Saudi Arabien – Teil 6

17.1. Noch am Abend stellte ich mich unter die Dusche und am Morgen war auch meine Wäsche gemacht. Vielen Dank an Sherif Mohammed! Den nächsten Morgen ging ich wieder einmal zum Friseur, man muß ja schließlich auch was gleich schauen. Dann gehe ich weiter zur Saudi Post im Stadtzentrum, wo ich ein kleines Paket mit Gewand, das ich nicht mehr brauche, nach Hause schicke. Dann meldet sich Sherif Mohammed am Telefon und er bringt mich von der Stadt wieder mit seinem Auto nach Hause. Wir essen gemeinsam, dann erhole ich mich von den letzten Tagen. Um ca. 22h kommt José mit seinem Freund Abel vorbei.

José (zweiter von links) und Abel zu Besuch bei Sherif Mohammed (rechts), in Medina
Selfie mit José, dem Spanier

Beide sind Spanier, die hier leben und zum Islam konvertiert haben. Wir trinken Tee und unterhalten uns bis nach Mitternacht bevor wir uns verabschieden.

19.1. Heute gehe ich früh aus dem Haus und gehe zum Berg Uhud. Der Berg Uhud bei Medina ist berühmt für die Schlacht von Uhud (625 n. Chr.), eine entscheidende Auseinandersetzung zwischen den frühen Muslimen und den Mekkanern, bei der viele Gefährten des Propheten, darunter sein Onkel Hamza, den Märtyrertod starben, was Uhud zu einem Symbol für Standhaftigkeit und eine wichtige Lektion im islamischen Glauben machte. Der Berg selbst ist ein bedeutender Pilgerort, an dessen Hängen die Gräber der Märtyrer liegen.

In dieser Höhle wurde der Prophet Mohammed während der Schlacht von Uhud verarztet.
Am heutigen Bogenschützenhügel

Geschichte der Schlacht von Uhud

Folgen: Die Muslime erlitten schwere Verluste, darunter etwa 70 Märtyrer. Der Prophet wurde verletzt, und die Schlacht wurde zu einer wichtigen Lektion über Disziplin und die Gefahr von Ungehorsam. 

Hintergrund: Die Schlacht war eine Vergeltung der Quraysh aus Mekka für ihre Niederlage in der Schlacht von Badr.

Verlauf: Die muslimische Armee unter dem Propheten Muhammad (ﷺ) stellte sich den Mekkanern in einem Tal nahe Uhud. Der Prophet postierte Bogenschützen auf einem Hügel (dem heutigen Bogenschützenhügel), um die Flanke zu sichern, mit dem Befehl, die Stellung nicht zu verlassen.

Wendepunkt: Als die Muslime zunächst die Oberhand gewannen, verließen die Bogenschützen ihre Posten aus Gier nach Beute, was den Mekkanern ermöglichte, die Muslime einzukesseln.

Am Nachmittag haben Abel und ich uns heute verabredet die Quba Moschee zu besuchen. Sherif Mohammed, Abel und ich essen zumittag Reis und Hendl, es schmeckt hervorragend! Dann fahren Abel und ich zur Quba Moschee. Sie wurde im 7. Jahrhundert n. Chr. zu Lebzeiten des islamischen Propheten Mohammed erbaut . 
Man nimmt an, dass sie die erste Moschee der Welt war und am ersten Tag von Mohammeds Auswanderung nach Medina errichtet wurde. Der Prophet soll den Grundstein gelegt und seine Gefährten den Bau vollendet haben . 
Die Moschee wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, bis sie in den 1980er Jahren vollständig durch einen Neubau ersetzt wurde, der heute noch steht.

Abendgebet vor der Quba Moschee, in Medina

Abel kommt ursprünglich aus Barcelona und studiert hier Arabisch und Theologie. Nebenbei arbeitet er auch als Reiseführer. Gegen Abend kommen wir wieder zurück in das Haus von Sherif Mohammed. Abel, vielen Dank für die Tour! Gegen 22h kommt dann auch Sherif Mohammed nach Hause und er erzählt mir, dass noch sechs seiner Arbeitskollegen zum Abendessen vorbei kommen. Es gibt Fisch und wir verbringen einen lustigen und langen Abend bis 2h morgens.

Abendessen mit den Arbeitskollegen und Freunden von Sherif Mohammed (links)

20.1. Halb ausgeschlafen verlasse ich heute so um 8h morgens das Haus. Ich besuche verschiedene Moscheen, unter anderem auch die Prophetenmoschee. Sie ist nach der Al-Haram Moschee in Mekka die zweitheiligste Moschee im Islam. Im Inneren befindet sich die Grabstätte Mohammed’s, errichtet über seinem Wohnhaus.

Prophetenmoschee in Medina. Unter der grünen Kuppel liegt der Prophet Mohammed begraben.

Am Weg Richtung Quba Moschee kehre ich in ein pakistanisches Restaurant ein wo ich gerade bei einem cay diese Zeilen schreibe. Dann ruft Mohammed Sherif an und wir vereinbaren, dass ich zu ihm ins Büro komme. Von dort fahren wir dann am Abend zu Sherif Mohammed’s Farm, wo er einige Schafe und ein Pferd besitzt.

Auf der Farm von Sherif Mohammed, in der Nähe von Medina

Am Abend essen Sherif Mohammed und ich einmal alleine. Dabei erzählt er mir, wie glücklich er wäre, wenn ich zum Islam konvertiere:-))) Wir verabschieden uns dann und ich habe das Gefühl, einen Freund gewonnen zu haben.

21.1. Ich stehe früh auf und verlasse das Haus um 7h morgens. Vier Nächte war ich hier in Medina, jetzt ist es wieder an der Zeit weiter zu gehen. Jeddah an der Küste wartet auf mich. Es sind ca. 400 km bis dorthin. Am Weg zur Quba Moschee komme ich bei der Eisenbahnendstation der Hedschasbahn vorbei.

Endstation Medina – einst verband die Hedschasbahn Damaskus mit Medina, heute ist das Bahnhofsgebäude nur mehr von außen zu besichtigen

Das Museum darin ist allerdings derzeit geschlossen. Dann schaue ich noch einmal kurz bei der Quba Moschee vorbei und erreiche schließlich um ca. 17h eine Moschee, wo ich mir Instant Nudeln koche.

Gläubige beim Gebet in der Quba Moschee, Medina

Der Imam erlaubt mir leider nicht die Nacht hier zu verbringen und so gehe ich zur nächsten. Während kleine Buben einen Koranunterricht bekommen, warte ich hier auf den nächsten Imam und hoffe, dass er ein Einsehen mit mir hat.

Nun, es kam dann doch wieder ganz anders. Auch der Imam dieser Moschee beharrte darauf, dass hier niemand schlafen könne. Dies hörte jedoch zufällig ein Saudi, der daneben stand, als und meinte schließlich, dass ich mit ihm mitkommen soll. Er wohnte in der Nähe und lud mich ein sein Gast zu sein.

Zu Gast bei einem Saudi, außerhalb von Medina

Wir hatten einen schönen Abend mit seinem Bruder und seiner kleinen Tochter Dami. Am nächsten Morgen schlafe ich etwas länger. Ich merke, ich hatte die letzten Tage zu wenig geschlafen. Dann geht es auf die Straße Richtung Jeddah, das ca. 400 km von hier entfernt liegt. Es passiert heute nicht allzu viel, manchmal bleibt ein Auto stehen, usw… Zumittag esse ich in einem pakistanischen Restaurant und am Abend erreiche ich wieder eine Moschee, wo es auch eine Tankstelle gibt. Ich habe von einem Bengali die Erlaubnis bekommen in der Moschee zu schlafen. Die Nacht ist gesichert… Die Moscheen bei den Tankstellen sind meistens auch in der Nacht gut besucht und so komme ich dieses Mal nicht allzu viel zum Schlafen. In der Früh koche ich mir warmes Wasser und esse zwei Kuchenstücke, die ich mir gestern gekauft habe. Kurz nach dem ich losgegangen bin, erreiche ich eine Polizeikontrollstelle. Ich war schon fast vorbei als dann doch noch einer munter wird und mich zur Reisepasskontrolle bittet. Nach einem Kaffee und einem kleinen Tratsch, reicht er mir den Reisepass und wünscht mir eine gute Reise. Kurz danach hängt sich allerdings wieder einmal ein Polizeiauto an mir an und nach zweimaliger Erklärung, dass ich ihre Hilfe und Begleitung nicht brauche, lässt er überraschend von mir ab und wünscht mir ebenfalls eine gute Wanderung. Ich glaube schon, dass mir da meine kleinen Arabischkenntnisse zu Gute kommen. Von der Polizei abgelenkt, übersehe ich den nächsten Supermarkt und überlege wie ich ohne Zurückgehen zu etwas Essbaren komme. Da bleibt auch schon ein Einheimischer stehen und er bringt mich mit dem Auto ca. 10 km zu einem Supermarkt und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt. Nicht nur das, er zahlt mir dann auch noch das Essen. Auch eine kleine Gaskartusche hat der Shop, die alte wurde heute früh leer. Ich esse Brot und Thunfisch und gehe dann noch bis ca 15h als ich zu einem weiteren Shop komme. Er wird von einem Inder betrieben und er bietet mir an, dass ich in der kleinen Moschee nebenan übernachten kann. Dankend nehme ich an. So kann ich mich auch duschen und mein Leiberl und die Socken waschen. Dann koche ich mir wieder Nudeln und freue mich jetzt auf eine ruhige Nacht mit viel Schlaf!

Während eines Einkaufs beim freundlichen Inder

24.1. Frühmorgens kommt gleich einmal ein Polizist zum Beten in die Moschee. Nicht einmal da hat man seine Ruhe vor denen 🙂 er ist aber sehr höflich und verabschiedet sich schnell. Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von dem netten Inder und erreiche nach ca. 20 km ein bengalisches Restaurant.

Ein Kashmiri auf einem Rad, ein seltener Anblick.

Hier stärke ich mich bei Chicken Curry, Linsen und Brot. Ich beschließe hier die Route nach Jeddah zu ändern. Ich gehe ab jetzt wieder auf kleineren Straßen und die ca. 30 km längere Strecke macht mir dafür nichts aus. Gegen 16:30 erreiche ich eine kleine Moschee wo es Trinkwasser, Strom, etc gibt.

Oft gibt es bei Moscheen auch Wasserbehälter für Trinkwasser, ein wahres Juwel…

Alles was ich gut gebrauchen kann. Ich freue mich wieder auf eine ruhige Nacht inmitten der saudischen Wüste.

25.1. Die Nacht war ruhig und ich konnte gut schlafen. Selbst zum Morgengebet kommt niemand vorbei, es ist eine sehr kleine Moschee. Kleine Moscheen sind mir am liebsten, weil man da mehr Ruhe hat. Am Weg Richtung Süden kommen mir heute Esel und Kamele entgegen.

Eine Eselsfamilie beäugt mich, am Weg nach Jeddah

Um ca. 10h kaufe ich in einem kleinen Supermarkt Essen für heute ein. Zumittag esse ich wieder bei einer Moschee und ein vorbei fahrender Saudi gibt mir Wasser aus dem Auto. Am Weg Richtung Jeddah merke ich dann sehr schnell wie sich ein weißes Auto hinter mir befindet. Wie sollte es anders sein, es ist wieder einmal die Polizei, dieses Mal in Zivil. Sie sind überaus freundlich und erklären mir wo sich die nächste Moschee zum Übernachten befindet. Als der Imam in der Moschee von Al Shfeah von mir erfährt, lässt er Kaffee in die Moschee bringen. Wir haben ein angeregtes Gespräch und letztlich lässt er mir auch noch von einem Jungen eine Matratze bringen. So wird es eine sehr angenehme Nacht hier werden. Die Polizisten machen sich auch wieder aus dem Staub und ich esse Reis mit Huhn, das mir heute jemand aus einem Auto gereicht hat. Sitze gerade vor der Moschee während die Gläubigen zum Abendgebet kommen. Am Abend kommt noch einmal Farhan, so heißt der Imam, zu mir und reicht mir eine Orange und ein Glas warmen Tee. Sie wissen was einem gut tut. Ich schlafe die ganze Nacht durch und um 6h morgens kommt Farhan um mit dem Gebetsruf den Tag einzuleiten. Dann lässt er mir auch noch zum Frühstück ein Reisgericht und ein Glas Tee bringen, vielen Dank! Zum Abschied fragt er mich auch noch warum ich diese Reise mache. Nachdem ich ihm einige Gründe genannt habe, meint er schlicht nur: Du brauchst nichts sinnvolles im Leben tun. Der Inhalt des Lebens sollte sein, Allah anzubieten. Letztlich sterben wir alle. Er hat mir da was zum Nachdenken mitgegeben… Nach einigen Kilometern nähert sich die Schurta (Polizei) wieder und nach einer kurzen Diskussion zieht er wieder Leine. Nach knappen 20 km mache ich in Al Faqirah Mittagspause. Es gibt zur Abwechslung einmal Hendl mit Reis…:-) Nach einem kurzen Nickerchen erkundige ich mich bei den Yemeniten im Supermarkt über den Zustand des Weges, den ich gehen will. Mit dem Auto sei er ein Problem, zu Fuß aber nicht. Mehr brauche ich nicht zu wissen um die eingeschlagene Richtung beizubehalten. Um ca. 16h erreiche ich einen kleinen Markt, wo mir ein Bengali hilft meine STC SIM Karte im ein weiteres Monat zu verlängern. Morgen ist der letzte Tag der Gültigkeit und ich möchte nicht in den Bergen ohne Signal landen. Dann richte ich mich in der kleinen Moschee daneben ein, esse ein wenig etwas und werde gleich schlafen gehen.

Saudi Arabien – Teil 5

Noch bevor es finster wird, sehe ich wie sich die Polizei bei den Afghanis erkundigt wo ich schlafe. Dann kommt der Wagen zu mir und reicht mir Wasser und eine Mehlspeise. Es ist in der Zwischenzeit nicht mehr so kalt und ich verbringe eine angenehme Nacht. Ich wache nächsten Morgen auf und was sehe ich als erstes? Einen Polizisten, der bei der Tür der Moschee herein schaut. Schön langsam nervt es…

Mohammed, so heißt der Polizist, ist ein Hartnäckiger… 🙂

Ich packe meine Sachen und erkläre ihm dann, dass ich seine Hilfe, Beschützung und was auch immer er anführt, nicht brauche… Zwecklos! Er klebt an diesem Tag an meiner Pelle! Am Vormittag hält ein Auto neben mir. Es ist Gerfried, der hier mit seinem Freund Franz auf einen Kurzurlaub hierher gekommen ist.

Nettes Wiedersehen mit Gerfried Tiffner (Mitte) und seinem Freund Franz

Es gibt ein nettes Wiedersehen und Gespräch mit Gerfried, dem Veranstalter des El Mundo Festivals in Judenburg. Dort haben wir uns auch kennengelernt.

Hier hat es ein Kamel nicht mehr geschafft…
Es ist eine windige Gegend hier..

Bei einer Tankstelle mache ich dann Mittag bevor ich die Abzweigung Richtung Medina gehe. Nach einer halben Stunde wieder dasselbe Spiel, ich werde von der schurta (Polizei) ‚beschattet‘. Es sei ausschließlich zu meiner Sicherheit, etc versichern sie mir 🙂 Ich merke je mehr ich denen erkläre, dass ich sie nicht brauche, desto näher rücken sie mir. So beschließe ich sie einfach zu ignorieren und es als zusätzliches Service zu sehen. Auch wenn es mir sehr schwer fällt.

Die schurta (Polizei) beschattet mich. Hier habe ich die Gelegenheit mit einem Kollegen von Mohammed zu reden. Es hilft (vorerst) nichts…

Am Abend eskaliert die Situation als sie mit Scheinwerferlicht vor der Moschee beginnen die Nacht im Auto zu verbringen. Ich verstaube sie… Am nächsten Morgen wache ich um 5h auf und wieder das gleiche Bild. Im Abstand von ca. 200 Metern sehe ich das Licht vom Polizeiwagen. Ich frühstücke und gehe los, die schurta schön langsam hinter mir. Zumittag habe ich dann die Gelegenheit mit Mohammed, dem Polizisten zu reden. Er erklärt mir, dass er mir noch 7 km folgen wird, dann übernimmt ein anderer Polizist meine Bewachung. Als die 7 km um sind sehe ich schon das nächste Polizeiauto kommen und sehe wie sie sich lange unterhalten. Dann stellt sich mein neuer Bewacher bei mir vor und ich erkläre ihm im Guten wieder, dass ich es sehr schätze, Ihr Gast zu sein, etc aber letztlich Ihre und seine Hilfe nicht brauche. Ich glaube sie meinen es wirklich nicht böse und machen nur ihren Job. Helfen tut mir das aber herzlich wenig. Ich merke allerdings, dass sich mit diesem Polizisten besser reden lässt und er es fast einsieht, dass er hier überflüssig ist. Letztlich bleibt ein Tourguide aus Jeddah bei mir stehen und reicht mir Datteln und Wasser. Während er sich für meine Geschichte interessiert, kommt auch schon mein neuer ‚Beschützer‘ vorbei. Um nicht zu sagen, ein saudischer Aufpasser :-))) Der Tourguide versteht meine Situation und ich bitte ihn ein Wort für mich einzulegen. Dann hat dieser Tourguide eine blendende Idee. Er zückt das Handy und fragt ob er ein Video/Interview mit mir machen kann um es in Snapchat zu posten. Ich willige gerne ein und ab diesem Moment ändert sich die Meinung des Aufpassers schlagartig. Die Polizei will um jeden Preis im Netz einen guten Eindruck abgeben. Schon gar nicht will sie den Eindruck erwecken, einem ausländischen Reisenden Probleme zu bereiten. Plötzlich sei es auch kein Problem mehr, dass ich alleine weiter gehen kann, etc.. Letztlich sind alle zufrieden und gehen von dannen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich den Polizisten nicht mehr gesehen. Es scheint sie lassen jetzt los von mir, inshallah… Ich glaube es erst wenn ich in Medina und Jeddah bin!

