Kosovo (Leposavic – Vuca – Mitrovica – Obilic – Pristina – Gračanica – Janjevo – Giljani – Letnica – Smirë – Kacanik)

07.07. Nach einer ruhigen Nacht an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo gehe ich heute die letzten paar Kilometer entlang einer Schnellstraße an die Grenze.

An der Grenze zwischen Serbien und Kosovo – die Nummerntaferln werden fleißig abgeklebt

Hier wundere ich mich warum alle Autofahrer Teile ihrer Nummerntaferln abkleben. Später in einem Café wird mir erklärt, dass dies seit 2021 so von der serbischen und kosovarischen (kosovoalbanischen) Regierungen angeordnet sei. Es gab 2021 wieder einmal Zwischenfälle…

Mit weißen Streifen abgeklebtes serbisches Nummerntaferl

Im nördlichen Teil des Kosovo (nördlich des Flusses Iber), in dem vor allem immer noch Serben wohnen, dürfen Serben ihre 3 Buchstaben (SRB) und das Nationalsymbol vom Nummerntaferl nicht öffentlich zeigen. Umgekehrt auch Leute aus dem Kosovo nicht die 3 Buchstaben (RKS) in Serbien. Serbien, und auch manch andere Länder wie Griechenland, Spanien, Slowakei, Russland und China haben ja nach wie vor nicht die Rechtsstaatlichkeit des Landes Kosovos anerkannt. Offiziell erklärte Kosovo als ehemalige Teilregion von Serbien 2008 seine Unabhängigkeit. Nach dem Kosovo Krieg von 1998 bis 1999, der damit endete, dass die NATO Serbien Angriff um so der albanischen Bevölkerung im Kosovo zu helfen, erhielten die Kosovaren (zu fast 90% Kosovo Albaner) ihr eigenes Land. Die Lage an der Grenze zwischen Serbien und Albaner ist nach wie vor angespannt. KFOR (Kosovo Force) Einheiten, von der NATO aufgestellte Einsatztruppen, sichern im Kosovo immer noch den Frieden ab. Amtssprachen sind Serbisch und Albanisch. Das ca. 1,9 Mio Einwohner zählende Land wird von einer Kosovo-albanischen Regierung geführt, Hauptstadt ist Pristina.

Genug der Politik jetzt, aber irgendwie ist es Thema Nr. 1 wenn Du in dieses Land kommst… Am Weg nach Lesak sehe ich auch gepanzerte Polizeiautos, für den Fall der Fälle.

Gepanzerte Polizeiautos in der Nähe der Grenze zu Serbien

In Leposavic mache ich schließlich Mittagspause und in einem Café erklärt mir dann eben ein Pärchen die Story mit den Nummerntaferln. Am Weg Richtung Vuca passiere ich noch ein KFOR Camp wo ich mit einem jungen Amerikaner aus Virginia rede. Er sei schon lange hier, meinte er und wolle auch einmal Österreich sehen. Weitere Fotos ließ er letztlich nicht mehr zu.

KFOR (Kosovo Force) Camp Nothing Hill im Norden des Kosovo

Landschaft im Norden des Kosovo

Lieber Serben vor Vuca, im Norden des Kosovo

Lieber Serbe vor Vuca. Im Sack waren leere Maiskolben.

Ziemlich müde stelle ich in Vuca in der Nähe der Kirche mein Zelt auf und esse auf einem Parkbankerl mein mitgebrachtes Burek.

Meine erste Nacht im Kosovo – diesem Zeltplatz hatte ich noch einen lustigen Abend zu verdanken!

Plötzlich sehe ich, dass sich 2 Männer für mein Zelt interessieren. Später kommt einer davon zu mir und ich erkläre ihm in meinem spärlichen Serbisch die Situation. Daraufhin nimmt er mich mit in das Haus seines Vaters Stanko und es wird einer dieser langen und lustigen Abende wie ich sie schon des öfteren auch in Serbien erlebt habe.

Die Gastfreundschaft geht weiter – hier in Vuca im Norden des Kosovo

Dexi, eine Deutsche aus dem Sauerland, erklärt mir, dass wir hier immer noch offiziell in Serbien sind, es lebe der Nationalismus. Und es sei halt nicht so üblich, dass hier in dieser Gegend wo ein Zelt steht… 🙂 Auf NATO und EU sind sie nach wie vor nicht gut zu sprechen und ich erfahre an diesem Abend auch von Stanko, dass Boris Johnson abgedankt hat. Ganz zu seiner Freude, und nicht nur zu seiner… 🙂

08.07. Heute ist nicht so mein Tag (zu viel Raki am Vorabend???) und ich mühe mich in das ca. 20 km entfernte Zvecan wo ich in einer Bäckerei wieder Burek und eine der Tomaten esse, die mir Stanko mit auf den Weg gab. Die Tomaten sind hier einfach ein Traum! Fleischig, saftig und geschmacklich einfach tomatisch… 🙂 Dann gehe ich noch die letzten Kilometer nach Mitrovica wo ich mich um 15 € im Hotel North City einquartiere.

Blick auf Mitrovica

Statue des Prinzen Lasar in Nord-Mitrovica – ein mittelalterlicher serbischer Führer, der 1389 die Kosovo Schlacht am Amselfeld gegen die Osmanen austrug. Sein Finger zeigt Richtung Amselfeld in der Nähe von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo.

Ich merkte, dass ich wieder einmal eine Dusche brauchte. Der freundliche Mladen an der Rezeption hilft mir auf der Terrasse mein Zelt, usw zu trocknen und erklärt mir, dass der Großteil der Kellner, etc derzeit an die Küste nach Montenegro und Kroatien gehen wo sie das Vielfache verdienen. Ebenso der Unterschied der Gehälter bei Hotelangestellten. Er bleibt noch, weil er noch ein paar Prüfungen von seinem Studium abschließen will und möchte dann ebenfalls ins Ausland.

Nach 1,5 Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt im angrenzenden Café fühle ich mich wieder etwas besser und erkundige die Stadt. Mitrovica ist ja durch den Fluss Iber in einen nördlichen (serbischen) Teil und einen südlichen Teil (kosovoalbanischen oder kosovarischen) getrennt. Die Kosovoalbaner sagen auch, dass nördlich der Brücke Serbien beginnt. An der südlichen Seite der Brücke in Mitrovica steht die kosovarische Polizei, an der nördlichen Seite die internationalen KFOR Soldaten mit ihren Gefährten. Überquert kann die Brücke nur zu Fuß werden.

Brücke in Mitrovica, die Grenze zwischen dem nördlichen (serbischen) Kosovo und dem südlichen (kosovoalbanischen oder kosovarischen) Kosovo

09.07. Beim Frühstück heute im Hotel erklärt mir auch der Kellner, dass auf der südlichen Seite und auch weiter im restlichen, südlichen Kosovo nur mehr mit Euro bezahlt werden kann. Ich werde jetzt dann entscheiden (und vor allem den Wettergott fragen) ob ich heute weiter gehe oder nicht. Seit gestern hat es endlich abgekühlt, allerdings ist für heute Regen angekündigt (der allerdings dann meistens eh nicht kommt). Mladen, der nette Rezeptionist erklärt mir, dass es heute den ganzen Tag regnen wird und so entschließe ich mich spontan einen Ruhetag einzulegen.

Mladen, der nette Rezeptionist im Hotel North City im nördlichen Mitrovica

Irgendwie waren die letzten Tage anstrengend… Am Morgen telefoniere ich auch wieder einmal länger mit Muttern, es gibt heute ein Gartenfest und sie macht dafür Apfelschlangerl! Da kann das Fest ja nicht mehr schief gehen… 🙂 Mladen erzählt mir danach auch noch viel über die Geschichte von Serbien, Kosovo und dem früheren Jugoslawien und empfiehlt mir angesichts der Wetterlage einen 3-teiligen Film über die Geschichte Jugoslawiens, Kosovo, etc… auf YouTube anzuschauen.

Titel des 3-teiligen Films:

Das Gewicht der Ketten (Weight of Chains), produziert 2010 einem jungen serbo-kanadischen Regisseur. Habe mir heute den ersten Teil angesehen – – > https://youtu.be/waEYQ46gH08

–> sehr empfehlenswert!!!

Der Bart wurde mir in der Hitze auch immer mehr lästig und so ließ ich ihn mir in einem Frizersalon (so heißen hier die Friseure) abrasieren. Das ganze um 100 serbische Dinar, ca. 1 Euro.

10.07. Frühmorgens um halb sechs lässt mich der Nachtwächter aus dem Hotel und ich überquere die Brücke in den Teil des Kosovos, in dem hauptsächlich Kosovoalbaner leben.

Moschee im südlichen Mitrovica

Ich komme gut voran und gegen Mittag zeigen mir Kinder einen verstecken Minimarkt, wo ich mir ein Eis und ein Cola kaufe, ich brauche Zucker… 🙂

Danach lerne ich Sabedin kennen, der mich in seinen Wohnwagen auf einen Kaffee und Baklava einlädt.

Mit Sabedin und seiner Tochter in seinem Wohnwagen – der Kaffee und die Baklava schmeckten hervorragend!

Er spricht wie viele Kosovaren gut Deutsch, da er auch einmal in Deutschland gearbeitet hat. Später kommt auch noch seine Tochter dazu und wir haben eine schöne Kaffeepause. Die Leute haben nicht viel hier und trotzdem wollen sie dir immer wieder etwas schenken oder irgendwie helfen! Welch Unterschied zu westlichen Ländern denke ich mir jeden Tag immer wieder! Wir können hier noch viel lernen…

Am Weg nach Obilic passiere ich Dörfer, in denen Roma (Zigeuner) leben und letztlich grüsst mich ein hier lebender Serbe mitten auf der Straße mit lauten Worten ‚Welcome to Serbia!‘. Nun, so etwas in einem Land wie Kosovo zu sagen oder laut zu rufen, ist schon sehr provokant… Da ich ihm mit meinen paar Wörtern Serbisch meine Geschichte grob erklären kann lädt er mich in seine Kneipe auf ein Cola ein. Wir schauen nebenbei auch noch das Wimbledon Finale der Herren, das ihr serbischer Held Novak Djokovic in 3:1 Sätzen gegen den Australier Nick Kyrgios für sich entscheidet. Die Welt ist zumindest für heute wieder in Ordnung! Dann gehe ich weiter durch heruntergekommene Straßen, die von Roma bewohnt sind, passiere ein Kohlekraftwerk und erreiche gegen Abend letztlich die Stadt Obilic.

Kinder beim Spielen vor der Stadt Obilic

Kinder vor der Stadt Obilic

Auch hier spricht der Besitzer einer kleinen Pizzeria gut Deutsch und verschafft mir letztlich einen guten Platz zum Zelten – direkt im Garten der Hauptmosche!

11.07. Am Weg nach Pristina komme ich beim Gazimestán Denkmal vorbei, einer Gedenkstätte im Kosovo.

Gazimestan Denkmal, eine Gedenkstätte an die Schlacht am Amselfeld im Jahre 1389, bei der sich osmanische und serbische Streitkräfte gegenüber standen.

Wieder ein kleiner Ausflug in die Geschichte:

Sie befindet sich am Schauplatz der Schlacht auf dem Amselfeld, in der sich am 28. Juni 1389 ein christliches Heer, dessen serbische Hauptkontingente von den serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović und Vuk Branković geführt wurden, der muslimischen osmanischen Streitkraft unter Sultan Murad I. entgegenstellte.

Die Schlacht, in der sowohl Lazar als auch Murad zu Tode kamen, war vorentscheidend für Serbiens Übergang in die Vasallenschaft des auf den Balkan vordringenden Osmanischen Reichs. In der Moderne wurde jedoch mit dem als Niederlage empfundenen Ereignis ein serbisches nationales Mythos begründet, das Amselfeld- bzw. Kosovo-Mythos. 1459 wurde Serbien endgültig von den Osmanen erobert und blieb bis 1804 Teil des Osmanischen Reiches.

Am späten Vormittag erreiche ich dann Pristina, wo ich mir vorerst einen Kaffee mit guter Aussicht auf die Stadt kaufe. Auch hier lerne ich wieder einen Kosovaren kennen, der gut Deutsch spricht und hier neben mir mit seinem Bruder sitzt. Er sei mit der derzeitigen Regierung mit Premierminister Albin Kurti zufrieden, der zumindest versucht, die Korruption in Grenzen zu halten. Amerikaner, Israel, aber auch westeuropäische Länder haben bei den Kosovaren grosses Ansehen. Sie haben ihnen letztlich im Kosovokrieg 1998 und 1999 zum Sieg gegen die Serben verholfen. Vorausgegangen war dem Krieg gegen die Serben, daß der damalige serbische Präsident Milosevic 1989 der damals autonomen serbischen Region Kosovo den Autonomiestatus entzogen hat, was letztlich 1998 zum Krieg führte.

Im Zentrum lerne ich bei der Bibliothek Dardan kennen und er lädt mich zu einem Kaffee in das Café Monaco ein.

Mit Dardan im Café Monaco

Das NEWBORN Monument (Neugeborenendenkmal) im Zentrum von Pristina – es wurde am 17.2.2008 enthüllt, an dem Tag an dem das Kosovo offiziell seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.

Er arbeitet für eine NGO und war schon des öfteren in Wien. Die Wizz Air bietet manchmal in der Nebensaison um 20 oder 30 Euro einen Retour Flug nach Wien an, da geht sich das schon aus. Letztlich fahre ich noch mit dem Lift auf den Turm der Mutter Theresia Kathedrale von wo ich einen wunderschönen Blick über die Stadt genieße.

Blick von der Mutter Theresa Kathedrale in Pristina – im Vordergrund die Nationalbibliothek und eine verlassene orthodoxe Kirche

Da ich heute noch bei Kräften bin, entschließe ich mich spontan noch in das ca. 8 km entfernte Städtchen Gračanica zu gehen. Es gibt dort ein Frauenkloster und eigentlich wollte ich dort im Pilgerraum des Klosters schlafen. Doch es war schon geschlossen und so schlief ich in meinem Zelt direkt in einem kleinen Park vor der Polizeistation. Wenn man da nicht sicher ist… 🙂 Raki wird dann zu guter letzt auch noch getrunken, da hier vorwiegend Serben in dieser kleinen Stadt wohnen.

12.07. Nach einer doch ziemlich lauten Nacht mit vielen vorbeifahrenden Autos gehe ich noch etwas verträumt in eine Bäckerei wo ich frühstücke. Hier kostet ein Schokocroissant zB 50 Cent, ein Kaffee ebenso, eine mittelgroße Pizza 2 Euro, also definitiv das bisher billigste Land bis jetzt. Um ca. 7h morgens gehe ich dann ins ca. 700 Jahre alte orthodoxe Frauenkloster, wo heute eine etwas längere Messe bis fast 09:30 stattfindet.

Das ca. 700 Jahre alte Frauenkloster Gračanica, es wohnen derzeit noch ca. 15 Nonnen drinnen.

Morgengebet im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe wurden Kerzerl angezündet – im Frauenkloster Gračanica

Im Anschluss an die Messe kaufe ich mir, wie von Fatmira vom Russischkurs in Linz empfohlen, eine brojanica, ein Armband aus Knoten, das mich auf meiner Reise beschützen soll. Möge es seine Wirkung haben… Dann gehe ich noch in den Ort Janjevo, wo ich Sandi aus Neumünster bei Hamburg kennenlerne. Er ist gebürtiger Bosnier aus der Nähe von Sarajevo, der in Neumünster ein kroatisches Lokal führte. Jetzt ist er schon in Pension und genießt das Leben. Zu seinem Land Bosnien Herzegowina meinte er nur: Dieses Land ist für die nächsten 100 Jahre ruiniert… Auf meine Frage, wer es wohl ruiniert habe, meinte er nur: Na, wer wohl… Das bekannte Daytona Abkommen mit 3 verschiedenen Präsidenten in einem Land hätte er nie gemacht.

