14.11. Ruhetag in Silifke! Schon bei der Ankunft hier in dieser Stadt unweit der südtürkischen Küste sind mir die ersten Palmen und ‚Ohrwaschlkakteen‘ aufgefallen. Und vor allem ist es hier an der Küste wieder um ca. 5 bis 10 Grad wärmer als im anatolischen Hochland. Wieder ein Stück näher dem Nahen Osten gekommen.
Heute frühstücke ich gemütlich und schreibe wieder einmal meinen Bericht im Hotelzimmer. Erst gegen Mittag werde ich wieder aktiv und gehe zur Heiligen Thekla Kirche, eine unterirdische Höhlenkirche aus dem 4. Jahrhundert n. Chr.


Der Legende nach verbrachte die heilige Thekla, ursprünglich eine vornehme Jungfrau aus Ikonion, nach ihrer Bekehrung durch den Apostel Paulus und längeren Verfolgungen im 1. Jahrhundert n. Chr. hier in einer Höhle ihren Lebensabend und ist hier auch begraben.
Im Anschluss daran stärke ich mich in der Stadt mit einem Tavuk Tantuni (gefülltes Fladenbrot mit klein zerhacktem Hühner Fleisch) und Wasser. Dann überredet mich der Besitzer dieses Lokals doch auf die Burg zu gehen. Sie sei zwar geschlossen wegen Renovierungsarbeiten aber die Aussicht sei grandios.

Recht hat er gehabt und als ich nach einer Umrundung der Burg wieder in die Stadt hinunter gehen wollte, lerne ich zwei Türken kennen. Einer hat 15 Jahre in Krefeld gearbeitet, spricht gut Deutsch und sie bieten mir spontan ein Efes Bier an. So unterhalten wir uns recht lange am Burgberg und verbringen einen schönen gemütlichen Nachmittag da oben.

Dann verabschiede ich mich und gehe wieder zurück in die Stadt. Entlang dem Atatürk Bulvari, der Hauptstraße der Stadt, komme ich gegen Abend wieder in das Hotel zurück. In der Zwischenzeit ist auch meine Wäsche wieder fertig und ich esse am Abend noch eine Mercimek Suppe bevor ich mich in mein Zimmer begebe.
15.11. Nach dem Frühstück verlasse ich so gegen 8h das Hotel und gehe vorerst einmal wieder vorbei an der Ayatekla Kirche Richtung Küste. Ich durchquere das Göksu Delta und lege letztlich nach ca. 20 km eine Mittagspause ein. Entlang der Küste und einer Schnellstraße erreiche ich so gegen 18h die Ortschaft Kizkalesi wo ich mich im Hotel Peyda um 300 TL (exkl. Frühstück) einquartiere.

Morgen geht es weiter Richtung Mersin und der Provinz Hatay.
16.11. Zum Frühstück gibt es heute das erste Mal Menemen, eine Art türkische Eierspeise mit Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Es geht heute weiter entlang der Küste mit vielen Hochhäusern und leerstehenden Hotelanlagen und ich erreiche gegen Abend nach ca. 35 km Arpacbahsis wo ich im VM Resort Unterschlupf finde. Am Abend esse ich noch eine gute Käsepide und beobachte beim anschließenden cay einige Türken beim Kartenspiel mit ungewohnt viel Geld. Auch hier gibt es eben richtige Zocker.
17.11. Nach ca. 20 km erreiche ich heute gegen Nachmittag die ersten Vororte von Mersin. Die Straßen sind gesäumt von Palmen und Kakteen, südländisches Flair.


Im Hotel Mersin macht mir ein Hotelangestellter einen guten Preis und so erfreue ich mich an diesem wunderschönen Haus und Ort. Am Abend esse ich noch Et (Fleisch) Tantunis, für die ja Mersin bekannt ist bevor ich mich zur Ruhe begebe.
18.11. Ich lege heute einen Ruhetag ein, da sich bereits einige administrative Sachen angehäuft haben. Auch meine Socken hatten den Geist aufgegeben und in einem Décathlon kaufe ich mir zwei neue Paare. Leider bestätigt sich auch hier, dass der Schiffsweg nach Israel via Zypern nicht machbar ist. Man kommt zwar von hier nach Zypern aber von dort mit dem Schiff nicht mehr weiter nach Israel. Isreal hat nachwievor aufgrund der Pandemie jeglichen Schiffsverkehr für Personen eingestellt.

