JORDANIEN – Teil 1 (Amman – Ar-Ramtha – Jerash – Amman – Madaba – Totes Meer (Swemeh))

04.12. Da Syrien leider weiterhin nicht bereisbar ist, fliege ich von Antakya (Türkei) via Ryad (Saudi Arabien) nach Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Beim Landeanflug auf Ryad ist schön die arabische Wüste zu sehen. Nach einem kurzen Aufenthalt am Flughafen von Ryad geht es dann nach Amman.

Am Flughafen von Ryad, Saudi Arabien

Hier wartet bereits der lustige Taxifahrer Waleed vom Wanderers (Battuta) Hostel auf mich. Er bringt mich gegen 22h gut in die Unterkunft, in der ich hier die nächsten Tage verbringen werde. Ich werde freundlich empfangen und bekomme ein Bett im 4 Bett Zimmer zugeteilt, in dem ich derzeit alleine bin. Ich schlafe früh ein.

05.12. Was weiß ich eigentlich schon über Jordanien? Nicht wirklich viel… Dass es ein Königreich ist und als eines der stabileren und sicheren Länder im Nahen Osten gilt. Sonst ist es wieder völliges Neuland für mich. Die Sprache (Arabisch), die Leute und deren Mentalität und auch das Essen. So brauche ich tatsächlich ein wenig mich hier einzugewöhnen. Gebt mir ein paar Tage Zeit ihr Araber, dann gehöre ich euch…:-) Auch das Preisniveau ist für mich nach der Türkei wieder etwas gewöhnungsbedürftig. Am Morgen bereitet mir Hamdi, ein Syrer aus Aleppo, ein Frühstück auf der Terrasse zu.

Hamdi, der Syrer aus Aleppo, reicht mir das Frühstück. Es gibt Fatteh, ein beliebtes levantinisches Frühstückgericht mit gerösteten Brotstücken, Joghurt, Kichererbsen, Knoblauch, etc… – auch in Damaskus, Syrien ein beliebtes Frühstück, wie er mir wissen lässt

Er ist bereits 10 Jahre hier und schickt regelmäßig das Geld, das er hier verdient, an seine Eltern und seine Familie nach Hause. Zurück kann er nicht, da er sofort zur Armee eingezogen werden würde. Alles was er sich wünscht ist einmal seine einjährige Nichte umarmen zu können, sehr berührend solche Gespräche und Begegnungen.

Ibrahim vom Hostel gibt mir dann eine SIM Karte von der Firma Umniah, mit der ich im ganzen Land zurecht kommen sollte. Im Anschluss daran erkundige ich ein wenig die Stadt und besichtige das römische Theater und die Zitadelle, alles Zeugnisse einer wirklich alten Stadt.

Römisches Theater in Amman
Mit Jordaniern im römischen Theater
Jungs beim Fußballspiel vor dem Herkulestempel – auf der Zitadelle von Amman
Blick auf die Stadt und das römische Theater – von der Zitadelle in Amman

Als erstes fällt mir auf, dass die Stadt sehr hügelig ist und es immer irgendwie auf oder ab geht. Sehr schönes Markttreiben im Markt neben der Husseini Moschee.

Am Markt neben der Husseini Moschee
Datteln gehören hier zum täglichen Essen – hier am Markt neben der Husseini Moschee

Es leben hier viele geflüchtete Palästinenser, Syrer und auch Ägypter, ein buntes Völkergemisch also.

06.12. Zum Frühstück gibt es heute Fladenbrot mit Humus und Foul, ein warmes Bohnengericht. Dann erkunde ich heute die andere Seite der 2 Millionen Einwohnerstadt rund um die Abdullah I Moschee, die vor allem mit ihrer blauen Kuppel auffällt.

König Abdullah Moschee in Amman – bis 2006 Nationalmoschee des Landes

Ich esse zumittag Falafel, trinke arabischen Tee und schaue mir dann im Anschluss auch noch das Museum of Fine Arts an.