Mit Sandi, einem gebürtigen Bosnier, in einem Café in Janjevo
Verlassene Gebäude in Janjevo – ein durchaus übliches Bild im Kosovo

Es passiert in diesem Land soviel jeden Tag, vor allem lerne ich soviele Menschen kennen, dass ich manchmal schon aufpassen muß um alles richtig einzusortieren. Zum Teil bleiben die Einheimischen mit ihren Autos stehen und sprechen mich an, usw. weil sie einfach nur wissen wollen von wo ich komme, etc. und helfen wollen. Es war in keinem Land bisher so wie hier. Zwischen Janjevo und Giljani übernachte ich wieder im Zelt auf einer einsamen Wiese in den Bergen des Kosovo. Und der Vollmond leuchtet die Landschaft aus. Und ein bisschen Ruhe tut auch gut.

13.07. Nach einer Nacht mit gutem Schlaf gehe ich anfangs durch viel Grün und gegen Mittag erreiche ich eine Tankstelle mit einem Restaurant.

Reiter am Weg nach Giljani

Ich esse ein Teller Döner mit Salat, trinke eine Cola und dann noch einen Macchiato. Kosten: 2,50€. Also: Gebt der Inflation und den steigenden Preisen zuhause keine Chance und macht Urlaub im Kosovo! 🙂 Ihr seid sicher gerne willkommen… Der Kellner hilft mir ein Plätzchen zu finden um mein nasses Zelt zu trocknen. Ich habe in der Nähe eines kleinen Baches geschlafen, da ist die Luftfeuchtigkeit dementsprechend hoch und das Zelt so nass als hätte es geregnet. Gegen Abend erreiche ich dann die Stadt Giljani im Osten des Kosovo wo ich mir eine Nacht im Hotel Kristall gönne. Duschen, Essen gehen und einmal von einer sehr netten Hotelangestellten die Wäsche waschen lassen tut auch wieder einmal gut. Wie neu geboren liege ich derzeit im Kingsize Bett und höre den Muezzin die Moslems zum Gebet rufen. Ohne mich, ich schlafe jetzt eine Runde!

Blick vom Hotel Kristall auf Giljani

14.07. Ich frühstücke noch im Hotel bevor ich noch in der orthodoxen Kirche einem Gottesdienst beiwohne.

Gottesdienst in der orthodoxen Kirche in Giljani
Markt unweit der orthodoxen Kirche in Giljani

Am Weg nach Letnica, einem sehr bekannten Wallfahrtsort im Kosovo, werde ich unterwegs wieder einmal aufgehalten und zu einem Kaffee eingeladen.

Selbst nach dem amtierenden Präsidenten der USA wurde eine Straße benannt – sie wurde 2016 (nach dem Tod des Sohnes von Joe Biden 2015) nach ihm benannt. Kosovo sieht die USA als Retter der Nation, seit 1999 die NATO-Luftangriffe die Tötungen durch serbische Truppen gestoppt haben.

Die Kosovoalbaner wollen sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres Staates revanchieren, erfahre ich von einem in der Schweiz arbeitenden Mann. Der Kosovo ist ja das jüngste europäische Land und hat erst 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. In Remnik geht mir dann das Essen aus und ich habe Glück gerade noch vor der Gebetsstunde um 13h in einem Minimarkt Brot, Sardinen und 2 Tomaten zu ergattern. Während die Einheimischen in ihrer Moschee beten, finde ich auf der Rückseite der Moschee zwei Bankerln im Schatten wo ich Mittagspause mache. Auf dem Dach der Moschee haben Störche ihr Nest gebaut und ich schaue ihnen ein wenig beim Weg- und wieder zurückfliegen zu. Danach kommt noch ein Einheimischer zu mir, der etwas Französisch spricht und so unterhalten wir uns eben in dieser Sprache wenn ich schon nicht Albanisch und er nicht Deutsch spricht. So gegen 14h geht er dann nach Hause Mittagessen.

Muslimischer Kosovoalbaner vor der Moschee in Remnik – die weiße Kopfbedeckung sei typisch für die Albaner.

Ich schlafe noch etwas auf der Bank und nach 15h, als die ärgste Mittagshitze vorbei ist, gehe ich nach Stubble, wo es eine katholische Kirche gibt. Im Restaurant Park Ilir erfahre ich von Adonis, dem Sohn des Chefs, dass das gegenüberliegende KFOR Camp 2011 geschlossen wurde und jetzt ein verlassenes Gebäude ist. Er selbst studiert gerade Mechatronik in der Hauptstadt Pristina und hilft hier in den Ferien seinem Vater in ihrem Betrieb. Ich esse Paragjelle Ilire, eine traditionell albanische Kost und letztlich lädt Adonis mich noch auf eine Cola ein.

Traditionelle albanische Kost – Paragjelle Ilire (auf dem linken Teller Pogaqe – – > das Brot, auf dem rechten Teller Ajvar (rot), eine Mischung aus Paprika und Auberginen; dann Ajk (weiß), joghurtähnlich und von der Kuhmilch gewonnen und letztlich ghiz (rosa; Käse von der Kuhmilch gewonnen). Es war mir letztlich zu viel und ich nahm mir die Hälfte für den nächsten Tag in einer kleinen Box mit.

Bei angenehmen Temperaturen gehe ich am Abend dann noch die letzten 3 Kilometer nach Letnica wo ich derzeit in der Unterkunft der katholischen Kirche logiere. Morgen hat mich Don Marian, so heisst der Pfarrer hier, um 7h zum Frühstück eingeladen. Er hat 11 Jahre in der Schweiz gearbeitet und spricht daher sehr gut Deutsch. In der Unterkunft habe ich endlich eine Badewanne gefunden und so konnte ich das kleine Loch in meiner Isomatte lokalisieren. Es war immer etwas Luft in den letzten Nächten ausgegangen… Ich habe das Loch mit einem Kugelschreiber markiert und morgen, wenn alles trocken ist, werde ich das Loch mit einem mitgebrachten Reparaturkit zukleben. Gute Nacht!

Das Loch war gefunden – jetzt muss es nur mehr geflickt werden… 🙂

15.07. Noch vor dem Frühstück mit Don Marian verklebe ich das winzige Loch in der Luftmatratze. 2 Nächte später im Zelt kann ich sagen, dass die Reparatur erfolgreich war und die Luft jetzt wieder zur Gänze hält. Ich frühstücke dann mit den beiden Pfarrern Don Marian und Don Alexander.

Frühstück mit Don Marian (links) und Don Alexander in Letnica

Don Marian spricht gut Deutsch. Er hat eine Schwester, die in Graz lebt und die er hin und wieder besucht. So gegen 8h morgens bedanke ich mich dann bei beiden für die Aufnahme und gehe Richtung Grenze zu Nordmazedonien. Dabei treffe ich zwei Schafhirten mit denen ich ca. 1 Stunde Rast im Schatten mache.

Lustige Zeit mit zwei Schafhirten am Weg von Letnica nach Smirë

In wunderschöner Bergwelt gehe ich dann die letzten Kilometer nach Smirë. Heute ist Freitag und während die Einheimischen um 13 Uhr die Moschee aufsuchen, esse ich draußen im Schatten die Reste von gestern.

Freitag pünktlich um 13h ist Gebetsstunde in den Moscheen, wie hier in Smirë

Bevor ich mich zur Bergetappe nach Kacanik aufmache, lädt mich ein Einheimischer noch auf einen Kaffee ein. Wie so oft hier reden manche Kosovaren Französisch, da sie einmal in der Schweiz, meistens Genf, gearbeitet haben. Ich gehe dann so um 15h los und am Ortsende holt mich noch ein Junge mit dem Fahrrad ein. Er drückt mir mit Lächeln noch eine Flasche Orangensaft in die Hand. So ist es hier, unglaublich… Und später am Weg nach Kacanik habe ich noch oft an diesen Jungen gedacht. Wie wenn er es gewusst hätte! Mir ging fast bei diesen Höhenmetern der ‚Treibstoff‘ aus und als ich Kacanik erreiche, waren meine flüssigen Vorräte zu Ende.

Schildkröten säumten den Weg nach Kacanik

Kacanik ist eine größere Stadt und hat eine Besonderheit. Es gibt keine Unterkünfte… So stärke ich mich einmal mit viel Cola und einer Burek und Joghurt bevor ich mich so gegen Dunkelheit auf Schlafplatzsuche mache. Manchmal komme ich mir wie ein Obdachloser vor, naja, ich bin ja auch einer… :-))) Und wieder war es eine nahegelegene Polizeistation mit einer kleinen Wiese davor, die mein kleines Problem löste. Ich frage 2 Security Leute und sie erlauben mir mit dem Daumen nach oben, dass ich vor ihrem Hüttchen mein Zelt aufstellen kann. Sie sehen mir dabei auch noch interessiert zu und ich höre sie reden wie ‚Aha, so macht er das, etc… :-)‘ Kurz darauf kommt ein deutschsprechender Kosovare vorbei und meint, einer von den beiden Security Beamten sei die ganze Nacht da und wird auf mich aufpassen. Selten fühlte ich mich so sicher wie in dieser Nacht!

Schlafplatz inmitten von Kacanik. Ein Security Beamter wachte über mich die ganze Nacht über vor der Polizeistation. Falimenderit (Danke)!

Einmal musste ich so um 2h morgens aus dem Zelt raus um meine Notdurft zu verrichten. Und tatsächlich, einer war im Hüttchen und hat mich sofort erspäht und mir mit der Hand lächelnd zugewunken. Was soll dir bei solchen Leuten echt passieren, denke ich mir….

Frühmorgens bedanke ich mich dann noch bei ihm und nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich heute Richtung Grenzübergang zu Nordmazedonien. Mein letzter Tag hier im Kosovo ist angebrochen und es überkommt mich etwas Wehmut. Am Weg zum letzten Ort vor der Grenze esse ich noch zumittag und mache mich dann in der Hitze auf zur Grenze. Nur nach Nachfrage bekomme ich vom Kosovo einen Ausreise- und von Nordmazedonien einen Einreise Stempel. Es geht hier eher locker ab, kein Vergleich zur Grenze zwischen Serbien und Kosovo! Nach 10 Tagen ist der Kosovo hinter mir und mit Nordmazedonien liegt ein neues Land und neue Abenteuer vor mir.

Fazit:

Selten, wahrscheinlich noch nie, habe ich soviel Hilfsbereitschaft und Zuspruch von der lokalen Bevölkerung erfahren. Dies hängt wohl mit ihrer Mentalität, aber auch mit der Tatsache zusammen, dass sie sich so für die Hilfe vom Westen bei der Gründung ihres erst seit 2008 unabhängigen Staates bedanken wollen. Es war für mich bisher das mit Abstand billigste Land, ein Macchiato kostet 30 Cent. Sie lieben und verehren den Westen, speziell die USA, wohin viele auch ausgewandert sind und dort arbeiten. Ich hoffe auf eine weiterhin friedvolle Zeit für dieses jüngste Land Europas. Falimenderit (Dankeschön) für eure Hilfsbereitschaft und die schöne Zeit, die ich bei Euch verbringen durfte. Wir, und damit meine ich mich selbst und den Westen, können noch viel von Euch lernen…

Gesamtkilometer: 1.790

SERBIEN (Teil 3): Beograd (Belgrad) – Ljig – Gornji Milanovac – Cacak – Kraljevo – Kloster Zica – Kloster Studenica Kloster Gradatz – Raska

23.06. Ich schreibe bis zur Mittagszeit an meiner Webseite, verkleinere ausgewählte Photos um sie später auf die Webseite hochzuladen und zu beschriften. Das wiederholt sich so im Schnitt 1x in der Woche und dauert meistens nicht länger als ca. 2 Stunden. Beim Schreiben wird mir immer wieder bewusst, wie genau man etwas beobachten muß um es gut beschreiben zu können. Vor allem muss ich selber auch noch evtl einmal im Internet nachlesen, etc und lerne dabei auch noch immer etwas im Nachhinein über das Gesehene und Erlebte.

Kurz vor 14h bezahle ich dann meinen cafa domacka (heimischer Kaffee mit Kaffeesatz, der hier vor allem von den Einheimischen getrunken wird) im Hotel Kopernikus um rechtzeitig um 14h zum Treffen mit Andreas im Hotel Balkan zu sein. Wir haben hier heute quasi eine Hotel Tour geplant, aus der allerdings nichts wird, da das Balkan Hotel derzeit eine einzige Baustelle ist. Anstatt dessen essen wir einen Burek mit Joghurt in einer nahegelegenen Bäckerei. Es ist unser letzter gemeinsamer Tag hier in Serbien und so überlegen wir was wir noch anstellen können. Wir besuchen die Bajrakli Moschee, die letzte noch erhaltene und aktive Moschee der ursprünglich 80 Moscheen in Belgrad. Dann schlendern wir in Richtung meiner Unterkunft durch das bohemische Viertel wo wir uns zum Ausklang noch einmal Cevapi (Cevapcici) gönnen. Danach verabschieden wir uns vor meinem Quartier. Wir sehen uns entweder in Skopje oder spätestens in Istanbul wieder. Zumindest haben wir es so vor… 🙂

24.06. Ich stehe heute schon um 04:30 auf und packe leise meine Sachen um die anderen im Schlafsaal nicht zu wecken. Mit meinem ca. 7 kg schweren Rucksack und den neuen Schuhen geht es leichten Schrittes noch einmal zum Republikplatz (quasi der Hauptplatz der Stadt) um mich offiziell von Belgrad zu verabschieden.

Abschied von Belgrad – hier am Platz der Republik

Straßenbahnen in Belgrad – es gibt 12 verschiedene Linien und keine U-Bahn!

Schon eine tolle Stadt dieses Belgrad mit ihren ca. 1,3 Mio. Einwohnern. Speziell der Abend auf dem Kalemegdan (Festung) hat mir sehr gut gefallen.

Am Weg Richtung Süden komme ich noch einmal am Dom des Heiligen Sava vorbei, der allerdings um 6h morgens noch nicht offen ist. Über mehrere Zubringerstrassen gelange ich an den Stadtrand und an das Ufer der Save, die ja in Belgrad in die Donau mündet.

Savebrücke in Belgrad

Am Ufer der Save trinke ich dann so gegen 9h einen Kaffee und beobachte ein internationales Kajakrennen bei dem auch Österreicher am Start sind. Am Abend erreiche ich nach mehr als 40 km Obrenowatz, wo ich eine Pizza esse und mir in einem kleinen Supermarkt noch das Frühstück für morgen kaufe. Ich schlafe in einem Park und es gibt auch kurz ein Gewitter.

25.06. Ich starte frühmorgens und gegen Mittag wird mein Wasser knapp. Als ich in Brgule eine Frau mit der leeren Plastikflasche um ‚woda‘ (Wasser) bitte, lädt sie mich in den Garten auf einen Kaffee ein. Hier sitzen schon ihr Mann, gemeinsam mit ihrer Tochter Verica und der kleinen Anna und ein gemeinsamer Freund der Familie, der als 20-jähriger 7 Jahre in Österreich gearbeitet hat und noch etwas Deutsch spricht.

Nette Begegnung und Einladung im Ort Brgule

Heute lerne ich Folgendes: Eine Einladung zum Kaffee bedeutet hier immer auch ein Stamperl Raki (Schnaps – meist Slivowitz, ein Zwetschgerner) und manchmal auch gleich Essen dazu wie diesmal. Die Hektaranzahl wird besprochen, dann kommen die Frauen und letztlich darf auch die Politik nicht fehlen. Die EU, NATO sei nicht gut und letztlich auch für den jetzigen Krieg in der Ukraine zumindest mitverantwortlich, das kommt immer raus. Ich versuche bei politischen Themen immer wertfrei zu bleiben, speziell auch als sie mich zur Situation im Kosovo befragen. Das sind echt heikle Themen hier…

In einem kleinen serbischen Laden. Das Gemüse wiegt hier die Verkäuferin noch selber bei der Kassa ab und hilft auch noch beim Einpacken ins Plastiksackerl.