Ich gehe noch einige Kilometer und auch der nächste Supermarkt stellt sich als Ente heraus. Da ging schon länger nichts mehr über den Tresen… Da ich mich auf diesen Markt verlassen habe um mein Essen wieder aufzustocken, habe ich plötzlich ein kleines Problem. Ich habe so gut wie kein Essen mehr und der nächste Supermarkt befindet sich in ca. 80 km Entfernung. Es bleibt mir also nichts anderes übrig als in der Nähe einer Moschee bei einem Haus vorstellig zu werden. Ich werde zu Kaffee und Tee eingeladen und der Mann erlaubt mir auch in der Moschee zu übernachten. Er gibt mir auch Essen und ich möchte ihm wirklich gerne Geld dafür geben. Da hast Du hier keine Chance…

Vielen Dank für die reichlichen Gaben
Brot, Joghurt, Tomaten, Gurken, Orangen… Das Essen ist gesichert! Vielen Dank!

Dann sperrt er mir noch die Moschee auf und fährt mit seinen drei Buben ins Nachbardorf. Am Abend kommt der Imam und ein Pakistani zum Beten vorbei und ich erkläre ihnen warum ich hier bin. Dann wird es ruhig und ich werde mich dann auch gleich niederlegen. Es warten wieder lange 150 km auf mich, auf denen es keine Versorgungsmöglichkeiten gibt. Ich verbringe den Abend wieder einmal ohne Polizei und merke wie mir die wiedergewonnene Freiheit gut tut. Ich hoffe es bleibt auch so… Die folgende Nacht verläuft ruhig und siehe da, in der Früh keine Polizei weit und breit! Nach dem Frühstück ziehe ich los. Ich bin jetzt in einer Gegend, in der es für ca. 150 km keine Tankstellen und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Aber es bleibt in dieser Gegend fast alle zehn Minuten ein Auto stehen und reicht mir Wasser und Proviant. Sehr schnell wird mein Rucksack voll und ich muß jeglichen zusätzlichen Proviant ablehnen.

Verkehrsunfall der anderen Art. Hier kam ein Wüstenfuchs wohl unter die Räder…

Zumittag mache ich bei einer Moschee halt und lege mich in den Schatten. Zumittag wird es auf ca. 250 Meter Seehöhe schon wieder ganz schön heiß und ich merke, daß es besser ist wenn ich während der Mittagszeit pausiere.

Medina ist bereits in Griffweite – 165 km noch…

Nach knapp 30 km erreiche ich wieder eine Moschee im Nirgendwo. Ich wasche meine Füße, mein Gesicht, usw und richte mich in der Moschee ein.

Diese Moschee beherbergt mich heute…

Ich brauche auch wieder einmal das mitgebrachte Nelkenöl gegen die vielen Fliegen. Und von der Polizei keine Spur mehr – Halleluja!

12.1. Ich stehe heute schon vor 5h auf, frühstücke einen Teil der geschechenkten Sachen und starte kurz nach 6h. Es ist noch finster, windstill und es hat angenehme Temperatur.

Am Weg von Al’Ula nach Medina

Immer wieder prasseln auch heute wieder die Geschenke herein. Wasser, Energy drinks, Obst und Süßigkeiten gehören dazu. Manchmal werde ich auch auf einen saudischen Kaffee mit Datteln aus dem Auto eingeladen. Willkommene Pausen! Heute habe ich einen Abschnitt vor mir mit absolut gar nichts ausser einem kleinen Fettblattbaum.

Fettblattbaum am Weg nach Medina

Selbst um die Mittagszeit versuche ich vergebens nach einem Schatten. Am Nachmittag beginnt es auch noch stürmisch zu werden und ich schlucke viel Sand.

Ein Sandsturm zieht über die Wüste…

Ziemlich abgekämpft erreiche ich um ca 16h eine offene Moschee in der ich nächtigen werde. Immer wieder kommen Gläubige zum Gebet bis es finster und ruhig wird.

13.1. Die Nächte im Freien sind hier bereits angenehm warm und so starte ich frühmorgens ausgeschlafen Richtung Medina. Am Vormittag komme ich bei einem Zelt vorbei und da ich eh schon ca. 2 Stunden gegangen bin, gehe ich auf das Zelt zu um Rast zu machen. Es kommt ein Imker aus dem Yemen heraus und lädt mich auf einen Tee ein.

Ein nomadischer Imker aus dem Yemen – am Weg nach Medina

Im Zelt lässt er mir dann zwei seiner Honige kosten. Einen von Tabuk und einen von Medina. Der von Tabuk schmeckt eher herber während der von Medina eher lieblicher schmeckt. Er erklärt mir, dass er schon sechs Jahre hier ist und mit den Bienenvölkern mitzieht. Er ist sozusagen ein nomadischer Imker.

Bienenstöcke inmitten wüstenähnlicher Landschaft

Wo auch immer die Bienen hinziehen, er folgt ihnen mit seinem Zelt. Er macht dann auch noch ein Video von mir bevor ich mich von ihm verabschiede. Zumittag komme ich zu einer offenen Moschee wo ich pausiere und mit einem Afghanen längere Zeit rede.

Mittagsgebet in einer offenen Moschee

Am Nachmittag komme ich endlich wieder einmal bei einer Tankstelle vorbei und ich kaufe mir eine Fischdose. Dann geht es weiter. Kurz vor einer Hedschasbahnstation machen drei Autos halt und füllen mir die Wasserflaschen an. Sie reichen mir Süßigkeiten und Orangen bevor sie wieder weiterfahren. Ohne der Unterstützung der vorbei fahrenden Autos wären die langen Strecken ohne Versorgungsmöglichkeiten kaum zu schaffen! Neben der Hedschasbahnhofsstation befindet sich eine kleine offene Moschee und ich verbringe einen friedlichen Abend hier.

Zwei Hedschasbahnhofsstationen inmitten der Wüste – am Weg nach Al’Ula. Die Hedschasbahn verband früher Damaskus mit Medina bevor sie während des 1. Weltkriegs weitgehend zerstört wurde.

14.1. Die Nacht verlief ruhig und war sternenklar. Nach einem halben Liter warmes Wasser und einigen Essensresten von gestern starte ich in den Tag hinein. Bald sehe ich langsam einen Schatten auf mich zukommen. Es ist Henk aus Holland und hält an.

Henk aus Holland beendet bald seine Afrikaumrundung – Mashallah!

Wir unterhalten uns eine Weile und tauschen Nummern, etc aus. Er ist bereits 75 Jahre alt und ist gerade dabei seine Afrikaumrundung zu beenden. Mashallah, würden die Saudis sagen 🙂 Für mich auch eine Inspiration, dass noch nicht aller Tage Abend ist. Er fährt weiter Richtung Norden und ich gehe weiter Richtung Süden, mit einigen Tipps von Henk im Gepäck. In einem pakistanischen Restaurant esse ich zwei Paratha und ein Bohnengericht, dazu einen Tee mit Milch. Dann geht es weiter bis zu einer Moschee wo ich über die Mittagszeit etwas schlafe. Währenddessen lade ich die Powerbank wieder auf.

Mittagsgebet…

Letztlich gelange ich an diesem Tag gegen Abend zu einer Moschee, wo es Trinkwasser und Strom gibt. Genau das, was ich am meisten brauche. Zum Abendgebet kommen einige Gläubige und zwei davon wollen mich stantapede zum Islam konvertieren :-))) Nur mit Mühe kann ich sie davon abbringen und versichere ihnen, dass der Islam eine gute Religion ist. Zufrieden ziehen sie von dannen und ich werde mich jetzt dann auch gleich niederlegen. Gute Nacht!

15.1. Start heute um 7h bei Morgengrauen. Der Wind hat nachgelassen und gegen Mittag erreiche ich eine Moschee und einen kleinen Markt. Hier mache ich Mittag mit Brot, Käse und Süßigkeiten, die mir der Tag brachte. Dann gehe ich bis ca 17h weiter Richtung Medina und schlage mein Quartier in einer Moschee auf. Ein Afghani versorgt mich hier mit Wasser, so ist der Abend gesichert. Die Nacht verläuft ruhig und so starte ich am nächsten Tag bereits kurz nach 6h früh, es ist noch finster. Dafür geht in der Früh meist noch kein Wind. Heute beginnt er so wie fast jeden Tag so um 9h, heute einmal direkt auf die Nase. Ich verzehre die letzten Datteln, die ich von Ibrahim geschenkt bekommen habe, und gehe dieses Mal ohne Essensvorräte und einem halben Liter Wasser Medina entgegen. Ich merke wie leicht der Rucksack auch plötzlich wieder ist:-) Am Vormittag kommt die schurta wieder einmal vorbei und will meinen Pass sehen. Mein Ton ist bereits ein ziemlich bestimmter. Als mich der Polizist fragt ob ich ein Reisender oder ein Tourist bin, frage ich ihn forsch was denn der Unterschied sei. Er zuckt mit den Achseln und ich lasse ihn stehen. Ich habe ihn nicht mehr wieder gesehen… :-))) Um ca. 14h erreiche ich dann nach 30 km eine Hendlbude und es gibt Brathendl mit Pommes und verschiedenen Saucen. Welche ein Genuss! Nach weiteren 10 km sitze ich gerade in einem pakistanischen Restaurant und ein Pakistani namens Riaz hat mir versprochen, mit dem Imam zu reden. Mit seiner Erlaubnis könne ich in der Moschee übernachten.

Riaz, ein Pakistani aus dem Paschtunengebiet, kümmert sich um mein Wohlergehen…

Als ich ihm auch erzähle, dass ich seit zwei Wochen keine Dusche mehr hatte, verspricht er mir für eine Dusche mit warmen Wasser zu sorgen. Inshallah! Tatsächlich wird die Dusche mit warmen Wasser wahr, dieses Mal mit dem Becher aus einem Kübel. Es braucht dieses Mal drei Waschgänge bis ich das Gefühl habe wieder sauber zu sein. Dann sitze ich geschniegelt mit Riaz im pakistanischen Restaurant.

Zwei pakistanische Köche…

Während wir essen erzählt er mir auch dass es nicht immer leicht ist hier zu arbeiten, nicht alle Saudis seien nett zu ihnen… Mit vollem Magen gehe ich dann in die Moschee schlafen.

17.1. Ich konnte kaum schlafen, weil ich einfach zu viel gegessen habe. Ich muss mich in Zukunft wieder ein wenig mehr zügeln, wenn es gutes Essen gibt. Am Morgen lasse ich mir noch ein Paratha (pakistanisches Brot) und einen cay schmecken bevor der Tag beginnen kann. Es sind heute nur mehr ca. 20 km bis ins Zentrum von Medina.

Gläubige vor der Moschee der zwei Gebetsrichtungen, in Medina
In den Straßen von Medina

Um ca. 14h stehe ich dann vor der Prophetenmoschee, die für Nicht-Muslime geschlossen ist.

Vor der Prophetenmoschee in Medina – für Nicht-Muslime Eintritt verboten!

Ein erhabener Moment zumindest von außen diese Moschee zu sehen, in der der Prophet Mohammed begraben ist. Ich bin heute bei Sherif Mohammed eingeladen bei ihm zu übernachten. Er ist ein Freund von José, dem Spanier, den ich am Weg hierher kennengelernt habe. Sherif Mohammed ist ein mauretanischer Araber und spricht Spanisch und Arabisch. Wir unterhalten uns auf Spanisch, da mir diese Sprache doch geläufiger ist als Arabisch. Er erzählt mir, dass er zwei Frauen hat und so besuchen wir am Nachmittag eine von den beiden. Es gibt Reis und Grillhendl, danach guten mauretanischen Minztee. Dann fahren wir wieder in die Wohnung von Sherif Mohammed zurück. Hier kann ich mich duschen und die Haushälterin wird mir auch die Wäsche waschen. Mehr als notwendig, sag ich nur 🙂 Ich bin froh hier zu sein.

Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 1.250

Gesamtdauer in Saudi Arabien: 46 Tage

Gesamtkilometer von Österreich nach Medina in Saudi Arabien: 6.900

Gesamtdauer von Österreich nach Medina in Saudi Arabien: 11 Monate

Zusammenfassung:

Es war ein langer und letztlich auch kräftezehrender Weg von Al’Ula hierher nach Medina. Über 350 km mit nur wenigen Versorgungsmöglichkeiten und Tankstellen. Letztlich waren es die Autofahrer, die mir das Leben leichter machten und mir täglich Wasser und Proviant aus den Fenstern reichten. Der starke Wind und zwei Sandstürme inmitten der Wüste setzten mir zusätzlich auch noch zu. Die Distanzen in diesem Land sind schon noch einmal anders als in Jordanien oder Israel. Die Polizei hat sich Gott sei Dank nach zwei Tagen wieder abschütteln lassen. Dank an alle Saudis und sonstigen Helfern auf dem Weg! Ohne Euch wäre diese Strecke nur sehr schwer machbar gewesen!

Saudi Arabien – Teil 4

31.12.2025: Der letzte Tag des Jahres fängt sehr gemütlich an. Ich stehe so um 7h und um 8h ruft mich Ibrahim zum Frühstück. Gemeinsam mit seinem Onkel Obaid lassen wir uns frisch gebackenes Brot, Eier, Foul, Käse, etc schmecken – alles köstlich! Dann kommt auch noch Abdullah vorbei, ein Freund von Ibrahim. Er und Obaid bieten mir an mit ihnen in die Stadt Al’Ula zu fahren. Während Abdullah etwas erledigen muss, kann ich mich endlich wieder einmal rasieren lassen. Ein bengalischer Barber gibt mir dann auch noch eine Wachsbehandlung, sodass meine kleinsten Haare dann auch noch verschwinden 🙂

Wachsbehandlung beim Barbier in Al’Ula

Gegen Mittag kommen wir wieder zurück in das Dorf Al Hajr, wo auch Ibrahim lebt und wir essen im Haus von Abdullah Kabsa. Dabei lerne ich auch seine ganze Familie kennen.

Zu Besuch in Bashar’s Haus
Obaid kümmert sich um den Tee

Ylmaz hat sich heute angesagt und so kehren wir in Ibrahim’s Haus zurück und nehmen ihn in Empfang. Er duscht sich und kommt erst einmal an. Den restlichen Nachmittag und Abend verbringen wir mit Kennenlernen und Kabsaessen.

Kabsaessen am Sylvesterabend, in Al Hajr in der Nähe von Al’Ula
Sheikh Georg – Fais und Abdullah haben mich traditionell hergerichtet

Dann kommt auch noch Saif vorbei, ein security Typ, und erkundigt sich nach unseren Routen, etc. Speziell über Ylmaz will er mehr wissen. Ylmaz hat seit seiner Einreise nach Saudi Arabien ziemliche Probleme mit der Polizei. Sie haben ihn in Tabuk nicht gehen lassen und haben ihn mit dem Auto 200 km rausgefahren, etc. Ich hatte bis jetzt überhaupt keine Probleme mit der Polizei… Wir verbringen einen schönen Sylvesterabend, der hier als solcher überhaupt nicht gefeiert wird.

1.1.2026: Ylmaz, Obaid und ich essen gemeinsam Frühstück im Zelt von Ibrahim. Dann fahre ich mit Obaid zu seinem Haus. Er besitzt eine Palmenplantage und hat einen Ägypter für sich arbeiten, der sich um die Plantage kümmert.

Obaid hat auch Schafe auf seiner Farm

Muhammed, so heißt der Ägypter, bietet mit cay an. Dann geht es weiter ins Dorfkrankenhaus, wo wir Ylmaz eine antibiotische Salbe für seine Blasen an seinen Füßen mitnehmen. Im Supermarkt kaufe ich dann noch Wasser und ein neues, kleines Handtuch aus Baumwolle. Das alte habe ich mir die letzten Tage beim Kochen angebrannt 🙂 Zurück in Ibrahim’s Zuhause habe ich heute einmal Zeit meine Isomatte zu flicken. Justament am Heiligen Abend habe ich in der kleinen Moschee vergessen, die Unterlagsmatte unter die Isomatte zu legen. Seit dem hat sie immer leicht Luft verloren. Ich wasche sie mit warmen Seifenwasser und sehr schnell sehe ich wo eine Blase aufsteigt. Dann markiere ich mit einem Kugelschreiber das Loch und schnell ist das Loch geflickt.

Das Loch in der aufblasbaren Isomatte war schnell gefunden und geflickt

Anschließend telefoniere ich mit Muttern, es ist alles gut zuhause. Zum Neujahrsschmaus gibt es Kamelfleisch, es schmeckt hervorragend! Am Nachmittag legen wir alle ein Nickerchen ein. Schön langsam beginnt sich jetzt aber wieder etwas zu rühren und es wird sicher wieder einer dieser schönen Abende inmitten von saudischen Beduinen. Es wird Tee getrunken, es werden Geschichten erzählt, usw… 1001 Nacht eben.

Mit Abdullah in Ibrahim’s Zelt in Al Hajr in der Nähe von Al’Ula

Der heutige Abend bricht endgültig das Eis und es herrscht ausgelassene Stimmung bis 1h in der Früh.