Auch habe ich auf Frieden in Syrien gehofft, allerdings vergeblich. Die Grenzen zwischen Türkei und Syrien sind geschlossen, es gibt keine Visa, etc… So bleibt mir nur der Luftweg und ich kaufe heute einen Flug von Antakya in der türkischen Provinz Hatay in die jordanische Hauptstadt Amman. Von dort werde ich dann weiter wandern nach Israel und Jerusalem.
19.11. Nachdem es mir sehr gut gefällt hier in Mersin und im Mersin Hotel habe ich spontan beschlossen noch einen weiteren Tag zu verbringen.

Am Vormittag besuche ich den Hafen wo mir nochmals bestätigt wird, dass Passagiere von hier nicht mit dem Schiff nach Israel reisen können. Sonst sehr mondän dieser Hafen und es herrscht reger Betrieb mit dem Be- und Entladen von Containern, etc.

Zumittag telefoniere ich wieder einmal mit Günter, es gibt einiges zu besprechen. Dann besuche ich das Atatürk Haus, in dem Mustafa Kemal Atatürk 1923 für kurze Zeit hier mit seiner Frau gelebt hat. Im Anschluss daran verbringe ich noch einige Zeit in der Mugdat Moschee, der größten Moschee in Mersin.

Am Abend gehe ich dann entlang der Küste und Promenade wieder zurück ins Hotel. Die Einheimischen verbringen hier gerne die Abendstunden, treffen sich mit Freunden und genießen den Sonnenuntergang über dem Meer.

20.11. Ich genieße noch ein letztes Mal das hervorragende Frühstück und die tolle Aussicht vom 10. Stock im Hotel Mersin bevor ich mich so um 7:30 in Richtung Tarsus aufmache. Es warten wieder einmal mehr als 30 km auf mich, sodass ich relativ wenige Pausen einlege und gegen Abend die Stadt Tarsus erreiche. Es ist die Stadt, in der Apostel Paulus geboren wurde. Er brachte die Predigten und Lehren Jesu in die heidnische römische Welt. Paulus versuchte, das Christentum außerhalb der jüdischen Länder zu verbreiten , und als Ergebnis dieser Bemühungen sorgte er für die Christianisierung des heutigen Europas. Ich finde im Burhanoglu Konagi Hotel eine sehr gute Unterkunft und schaue mir am Abend das Fußball WM Eröffnungsspiel Katar vs Ecuador (0:2) an.

21.11. Am Vormittag besuche ich einige Sehenswürdigkeiten in der Stadt wie die Pauluskirche, das Kleopatra-Tor und einige Moscheen.


Kurz vor 12h hole ich dann meinen Rucksack vom Hotel und gehe am Nachmittag noch ca. 15km bis in die Ortschaft Yenice. Dort angekommen sagt man mir, dass es keine Unterkunft gebe und ich stelle mich schon auf eine Nacht im Zelt ein. Als ich dann noch ein Tantuni esse meint der Besitzer, dass ich ruhig auch in der Moschee schlafen könne. Gesagt, getan und ich verbringe eine ruhige Nacht im Freien vor der Moschee.
22.11. Um ca. 5:45 weckt mich der Gebetsruf des Muezzins und während ich meine Isomatte zusammenrolle kommen auch schon die ersten Männer zum Gebet in ihre Moschee. Noch im Finsteren gehe ich wieder zurück ins Ortszentrum und finde eine Bäckerei, wo ich Tee und gutes Fladenbrot direkt vom Backofen bekomme.

Zwei, drei Stunden später werde ich in einer Ortschaft noch einmal von einem Teestubenbesitzer zum Frühstück eingeladen, es gibt Eierspeise mit Wurst, Brot und Tee. Ich nähere mich nun schon der Millionenstadt Adana. Ich mag es in solche Großstädte zu gehen. Zuerst kommen immer die Industrieviertel, dann die Vororte, dann ältere Häuser und letztlich im Zentrum die Sehenswürdigkeiten. Es ist schon etwas anderes in einer Stadt zu Fuß anzukommen als mit einem Fahrzeug. In der Stadt selber mache ich noch einmal Rast in einer der vielen Teestuben und werde vom kurdischen Besitzer auf einen Tee und Kaffee eingeladen. Letztlich setzen sich auch noch zwei Syrer aus Aleppo zu uns, die seit Ausbruch des Bürgerkrieges hier leben und arbeiten. Da ich hier zwei Nächte bleiben werde, suche ich mir im Zentrum eine Unterkunft (Saydam Hotel) und verbringe einen ruhigen Abend.
23.11. Heute war wieder einmal Ruhetag bei mir angesagt. Ausserdem kommt man ja nicht jede Tage in eine 2 Millionen Einwohnerstadt, es gibt einige Sehenswürdigkeiten hier. Ich frühstücke lange und erkundige im Anschluss ein wenig die Stadt.

