NEPAL 2020 – Teil 2

Mustang

Lower Mustang

08.03. Nach dem Thorong Pass erfahre ich von Rudra, dass das permit fuer Upper Mustang wahrscheilich erst ab 15.03. gueltig sein wird. So habe ich ca. 1 Woche Zeit fuer die vielen Doerfer hier in Lower Mustang bevor wir gemeinsam nach Upper Mustang wandern. Ich bleibe insgesamt dann 4 Naechte in Muktinath und mache einige Tagesausfluege in umliegende Doerfer wie Jarkhot.

Der Schwarze Buddha in Muktinath überwacht die Dhaulagiri Range mitsamt dem Dhaulagiri (8.167m), siebthöchster Berg der Welt
Typische Holzleitern in den Dörfern von Lower Mustang, hier in Jarkhot

Es ist ein altes Dorf mit Steinpflaster, die Haeuser sind aus Steinen gebaut und mit Kuh- und Yakdung verklebt. Auf den flachen Daechern wird meist Getreide getrocknet und es wehen tibetische Gebetsfahnen an den jeweiligen Dachecken. In der German Bakery macht mir Djamjan und eine Nonne Dido, eine typisch traditionelle Kost, die aus Gerste oder Buchweizen hergestellt wird, aehnlich dem Tsampa.

Dido, eine traditionelle Kost im Mustanggebiet, die aus Gerste oder Buchweizen hergestellt wird.

Auf dem Weg nach Jhong sehe ich viele Blauschafe. Zwei Maennchen mit ihren grossen Hoernern stellen sich mir ca. 10 Meter vor den Weg und schauen mich gross an bevor sie abzischen. Ein beeindruckender Moment, den ich wohl fuer immer im Kopf bewahren werde. In Jhong beobachte ich eine Dolpa Frau beim Weben im Freien bevor ich wieder nach Muktinath zurueckkehre. Da ich noch Zeit vor unserer Upper Mustang Wanderung habe versuche ich dann ueber den Lubra Pass in das abgelegene Dorf Lubra zu kommen. Am Weg dorthin gerate ich allerdings in einen steilen, tiefverschneiten Hang. Ich falle bis zu den Hueften in den Schnee und da ich alleine bin mache ich hier relativ schnell einen Rueckzieher. Die Gefahr eines abgehenden Schneebrettes schien mir hier zu hoch… Anstatt dessen sichte ich auf der anderen Seite ein kleines Dorf im Tal, das laut meiner Karte und Orientierung Khingar sein muesste. Auch ist der Weg hinunter fast schneefrei und so sollte ich wieder zurueck auf sicheres Gebiet kommen. Gedacht, getan esse ich dann in Khingar eine Nudelsuppe und die Koechin erklaert mir einen anderen, sichereren Weg nach Lubra. Auf wunderbaren Steinpfaden erreiche ich dann so gegen 16h Lubra, das gegenueber einer Felswand liegt. Niemand wuerde hier ein Dorf vermuten, auch ich war mir nicht sicher bis ich es selber sah…:-)

Lubra, ein ‘vergessenes’ Dorf in Lower Mustang

Einheimische verweisen mich auf die Dakar Lodge wo ich ein Zimmer bekomme. Am Abend kommt der Lastwagen von Jomsom mit vielen bestellten Waren im Dorf an. Die Einheimischen holen sich Ihre Sachen ab und tragen sie auf den Koepfen nachhause. Auch eine Franzoesin ist unter den Tragenden. Claire verbringt hier einige Tage in diesem Dorf um ein Buch ueber die Bon Religion zu schreiben.

Mit Claire, der Französin, in Lubra

Lubra ist ja eines der letzten Doerfer in Nepal in dem die vorbuddhistische Bon Religion gepflegt wird. Die Bon Religion war lange bevor der Buddhismus aufkam in Tibet und Zentralasien verbreitet. Erst mit dem Buddhismus wurde die Bon Religion verdraengt und heute gibt es nur mehr wenige Anhaenger dieser Religion. Beide Religionen weisen viele Aehnlichkeiten auf.