Neujahrsschmaus in Ibrahim’s Zelt

2.1. Um 9h kommt Ibrahim zu Ylmaz und mir in unseren Schlafraum rein und wir bekommen wieder Frühstück mit Brot, Foul, Käse und Halvar. Dazu Kaffee und Tee, wie immer bestens! Anschließend zeigt er uns mit seinem Auto die Gegend im Al’Ula herum. Während Ibrahim und Ylmaz ihr Freitagsgebet verrichten, dusche ich mich und schreibe diese Zeilen. Bandar und Asus zeigen uns mit ihrem Auto die Sehenswürdigkeiten, für die man keinen Eintritt zahlen muss. Das Maraya, das größte verglaste Gebäude der Welt, die Altstadt von Al’Ula und letztlich auch noch den Elefant Rock.

Maraya, das größte verglaste Gebäude der Welt. Es finden Konzerte, Konferenzen, etc darin statt
Vor dem Maraya, vlnr.: Asus, Ylmaz, Bandar und meine Wenigkeit
Elefantenfelsen (Jabal AlFil). Eine gigantische Felsformation, die aussieht wie ein Elefant,in Al’Ula.

Am Abend gibt es bei Bashar, dem Vater von Bandar, Mandi gegart im Erdofen.

Bashar bereitet das Mandi vor. Ein traditionelles Reisgericht mit Fleisch im Erdofen gegart.

Mandi ist ein traditionelles Gericht mit Fleisch und gewürztem Reis und es schmeckt hervorragend. Den Abend verbringen wir mit cay bei Bashar und lassen den Abend ausklingen.

Zu Gast bei Bashar (rechts von mir). Das Mandi schmeckte hervorragend! Vielen Dank!!!

3.1. Heute ist es wieder soweit. Frühmorgens packt Ylmaz seine Sachen und geht Richtung nabatäischer Gräber in der archäologischen Stätte Hegra. Ibrahim und ich folgen ihm dann mit dem Auto. Für 150 SAR beginnt um 8h ein Hop on hop off bus alle 10 Minuten die Sehenswürdigkeiten und Gräber der Nabatäer abzugrasen.

Jabal Ikmah in Hegra. Ein Berg mit einem beeindruckenden Siq (Schlucht).
Ca. 2.000 Jahre alte Felsinschriften der Nabatäer beim Jabal Ikmah in Hegra
Eines der vielen Felsengräber des Jabal Al Banat, in Hegra
Eines der vielen Felsengräber des Jabal Al Banat, in Hegra
Eines der vielen Felsengräber des Jabal Al Banat, in Hegra
Zwei der vielen Felsengräber des Jabal Al Banat, in Hegra
Jabal Al-Amar (Roter Berg). Roter Sandsteinfelsen, berühmt für die gut erhaltenen, kunstvoll in die Klippen gemeißelten Nabatäer-Gräber.
Ein Einheimischer Ranger vor dem Grabmal von Liyhan, dem Sohn von Kuza. Das größte und bekannteste Einzelgrab in Hegra, das fast 25 Meter hoch ist.

Die archäologische Stätte von Hegra war nach der nabatäischen Hauptstadt Petra in Jordanien die zweiwichtigste Stadt der Nabatäer.

Hegra (auch bekannt als Mada’in Salih) ist eine antike archäologische Stätte in Saudi Arabien und das erste UNESCO-Weltkulturerbe des Landes, berühmt für seine gut erhaltenen, aus Sandstein gehauenen monumentalen Gräber der Nabatäer (ähnlich Petra in Jordanien), die eine blühende Handelsstadt an der Weihrauchstraße repräsentieren. Die Stätte zeigt meisterhafte Architektur, Ingenieurskunst (Wasserkanäle) und Handwerkskunst und bietet Einblicke in das Leben der Nabatäer vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert n. Chr.. Hegra ist heute ein wichtiges Kultur- und Reiseziel in der Region AlUla. 

Gegen 12h sind Ylmaz und ich wieder beim Parkplatz zurück wo Ibrahim auf mich gewartet hat.

Am Parkplatz von Hegra mit unserem Unterkunftsgeber Ibrahim (rechts) und seinem Freund, der ebenfalls Ibrahim heißt.

Dann nehmen wir Ylmaz noch ca. 2 km mit bevor er sich endgültig von uns verabschiedet. Er ist ein bisschen unter Zeitdruck. Ich werde noch ein bis zwei Tage bleiben bevor es bei mir auch weitergeht. Zurück im Haus von Ibrahim frühstücken wir beide, jetzt wird am Nachmittag gerade gerührt. Für mich sind diese Tage hier wunderschön und ich kann mich auch ein wenig für die kommenden Kilometer nach Medina und Dschidda erholen. Den Nachmittag und Abend verbringe ich hauptsächlich damit wieder einmal an meinem Bericht zu schreiben und die Fotos abzusichern. Am nächsten Morgen besuche ich per Anhalter die Gharameel Wüste und den Rainbow Arch. Die Gharameel al-Ula sind aufgeschütteter Sand. Sie bezeichnen filigrane, säulenartige Felsformationen, die sich in der Nähe von Sandansammlungen befinden und von den Böen sandbeladener Winde geformt wurden.

Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Vier junge Männer aus Rijadh haben hier genächtigt, in der Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Eine der Hedschasbahnhofsstationen, in der Gharameel Wüste, nördlich von Al’Ula
Kameltransport auf Saudiart – irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass sie gerne die Ausfahrten machen, mit erhobenen Haupt und neugierig. Ich kann mich aber auch täuschen…
Rainbow Arch, nördlich von Al’Ula
Kamele in der Nähe des Rainbow Arch, nördlich von Al’Ula

Am Abend kommen noch einmal Obaid, Fais, Ibrahim, Abdullah und Salem vorbei und nach einem letzten Kabsa verabschiede ich mich von Ihnen. Ich habe die Jungs wirklich ins Herz geschlossen und der Abschied fällt mir dieses Mal schwerer als sonst. Aber es muß jetzt auch wieder weitergehen.

Auch Ibrahim’s Kinder kamen vorbei um sich zu verabschieden
Mein Quartier bei Ibrahim

5.1.2026: Frühmorgens verabschiede ich mich von Ibrahim und bedanke mich noch einmal für alles. Am Weg Richtung Hegra bleibt ein Radfahrer auf meiner Seite stehen. Es ist Josef aus Tschechien.

Josef aus Tschechien – er kam mit dem Fahrrad aus Tschechien hierher

An seinem äußeren erkenne ich schnell, dass er schon länger unterwegs ist. Er kam mit dem Fahrrad aus Tschechien hierher und tourt jetzt gerade durch Saudi. Wir tauschen die Nummern aus und ziehen weiter. Al’Ula selbst ist mir um den Tick zu touristisch und nach einem kurzen Aufenthalt gehe ich noch ein paar Kilometer weiter in das nächste Dorf.

Am Weg nach Al’Ula
In der Altstadt von Al’Ula
Auch die Orangen sind jetzt reif, in Al’Ula

Wieder ist es dort eine Moschee, in der ich nächtigen kann. Am nächsten Vormittag erreiche ich dann nach ca. 15 km eine Tankstelle und während ich einen Kaffee trinke meldet sich Josef bei mir. Er ist ebenfalls ganz in der Nähe und 5 Minuten später sitzen wir auch schon zum Kaffee zusammen. Er erzählt mir von der Dakar Ralley und das am heutigen Tag ganz in der Nähe das Bivouac ist. Spontan entschließen wir uns uns Gepäck, etc hier zu lassen und per Autostop hinzukommen. Ein chinesisches Dakar Auto bringt uns zum Dakar Lager und 10 Minuten später sind wir auch schon drinnen.

I’m tschechischen Camp von Martin Prokop. Vlnr.: Tschech. Journalist, Jean Luc aus Lille (F), Josef (CZ) und meine Wenigkeit
Nicht immer wo 0,0% drauf steht ist auch 0,0% drin:-) – das tschechische Bier schmeckte vorzüglich! Vielen Dank!

Wir verbringen einen sehr interessanten und spannenden Tag inmitten der Motorräder, Autos und Trucks.

Nach dem Rennen…
Dakar 2026
Dakar 2026
Treffen mit Andi Hölzl (KTM Team Manager) und Fritz, dem KTM Motorenmechaniker aus Mattighofen
Dakar 2026
Dakar 2026
Dakar 2026
Dakar 2026

Ich halte auch Ausschau auf Charlie Herbst, dem Sohn meines Freundes Philippe aus der Bretagne. Und tatsächlich erblicke ich seine Nummer (86) und halte ihn an. Er kommt gerade vom Rennen zurück und wir unterhalten uns kurz.

Treffen mit Charlie Herbst – er nimmt seit Jahren mit dem Motorrad bei der Dakar Ralley teil
Im Camp mit Charlie – während er eine Fischdose isst, erzählt er mir, dass er mit einem gebrochenem Fuß startet… Tough guy, chapeau!

Er lädt mich ein zu ihm ins Camp zu kommen. Dort erzählt er mir, dass er heuer mit einem gebrochenen Fuß die Dakar fährt. Tough guys, sag ich nur… Am Abend nimmt uns dann wieder ein Dakar Auto zurück zur Tankstelle. Es ist dies Marek Dabrowski, der Vater von Konrad Dabrowski, der ebenfalls bei den Motorrädern startet und die Verlobte von Konrad.

Selfie mit Marek Dabrowski (2. v.l.), Josef (CZ) und der Verlobten des Sohnes von Marek – Vielen Dank für den lift!

Marek erzählt, dass er selber auch 15x teilgenommen hat. Vor allem als die Ralley noch durch Afrika ging… Seine beste Platzierung war ein 7ter Platz! Wir haben viel Spaß im Auto und bedanken uns für die Mitnahme. Ich schlafe in der Moschee und Josef im Zelt hinter der Tankstelle. Am nächsten Morgen verabschiede ich mich von Josef, der weiter Richtung Norden radelt. Letztlich gelange ich so um 16h zu einem Shop und einer kleinen Moschee, in der ich heute schlafen werde.

Wassertank entlang der Straße am Weg nach Medina

Seit heute bekomme ich auch immer wieder Besuch von der Polizei. Sie erkundigen sich wie es mir geht, reichen mir Wasser und Essen.

Besuch von der schurta, so wird die Polizei hier in Saudi genannt… Naja:-)))

So spiele ich halt das Spiel mit und mache gute Miene dazu. Es geht nun wirklich direkt nach Medina, ca. 270 km sind es noch. Ich werde mich immer auf ca 400 oder 500 Meter Seehöhe befinden. Das schwierigste Gelände scheint hinter mir zu sein. Am nächsten Tag werde ich von einem Beduinen zum Kaffee eingeladen.

Einladung zu einem saudischen Kaffee – hat man genug wird mit der Tasse geschüttelt

So viele Einladungen wie hier habe ich in noch keinem Land erfahren, selbst die Türkei muss da zurück stehen. Zumittag lasse ich mir Ziegenfüsse und ein Roti schmecken.

Rechts die Ziegenfüsse und links Bohnen mit Kartoffeln, dazu ein Roti – das pakistanische Essen ist immer ein Genuss! Die Ziegenfüsse waren allerdings nicht unbedingt meines… 🙂

Der pakistanische Besitzer aus Rawalpindi gibt mir 50% Discount. Vielen Dank! Es geht der Straße entlang bis ich zu einem kleinen Shop komme. Zwei Afghanis betreiben den Laden und geben mir Wasser. In einer nahegelegenen Moschee esse ich und werde hier auch schlafen.

Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 865

Zusammenfassung:

Noch in keinem Land habe ich soviel Gastfreundschaft erfahren wie in Saudi Arabien. Selbst die Türkei muss da hinten an stehen. Jeden Tag Einladungen zum Kaffee oder Tee, Autos bleiben stehen und reichen mir Wasser und Proviant, unglaublich! Vielen Dank für Eure Hilfe! Ich fühle mich fast getragen nach Medina… Die Umgebung von Al’Ula ist mit den Felsengräbern der Nabatäer in Hegra und den umliegenden Felsformationen wunderschön. Speziell die Gharameel Wüste hat mir auch sehr gut gefallen. Die Dakar 2026 war natürlich ein absolutes Kontrastprogramm zu dem was ich gerade mache. Umso mehr war ich begeistert von dem Speed und der Atmosphäre dieses Spektakels! Schade, dass die Einheimischen davon nicht so viel mitbekommen.

Saudi Arabien – Teil 3

Am 22. Dezember ist es dann soweit. Ich nehme Abschied von Mohammed, der mir in den letzten Tagen wirklich ans Herz gewachsen ist.

Wandern ist hier wunderschön, im Wadi Disah
Wadi Disah

Am Weg raus aus dem Wadi kommen mir Ulf und Regine mit ihrem Auto entgegen.

Regine und Ulf aus der Nähe von Nürnberg, im Wadi Disah

Sie haben es sich anders überlegt und bleiben auch noch ein wenig länger hier. Zumittag komme ich zu einer Tankstelle, wo ich bei Yemeniten eine Pause einlege und zumittag esse. Gegen Abend erreiche ich dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine kleine Ortschaft mit einer Moschee, einem Restaurant und einem kleinen Supermarkt. Alles was ich für den heutigen Abend brauche. Die Nacht in der Moschee verläuft ruhig und am nächsten Morgen deutet mir beim Beten in der Moschee der Angestellte vom Supermarkt, dass ich zu ihm kommen solle. Meine Stecken befinden sich bei ihm – Glück gehabt! Nach einem cay im Supermarkt geht es wieder weiter. Ich befinde mich nun auf ca. 350 Höhenmeter und es ist angenehm warm. Auf einer Tankstelle mache ich Mittag und schreibe meine Weihnachtsgrüße, dann geht es weiter.

Zwei Schwerter und eine Palme, das offizielle Staatswappen von Saudi Arabien.

Kurz nach der Ortschaft Shuwaq bleibt ein Auto stehen. Es ist Saber und er lädt mich ein bei seiner Farm zu übernachten. Ich nehme gerne an und wir verbringen gemeinsam den Abend in seinem Camp.

Übernachtung im Camp von Saber

Er möchte hier gerne auf seinem Farmland einen Campingplatz machen, er setzt auf den Tourismus. Sicher nicht falsch, das Land öffnet sich seit 2019 ganz bewusst dem Tourismus um so weniger abhängig von den Öleinnahmen zu werden. Nächsten Morgen, es ist der 24. Dezember, starte ich noch bei Finsternis.

‚Berge wie in Colorado‘ versprach mir Saber gestern. So unrecht hat er nicht gehabt!

Es warten heute viele Kilometer und vor allem auch Höhenmeter auf mich.

Bergwelt am Weg nach Al’Ula

Es scheint als hätte ich mir diese kleine Prüfung für Weihnachten vorgenommen 🙂 Letztlich erreiche ich bereits um halb vier nachmittags eine kleine Moschee, in der ich mein Quartier aufschlage.

Kleine Moschee auf 1.350 Meter Seehöhe – meine Weihnachtsherberge
Heiliger Abend 2025 – in dieser kleinen Moschee auf 1.350 Meter Seehöhe

Ich verbringe den Heiligen Abend auf ca. 1.300 Meter Seehöhe, weitab von jeder Zivilisation. Sternenklar und kalt war die Nacht, aber wunderschön!

Nach einem kurzen Frühstück mit warmen Wasser, Brot und einer Orange ziehe ich weiter Richtung Al’Ula. Nach ca. 15 km kommt mir eine Kamelherde entgegen und ich mache Halt. Der Kameltreiber kommt aus Kordofan im Sudan und erlaubt mir kurz sein Kamel zu reiten – vielen Dank!

Kamelreiter aus dem Sudan
Von nun an geht es Richtung Al’Ula, der südlichsten Stadt der Nabatäer

Am Nachmittag erreiche ich eine Tankstelle wo ich Brot und Thunfisch aus der Dose esse. Ich erspähe in der Nähe eine Moschee und frage den Tankstellenbetreiber ob ich übernachten könne – kein Problem! Und so sitze ich gerade in der Sonne vor der Moschee und schreibe diese Zeilen.

Rast vor einer Moschee

Am Abend kommt noch der Imam vorbei. Er wird von einem Jungen geführt, der Imam ist blind. An den Gesichtszügen merke ich, dass er mir gut gesinnt ist. Ich erkläre ihm woher ich komme und wohin ich wolle und schließlich gibt auch er mir noch das OK, dass ich in der Moschee schlafen kann. Um ca. halb 6h am Morgen kommen die beiden wieder und es ertönt der Ruf zum Gebet. Und ich bin munter 🙂 Ich koche mir auf der Stiege vor der Moschee Wasser und esse Brot und Erdnussbutter. Dann gehe ich in Richtung der Ortschaft Al Faraah, die 22 km entfernt liegt. Plötzlich bleibt ein Auto stehen. Es ist Mubarak, ein Tourguide aus Al’Ula, der hier gerade mit zwei Schweizerinnen eine Rundtour ins Wadi Disah, nach Tabuk und wieder zurück nach Al’Ula macht.