Es gibt hier die St. Paulus Kirche, die jedoch am Vormittag geschlossen ist. Später soll ich wieder kommen, sagt mir ein freundlicher Polizeibeamter. Ich besuche dann die Adana Ulu Cami, auch Große Moschee, genannt, die mir sehr gut gefällt. Vor allem auch der Aussenbereich mit Sitzmöglichkeiten und cay😀

Dann gehe ich zur Tasköprü Brücke, eine Brücke am Fluss Seyhan im Stadtzentrum von Adana. Die Brücke gilt als Symbol von Adana und stammt aus der Römerzeit. Darüber hinaus ist Taşköprü eine der ältesten noch genutzten Brücken der Welt.

Entlang des Flusses Seyhan gelange ich dann zur zweitgrößten Moschee des Landes, sie wirkt mit ihrer Größe fast ein wenig bedrohlich auf mich.

Das Innere ist dann wunderschön und als ich so die Moschee am Boden sitzend von innen betrachte ruft mich meine Mutter an. Sie ist mir wieder einmal zuvor gekommen, sie hat ja heute Geburtstag! Gratulation!

Zumittag probiere ich fast obligatorisch einen Adana Kebab, der tatsächlich seinem Ruf gerecht wird. Er wird hier mit pürierten Tomaten serviert, sehr köstlich! Auf dem Rückweg zum Hotel probiere ich es dann noch einmal mit der St. Paulus Kirche und tatsächlich hat sie nun offen. Sie wurde von den Armeniern erbaut und genützt bevor die Kirche 1915 nach deren Vertreibung in den anatolischen Besitz kam.

Den Nachmittag und Abend verbringe ich dann entlang der Tasköprü Brücke und bei der Großen Moschee. Ich trinke hier zwei cays, beobachte das Treiben auf der Straße und esse letztlich von einem vorbeifahrenden Simitverkäufer zwei Simits zum Abendessen.

Es sind jetzt noch ca. 200 km bis Antakya, dem Endpunkt meiner Wanderung durch die Türkei. Dann geht es mit dem Flieger nach Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Inshallah!
24.11. Es sind jetzt noch ca. 200 km bis nach Antakya, in ca. 1 Woche rechne ich dort anzukommen. So verlasse ich Adana über die Tasköprü Brücke Richtung Osten und werde zumittag von einer Frau zum Kaffee einladen. Ich lerne dabei auch ihre Söhne und ihre Familie kennen.

In einem Lebensmittelladen kaufe ich mir wenig später eine Cola und Kekse und die Familie des Ladens gesellt sich schnell um mich. Es gibt auch noch Mandarinen, Äpfel und Tee. Jeder bekommt von jedem etwas ab.


Für heute war später am Tag Regen angesagt und nachdem ich wieder einmal nicht weiß wo ich nächtigen werde, mache ich mich auf den Weg nach Yakapinar. Ca. 10km vor der Ortschaft erwischt mich die erste Front mit starkem Wind und Regen, auch Blitz und Donner gesellen sich dazu. Es geht dann doch immer recht schnell. Gewappnet mit Regenjacke und sexy Müllsack setze ich mutig meinen Weg fort und es ließ Gott sei Dank bald wieder nach.

Als meine Kleidung wieder fast trocken war kam die zweite, noch stärkere Front mit denselben Zutaten, es wurde auch bereits etwas finster. Gemein irgendwie, denke ich mir nur… 🙂 Als ich dann bei Dunkelheit und waschelnass die Straße kurz vor Yakapinar erreiche, sehe ich ein Haus mit Licht. Durch das Fenster erkenne ich zwei Frauen, die gerade am Boden sitzend Abendessen und ich klopfe beim Fenster an. Irgendwas wird schon passieren… Die Frau kommt heraus und zeigt mir ein Häuschen in der Nähe wo ich hingehen und beim Fenster anklopfen solle. Auch dort klopfe ich an und zwei junge Türken wundern sich sichtlich über diesen nächtlichen Besuch. Sie geben mir Tee und ich wechsle meine Kleidung. Bald kommt auch Hací, der Besitzer dazu und er ist sofort damit einverstanden, dass ich hier bleiben kann. Es ist seine Arbeitsstätte hier an der Straße wo auf einer Waage die LKWs abgewogen werden. Und es gibt einen kleinen Raum mit zwei Betten.