‚Immigration‘ – im Museum of Fine Arts
‚Verschleierte Frauen‘ – im Museum of Fine Arts

Den Abend verbringe ich in einem Shishacafe und wir schauen uns alle das Fußballspiel Marokko gegen Spanien an. Die Jordanier stehen hinter Marokko als wäre es ihr eigenes Land und dementsprechend wird auch der Sieg im Elfmeterschießen gefeiert.

07.12. Nachdem mir ja am Flughafen meine Gaskartusche abgenommen wurde, versuche ich heute mein Glück im Markt in der Nähe der Husseini Moschee.

Der Koran, heiliges Buch der Moslems – hier in der Husseini Moschee im Zentrum Ammans

Allerdings ohne Erfolg, da hier welche mit einem Drehgewinde nur in riesiger Größe erhältlich ist. Es gibt sie in Jordanien nicht kleiner und so warte ich damit wenn ich nach Israel kommen werde.

Rainbow Street – eine der Hauptstraßen in Amman

Zumittag esse ich im ‚Restaurant Jerusalem‘ Mansaf, das Nationalgericht Jordaniens. Es ist ein arabisches Gericht und besteht hauptsächlich aus Reis und Lammfleisch. Dann telefoniere ich wieder einmal mit meiner Mutter, es stehen einige Entscheidungen an.

Arabischer Kaffee wird direkt über der Flamme zubereitet

Den Nachmittag gehe ich dann noch zur Abu Darwish Moschee und zu einer armenischen Kirche von wo man einen sehr schönen Blick auf die Stadt hat.

Steile Stiegen – ein ewiges Auf und ab in Amman

Den Abend verbringe ich wieder einmal in der Unterkunft wo ich hier gerade die letzten Ereignisse niederschreibe.

08.12. Am Morgen frühstücke ich noch einmal auf der Terrasse des Hostels.

Blick auf den modernen Stadtteil von Amman mit der König Abdullah Moschee – von der Terrasse des Hauses aus

Ludwig, ein Deutscher aus München, ist gerade aus Israel zurückgekommen und gibt mir einen ersten Eindruck von diesem Land. Danach besuche ich noch das Jordan Museum und sitze gerade im Jerusalem Restaurant bei Kaffee und Wasser.

Landesflagge von Jordanien – im Jordan Museum

Ich werde heute noch einen geruhsamen restlichen Tag in Amman verbringen. Da an einem Freitag hier in Jordanien so gut wie keine Busse gehen werde ich morgen versuchen mit einem ’shared taxi‘ nach Ar-Ramtha an der syrisch-jordanischen Grenze zu kommen. Ich werde dort eine Nacht bei Salaheldin verbringen bevor meine Wanderung dann wieder Richtung Jerusalem weitergeht.

09.12. Als Frühstück wollte ich heute einen Kaffee trinken gehen, allerdings Fehlanzeige. In Jordanien ist an einem Freitag so gut wie alles geschlossen. Andere Länder, andere Sitten. So kaufe ich mir ein paar Kekse in der Bäckerei und trinke Tee im Battuta Hostel. Anschließend bringt mich ein Taxi für ein paar jordanische Dinar (JD) zur Tabarbour Busstation (1 JD = 1,33€). Ich habe Glück und bin der vierte Mann in einem Auto, das nach Ramtha fährt. Die ca. einstündige Fahrt kostet 3 JD und ich erreiche bereits um ca. 11h vormittags Ramtha, die Stadt an der Grenze zu Syrien. Und als ich mich so umsehe rufen mir zwei Männer zu. Der eine ist Nawwaf, ein Jordanier aus Ramtha und handelt mit Benzin, der andere ist Mohanad, ein Syrer aus Damaskus, und verdient sein Geld mit Taxifahrten und der Ein- und Ausfuhr von diversen Gütern und Geräten zwischen Jordanien und Syrien.