Nettes Stelldichein mit Mubarak und den beiden Schweizerinnen

Ich bekomme Süßigkeiten zur Stärkung und er bietet mir auch an, mein Zelt auf seinem Campingplatz in Al’Ula aufzustellen. Wann immer ich erzähle, dass ich hier zufuss von Österreich hierher gegangen bin, beginnen die Leute mich anzustarren und Fragen zu stellen. Letztlich gibt mir Mubarak auch noch die zusätzlichen Infos für meine bevorstehende Route auf einer kleinen Nebenstraße. Sie sei befahren, wenn auch sehr wenig und es gibt dort auch Beduinen, die dort leben. Genau diese Informationen brauchte ich um beruhigt dort in diesen Abschnitt hinein zu gehen. Es wird dort ca. 80 km keine Möglichkeit geben, etwas einzukaufen, etc… Mein Motto lautet immer: Wo immer Menschen leben, kann auch ich leben! Als nächstes kommt die Ortschaft Al Faraah. Es gibt wieder einmal ein ordentliches Mittagessen mit Reis und Hendl. Hier telefoniere ich längere Zeit mit Ylmaz, den ich in Aqaba kennengelernt habe. Er ging die letzten drei Jahre von Südafrika hier herauf nach Saudi Arabien. Er ist derzeit in Tabuk und als Muslim am Weg nach Mekka. Es gibt einige kleine Probleme bei ihm und wir tauschen uns aus… Auf der Karte sehe ich, dass die nächste Ortschaft knappe 25 km entfernt liegt. Zu weit um diese heute noch zu erreichen. Und wieder dasselbe Spiel. Ich sehe eine Moschee und frage den Betreiber eines kleinen Supermarkts daneben ob ich hier schlafen könne. Er gibt mir nicht nur seine Zustimmung sondern auch noch Wasser mit und wünscht mir einen schönen Abend. Am nächsten Morgen gehe ich Richtung Abu Rakah, das ich um die Mittagszeit erreiche.

Morgen in Al Faraah
Die Landschaft wird karger, außerhalb von Al Faraah

Ein Sudanese aus Khartoum lässt mich in seinem kleinen Zimmer jausnen.

Mit dem Sudanesen auf der Tankstelle in Abu Raka

Dann gehe ich noch ca. 10 km weiter bevor ein Ehepaar mit ihrem Sohn halt machen. Es ist dies Tarek aus Ägypten mit seiner Frau Linda und ihrem Sohn.

Vlnr.: Linda, ihr Ehemann Tarek und ihr gemeinsamer Sohn – Vielen Dank!!!

Sie bereiten mir Tee auf der Straße und reichen mir soviel Proviant dass ich für die nächsten Tage nichts mehr einkaufen muss. Vielen Dank Euch dreien! Kaum einen Kilometer weiter ist eine Moschee, in der ich mein Quartier aufschlage.

Moschee ca. 10 km außerhalb von Abu Rakah – ich verbrachte eine ruhige Nacht darin

Es kommt den ganzen restlichen Nachmittag und Abend niemand in diese Moschee. Es gibt auch wenige Leute hier. Nur in einem benachbarten Gebäude finde ich Einheimische als ich auf Wassersuche bin. Die Frauen bedecken sich rasch mit dem Gesichtsschleier, als sie mich sehen. Das ist hier Tradition sobald ein Fremder auftaucht oder sie ausser Haus gehen. Im selben Moment kommt der Mann nach Hause und ich werde zum Lagerfeuer gebeten. Es gibt den Begrüssungskaffee mit Datteln, gefolgt mit Tee. Dann gehe ich wieder mit zwei kleinen Wasserflaschen zurück in die Moschee, wo ich früh einschlafe. Es steht nun ein Abschnitt von ca. 70 km vor mir auf dem es keine Behausung, keine shops, etc gibt. Nur Wüste, Steine und Sand, das wars.

Mit jedem Schritt rückt Al’Ula näher

Es bleiben wieder einige Autos stehen und ich werde wieder reichlich mit Wasser versorgt. So wie Yuki aus Japan, der mich ordentlich mit Wasser versorgt.

Yuki aus Japan ist zwei Wochen mit einem Mietwagen in Saudi Arabien unterwegs und freut sich, dass er mir helfen kann

Um ca. 15h komme ich zu einer offenen Moschee und ich beschließe hier zu übernachten.

Wenn Du realisiert, dass dies Dein Schlafplatz wird… 🙂

Es bläst hier ordentlich der Wind, der mir das Zeltaufstellen ordentlich erschwert. Eigentlich hätte ich mir eine geschlossene Moschee mit vier Wänden, etc gewünscht. Letztlich schaffe ich es und ich raste mich ein wenig auf meiner Isomatte aus. Gegen Abend lässt der Wind Gott sei Dank nach und ich verbringe eine windstille Nacht.

Zeltplatz in einer offenen Moschee am Weg nach Al’Ula
Zeltplatz in einer offenen Moschee am Weg nach Al’Ula

Die Nacht ist sternenklar und der Halbmond liegt auf dem Rücken! Wunderbar! Allerdings habe ich hier auch keinen Empfang mehr hier, das sollte bis kurz vor Al’Ula so weitergehen. Die nächste Moschee liegt mehr als 40 km entfernt und so stelle ich mir für den nächsten Tag den Wecker auf 5h früh. So sollte ich diese vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Bei Dunkelheit packe ich meine Sachen zusammen und ich starte den Tag noch vor der Dämmerung. Es geht heute noch auf 1.600 Meter Seehöhe. Es ist ziemlich frisch und der Wind bläst den ganzen Tag über. Ich esse mein restliches Brot und die Datteln und um 12h habe ich bereits 25 km geschafft. Danach geht es durch einsame Wüste wieder hinunter auf ca. 1.000 Höhenmeter. Es wird auch wieder deutlich milder. Kurz vor der Moschee beschließe ich bei Einbruch der Dunkelheit bei einem Haus um Unterkunft zu fragen. Mohammed und seine Frau sitzen beim offenen Feuer und bitten mir Kaffee und Datteln an.

Die Gastfreundschaft in Saudi Arabien ist unglaublich – hier mit Mohammed am Feuer
Mit Mohammed und seiner Frau beim Kennenlernen, am Weg nach Al’Ula

Danach kommen auch noch zwei ihrer Söhne vorbei. Insgesamt haben sie zwölf Kinder, alhamdulillah! Eine junge Afrikanerin aus Uganda bringt uns Orangen frisch von der Farm. Sie schmecken vorzüglich. Dann gibt es Kabsa und gegen 21h zeigen sie mir mein Schlafgemach.

Mit Mohammed’s Sohn beim Kabsaessen

Ich verbringe die Nacht mit einem Ägypter, der hier auf der Farm arbeitet. Morgen werde ich nach neun Tagen Wandern vom Wadi Disah Al’Ula erreichen.

29.12. Um 6h betet der Ägypter und so stehe auch ich früh auf. Wir verabschieden uns und ich gehe wieder meines Weges. Der Rucksack ist gefüllt mit Orangen von Mohammed, es ist derzeit gerade Orangenerntezeit.

Am Weg nach Al’Ula

Am Weg nach Al’Ula kommt mir noch ein Kamelhirte aus dem Sudan entgegen. Kamelhirten sind hier meistens Sudanesen wie mir auffällt.

Am Weg nach Al’Ula
Kamelhirte aus dem Sudan

Als ich dann wieder gegen Mittag auf die Hauptstraße nach Al’Ula komme, biege ich rechts anstatt nach links ab. Nach ca 2 km komme ich drauf und ein sudanesischer LKW Fahrer bringt mich wieder zur Abzweigung zurück. So brauche ich zumindest das gleiche Stück nicht zweimal gehen. Bei der Einfahrt zur Hejaz Railway Station werde ich mit Wasser und Snacks versorgt, da es hier immer noch kein Restaurant oder ein Geschäft gibt. Da ich für heute noch keine Unterkunft habe, gehe ich ca. 2km später in einen Palmenhain hinein und klopfe bei der erstbesten Tür an. In Saudi Arabien gibt es ja immer eine Frauen- und Männersektion. Und ich gelange akkurat in die Frauensektion. Als ich wieder gehen will, kommt ein junger Mann auf mich zu und fragt mich woher ich komme. In solchen Fällen kommt mir dann doch mein spärliches Arabisch zur Hilfe. Nach einem kurzen Gespräch bietet er mir an bei ihm Übernacht zu bleiben. Ibrahim, so heißt er, bringt mir eine Matratze und eine Decke. Ich kann mich endlich wieder einmal duschen und fühle mich wie neu geboren. Ich bin Ibrahim’s Gast und er erfüllt mir quasi jeden Wunsch. Er lässt meine Wäsche waschen und als ich ihm erzähle, dass meine saudische SIM Karte morgen abläuft, sitzen wir auch schon in seinem Auto und fahren zum nächsten Supermarkt. Hier lasse ich ein weiteres STC Monatspaket auf mein Handy laden. Am Abend trinken wir mit seinem jüngeren Bruder Mohammed und seinen Freunden Kaffee und Tee, dazu gibt es wie üblich Datteln.

Mit Ibrahim am Feuer. Seine Pelzhaube ist angenehm warm.

Seine warme Pelzhaube setzt mir Ibrahim dann auch noch auf und meint, dass er mir sie schenkt. Unglaublich diese Gastfreundschaft, fast schon beschämend! Ich fühle mich hier so richtig wie im Paradies und bin so froh hier gelandet zu sein.

Khalid, Ibrahim’s Freund. Er spricht als Einziger in der Runde auch Englisch…

Sie bieten mir an auch länger zu bleiben. Ich treffe mich allerdings morgen mit Ylmaz, der von Tabuk nach Al’Ula kommt. Nach einigen Gesprächen mit Ibrahim, seinem Freund Khalid und Ylmaz, laden sie auch Ylmaz ein hier zu bleiben. So wird Ylmaz morgen auch hier eintreffen und wir werden hier gemeinsam den Jahreswechsel mit diesen liebenswerten Beduinen verbringen. Am Abend gibt es dann noch selbstgemachtes Kabsa von Ibrahim und nach einem Tee verabschiede ich mich von der Runde. Die neuntägige Wanderung hat doch auch Spuren hinterlassen.

Gemütliche Runde in Ibrahim’s Zelt. Vlnr.: Ibrahim, ich, Khalid und Mohammed

Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 765

Zusammenfassung: Die Gastfreundschaft der Saudis ist ungebrochen und fast schon ein wenig beschämend. Auf diesem Abschnitt lernte ich einen eher unbekannten und abgelegenen Teil von Saudi Arabien kennen. Die Frauenwelt bekommt man hier so gut wie gar nicht zu Gesicht. Wenn doch, fällt sofort der Gesichtsschleier. In jedem Haushalt gibt es auch einen Frauen- und einen Männerbereich. Trotzdem haben sich ihre Rechte in den letzten Jahren verbessert. So dürfen sie zB seit 2018 legal Autofahren nachdem ein jahrzehntelanges Verbot aufgehoben wurde. Ebenfalls seit 2018 dürfen sie erstmals in der Geschichte des Landes ein Fußballspiel besuchen.

Ich werde den Jahreswechsel hier mit Ylmaz und den saudischen Freunden verbringen. Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr mit viel Gesundheit und freudigen Momenten!

Saudi Arabien – Teil 2

Die Gastfreundschaft in Salem’s Zuhause kennt beinahe keine Grenzen. Den nächsten Tag verbringe ich hauptsächlich im Haus von Salem. Ich erhole mich von der 9-tägigen Wanderung von Haql nach Tabuk und schreibe auch seit längerer Zeit wieder einmal in meiner Webseite. Gegen Abend kommen wieder Freunde von Salem und es gibt ein Gericht mit Vögel aus der Wüste und Brot.

Vogelgericht mit Brotfladen darüber, bei Salem in Tabuk

Danach wird bis in die frühen Morgenstunden Karten gespielt und viel gelacht. Am nächsten Morgen frühstücke ich mit seinem Bruder, um 12h mittags 🙂 auch die Saudis sind nachtaktiv.

Frühstück mit Salem’s älterem Bruder, in Tabuk

Dann bringt mich Mohammed, der sudanesische Fahrer von Salem, mit einem Toyota in das Stadtzentrum von Tabuk. Es gibt hier einiges zu sehen. Zuerst besuche ich die alte Zugstation der Hedschasbahn.

Altes Bahnhofsgebäude der Hedschasbahn, in Tabuk

Die Hedschasbahn verband früher Damaskus und Medina und wurde 1908 in Betrieb genommen. Dann kam der 1. Weltkrieg und sie wurde weitgehend zerstört und kam zum Erliegen. Heute ist es ein Museum, in dem noch eine alte Lok ausgestellt wird.

In einer alten Lok der Hedschasbahn, in Tabuk

Die Stadt wirkt sehr modern mit ihren vielen weißen Häusern und Moscheen. Um 17h holt mich dann Mohammed von der Zugstation ab und ich verbringe einen ruhigen Abend. Es werden drei bis vier Tage werden bis ich das Wadi Disah erreiche. Und am Weg dorthin nur wenig Infrastruktur. So kaufe ich noch ein wenig Proviant ein und mache mich frühmorgens am Montag, den 15. Dezember auf den Weg. Die erste Rast mache ich bei zwei Bangladeschis, die die Autonummern von LKW’s aufschreiben, die in eine Mine fahren.

Einer der beiden Bengalen kurz außerhalb von Tabuk

Sie geben mir dann noch Wasser mit auf meinen Weg. Ich gehe ca. 15 km und mache dann unter einem Baum Mittagspause. Kamele säumen den Weg.

Ich bekomme ‚hohen‘ Besuch 🙂
Ein afghanischer Kamelhirte, am Weg ins Wadi Disah

Gegen Abend bleibt ein Pickup stehen. Es ist Abu Osama und er gibt mir zu verstehen, dass er hier in der Nähe ein Camp habe. Ich nehme die Einladung an und ich verbringe eine sternenklare Nacht in seinem Camp.

Mit Abu Osama vor seinem Camp – Shukran shasilan (Vielen Dank)!

Ich esse von meinem mitgebrachten Brot und was ich von der Straße untertags von den Leuten gereicht bekam. Am nächsten Morgen gehe ich wieder bei Tagesanbruch weiter und ich verabschiede mich von Abu Osama. Bei einer Tankstelle mache ich einen kurzen Halt bevor es weiter geht Richtung Wadi Disah.

Rast bei einer Tankstelle, am Weg ins Wadi Disah

Es geht langsam bergauf und ich merke wie es immer kühler wird. Da ich heute nirgends wo eine Unterkunft auf meiner Karte sehe, stelle ich mich schon auf eine frische Nacht im Zelt ein. Doch da kommt kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine kleine Moschee am Wegesrand und ich beschließe da zu übernachten.

In dieser Moschee übernachtete ich – sie gab mir guten Schutz gegen die Kälte, am Weg ins Wadi Disah

Es kommt dann auch noch ein Einheimischer zum Beten vorbei und er ist etwas überrascht. Ich kann ihm aber mit meinem bisschen Arabisch die Situation erklären und letztlich bringt er mir auch noch von einer ziemlich weit gelegenen Tankstelle am Abend Essen vorbei… Für nächsten Tag ist schlechtes Wetter angesagt und gegen Mittag zieht es auch schon zu. Ein TV Team vom saudischen Fernsehen macht auch noch ein Interview mit mir. Als wir fertig sind, beginnt es auch schon zu tröpfeln. Ich bin bereits auf ca. 1.200 Meter Seehöhe und möchte diesen Regen und vor allem starken Wind nicht in meinem Zelt verbringen. So sehe ich wie ein Auto zu einem Haus fährt und hinter dem Eingangstor verschwindet. Ich gehe darauf zu und klopfe an. Es sind hier Nasser und Josep von Tabuk, die hier für eine Nacht raus gefahren sind. Natürlich könne ich bei ihnen im Haus bleiben und sie bewirten mich fürsorglich den ganzen Nachmittag und Abend.

Unterschlupf bei Josep und Nasser, am Weg ins Wadi Disah

Unglaublich diese Gastfreundschaft! Josep kocht sehr gut und am Abend gibt es Kabsa. Tee und Kaffee mit Datteln und Keksen darf natürlich auch nicht fehlen.

Saudischer Kaffee mit Süßigkeiten
Zwei Decken sorgten für eine warme Nacht

Am nächsten Morgen macht Josep noch ein saudisches Fatteh und gegen 8h verabschiede ich mich von diesen beiden wunderbaren Männern.

Vlnr.: Meine Wenigkeit, Josep und Nasser

Sie haben mir eine warme Unterkunft geboten und später erfahre ich, dass es in der Nacht weiter oben geschneit hat. Ich komme so um 9h zur Abzweigung ins Wadi Disah, die sich auf ca. 1.400 Meter Seehöhe befindet.

Offizieller Eingang zum Wadi Disah

Das schlechte Wetter hat sich in der Zwischenzeit Gott sei Dank verzogen. Nur ist es heute unglaublich windig und es ziehen richtige kleine Sandstürme über das Land. Es geht nach ca. 10 km steil bergab und ich komme so relativ schnell wieder auf 800 Meter runter.

17 Prozent beträgt das Gefälle, selbst meine Fußgelenke bekommen das zu spüren, bereits im Wadi Disah

Hinter einer Düne entdecke ich einen schönen Platz für mein Zelt. Ich verbringe hier einen schönen Nachmittag und Abend, und Kletterer ein wenig in den Canyons herum.

Zeltplatz im Wadi Disah
Zeltplatz im Wadi Disah
Einblick in das Leben im Zelt 🙂 im Wadi Disah
Canyons im Wadi Disah
Stacheliger Strauch im Wadi Disah. Diese Dinger sollte man besser nicht ins Zelt kriegen. Die Isomatten mögen sie gar nicht.
Abendliche Landschaft im Wadi Disah

Die Nacht ist sternenklar und kalt. Ich schlafe relativ wenig und stehe noch bei Dunkelheit auf.

Früh am Morgen koche ich mir warmes Wasser

Zu sehr bin ich schon gespannt auf das Wadi Disah, in das ich heute hinein gehen werde.

Wandern im Wadi Disah ist wunderschön!

Ein Kamelhirte reicht mir Wasser, das schon knapp wird.

Kamele bei der Nahrungsaufnahme, im Wadi Disah

Dann geht es in die Canyons des Wadi Disah’s, die mit Dattel Palmen, Schilfpflanzen, etc bewachsen sind. Ich vergehe mich dann auch noch, komme aber bald genug drauf und bin bald wieder auf der richtigen Spur.