Ich verbringe den Abend in der Nähe des Heizstrahlers, wir essen gelieferten Kebab und schließlich gibt es auch noch heisses Wasser mit einem kleinen Kübelchen, welch Genuss. Es regnet die gesamte Nacht durch!
25.11. Ich liege derzeit noch im Bett auf dieser LKW Abwiegestation und es regnet hübsch weiter. Übrigens: Die Waage zeigte gestern bei mir angeblich 71kg an. Ich kann das nicht glauben und werde das heute noch einmal verifizieren. Der Heizstrahler hat übrigens über Nacht seinen Job gut gemacht und meine Kleidung ist auch wieder trocken.

Allerdings sagt der Wetterbericht heute noch keine Besserung, es soll heute den ganzen Tag durchregnen. Erst morgen ist Besserung angesagt. Sobald Hací kommt werde ich ihn fragen ob ich noch eine Nacht bleiben kann, das Gehen macht keinen Sinn bei dem Sauwetter!!!

Für Hací alles kein Problem, er hat es geahnt, dass ich noch bleiben möchte. Wir frühstücken gemeinsam Brot, selbstgemachten Käse und Honig und verbringen den Tag mit seinen kurdischen Freunden auf der LKW Ladestation. Zumittag kommt auch Haci’s Lebensgefährtin vorbei, die mich gestern hierher geschickt hat.

Schließlich werde ich von Hací höchstpersönlich auf der LKW Waage abgewogen. Ich habe nach wie vor mein Gewicht von 80 kg und ich bin beruhigt… 🙂

Es hat in der Zwischenzeit aufgehört zu regnen, morgen geht es wieder weiter!
Den Abend verbringen wir mit Yusuf, einem weiteren Kurden und Housan, der Hací bei der Arbeit hilft.
26.11. Bereits um 6h morgens kommen heute die ersten LKWs zu Haci’s Abwiegestation. Laut Hací haben sich gestern die LKW Fahrer ausgeschlafen, heute wird wieder gearbeitet und gefahren. Wir frühstücken noch einmal gemeinsam bevor ich mich von ihm verabschiede. Es leben die Kurden!
Kurz nach einer alten und sehr schönen Brücke winkt mir der Teestubenbesitzer ich solle doch auf einen cay vorbei kommen. Selten lehne ich da nur ab…


Für mich sind das immer besondere Momente wenn du da mit dem Rucksack hineinspazierst und dich die Männer um den warmen Ofen herumsitzend anstarren und beginnen sich zu wundern wer das ist, etc… Fragen folgen natürlich und es wird gelächelt, gescherzt, aber auch Bewunderung sehe ich in ihren Gesichtern. Ohne diese Teestuben wäre die Türkei wohl nur halb so schön, denke ich mir oft. Dann setze ich meinen Weg weiter fort Richtung Kurtkulagi. Ich komme bei vielen Orangen- und Mandarinenplantagen vorbei und sehe von den ca. 2.000 Meter hohen Bergen bereits Schnee runterleuchten. Kurz nach Sirkeli mache ich dann bei einem Market eine Mittagspause und lerne den kurdischen Besitzer und seine Familie kennen. So zwischendurch erzählt er mir, dass er wegen Verbreitung von kritischen Kommentaren an der derzeitigen Regierung in Facebook zu 6 Jahren Haft verurteilt wurde. 2,5 Jahre hat er tatsächlich im Gefängnis von Ceyhan abgesessen. Auf meine Frage ob er Mitglied der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) gewesen sei, verneinte er, aber Sympathisant. Auch wurde ihm vorgeworfen, dass der Name seines Sohnes kurdisch sei…

Sein Bruder sei Mitglied der PKK und lebe derzeit im Norden des Irak. Er wurde zu 55 Jahren verurteilt und konnte fliehen. Nach dieser berührenden Begegnung mache ich mich weiter auf meinem Weg und erreiche gegen Abend Kurtkulagi. Zwei jüngere Männer (einer davon ist Kemal) bringen mich in die Suat Kebapci. Das ist der Kebapladen von Suat und er freut sich über meinen Besuch. Auch könne ich hier übernachten, es ist zumindest warm hier drinnen. Er erzählt mir viel von seinem Sohn in Melbourne, zeigt mir Fotos und schließlich stellt er mich auch noch seinen Freunden in der Teestube vor. Vor dem Bettgehen bereitet er dann noch die Adana Kebap und Kebap Spieße vor bevor er sich verabschiedet und zu Bett geht.

