PALÄSTINA/ISRAEL – Teil 3 (Jerusalem – Bethlehem – Hebron – Arad – Masada – Totes Meer)

14.01. Nachdem ich gestern Abend nach dem unerwarteten Shabbat Dinner ziemlich spät ins Bett gekommen bin schlafe ich heute früh bis nach 8h und gehe dann so um 9h weg vom Abraham Hostel Richtung Bethlehem. Ich verabschiede mich noch einmal vom Jaffator und Berg Zion und erreiche gegen Mittag Bethlehem.

Am Weg nach Bethlehem – im Hintergrund der Berg Zion außerhalb der Altstadt von Jerusalem

Bethlehem liegt ja im Westjordanland (West Bank) und so gilt es einen Checkpoint zu passieren bevor ich in die Geburtsstadt von Jesus komme.

Graffities an der Mauer, die Palästina (das Westjordanland) von Israel abgrenzt – in Bethlehem

Im Bunksurfing Hostel gibt mir Salah ein Bett in einem Schlafsaal für 50 Schekel, das allerdings ohne Frühstück. Dann erkundige ich noch einmal die Stadt mit ihrem alten Markt und der Geburtskirche Jesus.

Geburtskirche von Jesus
In der Grotte der Geburtskirche von Jesus, hier soll Jesus geboren sein – in Bethlehem
Katharinenkirche in Bethlehem

Gegen Abend telefoniere ich mit Muttern und esse dann noch Falafel mit Humus bevor ich wieder in die Unterkunft zurückkomme.

Junger Palästinenser beim Falafelmachen – in Bethlehem

15.01. Um halb 6 in der Früh trinke ich noch Tee in der Unterkunft und esse die restlichen Falafel von gestern bevor ich mich auf den Weg nach Hebron mache. Auf dem Weg nach Hebron stehe ich manchmal auch bei einem Zaun an und muss einen Umweg gehen. Zweimal gehe ich auch durch ein Zone A Gebiet, in dem es Israelis nicht erlaubt ist, sich dort aufzuhalten.

Straßenschild ‚Area A‘ – Zutritt für Israelis strengstens verboten; auf dem Weg von Bethlehem nach Hebron im Westjordanland/Palästina

Gegen 16h erreiche ich dann die Stadt Hebron und beide Hostels, die ich in der Altstadt anvisiert habe, sind geschlossen – Corona macht es möglich.

Palästinensisches Autokennzeichen

Einheimische zeigen mir auf der Karte das Hotel Hebron, in dem ich mich für 130 Schekel die Nacht einquartiere, inklusive Frühstück. Am Abend esse ich wieder einmal Falafel, lasse mir den Bart rasieren und trinke in der Rezeption noch einen gemütlichen Tee bevor ich mich ins Zimmer begebe.

16.01. Pünktlich um 7h gibt es Frühstück wurde mir gesagt und ich mache reichlich Gebrauch davon. Dann gehe ich wieder durch die Altstadt und den Markt wo die ersten Ständchen aufmachen und die Frühaufsteher ihren ersten Kaffee genießen.

Morgens in Hebron…

Im Grab des Patriarchen schaue ich mir sowohl die Ibrahim Moschee als auch die Synagoge an. Das Grab des Patriarchen ist nach der hebräischen Bibel das Familiengrab der Erzeltern der Israeliten. Hier sollen Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob und Lea bestattet sein.

Grab des Patriarchen – in Hebron
In der Ibrahim Moschee im Grab des Patriarchen – in Hebron
Grabmal von Abraham – in der Synagoge des Grabes des Patriarchen

Hebron ist auch geteilt und neben dem größeren arabischen Teil gibt es auch einen kleinen jüdischen Stadtteil, der streng abgeriegelt ist. Selbst das Grab des Patriarchen ist zweigeteilt und in der Synagoge beobachte ich Juden beim Beten und wie sie die Thora, die heilige Schrift, öffnen und daraus beten.

Beim Beten aus der Thora – in der Synagoge des Grabes des Patriarchen

Ich durchstreife heute noch einmal Palästina bzw das Westjordanland bis in den äußersten Süden und zurück nach Israel und Lev Yatir, wo mich ein Trail Angel beherbergen wird. Als ich den jüdischen Stadtteil beim Checkpoint in Hebron verlasse, meint der Soldat ich gehe in ein gefährliches Land, nach Palästina. Unbegründet wie ich finde…

Dieser Israelische Soldat warnte mich vor Palästina…

Kaum in Palästina angekommen werde ich zum Kaffee eingeladen. Wenig später beobachte ich zwei junge Männer wie sie mit den Eseln das Feld pflügen.

