serben also. Schon ein Porträt von Vladimir Putin in der Rezeption des Hotels lässt die politische Einstellung hier erkennen.
Auch ein Portrait von Vladimir Putin darf nicht fehlen – in der Rezeption des Hotel Moskvas.
Das Hotel selbst macht den Eindruck als hätte sich die Einrichtung in den letzten 50 Jahren nicht verändert. Ich habe ja eine gewisse Vorliebe für solche Plätze und werde hier zwei Nächte bleiben. Am Abend trinke ich noch ein gemütliches Jelen auf der Terrasse des Hotels. Jelen ist ja das bekannteste Bier aus Serbien, das in der serbischen Stadt Apatin gebraut wird. Bereits letztes Jahr konnte ich mich ja dort selbst bereits davon überzeugen.
31.7. Heute morgens wasche ich zuerst meine Socken, mein Leiberl, etc und um 8h gibt es ein Frühstück mit Spiegeleier, Würstchen, Brot und Kaffee. Derzeit sitze ich hier wieder auf der Terrasse und werde heute im Laufe des Tages den Ort ein wenig erkundigen und mich für die weiteren Wandertage nach Sarajevo vorbereiten. Zumittag gibt es Cevapi und ich habe heute endlich auch einmal Zeit ein Buch zu lesen. Am Abend gehe ich noch auf die ehemalige Burg von Kalinovik und kaufe noch ein paar Lebensmittel für die kommenden Tage ein.
01.08. Bereits um halb acht bekomme ich heute wieder die Spiegeleier und so starte ich kurz nach 8h.
In Bosnien und Herzegowina bleibt man besser am Weg, noch immer sind Teile des Landes vom Bosnienkrieg vermint.
Hauptsächlich auf einer Forststrasse erreiche ich heute am Nachmittag nach mehr als 20 km die kleine Ortschaft Ljuta. Weder das Gästehaus noch das auf meiner Karte eingezeichnete Restaurant existiert oder hat offen. Andere Wanderer hatten mich gestern schon in Kalinovik darauf aufmerksam gemacht. Der Ort wirkt ausgestorben und so mache ich es mir auf einer kleinen Veranda gemütlich. Ich lese weiter im Buch und gegen Abend koche ich mir eine Nudelsuppe und esse Brot dazu. Auch drei Katzen leisten mir Gesellschaft und bei einer kleinen Unachtsamkeit haben sie auch schon meine geräucherte Wurst entdeckt. Und nicht nur entdeckt… 🙂
Schlafplatz in Ljuta
02.08. Am heutigen Morgen stehen beim Frühstück natürlich auch wieder die Katzen Spalier und bekommen noch ein wenig was davon ab. Dann erreiche ich nach ca. 600 Höhenmeter eine kleine asphaltierte Straße, die mich wenig später nach Tusila bringt. Hier gibt es eine Herberge für Wanderer und der freundliche Fuat mit dem klingenden Spitznamen Koko bereitet mir Bohnen mit Würstchen zu. Er stammt aus Sarajevo und gibt mir noch einige Tipps für die Stadt. Hier erfahre ich auch von meinem Freund Andreas, dass er die neuen Schuhe für mich bereits von Iris bekommen hat. Er wird damit am 10.8. abends für ein paar Tage nach Sarajevo kommen und so werden wir gemeinsam ein wenig die Stadt unsicher machen. Zwischen Tusila und Umoljani beginnt es dann leicht zu regnen und ich spüre wie angenehm sich dieser Regen auf meiner Haut anfühlt. Kurz vor Umoljani hört es dann wieder auf zu regnen und der Besitzer des Restaurants Cardak erlaubt mir in seinem schönen Garten zu übernachten. Am Nachmittag und Abend lese ich dann noch das Buch Gittersee von Charlotte fertig. Sehr interessant und gut, nicht umsonst hat es einen 15.000€ dotierten Preis gewonnen. Vielen Dank liebe Charlotte! Dann esse ich noch eine Hühnersuppe und schlüpfe zufrieden in mein Zelt.
03.08. Ich schlafe heute relativ lange und koche mir dann heisses Wasser und esse mein restliches Müsli mit Trockenfrüchten. Da auch mein Zelt durch die Luftfeuchtigkeit vom gestrigen Regen ziemlich nass ist, beschließe ich hier ein wenig länger zu bleiben. So kann alles trocknen bevor ich weiter gehe. Es ist jetzt schon kurz nach 9h, der Kaffee schmeckt und das Zelt ist auch fast schon trocken. Sarajevo, ich komme!
Am Weg nach Sarajevo treffe ich Cat, eine Amerikanerin, die schon seit über 10 Jahren in Sarajevo lebt. Wir unterhalten uns länger und sie gibt mir gute Tipps für die Stadt. Zumittag erreiche ich die Talstation eines Schigebiets wo ich in einem Restaurant Bohneneintopf esse, der hier Grah genannt wird. Unweit von hier haben auch einige Disziplinen während der Winterolympiade 1984 in Sarajevo stattgefunden. Ich besuche das ehemalige Olympiahotel Ignam, das während des Bosnienkrieges zwischen 1992 und 1995 stark zerstört wurde.
Olympischer Verfall in den Bergen von Sarajevo – hier das ehemalige Olympiahotel Ignam, das 1984 über 5.000 Leute und Sportler beherbergte…
Am Nachmittag gehe ich dann entlang einer Straße runter von den Bergen Richtung Sarajevo, das ich von weitem schon sehen kann. Gegen Abend erreiche die Ortschaft Krupac, die sich ca. 15 km außerhalb von Sarajevo befindet. Im Restaurant As esse ich ein gutes Schnitzel mit Champignons und der Kellner verrät mir einen guten Platz zum Zelten. In der Nähe einer Brücke übernachte ich letztlich auf einem öffentlichen Spielplatz und verbringe eine ruhige Nacht hier.
04.08. In der Früh esse ich heute das restliche Brot von gestern und einen Apfel. Dann packe ich meine Sachen und während mein Zelt auf einem Zaun trocknet lasse ich mir in einem Café am Stadtrand einen Kaffee schmecken. Es ist wirklich ein Vagabundenleben, denke ich mir immer wieder. Und wie schön es ist ein Vagabund zu sein… Gegen Mittag erreiche ich dann Sarajevo und beim alten jüdischen Friedhof lege ich in der Nähe der Synagoge eine kurze Pause ein.
Jüdischer Friedhof in Sarajevo
Dann tauche ich hinein in die Stadt. Sarajevo wird ja auch oft das ‚Jerusalem von Europa‘ oder das ‚Jerusalem des Balkans‘ genannt. Sarajevo ist eine der wenigen größeren Städte in Europa, in der es Moscheen, orthodoxe und katholische Kirchen und Synagogen im selben Stadtteil gibt. Sarajevo ist die Hauptstadt des Landes Bosnien und Herzegowina und auch das finanzielle und kulturelle Zentrum des Landes. Es war der 28. Juni 1914 als hier in der Nähe der Lateinerbrücke der österreichische Thronfolger und Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie von Gavrilo Princip, einem jungen bosnischen Serben, erschossen wurde. Dies löste letztlich den 1. Weltkrieg aus, die Folgen sind bekannt. 1984 war Sarajevo Austragungsort der olympischen Winterspiele. Während des Jugoslawienkrieges erlebte die Stadt die längste Belagerung einer Hauptstadt in der Geschichte der modernen Kriegsführung überhaupt, insgesamt 1.425 Tage. Und zwar während des Bosnienkrieges von April 1992 bis Februar 1996. Sarajevo war mit seinen knapp 300.000 Einwohnern 2014 auch Kulturhauptstadt Europas und ist auch Austragungsort eines jährlichen internationalen Filmfestivals. Dieses Jahr findet dieses Festival von 11. bis 18.8., gemeinsam mit Andreas werden wir in dieser Zeit auch hier sein.
Ich habe vier Nächte im Balkan Han Hostel reserviert und ich quartiere mich in einem 8-Bettzimmer für 15€ die Nacht ein. Nach einer Dusche lasse ich mir meine Wäsche waschen. Den Abend verbringe ich in der Altstadt und in der Blind Tiger Cocktail Bar, in der es gute Musik und lokales Bier vom Fass gibt.
Rathaus von Sarajevo
05.08. Wie bereits angekündigt regnet es heute früh und so ist es schön angenehm kühl heute morgen. In einer Bäckerei esse ich wieder einmal einen Kornspitz und ein Schokocroissant, bevor ich zum Bahnhof gehe. Hier lerne ich Inaki, einen baskischen Kameramann, kennen. Er kommt gerade von Mostar und wir trinken gemeinsam einen Kaffee.
Mit Inaki, dem Basken, am Bahnhof von Sarajevo
Dabei erzählt er mir, dass sich am Dach des nahegelegenen Hotels Holiday während des Bosnienkrieges Snipers, also Scharfschützen, der serbischen Republik befunden haben. Schon alles sehr bedenklich, noch keine 30 Jahre her… Ich sitze derzeit in diesem Hotel in der Empfangshalle und schreibe diese Zeilen.
Gesamtkilometer: ca. 8.310
Fazit: Die Via Dinarica ist wunderschön, abenteuerlich und zum Teil herausfordernd zugleich. Es befinden sich nicht viele Wanderer auf diesem Weg zwischen Slowenien und Albanien. Auch die bosnischen Berge sind atemberaubend schön und die Einwohner freundlich und zuvorkommend. Dieses Land hat wohl am meisten vom Jugoslawienkrieg abbekommen, viele zerstörte Häuser erinnern immer noch daran. Es gilt heute offiziell noch immer als ärmstes Land Europas. Die Arbeitslosenquote beträgt an die 40%, wodurch viele, vor allem Jugendliche, ihr Glück im Ausland versuchen. Neben den muslimischen Bosniaken leben in diesem Land auch orthodoxe Serben, katholische Kroaten und Roma. So wünsche ich diesem Land vor allem eines, Frieden…
18.7. Nachdem ich mich von Rafael verabschiedet habe, gehe ich auf kleinen Wegen entlang des Tara Flusses in Richtung Dobrilovina Kloster. Es geht immer wieder leicht bergauf und bergab. Nach ca. 15km zeigt mein Tacho bei einer Brücke des Tara Flusses 8.000 km an. Schön langsam zieht es sich nach Hause… 🙂
Nach 8.000 km erreiche ich diese Brücke über den Fluss Tara – 8.000 km und (fast) kein bisschen müde
An einer Stelle, wo ich den Bistrica Fluss überqueren möchte, hält mich ein Einheimischer an. Irgendwann verstehe ich was er meint, das Wasser sei zu tief um den Fluss zu durchwaten. So gehe ich weiter auf der Straße, auf der es ca. 8 km weiter bis zum Kloster sind. Was sind schon 8 km…
Blick in den Tara Canyon
Bei diesem Umweg komme ich auch noch beim Ursprung des Tara Flusses vorbei und lasse in einem kleinen Restaurant entlang des Flusses die ärgste Mittagshitze vorbeiziehen. Hier schreibe ich auch wieder einmal meinen Bericht fertig und sende ihn aus. Für mich ist das Berichteschreiben schon auch immer wieder etwas ganz Besonderes. So erlebe ich quasi das bereits Erlebte noch einmal und es intensiviert das Ganze noch. Manchmal muss ich auch im Internet über Informationen nachlesen und lerne dabei auch noch etwas über Orte, die ich bereits gesehen habe. Dann gehe ich durch einen alten Kiefernwald bis zum Kloster Dobrilovina. Es hat zu, aber es dauert keine paar Minuten bis eine Nonne herauskommt und die Tür öffnet.
Kloster Dobrilovina aus dem 16. Jhdt
Es ist ein ganz kleines Kloster aus dem 16. Jhdt, wie mir die Nonne erzählt, und ist dem Heiligen Georg gewidmet. Als ich ihr erzähle, dass ich aus Österreich komme und Georg heisse, schenkt sie mir ein kleines Abbild des Heiligen Georgs. Ich bedanke mich und werde mir das Abbild mit nach Hause nehmen. Der Heilige Georg ist ja so ganz nebenbei auch der Beschützer der Reisenden. Dann finde ich in der Nähe des Klosters ein überdachtes und verlassenenes Gebäude, wo ich auf meiner Isomatte übernachte.
19.7. Um 2h früh holt mich ein kräftiger Donner aus dem Schlaf. Ein Gewitter mit Regen ist aufgezogen und ich verstaue alle meine Sachen im Rucksack, da auch ein kräftiger Wind weht. Glück gehabt, dass ich nicht in meinem Zelt schlafe. Um ca. 05:30 werde ich dann das zweite Mal munter und nach einem kleinen Frühstück gehe ich die 700 Höhenmeter hinauf zum Zabojsko Jezero, einem Bergsee auf ca. 1.400 Meter Seehöhe.
Zabojsko Jezero auf ca. 1.400 Metern Seehöhe
Ich merke gleich, dass die Temperaturen hier oben angenehmer sind als im Tal und an der Küste. Die hohen Temperaturen im Juli und August waren einer der Hauptgründe, warum ich den Weg durch die Berge Richtung Bosnien und nach Hause gewählt habe. Im Zweifelsfall bin ich allerdings auch lieber in den Bergen als am Meer. Zudem sind die Leute in den Bergen meist besser und höflicher als sonst wo und Touristen gibt es auch weniger. Es gibt hier oben am See auch eine kleine Hütte, die bewirtschaftet ist. Die Hüttenwirtin macht mir Kaffee und bereitet mir Brot, Käse und Marmelade zu. Alles selbstgemacht, wie sie mir mit einem Schmunzeln versichert. Dann schenkt sie mir noch einen Raki auf Kosten der Hütte ein, bevor ich zum See runtergehe. Direkt am Ufer treffe ich ein junges Pärchen aus Frankreich, Arthur und Nolene. Sie sind bereits seit über zwei Monaten auf der Via Dinarica unterwegs und sind am Weg nach Albanien.
Arthur und Nolene aus Frankreich – vielen Dank für Eure Infos!
Da sie von Norden kommen, können Sie mir wertvolle Informationen über meinen weiteren Weg geben. Wo gibt es Hütten, welche sind offen, wo gibt es Wasser, Essen, etc… Ich gebe Ihnen auch noch einige Tipps für Albanien mit, bevor wir wieder unseres Weges gehen. Zurück bei der Hütte, tanke ich noch einmal all meine Wasserflaschen auf und verabschiede mich bei der sehr freundlichen Hüttenwirtin. Bis zum nächsten Bergsee, dem Zminicko Jezero, sind es ca. 20 km. Der Weg geht hier für ca. 10 km querfeldein durch steinige Wiesen und Geröll.
Am Weg zum Zminicko Jezero – verlassene Gehöfte aus vergangenen Zeiten
So mache ich um ca. 13h unter einem Baum im Schatten Halt und esse das mitgebrachte Käsebrot von der Hütte. Ohne GPS Datei wäre es schwierig bis unmöglich am Weg zu bleiben.
Pause am Weg zum Zminicko Jezero
Dann komme ich so um 15h wieder auf eine bessere Straße. Unweit davon sehe ich einen Mann vor einem Haus sitzen und ich gehe auf ihn zu. Es ist Miroslav aus der Stadt Bar an der Küste und er verbringt hier die Sommerzeit mit seinen Kindern.
Miroslav aus der Stadt Bar an der Küste Montenegros – er ist viel lieber hier in den Bergen, vor allem im Sommer wenn es hier deutlich kühler ist als an der Küste
Er bietet mir Wasser, Kaffee und Saft an und so kann ich mich wieder von den Anstrengungen erholen. Auf ca. 1.400 Metern hat es hier im Winter bis zu zwei Metern Schnee, wie er mir versichert. Er liebt den Balkan, den er sehr treffend, wie ich finde, charakterisiert. Kein Geld, wenige Jobs, viel Korruption, große Gastfreundschaft, viel Herz und Zusammenhalt in der Familie, etc… Dann verabschiede ich mich von ihm und seinen zwei Töchtern und gehe die letzten Kilometer zum Zminicko Jezero, wo ich mit dem Einverständnis des Kellners mein Zelt hinter dem Seerestaurant aufstelle. Zur Feier des Tages gehe ich auch noch eine Runde schwimmen im See bevor ich mir im Restaurant Fleischlaibchen mit Erdäpfelpüree schmecken lasse.
20.07. Beim Aufstehen beginnt es heute plötzlich wieder zu donnern. So war ich heute früh gefühlsmäßig beim Zeltabbau und Rucksackpacken noch nie so schnell… nur das dann eh kein Regen, etc kam…:-) Der Hund des Restaurants begleitet mich noch rund um den See, dann heißt es Abschied nehmen von einander.
Blumen am Zminicko Jezero
Auf guten Wegen erreiche ich schließlich um die Mittagszeit die kleine Stadt Zabljak. Sie liegt auf ca. 1.450 Metern Seehöhe und ist der ideale Ort für Bergtouren in das Durmitormassiv.
Durmitormassiv in Sicht, hier kurz vor der kleinen Stadt Zabljak
Dementsprechend ist hier auch viel los und erst nach längerer Suche finde ich im Apartmani Cetkovica, etwas außerhalb der Stadt, eine Unterkunft. Jovana, die Tochter des Hauses, wäscht mir auch noch die Wäsche, die ich dann auf der Terrasse aufhänge. Dann gehe ich in den Supermarkt Lebensmittel einkaufen für die nächsten Tage. Ab morgen komme ich in das abgelegene Durmitormassiv und die Verpflegungsmöglichkeiten werden die nächste Zeit sehr spärlich sein.
21.7. Um 5h früh läutet heute morgen mein Wecker auf dem Handy. Ich habe mir heute vorgenommen den höchsten Berg im Durmitormassiv zu besteigen. Bobotov Kuk heißt er und am Gipfel misst er 2.523m. Ich starte letztlich so um 6:30 von der Unterkunft in Zabljak und nach ca. 1 Stunde treffe ich beim Schwarzen See auf ein junges belgisches Pärchen und eine Baskin. Während Anna und Louis, das belgische Pärchen, auch auf dem Weg zum Bobotov Kuk sind, verabschiedet sich die Baskin früh Richtung einer Eishöhle.
Am Weg zum Bobotov Kuk, dem höchsten Berg im Durmitormassiv – im Vordergrund die Baskin, im Hintergrund das belgische Pärchen Anna und Louis
Gegen die Mittagszeit erreichen wir drei gemeinsam einen Sattel, wo wir unsere Rucksäcke bei einem Felsen verstecken.
Am Weg zum Bobotov Kuk (2.523m)
Ohne Gepäck ‚fliegen‘ wir förmlich die letzten 300 Höhenmeter zum Gipfel hinauf. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, ein paar Stellen sind mit Seilen gesichert und so erreichen wir sicher um ca. 13h den Gipfel.
Mit Anna und Louis am Gipfel des Bobotov Kuk (2.523m)
Wunderschöne Aussicht von hier oben auf das gesamte Durmitormassiv, alle Gipfel erscheinen klein.
Blick vom Bobotov Kuk (2.523m) auf das Durmitormassiv und dem Bergsee, unserem späteren Schlafplatz
Dann begeben wir uns zum Abstieg und machen beim Sattel, wo wir unsere Rucksäcke versteckt haben, an einem windstillen Plätzchen eine wohlverdiente Mittagspause.
Mittagspause an einem windstillen Plätzchen am Fuße des Bobotov Kuk (2.523m)
Beim Abstieg gehe ich voraus und gemeinsam mit einem englischen Pärchen aus London, Matt und Alice, erreiche ich die zwei Seen. Wir nehmen im kleinen See, dem Malo Skrcko Jezero, ein Bad und genießen das traumhaft schöne Panorama. Während ich gemeinsam mit den Engländern am kleinen See mein Zelt aufstelle, entscheiden sich Anna und Louis am größeren See zu übernachten.
Zeltplatz am Malo Skrcko Jezero, dem kleineren der beiden Bergseen
Es war ein langer und wunderschöner Tag heute mit mehr als 1.600 Höhenmetern. Am Abend nach dem Essen kommt Matt noch auf ein Schwätzchen vorbei bevor wir uns alle in unseren Zelten verkriechen.
22.7. So um halb sechs stehe ich heute auf und starte noch vor den Engländern Richtung bosnische Grenze. Am Weg dorthin treffe ich auch noch das belgische Pärchen, die gerade am Packen sind und wir vereinbaren uns bei einem Restaurant in ca. 15 km zum Mittagessen zu treffen. Zuerst steige ich ca. 500 Höhenmeter ab und bei einem Fluss fülle ich meine Wasserflaschen auf. Während ich mir hier dann mein Frühstück schmecken lasse, kommen auch schon die Engländer daher. Gemeinsam gehen wir dann zum Restaurant, wo wir uns eine Erdäpfelsuppe und Schinken-/Käseplatte schmecken lassen.
Mittagspause mit Alice und Matt aus London – im Nedajno Guesthouse
Ich habe mir vorgenommen heute hier zu übernachten, weil es die nächsten 20 km kein Wasser gibt und nach einigem Überlegen entscheiden sich die Engländer auch hier zu bleiben. Nach ca. 2 Stunden kommen Anna und Louis auch hier an.
Eine zweite Mittagspause mit Anna und Louis, dem belgischen Pärchen – im Nedajno Guesthouse
Sie hatten zwei kleine Missgeschicke, daher ihre Verspätung. Zum Ersten verstaucht sich Anna ganz leicht den Knöchel, zu guter letzt vergisst Louis bei einer Pause sein gewechseltes T-Shirt und muss eine ziemlich lange Strecke zurückgehen. Da es nun schon mitten im Nachmittag ist, bleiben sie auch übernacht hier. Wir verbringen alle einen entspannten ruhigen Nachmittag hier bevor die Grillerei beginnt. Am Nachmittag lerne ich noch ein junges deutsches Pärchen kennen, das mir einen Teil ihres Müslis und vor allem ein Buch (Titel: Gittersee) schenkt. Es hat vor allem Charlotte, die junge Frau, erst kürzlich selber geschrieben. Es ist zusätzliches Gepäck und vor allem bei einem Buch war ich aus Gewichtsgründen bisher immer zurückhaltend. Aber wenn Du ein Buch von der Autorin höchst persönlich geschenkt bekommst, kannst Du einfach nicht Nein sagen. Ich freue mich darauf es zu lesen, wenn die Zeit dafür kommt. Vielen Dank Charlotte!!!
Am Abend essen wir noch alle gemeinsam bevor wir in unsere Zelte schlüpfen.
23.07. Heute steht wieder eine längere Etappe am Programm. Weniger Höhenmeter, dafür mehr Kilometer und ein ziemlich trickreifer Abstieg zu einem Stausee, mehr dazu später. Deshalb starte ich bereits im Morgengrauen vor den anderen. Das belgische Pärchen wird folgen, das englische Pärchen überlegt noch wie es weitergeht und ob es sich diese Bergtour nach Bosnien wirklich auf dieser Route antun will…:-) Es geht zuerst auf einer kleinen asphaltierten Straße bergauf und bergab und nach ca. drei Stunden füllt mir bei einem der wenigen Häuser eine Frau meine Wasserflasche nach. Ich mache dann eine längere Pause und als ich aufbrechen will, kommen auch schon Anna und Louis daher. Wir gehen ca. eine Stunde gemeinsam bevor sie eine längere Pause machen. Ich gehe wieder alleine weiter und erreiche um die Mittagszeit die Stelle, wo es quasi im freien Fall ca. 1.000 Höhenmeter hinunter zum Piva Stausee geht. Ich setze mich noch einmal kurz für 10 Minuten hin, trinke viel Wasser und schärfe gedanklich die Spitzen meiner Wanderstöcke. Dann geht es los, immer wieder ‚recht interessante‘ Stellen und ich merke wie mein Rucksack anschiebt. Diese Art von Hilfe bräuchte ich eigentlich gar nicht, denke ich mir nur…:-) Letztlich komme ich ca. 1 Stunde später gut am Stausee an. Es gibt hier ein kleines Gebäude und ein Geländer wo ich mich ziemlich müde niederlasse. Ich breite mein nasses Zelt, usw. am Geländer in der prallen Mittagssonne aus und bekomme dabei von einem Sicherheitsbeamten Würste, Käse und Brot geschenkt. Während also alles schön trocknet, stärke ich mich im Schatten und leere meine 1,5 Liter Wasserflasche. Gestärkt gehe ich dann langsam über die Staumauer auf die andere Seite des Pivasees. Es geht hunderte Meter runter und mir wird alleine beim Runterschauen schon leicht schwindlig.
Piva Staudamm – ein Blick in die Senkrechte. Das dazugehörige Wasserkraftwerk versorgt das Land mit Strom.
Auf der anderen Seite geht es dann durch viele Tunnels und einer einsamer Straße weiter in die Ortschaft Mratinje. Hier soll es laut Matt, dem Engländer, eine Unterkunft mit Campingmöglichkeiten geben. Tatsächlich finde ich um ca. 16h Petar, den Hausherrn und um 3 Euro läßt er mir mein Zelt in seinem Garten aufstellen.
Mit Petar in seinem Zuhause in Mratinje
Ich wasche bei einem Fluss meine Füße und erkundige mich bei Petar über die Route, Wasserversorgung, etc für den kommenden Tag. Gegen 19h kommen dann auch Anna und Louis an und ich bin ehrlich gesagt froh sie hier zu sehen. Anna hatte beim Abstieg Schwierigkeiten und sie brauchten fast 3 Stunden für den Abstieg… Sie sind froh hier zu sein und wir gehen alle ziemlich früh schlafen. Matt schreibt mir dann, dass er es sich mit seiner Frau Alice doch anders überlegt hat und sie mit Autostop und Wandern auf einer anderen Route nach Bosnien versuchen werden. So wissen wir Bescheid und brauchen nicht mehr auf sie warten.
24.7. Noch einmal wartet eine lange Etappe entlang der Via Dinarica nach Bosnien auf uns. Wir drei werden heute auf der grünen Grenze von Montenegro nach Bosnien rübergehen. Davor warten allerdings noch ca. 1.700 Höhenmeter Anstieg auf uns und vor allem auch der Berg Maglic, mit 2.386 Metern der höchste Berg Bosniens. Es gibt laut Petar eine Wasserquelle ca. in der Mitte des Anstiegs, allerdings ist die oft von ca. 15 bis 20 frei lebenden Bullen für Stunden ‚besetzt’… 🙂 So starte ich heute bereits um 05:45 und beim Weggehen winken mir die Belgier noch in der Horizontalen aus dem Zelt zu.
Letzte Behausungen am Weg zum Maglic (2.386m)Ein paar Meter haben wir noch…: -) beim Aufstieg zum Maglic (2.386m)
Es geht durch wunderschöne Bergwelt Höhenmeter um Höhenmeter hinauf und um ca. 11h erreiche ich die Wasserstelle. Ich habe Glück, da die Bullen ca. 100 Meter entfernt vor sich hingrasen und ich ungestört meine Wasserflaschen auffüllen kann. Die Bullen waren mir also gut gesinnt. Dann erreiche ich die Abzweigung zum Maglic (2.386m).
Der Berg Maglic ist mit seinen 2.386m der höchste Berg Bosniens
Ich lasse hier hinter einem Felsen meinen Rucksack und gehe nur mit einem Liter Wasser und einer Jause die letzten 300 Höhenmeter zum Gipfel hinauf. Um die Mittagszeit erreiche ich auf schönen Pfaden den Gipfel und Bosnien liegt mir quasi zu Füßen.
Bosnien, ich komme…
Beim Blick tief hinein in das Land gehen mir doch einige Gedanken durch den Kopf. Ich werde in Bosnien ja doch einige Zeit bis an die Grenze zu Kroatien weiter gehen, neue Abenteuer warten auf mich. Ich kann mich übrigens auch nicht erinnern, dass ich in einem neuen Land gleich am ersten Tag mit dem höchsten Berg des Landes begonnen habe. Alles muß wohl das erste Mal sein… Ich verbringe hier oben am Gipfel die meiste Zeit alleine und wieder, als ich mich nach ca. 1,5 Stunden am Gipfel zum Abstieg bereit mache, kommen die Belgier daher.
Gipfelfoto vom Maglic (2.386m) – mit Anna und Louis aus Brüssel
Sie haben meinen Rucksack bei der Suche nach einem Versteck gefunden und sich mit ihren Rucksäcken dazugesellt. Ich bleibe dann noch ca. eine weitere halbe Stunde mit ihnen am Gipfel bevor wir gemeinsam zu unseren Rucksäcken zurück gehen. Am Weg zum Trnovacko Jezero, einem Bergsee, sind es jetzt nur mehr ca. 600 Höhenmeter, die wir hinunter gehen müssen. Louis begibt sich mit Anna auf die Reise hinunter. Ich lasse dabei die zwei wieder alleine und gehe alleine runter. Beim Abstieg zu diesem See klitzert der See einmal richtig silbern, sodass ich unweigerlich an das Karl May Buch ‚Der Schatz am Silbersee‘ denken muss. Wenn jetzt noch Old Surehand um die Ecke geritten kommt und Nscho-Tschi Old Shatterhand nachtrauert… 🙂
Karl May Stimmung in Montenegro – der Bergsee Trnovacko Jezero
An einem geeigneten Platz für mein Zelt stelle ich meinen Rucksack ab und gehe das Stück zur Hütte um Wasser aufzutanken. Siehe da, die Engländer liegen in der Sonne und haben dabei fast einen Sonnenbrand bekommen. Sie erzählen mir, dass ihnen die Tour zu viel gewesen wäre und sich dann für Autostop, etc entschieden haben. Fair enough, wie man so schön auf Englisch sagt… Ich erzähle ihnen von unserer Tour und gehe dann zurück zu meinem Platz. Ab ins kühle Nass und ich genieße die traumhafte Bergkulisse hier an diesem See. Als ich mich in der Sonne trocknen lasse, kommt das belgische Pärchen herangetrabt. Speziell Anna hat der letzte Abstieg ziemlich zugesetzt. Noch dazu ist einer ihrer Stöcke abgebrochen und sie ist ziemlich sauer. Ich lasse die beiden einmal ankommen und sammeln, zwei Stunde später ist sie schon wieder quitsch vergnügt… 🙂
Schlafplatz am Trnovacko Jezero
Wir verbringen einen ruhigen Abend und genießen das traumhafte Bergpanorama an einem der schönsten Bergseen, den ich je gesehen habe. Am Abend tauschen wir noch alle Nummern aus, da uns morgen unsere weitere Route trennen wird. Während Anna und Louis in ca. 1 Woche wieder zurück in Brüssel sein müssen und auch die Engländer per Autostop auf Sarajevo zusteuern, werde ich vorerst von hier weiter zu Fuß tiefer in die Republika Srpska, der serbischen Republik, hineintauchen. Die Republika Srpska ist neben der Föderation Bosnien und Herzegowina eine von zwei Entitäten von Bosnien und Herzegowina.
25.7. Nach einem guten Schlaf breche ich auch heute bereits um 6h auf. Anna winkt mir noch verschlafen aus dem Zelt zu und ich wünsche Matt noch alles Gute bei ihrer weiteren Reise. Dann finde ich mich wieder alleine auf der Via Dinarica und ich wandere an der grünen Grenze von Montenegro nach Bosnien und Herzegowina. Natürlich keine Kontrollen, wie könnte es anders sein am Balkan…:-) Tjentište heißt die erste Ortschaft in Bosnien und die Betreiberin eines Lebensmittelladens erklärt mir, das der nächste Bankomat in der 28 km entfernten Stadt Foca sei. Bosnien hat ja die Mark (100 Pfennige) als Zahlungsmittel, 2 Mark entsprechen ca. 1 Euro. Da ich lokale Währung brauche, entscheide ich mich die 28 km zu stoppen. Natürlich um dann wieder hierher zurück zu kommen und von hier weiter zu gehen. Beim Autostoppen sehe ich einen stehenden Bus in der Nähe und der freundliche Busfahrer nimmt mich ca. eine halbe Stunde gratis mit. So ist der Balkan, meint er nur lachend. In Foca finde ich im Zelengora Hotel eine preiswerte Unterkunft und ich bin auch froh wieder einmal ein wenig verschnaufen zu können. Die Bankomaten kassieren hier nur 3,5 Prozent Spesen. Gefällt mir schon viel besser als die Spesen der Banken in Montenegro und Albanien (zw. 8 und 10%), die ich ja erfolgreich verweigert habe. Dann gehe ich wieder einmal zum Friseur, lass mich schniegeln und schön machen. Danach gefalle ich mir dann doch auch wieder etwas besser. Es gibt hier auch ein Kino, heyho… Der Film ‚Oppenheimer‘ steht auf dem Programm. Ich verschiebe den Film allerdings auf morgen und gehe früh schlafen. Ich werde morgen einen Rasttag hier einlegen. Die letzte Woche hatte es doch in sich.
Gesamtkilometer: ca. 8.160
Fazit: Montenegro, ein Land im Umbruch und im Wandel. Flächenmäßig so groß wie die Steiermark. Und die Seele der Menschen, die hier leben, so groß wie halb Russland. Miroslav, der Montenegriner in den Bergen, brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt. Wenig Geld, wenige Jobs, viel Korruption, gute Nachbarschaft, große Gastfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft und starke familiäre Bande – das ist Montenegro und das ist der Balkan! Dem möchte ich nichts hinzuzufügen… Abgesehen davon hat Montenegro so ziemlich alles zu bieten was das Herz begehrt. Wunderschöne Küstenabschnitte, exzellentes Essen, alte Städte aus vergangenen Zeiten, eine wilde und traumhaft schöne Bergwelt, Bergseen zum Abwinken und Gastfreundschaft hoch drei. So kann ich auch dieses Land nur jedem wärmstens weiterempfehlen. Es wird euch herzlich empfangen!
04.07. Nachdem ich gestern ein schönes Plätzchen für mein Zelt in Theth gefunden habe, starte ich heute bereits um 6h früh von meinem Zeltplatz los.
Zeltplatz vor dem Rrashkadoli Guesthouse
Es stehen gleich in den ersten Stunden mehr als 1.000 Höhenmeter auf dem Programm.
Am Weg von Albanien nach Montenegro – im Hintergrund der Arapi, ein Berggipfel (2.218m) im Gebiet der verfluchten Berge im Norden Albaniens
Ich befinde mich seit heute auf dem beliebten ‚Peaks of the Balkan’s‘ Trail und dementsprechend begegne ich heute doch wieder vielen Touristen. Auch landschaftlich ist der heutige Tag wunderschön, mit all den über 2.000 Meter hohen Gipfeln in den albanischen Alpen, den verwunschenen Bergen wie sie auch genannt werden.
Im Gebiet der verfluchten Berge am Weg nach Montenegro
Die ‚weiße‘ Via Dinarica verläuft übrigens auch hier. Ihr werde ich weiter in Montenegro folgen. Letztlich überquere ich am Nachmittag die grüne Grenze zwischen Albanien und Montenegro. Nicht einmal ein Stein oder so findet sich hier als Grenzmarkierung.
Am Weg nach Montenegro
Gegen Abend erreiche ich dann die erste Ortschaft in Montenegro namens Vusanje. Hier stärke ich mich in einem Restaurant mit einem gefüllten Paprika mit Schafskäse bevor ich mich auf ‚Quartierssuche‘ begebe… 🙂
Gefüllter Paprika mit Schafskäse, eine Delikatesse
Vor dem verlassenen und uneinsichtigen Schuleingang werde ich fündig und schlafe in meinem Schlafsack und meiner Luftmatratze im Freien.
05.07. Nachdem mich in der Nacht ein paar Mal Hunde aufgespürt und angebellt haben, packe ich ziemlich verschlafen frühmorgens meine Sachen und gehe ein paar Kilometer weiter in den Ort Gusinje. Hier gibt es wieder Lebensmittelmärkte, Cafés, etc und ich kaufe in der Bäckerei reichlich für den Tag ein. In einem kleinen Café plane ich meine weitere Tour und beschließe der Via Dinarica zu folgen. Sie kommt ja vom nördlichen Kroatien und endet hier. Ich gehe sie also in umgekehrter Richtung. Seit Theth versuche ich schon jemanden zu finden, der diese Route schon gegangen ist oder sie zumindest kennt, vergebens. So verlasse ich mich auf meine GPS Datei und starte los. Zuerst geht es wieder zurück nach Albanien in das Vermosh Tal.
Kaum war ich in Montenegro, verließ ich es schon wieder Richtung Albanien, aber nur für 1 Tag…
Der Vermosh ist ein Gebirgsfluss und als ich Einheimische darin schwimmen sehe, tue ich es ihnen gleich. Ca. 12 Grad soll das Wasser haben, a….kalt…:-) aber auch sehr erfrischend und beim zweiten Mal reingehen ging es schon besser.
Abkühlung im Gebirgsfluss Vermosh
In dieser Gegend wechselt das Wetter blitzschnell. War heute früh noch wolkenloser Himmel, schaut bereits ein Gewitter um die Ecke als wir wieder in unsere Gewänder schlüpfen. Ich erreiche gerade noch die einzige Kneipe in der Ortschaft Vermosh als es wieder wie gewohnt loslegt. Starker Regen und Wind, Blitz und Donner, alles was das frohe Wanderherz begehrt. Auch hier kennt niemand die Via Dinarica und ich werde in das Peraj Guesthouse weiter verwiesen. Florida, die für Albanien sehr emanzipierte Tochter des Hauses, bietet mir für 25 Euro einen eigenen kleinen Bungalow zum Schlafen an, inklusive Frühstück und Essen für den nächsten Tag. Angesichts des Wetters nehme ich dankend an. Eine sehr nette Schweizerin mit ihrem Mann aus dem Kosovo kocht Fleisch und bringt mir noch ein Stück vorbei, sehr nett und vielen Dank!
06.07. Ohne wirklich vielen Informationen über die Route des heutigen Tages starte ich mit einigem Proviant (falls die Hütten unterwegs geschlossen sind) und vollen Wasserflaschen in den Tag.
Typische Behausungen im Vermoshtal im äußersten Norden von Albanien
Der Tag beginnt schon mal gut als sich nach ca. 1 Stunde herausstellt, dass die GPS Datei nicht stimmt. So endet der vorgeschlagene Weg in einem steilen Buchenwald ohne jegliche Anzeichen eines Pfades, etc… Ich orientiere mich dann selber ohne dieser Datei und erreiche nach ca. 2 Stunden Aufstieg durch diesen rutschigen und steilen Buchenwald eine Almwiese. Hier empfängt mich eine wunderschöne Blumenwiese und von einer kleinen Anhöhe sehe ich noch einmal das gesamte Panorama der albanischen Alpen.
Blick auf die albanischen Alpen – und Blumen über Blumen
Der Anblick ist so schön, dass ich mich einmal hinsetzen muss. Erstens um mich von diesem ungewollten Aufstieg zu erholen und zweitens um dieses herrliche Panorama zu genießen. Die restlichen paar Kilometer westlich zurück auf den richtigen Weg sind dann problemlos, da ich in der Wiese einen ausgetretenen Pfad finde, der genau dort hinführt. So um die Mittagszeit erreiche ich eine kleine orthodoxe Kirche, alles menschenleer hier.
Orthodoxe Kirche in der Bergwelt Montenegros an der Grenze zu Albanien
Waren auf dem Peaks of the Balkan’s Trail die Leute noch zu Hunderten am Wandern, treffe ich hier keine Menschenseele. Die erste Hütte, die ich dann erreiche, hat geschlossen. Ehrlich gesagt habe ich damit eh gerechnet…
Erste Wegweiser in Montenegro
So beschließe ich zur nächsten Hütte 12 km weiter zu wandern. Durch unglaublich schöne Bergwelt führt mich die Tour durch schöne Kare und selbst auf 2.000 Metern finden sich hier noch Schneefelder.
Wunderschöne Bergwelt im Norden Montenegros – hier in der Region Komova Schneefelder auf 2.000 Meter Höhe im regionalen Park Komova, und das im Juli…
Der Sommer hat spät begonnen heuer. Gegen 16h wird es beim letzten Anstieg richtig finster und ich bete heimlich, dass heute kein Gewitter loslegt.
Auch ein fescher Kerl, denke ich mir nur… Eine der verschiedenen Markierungen der Via DinaricaUnglaublich, wie meisterhaft die Natur sein kann… Zurück in der Zivilisation – hier ein Blick zurück in die Bergwelt des regionalen Parks Komova, durch die ich von Albanien nach Montenegro kam
Wider erwarten bleibt es nur dunkel und ich erreiche gegen 18h nach mehr als 1.500 Höhenmetern die Stavna Region, wo auch eine Straße vom Tal hinaufführt. Plötzlich stehen da gleich wieder polnische 4×4 und bei Deutschen mit ihrem Campingbus bekomme ich Wasser und eine Banane angeboten. Ein junger Deutscher sagt mir dann, dass es hier in 5 Gehminuten eine offene Hütte gibt. Das ist genau diejenige, die ich angepeilt habe und ich bin froh zu wissen, dass sie offen ist. Während wir so plaudern wird es noch finsterer und ich gehe die letzten Meter zur Hütte. Ca. 50 Meter vor dem Hütteneingang verspüre ich die ersten Tropfen und als ich in der Hütte den Rucksack abstelle, beginnt es draußen schon zu schütten. 10 Minuten später wieder Blitz und Donner und ich danke dem Herrgott, dass er mich hier gut durch die verlassene Bergwelt des regionalen Parks Komova gehen hat lassen. Es wird dir erst da oben klar wie klein und verletzlich Du bist. Die Natur ist der Boss, das ist klar! Branko, der gesprächige Hüttenwirt der Eko Katun Stavna Hütte bietet mir um 15€ eine Nacht in seinem Bungalow an.
Eko Katun Stavna Hütte im regionalen Park Komova – am nächsten Morgen
Normalerweise kostet er 30€ aber weil ich die Via Dinarica gehe, gibt er mir den Nachlass. Auf meine Frage hin warum denn sowenige Leute die Via Dinarica gehen, meint er, dass in einem normalen Jahr nicht mehr als 10 bis 15 Leute bei ihm vorbei kommen. Heuer sei ich der Erste, der von Albanien hierher rüber gekommen ist. Das erklärt auch warum ich keine Leute treffe. Also, die Via Dinarica ist echt noch ein Geheimtipp! Nach einer Dusche schlafe ich früh ein.
07.07. Frühmorgens gehe ich auf 1.700 und 1.800 Höhenmeter auf einfachen Forststrassen ca. 20 km nach Vranak, wo es auch ein Schigebiet für die Wintersportler gibt.
Und endlich gibt es auch Wegmarkierungen für die Via DinaricaAlmlandschaft im Norden Montenegros – hier in der Region Komova
Die Hüttenwirtin der Planinarski Dom Vranak Hütte gibt mir einen Tee und zwei Schalen Eis, die ich dankend annehme. Es gewittert in der Zwischenzeit schon wieder draußen und ich werde jetzt bald in eine benachbarte Hütte rübergehen um dort ein Quartier zu finden.
Die nette Hüttenwirtin der Planinarski Dom Vranak Hütte – sie versorgte mich wieder mit dem Notwendigsten
Am späten Nachmittag gehe ich dann in die Eko Katun Vranjak Unterkunft wo mir die einheimische Hüttenwirtin eine kleine Hütte zum Schlafen gibt.
08.07. Am Morgen vergewissere ich mich noch einmal bei der Hüttenwirtin ob von hier eh ein Steig oder Pfad zum Biogradsko jezero (einem Gletschersee im Nationalpark Biogradska Gora) gibt und sie bejaht.
Eko Katun Vranjak Unterkunft im NO von Montenegro
Ein schmaler Hirtenpfad führt durch einen 16 km2 großen Urwald mit über 500 Jahre alte Bäume. Um die Mittagszeit erreiche ich den See ohne jemandem begegnet zu sein.
Urwald im Biogradska Gora Nationalpark – am Weg nach Mojkovac
Erst beim See selbst gibt es ein Restaurant und ich setze mich zu den Ausflüglern dazu. Am Nachmittag gehe ich dann noch die letzten Kilometer in die Stadt Mojkovac. Es ist die Zeit der ersten Mahd hier und immer wieder höre ich wo einen Motormäher oder sehe Leute mit dem Rechen arbeiten. Für Traktoren wäre es hier zu steil zu fahren.
Einheimischer beim Dengeln seiner Sense – am Weg nach Mojkovac
In Mojkovac visiere ich direkt den Bahnhof an und der Bahnhofsvorsteher bestätigt mir, dass morgen vormittag um 09:40 ein Zug von hier in die montenegrinische Hauptstadt Podgorica geht. Dann quartiere ich mich für 20€ inkl. Frühstück im guten Hotel Dulovic ein. Ein genieße eine Dusche und lasse mir die Cevapcici schmecken. Ich werde von hier in den kommenden Tagen mit dem Zug einen Abstecher ans Meer machen, bevor ich mit dem Zug wieder hierher zurück komme. Dann gehe ich von hier wieder weiter auf der Via Dinarica Richtung Bosnien.
09.07. Der Kellner bringt mir heute zum Frühstück ein riesiges Teller Ham and eggs, selbstgemachtes Brot und eine Tasse Schwarzen Tee. So gehe ich mit vollem Bäuchlein zur Zugstation wo mit ein wenig Verspätung der Zug daher kommt.
Mit diesem Zug aus Belgrad geht es in die montenegrinische Hauptstadt Podgorica.
Es gibt hier von Belgrad in Serbien einen Direktzug nach Bar an die Küste von Montenegro. Durch viele Tunnels, entlang einiger Schluchten und über die höchste Eisenbahnbrücke Europas schlängelt sich der Zug hinab in die Niederungen Montenegros und in die Hauptstadt Podgorica. Es ist dies die Bahn Titos, der von Belgrad eine möglichst schnelle Zugverbindung zum Meer wollte.
Mala-Rijeka Viadukt, Europa’s höchste Eisenbahnbrücke – am Weg nach Podgorica
Hier angekommen setze ich mich einmal in das Bahnhofslokal und der Kellner empfiehlt mir für die Übernachtung das Hotel Evropa. Ich quartiere mich hier für zwei Nächte ein. Dann gebe ich die Wäsche zum Waschen ab und esse im selben Lokal einen riesigen Chickenburger um 3 Euro. Ich werde hier morgen, wenn die Geschäfte wieder offen haben, auch versuchen, eine neue Spitze für einen meiner Wanderstöcke zu bekommen.
Nach ca. 8.000 km darf sich die Stahlspitze von einem meiner Wanderstöcke auch einmal lösen…
Die Bergtouren in letzter Zeit haben nicht nur bei mir Spuren hinterlassen. Den Abend verbringe ich mit einer kleinen Runde in der Innenstadt bevor ich ziemlich müde ins Bett falle.
10.07. Zok, der Rezeptionist im Hotel Evropa, hat mir einige Tipps gegeben, wo ich evtl meine Wanderstöcke reparieren lassen kann. Frühmorgens, als es noch nicht so heiß ist, mache ich mich auf zu einer Stadtbesichtigung und mache dann neben einem kleinen Trekkingshop eine Kaffeepause. Podgorica, das von 1946 bis 1992 zu Ehren Titos Titograd hieß, ist eine moderne und junge Stadt. Nach Warschau wohl die Stadt, die während des WK2 am meisten bombardiert wurde, sowohl von den Deutschen als später auch von den Alliierten. 74 mal soll sie laut Zok bombardiert worden sein… Dementsprechend wenig ist hier von früheren Zeiten noch zu sehen.
Statue von König Nikola I (1910-1918), dem letzten König Montenegros bevor sich das Land mit Serbien vereinteMillennium Brücke und das Denkmal für Wladimir Wyssozki, einem russischen Schauspieler, Dichter und Sänger
Ich bekomme hier in diesem kleinen Trekkingshop zwar keine neuen Spitzen aber ein paar neue Merinosocken, die alten haben ausgedient. Dann gehe ich in die Delta City, ein Shopping Center etwas außerhalb der Stadt. Es gibt hier einen Intersport und überraschenderweise gibt es auch zwei verschiedene Arten von Leki Wanderstöcken, meine Marke also. Da sie keine Spitzen zum Auswechseln haben, kaufe ich mir gleich ein neues Paar. Sie sind günstiger als bei uns zuhause und so bin ich für die restlichen Kilometer nach Hause auf der sicheren Seite. Am Nachmittag bringe ich dann die neuen Stöcke in die Unterkunft und schicke die alten Stöcke nach Hause.
Bis zu 200 kg schafft diese robuste Waage noch auf dem Postamt in Podgorica – sollte für meine gut verpackten alten Wanderstöcke kein Problem sein:-) sie wiegen samt Schachtel genau 0,5kg… Gute Reise!
Ich werde sie zu Hause reparieren lassen. Den Abend verbringe ich mit Zok auf der Terrasse des Hotels Evropa und er gibt mir noch einige Tipps für die bevorstehende Wanderung in Montenegro.
Njeguškisteak – das Nationalgericht von Montenegro. Schweinefleisch gefüllt mit Schinken und Käse
11.7. Heute morgen früh fahre ich um 8h mit dem Zug Richtung Niksic und steige bei der Station Ostrog aus. Es gibt hier das bekannte, serbisch-orthodoxe Kloster des Heiligen Basilius von Ostrog, der hier vor ca. 350 Jahren gelebt hat. Es besteht aus einem unteren und oberen Kloster. Im unteren Kloster befindet sich auch eine Herberge, wo man für 5€ in einem Schlafsaal übernachten kann. So quartiere ich mich zuerst einmal hier ein.
In der Rezeption der Herberge im Kloster Ostrog
Wassily, ein Mitarbeiter des Hauses, erklärt mir, dass es ab 10h immer ein Frühstück gibt und da es jetzt ca. 11h ist, sollte ich noch etwas bekommen. Für mich ist es ein verfrühtes Mittagessen und ich lasse mir eine Klostersuppe, Kartoffeln, Spinat und Salate, alles frisch aus dem Klostergarten, schmecken. Im Anschluss daran besuche ich das sehenswerte untere Kloster, in dem noch ca. 10 Mönche und 10 Nonnen leben.
Unteres Kloster im Kloster Ostrog Mönch im unteren Kloster des Klosters Ostrog
Dann ist es Zeit für mich ein wenig in der Herberge zu rasten bevor ich am Nachmittag die letzten 200 Höhenmeter in das obere Kloster hinaufgehe. Es ist dies einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in der serbisch-orthodoxen Kirche, dementsprechend geschäftig ist es auch hier im oberen Kloster. Der alte Teil des Klosters wurde Mitte des 17. Jhdt. vom Heiligen Basilius von Ostrog selbst mitten in den Felsen hinein erbaut.
Der ältere Teil des oberen Klosters aus dem 17. Jhdt im Kloster Ostrog – hier sind nach wie vor die sterblichen Überreste des Heiligen Basilius von Ostrog aufbewahrt
Die sterblichen Überreste des Heiligen Basilius kann man selbst heute noch besichtigen, stets bewacht von einem der Mönche. Im unteren Kloster angekommen nehmen mich am Abend Wassily und sein älterer Arbeitskollege mit zum gemeinsamen Abendessen.
12.7. In der Nacht sind noch zwei weitere Ankömmlinge in den Schlafsaal schlafen gekommen. Da ich heute beinahe 9 Stunden durchschlafe, habe ich das nicht mitbekommen. Um 7h frühstücke ich einen Apfel, den ich mir gestern vom Abendessen mitgenommen habe und mache mir in der Küche einen Tee. Um 08:47 geht mein Zug von der Station Ostrog nach Niksic, der zweitgrößten Stadt des Landes. So verabschiede ich mich von den Mitarbeitern hier und ca. eine halbe Stunde später bin ich wieder pünktlich bei der Zugstation. Gegen 09:30 erreichen wir dann Niksic und ich quartiere mich hier im Evropa Hostel für 13€ ein. Gerald (der Motorradfahrer aus Bischofshofen), den ich am Ohridsee kennengelernt habe, meldet sich. Er sei wieder in dieser Ecke, diesmal mit Freundin und Auto. Spontan verabreden wir uns für heute Abend hier in Niksic auf ein Bierchen und Plauscherl. Untertags mache ich hier ein wenig sightseeing, schaue mir die Burg und die Stadt an. Niksic ist keine touristische Stadt, sie erinnert viel mehr mit der Architektur der Häuser an eine typisch kommunistische Stadt. Sie ist so gesehen eine ‚ehrliche‘ Stadt, die sich nicht schmückt oder verstellt um mehr Touristen anzulocken. Wer kommt, kommt und wer nicht kommt, kommt eben nicht…
Blick auf die Stadt Niksic – Sicht von der BurgOrthodoxe Kirche des Heiligen Basilius von Ostrog – Kathedrale der Stadt Niksic
Derzeit trotze ich allerdings auch der Hitze draußen und raste mich ein wenig aus.
Um 18h treffe ich Gerald und seine Freundin Doris, ebenfalls aus Bischofshofen im Restaurant Kastel. Es gibt viel zu erzählen und so verbringen wir einen schönen und lustigen gemeinsamen Abend.
Mit Gerald und seiner Freundin Doris in Niksic – das offene Niksicko schmeckte so richtig 🙂
13.7. Nach einem Frühstück auf der Busstation bringt mich ein mittelgroßer Bus nach Cetinje. Cetinje mit ihren knapp 15.000 EW ist der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten und war bis 1918 die Hauptstadt des Landes. Im Gegensatz zu Podgorica, der Hauptstadt seit 1918, gibt es hier noch viele liebe und schöne alte Häuser aus der Jahrhundertwende. In der Nähe der Busstation finde ich in der Pension 22 ein kleines Zimmer und miete mich hier für zwei Nächte ein. Am Nachmittag und Abend erkundige ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Angefangen vom königlichen Palast des Königs Nikolaus II, das jetzt als Museum fungiert.
Königlichen Palast des Königs Nikolaus II, dem letzten König Montenegros
Der 13. Juli wird in Montenegro übrigens als Nationalfeiertag gefeiert. Es war der 13. Juli 1878 als Montenegro vom Berliner Kongress zu einem eigenständigen Staat anerkannt wurde. So gibt es heute am Abend auch Feierlichkeiten, volkstümliche Tänze und letztlich ein Konzert eines bekannten montenegrinischen Sängers. Nur ich kannte ihn nicht, was allerdings nichts heißt…
Volkstümliche Tänze anlässlich des Nationalfeiertages
14.7. Heute morgen ist Markttag und es gibt auch Wuchteln hier, die übrigens genauso schmecken wie zuhause. Um 9h sperrt dann das Nationalmuseum von Montenegro auf, das in einem sehr schönen Gebäude untergebracht ist.
Nationalmuseum von Montenegro – in CetinjePlakate aus vergangenen Zeiten – im Nationalmuseum von Montenegro in Cetinje
Die Stadt erinnert ein wenig an ein Freilichtmuseum und man fühlt sich um Jahre zurück versetzt. Vor allem die alten Gebäude der ehemaligen Botschaften sind eine Augenweide. Heute befinden sich meist universitäre Einrichtungen darin.
Die ehemalige ‚Gesandtschaft‘ (Botschaft) von Österreich und Ungarn – in Cetinje. Selbst den Doppeladler haben sie noch belassen. Ehemalige russische Botschaft in Cetinje
Am Abend gehe ich dann noch auf den Eagle Hill, einen Hügel, von dem man einen guten Rundblick auf die Stadt genießen kann. Zudem wurde hier das Mausoleum für Bischof Danilo errichtet, dem Metropolitan Cetinjes zwischen 1697 und 1735.
Blick auf Cetinje – vom Eagle Hill
Den Abend verbringe ich noch geruhsam in der Altstadt bevor ich früh schlafen gehe.
Abendstimmung in Cetinje
15.7. Gegen 7h morgens frühstücke ich am Weg zur Busstation Käseburek und Joghurt. Gegen 8h kommt dann der Bus aus Podgorica, der uns nach Kotor bringt. Die Fahrt führt via Budva und die Sicht von ca. 1.000 Meter Seehöhe runter auf die Stadt Budva am Meer ist sensationell. So um halb 10h erreiche ich dann die Busstation in Kotor und wie gewohnt, setze ich mich einmal auf einen Espresso nieder. Rafael, mein spanischer Freund aus London, hat sich gemeldet. Er ist derzeit hier mit seinem Auto unterwegs und wir werden uns wahrscheinlich morgen in Kotor treffen. Dann gehe ich in die Altstadt von Kotor und quartiere mich im Old Town Youth Hostel ein.
In der Altstadt von Kotor
Die Altstadt von Kotor und deren Befestigungsanlagen sind seit 1979 Teil des UNESCO Weltkulturerbes und das nicht zu unrecht. Es befinden sich hier wunderschöne, alte Gebäude und Kirchen und direkt hinter der Stadt ragen die Berge hoch.
Sankt Tryphon Kathedrale in der Altstadt von Kotor. Sie ist die größte noch erhaltene romanische Kirche der östlichen AdriaküsteIm oberen kleinen Sarkophag befinden sich die Gebeine des Heiligen Tryphon, einem christlichen Märtyrer aus dem 3. Jhdt n. Chr. Er ist der Schutzpatron und Beschützer der Stadt – in der Sankt Tryphon Kathedrale in der Altstadt von Kotor.
Die Bucht von Kotor besteht eigentlich aus drei Buchten, die schmetterlingsförmig angeordnet sind. Sie sind Ziel vieler Reisender. Es herrscht dementsprechend auch viel Betrieb hier und die Preise sind auch andere als im Rest des Landes. Sie wissen schon auch wo sie Geld verlangen können. Derzeit mache ich eine kleine Mittagspause bevor ich am Abend auf die Burg hinaufgehe. Von dort soll es einen schönen Blick auf die Stadt und die Bucht von Kotor geben.
Blick auf die Altstadt und die Bucht von von Kotor – Sicht von der BurgMit Audy aus Suriname auf der Burg von Kotor
Wunderschön war er, der Blick auf die Altstadt und die Bucht von Kotor. Den Abend verbringe ich in den engen und romantischen Gassen der Altstadt.
16.7. Nach zwei Tassen Tee und einer Mehlspeise im Hostel gehe ich heute entlang dem Strand und der Küste Richtung Perast. Die Altstadt ist um 7:30 morgens menschenleer und wunderschön. Die drei Buchten von Kotor sind der südlichste Fjord Europas und das tiefe Meer erlaubt auch großen Kreuzfahrtsschiffen hier anzulegen.
Willkommen in Kotor…
Nach ca. einer Stunde Gehen setze ich mich am Strand in ein Café und telefoniere wieder einmal mit Muck und Muttern. Alles okay bei Ihnen zuhause, vor allem Muttern geht es auch wieder um Vieles besser. Sie kann nicht klagen, sagt sie, einen besseren Kommentar von ihr kann man sich nicht wünschen… Dann setze ich meinen Spaziergang fort und genieße die mediterrane Stimmung in diesem Fjord mit den steil aufragenden Bergen.
Am Weg von Kotor in die Ortschaft Donji Orahovac
Derzeit sitze ich gerade in einer Strandbar in der Ortschaft Donji Orahovac und lasse mir einen weiteren Kaffee schmecken.
Um 15h bin ich ja heute Nachmittag mit Rafael aus San Sebastian in meiner Unterkunft verabredet. Als ich in das Hostel zurückkomme, sitzt Rafael schon gemütlich im Empfangsraum. Er ist hier direkt von Sarajevo mit seinem Auto runter gefahren und so gibt es ein freudiges Wiedersehen. Das letzte Mal haben wir uns in London in Twickenham bei ihm zuhause gesehen, das ist aber auch schon wieder ein paar Jährchen aus. Wir verbringen den Nachmittag und Abend mit Geschichten erzählen, Wimbledon Finale schauen (siehe da, der Spanier Alcaraz fügt dem favorisierten Djokovic eine doch etwas überraschende Niederlage zu, ganz zur Freude von Rafael) und einem Abendessen in einem Restaurant außerhalb der Altstadt, wo es gleich um ca. 50% billiger ist.