V.l.n.r.: Nawaaf, Mohanad und meine Wenigkeit

So komme ich nun doch noch zu meinen Kaffee und Mohanad bringt mich dann mit seinem Taxi auch noch zur Grenze nach Syrien. Von hier geht nun also meine Wanderung weiter Richtung Süden von Jordanien und nach Jerusalem.

Geschlossene Grenze zwischen Jordanien und Syrien

Nach ca. 4 km bin ich wieder in Ramtha und ich werde sehr herzlich bei Salaheldin und seiner Familie aufgenommen. Ayoub, sein Vater, spricht auch ein wenig Englisch und so können wir uns alle gut verständigen. Wir verbringen den Nachmittag beim Plaudern, Essen und Kaffee trinken und ich erfahre von Salaheldin sehr viel über sein Land und die gesamte Nahost Region. Es ist alles sehr verwoben hier, die vielen politischen Verstrickungen und wer mit wem sympathisiert. Letztlich sei alles ’shouraba‘, wie eine Suppe… 🙂

Salaheldin mit seinem Sohn Said (auf Deutsch: Schwert) – das Gericht mit Reis und Huhn nennt sich ‚Upside-down‘ weil es aus einer Pfanne heraus gestürzt wird und so die Unterseite oben zu liegen kommt

Letztlich kommt auch noch sein Bruder Baha’a vorbei. Es ist ein reiner Männer Haushalt und gemeinsam mit Saif, dem Sohn von Salaheldin, schauen wir am Abend auch noch Fußball aus Quatar.

Baha’a, Bruder von Salaheldin, und sein Vater Ayoub

10.12. Frühmorgens, als Saif noch neben mir schläft, stehe ich auf und frühstücke gemeinsam mit Ayoub. Es war eine sehr schöne Begegnung mit ihm und seiner Familie. Zumittag erreiche ich die Ortschaft Al Husun wo ich um einen halben JD einen Falafelsandwich esse. Der Norden von Jordanien ist sehr hügelig, es geht viel rauf und runter. Die Häuser sind meistens weiß gefärbt und ohne Dach, der arabische Stil also. So erreiche ich dann so gegen 15h die Ortschaft Kitim. Zwei Männer sitzen vor ihrem Haus und einer ruft mir zu, ich solle doch auf einen Tee zu ihnen reinkommen. Ich nehme die Einladung natürlich gerne an und letztlich bekomme ich auch noch Hühnchen mit Fladenbrot zum Essen. Die zwei Männer sind Abid Arahim und sein Bruder. Dem noch nicht genug bietet mir Abid Arahim an bei ihm im seinem Haus zu übernachten. Da ich ohnehin keine fixe Unterkunft in Aussicht habe und es bereits später Nachmittag wird, nehme ich auch diese Einladung gerne an.

Abid Arahim, ein liebenswerter Jordanier, bietet mir an bei ihm in seinem Haus zu übernachten

Er erzählt mir, dass er beruflich als Soldat die Grenze zu Israel abgesichert hat und jetzt im Ruhestand mit seiner Familie und seinen sechs Kindern hier lebt. Am Abend schaue ich mir gemeinsam mit seinem Sohn und anderen jungen Jordaniern in einem Kaffee das Fußballspiel Marokko gegen Portugal an, das Marokko sehr zur Freude der Einheimischen 1:0 gewinnt. Marokko steht damit im Semifinale – Gratulation!

11.12. Abid Arahim ist ebenfalls wie ich früh auf den Beinen und richtet mir ein gutes Frühstück mit Eierspeise, Fladenbrot, Oliven und selbstgemachten Traubenmarmelade her. Dazu gibt es jordanische Tee, der mit Minze zubereitet wird. Danach verabschieden wir uns beide, es war auch dies eine sehr herzliche Begegnung. In der Ortschaft Kafr Khal esse ich wieder Falafel mit Humus und Fladenbrot bevor ich die letzten Kilometer in die historische Stadt Jerash gehe.