Einladung zum Kaffee – außerhalb von Hebron
Kinder außerhalb von Hebron
Pflügen in Palästina…

Auch hier mache ich halt, trinke frischen Orangensaft und versuche mich selbst dann auch noch beim Pflügen – gar nicht so einfach.. 😉

Gegen 16 treffe ich dann im Haus von Odeliya ein. Sie ist ein Trail Angel entlang des Shvil, des Israelischen Fernwanderweges. Trail Angels sind Leute, die Wanderern für eine Nacht ein Bett, eine Dusche und ein Nachtmahl zur Verfügung stellen. Und das alles gratis und sie machen es vor allem gerne. Mit Odeliya verstehe ich mich auf Anhieb gut. Sie stammt aus einer national orthodoxen Familie und hat mit ihrem Mann Aron sechs Kinder. Dementsprechend ist viel los an diesem Abend und speziell mit der 4 1/2 jährigen Ruth habe ich viel Spaß.

Abendessen bei Odeliya – full house!
Ruth, links unten, war mein Liebling – ausgelassene Stimmung im Hause von Odeliya

17.01. So gegen 7h frühstücken wir dann noch alle gemeinsam und ich begleite Odeliya noch gemeinsam mit Ruth zum Kindergarten bevor ich mich von dieser herzlichen Familie verabschiede. Heute bin ich wieder mit einem Trail Angel verabredet, dieses Mal ist es Einav von Arad. Auch hier werde ich herzlich empfangen, ich dusche und bekomme zum Essen Couscous mit Gemüsesuppe. Dann kaufen wir in einem Supermarkt noch für den kommenden Shabbat ein und ich kaufe auch Proviant für die nächsten Tage. Brot, Käse, Thunfischdosen, Nüsse, Datteln, etc… Am Abend unterhalte ich mich noch lange mit der Frau von Einav, die mir viel über ihre sechs Kinder, ihre Krankheit, etc… erzählt. Einav gibt mir noch wertvolle Tipps für den Shvil, Wasserversorgung, Gefahren, etc…

Einav mit seiner Frau – Trail Angels in Arad am Rande der Wüste Judäa – vielen Dank!!!

18.01. Ich schlafe heute etwas länger, da ich gestern mit der Frau von Einav ausgemacht habe, mit ihr gemeinsam noch Fleisch einzukaufen. Und ich musste auch noch Geld auf meine lokale Partner SIM Karte laden, da das eine Monat bald um ist und es Richtung Eilat in der nächsten Zeit keine Möglichkeit mehr geben wird. Gegen Mittag sind wir dann wieder zurück in ihrem Haus und ich mache mich auf den Weg zum Birkat Tzfira Campingplatz, der ca. 15km von Arad entfernt liegt.

Orange/Blau/Weiß – die Wegmarkierung des Shvil (israelischer Weitwanderweg)
Am Weg durch die judäische Wüste zum Toten Meer

Durch ein ausgetrocknetes Flußtal gelange ich schließlich zum Campingplatz. Es gibt hier allerdings keine Infrastruktur und auch kein Wasser. Junge israelische Soldaten füllen mir wieder meine Wasserflaschen nach. Die Nächte hier in der Wüste sind wunderschön und der Sternenhimmel scheint zum Greifen nahe.

Birkat Tzfira Campingplatz – ich teile mir den Platz mit israelischen Soldaten
Mit zwei Soldaten am Birkat Tzfira Campingplatz – der junge Mann in der Mitte gab mir noch wertvolle Tipps mit auf den Weg, er ging den Shvil selber schon einmal – Danke!
Straßenschild am Weg zum Toten Meer

19.01. Es war heute meine erste Nacht im Zelt wieder einmal nach längerer Zeit und irgendwie habe ich nur wenig geschlafen. In der Früh laden mich die Soldaten noch zum Frühstück ein und geben mir Obst mit auf den Weg. In Israel dauert der Heerdienst drei Jahre für die Jungen, für die Mädchen immerhin auch zwei Jahre. Dann marschieren sie in ein ausgetrocknetes Flußtal wo sie Kletterübungen machen werden. Ich gehe weiter auf dem Shvil (Israelischer Weitwanderweg) und erreiche nach ca. einer Stunde einen wunderschönen Aussichtspunkt auf das Tote Meer, das tief unter mir liegt.