Wenig später blase auch ich meine Luftmatratze auf und verbringe meine erste Nacht in einem Kebapladen.

27.11. Als es schön langsam hell wird draußen packe ich meine Sachen und gehe in die Bäckerei gegenüber. ‚Good morning George‘ werde ich gleich begrüßt. Es ist Kemal von gestern, der mich natürlich schon kennt und hier als Bäcker arbeitet. Er bietet mir einen Sessel an und ich beobachte sie beim Brotbacken.

Schließlich bekomme ich ofenfrisches Brot mit Käse und Oliven als Frühstück, ein Gedicht. Erst heute morgen sehe ich, dass die nächste größere Stadt mit einer fixen Unterkunft in Reichweite liegt und so lege ich einen kleinen Zahn zu.


Nach relativ wenigen und kurzen Pausen erreiche ich dann nach ca. 43 km gegen Abend die Stadt Dörtyol und ich quartiere mich hier im noblen Hotel Fourway ein. Davor habe ich heute kurz vor Dörtyol noch meine erste Kontrolle von Gendarmen. Sie erkunden sich was ich hier mache, von wo ich komme, kontrollieren meinen Reisepass und schenken mir dann noch 5 Mandarinen, sehr liebenswert. Duschen, Abendessen und anschließend ein Hotelbett genießen, meistens das gleiche Programm wenn es wieder einmal eine Unterkunft gibt. Aber auch immer wieder ein gutes Programm.. 🙂
28.11. Nach einem ausgiebigen Frühstück starte ich heute wieder einmal früh und komme am Vormittag nach Payas. Es ist dies die Gegend der Keilerei (Schlacht) von Issos 333 v. Chr. zwischen Alexander dem Großen (König von Makedonien) und Dareios III. (König der Perser), die Makedonier gewannen. Manchen ist vielleicht noch der Spruch aus der Schule bekannt – 333 Issos Keilerei… Ich besuche hier die Festung von Payas, die Payas II. Moschee aus dem 16. Jhdt. und die dazugehörige Karawanserei.


Am Weg nach Iskenderun bläst mir heute der Wind ordentlich um die Ohren, auch hier naht der Winter.

Schließlich erreiche ich so gegen 17h Iskenderun und für 350 TL finde ich im Hatayli Otel eine gute Unterkunft. Am Abend esse ich in einer Lokantasi einen Iskender Kebab, wie sollte es auch anders sein in dieser Stadt. Die Schweizer verlieren im Fußball übrigens auch noch 0:1 gegen Brasilien, ein bisschen Abwechslung zum Wandern darf ja wohl sein.
29.11. Als ich pünktlich um 7h beim Frühstücksraum auftauche wird das Frühstück gerade aufbereitet. Ich war um eine Stunde zu früh dran aber ich bekomme zumindest soviel, dass es für das Erste reicht. Ich lasse dann vorerst den Rucksack noch im Hotelzimmer und schaue mir die Stadt mit ihrem Hafen an.

Iskenderun war vor Beginn des Bürgerkrieges in Syrien der Hafen von Aleppo und ist jetzt immer noch einer der wichtigsten Mittelmeerhäfen der Türkei.

Es wird dann schon 10h als ich mit meinem Rucksack das Hotel verlasse. Es geht heute noch einmal vom Meeresniveau auf ca. 700 Höhenmeter hinauf und der Wind ist heute noch stärker als gestern. Manchmal versetzt er mich um ein oder zwei Meter und ich muss aufpassen nicht die Balance zu verlieren. Es ist wohl noch einmal eine kleine Prüfung, denke ich mir, bevor ich nach Antakya komme.