Neugierige Ziegen am Weg nach Jerash
Kinder nach der Ortschaft Kafr Khal
Die Ortschaft Camp Souf am Weg nach Jerash. Es ist ein ehemaliges palästinensisches Flüchtlingslager. Die Palästinenser, die hier nach der ersten Intifada 1987 hierher kamen, bekamen jordanische Pässe und sind den Jordaniern gleich gestellt.

In Jerash finde ich im Ruins Wall Hostel im Norden der Stadt eine sehr gute Unterkunft. Um 8 JD bekomme ich ein Bett in einem 6 Bett Zimmer, das ich heute mit einem Griechen namens Stavros teilen werde. Er arbeitet in London bei Canon und ist hier 10 Tage lang mit einem Mietwagen unterwegs. Es gibt auch wieder einmal eine Dusche und zu Abend esse ich noch meine restlichen Falafel vom Mittagessen.

12.12. Im Markt von Jerash trinke ich heute morgen am Hauptplatz einen Kaffee und lerne Mafiid kennen. Er spricht gut Englisch und hat in vielen TV Filmen bereits mitgespielt. Er erzählt mir viel von seinem Land und der Stadt Jerash.

Mafiid – quasi der ‚James Bond‘ von Jerash

Der heutige Tag ist allerdings dem Besuch der antiken Stadt Gerasa, dem heutigen Jerash gewidmet. Sie wird auch die Stadt der 1.000 Säulen genannt und wurde im 4. Jhdt vor Chr. von keinem Geringeren als Alexander dem Großen, dem König aus Makedonien, gegründet. Die Stadt erfuhr während der Römerzeit ihre Blütezeit bevor im Jahre 749 n. Chr. ein schweres Erdbeben die Stadt stark zerstörte und den Untergang einleitete. Heute sind noch viele Teile der Stadt gut erhalten, wie die zwei Amphitheater, der Zeus und der Artemis Tempel und vieles mehr.

Säulen vom Zeus Tempel
Blick auf die antike Stadt Gerasa, dem heutigen Jerash
Die Hauptstraße im antiken Gerasa
Artemis Tempel im antiken Gerasa
Ein Schmied bei der Arbeit – in der Stadt Jerash
In den Straßen von Jerash – das Kamelfleisch kommt frisch… vom Kamel…

13.12. Kurze Zusammenfassung von dem was mir so in den letzten Tagen auf meinem Spaziergang nach Jerusalem aufgefallen ist hier in Jordanien. Es gibt hier viel weniger Hunde als in all den anderen Ländern davor auf meiner Wanderung. Nicht das ich mich aufregen würde, ihr versteht mich… 🙂 wenn gebellt wird, dann nur ein vereinzeltes und völlig harmloses ’sich bemerkbar machen‘. Auch gibt es in den kleineren Ortschaften keine Kaffee- oder Teestuben mit Sitzmöglichkeiten. So sitze ich bei den Pausen meist auf einem Stein oder einer niedrigen Mauer. Oder eben am Boden. Dafür scheint es sich hier, zumindest im Norden des Landes, ein wenig unter den kleinen Jungs eingebürgert zu haben um Geld oder andere Wertgegenstände zu betteln. Auch werfen sie mit Steinen nach mir. Ist es die Armut, andere Mentalität oder andere Einstellung zu ‚Fremden‘, vielleicht eine Mischung davon? Ich kann es noch nicht genau sagen warum das so ist. Die Erwachsenen erscheinen mir von der Gastfreundschaft ebenbürtig mit den Türken. Ich bin heute bereits das dritte Mal privat in einer Unterkunft und wurde auch zum Abendessen eingeladen. Bei privaten Einladungen und Übernachtungen bekommst Du in der Regel die Frau des Hauses nicht zu Gesicht. Das ist einfach so hier.