Wimbledon Finale im Old Town Hostel von Kotor
Rafael habe ich 2016 in Tadschikistan kennengelernt als er mit Freunden und seinem Fahrrad nach Kirgisistan geradelt ist. Diesmal ist er mit seinem Ford Fiesta und dem Zelt im Balkan unterwegs. Mit dem Ziel in den bulgarischen Bergen eine alt christliche Bevölkerungsgruppe zu besuchen bevor er wieder zurück in seine Heimat ins Baskenland fährt. Da ich vorhabe morgen wieder nach Mojkovac in die Berge von Montenegro zurück zu fahren und auch er kein großer Freund von Küste und Touristen ist, beschließen wir, morgen gemeinsam mit seinem Auto von Kotor nach Mojkovac zu fahren.
Rafael mit seinem über 20 Jahre alten Ford Fiesta
Gegen Mitternacht schlafen wir im gleichen Schlafsaal in unseren Betten ein.
17.7. Um 05:15 läutet mein Wecker und um ca. 05:30 sitzen wir schon in der Küche bei einer Tasse Tee und einer Mehlspeise. Wir haben uns vorgenommen früh zu starten weil es untertags heiß wird und der Morgen am Schönsten ist. So fahren wir noch vor 7h früh über die Serpentinen den Fjord von Kotor hinauf und genießen die Aussicht auf die drei Buchten und den Fjord Kotors.
Blick auf den Fjord und die Altstadt von Kotor
Am Weg nach Cetinje liegt der Lovcen Nationalpark und so statten wir auch noch dem Mausoleum von König Peter II Petrovic-Njegos direkt am Berg Lovcen einen Besuch ab.
Mausoleum von König Peter II Petrovic-Njegos direkt am Berg Lovcen
Vor allem die Aussicht von hier oben auf die karstige Gebirgslandschaft des Lovcen NPs und dem nahegelegenen Meer ist grandios. Dann fahren wir mit Rafaels Fiesta weiter nach Cetinje und besuchen das Kloster von Cetinje. Wir haben Glück und können während unseres Besuches auch einen Blick auf die Hand des Heiligen Johannes des Täufers (die Hand die Jesus taufte) erhaschen. Fotografieren natürlich strengstens verboten. Nach einem Mittagessen legen wir uns in einen Park und holen ein wenig Schlaf nach.
Kleines Nickerchen im Klostergarten von Cetinje
Gegen 16h starten wir dann die letzten ca. 120 Kilometer nach Mojkovac und da alles auf einer Autobahn zu fahren ist, planen wir gegen 18h in Mojkovac anzukommen. Es sollte jedoch etwas anders kommen, da sich auf der Autobahn zwischen Cetinje und Podgorica kurz vor uns ein Unfall ereignet und wir zur Umkehr gezwungen werden. Über kleine Nebenstraßen und einer sehr abgelegenen Gegend erreichen wir dann mit ca. 3 Stunden Verspätung Podgorica und beschließen doch noch am Abend weiter nach Mojkovac zu fahren. Um ca. 21:30 erreichen wir ziemlich geschafft dann doch noch Mojkovac und wir bekommen gerade noch ein Zimmer im Hotel Dulovic. Da die Restaurants bereits zu haben kaufen wir uns im Supermarkt zwei Dosen Niksicko, Chips und Nüsse, die wir uns im Zimmer schmecken lassen. English Pub Style, wie Rafael nur meint… 🙂 Wieder gegen Mitternacht schlafen wir müde und zufrieden ein.
18.7. Um 7h lassen wir uns noch ein gutes Frühstück mit Eierspeise und Schinken schmecken. Dabei gebe ich Rafael noch ein paar Tipps für den Kosovo, den er als nächstes besuchen möchte. Rafael wird hier noch einen Tag Pause einlegen, Wäsche waschen, etc… ich setze hier heute jedoch wieder meine Wanderung fort. Rafael gibt mir noch seine restlichen Mark aus Bosnien mit, die er nicht mehr braucht, und so verabschieden wir uns um ca. 9h vor einer Bäckerei. Es war eine sehr schöne Zeit mit Dir Rafael, buen viaje!
Gesamtkilometer: ca. 7.985
Fazit: Montenegro ist mit seinen ca. 600.000 Einwohnern das kleinste Land der ehemaligen sechs Teilrepubliken Jugoslawiens. Als Währung haben sie den Euro und sie sind ebenso wie Albanien ein EU Beitrittskanditat. Der Tourismus boomt und speziell an der Küste gibt es wunderschöne Strände und viele Hotels, etc. Auch die Berglandschaften im Norden des Landes haben mit den vielen Nationalparks einiges zu bieten. Montenegro, das Land der schwarzen Berge, wie es so schön heisst. Die Berge sind zwar nicht schwarz, dafür aber wunderschön. Ich werde nun die nächste Zeit durch den Durmitor Nationalpark in den Bergen nach Bosnien wandern und noch mehr von den ’schwarzen‘ Bergen genießen können.
15.06. Am späten Nachmittag sind dann all meine Sachen wieder trocken und ich gelange durch den Stadtpark ins Zentrum von Tirana. Tirana ist mit ca. 800.000 Einwohnern mit Abstand die größte Stadt von Albanien, das insgesamt ca. 3 Mio. Einwohner hat. Ich gelange zum Boulevard Deshmoret e Kombit, der wichtigsten Prachtstraße von Tirana. Dieser beginnt bei der Universität am Mutter Teresa Platz und endet am Hauptplatz von Tirana, dem Skenderbeg Platz.
Ankunft in Tirana, hier am Mutter Teresa Platz vor der gleichnamigen Universität
Tirana scheint mir zwei Kleider zu haben. Zum einen ältere brutalistische Gebäude aus der kommunistischen Zeit und zum anderen Gebäude der Moderne und ab und zu auch ein richtiger Wolkenkratzer. Am Skenderbeg Platz angekommen steuere ich als erstes meine Unterkunft an. Ich habe im Tirana Backpacker Hostel ein Bett in einem 6 -Bettzimmer inkl. Frühstück um 15 € pro Nacht reserviert. Es ist ein altes Gebäude mit einem großen Garten im Hinterhof wo es das Frühstück gibt.
Im Tirana Backpacker Hostel lässt es sich im Garten gut entspannen
Am Abend beginnt es dann ordentlich zu regnen, sodass Andreas und ich unser Treffen auf morgen verschieben.
16.06. Am Morgen hole ich mir die gewaschene Wäsche ab und genieße ein ausgiebiges Frühstück im Garten. Sehr freundliches Personal und zentrale Lage (ca. 5 Minuten zu Fuß zum Skanderbeg Platz), sehr empfehlenswert diese Unterkunft.
6-Bettzimmer im Tirana Backpacker Hostel
Ich besuche dann Andreas um ca. 10h morgens in seinem Hotel La Boheme.
Wiedersehen mit Andreas in seinem Hotel La Boheme
Seine ‚Besuche‘ auf meinen Reisen sind ja schon fast Routine, das letzte Mal haben wir uns letztes Jahr in Istanbul getroffen. Auch dieses Mal bringt er mir wieder ein neues Paar Schuhe mit, das ich dringend benötige. Ausserdem auch eine Hirschtalgcreme, Moskitospray und… ein Sackerl Mozartkugeln, er kennt mich… 🙂 Vielen Dank Andreas!!!
Die neuen Schuhe sind wie immer Goldes wert – vielen Dank Andreas für das Zustellservice…:-)
Da er eine kleine Verletzung am Arm hat gehen wir in ein nahegelegenes Gesundheitszentrum, wo ihm zwei Schwestern den Verband wechseln. Dann steht uns nichts mehr im Wege gemeinsam die Stadt zu erkunden. Einem Besuch im Kadare Museum (Ismail Kadare ist der wichtigste Schriftsteller Albaniens) folgt eine Kaffeepause in einem der drei nebeneinander liegenden Cafés vor der Oper. Es hat sich viel getan seit unserem letzten Treffen, so gibt es viel zu erzählen. Ich bringe dann die mitgebrachten Sachen von Andreas in meine Unterkunft und am Abend essen wir in einem ‚türkischen‘ Restaurant innerhalb den Überresten der Burg von Tirana. Wir haben schon einmal besser und billiger türkisch gegessen… 🙂
17.06. Wie jeden der folgenden Tage treffen wir uns auch heute in einem der Cafés am Skanderbeg Platz.
Skanderbeg Platz in Tirana – der Hauptplatz der StadtStatue von Skanderbeg, dem albanischen Nationalhelden aus dem 15. Jhdt – am gleichnamigen Hauptplatz von Tirana
Dann besichtigen wir gemeinsam die einzelnen Gebäude und Sehenswürdigkeiten entlang des Boulevards.
Andreas und ich auf der Pyramide – in den 1980er Jahren für stolze 4 Mio. USD als Museum für Enver Hoxha erbaut, wird es jetzt gerade zu einem Jugendzentrum umfunktioniert
Letztlich enden wir am späten Nachmittag im Lake View Cafe, das an einem See neben dem Stadtpark liegt. Hier legen wir eine Pause ein bevor wir am Abend um 18h bei einer geführten Tour teilnehmen. Eric, unser guide, vermittelt uns in ca. 2 Stunden einen guten Überblick über die Vorkommnisse und die Geschichte Albaniens und bringt uns so ganz nebenbei auch an den wichtigsten Gebäude der Stadt vorbei.
Stadtführung mit Eri, unserem guide – hier in ‚The Cloud‘, einem Pavillion erbaut von einem japanischen Künstler namens Sou Fujimoto
Am Abend essen wir in einer Bäckerei im alten Basarviertel bevor ich mir in einem der Cafés die zweite Halbzeit des Fußballspiels Albanien gegen Moldawien anschaue. Zur Freude der Einheimischen gewinnt Albanien 2:0 und die Welt scheint wieder in Ordnung zu sein. Andreas ist nicht so Fußball interessiert und verabschiedet sich etwas früher heute Abend. Ich besuche dann noch den Schlagzeuger im Charl’s Club, den ich in Elbasan kennengelernt habe und am Heimweg zu meinem Hostel kehre ich noch in die Hemingway Bar ein.
Ein wenig Nachtleben in Tirana – hier vor dem Charl’s Club
Bei einem Mojito und guter kubanischer Musik lerne ich hier einen Slowenen aus Marburg kennen, der mir noch viele gute Tipps für die kommenden Länder mitgibt.
18.06. Heute ist der letzte Tag von Andreas und so überlasse ich ihm, was er sich noch gerne anschauen möchte. Zuerst statten wir dem Historischen Nationalmuseum am Skanderbeg Platz einen Besuch ab.
Historisches Nationalmuseum von TiranaJungs aus dem Kosovo nach einem traditionellen Tanz am Skanderbeg Platz
Es ist das wichtigste Museum des Landes und allemal einen Besuch wert. Zumittag stärken wir uns bei Kaffee und Kuchen im Cafébereich des International Hotels am Skanderbeg Platz bevor wir uns eine kleine Kunstgalerie in der Nähe meiner Unterkunft anschauen.
In einer kleinen Kunstgalerie von Tirana – Andreas am Navigieren…Vor der Oper in Tirana
Am späten Nachmittag besuchen wir noch einen Atomschutzbunker mitten in der Stadt, er wird hier Bunk Art 2 genannt. Diese Bunker wurden während der kommunistischen Zeit unter Enver Hoxha gebaut. Der Bunker war auch mit dem Innenministerium verbunden, dh im Notfall hätte sich zumindest die militärische Elite hierher retten können… Enver Hoxha fürchtete sowohl Amerikaner als auch Russen vor einem Überfall und ließ diese Bunker in großen Mengen erbauen, während das Volk nichts davon hatte. Nach einer weiteren Kaffeepause suchen wir uns noch das ehemalige Bahnhofsgelände, das sich nur ca. 1 km vom Skanderbeg Platz befindet.
Kinder beim Spielen – am ehemaligen Bahnhofsgelände der Stadt
Vor ca. 5 Jahren musste ja der Bahnhof von Tirana einem weiteren Boulevard weichen und so ist Tirana die einzige Hauptstadt Europas, die derzeit keinen Zugbahnhof hat. Die Städteplanung habe hier versagt, wie uns Eri, unser guide, erzählt hat. Danach essen Andreas und ich noch ein traditionelles Bohnengericht im guten Timy King Pils Restaurant in der Nähe meiner Unterkunft bevor wir uns verabschieden. Andreas fliegt ja morgen wieder zurück nach Wien und so wünsche ich ihm noch eine gute Heimreise. Wir haben allerdings auch schon wieder ein Wiedersehen geplant, das nächste Mal in Sarajevo in Bosnien. Wir werden sehen, bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit.
19.06. Da das Frühstück bei mir im Hostel erst um 08:30 beginnt, mache ich heute in der Früh einen kleinen Spaziergang und beobachte wie die Stadt schön langsam erwacht.
Moderne trifft Kirche – Alban Turm und der Glockenturm der Kathedrale der Auferstehung Christi, im Stadtzentrum von Tirana
Dann stärke ich mich im Hostel mit einem Porridge und einigen Nutellabroten. Heute habe ich mir vorgenommen einen weiteren Bunker zu besuchen, der ca. 6 km außerhalb der Stadt liegt. Bunk Art 1 wird er genannt und ein öffentlicher Bus bringt mich für 40 albanische Lek (umgerechnet 30 Cent) von der Oper in die Nähe des Bunkers. Auch diesen Bunker ließ der kommunistische Diktator Enver Hoxha erbauen um sich und seine Gefolgschaft im Falle eines Krieges zu schützen. Man kann nun den fünfstöckigen Bunker besuchen, der in ein Museum umgewandelt wurde.
Eingang zum Bunk Art 1, am Stadtrand von Tirana
Enver Hoxha litt Zeit seines Lebens unter Angst überfällen zu werden und so sind diese Bunker Produkte seiner Ängste und Paranoia. Dieser Bunker wurde 1978 fertiggestellt und bis zu seinem Tode 1985 hat Enver Hoxha diesen Bunker nur einmal selber besucht. Der Bunker hat Millionen gekostet und wurde paradoxerweise nie verwendet…
Versammlungshalle im Bunk Art 1 – im Notfall für Versammlungen im Kriegsfall, es kam nie dazu…
Am Nachmittag fahre ich dann mit der Seilbahn auf den Berg Dajt, einem Aussichtsberg von Tirana. Ich sitze hier gerade in einem Café mit Blick auf die Stadt Tirana und werde erst am Abend wieder in die Stadt zurück fahren.
Kurz vor 18h nehme ich dann eine der letzten Gondeln wieder in das Tal hinunter. Wunderschön der Blick auf die Stadt dabei und bei bekannter Doppelmayr Qualität der Seilbahn fühle ich mich ja fast ein wenig heimisch. Am Weg zurück in die Unterkunft esse ich nochmals im Timy King Pils Restaurant, dieses Mal Köfte (die Albaner sagen hier Qöfte) mit Brot und Tsatsiki, extrem gut und geschmackig auch diese Speise.
Qöfte mit Tsatsiki, Brot und ein King’s Pils – eine beliebtes Menü hier
Bei der zunehmenden Hitze beginnt mich auch mein Bart wieder ein wenig zu stören. Der Friseur neben der Moschee verbringt am Abend noch eine Stunde damit mir meine Haare zu schneiden und zu rasieren. Und das alles für umgerechnet 10 Euro. Frisch geschniegelt schaue ich mir noch die zweite Halbzeit des Fußballspiels Belarus gegen Kosovo an, das die Kosovaren leider mit 1:2 verlieren. Die Albaner sind darüber nicht erfreut, da im Kosovo größtenteils Albaner wohnen, die sogenannten Kosovoalbaner.
20.06. Nach dem Frühstück schaue ich mir noch einmal einige Gebäude entlang des Prachtboulevards genauer an, trinke gemütlich einen Kaffee, usw…
Maritim Hotel Plaza Tirana – einer der vielen Türme im Zentrum von TiranaThe Cloud – ein Pavillion, erbaut von einem japanischen Künstler namens Sou FujimotoUnabhängigkeitsdenkmal im Rinia Park im Zentrum von Tirana – es wurde zum Gedenken an die Gründung des unabhängigen albanischen Staates im Jahr 1912 errichtet
Um 11h habe ich mich dann für das Bankenmuseum in der Nationalbank von Albanien vormerken lassen.
Nationalbank von Albanien – am Skenderbeg Platz von TiranaFlachrelief an der Aussenmauer der Nationalbank von Albanien
Das Gebäude befindet sich direkt am Hauptplatz und eine Mitarbeiterin der Bank empfängt mich hinter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Vorher muß ich noch meine Sachen inkl. Handy, Reisepass in einem Schließfach abgeben, bevor die Tour losgeht. Shpresa, die Frau, die mich durch die ersten beiden Stockwerke des Gebäudes führt, erzählt mir viel zu den ausgestellten Münzen und Geldscheinen. U.a. haben bereits die Illyrer, deren Nachfahren ja die Albaner sind, ab dem 6. Jhdt. v. Chr. Münzen gemacht bevor sie 168 v. Chr. von den Römer besiegt und als Provinz in das römische Reich eingegliedert wurden. Den albanischen Lek als alleinige Währung gibt es seit 1947. Vorher gab es auch noch den Franga, wobei 1 Franga = 5 Lek waren. Die Geldscheine wurden unterschiedlich in Jugoslawien (zw 1947 – 1949), Russland (1949 – 1954) und China (1954 – 1992) gedruckt, je nach dem zu welchem Land es gerade gute Beziehungen gab… Erst seit 1992 wird das Geld in Albanien selbst gedruckt. Heute bekommt man für 1 Euro ca. 100 Lek. Da wir völlig alleine in den alten Räumlichkeiten der Bank sind, gewährt sie mir auch interessante Einblicke was die albanische Bevölkerung heutzutage über den letzten König Albaniens, Ahmet Zog, und den kommunistischen Diktator Enver Hoxha denkt. Unter dem König Ahmet Zog zwischen 1928 und 1938 seien die Leute frei gewesen und auch sei er ein starker Mann gewesen. Allerdings wird ihm auch vorgeworfen, dass er Jugoslawien einen Teil des Ohridsees abgegeben hat um an die Macht zu kommen. Auch habe er die Goldreserven mit in das Exil nach Paris gemommen und die Bevölkerung so bestohlen… Also alles hat zwei Seiten. Er durfte allerdings während des Kommunismus unter Enver Hoxha nie mehr in sein Heimatland einreisen. Zu Enver Hoxha und den ca. 50 Jahren Kommunismus bis 1991 meinte sie, dass nicht alles schlecht gewesen sei. So sei während des Kommunismus noch der Zusammenhalt innerhalb der Familie stärker gewesen. Auch hätten sie alle zwar nicht viel gehabt aber doch jeder zumindest seine Arbeit. Der schlimmste Nachteil war, dass es keine persönliche Freiheit gegeben hat. Auch habe es keine Meinungsfreiheit gegeben. Die Albaner seien über viele Jahrzehnte hinweg eingesperrt gewesen und über die Realität außerhalb des Landes hinweg getäuscht worden…
Nach ca. 45 Minuten endet dann die Tour und mit dem Kopf noch bei den Erzählungen wechsle ich noch einmal ein paar USD, um weiter liquid zu bleiben… 🙂 Derzeit sitze ich wieder einmal im Timy King Pils Restaurant und esse noch einmal Fasule, das Gericht mit den großen Bohnen. Ich werde jetzt in die Unterkunft zurück gehen und noch um eine Nacht verlängern, die Stadt gefällt mir wirklich sehr gut. Am Nachmittag schreibe ich im Café Opera wieder einmal ein paar Postkarten, die ich auf dem zentralen Postamt aufgebe.
Beim Kartenschreiben im Café Opera
Im Anschluss daran besuche ich das ‚House of Leaves‘, das seinen Namen davon hat, dass es tatsächlich mit Blätter von Pflanzen bedeckt ist, die über seine Fassade klettern.
House of Leaves – früher als Geburtshilfeklinik erbaut, wurde das Gebäude mit der Machtübernahme der Kommunisten 1944 zum Hauptquartier des albanischen Geheimüberwachungsapparats Sigurimi
Es diente in der Zeit des Kalten Krieges und des Kommunismus in Albanien (1944-1991) als Hauptquartier des albanischen Geheimüberwachungsapparats, der berüchtigten Sigurimi. Die Sigurimi war etwa gleichzusetzen mit der Stasi (Staatssicherheit) in der ehemaligen DDR oder der Securitate in Rumänien. Das Gebäude war über Kabeln mit mehreren Gebäuden verbunden und so wurden zB die jugoslawische Botschaft in Tirana oder einige internationale Hotels mit ‚Wanzen‘ abgehört. Wer verdächtigt wurde, politisch anders zu denken, etc wurde entweder langjährig eingesperrt, gefoltert oder umgebracht. Es diente alles natürlich nur der Staatssicherheit, dem obersten Gut im Staat.
Karussell am Skenderbeg Platz von Tirana
Mit einem leichten ‚Knödel‘ im Bauch esse ich am Abend noch einmal Qöfte, Tsatsiki, etc und schaue mit den Einheimischen das Fußballspiel Färöer Inseln gegen Albanien, das die Albaner 3:1 gewinnen. Also keine Wiederholung des Färinger Pepis, für die, die sich noch erinnern können. So nebenbei erfahre ich auch, dass Österreich gegen Schweden zuhause 2:0 gewonnen hat. Schön langsam könnte es also doch einmal was werden mit einer EM (2024 in Deutschland). Vor dem Schlafengehen genehmige ich mir in der Hemingway Bar einen Daiquiri. Ein wenig Aufholbedarf habe auch ich, wie ich merke… 🙂
Hemingway Bar in der Rruga (Straße) Kont Urani im Zentrum von Tirana
21.6. Heute ist Sommer Beginn und der längste Tag des Jahres. Ich habe mir vorgenommen, wirklich einmal einen Rasttag einzulegen, bevor ich morgen wieder weiter gehe Richtung Shkoder und Shkoder See an die Grenze zu Montenegro. Nach dem Frühstück trinke ich in einem kleinen Café einen Espresso zum Munterwerden und nehme dann einen Bus, der mich zum Monument der Mutter Albaniens bringt.
Mutter Albanien Monument – sie soll symbolisch über dem ewigen Schlaf derjenigen wachen, die für sie ihr Leben gaben.
Es befindet sich etwas außerhalb der Stadt auf einem Hügel, von der man einen sehr schönen Blick über die Stadt hat.
Blick auf das Zentrum von Tirana – vom Monument Mutter Albanien
Auch der nationale Märtyrerfriedhof Albaniens mit über 28.000 gefallenen Soldaten während des WK2 befindet sich hier. Während zwei Albaner Domino spielen, mache ich einige Dehnungsübungen um weiter fit zu bleiben. Dabei zeigt mir der rechts Sitzende oft die Faust, Zeichen des Kommunismus, und lacht dabei… 🙂 er dürfte nach wie vor überzeugt davon sein.
Albaner beim Dominospiel – in der Nähe des nationalen Märtyrerfriedhofs von Tirana
Derzeit sitze ich gerade in einem Café am Tirana See und werde schön langsam in die Stadt zurück gehen.
Am künstlich angelegten Tiranasee in der Nähe des StadtparksMarriott Hotel mit dem angrenzenden Fußballstadion in Tirana
Den letzten Abend in Tirana verbringe ich mit einem Stück Pizza und einer Dose Peja Bier aus dem Kosovo mitten auf dem Skenderbeg Platz. Die Sitzgelegenheiten, die an das Museumsquartier in Wien erinnern, sind ein idealer Platz um sich zu erholen und das Treiben auf dem Platz zu beobachten. Auch die Einheimischen machen reichlich davon Gebrauch, sodass alle Sitzmöglichkeiten am Abend so gut wie immer besetzt sind. Früh dran sein, heißt hier die Devise.
Skenderbeg Platz in Tirana – im Hintergrund die bunten Sitzgelegenheiten
Zum Platz selber muß ich sagen, dass ich ihn nach jedem Besuch immer mehr mochte. War er mir am Anfang zu leer oder zu groß, wusste ich später das immer mehr zu schätzen. Es ist eben ein Platz auf dem es noch viel Platz. Und die Einheimischen machen reichlich davon Gebrauch, sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad. 22.6. Während in der Unterkunft noch alles schläft, packe ich meine Sachen und verlasse nach genau einer Woche wieder Tirana. Wunderschön diese Stadt, denke ich mir nur. Zuerst geht es hinaus durch die Vororte, wo ich in einem Café, an einem See gelegen, frühstücke.
Fuhrwerk auf dem Weg nach Kruje
Nach ca. 30 km erreiche ich dann mein heutiges Tagesziel. Kruje, die Stadt am Fuße eines steilaufragenden Berges gelegen. Sie wurde vor allem dadurch bekannt, dass Skanderbeg (alias Georg!!!😉Kastrioti), der Nationalheld Albaniens, hier im 15. Jhdt bis zu seinem Tode mehrere Angriffe der Osmanen abwehrte. Wie ich es so des öfteren handhabe, setze ich mich meist einmal bei der Ankunft in einem Ort in ein Café und trinke etwas. Dabei kann ich mich gut vom Gehen erholen und kann dann frisch ausgeruht auf Quartierssuche gehen. So verlaufen oft Verhandlungen über den Preis, etc weit ruhiger als wenn du noch müde vom Gehen bist. Und manchmal bekommst du auch von jemandem im Café einen guten Tipp für eine Unterkunft oder, wie dieses mal, gleich eine Einladung. Florian, der liebe Besitzer des Cafés am Rande von Kruje, bietet mir sofort an, dass ich auf seinem Grund hinter dem Lokal zelten könne. Nach einer kurzen Inspektion des Platzes komme ich zum Schluss, dass es wohl in ganz Kruje kein besseres Plätzchen für mein Zelt gibt.
Beim Zeltaufbau in Kruje – im Hintergrund rechts die Burg von Kruje
Zur einen Seite sehe ich hinunter auf das ca. 30 km entfernte Tirana und zur anderen Seite sehe ich hinüber zur Stadt Kruje, der Burg und dem dahinter liegenden Berg. Am Abend grillt Florian dann auch noch Qöfte, die wir uns mit einigen Kindern schmecken lassen.
Florian beim Qöftegrillen – in Kruje
23.6. Als ich beim Frühstück noch einmal die wunderschöne Aussicht auf die Burg genieße, kommt Florian vorbei und lädt mich auf einen Cafe bei sich ein. Vielen Dank Florian, Du hast mir sehr viel geholfen!!!
Mit Florian in seinem Café in Kruje
Auch erwähnt er, dass Österreich und Albanien in der Geschichte immer eine gute Beziehung hatten. Vor allem half das österreichisch-/ungarische Kaiserreich Albanien während der Balkankriege (vor dem WK1) die Osmanen fernzuhalten in dem es zwischen 1912 und 1915 eine Schutzmacht für Albanien war. So konnte Albanien 1912 von den Osmanen unabhängig werden und einen eigenen Staat ausrufen. Schön auch hin und wieder Positives aus der Geschichte zu hören… Dann verabschiede ich mich von ihm und schaue mir in der Burg das Skanderbeg Museum an. Dieses ist vor allem Skanderbeg und seinem Leben gewidmet ist.
Skanderbeg Museum in der Burg von Kruje Gravur von Skanderbeg und seiner Gefolgschaft aus dem 16. Jhdt – im Skanderbeg Museum in Kruje
WIKIPEDIA: Durch seine Verteidigung des Fürstentums Kastrioti gegen die Osmanen wurde Skanderbeg berühmt und erhielt 1457 von Papst Calixtus III. sowohl den Titel Fidei defensor („Verteidiger des Glaubens“) als auch den Ehrentitel Athleta Christi („Kämpfer des Christentums“). Heute wird er von vielen als albanischer Nationalheld gefeiert.
Souvenirs, souveniers… Im alten Basar von Kruje
In der Zwischenzeit ist es auch hier in Albanien heiß geworden und die Sonne scheint vor allem um die Mittagszeit unerbärmlich darnieder. Ich habe mir heute vorgenommen entlang eines Flusses zu gehen. Bis mich ein Einheimischer mit seinem Auto aufmerksam macht, dass es auf dieser Straße Probleme mit Steinen gebe und ich daher einen anderen Weg nehmen solle. Nach ein wenig Bedenkzeit glaube ich ihm dann doch und gehe ein paar Kilometer Umweg bis in die Mittagszeit hinein, bevor es mir zu heiß wird.
Recht hatte er, der Einheimische…
Bei einer Baustelle frage ich um Wasser. Mit aufgefüllten Wasserflaschen packe ich bei einem passenden Plätzchen mein Zelt aus und lasse es trocknen. Währenddessen mache ich auf meiner Luftmatratze ein Nickerchen und lasse so die ärgste Mittagshitze vorbeiziehen. Gegen 16h fange ich dann wieder an zu gehen und während ich so gehe, hält ein Auto an. Von woher ich komme, fragt er in gutem Deutsch und reicht mir zwei kühle Flaschen Wasser. Er arbeite in Deutschland und habe die zwei Flaschen extra für mich gekauft, als er mich gehen sah. Dann sei er mir nachgefahren. Ihr seid wirklich unglaublich, ihr Albaner!
Schafhirte am Weg nach Lac
An diesem Abend gehe ich noch mehr als 30 km bis ich bei einbrechender Dunkelheit in die Stadt Lac gelange. Ich merke, dass ich von der Hitze völlig durchnässt bin. Ohne dass ich es vorhabe in einem Hotel zu übernachten, frage ich im Zentrum den ersten jungen Mann ob er hier ein Hotel kennt. Das Unterbewusstsein ist nicht zu unterschätzen… 🙂 In ca. 5 Minuten erreichen wir gemeinsam das Hotel Ambassador und um 25 € gibt mir die Angestellte ein gutes und vor allem kühles Zimmer. Nach einer Dusche esse ich im dazugehörigen Restaurant noch eine Gemüsesuppe und trinke eine Flasche Tirana Bier. So läßt es sich wieder leben… So nebenbei erzählt mir der junge Mann im Hotel auch noch, dass sein Vater vor 2 Jahren gestorben ist. Seit dem muß er als Juniorchef den Laden schupfen, mit 21 Jahren eine ganz schöne Aufgabe… Alles Gute!
24.6. Ich beginne heute früh zu gehen, da ich morgen in Shkodra, einer Stadt an der Grenze zu Montenegro, ankommen möchte. Ich sitze gerade in Lezhe, einer kleinen Stadt im NW Albaniens, und werde wieder so ab 16h weitergehen. Um ca. 18h erreiche ich mitten in der Landschaft ein Häuschen inmitten von Weingärten. Ich frage zwei Jungs um Wasser und letztlich endet es mit einer Einladung auf ein Peja Bier, selbst gebackenes Brot, selbstgemachten Käse und Gurken frisch aus dem Garten. Der Vater spricht gut Italienisch, so kann ich zumindest halbwegs verstehen was er meint. Er meint, dass schon einige Radfahrer bei ihm vorbei gekommen sind, Fußgeher allerdings noch keiner. Ist ja schon fast eine Auszeichnung, wenn man sowas hört… 🙂 Nach ca. 1 Stunde verabschiede ich mich von dieser netten Familie weil jetzt die beste Zeit zum Gehen ist. Kurz vor Dunkelheit stelle ich dann mein Zelt hinter einem Damm auf und schlafe mit dem Geräusch der verschiedenen Zirpen und Frösche ein.
Besuch auf meinem Zelt – am Weg nach Shkodra
Um ca. Mitternacht holt mich allerdings ein lauter Donner aus dem Tiefschlaf. In den letzten Stunden hat sich ein Gewitter über mich zusammengebraut. Durch das Zelt sehe ich zwar die einzelnen Blitze nicht, es schimmert nur die ganze Zeit zwischen den Farben Gelb und Rot durch das Zelt. So schön so ein Naturschauspiel auch ist, mit dem Schlafen war es für den Rest der Nacht vorbei.
25.6. Pünktlich mit Tagesanbruch hört auch der leichte Regen und das Gewitter auf, sodass ich aus dem Zelt klettere und einige Dehnungsübungen mache. Die Achillessehnen mögen den Asphalt nicht so sehr. Da muß ich aufpassen und eben auch immer wieder dehnen. Aber bald sollte ich eh wieder mehr weg vom Asphalt und auf Wanderwege kommen. Ich esse noch eine Gurke, die mir die Mutter von den Jungs von gestern aus dem Garten mitgegeben hat und esse mein letztes Brot dazu. Ich trinke meistens ca. einen halben Liter Wasser in der Früh, dann kann es wieder losgehen. Heute ist Sonntag und um ca. 8:30 höre ich die Kirchenglocken von der Ortschaft Nenshat. Hier beginnt gerade der Gottesdienst und die katholische Kirche ist gut besucht.
Katholischer Gottesdienst in NenshatFrau in ihrer traditionellen Kleidung – beim Gottesdienst in Nenshat
In dieser Gegend gibt es auch noch die meisten Christen in Albanien. Ich fülle hier meine Wasserflaschen auf und lausche eine Weile dem schönen Gesang bevor ich weitergehe. Gegen Mittag erreiche ich die nächste Ortschaft Mjede wo ich während der Mittagspause wieder einmal meine Sachen trockne. Um ca. 15h gehe ich weiter, da ich nicht zu spät in Shkodra ankommen möchte. Um diese Zeit wird es jetzt schon wieder ordentlich heiß und so mache ich kurz vor Shkodra noch einmal einen kurzen Boxenstopp. Gegen 19h komme ich dann im Hostel Mi casa es tu casa an, wo mich Samuel in die Gepflogenheiten des Hauses einführt.
Mi casa es tu casa Hostel in Shkodra – der Garten wurde von der Besitzerin Alma persönlich angelegt
Für 15€ die Nacht hat er mir für die nächsten vier Nächte ein Bett in einem 4 – Bettzimmer reserviert. Und so ist das erste wieder einmal eine Dusche, dann kommt die Wäsche dran. Da ich die letzte Nacht ja nicht viel geschlafen habe, gehe ich früh ins Bett und schlafe somit auch früh ein.
26.6. Nach mehr als 8 Stunden Schlaf werde ich kurz nach 5h früh munter und setze mich in den gemütlichen Aufenthaltsraum des Hostels. Eine etwas ältere Frau kommt auch in den Raum, öffnet die Türen, lässt Kaffee runter, etc… So frage ich sie ob ihr Name Alma sei und sie bejaht. Ich richte ihr dann die Grüße von Resi aus Tirana aus, die mir dieses Hostel empfohlen hat. Alma ist die Eigentümerin dieses Hostels und lebt hier mit ihren drei Hündinnen Mira, Bimba und Luna. Sie gibt mir einige Tipps für die Region, etc während ich ihren Kaffee verkoste. Nach 6h beginnt sich dann das Haus zu bewegen und sie kümmert sich um die restlichen Gäste. Ich hole mir meine trockene Wäsche von der Terrasse, und frühstücke in einem der Cafés in der Innenstadt. Am Vormittag schaue ich mir das Marubi Nationalmuseum für Fotografie an.
In der Fußgängerzone von Shkodra – rechts das weiße Gebäude mit den roten Fenstern ist das Fotografiemuseum
Es zeigt hier schwarzweiß Fotografien aus vergangenen Zeiten und zum Teil auch wie im 19. Jhdt fotografiert wurde. Das Museum besteht hauptsächlich aus ausgearbeitetes Bildern von Glasnegativen.
Marubi Nationalmuseum für Fotografie – in ShkodraGlasnegativ im Marubi Nationalmuseum für Fotografie – es erinnerte mich auch an meinen Großvater mütterlicherseits, der anno dazumal auch mit dieser Technik arbeitete…Albanerinnen in ihren traditionellen Trachten Ende des 19. Jhdt – ausgearbeitetes Foto eines Glasnegatives mit dem Gelatin-Silber-Verfahren
Es ist so interessant, dass ich mehr als drei Stunden darin verbringe. Danach lasse ich mir von einer lieben Schneiderin meine Hose nähen. So wie gestern eine andere Schneiderin einen Knopf annähte und nichts verlangte, will auch sie für ihren Dienst kein Geld nehmen… Wie oft während meiner Wanderung habe ich mir wohl schon gedacht, wer das bei uns noch machen würde…
Trafik in den Straßen von Shkodra
Bei einem Mittagessen im guten Restaurant Rubi treffe ich Samuel wieder, der hier auch als Kellner arbeitet. Dann gehe ich zurück ins Hostel und verbringe die heisse Mittagszeit mit dem Schreiben hier und ein wenig ausrasten. Den Abend verbringe ich u.a. bei einem Gottesdienst in der katholischen Kathedrale der Stadt und genieße die schöne Stimmung in der Innenstadt.
Vor der katholischen Kathedrale in Shkodra
27.6. Alma gibt mir heute morgen noch weitere Tipps für meine weitere Wanderung in die albanischen Alpen. Dann schaue ich mich in der Stadt um, die ja das Zentrum der katholischen Kirche in Albanien ist.
Am Bahnhofsgelände in Shkodra – die Züge nach Durres verkehren auch hier nicht mehr, ein Erdbeben vor ca. 4 Jahren habe lt. Alma eine Brücke zerstört, die seitdem nicht mehr aufgebaut wurde
Am späten Vormittag gehe ich dann zum Shkodrasee, wo ich in der Ortschaft Shirokke Mittagspause mache. Wunderschön der See, der von Bergen umgeben ist und der größte See des Balkans ist.
Interessante Mitbewohnerin am Shkodrasee, dem größten See am Balkan
Am Abend gehe ich zurück in die Stadt und gehe noch auf die Rozafa Burg hinauf. Sie thront über der Stadt und dem See und am Abend verfärben sich die Berge in wunderschöne Lilatöne.
Hier die beiden Zuflüsse des Shkodrasees Kir (links) und Drin – Blick von der Rozafaburg in ShkodraBraut auf der Rozafaburg von Shkodra, im Hintergrund die Stadt Shkodra und die albanischen Alpen
Erst gegen 23h komme ich wieder zurück in die Unterkunft und schlafe nach einem sehr schönen Tag zufrieden ein.
28.6. Die Morgen in der Unterkunft beginnen immer mit einem Kaffee und einem Glas Wasser im Garten von Alma. Heute früh ist sie schwer beschäftigt sodass ich früh in die Bäckerei Velipoja frühstücken gehe. Am Vormittag besuche ich noch das historische Museum, wo ich ein junges Pärchen aus Linz-Urfahr treffe. Dann plaudere ich auch noch mit Felix, der hier das Museum überwacht. Ich habe mit noch keiner Person in Albanien gesprochen, die mit der Politik hier zufrieden wäre… 🙂
Historisches Museum in ShkodraKeramik Büste eines Priesters oder Stammeshäuptlings aus dem 5. Jhdt v. Chr. – im historischen Museum von Shkodra
Derzeit verbringe ich die heiße Mittagspause wieder in der Unterkunft und plane ein wenig auch schon meine Wanderung in den albanischen Bergen und weiter dann in Montenegro. Am späten Nachmittag fragt mich dann Alma ob ich morgen zu einem Frühstück bei einer Freundin von ihr mitkommen möchte und ich bejahe. Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Am Abend treffe ich im Restaurant Temali zwei Radfahrer aus Lindau und wir verbringen einen lustigen gemeinsamen Abend.
Gëzuar (Prost)! Marvin (links, mit seinem Vater) ist mit seinem Fahrrad am Weg nach Indien, good luck! Der Raki schmeckte übrigens auch gut… 🙂
29.6. Gegen 8h fahren wir heute mit dem Bus von Alma zu ihrer Freundin in den Ort Guri i Zi. Es liegt ca. 7 km von Shkodra entfernt und wir bekommen reichlich Köstlichkeiten von ihrem Garten.
Frühstück bei einer Freundin von Alma – köstlich!
Zurück in der Unterkunft borge ich mir eines der Fahrräder des Hauses aus und fahre damit noch einmal zum Shkodrasee. Nach ein paar Runden Schwimmen im See sitze ich derzeit im gleichen Restaurant wie vorgestern und warte auf meine Pizza.
Auch die Jungs haben Spaß beim Baden im Shkodrasee
Die Pizza schmeckt gut und so strample ich noch eine Ortschaft weiter bis nach Zogaj. Den Abend verbringe ich noch einmal in der Altstadt von Shkodra und schlafe auf der Sofa, da heute alles ausgebucht ist.
30.06. Noch vor 6h früh verlasse ich heute mit meinem Rucksack das Hostel und frühstücke am Weg zur Mes Brücke Dhalle (Buttermilch) und Burek.
Mes Brücke am Weg zum Koman Stausee – ein Relikt aus osmanischen Zeiten
Ich kaufe auch gleich jede Menge von verschiedenen Burek so, da es am Weg zum Koman Stausee nicht viel Möglichkeiten zum Essen geben wird, wenn überhaupt welche. Ich passiere die Mes Brücke, eine Bogenbrücke aus der osmanischen Zeit und gehe bei zunehmender Hitze weiter bergauf Richtung Koman Stausee. Zumittag schaue ich Albanern beim Holzkohlemachen zu, bevor ich weiter gehe. Zweimal finde ich heute Nachmittag bei heißem Wetter den Weg nicht, was wieder einmal im Unterholz und einem Weg querfeldein endet.
Wäre ich am Weg geblieben, hätte ich Euch nicht kennengelernt… 🙂
Ziemlich durchschwitzt und wieder am richtigen Weg erreiche ich eine Gaststätte wo ich Wasser auftanke und viel trinke. Möchte ich morgen um 9h die Fähre am Koman Stausee erreichen, muß ich heute noch ein Stück weiter gehen. Was ich auch mache… Bei einbrechender Finsternis finde ich kurz nach 21h bei einer Kirche eine geeignete Stelle zum Übernachten. Ich übernachte auf meiner Isomatte vor der Kirchentür und sprühe mich davor noch mit Moskitospray ein.
Übernachtung vor der Kirche in der gut klingenden Ortschaft Vukjakaj-Gegaj
01.07. Bereits kurz nach 4h werde ich munter und während der Morgen graut packe ich meine sieben Sachen. Letztlich erreiche ich heute kurz nach 8h die Fährstelle und erfahre, dass die Fähre in ca. einer halben Stunde kommt. Es bleibt also noch Zeit für einen Kaffee und Käseburek. Auf Anraten von Alma nehme ich das Dragobia Schiff, das hauptsächlich Einheimische befördert und auch immer wieder Leute an verschiedenen Stellen ein- und aussteigen lässt.
Die Dragobia schippert uns den Drin Fluss Richtung Norden – am Koman Stausee Nette Bekanntschaft an Bord der Dragobia – am Koman Stausee
In Markaj steige dann auch ich aus und gehe mit ein paar Einheimischen die paar Kilometer hinauf nach Lekbibay. Kaum in der einzigen Kneipe des Dorfes angekommen, legt ein ordentliches Gewitter mit viel Regen den ganzen Ort lahm. Inklusive Stromversorgung, etc…
Da bleibt kein Auge trocken – Unwetter in Lekbibay
Der junge Kellner ruft einen Freund von ihm an, der mir bei seiner Familie Unterschlupf gewährt. Er holt mich mit seinem alten Mercedes ab, da ich sonst sein Zuhause nicht finden würde. So komme ich auch noch zu einer Mercedesfahrt in Albanien… 🙂 Nach einer Dusche schlage ich mir mit einer Suppe und selbstgemachtem Brot und Käse den Magen voll. Danach lege ich mich nieder und schlafe am hellichten Tag fast 5 Stunden durch. Der Körper holt sich was er braucht. Am Abend wird gegrillt und ordentlich gefeiert.
Brel (links) mit seinen beiden Brüdern
So nebenbei erfahre ich von Brel, meinem Gastgeber, dass er auch einmal für 2 bis 3 Jahre in England war. Und er erzählt mir auch von der Überfahrt im Ärmelkanal in einem kleinen Boot.. 🙂 Jetzt betreibt er hier eine Unterkunft und verdient sich damit etwas Geld.
02.07. Nach einem albanischen Frühstück mit selbstgemachtem Brot, Käse, Kaffee und Raki zeigt mir der Vater von Brel noch eine kleine Abkürzung zurück zum richtigen Weg nach Abat und Theth in die albanischen Alpen. Über 1.200 Höhenmeter sind heute nach Abat zu überwinden. Doch bevor ich losgehe, gehe ich noch einmal zurück in die Bar von wo mich Brel gestern Nachmittag abgeholt hat. Nur nicht zum Schummeln anfangen, denke ich mir nur. Jeder Kilometer sei brav gegangen😉Dann geht es heute zuerst auf einer guten Straße hinauf bevor der Weg enger wird.
Am Weg nach Abat – hier in der Nähe der Ortschaft Lekbibay
Er ist allerdings gut markiert, sodass ich mich heute so gut wie nie vergehe.
Buchenwald am Weg nach AbatKatholische Kirche in Abta
Gegen 16h erreiche ich dann die Ortschaft Abta wo ich im Guesthouse Shenaj eine Unterkunft finde. Den Nachmittag und Abend genieße ich heute mit etwas Ausrasten und Plaudern mit dem Hausherrn Sefi und seiner Tochter.
Sefi vor seinem Guesthouse Shenaj in der Ortschaft Abta
03.07. Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschiede ich mich von Sefi und seiner Familie und gehe ca. 10 km bis zum ersten Cafe.
Ausgiebiges Frühstück im Guesthouse Shenaj in der Ortschaft AbtaHat es da jemand eilig? 😉 Am Weg nach Theth Ortsschild auf AlbanischUnd Grabpflege auf Albanisch – es geht auch so… 🙂
Hier erzählt mir der Kellner, dass es in der Nähe ein sogenanntes ‚Blue Eye‘ gebe. Ich lasse meinen Rucksack bei ihm und gehe ca. 1 Stunde bis zu diesem natürlichen Wasserbecken mit einem Wasserfall, das eben aufgrund seiner Farbe den Namen ‚Blue Eye‘ bekam.
‚Blue Eye‘ in der Nähe von Theth
Ich sitze derzeit wieder im Café wo mir die Chefin Tave Dheu, ein traditionelles albanisches Gericht mit Käse, Tomaten, Zwiebeln, etc… macht. Nach einer kleinen Mittagspause werde ich heute noch die letzten Kilometer in die Ortschaft Theth gehen und dort irgendwo übernachten.
Gesamtkilometer: ca. 7.875
Fazit: Albanien ist fantastisch! Wunderschöne Natur, wilde Blumenwiesen, schöne Seen und Berglandschaften laden hier zum Verweilen ein. Letztlich bin ich überall ein wenig länger geblieben als geplant. Auch scheint jede Stadt in Albanien sich deutlich von den anderen Städten zu unterscheiden. Zudem ist das Preisniveau für unsere Verhältnisse noch recht niedrig und macht so den Urlaub noch leistbar. Natürlich sind die Albaner auch Meister der Gastfreundschaft und bei jedem Besuch wird zumindest ein Raki spendiert. Ohne Werbung für dieses Land machen zu wollen, kann ich es nur zu einem Besuch empfehlen. Natürlich gibt es auch Probleme in diesem Land, in dem der Kommunismus erst 1991 endete. Hohe Arbeitslosigkeit zwingt viele junge Albaner ins Ausland zum Geldverdienen zu gehen weil es zuhause keine Arbeit für sie gibt. Auch Korruption in der Politik, etc scheint immer noch ein großes Problem zu sein. So wird es wohl noch einige Zeit dauern bis aus dem EU Beitrittskandidaten ein EU Mitgliedsland wird. Ich wünsche dem Land und seinen Leuten alles Gute und vor allem eine friedliche Zeit!
04.06. Frühmorgens esse ich noch einmal im selben kleinen Lokal wie gestern Burek und eine würzige Wurst aus dem Kosovo. Dann mache ich mich auf zu meinem Abstecher zum Ohridsee, dem Grenzsee zwischen Albanien und Nordmazedonien bevor es in die Hauptstadt Tirana geht. Ohrid, am Ohridsee gelegen, war früher das Jerusalem des Balkans. Das vor allem wegen der vielen orthodoxen Kirchen und Klöster, die es dort in der Umgebung gibt. Selbst die beiden Slawenapostel Kyrill und Method sollen dort im 9. Jhdt die Bibel vom Lateinischen in das Slawische übersetzt haben. Dabei entstand auch das kyrillische Alphabet. Also Geschichte genug um mich dorthin auf den Weg zu machen. Ich befinde mich nun auf der historischen Via Ignatia, die in der Antike das damalige Westrom (heutiges Rom) und Ostrom (heutiges Istanbul) verband. Manchmal ist es gut zu gehen auf der Via Ignatia, manchmal muß man sich den Weg suchen.
Unterwegs auf der Via Ignatia, einer Straße aus der Antike – am Weg zum Ohridsee
Nach ca. 15 km zweige ich von der Hauptstraße ab in Richtung Berge. Beim Mittagessen warnt mich ein Englischlehrer vor Bären und Wölfen. Andere Einheimische meinen, dass es kein Problem sei. So ist es auch und entlang einer wunderschönen Bergwelt gelange ich in das kleine Bergdorf Babje, wo ich einige Packerl Chips esse und Cola trinke.
Betonbunker aus der kommunistischen Zeit unter Enver Hoxha – am Weg zum Ohridsee
Manchmal merke ich wie ich Salz und Zucker brauche. Dann gehe ich nachmittags bei gutem Wetter weiter und erreiche gegen Abend das Haus Grill Mattia.
Mein Begleiter – bisher hat er seinen Job sehr gut gemacht, bravo!
Hier will ich nächtigen und es hat zum Glück offen. Ich habe noch nicht den Rucksack abgestellt, als mich jemand vom Nebentisch fragt woher ich komme. ‚Austria‘ lautet dann die Antwort. Er fragt mich in gutem Deutsch, ob ich auch Deutsch könne. Naja, ein bisschen halt, scherze ich…:-) Schnell ist ein Sessel gefunden und ich finde mich wieder mit vier jungen Albanern am Tisch.
Gemeinsam mit vier jungen Albanern im Haus Grill Mattia am Weg zum Ohridsee
Alle sprechen gut Deutsch und arbeiten in Deutschland. Sie stellen am Bau Gerüste auf und sind gerade auf Heimaturlaub hier. Als ich ihnen von meiner Wanderung erzähle, wechselt sich Kopfschütteln mit Bewunderung ab. Oli, einer der beiden Brüder, meint kurze Zeit später, dass ich bei ihm und seinem Bruder Sabri übernachten könne. Sie laden mich auch zum Abendessen ein und während die anderen mit dem Auto nach Hause fahren, gehe ich gemeinsam mit Sabri noch die restlichen 4 km zu Ihnen nach Hause.
Gemeinsam mit Sabri die letzten Kilometer zu ihrem Zuhause
Wieder einmal mehr als 40 km bin ich heute gegangen, genau gesagt 44, und es geht mir gut dabei. Auch immer beruhigend zu wissen, dass ich zur Not auch jetzt noch mehr als die üblichen 30 km oder so gehen kann. Zuhause werde ich der Familie vorgestellt und wir verbringen alle einen schönen gemeinsamen Abend.
V.l.n.r.: Sabri’s Frau, Sabri, meine Wenigkeit, Tochter eines anderen Bruders, Oli, Vater und Mutter von Oli und SabriDie Eltern von Sabri und Oli – ein herzliches Ehepaar, vielen Dank!!!Sabri mit seiner Frau und seiner Tochter – vielen Dank!
So gegen 23h gibt es dann noch Reis mit Pljeskavica und Joghurt. Ein Raki, den der Vater selber aus den Trauben brennt, darf natürlich auch nicht fehlen. Gegen Mitternacht gehen dann die Lichter aus.
05.06. Am Morgen trinken wir noch gemeinsam Kaffee auf der Terrasse. Sie haben gemeinsam Grund hier gekauft und ein großes Haus selber gebaut hier, erzählt mir Sabri. So wohnen neben den Eltern auch noch einige Söhne mit ihren Familien in diesem Haus. Oli und Sabri sind heute den letzten Tag hier und müssen sich morgen wieder von der Familie trennen. Ihr Flugzeug geht morgen von Tirana nach Frankfurt. Vielen Dank Euch allen!!! Ihr seid herzlich eingeladen auch bei mir in Österreich solltet ihr einmal mit dem Auto fahren anstatt zu fliegen!
Das Zuhause (links) von Sabri und Oli inmitten von Weingärten und BergenHeumandln sind hier in Albanien noch immer üblich
Gegen Mittag erreiche ich die kleine Stadt Prrenjas, wo ich eine Kaffeepause einlege.
Nicht nur ich mache eine Pause in Prrenjas
Auf mich wartet nun der letzte Anstieg auf über 900 Meter von wo es dann zum Ohridsee runtergeht. Auch eine Eisenbahn hat es hier während des Kommunismus von Tirana zum Ohridsee nach Pogradec gegeben. 2012 wurde diese Strecke aber eingestellt, da das Interesse am Bahnfahren immer mehr abnahm und gleichzeitig die Autos mehr wurden. So gegen 16h erreiche ich dann die höchste Stelle und in der Ferne kann ich bereits den See erkennen.
Ein Schafhirte hiess mich willkommen am höchsten Punkt, bevor es zum Ohridsee runterging
Wieder entlang der Via Ignatia, die hier zum Teil nicht mehr vorhanden ist, gelange ich runter zum See und der kleinen Ortschaft Lin.
Durch diesen Tunnel kamen die Züge von der Hauptstadt Tirana zum Ohridsee und nach Lin und Pogradec – seit 2012 ist dieser Betrieb eingestelltZum Teil umgibt auch ein Schilfgürtel hier den Ohridsee auf knapp 700 HöhenmeterFischerboote am Ohridsee In den Straßen von Lin – am Ohridsee
Die Frösche machen hier ein ohrenbetäubendes Konzert und ich genieße den schönen Abend am See. Da die Kirche letztlich doch abgesperrt wird, übernachte ich im ersten Stock auf der Terrasse der örtlichen Moschee. Die Frösche sind mit ihrem Konzert so fleißig und gut in Form, dass ich schließlich meine Ohrenstöpsel raushole…:-)
06.06. So um 6h werde ich munter und ich schaffe es gerade noch ungesehen meine Sachen zu packen.
Morgendlicher Ausblick von der Moschee in Lin auf den Ohridsee
Kurze Zeit später sitze ich wieder im selben Café wie gestern beim Kaffee und esse die mitgebrachten Speisen von gestern.
Eine Handvoll geht noch – auch Esel werden hier nicht nur gefüttert…Fischerboote am Ohridsee
Dann gehe ich entlang der Küste bis in die Stadt Pogradec wo ich mich heute im Hotel Enkelana direkt an der Seeufer Promenade einquartiere.
Die Stadt Pogradec in Sicht… Hotel Enkelana in Pogradec am Ohridsee
Nach einer Dusche gebe ich meine Wäsche zum Waschen ab und verbringe den Abend am Ufer des Sees.
Männer beim Spiel – entlang der Uferpromenade in Pogradec
Pogradec gefällt mir gut. Schön gelegen am See und noch vom großen Tourismus verschont. Ich werde wohl noch eine Nacht hierbleiben.
Lasgush Poradeci, einer der bedeutensten albanischen Dichter ist ein Sohn von Pogradec
07.06. Nach dem Frühstück entschliesse ich mich spontan mit einem Bus in die ca. 40 km entfernte Stadt Korça zu fahren. Ein Fotografiemuseum und die örtliche Brauerei haben Interesse in mir geweckt…:-) Der Kleinbus bleibt am Weg nach Korça immer wieder stehen, Leute steigen ein und aus und letztlich erreiche ich um ca. 10h die Stadt. Am Weg ins Zentrum komme ich beim alten Markt vorbei wo viel Handwerk betrieben wird und es auch einige Cafés gibt.
Alter Basar von Korça
Die Stadt besteht aus vielen kleinen und niedrigen Häusern, die durch kleine gepflasterte Gassen erreichbar sind.
Korça war eine der ersten albanischen Städte, die ein Kino hatten – das Majestik zeigte bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die aktuellen Filme der Zeit. Korça gilt auch als die heimliche kulturelle Hauptstadt des Landes.
Mehrere breite, mit Bäumen begrenzte Boulevards führen in das Stadtzentrum, in der sich unter anderem auch das Fotografiemuseum befindet. Es ist dem albanisch-amerikanischen Fotografen Gjon Mili gewidmet und wurde erst vor 4 Jahren eröffnet. Gjon Mili wanderte noch vor dem Kommunismus nach Rumänien und später nach Amerika aus. Er durfte später während des Kommunismus unter Enver Hoxha nie mehr in sein Heimatland einreisen. Vor allem die Stroboskopfotografie machte ihn berühmt, mittels der er die einzelnen Phasen einer schnellen Bewegung in einem Bild vereinen konnte.
Im Fotografiemuseum von Korça, das dem albanisch-amerikanischen Fotografen Gjon Mili gewidmet istPorträt eines Herrn, den wir wohl alle kennen, Sammy Davies Jr. – fotografiert von Gjon Mili im Jahre 1958Lichtmalerei im Fotografiemuseum in Korça – ein gewisser Georg Richtsfeld malt mit der Taschenlampe seines Handys eine Lichtzeichnung in die Luft. Fotografiert von Kristi Ktona, Direktor des Gjon Mili Museums
Danach schaue ich mir auch noch die Brauerei in Korça an und mache in einem angrenzenden Biergarten Mittagspause.
Bierbrauerei in KorçaEin frisch abgezapftes Korça Bier darf dabei natürlich auch nicht fehlen
Am Weg zurück zur Busstation mache ich im alten Basar noch eine kurze Eispause bevor wir wieder zurück nach Pogradec fahren. Am Abend esse ich hier in einem Fischrestaurant eine Ohrid Forelle, hier auch Koran genannt. Das Fleisch ist rosa und der Fisch schmeckt vorzüglich.
Die Ohrid Forelle – schmeckt hervorragend, fast wie ein Lachs… Selbst die bereits verstorbene Queen soll davon benommen gewesen sein und es war ihr Lieblingsfisch. Diese Geschichte wird hier natürlich gerne und stolz erzählt
Den Abend verbringe ich an der Uferpromenade und genieße die schöne Stimmung am See.
Abendstimmung am Ohridsee – in Pogradec
08.06. Heute bringt mich meine Umrundung des Ohridsees wieder zurück nach Nordmazedonien, wo ich letztes Jahr schon am Weg nach Jerusalem durchgekommen bin. Nach einem kurzen Aufenthalt im Drilon Nationalpark stehe ich um ca. 10h wieder auf nordmazedonischen Boden.
Südufer des Ohridsees – kurz vor der Grenze zu NordmazedonienIm Nationalpark Drilon bekomme ich Besuch
Nur unweit der Grenze befindet sich in Nordmazedonien das Kloster Sveti Naum, das ich als erstes besuche. Es ist dies ein am Ende des 9. Jhdts vom heiligen Naum gegründetes Kloster und auch nach ihm benannt.
Kloster Sveti Naum in Nordmazedonien am Ufer des Ohridsees – auch Pfaue leben hier im Kloster Da komme auch ich nicht aus dem Staunen raus – im Kloster Sveti NaumGrabmal des Heiligen Naum – im Kloster Sveti Naum
Das Kloster ist zusammen mit der Stadt Ohrid, dem Ohridsee und dessen Umgebung eine Stätte des UNESCO-Welterbes. Hier befindet sich auch einer der Zuflüsse des Ohridsees und es werden auch Bootstouren zu den Quellen angeboten, was ich allerdings nicht mache. Anstatt dessen esse ich in einem der Restaurant Bohneneintopf und fahre dann mit einem Ausflugsschiff mit in die Stadt Ohrid.