In Belen mache ich eine kurze Teepause bevor es dann wieder bergab nach Ovakent geht. Der Wind lässt nach…

Mitten in der Botanik kommt plötzlich von hinten ein Gendarmerieauto. Zwei junge Gendarmen und eine Gendarm in steigen aus und einer kontrolliert wieder einmal meinen Reisepass. Es ist wohl die Nähe zu Syrien und vlt auch der kürzlich verübte Terroranschlag in Istanbul, die dafür verantwortlich sind. Jesus, einer der Gendarmen, kontrolliert meinen Pass, alles okay.

Er findet Gefallen an meinem Unternehmen und ich biete ihm einen meiner Wanderstöcke an mit den Worten, er solle doch ein Stück mit mir gehen. Er ist nicht fad und so gehen wir ca. 2 km gemeinsam zu einem Wasserkraftwerk, wo sie Dokumente kontrollieren müssen. Gefolgt werden wir vom Gendarmerieauto und am Weg zum Wasserkraftwerk reden wir auch noch mit Einheimischen, die gerade bei der Olivenernte sind. Auch Spaß muss sein, denke ich mir nur…:-) Ich trinke noch im Wasserkraftwerk einen Tee mit ihnen bevor ich mich von ihnen verabschiede. Gegen Abend erreiche ich dann die Ortschaft Ovakent und quartiere mich im Kulubeci Hotel um 250 TL ein. Vor dem Schlafen esse ich noch eine Mercimek Suppe in der darunterliegenden Lokantasi bevor ich mich ein wenig von diesem Tag erhole. Es waren doch wieder ca. 40km bei vielen Höhenmetern und vor allem viel Wind, da tut das Rasten auch wieder einmal gut. Morgen geht es die letzten 25 km nach Antakya, die Kilometer und Tage hier in der Türkei sind gezählt.
30.11. Mein letzter Wandertag in der Türkei und das nach fast 3 Monaten! Wenn da keine Wehmut aufkommt… Nur mehr 25 km bis Antakya, kein Wind, flach und schönes Wetter – – > so stell ich mir das auch vor und so genieße ich den letzten Tag auch. Ich lasse mir Zeit, mache mehrere Teepausen, trinke Cola mit Bauarbeitern, zeige zwei Polizisten noch einmal meinen Reisepass und erreiche dann so um 15h Antakya, die Hauptstadt der Provinz Hatay.

Ich quartiere mich im Diwan Hotel um 450 TL ein, Dusche und feiere meine gelungene Ankunft hier im nahegelegenen Sultan Restaurant.
01.12. Nach dem Frühstück besuche ich die orthodoxe St. Peter und Paul Kirche und auch eine protestantische Kirche.


Im Anschluss verbringe ich den heutigen Tag damit all meine Sachen zu ordnen und zu richten bevor ich die Türkei verlasse. Die Wäsche wird gewaschen, dann richtet mir der Schneider Ahmet im Basar wieder meine Hose, wechselt den Zip beim Pullover, näht mein langärmeliges Shirt und einen Socken.

Am Nachmittag lasse ich mir dann ein Stück Künefe schmecken, eine warme Süßspeise aus dieser Gegend.

Den restlichen Tag verbringe ich im Basar und schaue am Abend Fußball WM in meinem Zimmer.
02.12. Heute ist ein wenig Sightseeing angesagt und um ca. 9h erreiche ich das Archäologisches Museum, sehr interessant.


Im Anschluss gehe ich zu Fuß zur St. Petrusgrotte bevor ich wieder im Basar lande.

Heute finden auch meine alten Schuhe einen neuen Besitzer. Ein Schuster im Basar freut sich sichtlich darüber.

Sonst ein recht gemütlicher Tag, ein wenig Erholung ist angesagt.
03.12. Heute morgen liegt Nebel über der Stadt. So sichere ich nach dem Frühstück wieder einmal die Fotos auf meine zwei USB Sticks, die ich an unterschiedlichen Stellen aufbewahre. So bekomme ich wieder mehr Platz auf meiner SD Karte zum Fotografieren mit meinem Huawei P30 Handy. Als sich dann doch die Sonne durchsetzt, spaziere ich ein wenig durch die Stadt und trinke im Palladium Shopping Center einen guten Kaffee. Es ist ja mein letzter Tag hier in der Türkei, der sollte schön gemütlich werden.

Danach wechsle ich noch meine restlichen türkischen Lira und Euro. Das Sinken der türkischen Währung ist täglich zu beobachten. Am Nachmittag gönne ich mir noch einmal Künefe mit Tee bevor ich den Abend im Hotel verbringe.
04.12. Nach dem Frühstück gehe ich zur nahegelegenen Busstation. Hier hilft mir ein Schuhputzer den richtigen Bus zum Flughafen zu erwischen. Um 55 TL gelange ich mit einem Havas Bus in ca. 45 Minuten zum Flughafen.