Allerdings der Reihe nach was heute so geschah. In der Früh trinke ich in der Stadt Jerash Kaffee und esse Gebäck mit Käse bevor ich mich von dieser antiken Stadt verabschiede. Ich hatte gestern wirklich das Gefühl in einer antiken Stadt spazieren zu gehen. Ich war so begeistert, dass ich gestern den ganzen Tag in den antiken Ruinen verbrachte. Heute ging es dann auch wieder viel bergauf und bergab.

Einheimischer mit seinem Esel – zwischen Jerash und Al Kamshah
Am Weg nach Al Kamshah
Schulkinder am Weg nach Al Kamshah – sie wollten vor allem wissen wie ich heisse und woher ich komme…

Es ist ungewöhnlich hügelig hier, und zwar steil hügelig, sodass ich jeden Tag so ganz nebenbei auch viele Höhenmeter ‚genießen‘ kann.

Viel auf und ab im Norden des Landes

Am Abend fragte ich in der Ortschaft Al Kamshah im Supermarkt den Besitzer nach Abou Usama Asahwra. Er soll Pilgern eine einfache Unterkunft geben, wurde mir gesagt. Der Mann deutet auf ein Haus, das steil am Berg oben steht. Als ich dort ankomme, spricht eine Frau durch das Fenstergitter mit mir. Mit ihrem brüchigen Englisch erklärt sie mir, dass sie aus Syrien und Abou Usama gerade nicht hier sei. Letztlich bringen mich ihre drei lieben kleinen Töchter zu Abou Usama, der mir erlaubt bei ihm übernacht zu bleiben. Am Abend bringt mir einer seiner vier Söhne auch noch Falafel mit Humus und Foul, dazu den typisch jordanischen Minztee. Die Gastfreundschaft lebt auch in Jordanien!

14.12. Am Morgen bringt mir wieder derselbe Sohn von Abou Usama ein Frühstück bevor ich mich wieder auf den Weg mache.

Quartier und Frühstück bei Abou Usama – vielen Dank!!!

Zuvor klopfe ich noch bei der Syrerin an und bedanke mich für ihre Hilfe gestern, wieder durch das Fenstergitter, mit einer ‚kleinen Gabe‘.

Am Nachmittag erreiche ich nach viel auf und ab wieder die Hauptstadt Amman wo ich im Battuta Hostel eine Nacht verbringe.

Junges Kamel in den Vororten von Amman
Zurück in der Hauptstadt Amman

Am Abend gehe ich in ein Shishacafe und schaue mir mit den Jordaniern das Fußballspiel WM Halbfinale zwischen Marokko (Maghreb) und Frankreich an. Maghreb wird hier natürlich unterstützt. Nach der 0:2 Niederlage war es allerdings recht ruhig und wir gingen alle schlafen.

Im Shishacafe in Amman – die Stimmung war aufgrund der 0:2 Niederlage Marokkos eher gedämpft

15.12. Da ich heute eine etwas längere Etappe (ca. 37 km) bis Madaba vorhabe, starte ich so um 7h früh, frühstücke am Markt im Stadtzentrum und verlasse im Laufe des Vormittags durch einige Vororte wieder die Hauptstadt. Am Weg nach Madaba reichen mir zwei Jungs Wasser und Orangensaft, eine willkommene Stärkung. Ausserdem gehe ich im Laufe des Nachmittags an drei verschiedenen riesigen gepanzerten Polizeiauto vorbei. Mit einigen rede ich, kann aber nicht wirklich ausmachen was der Grund für diesen Aufmarsch ist. Am Abend komme ich dann gut in Madaba an und quartiere mich um 12 JOD inkl. Frühstück im Pilgrim House ein.

16.12. Madaba ist die Stadt der Mosaiken und dementsprechend auch touristisch recht gut erschlossen. Nach dem Frühstück besuche ich eine Messe in der griechisch-orthodoxen St. Georgs-Kirche.