Die Stadt Ohrid backboard voraus, würden die Segler sagen…
Ohrid war vor ca. 1.000 Jahren eines der Zentren der orthodoxen Kirche am Balkan. Viele Gelehrte und Geistliche waren hier vor vielen Jahren aktiv und hinterließen ihre Spuren. Allen voran der heilige Naum (nach dem ja das Kloster Sveti Naum benannt ist), die Gebrüder und als Slawenaposteln bekannten Kyrill und Method, der heilige Clemens und viele mehr. Ich steuere als erstes das Old Town Hostel an, das sich, wie der Name schon sagt, in der Altstadt von Ohrid befindet. Es sei gerade noch ein Bettchen für eine Nacht frei, wie mir Natascha, die freundliche Betreiberin der Unterkunft, mitteilt. Sollte aber jemand in letzter Minute doch absagen, könne ich natürlich auch länger bleiben, sonst finden wir auch noch eine andere Lösung im Aufenthaltsraum. Das ist ein Angebot und nachdem ich meine Sachen verstaut habe, verbringe ich den Abend in der Stadt und am Seeufer. Als ich zurück komme, empfängt mich Charlie, ein Mitarbeiter des Hostels, schon mit den Worten ‚Good news George‘. Jemand hat tatsächlich abgesagt und so verlängere ich gleich um zwei weitere Nächte. Es ist ein historischer Ort und es gibt viel zu tun und zu sehen hier.
09.06. Da es bereits um 5h früh hell wird und das 4-Bett Zimmer keinen Vorhang hat, werde auch ich um diese Zeit munter. Frühmorgens mache ich mich also zu einem Morgenspaziergang durch diese Stadt auf und genieße in aller Ruhe und so gut wie alleine die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt.
Sophienkirche in Ohrid – byzantinische Kirche aus dem 11. Jhdt, die die Kathedrale des Erzbischofs von Ohrid warIm Inneren der Sophienkirche in OhridKirche des Heiligen Johannes von Kaneo – byzantinische Kirche aus dem 13. Jhdt., wohl das Wahrzeichen dieser Stadt aufgrund seiner schönen Lage
Um ca. 8h kaufe ich mir in einem Lebensmittelladen drei Simits, Wasser und einen Automatencafe, das ich alles alleine im römischen Theater verspeise.
Die Heilige Mutter Gottes Peribleptos Kirche in Ohrid – erbaut 1295 in byzantinischem StilFreskomalerei im Inneren der Heiligen Mutter Gottes Peribleptos Kirche in Ohrid
Erst als um ca. 9h die ersten Touristen auftauchen, setze ich mich in ein Café und lasse mir einen guten Cappuccino schmecken. ‚Ohrid hat soviele Kirchen wie das Jahr Tage hat‘ wird gesagt, viel fehlt nicht davon… 🙂 Aber alle sehr schön! Gegen 11h schaue ich mir noch das Nationaltheater an, in dem früher eine wohlhabende Familie aus Ohrid gewohnt hat. Zumittag esse ich noch einmal wie gestern Pljeskavica mit geschmolzenem Käse, eine Spezialität, die es angeblich nur hier gibt. Ich glaube das natürlich… 🙂
Freitagsgebet um 13h…
Derzeit mache ich gerade im Hostel eine Mittagspause und setze meine Besichtigung fort wenn es wieder etwas kühler ist. Für Abends bin ich heute mit Franziska aus Zürich verabredet. Sie ist mit dem Rad hier unterwegs und bei einem gemeinsamen Abendessen tauschen wir unsere Erfahrungen aus.
Franziska hat es gewagt – mit dem Rad allein am Balkan unterwegs! Alles Gute dir weiter!!!
10.06. Auch heute stehe ich wieder früh auf und sehe mir noch einmal die Sankt Clemenskirche etwas genauer an.
St. Clemenskirche in Ohrid – erbaut 893 n. Chr.
Dabei lerne ich eine Amerikanerin kennen mit der ich dann auch noch pünktlich um 9h die Burg von Ohrid besichtige. Wunderschöne Aussicht von da oben… Während Joy, die Amerikanerin, mit dem Schiff nach Sveti Naum fährt, besichtige ich heute die Heilige Johanneskirche auch von innen.
Mit Joy, einer Amerikanerin aus Sacramento, auf der Burg von Ohrid
Am Rückweg in die Stadt schaue ich mir dann auch noch einmal die Sophienkirche von innen an. Schon wunderschöne Freskomalerei, die ich auf mich wirken lasse. Den Nachmittag raste ich und schaue mir das Tennisfinale der Frauen bei den French Open an. Die Polin Iga Swiatek (Weltranglistenerste) gewinnt in einem spannendem Match knapp in 3 Sätzen gegen die Tschechin Karoline Muchova (Nr. 48 der Welt). Am Abend bezahle ich bei Charlie, dem Brasilianer, die Unterkunft für die letzten 3 Nächte, da ich morgen früh wieder die Seeumrundung fortsetzen werde und ich ihn nicht am Morgen aufwecken möchte.
11.06. In einer Bäckerei kaufe ich mir ein Schokocroissant, das ich um ca. 6h morgens in einem Café mit Einheimischen esse. Dann geht es relativ flach und gut voran und nach ca. 3 Stunden gelange ich nach Struga, wo ich direkt am See wieder eine Pause einlege.
Am Weg nach Struga…
Hier rufe ich dann auch Frau Muttern zurück, die gestern einmal ‚angeklopft‘ hat. Alles in bester Ordnung. Sie fährt bereits wieder mit der Scheibtruhe im Garten, nicht zu stoppen diese Frau… :-))) In der nächsten Ortschaft Kalista mache ich dann Mittagspause bevor ich so um ca. 15h in die beschauliche Ortschaft Radozda komme.
Höhlenkirche oberhalb von der Ortschaft RadozdaBlick von der Höhlenkirche auf die Ortschaft Radozda
Die Grenze zu Albanien, die ich heute noch überqueren möchte, ist hier nur mehr einige Kilometer entfernt. Die Kellnerin in einem der Restaurants meint man könne hier zu Fuß nicht mehr auf kleineren Wegen weitergehen. Ca. 5 km wieder zurück gehen, meint sie, wäre die einzige Möglichkeit. Nur die Schmuggler gehen diese Wege und das Militär wird mich aufhalten. Mehr Informationen brauche ich natürlich nicht um zu wissen, dass ich genau hier weitergehen werde. Völlig unbeschadet und auf schönen Pfaden erreiche ich nach ca. 1,5 Stunden die Grenze nach Albanien.
Wieder zurück in Albanien, dem Land der Skipetaren… Hier am Grenzübergang zwischen Nordmazedonien und Albanien
Irgendwie wieder ein gutes Gefühl in dieses Land zurück zu kehren, ich fühle mich hier irgendwie wohler als in Nordmazedonien. Ich beschließe den letzten Abend am See noch einmal in Lin zu verbringen. Genau dort, wo ich vor ca. einer Woche den ersten Abend an diesem wunderschönen See verbrachte. Ich esse noch einmal eine Ohridforelle und lerne dabei zwei Salzburger kennen, die mit ihren Motorrädern unterwegs sind. Gemeinsam mit Helmut aus der Stadt Salzburg und Gerald aus Bischofshofen verbringen ich einen schönen gemeinsamen Abend am See bevor wir schlafen gehen. ‚Mein‘ Schlafplatz bei der Moschee wie letzte Woche erscheint dieses mal leider nicht so günstig weil noch reger Verkehr herrscht so um 22h. So finde ich beim Ortsausgang noch ein passendes Platzerl in einem Rohbau, natürlich mit Seeblick und Froschgequacke… 🙂
12.06. Ein Hund weckt mich heute früher als gewollt auf und so sitze ich bereits vor 6h morgens im selben Lokal wie gestern mit meinem gepackten Rucksack bei einem Kaffee und Brot vom Bäcker. Ich lasse dann meinen Rucksack im Lokal und umrunde noch einmal die Halbinsel von Lin, wunderschöne Gegend hier. Als ich wieder in den Ort Lin zurückkomme, entdecke ich in einem der Gästehäuser die beiden Motorräder von Helmut und Gerald. Gemeinsam trinken wir noch einen Kaffee auf ihrer Terrasse bevor wir uns verabschieden.
Helmut (links) und Gerald mit ihren Motorrädern – vor ihrem Gästehaus in Lin
Ich wünsche euch beiden eine gute Heimreise und vielen Dank für die Einladung auf einen Kaffee! Am späten Vormittag erreiche ich dann die Ortschaft Prrenjas, wo ich im selben Café wie beim Hingehen eine Pause einlege. Es ist für die nächsten Tage wieder schlechteres Wetter angesagt und so beschließe ich, beim Rückweg nach Elbasan dieses Mal auf der Straße zu bleiben.
Verlassenes Fabriksgelände noch aus der Zeit des Kommunismus – außerhalb von Prrenjas
Gegen Abend erreiche ich dann die Stadt Librasht.
In Librasht, am Weg vom Ohridsee nach Elbasan und Tirana
Nach einer Tave Kosi suche ich mir kurz vor Einbruch der Dunkelheit einen geeigneten Schlafplatz und werde wieder einmal bei einer Schule fündig. Die jungen Buben beobachten mich natürlich genau wie ich mich beim überdachten Eingang einrichte.
Die Gang von Librasht… 🙂
Nachdem auch das Securitypersonal sein OK gibt, steht einer ruhigen Nacht nichts mehr im Weg. Kurz vor dem Einschlafen bringen mir die Buben auch noch Essen und Trinken vorbei. Auch hier unglaubliche Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft.
13.06. Nach dem ich gut geschlafen habe, werde ich heute mit dem ersten Tageslicht bereits um 04:20 munter und die Vogerl singen mir ein Gute Morgen Lied. Ich packe meine Sachen zusammen und frühstücke das Brot, die Tomaten und die Sauce Tsatsiki, die mir die Buben gestern Abend noch vorbei gebracht haben.
Frühstück vor der Schule in Librasht – vielen Dank für das Essen Jungs!
Nach einem kleinen Espresso am Stadtplatz gehe ich heute dann meistens entlang der Hauptstraße wieder zurück nach Elbasan wo ich um ca. 15h ankomme. Da ich wieder einmal eine Dusche brauche, quartiere ich mich wieder so wie vor ca. 10 Tagen im Hotel Admiral ein. Ich wasche meine Wäsche und lasse mir dann in der Stadt von einer Näherin meine Gamaschen nähen. Derzeit erhole ich mich gerade im Hotelzimmer und werde morgen weiter Richtung Hauptstadt Tirana gehen.
Im Hotelzimmer des Admiral Hotels in Elbasan
In Tirana bekomme ich ja in den nächsten Tagen wieder einmal Besuch von Andreas aus Wien, der mir u.a. ein neues Paar Schuhe, eine Hirschtalgcreme und einen Moskitospray mitbringt. Die neuen Schuhe sind eine absolute Notwendigkeit, vor allem wenn ich an meine weiteren Etappen Richtung Montenegro und den Bergen denke.
14.06. Noch einmal lasse ich mir Käse Burek in einem kleinen Laden schmecken, bevor ich mich ein wenig im Bahnhofsgelände von Elbasan umsehe. Ein Mechaniker, der neben der Zugstation arbeitet und gut Englisch spricht, versichert mir, dass an einem Sonntag immer noch ein Zug um 06:30 nach Durres fährt und am Nachmittag wieder zurück. Also ganz lahm gelegt ist der Zugverkehr in Albanien doch noch nicht.
Zugverkehr in Albanien – einmal in der Woche fährt dieser Zug noch die Strecke Elbasan – Durres – Elbasan und braucht für die 59 km in einer Richtung mehr als ca. 2,5 Stunden…
Wobei Tirana doch derzeit den Ruf ‚genießt‘, die einzige Hauptstadt Europas ohne Zugbahnhof zu sein. Das Bahnhofsgelände von Tirana musste vor einigen Jahren einem Boulevard weichen. Ca. 8km außerhalb von Elbasan werde ich in einem Restaurant zu einem zweiten Frühstück mit Burek, Milch und Cola eingeladen. Dann gehe ich auf kleinen Wegen entlang des Kushja Flusses das Tal hinauf Richtung Norden und Tirana. Am Weg hinauf zum Pass fülle ich immer wieder meine Wasserflasche mit gutem und kaltem Wasser auf. Das Wasser hier in Albanien schmeckt ausgezeichnet, weil es von den Bergen kommt. Warum habe ich wohl noch kein schlechtes Bier in Albanien getrunken? 🙂 Die verschiedenen Biersorten Korça, Elbar, Stella, etc schmecken allesamt sehr gut. Über den Pass auf einer Höhe von mehr als 600 Metern kann ich in weiter Ferne schon die Hauptstadt des Landes Tirana ausmachen. Nach einer kurzen Pause hier oben gehe ich dann in die Ortschaft Krrabe runter. In einem Markt kaufe ich Brot, Wurst, Käse und eine Tomate und esse es in einem Café, wo ich eine Cola bestelle. Auf meinem weiteren Weg gerate ich am späten Nachmittag ungewollt in ein militärisches Sperrgebiet und manchmal ist der Weg so verwachsen, dass ich überlege umzukehren. Nach einem kurzen Ausflug in den albanischen ‚Dschungel‘ erreiche ich dann doch wieder einen Weg, der mich wieder gut zur Hauptstraße nach Tirana zurück bringt.
Ein bisschen ausser Atem nach diesem ungewollten Abstecher in das militärische SperrgebietAus diesem Gebiet kam ich raus… Über wieviele Brücken musst du gehen…
Im Restaurant Salleku stärke ich mich mit einem offenen Budweiser Bier und einer Pizza. Der Kellner organisiert mir dann auch ein nettes Plätzchen für mein Zelt, das ich gerne annehme.
15.06. Heute startet der Regen einmal völlig unüblich schon am frühen Morgen. Als würde er wissen, dass er mich so mit meinem Zelt erwischt… 🙂 Also bringe ich zuerst alle Sachen aus dem Zelt in das Trockene der überdachten Terrasse des Lokals und frühstücke einmal. Während einer kurzen Regenpause baue ich dann auch noch das nasse Zelt ab und verstaue es in einem separaten Plastiksackerl in meinem Rucksack. Gegen Mittag erreiche ich dann den großen Stadtpark von Tirana, wo ich derzeit in einem Café meine Sachen zum Trocknen ausgelegt habe.
So schaut die Mittagspause nach einer verregneten Nacht aus – in einem Café im Stadtpark von Tirana
Gesamtkilometer: ca. 7.660
Fazit: Der Abstecher zum Ohridsee hat sich allemal gelohnt und ich habe Lust am Mäandern bekommen. Der See lag ja nicht direkt auf meiner Route in die Hauptstadt Tirana und nach Hause. Von den Erlebnissen, Bekanntschaften, usw war es vielleicht der bisher schönste Teil, den ich in Albanien kennengelernt habe. Unglaublich auch, dass es für viele Jugendliche hier im Land keine Arbeit gibt und daher mehr als die Hälfte der jungen Menschen ihr Glück im Ausland versuchen. Wenn auch nur für ein paar Jahre, um genügend Geld zu verdienen und sich damit in Albanien eine eigene Existenz aufzubauen. Wie die beiden jungen Männer Oli und Sabri, die derzeit in Deutschland Gerüste aufstellen um später wieder in ihre Heimat zu ihren Familien und Freunden zurückzukehren. Man sieht die Dinge schon mit anderen Augen wenn Du solche Geschichten hörst und miterlebst…
Ich freue mich jetzt auf ein paar schöne und erholsame Tage in Tirana mit meinem Freund Andreas. Und auch meine Füße werden sich freuen, da sie ja neuen Untersatz bekommen.
27.05. Die Hausherrin macht mir heute bereits um 6:30 das Frühstück, da mein Bus um 7:30 von Gjirokaster zurück nach Kelcyre geht. Am Weg runter zur Busstation kaufe ich noch schnell in der Bäckerei Essen für den Tag ein und komme ein paar Minuten vor halb acht zur Busstation. Der Bus ist bereits voll und abfahrbereit und ich bekomme gerade noch einen Platzerl in der hinteren Reihe. Dann geht es los und nach weniger als 1 Stunde bin ich wieder in Kelcyre am Fluß Vjosa. Dort wo ich ja vor einigen Tagen vor dem Abstecher an das Meer meine Wanderung unterbrochen habe. Von hier habe ich heute vor wieder weiter zu wandern, und zwar über einen ca. 900 Meter hohen Berg in das Osumtal. Zuvor trinke ich aber noch einen Kaffee in Kelcyre und der Besitzer füllt mir dann auch noch die Wasserflaschen auf.
Beim Kaffeeplausch in Kelcyre – auch hier eine Lieblingsbeschäftigung, hauptsächlich der Männer
Es gibt hier in Albanien in fast allen Cafés schon Wifi und so beantworte ich auch noch meine elektronische Post. Erst so um 10h starte ich dann von Kelcyre zur ca. 30 km entfernten Osum Schlucht. Mit den ca. 800 Höhenmeter ist mir klar, dass ich nicht zuviel pausieren darf um noch vor Einbruch der Dunkelheit dort anzukommen. Es geht gut voran und am Weg begleiten mich auch für ca. 2 Stunden 3 junge Buben, denen es sichtlich Spaß macht mit einem ‚Tourist‘ ein Stück mitzuwandern.
Den drei Buben machte es Spaß mich ein Stück auf meinem Weg zu begleiten – und sie hatten Spaß mit den Wasserpfützen
Dann drehen sie wieder um und ich gelange am frühen Nachmittag bei einem Weiler vorbei. Der Hausherr begrüßt mich freundlich und interessiert sich woher ich komme. Mit Händen und Füßen erkläre ich ihm mein Unterfangen und schließlich lädt er mich auf einen Kaffee in sein Haus ein. Lefte, so sein Name, ist 69 Jahre alt und lebt hier mit seiner Frau Florie. Die 5 Kinder leben in Italien, Griechenland und ein Sohn ist Arzt in Permet. Es gibt zum Kaffee auch ein Stamperl Raki, der mir schon vom letzten Jahr in Serbien und Kosovo bekannt ist.
Herzliche Einladung bei Lefte (links) und seiner Frau Florie (rechts). Auch Nachbarin Ailda kam dann noch vorbei – vielen Dank!
Bei der Verabschiedung lässt er es sich nicht nehmen, mir noch ein kleines Flascherl von dem selbstgebrannten Traubenschnaps mitzugeben. Energie, Energie – meint Florie schmunzelnd. Dann verabschiede ich mich von diesem liebenswerten Ehepaar, da sich der Himmel wieder einmal verdunkelt. Am höchsten Punkt angekommen, mache ich eine kurze Pause und beim Weggehen beginnt es zu donnern und zu regnen. Es geht bergab und da der Weg erdig ist, wird es eine kleine Rutschpartie. Am Weg sehe ich auch einen hängengebliebenen deutschen Campingbus ohne Insassen. Die sind wohl auf dem Weg um Hilfe zu holen,denke ich mir nur.
Hängengebliebener Campingbus mit deutschem Kennzeichen
Wenig später kommt auch schon ein 4×4 Gefährt mit Touris auf der Rückbank und während ich mich schon der Osum Schlucht nähere, überholt mich der deutsche Campingbus auch schon. Sie bleiben stehen, es sind dies Katrin und Moritz aus der Nähe von Stuttgart. Sie erklären mir, dass sie von einer Frau absichtlich in eine Falle gelockt wurden. Die Frau meinte, man könne da schon fahren. Natürlich sind sie dann hängen geblieben und nur gegen 200 Euro hat sie der Bekannte der Frau mit dem Allradauto rausgezogen. Sie haben es aber schon wieder gut verkraftet und können darüber schon wieder lachen. Gute Heimfahrt noch!
Moritz und Katrin können schon wieder lachen… 🙂
Erst als es schon fast finster wird, komme ich beim Osum Canyon an und genieße die schöne Abendstimmung. Auf einem kleinen Parkplatz direkt bei der Brücke über den Canyon schlage ich mein Zelt auf und verbringe eine schöne Nacht.
Abendstimmung am Osum Canyon
Oft denke ich mir vor dem Einschlafen solcher Tage, was nicht so alles passieren kann an einem Tag.
28.05. Heute werde ich von einem vorbei gehenden Schafhirten geweckt, der nach seinen Schafen ruft. Mein Zelt ist durch die Nähe zum Fluss und der Luftfeuchtigkeit klitschnass und ich packe es auch so ein.
Mein Schlafplatz am Osum Canyon
Am Weg entlang des Canyons bieten sich immer wieder schöne Ausblicke an.
Osum Canyon am Weg nach CerovodaSchöne Aussicht auf den Osum Canyon
Gegen 10h erreiche ich bei Sonnenschein Cerovoda, wo ich mir Brot und Fetakäse zum Frühstück kaufe. Ich gehe in einen nahegelegenen Park, packe alle meine Sachen aus und während das Zelt, etc in der Sonne trocknet, lasse ich mir das Frühstück schmecken. Ca. 1 Stunde später ist wieder alles trocken. Nach einem weiteren Regenschauer und einem Gewitter am Abend gelange ich wieder bei Schönwetter in die Stadt Polican.
Feldarbeit am Weg nach PolicanMilitärgelände kurz vor Polican – Betreten strengsten verboten!
In einer Bäckerei kaufe ich mir einen frisch gebackenen Strutzen Brot und setze mich damit in ein Kaffee. Auffallend in dieser kleinen Stadt ist, dass es genau eine ca. 200 Meter lange Promenade gibt, auf der die Leute auf und ab gehen. Fast so wie in vergangenen Jahrhunderten… Ich beobachte das natürlich und gehe dann auch einmal auf und ab:-)
Dann erblicke ich eine Moschee und der Imam winkt mich zu ihm hinauf. Ich erkläre ihm woher ich komme, etc und frage ihn ob ich im überdachten Vorbereich der Moschee übernachten könne. Kein Problem, meint er, ich solle so um 22:30 wieder kommen, dann sind alle Gläubigen weg. So sitze ich derzeit in einem Café und warte bis die Luft rein ist bei der Moschee… 🙂
Schlafplatz bei der Moschee in Polican – zentral und mit eigener Terrasse… 🙂
Anfangs ist es noch eine Weile ziemlich laut bei der Moschee weil vorbeifahrende Jugendliche laut Musik in ihren Autos bei offenem Fenster spielen. Ich stecke meine Ohrenstöpsel rein und gegen 23h wird es dann endgültig ruhig. Ich verbringe eine ruhige Nacht am Hauptplatz von Polican.
29.05. Mit dem ersten Licht packe ich meine Sachen und esse in einem der offenen Cafés mein restliches Brot und Fetakäse von gestern zum Frühstück. Ein kleiner Espresso, kostet zB hier 50 LEK (ca 50 Cent), darf nicht fehlen. Wie schon in den letzten Wochen ist es auch heute vormittag wieder sonnig und am Nachmittag steht ein Gewitter mit Regen auf dem Programm. Da es nur mehr 24 km in die nächste Stadt Berat sind, versuche ich heute diese noch vor dem Gewitter zu erreichen. Hauptsächlich auf Straßen mit wenig Verkehr gehe ich Richtung Berat, mache zwei Pausen und am frühen Nachmittag komme ich auch schon in Berat an. Berat wird auch die Stadt der Tausend Fenster genannt, weil es im Stadtteil Mangalem viele hintereinander liegende Häuser an einem Berghang gibt und so u.a. auch viele Fenster zu sehen sind.
Stadtteil Mangalem – diesem Anblick hat die Stadt auch den Beinamen ‚Stadt der tausend Fenster‘ zu verdankenHäuser im Stadtteil Mangalem
Ina, die Rezeptionistin vom Hotel Republika, macht mir einen guten Preis und ich werde hier zumindest zwei Nächte in dieser Stadt verbringen. Während ich mich dusche beginnt es draußen auch schon zu donnern und ich lasse dann auch den ärgsten Regen vorüber gehen. Gegen Abend wird es dann wieder sonnig und ich mache eine Runde in dieser kleinen Stadt am Osum Fluss gelegen. Die Stadt und die Gegend hier ist vor allem auch für seinen Wein bekannt, meint Ina. Und so trinke ich im Hotel Colombo ganz schön vornehm ein gutes Gläschen Rotwein.
Hotel Colombo – ehemalige Universität von Berat…
Der Kellner erzählt mir, dass sich in diesem großen Gebäude bis 2014 die Universität von Berat befunden hat. Im Jahr 2013 kam es in Albanien zu einem Regierungswechsel und der Besitzer entschloss sich dieses Gebäude in ein Hotel umzubauen. Wer jetzt hier studieren will, muß in die Hauptstadt Tirana gehen.
Gorica Brücke in BeratBlick auf den Stadtteil Mangalem
Während ich mir den Wein schmecken lasse, höre ich auch das erste Mal seit ich in Albanien bin einen Muezzin, der zum Gebet ruft. Religion hat hier in diesem Land dennoch wie ich finde, keinen sehr hohen Stellenwert. Während der kommunistischen Zeit unter Enver Hoxha wurden gar viele Gebetsstätten umfunktioniert oder gleich in die Luft gesprengt. Der Großteil der Albaner ist muslimisch, Christen (sowohl Orthodoxe als auch Katholiken) sind in der Minderheit. Auch habe ich bisher noch keine Kirchenglocken gehört. Am Abend genieße ich noch das Treiben auf dem Republika Boulevard und gehe dann schlafen.
30.05. Wie gut ist es einmal wieder aufzuwachen und zu wissen, dass ich liegen bleiben kann, etc… Um 8h gibt es Frühstück und am Vormittag schaue ich mir noch einmal den Stadtteil Gorica auf der anderen Seite des Osum Flusses an.
In den kleinen Gassen von Berat
Alte Steinhäuser, ähnlich wie in Gjirokaster, mit vielen kleinen Fenstern um möglichst viel Licht in die Wohnräume zu ermöglichen. Nach einem Espresso mit Einheimischen gehe ich in Richtung Waschsalon, wo ich gestern meine Wäsche zum Waschen abgegeben habe. Das Kilo kostet 300 Lek, da fang ich nicht zum Schruppen an. Am Weg dorthin kann ich einen Blick in die sonst gesperrte Königsmoschee ergattern. Ein wahres Juwel aus dem 15. Jahrhundert, in der ausser dem Teppich und den Lustern alles noch original ist, wie uns ein lokaler Führer erzählt.
Königsmoschee aus dem 15. JahrhundertIm Inneren der Königsmoschee aus dem 15. Jhdt – ausser Teppich und Luster noch alles original! Vor allem die Holzdecke finde ich sehr schön und einzigartig in dieser Form.
Dann hole ich die Wäsche ab und wechsle im Hotel wieder mein Gewand. Dabei verlängere ich noch um eine Nacht, da es mir sehr gut gefällt hier und ich auch ein bisschen Rast brauche. Zumittag esse ich Biftek Vienez, mit Käse gefülltes Rindfleisch, eine Spezialität von Berat. Natürlich ein weiterer Tipp von Ina… 🙂
Biftek Vienez – mit Käse gefülltes Rindfleisch, eine Spezialität von Berat! Erinnert irgendwie an ein Cordon Bleu vom Geschmack her…
Im Anschluss telefoniere ich wieder einmal mit einigen Leuten zuhause und verbringe den Nachmittag und Abend in den Stadtteilen Gorica und Mangalem.
Über den Dächern von Gorica, einem Stadtteil von der albanischen Stadt Berat
Am Abend verkoste ich eine weitere Spezialität von Berat. Es ist dies Fergese, ein Gericht, das aus Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Fetakäse und Joghurt in einer Auflaufform gebacken wird – exzellent!
Fergese, eine weitere Spezialität von Berat – guter Wein aus der Region um Berat darf nicht fehlen… 🙂
Auf dem Rückweg zum Hotel bemerke ich, dass die Junggesellen Moschee gerade offen ist. Wenn nicht in diese hinein gehen, in welche dann… Und sie lassen mich auch drinnen sein während sie ihr Gebet verrichten.
Gläubige Sunniten beim Abendgebet – in der Junggesellen Moschee von Berat
31.05. Nach dem Frühstück gehe ich heute zur Burg hinauf, deren Überreste auf einem Berg über Berat thronen.
Burg Berat
Ich schaue mir das nationale ikonografische Museum Onufri an, das sich in der Maria Himmelfahrtskirche aus dem 17. Jhdt befindet. Onufri war ein albanischer Maler im 16. Jhdt, nach dem dieses Museum benannt wurde. Sehr beeindruckend all die Ikonen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.
Eingang zur Maria Himmelfahrtskirche, in der sich das ikonografische Museum Onufri befindetIm Inneren der Maria Himmelfahrtskirche Ikonen am geschnitzten Altar – in der Maria Himmelfahrtskirche auf der Burg BeratOriginale Freskomalerei in der Maria Himmelfahrtskirche
Vom Burgberg, wo immer noch Einheimische leben, bieten sich schöne Ausblicke auf die restliche Stadt und deren Umgebung.
Blick von der Burg auf die byzantinische Dreifaltigkeitskirche und die UmgebungBlick von der Burg auf die Stadt Berat und dem Osum FlussKirche am Burgberg – zu kommunistischen Zeiten zerstört und jetzt wieder in Betrieb genommen.
Zumittag esse ich gebratene Köfte und trinke dazu ein Gläschen Rotwein. Hauptsächlich Merlot wird hier angebaut und getrunken, wie mir der Kellner erzählt. Da es wieder finster wird am Himmel gehe ich ins Hotel zurück und mache eine kleine Mittagspause. Dabei schlafe ich ein und werde erst um ca. 17h wieder wach. Am Abend telefoniere ich mit Muttern. Sie arbeitet und spritzt schon wieder ohne Stecken die Blumen im Garten, unverwüstlich… 🙂 Morgen geht es weiter Richtung Elbasan und Ohridsee.
01.06. Die Angestellten lassen mich um halb sieben in der Früh von dem Frühstück kosten, das gerade zubereitet wird. Bevor es fertig ist, bin ich schon wieder mit meinem Rucksack unterwegs. Entlang des Osum Flusses gehe ich die Stadt auswärts Richtung Norden und Elbasan.
Abschied von der schönen Stadt Berat Monument im Gedenken an den 2. WK, am Stadtrand von BeratSchulkinder zwischen Berat und Kucove
Gegen Mittag erreiche ich die kleine Stadt Kucove, wo ich Tasqebap (Suppe mit Kalbfleisch) esse. Nach ca 1 Stunde breche ich wieder auf, komme aber nicht weit, weil ein starker Regen mit Gewitter einsetzt. Bei einem Eis in einem Café sitze ich das ganze aus und nach 1 Stunde hat es sich wieder beruhigt. Mir sind solche Gewitter nur recht, weil sie auch immer wieder die Temperaturen abkühlen. Am Abend komme ich in die Ortschaft Kujan. Agron, der griechische Besitzer eines Cafés, lädt mich auf eine Cola ein und meint, ich könne problemlos vor der Schule übernachten.
Agron, der Grieche, in der Ortschaft Kujan – vielen Dank!
Vor der überdachten Eingangstüre der Schule baue ich unter Beobachtung vieler, fast schon zuvieler, Einheimischer mein Nachtlager auf und verbringe eine ruhige Nacht im Freien.
Wieder einmal eine Übernachtung vor einer Schule – in meiner Jugend wäre mir das NIEEE in den Sinn gekommen… :-)))
02.06. Um 6h früh kommt der Schulwart vorbei um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich verschwinde. Ein bisschen viel der Beobachtung, etc denke ich mir nur und trinke vorerst einmal bei Agron einen Kaffee. Wir tauschen FB Kontakt aus und er empfiehlt mir am Weg nach Elbasan auch in das hübsche Städtchen Belsh vorbei zu schauen, was ich auch mache. Es liegt schön an einem See und ich mache eine Pause hier und esse Käse Burek.
Belsh, eine albanische Kleinstadt an einem See gelegen
Es wird jetzt schon wieder ganz schön warm untertags und Temperaturen gegen 30 Grad sind keine Seltenheit. Zumittag esse ich in der Stadt Cerrek Fisch von einem der vielen Seen hier, bevor am Nachmittag (Gott sei Dank) sich der Himmel wieder verdunkelt. Das nachmittägliche Gewitter zieht wieder einmal auf, allerdings sehr schwach im Vergleich zu den Vortagen.
Auch diesen Schafhirten stört der leichte Regen nicht sonderlich…
Leichten Regen empfinde ich in der Zwischenzeit schon als angenehm und da lass ich auch meine Regenjacke im Rucksack um sie nicht unnötig nass zu machen… 🙂 Gegen 18h erreiche ich nach fast 40 km doch etwas müde Elbasan, mit über 100.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Albaniens. Im Hotel Admiral finde ich ein günstiges und großes Zimmer und ich genieße eine heiße Dusche. Am Abend mache ich noch eine Runde in der Stadt, in der die Touristen fehlen, wie angenehm.
03.06. Wieder ausgeschlafen esse ich zum Frühstück Käse Burek und Pljeskavica, das ich aus Serbien vom letzten Jahr bereits kenne. Dann beschließe ich eine weitere Nacht hier zu bleiben, es gibt hier einiges zu sehen. Einen Markt, Kirchen, alte Moscheen und vor allem eine albanische Stadt ohne dem Schnickschnack für Touristen.
Gottesdienst in einer orthodoxen Kirche, es gab auch Süßigkeiten zum Essen – in ElbasanMänner beim Spiel in einem der Parks von Elbasan Monument von Aqif Pashe, einem albanischen Politiker, der sich vor allem um einen unabhängigen Staat Albanien einsetzte. Was ja auch 1912 gelang…Uhrturm von ElbasanGläubiger Muslim beim Lesen des Koran – vor der Königsmoschee in ElbasanEingang zur Heiligen Stefanskirche – in Elbasan
So durchstreife ich heute die Stadt und sitze gerade beim Nachmittagskaffee, wo ich diese Zeilen schreibe.
Tave Kosi, auch Tave Elbasan genannt, weil diese Speise hier in Elbasan ihre Herkunft hat – Lammfleisch in einer joghurtähnlichen Sauce, sehr gut!
Gesamtkilometer: ca. 7.410
Fazit: Albanien ist ein unglaublich abwechslungsreiches Land mit schönen Städten, ursprünglicher Natur und guter Küche, die stark von der Türkei und Griechenland geprägt ist. Die Einheimischen sind meist freundlich, manchmal auch etwas zurückhaltend oder ängstlich. Aber das legt sich oft nach einem kurzen Wortwechsel. Ich freue mich auf eine weitere schöne Zeit in diesem bemerkenswerten Land.
20.05. Nach ca. 4 Stunden Gehzeit und einer letzten Einladung auf einen griechischen Kaffee und Tsipouro in der Ortschaft Aetopetra, gelange ich nun tatsächlich bei Mertziani an die Grenze zu Albanien. Somit erfüllt sich für mich ein weiterer, lang gehegter Wunsch, da ich dieses Land schon seit vielen, vielen Jahren einmal besuchen wollte. Der griechische Grenzbeamte scherzt noch ‚Why do you want to go to Albania, it is so beautiful here in Greece‘, aber jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Albanien, ich komme…
Auch auf der albanischen Seite der Grenze alles sehr entspannt, dieser Grenzübergang ist alles andere als überlaufen. Es gibt auch keinen Stempel in den Reisepass mehr.
Erster stop in Albanien, die Grenze befindet sich ca. 100 Meter von hier…
Jetzt geht es also das Vjosatal flussabwärts Richtung Landesinnere von Albanien. Albanien, das Land der Skipetaren, wie es Karl May einst einem seiner Bücher nannte. Das erste was mir auffällt, sind die vielen grünen und wilden Wiesen mit all den verschiedenen Wiesenblumen. Es wird hier nicht gedüngt, was den Blumen und den verschiedenen Arten von Vögeln viel Freiraum bietet.
Wiesenblumen wohin das Auge reicht, es wird hier nicht gedüngt…
Nach ca. 1 Stunde Gehzeit erblicke ich ein Pärchen in der Wiese sitzend und ich gehe auf sie zu. Es sind dies Jutta und Erik aus dem deutschen Marburg bei Kassel, die hier mit ihrem Schlafwagen unterwegs sind. Sie laden mich auf ein Butterbrot ein und wechseln mir 10€ auf albanische LEK um (1€ = ca. 110 LEK). So halte ich zumindest fürs erste auch einmal diese für mich neue Währung in der Hand und kann eine Kleinigkeit bezahlen bis ich in die nächst größere Stadt komme. Es werden aber auch Euro akzeptiert, wie sie mir versichern. Die Albaner sind froh wenn Devisen in das Land kommen.
Erstes Picknick in Albanien – mit Jutta und Erik aus Marburg bei Kassel
Viele Mercedes unterschiedlicher Baujahre, meist ältere, prägen das Straßenbild hier in Albanien. Ich solle mich in acht nehmen vor den Autofahrern, manche sollen auch ohne Führerschein unterwegs sein,meinen sie. Bis 1990 durften die Einwohner Albaniens in der sozialistischen Ära kein eigenes Auto besitzen. Das erklärt wohl die große Dichte an Mercedes, sie haben ganz einfach Aufholbedarf. Nach ca. 1 Stunde und vielen Informationen gehe ich dann weiter und noch etwas fällt mir auf. Diese plötzliche Dichte an Wohnmobilen größtenteils aus Deutschland, aber auch von anderen Ländern. Mir kommt vor, dass ich hier sehe innerhalb zweier Stunden mehr Wohnmobile als in Griechenland in 4 Wochen sehe… 🙂 Albanien scheint bereits hoch oben auf der Liste vieler Urlauber zu sein. Ich gehe heute nur bis zur Ortschaft Carcove, wo ich in einem kleinen Restaurant eine Gemüsesuppe esse.
Erstes Menü in Albanien, alles wieder einmal unerklärlich – im Restaurant in der Ortschaft Carcove, im Hintergrund die freundliche Besitzerin Anna
An den Behausungen und den Kleidungen der Leute sieht man auch gleich, dass Albanien ein viel ärmeres Land ist als Griechenland. Auch die Lebensmittelläden sind hier um einiges spartanischer gefüllt als im EU Land Griechenland. Der Gang der Leute um vieles langsamer. Dafür ist auch das Preisniveau deutlich niedriger was Albanien immer noch zu einem billigen Urlaubsland macht. Kosta, der Sohnemann von Anna, zeigt mir seine Schule und meint, ich könne problemlos hier übernachten. Es ist ja heute Samstag und morgen ist die Schule eh geschlossen. Er ist übrigens der einzige in der Klasse und genießt sozusagen Einzelunterricht. Sowas wäre bei uns unvorstellbar.
Übernachtung vor der Schule in Carcove – wäre ich doch in jüngeren Jahren so eifrig gewesen… 🙂
21.05. Nach einer kurzen und von vielem Hundegebell begleiteten Nacht, stehe ich um 5h früh auf. Die Zeit geht hier auch um 1 Stunde gegenüber Griechenland vor, sodass ich mich jetzt wieder in derselben Zeitzone befinde wie zuhause in Österreich. Ich trinke noch kurz einen Espresso und verabschiede mich von dieser Ortschaft. Es geht jetzt auf dem linken Flussufer die Vjosa flussabwärts Richtung Landesinnere. Das Gewässer der Vjosa steht seit März 2023 unter Naturschutz und wurde zum Nationalpark erklärt. So dürfen die geplanten Staudämme nicht gebaut werden. Albanien hat eh einen Überschuss an Energie und exportiert diese sogar. So macht diese Entscheidung absolut Sinn.
Der Fluss Vjosa steht seit März 2023 unter NaturschutzDiese Brücke lasse ich dann doch aus…
Gegen Mittag erreiche ich die Ortschaft Petran wo ich eine Suppe mit Ei, Zitrone und Reis esse Großmutterssuppe wird sie hier genannt. Danach esse ich noch einen gebratenen Fisch aus der Vjosa mit Pommes frites und Salat, das ganze um 800 LEK, also umgerechnet ca. 7,50€.
Rafting im Fluss Vjosa, beliebt bei Touristen – hier in der Ortschaft Petran
Thair (Abud), der gerade an das Kap der Guten Hoffnung geht, hat mir empfohlen von hier bis zur Kadiut Brücke und weiter zu gehen, es sei sehr schön hier. Und für wahr, er sollte recht behalten. Als ich der Kellnerin meine Absicht erkläre von hier in ein Seitental zu wandern, bringt sie mich mit einem einheimischen Schafhirten in Verbindung, der sich hier gerade mit einem Energy drink stärkt. Sie meint, er sei gerade dorthin unterwegs, ich solle mich bei ihm anhängen. Er wird mir zeigen wo es wirklich schön ist. Nach einer abenteuerlichen Fahrt auf schlechten Wegen erreichen wir in seinem Nissan Geländewagen nach ca. einer halben Stunde das Plateau des Lengarice Canyons. Einige seiner Schafe sind auf der Ladefläche mit dabei.
Fredi ist ein absoluter Draufgänger und Allrounder – vielen Dank!!!
Bis zu 150 Meter geht es hier runter und wir genießen die Aussicht. Fredi, so heißt der Schafhirt, hat auch noch Pferde, Eseln und Bienen und meint, dass vor allem die Wölfe hier für die Schafe gefährlich seien. Braunbären weniger, na dann… 🙂 Zuletzt zeigt er mir noch den Weg hinunter in den Canyon zu der alten Kadiut Steinbrücke aus der Zeit der Osmanen. Dort befinden sich auch warme Thermalquellen, die sogenannten Benja Thermalquellen. Dann verabschiedet er sich, da er jetzt seine Schafe melken gehen muß.
Am Plateau des Lengarice Canyons
Interessant war auch was er über Enver Hoxha, den kommunistischen Diktator der sozialistischen Volksrepublik Albaniens zwischen 1944 und 1985, sagte. ‚Natürlich habe er das Land völlig isoliert und die Leute unterdrückt bzw. Gegner verschwinden lassen, etc… Auch war jeglicher Tourismus verboten. Aber er habe auch das Gesundheits- und Schulwesen wie Universitäten, etc. aufgebaut.‘ Ein bisschen wie Kuba, denke ich mir nur… Vielen Dank Fredi, ohne Dich hätte ich diese Aussichtspunkte nie gefunden. Wieder alleine, genieße ich die Landschaft von hier oben und gehe dann hinunter in den Lengarice Canyon. Ich beobachte Fischer, die hier im Lengarice Fluss ihr Glück versuchen.
Fischer im Lengarice Canyon
Dann entledige ich mich meiner Kleidung und genieße eine dieser natürlichen Schwefelquellen. Frisch gebadet, esse ich mitgebrachte Jausenbrote und schlafe in einer der kleinen Hütten, die hier gerade gebaut werden.
Die berühmte Kadiut Brücke über den Lengarice Fluss. Es ist eine alte Steinbrücke aus dem 18. Jahrhundert und markiert den Start der wunderschönen Lengarice Schlucht
22.05. Noch vor 5h packe ich heute meine Sachen zusammen. Die Tage sind jetzt wieder lange und vor allem in der Früh, wenn alles noch schläft, bin ich gerne unterwegs. Ich gehe dann das Seitental wieder hinaus nach Petran, wo ich im selben Restaurant wie gestern einen Kaffee trinke und frühstücke. Wieder entlang des linken und ruhigeren Flussufers entlang gehe ich weiter und erreiche am späten Vormittag die erste albanische Stadt Permet.
Pferde werden hier vor allem zur Arbeit eingesetzt
Für heute Nachmittag ist schlechtes Wetter angesagt und da ich eh einige Sachen zu erledigen habe, entschliesse ich mich hier eine Nacht zu verbringen. Im Hotel Permeti finde ich direkt am Hauptplatz eine schöne Unterkunft und die Angestellte kümmert sich auch gleich um meine Wäsche.
Hotel Permeti direkt am Hauptplatz von Permet – meine UnterkunftBäckerei in Permet
Frisch geduscht gehe ich mit meinem Rucksack zum Schuster, der mir mit seiner Ahle und Nadel meinen Traggurt wieder nachnäht. Nach längerer Suche finde ich auch einen Geldwechsler, der mir übrige USD in albanische Lek (ALL) wechselt (1 USD = 102 All). So ganz nebenbei macht er auch noch Hamburgers… 🙂 Die meisten ATMs verlangen hier alle zwischen 8 und 10% Gebühren, was das Geldabheben mit der Bankomatkarte sehr teuer macht. Wer also vor hat Albanien zu besuchen – am besten Devisen mitbringen und hier vor Ort wechseln. Man bekommt so den besten Kurs und zahlt auch keine zusätzlichen Gebühren. Die Albaner freuen sich über Devisen. Und sonst halt wenn es geht mit der Kreditkarte, zB mit der Visakarte bezahlen. Bei einem Berber (nicht bei einem Marrokaner sondern so heißt hier der Friseur) lasse ich mich dann auch wieder einmal schön machen, inklusive Nassrasur und Haareschneiden.
Einmal Schönmachen bitte – der Friseur in Permet machte einen guten Job
Er verlangt 700 ALL dafür und macht es sehr gut wie ich finde. Dann wird es schon 15h und mein Magen meldet sich. Ich esse eine Hühnersuppe und einen Walnusskuchen bevor ich mich ein wenig im Hotelzimmer ausruhe. Auch hier in diesem Teil Albaniens, der auch Nordepirus genannt wird, sind zwischen 15h und 17h die Geschäfte geschlossen. Der Nordepirus war bis 1913 griechisch, so erinnert die siesta dann doch noch ein wenig an den Nachbarn. Albanien ist mit seinen knapp 3 Mio. Einwohnern auch noch ein relativ junges Land. Erst nach den Balkankriegen gegen die Osmanen wurde 1912 in der albanischen Küstenstadt Vloha die Unabhängigkeit ausgesprochen, 1913 wurde es von den Großmächten auch anerkannt. Gegen 17h besuche ich noch eine Moschee, in der sich einige Sofas zum Sitzen befinden. Auch das habe ich noch nie gesehen, finde ich aber sehr gemütlich. Ein junger Muslim erklärt mir dann, das die meisten Muslims in Albanien Sunniten sind und auch fünf mal am Tag beten. Der Islam wird hier allerdings sehr liberal gelebt, ich habe bis jetzt noch keinen Muezzin rufen gehört. Und eine Sofa zum Sitzen auch noch nie… 🙂
Einheimische beim Tratsch – in einem Park von Permet
Am Abend trinke ich am Hauptplatz noch einen Kaffee und esse im guten Restaurant Trifilia eine Pizza Capricciosa und ein Glas Rotwein. Beste slow food Qualität! In der Zwischenzeit hat es auch wieder gedonnert und zum Regnen begonnen, hoffentlich ist das Wetter morgen wieder besser.
23.05. Ich werde mich jetzt mit dem Geschichtsunterricht wieder etwas zurück halten, könnte ja zu viel werden. Aber ich finde es trotzdem bei jedem Land wichtig etwas über die Geschichte zu wissen.
Nationalflagge Albaniens
So erklärt sich vor allem wie, warum, was und wie in einem Land etwas ist. Zum Beispiel auch als ich beim Frühstück heute morgen eine Männer Runde beim Cafe fragte, ob ich von Ihnen ein Foto machen dürfe. Mir war sofort an den Reaktionen klar, dass das nicht geht… Es bestätigt auch meinen ersten Eindruck, den ich in den ersten Tagen hier in diesem Land bekam. Die meisten Leute sind freundlich und nett. Allerdings auch etwas distanzierter, verschlossener und zurückhaltender Touristen gegenüber als in anderen Ländern. Die Geschichte spielt hier sicherlich eine Rolle.
Entlang des linken Vjosa Flusses gehe ich dann heute bis Kelcyre.
Frisch geschniegelt geht es heute wieder entlang des Vjosa Flusses weiter und ich überquere wieder einige dieser HängebrückenEine der vielen Hängebrücken über den Vjosa Fluss
Bevor ich von hier weiter über den Berg zum Fluss Osum gehe, möchte ich allerdings noch einen Abstecher zum Meer machen. Natürlich um nach einigen Tagen wieder hierher zurück zu kommen und von hier weiter zu gehen. Der Kellner in einem Restaurant deutet auf einen Minibus, der direkt nach Saranda, einer Küstenstadt an der albanischen Adria, fährt. Nach zweimal umsteigen komme ich nachmittags in Saranda an und quartiere mich für 20€ die Nacht im guten Hotel Veli ein.
Im Hafen der Stadt Saranda an der adriatischen Küste Albaniens
Am Abend durchstreife ich den Hafen und die Promenade bevor ich im Fischrestaurant Filipi einkehre. Erian, der Angestellte vom Hotel, hat es mir empfohlen. Ich trinke einheimisches Korca Bier und esse ein gemischtes Teller mit Tintenfisch und Shrimps – beste Qualität zu günstigen Preisen. Da ich müde bin, gehe ich früh schlafen.
Abendessen im Fischrestaurant Filipi in Saranda
24.05. Richtig gut ausgeschlafen und voller Tatendrang wache ich heute auf. Ich gehe in eine Bäckerei frühstücken und trinke in einem Café einen albanischen Kaffee. Um 8h steige ich in einen öffentlichen Bus, der mich für 200 LEK via Ksamil in das ca. 20 km entfernte Butrint fährt. Es gibt hier den sogenannten Butrint Nationalpark, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
Byzantinische Kirche aus dem 6. Jhdt nach Chr. – im Nationalpark Butrint Büste der Göttin von Butrint – auf der Burg von Butrint
Es ist dies die meist besuchteste archäologische Stätte Albaniens, in der es noch alte Ruinen aus der hellenischen, römischen und byzantinischen Ära gibt. Für Interessierte hier mehr dazu von Wikipedia – – > https://en.m.wikipedia.org/wiki/Butrint_National_Park
Ca. 3 Stunden dauert mein Rundgang durch wunderschöne Natur gemischt mit Überresten eines Amphitheaters, einer byzantinischer Basilika aus der frühchristlichen Zeit und einer Burg, von wo man auch schön auf die nahegelegene griechische Insel Korfu sieht.
Blick von der Burg in Butrint auf die nahegelegene griechische Insel Korfu Amphitheater in der antiken Stadt Butrint
Um die Mittagszeit nehme ich wieder einen öffentlichen Bus und steige diesmal im Küstenort Ksamil aus. Es gibt hier weisse Sandstrände und gilt als die ‚Karibik‘ Albaniens. Gleich vorweg, es ist hier sehr schön und gute Stimmung, aber mit der Karibik wohl nicht zu vergleichen.
Weisse Sandstrände und gute Stimmung wie hier am King’s Beach in Ksamil locken Touristen aus aller Welt an
Ich sitze gerade in einem Café mit Blick auf das Meer und überlege gerade ob ich den Sprung in das kühle Nass wagen soll. Badehose und Handtuch habe ich mir ja vom Hotel mitgenommen.
Irgendwie sind mir dann die 18 Grad Wassertemperatur doch zu kalt und ich fahre mit dem Bus wieder zurück nach Saranda. Ich steige etwas früher aus und gehe die letzten paar Kilometer zu Fuß zurück in das Stadtzentrum und meine Unterkunft. Es gibt auch hier Kieselstrände und die ersten paar Touristen recken sich schon in der Sonne. Der Küstenbereich ist mit Hotels gefüllt und man kann so schon erahnen, dass hier im Sommer richtig viel los ist. Am Abend gehe ich noch einmal in das Filipi Fischrestaurant bevor ich wieder früh schlafen gehe.
25.05. Mein Bus nach Gjirokaster geht heute um 8h und so frühstücke ich vorher noch in der Bäckerei. Der Kleinbus fährt direkt nach Berat und lässt mich ca. 10 km außerhalb von Gjirokaster aussteigen. Nach einer kurzen Kaffeepause, wo ich Zeuge eines handfesten Streiters von Kartenspielen werde, bringt mich dann ein Einheimischer die letzten Kilometer zur Busstation in Gjirokaster. Gjirokaster, die steinerne Stadt wie sie auch genannt wird, vor allem wegen der vielen steinernen Häuser und Straßen. Und sie ist deshalb auch UNESCO Weltkulturerbe. Die Busstation befindet sich in der neuen Stadt im Tal wohingegen die Altstadt sich am Berg oben in der Nähe der Burg befindet. Nach einigen hundert Metern komme ich an einem Schild vorbei mit der Aufschrift ‚Mani Guesthouse‘. Wir werden uns schnell über den Preis einig, diesmal mit albanischem Frühstück. Am Weg zum Mittagessen komme ich bei einem Folklorefestival vorbei wo ich mit Einheimischen Budweiserbier vom Fass trinke.
Mädchen in ihren traditionellen Trachten – beim Folklorefestival in GjirokasterMänner in ihren traditionellen Trachten posieren mit mir – beim Folklorefestival in Gjirokaster
Ich gehe dann Richtung Basar hinauf, der sich unter der Burg befindet. Viel Souvenirshops und Restaurants, für mich ein wenig zu viel des Guten. Ein ordentliches Gewitter gefolgt von vielem Regen lässt mich aber dann doch auch in ein Kaffeehaus flüchten.
Gewitterregen aam Basar in Gjirokaster
Den Abend verbringe ich in der neuen Stadt, in der es etwas ruhiger abgeht und vor allem die Einheimischen sich befinden.
26.05. Kurz nach 7h klopft es heute schon an meiner Tür. Es ist die Hausherrin, die bereits, wie versprochen für 7h, das Frühstück aufgetragen hat. Es gibt Bergtee, Kaffee, Burek, Wurst, Käse, etc, alles sehr gut. Auf kleinen steinernen Gassen gehe ich dann bis zur Burg hinauf und genieße von da oben den atemberaubenden Blick über die Stadt.
Blick von der Burg auf die Stadt GjirokasterBurg von Gjirokaster, die größte in AlbanienTypische Häuser in der Altstadt von Gjirokaster
Dann schaue ich mir noch das ehemalige Gefängnis in der Burg an. Im Restaurant Lani neben der Burg empfiehlt mir der Besitzer qifqi, überbackene Reisbällchen, zu essen.
Qifqi, überbackene Reisbällchen – eine albanische Spezialität
Dann verkoste ich auch noch Oshaf, ein Dessert mit getrockneten Feigen, Schafsmilch und Zucker. Beides exzellent. Dann telefoniere ich wieder einmal mit Frau Mutter, der es wieder sehr gut geht und schon wieder fleißig im Garten arbeitet.
Gesamtkilometer: ca. 7.250
Fazit: Albanien ist längst kein Geheimtipp mehr bei den Urlaubern. Vor allem bei den Campingurlaubern aus Deutschland steht Albanien bereits hoch im Kurs. Es ist dies wohl die noch unberührte Natur, die hier einzigartig ist. Berge, Seen, Flüsse, Meer und interessante Städte ziehen die Wohnmobile samt Insassen hier an. Und wohl auch die Tatsache, dass Albanien ein sehr günstiges Reiseland ist. Die kommunistische Vergangenheit ist nach wie vor spürbar, sowohl bei den Leuten als auch im täglichen Leben und den Gebäuden. Die Leute sind zum Teil etwas reservierter als in anderen Ländern, aber dennoch sehr freundlich und hilfsbereit.
03.05. Heute mache ich noch einen Tag Pause in der Hafenstadt Nafpaktos, dem ehemaligen Lepanto. Am Vormittag gehe ich zur Burg hinauf von wo sich ein herrlicher Ausblick auf die Stadt und den Golf von Korinth bietet.
Blick von der Burg auf den Hafen von NafpaktosAuf der Burg in Nafpaktos Burg in Nafpaktos
Beim Runtergehen statte ich dem Museum im Botsari Turm einen Besuch ab. Die Ausstellung ist der Seeschlacht von Lepanto im Jahre 1571 gewidmet.
Seeschlacht von Lepanto im Jahre 1571 – Gemälde von George Klontzas (1540 bis 1608) im Botsari Turm
Es war die letzte Galeerenschlacht im Mittelmeer im Zuge der Türkenkriege, bei der die christlichen Mittelmeermächte (Rom, Spanien, Venedig) gegen das osmanischen Reich einen überraschenden Sieg feierten. Dann trinke ich im Hafen einen griechischen Kaffee und genieße das Treiben hier.
Im Hafen von Nafpaktos – die Burg im Hintergrund
Während ich im selben Lokal wie gestern mit Reis gefüllte Paprika und Tomaten esse, setzt dann zumittag das vorhergesagte Unwetter ein.
Ich flüchte daher in das Hotelzimmer. Während es draußen wieder blitzt und donnert, plane ich die weitere Wanderung zur Grenze nach Albanien, die noch ca. 250 km entfernt von hier liegt.
04.05. Noch ein letztes Mal lasse ich mir das Frühstücksbuffet im Hotel Nafpaktos schmecken bevor ich auschecke und mich auf den Weg nach Albanien mache. Zuerst geht es allerdings zum Trichonida-See, dem größten natürlichen See Griechenlands. In Gefira Bania überquere ich den Evinos Fluss, auf dem auch Rafting angeboten wird.
Ein bisschen den Bauch einziehen, dann sollte mich diese Brücke aushalten – in Gefira Bania
Zumittags esse ich mitgebrachte Jausenbrote und einen Apfel. Wasser ist in diesem Teil Griechenlands jede Menge vorhanden und kann aus freier Natur problemlos getrunken werden. Ich habe mir eigentlich vorgestellt in der Ortschaft Kapsorachi etwas am Abend zu essen, nur da gibt es nichts. So gehe ich noch 10 km weiter und erreiche nach mehr als 40 km die Ortschaft Agios Andreas. In einem Lebensmittelladen kaufe ich Brot, Salami, Käse und Tomaten, die ich im daneben liegenden Café mit einer Cola verspeise. In der Zwischenzeit hat wieder Regen eingesetzt und der Besitzer erlaubt mir nach der Sperrstunde um ca. 22h in einem überdachten Durchgang zu seinem Haus zu übernachten. Vielen Dank!
05.05. Nach einer trockenen Nacht packe ich meine Sachen zusammen und frühstücke wieder im Café. Dann gehe ich in die nächste Ortschaft Grammatikou wo gerade ein Gottesdienst stattfindet. Immer wieder schön die Chöre in den orthodoxen Kirchen…
Kirche in der Ortschaft Grammatikou
Dann gehe ich entlang dem Trichonida-See durch wunderschöne Landschaft mit Olivenbäumen, Schilf und Wiesenblumen. Auch Schafhirten habe ich hier getroffen und natürlich mit ihren Hunden Bekanntschaft gemacht.
Olivenbäume am Trichonida-SeeHier will es wieder einmal einer wissen… Es ging um diese Schafherde… Die muß doch beschützt werden! Trichonida-See in Westgriechenland – der größte natürliche See Griechenlands
Gegen 14h erreiche ich die Stadt Agrinio, wo ich am Stadtrand in einer kleinen Taverne Kokoretsi esse. Kokoretsi ist ein Gericht des Balkans und Anatoliens, das aus Lamm- und Ziegendärmen besteht, die um gewürzte Innereien des Lammes (Herz, Nieren, Leber, etc…) gewickelt sind und üblicherweise gegrillt werden.
Kokoretsi – ein beliebtes Gericht in Anatolien und am Balkan, somit auch in Griechenland
Danach kaufe ich mir in einem Intersport neue Socken und schaue in das Stadtzentrum von Agrinio. Am Hauptplatz esse ich ein Eis und beschließe weiter zu gehen, da mir die Stadt nicht besonders gefällt und es noch zu früh zum Rasten ist.
Übergroße Löwenzähne – kurz vor Stratos
Gegen 19 erreiche ich dann die Ortschaft Stratos. Am Abend trinke ich hier noch eine Cola und übernachte mit meiner Isomatte und Schlafsack in der nahegelegenen Kirche unter dem überdachten und gefliesten Vorplatz.