Traktorfahren auf Serbisch – es wird immer freundlich mit der Hand gegrüsst

Letztlich verbrachten wir schöne gemeinsame Stunden und meine spärlichen Russischkenntnisse halfen mir wieder dabei. Ich schlafe letztlich außerhalb von Lajkovac, wo mich ein ordentliches Gewitter und starker Regen im Zelt überrascht. Das Zelt hat den Test bestanden!

26.06. Gegen Mittag erreiche ich zwischen Zenobitz und Ljig einen Friedhof, auf dem gerade ein Begräbnis stattfindet. Als ich vorbei gehe ruft mich ein junges Mädchen herbei. Es ist hier Tradition das Grab des oder der Verstorbenen mit Essen und Trinken auszulegen und dann im Kreise der Familie davon zu essen und auch zu trinken. Der Mann der Verstorbenen bietet mir ein Stamperl Raki an und als ich angesichts der Uhrzeit ablehne kommt das Mädchen herbei und erklärt mir, dass ich es einfach annehmen muss. So trinke ich das erste Mal in meinem Leben gemeinsam mit den anderen ein Stamperl Schnaps am Grab einer Verstorbenen.

Serbisches Begräbnis – vor allem am Land ist es in Serbien Tradition am Grab des oder der Verstorbenen zu essen und zu trinken, ein Relikt aus der osmanischen Besatzungszeit

Letztlich füllen sie noch ein Plastiksackerl mit Fisch, Brot, Gurke und Süßigkeiten an und geben es mir mit. Mein Rucksatz ist am Platzen aber es muss alles rein, das gehört so… Letztlich gibt mir der Mann der Verstorbenen auch noch ein halbes Fläschchen vom Raki mit, auch hier sind alle Bemühungen zwecklos das nicht anzunehmen. Das ist Gastfreundschaft auf dem Balkan!!! Manchmal frage ich mich wo die bei uns zu Hause geblieben ist…

Am Abend kaufe ich mir eine Dose Lasko, ein Bier aus Slowenien und esse von dem Mitgegebenen. Dann telefoniere ich noch mit meiner Mutter um all die Neuigkeiten von zuhause zu erfahren bevor ich mich auf Schlafplatzsuche begebe. Neben der Kirche des Heiligen Johannes des Täufer sitzt der Pfarrer mit seiner Frau vor seinem Haus heraussen. Er bietet mir neben seinem Haus ein überdachtes Hüttchen zum Schlafen an, wo ich im Freien übernachte. Bei einem Gläschen Rotwein und ratet mal… bei einem Stamperl Raki erzählen wir uns unsere Geschichten. In der orthodoxen Kirche gibt es ja kein Zölibat und so hat er 4 Töchter und 1 Sohn, die ausser dem Sohn schon alle in der Hauptstadt Belgrad wohnen.

Der Pfarrer mit seiner Frau neben der Heiligen Johannes der Täufer Kirche in Ljig

Ich kann mir in der Toilette noch etwas den Schweiß runterwaschen und schlafe zufrieden ein.

27.06. Ich muss heute das erste Mal durch einen Tunnel. Es gibt halt nicht nur Wald- und Wiesenwege am Weg nach Istanbul.

Beim Durchgehen meines ersten Tunnels – halb so schlimm, da auf der Seite ein kleiner Gehweg war

Zumittag lege ich mich in der Nähe eines Hauses unter einen Baum und esse den mitgebrachten Fisch mit Gurke und Brot. Es ist hier eine wahre Idylle, wahrscheinlich war das Leben zu Großmutter’s Zeiten nicht viel anders. Schafe, Gänse, Hühner, ein kleiner Hund und eine schwarze Katze beleben das Häuschen, nur von den Besitzern keine Spur.

Nach dem Raki (Schnaps) ein kleines Mützchen – kurz bevor die Besitzerin heimkam… 🙂

Erst zwei Stunden später kommt die Besitzerin nach Hause und nach einem kurzen Plausch lädt sie mich noch zu einem Kaffee auf ihre Terrasse ein.

Ein cafa domacka (Einheimischer Kaffee) geht immer – hier mit der Besitzerin des Hauses

Auch hier tischt sie mit mehreren Gerichten auf, das ich aber diesmal ablehnen konnte. Gegen Abend gehe ich noch bis zu einer Schule weiter wo ich mein Zelt aufstelle und übernachte.

28.06. Es erwartet mich heute gleich frühmorgens eine kleine Bergetappe auf den Ostrvica (758m) und ich frühstücke erst gegen 8h kurz vor dem Ort Brezovica. In Brezovica selbst lade ich wieder von einem Kiosk Guthaben auf meine serbische SIM Karte, kaufe noch eine Tomate und Brot für den verbliebenen Fisch zum Mittagessen und trinke letztlich noch in einem Café einen cafa domacka.

Serbischer Traktor wartet auf seinen Einsatz…

Um ca. 10 mache ich mich dann auf Richtung Gornji Milanovac, wo ich mir heute wieder einmal ein Zimmer leisten werde. Ich sitze gerade in einem gemütlichen Garten inmitten der serbischen Natur und schreibe diese Zeilen. In Gornji Milanovac habe ich das erste Mal eine etwas ‚unangenehme‘ Begegnung, da ich mich mit dem Vermieter eines Zimmers nicht auf den Wechselkurs €/serb. Dinar einigen kann. So ziehe ich unverrichteter Dinge ab und übernachte letztlich im IG Hotel.

29.06. Die Hitze hat auch hier ihren derzeitigen Höhepunkt erreicht und so mache ich heute in Cacic von 13 bis 17h eine längere Mittagspause.

36 Grad ohne Lüfterl, die Füße beginnen zu rauchen… 🙂

Dann gehe ich noch bis ca. 20h und finde unter Obstbäumen einen schönen Schlafplatz. Mit serbischer Musik und dem Gebelle von aufgeweckt Hunden aus der Ferne schlafe ich schmunzelnd in meinem Zelt ein.

30.06. Heute geht absolut kein Lüfterl mehr und die Schwüle drückt ordentlich bei schwachen 36 Grad. Da ich etwas früher in Kraljevo wegen dem Frauenkloster Zica sein möchte, weiche ich von meiner Regel ab zwischen 13h und 16h zu pausieren. Ich gehe ca. eine Stunde zw 14 und 15h und merke leichte Kopfschmerzen, etc und höre wieder auf zu gehen. Definitiv keine gute Idee! Ziemlich geschwächt erreiche ich gegen 18h Kraljevo wo ich mir im Hotel Royal ein Zimmer für 2.500 Dinar (ca. 20€) nehme. Ich dusche mich gleich zweimal, wasche mein Leiberl, Socken, etc und trinke in der Hotellobby einen Liter Bitter Lemon mit Wasser gemischt. Als ich wieder gestärkt war und mich nach den Gebetszeiten im nahegelegenen Frauenkloster Zica erkundige lerne ich Petar (Peter) kennen. Er ist hier mit seinem erst 12-jährigen Bruder Simeon (Simon) und seinem Freund Pavle (Paul) und es entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit Petar und Pavle.

V.l.n.r.: Djordje (Georg auf serbisch, ausgesprochen: Tschordsche), Petar, Pavle und Simeon im Hotel Royal in Kraljevo

Petar erklärt mir, dass einer der Gründe für die morgenländische Schisma (Kirchenspaltung zwischen den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche) im Jahre 1054 war, dass die katholische Kirche ein Zentrum (Rom) mit einem Oberhaupt (Papst) haben wollte. In den orthodoxen Kirchen hat jedes Land, in dem es eine orthodoxe Kirche gibt (zB Serbien, Russland, Ukraine, Türkei, Ägypten, Äthiopien, Japan, etc), seinen eigenen Patriarchen. Was die EU anlangt sind seiner Meinung ca. 90% der serbischen Bevölkerung gegen einen Beitritt. Auf die Frage warum Präsident Vucic dann mit der EU liebäugelt, meint dann Pavle augenzwinkernd: Wenn all deine Nachbarn bereits bei der EU sind bzw dazugehören wollen, was solle er denn aus diplomatischen Gründen auch anderes sagen… Die Serben fühlen sich als Brüder der Russen, Mentalität, Sprache, Religion verbindet sie. Gegen 23h verabschieden wir uns und haben wohl gegenseitig viel voneinander gelernt.

01.07. Da die byzantinischen Morgengesänge jeden Tag von 5 bis 7:30h und von 17 bis 18h stattfinden, habe ich mir den Wecker für 4:30 gerichtet. Knapp nach 6h erreiche ich dann das Kloster und eine Schwester, die gut Englisch spricht, sagt mir, dass ich an den Morgengebeten mit byzantinischem Gesänge teilnehmen könne.

Frauenkloster Zica (ausgesprochen: Schitscha), mehr als 800 Jahre alt

Morgengebet mit den Nonnen im Frauenkloster Zica

Fresko- (Frisch-) Malerei im Frauenkloster Zica

Frauenkloster Zica

Es dauert dann bis ca. 8h und im Anschluss bittet mich die eine Schwester noch zum Frühstück. Es gibt Linsensuppe, Brot, Oliven aus dem Garten, gemischten Salat und Sardinen von Rovinj. Dazu Kaffee, Orangensaft und? einen Raki… 🙂

Danach noch erwähnenswert die Geschichte mit dem im Speisesaal zurückgelassenen Rucksack. Ich zünde danach ein Kerzerl an.

Nur übernachten darf man hier nur als Frau. Männer werden an das Männerkloster Studenica verwiesen, das ca. 2 Tagesmärsche von hier Richtung Kosovo liegt. So liege ich derzeit im Schatten im Klostergarten und mache heute einen Ruhetag. Um 17h werde ich mir heute noch die einstündige Vesper (vorletzte, abendliche Gebetsstunde) in diesem wunderschönen, mehr als 800 Jahre alten Frauenkloster anhören bevor ich weiter Richtung Kosovo gehe.

Nach der ca. einstündigen Vesper gehe ich noch in den 4 km entfernten Ort Mataruschka Banja wo ich ein Stück außerhalb auf einer frischgemähten Wiese in meinem Zelt schlafe.

02.07. Heute finde ich eine spannende Hängebrücke, die mich über den Fluss Ibar bringt. Im Café Kod Mira erfahre ich, dass ich im Norden des Kosovo auch noch mit Dinar zahlen kann, im Süden nur mit Euro. Der Fluß Ibar, der in Montenegro entspringt, teilt den Kosovo in den Norden und den Süden. Das Ibartal ist im Gegensatz zum bisherigen Serbien bergig und landschaftlich sehr schön.

Die Heuernte ist auch hier in Serbien voll im Gang, im Ibartal im südlichen Serbien

Serbisches Menü – Kaffee, Schnapserl und ein Glas Wasser

Beim Überqueren einer Hängebrücke über den Fluss Ibar in der Nähe des Cafés Kod Mira, südliches Serbien

Blick auf das Ibartal

Die Route führt allerdings entlang einer stark befahrenen Schnellstraße, so bin ich froh wohlbehalten am Abend die Ortschaft Polumir erreicht zu haben. Hier feiert ein Vater den 18ten Geburtstag seines Sohnes und lädt mich zu Speis und Trank ein. Er erzählt mir, dass er öfters in Wien ist und dort ältere Autos aufkauft, die er hierher bringt und wieder verkauft.

03.07. Nach einer Zeltnacht am Ufer des Ibar gehe ich frühmorgens um 5h los und erreiche das Männerkloster Studenica ziemlich schweißgebadet um genau 12h Mittags. Es ist das mit über 800 Jahre älteste Kloster in Serbien und wird auch als Wiege des serbischen Königreiches bezeichnet, das ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand.

Kloster Studenica – die ersten Mönche kommen zum Gedenktag an die Heilige Anastasja, Mutter des Heiligen Sava

Ich ergattere in der Unterkunft des Klosters noch gerade das letzte Zimmer mit Dusche und WC am Gang. Grund dafür ist, dass heute Abend und morgen der Anastasja Srpska gedacht wird. Sie ist die Mutter des heiligen Sava, der Serbien im 12. Jahrhundert zur orthodoxen Kirche geführt hat. Ihre Reliquien sind in der Muttergotteskirche des Klosters aufbewahrt. Auch die ihres Mannes und ersten Königs Serbiens Stefan Nemanja, Vater des Heiligen Sava.

Die Feierlichkeiten beginnen um 21h und dauern bis 1h morgens. Die orthodoxen Gottesdienste gehen in die Beine, da durchwegs gestanden wird. In einer Pause lerne ich 2 jüngere Burschen aus der Gegend kennen. Sie erzählen mir, dass auch später noch die Särge der Heiligen Anastasja und ihres Ehemannes Stefan geöffnet werden.

Gläubige am geöffneten Sarg der Heiligen Anastasja

So ist an ein Nachhause gehen nicht zu denken und um 1h morgens falle ich dann halb entkräftet in das Bett… 🙂

04.07. Heute ist die Hauptfeier des Gedenktages an die Heilige Anastasja und viele Mönche und Bischöfe aus der Umgebung haben sich angesagt.

Einheimischer orthodoxer Mönch vor der Muttergotteskirche im Männerkloster Studenica

Grosser Auflauf zum Gedenktag der Heiligen Anastasja im Kloster Studenica

Die Feierlichkeiten dauerten heute nur 2 Stunden, danach gab es im Koloskopietergarten Verpflegung für alle.

Verpflegung inkl Raki (Schnaps) für alle nach den Feierlichkeiten, im Klostergarten Studenica

Ich erhole mich derzeit gerade von all diesen Ereignissen und werde morgen Richtung Kloster Gradac weiter gehen.

05.07. Frühmorgens verabschiede ich mich vom Rezeptionisten der Herberge im Kloster Studenica. Er gibt mir noch zusätzliches Essen mit auf den Weg ohne für alles auch nur irgendetwas anzunehmen. Ich werfe dann zumindest eine Spende für das Kloster ein. Auf einer frisch geteerten Straße geht es Richtung Rudno auf 1.100m Höhe, die höchste Erhebung seit ich von zuhause weg bin.

Die Straße zwischen Studenica und Gradatz ist noch nicht ganz fertig

Am Weg wird gerade noch ein Teil der Straße fertig gemacht und ich schwindle mich an den Baggern und LKWs vorbei nach Rudno.

Das Ortsschild von Rudno bekommt ein neues Pickerl vom Jerusalemweg verpasst. Johannes (Aschauer) hatte mir einige in Arbing zum Aufkleben mitgegeben.

Ich merke hier auf 1.100 m eine leichte Abkühlung und gehe nach einem Kaffee und Raki ins Tal Richtung Gradatz.

Kaffee- und Raki Pause in der Vila Selena in Rudno
Schmetterling am Weg nach Gradatz

Einheimische bei der Heuernte

Da das Geschäft in Gradatz gerade Mittagspause macht setze ich mich mit dem Essen vom Kloster Studenica auf ein Tischchen und lasse es mir schmecken. Als die Frau dann den Laden aufsperrt, lasse ich meinen Rucksack bei ihr und Einheimische wie der liebe Danilo oder Boban versprechen mir auf den Rucksack aufzupassen während ich mir das Frauenkloster Gradatz ansehe.

Frauenkloster Gradatz – die Wolken verheißen nichts Gutes

Dort angekommen ziehen schwarze Wolken auf und gerade noch vor Einbruch des Unwetters erreiche ich wieder den Lebensmittelladen in Gradatz wo die Frau schon nervös wird. Kurz darauf fängt es gehörig zu regnen an, gemischt mit Sturm, Hagel, Blitz und Donner.