Ein komisches Gefühl irgendwie jetzt so schnell und abrupt in den arabischen Raum zu gelangen. Ich hatte nur Handgepäck bis zu 7kg gekauft, die saudische Fluglinie Flynas checkt mir trotzdem meinen Rucksack, der mit den Stöcken jetzt ca. 8,4 kg wiegt, ohne zusätzliche Kosten direkt nach Amman ein. Das Flugzeug hebt letztlich pünktlich um 12:30 Richtung Ryad, der Hauptstadt von Saudi Arabien, ab.

Gesamtkilometer: ca. 4.805
Fazit:
Ca. 2.200 km wanderte ich alleine nur in der Türkei. Von Ipsala an der Grenze zu Griechenland bis hierher nach Antakya an der Grenze zu Syrien, die nur ca. 20 km Luftlinie von hier entfernt liegt. Und das in knapp drei Monaten. Für Statistiker macht das einen Schnitt von ca. 28 km am Tag. Ich konnte das Wandern wieder so richtig genießen hier in der Türkei. Und der Herbst ist halt einfach schön zum Wandern, das hat sich auch hier bewahrheitet. Ich bin natürlich froh hier heil und ohne jegliche Blessuren angekommen zu sein. Das ist immer das Wichtigste und so soll es auch bleiben. Ich habe viel Gutes und Gastfreundschaft erfahren in der Türkei. Viele Einladungen zum Essen, Trinken und Schlafen von den Einheimischen bekommen. Vor allem auch die Begegnungen in den vielen Teestuben (cahves) werden mir ewig in Erinnerung bleiben… 🙂 In Anbetracht der vielen verschiedenen Völker und Ethnien, die hier leben, wünsche ich dem Land viel Stabilität und Frieden.
Letztlich hatte ich auch auf Frieden in Syrien gehofft, allerdings vergeblich… Und so werde ich am kommenden Sonntag von hier in Antakya nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens, fliegen. Von dort wandere ich dann wieder zu Fuß weiter Richtung Israel und Jerusalem, inshallah…
Bleibt mir nur mehr übrig vielen Dank für alles zu sagen diesem Land und seinen Leuten. Sie haben mir viel gelernt, nicht nur ein paar Wörter Türkisch…