Rote Sandsteinfelsen im Wadi Disah

Es ist heute Freitag und so bin ich nicht alleine in diesem ausgetrockneten Flußtal. Einheimische kommen mit ihren Geländewagen hier herein oder lassen sich von bereit gestellten Autos durchfahren. Ich finde es allerdings weit, weit schöner hier zu Fuß langsam hindurch zu wandern.

Zu Fuß ist es am Schönsten…

Hohe, organisch geformte rote Sandsteinfelsen und -säulen umgeben eine grüne Talsohle mit Palmen, Schilf und Wasserläufen. 

Sandsteinfelsen im Wadi Disah

Spuren der Nabatäer, einschließlich Inschriften und Felszeichnungen, sind in den Felsen zu sehen, was auf die historische Bedeutung des Tals hinweist. Immer wieder werde ich mit Proviant versorgt oder zum Kaffee eingeladen.

Vater und Sohn – Einladung zum Kaffee von Abu Abdullah, im Wadi Disah
Auch diese fünf jungen Männer aus Riyadh bleiben mit ihrem Auto stehen und geben mir Wasser und Snacks
Eine Wasserquelle sorgt dafür, dass hier das ganze Jahr über Wasser fließt… Im Wadi Disah
Palmen, Sandsteinfelsen… Eine Oase inmitten der saudischen Wüste. Im Wadi Disah, dem Tal der Palmen
Wadi Disah

Als ich dann so um 16h wieder auf die asphaltierte Straße komme, lerne ich Abu Bandar kennen. Er hat hier in der Nähe ein Camp und lädt mich ein bei ihm zu übernachten.

Abu Bandar betreibt hier im Wadi Disah ein wunderschönes Camp
Mit Mohammed aus Kassala, Sudan im Camp von Abu Bandar, Wadi Disah
Mit Abu Josef am Feuer, im Wadi Disah

Es ist ein wunderschönes Camp inmitten von Palmen und hochaufsteigenden Felsen.

Das Camp von Abu Bandar

Am Abend gibt es wieder Kabsa und gegen 22h verkriechen wir uns in unseren Schlafsäcken. Ihr könnt Al Badr in seinem Camp gerne besuchen, seine Mobiltelefonnummer lautet 00966556394280 (WhatsApp Nummer).

Wir frühstücken alle gemeinsam am frühen Morgen, da Abu Bandar und sein Freund Abu Josef wieder arbeiten müssen. Sie bringen mit ihren Toyotageländewagen Touristen hinein ins Wadi Disah. Ich frage Abu Bandar ob ich noch eine Nacht bleiben kann und er meint, ich könne so lange bleiben wie ich möchte. Am Vormittag raste ich mich aus, dann erwärmt mir Mohammed Wasser und es gibt eine pocket shower. Nach dieser Dusche fühle ich mich wieder wie neu geboren. Zum Essen macht Mohammed Foul, das wir gemeinsam mit Brot essen. Den Nachmittag verbringe ich im Wadi Disah und genieße die Schönheit der Natur.

Wadi Disah
Wohl ein Oleander??? Im Wadi Disah

Auch sichere ich meine Fotos vom Handy auf einen mitgebrachten USB Stick ab und schreibe an meinem Bericht. Immer schön etwas wieder revue passieren zu lassen. Am Abend essen wir noch einmal gemeinsam Kabsa bevor sich Abu Josef und Abu Bandar verabschieden. Das Wochenende ist vorbei und sie fahren zurück zu ihren Familien in Tabuk. Mohammed und ich bleiben hier und ich bleibe auch den nächsten Tag noch hier. Während Mohammed hier arbeitet und auf das Camp aufpasst, gehe ich noch einmal weit in das Wadi hinein.

Schilfschneider aus dem Sudan
Einladung zum Kaffee

Ich werde zu Kaffee eingeladen und lerne auch Ulf und Regine aus der Nähe von Nürnberg kennen. Sie sind auch total von Saudi Arabien begeistert und sind drei Wochen mit dem Auto unterwegs.

Mit Ulf aus der Nähe von Nürnberg, im Wadi Disah

Am Abend kommen noch Mohammed’s Freunde aus dem Sudan zu uns auf Besuch und wir verbringen einen schönen und lustigen gemeinsamen Abend.

Mit drei Sudanesen beim Abendessen. Vlnr.: Mohammed, Mohammed, Josef und ich – im Wadi Disah

Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 510

Zusammenfassung:

Dieses Land überrascht mich immer mehr, je länger ich da bin. Es vergeht kein Tag, an dem mir nicht – mehrmals – die Gastfreundschaft zuteil wird. Die Wüste sorgt für den Rest. Sternenklare, ruhige, aber auch zum Teil kalte Nächte und die atemberaubende Schönheit der Wadis und Canyons bringen mich immer wieder ins Staunen. Die Touristen, die ich hier treffe, sind hauptsächlich Saudis, also Einheimische. Sie lieben ihr Land, man kann es verstehen warum. Weihnachten wird hier nicht gefeiert. So war es für mich dieses Mal ein sehr entspanntes Weihnachtsfest mit Wandern, Datteln und Orangen essen und mit den Einheimischen zu plaudern.

Frohe Weihnachten und einen schönen und friedlichen Übergang ins neue Jahr 2026!!!

Saudi Arabien – Teil 1

Am 03. Dezember am späten Nachmittag war es wirklich so weit. Ich hatte meinen Eingangsstempel im Pass und darf mich nun 3 Monate innerhalb 1 Jahr hier aufhalten, mit multiple entry. Der Wagen von meinem Taxifahrer wurde von einem Hund auf Drogen untersucht. Auch ich musste meinen Rucksack öffnen. Dann musste der gesamte Wagen noch mit unserem Gepäck durch eine XRay Anlage, sie nehmen es sehr genau! An der Grenze in Saudi Arabien erspähe ich eine Moschee und der Imam erlaubt mir spontan zu übernachten! Er zeigt mir die Schlafstelle, reicht mir Wasser und zeigt mir auch die Toiletten.

Meine erste Nacht in Saudi Arabien, in einer Moschee direkt an der Grenze!

Welche Unterschied zu Ägypten wo Du nur abgezockt wirst! Die Gastfreundschaft in Saudi Arabien wird groß geschrieben. Nächsten Morgen koche ich mir noch Tee und frühstücke, bevor ich losgehe. Keine 5 Minuten gegangen, fängt mich einer von der Grenzwache ab und ich werde noch einmal verhört, von wo ich komme, etc… Im Nachhinein war es wahrscheinlich sogar gut, nicht via Israel nach Ägypten eingereist zu sein sondern mit dem Schiff direkt von Jordanien. Auch mit Israel sind die Beziehungen nicht die besten. In der ersten saudischen Stadt Haql besorge ich mir Geld, eine STC SIM Karte und esse einen Falafelsandwich.

Wie schön ist es wieder gehen zu dürfen, hier in Haql.

Dann gehe ich nach ca. weitere 8 km und frage wieder bei einer Tankstelle ob ich in der Moschee schlafen darf. Überhaupt kein Problem und ich werde hier im daneben liegenden Restaurant freundlich aufgenommen. Ich mache hier eine Rast und werde mir dann das Essen von dem pakistanischen Koch schmecken lassen.

Das Essen war schmackhaft und die Einladung folgte zugleich. Bevor ich mich in die Moschee zum Schlafen begebe, sagt mir der pakistanische Koch vom Kasimir, dass ich nichts bezahlen müsse. In der Moschee schlafe ich mit einigen anderen auch und es kommen die ganze Nacht über Gläubige um hier ihr Gebet zu verrichten.

Am nächsten Morgen wird gegen 5h Licht gemacht und ich schaue den Einheimischen und Pakistanis beim Morgengebet zu. Dann esse ich noch einmal gutes pakistanisches Brot mit Eierspeise und Tee mit Milch, auch dazu werde ich eingeladen. Vielen Dank!

Frühstück mit dem pakistanischen Koch (links) und einem weiteren Pakistani. Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft!

Noch im Dunkeln starte ich dann los. Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass heute ca. 1.000 Höhenmeter auf mich warten.

Morgenstimmung in Saudi Arabien

Es bleiben heute immer wieder Autos stehen und reichen mir Wasser. Sogar die Polizei gibt mir eine Wasserflasche, was für ein Unterschied zu Ägypten!!!

Selbst die Polizei reicht mir Wasser aus dem Auto, welche Unterschied zu Ägypten wo man mich nicht gehen ließ!
Warmen arabischen Kaffee, Süßigkeiten und Wasser – das wurde mir von einem liebenswerten Paar aus ihrem Auto gereicht!

In einem Shop kaufe ich mir Brot und eine Dose Tuna, die ich direkt vor dem Shop verzerre. Dann gehe ich weiter und erst gegen Sonnenuntergang erreiche ich eine kleine, verlassene Moschee. Ideal für mich hier mein Quartier aufzuschlagen. Ich koche mir noch heisses Wasser und esse Süßigkeiten, die ich vom Auto gereicht bekommen habe.

Die saudische Wüste zeigt sich von ihrer schönsten Seite
Medina, ich komme!
Abendessen bei einer verlassenen Moschee
In dieser verlassenen Moschee übernachtete ich

Wenn immer ich erwähne, dass ich von Österreich nach Medina gehe, breiten sie mir sprichwörtlich den Teppich aus. Sie tragen mich förmlich nach Medina!

Am Morgen packe ich meine Sachen und erreiche nach ca. 10 km eine Tankstelle mit einem pakistanischen Restaurant. Auch hier werde ich zu Tee und Brot eingeladen.

Einladung zu Tee und Brot, ala Pakistani

Für heute ist Schlechtwetter angesagt und schön langsam wird es auch finsterer. Gegen Mittag kommt ein Junge auf seinem Moped zu mir gefahren und zeigt mir ein großes Zelt unter dem ich Schutz vor dem nahenden Unwetter finden könne. Ich nehme die Einladung an und ca. 5 Minuten später beginnt es auch schon zu schütten.

Unwetter in der saudischen Wüste

Auch Wind kommt auf und das große Zelt wird ordentlich durchgeschüttelt. Ich fühle mich wohl und geborgen im Zelt. Es beginnt dann auch zu blitzen und zu donnern und für ein paar Minuten hagelt es sogar. Wer würde das in Saudi Arabien erwarten 🙂 Nachdem sich das Unwetter beruhigt hat, beginne ich wieder weiter zu gehen, werde aber von einer weiteren Front erwischt.

Regenwetter in Saudi Arabien
Nach Medina sind es noch 844 km. Nach Mekka sind es noch 1.275 km, aber da darf ich ja nicht hin… 🙂
Da komm ich dann ja nie nach Medina 🙂

Erst gegen den späteren Nachmittag kommt wieder die Sonne heraus und ich treffe Straßenarbeiter, die an meiner Geschichte interessiert sind.

Ägypten, Sudan, Österreich und Pakistan – ein Treffen auf internationaler Ebene in den Straßen von Saudi Arabien 🙂

Gegen Abend erreiche ich wieder eine Raststätte, wo es Restaurants und eine Moschee gibt. Hier bleibe ich und ich sitze wieder in einem pakistanischen Restaurant, sie sind hier wirklich stark vertreten.

Pakistanis bei ihrem Abendessen

In der Zwischenzeit regnet es immer wieder, die Regenzeit hat hier begonnen! Zum Abendessen werde ich wieder von den pakistanischen Köchen aus dem Kaschmir eingeladen.

Moscheen eignen sich in ganz Saudi Arabien ideal zum Übernachten
So sieht die Moschee von außen aus

Am nächsten Tag hat sich der Regen wieder verzogen und ich setze meine Wanderung fort. Es ist heute um vieles weniger staubig noch als an den Tagen davor, der Regen hat dem Land gut getan. Es stehen überall Wasserlacken, selbst die Tankstellen stehen zum Teil unter Wasser.

Wohl ein eher seltener Anblick – Tankstelle unter Wasser
Kamele begleiten mich auch ein Stück

Den Saudis gefällt das natürlich und Kinder plantschen in den Wadis (ausgetrocknete Flußtäler). Zumittag werde ich bei einer Polizeistation zum Mittagessen eingeladen. Sogar die Socken waschen sie mir, unglaublich.

Bergwelt in der saudischen Wüste
Das Wandern ist des Georgs Lust
Bergwelt in Saudi Arabien

Die Gegend hier ist wunderschön und gegen Abend beschließe ich am Fuße eines Berges mein Zelt aufzustellen. Es befinden sich in der Nähe auch Einheimische aus Tabuk und sie laden mich zum Kaffee ein. Nachdem ich ein gutes Plätzchen für mein Zelt gefunden habe, besuche ich die zwei Familien. Es gibt zuerst Kaffee und Datteln.

Einladung zum Kaffee

Als ich dann gehen will deuten sie mir, dass ich noch bleiben soll. Es gibt Abendessen, und zwar Kabsa, das Nationalgericht Saudi Arabiens mit Reis und Hendl. Gegessen wird natürlich mit den Händen.

Kabsa, ein typisch saudisches Reisgericht mit Hendl. Gegessen wird natürlich mit den Händen!

Während bei ihnen kaum ein Reiskorn den Boden findet, mache ich einen ziemlichen Saustall:-))) Mafi muschkel – kein Problem, meinen sie nur und haben Nachsicht mit mir. Die Frauenwelt bekommt man bei so einem Besuch nicht zu Gesicht. Ich verabschiede mich von diesen wunderbaren Menschen und verbringe eine ruhige Nacht in meinem Zelt.

Mein Zeltplatz vorm Schlafengehen
Frühmorgens koche ich mir immer warmes Wasser, das tut dem Magen und stärkt mich.
Mein Zeltplatz am nächsten Morgen

Frühmorgens geht es weiter und es bleiben immer wieder Autos stehen, die mir Wasser, Datteln und Kekse reichen.

Einer der vielen Saudis, die mir gut zu reden und immer wieder beschenken
Es gibt hier auch die sogenannte ‚Public Safety‘, die für die Sicherheit auf den Straßen sorgt. Sie erkundigen sich manchmal woher ich komme, etc und reichen mir meistens auch Wasser aus ihrem Auto.

Ich durchwandere eine wunderschöne Gegend und ich bleibe immer wieder stehen um Fotos zu machen.

Die saudische Wüste zeigt sich von ihrer schönen Seite
Der Zeltplatz ist nicht mehr weit entfernt…

Am Abend finde ich ein schönes Plätzchen wieder für mein Zelt und ich esse von den Süßigkeiten, die ich heute geschenkt bekommen habe.

In der Nacht wird es bereits ordentlich kalt und ich schlüpfe in die zweite Hose und ziehe mehr oder weniger alles an was ich mit habe. Ich befinde mich auf ca. 1.200 Höhenmeter, das merkt man. Am nächsten Tag komme ich wieder aus den Bergen heraus und zumittag werde ich bei einer Tankstelle zum Essen einladen.

Einladung zu einem Mittagessen bei einer Tankstelle
Diese saudischen Jungs kochen Tee an der Straße. Als ich ihnen meine Geschichte erzähle halten sie mich beinahe eine Stunde fest. Mein Rucksack, meine Wanderstöcke, alles muss genau inspiziert werden. Letztlich verlangen auch sie nichts für den Tee. Gastfreundschaft wird hier von Kindesalter bereits praktiziert…

Dann geht es weiter und da es heute nach Regen aussieht und ich auch meine Powerbank, Handy, etc aufladen muss, mache ich heute um 15h früh Schluss und sitze gerade in einem indischen Restaurant. Die Powerbank lädt gerade und ich werde heute wieder in einer Moschee übernachten. Die Nacht verläuft ruhig und am nächsten Morgen holt mich der Muezzin um 5h mit seinem Gebetsruf aus den Federn.

Lang ausschlafen funktioniert in einer Moschee leider nicht 🙂

Ich packe meine Sachen und nach einem pakistanischen cay und gutem Brot mache ich mich wieder auf den Weg.

Reiter am Weg nach Tabuk
König Salman lässt grüßen

Um die Mittagszeit erreiche ich Bir Ibn Hirmas wo ich in einem jemenitischen Restaurant esse.

In den Straßen von Bir Ibn Hirmas

Hier kommt die Straße von Norden runter und es geht jetzt Richtung Süden weiter nach Tabuk.

Nach Medina sind es noch 751 km…
Kamele grasen am Straßenrand

Gegen Abend versuche ich wieder in einer Moschee Unterschlupf zu finden, werde aber überraschenderweise vom Imam abgewiesen. 15 km gibt es die nächste Moschee, meint er… Es wird bereits finster und so setze ich meinen Weg fort. Die Polizei wird jetzt auch munter und macht Fotos von meinem Reisepass, etc… Dann kommt derselbe 10 Minuten noch einmal und will noch einmal den Reisepass sehen. Er hat die falschen Seiten abfotografiert… 🙂 Es ist dies die erste etwas unangenehme Erfahrung, die ich hier mit der Polizei mache. Dann gehe ich weiter und Pakistanis laden mich zum Abendessen ein und lassen mich in ihrem Quartier schlafen.

Als ich bereits beinahe schlafe, klopft es noch einmal an der Tür. Ein Polizist steckt seinen Kopf rein und will wissen, daß ich hier bin. Erinnerungen an Ägypten kommen schön langsam hoch 🙂

Am nächsten Morgen koche ich mir Wasser und ich verabschieden mich von den liebenswerten Pakistanis. Ich werde dann noch zweimal von der Polizei kontrolliert und merke, dass sie mir langsam mit dem Auto folgen. Erst als ich in die Aussenbezirke von Tabuk komme, habe ich das Gefühl, dass sie von mir abgelassen haben.