So sah der Lebensmittelläden in Gradatz nach dem Unwetter aus

Nach und nach kommen auch die Männer von ihren Feldern ins Geschäft wo sie sich vor dem Unwetter schützen. Nach ca. 2 Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Wir besichtigen danach all die Schäden, die das Unwetter angerichtet hat, bevor ich mich in ein naheliegendes Appartement einmiete. Nach einer warmen Dusche schlafe ich schon so um 20h ein.

06.07. Start wieder um 5h morgens da ich gegen Abend die Grenze zum Kosovo erreichen möchte. Soweit ist alles gutgegangen und ich sitze in Raska in einem Café wo ich diese Zeilen schreibe.

Hauptplatz in Raska, ca. 10km von der Grenze zum Kosovo entfernt

Es sind jetzt nur mehr ca. 10 Kilometer zur Grenze in den Kosovo und ich blicke gerne an die mehr als 5 Wochen in diesem Land im Balkan zurück.

Fazit:

Der Balkan beginnt (zumindest geografisch) nicht in Ottakring in Wien! sondern doch im Norden von Serbien… 🙂 Die Lebenslust, das freudige Miteinander und die immer laut gespielte Musik erinnern dich daran. Vor allem auch die Gastfreundschaft der Leute, selten wurde sie mir so zu Teil wie in Serbien. Das Land ist sowohl geografisch als auch politisch im Zwiespalt zwischen Ost und West. So gesehen hat sich im Vergleich zu früher (Osmanen vs. Habsburger) nicht viel geändert. Doch glaube ich, dass sich die Bevölkerung dem Osten (zB Russland) näher fühlt, sowohl von Sprache, Mentalität und Religion. Grob geschätzte 80- bis 90% der Bevölkerung sind gegen einen EU-Beitritt. Die serbisch orthodoxe Kirche besteht aus vielen Klöstern, speziell im Süden. Die Mönche (und Patriarch) dürfen nicht heiraten, während die Priester verheiratet sein müssen. Es gibt kein Zölibat in der orthodoxen Kirche. Und ohne Raki (Schnaps, meistens Slivowitz) geht hier gar nichts, zu keiner Uhrzeit. So bedanke ich mich für die ca. 5 Wochen bei diesem wunderschönen Land mit ihren wirklich gastfreundlichen Leuten und wünsche dem Land alles Gute für die Zukunft auf dem Balanceakt zwischen Ost und West.

Gesamtkilometer: 1.500

SERBIEN (Teil 2) – Backa Palanka (Plankenburg) – Novi Sad (Neusatz) – Beograd (Belgrad)

11.06. Die zwei Nächte im Franziskanerkloster waren für mich wohl die schönsten in einer fremden Unterkunft. Gegen Mittag überquere ich problemlos die Grenze nach Serbien und Backa Palanka. Lili und Christian sind noch nicht da und so mache ich es mir einmal im Hotel Fontana gemütlich, wo wir die 3 nächsten Tage verbringen werden. Da Lili etwas müde von der Fahrt ist verbringen Christian und ich den Abend alleine in Ilok, Kroatien in einem Weinkeller. Der Traminer und gebackene Zander schmecken hervorragend. Bei der Rückfahrt über die Grenze fällt dann der Strom aus und so überlegten Christian und ich schon ob der Schranken auch manuell raufzukurbeln gehen würde. Letztlich kamen wir dann doch noch so gegen Mitternacht wieder zurück in unsere Unterkunft.

12.06./13.06. Die nächsten beiden Tage waren für mich so richtig Urlaub. Spät frühstücken und einfach die Seele baumeln lassen. Lili ist ja hier geboren und weiß auch viel zu erzählen. Ausserdem lernen wir mit ihr viele Einheimische kennen weil sie auch ihre Sprache spricht.

Die Abende verbringen wir meistens in einer Csarda und genießen die guten Fische oder essen gemeinsam eine Fischsuppe aus dem Kessel. Gegen Dämmerung sind allerdings dann immer die Gelsen an der Reihe… Nach zwei wirklich schönen und lustigen Tagen (und Nächten) verabschieden wir uns. Wer weiß wann wir uns wieder sehen…

14.06. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel geht es entlang dem Donaudamm Richtung Novi Sad, wo bereits Andreas, ein IBM Arbeitskollege aus Wien auf mich wartet. So richtig komme ich heute nicht in die Gänge und nach ca. 25 km erreiche ich eine Csarda wo mir der Besitzer erlaubt mein Zelt aufzustellen. Ich bade dann auch noch mit Einheimischen in der Donau, die hier doch schon deutlich breiter ist als bei zu uns zu Hause in Österreich. Die Nächte hier im Zelt an der Donau sind einfach traumhaft und mit den vielen Geräuschen der Tiere schlafe ich im Zelt immer schon besser als im Hotelzimmer.

15.06. Am Morgen esse ich zwei Hände voll von meinem mitgebrachten Müsli, das ich mit Wasser aufweiche. Kurz vor Futog hält mich ein einheimischer Radfahrer auf und wir reden in seiner Sprache so gut es hält geht. Er fragt mich auch nach meiner Meinung zum Ukrainekonflikt und meint letztlich: Russland ist gut! Serbien gilt generell als russlandfreunlich…

Am Nachmittag quartiere ich mich dann im City Hostel ein und treffe am Abend noch Andreas am Freiheitsplatz. Es gibt viel zu erzählen und gegen Mitternacht gehen wir beide schlafen.

Wiedersehen mit Andreas in Novi Sad (Neusatz), Serbien

Rathaus in Novi Sad

16.06. Ich besuche heute morgen Andreas in seinem Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Er hat mir ja wie vereinbart meine neuen Schuhe mitgebracht. Haarscharf dieselben, mit denen ich schon die ersten 1.000 km bis hierher gegangen bin. Never change a winning team, in dem Fall ’system‘ quasi… 🙂

Auf die nächsten 1.000 km nach Istanbul… 🙂 mit den neuen Schuhen sollte das möglich sein!

Auch eine neue Tube Hirschtalgcreme und Compeed Pflaster sind mit dabei. Freude kommt auf! Die neuen Schuhe ziehe ich gleich bei ihm im Hotel an, die alten nimmt er mir mit nach Hause. Zur Arbeit daheim im Mühlviertel reichen sie noch allemal. Dann verbringen wir den Tag in Novi Sad (Neusatz) und Petrovaradin (Peterwardein).

Über eine zweite Donaubrücke erreichen wir gegen Abend wieder das Stadtzentrum. Andreas war beim Überqueren dieser Brücke besonders schnell und erklärt mir dann bei einem Bierchen, dass er solche Brücken nicht mag, etc…

17.06. Heute ruft mich meine Mutter an und erzählt mir, dass gestern im Schallenberg gemäht wurde und alles in Ordnung ist. Gegen Mittag treffe ich wieder Andreas, der derzeit mit Herbert gerade seine Reise nach Skopje plant. Bin schon gespannt ob das was wird. Erfahre gerade, dass der Flug gebucht ist, dh evtl Wiedersehen in Skopje nicht unmöglich… 🙂

Am Abend verkoste ich noch gemeinsam mit Andreas die guten Weißweine aus der Frushka Gora bevor wir uns verabschieden. Ich starte ja morgen weiter zu Fuß Richtung Belgrad wo wir uns in 3 Tagen wieder treffen werden.

18.06. Um ca. 5h morgens gehe ich die Brücke hinüber Richtung Peterwardein und der Festung. Es gibt dort Clubs wo bis in den Morgengrauen gefeiert wird. Mir kommen noch die letzten Gäste lachend und gut aufgelegt entgegen.

Am Weg von Novi Sad Richtung Belgrad – hier beim Aufstieg zur Festung Peterwardein

Ich gehe an diesem Tag wieder einmal über 40 km und schlafe in der Nähe der Donau in meinem Zelt.

19.06. Der Weg führt weiter entlang der Dunav wie hier die Donau genannt wird. Es gibt immer wieder Csardas am Weg wo ich mich entweder mit Fisch oder einer Fischsuppe stärke.

Am Abend erlaubt mir ein Restaurantbesitzer mein Zelt bei ihm aufzustellen. Die Gelsen lassen mich am Abend schnell ins Zelt flüchten.

20.06. Heute ist der Tag an dem ich Belgrad, die Hauptstadt der Republik Serbien erreichen werde. Die Einheimischen essen hier meist zum Frühstück Burek mit einem Naturjoghurt was auch mir in der Zwischenzeit sehr schmeckt. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann die ersten Vororte Belgrads. Im neuen Stadtteil gibt es entlang der Donau schöne und feine Lokale, etc… Ich entscheide mich für meine Mittagspause für ein Schiff wo ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Karpfen esse. Geschmacklich sehr gut und weniger Gräten als gedacht.

Kellner beim Verteilen eines Zanders

Dann gehe ich entlang der Donau mit Blick auf den Kalemegdan (Festung) Richtung Stadtzentrum und dem alten Teil der Stadt.

Beim Überqueren der Brücke in Belgrad vom Neuen in den Alten Stadtteil

Gegen 17h erreiche ich meine Unterkunft ‚El Diablo‘ wo ich 4 Nächte voraus reserviert habe. Gegen Abend kommt dann Andreas vorbei und wir essen gute Pljeskavica im bohemischen Viertel. Es hat am Abend immer noch eine ordentliche Hitze und erst gegen 21h spüren wir eine leichtes Lüfterl.

21.06. Am Vormittag besuchen wir den Kalemegdan, der früher als Außenposten des osmanischen Reiches gedient hat.

Trg Republike (Platz der Republik) in Belgrad

Am Nachmittag lasse ich mir wieder einmal die Haare schneiden und sichere in der Unterkunft meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick.

22.06. Am Morgen trinke ich mit Julia und ihrer Mutter in der Nähe des hostels einen Kaffee bevor ich mit einer der alten Straßenbahnen Richtung Dom des Heiligen Sava fahre.

Mädchen beim Morgenplausch

Im Dom des Heiligen Sava

Dieser Kuppelbau ist schon sehr beeindruckend und ein Zentrum der orthodoxen Kirche hier in Serbien.

Die Führung im Tesla Museum begann etwas verspätet. So ging sich noch ein Espresso in diesem netten Café am Gehsteig aus.

Führung im Tesla Museum

Serbisches Parlament in Belgrad

Danach treffe ich Andreas im Tesla Museum. Sehr interessant, Nikola Tesla ist ja der Erfinder des Wechselstroms. Danach gehen wir wieder ins Stadtzentrum und kehren im mondänen Hotel Moskwa ein. Ich verkoste hier die Tart (Torte) Napoleon über die wir schon im Russischkurs soviel gehört haben. Sie schmeckt hervorragend, in Schichten mit Schoko-, Vanille- und ganzen Haselnussstücken gefüllt.

Tart (Torte) Napoleon – die Belgrader Variante, traumhaft gut!

Meine Russischlehrerin meint nach Ansicht eines Fotos der Torte allerdings, daß es sich wohl um die Belgrader Tart Napoleon handelte und die russische Tart Napoleon weiss sei. Wenn die auch so gut ist, dann weiß ich was ich mir in Zukunft zum Geburtstag wünsche… 🙂 Am Abend besuchen Andreas und ich nochmals den Kalemegdan und zwei kleinere Kirchlein. In einem Lokal direkt auf den Festungsmauern genießen wir den Sonnenuntergang und hören Musik aus den 1980er Jahren von einem nahegelegenem Club.

Kalemegdan (Festung) in Belgrad

Mosaik in der Crkva Svete Petke (Kirche der Heiligen Petka), in der es auch heilendes Wasser gibt.

23.06. Der erhoffte Regen und die damit verbundene Abkühlung kam nun doch. Während Andreas ein Museum und den Dom des Heiligen Sava besucht sitze ich in der lobby seines Hotels und schreibe diese Zeilen. Morgen fliegt Andreas wieder nach Wien und ich gehe weiter Richtung Süden und den Kosovo.

Gesamtkilometer: 1.150

SERBIEN (Teil 1) + KROATIEN: Backi Monostor (RS) – Apatin (RS) – Vukovar (HR) – Ilok (HR)

03.06. Frühmorgens frühstücke ich auf der Tankstelle und fülle mir noch beide 1,5 Liter Wasserflaschen an bevor ich Ungarn Richtung Kroatien verlasse.

Kroatien:

Ich befinde mich jetzt im 3 Ländereck zwischen Ungarn, Kroatien und Serbien. Es sind nur ca. 20km durch Kroatien bevor ich zumittag nach Batina an die kroatisch/serbische Grenze komme. Arbeiter sitzen mit ihren Motorsensen unter einem großen Baum und einer lässt mir meine Wasserflaschen nachfüllen. Ich mache gemeinsam mit ihnen Mittag und verdrücke die 3 Salamisandwiches, die ich mit meinen letzten ungarischen Forint an der Tankstelle gekauft habe. Dann lasse ich die ärgste Mittagshitze vorübergehen bevor ich um ca. 15:30 über die Grenze nach Serbien gehe.

Serbien:

Ich bekomme hier meinen ersten Stempel in den Pass seit ich von zu Hause weggegangen bin, Serbien gehört ja nicht zur EU und ich befinde mich jetzt in der Vojvodina. Die Vojvodina ist sehr fruchtbar, ein Völkergemisch und offiziell eine autonome Region in Serbien.

Das kyrillische Alphabet hat mich hier eingeholt und im Laufe der letzten beiden Tage stelle ich fest, dass viele Wörter im Serbischen gleich oder ähnlich im Russischen sind. So ist für mich mit meinen wenigen Russischkenntnisse die Kommunikation doch einfacher als in Ungarn. Zumindest kann ich auch alles lesen, wie Ortsschilder usw. Gegen Abend erreiche ich nach 36 km Backi Monostor wo ich zuerst einmal ein Jelen (gutes serbisches Bier) trinke. Ich decke mich hier bei einem Bankomaten mit serbischen Dinar ein (1€ = ca. 116 SRD) und kaufe mir eine lokale serbische SIM Karte. So bin ich zumindest über WhatsApp erreichbar und natürlich auch via Email. Und so erreicht mich auch die gute Nachricht von zuhause, dass die Familienchronik fertig wurde und meine Schwester Edith schon fleißig beim Schmökern ist. Noch ein Jelen und Cevapcici beenden den langen Tag und als ich mein Zelt am Ortsrand aufbaue brauche ich schon die Stirnlampe.

04.06. Es hat heute Nacht geregnet und so packe ich frühmorgens mein nasses Zelt ein. Ich gehe entlang der Dunav, so wird die Donau hier genannt, in das 20 km entfernte Apatin. Ich merkte in der Zwischenzeit, dass ich eine Dusche brauche und so habe ich mir heute gegen Mittag ein Zimmer um ca. 20€ in der Marina von Apatin genommen. Die Dusche war herrlich und die gewaschene Wäsche und das nasse Zelt trocknen gerade auf dem Balkon. Cevapcici und ein kühles Jelen in der Marina lassen mich hier gut ankommen. Generell finde ich, dass hier auf den Straßen viel los ist. Es wird Musik gespielt und viel gelacht. Hier fängt der Balkan an!

05.06. Ich war wieder einige Tage unterwegs und so lege ich einen Rasttag ein. Gefrühstückt wird hier so, dass man zuerst in die pekara (Bäckerei) geht und sich etwas zum Essen kauft. Dann sucht man sich ein naheliegendes Café und trinkt dort einen Kaffee und isst das Mitgebrachte dazu.