Ingrid Denks
Hi Georg,
deinen Blog von deinem gigantischen Unterfangen zu lesen ist immer mega interessant.😲 Und die Kommentare deiner Fangemeinde sind tlw sehr witzig.🤣
Weiterhin viele tolle Begegnungen und g’sund bleiben!
Alles Liebe, Ingrid
Georg
Hi Ingrid,
vielen Dank und ja, auch mich bringen die Kommentare zum Teil auch immer wieder zum Lachen, so soll es sein!!! 😊👍
Liebe Grüße in die Bundeshauptstadt und lass dir noch den einen oder anderen Punsch schmecken.
Liebe Grüße, Georg 🚶♂️😇✌️
Thomas Pflügl
Lieber Georg,
Deine Reiseberichte sind echt spannend – so viele Freundschaften!
Und die Begegnung mit Jesus…
Ich bin auch froh, dass du 80 kg hast! 🙂
Schöne Zeit, Dir Alles Gute und Herzliche Grüße!
Thomas
Georg
Lieber Thomas,
vielen Dank und Grüße in die Heimat, Georg 🚶✌️
Kurt Schöftner
Hallo Georg!
Jetzt hätte ich noch eine Frage an dich, wie machst du das mit der Navigation, wie findest du schöne Routen?
Wünsche Dir eine schöne Zeit in Jordanien! Liebe Grüße dem „alten“ Wandersmann, Kurt
Georg
Hallo Kurt,
ich navigiere meistens mit meinem Handy und ein oder zwei Applikationen drauf (Maps.Me und Oruxmaps). Bei Maps.Me kann man zB bei den Einstellungen auswählen welche Arten von Straßen (zB Autobahnen, etc) vermieden werden sollen bei der Wegsuche, etc… Zum Teil gibt es auch vom Netz GPS Dateien zum download, denen man folgen kann. Zur Stromversorgung für das Handy hab ich auch noch eine Powerbank dabei wenn ich im Zelt schlafe, funktioniert bestens! ‚Schöne‘ Routen finden sich auch oft noch durch Einheimische…
Liebe Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit wünsch ich Dir, liebe Grüße Georg🚶♂️🚶♂️🚶♂️
Alf Thiele
Hi Schorrschi, ich hatte ja erwartet, dass du nach Georgien und Armenien wanderst? Aber egal, alle deine Wege sind gailst. Schade , dass du schon getauft warst, sonst wäre das etwas fürs Wasserkraftwerk gewesen. Alles Gute weiter, Alf
Georg
Hi Alphi, ja, das war auch mein ursprünglicher Plan, der sich dann mit der Zait allerdings geändert hat😉 Und ja, das wär tatsächlich was gewesen für den Jesus, am Taufbecken hätte es
nicht gemangelt😀✌️
Wünsche Dir auch weiter alles Gute, Georg
Herbst
Cc georg, je viens juste de lire ton blog, quel parcours a pied👍🤣
Je prepare en ce moment le meme itineraire que toi pour l annee prochaine afin de visiter la jordanie bien evidemment comme tu le sait a moto.bon voyage
Take care, je suis admiratifde ton courage et de ta perseverance
Nice trip nath phil
Georg
Merci Philippe et bonne chance pour votre voyage l’année prochaine✌️👍
Salutations, a Nath aussi, Georg 🙋♂️
Alfred Roland
Herzlichen Glückwunsch Georg
Für Deine Wanderreise und wirst auch die Sprachkenntnisse aufgepeppt haben.
Danke für die gute und schöne Beschreibungen auf Deiner Tour 👍Auf Deinem Weg nach Jerusalem,mach noch einen Besuch zur Kreuzritterburg Kerak oder auch Karak nahe Amman. Danach musst Du sowieso über den Jordan wo es Taufwasser zum kaufen gibt 😊 Jetzt einmal wünsche ich Dir a schöne gute Wanderung nach Jerusalem 🌴mit lieben Gruß Alfred
Georg
Vielen Dank lieber Alfred für deine Tipps, an die ich mich zu halten versuchen werde. Es scheint du kennst diese Gegend…
Liebe Grüße und wünsche dir noch eine schöne Vorweihnachtszeit, Georg.
Maria Priglinger
Lieber Georg, danke, dass du uns teilnehmen lässt an deiner interessanten, anstrengenden, abenteuerlichen Reise, mit so vielen Eindrücken und Erlebnissen. Wünsch dir weiterhin alles Gute! Liebe Grüße aus der Höf.
Georg
Vielen Dank Maria und Grüße in die Höf 🙏✌️
christoph
Dank dir fürs teilhabenlassen an deiner Reise. Alles Gute 🙏🏻👣👣👣
Georg
Dankeschön Christoph 🙏🙏🙏
Iris Dekan
Lieber Georg, habe deinen Bericht wieder sehr genossen und freue mich schon auf die folgenden. Liebe Grüße aus Wien!
Georg
Liebe Iris,
freut mich wenn dir meine Berichte gefallen und schöne Grüße retour in die Bundeshauptstadt, Georg🙋♂️
Fredi
Hallo Georg, war wieder mal ein schöner Bericht von deiner Wanderung, auch dass du Jesus 🤔 begegnet bist😊,wünsche dir weiterhin alles Gute 👣 LGr Fredi
Georg
Hallo Fredi,
ja, hab mir den auch ganz anders vorgestellt, so mit Uniform…? Aber er war sehr freundlich und nett…
Wünsche Dir auch weiter alles Gute und genieße die Vorweihnachtszeit, Georg ✌️👍
Sven
Hallo Schorschi,
Du bist der einzige, den ich kenne, dessen Pass von Jesus persönlich kontrolliert wurde … 🙂
Dieses Mal lasse ich die Woche mit Deinem Blog ausklingen und es ist wie immer sehr interessant. Komm´ gut nach Amman und ich freue mich schon auf Deine kommenden Berichte.
Herzliche Grüße
Sven
Georg
Hallo Sven,
war auch für mich eine Ehre von Jesus höchstpersönlich kontrolliert zu werden. Er begleitete mich dann auch noch ein paar Kilometer auf meinem Weg um sicher zu gehen, dass ich nicht davon abkomme… 🙂
Wünsche dir ein schönes Wochenende und einen schönen Advent, liebe Grüße Georg 🙋♂️✌️