Saudis beim Mittagessen
Tabuk Tor – Eingang zur Stadt

Ich sitze gerade in einem pakistanischen Restaurant, wie sollte es anders sein, und werde in der daneben liegenden Moschee schlafen. Es war dem aber nicht so, da es hier security gibt und ich auch hier nicht in der Moschee schlafen konnte. So nahm ich mir ausnahmsweise einmal ein Hotelzimmer und genoss nach 10 Tagen wieder einmal eine Dusche. Am nächsten Morgen besuche ich noch eine verlassene kleine Station der Hejazbahn, bevor ich meine Wanderung fortsetze nach Tabuk.

Verlassener Hejazbahnhof in den Vororten von Tabuk

Heute ist Freitag und auch hier wird um ca. 13h das Gebet außerhalb einer Moschee verrichtet.

Freitagsgebet im Freien vor einer Moschee in Tabuk
Am Weg zu Salem lege ich eine kurze Rast in einem Park ein. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.

Um ca. 16h erreiche ich dann das Zuhause von Salem, den ich auf dem Weg zwischen Haql und Tabuk kennengelernt habe. Ich bin sein Gast und ich könne hier solange bleiben wie ich will. Er betreibt hier eine Reiseagentur. Am Abend kommen seine Freunde und wir verbringen einen lustigen Abend beim Lagerfeuer. Es wird Tee gereicht und es jagt ein Spaß den anderen. Obwohl ich so gut wie nichts verstehe, bleibe ich bis fast Mitternacht bei Ihnen sitzen nur um die Stimmung zu erleben.

Männerabend bei Salem, hier im Bild rechts
Männerabend bei Salem, hier einer seiner Freunde am Lagerfeuer
Männerabend bei Salem in Tabuk

Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 270

Zusammenfassung:

Das Königreich Saudi Arabien ist ein Wüstenstaat mit ca. 33 Mio. Einwohnern. Es existiert in dieser Form seit 1932. König Salman regiert das Land seit 2015, der de facto Herrscher des Landes ist jedoch sein Sohn Mohammed bin Salman ibn Saudi, auch bekannt als MbS. Er ist auch der Enkel des Staatsgründers Ibn Saud. Die Währung ist der saudische Riyal (SAR), für 1 Euro bekommt man ca. 4,4 SAR. Am Weg von der Küste am Roten Meer in das Hedschasgebirge geht es gleich einmal über 1.000 Höhenmeter hinauf und ich bekam einen ersten Eindruck von der saudischen Wüste. Das Hedschasgebirge zieht sich vom NW Saudi Arabiens parallel hinunter bis zum jemenitischen Hochland. In Saudi Arabien arbeiten viele Männer aus Pakistan, Indien, Bangladesh, Yemen, Sudan, etc. Sie verdienen sich hier ’schnelles‘ Geld um später daheim ein besseres Leben zu haben. Die Gastfreundschaft ist unglaublich hier. Jeden Tag bleiben viele Autos stehen und reichen mir Wasser, Essen und reden mir gut zu. Moscheen eignen sich meist auch zum Übernachten. Die Saudis selbst sehen das allerdings nicht so gern, da für sie die Moschee zum Gebet da ist. Aber für Reisende wird eine Ausnahme gemacht, wie mir versichert wurde. Ich bin äußerst positiv überrascht wie gastfreundlich dieses Land ist und freue mich auf mehr!

PODCAST: Stories with Venky – Live your dreams

Latest Podcast about my life and travels from Venky, my friend from India. It was recorded in English. See and listen to it. Happy New Year to all of you 🍀🍄🥂


Podcast über mein Leben und meine Reisen von Venky, meinem Freund aus Indien. Schau und höre mal rein, der Podcast ist in englischer Sprache. Happy New Year 🍀🍄🥂

ÖSTERREICH – Teil 2 (Gasteinertal – Werfen – Hallain – Salzburg – Frankenmarkt – Schwanenstadt – Wels – Linz – Schallenberg)

02.10. Pünktlich um halb acht finde ich mich zum Frühstück ein. Es gibt wieder selbstgemachtes Brot, Butter, Käse und Heidelbeermarmelade. Ich lasse es mir so richtig schmecken und starte dann so um 9h.

Biberalm im Gasteinertal – gute und heimische Kost für noch moderate Preise!

Zuerst gehe ich ca. eine halbe Stunde hinauf zum Wetterkreuz und dann einen Grat entlang bevor ich gegen Mittag wieder bergab die Ortschaft Dorfgastein erreiche.

Ortschaft Dorfgastein

In einem Café esse ich wieder einmal eine Kasspressknödelsuppe und als Nachspeise eine Topfengolatsche. Ich sehe, ich habe Aufholbedarf was das Essen hier angeht. Da es erst früher Nachmittag ist, beschließe ich noch ein wenig weiter zu gehen. Im Spar kaufe ich mir einige Laugengebäcke und zwei Würstln zum Abendessen. Am Weg hinauf zur Kögerlalm überholt mich ein Jäger und bittet mich nicht bis zur Kögerlalm zu gehen weil sie dort heute Abend ‚jagern‘. Und so verlangsame ich etwas den Schritt und finde bei der Huberalm eine ideale Holzterasse zum Übernachten vor.

Romantischer Abend auf der Holzterrasse der Huberalm

03.10. Auch heute ist das Wetter noch traumhaft schön und so gelange ich zügig in die Ortschaft Lend.

Ortschaft Lend, an der Salzach gelegen

Es gibt hier eigentlich nur Betriebe und einen Bahnübergang sodass ich nach einer kurzen Pause wieder weiter gehe. Am frühen Nachmittag erreiche ich den Böndlsee, wo ich Mittag esse. Ich nehme mir ein paar Scheiben Brot mit und gehe am späten Nachmittag noch hinauf zur Schrempfalm. Von hier genieße ich einen schönen Blick zurück in das Gasteinertal.

Abendessen auf der Schrempfalm

Auch der Hochkönig lässt sich in der Ferne schon blicken. Da für heute Abend Regen angesagt ist, lege ich mich in den kleinen überdachten Gang zwischen der Haupthütte und einem Anbau. Dann koche ich mir eine Nudelsuppe und krieche früh in den Schlafsack.

Neugieriger Besuch auf der Schrempfalm

04.10. Tatsächlich hat es in der Nacht etwas geregnet und während ich in der Früh mein Müsli esse, regnet es noch einmal kurz. Es hat abgekühlt über Nacht und die Wolken legen sich über die Berge, sehr schöne Stimmung auch. Um ca. 10 h erreiche ich das Gamskögerl (1.747m), von wo bereits gut der Hochkönig zu sehen ist.

Durch die Nebelschwaden ist bereits der Hochkönig zu sehen…

Weiter geht es den Salzburger Almenweg über das Schneebergkreuz (1.936m) bis zur Bürglalm, wo ich mir eine Brettljause genehmige.

Brettljause auf der Bürglalm
Blumenschmuck auf der Bürglalm

Ich spüre bereits ein wenig die Höhenmeter der letzten Woche und so bin ich froh, dass es nun wieder bergab geht. Nächste Station ist Dienten am Hochkönig. Ein hübscher Ort mit schönen Häusern und so verbringe ich einige Zeit auf dem Ortsplatz vor dem Ortsbrunnen. Zimmer werden hier kaum mehr vermietet, nur mehr Ferienappartements und so gehe ich noch ca. 1 Stunde bergauf Richtung Erichhütte. Auf einer flachen Anhöhe finde ich ein gutes Plätzchen zum Zelten und verdrücke den mitgebrachten Germzopf in einem Stück. Mahlzeit und gute Nacht!

Mein Zeltplatz am Fuße des Hochkönigs – am Weg von Dienten zur Erichhütte

5.10. Nach ca. 1 Stunde Aufstieg erreiche ich heute die Erichhütte, wo ich von der Wirtin einen Filterkaffee und einen selbstgemachten Zwetschkenkuchen bekomme. Heute zeigt sich hier der Hochkönig mit seinen 2.941m in voller Pracht.

Erichhütte (1.550m) mit dem Hochkönig (2.941m) im Hintergrund

Mich haben gestern Abend allerdings nicht so gute Nachrichten erreicht und während mein Zelt in der Sonne trocknet, führe ich einige Telefonate. Es wird jetzt gleich Mittag und bald werde ich wieder mit trockener Ausrüstung weiter wandern. Durch wunderschöne Bergwelt entlang des Hochkönigs erreiche ich am frühen Nachmittag die Brandstätthütte.

Am Weg zur Brandstätthütte
Herbstliche Farben am Hochkönig

Die Brandstatthütte ist noch eine der urigen Berghütten und der Hüttenwirt lässt mit seiner lustigen und gemütlichen Art keinen Stress aufkommen. Nach einer guten Kasspressknödelsuppe gehe ich weiter und erreiche so um 17h die Mitterfeldalm.

Kasspressknödelsuppe auf der Brandstätthütte

Ich habe mich heute hier zur Übernachtung angemeldet, da ich wieder einmal eine Dusche brauche und meine Sachen waschen muss. Ich lerne hier Anni und Hans aus Werfen kennen, die auch den Hüttenwirt gut kennen.

Am Hochkönig…

Die Mitterfeldalm auf einer Höhe von ca. 1.700m wäre der ideale Ausgangspunkt für eine Besteigung des Hochkönigs (2.941m), ein anderes Mal… Wir verbringen einen schönen gemeinsamen Abend bevor die zwei wieder ins Tal gehen und ich ins Bett.

Mit Anni und Hans und dem Hüttenwirt auf der Mitterfeldalm (ca. 1.700m)

6.10. Gut ausgeschlafen komme ich um ca. 7:30 zum Frühstück. Draußen vor der Hütte liegt der Nebel im Tal, die Sonne scheint, ein Gamsbock grast vor der Hütte und vom Dach der Holzhütte balzt ein Birkhahn runter. Recht viel idyllischer geht es nicht mehr. Der Hüttenwirt erzählt mir beim Frühstück auch, dass die meisten Almen und Grundstücke hier bereits in der Hand von Industriellen sind. Hier zB die Holzfirma Kaindl, die mehr als 10.000ha Grund besitzt. Um ca. halb neun verabschiede ich mich von ihm und nach mehr als 1.000 Höhenmetern hinunter ins Tal erreiche ich gegen die Mittagszeit die Ortschaft Pfarrwerfen. Am Petra Kronberger Platz trinke ich einen Kaffee und lasse mir eine Mehlspeise schmecken. Dann gehe ich entlang der Salzach in den Ort Werfen. Hier esse ich zwei Käsewurstsemmerl und eine Banane. Ich bin wahrscheinlich schon mehr als 10 mal an der Festung Hohenwerfen vorbei gefahren, aber besucht habe ich sie noch nie.

Festung Hohenwerfen aus dem 11. Jhdt – einst ein Gefängnis, eine Polizeischule und Jugendherberge

Dem setze ich heute ein Ende und um ca. 15h erklärt mir die Dame beim Einlass zur Burg, dass es in einer Viertelstunde eine Greifvogel Flugvorführung gibt. Falken, Mäusebussarde, Seeadler und ein riesiger Mönchsgeier schwirren durch die Lüfte und bieten ein wunderschönes Schauspiel.

Ein Saker- oder Würgfalke mit seinem Frauchen aus Belgien – auf der Festung Hohenwerfen

Danach zeigt uns ein Einheimischer noch die Burg selber, in der es früher auch ein mal eine Jugendherberge und eine Polizeischule gab. Um 17h ist dann Sperrstunde und ich gehe entlang der Straße noch bis in die Ortschaft Tenneck wo ich bei einer abgelegenen Kirche schlafe.

7.10. Frühmorgens koche ich heißes Wasser und esse ein wenig von meinem Müsli. Im nahegelegenen Café trinke ich dann noch einen Kaffee und gehe dann entlang der Bundesstraße Richtung Golling und Hallein. Die ersten Stunden geht es sehr knapp am Straßenrand durch das Salzachtal über den Pass Lueg und ich bin froh als ich gegen Mittag auf einen Radl- und Fußgeherweg komme.

Eng, enger, Salzachtal…

Hier fühle ich mich wieder sicherer und in Golling lege ich auf einem Parkbankerl wieder eine Mittagspause ein. Dann geht es weiter durch die Ortschaft Kuchl und gegen 16h erreiche ich Hallein. Im Internet erfahre ich auch von den Überfällen der Hamas auf Israel. Israel und Palästina befinden sich im Kriegszustand. Möge dort dauerhafter Frieden einkehren… Ich wünsche sowohl den Israelis als auch den Palästinensern alles Gute!!! Mit ihren mehr als 20.000 Einwohnern ist Hallein die Bezirkshauptstadt des Tennengaus und wohl einer der schönsten Städte Österreichs.

Schöndorferplatz in Hallein

Sehr alte und hohe Häuser mit schönen Fassaden in der Altstadt lassen mich doch ganz schön staunen und ich beschließe hier übernacht zu bleiben. Ich werde heute bei einem überdachten Vorbereich einer Schule übernachten. Doch noch ist es zu früh zum Schlafen und ich genehmige mir ein Achterl Zweigelt.

8.10. Da sich beim Schuleingang durch einen automatischen Lichtmelder bei jeder Bewegung immer das Licht eingeschaltet hat, habe ich dann doch unter einer überdachten Müllcontainerhütte geschlafen. Welch upgrade! 🙂 Die Nacht war lauschig warm im Vergleich zu den Nächten in den Bergen. Nach einem Frühstück gehe ich der Salzach entlang und gelange durch Ortschaften wie Rif und Anif zum Schloss Hellbrunn, wo ich beim Zooeingang eine kleine Rast einlege. Meist trinke ich bei meinen Pausen viel Wasser und esse verschiedene Nussarten gemischt mit Rosinen. Dann gehe ich weiter zum Schloss Hellbrunn aus dem 17. Jhdt., das die Sommerresidenz der Salzburger Fürsterzbischöfe war.

Schloß Hellbrunn – am Weg nach Salzburg

Am Weg nach Salzburg erreichen mich leider sehr traurige Nachrichten! Es scheint, als würden sich die schlechten Nachrichten anzuhäufen bei meinen letzten Kilometern…

Festung Hohensalzburg in Sicht
Gedämpfte Stimmung bei der Ankunft in Salzburg…

Kurz vor 14h erreiche ich dann die Jugendherberge in Salzburg und ich verkürze meinen zwei Nächte geplanten Aufenthalt auf eine Nacht. Ich muss nach Hause! Ich dusche, wasche und trockne meine Wäsche und esse von der Balkan Bäckerei Käseburek. Ich brauche heute Abend doch ein wenig Ruhe und ich werde früh ins Bett gehen. Morgen geht es weiter.

9.10. Im Schlafsaal der Jugendherberge ist es noch finster als ich meine Sachen zusammen packe. Am Weg raus aus Salzburg frühstücke ich in einer Tankstelle. In Eugendorf kurz vor dem Wallersee sehe ich wieder die ersten Jerusalemweg Pickerl und muss schmunzeln. Sie hatten mich letztes Jahr am Weg nach Jerusalem immer wieder begleitet. Heute ist es etwas regnerisch und entlang des Ufers des Wallersees gelange ich in die Ortschaft Oberhofen am Irrsee.

Zwischen Salzburg und Linz verläuft auch wieder der Jerusalemweg wie man an diesem Aufkleber erkennen kann

Im Gasthaus zur Westbahn esse ich wieder einmal ein Cordon Bleu während die Einheimischen ihre Stammtischgespräche führen. Während einer kurzen Regenpause gehe ich dann noch weiter bis Frankenmarkt. Es ist bereits finster als ich im Gasthaus zur Post einkehre. Kein Gast weit und breit und so habe ich Zeit mit der Wirtin ein wenig zu plaudern. Als dann der Dorfchor kommt, verziehe ich mich und nächtige in der Nähe der Musikschule. Mein Tacho zeigt für heute mehr als 47 km an. Die ganzen 1,5 Jahre bin ich an einem Tag nicht so weit gegangen…

10.10. In der Nacht hat es ein wenig geregnet und ich frühstücke im Morgengrauen mein mitgebrachtes Müsli und heisses Wasser. Erste Ortschaft nach Frankenmarkt ist heute Vöcklamarkt wo ich in einer Bäckerei einen Kaffee trinke. Ich telefoniere mit Ernsti und wünsche ihm mein Beileid. Ich erfahre von ihm auch, dass das Begräbnis am Samstag, 21. Oktober stattfinden wird. So kann ich mein Gehtempo wieder reduzieren. Ich telefoniere auch mit Muttern, die gerade Fenster putzt. Dann marschiere ich weiter nach Timelkam. In einer Pizzeria gönne ich mir eine Pizza Diavolo. Danach lese ich in der Zeitung vom Krieg in Israel und dass der Gazastreifen komplett abgeriegelt wird. Sehr traurig diese Entwicklungen…

Am Weg durch die Ortschaft Timelkam

Als nächste Ortschaft kommt Vöcklabruck. Auch hier mache ich am Stadtplatz kurz Rast, esse ein Eis und gehe wieder weiter. Um ca. 19:30 erreiche ich schließlich Schwanenstadt, wo ich gerade ein Bier trinke und einen Dürüm esse. Bald werde ich wieder die Nacht im Freien verbringen, diesmal voraussichtlich hinter der evangelischen Kirche.

Stadtturm von Schwanenstadt

11.10. Die Nacht bei der evangelischen Kirche verlief sehr ruhig und es ist auch immer noch sehr warm im Freien. Nach einem Müsli und warmen Wasser trinke ich in einer Bäckerei einen Kaffee bevor ich mich wieder auf ‚die Walz‘ mache. Entlang der Ager erreiche ich gegen Mittag Lambach, wo die Ager in die Traun mündet.