Griechisch-orthodoxe St. Georgs-Kirche in Madaba
Messe in der St. Georgs-Kirche
Der heiligen Georg höchstpersönlich – in der St. Georgs-Kirche in Madaba

Erst nach der Messe offenbart sich das unter einem Teppich versteckte Bodenmosaik mit Jerusalem und dem heiligen Land.

Bodenmosaik aus der frühen byzantinischen Zeit mit Jerusalem und dem heiligen Land – in der St. Georgs-Kirche in Madaba. Entstanden im 6.Jhdt. n. Chr. ist es die älteste, original erhaltene Landkarte.

Danach gehe ich noch zur katholischen Kirche des heiligen Johannes. Vom Glockenturm hat man einen wunderschönen Blick über die Stadt und der Umgebung.

Aussicht auf Madaba – vom Glockenturm der St. Johannes Kirche in Madaba
Nicht so schlecht die Idee… Gesichtet im Glockenturm der St. Johannes Kirche in Madaba
Männer von Madaba – 1904. In der St. Johannes Kirche von Madaba

Es leben hier viele Christen, sowohl katholische als auch orthodoxe, wie mir Aiman vom Pilgrim House erzählt. Er selbst ist auch ein orthodoxer Christ. Am Nachmittag besuche ich noch einige Museen, in denen es hauptsächlich schöne Mosaike zu bestaunen gibt.

Mosaike im Archäologischen Park von Madaba
Mosaik im Archäologischen Park von Madaba – ganz rechts Aphrodite sitzend, neben ihr Adonis mit einer Lanze in der Hand

Morgen geht es weiter Richtung Berg Nebo und Totes Meer.

18.12. Bei herrlichem Wetter mit bis zu 20 Grad gehe ich heute zum Berg Nebo.

Am Weg zum Berg Nebo

Ab jetzt wird es etwas biblisch, ich warne Euch… 🙂 Also hier vom Berg Nebo soll Moses das Heilige Land gesehen haben, sprich Palästina, das Tote Meer, den Fluss Jordan, der in das Tote Meer mündet, etc…

Kirche am Berg Nebo – von hier soll Moses das Heilige Land erblickt haben

Heute gibt es zumittag einmal Kekse und Tee, auf den ich eingeladen werde. Dann mache ich mich hinunter in die Senke und Wüste, ca. 1.000 Höhenmeter geht es jetzt bergab zum Toten Meer.

Das Tote Meer ist ein Salzsee, der an Isreal, dem Westjordanland und Jordanien grenzt. Dessen Ufer liegen mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel, dem niedrigsten Punkt auf trockenem Land.

Auf dem Weg zum Toten Meer durchquere ich eine Sand- und Steinwüste und nach ca. 10km kommen mir zwei Burschen mit ihrem Esel und ihren Schafen entgegen.

Zwei Beduinenjungen mit ihrem Esel und der Schafherde
15-jähriger Beduinenjunge

Wir tauschen uns etwas aus, so gut es halt geht, und schließlich gehen wir gemeinsam zu ihnen nach Hause.

Am Weg zu ihrem Nachhause – zuvor wird gerastet damit die Tiere Kraft sammeln können für den bevorstehenden Abstieg auf dem Geröll…
Letztlich schaffen alle den Abstieg spielend

Es sind Beduinen und sie leben das ganze Jahr über in ihren Zelten und den Tieren. Salem, der 50-jährige Vater, heißt mich herzlich willkommen. Wir verstehen uns von Anhieb gut obwohl wir nur wenig von einander verstehen, macht nichts…

Salem (links) mit zwei seiner insgesamt fünf Söhnen und meiner Wenigkeit
Salem hat übrigens zwei Ehefrauen und insgesamt fünf Söhne und drei Töchter. Er sei eben Beduine, meinte er lächelnd… 🙂

So raste ich mich bei ihnen ein wenig aus und schließlich meint Salem, ich solle bei ihnen doch übernacht bleiben. Ich verbringe eine sehr ruhige Nacht mit Salem in seinem Beduinenzelt. Shukran – Danke!