Blick von der judäischen Wüste auf das Tote Meer

Hier erreiche ich Herbert und Muttern und hoffe, das alles gut geht. Herbert, vielen Dank auch Dir hier an dieser Stelle! Dann gehe ich hinunter zum West Campground Masada, wo ich etwas warten muss bis ich mein Zelt aufstellen kann. Ich esse zumittag und verbringe die Mittagszeit mit weiteren Telefonaten. Gegen 14h lassen sie mich dann doch rein zum Campingplatz und nachdem ich mein Zelt aufgestellt habe, gehe ich noch zur verfallenen Wüstenfestung von Masada hinauf. Vor ca. 2.000 Jahren ließ sich hier der jüdische Klientelkönig Roms Herodes eine Palastfestung auf einem Gipfelplateau am Rand der judäischen Wüste, hoch über dem Toten Meer, erbauen. Es war während des jüdischen Krieges gegen die Römer ca. 70 n. Chr. der letzte Zufluchtsort. In aussichtsloser Lage sollen die jüdischen Rebellen hier Selbstmord begangen haben bevor die Römer auch diese Festung eingenommen haben und den jüdischen Krieg für sich entschieden haben.

Masada – eine Palastfestung aus römischer Zeit hoch über dem Toten Meer

Ich sitze derzeit gerade beim Wächter des Campingplatzes in seinem Häuschen und schreibe diese Zeilen. Es ist hier vor allem warm und es gibt WLAN. Ein Schwätzchen mit dem arabisch sprechenden Süleiman, so heißt der Wächter, darf natürlich auch nicht fehlen.

20.01. Noch im Finsteren gehe ich noch einmal auf den Zufluchtsfelsen vieler Juden vor 2.000 Jahren und genieße hier den Sonnenaufgang über dem Toten Meer.

Sonnenaufgang mit Blick auf das Tote Meer auf der Palastfestung Masada

So gegen 10h bin ich dann wieder startklar und über einen Bergrücken mit immer schöner Aussicht auf das Tote Meer komme ich so gegen 15h am Campingplatz in En Bokek direkt am Toten Meer an.

Blick von einem Bergrücken auf die Palastfestung Masada

Hier wird bereits fleißig gegrillt und als ich einige Palästinenser um einen Supermarkt frage, bringen sie mir umgehend Brot, gegrilltes Fleisch und Essiggurkerl für 3x Essen vorbei – – > Vielen, vielen Dank Sirs!!! Eure Hilfe kommt gerade zur rechten Zeit… Es gibt allerdings auch noch ganz in der Nähe einen kleinen Supermarkt, wie sie mir erklären, der rund um die Uhr offen hat. Nach drei Spiessen, Brot und Gurkerln kaufe ich dann im Supermarkt noch Müsli, einige Packerl Suppen, Walnüsse, Cola, etc… Die nächsten Tage werde ich keine Einkaufsmöglichkeiten haben. Den Abend verbringe ich am salzreichen Toten Meer und genieße den Wechsel der Farben beim Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang am Toten Meer – Salz wie hier am Strand im Vordergrund gibt es jede Menge

Neben mir zeltet auch noch Valentine aus Weißrussland, die schon 20 Jahre hier in Israel in der Nähe von Haifa wohnt und wir unterhalten uns ein wenig während hier bei den Palästinenser Partystimmung herrscht.

Gesamtkilometerca. 5.195

Fazit: Nach drei Wochen Pause vom Wandern war ich wieder voller Tatendrang auf neue Abenteuer und machte mich so auf meinen Weg zurück nach Hause. Sowohl in Palästina als auch bei den Israelis erfuhr ich immer wieder große Gastfreundschaft – vielen Dank allen dafür! Die nächste Zeit werde ich jetzt in der Wüste Negev verbringen bevor ich wieder zurück nach Jordanien gehe. Hier wartet noch ein weiterer Höhepunkt auf mich – die Felsenstadt Petra!

2 Kommentare

    Holly Fredi

    Hallo Georg, wieder ein schöner Reisebericht, wie warm oder kalt ist es da unten eigentlich? 🤔 Da hast du noch eine schöne Strecke vor dir, wünsche dir weiterhin alles Gute. Liebe Grüße aus St. Veit, Fredi 👍👣

      Georg

      Hallo Fredi,
      vielen Dank und derzeit habe ich nachts ca. 10 Grad, untertags ca. 20 Grad, also ideal zum Gehen…
      Liebe Grüße nach St. Veit und alles Gute dir auch, Georg ✌️🙋‍♂️

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