06.05. Die Nacht war nicht gerade ruhig, da die Kirche neben einer stark befahrenen Straße liegt. So stehe ich bereits mit dem ersten Morgenlicht um ca. 6h früh auf. Ich esse noch etwas von dem restlichen Brot, Wurst und Käse von gestern bevor ich um halb sieben losgehe. Es ist deutlich wärmer geworden seit gestern und so beschließe ich jetzt in Zukunft wieder früher als gewohnt zu starten. In der nächsten Ortschaft Lepenou gibt es eine Bäckerei wo ich den Proviant für den Tag einkaufe. Auch telefoniere ich hier wieder einmal mit Frau Muttern, die mir erzählt, dass es heute ein Gartenfest gibt. Auch die Nachbarn sind ihr bei der Arbeit im Garten sehr behilflich, was sie sehr freut!
Gefangen im Zaun – schließlich ließ sich dieses Zicklein nach anfänglicher Angst vor mir doch befreien und hüpfte mir vor Freude noch ca. 10 Minuten nach…
Entlang einer wenig befahrenen Straße gelange ich dann so um 13h in das Bergdorf Kechrinia, wo gerade die Krönung von Charles und Camilla im TV gezeigt wird. Der Pfarrer ist sichtlich angetan davon… 🙂 Ich esse hier die mitgebrachten Sachen, schaue auch ein wenig royale Bilder und gehe um ca. 15h wieder weiter. Auch weil der Barbesitzer zusperrt, von ca. 15 bis 17h ist in Griechenland wie immer Ruhe, die streng eingehalten wird… Ich sitze derzeit in der Ortschaft Sardinia, wo ich mir einen Café freddo genehmige und mich bald auf Übernachtungssuche machen werde. Ich habe natürlich schon etwas im Auge… 🙂 Ich schreibe diese Zeilen während über mir die Schwalben ihre Jungen füttern und am Stammtisch die Männer des Dorfes sich angeregt über alles mögliche unterhalten.
Beide Optionen erwiesen sich als nicht machbar und so suche ich mir bei einbrechender Dunkelheit einen geeigneten Zeltplatz.
07.05. In der Früh packe ich beim Schlag der Kirchenglocken mein Zelt zusammen und frühstücke wieder im selben Café wie gestern. Am Weg nach Menidi am Ambrakischen Golf kommen mir heute wieder viele Schafhirten mit ihren Herden entgegen.
Wandern inmitten von Schafen – auf eines mehr kommt es ja wohl auch nicht mehr an… 🙂Blumen am Weg nach Menidi
Gegen Mittag erreiche ich dann ein Fischrestaurant, wo ich mir einen Meeresfisch mit griechischem Salat und einer Portion Pommes frittes schmecken lasse. Dazu ein Glas Weißwein, alles frisch und köstlich! Dann gehe ich weiter nach Menidi, wo ich in einem kleinen Café mein Zelt trocknen lasse. Hier telefoniere ich auch wieder einmal mit Adi, der heute seinen Geburtstag feiert. Alles Gute und viel Gesundheit! Hier in Menidi knacke ich auch die 7.000 km Marke und das nach einem guten Jahr. Gut Ding braucht Weile… Dann gehe ich noch weiter bis Komboti wo ich gerade am Hauptplatz sitze und diese Zeilen schreibe.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit suche ich mir wieder einen geeigneten Schlafplatz, den ich direkt im Ort in einer kleinen überdachten Nische der Heiligen Georgios Kirche finde. Während ich noch die restlichen Dorfbewohner mit ihren Mopeds und Autos nach Hause fahren höre, schlafe ich zufrieden und früh ein.
Schlafplatz in der Heiligen Georgios Kirche in Komboti – mein aufblasbares Kopfkissen möchte ich nicht mehr missen…
08.05. Bereits um ca. 5h morgens singen mir die vielen Schwalben ein Gute Morgen Lied und auch der Hahn gesellt sich mit seinem Krähen dazu. So bin ich heute schon bei Tagesanbruch um 6h startklar und finde im Ort eine Bäckerei und ein Kaffee, wo ich mir eine Tiropita (Teigtasche mit Fetakäse) und ein Stück Bougatsa (Filoteig mit Creme- oder Grießpudding, meine Lieblingsmehlspeise in Griechenland) mit einem Kaffee schmecken lasse.
Heilige Georgioskirche in Komboti
Dabei entscheide ich mich doch über die Berge via Ioannina nach Albanien zu gehen. Berge ziehen mich also doch immer wieder an… 🙂
Arta und Ioannina – ich komme…
Auf einer wenig befahrenen Straße und einem Schotterweg erreiche ich um die Mittagszeit die 43.000 Einwohner zählende Stadt Arta in der griechischen Region Epirus. Zuerst raste ich bei einem Café freddo und schaue mir dann das kleine und gut gemachte archäologische Museum von Arta an.
Café freddo in Arta Archäologisches Museum in ArtaOpfergaben von einem Altar im Apollontempel von Ambrakia (dem heutigen Arta) – im Archäologischen Museum von Arta Münze mit Alexander dem Großen – im Archäologischen Museum von Arta
Arta liegt an der Stelle des antiken Ambrakia, das etwa 640 v. Chr. als Kolonie Korrinths gegründet und 295 v. Chr. von König Pyrros I zur Hauptstadt seines Reichs gemacht wurde. Der Begriff „Pyrrhussieg“ für einen zu teuer erkauften Erfolg leitet sich von seinem Namen ab. Arta liegt am Fluß Arachthos, über den eine alte und malerische Steinbrücke führt.
Malerische alte Steinbrücke in Arta – Wahrzeichen der Stadt
Dann esse ich in einem kleinen Restaurant Frigadelia, gebratene Lammleber, und finde im Hotel Kronos inmitten der Stadt eine gute Unterkunft zum Entspannen und Erholen.
09.05. Heute habe ich wieder einmal fast durchgeschlafen und ich fühle mich wieder deutlich besser als gestern. Nach einem guten Frühstücksbuffet erkundige ich die Stadt, die auf mich sehr angenehm wirkt. Relativ wenig Verkehr, liebe Gassen und Straßen, viele Cafés und letztlich auch eine Burg aus der byzantinischen Zeit.
Hotel Kronos mit einer Statue des König Pyrros von EpirusAuch Herr Hochwürden nimmt aktiv am Dorfgeschehen teil – im Café des Hotel KronosByzantinische Kirche der Heiligen Theodora aus dem 13. Jahrhundert – in ArtaDeckenfresko in der Kirche der Heiligen Theodora – in ArtaHeilige Theodora mit ihrem Sohn Nikephoros, der später im 13. Jhdt. Herrscher über Epirus wurde – in der Kirche der Heiligen Theodora in ArtaBurg in ArtaBüste von Ioannis Makrygiannis, einem griechischen Freiheitskämpfer, Offizier und Politiker
Gegen Mittag gehe ich dann wieder in die Unterkunft zurück und mache eine kleine Mittagspause. Danach esse ich in einem kleinen Laden bei Marianne eine hausgemachte Moussaka, traumhaft gut. Sie war schon einmal in Österreich und schwärmt davon. Zum Abschied gibt sie mir noch ein Stück Spanakopita mit. Vielen Dank Marianne! Den Abend verbringe ich noch im Stadtzentrum und plane die weitere Tour.
10.05. Erst nach 8h werde ich heute munter, ich brauchte wohl den Schlaf. Nach dem Frühstück schaue ich mir noch die Panegia Paregoretria Kirche an. Sie ist eine byzantinische Kirche aus dem 13. Jhdt. und wurde von Nikephoros I, Sohn der Heiligen Theodora, gegründet.
Im Inneren der Panegia Paregoretria Kirche in Arta
Wunderschöne Mosaike und Fresken zieren diese Kirche inmitten der Stadt Arta. Dann verabschiede ich mich von Arta in Richtung Ioannina. Es geht zuerst noch einmal über die mittelalterliche Steinbrücke und dann weiter auf kleineren Straßen Richtung Nordwesten hinein in die griechische Region Epirus.
Immer wieder Schafherden in der Region Epirus…
Gegen 17h beginnt es kurz vor Gymnotopos zu regnen und so kehre ich in einer Gaststätte ein. Die Frau bringt mir Wasser und etwas warmes zum Essen. Dann kommt eine Freundin von ihr vorbei, die gut Deutsch spricht und in ihrer Jugend 4 Jahre in Lindau in einer Gummifabrik gearbeitet hat. Sie bringt mir noch selbstgemachtes Pastitsio mit Käse und veranlasst, dass ich im nicht mehr benötigten Erste Hilfe Raum des Dorfes übernachten kann. Eine Freundin von ihr kommt mit ihrem Mann mit dem Schlüssel vorbei und auch sie nehmen mir noch Toasts und Orangen zum Essen mit. So verbringe ich meine erste Nacht auf einer Liege in einem Erste Hilfe Raum und schlafe friedlich ein.
11.05. Noch bevor es hell wird draußen packe ich meine Sachen zusammen. Während die Vöglein ihre Morgenlieder zwitschern gehe ich weiter Richtung Norden und Ioannina. Untertags esse ich das Essen von gestern und erreiche nach mehr als 40 km so um 17h die Ortschaft Neokesaria. In einer Taverne esse ich Fleischlaibchen mit Salat und unterhalte mich mit Kyrgios, der auch etwas Deutsch spricht und viele Jahre in Hamburg gearbeitet hat. Um ca 20h gehe ich dann zur Kirche wo ich unter einem überdachten Vorbereich auf meiner Isomatte übernachte.
12.05. Der Überdachung hat sich gelohnt, da es in der Nacht auch wieder regnet und ich so trocken blieb. Kurz vor Ioannina esse ich wieder einmal Bougatsa zum Frühstück und quartiere mich für 30 € die Nacht im kleinen, zentral gelegenen Hotel Pyrros ein. Während noch die Zimmer gereinigt werden müssen, gehe ich schon einmal zum See hinunter und mache einen kleinen Stadtrundgang.
Fassade der Bank von Griechenland – in Ioannina
Es gibt hier viele Fußgängerzonen und alte Häuser aus der osmanischen Zeit. Heute leben in dieser mehr als 100.000 Einwohner zählenden Stadt viele junge Menschen, die hier studieren und arbeiten. Als Hauptstadt der Region Epirus hat sie einiges zu bieten, eine Burg, Moscheen, Strandpromenaden und eine kleine Insel inmitten des Sees. Dann besuche ich noch die Burg und das in der Burg befindliche Silberschmiedemuseum.
Strandpromenade in IoanninaFethiye Moschee in IoanninaSilberschmiedekunst im gleichnamigen Museum in der Burg von Ioannina
Am Nachmittag esse ich in einem kleinen griechischen Restaurant Fasolada, eine Bohnensuppe, neben dem Moussaka die griechische Nationalspeise.
Fasolada, eine griechische Bohnensuppe – eine der Nationalspeisen GriechenlandsAbendstimmung in Ioannina
Den Abend verbringe auf einer Bank mit Blick auf den See und überlege mir wie ich meine weitere Route anlegen soll.
Kunst in Ioannina
13.05. Nach dem Frühstück schaue ich mir die Domkirche von Ioannina an. Ich habe selten so eine schöne und erhabene Kirche gesehen.
Domkirche von IoanninaIm Inneren der Domkirche von Ioannina
Das Wetter ist gut heute und so setze ich mich auf ein Schiff, das mich für 2 € auf die Insel von Ioannina bringt. Bekannt ist die Insel vor allem für seine Kirche und die sieben Klöster.
Filantropinos-Kloster, das älteste Kloster auf der Insel. Es wurde 1291 oder 1292 erbaut. Steinernes Grabkreuz außerhalb des Filantropinos-KlostersFresken im Heiligen Kloster Panagia Eleousa auf der Insel Ioannina
Es leben auch noch ca. 100 Einwohner hier auf dieser Insel, die hauptsächlich vom Fischfang und Tourismus leben. Gegen 15h fahre ich dann mit dem Schiff wieder zurück in die Stadt und esse im gleichen Restaurant wie gestern Moussaka.
Moussaka – neben Fasolada DIE Nationalspeise Griechenlands
Dabei lerne ich ein liebes, älteres, deutsches Pärchen kennen, die auch gerade hier im Norden von Griechenland urlauben. Am Abend mache ich dann noch eine Runde am See und genieße das geschäftige Treiben und Nachtleben dieser Stadt.
Souvenirs in den Straßen von Ioannina
14.05. Da heute Sonntag ist gehe ich noch einmal in die Domkirche und besuche im Anschluss daran auch noch das archäologische Museum. Vom Hotelzimmer aus telefoniere ich wieder einmal mit Frau Muttern, die den Muttertag mit Edith im Garten verbringen wird. Alles Gute!
15.05. Frühmorgens starte ich heute wieder von Ioannina in Richtung Zogaria Dörfer und der Grenze zu Albanien.
Check out frühmorgens im Hotel Pyrros in Ioannina Mystische Stimmung über dem Pamvotida See in Ioannina
Nach ca. 5 km erreiche ich Perama, wo es eine ca. 2 Mio. alte Tropfsteinhöhle gibt. Mit 19 verschiedenen Stalagtiten und Stalagmiten ist sie eine der schönsten ihrer Art am Balkan. Gemeinsam mit einem israelischen Pärchen und einer Schulgruppe erkunden wir die Höhle.
In der Perama Tropfsteinhöhle – links unser guide und rechts das israelische PärchenPerama Tropfsteinhöhle
Sie wurde zufällig von Einheimischen während des 2. Weltkriegs auf der Suche nach einem Versteck vor der deutschen Wehrmacht entdeckt.
Perama TropfsteinhöhlePerama Tropfsteinhöhle
Danach verlaufe ich mich ein wenig in den Feldern des Epirus bevor ich nach einem Anstieg völlig unerwartet auf ein Kloster stoße. Es ist das Kloster Aspraggeli aus dem 15. Jahrhundert, das gerade renoviert wird. Kostas, der Mönch aus Thessaloniki, bietet mir Wasser an und letztlich trinken wir gemeinsam Kaffee und essen Kuluri. Dabei erzählt er mir in bestem Deutsch, dass er viele Jahre in Bremerhaven gelebt hat und danach 10 Jahre in einem Kloster auf dem Berg Athos. Vor einem Jahr sei er hierher gekommen mit dem Ziel, das Kloster renovieren zu lassen und es so der Öffentlichkeit wieder preisgeben zu können.
Kloster Aspraggeli mit Bruder KostasKloster AspraggeliBruder Kostas vor dem Kloster Aspraggeli
Er zeigt mir dann noch einen kleinen Steig in die Ortschaft Aspraggeli, das ich ca. 1 Stunde später erreiche. Es ist dies das erste der Zagoria Dörfer, das ich in der Gemeinde Zagori erreiche.
Ortschaft Aspraggeli
Die Zagoria Dörfer haben größtenteils steinerne Häuser mit steinernen Dächern. Sie sind schön anzusehen aber sie sind alle irgendwie verlassen. Die jungen Leute ziehen alle in die Stadt, wie mir Melanie, die Frau von Lucas, erzählt. Lucas ist ein Belgier, der hier mit Melanie, seiner Frau aus London, lebt und Bergtouren organisiert. Er wurde mir von Kostas empfohlen. Er gibt mir noch einige Tipps für die bevorstehende Route durch die Vikos Schlucht bevor ich mich von beiden verabschiede. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich das nächste Dorf Vitsa. Und wieder das gleiche Bild. Alles wie ausgestorben und nur mit Mühe bekomme ich von einem Mann Wasser und zwei Stück Brot. Ein anderer Einheimischer zeigt mir dann doch noch den Weg zu einer offenen Taverne, wo mir die Frau Eierspeise und Feta zum Essen zubereitet. Es erreichen mich leider wieder traurige Nachrichten aus meinem Freundeskreis. Ich übernachte im überdachten Vorbereich der Heiligen Nikolaus Kirche.
16.05. In der Nacht hat es zu regnen begonnen und ich packe meine Sachen zusammen.
Ortschaft VitsaTaxiarches Kirche in Vitsa – mein Schlafplatz
Der Wetterbericht für heute ist alles andere als gut, der regnenreichste Tag in dieser Woche. Ich überlege hin und her ob ich nun heute doch in die Vikos Schlucht gehen soll oder nicht. Es ist ein Tagesmarsch auf steinigen Untergrund und wird bei Regen natürlich nicht einfacher. Nach dem nächsten Regenguss entschliesse ich mich doch zu einem Hotel in Vitsa zu gehen, das ich gestern gesehen habe. Ich habe Glück und es hat offen. Hier serviert mir eine freundliche Kellnerin aus Prevez ein gutes Frühstück und meint ich könnte zumindest bis Mittag hier bleiben bevor sie schließt.
Maria, die freundliche Kellnerin im Kores Boutique Hotel in Vitsa – vielen Dank!
Während ich hier im Trockenen die Croissants genieße, regnet es draußen in Strömen. Ich beschließe heute nicht zu starten und hier eine weitere Nacht hier zu bleiben. Was nicht sein muß muß nicht sein… Auch Adi meldet sich telefonisch und berichtet mir, dass es auch in Österreich heute grosse Regenmengen geben wird. Abwarten und Tee, oder besser hier heisse Schokolade trinken, heißt wieder einmal die Devise. Geduld habe ich ja schon viel gelernt auf meiner Wanderung… 🙂
Den Tag verbringe ich damit mir dann nachmittags bei einer Regenpause den Ort genauer anzuschauen.
Hauptplatz von Vitsa
Wunderschön die alten Steinhäuser mit den Steindächern. Durch die Dörfer führen Straßen mit alten Kopfsteinpflastern. Die Einheimischen verbringen so einen Regentag damit, Tsipouro zu trinken und Kleinigkeiten dazu zu essen. Ich schließe mich dem ohne Widerreden an… 🙂
Übernachtung in Vitsa
17.05. Nach einer weiteren Nacht unter demselben Kirchendach wie gestern stehe ich heute bei Tagesanbruch um 6h auf. Ich esse noch schnell die eingepackten Brötchen von Maria und gegen 7h gehe ich los in Richtung Vikos Schlucht. In der ersten Ortschaft Monodendri treffe ich einen lokalen Bergführer, der mir erzählt, dass diese Zagori Dörfer seit 1993 Teil des UNESCO Weltkulturerbes sind und seit dem wieder restauriert wurden. Im Sommer sei es hier so überlaufen wie auf Mykonos. Deshalb mag er speziell diese Zeit hier wenn es ruhig ist und sich nur vereinzelt Touristen verlaufen. Von Monodendri geht es zuerst eine halbe Stunde ca. 500 Höhenmeter hinunter in die Schlucht.
Grün wohin das Auge reicht, hier am Weg in die Vikos Schlucht
Wunderschöner Regenwald und Aussicht auf die hoch aufragende Felswände lassen mich immer wieder eine kleine Pause einlegen.
In der Vikos SchluchtRegenwald in der Vikos SchluchtSteil aufragende Wände in der Vikos Schlucht
In der Schlucht angekommen, gehe ich dann entlang des ausgetrockneten Flussufer des Vikosflusses weiter Richtung Ortschaft Vikos und Papingo. An der Abzweigung Richtung Papingo fülle ich beim Fluss Voidomatis, der hier in den Vikosfluss mündet, Wasser nach und mache eine kleine Mittagspause. Ich habe meine mitgebrachten Brötchen noch kaum im Magen, beginnt es schon leicht zu regnen.
Am Weg nach PapingoAm Weg nach Papingo
Allerdings nur ein kurzer Schauer und gegen 14h erreiche ich das liebe Bergdörfchen Mikro Papingo (also Klein Papingo).
Ortschaft Klein Papingo
Ich esse im Hotel Dias eine Fasolada und trockne beim Kaminfeuer meine Schuhe und Socken. Bei einer kleinen Runde im Dorf treffe ich nochmals Lucas, den belgischen Fremdenführer, der hier gerade mit Gästen unterwegs ist. In der Zwischenzeit ist sogar die Sonne raus gekommen und ich genieße bei einem Kaffee die schöne Aussicht von hier über das Dorf und die steil aufragenden Wände.
In den Gassen von Klein Papingo
Übernachten werde ich wieder unter einem Kirchendach, das nur unweit von hier entfernt liegt. Morgen geht es weiter Richtung Konitsa und albanische Grenze.
Ortskirche in Klein Papingo – und gleichzeitig mein geplanter Schlafplatz unter den Steinbögen
18.05. Die Nacht blieb trocken und nach einer wunderschönen Nacht unter den Steinbögen der Kirche in Mikro Papingo gehe ich um ca. 6:30 los Richtung Konitsa. Am Weg nach Groß Papingo komme ich bei natürlichen Pools und einer Steinbrücke vorbei.
Natürliche Pools zwischen den beiden Zagori Dörfern Klein und Groß Papingo
Im Ort Groß Papingo schläft noch alles und so gehe ich auf alten Saumpfaden durch wunderschöne Wälder weiter bis ich in das Dorf Ano Kleidonia komme.
Typische Holztüren in der Zagori Gemeinde – hier in Groß Papingo Nebelschwaden im PindosgebirgeNatur pur am Weg nach Konitsa
Völlig leer auch dieses Dorf. Ich esse hier meine Brötchen und einen Apfel und erreiche dann um die Mittagszeit das ca. 20 km entfernte Konitsa. Es führt hier eine alte Steinbrücke über den Aoos Fluss, der in der Nähe der Meteora Klöster entspringt und von hier nach Albanien und in die Adria fließt. Ich werde ihm in den nächsten Tagen in Albanien folgen. Dort wird er dann gemeinsam mit dem Sarantoporos Fluss der Vjosa Fluss. Die alte Steinbrücke selbst wurde im Jahre 1871 fertig gestellt und ermöglichte so den Händlern aus Ioannina und Zagori schneller nach Konitsa und Mazedonien zu kommen. Finanziert wurde die Brücke von wohlhabenden griechischen Kaufleuten. Ich gehe dann über die Brücke und die ca. 2km aufwärts in das Zentrum der kleinen Stadt Konitsa.
Am Weg nach Konitsa überquere ich auch diese alte Steinbrücke aus dem Jahre 1871
In einem Lokal empfiehlt mir der Besitzer zum Übernachten das Dentro Hotel, da es wieder zu regnen und diesmal auch zu hageln beginnt. Seit 14. April hat es hier jeden Tag zumindest kurz einmal geregnet, meint der Lokalbesitzer nur. Es klingt fast als wäre er ein wenig stolz darauf. Im Haus Dentro finde ich dann eine passende Unterkunft und mit der aus Zypern stammenden Hausherrin Katerina eine fürsorgliche und redefreudige Gastgeberin. Am Abend fällt mir zu guter letzt auch noch meine Zahnkrone raus. Glücklicherweise konnte ich sie noch retten und aufheben. Alles kein Problem für Katerina. Sie ruft ihren Zahnarzt an und so habe ich morgen auch schon um 9h in der Früh einen Termin bei ihm. Den Abend verbringe ich noch in einem kleinen Café am Hauptplatz von Konitsa, das mir sehr gut gefällt.
19.05. Morgens gehe ich zum Bäcker am Hauptplatz, wo ich nochmals denselben Bergführer treffe wie schon in Monodendri. Babis, so sein Name, hat früher auch in Vorarlberg und am Arlberg gearbeitet und spricht auch ein wenig Deutsch. Wir trinken gemeinsam einen Kaffee und tauschen unsere Nummern aus. Dann verabschiedet er sich und ich suche den Zahnarzt auf.
Kostas, der äußerst liebenswerte und kompetente Zahnarzt aus Konitsa, klebt mir wieder meine Zahnkrone an und hilft mir auf seine Art – vielen Dank!!!
Kostas, eine Kurzform von Konstantin, ist sein Name und schon bei der Begrüßung merke ich wie nett und zuvorkommend dieser Mann ist. Ich erzähle ihm von meiner Wanderung und erkläre ihm die Situation. Er schaut sich das ganze an und nach ca. einer halben Stunde sitzt die Zahnkrone wieder dort wo sie sein soll. Der Kleber habe den Geist aufgegeben, so seine Diagnose. Als ich zahlen will, meint er nur mit einem Lächeln: Let me sponsor your trip… Also das ist mir auch noch nicht passiert, dass mich ein Zahnarzt sponsort in dem er kein Geld für seine Dienste verlangt! Vielen Dank Kostas, es möge Dir zurückkommen…
Als ich dann ins Hotel Dentro komme, wird es schon fast 11h und ich entschliesse mich spontan noch eine Nacht hier zu bleiben. Hauptgrund ist die Aoos Schlucht, die bei der alten Steinbrücke flussaufwärts beginnt und zu einem alten Kloster führt. Der gesamte Bereich hier ist ein Nationalpark und landschaftlich wunderschön.
Glasklares Wasser hier am Oberlauf des Aoos Flusses – in der Aoos Schlucht
Glasklares Wasser aus dem Pindosgebirge und nach ca. 2 Stunden Fußmarsch erreiche ich das Kloster Stomio aus dem 16. Jhdt.
Stomio Kloster aus dem 16. Jhdt – in der Aoos Schlucht
Hier leben noch drei Mönche und von der obersten Stelle hat man einen schönen Blick in die Aoos Schlucht hinein. Das Kloster wurde während des 2. Weltkriegs von den Deutschen abgefackelt, nur die alte Kirche überstand alles wie durch ein Wunder.
Blick vom Stomio Kloster in die Aoos SchluchtIm Inneren des Klosters, links die alte Kirche Altar in der alten Kirche des Stomio KlostersAm Weg zur Mittagsruhe – Mönch im Stomio Kloster
Ich mache im Kloster Mittagspause, esse die mitgebrachte Spanakopita aus der Bäckerei und nach ca. 3 Stunden gehe ich denselben Weg wieder zurück nach Konitsa.
Noch einmal über die ca. 150 Jahre alte Steinbrücke von Konitsa
Wunderschön diese Tour hinein in diese Schlucht und zum Kloster. Ich denke mir nur, Gott sei Dank ist mir die Krone gestern ausgefallen… Sonst wäre ich heute frühmorgens wieder weiter gegangen und hätte das alles nicht gesehen. Am Abend esse ich am Hauptplatz noch einmal Kontosoyfli und genieße die angenehme Atmosphäre dieser Kleinstadt.
Gesamtkilometer: ca. 7.160
Fazit: Und wieder habe ich einen neuen Teil Griechenlands kennen gelernt – die Regionen Mittel- und Westgriechenland und Epirus, die Grenzregion zu Albanien. Die Dörfer in dieser wunderschönen Bergwelt wirken in all diesen Regionen verlassen und mystisch zugleich. Die Landflucht scheint hier noch ausgeprägter zu sein wie in manch anderen Ländern. Die Menschen sind warmherzig und hilfsbereit obgleich es Ihnen bei den durchschnittlichen Löhnen und den gestiegenen Preisen immer schwieriger wird, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Umso mehr bin ich auf die bevorstehenden Wahlen am kommenden Sonntag, 21.5. gespannt.
Griechenland – vielen Dank für deine Gastfreundschaft und herrliche Küche!
21.04. Nachdem ich mich heute von Panagiotis und seiner lieben Mutter Olga verabschiedet habe, gehe ich mit meinen neuen Schuhen Richtung Norden und in die Berge.
AEK – ein Fußballverein in Athen, der 1924 von griechischen Flüchtlingen aus dem damaligen Konstantinopel (heute Istanbul) in Athen gegründet wurde. Übrigens der Lieblingsfussballclub von Panagiotis… 🙂 – am Weg von Petroupoli Richtung Norden
Nach ca. 2 Stunden lege ich kurz vor der Ortschaft Fili eine Kaffeepause ein und lüfte dabei wie immer meine Schuhe und wechsle die Socken.
Olivenbäume überall soweit das Auge reicht – im Hintergrund die Ortschaft Fili
Nach weiteren zwei Stunden gelange ich so gegen Mittag zu einer verlassenen Kirche in den Bergen, wo ich einen großen Teil des mitgebrachten Osterstriezels von Olga verzerre.
Kloster Agio Kyprianou (Heiliger Zyprian) in den Bergen nördlich von AthenMargeriten gibt es auch hier in Griechenland…
Dann beginnt es leicht zu tröpfeln und während ich trotz leichtem Regen weitergehe, bricht dann doch etwas überraschend ein Gewitter über mich herein. Es beginnt stark zu regnen und nach ca. zwei Stunden ist wieder alles vorbei. Bei Sonnenschein gelange ich gegen Abend in die Ortschaft Pili wo ich in einer Taverne einen griechischen Salat esse. Derzeit sitze ich in einem Café, trockne meine Sachen und schreibe diese Zeilen.
22.04. Nach einer Nacht im Freien auf der gefliesten Terrasse der Kirche werde ich in der Früh von vorbeifahrenden Autos geweckt.
Mein Schlafplatz in Pili – auf der fein gefliesten Terrasse der örtlichen Kirche
Als ich meine Sachen gepackt habe, kommt aus der Kirche eine Frau heraus. Sie reicht mir zwei kleine Osterstriezeln, die ich mir im gegenüberliegenden Café mit einem griechischen Kaffee schmecken lasse. Dann starte ich so um halb neun und komme zumittag bei einer abgelegenen Autowerkstatt vorbei, wo ich Wasser bekomme. Es schaut wieder sehr verdächtig nach Gewitter aus und ich beschließe weiter zu gehen. Wäre ja nicht das erste Mal, daß ich in ein Gewitter reinkomme… 🙂 Ca. 1 Stunde später beginnt es wieder zu tröpfeln, nur habe ich heute mehr Glück. Ich befinde mich gerade in einem Industriegebiet mit großen Hallen und bevor das Gewitter wieder loslegt, sitze ich schon auf einer leeren Bierkiste unter einem festen Dach und harre der Dinge. Dasselbe Spiel wie gestern – Blitz, Donner und viel Regen, als würden mich die griechischen Götter willkommen heißen… 🙂 So schnell das Gewitter gekommen ist, ist es auch wieder weg und so gehe ich weiter bis Thiva. Thiva ist eine Stadt in der Region Mittelgriechenland, in der es nicht besonders viel zu sehen gibt. Da allerdings das nächste Gewitter um die Ecke schaut, verschanze ich mich heute doch einmal in ein kleines Hotelzimmer. Während ich mich einer warmen Dusche erfreue, höre ich es draußen schon wieder krachen. In trockener Kleidung schaue ich dem Treiben zu und bin froh hier untergekommen zu sein.
Gewitter in Thiva – vom Hotelzimmer aus ein interessantes Schauspiel der Natur
Am Abend trinke ich in der Rezeption viel Tee und esse Bananen. Dann schlafe ich früh ein…
23.04. Heute ist Georgitag und nach einem ausgiebigen Frühstück gehe ich durch die Stadt, wo in der St. Georgs-Kirche ein Gottesdienst zu Ehren des Heiligen Georg gefeiert wird.
Gottesdienst zu Ehren des Heiligen Georg – in der Hl. Georgs-Kirche in Thiva
Ich lausche den schönen Chören, die in den orthodoxen Kirchen immer sehr schön sind. Auf Orgeln verzichten die orthodoxen Kirchen ja…
Auch dieser junge Hengst braucht eine Dehnungseinheit – am Weg nach Vagia
Nach ca. zwei Stunden Gehzeit kehre ich in Vagia zu einem Frühschoppen ein. Ich feiere hier meinen Namenstag und auch den ersten Jahrestag meiner Wanderung mit griechischen Kaffee, Wasser und Tsipouro, einem traditionellen griechischen Tresternbrand.
Beim Verlassen des Cafés komme ich bei einem Obstgeschäft vorbei und die großzügige Verkäuferin füllt mir ein Plastiksackerl voller Äpfel, Birnen, Orangen und Bananen an. An Vitaminen wird es die nächsten Tage nicht fehlen. In Mauromati esse ich am Hauptplatz davon und erreiche gegen Abend dann die Ortschaft Ypselantes.
Kirche in Mauromati
Das Wetter ist gut und ich werde hier wieder vor der Kirche übernachten. Derzeit sitze ich mit einigen Griechen in einem Café und schaue im TV so nebenbei das Fußballspiel PAOK Saloniki gegen Panathinaikos Athen, das derzeit 1:0 für Panathinaikos steht. Offensichtlich nicht zur Freude der Einheimischen hier.
24.04. Nach einer eher kühlen Nacht mit wenig Schlaf, wärme ich mir mit meinem Gaskocher Wasser und esse von den vielen Früchten. Ich fühle mich heute nicht besonders gut und ich merke wie mir das Gehen schwer fällt.
Einheimische Frau in Ypselantes
So mache ich in der Ortschaft Agios Giorgios wieder eine längere Kaffeepause und telefoniere wieder einmal mit Frau Muttern. Sie ist bereits wieder umtriebig und erzählt von ihrem Garten, etc… Dann gehe ich weiter. Allerdings keine fünf Minuten als mir eine Frau in gutem Englisch nachruft, woher ich denn komme. So komme ich mit ihr ins Gespräch und sie lädt mich in das Haus ihrer 91-jährigen Mutter ein.
Georgia mit ihrer 91-jährigen Mutter, beide sehr liebenswerte Frauen – in Agios Giorgios
Natürlich werde ich auch bewirtet, diesmal mit Linsensuppe, Feta, Gurken und Brot. Letztlich bekomme ich auch noch ein Stück Schokoladenkuchen, alles schmeckt vorzüglich. Die Frau heißt übrigens Georgia und so kommt es, dass ich das erste Mal (nachträglich) meinen Namenstag mit einer Georgia feiere:-) Sie lebt seit ihrer Jugend in London und besucht jetzt gerade ihre noch immer sehr rüstige Mutter. Ihre Mutter erzählt (auf griechisch und von Georgia ins Englische übersetzt) von ihrer Jugend, als sie mit ihren Freunden barfuß mit dem einzigen Paar Schuh in der Hand in die Kirche gingen und diese erst kurz vor der Kirche anzogen um sie zu schonen. Sie erzählt auch von den Kriegsgeschehnissen im 2 WK und den Italienern und Deutschen, die hier ebenfalls gewütet haben. ‚Es gab von Ihnen Gute und Schlechte‘ wie Sie abschließend meint…
Blumen in Agios Giorgios
Dann verabschiede ich mich von den beiden und erreiche auf schönen Wegen mit vielen Olivenbäumen und Zypressen die Stadt Livadia.
Zypressen (auch Götterbäume genannt) säumen den Weg nach Livadia
Hier hat mir Panagiotis empfohlen, die kleinen Souvlaki Kalamaki zu probieren. In einem Restaurant kann ich mich davon überzeugen.
Die ‚berühmten‘ Souvlaki Kalamaki von Livadia – am besten sind sie vom Schwein
Zwei Spieße mit Brot und Pommes um 4 Euro ist in Griechenland ein guter Preis. Während ich so im Restaurant sitze, merke ich wie müde ich bereits bin und auch leicht verkühlt. So entschliesse ich mich spontan hier zu bleiben und mich ordentlich auszuschlafen. So quartiere ich mich für 35€ im Hotel Peridromos ein. Griechenland ist Teil der EU, das merkt man bei den Preisen wieder sehr schnell. Der Besitzer des Hotels empfiehlt mir die Quellen von Krya zu besuchen. Kleine Wasserfälle des Erkyna Flusses, Wassermühlen und alte Platanen machen es zu einem beschaulichen Ort.
Der Erkyna Fluß schlängelt sich durch die Stadt Livadia – bei den Quellen von Krya
Danach kehre ich wieder zurück und trinke bei Nikos in der Nähe des Hotels noch einen guten griechischen Früchtetee. Er gibt mir auch noch Tipps für die Umgebung, etc…
25.04. Meine Verkühlung hat sich nur leicht gebessert und so beschließe ich heute morgen hier einen Rasttag einzulegen. Das Orakel von Delphi muß also noch ein wenig warten auf mich… 🙂
Und als ich auf Anraten von Artidis, dem Hotelbesitzer, einen kleinen Laden namens Dimitrelos mit verschiedenen Milchprodukten aufsuche, erzählt mir Panagiotis, der Besitzer, dass es auch in Livadia ein Orakel gibt – das Trophonios Orakel. Hier mehr dazu – – > https://de.m.wikipedia.org/wiki/Trophonios
Ich kaufe mir ein Schafsjoghurt und einen Milchreis, der hier rizogalo genannt wird. In einem kleinen Café lasse ich mir den Milchreis dann zu einem griechischen Kaffee schmecken und beschließe noch einen zu kaufen. Dabei lerne ich dann auch Dimitra, die Freundin von Panagiotis, kennen. Sie ist Hobbyimkerin und lässt mir einen Löffel von ihrem selbstgemachten Honig kosten. Ich glaube, ich habe noch nie so einen dickflüssigen und gehaltvollen Honig gegessen wie diesen.
Mit Dimitra in ihrem Laden – sie Bab mir noch einige Kostproben von den verschiedenen Schafskäsen mit – vielen Dank!!!Rizogalo (Milchreis) aus Dimitra’s und Panagiotis Laden – ein Traum!
So ganz nebenbei erwähnt sie auch noch, dass heute der griechische Premierminister Mitsotakis in Livadia vorbei kommt. Wahlkampf, findet doch am 21.5. die nächste Wahl statt. Er verkaufe Griechenland und seine Werte, meint sie nur und wird bei seinem Besuch den Laden schließen… 🙂 Als ich ihr von meiner Wanderung erzähle, packt sie mir verschiedene Käsesorten ein und wünscht mir eine gute Weiterreise. Zumittag gibt es heute natürlich Schafskäse, Joghurt und Brot und danach schlafe ich mehr als zwei Stunden im Hotelzimmer. Den Nachmittag werde ich dann doch wieder aktiv. So besuche ich die alte mittelalterliche Burg, die Kyra Quellen und zwei kleine Kirchlein hoch oben auf dem Berg – Agios Minas und Agia Ierousalem.
Blick auf die Agios Minas Kirche und rechts davon Agia Ierousalem Blick auf Livadia – von der Kirche Agios MinasKerzen in der Kirche Agios Minas
Dann kehre ich wieder in die Stadt zurück, trinke bei Nikos noch einen griechischen Bergtee mit Honig und schlafe früh ein.
Nikos in seinem Shop in Livadia – seine verschiedenen Tees schmeckten vorzüglich
26.4. Am Morgen esse ich noch einmal von dem Käse und beschließe noch einen Tag zu bleiben. So unterhalte mich bei einem Tee auch mit Artidis über die griechische Politik. Auch er wird Mitsotakis nicht wählen, meint aber, dass dieser die Wählerstimmen eher von der älteren Bevölkerung bekommt. Daher erwarte er, dass Mitsotakis wohl wieder die nächste Wahl gewinnen wird. Kyriakos Mitsotakis arbeite mit dem Westen zusammen und verkaufe das Land, ist die einhellige Meinung. Wir werden sehen, wie die Wahl ausgeht…
Derzeit sitze ich in einem Café wo fleißig gekartelt wird.
Griechen beim Karten – in Livadia
Zumittag esse ich heute Sardellen in einem einheimischen Restaurant. Selbst der Pfarrer kommt vorbei, da muß das Essen ja wohl gut sein… 🙂 Den Nachmittag raste ich mich aus und mache noch eine kleine Runde in der Stadt. Am Abend bereitet mir dann Artidis den Schafskäse mit seinem Griller zu (Prädikat: Weltklasse) und so hoffe ich, dass ich morgen wieder fit bin weiterzugehen.
27.04. Tatsächlich fühle ich mich heute wieder um vieles besser und so verabschiede ich mich von Artidis und Livadia. Nach ca. 2 Stunden erreiche ich die Ortschaft Tsoukaledes, wo ich in einem kleinen Café raste und Brot für den Tag kaufe. Die nette Verkäuferin gibt mir auch noch ein Croissant gratis dazu und wünscht mir weiter einen guten Weg.
Der braucht keinen TÜV mehr – am Weg nach Arachova
Gegen Abend erreiche ich dann Arachova, das malerisch am Hang des Parnass liegt, einem 2.455m hohen Gebirgsstock hier im Pindosgebirge. Im Winter ist hier auch der Bär los, was die vielen Snowboard- und Schischulen verraten. Aber auch jetzt ist einiges los, wohl auch weil gerade ein Wirtschaftskongress in Delphi stattfindet. In einem Café lese ich wieder einmal meine Emails und gehe Richtung Sportplatz, der sich außerhalb des Ortes befindet. Der eigentliche Fußballplatz hat einen künstlichen Rasen und ist vollständig eingezäunt. Aber oberhalb liegt ein kleinerer Trainigsplatz, der frei zugänglich und noch dazu uneinsichtig liegt. Ein idealer Platz zum Übernachten also.
28.04. In der Früh koche ich mir wie gewohnt Wasser und esse noch den restlichen Schafskäse mit Brot aus Livadia. Dann gehe ich auf der Straße die letzten 10 km nach Delphi.
Delphi – ich komme!
Wikipedia – Das Orakel von Delphi war eine Weissagungsstätte des antiken Griechenlands und war dem Apollon geweiht. Die Kultstätte von Delphi mit dem Orakel war die wichtigste der hellenischen Welt und bestand bis in die Spätantike. Die meisten pilgerten jedoch nach Delphi und stellten dem Orakel ihre Fragen bezüglich der Zukunft. Selbst Könige und Heerführer wandten sich an das Orakel, um den Rat der Götter einzuholen – Wikipedia.
Tholos im Heiligtum der Athena Pronaia – Athena Tempel am Orakel von DelphiApollontempel in Delphi – hier befand sich nach den Überlieferungen das OrakelStadion in Delphi – hier fanden die pythischen Spiele statt, die nach den olympischen Spielen die zweitwichtigsten panhellenischen Spiele in der Antike warenGott Apollon mit einer Lyra in der Hand – Werk eines unbekannten Vasenmalers aus Athen zw. 470 und 460 v. Chr.
Nun, was sagt mir das Orakel von Delphi? Ich wurde mehrfach während meiner Wanderung gefragt, ob ich denn etwas suche auf meiner Wanderung oder was ich denn suche. Mir fiel nie so eine richtige und schlüssige Antwort auf diese Frage ein. Genau am Tag vor Delphi, als ich also von Levadia nach Arachova ging, kam mir aus heiterem Himmel die Antwort auf diese Frage. Ein glückliches Leben – ja, das suche ich wohl… Und ich habe es gefunden! Das sagt mir also das Orakel von Delphi…:-) Ich schaue mir die verschiedenen antiken Gebäude von Delphi an (Apollontempel, Theater, Stadion, etc…) und lasse dabei meinen Rucksack gesichert beim Eingang. Danach besuche ich auch noch das Museum, in dem viele Funde von Delphi ausgestellt sind. Alles sehr interessant und wirklich sehenswert. Danach esse ich Moussaka und marschiere dann am späten Nachmittag noch ein Stück weiter.
Am Weg von Delphi runter nach ChrissoAm Weg nach Chrisso Auch in den Bergen Griechenlands sind die Bienen fleißig – am Weg nach Chrisso
In der Ortschaft Sernikaki übernachte ich dann wieder auf einem kleinen Fußballplatz und Kinder interessieren sich natürlich für mich und mein Zelt.
Übernachtung in Sernikaki
29.04. Der Ort ist wie ausgestorben wie viele der folgenden Ortschaften der nächsten Tage. Ich befinde mich nun in einer wunderbaren Bergwelt und gelange zur Mittagszeit nach Bounichora. Hier bereitet mir eine Frau zwei Eier zu und gibt mir noch ein Stück Fetakäse und Brot während ihr Mann mit seinem Schlachtmesser ein Schaf zerlegt. Nach einem schönen Wandertag erreiche ich am Abend dann Amigdalia.
Blick auf das Bergdorf Amigdalia
Hier wird gerade Samstagabend gefeiert und zwei Griechen winken mir, um mich zu ihnen zu setzen. Einer davon spricht gut Englisch und erklärt mir, dass hier weit und breit keine Unterkunft sei. Kein Problem, meine ich nur und lasse mir die Fleischbällchen schmecken. Da das Wetter am Abend noch gut ist, verabschiede ich mich dann von den beiden und gehe noch weiter. Nach ca. 40 km erreiche ich dann die kleine Ortschaft Sotaina. In der Zwischenzeit sind die Tage wieder deutlich länger und es wird erst gegen 20:30 finster. Da für heute Abend Regen angesagt ist, suche ich ein festes Dach über dem Kopf und finde ein altes, verlassenes Haus mit einer überdachten Terrasse. Eine ansässige Frau füllt mir dann noch die Wasserflasche auf und so ist der Abend und die Nacht wieder gesichert.
Übernachtung in Sotaina
30.04. Heute ist Sonntag und weder in Sotaina noch in der nächsten Ortschaft Melia gibt es etwas zu essen. So hoffe ich auf die nächste Ortschaft Stilia, auch hier weit und breit nichts los. Als ich einen Mann um Wasser frage, bleibt ein Auto stehen und der Mann fragt mich woher ich komme. So kommen wir ins Gespräch und als ich ihn frage wo es denn das nächste Restaurant gibt, meint er in einer Ortschaft 17 km entfernt von hier. Aber er hat Äpfel und der Mann, der mir Wasser gibt, hätte Brot und Fetakäse. Ob mir das recht wäre? und wie… 🙂 Auch hier in Griechenland, vor allem auch in den kleinen Dörfern, lebt die Gastfreundlichkeit – vielen Dank.
Straßenschild in Griechenland…
Am Abend finde ich noch in der Ortschaft Potidaneia eine Taverne, in der es warm ist und ich meine Sachen vom Regen trocknen kann. Während es draußen regnet, esse ich wieder einmal so richtig mit Hühnchen und griechischen Salat. In der Zwischenzeit hat es wieder aufgehört zu regnen und so gehe ich noch ca. 1 Stunde weiter. Bei einem verlassenen Haus finde ich letztlich eine geeignete Stelle zum Übernachten.
01.05. Bei leichtem Regen starte ich in den Tag, den Tag der Arbeit. Auch hier in Griechenland wird dieser Tag gefeiert und durch schöne Eichenwälder gelange ich am späten Vormittag in die Ortschaft Efpalio. Hier lege ich eine Kaffeepause ein und esse ein gutes Croissant. Danach gehe ich weiter Richtung Nafpaktos, einer Stadt am Meer. Da der Wetterbericht für die nächsten zwei Tage wirklich viel Regen und auch Gewitter vorhergesagt, quartiere ich mich für einen ‚guten‘ Preis für die kommenden drei Nächte im Hotel Nafpaktos ein. Ich feiere eine warme Dusche, wasche meine Sachen und gehe dann in die interessante und alte Hafenstadt. Ich werde hier wieder einmal eine Pause einlegen und vor allem das schlechte Wetter ‚aussitzen‘ bevor es wieder weiter geht Richtung Norden und Albanien. Am Abend gehe ich in die Marina im Zentrum dieser ca. 15.000 Einwohner zählenden Stadt, wo reges Treiben herrscht.
Marina im Zentrum der Stadt Nafpaktos Statue vom spanischen Schriftsteller Cervantes, bekannt für sein Werk ‚Don Quijote‘ – er war 1571 als 23-jähriger Soldat hier in der Schlacht um Lepanto beteiligt und verlor dabei seine linke Hand
02.05. Gut ausgeschlafen lasse ich mir heute morgen das fantastische Frühstücksbuffet schmecken. Ich ‚unterhalte‘ mich dann mit Jutta, der Hotelchefin über so einige Sachen bevor ich mich auf Shoppingtour begebe.
Blick auf Nafpaktos mit der BurgBlick auf Nafpaktos – im Hintergrund die Rio-Andirrio-Brücke, die 2004 eröffnet wurde und den Golf von Korinth bei Patras überquertBüste von Damaskinos Papandreou – ehemaliger Erzbischof von Athen und griechischer Premierminister
Ich besorge mir neue Ohrstöpsel in einer Apotheke und versuche eine neue Gaskartusche zu bekommen. Allerdings vergeblich, da es auch in Griechenland nur große mit Schraubverschluss gibt. Ich werde wohl bis Albanien mit einer passenden Gaskartusche warten… Dann esse ich in einem kleinen Restaurant Pastitsio, das von den Ionischen Inseln stammt und neben dem Moussaka ein typisches Auflaufgericht in Griechenland ist. In der üblichen Form eine Schicht Nudeln in Röhrenform (Makkaroni) mit Beschamelsauce.
Pastitsio – ein bekanntes Nudelauflaufgericht in Griechenland – Roséwein darf nicht fehlen dazu… 🙂
Dann mache ich nochmals eine kleine Runde in die Marina bevor mich der Regen wieder in das Hotelzimmer zurück treibt.
Gesamtkilometer: ca. 6.860
Fazit: Die Pause in Athen bei Panagiotis hat mir sehr gut getan was ich auf dem Weg nach Nafpaktos in meinen Beinen gemerkt habe. Vielen Dank nochmals Dir Panagiotis und Deiner Mutter für Eure Gastfreundschaft! Wunderschön auch dieser Teil von Griechenland, Bergwelt und kulturelle Sehenswürdigkeiten wie Delphi geben sich hier die Hand. Das Orakel hat mir eine wichtige Antwort gegeben, schon allein deshalb war der Weg via Delphi den kleinen Umweg wert. Auch die Leute in den Bergdörfern sind sehr hilfsbereit und die griechische Küche hält immer wieder Überraschungen für mich bereit. Jetzt braucht sich nur schön langsam der Regen verziehen, dann rücke ich Albanien, dem Land der Skipedaren, auf die Pelle.
PS: Sollte jemand von Euch in der nächsten Zeit nach Athen kommen und ein Taxi benötigen (zB Flughafentransfer), hier die Kontaktdaten von meinem Freund Panagiotis (Peter). Er würde sich gerne über einen Auftrag von Euch freuen.
13.04. Heute heißt es wieder einmal früh aufstehen. Meine Zeit hier in der Türkei ist um und mein Schiff geht heute von hier auf die griechische Insel Rhodos. Um 7h finde ich mich noch einmal in ‚meiner‘ Bäckerei zum Frühstück ein – Tee, Simit und Schokokuchen. Um die verbliebenen 35 TL kaufe ich mir vorsorglich noch Simits, etc für die Schiffahrt und gehe zum Hafen. Um 08:45 sollte die Abfahrt sein, schließlich legt das Schiff dann nach 10h ab und ca. zwei Stunden später kommen wir im Hafen von Rhodos an. Nicht bevor sich doch einige bei der Überfahrt des Frühstücks entledigen. Angekommen im Hafen ist es das erste, dass ich mir ein weiteres Schiffsticket für heute Nachmittag um 16h von Rhodos nach Athen kaufe. Anschließend gehe ich dann in die Altstadt und in die Marina.
Marina von Rhodos
Während ich hier einige Simits esse, erinnere ich mich zurück als ich hier vor ca. 30 Jahren einmal mit einem Segelschiff hier war, die Zeit vergeht… Dann gehe ich zurück in den Hafen und sichere mir auf der Fähre der Fa. Blue Star Ferries einen Schlafplatz für die kommende Nachtfahrt nach Athen.
Altstadt von Rhodos
Pünktlich um 16h legt die Fähre bei bestem Wetter ab und gegen 19h erreichen wir die Insel Kos, wo Leute wieder zu- und aussteigen. Via den Inseln Kalymnos, Leros, Patmos und Syros gleitet das große Schiff durch die nächtliche Ägäis.
14.04. Ich habe heute gut geschlafen auf dem Schiff, eine längere Bank in der Economy Class machte dies möglich. Zum Frühstück esse ich mein letztes Simit aus der Türkei und kurz nach 6h früh legt das Schiff an im Hafen von Piräus. Mein Freund Panagiotis aus Athen hat sich bereits angekündigt und es gibt ein freudiges Wiedersehen mit ihm.
Wiedersehen mit meinem Freund Panagiotis – im Hafen von Piräus
Er holt hier mit seinem Taxi eine Ware von Kos ab und wir vereinbaren uns bei seinem Taxistand in der Nähe der Metrostation Anthoupoli wieder zu treffen. Während der Tag hier in Athen anbricht gehe ich aus dem Hafengelände und trinke zuerst einmal guten griechischen Kaffee.
Im Hafengelände von Piräus Der Tag beginnt – im Hafen von Piräus
Um ca. 10h treffe ich dann Panagiotis wieder und wir vereinbaren uns wieder ca. 1 Stunde später vor seinem Haus im Stadtteil Petroupoli zu treffen. Panagiotis und sein Hund Marley kommen von ihrem Spaziergang zurück, während ich bereits vor dem Haus warte. Heute ist im orthodoxen Griechenland Karfreitag und überall im Land läuten die Kirchenglocken. Nicht ‚Ding, Ding, ding‘, sondern in einem trauerndem Ton und langsam. Traditionsgemäß fahren wir dann mit seiner Mutter Olga und seiner Schwester Maria zu ihren beiden Friedhöfen wo den Toten gedacht wird. So ungefähr wie Allerheiligen bei uns.
Mit Panagiotis, seiner Schwester Maria und seiner Mutter Olga am Friedhof väterlicherseits – ein Priester spricht gegen ein kleines Entgelt ein Gebet Epitaphios (Karfreitagszeremonie) in Athen – Epitaphios wird auch diese Plattform bezeichnet auf die die Ikone von Jesus gelegt wird und mit Blumen geschmückt wird
Auch hier wird am Karfreitag kein Fleisch gegessen und so gibt es Oktopus, Dolma, Tomaten, Gurken, Oliven und Halva.
Mit Panagiotis und seiner Mutter in Athen
Während Panagiotis mit seinem Taxi unterwegs ist, erhole ich mich gerade von den Schifffahrten in der Wohnung seiner Mutter wo ich die nächsten paar Tage auch schlafen werde. Während ich mit Olga einen Kaffee trinke kommt Panagiotis nach Hause und ich begleite ihn beim Taxifahren. Nach zwei Fahrten kehren wir wieder zurück in sein Haus und gehen dann gemeinsam mit seinem Hund Marley zur Epitaphios (Karfreitagszeremonie).
Mit Panagiotis und seinem Hund Marley bei der Epitaphios (Karfreitagszeremonie) – in Petroupoli, Athen
Es findet am Abend in ganz Griechenland ein Gottesdienst statt. Während die Menschen mit braunen Kerzen der Toten gedenken wird anschließend das Epitaphios durch die Straßen von Athen getragen.
Epitaphios (Karfreitagszeremonie) in Petroupoli, Athen
15.04. Am Vormittag fahren Panagiotis und ich in die Stadt und machen uns auf die Suche nach einem passenden Schuh für mich. Nach längerer Suche werden wir in einem Asics Store fündig und fahren dann wieder zurück nach Hause nach Petroupoli, Ostern ist angesagt. Das orthodoxe Osterfest in Griechenland ist das größte Fest im Jahr und wird auch dementsprechend groß gefeiert.
Osterdekoration im Hause von Olga
Die Feierlichkeiten gehen heute Abend weiter. Olga, die Mutter von Panagiotis, bereitet heute untertags Magiritsa zu. Es ist dies eine traditionelle griechische Ostersuppe, die nach dem mitternächtlichem Ostergottesdienst am frühen Ostersonntag auf den Tisch kommt.
Magiritsa – eine traditionelle griechische Ostersuppe, die nur zu Ostern auf den Tisch kommt
Dann geht sie um 22h in die Kirche und kommt wieder um ca. 2h früh zurück. Panagiotis und ich schauen auch kurz vor Mitternacht zur Kirche wo es außerhalb ein schönes Feuerwerk gibt. Im Anschluss daran essen wir zuhause etwas von der Magiritsa und trinken süßen Weißwein dazu. Eierpecken darf natürlich auch nicht fehlen…:-)
16.04. Heute wünschen sich die Leute alle Kalo Pascha (Frohe Ostern) oder Christos anesti (Christus ist auferstanden). Heute gibt es zum Frühstück Koulourakia (Koulouri), ein typisches Ostergebäck und Apfelkuchen mit Walnüssen und Zimt. Und natürlich immer guten griechischen Kaffee. Danach fahren Panagiotis und ich in den nahegelegenen Tritses Park, wo viele Lämmer gebraten werden und traditionelle Musik gespielt wird. Natürlich kosten auch wir etwas davon und lauschen unter einem Baum der guten Livemusik. Gegen 14h sind wir wieder zurück, da nun der Osterbraten von Olga auf den Tisch kommt. Wie ihr seht wird hier nach dem 40-tägigen Fasten heute überall viel gegessen. Wir kosten überall nur davon. Auch Maria, die Schwester von Panagiotis kommt vorbei und wir verbringen einen schönen gemeinsamen Nachmittag.
Osterschmaus in Olga’s Haus Auch die Nachbarn von Panagiotis feiern ausgiebig das Osterfest
Ich begleite dann Panagiotis noch in seinem Taxi bei einigen Fahrten. Eine gute Gelegenheit für mich Athen bei Nacht kennenzulernen. Und so nebenbei haben wir auch Zeit uns zu unterhalten…
Mit Panagiotis beim Taxifahren
17.04. Heute steht wieder eine Wanderung am Programm. Maria hat mich eingeladen, mit ihren Freunden zu einer Wanderung an der Küste von Attika mitzukommen. Wir haben gutes Wetter und besuchen alte Minen, in denen bis vor Hundert Jahren verschiedene Mineralien abgebaut wurden.
Rechts eine der alten und verlassenen Minen in der Nähe von Lavrion
Danach kehren wir in der Hafenstadt Lavrion ein und genießen den Frühling in Griechenland.
Ostermontagsschmaus im Hafen von Lavrion
Gegen 18h kommen wir wieder zurück nach Athen. Panagiotis erzählt mir, dass er den ganzen Tag gearbeitet hat und jetzt eine Frau vom Flughafen abholen müsse. Klar, dass ich da mitkomme. Eine ältere Frau von der Insel Kos kommt etwas verspätet mit dem Flugzeug in Athen an und um ca 22h sind wir wieder zurück von der Fahrt.
18.04. Heute vormittag steht das kleine Service vom Taxi auf dem Programm. Wir fahren also in die Werkstatt von Bill und George. Es sind dies zwei Brüder und Freunde von Panagiotis, die ich schon vom letzten Mal kenne. Wir essen gemeinsam Bougatsa, eine griechische Mehlspeise zum Frühstück und trinken Frappé, einen kalten griechischen Kaffee dazu. Danach wird Öl und Wasser nachgefüllt, etc bevor wir wieder zurück sind.
George und Panagiotis beim kleinen Service
Myrto, die Nichte von Panagiotis, hat heute ihren 15. Geburtstag und wir sind bei ihr zum Essen eingeladen. Auch ihre Schwester Viktoria ist eingeladen, die in einer Woche 18 Jahre alt wird und gerade für die Abschlußprüfungen lernt.
V.l.n.r.: Panagiotis, seine Schwester Maria, Myrto (das Geburtstagskind), Viktoria und Olga
Danach fahre ich mit Panagiotis noch zum Taxistand und während er noch ein paar Taxifahrten macht, kaufe ich mir noch ein langärmeliges Leibchen, ein paar Socken und zwei Müllsäcke zum Unterlegen für die Isomatte. Danach kehren wir wieder zurück und essen noch gemeinsam mit Olga Toasts und trinken Wein dazu.
19.04. Olga macht mir wie jeden Morgen in der Früh einen Kaffee und wir unterhalten uns ein wenig über die Vorkommnisse in ihrer Familie. Dann fahre ich mit dem Bus zur Metrostation Anthoupoli und von dort mit der roten Linie in das Stadtzentrum. Meine Stadtbesichtigung beginnt beim Syntagmaplatz und beim Grab des unbekannten Soldaten.
Syntagmaplatz in Athen
Danach geht es durch einen schönen Park zum Panathinaiko-Stadion, wo 1896 die ersten olympischen Spiele stattgefunden haben. Im Anschluss daran besuche ich das Akropolis Museum und die Akropolis, den großen, der Stadtgöttin Pallas Athena geweihte Burgberg im Herzen von Athen.