Auch der schwarze Kaffeesatz lässt die Nähe zu Griechenland und Türkei erahnen. Auf Empfehlung von Fatmira vom Russischkurs in Linz nehme ich mir eine Pljeskavica vom Markt mit ins Hotelzimmer. Es ist ein Hackfleischgericht und gilt als Nationalspeise in Serbien. Es schmeckt vorzüglich. Ich erhole mich heute nachmittag im Hotelzimmer und schaue mir im TV das Tennis Herrenfinale in Roland Garros an. Señor Rafael Nadal gewinnt hier zum 14!!! Mal, diesmal gegen Casper Ruud aus Norwegen. Er ist ein Gigant hier.

06.06. Ausgeruht und mit frisch gewaschener Wäsche starte ich frühmorgens Richtung Süden. Ich werde kommendes Wochenende wieder Christian und Lili treffen. Diesmal in Backa Palanka, der Geburtsstadt von Lili. So habe ich noch etwas Zeit und ich entschließe mich auf der kroatischen Seite der Donau hinunter zu wandern. In Erdut mache ich am Grenzübergang eine Stunde Pause und trinke 2 Liter Wasser, die Hitze legt zu.

Kroatien:

Dann gehe ich über die Donaubrücke und erreiche gegen Abend die Ortschaft Dalj in Kroatien. Hier gibt es einen ATM wo ich mir zuerst einmal einige kroatische Kuna (1€ = ca. 7,5 kroatische Kuna (HRK)) zulege. Nach einer Pizza und einem Osiecky Bier schlage ich gegen Dämmerung mein Zelt am Donauufer auf.

07.06. Im Ortskaffee beobachte ich die vielen Polizisten, die hier beim Plausch sitzen. Generell ist hier die Polizei viel präsenter als in Ungarn, wo ich oft tagelang keine Polizei gesehen habe. Es ist hier halt Grenzgebiet, etc… Gegen Mittag erreiche ich dann Vukovar, wo ich im Mornar Restaurant eine Fischsuppe esse und mein weiteres Vorgehen plane.

In den Aussenbezirken von Vukovar. Die Kriegsspuren des Jugoslawienkrieges in den 1990er Jahren sind noch gut sichtbar.

Gegen späten Nachmittag frage ich in den Straßen von Vukovar einen Jungen nach einem Quartier. Nach kurzem Überlegen ruft er seine Vermieterin an. Sie ist gerade in Deutschland und vermietet mir kurzerhand ihre Wohnung für einen wohlfeilen Preis. So geht das hier auf dem Balkan. Am Abend besuche ich die Innenstadt und den Wasserturm, ein Kriegsmahnmal an den Balkankrieg in den 1990er Jahren.

Vukovar war damals schwer betroffen vom Krieg (ähnlich wie jetzt Mariupol in der Ukraine) und die vielen Einschusslöcher in den Hausfassaden zeugen auch heute noch davon.

08.06. Im Kaffeehaus komme ich mit dem Besitzer und der Kellnerin ins Gespräch und wir trinken gemeinsam noch zum Abschluss ein Anisschnäpschen. Der Besitzer lässt nicht zu, dass ich bezahle. Auch hier wird Gastfreundschaft GROSS geschrieben… Vukovar war einst Teil des Habsburgerreiches, die barocken Fassaden in der Innenstadt erinnern noch daran. Gegen Abend lerne ich Kresi-mir kennen, einen 46-jährigen Kroaten, und er erzählt mir viel aus seinem Leben.

Dann werden wir auch noch Zeuge von einer lautstarken Auseinandersetzung zw. einem Kroaten und einem Serben. Kresi-mir erklärt mir, dass es hier immer noch starke Spannungen zw. Serben und Kroaten gibt. Daher wohl auch mehr Polizeipräsenz… Kresi-mir hat als 15-jähriger Junge seine Eltern im Krieg verloren und hofft auf eine friedliche Zukunft. Sehr bedrückend solche Geschichten…

09.06. Heute habe ich mir die mehr als 40 km nach Ilok, der letzten Stadt in Kroatien, vorgenommen.

Graffiti am Stadtausgang von Vukovar. In rot die Skyline von Vukovar.

Dementsprechend früh stehe ich dann vor der Bäckerei und die Verkäuferin gibt mir ausnahmsweise noch vor der Öffnung um 5h etwas zu essen und zu trinken. In Sarengrad wurde vor kurzem die letzte Kneipe zugesperrt. Jetzt stehen zwei Parkbankerl im Schatten vor dem Lebensmittelgeschäft, eine Bar auf Balkanart! Als ich dann das Dorf verlasse ruft mir ein Einheimischer nach ich solle doch eine Kaffeepause bei ihm machen.

Er ist bereits in Pension und war in seinem Leben viel im Ausland. Jetzt lebt er hier mit seiner Frau und ich merke wie froh er ist wieder einmal über frühere Zeiten reden zu können. Ich gehe dann durch viele Weingärten nach Ilok wo ich ziemlich müde gegen Abend ankomme.

Christian gab mir in Pecs den Tipp im Franziskanerkloster um ein Zimmer zu fragen. Nach langem Läuten und der Hilfe einer Einheimischen öffneten sich dann doch noch die Pforten. Ein Mönch namens Brat Grgur (Bruder Gregor) in seinem braunen Gewand mit weißer Kordel um die Hüften fragte mich in gutem Englisch was ich wolle, woher ich kam und wohin ich wolle. Nach kurzem Gespräch ließ er mich ein und zeigte mir mein Zimmer. Nach einer Dusche fühlte ich mich wie neu geboren. Als es dann draußen auch noch zum Donnern und Regnen anfing fühlte ich mich pudelwohl in meinem Zimmer. So schlief ich auch schon gegen 20h ein. Selten fühlte ich mich in einem Quartier so geborgen und willkommen wie hier. Mittelalterliches flair kommt auf!

10.06. Ich hole mir von der Bäckerei Croissants und frühstücke im Kloster. Brat Grgur kommt gegen 9h bei mir im Zimmer vorbei und gemeinsam setzen wir die Waschmaschine mit meiner Wäsche in Gang. Zumittag war ich heute im Hotel Dunav an der Donau. Zum Essen war es mir allerdings dort zu laut, da gerade ein Reisebus ankam. Im Zurückgehen zum Kloster kaufte ich mir noch ein Böreck und trank dazu ein Franziskaner Weißbier in der Klosterküche. So wie es sich hält in einem Franziskanerkloster gehört… 🙂

Morgen werde ich dann wieder über die Grenze nach Serbien und Backa Palanka gehen und am Nachmittag Christian und Lili treffen.

Fazit Kroatien: Kroatien ist im Gegensatz zu Serbien Teil der EU und wird mit Anfang 2023 den Euro als Zahlungsmittel einführen. Dementsprechend höher ist hier auch das Preisniveau im Vergleich zu Ungarn und Serbien. In Slawonien, so wird hier die kroatische Donauregion genannt, leben hauptsächlich katholische Kroaten aber auch einige orthodoxe Serben und muslimische Bosnier. Ich wünsche dem Land weiterhin eine friedliche Zeit in diesem interessanten Völkergemisch.

Gesamtkilometer: 984

UNGARN: Györ (Raab) – Balaton (Plattensee) – Pecs (Fünfkirchen) – Villany (Willand)

09.05. Nach einer längeren Mittagspause in Andau (Burgenland), in der ich meinen Reisebericht schreibe passiere ich am späten Nachmittag die Grenze nach Ungarn.

Willkommen ihr Magyaren, eure Sprache wird mir ewig verborgen bleiben. Aber nein, Siegfried gab mir bei der Verabschiedung noch ein paar Wörter mit wie ‚igen‘ (ja), ’nem‘ (nein), ‚kössenem‘ (danke), ‚teschek (bitte)’… ‚Jo napod‘ (Guten Tag) und ‚Viszlat‘ (Auf Wiedersehen) sind in der Zwischenzeit dazugekommen, natürlich auch ‚viz‘ (Wasser), dieses Wort werde ich noch sehr oft brauchen! Ich trinke derzeit ca 4 Liter Wasser pro Tag, Tendenz steigend, da es auch in Ungarn derzeit abnormal heiß ist. Bis zu 28 Grad steigt bereits das Thermometer in der ungarischen Tiefebene. Ich starte täglich bereits vor 6h und mache über die Mittagspause eine längere Pause, so entkomme ich der Mittagshitze. Der erste Ort in Ungarn ist Janossomorja (St. Johann), wo ich in einer kleinen Pension übernachte. Es ist ein langgezogener Ort und nach weiteren 2 km Fußmarsch ergattere ich dann doch noch ein Soproni.

10.05. Heute morgen versuche ich mein Glück beim Bankomaten und mit meinen Forint (derzeit 1€ = ca. 380 ung. Forint (HUF)) frühstücke ich in einer Bäckerei, die hier bereits um 4h morgens öffnen (gut für mich). Durch viel Natur und auch einer befahrenen Straße erreiche ich gegen Abend Lebeny (Leiden). In der Dorfkneipe trinke ich für den ersten Durst ein Borsodi und in Jimmy’s Pizzeria esse ich gebackenen Käse und trinke ein Soproni.

Stephan I der Heilige vor der Dorfkneipe in Lebeny. Er war ein magyarischer Fürst und von 1000 bis 1038 erster König des von ihm gegründeten Königreiches Ungarn. Er gilt als der Nationalheilige des heutigen Ungarns und christianisierte die heidnischen Magyaren.

Gestärkt frage ich die Kellnerin ob ich im Ort wo mein Zelt aufstellen könne. Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Chef schickt sie mich zum Sportplatz. Es ist bereits fast dunkel als ich hier mein Zelt aufbaue. In der Zwischenzeit dauert das nur mehr ca. 10 Minuten vom Ankommen beim Zeltplatz bis ich dann in meinem Zelt im Schlafsack liege.

11.05. Frühmorgens um 04:30 beobachtet mich ein Storch wie ich mein Zelt abbaue. Im Ort trinke ich noch einen Kaffee bevor ich entlang eines Dammes durch viel Grün gegen Mittag Györ (Raab) erreiche.

In einem Park trockne ich mein Zelt, Zeltunterlage und Schlafsack und quartiere mich ein wenig außerhalb der Stadt in einem Zimmer ein. Da Györ (ausgesprochen: Djör) eine liebe kleinere Stadt ist, beschließe ich hier eine zweite Nacht zu bleiben. Ich wasche am Nachmittag meine Sachen und erkundige am Abend die Stadt, die an der Raab liegt.

12.05. Heute ist Rasttag und ich genieße es länger als sonst zu schlafen und im Bett zu bleiben. Um 7h gehe ich dann frühstücken und streife durch die Stadt. Auf der modernen Universität esse ich zumittag kalte Früchtesuppe mit Erdbeeren und anderen Beeren und gefüllte Fleischrollade mit Erdäpfelpürre. Es schmeckte hervorragend und derzeit mache ich gerade Siesta in der Unterkunft. Am Abend durchstreife ich dann noch die Altstadt bevor es zu regnen beginnt. In der Zwischenzeit freue ich mich schon auf den Regen, da er auch Abkühlung bringt und mir so das Gehen erleichtert. In der Nacht hat es dann noch ein ordentliches Gewitter, das mich aus dem Schlaf holt.

13.05. Noch etwas verträumt starte ich kurz nach 5h als sich der Himmel wieder etwas beruhigt hat. Ich habe mich entschlossen die Route zu ändern und nicht nach Budapest und dann entlang der Donau Richtung Serbien zu gehen. Ich wollte immer schon einmal zum Plattensee und auch nach Pecs, das eine sehr schöne südungarische Stadt sein soll. Und so gehe ich heute von Györ aus nicht Richtung Osten sondern Richtung Süden in das Bakonygebirge. Es ist allerdings kein richtiges Gebirge in unserem Sinne sondern eher eine Hügelkette und wird deshalb auch Bakonywald (auf deutsch: Buchenwald) genannt. Die Wanderung durch den Bakonywald zum Balaton (Plattensee) wird fünf Tage dauern.

Schmetterlinge im Bakonywald

Am ersten Tag erreiche ich bei leichtem Regen Pannonhalma, das älteste Kloster in Ungarn. Es ist wie Melk und Göttweig auch ein Benediktinerkloster und liegt auf dem heiligen pannonischen Hügel inmitten grüner Landschaft. Da ich heute etwas schwächelte beim Gehen erreiche ich grad noch eine halbe Stunde bevor das Kloster zumachte die Eintrittspforte. Ich kann im Souveniershop meinen Rucksack lassen und eine Studentin zeigt mir noch im Schnelldurchgang die wichtigsten Gebäude im Kloster. Danach setze ich mich einmal gemütlich in den Klostergarten, trinke Kaffee und besorge mir Wasser für den Abend und den nächsten Morgen. Dazu fülle ich immer meine beiden 1,5 Liter PET Flaschen an und auch die 0,5 Liter PET Flasche, die mich untertags auch immer mit Wasser versorgt. Nachdem sich alle Leute in das darunter liegende Dorf begeben haben, beginne ich mir eine Suppe zu kochen. Einige hundert Meter entfernt liegt das Millenniumdenkmal, wo ich im 5 Millionen Sternenhotel mit Blick auf das Kloster eine wunderschöne Nacht verbringe.

14.05. Dieser Tag bringt mich durch viele ehemalige schwäbische Dörfer, in denen zum Teil auch noch Deutsch gesprochen wird. Die Ungarndeutschen stammen ursprünglich aus Bayern und wurden Ende des 18. Jahrhunderts hier angesiedelt um das Land urbar zu machen. Nach 1945 wurden sie aufgrund der Kollektivschuld größtenteils aus diesem Gebiet vertrieben, manche zweisprachigen Ortsschilder erinnern noch an sie. In Laßldorf stärke ich mich mit gebackenem Käse bevor ich wieder auf dem Sportplatz mein Zelt aufstelle und übernachte. Auch das Schlafen im Zelt wird mir immer angenehmer und ich schlafe in der Zwischenzeit schon sehr gut auf der aufgeblasenen Luftmatratze.

15.05. Heute ist Sonntag und es ist so gut wie alles geschlossen in diesen abgelegen Dörfern. In Bakonybel finde ich dann doch ein offenes Restaurant in dem ich Bohnensuppe bekomme. Ich komme mit Ferri (Kurzform von Ferenc (Franz)) ins Gespräch. Er spricht sehr gut Deutsch und erzählt mir, dass er in München eine eigene Firma hat, die sich mit Altbausanierungen beschäftigt. Er erzählt mir auch, dass alleine im letzten Jahr über 40.000 Deutsche nach Ungarn gezogen sind. Vor allem wegen dem doch noch immer günstigeren Preisniveau als in Deutschland. Auch er hat sich kürzlich in Bakonybel ein Haus mit 240 m2 Wohnfläche und 2.000 m2 Grund gekauft. Gekostet hat es satte 90.000 €, er meinte allerdings, dass er Glück hatte. In Böhmischhütten fülle ich bei einer netten Familie meine Wasserflaschen auf und bekomme auch noch ein kühles Soproni in der Dose angeboten.

Ich übernachte in Böhmischhütten am Ortsrand und verspeise die aus Bakonybel mitgebrachte Pizza, da auch hier nichts offen hat.

16.05. Nach einer ruhigen Nacht und nur einigen Hundegebellen trinke ich nach 2 Stunden Fußmarsch in Varoslöd (Waschludt) zwei Kaffees zum Munterwerden. Mittags mache ich in Urkut (Urbrunn) eine längere Mittagspause und esse ein Schweinekotelett auf Karpaten Art. Das Fleisch ist mit gratinierten Kartoffeln umgeben und ordentlich deftig.

Schweinekotelett auf Karpaten Art

Mein Ziel ist heute noch nach Großschwaron zu kommen. Der Wetterbericht meldet Regen in der Nacht. In solchen Fällen versuche ich eher ein ordentliches Dach über dem Kopf zu haben. Bei der Ankunft erspähe ich in der Nähe der Burg einen überdachten Rastplatz mit Tisch und Bänken, ein idealer Platz für mich.