Übernachtung bei Salem im Beduinenzelt

18.12. Frühmorgens höre ich Salem schon auf seinem Gebetstuch beten – Allah akbar, etc… und noch vor Tagesanbruch trinken wir gemeinsam Minztee und essen Fladenbrot mit Olivenöl. Dann verabschiede ich mich von diesen wunderbaren Leuten und erreiche nach einigen anregenden Hundebekanntschaften die Ortschaft Swemeh am Toten Meer.

Hassan, ein syrischer Beduine, lädt mich zum Tee ein – am Weg zum Toten Meer
Ortschaft Swemeh am Toten Meer

Es gibt hier viele völlig überteuerte 4- und 5-Sternhotels sodass ich mich in einem kleinen Lebensmittelladen um eine private Unterkunft erkundige. Nach einem kurzen Telefonat des Besitzers mit einem Freund von ihm bekomme ich eine kleine Wohnung um 25 JD, in der ich vorerst einmal meinen Rucksack abstelle. Dann heißt es heute – Pack die Badehose ein – und schon liege ich auf unter 400 Meter Seehöhe im Salzwasser des Toten Meeres. Und ja, es funktioniert wirklich – ich meine, hier treibt man aufgrund des hohen Salzgehaltes des Wassers an der Wasseroberfläche ohne sich bewegen zu müssen.

Und ja, es funktioniert tatsächlich…

Dem Security Mann eines noblen Hotels gebe ich ein kleines Trinkgeld, dass er auf meine Sachen aufpasst. Er erzählt mir auch, dass gerade König Abdullah II in der Ortschaft ist, das erklärt auch das hohe Polizeiaufgebot. Heute Abend werde ich mir noch das Fussball WM Finale zwischen Argentinien und Frankreich anschauen. Viva Argentina! Hoffentlich 😇

19.12. Das WM Finale gestern Abend war denkbar knapp und ich habe mit den Gauchos mitgefiebert. Da macht man sich ganz schön was mit, was wäre denn da der Weg nach Jerusalem… 🙂

Am Weg zur Grenze nach Palästina besuche ich auch die Stelle wo Jesus getauft worden sein soll. Es ist militärisches Grenzgebiet und ich werde zweimal ermahnt hier nicht zu Fuß zu gehen. Letztlich gelingt es mir unbehelligt hinein und auch wieder hinauszukommen.

Taufstelle von Jesus

In der Nähe der Grenze stärke ich mich mit einer Cola und zwei jordanische Militärs erklären mir, dass es nicht erlaubt sei zu Fuß die Grenze nach Palästina zu überqueren. Nachdem sie meinen Pass inspiziert haben, lassen sie mich zumindest die restlichen zwei bis drei km bis zum Checkpoint gehen. Ich gehe und sie tuckern mir mit ihrem Auto hinter her um sicher zu gehen, dass ich auch beim Checkpoint ankomme. Dann gibt es ab jetzt viel red tape und gemeinsam mit einer Reisegruppe aus Hawaii gelange ich in einem Bus zur palästinensisch/israelischen Grenze. Viele Kontrollen, check-ins, check-outs, auch mit dem Gepäck und nach ca. 2 Stunden ist der Spuk vorbei. Mit einem 3 Monats Visum für Isreal auf einem Stück Papier gehe ich dann von der Busstation in die Stadt Jericho und bin somit in Palästina.