Stadtgöttin Pallas Athena (rechts) und Erechtheus geben sich die Hand – ca. 400 Jahre v. Chr. – im Akropolis Museum Nike Tempel auf der Akropolis Der Parthenon – der Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athena auf der Athener AkropolisDas Erechtheion – ein Tempel im ionischem Baustil aus dem 4. Jhdt v. Chr.
Von hier gibt es eine schöne Aussicht auf die Stadt und die Ägäis. Dann kehre ich mit der Metro wieder zurück zur Anthoupoli Station wo ich am Taxistand Panagiotis treffe. Wir machen gemeinsam noch eine Fahrt und fahren dann nach Hause wo Olga schon mit ihren gefüllten Tomaten, Paprika, usw wartet.
Olga mit den gefüllten Tomaten und Paprikas, etc… – vielen Dank!
Wir haben ein schönes gemeinsames Abendessen bevor wir uns alle mit einem vollen Bauch zur Ruhe begeben.
20.04. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Taxi von Panagiotis zur Anthoupoli Metrostation und treffen Christo. Christo ist ein Grieche in unserem Alter und fährt mit dem zweiten Taxi von Panagiotis. Sie besprechen einige Dinge und ich fahre dann gemeinsam mit Christo in die Stadt. Während er nach Hause fährt, besuche ich vormittags den grossen Markt im Zentrum von Athen. Ich kaufe mir hier eine neue Zeltunterlage und gehe dann im Restaurant Tipo in der Nähe des Marktes essen.
Fischmarkt im Zentrum von Athen
Es gibt hier jeden Tag nur ein oder zwei Gerichte, die allerdings vom feinsten sind und durchaus auch preiswert. In einem Keller mit Weinfässern wird hier guter Fisch serviert, den ich mir mit gutem Weißwein schmecken lasse. Danach gehe ich ins Archäologische Nationalmuseum, das vor allem der griechischen Antike gewidmet ist und Objekte aus allen Gebieten von Griechenland zeigt.
Archäologisches Nationalmuseum in Athen ‚Der Denker‘ – eine Tonfigur aus der Zeit zwischen 4500 und 3300 v. Chr., gefunden in Karditsa in ThessalienStatue von Poseidon, in der griechischen Mythologie Gott des Meeres und Bruder des Zeus – gefunden auf der Insel Milos, ca. 125 bis 100 v. Chr.Aphrodite (Göttin der Liebe und Schönheit), Eros (Gott der begehrlichen Liebe) und Hirtengott PanVasen mit verschiedenen Motiven von Nike, der Siegesgöttin in der griechischen MythologieIn den Straßen von Athen…
Gegen 20h komme ich dann wieder zu Olga nach Hause. Da mir von den vielen Erdnüssen vom Markt nicht besonders gut im Magen ist, macht sie mir Tee und gibt mir ein Joghurt mit Honig zum Essen. Mein Befinden bessert sich daraufhin schnell wieder. Panagiotis kommt um ca. 22h nach Hause. Er hat heute den Rest der Familie von der Insel Kos vom Flughafen in Athen in die Stadt gebracht. Die Familie feiert hier in Kürze eine Hochzeit. Da ich morgen weiter gehen werde Richtung Delphi und Albanien, besprechen wir noch einige Sachen zur Route bevor wir ins Bett gehen.
21.04. Olga macht mir noch einmal einen köstlichen griechischen Kaffee und wir frühstücken gemeinsam mit Panagiotis. Dann heißt es Abschied nehmen was uns allen nicht leicht fällt.
Gesamtkilometer: ca. 6.575
Fazit: Ich habe hier in Athen eine wunderschöne Woche mit Panagiotis und seiner Mutter Olga verbracht. Ich konnte einen sehr guten Einblick bekommen in eine griechische Familie und welchen Stellenwert das orthodoxe Osterfest in Griechenland einnimmt. Es ist mit Abstand das wichtigste Fest im Jahr. Ich komme immer wieder gerne nach Athen, wohl auch deshalb weil ich hier einen sehr guten Freund und eine Familie habe. Vielen Dank Panagiotis für all deine Hilfe, Tipps und lustigen Stunden, vielen Dank Olga für deine herzliche Gastfreundschaft! Es war mir eine Freude bei Euch eine Woche verbringen zu dürfen und freue mich auf ein Wiedersehen, wo und wann auch immer!!!
ÜBRIGENS: Wenn jemand nach Athen kommt, hier die Kontaktdaten von meinem Freund Panagiotis. Er fährt über 30 Jahre bereits in Athen mit seinem Taxi und übernimmt Transfers vom Flughafen in die Stadt Athen. Er würde sich über einen Anruf von Euch freuen.
03.04. Die Nacht am Spielplatz von Kas war windig und einmal musste ich die Heringe vom Zelt mitten in der Nacht nachspannen. Es ist noch finster als ich mein Zelt abbaue und in Kas ein offenes Lokal finde, wo es Hühnersuppe (Tavuk corbasi) gibt.
Mustafa Kemal (Atatürk) darf nicht fehlen – am Hauptplatz von Kas
Via Yeniköy gelange ich nach ca. 1.000 Höhenmeter gegen Mittag in die Ortschaft Gökceören. Ein verschlafenes Dörfchen aber ein geschäftstüchtiges Ehepaar bietet hier Mittagessen an. Selbst übernachten könnte man bei ihnen. Es gibt Reis, Bohnen und Salat, dazu wie immer Brot und schmeckt richtig gut. Dann geht es den Berg wieder hinunter nach Kalkan, das direkt am Meer liegt.
Blick auf die Stadt Kalkan – am Horizont die Insel Megisti, die bereits zu Griechenland gehört. Von hier gehen auch Schiffe auf die griechische Insel Rhodos.
Oberhalb von Kalkan esse ich eine Pide, eine türkische Pizza, und überlege mir dann wo ich übernachten könnte. Der Wetterbericht für heute Abend und morgen ist nicht gut, stürmisch und evtl auch Regen. Da brauche ich ein festes Dach über dem Kopf. Es herrscht hier überall Goldgräberstimmung und es wird viel gebaut. Dementsprechend gibt es hier auch viele Rohbauten und in genau so einem verbringe ich die kommende Nacht.
In diesem Rohbau hatte ich ein festes Dach über dem Kopf – mit den leeren Zementsackerln hatte ich allerdings nicht gerechnet… 🙂 der Wind brachte sie mir…
04.04. Der Wetterbericht hat recht behalten und es wurde ordentlich stürmisch. In der Früh packe ich dann meine Sachen zusammen und wärme mich mit cay, Käsebörek und Simits auf. Das Wetter ist nach wie vor stürmisch und nicht einladend zu gehen. Um 9h starte ich trotzdem und manchmal versetzt mich der Seitenwind um einen halben Meter in den Seitengraben. Gegen Mittag erreiche ich die Ortschaft Cavdir wo ich in einer Lokantasi Reis, Fleisch mit Bohnen, Joghurt, Tomaten und Brot esse. Als Nachspeise gibt es meinen geliebten Sütlac, den Milchreis, den diese Frau besonders gut machte. Gestärkt erreiche ich dann so um 14h Xanthos, eine ehemalige Stadt in Lykien. Hier gibt es ein lykisches Theater zu besichtigen in dem es vor ca. 2.000 Jahren auch Gladiatorenkämpfe gegeben hat.
Lykisches Theater in Xanthos, einer der großen lykischen Städte vor mehr als 2.000 JahrenHarpy Monument – es ist das beste erhaltene Beispiel eines lykischen Säulengrabes; aus dem 5. Jhdt. v. Chr.
Nach einer weiteren Stunde erreiche ich auch noch Letoon wo es ebenfalls ein lykisches Theater und mehrere Tempel zu besichtigen gibt.
Recht entspannte Stimmung mit locals im lykischen Theater von LetoonEiner der vielen lykischen Tempel in Letoon
Kurz nach Letoon komme ich zu einer Moschee wo ich Rast mache. Der vordere Innenraum scheint mir gut für eine Übernachtung geeignet. Kinder zeigen mir das Haus vom Imam, der mir ohne zu zögern erlaubt darin zu schlafen. Ich koche mir Nudeln und die Kinder bringen mir auch noch Früchte und Tomaten vorbei. Kaum bin ich fertig, beginnt es draußen dann auch schon wieder zu regnen. Glück gehabt, denke ich mir nur. Ich telefoniere wieder einmal mit Frau Muttern, der es immer besser geht und diese Woche wieder von der Reha nach Hause kommen wird.
Jeder Tag ist hier wie ein Geschenk für mich, denke ich mir nur. Und es macht mich einfach nur glücklich mit so wenig auszukommen… Gegen 20h kommen heute noch viele Gläubige vorbei um zu beten. Ich verfolge ihre Bewegungen aus meinen Augenwinkeln und schlafe zufrieden ein.
Schlafplatz in der Moschee von Letoon
05.04. Da gerade Ramadan ist kommt dieses mal der Imam schon um 5h morgens in die Moschee. Pünktlich um 05:15 ertönt dann via Lautsprecher der Gebetsruf, der sogar die Hühner verstummen lässt. Auch einige Gläubige kommen auf ein Gebet vorbei. Als sie fertig sind und wieder gehen, stehe ich auf und esse meine letzten Müslireste. Dazu trinke ich einen halben Liter warmes Wasser. Ein Quantum, das ich fast jeden Tag in der Früh trinke. Gegen 9h vormittags komme ich bei einem türkischen Kreisler vorbei, kaufe 4 Simits und Käse für den Tag. Zwei Tomaten habe ich ja noch von gestern von den Kindern, das sollte heute für das Mittagessen reichen.
Eines der vielen Gewächshäuser – die Tomaten gedeihen hier prächtig! Und sie schmecken auch so…
Der lykische Wanderweg führt in diesem Abschnitt am Patarastrand vorbei und ich höre mir einige Zeit das Rauschen des Meeres an.
Patara Beach
Dann geht es einige Hundert Höhenmeter hinauf und bei einem Platzerl mit schöner Aussicht auf das Meer esse ich dann all mein Mitgebrachtes.
18 Raupen in einem Convoy – am Weg nach Bel
Gegen 15h, kurz vor Bel, beginnt es heute dann doch einmal recht hartnäckig zu regnen und ich kehre in der Raziye Pansiyon ein. 300 TL für ein Zimmer mit Abendessen und Frühstück sind ein guter Preis und die selbstgemachten Gözleme (dünnes Fladenbrot mit verschiedenen Füllungen) von der Hausherrin namens Raziye schmecken hervorragend.
Hausherr Ramazan mit seiner Ehefrau Raziye – ein herrliches Ehepaar mit großem HerzRaziye Pansiyon in Bel – hervorragend!
Ich sitze derzeit mit einigen anderen türkischen Wanderern um den warmen Ofen, wo wir unsere Knochen wieder etwas aufwärmen. Am Abend wird ordentlich aufgekocht und gemeinsam mit einigen Russen schlage ich mir noch den Bauch voll.
06.04. Der Regen hat wieder aufgehört und so starte ich nach einem ausgiebigen Frühstück früh kurz nach 7h.
Ortschaft Bel
Es geht heute wieder viel bergauf und bergab und so mache ich in der Ortschaft Yediburunlar eine Kaffeepause. Am Vormittag hat es hier bereits um die 15 Grad wenn die Sonne scheint, ideal zum Flanieren.
Kaffeepause in Yediburunlar – heute scheint wieder die SonneFrühling in der Türkei – Teil 1Frühling in der Türkei – Teil 2
Dann gehe ich meist auf der Straße entlang bis nach Alinca wo ich eine kurze Mittagspause mache. Für heute Nachmittag ist wieder Schlechtwetter angesagt und so habe ich es ein wenig eilig in die Ortschaft Kabak zu kommen. Kabak liegt in einem richtigen Kessel direkt am Meer und während ich in diese Ortschaft absteige, beginnt es schon leicht zu regnen. Bis ich dann in Kabak ankomme bin ich dann doch schon ganz schön nass und ich bin froh auf einem Campingplatz in einem großen, bereits aufgebauten Zelt mit einer Matratze Unterschlupf zu finden. Kaum habe ich mich ein wenig eingerichtet und die trockenen Sachen angezogen, beginnt es draußen auch schon stark zu regnen und ein ordentliches Gewitter kommt hinzu. So decke ich mich mit drei Decken zu und höre mir das Naturschauspiel an. Irgendwie schön beruhigend wenn der Regen so auf das Dach prasselt, wenn man im Trockenen ist. Nach ca. 2 Stunden lässt auch das Gewitter wieder nach und ich esse eine warme Suppe und trinke Tee. Ich schlafe früh ein und fühle mich sehr wohl in so einem großen Zelt mit dicker Matratze und warmen Decken.
07.04. Um ca. 6h lässt der Regen heute nach und so koche ich mir warmes Wasser und esse das restliche Brot von gestern und ein paar Kekse zum Frühstück. So um halb acht gehe ich dann auf einer Schotterstrasse Richtung Fethiye.
Fethiye liegt heute nur mehr ca. 30 km entfernt und ich beschließe es heute noch zu erreichen. Es hat in der Nacht in höheren Lagen auf knapp 2.000m geschneit und im Tal sind bereits die Zitronen reif.
Schnee in den Bergen und Zitronen im Tal – möglich am lykischen Wanderweg zwischen Antalya und FethiyeTja, wer ist denn da schon unterwegs?
Die Küste ist in diesem Abschnitt sehr steil und beeindruckend. Auch viele Paragleiter sind unterwegs, die von den Bergen über das Meer bis an die Küste gleiten. Es beginnt hier gerade die Saison und so finde ich in der Ortschaft Belcegiz nach längerer Suche doch noch etwas zu essen. Über einen schmalen Bergweg komme ich dann so um 16h in Fethiye an.
Fethiye in Sicht
Ich finde im HZD Apartments Hostel um 250 TL die Nacht eine gute Unterkunft in einem 6 Bett Zimmer, ohne Frühstück. Ich dusche, gebe meine Wäsche zum waschen und kaufe mir am Markt, der jeden Freitag hier in Fethiye abgehalten wird, gute Gözleme und Katmer.
Freitagsmarkt in Fethiye Gözleme mit Käse und Spinat (links) und Katmer (rechts) – am Freitagsmarkt in Fethiye
Ich bin gerade mit meinem Freund Panagiotis aus Athen in Verbindung, da ich ihn auf meiner Wanderung nach Hause in Athen besuchen werde. Heute erfahre ich von ihm, daß im orthodoxen Griechenland Ostern um eine Woche später als bei uns gefeiert wird. So werde ich den nächsten Tage von Fethiye ein Schiff nach Rhodos nehmen und von dort weiter mit einem anderen Schiff nach Athen. Und das ganze noch möglichst vor dem orthodoxen Osterfest, das eine Woche später stattfindet als in der katholischen Kirche. Orthodoxe Ostern mit Panagiotis in Athen verbringen, das ist der Plan. Derzeit sitze ich gerade mit Mustafa und Hussain im Hostel und trinke Tee.
Mit Mustafa (links) und Hussain (rechts) im HZD Apartments Hostel
08.04. Frühmorgens mache ich mich auf gleich auf den Weg zum Hafen und erfahre von mehreren Seiten, dass die morgige Fähre nach Rhodos abgesagt wurde.
Im Hafen von Fethiye
Das nächste Schiff geht am kommenden Mittwoch oder Donnerstag. So habe ich hier schön Zeit wieder einmal durchzuschnaufen und zu rasten nach dem lykischen Wanderweg. Ich klettere dann zur Burg hinauf, von wo man einen schönen Blick auf die Bucht von Fethiye und die schneebedeckten Berge hat.
Blick von der Burg auf die Hafenstadt FethiyeIn den Straßen von Fethiye
Dann besuche ich noch einige Felsengräber, allen voran das Grab von Amyntas, auch als Fethiyegrab bekannt. Es ist dies ein antikes griechisches Felsengrab, das ca. 350 v. Chr. von den Lykiern erbaut wurde. Die Lykier waren eine eng verbundene Konföderation unabhängiger Stadtstaaten, einschließlich Telmessos (dem heutigen Fethiye).
Felsengrab von Amyntas – in FethiyeBlick von der Grabkammer des Grabes von Amyntas auf FethiyeWeitere lykische Felsengräber in Fethiye
Zumittag esse ich in einer Lokantasi Köfte, bevor ich wieder in die Unterkunft zurückkomme. Ich bekomme wieder die trockene und vor allem saubere Wäsche was richtig gut tut. Dann verrät mir Hussain einen guten Schneider in der Altstadt, der mein langärmeliges Shirt und eine der beiden Gamaschen wieder zusammenflickt.
Mein langärmeliges Leiberl aus Merinowolle braucht eine Rundumerneuerung – in der Altstadt von Fethiye
Während ich noch einmal Katmer esse, dieses Mal die süße Variante aus der Gegend von Gaziantep, telefoniere ich mit Muttern.
Katmer – die süße Variante
Sie ist jetzt wieder zuhause in Linz und ist schon wieder voller Tatendrang, sodass ich sie wieder etwas bremsen muß. Gut Ding braucht Weile… Da heute Samstag ist, verbringe ich den Abend in der Altstadt in der Deep Blue Bar, wo es gute Livemusik gibt.
09.04. Heute ist zuhause Ostersonntag und ich werde versuchen, hier im muslimischen Fethiye einen Gottesdienst zu besuchen. Eine Kirche gibt es ja…
Tatsächlich gibt es um 11h einen Gottesdienst in der einzigen Kirche in Fethiye, und das in drei verschiedenen Sprachen (Türkisch, Englisch und Russisch).
Gottesdienst am Ostersonntag in Fethiye – in drei verschiedenen Sprachen
Danach gehe ich in die Gar Lokantasi am Busbahnhof wo ich einen Lammspieß esse und selbstgemachtes Ayran trinke. Mein Osterschmaus quasi.
Lammfleisch mit Ayran – mein Essen am Ostersonntag
Am Abend schaue ich mir noch in der Altstadt ein Fußballspiel aus der englischen PL an – Liverpool vs Arsenal, das 2:2 endet.
10.04. Nach einem Frühstück in der Aksam Simit Sarayi Bäckerei gehe ich in den Hafen und erfahre, dass das nächste Schiff nach Rhodos am kommenden Donnerstag fahren wird. Ich kaufe mir ein Ticket und da es heute regnet, lege ich ein Regenprogramm ein. ‚John Wick – Teil 4‘ heißt der einzige Film, den sie hier im Kino um 65 TL (umgerechnet ca. 3 €) zeigen. Ich habe irgendwann einmal aufgehört wieviele Tote es gab und mir wurde wieder einmal richtig bewußt wie wenig mir Kino, TV, Medien, etc. abgeht… Danach gehe ich wieder einmal zum Friseur, der mir die Haare stutzt und meinen Bart abrasiert. In der gegenüberliegenden Gar Lokantasi esse ich eine EzoGelin Suppe und kehre dann in die Unterkunft zurück. Hier sind wir zu viert. Mustafa, der Hostelbetreiber, der mit einer Uzbekin verheiratet ist und perfekt Russisch spricht. Hussain aus Maras, einer vom letzten Erdbeben stark betroffenen Stadt und Alexander aus Moskau, ein Russe, der vor der heimischen (russischen) Politik geflüchtet ist. Sehr angenehme Atmosphäre.
11.04. Ich frühstücke wieder in derselben Bäckerei und vertreibe mir gerade die Zeit mit dem Warten auf das Schiff mit einem Spaziergang durch die Bucht von Fethiye. Hier werden gerade alle Schiffe auf Vordermann gebracht bevor die Saison wieder losgeht.
Der Unterboden muß dicht sein – in der Bucht von Fethiye
Zumittag esse ich hier in der Lokantasi türkische Mussaka mit Reis und Gurkenjoghurt bevor ich wieder in die Stadt zurückkehre.
Bucht von FethiyeVor ca. 100 Jahren war Fethiye gerade einmal ein beschauliches Fischerdorf Türken beim Zweierschnapsen ala Türkisch – in der Altstadt von Fethiye
Im Quartier sichere ich wieder einmal meine Fotos auf zwei verschiedene USB Sticks und bereite mich schön langsam auf die Fahrt mit dem Schiff vor.
12.04. Den letzten Tag in Fethiye verbringe ich ruhig am Strand, telefoniere mit zuhause und schaue nochmal im Büro des Schiffes Unternehmens vorbei. ‚Alles klar für morgen‘ und so packe ich dann in der Unterkunft meine Sachen um morgen früh gestellt zu sein.
Gesamtkilometer: ca. 6.560
Fazit: Der lykische Wanderweg ist landschaftlich wunderschön und touristisch bereits gut erschlossen. Man findet letztlich alle 10 oder 15 km etwas zu essen bzw. eine Wasserstelle. So bleibt der Rucksack leicht, hurra. ‚Wer leicht geht, geht sich leicht‘ lautet immer wieder die Devise. Selbst während des Fastenmonats Ramadan waren in dieser Ecke der Türkei die Restaurants und Lebensmittelläden offen. Die Einheimischen halten sich allerdings schon größtenteils an die Tradition des Fastens untertags. Im Vergleich zum anatolischen Hochland im letzten Jahr ist mir ehrlich gesagt diese doch schon sehr touristische Gegend um den Tick zu touristisch mit all den Begleiterscheinungen – viel höhere Preise, weniger Gastfreundschaft und auch die Freundlichkeit sind der Preis des Tourismus. Ich verbringe nun einige Tage in der sehr interessanten Stadt Fethiye und genieße noch einmal all die guten Gerichte der türkischen Küche. Dem Land Türkei wünsche ich viel Glück vor allem in Hinblick auf Naturkatastrophen wie Erdbeben, etc. Auch politisch werden die nächsten Wochen interessant, steht doch am Sonntag, 14. Mai die nächste Präsidentenwahl am Programm. Auf diesem Weg möchte ich mich bei all den wunderbaren und hilfsbereiten Menschen in der Türkei bedanken, die mir in vielen Situationen zur Hilfe standen.
Güle güle ve teşekkürler Türkiye (Auf Wiedersehen und danke Türkei).
20. – 23.03. Nun bin ich also wieder zurück in der Türkei. Nach fast vier Monaten im Nahen Osten habe ich mich auch irgendwie schon wieder gefreut auf dieses Land. Freundliche Leute, gutes Essen, schöne Landschaften und letztlich auch Kultur aus der Zeit der Griechen, Römer, dem byzantinischen (oströmischen) Zeitalter und letztlich auch der Zeit der Osmanen zeichnet die Türkei heute aus.
Schlaftrunken erreichte ich das Vague Hostel frühmorgens am Montag, 20.03. Der einzige Direktflug mit der türkischen Pegasus Fluglinie von Amman nach Antalya ging ja mitten in der Nacht und ich kam nicht zum Schlafen. Im Vague Hostel hatte man gerade noch ein Bettchen für umgerechnet 14€ die Nacht in einem 5 Bett Zimmer für mich frei. Ich erledige dann einige kleine Dinge wie meine alte Vodafone SIM Karte neu aufladen und Geld abheben bevor ich mich um die Mittagszeit ein wenig ausruhe. Am Abend habe ich mich heute mit Toni Inauen aus der Schweiz in der Lobby des noblen Ramada Plaza Hotels verabredet. Toni ist auch gerade am Weg nach Jerusalem und macht hier ein paar Tage Pause bevor er wieder in Anatolien weiter geht.
Ein guter Rotwein darf nicht fehlen – mit dem Jerusalempilger Toni Inauen im Ramada Plaza Hotel in Antalya – vielen Dank und alles Gute dir auf dem Weg!
Es ist schön mit Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen und ich wünsche ihm alles Gute auf seinem Weg in das Heilige Land.
Die restlichen Tage schaue ich mir Antalya etwas genauer an. Es gibt hier den sogenannten Düden-Wasserfall, der sich etwa 6 km östlich des Stadtzentrums befindet.
Der Schnee lächelt vom Taurusgebirge runter auf die Küste vor Antalya Unterer Düden-Wasserfall außerhalb von AntalyaAuch hier in Antalya hat der Frühling bereits begonnen…
Gestern war ich dann in der Altstadt, in der es noch viele gut erhaltene Häuser aus der osmanischen Zeit gibt.
Häuser im osmanischen Baustil – in der Altstadt von Antalya
Wunderschön gelegen auch die Marina mit Jachten und Fischerbooten. Zudem einige schöne Moscheen und am Abend gehe ich das zweite Mal in das gute Fischrestaurant Citar Balik, wo es um einige Euro verschiedene Fischbrote und Salatbuffet gibt.
Hadrian’s Tor – Eingang zur Altstadt von AntalyaBlick auf die Marina von AntalyaBlick von Antalya auf die Berge des ca. 1.500 km langen Taurusgebirges, das das anatolische Hochland vom Mittelmeer trennt
Heute (23.03.) stehe ich früh auf und sitze gerade in meinem Frühstückscafe. Bei einem Menemen, eine Art türkische Eierspeise mit Tomaten, etc.. plane ich gerade die Heimreise und vor allem die nächsten Wochen am lykischen Weg nach Fethiye. Es erwartet mich Schönes…
24.03. Nachdem es gestern noch ein wenig geregnet hat, ist heute morgen der Himmel wieder blau. Ideal um den Lykischen Weg von Antalya nach Fethiye über ca. 500 km zu starten.
1. Seldschukischer Sultan Giyaseddin Keyhüsrev (1164 – 1211) – er ist der erste türkische Eroberer von Antalya Start in Antalya – der lykische Weg zieht sich über mehr als 500 Kilometer entlang der Küste nach Fethiye
Zuerst geht es von Antalya entlang des Ufers und nach ca. 2 Stunden Gehzeit genehmige ich mir in einem Café einen Tee und Karottenkuchen. Ich gehe heute hauptsächlich der Küste entlang und um die Mittagszeit erreiche ich den Industriehafen von Antalya. Hier wird fleißig gearbeitet und ich esse gemeinsam mit den Arbeitern Sardellen, gemischten Salat und Brot. Alles frisch und bestens! Dann durchquere ich einen Straßentunnel bevor ich kurz außerhalb von Beldibi am Strand mein Zelt aufstelle und seit langer Zeit wieder einmal eine Nacht am Meer verbringe.
25.03. Frühmorgens gehe ich heute los Richtung Kemer. Ich möchte ja heute auf den Tahtali (2.365m) rauf. In Kemer angekommen stärke ich mich noch mit einem Tee und fahre dann mit dem lokalen Bus Nr. 8 Richtung Talstation des Olympus, wie der Tahtali hier auch genannt wird. Im Bus lerne ich Suat und Cengizhan aus Istanbul kennen. Gemeinsam fahren wir mit der Gondel rauf auf über 2.000m. Hier empfängt uns Schnee und wunderschöne Aussicht auf das noch mit Schnee bedeckte Taurusgebirge und das Meer.
Mit Suat und Cengizhan vor der Bergstation des Tahtali (2.365m)
Nach einigen Stunden fahren wir wieder mit der Gondel runter ins Tal. Während die beiden wieder zurück nach Antalya fahren, steige ich in Kemer aus. Im selben Lokal wie am Vormittag esse ich einen Lahmacun und kaufe mir gegen Abend noch eine neue Batterie für meine Uhr. Ich konnte beinahe keine Ziffern mehr erkennen… 🙂 Ich fülle meine Wasserflaschen und kurz außerhalb von Kemer übernachte ich außerhalb eines Club Meds im Zelt.
26.03. Heute geht es das erste Mal schön entlang der Küste, viel auf und ab, und an alten römischen Städten vorbei.
Römischer Sarkophag am Weg nach TekirovaAm Weg zur Tekirova BuchtHier thront er – der Tahtali (2.365m)Am Weg zur Tekirova Bucht Der Frühling hat hier bereits voll eingesetzt
In der malerisch gelegenen Tekirova Bucht campiere ich gemeinsam mit einem russischen Pärchen, das hier ebenfalls ihr Zelt aufgestellt hat. Überhaupt sind hier in dieser Ecke der Türkei sehr viele Deutsche, Russen und neuerdings auch Ukrainer. Suat meinte gestern, dass er sich hier als Türke fast wie im Ausland fühle…:-) Ich koche mir am Abend noch eine Suppe und verbringe einen schönen geruhsamen Abend am Strand.
27.03. Gestern Abend waren sie mir schon aufgefallen und auch heute morgen begrüßen sie mich als erstes – Gelsen! Nach einem Müsli setze ich mich wieder in Bewegung. Wieder entlang der Küste auf wunderschönen Wegen erreiche ich gegen die Mittagszeit die Ortschaft Cirali.
Immer wieder bieten sich solche Buchten zum Schwimmen und Verweilen an
Es ist einer dieser touristischen Orte, die mir nicht so recht gefallen. Ausserdem für türkische Verhältnisse sehr teuer. So gehe ich weiter und schaue mir vorerst einmal die ehemals lykische Stadt Olympos an, die im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Lykern erbaut wurde.
Lykische Stadt Olympos aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.
Ich wähle dann eine Route im Landesinneren und gegen Abend erreiche ich die Ortschaft Adrasin. Es ist einer dieser Orte, die mich ein wenig an Anatolien erinnern. Kein Tourismus und ein paar Teestuben.
Atatürk Monument – in Adrasin
In einer dieser Teestuben trinke ich cay und esse meine mitgebrachten Tortillas und Erdnussbutter. Harald, du hast mich da auf eine kulinarische Idee gebracht wenn du das liest… 🙂 Dann lerne ich einen Einheimischen kennen und er bietet mir an bei Freunden zu übernachten. Dankend nehme ich an. Ich liege derzeit in einem kleinen Häuschen auf meiner Isomatte wo ich diese Zeilen schreibe.
28.03. Es war eine sehr ruhige Nacht und um ca. 6h morgens wecken mich dann die Hühner auf. Ich packe meine Sachen und kaufe mir in einer Bäckerei einen Strutzen Weißbrot, den ich im selben Café wie gestern mit etwas Erdnussbutter verspeise. Dann führt mich der Weg Richtung Küste wo mir starker Wind entgegen bläst.
Stürmische Zeiten – am Weg nach Finike
Letztlich finde ich im guten und billigem Hotel Anadolu kurz vor Finike Schutz vor dem herannahenden Sturm, der über mich hinweg fegt. Ich zahle 300 TL (15€) die Nacht inkl. Frühstück. Eine Dusche tut nach fünf Tagen Wandern auch wieder einmal gut. Vor einigen Tagen hat in der Türkei ja der Ramadan, der Fasten Monat, eingesetzt. In dieser Ecke der Türkei ist davon eher weniger davon zu merken und es ist kein Problem untertags an Essen und Trinken zu kommen. Neben Supermärkten sind auch Restaurants offen. Im Osten der Türkei ist das sicher eine andere Sache.
29.03. Um 7h sitze ich pünktlich beim Frühstückstisch und lasse mir Tomaten, Gurken, Käse, Brot, Eier, etc schmecken. Tee und warmes Wasser darf natürlich dabei auch nicht fehlen. Dann verabschiede ich mich von dieser guten Unterkunft. Ich merke schnell, dass sich der Wind wieder beruhigt hat, auch das Meer ist wieder freundlicher. So gehe ich heute entlang der Küste.
Einheimische – am Weg nach Demre
Um die Mittagszeit kaufe ich mir Brot und ein Junge bringt mir Tomaten und Paprika, die hier in großen Plantagen wachsen. Alles organisch, versichert er mir. Dann erreiche ich das Städtchen Demre, das ehemalige Myra. Hier wurde der heilige Nikolaus geboren, dessen Sterbetag am 6. Dezember auch wir ja immer noch feiern. Ich quartiere mich im Grand Hotel Kekova ein und werde hier einmal zwei Nächte verbringen. Es gibt hier einiges zu sehen und eine kleine Pause kann ja auch nicht schaden. Am Abend esse ich eine EzoGelin Suppe, meine Lieblingssuppe in der Türkei. Als Nachtisch verspeise ich noch Baklava mit Eis, hmmm. Dann mache ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt, die mir recht gut gefällt.
30.03. Heute ist ein Rasttag. Zeit also für solche Dinge, die ich während des Gehens immer wieder aufschiebe. Nach dem Frühstück gehe ich zuerst zu den Felsengräber von Myra wo sich auch ein römisches Theater befindet.
Felsengräber in Myra, dem heutigen DemreBei den Felsengräbern in Myra, dem heutigen DemreRömisches Theater in Myra, dem heutigen Demre
Myra, das heutige Demre, war im 4. und 5. Jhdt. v. Chr. eine bedeutende lykische Stadt bis hinein ins 14. Jhdt. Jahrhundertelang kamen hier Pilger nach Jerusalem vorbei um sich den Segen zu holen. Hier lebte auch Nikolaus von Myra. Er war Bischof der orthodoxen Kirche und wird auch heute noch speziell in Griechenland und Russland verehrt. Sein Sterbedatum und Gedenktag am 6. Dezember ist uns allen bekannt. Er wird im gesamten Christentum begangen und ist mit zahlreichen Bräuchen verbunden.
Nikolaus von Myra, ‚unser‘ Weihnachtsmann – dahinter die St. Nikolaus Kirche
Der heilige Nikolaus ist zugleich Schutzheiliger der Kinder, Seefahrer, Reisenden und Armen. Am Rückweg in die Stadt kehre ich bei einem Barbier ein und lasse mich für 50 TL wieder einmal rasieren. Sehr zur Freude des Besitzers wie mir vorkommt. Zumittag esse ich im selben Lokal wie gestern Manti, eine Art Ravioli ala Türkisch. Alles wird hier mit Brot und Salat serviert. In dieser Lokantasi schmeckt einfach alles gut.
Manti – türkische Ravioli
Im Anschluss daran besuche ich noch die St. Nikolaus Kirche, die über dem Grab des Heiligen Nikolaus errichtet wurde.
Im Inneren der St. Nikolaus Kirche – in Demre Heiliger Nikolaus – in der St. Nikolaus Kirche in Demre
Dann lasse ich meine Gamaschen bei einem Schneider flicken und meine Vodafone SIM Karte neu aufladen. Nach einigen Telefonaten mit zuhause, esse ich in ‚meiner‘ Lokantasi Fleischsuppe (Et corbasi) und kehre dann wieder in die Unterkunft zurück.
31.03. Nach einem ausgiebigen Frühstück starte ich so um 8h morgens von Demre und gehe den lykischen Weg entlang der Küste. Immer wieder schöne Buchten und derzeit kaum jemand unterwegs.
Verlassene Buchten am lykischen Weg – hier am Weg nach Kas
In einem kleinen Dorf kaufe ich mir eine Cola und esse die mitgebrachten Tomaten und Paprika, gemeinsam mit Brot und Käse bis mein Bäuchlein voll ist. Ich telefoniere heute auch wieder einmal mit Sian alias MotherCourage, in Chelsea gibt es wieder Neuigkeiten mit dem Mieter. Da es heute fast windstill ist, gehe ich weiter entlang der Küste bis ich die Burg Simena erreiche. Nach einer kurzen Pause und einem Schwätzchen mit dem Ticketverkäufer, erklimme ich die Burg. Hier bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die nahegelegene Küstenlandschaft.
Ticketverkäufer Dumrus und seine Frau – bei der Burg SimenaTurkish Coffee schmeckt natürlich auch immer gut – speziell hier bei Dumrus Aussicht von der Burg Simena
Durmus, so heißt der Ticketverkäufer hier, empfiehlt mir mein Zelt beim nahegelegenen Fußballplatz aufzustellen. Auf diesem Fußballfeld hat wohl schon lange niemand mehr gespielt, denke ich mir dann nur. Aber ich verbringe hier eine wunderbare Nacht mit den Lauten von verschiedenen Eulen und Nachtvögeln.
01.04. Am Morgen esse ich wieder einmal Müsli und zwei Orangen, die ich gestern geschenkt bekommen habe. Dann gehe ich durch eine Marina in die nächste Ortschaft namens Kaleüçağız.
Bucht kurz vor der Ortschaft Kaleüçağız
Hier gibt es einen Lebensmittelladen und ich kaufe wieder Brot, Müsli und Käse ein. Gegen Mittag erreiche ich an der Küste eine kleine Bootsanlegestelle wo ich wieder meine Jause esse und mein Zelt trocknen lasse. In der Zwischenzeit hat es zugezogen und bei kühleren Temperaturen erreiche ich die Ortschaft Bogazcik. Da ich mir nicht sicher bin ob es heute zu regnen anfängt oder nicht gehe ich zur Moschee, dessen Vorbereich überdacht ist. Nach dem OK des Imam schlage ich hier für heute mein Quartier auf. Ich koche mir eine Suppe, esse mein Brot dazu und werde jetzt gleich schlafen gehen.
Mein Schlafplatz in Bogazcik – der überdachte Vorbereich der örtlichen Moschee
Der Imam verrichtet so um 19:30 noch einmal seinen Gebetsruf, meint aber auch gleich in gutem Englisch, dass eh niemand zum Beten kommen wird. Es ist ja derzeit Ramadan und die Essenszeit beginnt auch so um 19:30. Essen ist also doch wichtiger als Beten… 🙂 Nur so nebenbei – Nach dem Essen kamen dann doch noch ein paar Gläubige zum Beten und waren auch an dem nächtlichen ‚Gast‘ interessiert… 🙂
02.04. Ich mache mir morgens noch ein Müsli und gehe dann mal los. Heute allerdings nicht alleine. Der schwarze Hund, der schon die Nacht über bei mir verbracht hat, läuft mit mir mit. Er ist wohl auch froh einen kleinen Ausflug machen zu können.
Vor allem seine vornehme Pfötchenstellung beeindruckte mich…:-)
Es geht zuerst heute wieder an die Küste wo mir ein Campingbus mit deutschem Kennzeichen auffällt. Ich begrüße den Besitzer auf deutsch und auf meine Frage ob es hier wo einen Shop oder so gibt lädt er mich auf eine warme Tasse Kaffee ein. Es ist Andreas aus Frankfurt, der hier mit seinem Hund Tofu einige Wochen in der Türkei verbringt.
Andreas aus Frankfurt mit seinem Hund Tofu – vielen Dank für die Einladung!
Es tut gut wieder einmal Deutsch reden zu können und wir unterhalten uns viel auch über das Gehen und das Reisen mit einem Campingbus. Sein Mercedes Sprinter ist schon auch eine Augenweide und sehr gefinkelt innen ausgebaut. Nach ca. 1 Stunde verabschieden wir uns wieder und tauschen die Nummern aus. Wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal wieder… Nach weiteren zwei Stunden komme ich zum Nuris Beach und esse hier einen Nuris Burger. Mit einem Gemisch aus Cola und Wasser bringe ich mich wieder auf Vordermann. Auch der Hund ist hier bekannt und gönnt sich eine Pause.
Er hat sich auch eine Pause verdient – am Nuri’s Beach
Er bekommt noch etwas von meinem Burger ab bevor ich wieder alleine weitergehe und er hier bleibt. Es ist hier derzeit in der Türkei entlang der Küste bereits Frühling. Die Tageshöchsttemperaturen betragen max. 20 Grad und auch die Nächte sind nicht mehr kalt (so um die 10 Grad). So genieße ich hier jeden Tag wie einen Tag im Paradies.
Frühling am lykischen Wanderweg – kurz vor Kas
Gegen Abend erreiche ich dann die Ortschaft Kas. Sehr touristisch hier alles. Hier kaufe ich mir zur Abwechslung wieder einmal ein Efes Bier. Es ist wohl schon Monate her, daß ich das letzte Mal ein Bier getrunken habe. Am Campingplatz in Kas verlangen sie 300 TL, das zahle ich in der Türkei normalerweise für ein gutes Hotelzimmer. So lehne ich dankend ab und stelle mein Zelt auf einen Spielplatz wo ich die Nacht verbringen werde.
Gesamtkilometer: ca. 6.425
Fazit: Es ist immer wieder schön in der Türkei zu sein. Speziell der Frühling ist hier so schön und ich kann mich hier während dem Wandern auch gut von den Wüstenwanderungen in Israel und Jordanien erholen. Der lykische Wanderweg ist sehr gut markiert und um diese Zeit kaum begangen. Zum Teil führt er auch in touristische Ortschaften, in dem bereits alles auf Englisch angeschrieben ist, etc… Die Preise dementsprechend und nicht so wie im anatolischen Hochland. Es ist für mich hier wirklich ein Genusswandern nach den eher anstrengenden Wanderungen im Nahen Osten und in der Wüste.
05.03. Abschied von Petra… Nach 5 Tagen in Wadi Musa und der Felsenstadt Petra war heute der Tag gekommen um mich von diesem faszinierenden Ort zu verabschieden. Noch einmal mache ich dabei Rast bei der Schatzkammer bevor ich weiter Richtung Klein Petra gehe.
Abschied nehmen von Petra – hier vor der Schatzkammer
Dabei komme ich auch bei dem Löwentempel vorbei und lege auch noch einmal eine Rast beim Kloster ein.
Löwentempel in Petra Detail vom Löwentempel in Petra
Es waren wunderschöne 5 Tage an diesem außergewöhnlich Ort – der vergessenen oder rosa Stadt – wie Petra auch oft genannt wird. Dann gehe ich den gut ausgebauten Weg nach Klein Petra. Hier mache ich auf einem kleinen Parkbankerl Mittagspause.
Mittagspause in Klein Petra
Auch in Klein Petra gibt es Grabmäler, kleiner halt als in Petra, dafür auch weniger Leute.
Wandmalereien in einem der Grabmäler von Klein Petra
Ich fühle mich heute gut und ausgerastet und so gehe ich noch ca. 10 km weiter wo ich in einem Beduinenzelt übernachte. Suleman Musabeh, wurde mir gesagt, sei ein guter Mann und ich kann es nur bestätigen. Wir trinken gemeinsam chai, bevor ich mir eine Suppe koche und etwas Brot esse. Wir schlafen bald in Ruhe, in zwei Decken eingehüllt, ein.
Beduinenzelt von Suleman
06.03. Zum Frühstück gibt es Tee gemischt mit warmer Ziegenmilch. Haleb wird dieses Getränk hier auch genannt. Ich reiche meine Schachtel Datteln wieder in der Runde herum und esse etwas von meinem Müsli. Suleman bringt dann seine Kinder mit seinem Toyota in die Schule und ich mache mich auf den Weg nach Wadi Malaga. Nach einigen Stunden bergauf bei geröllartigem Gestein erreiche ich einen Sattel namens Ras Naqb Shdeid, der atemberaubende Ausblicke in beide Richtungen bietet.
Die Wüste lebt – Teil 3
Dann geht es ca. 800 Höhenmeter auch wieder hinunter, ebenfalls auf diesem Untergrund, was ordentlich in die Füße geht.
Am Weg hinunter zum Wadi Malaga
Schließlich komme ich um ca. 18:30 ziemlich erschöpft im Wadi Malaga an wo mich ein Beduine zu sich winkt. Nach einem chai bekomme ich auch hier eine Einladung übernacht zu bleiben und ich nehme dankend an. Dann kommen ca. 10 Männer vorbei und wir essen alle mit den Fingern aus einem großen Tablet mit einem Gericht aus Nudeln, Sauce, etc… Gegen 10h abends gehen sie dann wieder nach Hause und während die Hunde draußen auf ihre Herde aufpassen, gehen im Zelt die Lichter aus.
07.03. Ich gehe heute früh los, da auf mich heute auf ca. 22km nach Dana mehr als 1.000 Höhenmeter warten. Nach ca. 1 Stunde winkt mich der erste Beduine zu sich um mich zu setzen. Sogleich bringt ein anderer Beduine Brot, Eier, Käse und Orangensaft zum Frühstück. Es ist eine Tourgruppe und es war noch Essen übrig geblieben. So esse ich am Boden sitzend mein Frühstück und zum Abschied bekomme ich auch noch Wasser und einen Apfel. Nach ca. 1 Stunde komme ich bei einer Ecolodge vorbei wo ich Kaffee trinke und mich auf den bevorstehenden Anstieg vorbereite. Kaum zwei Stunden später erreiche dann ich einen schattigen Platz wo gerade eine britische Familie mit ihrem guide Mittagspause machen. Der guide bietet mir einen Sandwich an und so mache ich hier bei ihnen Mittagspause. Unglaublich auch hier die Gastfreundlichkeit.
Britische Familie mit ihrem guide – wir hatten viel Spaß!
Zum Abschied spielt er mir auch noch ein Ständchen auf seiner mitgebrachten Flöte und alle wünschen mir eine gute Weiterreise. Um ca. 16h erreiche ich dann die Ortschaft Dana, die auf über 1.200 Höhenmetern liegt. Das erste ist hier ein kleiner Lebensmittelladen, wo ich mir eine Cola und salzige Chips kaufe. Amir, der Betreiber des Ladens, bietet mir an bei ihm zu übernachten. 15 JD die Nacht und er gibt mir auch noch Brot, Käse, Falafel, etc dazu. Ich telefoniere hier auch wieder einmal mit Muttern und habe auch wieder die Gelegenheit meine Powerbank und mein Handy aufzuladen. Kurz nach Sonnenuntergang macht mir Amir noch heisses Wasser und mit einem Glas genieße ich wieder einmal eine Dusche, eine sogenannte ‚bucket shower‘. So liege ich jetzt wieder fein geschniegelt in einem Bett und werde morgen weiter gehen in Richtung Karak, einer Burg aus der Kreuzritterzeit.
Sonnenuntergang in Dana – Touristen aus aller Welt bestaunen dieses Tal, durch das ich heute hierher hochkam…
08.03. Heute ist es den ersten Tag seit ich in Jordanien bin, komplett bewölkt und neblig, es hat auch ordentlich abgekühlt. Um 07:30 höre ich Amir seinen Shop aufmachen und wenig später verabschiede ich mich von ihm. Zuerst führt der Weg heute noch einige hundert Höhenmeter hoch, bevor ich um die Mittagszeit in eine Ortschaft namens Busayra komme. Hier bestelle ich mir Kaffee, den ich gemeinsam mit Mohammed, dem Betreiber, auf einem Heizstrahler trinke.
Mohammed, der Betreiber des Lebensmittelladen in Busayra, lädt mich zu Kaffee und Tee ein – Shukran (Danke)!
Es ist empfindlich kalt geworden wieder, da tut jede Wärmequelle gut. Dann gehe ich viele Höhenmeter hinunter in einen sehr schönen Canyon und auf der anderen Seite wieder hoch in die Ortschaft Al-Matan.
Canyon am Weg nach Al-Matan
Seit ich Petra Richtung Norden verlassen habe, ist die Landschaft wieder etwas grüner und der Beginn des Frühlings ist auch hier bemerkbar. Nach mehr als 6 Wochen in der israelischen und jordanischen Wüste wieder einmal eine willkommene Abwechslung.
Blühender Baum am Weg nach Al – Matan – auch in Jordanien macht sich das Frühjahr bemerkbar
Im Dorf Al-Matan gibt es ein Visitorcenter, doch niemand ist hier und auch alle Türen sind verschlossen. Als ich bereits weitergehen will, biegt ein weiterer Wanderer um die Ecke. Er meint, es müsste jemand kommen, da er sich telefonisch angemeldet hat um hier zu übernachten. Es ist dies Corné, ein junger Holländer aus Rotterdam, der am Weg nach Süden unterwegs ist. Kurz darauf kommt auch schon Hussein mit zwei jüngeren Männern mit seinem Auto vorbei. Sie geben uns im Aufenthaltsraum eine Matratze und bereiten uns auch zwei Kannen Tee zu. Schließlich kochen wir uns beide in der Küche eine Suppe.
Mit Corné, dem jungen Holländer, im Visitorcenter Al-Matan
Danach erklärt uns Hussein, dass er einer der Gründer des Jordan Trails ist. Es gibt den Jordan Trail seit ca. 2017 und jährlich gehen ihn ca. 50 Personen. Wahrlich noch nicht überlaufen, so soll es auch bleiben. Wir bedanken uns mit 5 JD und verbringen einen erholsamen gemeinsamen Abend im Visitorcenter.
09.03. Corné hat heute eine längere Strecke vor sich und verabschiedet sich um ca. 07:30 Richtung Dana. Gemächlich packe ich dann auch meine Sachen zusammen und kaufe mir in einer Bäckerei Brot und Baklava für den Tag. Auf einer alten Couch neben einer Straße esse ich dann mein mitgebrachtes Brot. Und wieder werde ich von jüngeren Jordaniern beschimpft und mit Steinen beworfen als ich mich der Ortschaft Al-Ayes nähere. Ohne ersichtlichen Grund… Ein Phänomen, das mich bereits bei meiner Ankunft in Jordanien beschäftigt hat. In der Ortschaft Al-Ayes trinke ich dann einen Tee, esse etwas von meinen Baklava dazu und quartiere mich schließlich am Nachmittag für 15 JD ohne Frühstück im Hotel Faris ein. Nachdem ich meine Socken und mein Leiberl gewaschen habe, liege ich derzeit zufrieden im Bett und schreibe diese Zeilen. Zum Hotel Faris gehört auch noch das Restaurant Caballero, das ca. 500m entfernt liegt. Ich esse dort gutes Mensaf und der Chef persönlich bringt mich dann mit seinem luxuriösen Wagen wieder zurück ins Hotel.
10.03. Ich wollte heute eigentlich ohne Frühstück losgehen. Als ich allerdings in die Hotellobby komme, deutet die Ehefrau des Chefs auf ein Tablet reichlich gefüllt mit Köstlichkeiten. Sie hat es sich nicht nehmen lassen trotzdem für mich ein Frühstück zuzubereiten – – > vielen Dank! Es geht heute meist auf guten Wegen bergab mit Blick auf den südlichen Teil des Toten Meeres.
Blick auf den südlichen Teil des Toten MeeresDie Wüste lebt – Teil 4
Um die Mittagszeit treffe ich ein Pärchen aus Neuseeland, von dem mir Corné schon erzählt hat.
Justin und Franci aus Christchurch am Weg nach Aqaba
Sie sind bereits seit 18 Tagen auf dem Jordan Trail unterwegs und im Norden in Umm Qais gestartet. Bis jetzt habe ich nur Leute getroffen, die den Jordan Trail von Norden nach Süden gehen. Am Nachmittag gelange ich dann ins Tal im Wadi al-Hasa auf ca. 250 Höhenmeter und mache dort Mittag. Ich fühle mich bereits geschwächt, eine leichte Erkältung macht mir etwas zu schaffen. Dann raffe ich mich doch noch auf die restlichen 600 Höhenmeter zum Zeltplatz Tur Taboun direkt unter Felsklippen zu gehen. Am Weg werde ich noch einmal von Einheimischen zum Tee eingeladen und so gegen 17h erreiche ich dann den malerischen Zeltplatz.
Zeltplatz in Tur Taboun
Da heute Freitag ist, sind die Einheimischen wieder unterwegs. So wird der geruhsame Abend ein Abend mit Auto, 5-köpfiger Familie und lauter Musik – naja!
11.03. Übernacht hat sich zu meiner Erkältung auch noch eine Augeninfektion dazugesellt und mir mein Auge zugeschweisst – na bravo! 🙂
Ich packe mein Zelt ein und erreiche kurz nach 9h den Ort Mujeida. Da hier kein Geschäft zu finden ist, frage ich bei einem Haus um Wasser und werde dann auch noch zu einem Frühstück eingeladen.
Einladung zum Tee und Frühstück – dann ging es wieder ein paar Kilometer
Mit einem Kübel Wasser wasche ich mir mein Auge aus und es lässt sich zumindest wieder halb öffnen.
Eine plötzlich auftretende Augeninfektion machte mir zu schaffen – es wurde noch um einiges schlimmer…
Etwas gestärkt, aber doch in ‚Schräglage‘ nähere ich mich auf einfachem Terrain und bergab der Kreuzritterburg in Kerak.
Kreuzritterburg Kerak in Sicht (rechts oben)Kreuzritterburg Kerak
Bis hierher sollte ich kommen, dann bleibt Zeit zum Rasten und Erholen. Ich finde im Karak Dream Hotel in der Nähe der Burg ein gutes Zimmer mit Frühstück um 20 JD die Nacht und beschließe gleich zwei Nächte zu bleiben. Nach dem Abendessen bringt mich der Kellner noch in eine Apotheke wo ich mir Augentropfen und Tabletten gegen eine Erkältung kaufe. Dann schlafe ich die Nacht beinahe komplett durch.
12.03. Die Erkältung hat sich über Nacht gebessert. Allerdings habe ich wohl durch das ständige Augenreiben auch das zweite Auge angesteckt. So waren heute um 5h früh beim ersten Klogang beide Augen zu und ich konnte kaum mehr sehen… Zombie in Reinkultur! Wieder nach längerer Wäsche ließen sich bald wieder beide Augen zumindest halb öffnen. Aber mir ist auch klar, dass ich so nicht weiter gehen kann und vor allem auch nicht will. Ich esse dann so um 7h Frühstück mit Eierspeise, Falafel und Hummus und schaue mir am Vormittag ausgiebig die Kreuzritterburg an. Soweit das halt mit meinen Augen geht… 🙂
Einer der vielen unterirdischen Gänge in der Kreuzritterburg Kerak
Gegen Mittag komme ich wieder in das Stadtzentrum zurück, lasse meinen Bart abrasieren und raste mich dann im Zimmer aus. Die Augen lassen mir allerdings keine Ruhe. Auf meinem Handy sehe ich, dass es in Kerak ein italienisches Spital gibt – nichts wie hin! Ein Mitarbeiter zeigt mir die Augenstation, eine Menge voller Leute davor und kein Arzt in Sicht. Ich beschließe daher zuerst Mittagessen zu gehen und später wieder zu kommen. Als mich der Mitarbeiter wieder abziehen sieht, zeigt er mir noch einen privaten Augenarzt mit eigener Ordination. Er befindet sich nur unweit vom Spital. Schnell schaut er mir mit seinem Mikroskop tief in die Augen – ‚virale Augeninfektion‘ lautet seine Diagnose. Er gibt mir antibiotische Augentropfen und verlangt inkl. Behandlung 20 JD. Ich bin ja sparsam aber bei der Gesundheit hört es sich auf. Zusätzlich verschreibt er mir auch noch eine antibiotische Augensalbe, die ich mir in der Apotheke besorge. Ich hatte schon das Gefühl, dass ich da etwas stärkeres brauche um das wieder los zu werden. In einigen Tagen sei es wieder besser, meint er, und wünscht mir alles Gute! In shallah… Dann gehe ich zufrieden aber doch auch wieder beruhigter in das gute Adel Halabi Restaurant Mittagessen, wo ich auch bereits gefrühstückt habe.
Das gute Adel Halabi Restaurant mit dem darüber liegenden Kerak Dream Hotel – in Kerak
Derzeit raste ich etwas im Zimmer und werde erst morgen entscheiden ob ich wieder weitergehe oder doch noch einen Tag bleiben werde.
13.03. Nachdem ich immer noch durch die Erkältung etwas geschwächt bin und auch die Augen noch ihre Ruhe brauchen, entscheide ich mich noch einen Tag hier zu bleiben. Ich nütze diesen Rasttag auch um den Flug von Amman nach Antalya zu buchen, hole meine gereinigte Wäsche ab, etc… Zudem telefoniere ich auch wieder einmal mit Frau Mutter, der es auch wieder besser geht. Dann ruft mich Harald an, der gerade in der Türkei beim Wandern zwischen Bodrum und Marmaris ist. Wir vereinbaren uns eventuell in der Türkei zu treffen und einen Teil des lykischen Weges gemeinsam zu gehen. Auch die Augeninfektion hat sich überraschend schnell wieder gebessert. Am Abend mache ich nach dem Essen noch einen gemütlichen Rundgang durch die Stadt bevor ich früh einschlafe.
14.03. Heute ist es Zeit wieder aufzubrechen. Noch einmal genieße ich das gute Frühstück im Adel Halabi Restaurant und marschiere dann los.
Die beiden lieben Betreiber des guten Adel Halabi Restaurants – in Kerak
Der Wetterbericht ist allerdings für heute nicht gut und Regen war nach langer Zeit wieder einmal angesagt.
Blick auf die Stadt Kerak vom Norden – es ist hier bereits weit grüner als im Süden des Landes
Nach ca. 2 Stunden setzt der Regen dann wirklich auch ein und ich mache eine Teepause. Allerdings läßt der Regen nicht nach, auch Wind kommt noch dazu. So ziehe ich meine Regensachen an und trotze so dem Wetter.
Sexy outfit im Regen – in den Straßen von Jordanien
Gegen Mittag erreiche ich die Ortschaft Rabbat. Hier esse ich einen Falafel Sandwich und trinke einen warmen Tee. Richtiges Sauwetter draußen heute.. 🙂 Ohne viel zu schauen halte ich meine Nase wieder ins Nasse raus und marschiere los. Nach ca. 1 Stunde winkt mir ein Friseur zu und lädt mich zu einem Tee ein. Dankend nehme ich an und erst beim Wäschewechseln sehe ich, dass ich die letzte Stunde wieder zurück nach Kerak ging – haha!!! Ist mir echt auch noch nie passiert, aber alles muß das erste mal sein… Wir trinken Tee und schön langsam werden meine Sachen auch wieder trocken. Ein liebenswerter Jordanier bringt mich dann wieder mit seinem Auto zurück nach Rabbat, wo ich ja schon war. So musste ich die Strecke zumindest nicht zweimal gehen… Zum Glück hat der Regen wieder nachgelassen und ich gehe weiter in die Ortschaft Al-Qasr.
Dieser Mann genießt noch immer hohe Beliebtheit in Jordanien – Saddam Hussein
Am Ortsende hält ein Auto und ein Beduine bietet mir an bei ihm Tee zu trinken und zu rasten. Genau das Richtige wieder im richtigen Moment, denke ich mir und nehme an. Wir trinken gemeinsam chai und ich werde hier auch die Nacht verbringen.
15.03. Nach einer ruhigen Nacht wärme ich mir mit meinem Kocher noch Wasser und esse etwas von den restlichen Falafel, die gestern Abend der Beduine noch zum Essen vorbei brachte. Es hat heute wieder etwas aufgehört zu regnen und kurz vor dem Wadi Mujib mache ich in einem kleinen Kaffee Mittagspause. Hier erklären mir junge Burschen, dass dieses Wadi bei Regen oft gefährlich werden kann. Gewarnt gehe ich die tiefe Schlucht hinein, merke aber schnell, dass der Wasserstand nicht bedrohlich ist.
Wadi Mujib – am King’s Highway
Nachdem ich das Tal dann auf der anderen Seite wieder hoch gehe, lerne ich in Dhiban beim Teetrinken einen Einheimischen kennen. Tarek, so heißt er, spricht etwas Englisch und bietet mir an in seinem Haus zu übernachten. Da heute eh alles nass ist, etc nehme ich natürlich gerne an und wir verbringen gemeinsam mit einem anderen Beduinen namens Nasi einen schönen Abend. Speziell Nasi liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, unglaublich wie gastfreundlich sie hier sind. Am Abend gibt es dann noch Mensaf zum Essen und zufrieden schlafe ich dann in einem richtigen Bett mit Matratze ein.
Mensaf essen mit Tarek (Mitte) und einem jungen Jordanier, das Foto machte Nasi – in Dhiban
16.03. Während die anderen noch schlafen, packe ich wieder meine Sachen, esse Bananen und Mandarinen und trinke dann im Ortszentrum noch einen Tee. Hier ist der Stammesrat von Dhiban vertreten und wir haben guten Spaß gemeinsam.
Ein Jordanier übt sich mit meinen Wanderstöcken beim Wandern – im Ortszentrum von Dhiban
Entlang des King Highways geht es heute wieder nach Madaba, der Stadt der vielen Mosaike. Ich war schon vor mehr als 3 Monaten hier als ich von Jordanien nach Jerusalem ging. So steuere ich gleich wieder das Pilgrims Haus an, wo ich mich um 13 JDs die Nacht inkl Frühstück einquartiere. Nach einer Dusche nehme ich in der naheliegenden Georgskirche noch an einem Gottesdienst teil und gehe danach früh schlafen.