17.05. Nach einer dann doch relativ trockenen Nacht starte ich heute schon um 04:45, der Balaton ruft. Noch bin ich allerdings nicht auf dem Plattensee und erst nach ca. 3 Stunden kommt ein Kirschbaum, der mir ein unerwartetes Frühstück bereitet.

Dann erblicke ich das erste Mal den See, der doch um einiges größer ist als der Neusiedlersee.

Balaton (Plattensee)

In Balatonfüred kaufe ich beim Aldi ein und esse ein ganzes Baguette auf einen Sitz. In der Tankstelle genehmige ich mir eine Cafe Latte und telefoniere mit Muttern, die mich zuhause wieder auf den letzten Stand bringt und von den aktuellen ‚Problemen‘ berichtet. Der Campingplatz in Balatonfüred wird derzeit renoviert und öffnet erst in 3 Tagen, zu spät für mich. Der Security Beauftragte schickt mich zu einem anderen nahegelegenen Campingplatz, was sind schon zusätzliche 14km…:-)

Ziemlich geschafft komme ich dann kurz nach 17h beim Zeltplatz in Balatonakali an. Schon das Dorf gefällt mir sehr gut und auch mein Zeltplatz direkt am Ufer hat was. So war es ja doch gut, dass der andere Zeltplatz noch nicht offen hatte. Nach einer Dusche nach 5 Tagen Fußmarsch fühle ich mich wieder wie frisch geboren und stärke mich mit Gulaschsuppe und einem Dreher (örtliches Bier). Am Abend schaue ich noch den Anglern bei ihrer Arbeit zu bevor mich die Gelsen in das Zelt flüchten lassen.

18.05. Frisch ausgeschlafen wasche ich heute frühmorgens meine Wäsche und erreiche um 06:20 gerade noch den Bus nach Vesprim, wo ich gerade in einem Café sitze und diese Zeilen schreibe.

Veszprem (Vesprim) rüstet sich gerade für 2023, dem Jahr, in dem die Stadt Kulturhauptstadt Europas sein wird. Daher ist es derzeit eine einzige Baustelle und eher nicht so toll. Zurück am Campingplatz stärke ich mich wieder im Büffet mit drei Pakatschinken. Das Büffet wird von Zsolti gemeinsam mit seiner Frau Silvia betrieben. Ich lerne am Abend Szoltan und seine Freunde aus Veszprem kennen. Sie sind hier um zu angeln, vor allem am Abend beißen die Karpfen gut, meinen sie… Sie laden mich dann noch in ihren Bus ein wo wir natürlich auch noch den selbstgebrannten Apfel- und Kirschenschnaps verkosten müssen. Gegen Mitternacht gehe ich in mein Zelt zurück und ich schlafe gut und fest.

19.05. Heute habe ich mir vorgenommen, die Halbinsel Tihany zu besuchen. Ich nehme daher einen Bus nach Aszöfö und wandere die 6 oder 7 Kilometer in den Ort Tihany. Im Ort selber hat um 08:30 noch nichts offen ausser einem ABC Laden, wie hier die Lebensmittelläden genannt werden. Hier gibt es allerlei und auch einen Kaffee mit Mehlspeise, so kann der Tag beginnen. Tihany selbst ist mir mit all den Verkaufsstandln zu touristisch und so nehme ich noch einen anderen Bus, der mich in die bekannte Stadt Balatonfüred (Bad Plattensee) bringt. Es ist hier an der Uferpromenade noch die monarchische Vergangenheit zu spüren. Der Ort Balatonakali ist weit kleiner und speziell die Lajos Kossuth utca (Straße) gefällt mir sehr gut. Auf den Gehsteigen muss ich mich immer wieder bücken um unter den darüber hängenden Büschen durchzukommen. Den Abend verbringe ich wieder auf der Mole und betrachte den Sonnenuntergang über dem See. Hier treffe ich auch noch ein deutsches Pärchen, die mir erzählen, dass der See eine durchschnittliche Tiefe von 3 Metern hat. Auch ist am Nordufer das Wasser tiefer und es ist noch etwas beschaulicher als am Südufer. Am Rückweg zum Zelt begleiten mich die Rufe der Frösche und auch ein Kuckuck gesellt sich dazu. In der Zwischenzeit genieße ich mit all den Geräuschen das Schlafen in meinem Zelt.

20.05. Zsolti gab mir den Tipp mit dem Zug nach Badacsony zu fahren. Alleine die Zufahrt ist ein kleines Abenteuer. In jeder Station wird angehalten und der Stationswächter kommt mit seinem Schildchen aus seinem Häuschen heraus und plaudert kurz mit dem Zugführer. Es ist Tradition in Ungarn wie mir Henrik erklärt, den ich wenig später mit seiner Freundin Fruschi am Weg zum Aussichtsberg kennenlerne. Ich hatte heute beschlossen einmal das Handy nicht mitzunehmen und siehe da, um vieles mehr Kontakte zu den Leuten. Ich werde das jetzt öfters machen. Am Rückweg entdecke ich inmitten der Weinberge eine kleine Buschenschank. Es wird hier guter Weißwein gemacht und vor allem der Blaustengler mit einem Schmalzbrot schmeckt vorzüglich. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich dann wieder den Campingplatz und schlafe zufrieden nach einem schönen Tag ein. Überhaupt tut es gut ein wenig ‚Urlaub‘ vom Gehen zu machen und die Atmosphäre hier am Plattensee ist echt entspannend.

21.05. Weil es mir so gut gefällt hier habe ich kurzerhand beschlossen um einen Tag länger zu bleiben. So bleibt dann auch Zeit mit einigen Leuten zu telefonieren, die weitere Route zu planen und auch in den See zu gehen. Das Wasser hat derzeit ca. 20 Grad und es ist noch wenig los hier. Ab einer Entfernung von ca. 50 Meter vom Ufer kann auch ich dann keinen Seeboden mehr erspüren. Alles in allem ein sehr entspannender Tag heute und Zsolti gibt mir zum Abschied noch zwei panierte Hühnerschnitzel für den nächsten Tag mit.

22.05. Heute starte ich wieder mit meinem Rucksack vor 5h und gehe auf einsamen Wegen Richtung Tihany Halbinsel. Vom Aussichtsturm hier sehe ich den gesamten See mit seinen Schilfgürteln und Booten vor mir liegen.

Gegen 10:30 erreiche ich dann Tihanyrev von wo mich ein Schiff auf die Südseite des Sees nach Szantod bringt. Heute ist Sonntag und so decke ich mich noch mit Lebensmitteln und Wasser für den restlichen Tag ein. Nach mehr als 40 km erreiche ich dann Tab, wo ich mich mit einem Bohnengulasch und hervorragenden Somlauer Nockerln stärke. Die Nacht verbringe ich im Zelt in der Nähe des Sportplatzes.

23.05. Ich schlafe heute etwas länger, da gestern doch ein anstrengender Tag war und frühstücke zuerst in der Bäckerei. Die Preise hier für einen Cappuccino sind in etwa € 1,20 und für ein Mohnkipferl etwas weniger als ein Euro. Speziell in den kleineren und unbekannten Dörfern ist das Preisniveau noch deutlich niedriger als bei uns zuhause.

Am Weg nach Igal vergehe ich mich zweimal und finde dann doch immer wieder zurück auf die richtige Spur. Es macht mir Spaß, die Route selbst zu wählen und querfeldein zu gehen. In Igal angekommen bemerke ich einen Zeltplatz mit einem dazugehörigen Thermalbad, nichts wie hinein! Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe gehe ich noch in das Thermalbad und genieße die Sprudel und warmen Wassertemperaturen.

Den Abend lasse ich bei einer Langos (ungarischer Fladen) und einem Original Edelweiß Weizenbier ausklingen.

24.05. Weil es so schön und gut tut dieses Thermalbad, vor allem für meine Füße, beschließe ich noch einen weiteren Tag zu bleiben. So kann ich dann auch wieder einmal meine Wäsche in einer Waschmaschine waschen, mit der Hand ist das doch immer so eine halbe Sache…

Nach einem Thermalbad sitze ich gerade im Badbüffet und werd mich gleich noch einmal in die warmen Quellen stürzen… 🙂

25.05. Am Weg von Igal nach Dombova verlaufe ich mich heute ordentlich und strande in einem mit Elektrozaun abgeschlossenen Bereich für Kühe, aus dem ich nur mit viel Mühe durch das Unterholz rauskomme. Vormittags erreiche ich dann das kleine Dorf Gölle. Als mich wie so oft Hunde durch den Hauszaun anbellen, diesmal sogar zwei, mache ich ein Erinnerungsfoto. Daraufhin kommt der Besitzer ebenfalls zum Zaun um die beiden zu beruhigen. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass Helmut ein Deutscher von der Wesel ist. Er lädt mich kurzerhand ein auf seiner Terrasse zu rasten und Monika, seine Frau, macht mir einen guten Kaffee. Sie erzählen mir, dass sie schon in der Rente sind und vor 4 Jahren hier dieses Haus mit Grundstück um nur 15.000€ gekauft haben. Und bei den um ca. 50% niedrigeren Lebenserhaltungskosten als in Deutschland (und auch Österreich) haben sie so ihre Realrente und deren Kaufkraft um einiges erhöht.

Ausserdem hat Helmut, wie er sagt, auch kein Problem mit dem ‚Gulaschkommunismus‘ hier im Lande unter der Führung von Victor Orban und seiner Fidesc Partei. Gerade vor kurzem wurde er ja wieder (zum fünften Mal in Folge) zum Premierminister gewählt und das mit relativ großer Mehrheit. Es seien laut Helmut auch noch ca. 10 andere deutsche Familien im Dorf, er und Monika sind also durchaus kein Einzelfall. Die Tatsache, dass Ungarn keine Flüchtlinge aufnimmt, begründet er damit, dass Ungarn eben hauptsächlich ein Agrarstaat sei und es sich einfach nicht leisten kann und will. In der Pandemie hätten sie auch Unterstützung vom Staat bekommen, auch der Spritpreis ist hier bei ca. umgerechnet 1,35€ gedeckelt. Und trotzdem machen die Mineralölkonzerne hier auch noch Gewinn, also irgendwas stimmt da bei uns zu Hause nicht…:-)

Ein ’spannendes‘ Storchennest

Ich gehe dann noch bis Dombova, wo ich gerade noch in einer Pizzeria Unterschlupf vor einem herannahenden Gewitter finde. Überhaupt ist hier in letzter Zeit der Himmel recht unruhig… Gegen 20h ist dann wieder alles vorbei und ich schlafe im Zelt in der Nähe der Pizzeria.

26.5. Ich frühstücke heute in einer kleinen Bäckerei und decke mich dann noch mit Proviant und Wasser für den Tag ein. Meistens mische ich jetzt das Wasser mit einer Cola. Da trinke ich mehr und Zucker bekomme ich ausserdem… Da es gestern stark geregnet hat sind heute die Feldwege keine gute Idee und ich gehe hauptsächlich auf der asphaltierten Straße nach Komlö.

27.5. ‚Jona pod‘ (Guten Tag) höre ich heute um ca. 4:30 von draußen in mein Zelt dringen. Es war der Platzwart des Fußballplatzes in Komlö. Er war zum frühmorgendlichen Rasenmähen gekommen. So starte ich dann heute meine Wanderung früher als gedacht und erreiche so gegen 11h über die Mesceg Berge Pecs (Fünfkirchen).

Hier lerne ich Gabor Kiss kennen und ich quartiere mich bei ihm in seiner Pension (Valcsics Villa Panzio) am nördlichen Stadtrand ein. Traumhaft gut immer wieder eine Dusche und zumittag koche ich mir in seiner Pension eine warme Suppe, die mich stärkt. Pecs ist eine Stadt mit ca. 145.000 Einwohnern und ist vor allem bei Studenten sehr beliebt. Ich trockne gerade das Zelt auf der Terrasse und werde mich dann nachmittags noch in der Stadt umsehen.

In der Nähe der Universität finde ich letztlich eine Wäscherei und während der Trockner die letzten Minuten arbeitet lese ich ein SMS von Christian, dass er mit seiner Freundin Lili schon in Pecs ist. Eine halbe Stunde später gibt es am Szecheny Ter (Hauptplatz) ein freudiges Wiedersehen. Wir verbringen den lauschigen Abend in der Kiraly utca (Hauptstraße) und am Szecheny Ter, wo reges Treiben herrscht.

Nach Mitternacht kommt Wind auf und Christian bringt mich mit seinem Auto noch in meine Unterkunft. Wenig später kracht und blitzt es wieder über Pecs.

28.05. Noch etwas verschlafen vom Vorabend frühstücke ich im Quartier und gehe dann Richtung Stadtzentrum. Auf einem Bauernmarkt am Ende der Kiraly utca gibt es traumhaft gute Wuchteln gefüllt mit Powidl Marmelade, usw. Kurz später treffe ich nochmals Christian und Lili und sie geben mir noch gute Tipps für Serbien und Kroatien. Sie haben ja letzte Woche gerade Backa Palanka (Plankenburg), die Heimatstadt von Lili besucht und sind bestens informiert. Im Z (Restaurant Föter am Hauptplatz) haben wir noch viel Spaß bevor wir uns dann wieder verabschieden und sie Pecs Richtung Baden und Bad Vöslau verlassen. Es tut immer wieder gut Freunde zu treffen. Am Nachmittag schaue ich mir dann die ehemalige Moschee Gazi Kassim Pascha an, die sich direkt auf dem Hauptplatz befindet und heute als römisch-katholische Kirche genutzt wird. Der Einfluss der Osmanen ist hier schon spürbar. Weiters besteige ich dann noch den Glockenturm der St. Peter und Paul Kathedrale von wo man einen guten Überblick über die Stadt bekommt. Am Abend schaue ich mir noch das CL Finale zw Real Madrid und Liverpool an bevor ich müde ins Bett falle.

29.05. Heute ist Sonntag und ich gehe wieder einmal in die Kirche. Mir macht es nichts aus wenn ich die Predigt vom Pfarrer nicht verstehe. Mir reichen die schönen ungarischen Lieder und das Innere der Hl. Sebastianskirche im Zentrum von Pecs. Da es heute regnet absolviere ich ein kulturelles Programm. Es gibt in Pecs wunderschöne Museen wie das Victor Vasarely Museum (Maler in Pecs geboren) und das Zsolnay Museum (weltbekannt für das wunderschöne Porzellan), beide absolut sehenswert!

Und am Abend hat mir Andrasz, den ich am Plattensee kennengelernt hatte, in der Konzerthalle ein Ticket für ein Konzert besorgt. Ebenfalls ein sehr schönes Gebäude und Andrasz hat mich an diesem Abend mit seiner Stimme beeindruckt.

Konzerthalle in Pecs (Fünfkirchen)

30.05. Es hat in den letzten Tagen ordentlich abgekühlt. Auch heute regnet es wieder und ich werde erst morgen, wenn das Wetter wieder besser wird, Richtung Serbien weitergehen. In der Touristeninfo lässt mich der Angestellte auf seinem PC meine Fotos vom Handy auf meinen USB Stick absichern. Auch er bedauert es, dass es in der ganzen Stadt kein einziges Internetcafe mehr gibt. Am Nachmittag durchstreife ich noch das kulturelle Viertel in der Nähe der Konzerthalle.

Es gibt hier auch einen TV Turm (höchstes Gebäude in Ungarn), von wo man einen tollen Blick über die Stadt und die Umgebung haben soll. Noch habe ich diese Worte in meinen Ohren als ich mich am späten Nachmittag mit einem Bus dorthin begebe. Leider hatte es in der Zwischenzeit zugezogen und aus der tollen Aussicht wurde da oben dann eben eine Nebelsuppe. Zu Fuß gehe ich dann zurück in mein Quartier und genieße dort noch die Abendstunden.