Gesamtkilometerca. 5.005

Fazit: Ich muß gestehen, dass ich etwas brauchte um mich an das Arabische zu gewöhnen. Sobald man von der Hauptstadt Amman in die Dörfer hinauskommt merkt man, dass Jordanien ein armes Land ist. Bei durchschnittlichen Löhnen von ca. 300 USD pro Monat und den relativ hohen Preisen ist das Leben ganz schön schwierig hier. Letztlich waren dann die zwei Wochen in Jordanien gefüllt mit sehr schönen Begegnungen und Einladungen. Die arabische Sprache wäre hoch interessant zu lernen, es reichte bloß die Zeit nicht dafür. So tauche ich jetzt als nächstes in das Heilige Land ein, dem letzten Land auf meinem Weg nach Jerusalem.

12 Kommentare

    Christian Schneider

    Hallelujah Gratulation Hoch Sollst Du Leben Georg Jorgito Georgewitsch. Alle Komplimente dieser Welt können Deiner unglaublichen Wanderung, dieser aussergewoehnlichen Reise durch Europa und Kleinasien nicht gerecht werden . Kreuzritter höchster Güte, Sportsgeist und unglaublich wertvoller Mensch und Feund💓💓💓🙏🙏🙏👍👍👍🌸🌸🌸🎼🎼🎼🥂🥂🥂Liebe Grüße Christian

      Georg

      Halleluja Chrisu Arturowitsch,
      vielen Dank für deine lobenden Worte 🙏
      Der Weg runter nach Jerusalem ist wunderschön und voller Überraschungen😉
      War schön dich und Lili Stefanova auch am Weg zweimal zu treffen. Freue mich bereits auf ein Wiedersehen mit Dir und Euch.
      Liebe Grüße von Nazareth nach Bad Vöslau, Georg Georgewitsch✌️

    Heinrich

    Hallo Georg

    Ich wünsche dir frohe Weihnachten,du hast Jerusalem erreicht, ich gratuliere dir. Es ist Zeit, dass du wieder nach Hause kommst.Fuer das neue Jahr alles,alles Gute viel Glück und Gesundheit von
    Heinrich und Krista.

      Georg

      Hallo Heinrich,
      vielen Dank und wünsche dir und Euch beiden auch noch eine schöne besinnliche Weihnachtszeit 😇🙏
      Liebe Grüße in die Heimat, Georg.

    Hans

    Lieber Georg,

    Ich darf mich dem Kommentar von Fredi anschließen.

    Durch Deine authentischen Erzählung habe ich fast das Gefühl, selbst mit Dir reisen zu dürfen.

    Ich wünsche Dir Frohe Weihnachten .

    Schöne liebe Grüße
    Hans

      Georg

      Vielen Dank Hans und schöne Zeit dir auch weiter, Georg ✌️😇

    Sian R

    With Bethlehem reached at last …. With you in spirit.

    Merry Christmas – from Sian and Jamilla

    https://www.youtube.com/watch?v=AHLVM4MJgmo

      Georg

      Many thanks Sian and greetings, also to Jamilla, Georg 😇👍

    Aristea

    Lieber Georg,
    Frohe Weihnachten – und ein gutes Neues Jahr!
    Herzliche Gratulation zu Deinem Weg – es war unglaublich spannend und bereichernd, Deine Berichte zu verfolgen.
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit in Jerusalem!
    Ganz liebe Grüße, Aristea

      Georg

      Liebe Arista,
      vielen Dank und alles Gute dir weiter auch, Georg 😇✌️

    Fredi

    Hallo Georg, schön wieder was von dir zu hören, hast ja wieder allerhand erlebt, jetzt kommst du deinem Ziel schon ziemlich nahe, ich wünsche dir weiterhin alles Gute. Frohe Weihnachten, schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. 🎄👍🙏 Liebe Grüße aus St Veit von Fredi

      Georg

      Lieber Fredi,
      vielen Dank🙏🙏🙏
      Wünsche Dir auch frohe Weihnachten und alles Gute im neuen Jahr.
      Liebe Grüße aus Jerusalem, Georg.

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