17.03. Gemeinsam mit Heidi, einer holländischen Skipperin, frühstücke ich heute und mache mich dann so um 9h auf zur letzten Etappe zurück in die Hauptstadt Jordaniens, nach Amman. Wenn das Ziel so kurz vor den Augen liegt, merke ich wie schnell dann die Füße werden.. 🙂 Guten Schrittes erreiche ich zuerst die ersten Vororte von Amman.
Amman in Sicht
Um ca. 17:30 stehe ich dann wieder vor dem Battuta Hostel in Amman, wo ich um 10 JD die Nacht ein Bett in einem 8-Bettzimmer für 2 Nächte reserviert habe.
Das Battuta Hostel in Amman ist wieder erreicht – hier begann vor mehr als 3 Monaten meine Wanderung im Nahen Osten
Nach einer Dusche, wasche ich auch noch meine Wäsche, besser gesagt die Waschmaschine macht das… Derzeit liege ich im Bett und werde bald schlafen. Schön langsam wird mir bewusst, dass ich hier im Nahen Osten eine wunderschöne Zeit verbracht habe, die aber bald auch zu Ende gehen wird. In der Nacht von Sonntag auf Montag geht mein Flieger von hier nach Antalya in die Türkei. Es heißt also wieder einmal Abschied nehmen…
18.03. Heute ist es noch schön und ich habe mich schon sehr auf die Fatteh von Hamdi gefreut. Hamdi ist der Syrer aus Idlib, der hier schon seit 11 Jahren lebt, und im Battuta Hostel die Frühstücke zubereitet. Beim Frühstück unterhalten wir uns auch über die letzten Ereignisse der letzten 3 Monate (Erdbeben, etc…). Sein größter Wunsch ist seine Familie wieder einmal zu sehen und in seiner Heimat sterben zu dürfen…
Mit Hamdi beim Frühstück – im Battuta Hostel in Amman
Dann bringe ich einige Sachen, die ich auf meiner Wanderung zurück in die Heimat nicht mehr zu brauchen glaube – wie Liner, Haube, Handschuhe, etc – in einem Plastiksackerl in das Hisham Hotel. Wer leicht reist, reist sich auch leicht… Hier hinterlegt mir Mr. Mohammad das Packerl für Johannes, der nächste Woche hier mit seiner Gruppe nächtigen wird und mir das Packerl mit nach Hause nimmt – Merci!
Mr. Mohammad vom Hisham Hotel – er übernimmt mit Freude mein Packerl und hinterlegt es für Johannes – vielen Dank!
Heute steht Erholung auf dem Programm. Ich hole mir die trockene Wäsche vom Garten, gebe die Gaskartusche in der Rezeption ab (sie machen am Flughafen nur Probleme) und verbringe den restlichen Nachmittag und Abend hauptsächlich in der Unterkunft hauptsächlich mit Lesen und Musikhören.
19.03. Heute hat, wie vorhergesagt, das Schlechtwetter hier eingesetzt. Ideal für mich weiter zu rasten. Ich telefoniere mit Adi und Frau Mama, die gerade in Oberndorf auf Reha ist. Sie dreht gerade auf dem Hometrainer ihre Runden – es geht bergauf, vor allem auch mental wie man hört!
Es regnet draußen weiter. Ich unterhalte mich in der Unterkunft mit einem italienischem Motorradfahrer, der gerade von einem Abstecher in Syrien, Libanon und dem Irak zurückkommt. Derzeit wartet Enzo, wie er heißt, gerade hier auf das russische Visum. Syrien sei nur mit einem Reisebüro zu bereisen, das Visum besorgt das Reisebüro. Damaskus, Aleppo und Homs seien ’sichere‘ Städte und könnten ‚problemlos‘ bereist werden. Für den Irak gibt es seit ca. 4 Monaten für EU Bürger das Visum an der Grenze zwischen Jordanien und Irak on arrival. Manchmal wissen das die Grenzbeamten allerdings noch nicht oder wollen es nicht wissen, und es gibt immer wieder Probleme. Er wurde dann auf der Straße, die von der Grenze in das ca. 500 km entfernte Bagdad führt, von der Armee eskortiert. Zuerst zu seinem Frust, dann später allerdings zu seinem Glück, wie er meint. Diese Straße gilt als eine der gefährlichsten Straßen weltweit und letztlich verdankt er aufgrund einiger Vorkommnisse diesem Eskortschutz sein Leben, wie er meint.
Mit Enzo von Palermo im Battuta Hostel – viel Glück weiterhin auf Deiner Reise!
Ich höre mir all diese Geschichten gerne an und bewundere auch den Mut dieser Burschen. Ich bevorzuge allerdings für meine Wanderung eher ’sicherere‘ Länder. Was ist allerdings auch schon sicher, denke ich mir dann… Vielleicht hängt das auch mit dem Alter zusammen. Man wird ruhiger oder vielleicht könnte man auch sagen – vernünftiger. Keine Ahnung…
Ich warte jetzt also noch die letzten Stunden bis ich zum Flughafen Königin Alia fahre und morgen früh dann nach Antalya in die Türkei fliege. Die restlichen Stunden verbringe ich noch mit Enzo gemeinsam im Hostel. Wir trinken dann noch in einem Café gemeinsam einen Tee und wünschen uns weiterhin alles Gute.
Auf Wiedersehen Naher Osten – es war wunderschön bei dir!!! Ich wünsche der gesamten Region hier viel Frieden und dass in manchen Ländern Ruhe einkehren möge!
Gesamtkilometer: ca. 6.200
Fazit: Der Jordan Trail ist ein Abenteuer für sich!!! Im Gegensatz zum Shvil (Israel National Trail) ist er überhaupt nicht markiert und führt zum Teil durch völlig unwegsames Gelände. So ist manchmal nicht einmal die Spur eines Pfades ausfindig zu machen. Dementsprechend wichtig ist es hier eine GPS Datei zu haben nach der man sich richten kann. Auch ist es wichtig bei jeder Gelegenheit das Handy und/oder die Powerbank nachzuladen weil die ständige Navigation mit dem Handy weit mehr Strom verbraucht als sonst. Ich bin allerdings mit meiner 20.000 mAh Powerbank gut ausgekommen. Mit dieser Powerbank kann ich mein Handy ca. 6 bis 7 mal voll aufladen bevor sie wieder leer und nachzuladen ist. Eine große Hilfe am Jordan Trail sind die Beduinen und beinahe jeden Tag konnte ich ein permanentes Beduinencamp am Weg sehen. Sie helfen in der Not immer! Die Beduinen sind für mich die wahren ‚Trail Angels‘ in Jordanien ohne dass sie sich als solche bezeichnen. Sie helfen Dir mit dem Wasser, Aufladen der Geräte und auch mit der Übernachtung. So bekommt man auch etwas mit wie sie hier leben, etc… Ich hatte auch das Gefühl, dass sie sich über meinen Besuch auch gefreut haben. Manchmal konnte ich mich erkenntlich zeigen, aber meistens wollten sie kein Geld nehmen sondern einfach nur ihre Hilfe als Gastfreundschaft anbieten. War die Wüste Negev in Israel schon eine Wucht so muss ich sagen, dass die jordanische Wüste noch einmal beeindruckender und abenteuerlicher ist. Technisch gesehen (Klettereien, usw) ist der Shvil schwieriger zu gehen, dafür ist der Jordan Trail mit dem geröllartigen Gestein um einiges rutschiger. Es waren genau vier Wochen, die ich von Aqaba nach Amman größtenteils in der jordanischen Wüste unterwegs war. 5 Tage davon habe ich in Petra Rast eingelegt.
Dreieinhalb Monate war ich nun also hier im Nahen Osten, in den Ländern Jordanien, Palästina und Israel. Zu Fuß habe ich auch viele Gegenden kennenlernen dürfen, die den meisten Besuchern verborgen bleiben. Ich könnte mich nicht entscheiden welches dieser Länder mir am besten gefiel. Jordanien war definitiv das abenteuerlichste. Shukran (Danke) an alle Beduinen und Jordanier, die mir immer wieder zur Hilfe standen und mich so immer wieder weitergehen ließen.
15.02. Am Weg zur Grenze nach Jordanien komme ich noch einmal beim Decathlon vorbei und ich kaufe mir noch mehr von den Reparaturtapes für die Matte, nachdem sie sich ja bewährt haben. Dann gehe ich die restlichen 5 km an die Grenze und verabschiede mich von Israel, einem wunderschönen Land umgeben von arabischen Ländern. Allerdings nicht, bevor ich eine Ausreisegebühr von 119 Schekel bezahle, wofür? 🙂 Mit dem Jordan Pass (80 USD inkl. 1 Monatsvisum und 3 Tagesticket für Petra), den ich mir bereits einige Tage davor online gekauft habe, bekomme ich ein 30 Tages Visum für Jordanien in meinen Pass.
Visum für Jordanien für 1 Monat
Dann mache ich mich zu Fuß die restlichen Kilometer nach Aqaba auf. Ein Militärfahrzeug stoppt mich allerdings und erklärt mir, dass es auch hier nicht erlaubt ist, diese Grenze zu Fuß zu gehen. Sie bringen mich mit ihrem Fahrzeug wieder zurück zur Grenze wo schon hungrig die Taxifahrer Beute riechen.
Im Militärfahrzeug zurück zur Grenze – auch der Grenzübergang bei Eilat zwischen Israel und Jordanien darf zu Fuß nicht überschritten werden
Für 11 jordanische Dinar (Wechselkurs: 1 Jordanischer Dinar (JD) = ca. 1,35 €) bringt mich einer von den Taxifahrern wohl behalten in die ca. 150.000 Einwohner zählende jordanische Stadt Aqaba. Aqaba ist der einzige jordanische Hafen Jordaniens am Roten Meer und auch hier gibt es eine Freihandelszone. Harald hat mir hier das Moon Beach Hotel empfohlen wo ich mich um 15 JD die Nacht einquartiere. Wadir, ein ägyptischer Friseur, der hier schon seit mehr als 20 Jahren gleich neben dem Moon Beach Hotel sein Geschäft hat, macht mich wieder ein paar Jahre jünger indem er mir den Bart abrasiert. Er verrät mir auch einen Schuster, der mir meinen Rucksack und die Träger wieder zusammen näht. Unglaubliche Künstler wie schnell sie sind bei verschiedensten Reparaturen. Dann schaue ich gemeinsam mit Mohammed, dem Besitzer des Hauses, in der Rezeption noch das Fußballspiel Arsenal vs ManCity, das ManCity 3:1 gewinnt. Nicht zu meinem Gefallen. Dann falle ich im wahrsten Sinne des Wortes ins Bett.
16.02. Nach einem Test über Nacht stellt sich heraus, dass die Isomatte noch ein Loch haben muss, weil Luft ausgeht. So wiederhole ich heute früh die Aktion mit der Seifenlauge und siehe da, tatsächlich noch ein Loch, das ich mit den gekauften Pflastern flicke. Wie sich später herausstellt, war es jetzt vorerst einmal das letzte Loch und die Luft hält jetzt wieder. Zusätzlich flicke ich noch einmal mein Zelt neu mit den gekauften tapes, da meine erste Reparatur nur behelfsmässig gewesen war. Dann erledige ich noch einige andere Sachen… Ein Besuch beim Schneider für die Innentasche der Hose, in der Apotheke und schließlich kaufe ich mir noch vorsorglich Datteln und Walnüsse für die bevorstehenden Tage. Den späteren Nachmittag verbringe ich dann an der Strandpromenade und telefoniere mit Muttern. Edith ist gerade bei ihr und Frau Mutter bereitet sich gerade auf die bevorstehende Reha vor.
Am Strand von Aqaba
Am Abend schaue ich noch einmal kurz Fußball mit dem fußballbegeisterten Mohammed und gehe früh schlafen.
17.02. Heute morgen wache ich früh auf und schreibe diese Zeilen. Auch sichere ich meine Fotos wieder einmal auf zwei USB Sticks und packe einen Teil meines Rucksacks. Morgen früh gehe ich dann ja wieder weiter Richtung Wadi Rum und Felsenstadt Petra, die ich in ca. 10 Tagen erreichen werde. In shallah, jetzt wieder… 🙂 Am Nachmittag telefoniere ich wie so oft in letzter Zeit mit zuhause und Herbert – – > Herbert, vielen Dank wenn Du diese Zeilen liest 🙏🙏🙏 Kurz vor Sonnenuntergang setze ich mich noch mit anderen Touristen auf ein Glasboot und schaue mir so die Stadt mit den dahinter liegenden Aqaba Bergen auch noch vom Wasser an.
18.02. Aqaba ist der südlichste Ort meiner Wanderung, ab heute geht es wieder Richtung Norden und Amman. Es gibt hier den sogenannten Jordan Trail, der sich von Aqaba am Roten Meer bis nach Umm Quais im Norden von Jordanien über ca. 650 km erstreckt. Und genau auf diesem Weg werde ich die nächsten Wochen bis in die Hauptstadt Amman gehen. Die ersten Kilometer sind einfach und nach ca. 3 Stunden erreiche ich den South Beach von Amman, von wo es jetzt über 1.000 Höhenmeter in die Berge geht. An die Grenze zu Saudi Arabien sind es auch nur mehr 10 km wie mir ein Verkehrsschild verrät, aber das ist ein anderes Kapitel.
Auf nach Saudi Arabien? Nein, es geht jetzt wieder Richtung Norden und Amman
Am South Beach trinke ich noch gemütlich einen Kaffee und tanke meine Wasserflaschen auf, ab hier wird Wasser rar. Nach ca. 3 Stunden erreiche ich ein Industriegebiet wo ich Sardinen aus der Dose mit Brot esse. Dann versuche ich eine Abkürzung zu gehen, werde aber vom Militär zurückgeschickt. So verliere ich ca. 1 Stunde Gehzeit. Auf unwegsamen und sehr rutschigem Gelände geht es nun weiter. Die Wege sind überhaupt nicht markiert und ohne GPS Datei würde ich es nicht wagen in diese Berge zu gehen.
Final Camp rechts im Hintergrund auf ca. 1.000 Meter Seehöhe – Sam, der Australier aus Brisbane ‚wartete‘ schon auf mich
Durch das viele auf das Display schauen am Handy verbraucht das Handy auch mehr Strom wie ich schnell merke. Erst bei Anbruch der Dunkelheit und ca. 5% verbleibendem Akku erreiche ich das Final Camp. Es ist ein großes Zelt, das guten Schutz gegen den Wind bietet. Sam, ein Australier aus Brisbane, hat sich wohl schon auf eine Nacht alleine hier heroben eingestellt als ich dann doch noch um die Ecke bog. Nach 33 km und 1.250 Höhenmetern falle ich ziemlich erschöpft auf meine Isomatte. Sam bereitet mir Tee zu und wir kochen gemeinsam unser mitgebrachtes Essen. Er ist am Weg nach Aqaba und kommt gerade zu Fuß von der Felsenstadt Petra. So gibt er mir auch noch wichtige Tipps mit auf den Weg. Wo gibt es Wasser und dauerhafte Beduinenzelte, etc.. sind die wichtigsten Informationen, die ich brauche.
19.02. Sam und ich frühstücken noch gemeinsam bevor er sich als erster auf den Weg runter nach Aqaba macht.
Sam, der Australier aus Brisbane
Als ich so gegen 9h starte, merke ich schnell, dass mir die lange Tour von gestern noch in den Füssen liegt. Gegen Mittag erreiche ich dann die Ortschaft Titin, wo ich von Einheimischen Wasser bekomme. Als Draufgabe gibt es gegrilltes Hendl mit Reis, hurra. Ha Adil, der älteste der 3 Brüder, überredet mich bei ihnen übernacht zu bleiben. Es war allerdings auch nicht schwierig mich zu überreden…
Ha Adil, der älteste der 3 Brüder, versorgte mich mit Tee und Essen – vielen Dank!
So verbringen wir einen gemeinsamen und gemütlichen Nachmittag bei Lagerfeuer und Teetrinken. Dann kommt auch sein Vater mit Freunden vorbei, es wird Shisha geraucht bevor ich früh einschlafe.
Mit Ha Adil’s Vater und seinem jüngeren Bruder Farsi beim Nachmittagsplausch
20.02. Noch im Finsteren koche ich mir warmes Wasser, esse Müsli mit Walnüssen und Datteln und starte den Tag deutlich früher als gestern. Während des heutigen Tages erreiche ich schön langsam das Wadi Rum. Wunderschöne Berge inmitten der Wüste und dort und da sehe ich auch Kamele und Beduinen.
Kamele am Weg nach TitinWasserzisternen am Weg nach Titin – ich traute dem stehenden Wasser darin allerdings nicht
Als mein Wasser dann allerdings doch knapp wird, halte ich einen vorbei fahrenden Jeepfahrer auf, der mir zwei Wasserflaschen gibt.
Drei Liter Wasser von einem vorbeifahrenden Toyota Landcruiser – vielen Dank!Pause am Weg ins Wadi Rum
Jetzt erhole ich mich gerade in einem Camp im Wadi Rum. Es ist ein verlassenes Camp und so beginne ich zu kochen und bleibe hier übernacht. Wunderschön der klare Sternenhimmel.
21.02. Ich habe heute seit längerer Zeit wieder einmal richtig gut geschlafen und bin um 5h morgens schon hellwach. Kurz vor 7h gehe ich dann bei Tagesanbruch weiter Richtung Osten.
Kurz vor Sonnenaufgang und klirrender Kälte im Wadi RumWandern im Wadi Rum – traumhaft schön!!!Im Wadi Rum am Weg zum Stonearch (steinerner Bogen)
Hier liegt in einer Entfernung von ca. 7 km ein steinerner Bogen, den ich nach ca. 2 Stunden erreiche. Viele Toyota Landcruiser mit darauf sitzenden Touristen versammeln sich vor dieser Sehenswürdigkeit.
Stonearch im Wadi Rum
Nach ca. 1 Stunde Pause gehe ich dann durch das Wadi Rum hauptsächlich den Jeepspuren folgend in das Rum Dorf. Hier gibt es das erste Mal seit Aqaba wieder ein Signal und schon erreichen mich auch wieder Nachrichten von zuhause. Dementsprechend sind die Pläne jetzt auch wieder zu ändern. Schon der griechische Philosoph Heraklit meinte bereits, dass nichts beständiger als der Wandel sei… In diesem Sinne!
Dorf Rum im gleichnamigem Wadi – Rum, wie wir ihn kennen, gibt es allerdings nicht!
Da es mit all den anderen folgenden Telefonaten zu spät wird weiterzugehen, suche ich mir ein privates Quartier um 10 JD und bekomme dafür auch noch Reis und ein Stück Huhn.
22.02. Heute habe ich für 6h morgens meinen Wecker gestellt und das erste ist, dass ich mir bei der Mutter des Unterkunftgebers einen Liter Wasser hole. Dann gibt es Frühstück mit Müsli und warmen Wasser, das mir immer Kraft für den bevorstehenden Tag gibt. Auf asphaltierter Straße erreiche ich nach ein paar Stunden das Visitorcenter von Wadi Rum wo ich mir einen Kaffee genehmige. Dann gehe ich auf guter Straße weiter nach Ash Shakiriyah, wo ich mich in einem kleinen Lebensmittelladen mit Futter für die kommenden Tage eindecke. Am Boden neben dem Kassier mache ich Mittagspause und bekomme auch noch Tee gereicht.
Mittagessen im einzigen Einkaufsladen in Ash Shakiriyah – ich liebe diese Perspektiven vom Boden aus!
Als ich dann weiter gehe werde ich von einem Beduinen im Ort zu einem Tee eingeladen.
Mädchen in Jordanien
Ich nütze die gute Internetverbindung zu einem längeren Telefonat mit zuhause. Dann bedanke ich mich für die Einladung zum Tee und gehe auf Pisten für 4×4 Fahrzeuge weiter bis zu einem steinernen Bogen wo ich in der Nähe in einem Beduinenzelt übernachte.
Beduinen mit ihren Kamelen in der Nähe des steinernen Bogens Steinerner BogenAuch Spaß muß sein… im Beduinenzelt in der Nähe des steinernen Bogens
23.02. Die Nacht war ruhig und wunderschön, ganz ich alleine mit der Wüste und den riesigen Felsen. Am Weg nach Neu Humayma begegnen mir auch Beduinen, die mit ihren Kamelen auf dem Weg zum steinernen Bogen sind.
Beduine auf seinem Kamel – am Weg nach Neu HumaymaAm Weg nach Neu HumaymaJunger Beduine mit seinem Kamel
Dann gehe ich in die nächste Ortschaft namens Neu Humayma, wo ich in einem Lebensmittelladen Mittagspause mache und währenddessen meine Powerbank nachladen lasse. Ich kaufe mir hier auch noch Datteln und Walnüsse für die kommenden Tage.
Einladung zum Tee am Weg nach Alt Humayma – die Beduinen sind überaus gastfreundlich!
Nach einigen Stunden komme ich dann im Visitorcenter von Alt Humayma an und ich wecke den zuständigen Mann von seinem Nachmittagsmützchen auf. Es ist Ibrahim, er ist 33 Jahre alt und bietet mir sofort an bei ihm zu übernachten, etc… Wir verbringen einen schönen gemeinsamen Abend mit den Nachbarsjungen und seinem Neffen.
Mit Ibrahim im Visitorcenter von Alt Humayma
Ibrahim erzählt mir auch wie er seine Frau kennen gelernt hat. Er hat sie wohl in jungen Jahren gesehen und beobachtet aber nie direkt gesprochen mit ihr. Sie hat ihm gefallen und so ging er zu ihrem Vater und hielt um die Hand seiner Tochter an. Der Vater bekam die Zustimmung von seiner Tochter und so wurden sie zu Mann und Frau. Die Liebe kam erst später, wie er sagt, aber sie ist größer als alles andere auf der Welt! So einfach geht das… 🙂 Ibrahim kocht uns dann auch noch Abendessen und gegen 9h abends gehen wir dann alle schlafen.
24.02. Wieder im Finsteren stehe ich auf und verlasse das Visitorcenter von Humayma so um 7:30 während all die anderen noch schlafen. Ich möchte sie nicht aufwecken. Im Beduinendorf Abbasiah werde ich wieder von Beduinen zum Tee eingeladen und wir essen alle von meinen Datteln.
Einladung zum Tee im Beduinendorf Abbasiah – Hammad (rechts) heisst alle Wanderer am Jordan Trail in seinem Beduinenzelt willkommen! Vielen Dank!!!Hammad’s Onkel – im Beduinendorf Abbasiah
Dann füllen sie mir alle Wasserflaschen an. Ca. 5 Liter nehme ich mir mit, da es heute Abend beim campieren im Wadi Aheimer kein Wasser geben wird.
Eine der Karten von Sam, dem Australier – sie beinhaltet u.a. Informationen wo es Wasserstellen, permanente Beduinenzelte, etc gibt
Auch Harald war vor ca. 2 Wochen hier wie mir Hammad versichert und ein Foto zeigt. Dann tauche ich durch wunderschöne Canyonlandschaft hinunter in das ausgetrocknete Flußtal, traumhaft schön hier.
Canyons am Weg von Abbasiah nach Wadi AheimerGesteinsschichten in den Canyons am Weg nach Wadi Aheimer Mittagspause am Weg nach Wadi Aheimer – Raus aus den Schuhen und Socken heißt die Devise!
Gegen Abend erreiche ich dann das Wadi Aheimer und finde auf einer relativ weichen Sandbank einen geeigneten Platz zum Zelten.
Zeltplatz im Wadi AheimerManchmal wird es auch finster wenn ich mir noch ein Süppchen mit meinem Gaskocher mache…
Ich liege derzeit im Zelt und höre Geräusche von einem Tier, keine Ahnung was das ist…
25.02. Es war eine wunderschöne und absolut stille Nacht in der Wüste mit einem derart klaren Sternenhimmel, wie wir ihn zuhause nicht kennen. Auch der Besuch eines mir unbekannten Tieres blieb aus.
Am Weg nach Wadi al-Saif
Heute ist mein Mobiltelefon und die Navigation gefragt, da zwischen den Canyons oft das GPS Signal reflektiert wird und es daher schwer auszumachen ist ob man am richtigen Weg unterwegs ist oder eben nicht. Im Vergleich zum Shvil in Israel ist der Jordan Trail überhaupt nicht markiert, was ihn natürlich noch etwas abenteuerlicher macht.
Als mein Wasser zur Neige ging bekam ich von dieser Beduinin einen Liter von ihrem Kanister – vielen Dank!!!
Schließlich gelange ich gegen Abend im Wadi al-Saif zu einem Beduinenzelt und ich frage ob ich übernachten kann. Schnell ist eine Unterlage gefunden und eine weitere Nacht im Paradies ist mir sicher. Fatma, die Mutter von 13 Kindern, bereitet mir Tee zu und von Enma, ihrer 15-jährigen Tochter, bekomme ich frischgemolkene Ziegenmilch. Rian, dem 4-jährigen Sohn von Fatma, schmecken meine mitgebrachten Datteln so sehr, dass ich ihm die gesamte Schachtel schenke. Dann bereitet Fatma beduinisches Brot über dem offenen Feuer zu, das mit Ziegenbutter und Ziegenmilch himmlisch schmeckt.
Fatma mit ihrem 4-jährigen Sohn Rian beim Zubereiten von beduinischem Brot
Im Laufe des Abends gesellen sich noch mehrere Familienmitglieder um das Feuer und wir verbringen einen schönen gemeinsamen Abend. Während die Eseln sich bemerkbar machen, die Wachhunde ihren Job machen und die Ziegen vor dem Zelt hin und her marschieren, schlafe ich mit einem zufriedenen Schmunzeln ein. 26.02. Während die anderen noch schlafen beginne ich meine Sachen zusammen zu packen. Als erste kommt Enma, die Feuer macht und wir trinken dann noch gemeinsam alle Tee gemischt mit warmer Ziegenmilch. Das Leben dieser Beduinen ist nicht einfach und doch sind sie so zufrieden und fröhlich wie mir scheint. Dann verabschiede ich mich von dieser herzlichen Familie in Richtung Gaa Mreibed, das ca. 15 km entfernt liegt. Durch verschiedene ausgetrocknete Flußtäler und unwegsamen Gelände mache ich nach ca. 9 km Mittagspause. Ich sitze derzeit im Schatten eines Akazienbaumes und schreibe diese Zeilen. Durch mehrere Wadis gelange ich dann heute schon früher zum ersten Beduinenzelt. Da es jetzt nur mehr ein Tagesmarsch bis Petra ist, frage ich die Frau ob ich bei Ihnen übernacht bleiben kann. Alia, so heißt die junge Frau, bejaht und bereitet Tee zu. Sie hat drei Kinder, Tochter Taheni, und die beiden kleinen Söhne Dschihad und Mohammed. Sie gibt mir dann auch noch Brot und Ziegenmilch und ich zeige mich dafür auch erkenntlich.
Beduinisches Brot und Tee – Hauptnahrungsmittel der Beduinen
Auch ihr Vater kommt vorbei, ein Bruder von Fatma vom Wadi al – Saif, alle verwandt also.
Aila mit ihrem Vater – in ihrem Beduinenzelt in Gaa Mreibed
Ich werde hier die Nacht verbringen und morgen gestärkt nach Petra gehen. Gegen 17h kommt dann Ahwad, Fatma’s Sohn und der Ehemann von Alia, nach Hause und ich schaue ihm zu wie er den jungen Geisslein behilflich ist vom Muttertier zu trinken.
Frischgeborene Geisslein in Gaa Mreibed
Die Beduinen hier in Jordanien leben hauptsächlich von Schafs- und Ziegenwirtschaft. Am Abend gesellen sich noch zwei Freunde von Ahwad zum Feuer hinzu.
Ahwad (links) mit seinen beiden Freunden
Wie essen Reis mit Huhn und trinken chai. Dann wird der Toyota Hilux von Ahwad repariert, der Startprobleme hat. Gegen 23h gehen die beiden dann nach Hause und wir schlafen, eingehüllt in einer dicken Decke, zufrieden ein.
27.02. Während Ahwad und ich gerade munter werden, höre ich Alia bereits Feuer machen und Tee kochen. Auch hier ist der Haushalt und die Kinder absolute Frauensache. Dann trinken wir noch gemeinsam Tee und sie geben mir noch selbstgemachtes Brot und Hummus im Tetrapack mit auf den Weg. Gegen Mittag erreiche ich ein Beduinencamp und eine Gruppe von Frauen, Mädchen und einem Mann sitzt unter einem Akazienbaum im Schatten. Sie bieten mir chai an und ich esse mein mitgebrachtes Brot von Ahwad und Alia. Der Mann beginnt mit mir zu sprechen und ich erzähle ihm soweit es halt geht von meiner Geschichte. Er heißt Salman und wird jetzt nach Hause gehen.
Mittagessen mit dem lustigen und gesprächigen Salman unter einem Akazienbaum – im Wadi Sabra
Wenn ich möchte könnte ich mitkommen, meint schließlich Salman und ich willige ein. Gemeinsam mit zwei Frauen, einem jungen Mann, zwei Eseln und drei Geisslein gehen wir das Sabratal bis ans Ende hinauf auf über 1.000 Höhenmeter.
Gemeinsam mit Beduinen geht es Richtung Petra… Das Ende des Sabratals naht – am Weg hinauf nach Petra
Dieses Geröll geht ordentlich in die Beine und schließlich erreichen wir alle gemeinsam und ziemlich geschafft ein Hochplateau, das das Ende des Sabratals ist. Hier verabschieden Salman und ich uns von den anderen. Salman bringt mich mit zu einer Feierlichkeit zu Ehren eines kürzlich verstorbenen Mannes. Ich sitze und beobachte all die verschiedenen Männer und Gespräche, hoch interessant!
Mit Salman (rechts) bei einer beduinischen Feierlichkeit – es gab Tee, Wasser und später auch noch Mensaf, das jordanische Nationalgericht
Es wird Tee und Wasser aufgetischt und als es dunkel wird, wird Mansaf, die Nationalspeise von Jordanien, aufgetragen. Es besteht meistens aus Lammfleisch und Reis, heute gibt es statt dem Lamm ein junges Kitzerl… Dann lerne ich Mohammed kennen und ich erzähle ihm von meinem Vorhaben morgen die letzten Kilometer in die Felsenstadt Petra zu gehen. Da er und sein Bruder morgen auch nach Petra geht, schlagen sie Salman vor, dass ich, anstatt bei Salman zu schlafen, mit Mohammed mitgehe und bei einem Freund von Mohammed in einer Höhle nächtige. Ich verabschiede mich von Salman und eine halbe Stunde später erreichen wir die Höhle von Suelam, einem 20-jährigen Beduinen, der hier vor allem in den Wintermonaten lebt.
Mohammad (rechts) und Suelam’s Bruder in der Höhle von Suelam Nächtliches Feuer in der Höhle von Suelam – bis zur Felsenstadt Petra sind es jetzt nur mehr wenige Kilometer…
Im Sommer schläft er lieber mit seiner Mutter im Beduinenzelt wie er mir erzählt. Wir verbringen einen schönen Abend in dieser Höhle weit fern vom Tourismus von Petra und Wadi Musa.
28.02. Suelam und ich schlafen bis der Tag anbricht und seine Mutter bringt uns Tee zum Frühstück vorbei.
Guten Morgen Suelam – es war eine wunderschöne Nacht bei dir!Schlafplatz in Suelam’s Höhle
Gemeinsam mit Mohammad, seinem Bruder und Suelam, gehen wir früh los Richtung Petra.
Mit Suelam, Mohammad und seinem Bruder am Weg in die Felsenstadt Petra
Bei windigem Wetter erreichen wir einen hochgelegenen Platz, den Opferplatz, mit wunderschöner Aussicht auf die Felsenstadt Petra.
Durch diesen steinernen Weg geht es hinunter nach Petra Angekommen in der Felsenstadt Petra – im Hintergrund die königlichen Gräber
Auszug aus Wikipedia:
Petra (altgriechisch Πέτρα [ˈpɛtʁa] „Felsen, Felsmassiv“, arabisch البتراء al-Batrā’,nabatäisch wahrscheinlich Reqmu „die Rote“), eine Ruinenstätte im heutigen Jordanien, war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Wegen ihrer monumentalen Grabtempel, deren Fassaden direkt aus dem anstehenden Fels gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal. Am 6. Dezember 1985 wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Dann verabschiede ich mich von den dreien, die ihrer Arbeit nachgehen müssen, und ich genieße hier die Ruhe in den frühen Morgenstunden.
Beduine vor einzelnen Grabstätten – in Petra
Da es hier wieder einmal ein Signal gibt, telefoniere ich mit einigen Leuten und genieße das langsame Ankommen in dieser biblischen Gegend. Ausser zwei Datteln und einigen Nüssen habe ich heute noch nichts zum Frühstück gegessen und so genehmige ich mir in einem nabatäischem Restaurant ein ‚All you can eat‘ Menü mit Falafel, Fleischbällchen, gegrilltem Huhn, etc mit Hummus, vielen anderen Saucen und Salaten und esse davon bis mein Bäuchlein voll ist…:-)
Vor dem Schatzhaus (Treasury) in Petra
Dann mache ich mich auf den Weg nach Wadi Musa, einer kleinen Stadt in der Nähe von Petra. Hier hat mir Harald das Wadi Musa Cabin Hostel empfohlen. Es ist ein Hostel mit kleinen Kabinen nach japanischem Vorbild. Sheref, der Betreiber des Hostels, gibt mir eine Kabine um 10 JD pro Nacht und für weitere 4 JD lasse ich wieder einmal meine Wäsche machen. Nach einer Dusche nach mehr als einer Woche Wanderung liege ich zufrieden in meiner ‚Kapsel‘, die geräumiger ist als ich es mir gedacht habe.
Kapsel nach japanischem Vorbild im Wadi Musa Cabin Hostel
01.03. Vor 6h morgens finde ich mich bereits in der Rezeption ein. Ich genieße es wieder einmal ein Frühstücksbuffet zu haben und bleibe bis ca. 8h sitzen. Dann merke ich, dass ich meine jordanische Umniah SIM Karte wieder nachladen lassen muss um Internet zu haben. Ab 10h sind die Geschäfte in der Downtown von Wadi Musa dafür offen und so beschließe ich heute einen richtigen Ruhetag einzulegen. Meine SIM Karte wird neu geladen und auch wechselt mir ein Schuster meine Rucksackschnalle, die in Brüche gegangen ist.
Ein Schuster wechselt meine gebrochene Rucksackschnalle aus – in Wadi Musa
Derzeit sitze ich gerade am Hauptplatz von Wadi Musa und werde heute nicht mehr all zuviel anstellen. Ab morgen werde ich der Felsenstadt Petra wieder einen weiteren Besuch abstatten.
02.03. Da es im Cabin Hostel bereits ab 6h morgens schon Frühstück gibt, beginnt der Tag für mich wieder wie gewohnt früh. Ich bekomme dann mit meinem Jordan Pass im Visitorcenter ein 3-Tagesticket für Petra und somit kann heute die Besichtigung losgehen.
Ein kurzer Überblick:
Petra wurde vor mehr als 2.000 Jahren inmitten der Sharaberge von den Nabatäern, einem nordarabischen Beduinenstamm, erbaut. Warum gerade hier? 1. Schutz vor Feinden von den umliegenden Bergen 2. Wasser war von den umliegenden Bergen das ganze Jahr verfügbar und 3. Handelsroute führte durch diese Gegend. Ihre Blütezeit hatte die Stadt als Hauptstadt der Nabatäer in den Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt. Sie war eine wichtige Station auf der Handelsroute, die das alte Mesopotamien mit Ägypten verband. Reich wurde die Stadt mit dem Handel von Weihrauch, Myrrhe und Gewürzen. Dann wurde die Stadt von den Römern annektiert und gedieh weiter, bis 363 n. Chr. ein großes Erdbeben die Stadt zerstörte. Dieses Erdbeben und die Tatsache, dass die Handelsrouten verlegt wurden, waren wohl die Gründe warum die Stadt aufgegeben wurde. Spätestens in der Mitte des 7. Jhdts n. Chr. war Petra endgültig verlassen und versank in Vergessenheit. 1812 kam der Schweizer Forscher Johannes Burckhardt in die Gegend von Petra, um die verlorene Stadt zu finden und zu erforschen. Er kleidete sich wie ein Araber und überredete seinen Beduinenführer ihm die Stadt zu zeigen. Danach wurde Petra auch im Westen als faszinierende Stadt bekannt und begann Besucher in ihren Bann zu ziehen. Petra ist auch als ‚rosa‘ Stadt bekannt, da die Fassaden aus dem rosaroten Sandstein herausgearbeitet wurden. Die Nabatäer begruben ihre Toten in Felsengräbern, die sie in die Bergwände meißelten. Aus der römischen Besatzungszeit stammen Tempel, ein Theater und Reste einer säulengeschmückten Prachtstrasse.
Karte von Petra und Umgebung
Durch den Siq, dem Hohlweg in einem hohen Canyon, gelange ich zuerst wieder zum Schatzhaus.
Siq, der schluchtartige Hohlweg, führt die Besucher hinab in die Felsenstadt Petra. An beiden Wänden der Schlucht verlaufen Wasserkanäle – die Nabatäer waren Meister der HydrokulturDer Siq endet genau beim Schatzhaus in Petra – es wurde vermutlich im 1. Jhdt v. Chr. erbaut und es dauerte 60 Jahre bis es fertig war Schatzhaus in Petra – der Legende nach befand sich ganz oben in der Urne der Schatz eines Pharaos, daher auch der NameDetailansicht des Schatzhauses In etwa so wird das Schatzhaus 1839 dem schottischen Maler David Roberts erschienen sein – Lithographie von David Roberts 1839
Hier warten bereits einheimische Beduinen auf einen Job. Sei es ein Kamelritt, eine Führung oder ein ‚Taxi‘ mit einem ihrer Esel.
Beduinen warten auf einen Job – vor dem Schatzhaus
Im Anschluss daran treffe ich noch einmal den Bruder von Mohammed, der hier im Reinigungsdienst arbeitet. Wir trinken gemeinsam Tee und tauschen Kontakte aus.
Mohammad’s Bruder (rechts) mit seinen Arbeitskollegen – der Tee schmeckte gut, vielen Dank!!!
Danach gehe ich weiter zum römischen Theater und den Königsgräbern, alles sehr interessant und beeindruckend.
Römisches Theater in Petra – es ist weltweit das einzige Theater, das vollständig aus Felsen gehauen wurde und bot einigen Tausend Besuchern Platz Souvenirs in Petra
Entlang der Säulenstrasse komme ich dann so gegen die Mittagszeit zum Großen Tempel, wo mich Frau Muttern zweimal telefonisch erreicht.
Grosser Tempel von Petra – er diente als königlicher Empfangssaal und ist ein weiteres Relikt aus der römischen BesatzungszeitSäulenstrasse in Petra – Sie war wahrscheinlich eine der Haupteinkaufsstrasse des antiken Petra
Es gibt gute Neuigkeiten, da sie am 16.3. auf Reha fahren kann. Ihre Erleichterung ist ihr anzukennen und ich freue mich mit ihr mit. Freu mich auch schon wieder auf gemeinsame Hummelhofrunden mit ihr wenn ich wieder zurück bin. Dann esse ich in der Nähe des Mädchenschlosses im Schatten mein mitgebrachtes Essen und trinke bei einem Beduinen arabischen Kaffee. Er erzählt mir, dass im Jahre 1985 im Zuge der Aufnahme von Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes, für die ansässigen Beduinen Wohnungen in Wadi Musa gebaut wurden und sie umgesiedelt wurden. Nicht alle folgten dem Rat und so leben auch heute noch ca. 30 beduinische Familien im Gelände des heutigen Petras.
Das Leben sei nicht leicht als Beduine, meint dieser Kaffeeverkäufer – trotzdem wird gelacht!
Am Nachmittag besuche ich noch die byzantinische Kirche mit schönen Bodenmosaiken und die vier nebeneinander liegenden Königsgräber, die ich euch weiter unten bildlich vorstellen werde. Der Name beruht auf der Annahme, dass es sich bei diesen besonders großen und prächtigen Felsfassaden um die Gräber von Königen handeln müsse.
Bodenmosaike in der byzantinischen Kirche aus dem 5. Jhdt n. Chr.Teepause bei einer Beduinin – am Weg zu den Königsgräbern Die vier Königsgräber in Petra – v.l.n.r.: 1. Palastgrab, 2. Korinthisches Grab, 3. Seidengrab und 4. das Urnengrab1. Palastgrab, eines der vier Königsgräber in Petra – dieses Monument wurde wahrscheinlich für Bankette oder Beerdigungszeremonien verwendet 2. Korinthisches Grab in Petra – der obere Teil ähnelt dem Schatzhaus, ist aber bereits stark durch Erosion beschädigt3. Seidengrab – dieses Grab beeindruckt wegen der verschiedenfarbigen Gesteinsschichten aus der die Fassade gemeißelt wurde. Die treppenartigen Zinnen am oberen Ende der Gräber symbolisieren, dass die Seele der Verstorbenen in den Himmel aufsteigen kann 4. Urnengrab – das vierte königliche Grab. Der Name leitet sich von dem Gefäß ab, das den Giebel krönt. Es wurde vermutlich im Jahre 70 v. Chr. erbaut und ab 446 n. Chr. als byzantinische Kirche benutzt. Im Urnengrab von Petra
Irgendwie habe ich heute wieder Lust am Gehen und so beschließe ich spontan zum Kloster aufzusteigen und mir dort den Sonnenuntergang anzuschauen.
Am Weg zum Kloster Kloster in Petra – es ist eines der größten Bauwerke in Petra. Es wurde im frühen 2. Jhdt n. Chr. erbaut und als Speisesaal für religiöse Veranstaltungen verwendet. Später wurde es auch als christliche Kirche verwendet, daher auch der Name Kloster.
Als es bereits finster wird, komme ich wieder zurück in die Säulenstrasse und zum Schatzhaus. Wunderschön dieses Gebiet und diese Gebäude auch bei Nacht zu erleben. Dann gehe ich durch den mit Kerzenlichtern ausgeschmückten Siq wieder zurück in meine Unterkunft wo ich gerade diese Zeilen schreibe und mich jetzt auf das Schlafen freue.
03.03. Es ist offiziell mein zweiter Tag heute in Petra und ich gehe noch einmal zurück zum Opferplatz über den ich ja Petra vor einigen Tagen zu Fuß erreicht habe.
Beduinin am hochgelegener Opferplatz – er wurde für wichtige religiöse Zeremonien verwendetLocals in Petra
Ein kleiner Pfad führt dann hinunter zum Grab des römischen Soldaten und zu weiteren unbekannten Gräbern.
Grab des römischen Soldaten Statue des römischen Soldaten – im Grab des römischen SoldatenUnbenanntes Grabmal im Wadi al Farasa
Die Mittagszeit verbringe ich wieder in der Nähe des Großen Tempels und beim selben Kaffeeverkäufer wie gestern. Den späteren Nachmittag verbringe ich wieder in der Nähe der königlichen Gräber und finde letztlich auch das Unayshu Grab in der Nähe der Königsgräber.
Grabmal des Unayshu in der Nähe der vier Königsgräber – Es gehörte Unayshu, dem Minister der Frau von König Maliku II, Königin Shaqilat II. und wurde in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. erbaut.Eingang zum Unayshu Grab
Am Rückweg mache ich noch einmal Halt beim Schatzhaus, beim Obeliskengrab und mache noch einen kurzen Abstecher ins Petra Museum.
Obeliskengrab am Rückweg vom Siq nach Wadi MusaMonolithische Blockgräber am Rückweg vom Siq nach Wadi Musa – es gibt insgesamt sechs davon in Petra
Ich bin allerdings schon etwas zu müde für das Museum und beschließe morgen noch einmal hierher zu kommen weil der erste Eindruck ein guter ist.
04.03. Nachdem ich die letzten Tage bereits Petra ausführlich besichtigt habe, gehe ich es heute ruhiger an. Im Mövenpick Hotel hebe ich nochmals Geld für die nächste Zeit ab und finde mich pünktlich dann um 08:30 beim Museum ein. Um diese Zeit ist niemand hier und ich kann mir in Ruhe alles anschauen. Es beinhaltet vor allem viel Geschichtliches über die Nabatäer und auch Fundgegenstände von Petra.
Petra Museum Steinerne Büste von Dhu-shara, dem Hauptgott der Nabatäer. Er wurde mit Zeus gleichgesetzt, dem Hauptgott der Griechen.
Gegen die Mittagszeit gehe ich dann auf einen Aussichtspunkt von wo man das Schatzhaus von oben besichtigen kann. Wunderschön hier oben! Ich lasse gerade im Schatten einer Höhle die ärgste Mittagshitze vorbeiziehen bevor ich mich wieder bewege.
Aussicht von oben auf das Schatzhaus – es lässt sich gut hier Mittagspause machen
Inzwischen ist es später Nachmittag geworden und ich besuche noch das Sextius Florentinus Grabmal aus dem 2. Jhdt n. Chr. Sextius Florentinus war damals Gouverneur der römischen Provinz Arabien und ließ sich sein Grabmal von seinem Sohn erbauen.
Sextius Florentinus Grabmal aus dem 2. Jhdt n. Chr.In diesen Nischen wurden die Toten aufbewahrt – im Inneren des Sextius Florentinus Grabmal aus dem 2. Jhdt n. Chr.
Ich werde jetzt gemütlich wieder in mein Quartier zurück gehen. Morgen setze ich ja meine Wanderung wieder fort Richtung Dana, Karak und schließlich Amman.
Gesamtkilometer: ca. 5.900
Fazit: Der Jordan Trail ist ein Abenteuer für sich!!! Im Gegensatz zum Shvil (Israel National Trail) ist er überhaupt nicht markiert und führt zum Teil durch völlig unwegsames Gelände. So ist manchmal nicht einmal die Spur eines Pfades ausfindig zu machen. Dementsprechend wichtig ist es hier eine GPS Datei zu haben nach der man sich richten kann. Auch ist es wichtig bei jeder Gelegenheit das Handy und/oder die Powerbank nachzuladen weil die ständige Navigation mit dem Handy weit mehr Strom verbraucht als sonst. Ich bin allerdings mit meiner 20.000 mAh Powerbank gut ausgekommen. Mit dieser Powerbank kann ich mein Handy ca. 6 bis 7 mal voll aufladen bevor sie wieder leer und nachzuladen ist. Eine große Hilfe am Jordan Trail sind die Beduinen und beinahe jeden Tag konnte ich ein permanentes Beduinencamp am Weg sehen. Sie helfen in der Not immer! Die Beduinen sind für mich die wahren ‚Trail Angels‘ in Jordanien ohne dass sie sich als solche bezeichnen. Sie helfen Dir mit dem Wasser, Aufladen der Geräte und auch mit der Übernachtung. So bekommt man auch etwas mit wie sie hier leben, etc… Ich hatte auch das Gefühl, dass sie sich auch über meinen Besuch gefreut haben. Manchmal konnte ich mich erkenntlich zeigen, aber meistens wollten sie kein Geld nehmen sondern einfach nur ihre Hilfe als Gastfreundschaft anbieten. War die Wüste Negev in Israel schon eine Wucht so muss ich sagen, dass die jordanische Wüste noch einmal beeindruckender und abenteuerlicher ist. Technisch gesehen (Klettereien, usw) ist bislang eher der Shvil schwieriger zu gehen, dafür ist der Jordan Trail mit dem geröllartigen Gestein um einiges rutschiger. Für mich ist die kleine Stadt Wadi Musa wieder eine Gelegenheit etwas zu verschnaufen, mein Handy neu aufzuladen und die Ausrüstung (zB Rucksackschnalle) aufbessern zu lassen. Und vor allem auch eine Gelegenheit mir ausgiebig die ca. 2.000 Jahre alte Felsenstadt Petra anzuschauen. Ein Highlight für sich!
Vielen Dank all den lieben Beduinen für ihre Hilfe und Gastfreundschaft ohne der es noch viel schwieriger wäre, diese Wanderung durch die jordanische Wüste zu machen!!!
31.01. Gestärkt, sowohl mental als auch körperlich, verabschiede ich mich von Alen und gehe die 3 Tagesetappe vom Mitzpe Ramon durch den Ramon Krater nach Sapir an.
Selfie im Ramon Krater, kurz nach Mitzpe RamonSpuren von Ammoniten, eine ausgestorbene Teilgruppe der Kopffüßer
Es ist heute relativ windig, aber es bleibt trocken und so erreiche ich schon um ca. 15h das Gevanim Night Camp.
Willkommene Wassertankstelle
Es sind auch zwei größere Gruppen hier und ich stelle mein Zelt in der Nähe der Gruppen auf. Auch Alen kommt mit seinem Jeep vorbei, es gibt ein überraschendes Wiedersehen. Der Fahrer empfiehlt mir die Lebensmittel in seinen abgesperrten Anhänger zu geben weil hier Wölfe reihenweise die Vorräte klauen. Artig Folge ich diesem Rat und schlafe früh ein…
01.02. Als ich um ca. 6h morgens meine Vorräte aus dem Anhänger holen möchte wird mir erklärt, dass sie nicht mehr da sind. Spurlos verschwunden in einem abgesperrten Anhänger. Naja, ich enthalte mich der Stimme… Wir einigen uns schließlich darauf, dass sie mir von ihren Vorräten für die nächsten zwei Tage geben, sodass ich ungestört meine Wanderung bis Sapir fortsetzen kann. Über wunderschöne Kraterlandschaften und Canyons geht es heute in Richtung Mitte des Kraters.
Landschaft im Ramon KraterDurch den Sandsturm wurde der Himmel grauer und grauer…
Es ist absolut windig heute, was das Gehen auch schwierig macht. Gegen 15h erreiche ich dann den Nahal Holit Campground, wo ich versuche einen halbwegs windstillen Platz für mein Zelt zu finden.
Der Stein bot nur wenig Schutz vor dem Sturm, der sich am späten Abend Gott sei Dank wieder legte
Der Himmel ist in der Zwischenzeit grau geworden vom vielen Sand, der durch den Sturm aufgewirbelt wird. Nur mit großer Mühe gelingt es mir hinter einem großen Stein mein Zelt aufzustellen. Ich esse im Zelt und liege bereits um 16h im Zelt, wo ich am besten geschützt bin vor dem stürmischen Wetter.
02.02. Über Nacht hat sich der Wind wieder halbwegs gelegt und es sollte ein ruhiger Tag werden. Beim Zeltabbau merke ich allerdings auch, dass mein Zeltboden einen ca. 10cm großen Riss abbekommen hat. Wohl auch deshalb weil ich aufgrund des starken Windes die Zeltunterlage nicht mehr platzieren konnte. Zuerst gehe ich noch in den Niederungen des Kraters bevor ich die Kraterwand hochklettere.
Am Weg nach Sapir
Von hier geht es dann einfach in den 500 Einwohner zählenden Ort Sapir. Ich kaufe mir bei einem Falafelstand einen Falafel Sandwich wo mir Daniel, ein junger Israeli, anbietet in seinem Haus zu übernachten. Bei ihm zuhause flicken wir mein Zelt mit einem schwarzen Tape. Sie müssen heute beide weg und ich begleite sie noch bis zum Lebensmittelladen wo ich wieder meine Vorräte aufstocke. Nach einer Dusche liege ich gerade im Bett und genieße den Abend soweit es geht.
03.02. Nach einer sehr unruhigen Nacht mit sehr wenig Schlaf packe ich meine Sachen zusammen und verlasse das Haus um ca. 06:30. Der Wind hat sich wieder gelegt und es gibt wieder herrliches Wanderwetter bei Tageshöchsttemperaturen von ca. 15 Grad. Ich habe heute früh wieder 6 Liter Wasser mitgenommen, was zusätzliches Gewicht bedeutet. Auch mein Rucksack bekommt das zu spüren und am Vormittag reißt auf der rechten Seite ein Riemen. Nach einer kurzen Bastlerei fixiere ich das Ganze wieder und setze meine Wanderung fort. Heute ist wieder Freitag und die Israelis lieben es mit ihren Geländewagen in der Wüste herum zu fahren. Nicht gerade zu meiner Freude kommen auch buggies dazu, viel Lärm und viel Sand…
Sie nennen es ‚Wüstenspaß’…
Als ich dann endlich wieder Signal habe, führe ich einige Telefonate mit zuhause. Fingers crossed 🤞🤞🤞 Am Nachmittag beschließe ich dann ca. 2 km vor dem Barak Night Camp wild zu zelten. Ich koche mir eine Suppe, esse Thunfisch aus der Dose mit Brot und genieße die Stille in der Wüste.
Aussicht von meinem Zelt – ca. 2 km vor dem Barak Night Camp
04.02. Nach einer wunderschönen Nacht hellerleuchtet vom Mond stehe ich heute etwas später auf und gehe um ca. 8h los. Bei etwas windigen Verhältnissen führt mich der Weg in einen engen Canyon, den ich nach ca. 2 Stunden erreiche.
Klettereien im Canyon am Weg zum Paran Night Camp
Es kommt mir plötzlich eine Solo Hikerin entgegen, es ist Josie aus Wien. Sie ist ebenfalls alleine am Shvil unterwegs, nur in der Gegenrichtung. Sie gibt mir liebenswerter Weise ein Pflaster für die Thermarest Isomatte, da sie nicht alle benötigt. So bin ich zumindest für das nächste Loch optimal gerüstet…:-) Dann geht es in einer Kletterpartie zum Teil auf Leitern hinauf den Canyon und anschließend über ebenes Gelände weiter Richtung Süden.
Über Leitern geht es den Canyon hoch
Zumittag führe ich während der Mittagspause wieder Telefonate mit zuhause und erreiche so um 15:30 das Paran Night Camp. Hier stehen vier Geländewagen und ich gehe auf das Camp zu. Hier haben bereits Einheimische ihr Lager aufgeschlagen und bieten mir Kaffee an.
Einheimische im Paran Night Camp – Sie versorgen mich mit Wasser, Brot und 2 Dosen Bier!!! – Dankeschön!!!
Ich nehme dankend an und schließlich versorgen sie mich weiter auch noch mit Wasser, Brot und zwei Dosen Bier. Was will das Herz mehr… 🙂 Ich gehe dann noch etwas weiter und schließlich finde ich vor Einbruch der Dunkelheit einen geeigneten Platz für mein Zelt. Bei Sonnenuntergang leistet mein Kocher wieder seinen Dienst und ich lasse mir eine warme Gemüsesuppe schmecken. Dann gibt es noch Brot mit Humus und Kabanossi Wurst und Käse. Die zwei Bierchen schmecken natürlich auch… 🙂 Bei Vollmond liege ich derzeit im Zelt und genieße die Ruhe der Wüste.
Sonnenaufgang in der Wüste Negev – hier ca. 2 km vor dem Barak Night Camp
05.02. In der Nacht wurde es heute einmal etwas kälter und es hatte ca. 5 Grad Celsius im Zelt. In der Früh koche ich mir dann warmes Wasser und lasse mir zusätzlich noch ein Müsli schmecken.
Mein Kocher leistet immer noch gute Dienste…
Dann starte ich so um halb acht in den Tag, ca. 28 km habe ich mir heute vorgenommen. Es geht heute einfach auf Schotterstraßen dahin und erreiche gegen Mittag den Wüstenasham Schittim, wo es meinen Informationen nach Mahlzeiten geben soll, etc… Auch dieses Areal ist umzäunt und erst als ich laut rufe, lässt mich jemand rein. Dieses Areal wurde vor einigen Monaten geschlossen und es wird von den Eigentümern gerade überlegt was sie weiter damit machen sollen. Essen gibt es natürlich auch keines, so vertilge ich meine letzten Essensreste.
Militärgebiet am Weg zum Kibbuz Neot Smadar
Gestärkt erreiche ich dann einige Stunden später den Kibbuz Neot Smadar, wo ich gerade geduscht habe und um 19h ein Abendessen bekomme. Ich werde hier wahrscheinlich zwei Nächte bleiben um etwas Kräfte zu sammeln und weitere Lebensmittel zu besorgen, etc…
06.02. Gestern gingen Dal (eine weitere einheimische Wandern) und ich gemeinsam mit Ben zum Dining Room wo es Bohnensuppe und anschließend Brot, Salat, Käse und Tahin Sauce gab und ich schlug mir den Magen voll.
Dining room im Kibbuz Neot Smadar – hier wird gemeinsam gefrühstückt und gegessen
Ein Kibbuz ist in Israel eine Art Kollektivsiedlung mit gemeinsamen Eigentum und basisdemokratischen Strukturen. Das tägliche Leben wird kollektiv organisiert und die Grundidee eines Kibbuz lässt sich auch mit dem Sozialismus in Verbindung bringen. Vor allem in den 1960er und 70er Jahren waren Kibbuze sehr begehrungswert bei Jugendlichen. In der Zwischenzeit verlieren sie immer mehr an Bedeutung und nur mehr ca. 120.000 Menschen (ca. 1,8% der Bevölkerung in Israel) leben derzeit in einem Kibbuz. Kibbuz kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Versammlung“. Hier leben die Menschen gleich: Keiner ist reicher als der andere, keiner hat mehr zu sagen. Bei uns muss niemand neidisch sein, weil der Nachbar ein größeres Auto fährt. Und niemand kann mit seiner tollen Wohnung angeben. Prinzipiell gefällt mir ja diese Idee…
Wie Ben uns gestern sagte, sollen wir uns kurz vor 6h morgens wieder bin diesem Dining Room einfinden was ich auch mache. Es wird hier vor allem auf Stille Wert gelegt und nach ca. 20 Minuten gemeinsamen Stillsitzen löst sich das ganze wieder auf und es werden Arbeitsgruppen erstellt. Nachdem es bei mir heute der erste Tag ist, habe ich bis zum Frühstück um 08:30 ‚frei‘, danach werde ich einer Arbeitsgruppe zugeteilt. Wir werden sehen was es wird. Zwischen 10 und 15h gibt es etwas zu tun, dafür habe ich hier freie Kost und Logie. Vor allem kann ich hier auch meine Vorräte wieder auffüllen, da es hier sonst nirgendwo einen Lebensmittelladen gibt.
Gemeinschaftshaus im Kibbuz Neot SmadarTanzender Derwisch – in der Galerie im Kibbuz Neot Smadar
Nachdem ich mich in der Früh ein wenig im Kibbuz umgesehen habe und unter anderem ein Gemeinschaftshaus mit einer eigenen Bibliothek und Galerie entdecke und auch meine Socken und das Leiber wasche, essen wir alle pünktlich um 08:30 unser Frühstück.
Frühstück im Kibbuz Neot Smadar
Es wird hier Wert gelegt darauf, dass es während dem Frühstück ruhig ist und nur das Allernotwendigste geredet wird. Dann setzen sich die Leute im Kreis zusammen und die Neuankömmlinge stellen sich vor, also auch ich. Während der Vorstellungsrunde lerne ich Monika kennen, die bereits 33 Jahre hier lebt. Sie meint, ich solle einen Rasttag einlegen und mich erholen anstatt hier mitzuhelfen. Auch wird sie mir bis zum Abendessen Essen zusammenpacken für die nächsten Tage, weil es ja hier in der Nähe kein Lebensmittelgeschäft gibt. Echt nett diese Leute hier.
Typische Behausungen im Kibbuz Neot Smadar
Es ist auch heute eher wieder schlechtes Wetter und vor allem windig. So bin ich froh einen Rasttag hier einzulegen anstatt viel Sand zu schlucken. Da ich ja dann Zeit habe, gehe ich wieder in die Gemeinschaftsbibliothek zurück und telefoniere mit zuhause… Mich erreichen auch heute die Nachrichten vom schweren Erdbeben in der Türkei und Syrien und meine Gedanken sind mit ihnen!