Benediktinerstift in Lambach

Es ist ein traumhafter Herbsttag und ideal zum Wandern. Heute kontaktiere ich all meine Freunde in Israel und Palästina und es geht ihnen soweit gut. Natürlich ist die Stimmung gedrückt und ein Freund von mir hat Freunde und deren Familie verloren. Wir beten für den Frieden! Nach Lambach geht es weiter entlang der Traun. Gegen 13h esse ich am Ufer der Traun meine mitgebrachten Leberkäsflesserl und eine Topfengolatsche. Ich sitze derzeit im Eissalon Costatin am Hauptplatz in Wels und werde mich gleich mit Michael aus Prambachkirchen treffen. Er ist wie ich auch letztes Jahr nach Jerusalem gegangen, übrigens mit seinem Hund. Ich bin schon sehr gespannt auf seine Geschichten. Um ca. 18h kommt dann Michael mit seinem weißen Schäferhund Lazaro vorbei. Wir haben uns bisher nur einmal am Telefon gehört und viele Male via WhatsApp am Weg runter nach Jerusalem geschrieben. So gibt es natürlich ein freudiges und persönliches Kennenlernen und viele Geschichten zu erzählen.

Mit Michael und seinem Schäferhund Lazaro am Stadtplatz von Wels

Nach ein paar Stunden gesellen sich dann auch noch zwei Einheimische, Fabian und Helmut, dazu. Letztlich bietet mir Fabian an bei ihm zuhause zu übernachten und so verabschieden wir uns dann so gegen Mitternacht von Michael und Helmut. Michael und Fabian, vielen Dank für Eure Einladungen auf die Biere und die Übernachtung!

V.l.n.r.: Michael, Helmut, Fabian und meine Wenigkeit – in der Innenstadt von Wels

12.10. Ich habe ein ganzes Obergeschoss im Haus von Fabian für mich alleine und nach einigen Stunden Schlaf dusche ich mich und packe wieder meine Sachen. Um ca. 7h höre ich dann die Töchter von Fabian, die sich für die Schule bereit machen und ich gehe zu ihnen runter. Es gibt noch ein gutes Frühstück von Fabian und seiner Frau. Letztlich bringt mich Fabian mit seinem Auto auch wieder zurück zum Hauptplatz in Wels wo ich gestern meine Wanderung beendet habe.

Stadtplatz von Wels – von hier geht die Wanderung weiter…

Ich wandere heute wieder weiter entlang der Traun und gelange so gegen Mittag nach Hörsching. Es hat Mitte Oktober derzeit untertags nach wie vor mehr als 20 Plusgrade, ideal zum Wandern. Zumittag esse ich bei einem Wirt Krenfleisch und komme mit einem Deutschen ins Gespräch. Wir unterhalten uns über die allgemeine Wirtschaft und die hohe Inflation. Ein Thema, das die Nation beschäftigt… Dann gehe ich weiter und in der PlusCity melde ich im A1 shop wieder meinen Router an. Linz ist bereits in Griffweite und entlang der Unionstrasse gelange ich zum Bahnhof.

Am Linzer Hauptplatz angekommen…

Alles beim Alten und entlang der Landstraße geht es weiter zum Hauptplatz und zum neuen Rathaus, wo am 23. September die Friedenstaube enthüllt wurde. Gegen 18h erreiche ich dann den Garten von meiner Mutter und es gibt ein freudiges Wiedersehen mit Muttern, Max und meiner Schwester Edith.

Wiedersehen mit meiner Schwester und meiner Mutter

Es gibt viel zu berichten und Muttern ist schon wieder gut bei Fuß. Es gibt Apfelschlangerl und schließlich bleibe ich in der Gartenhütte meiner Mutter übernacht.

13.10. Um 7h kommt heute Frau Muttern wieder in die Gartenhütte und wir frühstücken gemeinsam. Dann begleitet sie mich noch ein Stück auf meinem Weg bis zum Hofer, wo sie ein paar Sachen einkauft.

Auch meine Mutter begleitet mich ein Stück auf meinem Weg zurück von Jerusalem
Am Weg zur Gis (Giselawarte)

Wir verabschieden uns und ich gehe über den Bachlberg zur Gis hinauf, wo ich wieder meinen Freund Sven treffe. Wir essen gemeinsam beim Giswirt und auch wir haben uns viel zu erzählen.

Wiedersehen mit Sven beim Giswirt – vielen Dank für die Einladung!

Schließlich gehen wir auch noch die Giselawarte hinauf, von wo man einen schönen Blick auf das Mühlviertel und auch auf die Burg Waxenberg hat. Dann verabschieden wir uns und via Untergeng und Lobenstein gelange ich nach Oberneukirchen. Hier kaufe ich mir ein paar Lebensmittel für das kommende Wochenende und gehe weiter Richtung Schallenberg. Am Weg vom Jagawisl zu meinem Haus kommt mir Margit mit ihrem Auto entgegen und wir freuen uns über unser Wiedersehen. Kurz vor Einbruch der Finsternis erreiche ich dann mein Zuhause, wo meine Nachbarn Jean und Tea gerade Äpfel zusammen klauben. Sie laden mich morgen ein, sie zu besuchen. Und Minuten später betrete ich wieder mein Heim, das ich vor ca. 1,5 Jahre verlassen habe. Ich bin sehr froh und dankbar, dass alles gut gegangen ist und ich wieder gesund und munter zu Hause bin.

Wieder zuhause im Schallenberg im Mühlviertel

Gesamtkilometerca. 9.535

Fazit: Fortgehen tut man meist mit gemischten Gefühlen und genauso ist es mit dem nach Hause kommen. Die drei Wochen Wanderung von Kärnten nach OÖ und ins Mühlviertel waren für mich gut um mich wieder an Österreich zu akklimatisieren. Es waren 18 Monate voller Abenteuer, Gastfreundlichkeit und herzlichen Begegnungen mit vielen Menschen anderer Kulturen. Dafür möchte ich mich bei allen, die mich während meiner Wanderung in irgendeiner Weise unterstützt haben, sehr herzlich bedanken! Letztlich ist es auch eine Wanderung zu sich selbst.

Ich freue mich nun auf neue Herausforderungen und auf ein Wiedersehen mit dem einen oder anderen von Euch. Ich wünsche der Welt und allen Menschen dauerhaften Frieden!

ÖSTERREICH – Teil 1 (Klagenfurt – Villach – Spital/Drau – Mallnitz – Bad Gastein – Gasteinertal)

20.9. Nach einer weiteren Nacht am Bledersee frühstücke ich heute bereits kurz nach 6h früh. Der Tag bricht an wie jeder andere auch, allerdings wird es heute doch ein ganz besonder Tag werden. Mein Weg führt mich heute hinauf zum ca. 1.700 Höhenmeter gelegenen Bärensattel in den Karawanken. Und die Karawanken sind der Teil der Alpen, die Slowenien von Österreich trennen. So werde ich heute nach ca. 17 Monaten wieder nach Hause nach Österreich kommen. Ein doch besonderer Moment. Zuerst geht es allerdings noch einige Stunden bergauf und bei einer slowenischen Schafhirtin fülle ich noch einmal die Wasserflaschen auf. Sie meint, dass das ‚gore dom‘, übersetzt das Berghaus, nicht geöffnet sei. Ich war darauf eingestellt und habe mich in der Bäckerei noch mit Proviant eingedeckt. Schließlich komme ich um die Mittagszeit am Bärensattel an und ich raste ca. 100 Meter vor dem Sattel bei der geschlossenen Berghütte noch auf der slowenischen Seite.

Verlassene Berghütte am Bärensattel – Grenze zwischen Slowenien und Österreich

Fast als wollte ich mich noch einmal in aller Ruhe verabschieden von Slowenien und überhaupt vom Balkan. Er hat mir soviel Gutes getan… Es ziehen Nebelschwaden auf und verdecken dann für einige Zeit die Sicht. Als es wieder auflockert, gehe ich die letzten Meter und sehe mit Freuden in das nächste Land – Österreich! Kärnten liegt in voller Pracht zu meinen Füßen und ich kann von weitem auch Klagenfurt, die Hauptstadt Kärntens ausmachen.

Am Bärensattel in den Karawanken, Kärnten und Österreich in Sicht – letztlich überwog dann doch wohl die Freude…

Zumindest bin ich schon einmal wieder gut nach Österreich heimgekommen, denke ich mir nur. Ich gehe dann im Bärental weiter runter Richtung Drau. Auf der Karte habe ich auch gesehen, dass es eine Haider Gedenkstätte gibt.

Grabstätte von Jörg Haider – im Bärental in Kärnten

Es ist dies die letzte Grabstätte des ehemaligen Kärtner Landeshauptmanns Jörg Haider, der hier im Oktober 2008 mit dem Auto tödlich verunglückte. Das Bärental selbst sei so gut wie nicht mehr bewohnt und die Leute seien alle abgezogen, wie mir ein Medicus erzählt. Er wohnt in den Sommermonaten noch in der alten, ehemaligen Schule.

Der Medicus vor seinem Haus im Bärental, der alten Schule…

Danach gehe ich weiter auf der Bärentalstraße bergab und erreiche gegen Abend die Ortschaft Feistritz, wo ich meine Weckerl verspeise. Im überdachten Bereich der Kreuzkirche auf einer kleinen Anhöhe verbringe ich eine selten schöne und ruhige Nacht.

Erster Schlafplatz in Österreich – vor der Kreuzkirche in Feistritz

21.9. Am Morgen packe ich meine Sachen, esse meine letzten Käse Bureks und mache mich entlang der Drau weiter auf Richtung Klagenfurt, wo ich ein wenig rasten werde. Es tut auch wieder gut alles ganz selbstverständlich zu verstehen, was geschrieben und gesprochen wird. Letztlich erreiche ich am frühen Nachmittag die Jugendherberge im Westen von Klagenfurt wo ich mich zuerst einmal für zwei Nächte einquartiere. Ich bin froh hier gut gelandet zu sein. Den Nachmittag schaue ich mir ein wenig die Innenstadt an und am Abend schaue ich Fußball (Lask vs Liverpool (1:3)) bei einem guten Puntigamer Bier.

Lindwurmbrunnen am Neuen Markt im Stadtzentrum von Klagenfurt
Am Alten Markt im Stadtzentrum von Klagenfurt

22.9. In der Herberge herrscht reger Betrieb. Eine Schulklasse sorgt dafür, dass keine Ruhe aufkommt. So soll es auch sein:-) Am Vormittag schaue ich zum Wörthersee und derzeit sitze ich in der Innenstadt in einem Café, wo ich diese Zeilen schreibe.

Am Wörthersee…

Es hat in der Zwischenzeit zu regnen begonnen, grad recht zum Pausieren… 🙂

23.9. Es regnet auch heute noch und so beschließe ich noch einen weiteren Tag hier zu bleiben. Am Vormittag besuche ich den Benediktinermarkt und lerne dabei den gebürtigen Südtiroler Gustav kennen.

Mit Gustav bei der Weinverkostung – am Benediktinermarkt in Klagenfurt

Wir verkosten ein wenig den Wein und gegen Mittag verabschieden wir uns wieder. Ich verbringe den Nachmittag mit Telefonieren und ein paar organisatorischen Sachen. Wenn man fast 1,5 Jahre weg war, gibt es da einiges. Als der Regen weniger wird, erkundige ich weiter die Stadt. Da ich Klagenfurt so gut wie nicht kenne, bin ich doch sehr überrascht über die schöne Altstadt. Letztlich schaue ich noch ein wenig Fußball in einem Lokal und erfreue mich über den 1:0 Sieg der BW Linzer auswärts gegen Red Bull Salzburg.

Statue von Herzog Bernhard von Spanheim – Gründer der Stadt Klagenfurt

24.9. Nach dem Frühstück geht heute meine Wanderung weiter Richtung Villach. Ich gehe zuerst auf dem Rad- und Fußgängerweg nach Pörtschach wo ich in einem Café wieder mit Muttern telefoniere.

Am Nordufer des Wörthersees

Ich kaufe mir in der Konditorei noch Brot bevor ich weiter gehe, da ich wahrscheinlich heute nicht mehr nach Villach kommen werde. Es beginnt nachmittags wieder zu regnen und nach ca. 30 km finde ich in der Ortschaft Gottestal eine nette überdachte Bank wo ich mir Nudeln koche. Etwas Warmes tut bei diesen Temperaturen schon wieder gut. Ich werde hier auch schlafen bevor ich morgen in der Früh nach Villach gehe.

Die Nächte werden bereits wieder deutlich kühler und so schlafe ich mit voller Montur in meinem Schlafsack unter freiem Himmel.

25.9. Im Morgengrauen schlüpfe ich aus meinem Schlafsack und packe meine Sachen zusammen. Und nach knapp zwei Stunden erreiche ich dann Villach, lei, lei… In einem Café werden mir die Preise in Österreich so richtig wieder bewußt. Manchmal würde ich am liebsten wieder rausgehen…🙂

Am Stadtplatz von Villach

In einem A1 shop wird mein Handy wieder flott gemacht und nach einer kleinen Stadttour esse ich in einem Interspar ein Menü mit Schöberl-/Leberknödelsuppe und Kasnocken mit Salat. Das lässt dann doch das gute Essen am Balkan wieder ein wenig vergessen. Ich gehe entlang der Drau weiter flussaufwärts und komme am Nachmittag bei einer Raststätte vorbei.

Nur der Drau folgen, dann kommst nach Spital an der Drau… 🙂

Als mich die Besitzerin beim Zahlen fragt wie weit es noch gehe, meine ich ‚Eh nicht mehr so weit, bis nach Feistritz ca. 7 km‘. Dann schaut sie mich so an und meint, das glaube sie nicht… Also irgendwie sieht man mir es wohl schon an, dass ich nicht gerade erst gestern weggegangen bin. Und mein Trick hat diesmal nicht funktioniert um den vielen anschließenden Fragen zu entgehen🤗 Am Abend übernachte ich in Feistritz/Drau wieder vor einer Schule.

26.9. Heute habe ich wohl nicht mehr als zwei Stunden geschlafen, keine Ahnung woran es lag. So stehe ich schon um ca. 5:30 auf und packe noch bei Finsternis meine Sachen. Kurz nach 6h frühstücke ich dann in einer Bäckerei und als es gegen 7h hell wird, starte ich wieder in den Tag hinein. Den ganzen Vormittag gehe ich knapp 20 km wieder der Drau entlang und sitze gerade beim Mittagessen in Spital/Drau. Im Stadtpark pausiere ich auf einem Parkbankerl während meine Powerbank am Ladegerät für die E-bikes hängt.

Im Stadtpark von Spital an der Drau

Danach gehe ich noch einige Kilometer weiter und nächtige hinter der Hl. Michael Kirche in Pusarnitz.

Hl. Michael Kirche in Pusarnitz

27.9. Entlang der Möll wandere ich heute weiter Richtung Mallnitz.

Morgendliche Stimmung im Mölltal

In Obervellach, einem hübschen Ort an der Möll, esse ich in einer Konditorei ein Eis bevor ich wieder weiter gehe. Ab hier geht es nun ans Eingemachte und wieder einige Höhenmeter bergauf.

Auch der Alpe Adria Trail führt hier vorbei…

Über einen relativ steilen Pfad erreiche ich gegen Abend das 1.200 Meter hoch gelegene Mallnitz. Da es von hier mehrere Routen über die Hohen Tauern ins Gasteinertal gibt, frage ich in einem Café wie ich am besten ins Gasteinertal gehe. Prompt bekomme ich von einem älteren Mann an der Theke die Antwort – – > Üba den Berg hoit😀 Recht hat er natürlich und letztlich empfiehlt er mir auch die Route über die Hagener Hütte. Vor allem auch weil diese Hütte noch offen hat und bekannt ist für das gute Essen…🙂 Letztlich schlafe ich in Mallnitz auf einer kleinen Terrasse vor einem verlassenen Haus in der Nähe des Bahnhofs.

28.9. Es wird in der Zwischenzeit wieder frisch in der Nacht in diesen Höhen und so koche ich mir heisses Wasser und esse Müsli. Bevor ich den Aufstieg zur Hagener Hütte auf 2.450 Meter angehe, kehre ich noch in einer Bäckerei ein und lasse mir einen Kaffee und ein gutes Nusskipferl schmecken. Auf schönen Pfaden komme ich am Vormittag zuerst bei der Jamnigalm vorbei wo der Wirt gerade die Spuren von gestern beseitigt. Er lädt einige Bierkisten in sein Auto ein und meint, die Jäger seien gestern Abend bei ihm gewesen… 🙂

Am Weg von der Jamnigalm zur Hagener Hütte, im Hintergrund das Grosse Goissl (2.974m) – Überquerung der Hohen Tauern

Dann geht es weiter bergauf und um die Mittagszeit erreiche ich die Hagener Hütte auf 2.450 Meter.

Blick von der Hagener Hütte nach Sportgastein – hier beginnt das Gasteinertal

Wunderschön der Ausblick hier über die Hohen Tauern und hinein auf der anderen Seite in das Gasteinertal. Nach einer selbst gemachten Kasspressknödelsuppe und einem Apfelstrudel geht es nun hinein in das Salzburgerland. Das Wetter war mir hold und die Alpenüberquerung ist gut gegangen. In Sportgastein erfahre ich dann vom Kellner im Valeriehaus, dass die Straße entlang der Gasteiner Ache nach Bad Gastein gesperrt ist. Eine Überschwemmung habe vor einigen Wochen die Holzbrücken weggeschwemmt. So kaufe ich mir von ihm ein wenig Brot, fülle die Wasserflaschen auf und gehe auf der anderen Seite des Tales hinauf zur Bockhartseehütte. Hier ist bereits geschlossen. Ich koche mir hier eine Suppe, esse Brot dazu und verbringe eine wunderschöne Vollmondnacht auf der Terrasse der Hütte.