31.05. Heute verabschiede ich mich von Pecs und gehe von meinem Quartier ins Stadtzentrum wo ich mich in einer Bäckerei noch mit Proviant für den Tag eindecke.

Letzte Station meiner Ungarndurchquerung ist Villany (Willand), ein bekanntes Weinbaugebiet in Ungarn. Da ich spät gestartet bin schaffe ich es nicht ganz bis Villany. In einem Ort, ca. 10km vor Villany, bereitet mir am Abend eine Verkäuferin noch zwei Salamisandwiches zu. Ich schlafe wieder im letzten hinteren Winkel des Fußballplatzes. Generell haben sich Sport- und Fußballplätze als gute Plätze zum Zelten heraus gestellt. Flach, gemähter Rasen und Gemeineigentum, da sagt auch niemand etwas.

01.06. Ich esse zum Frühstück das zweite Sandwich von gestern und gehe dann die letzten 10km nach Villany. Kurz vor dem Ort komme ich bei einer Csarda (Gehöft) vorbei wo ich mittagesse und meine Akkus wieder auflade (sowohl die von meinem Handy, meiner Powerbank aber auch meine eigenen… :-)). Gestärkt erreiche ich dann das Ortszentrum von Villany wo ich in einem der vielen Weinkeller den Cabernet Villany (oder Cabernet Franc, quasi der Hauswein hier) und den Portugieser verkoste. Beide sehr gut wobei ich dem Cabernet Villany den Vorzug geben würde. Dazwischen gibt es auch hier Schmalzbrot mit Zwiebeln, heimische Gefühl kommt auf.

Ich schlafe auch hier wieder am Ortsrand auf dem Fußballfeld.

02.06. Ich bleibe heute vormittag noch hier und gehe nach dem Mittagessen Richtung Grenze zu Kroatien.

Es ist heute mein letzter Tag hier bei den Magyaren und gegen Abend erreiche ich den Grenzort Udvar. Mit Armin, einem bosnischen LKW Fahrer, trinke ich noch mein letztes kühles Dreher auf der Tankstelle.

Er ist am Rückweg von Ungarn nach Kroatien und weiter nach Bosnien Herzegowina. Er erzählt mir, dass Bosnien Herzegowina 3 Präsidenten hat (einen bosnischen, einen kroatischen und einen serbischen) und daher im Land nicht viel weiter geht, weil immer einer der 3 Präsidenten zu gewissen Entscheidungen nicht zustimmt. Tito sei ein guter Mann gewesen, versichert er mir noch zuletzt bevor ich mich auf Zeltplatzsuche begebe.

Fazit: Ungarn hat mich positiv überrascht. Ich konnte vor allem einmal den Plattensee sehen und erleben und auch die südungarische Stadt Pecs, die ich schon einmal als Student besuchen wollte. Daraus würde allerdings damals nichts. ‚Gut Ding braucht halt eben Weile‘ trifft hier am besten zu. Ich habe viele Deutschungarn kennengelernt und sie haben mir versichert, dass der sogenannte Gulaschkommunismus in Ungarn auch seine Vorteile hätte. Nach oben hin gedeckelte Energiepreise, Beihilfen vom Staat in der Pandemie, geringe Kriminalität und geringer Ausländeranteil (eben die Linie von Orban). Ich habe einige Freundschaften geschlossen und wünsche dem Land alles Gute und viel Erfolg in den nächsten Jahren! Vizlat (Auf Wiedersehen) ihr Magyaren!

Gesamtkilometer: 829

ÖSTERREICH: Schallenberg – Wien – Neusiedlersee

24.4.2022: Heute ist Georgitag (und auch Sonntag der Barmherzigen) , welcher Tag könnte besser passen zum Losgehen als dieser? Losgehen entlang der Donau, die genaue Route ergibt sich am Weg. All die Erledigungen zuhause sind hinter mir und nun heißt es ‚Leinen los‘. Über Amesschlag und Oberneukirchen geht es zuerst zur Burg Lobenstein. Von dort zur Giselawarte wo ich mich mit meinem Freund Sven verabredet habe. ‚Bis zur Gis geht’s eh, dann zieht es sich‘ lachen wir bei einem Kaffee beim Giswirt. Runter den Bachlberg mit einem kurzen Hallo bei meiner Tante Maria erreiche ich so gegen 17h den Garten meiner Mutter in Linz – Urfahr. Wir feiern noch Abschied, auch Max kommt noch dazu, dann übernachte ich in der Gartenhütte.

Meine Ausrüstung – Zelt, Schlafsack, etc alles dabei, und das um ca 7kg

Kleingram

Der Pilger hat das Jagawiesl erreicht

Todesstiege in Mauthausen

Treffen mit Johannes Aschauer – er ging den ganzen Tag Weg nach Jerusalem gemeinsam mit zwei anderen Herrschaften im Jahre 2010

Entlang am Treppelweg Richtung Wachau

Am 25.4. gibt es noch ein gemeinsames Frühstück mit Muttern und Max bevor ich bei leichtem Regen entlang der Donau nach Mauthausen gehe. Über die Todesstiege erreiche ich die hübsche Stadt Mauthausen, wo ich am Abend Johannes Aschauer treffe. Er gibt mir sehr wertvolle Informationen und Tipps für den Weg Richtung Jerusalem. Er ging im Jahre 2010 diesen Weg schon einmal gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen und David Zwilling, er weiß von was er spricht.

26.4. Früh morgens starte ich in Mauthausen und erreiche um ca. 11h Arbing, wo ich nochmals Johannes in seinem Heimatort treffe. Er wünscht mir einen gesegneten Weg in das ‚heilige Land‘, den Segen kann ich brauchen. Kurz bevor es zu regnen beginnt erreiche ich nach 38km Grein. Ich schlafe hier im ehemaligen Franziskanerkloster Haus Antonius, wo ich ein Pilgerzimmer mit Frühstück bekomme.

27.4. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit dem Pfarrer und seiner Köchin besuche ich nun das wirklich schöne Café Blumensträußel. Draußen regnet es und so versäume ich auch nicht viel… Entlang des rechten Donauufers erreiche ich Ybbs an der Donau. Wohnen beim Bäcker Weinberger hat mir Johannes empfohlen und so kam es auch. Als ich die Bedienerin fragte ob ich im Hinterhof mein Zelt aufstellen könne, kommt auch schon der Chef vorbei. Wir wechseln ein paar Worte über meine bevorstehende Wanderung und kurzerhand bietet er mir ein Zimmer bei ihm an. Dem noch nicht genug, sagt er auch der Bedienerin sie soll mir einen Tee und was zum Essen bringen. Ich kann seinen Worten kaum glauben, so eine Hilfsbereitschaft habe ich wohl in Österreich noch nicht erlebt…

28.4. Heute geht es von Ybbs via der Kraftwerksbrücke Ybbs-Persenbeug zum Wallfahrtsort Maria Taferl und zum Schloß Artstetten. In Maria Taferl kommt, während ich mir eine Suppe koche, ein Junge zu mir. Er stammt aus der Nähe von Kiew und erzählt mir, daß er mit seiner Familie jetzt hier wohnt. Meine kleinen Russischkenntnisse ermöglichen es mir, mich mit ihm ein wenig zu unterhalten. Mit 9 Jahren sowas erleben, hoffentlich können sie bald wieder zurück.

Nach weiteren 6 km erreiche ich Artstetten. Im Schloß liegt der 1914 in Sarajevo ermordete Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie begraben. Ich schlafe im Schloßpark in meinem Zelt.

So komme ich mir auch manchmal vor wenn ich den Verkehr betrachte

Heiliger vor dem Schloß Persenbeug

Wallfahrtskirche Maria Taferl

Schloß Artstetten

So schaut es in meinem Zelt aus

29.4. Gegen Mittag erreiche ich heute Melk. Ich schaue mir das Stift auch einmal von innen an und erfahre vom Portier, dass leider keine Pilgerzimmer frei sind, da das Stift ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat. So gehe ich zum Campingplatz, der nur ca 10 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum direkt an der Donau liegt. 

Friedenstaube in Melk – Symbol des Jerusalemweg

Benediktinerstift Melk am Abend

30.4. Ich sitze gerade in einem Café in Melk und werde heute einen Ruhetag einlegen. Ganz so ruhig wird es aber dann auch wieder nicht, da ich mir in der Schallaburg die Ausstellung ‚Reiter Nomaden in Europa‘ anschauen möchte.

Es ging in dieser Ausstellung vor allem um die Nomadenvölker der Hunnen, Awaren, Ungarn und Bulgaren, die alle aus der zentralasiatischen Steppe kamen. Während die Hunnen und Awaren sich nicht halten konnten, gelang es den Ungarn und Bulgaren sich in der pannonischen Tiefebene und im Karpatenbecken dauerhaft anzusiedeln und einen eigenen Staat zu gründen. Voraussetzung dafür war wohl auch, dass sie sich zum Christentum bekehrten und so die Kirche im Rückhalt hatten.

01.05. Frühmorgens um 6h gehe ich heute los, ohne wieder einmal zu wissen wo ich schlafen werde oder wo ich am Abend ein Glaserl vom guten Wein in der Wachau kosten werde. So gefällt mir das Gehen und Reisen, nicht zu viel planen, alles kommt so wie es sein soll…

Vorbei beim Schloß Schönbühel geht es entlang des rechten Donauufers Richtung Mautern. Ich gehe hier meistens auf dem Treppelweg und habe auf der anderen Seite die bekannteren Orte der Wachau vor mir. Am rechten Donauufer ist es noch ruhiger und so gelange ich zumittag nach Oberarnsdorf, wo gerade der Maibaum aufgestellt wird. Im Feuerwehrhaus wird aufgekocht, das Surschnitzel und vor allem die selbstgemachte Mohntorte waren Weltklasse.

Am Abend erreiche ich Rossatzbach, wo ich wieder im Zelt in den Weingärten schlafe. Christian, ein IBM Arbeitskollege aus Bad Vöslau, kommt mich besuchen und wir trinken das eine oder andere Achterl im Heurigen Rinner und Rehrl-Fischer.

02.05. Auch heute starte ich wieder früh. Ich mag es ohne Frühstück loszugehen und dann nach ca 2 Stunden wo zu frühstücken. Heute war es im Gasthaus Hofer in Mautern soweit, wo ich nach ca. 8 km um 8h morgens einkehre. Die Besitzerin ist sehr interessiert an meiner Wanderung und so unterhalten wir uns länger darüber. Als ich zahlen möchte, meint sie ‚Nein, nein, der erste in der Saison, der diese Wanderung macht und bei mir einkehrt geht frei, und ich war wohl der erste. Nur hätte sie gerne, dass ich für sie ein Kerzerl in Jerusalem anzünde‘, natürlich Ehrensache! Ich lege mir jetzt schon eine Liste der Wünsche an, um nichts zu vergessen… 🙂

Zumittag erreiche ich das Benediktinerstift Göttweig, das imposant auf einem Hügel thront. Wunderschön die Lage dieses Stiftes, die Stiftskirche und das Deckenfresko von Paul Troger (1739) in der  Kaiserstiege sind ein Genuss für die Augen.

Am Abend komme ich nach Höbenbach zum Heurigen Ettenauer, wo mir Annemarie, die Chefin, telefonisch zugesagt hatte, dass ich mein Zelt bei Ihnen im Garten mit Marillenbäumen aufstellen könnte. Bei der Ankunft lerne ich dann auch Ihren Mann Hans kennen, der dann kurzerhand meinte, ich könnte auch bei Ihnen drinnen schlafen, da es gerade leicht zu regnen begann. Heute Abend kommt Claus aus Krems zu Besuch, und um halb zwölf waren wir die letzten Gäste, die übrig blieben. Essen und Trinken wie immer hervorragend. Vor allem der Grüne und Rote Veltliner, aber auch der Muskateller sind ein Traum, das Wein machen können Sie hier…

03.05. Annemarie weckt mich heute um halb sieben und wir frühstücken noch gemeinsam bevor ich mich kurz vor 8h auf den Weg mache. Auch sie interessiert sich für das was ich mache und erzählt mir unter vier Augen auch Details aus ihrem Leben. Diese Begegnungen und Gespräche auf dem Weg sind es letztlich, an die man sich später erinnert und gerne denkt und letztlich auch eine Reise ausmachen. 

Im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg leben derzeit zw. 15 und 20 Priester. Der Schutzpatron des Stiftes ist der hl. Georg. Von einer anwesenden Führerin erfahre ich, dass der hl. Georg auch der Schutzpatron der Reisenden ist. Welch besseren Schutzpatron kann ich mir für meine Wanderung wohl wünschen!

Ich durchquere nun das nördliche Mostviertel und erreiche am Abend Würmla, wo ich im GH Burger übernachte. Hin und wieder eine Matratze und vor allem eine Dusche tut doch auch gut.

04.05. Heute liegt eine längere Etappe bis Purkersdorf vor mir und so bin ich wieder frühmorgens auf meinen Beinen. Die Wanderung über den Troppberg wird nichts da am Riederberg ein ordentliches Gewitter mit starkem Regen und Hagel aufzieht und ich gerade noch in der Autowerkstatt am Riederberg Unterschlupf finde. Bei einem Automatenkaffee betrachte ich das Treiben draußen und nachdem sich wieder alles verzogen hat, trabe ich die letzten Kilometer via Gablitz nach Purkersdorf runter. In der Jugendherberge kann ich endlich wieder einmal mein Gewand waschen und Thomas, der Leiter der JH, bietet mir sogar ein Fußbad an, das ich dankenswerterweise annehme. Fast jeden Abend reibe ich mir die Füße mit Hirschtalg ein und so hatte ich bisher noch keine Probleme mit Blasen oder ähnlichem. Gut bereift fährt sich besser gilt auch bei den Fußgängern… 🙂

05.05. Vor 6h bin ich bereits wieder auf den Beinen und es liegen noch Nebelschwaden entlang des Wien Flusses als ich Richtung Hietzing marschiere. Ich mache noch aus nostalgischen Gründen einen kurzen Abstecher zu meiner früheren Wohnung in der Hagenberggasse bevor ich mich im Café Schwarz mit Iris treffe. Sie zeigt mir danach auch noch ihre neue Wohnung in der Wittegasse bevor ich weiter Richtung Stephansdom ziehe. Liebenswerterweise gibt sie mir auch noch den Schlüssel für ihre andere Wohnung in der Salztorgasse in der Innenstadt mit, wo ich die nächsten zwei Tage bleiben werde. In der Mahü kaufe ich mir vorsorglich noch einmal dieselben Schuhe, mit denen ich jetzt gehe. Bei Bedarf schickt sie mir diese nach, sollte ich unterwegs einmal nichts Passendes finden. Im Stephansdom zünde ich ein Kerzerl an bevor ich mich in der Salztorgasse einquartiere.

06.05. Sitz grad im Café Castelleto wo ich diesen Beitrag schreibe und werde heute noch einige Sachen erledigen bevor ich morgen weiter gehen werde.

Wirklich viel erledigt habe ich allerdings nicht mehr. Vielmehr nützte ich die Zeit noch um im Café Prückel Isi mit ihrem zwei Monate alten Sohn Jonas zu treffen. Anschließend lernte ich im Stadtpark auch noch ihren Freund Christopher aus Kenia kennen.

07.05. Es war schön einmal zu Fuß von mir zuhause im Schallenberg nach Wien zu gehen. In die Stadt, in der ich studiert, gearbeitet und fast 30 Jahre meines Lebens verbracht habe. Um 06:30 starte ich dann heute meine Wanderung am Schwedenplatz dem Donaukanal Richtung Schwechat. Hier telefoniere ich wieder einmal mit Adi und gratuliere ihm zum Geburtstag. Es geht weiter Richtung Schwadorf und kurz danach erwischt mich ein Gewitter. So kann ich gleich meine sexy Regenbekleidung testen und komme letztlich relativ trocken beim Heurigen Purkharthofer in Stixneusiedl an.