Telefonate mit zuhause in der Gemeinschaftsbibliothek im Kibbuz Neot Smadar
07.02. Wieder kurz vor 6h früh finden wir uns alle zum gemeinsamen Schweigen im Dining room ein bevor Arbeitsgruppen gebildet werden. Vor dem Frühstück helfe ich in der Küche aus, schruppe den Boden, decke mit anderen gemeinsam die Tische und trage letztlich das Frühstück auf. Nach dem Frühstück bin ich zum Abwaschen abgeordnet und helfe dort aus bevor wir uns alle wieder um 09:15 draußen im Freien treffen und zusammensitzen. Wir sind ca. 50 bis 60 Leute. Für den heutigen restlichen Tag habe ich mich zur Gartenarbeit gemeldet und helfe Jofal ein Marillenfeld umzustechen und Erde aufzutragen.
Richtsfeld bei der Arbeit…
Um ca. 12h machen Jofal und ich gemeinsam mit Kelvin aus Kenia Mittagspause und arbeiten dann bis kurz vor 15h weiter. Um 15h gibt es Mittagsessen und derzeit sitze ich in der Gemeinschaftsbibliothek, wo ich gerade mit Muttern telefoniert habe, es geht bergauf!
Nachtlager im Kibbuz Neot Smadar, auch andere Wanderer waren angekommen
08.02. Heute schlafe ich wieder einmal etwas länger, da ich ja nicht mehr länger hier bleibe und weitergehen werde. Mario, der Schweizer aus Luzern, verabschiedet sich von mir und wird noch heute nach Eilat fahren um sich wärmere Ausrüstung zu besorgen. Er ist am Weg nach Norden wo es noch kälter wird. Es hat wirklich deutlich abgekühlt. Gemeinsam mit einem jungen israelischen Pärchen trinke ich Kaffee und Daniel gibt mir auch noch drei Heringe für alle Fälle.
Daniel mit seiner Freundin im Übernachtungsbereich im Kibbuz Neot Smadar
Während sie weiter Richtung Norden gehen mache ich noch einmal in dem Cafeshop in der Nähe von Neot Smadar halt, trinke frischen Cappuccino und führe ein längeres Telefonat. Es gibt den Shvil zum Teil auch für Radfahrer und heute gehe ich ca. 10km auf diesem Weg, der durch schöne Dünenlandschaft führt.
Auch für Radfahrer ist der Shvil schon zum Teil erschlossen und wird auch bereits benutzt
Ich treffe hier noch einmal Shiva vom Kibbuz, die hier mit einem Freund im Sand sitzt. Ich setze mich zu ihnen, esse Brot mit Ziegenkäse und wir führen ein interessantes Gespräch über die Bewältigung der Vorkommnisse und des Holocausts während des 2. Weltkriegs. Sie haben Angehörige dabei verloren und werden in ihrem Leben niemals Deutschland oder Österreich besuchen. Zu stark sind noch die Erinnerungen… Erst gegen Abend erreiche ich dann Shaharut. Es ist bitterkalt und ich suche ein warmes Plätzchen. Es gibt hier ein völlig überteuertes Hotel namens Six Senses und man verrät mir, dass eine Nacht sage und schreibe 850 USD koste. Dankend und fast lächelnd winke ich ab. Die Sicherheitsbeamten vom Parkplatz lassen mich bei ihnen im warmen Innenbereich mein mitgebrachtes Sandwich essen und ich zelte dann am hintersten Ende des Parkplatzes wo mich keiner sieht.
09.02. Frühmorgens gehe ich noch einmal zu meinen Freunden der Sicherheit und ich frühstücke dort mein Müsli und bekomme noch einmal warmes Wasser. Dann tanke ich meine Wasserflaschen auf, ich komme derzeit mit ca. 3 Litern pro Tag aus.
Sanddünen am Weg zum Wadi Mangan Campground Wüstenlandschaft am Weg zum Wadi Mangan Campground
Untertags telefoniere ich wieder, Muttern wird am Samstag wieder nach Hause kommen. Gegen Abend erreiche ich dann den Wadi Mangan Campground wo ich in der Nähe eines Akazienbaumes mein Zelt aufstelle.
Wadi Mangan Campground
Mel, ein Holländer, kommt zu mir. Er zeltet hier schon seit gestern, gibt mir noch etwas Wasser und auch ein weiteres Pflaster für meine Thermarest Isomatte. Seit ich allerdings eine Schaumstoffmatte unter der Thermarest Isomatte unterlege, habe ich auch kein zusätzliches Loch mehr in der aufblasbaren Thermarest Isomatte bekommen. Aber sicher ist sicher. Dann koche ich mir noch eine Suppe und schlafe zufrieden mit all meinem Gewand, das ich habe, und den zwei Schlafsäcken ein.
10.02. Um ca. 6h koche ich mir wieder warmes Wasser und esse mein Müsli. In der letzten Zeit ist das mein übliches Frühstück geworden. Dann gehe ich die nächsten drei Kilometer zum Visitorcenter des Timna Parkes. Während ich einen guten Kaffee trinke telefoniere ich wieder mit Muttern, Schritt für Schritt wird es besser ✌️👍 Gemeinsam mit einer größeren Gruppe gehe und klettere ich dann einige hundert Höhenmeter den Timna Berg hoch. Es ist hier ein Hochplateau mit wunderschöner Aussicht auf die Sandsteinfelsen und – Berge.
Über Klettereien geht es den Timna Berg hochGesteinsformation in der Nähe des Timna Berges
Nach einem längeren Abstieg komme ich bei den Solomons Pillars vorbei. Es ist dies eine stillgelegte Kupfermine inmitten von roten Sandsteinfelsen, die nach dem König Salomon benannt ist.
Solomons Pillars – eine stillgelegte Kupfermine inmitten von roten Sandsteinfelsen
Kurz nach Mittag erreiche ich das Restaurant im Timna Park, wo ich eine Pizza esse und mich mit einem deutschen Pärchen aus der Nähe von Dresden unterhalte. Dann gehe ich durch das Timnatal und schlage gegen 16h im Raham Etek Campground mein Zelt auf.
Gemeinsam mit einem jungen israelischen Studenten auf seinem Motorrad im Timnatal – er reicht mir ein Sandwich und Nüsse, vielen Dank!
Es gesellt sich später auch noch eine Finnin mit ihrem Zelt hinzu, die mir empfiehlt nächsten Tag früh zu starten. Viele Höhenmeter und Kraxlereien warten auf mich…
11.02. Da ich eh nicht besonders gut schlafe, suche ich schon vor 5h morgens meine Stirnlampe um in der Dunkelheit zu frühstücken und mein Zelt abzubauen. Kurz nach 6h morgens gehe ich dann los. Es wird derzeit um ca. 6h morgens hell und zw. 17:30 und 18:00 finster. Auch hier werden die Tage schon wieder etwas länger.
Am Weg zum Yehoram Night Camp
Tatsächlich ist der heutige Tag gefüllt mit vielen Höhenmetern und Klettereien, sodass ich letztlich froh bin, so früh losgegangen zu sein.
In den Eilat Bergen – kurz vor dem Ziel am Roten Meer geht es noch einmal viel rauf und runter…
Um ca. 16:30 erreiche ich das Yehoram Night Camp, koche mir eine Suppe, esse Thunfisch aus der Dose bevor ich mich in mein Zelt verkrieche. Es sollte eine kalte und windige Nacht werden.
12.02. Frisch motiviert und steif gefroren krieche ich aus meinem Schlafsack. Heute werde ich Eilat und das Rote Meer erreichen. Heute geht es hauptsächlich bergab zum Meer.
In den Eilat Bergen am Weg runter zum Roten Meer – meine 4-wöchige Wüstenwanderung durch die Negev neigt sich dem Ende zu Das Rote Meer mit der Stadt Eilat, links im Hintergrund, ist bereits in Sicht – für mich das Ende der Wanderung durch die Wüste Negev
Kurz vor Eilat treffe ich Harald Büchner, einen Oberösterreicher aus der Nähe von Wels. Er lebt schon länger in Wien im 2. Bezirk in der Nähe des Karmelitermarkts.
Gemeinsam mit Harald kurz vor Eilat – er gibt mir wertvolle Tipps für den Jordan Trail
Er kommt gerade vom Jordan Trail aus Jordanien rüber, genau da will ich hin. Er gibt mir neben der GPS Datei für den Jordan Trail auch noch wichtige Informationen wo es Wasser und Proviant zu kaufen gibt. Weitere anspruchsvolle 500 km Richtung Norden nach Amman warten auf mich. Letztlich vermacht er mir auch noch zwei weitere Pflaster für meine Thermarest Isomatte, sodass ich mich sicher auf den Jordan Trail machen kann. Ich könne auch nur einen Teil eines Pflasters verwenden, rät er mir, falls ich in Nöten kommen sollte und zu wenig Pflaster hätte. Auch Silikon würde gehen, also jede elastische Masse. Superkleber allerdings nicht, der zerbröselt irgendwann einmal. Er ist auch schon viele Tausende Kilometer gegangen und wir tauschen Erfahrungen aus. Harald, ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Dir! Dann verabschieden wir uns und ca. 1 Stunde später komme ich im Shelter Hostel an. Hier zeigt mir Anastasia, ein Flüchtling aus der Ukraine, mein Bett im Schlafraum, etc… Ich dusche, wasche Wäsche, trinke Tee mit einem Deutschen und einem Franzosen namens Pascal, bevor ich hungrig werde und in einem kleinen nahegelegenen Restaurant einen Shawarmateller esse. Ich liege derzeit im Bett und genieße frisch geduscht auf einer Matratze liegen zu können. Ich schwebe fast im siebten Himmel während ich auf die letzten vier Wochen zurückblicke… 🙂
13.02. Das Shelter Hostel in Eilat ist definitiv der richtige Ort um sich vom Shvil zu erholen. Schöner Gartenbereich, in dem man frühstücken und mit anderen Gästen plaudern kann. Und mit John, einem sehr redegewandten Holländer, den richtigen Betreiber dafür. Am Weg zum Decathlon entdecke ich das Abraham Hostel, das ich mir ein wenig anschaue. Dann gehe ich weiter zum Decathlon und den verschiedenen Sportgeschäften. Vor allem ein neues Paar Schuhe wäre ideal, der Shvil hat dem Profil meiner Schuhe ordentlich zugesetzt. Auch die Preise sind hier für israelische Verhältnisse gar nicht so teuer, da Eilat eine Duty Free Zone ist und die MwSt von 17% wegfällt. Selbst nach längerer Suche kann ich einen Asics Trailrunning Schuh nicht in Größe 48 finden. So kehre ich etwas enttäuscht wieder in das Shelter zurück. Allerdings doch mit einem neuen langärmeligen Leiberl aus Merinowolle, das alte löste sich schon auf.
14.02. Gestern habe ich im Abraham Hostel ein Swimmingpool entdeckt. So nehme ich heute meine Isomatte mit um dem Loch auf die Spur zu gehen. Allerdings konnte ich selbst nach mehrmaligem Eintauchen keine Luftbläschen entdecken, die darauf hinweisen würden und setze mich wiederum ohne Erfolgerlebnis in die Sonne um zu rasten. Plötzlich meldet sich Harald bei mir, den ich ja kurz vor Eilat beim Wandern kennengelernt habe. Er müsse aus privaten Gründen zurück nach Wien und ob ich nicht eine empfehlenswerte Unterkunft für ihn für die heutige Nacht wisse. Da das Shelter heute voll ist, empfehle ich ihm das Abraham Hostel wo ich ja gerade bin. Während er sich noch heute per Autostop hierher macht, gehe ich in den 5.11 Unidress shop, den mir Daniel am Shvil empfohlen hat. Es gibt hier Hosen, die für die US Army hergestellt werden, und ich finde hier eine passende 5.11 Hose für mich. All den Schneidern zu Leide oder vielleicht doch zur Freude? 🙂 Harald meldet sich dann wieder und ist bereits im Abraham Hostel wo wir uns anschließend treffen. Er fliegt morgen mit der Wizz Air direkt nach Wien zurück und gibt mir von seinem Proviant ab, den er noch kürzlich kaufte und jetzt nicht mehr gebrauchen kann. Als Dankeschön gehen wir dann gemeinsam Schawarma und Falafelessen und anschließend zum Decathlon. Ich erzähle ihm meine Geschichte mit den Schuhen und er zeigt mir den Quechua Evovit, den er selbst auch schon seit mehreren Jahren trägt. Es gibt ihn auch in Größe 48. Er fühlt sich gut an und ich schlage spontan zu, no risk no fun. Er scheint mir mit seiner etwas stabileren Bauweise gut geeignet für die kommenden Kilometer in der Wüste Jordaniens.
Mein neuer Schuh für die jordanische Wüste…
Auch zeigt er mir gutes Flickzeug für die Isomatte, mein Sorgenkind in der Zwischenzeit. In seinem Zimmer machen wir uns dann mit Seifenlauge auf die Suche nach einem Loch in der Matte. Tatsächlich finden wir eines und nachdem die Matte wieder trocken ist, ist es auch schnell wieder geklebt. Und sauber ist die Matte auch wieder einmal…
Harald beim Abduschen meiner gelben Isomatte, die Seifenlauge musste ja auch wieder runter, nachdem wir das Loch gefunden haben
Bei einem weiteren Falafelpita gibt er mir generell noch viele Tipps bzgl. Ausrüstung und Wandern, die mir sehr nützlich erscheinen. Schließlich ist es für mich ein Glücksfall, dass er den heutigen Tag mit mir verbringt und mir beim Aufbessern meiner Ausrüstung behilflich ist. Abgesehen davon natürlich, dass wir uns auch gut verstehen und ‚dieselbe Wellenlänge‘ haben.
Mit Harald beim Falafelessen in Eilat – Vielen Dank auch Dir für Deine Hilfe!
Gegen 9h Abends verabschieden wir uns dann und und ich kehre glücklich mit meinen neuen Schuhen wieder zurück in meine Unterkunft. Während Harald nach Hause fliegt, werde ich morgen nach beinahe zwei Monaten in Israel wieder nach Jordanien zurückkehren.
Gesamtkilometer: ca. 5.660
Fazit: Der Shvil (Israel National Trail) von Jerusalem, mit einem Abstecher durch das Westjordanland, durch die Wüste Negev zog sich ziemlich genau über 600 km in den äußersten Süden von Israel an das Rote Meer nach Eilat. Das Westjordanland, also Teil von Palästina, ist völlig problemlos zu gehen. Man muss nur gleich zu Beginn jeder Konversation sicherstellen, kein Israeli zu sein sondern eben wie in meinem Fall aus Nemsa (Arabisch für Österreich) oder Nemsaui (Österreicher). Dann erfährst du die übliche muslimische Gastfreundschaft. Der Shvil durch die Wüste Negev war sowohl körperlich als auch aus mehreren Gründen mental die schwierigste Strecke meiner Wanderung bisher. Aber auch landschaftlich die schönste… Eilat am Roten Meer war ein guter Ort um mich wieder etwas zu erholen und vor allem auch um meine Ausrüstung wieder aufzubessern. Der Shvil hat nicht nur mir zugesetzt… Frisch gestärkt und mit einem neuen Paar Schuhe sehe ich nun der jordanischen Wüste hoffnungsvoll entgegen. Hier warten die nächsten Höhepunkte meiner Wanderung auf mich, das Wadi Rum und die Felsenstadt Petra. Vielen Dank allen Israeli und Palästinensern für Eure Gastfreundschaft!!!
21.01. Frühmorgens bekomme ich von Valentine einen guten schwarzen Kaffee gebraut und wir frühstücken gemeinsam während die Sonne über dem Toten Meer aufgeht. Dann packe ich meine Sachen und verabschiede mich von Valentine, die noch einen Tag hierbleibt. Entlang der Küste des Toten Meeres werde ich von einem israelischen Pärchen quasi zu einem zweiten Frühstück eingeladen und wir besprechen noch einmal alle Sachen, die es in der Wüste Negev zu beachten gibt. Bei der letzten Gelegenheit kurz vor der Tankstelle DELEK Neve Zohar stocke ich meinen Wasservorrat auf. In Summe trage ich Wasser für zwei Tage weil es heute Abend nirgendwo Wasser geben wird.
Kurz vor der Tankstelle DELEK Neve Zohar stocke ich Wasser auf…
Es sind 7,5 Liter und beim Gehen merke ich schon den Unterschied…🙂
7,5 Liter Wasser, so viel hatte ich bisher noch nie dabei…
In einem Canyon esse ich dann wieder von dem gegrillten Fleisch von gestern, trinke viel und um ca. 15h komme ich im Mishor Amiaz Night Camp an.
Canyon am Weg zum Mishor Amiaz Night Camp
Es ist menschenleer und ausser eine ebene Fläche für das Zelt gibt es hier nichts. Ich koche mir am Abend eine Suppe und genieße die absolute Stille hier in der Wüste.
Camping in der Wüste Negev…
22.01. Gegen 8h morgens starte ich heute, ca. 20 km mit einigen Höhenmetern stehen heute an. Irgendwann muss es ja wieder von den ca. 400 Meter unter dem Meeresspiegel am Toten Meer hochgehen. Nachdem ich ca. 400 Höhenmeter in der Mittagssonne hochklettere, setze ich mich oben in den Schatten, esse die letzten Reste der gebratenen faschierten Laibchen und mache ein kleines Mittagsschlaferl… So gegen 3h nachmittags erreiche ich wieder eine Straße. Einav, der Trail Angel aus Arad gab mir den Tipp zum Abstecher zur Tankstelle DELEK Gal HaArava wo ich wieder Wasser und Proviant aufstocken könne. Es gibt nicht viele Möglichkeiten wie diese hier in der Wüste. Ich beschließe von hier zur Tankstelle zu stoppen, Wasser und Proviant zu ‚tanken‘ und wieder zurück zu stoppen und vom gleichen Punkt wieder weiter zu gehen. Nach ca. 10 Minuten nimmt mich ein junger Palästinenser in seinem Bus mit zur Tankstelle und ich fülle hier wieder meine Wasserflaschen auf. Es gefällt mir hier sehr gut und der Tankstellenbetreiber zeigt mir ein ruhiges Plätzchen für mein Zelt.
Ruhiges Plätzchen mein Zelt in der Nähe der Tankstelle – und vor allem gute Infrastruktur bevor es weiter geht..
Da die Tankstelle auch 24h lang offen hat, kann ich hier auch meine Powerbank und mein Handy aufladen. In der Wüste in ein funktionierendes Handy zur Navigation das Um und auf. Zurück stoppen kann ich auch morgen früh wieder. Es gibt wieder warme Suppe mit Brot und ich liege gerade in meinem Zelt in der Nähe der Tankstelle.
23.01. Ich schlafe heute etwas länger und bemerke erst dann, dass meine Isomatte Luft verliert… Ich trinke noch gemütlich einen Kaffee und kaufe mir auch noch Wasser, da das Wasser vom Hahn in der Tankstelle nicht die beste Qualität hat. Mir ist leicht schlecht von gestern… Mein Tagesziel ist das Armee Camp, das ca. 20 km entfernt von der Tankstelle liegt. Aus verschiedenen Gründen sollte ich es heute nicht erreichen… Ich gehe durch schöne Canyonlandschaft und komme schließlich bei einem kleinen saisonalen Pool vorbei. Das sind ausgehöhlte Steinformationen in denen sich Regenwasser sammelt. Ideal für mich meine Isomatte zu reparieren, da ich hier die gesamte Isomatte unter Wasser tauchen kann und so das Loch lokalisieren kann.
Pfützen eignen sich nicht nur zum Füße abkühlen…
Nach getaner Tat setze ich meine Wanderung fort und vergehe mich dann gleich einmal ca. 2 km weil hier die alte Streckenführung des Shvil in die neue mündet und mich daher die Shvil Markierungen fälschlicherweise in Sicherheit wägten. Zusätzliche 4 km also…
Es geht Richtung Armeecamp
Dann wird die Landschaft immer rockiger und schließlich gehe ich ganz in der Nähe des Negev Kernforschungszentrums in eine große Senke und merke, dass mir das Tageslicht ausgeht um das Armeecamp noch heute zu erreichen. Es wird hier bereits um ca. 17h finster und im Dunkeln kannst Du hier einfach nicht gehen. So überprüfe ich den Wasservorrat und mit ca. 1 Liter beschließe ich um ca. 16:30 mein Nachtlager zu errichten.
Unerwartetes Nachtlager – ein Schakal sollte am Abend auch noch auf Besuch vorbeischauen. Er roch mein Essen im Zelt.
Ich wärme mir eine Suppe und liege früh im Zelt. In der Nacht kommt ein Schakal vorbei, der meine Lebensmittel im Zelt gerochen hat. Er ‚klopft‘ beim Zelt an und macht typische Geräusche. Als ich mich bemerkbar mache im Zelt zieht er von dannen und der Rest der Nacht verläuft ruhig.
24.01. Mein Wecker auf meiner Uhr holt mich um 5h morgens aus dem Schlafsack. Ich habe heute einen langen Tag vor mir will ich wieder an Wasser kommen. In der Nacht merke ich die ersten Stunden, dass die Matte hielt, allerdings um ca. 1h morgens war wieder einmal Endstation. Es waren diesmal Dornen, die der Matte zugesetzt haben. So muss ich mein letztes Reparaturpflaster verwenden als ich bei einer weiteren Pfütze vorbei komme. Diesmal sollte es allerdings halten. Zum Frühstück trinke ich den letzten Viertelliter Wasser und klettere dann ca. 400 Höhenmeter auf die Oberkante des Kraters.
Frühmorgens geht es sich am besten… Der Aufstieg ohne Wasser verlief problemlos…Manchmal helfen auch Leitern – wie hier am Weg zum ArmeecampDie Wüste lebt…
Alles verläuft gut und kurz bevor ich zum Armeecamp komme, wo es Wasser gibt, treffe ich eine Gruppe jugendlicher Einheimische. Sie bieten mir an von Ihrem Citroen Jumper am nahegelegenen Parkplatz Wasserflaschen rauszunehmen soviel ich brauche und so brauche ich nicht zum Armeecamp gehen. Dann trinke ich einen ordentlichen Schluck und gegen 10h verlasse ich den Parkplatz beim Armeecamp. Kurz darauf treffe ich zwei Franzosen, Tom und Gerard, die ebenfalls den Shvil gehen, allerdings Richtung Norden. Sie geben mir einige gute Tipps und auch ein Flickzeug für Exped Isomatten. Zur Not würde ich das verwenden für meine Thermarest Isomatte. Über steile Wände und Leitern erreiche ich letztlich so um 16h eine Straße, die zum Eisenphosphatsteinbruch Oron führt. Gegen 17h erreiche ich dann den Campingplatz beim Oron Steinbruch. Nachdem ich hier mein Zelt aufgestellt habe, frage ich das Sicherheitspersonal ob es hier Essen zu kaufen gibt. Die Kantine sei bereits geschlossen, meint ein Araber, aber er holt aus seinem Häuschen zwei Lunchpakete raus und sagt, ich solle es mir schmecken lassen. ‚Shukran‘ sage ich nur, was auf Arabisch soviel wie ‚Danke‘ heißt.
Dieser arabische Wächter brachte mir zwei Essensrationen – vielen Dank!!!
Es sind vor allem Araber hier im Überwachungsbereich des Steinbruchs beschäftigt. Es fahren viele LKWs ständig in den Steinbruch und bringen das Phosphat in den nächsten Hafen nach Ashdot. So war es sicher nicht die ruhigste Nacht, die ich bisher hatte.
25.01. Wiederum stehe ich heute im Finsteren auf, da ich früh starten muss. Sowohl die zwei Franzosen als auch Arthur, der Trail Angel in Midreshet Ben Gurion, haben mich darauf hingewiesen, dass diese Etappe heute die schwierigste vom ganzen Shvil sei. Der Wachtmeister macht mir einen Kaffee, eine gute Stärkung für den Tag. Nach einem Plausch mit jungen Familienvätern, die eine Tagestour mit ihren bikes machen, starte ich um ca. 7h zum Mt. Karbolet. Arthur meinte, diese Etappe sei der ‚Hahnenkamm‘ und wirklich geht man ca. 8 km entlang einer scharfen Kante, dazu auf und ab, was ordentlich auf die Gelenke und Hornhaut geht.
Karbolet, der ‚Hahnenkamm‘ – die schwierigste Passage am Shvil. Es geht 8 km am scharfen Kamm entlang.
Ich sehe am Weg viele Steinböcke, die sich hier mit dem Gelände wahrlich spielen.
Steinböcke am Shvil
Wunderschöne Gesteinsformationen wechseln sich immer wieder ab mit schönen Ausblicken auf die Wüste und nach zwei Pausen erreiche ich so um 13h das erste Wasserloch, wo ich Mittagspause mache.
Wasserpool beim Abstieg vom Karbolet
Zusätzlich repariere ich noch einmal die Isomatte und hoffe so wieder auf eine angenehme Nacht. Dann mache ich mich nach einer längeren Mittagspause so um 15h zum Abstieg in das Nachtlager Mador auf.
Gesteinsformationen beim Abstieg vom Karbolet zum Mador Nachtlager
Der Abstieg hat es allerdings in sich, für mich die schwierigste Stelle bisher. Ich packe meine Stecken auf den Rucksack und klettere mit allen Vieren über große Steinblöcke hinunter ins Tal. Manchmal gelingt es mir nur nach längerer Zeit Halt zu finden und die Balance mit dem Rucksack zu halten. Schließlich gelange ich um ca. 16:30 gut ins Mador Night Camp und schlage hier mein Zelt auf. Als sich der Tag zur Neige senkt, esse ich Brot und Thunfisch aus der Dose und schließe früh die Augen.
Mador Night Camp
26.01. Früh starten – das ist das Rezept hier in der Wüste. Es hat zwar untertags auch nie mehr als 25 Grad, trotzdem ist es in der Früh leichter und angenehmer zu gehen als während der Mittagszeit. Und so gehe ich auch heute wieder früh los mit dem Ziel Midreshet Ben Gurion. Hier werde ich heute vom bereits erwähnten Trail Angel Arthur erwartet. Im Vergleich zu gestern ist der heutige Tag ein sogenannter ‚Spaziergang‘ und so um 12h erreiche ich nach einer kleinen Kraxlerei den 541m hochgelegenen Hod Akev.
Am Berg Hod Akev (541m)
Ein junger Israeli schenkt mir seine Schaumstoffmatte als ich ihm meine Geschichte mit meiner Isomatte erzähle. Ich nehme sie dankend an, da ich so zumindest nie auf dem Boden schlafen muss. Dieser kann in der Nacht hier in der Wüste ordentlich kalt werden. Vom Berg Hod Akev genieße ich einen schönen Blick auf die Wüste und auch den ca. 1.500 Einwohner zählenden Ort Midreshet Ben Gurion, wo ich heute Abend schlafen werde. Ich esse hier wieder Thunfisch und letztlich gesellt sich eine Schulgruppe zu mir. Wie gehen dann gemeinsam hinunter zum Pool Ein Akev, wo mir ein Junge ein Sandwich mit Hühnerfleisch anbietet, eine willkommene Abwechslung zu meinem Menü.
So um 15:30 gehen wir dann gemeinsam nach Midreshet Ben Gurion. Die Schulgruppe macht halt um in der Wüste zu beten.
Schulgruppe beim Beten in der Wüste
Ich gehe alleine weiter und erreiche bei Einbruch der Dunkelheit Midreshet Ben Gurion. Arthur ist noch im nahegelegenen Kibbutz Sre Boker, wo er drei Pferde hat. Ich stärke mich für das erste einmal mit einem Stück Pizza und gemeinsam fahren wir dann in sein Haus, wo bereits seine Frau Anat und ihre jüngste Tochter auf uns wartet. Mit Arthur verstehe ich mich auf Anhieb sehr gut und er gibt mir gute Tipps für den weiteren Weg.
Mit Arthur, dem Trail Angel in Midreshet Ben Gurion – er gibt mir gute Tipps für den weiteren Verlauf des Shvil
Er kennt den Shvil quasi in und auswendig, ist er doch Tourguide und hat lange im Rettungsdienst gearbeitet. Er erzählt mir auch so einige Geschichten vom Karbolet und das auf Deutsch. Er ist gebürtiger Holländer und kam durch sein Studium hierher nach Israel, wo er auch seine Frau Anat kennen lernte. Dann verabschiedet er sich, da er nächsten Tag einen Fortbildungstag in Jerusalem hat. Ich dusche und schlafe auf der Couch im Wohnzimmer.
27.01. Ich brauche einen Rasttag – und so wasche ich mit Hilfe von Anat meine Sachen, trockne mein Zelt und wasche meine Isomatte. Dann empfiehlt mir Anat eine Tour entlang des Krater in die Ortsmitte wo sich auch das Grab vom ersten Premierminister Israels David Ben Gurion befindet.
Grabmal von David Ben Gurion (1886-1973), dem ersten Premierminister Israels
Er sei ein Mann von großen Visionen gewesen wie mir eine Einheimische versichert. Eine davon war, dass er Leben in die Wüste bringen wollte und so lebte er auch die letzten Jahre im Kibbutz Sre Boker wo er in der Landwirtschaft arbeitete. Dann kaufe ich Lebensmittel für die nächsten beiden Tage nach Mitzpe Ramon ein und komme gegen 14h wieder zurück in das Haus von Anat und Arthur. Ich führe einige Telefonate mit zuhause und am Abend gibt es einen Shabbat Dinner. Alle vier Kinder von Anat und Arthur samt Anhang haben sich angesagt und auch der Nachbarssohn ist mit dabei. Arthur holt guten Merlot und wir verbringen gemeinsam einen wunderschönen und harmonischen Abend. Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Es gibt Süßkartoffelsuppe, Lasagne, Rote Bete, Kartoffeln, etc und als Nachspeise hervorragenden Schokoladenkuchen.
Shabbat Dinner im Hause von Anat (links) und Arthur, alle vier Kinder sind nach Hause gekommen
Letztlich kommt auch der Nachbar vorbei und er zeigt mir mein Zelt im Freien wo ich die kommende Nacht verbringe. Vielen Dank Anat und Arthur für Eure Gastfreundschaft!!!
28.01. Wieder um 5h krieche ich aus meinem Schlafsack, trinke warmes Wasser und gehe noch einmal zum Grabmal von Ben Gurion.
Sonnenaufgang über der Wüste Negev – im Hintergrund der Berg Hod Akev (541m)
Während die Sonne über der Wüste aufgeht gehe ich wieder zum natürlichen Wasserpool Ein Akev, das ich um diese Uhrzeit viel ruhiger erlebe als vor zwei Tagen mit der Schulgruppe.
Natürliches Wasserpool Ein Akev
Dann gehe ich weiter hoch zum oberen Pool Ein Ashiv, wo ich allerdings kein Wasser ausfindig mache.
Oberes ‚Wasserpool‘ Ein AshivDie Wüste lebt – Teil 2
Ich mache hier im Schatten eines Baumes Mittagspause und erreiche so um 16h das Nachtlager Nahash Tzame. Hier reicht mir ein Einheimischer einen Stollen Kuchen aus dem Auto und wünscht mir alles Gute auf meinem Weg nach Eilat und ans Rote Meer. Immer wieder diese Gastfreundschaft, auch hier in Israel gibt es sie. An einem beinahe windstillen, allerdings leicht abschüssigen Plätzchen koche im mir eine Suppe und esse die Hälfte des selbstgemachten Karottenkuchens auf. Müde schlafe ich heute schon so um 18h ein.
Nachtlager Nahash Tzame
29.01. Mit der Stirnlampe koche ich mir warmes Wasser und esse den restlichen Kuchen, ein wahrer Genuss so ein Frühstück in freier Natur! Die ersten 7 bis 8 km schlängelt sich hier der Weg zuerst hinunter und dann wieder auf ca. 650 Höhenmeter durch enge Schluchten hinauf bevor ich eine Ebene erreiche.
Am Weg nach Mitzpe Ramon
Von hier geht der Weg weiter entlang eines Weges ca. weitere 20km nach Mitzpe Ramon. Am Weg laufen mir am Vormittag auch Dromedare (Kamele mit einem Höcker) über den Weg, die hier die Blätter von den Sträuchern fressen.
Kamele, in diesem Fall Dromedare mit einem Höcker, kündigen sich anDromedare in der Wüste Negev – hier am Weg nach Mitzpe RamonDromedar in der Wüste Negev, gleich und gleich gesellt sich gerne – hier am Weg nach Mitzpe RamonPosing for the camera… 🙂
Sehr zutraulich kommen sie mir auch sehr nahe und lassen sich durch meine Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen.
Krater kurz vor Mitzpe Ramon
Heute bin ich bei einem weiteren Trail Angel angesagt. Dieses Mal ist es Alen, ebenfalls ein Tourguide, bei dem ich die nächsten zwei Nächte verbringen werde. Nach einer Dusche fahren wir gemeinsam mit seinem Auto in das Ortszentrum und essen dort gemeinsam Fish und Chips und trinken ein kleines Bier. Alkoholkontrollen sind in Israel sehr streng. Auch Alen lädt mich dazu ein – vielen Dank!!! Wir unterhalten uns auch über die derzeitige Situation zwischen den Israelis und den Palästinenser. Alen unterstützt die derzeitige Regierung und die Pläne dem Obersten Gerichtshof Kompetenzen zu nehmen. Seiner Meinung nach seien hauptsächlich die obersten Richter und Banker Schuld am schlechten Ruf der Israelis.
30.01. Heute morgen erledigen Alen und ich das Notwendigste im Eilververfahren. Zuerst fahren wir in sein Lager wo er ca. 50 bikes gelagert hat. Dann trinken wir bei seinen Freunden einen Kaffee, während einer einen Fahrradsattel repariert. Anschließend bringt Alen mich mit seinem Defender in einen Laden wo ich Klebezeug für meine Isomatte und vier Zelthaken kaufe. Dann bringt er mich auch noch zu einer Schneiderin und in 5 Minuten ist auch meine Hose repariert. So kann ich jetzt wieder etwas beruhigter die Wanderung morgen fortsetzen.
Alen und ich bei der Schneiderin in Mitzpe Ramon – die Hose musste wieder einmal geflickt werden
Dann gehen wir in eine Bäckerei und essen gute Süßigkeiten bevor er weg muss. Eine Tourgruppe wartet auf ihn. Ich bleibe und beim Kaffeetrinken lerne ich zwei Mädchen aus Litauen kennen, die hier eine Woche Urlaub machen. Evtl treffen wir uns heute Abend noch einmal.
Gesamtkilometer: ca. 5.400
Fazit: Der Shvil (Israel National Trail) hat es speziell hier im Süden in der Wüste Negev in sich. Traumhaft schöne Aussichten wechseln sich ab mit schönen Gesteinsformationen und Wasserpools. Das Wichtigste in der Wüste ist das Wasser, ohne dem gibt es kein Leben. Die Trail Angels sind eine große Hilfe dabei, den Weg gut zu meistern und auch zu genießen. Das Beeindruckendste in der Wüste ist jedoch die absolute Stille und der Sternenhimmel, der hier zum Greifen nahe scheint. Toda raba (Vielen Dank) allen Trail Angels und sonstigen Leuten, die mir hier in der Wüste halfen.
14.01. Nachdem ich gestern Abend nach dem unerwarteten Shabbat Dinner ziemlich spät ins Bett gekommen bin schlafe ich heute früh bis nach 8h und gehe dann so um 9h weg vom Abraham Hostel Richtung Bethlehem. Ich verabschiede mich noch einmal vom Jaffator und Berg Zion und erreiche gegen Mittag Bethlehem.
Am Weg nach Bethlehem – im Hintergrund der Berg Zion außerhalb der Altstadt von Jerusalem
Bethlehem liegt ja im Westjordanland (West Bank) und so gilt es einen Checkpoint zu passieren bevor ich in die Geburtsstadt von Jesus komme.
Graffities an der Mauer, die Palästina (das Westjordanland) von Israel abgrenzt – in Bethlehem
Im Bunksurfing Hostel gibt mir Salah ein Bett in einem Schlafsaal für 50 Schekel, das allerdings ohne Frühstück. Dann erkundige ich noch einmal die Stadt mit ihrem alten Markt und der Geburtskirche Jesus.
Geburtskirche von JesusIn der Grotte der Geburtskirche von Jesus, hier soll Jesus geboren sein – in BethlehemKatharinenkirche in Bethlehem
Gegen Abend telefoniere ich mit Muttern und esse dann noch Falafel mit Humus bevor ich wieder in die Unterkunft zurückkomme.
Junger Palästinenser beim Falafelmachen – in Bethlehem
15.01. Um halb 6 in der Früh trinke ich noch Tee in der Unterkunft und esse die restlichen Falafel von gestern bevor ich mich auf den Weg nach Hebron mache. Auf dem Weg nach Hebron stehe ich manchmal auch bei einem Zaun an und muss einen Umweg gehen. Zweimal gehe ich auch durch ein Zone A Gebiet, in dem es Israelis nicht erlaubt ist, sich dort aufzuhalten.
Straßenschild ‚Area A‘ – Zutritt für Israelis strengstens verboten; auf dem Weg von Bethlehem nach Hebron im Westjordanland/Palästina
Gegen 16h erreiche ich dann die Stadt Hebron und beide Hostels, die ich in der Altstadt anvisiert habe, sind geschlossen – Corona macht es möglich.
Palästinensisches Autokennzeichen
Einheimische zeigen mir auf der Karte das Hotel Hebron, in dem ich mich für 130 Schekel die Nacht einquartiere, inklusive Frühstück. Am Abend esse ich wieder einmal Falafel, lasse mir den Bart rasieren und trinke in der Rezeption noch einen gemütlichen Tee bevor ich mich ins Zimmer begebe.
16.01. Pünktlich um 7h gibt es Frühstück wurde mir gesagt und ich mache reichlich Gebrauch davon. Dann gehe ich wieder durch die Altstadt und den Markt wo die ersten Ständchen aufmachen und die Frühaufsteher ihren ersten Kaffee genießen.
Morgens in Hebron…
Im Grab des Patriarchen schaue ich mir sowohl die Ibrahim Moschee als auch die Synagoge an. Das Grab des Patriarchen ist nach der hebräischen Bibel das Familiengrab der Erzeltern der Israeliten. Hier sollen Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob und Lea bestattet sein.
Grab des Patriarchen – in HebronIn der Ibrahim Moschee im Grab des Patriarchen – in HebronGrabmal von Abraham – in der Synagoge des Grabes des Patriarchen
Hebron ist auch geteilt und neben dem größeren arabischen Teil gibt es auch einen kleinen jüdischen Stadtteil, der streng abgeriegelt ist. Selbst das Grab des Patriarchen ist zweigeteilt und in der Synagoge beobachte ich Juden beim Beten und wie sie die Thora, die heilige Schrift, öffnen und daraus beten.
Beim Beten aus der Thora – in der Synagoge des Grabes des Patriarchen
Ich durchstreife heute noch einmal Palästina bzw das Westjordanland bis in den äußersten Süden und zurück nach Israel und Lev Yatir, wo mich ein Trail Angel beherbergen wird. Als ich den jüdischen Stadtteil beim Checkpoint in Hebron verlasse, meint der Soldat ich gehe in ein gefährliches Land, nach Palästina. Unbegründet wie ich finde…
Dieser Israelische Soldat warnte mich vor Palästina…
Kaum in Palästina angekommen werde ich zum Kaffee eingeladen. Wenig später beobachte ich zwei junge Männer wie sie mit den Eseln das Feld pflügen.
Einladung zum Kaffee – außerhalb von HebronKinder außerhalb von HebronPflügen in Palästina…
Auch hier mache ich halt, trinke frischen Orangensaft und versuche mich selbst dann auch noch beim Pflügen – gar nicht so einfach.. 😉
Gegen 16 treffe ich dann im Haus von Odeliya ein. Sie ist ein Trail Angel entlang des Shvil, des Israelischen Fernwanderweges. Trail Angels sind Leute, die Wanderern für eine Nacht ein Bett, eine Dusche und ein Nachtmahl zur Verfügung stellen. Und das alles gratis und sie machen es vor allem gerne. Mit Odeliya verstehe ich mich auf Anhieb gut. Sie stammt aus einer national orthodoxen Familie und hat mit ihrem Mann Aron sechs Kinder. Dementsprechend ist viel los an diesem Abend und speziell mit der 4 1/2 jährigen Ruth habe ich viel Spaß.
Abendessen bei Odeliya – full house!Ruth, links unten, war mein Liebling – ausgelassene Stimmung im Hause von Odeliya
17.01. So gegen 7h frühstücken wir dann noch alle gemeinsam und ich begleite Odeliya noch gemeinsam mit Ruth zum Kindergarten bevor ich mich von dieser herzlichen Familie verabschiede. Heute bin ich wieder mit einem Trail Angel verabredet, dieses Mal ist es Einav von Arad. Auch hier werde ich herzlich empfangen, ich dusche und bekomme zum Essen Couscous mit Gemüsesuppe. Dann kaufen wir in einem Supermarkt noch für den kommenden Shabbat ein und ich kaufe auch Proviant für die nächsten Tage. Brot, Käse, Thunfischdosen, Nüsse, Datteln, etc… Am Abend unterhalte ich mich noch lange mit der Frau von Einav, die mir viel über ihre sechs Kinder, ihre Krankheit, etc… erzählt. Einav gibt mir noch wertvolle Tipps für den Shvil, Wasserversorgung, Gefahren, etc…
Einav mit seiner Frau – Trail Angels in Arad am Rande der Wüste Judäa – vielen Dank!!!
18.01. Ich schlafe heute etwas länger, da ich gestern mit der Frau von Einav ausgemacht habe, mit ihr gemeinsam noch Fleisch einzukaufen. Und ich musste auch noch Geld auf meine lokale Partner SIM Karte laden, da das eine Monat bald um ist und es Richtung Eilat in der nächsten Zeit keine Möglichkeit mehr geben wird. Gegen Mittag sind wir dann wieder zurück in ihrem Haus und ich mache mich auf den Weg zum Birkat Tzfira Campingplatz, der ca. 15km von Arad entfernt liegt.
Orange/Blau/Weiß – die Wegmarkierung des Shvil (israelischer Weitwanderweg)Am Weg durch die judäische Wüste zum Toten Meer
Durch ein ausgetrocknetes Flußtal gelange ich schließlich zum Campingplatz. Es gibt hier allerdings keine Infrastruktur und auch kein Wasser. Junge israelische Soldaten füllen mir wieder meine Wasserflaschen nach. Die Nächte hier in der Wüste sind wunderschön und der Sternenhimmel scheint zum Greifen nahe.
Birkat Tzfira Campingplatz – ich teile mir den Platz mit israelischen SoldatenMit zwei Soldaten am Birkat Tzfira Campingplatz – der junge Mann in der Mitte gab mir noch wertvolle Tipps mit auf den Weg, er ging den Shvil selber schon einmal – Danke!Straßenschild am Weg zum Toten Meer
19.01. Es war heute meine erste Nacht im Zelt wieder einmal nach längerer Zeit und irgendwie habe ich nur wenig geschlafen. In der Früh laden mich die Soldaten noch zum Frühstück ein und geben mir Obst mit auf den Weg. In Israel dauert der Heerdienst drei Jahre für die Jungen, für die Mädchen immerhin auch zwei Jahre. Dann marschieren sie in ein ausgetrocknetes Flußtal wo sie Kletterübungen machen werden. Ich gehe weiter auf dem Shvil (Israelischer Weitwanderweg) und erreiche nach ca. einer Stunde einen wunderschönen Aussichtspunkt auf das Tote Meer, das tief unter mir liegt.
Blick von der judäischen Wüste auf das Tote Meer
Hier erreiche ich Herbert und Muttern und hoffe, das alles gut geht. Herbert, vielen Dank auch Dir hier an dieser Stelle! Dann gehe ich hinunter zum West Campground Masada, wo ich etwas warten muss bis ich mein Zelt aufstellen kann. Ich esse zumittag und verbringe die Mittagszeit mit weiteren Telefonaten. Gegen 14h lassen sie mich dann doch rein zum Campingplatz und nachdem ich mein Zelt aufgestellt habe, gehe ich noch zur verfallenen Wüstenfestung von Masada hinauf. Vor ca. 2.000 Jahren ließ sich hier der jüdische Klientelkönig Roms Herodes eine Palastfestung auf einem Gipfelplateau am Rand der judäischen Wüste, hoch über dem Toten Meer, erbauen. Es war während des jüdischen Krieges gegen die Römer ca. 70 n. Chr. der letzte Zufluchtsort. In aussichtsloser Lage sollen die jüdischen Rebellen hier Selbstmord begangen haben bevor die Römer auch diese Festung eingenommen haben und den jüdischen Krieg für sich entschieden haben.
Masada – eine Palastfestung aus römischer Zeit hoch über dem Toten Meer
Ich sitze derzeit gerade beim Wächter des Campingplatzes in seinem Häuschen und schreibe diese Zeilen. Es ist hier vor allem warm und es gibt WLAN. Ein Schwätzchen mit dem arabisch sprechenden Süleiman, so heißt der Wächter, darf natürlich auch nicht fehlen.
20.01. Noch im Finsteren gehe ich noch einmal auf den Zufluchtsfelsen vieler Juden vor 2.000 Jahren und genieße hier den Sonnenaufgang über dem Toten Meer.
Sonnenaufgang mit Blick auf das Tote Meer auf der Palastfestung Masada
So gegen 10h bin ich dann wieder startklar und über einen Bergrücken mit immer schöner Aussicht auf das Tote Meer komme ich so gegen 15h am Campingplatz in En Bokek direkt am Toten Meer an.
Blick von einem Bergrücken auf die Palastfestung Masada
Hier wird bereits fleißig gegrillt und als ich einige Palästinenser um einen Supermarkt frage, bringen sie mir umgehend Brot, gegrilltes Fleisch und Essiggurkerl für 3x Essen vorbei – – > Vielen, vielen Dank Sirs!!! Eure Hilfe kommt gerade zur rechten Zeit… Es gibt allerdings auch noch ganz in der Nähe einen kleinen Supermarkt, wie sie mir erklären, der rund um die Uhr offen hat. Nach drei Spiessen, Brot und Gurkerln kaufe ich dann im Supermarkt noch Müsli, einige Packerl Suppen, Walnüsse, Cola, etc… Die nächsten Tage werde ich keine Einkaufsmöglichkeiten haben. Den Abend verbringe ich am salzreichen Toten Meer und genieße den Wechsel der Farben beim Sonnenuntergang.
Sonnenuntergang am Toten Meer – Salz wie hier am Strand im Vordergrund gibt es jede Menge
Neben mir zeltet auch noch Valentine aus Weißrussland, die schon 20 Jahre hier in Israel in der Nähe von Haifa wohnt und wir unterhalten uns ein wenig während hier bei den Palästinenser Partystimmung herrscht.
Gesamtkilometer: ca. 5.195
Fazit: Nach drei Wochen Pause vom Wandern war ich wieder voller Tatendrang auf neue Abenteuer und machte mich so auf meinen Weg zurück nach Hause. Sowohl in Palästina als auch bei den Israelis erfuhr ich immer wieder große Gastfreundschaft – vielen Dank allen dafür! Die nächste Zeit werde ich jetzt in der Wüste Negev verbringen bevor ich wieder zurück nach Jordanien gehe. Hier wartet noch ein weiterer Höhepunkt auf mich – die Felsenstadt Petra!
06.01. Nach zwei Wochen in Jerusalem habe ich nun doch das Gefühl bekommen mir auch noch andere Städte und Gegenden in Israel anzuschauen. So nehme ich Abschied von dieser wunderbaren Stadt und auch von Georg, meinem Namensvetter. Ich erreiche nach ca. 20 Minuten zu Fuß die Busstation und der Bus 955 bringt mich in ca. 1 Stunde und 45 Minuten direkt von der Busstation nach Nazareth. Ich habe hier für drei Nächte ein Bett in einem Schlafsaal gebucht, und zwar im Fauzi Azar Hostel. Es ist dies ein ca. 300 Jahre altes Haus und ich bin von Beginn an schwer begeistert von dieser Unterkunft. Mit den extrem hohen Räumen, dicken Mauern und schönen Innenhöfen habe ich hier das Gefühl in einem mittelalterlichen Schloß zu wohnen.
Aufenthaltsraum im Fauzi Azar Hostel – in Nazareth
Michlin, die Empfangs Heflin, erklärt mir auch, dass in dieser ca. 60.000 Einwohner zählenden Stadt ausschließlich Christen und Muslime wohnen, keine Juden. So wird auch der Sabbath hier nicht so streng genommen. Es haben alle Geschäfte am Freitag und Samstag offen, nur Busse und öffentliche Verkehrsmittel verkehren auch hier am Sabbath nicht.
Den Nachmittag verbringe ich in der Verkündigungsbasilika und in der daneben liegenden Josefskirche. Die Verkündigungsbasilika steht über jener Höhle der Stadt Nazareth, in der der römisch-katholischen Überlieferung zufolge der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien.
Verkündigungsbasilika in NazarethBildnis in der Josefskirche – in Nazareth
Im Anschluss daran esse ich eine Schawarmapita und trinke einen halben Liter Wasser – – > kostet 48 Schekel (Umrechnungskurs: 1 Euro = ca. 3,6 Schekel). Ups…!!! Bzgl Verpflegung muss ich mir da was neues einfallen lassen…:-) Es beginnt dann leicht zu regnen und so gehe ich wieder in die Unterkunft zurück wo ich gerade das schöne Ambiente der Unterkunft genieße.
In den Straßen von Nazareth…
07.01. Nach einem sehr guten arabischen Frühstück erklimme ich heute vormittag den Hügel von Nazareth wo die Don Bosco Kirche steht.
Don Bosco Kirche in Nazareth
Ich genieße die Aussicht von hier oben. Es liegt noch ein leichter Nebel über der Stadt und die Sonne kommt schön langsam durch. Die Lehrerin der Schule neben der Kirche lässt mich liebenswerter Weise durch den Hintereingang in die Kirche rein.
Altstadt von Nazareth
Zumittag besuche ich dann noch die griechisch-orthodoxe Kirche, wo heute Weihnachten gefeiert wird. Danach beginnt es zu regnen und ich mache es mir mit einer Decke und warmen Kaffee und Kuchen im Fauzi Azar Hostel gemütlich. Ich telefoniere mit einigen Leuten zuhause und plane ein wenig die nächsten Tage voraus.
Gemütlicher Nachmittag im Fauzi Azar Hostel
08.01. Heute ist das Wetter wieder um einiges besser und ich fahre mit dem 9h Bus 431 von Nazareth nach Tiberias an den See Genezareth. Von dort dann gleich mit einem weiteren Bus weiter nach Kapernaum, einem ehemaligen kleinen Fischerdorf am See. Und jetzt wird es wieder biblisch… Hier soll Jesus Kranke geheilt haben, Brot und Fische vervielfacht haben und die ersten Anhänger gefunden haben. Kapernaum gilt auch als Heimatort von Petrus, dem ersten Jünger Jesu.
Weisse Synagoge in Kapernaum – auch hier soll Jesus gepredigt haben
Nachdem ich mir alle heiligen Stätten angeschaut habe nimmt mich Miriam, eine amerikanische Jüdin, in ihrem Auto von Kapernaum in die Ortschaft Magdala mit. Wir sind uns in unseren Ansichten bzgl Religionen sehr nahe. Es kommt nicht auf die jeweilige Religion an sondern auf das Herz und dem Menschen selber, meint sie mit großer Überzeugung… Mit einem öffentlichen Bus komme ich dann wieder zurück in die Stadt Tiberias am See Genezareth. Heute ist Sonntag und die meisten Kirchen haben geschlossen. Auch ist jetzt Nebensaison, das merkt man auch. So schaue ich mir die Stadt ein wenig an und nach einem kurzen Spaziergang an der Strandpromenade fahre ich wieder mit dem Bus zurück nach Nazareth.
See Genezareth – in Tiberias
09.01. Heute ist es der Bus 331, der mich nach ca. 1 Stunde Fahrt von Nazareth in die Israelische Hafenstadt Haifa bringt. Michelin hat mir hier das Haifa Hostel empfohlen. Ich lasse meinen Rucksack in der Unterkunft und schaue mir am Vormittag die Bahai Gärten und den Schrein des Bab an.
Schrein des Bab, Gründer der Bahai Religion – in den Bahai Gärten in Haifa
Es ist dies das Pilgerziel der Anhänger der Bahai Religion, die die Erde als nur ein Land und alle Menschen als seine Bürger betrachtet. Vom oberen Teil der Bahai Gärten am Berg Karmel hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Hafen und die gesamte Stadt.
Blick vom Berg Karmel auf die Stadt Haifa mit den Bahai Gärten und rechts dem Hafen
Ich bleibe ziemlich lange hier oben sitzen bevor ich am späten Nachmittag über Stiegen auf der anderen Seite der Gärten wieder hinunter in die Stadt gehe.
In den Straßen von Haifa – es leben hier auch verhältnismäßig viele russisch sprechende Menschen unterschiedlicher Regionen und Herkunft
10.01. Nach einem kleinen Frühstück im Hostel kaufe ich mir heute um 12 Schekel eine Tageskarte für die Öffis in Haifa. Die Karte beinhaltet auch die Seilbahn und die Carmelit, Haifas unterirdisches Standseilbahnsystem. Nach ausreichend vielen Palatschinken in der Unterkunft fahre ich heute mit einem Bus wieder hinauf zum Berg Karmel und zum IBM Forschungs- und Entwicklungslabor.
50 Jahre IBM in Israel – im R&D Lab in Haifa
Ich habe mit einigen Leuten hier vor vielen Jahren einmal zusammen gearbeitet und ich versuche es auf das grade Wohl ob ich hinein darf. Und es funktioniert tatsächlich, vielen Dank den Angestellten des Labors! Letztlich bekomme ich auch noch Kaffee und Kekse, die Aussicht auf die Stadt von hier oben ist absolute Weltklasse. Im Anschluss daran schaue ich mir das Archäologische Museum an und fahre dann mit der Doppelmayr Seilbahn wieder hinunter in die Stadt. Mit einem Bus und der Standseilbahn fahre ich noch einmal zum Karmel Berg und genieße noch einmal den Blick über die Stadt. Ausserdem besuche ich auch noch das Tikotin Museum der japanischen Kunst mit schönen Zeichnungen und Farbholzschnitten aus dem 19. Jhdt. und dem Ende der Edo Zeit.
Selling the famous Yam Soup at the Station – Farbholzschnitt von Utagawa Hiroshige (1797-1858), im Tikotin Museum der japanischen Kunst
Im Stadtteil Wadi Nisnas esse ich dann eine Falafelpita um 10 Schekel (es geht ja auch billiger) bevor ich mir dann den Hafen und die Stadt auch am Abend vom Berg Karmel anschaue.
Nächtlicher Blick auf den Hafen von Haifa – vom Berg Karmel
Am Rückweg treffe ich Antoine aus Frankreich und seinen deutschen Freund und wir vereinbaren uns morgen in Tel Aviv zu treffen und ein Bierchen zu trinken.
11.01. Nach einer guten Stunde Zugfahrt entlang der Küste am Mittelmeer erreiche ich die Millionenstadt Tel Aviv, die wirtschaftliche Hauptstadt des Landes. Beim Frühstück im Abraham Hostel treffe ich wieder Yana und wir schauen uns gemeinsam den alten Hafen von Yaffa und das Ilana Goor Museum an.
Glockenturm in JaffaIm alten Hafen von Jaffa
Auch Antoine und Florian aus München sind mit von der Partie. Zurück im Hostel lerne ich auch noch Rami kennen, einen lokalen Nomaden, der mir und uns viel über sein Land erzählt.
12.01. Frühmorgens gehe ich entlang dem Rothschild Boulevard, der Hauptstraße von Tel Aviv. Ein Boulevard gesäumt mit vielen Bäumen und weißen Gebäuden der Bauhaus Architektur.
Bauhaus Architektur (links) – im Rothschild Boulevard von Tel Aviv
Danach hole ich Yana vom Frühstück ab und wir durchstreifen das Viertel Neve Tsedek, ein schöner Stadtteil im Zentrum mit niedrigen Gebäuden. Danach tauchen wir in das geschäftige Treiben des Carmel Marktes ein.
Leckereien am Carmel Markt
Zurück am Strand beobachten wir Wellenreiter, die das windige Wetter ausnützen und ihren Spaß haben. Danach besuchen wir noch das Eretz Israel Museum bevor wir gegen 20h wieder in die Unterkunft zurück kommen.
Tausende Gläubige erweisen dem Rabbi Avraham Erlanger die Ehre bei seinem Begräbnis, Jerusalem, 11. Oktober 2021 -World Press Photo Award Fotoausstellung im Eretz Israel Museum Rechtsextreme Aktivisten schlagen eine ältere palästinensische Frau während der Flaggenparade am Jerusalemtag (im muslimischen Viertel in Jerusalem am 29.05.2022) – World Press Photo Award Fotoausstellung im Eretz Israel Museum
Hier treffe ich wieder Marco, den Costa Ricaner, der hier mit seinen Kollegen das Wochenende bleibt und wir verbringen gemeinsam den Abend.
13.01. Marco begleitet mich heute noch bis zur Zugstation wo wir uns verabschieden. Nach ca. einer halben Stunde erreiche ich von Tel Aviv wieder Jerusalem und angetan von dieser Stadt bleibe ich noch eine Nacht in Jerusalem – heute beginnt ja wieder Shabbat!
Ich lasse den Rucksack im Abraham Hostel und erkundige den Shuk, den Mahane Yehuda Markt in Jerusalem. Speziell an einem Freitag ist hier sehr viel los und die Leute genießen noch die Leckerbissen bevor um ca. 15h die Rollläden fallen.
Im Mahane Yehuda Markt in Jerusalem – der Shabbat naht
Da ich erst um 14h einchecken kann besuche ich auch noch das Stadtviertel Mea Shearim, das hauptsächlich von ultraorthodoxen Juden bewohnt wird. Es ist eines der ältesten Stadtviertel Jerusalems außerhalb der Altstadt.
Ultraorthodoxer Jude in den Straßen von Mea Shearim – einem Stadtteil von JerusalemUltraorthodoxe Juden in den Straßen von Mea Shearim – einem Stadtteil von JerusalemZwei ultraorthodoxe Juden in ihren traditionellen Gewändern in den Straßen von Mea Shearim – einem Stadtteil von Jerusalem
Sobald Du die Straßen dieses Stadtteils betritts findest Du Dich in einer anderen Welt wieder. Überall die Männer mit ihren schwarzen Gewändern, Hüten und Locken von der Schläfe… Ich lerne hier einen Friseur kennen, der gut Englisch spricht und mir Kuchen und Wein anbietet. Ich setze mich und wir haben ein nettes Gespräch miteinander. Allerdings kommt kurz darauf ein junger orthodoxer Jude aus New York in das Geschäft und meint auf Englisch, dass er einen Haarschnitt wolle.
Haarschnitt in Mea Shearim – es sollte noch Probleme geben…
Es war von Anfang an eine eher ständig herausfordernde Kommunikation und Angelegenheit und als der Friseur versehentlich ein paar von den langen Locken des jungen Mannes erwischt ist es vorbei mit lustig. Der junge Mann springt unverrichteter Dinge plötzlich auf und beendet so den Haarschnitt. Ohne zu bezahlen droht er dem Friseur auch noch, dass er veranlassen werde, dass er seinen Friseurbetrieb schließen müsse. Also hier zeigt sich schon einmal wie wichtig den ultraorthodoxen Juden ihre Schläfenlocken sind. Nach ca. 15 Minuten beruhigt sich das ganze doch wieder und der Junge zieht, ohne zu bezahlen, von dannen.