Es gibt allerdings einige Unterschiede der Bon Religion zum Buddhismus, die auch nach aussen ersichtlich sind:

  1. Die swastika ist im Buddhismus ein Friedenszeichen, das im Uhrzeigersinn ausgerichtet ist 卐 –> in der Bon Religion gegen den Uhrzeigersinn 卍
  2. Stupas, choerten und sonstige heilige Staetten werden im Buddhismus im Uhrzeigersinn umrundet, in der Bon Religion gegen den Uhrzeigersinn.
  3. Auf den Steinplatten der Mani (Steinmauern) befindet sich im Buddhismus der Spruch: Om mani padme hum, in der Bon Religion befindet sich ein anderes Mantra auf den Steinplatten.

Am naechsten Morgen besuche ich vier Steinhoehlen, die sich in der Felswand befinden. Sie dienten frueher vor allem Moenchen, die sich hier zum Meditieren zurueckzogen. Nachmittags gehe ich noch zu einer Schule wo derzeit lt tibetischer Englischlehrerin 78 SchuelerInnen unterrichtet werden. Sie kommen vorwiegend aus der abgelegenen Dolpo Region und werden voraussichtlich die naechsten 8 Monate hier verbringen ohne Kontakt zu Ihren Familien. Manche sind nicht aelter als 6 oder 7 Jahre, die Nepali werden schon frueh geprueft…. Am Abend kommen so gegen 18h die Ziegen ins Dorf zuruck, was immer ein Erlebnis ist. Dann kommt Claire zu mir in die Dakar Lodge und sie erzaehlt mir von Ihrem Interview mit einem Lama in Jomsom.

Einheimische Frau bei der Feldarbeit in Lubra, Lower Mustang

Naechsten Tag heisst es Abschied nehmen und ich gehe zufuss nach Jomsom runter. Hier quartiere ich mich im Pride & Spa ein, nehme eine warme Dusche und lass mich beim oertlichen Friseur wieder einmal rasieren, ein Rundumputz quasi…:-) Mit frischen Kleidern gehe ich dann ueber den ‘windigen Pass’ nach Phalyak und weiter nach Kagbeni. Hier sollte ich ja Rudra treffen, den Nepali guide, der mit dem permit fuer Upper Mustang hier eintreffen sollte. Im Lhasa Hotel erfahre ich dann, dass er bereits mit dem Bus auf dem Weg von Kathmandu hierher ist und er in 2 Tagen hier eintreffen wird. Alles bestens also… Ich verbringe die zwei Tage Wartezeit hier damit, das verlassene Frauenkloster in Tiri zu besuchen. Im Kloster von Kagbeni leben viele Moenche und an einem Nachmittag verbringe ich eine puja (Gebetsstunde) mit ihnen.

Mönche vor dem Kloster in Kagbeni, Lower Mustang

Und dann trifft Rudra abends ein, er hat allerdings auch noch Andre, einen Kanadier aus Vancouver ‘im Gepaeck’, der auch mitkommen will. Als ich Andre mit seinen Turnschuhen hier antanzen sehe und seine sonstige Ausruestung betrachte ueberkommen mich so meine Zweifel ob das mit ihm gut gehen wird…

Fazit:

Die Gegend in Lower Mustang ist wunderschoen mit Blick auf die Nilgiri Berge und der Dhaulagiri Range. Zum Teil sieht man auch schon in die canyon- und wuestenartige Landschaft von Upper Mustang hinein. Die Doerfer sind alle sehr urspruenglich und zum Teil in dieser Jahreszeit verlassen, da die Einwohner aufgrund der Kaelte die Winter lieber in der nahegelegenen Stadt Pokhara verbringen. Und es hat hier einen grossen Vorteil: Du kannst hier alles problemlos alleine erkundigen und brauchst vor allem kein zusaetzliches permit + guide wie fuer Upper Mustang.

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