Berni Purkharthofer, der Besitzer, bietet mir an in seinem Zirkuswagen inmitten der Weinberge zu übernachten. Wer kann so ein Angebot schon ablehnen… 🙂

Am Donaukanal entlang Richtung Schwechat – im Hintergrund direkt hinter mir ist auch das IBM Gebäude zu sehen

08.05. Nach ca. zwei Stunden Morgensport erreiche ich das hübsche Städtchen Bruck an der Leitha. In einem Café gibt’s wieder ein Telefonat, diesmal mit Frau Chefin namens Mutter, es ist ja Muttertag… 🙂 Kurz vor Neusiedl am See treffe ich am Radweg Erich Klinger, einen ehemaligen Bioweinbauer aus Apetlon. Es gibt viele Neuigkeiten und letztlich wünscht er mir alles Gute auf dem Weg.

Isi empfahl mir Camping Paula in Frauenkirchen zum Übernachten. Am Telefon erkundige ich mich bei Helmut Hochedlinger ob der Campingplatz eh schon offen hat. Helmut bejaht und erkundigt sich telefonisch bei mir über die Sicherheitslage Richtung Süden, da er diesen Weg auch bald gehen möchte. Nach ca. 5 Minuten meinte er kurzerhand am Telefon: So, und jetzt hast Du Dir gerade eine Übernachtung bei mir verdient! Bei meiner Ankunft um 18:30 (nach 43 km) tischt er sofort auf und meint, dass er mir auch ein Zimmer gibt. Er ist auch schon einmal zu Fuß nach Rom und Santiago de Compostela gegangen und weiß, dass Pilger letztlich auch Hilfe brauchen um das Ziel zu erreichen. Nach einer Dusche bringt er mir auch noch ein Tablette voller Essen vorbei und meint letztlich ‚Buen Camino‘ – Guten Weg. Unglaublich diese Hilfsbereitschaft, mir wurde dies in dieser Form noch nie zuteil!

09.05. Siegfried, ein IBM Arbeitskollege aus Gols, hat sich angesagt und wir treffen uns um 08:30 in der Bäckerei Goldenitsch am Zicksee auf ein Frühstück. Er gibt mir noch einige Tipps mit auf meinem Weg durch Ungarn und Serbien, Länder, die er sehr gut kennt. Via St. Andrä bin ich nun nach Andau gegangen, wo ich gerade im nächsten Café sitze. Ich mache gerade Pause, da es jetzt zumittag schon recht warm wird und werde später noch über die Grenze nach Ungarn gehen.

Fazit: Es waren wunderschöne zwei Wochen vom Mühlviertel via der Wachau und Wien hierher ins Burgenland. In der Zwischenzeit bin ich gut eingegangen, das Hirschtalg tut immer wieder gut und auch das Wetter blieb mir bisher hold. Die Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft ist wohl die größte Überraschung bisher, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe. Buen Camino!

Gesamtkilometer: 427

ASIEN – 2 1/2 Jahre Abenteuer

LIVE-Multivisionsvortrag von Georg Richtsfeld

In mehr als 90 Ländern war Georg Richtsfeld bereits unterwegs, vorwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln aller Art. Im Vortrag „ASIEN – 2 1/2 Jahre Abenteuer“ berichtet der Reisende von seinem Streifzug durch mehr als 30 verschiedene Länder bis in den Osten Indonesiens und Japan. Schließlich kehrt er mit der transsibirischen Eisenbahn wieder zurück nach Europa ohne während seiner gesamten Reise in einem Flugzeug gesessen zu sein. Ein Vortrag voller Abenteuer, Begegnungen und der Erkenntnis, mit wenig glücklich zu sein.

Ort: Haus am Ring, Bad Leonfelden

Termin: Do, 23. September 2021, Start: 19:30

Eintritt: € 10,00

Reservierungen unter: www.georgrichtsfeld.info/termine

Weitere Termine:

Do, 30. September, 19:00 → Café Prückel, Stubenring, Wien

Mi, 20. Oktober, 19:00 → Stadttheater, Gmunden

Mi, 27. Oktober, 19:00 → Volkshaus Kleinmünchen, Linz

NEPAL – INDIEN: Trekking im Himalaya und Südindien

LIVE-Multivisionsvortrag von Georg Richtsfeld

In mehr als 90 Ländern war Georg Richtsfeld bereits unterwegs. Vorwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln aller Art. Am liebsten aber zu fuß mit dem Rucksack. Im Vortrag „Nepal – Indien: “Trekking im Himalaya und Südindien“ berichtet der Reisende von seinen intensiven Wanderungen, die ihn durch verschiedene Bergregionen Nepals, in den Süden Indiens und wieder zurück nach Nepal führte. Ein Vortrag voller Abenteuer, Begegnungen und der Erkenntnis, mit wenig glücklich zu sein.

Ort: Haus am Ring, Bad Leonfelden

Termin: Do, 15. Oktober 2020, Start: 19:00

Eintritt: € 10,00

Reservierungen unter: www.georgrichtsfeld.info

Weitere Termine:

Mi, 21. Oktober, 19:30 → Stadttheater Gmunden

Do, 29. Oktober, 19:00 → Café Prückel, Stubenring, Wien

Mi, 04. November, 19:00 → Volkshaus Dornach, Linz

Mo, 09. November, 19:15 → Atrium Bad Schallerbach

Mt. Everest (8.8.48m) im Abendlicht

NEPAL 2020 – Teil 1

Kathmandu

Ca. 20.02.2020: Zurueck von Indien mache ich mich voller Tatendrang an meine naechsten Wanderplaene. Da hier noch Vorsaison ist beschliesse ich den Annapurna Circuit zu gehen und besorge mir beim National Tourism Board das notwendige permit und die TIMS Card. Im Anschluss daran bietet sich auch Mustang an. Fuer Upper Mustang braucht man allerdings ein special permit und einen guide. Der ist schnell mit Rudra gefunden, den ich letztes Jahr in der Everest Gegend kennenlernte. Wir vereinbaren, dass er mit dem permit nach Kagbeni nachkommt (nachdem ich den Annapurna Circuit beendet habe) und wir dann gemeinsam nach Upper Mustang gehen.

Am 21. Februar wird hier Maha Shivaratri gefeiert, die Nacht des Buddha und auch offiziell Fruehlingsbeginn in Nepal. Ich gehe an diesem Tag zum hinduistischen Patupashinat Tempel wo ueberschwenglich gefeiert wird. Die wahren Stars sind hier allerdings die saddhus (heiligen Maenner), die es geniessen im Mittelpunkt zu stehen.

Annapurna Circuit

Am 23. Februar geht dann die naechste Wanderung los und ich fahre mit einem Bus von Kathmandu nach Besisahar. Hier beendete ich vor einigen Jahren den Manaslu Circuit, diesmal starte ich von hier den Annapurna Circuit. Ich quartiere mich im Manaslu GH ein und Vishnu, der Besitzer, gibt mir noch einige gute Tipps mit auf den Weg. Am Weg nach Bahundanda beginnt es zu regnen und ich mache in Ngadi Halt wo ich zumittag esse. Nachdem der Regen nachgelassen hat gehe ich noch bis Bahundanda weiter, wo mich die Schwester von Vishnu schon in Ihrem Super View Hotel erwartet.

Am Weg nach Tal, Annapurna Circuit

Naechste Station ist Jagat. Kurz davor biege ich beim Rainbow Hotel rechts nach Chipla und Upper Chipla ab, wo ich allerdings im ganzen Dorf keine Unterkunft finde. Unterhalb von Upper Chipla treffe ich einen Einheimischen, der mir ein Zimmer anbietet. Den ganzen Nachmittag regnet es leicht und ich bin froh ein Dach ueber dem Kopf zu haben. Am naechsten Morgen zeigen sich die Berge in einem weissen Mantel, es hat in der Nacht geschneit. Ich gehe dann nach Jagat hinunter und am Weg nach Chyamche erfahre ich, dass meine geplante Route von Manang zum Tilicho See derzeit nicht gehbar ist, einfach noch zuviel Schnee. Auch soll der Thorong Pass (5.416m) fruehestens erst in ca. 1 Woche passierbar sein, sofern es in der Zwischenzeit nicht nochmal schneit. Und ich denke mir, das wuerde gut passen, da ich eh noch ca 8 bis 9 Tage bis zum Pass unterwegs bin. Und ich hoffe natuerlich, dass es nicht wieder neu zu schneien beginnt… Im Dorf Tal wird Losar, das tibetische Neujahr, gefeiert und ich kann im buddhistischen Tempel einige Feierlichkeiten beobachten.

Girl Power in Tal, Annapurna Circuit

Naechste Etappe bergaufwaerts ist via Karte und Dharapani nach Timang. Von hier ist die Westseite des Manaslu schoen zu sehen und es kommen Erinnerungen an fruehere Tage auf. Der Manaslu sieht allerdings von der Westseite ganz anders aus als ich ihn von meiner Umrundung in Erinnerung hatte.

Westseite des Manaslu, mit 8.163m der achthöchste Berg der Welt
Die Abende mit den Einheimischen vor dem offenen Feuer waren unvergesslich, hier in Timang

In Chame verbringe ich wie so oft bisher den Abend alleine mit den Nepali. Unglaublich, dass sich auf diesem Circuit nichts tut, ist er doch sonst ueberlaufen wie fast keine andere Route in Nepal. Eine Einheimische weist mich allerdings schon darauf hin, dass das nichts mehr mit Vorsaison zu tun hat sondern mit Corona. Letztes Jahr um diese Zeit sei hier bereits Vollbetrieb gewesen, meint Sie dann noch… Am Weg nach Upper Pisang treffe ich Tushal, einen Nepali aus Kathmandu, mit seinem guide Jagat. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und gehen ab nun gemeinsam Richtung Thorong Pass. Am Weg nach Braga tut sich bereits das gesamte Annapurna Massiv auf, wunderbare Bergwelt. In Braga bleiben wir dann gleich zwei Naechte um einen Tagesausflug zum ca 4.900 Meter hochgelegenen Eissee zu machen. Quasi als Akklimatisationstour fuer den Pass. Tushal hat Schwierigkeiten mit der Hoehe und so gehe ich alleine zum Eissee rauf. Es ist mehr die Aussicht von hier oben die beeindruckt. Vom See selbst ist zu dieser Jahreszeit nichts als Schnee auf dem Eis zu sehen.

Am Weg zum Eissee. Im Tal das Dorf Braga mit dem Tilicho Peak im Hintergrund
Chörten mit der Annapurna Range im Hintergrund. Hier Annapurna III (7.555m).
Das Kloster von Braga
Neugierige Besucher in der Nähe des Klosters in Braga

In Braga erfahre ich von Jagat, dass Tushal unbedingt heute noch gegen Abend nach Manang gehen will, er moechte unbedingt zum Tilicho See. Nach einer kurzen Unterredung mit Tushal kann ich ihn dann doch noch ueberreden hier zu bleiben und Ruhe zu bewahren. Wenige Minuten spaeter erfahren wir auch, das die Route zum Tilicho See die naechsten 7 bis 10 Tage nicht moeglich ist. Wie gesagt, es hatte zuviel geschneit… Letztlich sieht das jetzt auch Tushal ein und ich muss ihm versprechen, mit ihm gemeinsam ueber den Pass zu gehen, dann will er weiter gehen. Was ich letztlich auch mache… So steht einem gemeinsam Weitergehen nichts mehr im Wege und am Weg nach Yak Kharka machen wir in Manang noch eine kurze Shoppingtour. Ich kaufe mir vor allem noch Spikes, die ich ueber meine Wanderschuhe ziehen kann. Speziell der Teil nach dem Pass runter nach Muktinath soll eine Rutschpartie werden, wir werden sehen… Den Nachmittag verbringe ich in Yak Kharka mit Tushal, einem Traeger und Rieke, einer Deutschen, mit Kartenspiel was uns allen viel Spass macht. 04.03. Am Morgen esse ich wie fast immer Milchporridge und trinke Ginger Lemon Honey Tea, der fuer den Hals gut ist und Halsschmerzen vorbeugt. Nach einer kurzen Pause in Thorung Phedi geht es ziemlich steil bergauf ins High Camp auf 4.900 Meter Seehoehe.

Steiler Anstieg zum High Camp (ca. 4.900m)
Mit Jagat im High Camp (ca. 4.900m).

Am Nachmittag ist es eiskalt in der Unterkunft, erst am Abend wird Feuer gemacht. Ich verzieh mich bald unter meine 3 Decken, die ich mir rechtzeitig gesichert habe. Das Gewand habe ich beim Schlafen schon seit Beginn der Wanderung nicht mehr ausgezogen…:-)

05.03. In der Nacht hat es noch leicht geschneit, in der frueh ist es aber wieder sternenklar. Wir haben Glueck, gutes Wetter! Die Nacht hatte ich allerdings kein Auge zugemacht, den Anderen erging es aehnlich. Um 04:30 essen wir noch unser Fruehstueck und um ca 05:00 morgens starten wir dann bei Finsternis mit unseren Stirnlampen und Spikes. Es ist klirrend kalt und ein wunderschoenes Erlebnis in dieser Bergwelt auf ca 5.000 Meter Seehoehe den Sonnenaufgang zu erleben. Relativ zuegig erreichen wir dann so gegen 08:00 den Thorong La, mit 5.416 Metern Seehoehe einer der hoechsten Paesse hier in Nepal. Auch Tushal hat sich gut gehalten und wir sind alle uebergluecklich hier oben stehen zu duerfen. Nach dem ueblichen Fotoshooting machen wir uns frueh zum Abstieg nach Muktinath bereit.

Mit Jagat, Tushal und Rieke am Thorong La, mit 5.416 Metern Seehoehe einer der hoechsten Paesse hier in Nepal.

1.700 Hoehenmeter bergab auf rutschigem Boden gehen fast noch mehr rein als der Aufstieg. Die Spikes machen sich jetzt bezahlt… In Muktinath quartieren wir uns auf 3.700 Meter Seehoehe im Town House ein und den Abend verbringen wir mit Feiern. Apfelbrandy aus Marpha im Mustanggebiet hilft uns dabei.

Am Abend wurde im Town House Hotel in Muktinath mit Apfelbrandy aus Marpha gefeiert

Die folgende Nacht schlafe ich durch wie ein Murmeltier, der Koerper holt sich was er braucht. Am naechsten Morgen fahren die meisten mit dem Bus zurueck nach Kathmandu oder gehen weiter. Ich lege hier einen Rasttag ein und gehe zum Vishnu Tempel, einem vor allem den Indern sehr heiligen Tempel. Es scheint die Sonne und es herrscht sehr angenehme Stimmung mit all den Indern, die hier im eiskalten Wasser vor dem Tempel auch ein Bad nehmen um sich zu reinigen. Da ich seit Beginn der Wanderung keine Dusche mehr hatte bestelle ich mir im Hotel einen 10 Liter Kuebel heisses Wasser mit dem ich mich mit einem kleinen Kuebelchen dusche. Es gibt nichts ueber eine warme Dusche und frische Kleider…:-)

Fazit

Ich haette nie gedacht, dass ich die Annapurna Umrundung fast menschenleer vorfinden wuerde, ist sie doch wohl eine der beliebtesten Trekkingtouren in Nepal. Somit war ich in jeder Unterkunft ein gern gesehener Gast und konnte die Abende mit den Einheimischen beim offenen Feuer in der Kueche verbringen. Landschaftlich wunderschoen mit tropischer Vegetation am Beginn bis hinauf zu den weissen Bergriesen der Annapurna Range. Im Nachhinein war es persoenlich fuer mich eher einer der leichteren Paesse in Nepal, vor allem aber auch weil wir gutes Wetter hatten!