Um ca. 14h gehe ich dann ins Hostel zurück, beziehe mein Bett in einem 8-Bettzimmer und gehe noch einmal durch dieses interessante Stadtviertel in Richtung Altstadt. An der Klagemauer beten heute besonders viele Juden und ich bin immer wieder von ihrer Ausübung ihrer Religion fasziniert.
Ultraorthodoxe Juden mit ihren zylinderförmigen Hüten beim Shabbatgebet vor der Klagemauer
Dann gehe ich nochmals auf den Ölberg und genieße den schönen Abend und die Aussicht auf die Altstadt von Jerusalem. Beim Zurückgehen bleibe ich noch einmal kurz vor dem österreichischen Hospiz stehen und beobachte wie die ultraorthodoxen Juden vom Beten an der Klagemauer zurückkommen. Während ich so schaue erkennt mich ein Zivildiener aus Wr. Neustadt wieder, der im österreichischen Hospiz als Kellner arbeitet. Er kann sich noch an meine Geschichte mit der Wanderung erinnern und als ich ihn frage was er hier macht, meint er, er versucht mit einem ultraorthodoxen Juden ins Gespräch zu kommen um zu einem Shabbat Dinner zu einer ultraorthodoxen Familie eingeladen zu werden. Da ich schon am Ölberg etwas gegessen habe hatte ich für heute das schon abgehakt und so verabschieden wir uns wieder. Am Rückweg komme ich noch einmal beim Mea Shearim mit den ultraorthodoxen Juden vorbei und irgendwie geht mir diese Idee einfach jemanden zu fragen ob man bei einem Shabbat Dinner dabei sein kann nicht mehr aus dem Kopf. Ich gehe in das Stadtteil hinein und ein älterer Mann wünscht mir – Shabbat Shalom! Ich versuche mit ihm Englisch zu reden, doch er spricht nur Hebräisch und verabschiedet sich wieder in dem er weitergeht. Keine Minute später steht er mit einem zweiten Mann vor mir auf der Straße und er deutet mir, dass sein Freund Englisch spreche. Ebenfalls eine honorige Person mit schwarzem Tuch und Zylinderhut und er fragt mich woher ich komme, etc und fragt mich ob ich schon Pläne für diesen Abend hätte. Den Rest könnt ihr euch jetzt schon denken… Ich habe unglaubliches Glück und David, so heißt der Mann ca. in meinem Alter, lädt mich ein mit ihm nach Hause zu gehen und dort mit einem Teil seiner Familie den Shabbat Dinner zu verbringen. Dies ist ein derartiges Erlebnis, das ich hier separat beschreiben möchte.
Shabbat Dinner in Jerusalem:Beim Betreten des Hauses ist bereits die Familie versammelt und die Kerzen auf der Menora, einem 9-armigen Kerzenständer, sind bereits angezündet. Das macht immer die Frau wie mir David versichert. Zuerst begrüßen mich doch eher überraschte Gesichter doch als David ihnen auf Jiddisch von mir und meiner Wanderung erzählt lockert sich die Stimmung schnell und wir haben einen wunderschönen gemeinsamen Abend. David hat 14 Kinder und über 60 Enkelkinder und nur ein kleiner Teil ist heute bei ihm zu Gast. Wir sind aber doch so an die 15 Leute und auch Jakob, sein 9-ältester Sohn ist mit dabei. Ich nehme neben David Platz und die Festlichkeiten beginnen mit einem Gebet, das David führt und Jakob hilft ihm dabei. Die Frauen und Kinder verlassen beim Beten den Raum. Ich als Mann darf dem Gebet weiter beiwohnen… Es ist auch der Tag seine Kinder zu segnen und so verneigen sich drei Söhne vor ihm. Er berührt ihre zylinderförmigen Hüte und gibt ihnen den Segen. Während des Gebets verteilt David dann Süßigkeiten und Schlecker an die Kinder und an den Gesprächen merkt man welche Autorität David in der Familie innehat. Dann wird mit einem Becher Traubensaft der dinner begonnen. Normalerweise sollte es Wein sein, es geht aber auch mit Traubensaft. Es muß ein Getränk sein, das von der Traube hergestellt wird. Es folgt selbstgebackenes Brot, das David vor sich unter eine Decke nimmt, und ebenfalls ein Gebet ausspricht. Dann nimmt er die Decke vom Brot, zerschneidet es und verteilt es unter der Familie. Das Brot ist hausgebacken und noch warm, wunderbar. Die Frauen und kleinen Mädchen bringen dann verschiedene Aufstriche und Salate und verrichten auch das Abräumen. Die Aufgaben sind blitzklar verteilt: Das Gebet übernehmen die Männer, sprich David und sein Sohn Jakob, den Rest mit Essen auftragen, abräumen ist klare Frauensache. Selbst der 5-jahrige Aron, der neben mir Platz nimmt, beteiligt sich nicht an den Essensangelegenheiten, die Aufgaben werden wohl von klein auf festgelegt. Dann bekommen wir drei verschiedene Fischsorten, eine selbstgemachte Hühnersuppe, Rindfleisch und zum Dessert noch eine Orangensüssigkeit. David erklärt mir, dass in diesem Stadtteil die Hauptsprache Jiddisch sei, dann wird auch noch Hebräisch in der Schule unterrichtet. Englisch kommt erst danach und so spricht ausser David niemand wirklich Englisch. Als sie untereinander Jiddisch sprechen erkenne ich immer wieder deutsche Wörter und so versuche ich es mit Jakob auf Deutsch und die Kommunikation funktioniert einigermaßen. Das Jiddisch ist dem Deutschen ziemlich ähnlich, auch wieder was gelernt… David erklärt mir auch noch, dass die Zylinderhüte ursprünglich aus Polen kommen und aus dem Fell vom Zobel gemacht werden. Hier werden sie weiter getragen. Und es steht in der Thora, der heiligen Schrift der Juden, geschrieben, dass sie an den Schläfen Locken haben müssen. Sobald die Frauen geheiratet haben, müssen sie ihre Haare mit einem Kopftuch bedecken. Nur wenn sie mit ihrem Mann alleine ist, darf sie es abnehmen. Und es gibt jede Menge Sachen, die nicht erlaubt sind während des Shabbats. Zum Beispiel Feuermachen oder Kerzen ausblasen, sie werden übernacht ausbrennen. Auch gilt Handy- und TV Verbot weil der elektronische Funke als Feuermachen interpretiert wird, somit natürlich auch klares Fotografierverbot. Dasselbe gilt für Lichtanmachen oder Autofahren, beim Starten des Motors entsteht ja auch ein Funke. Vom Zeitpunkt des Sonnenuntergangs am Freitag bis zum Shabbat Dinner ist es Ihnen nicht erlaubt etwas zu essen oder zu trinken. Der Shabbat dauert von Freitag ca. 16h bis Samstag ca. 18h. Es soll während dieser Zeit auch nicht gearbeitet werden sondern diese Zeit dient ausschließlich der Erholung und dem Gedanken, etc… Beim abschließenden Gebet schließt er mich auch mit ein, segnet mich und meine Familie und wünscht mir eine gute und sichere Heimkehr. Als wir uns verabschieden meint David, dass ich jederzeit gerne wieder zu einem Shabbat Dinner bei ihm und seiner Familie eingeladen bin. Als ich ihn frage wie wir die Kontakte am besten austauschen, war natürlich an ein Handy nicht zu denken. So meinte ich, ich könnte mir doch seine Nummer oder Email Adresse auf einen Zettel aufschreiben, auch das ist nicht erlaubt… So sagte er mir seine Email Adresse und meinte, ich müsse sie mir einfach merken. Gesagt, getan.. Nach ca. 10 Mal laut sagen hatte ich die Email Adresse intus und als wir uns verabschiedet hatten, habe ich sie mir dann draußen vor der Haustür ins Handy eingetragen. Als ich dann den Weg nach Hause mit dem Handy suche, erinnert mich ein Junge, dass Handyverbot herrscht. In diesem Stadtteil werden die Regeln streng gehalten. Summa summarum ist es schon auffällig wie sehr die Männer in diesen Familien das Sagen haben, zumindest war es in dieser so. Die Frauen verrichten die Arbeit, die Männer konzentrieren sich auf die Thora. Wobei David schon auch noch einen Betrieb mit Angestellten hat, es gibt also auch Ausnahmen. Für mich war das sicher das beeindruckendste Erlebnis hier in Israel und man konnte wohl auch meine Freude in meinem Gesicht darüber erkennen.
Das Zuhause von David – im ersten Stock seines Hauses gab es den Shabbat Dinner – vielen Dank!!!
Gesamtkilometer: ca. 5.060
Fazit: Israel hat definitiv noch mehr zu bieten als Jerusalem. Speziell die Hafenstadt Haifa gefiel mir besonders gut, sehr grün und interessante Stadtviertel. Wer einen Freitag in Jerusalem verbringt empfehle ich wärmstens irgendwie eine Einladung zu einem privaten Shabbat Dinner zu bekommen. Besser kann man die jüdische Religion und Kultur nicht erleben.
Mir persönlich haben die drei Wochen Pause vom Wandern sehr gut getan und so kann ich jetzt gestärkt wieder meine Rückkehr angehen.
19.12. Willkommen in Palästina! Das sagt sich so leicht, ist es aber gar nicht… 1988 in Algier von der PLO (Palästinensischen Befreiungsorganisation) als Staat Palästina ausgerufen, wurde von den Gründern Palästinas das Westjordanland (West Bank), der Gazastreifen und Ostjerusalem als Hauptstadt des Staatsgebietes beansprucht. Heute erkennen 138 Länder den Staat Palästina an, jedoch ist seine Staatlichkeit völkerrechtlich umstritten. Österreich, Deutschland und die Schweiz erkennen Palästina nicht als Staat an, pflegen jedoch diplomatische Beziehungen zu den Vertretern der Palästinensischen Autonomiegebiete.
3 Monatsvisum für Israel – es gilt auch für Palästina bzw. die Palästinensischen Autonomiegebiete
Nach der Ankunft mit dem Bus in Jericho gehe ich in das Stadtzentrum. Ich frage mich zur katholischen Kirche (Good Shepherd Church) durch wo es angeblich möglich sein soll zu übernachten. Während ich mich mit einigen Lehrern vor der Kirche unterhalte, kommt auch schon Pfarrer Mario vorbei und zeigt mir gleich mein Quartier. Es ist ein Schlafsaal mit ca. 10 Betten und ist für mich ganz alleine.
Kaffee mit Palästinensern – in der Stadt Jericho
Jericho liegt ca. 250 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit die tiefstgelegenste Stadt der Welt.
20.12. Nachdem ich gestern irgendetwas falsches gegessen oder getrunken habe fühle ich mich heute nicht besonders fit. So verbringe ich einen ruhigen Tag hier und stärke mich für die letzten Kilometer nach Jerusalem.
21.12. Heute geht es mir wieder weit besser und ich fühle mich wieder völlig gesund. Auf durch die judäische Wüste nach Jerusalem!
Am Stadtrand von Jericho darf natürlich auch ein Jerusalemweg Pickerl nicht fehlen!Am Weg zum St. Georg Kloster – wenn da der Schritt nicht schneller wird… 🙂
Nach ca. 5 km Fußmarsch erreiche ich das Kloster St. Georg, das von griechisch-orthodoxen Mönchen bewohnt wird.
Kloster St. Georg – es wird von griechisch-orthodoxen Mönchen bewohnt
Heute hat es allerdings geschlossen, ich kann mir aber zumindest meine Wasserflaschen auffüllen für die nächsten Kilometer. Dann geht es weiter bergauf durch ein ausgetrocknetes Flußtal, dem Wadi Qelt, und ich erreiche so um 14h einen Aussichtspunkt.
Canyonlandschaft im Wadi Qelt, einem ausgetrockneten Flußtal Im Wadi Qelt, einem ausgetrockneten Flußtal
Von hier habe ich einen schönen Blick über die Wüste Juda und auf Jericho. Am Weg zu einem Beduinencamp löse ich mein Versprechen mit einem Friseur in Melk ein.
Er hat mir am Anfang meiner Wanderung in Melk meine Haare geschnitten ohne Geld zu verlangen. Er meinte nur, wenn ich in Palästina angekommen bin, sollte ich den Gegenwert eines Haarschnitts bei ihm jemandem in Palästina geben. Eine ältere Frau, die mir entgegen kam und gerade in ihre ärmliche Behausung ging, schien mir gut zu passen und sie freute sich über das überraschende vorweihnachtliche Geschenk.
Arme Behausungen im Westjordanland
Gegen 16h erreiche ich ein Beduinencamp und gemeinsam mit einer Gruppe aus Frankreich verbringe ich hier eine sehr schöne Nacht.
22.12. Die Uhren gehen in Palästina wieder eine Stunde vor, das bemerke ich erst heute früh beim Frühstück…:-) Dann geht es durch die judäische Wüste in verschiedenen Wadis und unwegsamen Gelände Richtung Jerusalem.
Schafherde mit Hirten – in der judäischen Wüste
Ich treffe einen Jungen auf seinem Esel, der zu mir reitet als er mich sieht. Auf seinem Esel hat er einen Kanister Wasser dabei und er füllt mir wieder meine Wasserflasche nach. Gegen 17h treffe ich dann in einem Vorort von Jerusalem ein und der Verkehr wird wieder mehr. Im Lazarus Guesthouse finde ich eine geeignete Unterkunft und stärke mich am Abend mit Falafel.
23.12. Heute ist es soweit und ich kann es kaum glauben. Nach beinahe 8 Monaten und ca. 5.000 km Wanderung werde ich heute Jerusalem erreichen. Zuerst gehe ich allerdings noch die letzten Kilometer entlang einer ca. 10 Meter hohen Mauer, die das Westjordanland von Jerusalem trennt.
10 Meter hohe Mauer, die das Westjordanland von Jerusalem trennt
Es gibt hier einen Checkpoint, an dem das Gepäck gescannt wird, und wenig später bin ich im östlichen Teil von Jerusalem. Ich gehe auf den Ölberg hinauf und sehe das erste Mal hinab in die Altstadt von Jerusalem – ein Traum wird wahr!
Angekommen – im Hintergrund die Altstadt von JerusalemAltstadt von Jerusalem – Blick vom Ölberg
Ich lasse mir Zeit bei der Ankunft und komme beim Grab der Heiligen Maria vorbei. Sie soll hier begraben und auferstanden sein.
Im Grab der Heiligen Maria
Dann tauche ich in die Altstadt ein, komme auch bei der Klagemauer vorbei und erreiche um ca. 14h das Abraham Hostel, meine Unterkunft in Jerusalem.
Gläubige beim Beten – an der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem
Ich werde hier einmal für einige Zeit bleiben und meine Wanderung revue passieren lassen.
Sie haben Ihren Job gut gemacht…
Am späten Nachmittag bekomme ich eine Nachricht von Alexis, einem jesuitischen Priester aus Spanien, der ebenfalls hierher gepilgert ist und schon länger in der Stadt ist. Wir vereinbaren gemeinsam von Jerusalem nach Bethlehem zur Mitternachtsmesse zu gehen. Am Abend durchstreife ich die Altstadt und komme beim österreichischen Hospiz vorbei. Es gibt hier auch das Café Triest, in dem österreichische Zivildiener arbeiten, und das an ein Wiener Kaffeehaus erinnert. Zur Feier des Tages esse ich hier ein Schnitzel und trinke eine Flasche Stiegl Bier. Na dann Prost!
Ein Wienerschnitzel und ein Stiegl Bier – im österreichischen Hospiz in der Altstadt von Jerusalem vergisst man beinahe nicht daheim zu sein:-)
24.12. Heute vormittag erledige ich meine Weihnachtspost, rufe zuhause an und treffe schließlich Birgit, eine deutsche Pilgerin aus München, die ebenfalls mit uns nach Bethlehem geht. Um ca. 15h holen wir dann Alexis und Paulus, einen weiteren Priester aus Westtimor, ab und gehen alle gemeinsam nach Bethlehem. Nachdem dann unsere ‚Navigationsqueen Birgit‘ doch noch ihre Unterkunft in Bethlehem findet…: -) lassen wir uns gute Falafel schmecken und wohnen der Mitternachtsmesse bei.
Weihnachtliche Stimmung in Bethlehem Mitternachtsmesse in der Geburtskirche Jesu in Bethlehem Drei Pilger in Bethlehem – mit Jesuitenpriester Alexis aus Spanien und Birgit aus München
Die Messe war wunderschön, großteils in Latein und um ca. 01:30 am Morgen kommen wir wieder aus der Geburtskirche von Jesus heraus. Auch Emmanuel, der französische Pilger aus Paris, mit dem ich in der Türkei eine Weile gemeinsam gegangen bin, ist hier und es gibt ein freudiges Wiedersehen.
Ausgelassene Stimmung nach der Mitternachtsmesse – v.l.n.r: Alexis, Birgit, Paulus (der Priester aus Westtimor) und meine Wenigkeit
Letztlich komme ich mit einem Bus gemeinsam mit Alexis, Paulus und anderen Priestern wieder gut zurück nach Jerusalem. Frohe Weihnachten!!!
25.12. Nach einer kurzen Nacht gehe ich heute wieder in die Altstadt und besuche den Tempelberg, einen der umstrittensten heiligen Orte der Welt. Seit dem 7. Jhdt nach Chr. steht hier der Felsendom, eines der islamischen Hauptheiligtümer und mit seiner goldenen Kuppel das Wahrzeichen der Stadt.
Felsendom am Tempelberg – Wahrzeichen der Stadt Jerusalem
Davor stand hier der herodianische Tempel, ein Nachfolgebau des nachexilischen jüdischen Tempels (2. Tempel, erbaut ca. 515 v. Chr.), der wiederum auf den Fundamenten des salomonischen Tempels (1. Tempel, erbaut ca. 1000 v. Chr.) errichtet wurde. Der herodianische Tempel, den König Herodes im Jahre 20 v. Chr. erbauen ließ, wurde im jüdischen Krieg im Jahre 70 n. Chr. von den Römern zerstört. Vom Tempel selber ist heute nur mehr die westliche Stützmauer, die sogenannte Klagemauer, vorhanden. Die Klagemauer gilt heute als wichtigste heilige Stätte des Judentums.
Neben dem Felsendom befindet sich die Al-Aksa Moschee, die drittwichtigste Moschee im Islam.
Al-Aksa Moschee am Tempelberg – drittwichtigste Moschee im IslamAusgangstor am Tempelberg – Eintritt hier nur für Muslime Grabeskirche von Jesus – in der Altstadt von Jerusalem – hier löste ich weitere Versprechen ein Damaskustor – Eingang zum muslimischen Viertel der Altstadt von Jerusalem
In der Altstadt von Jerusalem gibt es übrigens ein muslimisches, ein jüdisches, ein christliches und ein armenisches Viertel und es macht Spaß sich in den engen Gassen zu verlieren.
Dann besuche ich noch einmal das österreichische Hospiz, trinke guten Meinl Kaffee und telefoniere mit Muttern.
Weihnachtsbaum im österreichischen Hospiz Blick auf die Altstadt von Jerusalem – von der Dachterrasse des österreichischen Hospiz
Am Abend lerne ich Marco aus Costa Rica kennen. Er schläft im gleichen Zimmer wie ich und er fragt mich, ob ich ihm helfe einige Gepäckstücke von seiner Freundin von einem anderen Hotel in unsere Unterkunft zu bringen.
Nach getaner Tat lassen wir uns im Hostel eine gute Suppe schmecken und gehen früh schlafen.
26.12. Heute regnet es und ich verbringe den Vormittag damit meine Wäsche zu waschen und zu trocknen. Marco und ich holen uns dann noch einmal eine Suppe, die wir gemeinsam mit seiner Freundin essen. Den Nachmittag verbringe ich heute großteils im Bett, sichere Fotos auf meine zwei USB Sticks ab und schreibe diesen Bericht. Es ist gerade ein Gewitter draußen, bei dem Wetter versäumt man nichts.
Ruhetag in Jerusalem
27.12. Gemeinsam mit Marco durchstreife ich heute den Shuk (Mahane Yehuda Markt), der nur ca. 5 Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt liegt. Mehr als 250 Verkäufer des Marktes verkaufen hier frisches Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse und Gewürze, etc…
Mit Marco am Shuk, dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem Schokoladen Rugelach – eine israelische Spezialität am Shuk
Am Rückweg entdecken wir einen Campingladen, wo ich eine passende Gaskartusche, eine warme Haube und zwei Paar neue Merinosocken kaufe. Auch hier in Jerusalem sind die Temperaturen gefallen und vor allem nachts wird es hier auch schon empfindlich kalt.
Am Nachmittag ruft mich Alexis an ob ich die nächsten Tage zum Jesus Trail im Norden des Landes mitkommen möchte. Ich lehne allerdings dankend ab. Es ist einfach zu früh für mich und ich brauche noch mehr Zeit für diese Stadt. Wir vereinbaren allerdings noch ein gemeinsames Treffen für morgen Abend.
28.12. Das Frühstück hier im Abraham Hostel ist wirklich ein Highlight. Es gibt hier levantinische Speisen, Müslis, verschiedene Aufstriche, etc. Es trifft sich hier quasi die ganze Welt und es ergeben sich immer wieder interessante und lustige Gespräche. Heute beginne ich mir die Altstadt etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Blick auf die Klagemauer und dem dahinter liegenden Tempelberg
Vom Jaffa Tor, eines der 8 Tore in der Stadtmauer der Jerusalemer Altstadt, erkunde ich das armenische Viertel und im Anschluss daran den Berg Zion, der außerhalb der Altstadtmauer liegt.
Kinder am Davidgrab am Berg ZionSaal des Letzten Abendmahls – am Berg ZionGrab von Oskar Schindler – auf dem katholischen Friedhof am Berg Zion
Im Anschluss daran gelange ich dann in das jüdische Viertel, wo ich die orthodoxe Hurva Synagoge besuche und von oben die Aussicht über die Stadt genieße.
Hurva Synagoge im jüdischen Viertel der Altstadt von JerusalemJüdisches Viertel in der Altstadt von Jerusalem – Blick von der Hurva Synagoge
Am Abend war ich dann noch mit Alexis, dem Pilger aus Spanien, verabredet. Er ist im Päpstlichen Bibelinstitut untergebracht, wo wir um 19h im Haus einer Messe beiwohnen. Gemeinsam mit Paulus und anderen Priestern essen wir nach der Messe Gerstensuppe, Hühnchen mit Kartoffeln und Salat und ein gutes Dessert. Eine bunte Runde aus Priestern aus Nigeria, der Slowakei und den USA. Im Anschluss an das Abendessen unterhalten Alexis und ich uns noch alleine in einem anderen Raum. Wir tauschen unsere Pilgererfahrungen aus und er erzählt mir auch wie sein Leben zuhause aussieht bzw. welche Opfer es auch bedeutet Jesuit zu sein. Persönliches Eigentum ist zB tabu.
29.12. Marco begleitet mich heute früh in die Altstadt und wir entschließen uns spontan die Altstadt auf der umgebenden Mauer zu umrunden. Wir starten die Tour beim Jaffa Tor und genießen immer wieder die verschiedenen Ausblicke auf die Stadt und ihre Umgebung.
Altstadtmauerntour mit Marco – und hier mit zwei britischen SoldatenBlick auf das Abschalom Grab (links) und das Grab von Zacharias (rechts) im Kidrontal im alten jüdischen Friedhofs am Fuße des Ölberg – beide Grabmäler stammen aus dem 1. Jhdt v. Chr. Einmal um die Welt – Altstadtmauerntour in Jerusalem
Gegen 14h kommen wir dann wieder beim Jaffa Tor an und stärken uns im muslimischen Viertel mit einem Sandwich und Wasser. Dann schlägt Marco vor zur Klagemauer zu gehen. Dies ist wirklich ein heiliger Ort! Ich schreibe meine Wünsche auf ein kleines Stück Papier und stecke es in die Klagemauer. Ein vorbeikommender Jude, der auch etwas Deutsch spricht, heißt uns willkommen im ‚Zentrum des Universums’…
Jüdisch-orthodoxer Junge beim Gebet vor der Klagemauer
30.12. Heute besuche ich das Holocaust Museum am Fuße des Herzlberges. Es ist derart interessant und gut gemacht, aber gleichzeitig auch derart bedrückend, dass ich bis zur Sperrstunde um 14h nur die Hälfte gesehen habe.
Waiting in line for soup, Przyglowa Ghetto, 1942. Von Jerzy Fuks, einem Insassen in diesem Ghetto. Er starb 1942 im Vernichtungslager Treblinka in Polen. Im Holocaust Museum am HerzlbergHolocaust Museum am Herzlberg
Um 14h schließt an einem Freitag das Museum, es ist der Beginn von Sabbath, der heilige Tag der Juden. Am Herzlberg befindet sich auch das Grab von Theodor Herzl, der Begründer des modernen politischen Zionismus, das ich im Anschluss an das Holocaust Museum besuche.
Danach versuche ich so um 15h wieder mit der Straßenbahn in die Unterkunft zu fahren, Fehlanzeige! In Jerusalem liegen ab Freitag nachmittag bis Samstag abend alle Verkehrsmittel still und das öffentliche Leben kommt quasi zum Erliegen. So gehe ich dann eben wieder zu Fuß zurück. Um 16h ertönt der Ton, der den Beginn des Sabbath ankündigt. Der Samstag ist im Judentum dazu da um zu sich zu finden und auch um in die Synagoge zu gehen. Den Abend verbringe ich mit Marcito aus Costa Rica und da er kaum Englisch spricht kann ich mein Spanisch wieder ein wenig aufpolieren. Ich merke allerdings auch wie sehr es bereits ‚eingerostet‘ ist…
31.12. Ich gehe noch einmal zum Ölberg, von wo ich auch nach Jerusalem gekommen bin und besuche noch einmal etwas genauer die verschiedenen Stätten.
Kirche aller Nationen – die Stelle, wo Jesus von Judas verraten worden sein sollGrab von Abschalom, dem Sohn David’s
Im Mariengrab treffe ich noch einmal Emmanuel, den französischen Pilger, und wir haben noch einmal viel Spaß beim Rückblick auf unsere Tour. Am Abend genieße ich den Sonnenuntergang und den Blick auf die Altstadt von Jerusalem.
Blick vom Ölberg auf die Altstadt von Jerusalem
Dabei gehen mir noch die letzten Monate durch den Kopf und bedanke mich, dass soweit alles gut gegangen ist. Auf dass der Rückweg ähnlich gut verläuft. Zurück in der Unterkunft verbringen Marco und ich den Sylvesterabend bei einer Party im Haus, wo ordentlich gefeiert wird. Prosit Neujahr!
Sylvesterabend in Jerusalem – hier mit Marco aus Costa Rica
01.01.2023: Ich fahre heute noch einmal in das Holocaust Museum und schaue mir den zweiten Teil davon an. So zwischendurch erledige ich die Neujahrspost und mache dann um 16h eine Tour durch die unterirdischen Gänge unter der Klagemauer. Dabei kommt man auf das Niveau der alten römischen Straße runter, die um vieles tiefer gelegen ist.
Auf den Spuren der Römer – wir stehen hier auf der Straße der Römerzeit, die um vieles tiefer lag – bei der Klagemauer Tunneltour
An der Klagemauer telefoniere ich dann mit Muttern bevor ich mir im österreichischen Hospiz noch einmal gutes Essen und Trinken gönne (Lasagne, Salat und ein Stiegl Bier), quasi mein Neujahrsessen.
02.01. Wer immer auch den Tempelberg besichtigen will, muß früh aus den Federn raus. Für Nichtmuslime ist er nur von 07:00 bis 10:30 geöffnet und so finde ich mich gegen 9h beim Einlass ein. Es wird natürlich auch hier streng kontrolliert.
Tempelberg in Jerusalem
Ich mag es solche Orte immer ein zweites Mal zu erleben, da man immer wieder was Neues entdecken kann und es jedes Mal anders erlebt. Im Anschluss daran gehe ich dann noch einmal die 14 Stationen der Via Dolorosa ab.
Grabeskirche – der Ort wo Jesus gekreuzigt und begraben worden sein soll
Die Via Dolorosa ist wohl die bekannteste Straße in Jerusalem und bezeichnet den Leidensweg von Jesus Christus. Sie beginnt am Löwentor, in der Nähe wo Jesus zum Tode verurteilt wurde und endet nach ca. 600 Metern in der Grabeskirche, wo Jesus gekreuzigt und begraben worden sein soll. Quasi jeder Jerusalem Tourist geht einmal diesen Weg ab, dementsprechend wimmelt es hier von Touristen. Schon alleine dass die Grabeskirche im Besitz von sechs verschiedenen Konfessionen des Christentums ist, zeigt wie sehr dieser Ort ‚beansprucht‘ wird. Die Schlüssel für die Kirche haben übrigens zwei muslimische Familien, die jeden Tag abwechselnd die Kirche öffnen und schließen…
Gewohntes Bild in der Altstadt von Jerusalem
03.01. Nach einem ausgiebigen Frühstück starte ich den heutigen Tag mit einer Busfahrt zum Berg Scopus wo sich die hebräische Universität befindet. Alles streng abgeriegelt aber man darf dann doch durch das Gelände gehen. Nach einer weiteren halben Stunde erreiche ich dann wieder den Ölberg. Heute habe ich mir vorgenommen zwei russische Kirchen bzw Klöster zu besuchen weil die nur jeweils Dienstag und Donnerstag vormittags offen haben.
Russisches Frauenkloster am Ölberg Friedhof im russischen Frauenkloster am ÖlbergNetter Mönch aus der Ukraine – im russischen Frauenkloster am Ölberg
Zuerst besuche ich das russische Frauenkloster am Ölberg und danach die Maria Magdalena Kirche, in der es ebenfalls ein Frauenkloster gibt. Beides sehr interessant.
Russisch orthodoxe Maria Magdalena Kirche am Fuße des ÖlbergsAlles muss auch wieder schön sauber sein – in der Maria Magdalena Kirche
Die Mittagszeit verbringe ich im Garten des österreichischen Hospiz und erhole mich von dem Fußmarsch.
Im Garten des österreichischen Hospiz lässt es sich gut ausruhen…
Danach schaue ich mir dann auch noch das Israel Museum an und komme gegen 19h wieder in die Unterkunft zurück.
Menschlich geformte Särge aus Keramik aus dem 13. Jhdt. v. Chr., gefunden in der Küstenregion des Toten Meeres – im Israel Museum in Jerusalem
Knesset (Parlament) in Jerusalem, der offiziellen Hauptstadt von Israel – in der Nähe des Israel Museums
04.01. Heute ist einmal Ruhetag angesagt. Beim Frühstück unterhalte ich mich lange mit Georg aus Karlsruhe über die jüdische Religion, den Sabbath, usw… Es darf nichts Neues geschehen am Sabbath, versichert er mir. Handyverbot, TV Verbot, etc… Naja, würde einigen von uns ebenfalls gut tun, denke ich mir… 🙂 Am Vormittag erledige ich dann einige Telefonate mit zuhause, alles bestens. Ich durchstreife noch einmal das jüdische Viertel in der Neustadt und den Markt.
Im Mahane Yehuda Markt von Jerusalem
Um 15h holt mich dann Sarel ab und wir fahren mit seinem Auto Mittagessen und wir lassen uns Kibbeh, Humus, Foul und Fladenbrot schmecken.
Mit Sarel beim Kibbehessen…Auch die Knafeh schmeckten hervorragend…
Sarel und ich haben uns vor ca. 6 Jahren in Myanmar kennengelernt und es gibt ein freudiges Wiedersehen. Interessant seine Schilderungen während seines 3-jährigen Militärdienstes im Gazastreifen, etc… Er lebt jetzt mit seiner Frau in einem kleinen Dorf im Westjordanland und gibt mir noch einige Tipps mit auf den Weg für den Shvil, den Israelischen National Wanderweg. Vielen Dank Sarel!
05.01. Heute ist mein letzter Tag in Jerusalem und ich verabschiede mich von den Plätzen, die mir besonders gut gefallen haben. Dazu gehören der Tempelberg, die Klagemauer, der Ölberg, das jüdische Viertel und letztlich gute Kasnocken und ein Bierchen im österreichischen Hospiz im muslimischen Viertel.
Den Abend verbringe ich mit Georg und Jana im Abraham Hostel an der Bar. Wir haben viel Spaß gemeinsam und Georg und ich vereinbaren ein Georg Treffen wenn ich wieder zurück bin.
Mit Jana und Georg im Abraham Hostel
Gesamtkilometer: ca. 5.060
Fazit: Jerusalem ist einzigartig und faszinierend zugleich. Schon beim ersten Blick auf die Altstadt vom Ölberg war ich von der Schönheit dieser Stadt begeistert und in den Bann gezogen. Es ist wunderschön sich in der Altstadt zu verlieren und den verschiedenen Religionen auf engstem Raum beim Praktizieren ihrer jeweiligen Religion beizuwohnen. Das hohe Preisniveau ist natürlich schon sehr gewöhnungsbedürftig im Vergleich zu den meisten vorherigen Ländern. Aber die vielfältige und interessante Kultur entschädigt dafür. Für mich war es auch ein Ankommen, ein Verweilen und ich verbrachte die Zeit auch mit einem Rückspiegel auf die vergangenen 8 Monate. Ich werde nun noch ca. 1 Woche eine kleine Runde Richtung Norden und Küste machen (Haifa und Tel Aviv) bevor meine Wanderung Richtung Negev Wüste weitergeht. Toda (Danke)!
04.12. Da Syrien leider weiterhin nicht bereisbar ist, fliege ich von Antakya (Türkei) via Ryad (Saudi Arabien) nach Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Beim Landeanflug auf Ryad ist schön die arabische Wüste zu sehen. Nach einem kurzen Aufenthalt am Flughafen von Ryad geht es dann nach Amman.
Am Flughafen von Ryad, Saudi Arabien
Hier wartet bereits der lustige Taxifahrer Waleed vom Wanderers (Battuta) Hostel auf mich. Er bringt mich gegen 22h gut in die Unterkunft, in der ich hier die nächsten Tage verbringen werde. Ich werde freundlich empfangen und bekomme ein Bett im 4 Bett Zimmer zugeteilt, in dem ich derzeit alleine bin. Ich schlafe früh ein.
05.12. Was weiß ich eigentlich schon über Jordanien? Nicht wirklich viel… Dass es ein Königreich ist und als eines der stabileren und sicheren Länder im Nahen Osten gilt. Sonst ist es wieder völliges Neuland für mich. Die Sprache (Arabisch), die Leute und deren Mentalität und auch das Essen. So brauche ich tatsächlich ein wenig mich hier einzugewöhnen. Gebt mir ein paar Tage Zeit ihr Araber, dann gehöre ich euch…:-) Auch das Preisniveau ist für mich nach der Türkei wieder etwas gewöhnungsbedürftig. Am Morgen bereitet mir Hamdi, ein Syrer aus Aleppo, ein Frühstück auf der Terrasse zu.
Hamdi, der Syrer aus Aleppo, reicht mir das Frühstück. Es gibt Fatteh, ein beliebtes levantinisches Frühstückgericht mit gerösteten Brotstücken, Joghurt, Kichererbsen, Knoblauch, etc… – auch in Damaskus, Syrien ein beliebtes Frühstück, wie er mir wissen lässt
Er ist bereits 10 Jahre hier und schickt regelmäßig das Geld, das er hier verdient, an seine Eltern und seine Familie nach Hause. Zurück kann er nicht, da er sofort zur Armee eingezogen werden würde. Alles was er sich wünscht ist einmal seine einjährige Nichte umarmen zu können, sehr berührend solche Gespräche und Begegnungen.
Ibrahim vom Hostel gibt mir dann eine SIM Karte von der Firma Umniah, mit der ich im ganzen Land zurecht kommen sollte. Im Anschluss daran erkundige ich ein wenig die Stadt und besichtige das römische Theater und die Zitadelle, alles Zeugnisse einer wirklich alten Stadt.
Römisches Theater in Amman Mit Jordaniern im römischen TheaterJungs beim Fußballspiel vor dem Herkulestempel – auf der Zitadelle von AmmanBlick auf die Stadt und das römische Theater – von der Zitadelle in Amman
Als erstes fällt mir auf, dass die Stadt sehr hügelig ist und es immer irgendwie auf oder ab geht. Sehr schönes Markttreiben im Markt neben der Husseini Moschee.
Am Markt neben der Husseini Moschee Datteln gehören hier zum täglichen Essen – hier am Markt neben der Husseini Moschee
Es leben hier viele geflüchtete Palästinenser, Syrer und auch Ägypter, ein buntes Völkergemisch also.
06.12. Zum Frühstück gibt es heute Fladenbrot mit Humus und Foul, ein warmes Bohnengericht. Dann erkunde ich heute die andere Seite der 2 Millionen Einwohnerstadt rund um die Abdullah I Moschee, die vor allem mit ihrer blauen Kuppel auffällt.
König Abdullah Moschee in Amman – bis 2006 Nationalmoschee des Landes
Ich esse zumittag Falafel, trinke arabischen Tee und schaue mir dann im Anschluss auch noch das Museum of Fine Arts an.
‚Immigration‘ – im Museum of Fine Arts ‚Verschleierte Frauen‘ – im Museum of Fine Arts
Den Abend verbringe ich in einem Shishacafe und wir schauen uns alle das Fußballspiel Marokko gegen Spanien an. Die Jordanier stehen hinter Marokko als wäre es ihr eigenes Land und dementsprechend wird auch der Sieg im Elfmeterschießen gefeiert.
07.12. Nachdem mir ja am Flughafen meine Gaskartusche abgenommen wurde, versuche ich heute mein Glück im Markt in der Nähe der Husseini Moschee.
Der Koran, heiliges Buch der Moslems – hier in der Husseini Moschee im Zentrum Ammans
Allerdings ohne Erfolg, da hier welche mit einem Drehgewinde nur in riesiger Größe erhältlich ist. Es gibt sie in Jordanien nicht kleiner und so warte ich damit wenn ich nach Israel kommen werde.
Rainbow Street – eine der Hauptstraßen in Amman
Zumittag esse ich im ‚Restaurant Jerusalem‘ Mansaf, das Nationalgericht Jordaniens. Es ist ein arabisches Gericht und besteht hauptsächlich aus Reis und Lammfleisch. Dann telefoniere ich wieder einmal mit meiner Mutter, es stehen einige Entscheidungen an.
Arabischer Kaffee wird direkt über der Flamme zubereitet
Den Nachmittag gehe ich dann noch zur Abu Darwish Moschee und zu einer armenischen Kirche von wo man einen sehr schönen Blick auf die Stadt hat.
Steile Stiegen – ein ewiges Auf und ab in Amman
Den Abend verbringe ich wieder einmal in der Unterkunft wo ich hier gerade die letzten Ereignisse niederschreibe.
08.12. Am Morgen frühstücke ich noch einmal auf der Terrasse des Hostels.
Blick auf den modernen Stadtteil von Amman mit der König Abdullah Moschee – von der Terrasse des Hauses aus
Ludwig, ein Deutscher aus München, ist gerade aus Israel zurückgekommen und gibt mir einen ersten Eindruck von diesem Land. Danach besuche ich noch das Jordan Museum und sitze gerade im Jerusalem Restaurant bei Kaffee und Wasser.
Landesflagge von Jordanien – im Jordan Museum
Ich werde heute noch einen geruhsamen restlichen Tag in Amman verbringen. Da an einem Freitag hier in Jordanien so gut wie keine Busse gehen werde ich morgen versuchen mit einem ’shared taxi‘ nach Ar-Ramtha an der syrisch-jordanischen Grenze zu kommen. Ich werde dort eine Nacht bei Salaheldin verbringen bevor meine Wanderung dann wieder Richtung Jerusalem weitergeht.
09.12. Als Frühstück wollte ich heute einen Kaffee trinken gehen, allerdings Fehlanzeige. In Jordanien ist an einem Freitag so gut wie alles geschlossen. Andere Länder, andere Sitten. So kaufe ich mir ein paar Kekse in der Bäckerei und trinke Tee im Battuta Hostel. Anschließend bringt mich ein Taxi für ein paar jordanische Dinar (JD) zur Tabarbour Busstation (1 JD = 1,33€). Ich habe Glück und bin der vierte Mann in einem Auto, das nach Ramtha fährt. Die ca. einstündige Fahrt kostet 3 JD und ich erreiche bereits um ca. 11h vormittags Ramtha, die Stadt an der Grenze zu Syrien. Und als ich mich so umsehe rufen mir zwei Männer zu. Der eine ist Nawwaf, ein Jordanier aus Ramtha und handelt mit Benzin, der andere ist Mohanad, ein Syrer aus Damaskus, und verdient sein Geld mit Taxifahrten und der Ein- und Ausfuhr von diversen Gütern und Geräten zwischen Jordanien und Syrien.
V.l.n.r.: Nawaaf, Mohanad und meine Wenigkeit
So komme ich nun doch noch zu meinen Kaffee und Mohanad bringt mich dann mit seinem Taxi auch noch zur Grenze nach Syrien. Von hier geht nun also meine Wanderung weiter Richtung Süden von Jordanien und nach Jerusalem.
Geschlossene Grenze zwischen Jordanien und Syrien
Nach ca. 4 km bin ich wieder in Ramtha und ich werde sehr herzlich bei Salaheldin und seiner Familie aufgenommen. Ayoub, sein Vater, spricht auch ein wenig Englisch und so können wir uns alle gut verständigen. Wir verbringen den Nachmittag beim Plaudern, Essen und Kaffee trinken und ich erfahre von Salaheldin sehr viel über sein Land und die gesamte Nahost Region. Es ist alles sehr verwoben hier, die vielen politischen Verstrickungen und wer mit wem sympathisiert. Letztlich sei alles ’shouraba‘, wie eine Suppe… 🙂
Salaheldin mit seinem Sohn Said (auf Deutsch: Schwert) – das Gericht mit Reis und Huhn nennt sich ‚Upside-down‘ weil es aus einer Pfanne heraus gestürzt wird und so die Unterseite oben zu liegen kommt
Letztlich kommt auch noch sein Bruder Baha’a vorbei. Es ist ein reiner Männer Haushalt und gemeinsam mit Saif, dem Sohn von Salaheldin, schauen wir am Abend auch noch Fußball aus Quatar.
Baha’a, Bruder von Salaheldin, und sein Vater Ayoub
10.12. Frühmorgens, als Saif noch neben mir schläft, stehe ich auf und frühstücke gemeinsam mit Ayoub. Es war eine sehr schöne Begegnung mit ihm und seiner Familie. Zumittag erreiche ich die Ortschaft Al Husun wo ich um einen halben JD einen Falafelsandwich esse. Der Norden von Jordanien ist sehr hügelig, es geht viel rauf und runter. Die Häuser sind meistens weiß gefärbt und ohne Dach, der arabische Stil also. So erreiche ich dann so gegen 15h die Ortschaft Kitim. Zwei Männer sitzen vor ihrem Haus und einer ruft mir zu, ich solle doch auf einen Tee zu ihnen reinkommen. Ich nehme die Einladung natürlich gerne an und letztlich bekomme ich auch noch Hühnchen mit Fladenbrot zum Essen. Die zwei Männer sind Abid Arahim und sein Bruder. Dem noch nicht genug bietet mir Abid Arahim an bei ihm im seinem Haus zu übernachten. Da ich ohnehin keine fixe Unterkunft in Aussicht habe und es bereits später Nachmittag wird, nehme ich auch diese Einladung gerne an.
Abid Arahim, ein liebenswerter Jordanier, bietet mir an bei ihm in seinem Haus zu übernachten
Er erzählt mir, dass er beruflich als Soldat die Grenze zu Israel abgesichert hat und jetzt im Ruhestand mit seiner Familie und seinen sechs Kindern hier lebt. Am Abend schaue ich mir gemeinsam mit seinem Sohn und anderen jungen Jordaniern in einem Kaffee das Fußballspiel Marokko gegen Portugal an, das Marokko sehr zur Freude der Einheimischen 1:0 gewinnt. Marokko steht damit im Semifinale – Gratulation!
11.12. Abid Arahim ist ebenfalls wie ich früh auf den Beinen und richtet mir ein gutes Frühstück mit Eierspeise, Fladenbrot, Oliven und selbstgemachten Traubenmarmelade her. Dazu gibt es jordanische Tee, der mit Minze zubereitet wird. Danach verabschieden wir uns beide, es war auch dies eine sehr herzliche Begegnung. In der Ortschaft Kafr Khal esse ich wieder Falafel mit Humus und Fladenbrot bevor ich die letzten Kilometer in die historische Stadt Jerash gehe.
Neugierige Ziegen am Weg nach JerashKinder nach der Ortschaft Kafr KhalDie Ortschaft Camp Souf am Weg nach Jerash. Es ist ein ehemaliges palästinensisches Flüchtlingslager. Die Palästinenser, die hier nach der ersten Intifada 1987 hierher kamen, bekamen jordanische Pässe und sind den Jordaniern gleich gestellt.
In Jerash finde ich im Ruins Wall Hostel im Norden der Stadt eine sehr gute Unterkunft. Um 8 JD bekomme ich ein Bett in einem 6 Bett Zimmer, das ich heute mit einem Griechen namens Stavros teilen werde. Er arbeitet in London bei Canon und ist hier 10 Tage lang mit einem Mietwagen unterwegs. Es gibt auch wieder einmal eine Dusche und zu Abend esse ich noch meine restlichen Falafel vom Mittagessen.
12.12. Im Markt von Jerash trinke ich heute morgen am Hauptplatz einen Kaffee und lerne Mafiid kennen. Er spricht gut Englisch und hat in vielen TV Filmen bereits mitgespielt. Er erzählt mir viel von seinem Land und der Stadt Jerash.
Mafiid – quasi der ‚James Bond‘ von Jerash
Der heutige Tag ist allerdings dem Besuch der antiken Stadt Gerasa, dem heutigen Jerash gewidmet. Sie wird auch die Stadt der 1.000 Säulen genannt und wurde im 4. Jhdt vor Chr. von keinem Geringeren als Alexander dem Großen, dem König aus Makedonien, gegründet. Die Stadt erfuhr während der Römerzeit ihre Blütezeit bevor im Jahre 749 n. Chr. ein schweres Erdbeben die Stadt stark zerstörte und den Untergang einleitete. Heute sind noch viele Teile der Stadt gut erhalten, wie die zwei Amphitheater, der Zeus und der Artemis Tempel und vieles mehr.
Säulen vom Zeus TempelBlick auf die antike Stadt Gerasa, dem heutigen JerashDie Hauptstraße im antiken GerasaArtemis Tempel im antiken Gerasa Ein Schmied bei der Arbeit – in der Stadt JerashIn den Straßen von Jerash – das Kamelfleisch kommt frisch… vom Kamel…
13.12. Kurze Zusammenfassung von dem was mir so in den letzten Tagen auf meinem Spaziergang nach Jerusalem aufgefallen ist hier in Jordanien. Es gibt hier viel weniger Hunde als in all den anderen Ländern davor auf meiner Wanderung. Nicht das ich mich aufregen würde, ihr versteht mich… 🙂 wenn gebellt wird, dann nur ein vereinzeltes und völlig harmloses ’sich bemerkbar machen‘. Auch gibt es in den kleineren Ortschaften keine Kaffee- oder Teestuben mit Sitzmöglichkeiten. So sitze ich bei den Pausen meist auf einem Stein oder einer niedrigen Mauer. Oder eben am Boden. Dafür scheint es sich hier, zumindest im Norden des Landes, ein wenig unter den kleinen Jungs eingebürgert zu haben um Geld oder andere Wertgegenstände zu betteln. Auch werfen sie mit Steinen nach mir. Ist es die Armut, andere Mentalität oder andere Einstellung zu ‚Fremden‘, vielleicht eine Mischung davon? Ich kann es noch nicht genau sagen warum das so ist. Die Erwachsenen erscheinen mir von der Gastfreundschaft ebenbürtig mit den Türken. Ich bin heute bereits das dritte Mal privat in einer Unterkunft und wurde auch zum Abendessen eingeladen. Bei privaten Einladungen und Übernachtungen bekommst Du in der Regel die Frau des Hauses nicht zu Gesicht. Das ist einfach so hier.
Allerdings der Reihe nach was heute so geschah. In der Früh trinke ich in der Stadt Jerash Kaffee und esse Gebäck mit Käse bevor ich mich von dieser antiken Stadt verabschiede. Ich hatte gestern wirklich das Gefühl in einer antiken Stadt spazieren zu gehen. Ich war so begeistert, dass ich gestern den ganzen Tag in den antiken Ruinen verbrachte. Heute ging es dann auch wieder viel bergauf und bergab.
Einheimischer mit seinem Esel – zwischen Jerash und Al KamshahAm Weg nach Al Kamshah Schulkinder am Weg nach Al Kamshah – sie wollten vor allem wissen wie ich heisse und woher ich komme…
Es ist ungewöhnlich hügelig hier, und zwar steil hügelig, sodass ich jeden Tag so ganz nebenbei auch viele Höhenmeter ‚genießen‘ kann.
Viel auf und ab im Norden des Landes
Am Abend fragte ich in der Ortschaft Al Kamshah im Supermarkt den Besitzer nach Abou Usama Asahwra. Er soll Pilgern eine einfache Unterkunft geben, wurde mir gesagt. Der Mann deutet auf ein Haus, das steil am Berg oben steht. Als ich dort ankomme, spricht eine Frau durch das Fenstergitter mit mir. Mit ihrem brüchigen Englisch erklärt sie mir, dass sie aus Syrien und Abou Usama gerade nicht hier sei. Letztlich bringen mich ihre drei lieben kleinen Töchter zu Abou Usama, der mir erlaubt bei ihm übernacht zu bleiben. Am Abend bringt mir einer seiner vier Söhne auch noch Falafel mit Humus und Foul, dazu den typisch jordanischen Minztee. Die Gastfreundschaft lebt auch in Jordanien!
14.12. Am Morgen bringt mir wieder derselbe Sohn von Abou Usama ein Frühstück bevor ich mich wieder auf den Weg mache.
Quartier und Frühstück bei Abou Usama – vielen Dank!!!
Zuvor klopfe ich noch bei der Syrerin an und bedanke mich für ihre Hilfe gestern, wieder durch das Fenstergitter, mit einer ‚kleinen Gabe‘.
Am Nachmittag erreiche ich nach viel auf und ab wieder die Hauptstadt Amman wo ich im Battuta Hostel eine Nacht verbringe.
Junges Kamel in den Vororten von Amman Zurück in der Hauptstadt Amman
Am Abend gehe ich in ein Shishacafe und schaue mir mit den Jordaniern das Fußballspiel WM Halbfinale zwischen Marokko (Maghreb) und Frankreich an. Maghreb wird hier natürlich unterstützt. Nach der 0:2 Niederlage war es allerdings recht ruhig und wir gingen alle schlafen.
Im Shishacafe in Amman – die Stimmung war aufgrund der 0:2 Niederlage Marokkos eher gedämpft
15.12. Da ich heute eine etwas längere Etappe (ca. 37 km) bis Madaba vorhabe, starte ich so um 7h früh, frühstücke am Markt im Stadtzentrum und verlasse im Laufe des Vormittags durch einige Vororte wieder die Hauptstadt. Am Weg nach Madaba reichen mir zwei Jungs Wasser und Orangensaft, eine willkommene Stärkung. Ausserdem gehe ich im Laufe des Nachmittags an drei verschiedenen riesigen gepanzerten Polizeiauto vorbei. Mit einigen rede ich, kann aber nicht wirklich ausmachen was der Grund für diesen Aufmarsch ist. Am Abend komme ich dann gut in Madaba an und quartiere mich um 12 JOD inkl. Frühstück im Pilgrim House ein.
16.12. Madaba ist die Stadt der Mosaiken und dementsprechend auch touristisch recht gut erschlossen. Nach dem Frühstück besuche ich eine Messe in der griechisch-orthodoxen St. Georgs-Kirche.
Griechisch-orthodoxe St. Georgs-Kirche in MadabaMesse in der St. Georgs-Kirche Der heiligen Georg höchstpersönlich – in der St. Georgs-Kirche in Madaba
Erst nach der Messe offenbart sich das unter einem Teppich versteckte Bodenmosaik mit Jerusalem und dem heiligen Land.
Bodenmosaik aus der frühen byzantinischen Zeit mit Jerusalem und dem heiligen Land – in der St. Georgs-Kirche in Madaba. Entstanden im 6.Jhdt. n. Chr. ist es die älteste, original erhaltene Landkarte.
Danach gehe ich noch zur katholischen Kirche des heiligen Johannes. Vom Glockenturm hat man einen wunderschönen Blick über die Stadt und der Umgebung.
Aussicht auf Madaba – vom Glockenturm der St. Johannes Kirche in MadabaNicht so schlecht die Idee… Gesichtet im Glockenturm der St. Johannes Kirche in MadabaMänner von Madaba – 1904. In der St. Johannes Kirche von Madaba
Es leben hier viele Christen, sowohl katholische als auch orthodoxe, wie mir Aiman vom Pilgrim House erzählt. Er selbst ist auch ein orthodoxer Christ. Am Nachmittag besuche ich noch einige Museen, in denen es hauptsächlich schöne Mosaike zu bestaunen gibt.
Mosaike im Archäologischen Park von MadabaMosaik im Archäologischen Park von Madaba – ganz rechts Aphrodite sitzend, neben ihr Adonis mit einer Lanze in der Hand
Morgen geht es weiter Richtung Berg Nebo und Totes Meer.
18.12. Bei herrlichem Wetter mit bis zu 20 Grad gehe ich heute zum Berg Nebo.
Am Weg zum Berg Nebo
Ab jetzt wird es etwas biblisch, ich warne Euch… 🙂 Also hier vom Berg Nebo soll Moses das Heilige Land gesehen haben, sprich Palästina, das Tote Meer, den Fluss Jordan, der in das Tote Meer mündet, etc…
Kirche am Berg Nebo – von hier soll Moses das Heilige Land erblickt haben
Heute gibt es zumittag einmal Kekse und Tee, auf den ich eingeladen werde. Dann mache ich mich hinunter in die Senke und Wüste, ca. 1.000 Höhenmeter geht es jetzt bergab zum Toten Meer.
Das Tote Meer ist ein Salzsee, der an Isreal, dem Westjordanland und Jordanien grenzt. Dessen Ufer liegen mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel, dem niedrigsten Punkt auf trockenem Land.
Auf dem Weg zum Toten Meer durchquere ich eine Sand- und Steinwüste und nach ca. 10km kommen mir zwei Burschen mit ihrem Esel und ihren Schafen entgegen.
Zwei Beduinenjungen mit ihrem Esel und der Schafherde15-jähriger Beduinenjunge
Wir tauschen uns etwas aus, so gut es halt geht, und schließlich gehen wir gemeinsam zu ihnen nach Hause.
Am Weg zu ihrem Nachhause – zuvor wird gerastet damit die Tiere Kraft sammeln können für den bevorstehenden Abstieg auf dem Geröll…Letztlich schaffen alle den Abstieg spielend
Es sind Beduinen und sie leben das ganze Jahr über in ihren Zelten und den Tieren. Salem, der 50-jährige Vater, heißt mich herzlich willkommen. Wir verstehen uns von Anhieb gut obwohl wir nur wenig von einander verstehen, macht nichts…
Salem (links) mit zwei seiner insgesamt fünf Söhnen und meiner Wenigkeit Salem hat übrigens zwei Ehefrauen und insgesamt fünf Söhne und drei Töchter. Er sei eben Beduine, meinte er lächelnd… 🙂
So raste ich mich bei ihnen ein wenig aus und schließlich meint Salem, ich solle bei ihnen doch übernacht bleiben. Ich verbringe eine sehr ruhige Nacht mit Salem in seinem Beduinenzelt. Shukran – Danke!
Übernachtung bei Salem im Beduinenzelt
18.12. Frühmorgens höre ich Salem schon auf seinem Gebetstuch beten – Allah akbar, etc… und noch vor Tagesanbruch trinken wir gemeinsam Minztee und essen Fladenbrot mit Olivenöl. Dann verabschiede ich mich von diesen wunderbaren Leuten und erreiche nach einigen anregenden Hundebekanntschaften die Ortschaft Swemeh am Toten Meer.
Hassan, ein syrischer Beduine, lädt mich zum Tee ein – am Weg zum Toten MeerOrtschaft Swemeh am Toten Meer
Es gibt hier viele völlig überteuerte 4- und 5-Sternhotels sodass ich mich in einem kleinen Lebensmittelladen um eine private Unterkunft erkundige. Nach einem kurzen Telefonat des Besitzers mit einem Freund von ihm bekomme ich eine kleine Wohnung um 25 JD, in der ich vorerst einmal meinen Rucksack abstelle. Dann heißt es heute – Pack die Badehose ein – und schon liege ich auf unter 400 Meter Seehöhe im Salzwasser des Toten Meeres. Und ja, es funktioniert wirklich – ich meine, hier treibt man aufgrund des hohen Salzgehaltes des Wassers an der Wasseroberfläche ohne sich bewegen zu müssen.
Und ja, es funktioniert tatsächlich…
Dem Security Mann eines noblen Hotels gebe ich ein kleines Trinkgeld, dass er auf meine Sachen aufpasst. Er erzählt mir auch, dass gerade König Abdullah II in der Ortschaft ist, das erklärt auch das hohe Polizeiaufgebot. Heute Abend werde ich mir noch das Fussball WM Finale zwischen Argentinien und Frankreich anschauen. Viva Argentina! Hoffentlich 😇
19.12. Das WM Finale gestern Abend war denkbar knapp und ich habe mit den Gauchos mitgefiebert. Da macht man sich ganz schön was mit, was wäre denn da der Weg nach Jerusalem… 🙂
Am Weg zur Grenze nach Palästina besuche ich auch die Stelle wo Jesus getauft worden sein soll. Es ist militärisches Grenzgebiet und ich werde zweimal ermahnt hier nicht zu Fuß zu gehen. Letztlich gelingt es mir unbehelligt hinein und auch wieder hinauszukommen.
Taufstelle von Jesus
In der Nähe der Grenze stärke ich mich mit einer Cola und zwei jordanische Militärs erklären mir, dass es nicht erlaubt sei zu Fuß die Grenze nach Palästina zu überqueren. Nachdem sie meinen Pass inspiziert haben, lassen sie mich zumindest die restlichen zwei bis drei km bis zum Checkpoint gehen. Ich gehe und sie tuckern mir mit ihrem Auto hinter her um sicher zu gehen, dass ich auch beim Checkpoint ankomme. Dann gibt es ab jetzt viel red tape und gemeinsam mit einer Reisegruppe aus Hawaii gelange ich in einem Bus zur palästinensisch/israelischen Grenze. Viele Kontrollen, check-ins, check-outs, auch mit dem Gepäck und nach ca. 2 Stunden ist der Spuk vorbei. Mit einem 3 Monats Visum für Isreal auf einem Stück Papier gehe ich dann von der Busstation in die Stadt Jericho und bin somit in Palästina.
Gesamtkilometer: ca. 5.005
Fazit: Ich muß gestehen, dass ich etwas brauchte um mich an das Arabische zu gewöhnen. Sobald man von der Hauptstadt Amman in die Dörfer hinauskommt merkt man, dass Jordanien ein armes Land ist. Bei durchschnittlichen Löhnen von ca. 300 USD pro Monat und den relativ hohen Preisen ist das Leben ganz schön schwierig hier. Letztlich waren dann die zwei Wochen in Jordanien gefüllt mit sehr schönen Begegnungen und Einladungen. Die arabische Sprache wäre hoch interessant zu lernen, es reichte bloß die Zeit nicht dafür. So tauche ich jetzt als nächstes in das Heilige Land ein, dem letzten Land auf meinem Weg nach Jerusalem.
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