Übernachtung auf der Bockhartseehütte in Sportgastein

29.9. Frühmorgens verlasse ich wieder die Hütte mit dem Ziel Stubnerkogel um von dort hinunter nach Bad Gastein zu gelangen. Über die Miesbichlscharte gelange ich auf einem Grat zum Zitterauer Tisch auf 2.463m.

Unterer Bockhartsee, links die Bockhartseehütte

Von hier sieht man auch schön die Glocknergruppe mit dem Großglockner, das Tennengebirge und den Hohen Dachstein.

Am Weg zum Zitterauer Tisch (2.463m) ist auch die Glocknergruppe mit dem Großglockner (3.798m) im Hintergrund gut sichtbar
Am Weg vom Zitterauer Tisch zum Stubnerkogel. Links im Hintergrund ist bereits Bad Hofgastein gut sichtbar

Zumittag kehre ich dann in das Restaurant auf der Bergstation des Stubnerkogels ein. Ich lasse mir hier gute Kasnocken und einen Hollundersaft mit Leitungswasser schmecken. Danach geht es noch mehr als 1.000 Meter hinunter nach Bad Gastein, wo ich im Hotel Euro Youth in der Nähe des Bahnhofs eine gute und relativ preiswerte Unterkunft finde. Duschen, Wäsche waschen und ein paar Einkäufe erledigen sind das Erste was ich hier mache. Es ist immer wieder schön in diesen Ort zu kommen. Ich bin schon als Junge hier mit meinen Eltern zum Schifahren hierher gekommen und war auch so immer wieder einmal hier. Heute Abend habe ich allerdings eine ganz besondere Überraschung vor. Muck, ein Freund von mir, ist hier gerade auf Kur und so besuche ich ihn im Wetzlgut beim Abendessen. Die Überraschung ist, glaube ich, gelungen und gemeinsam mit seiner Freundin Elfi feiern wir im Christl’s Pub unser Wiedersehen. Es gibt viele Neuigkeiten zu berichten…

Wiedersehen mit Muck und seiner Freundin Elfi im Christl’s Pub in Bad Gastein. Vielen Dank für die Einladung!!!

30.9. Nach einem ausgiebigen Frühstück meldet sich heute mein Cousin Reinhold bei mir. Er hat mich Anfang dieser Woche kontaktiert und wir haben uns für heute und morgen vorgenommen gemeinsam einen Teil des Weges zu gehen. Um ca. 10h gibt es vor dem Wasserfall ein freudiges Wiedersehen und bevor wir los starten, kehren wir gleich einmal in ein Café ein.

Freudiges Wiedersehen mit meinem Cousin Reinhold in Bad Gastein

Es gibt doch einiges zu erzählen und Reinhold willigt ein gemeinsam in das Angertal zur Weitmoser Schlossalm zu gehen. Nicht nur wir ‚laufen‘ sondern auch der Schmäh und so gelangen wir nach zwei gemütlichen Stunden zum Waldgasthof Angertal wo wir uns eine Kasspressknödelsuppe und einen Hollundersaft genehmigen.

Mittagspause im Waldgasthof Angertal – die Kasspressknödelsuppe schmeckte gut!

Während wir so dahin gehen erzählen wir uns das Erlebte in den letzten paar Jahren, da wir uns schon länger nicht mehr gesehen haben. Nach ca. 1.000 Höhenmetern erreichen wir die Weitmoser Schlossalm wo wir Abendessen und letztlich auch die Nacht verbringen.

1.10. Als Reinhold so um 7h den Reißverschluss seines Zeltes öffnet, werde auch ich munter.

Reinhold’s Quartier auf der Weitmoser Schlossalm
Mein Quartier auf der Weitmoser Schlossalm

Wir kochen uns Wasser, frühstücken unseren mitgebrachten Proviant und starten gegen 8:30 in den Tag. Es geht gut voran und gegen 10:30 machen wir noch eine kleine Pause bevor es die letzten Höhenmeter hinauf geht zur Biberalm.

Am Weg zur Biberalm

Gestärkt ist der Aufstieg für uns dann kein Problem mehr. Um die Mittagszeit erreichen wir die Biberalm auf ca. 1.750 Metern und lassen uns den selbstgemachten Käse, Brot, etc schmecken. Im Anschluss daran gibt es dann auch noch Zwetschgenpofesen mit einem Kaffee. Da ich doch jetzt bereits durchgehend 8 Tage von Klagenfurt hierher unterwegs bin, entschliesse ich mich, hier den Nachmittag und Abend heroben zu bleiben anstatt im Tal in Dorfgastein. Es ist einfach wunderschön hier oben. Mit den Worten ‚Let me support your trip‘ übernimmt Reinhold unsere Zeche bevor er wieder nach Dorfgastein hinunter geht und sich auf die Heimfahrt macht. Reinhold, vielen Dank, dass Du mich besuchen gekommen bist. Es war mir eine Freude mit Dir einen Teil meines Weges gemeinsam zu gehen und mich mit Dir auszutauschen. Ich wünsche Dir die richtigen Entscheidungen für Deine Zukunft!

Der blaue Enzian, Symbol des Salzburger Almenweges

Im Anschluss daran bringt mich die Kellnerin in mein Quartier hier auf der Biberalm. Es ist ein 8-Bettzimmer und ich bin der einzige Gast heute Abend. Ich dusche mich und telefoniere dann wieder einmal mit zuhause. Es ist wunderschön hier oben zu chillen und die Bergwelt zu genießen. Dann schreibe ich wieder mein Tagebuch bis mich die Hüttenwirtin zum Abendessen ruft. Es gibt ein Gröstl, das traumhaft gut schmeckt. Ich werde hier die Nacht verbringen und morgen weiter am Salzburger Almenweg Richtung Werfen das Gasteinertal hinauswandern.

Gesamtkilometerca. 9.220

Fazit: Es war schon ein besonderer Moment nach beinahe eineinhalb Jahren wieder von den Karawanken und dem Bärensattel hinein nach Österreich zu schauen. So schön der Balkan auch war, tut es doch auch wieder einmal gut, alles zu verstehen, verstanden zu werden, etc… Natürlich ist beim Nachhausekommen auch immer etwas Wehmut dabei. Wehmut, weil wieder etwas zu Ende geht… Das Neue kann so jetzt wieder beginnen. Kärnten hat mir mit seinen Seen und Bergen sehr gut gefallen. Speziell die Tauernüberquerung von Mallnitz über die Hagener Hütte nach Sportgastein wird mir als Erlebnis in Erinnerung bleiben. Da weiß man wieder aus welchem Land man kommt. Und im Gasteinertal mit den vielen Hütten und Almen fühle ich mich sowieso immer wohl, weil ich hier viele schöne Erinnerungen habe. Ich werde nun weiter den Salzburger Almenweg bis nach Werfen hinaus gehen bevor ich Oberösterreich und das Mühlviertel ansteuere.

SLOWENIEN – Teil 2 (Laibach – Bled)

13.9. Den heutigen Tag durchstreife ich die Altstadt von Laibach. Für mich ist Laibach (slowenisch: Ljubljana) eine der schönsten Städte Europas. Wunderschön die Häuser und engen Gassen und inmitten die hoch über der Stadt ragende Burg.

Burgturm von Laibach
Blick auf Laibach – vom Burgberg

Das Preisniveau ist natürlich auch gewöhnungsbedürftig, aber wahrscheinlich eh gut so als Vorbereitung für Zuhause.

14.9. Happy birthday! Heute habe ich Geburtstag und so lasse ich mir am Hauptplatz einen Cappuccino und Mehlspeisen von der Bäckerei schmecken. Dann fahre ich in den 11. Stock des Scyscrapper Gebäudes und schaue mir die Stadt von hier oben an.

Blick auf die Stadt Laibach – vom 11. Stock des Scyscrapper Gebäudes

Nach einem Spaziergang im nahegelegenen Tivoli Park esse ich Cevapi im Restaurant ‚Sarajevo 84‘ und trinke ein Sarajevsko Bier.

Im Tivoli Park in Laibach
Cevapi und ein Sarajevsko Bier im Restaurant ‚Sarajevo 84‘ – mein Geburtstagsessen
Parlamentsgebäude in Laibach
Oper von Laibach

Bosnien lässt mich noch nicht ganz los wie ich merke. Zur Zeit sitze ich im Café Lolita, eine Empfehlung von Martina, und schreibe diese Zeilen. Das Café ist definitiv dem Geburtstag würdig..:-) Auch mit Frau Mutter telefoniere ich, alles bestens, die neue Waschmaschine läuft und ich werde den Tag genießen.

Im Café Lolita – der Cappuccino schmeckt hervorragend!

Im Cafe Lolita bleibe ich dann den ganzen Nachmittag sitzen und plane meine Route von hier nach Hause. Das Wetter muss natürlich auch mitspielen… Am Abend lerne ich dann noch Ralf, einen Vorarlberger kennen und er gibt mir einige Tipps für den Triglav.

15.9. Heute mache ich einen kleinen Ausflug zur Postojna Tropfsteinhöhle. Ein Bus bringt mich vom Busbahnhof in ca. 40 Minuten von Laibach in die Ortschaft Postojna, von wo ich nach weiteren ca. 20 Minuten zu Fuß beim Höhleneingang ankomme. Gemeinsam mit anderen deutschsprachigen Touristen bringt uns Micha, unser slowenischer guide, in gutem Deutsch die Besonderheiten dieser Tropfsteinhöhle näher.

Micha, der Mann in Orange, führt uns durch die Postojna Tropfsteinhöhle

Die Postojna Höhle ist die zweitgrößte ihrer Art in Slowenien und ist bereits seit über 200 Jahren für den Tourismus geöffnet. Selbst Kaiser Franzl war seinerzeit schon hier, damals wurden die Höhlen noch mit Kerzen ausgeleuchtet.

Grottenolme werden bis zu 100 Jahre alt und leben nach wie vor im Fluss unterhalb der Postojna Höhle.

Nach knappen zwei Stunden bringt uns ein kleiner Zug wieder ans Tageslicht. Micha scherzt und meint dies sei die einzige U-Bahn in Slowenien…:-)

Da ich schon hier bin und noch Zeit bleibt, schaue ich mir auch die ca. 10 km entfernte Höhlenburg Lueg (slowenisch: Höhlenburg Predjama) an. Die aus dem 12. Jhdt stammende Burg diente vielen als letzte Zuflucht.

Höhlenburg Lueg aus dem 12. Jhdt

Am späten Nachmittag kehre ich wieder zurück nach Laibach und ich verbringe den Abend wieder auf dem Burgberg. Als ich so um 21h zurück in die Unterkunft komme ist es mir doch noch zu früh zum Bettgehen. So gehe ich noch in die Metelkova Straße, wo es in einem der Bars Hardrock Livemusik gibt. Laibach ist nicht nur brav… 🙂

Schweres Metall in der Metelkova Straße in Laibach

16.9. Heute morgen dröhnen mir immer noch die Ohren von gestern und nach einer Dusche frühstücke ich wo? In einem Hofer Markt…:-) Dann gehe ich noch einmal auf die Burg und genieße vom Burgturm die schöne Aussicht über die Stadt.

Blick vom Burgturm auf die Stadt Laibach und den dahinter liegenden Julischen Alpen

Zumittag esse ich am Markt Nektarinen bevor ich am Nachmittag noch einmal durch die Stadt gehe. So statte ich der National- und Universitätsbibliothek von Slowenien einen Besuch ab.

Lesesaal in der von Architekt Plecnik entworfenen National- und Universitätsbibliothek von Slowenien, in Laibach

Sie wurde von dem in Laibach geborenen Architekten Joze Plecnik in den Jahren zwischen 1936 und 1941 erbaut. Die Gebäude, die er hauptsächlich so in den 1920er und 1930er Jahren in Ljubljana erbauen ließ, wurden 2021 von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen. Derzeit sitze ich in einem kleinen Café entlang der Laibach und erhole mich noch ein wenig von der Stadtbesichtigung. Morgen wird meine Wanderung Richtung Norden und Österreich weitergehen.

17.9. Als der Rest des Zimmers noch schläft, verlasse ich ohne viel Lärm zu machen die Unterkunft und nach ca. 1 Stunde frühstücke ich in einer Bäckerei. Burek mit Käse gefüllt, wie so oft schon auf meiner Wanderung. Bin schon gespannt ob mir die zuhause abgehen werden.

Abmarsch von Laibach – Avstrija ist bereits auf den Wegschildern angeschrieben

Unterwegs esse ich mitgebrachte Mehlspeisen aus Topfen, schon lange nicht mehr gehabt. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann die kleine Stadt Bischoflack, auf slowenisch Skofja Loka. Mir wurde diese kleine Stadt von der Rezeptionistin in Laibach empfohlen und absolut zurecht. Ein total liebes und kleines Städtchen mit einem wunderschönen Stadtplatz und einer über der Stadt liegenden Burg.

Rast in Bischoflack, Skofja Loka

Nach einer Pause mit gutem Pistazien- und Schokoeis schaue ich mir dann auch noch die Burg an bevor ich weiterziehe.

Burg in Bischoflack

Ich gehe jetzt meist flussaufwärts der Save entlang und erreiche gegen Abend die Stadt Krajn, auf deutsch Oberkrain. Auch die bekannten Volksmusikanten ‚Oberkrainer‘ sind aus dieser Gegend und ich höre mir als Erinnerung in einem Café das bekannte Trompetensolo an. An den Nebentischen wird höflich geschmunzelt… 🙂 Letztlich finde ich wieder an der Rückseite einer Kirche ein geeignetes Platzerl und ich verbringe eine ruhige Nacht auf meiner Isomatte.

18.9. Am Morgen wecken mich die Kirchenglocken auf und so sitze ich wieder früh in einer Bäckerei. Ich erfreue mich der guten Mehlspeisen, die mich immer mehr wieder an zuhause erinnern. Oberkrain selber ist schon eine etwas größere Stadt und nach einer kurzen Kaffeepause geht es wieder weiter Richtung Norden. Entlang der Save sehe ich jetzt öfters auch noch Schäden vom starken Hochwasser Anfang August diesen Jahres. Weggeschwemmte Brücken, Brückenteile oder einfach nur entwurzelte Bäume, die im Fluss liegen.

Zum Teil eingestürzte Brücke über die Save – zwischen Laibach und Bled

Laut einer Kellnerin wird es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis wieder alles so ist wie vorher. Seit ich von Kroatien nach Slowenien gekommen bin, gibt es überall viele Burgen, die von den Hügeln herunterschauen.

Manchmal sehe ich auch Pickerl dieses Weges… Der slowenische Teil des Jakobswegs führt auch hier vorbei Richtung Spanien und Santiago de Compostela

Auch ist Slowenien für mich das best entwickeltste Land aller sechs ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken. In Radmannsdorf (slowenisch Radofljica), einer ebenfalls sehr hübschen Stadt, mache ich zumittags noch eine Pause bevor ich gegen Abend in der Stadt Bled ankomme.

Stadtplatz in Radmannsdorf, auf slowenisch Radofljica

Bled ist wohl Touristenattraktion Nummer 1 in Slowenien, dementsprechend geschäftig ist hier auch der Betrieb. Bled liegt direkt am Bledersee und ist vor allem für die Burg bekannt, die von einem über 100 Meter hohen Felsen herunterragt.

Burg Bled, früher auch Burg Feldes genannt – Papierdruck in der Burg Bled

Ich kaufe mir in einem Supermarkt eine Dose slowenisches Lasko Bier und ein großes Sandwich, das ich direkt am See verdrücke. Hier befindet sich auch ein deutscher Angler und er meint, dass hier schon öfters Leute im Freien geschlafen haben. Zweimal braucht er mir das nicht sagen und so schlafe ich unter einem Vordach mit See- und Burgblick. Das Vordach war heute Abend besonders wichtig weil es sich in der Nacht ordentlich eingeregnet hat.

Blick auf die Insel im Bleder See – von der Burg aus gesehen

19.9. Der Fischer ist schon vor mir auf den Beinen und am Morgen erzählt er mir, dass hier im See noch viele Arten von Fischen, wie Karpfen, etc im See leben. Eine Tageskarte zum Fischen kostet allerdings 60€, auch nicht schlecht… In einer Bäckerei frühstücke ich und die Verkäuferin erlaubt mir den Rucksack tagsüber bei ihr zu lassen. So kann ich mir schön und ohne Gepäck die Burg anschauen und eine Seerunde machen.

Runde um den Bleder See mit Blick auf die Burg links und die Insel, der einzigen Insel Sloweniens

Am späten Nachmittag hole ich mir den Rucksack wieder ab und sitze gerade in einem Café in Bled wo ich diese Zeilen schreibe. Morgen geht es weiter Richtung Norden und Kärnten. Österreich, ich komme! 😉🙋‍♂️

Gesamtkilometerca. 8.980

Fazit: Wunderschön ist auch das Land Slowenien sowie der gesamte Balkan. Slowenien ist wohl das best entwickeltste Land der ehemaligen 6 jugoslawischen Teilrepubliken, auch die Kultur und Mentalität der Leute ist eher schon den nördlichen Ländern ähnlich. Laibach ist eine ausgesprochen schöne Stadt! So kann ich nur Dankeschön sagen diesem Land und dem Balkan insgesamt, er hat mir nur Gutes erfahren lassen.

KROATIEN – Teil 2 / SLOWENIEN – Teil 1 (Zagreb – Laibach (Ljubljana))

4.9. Der Dolac Markt inmitten der Stadt Zagreb ist der ideale Platz um anzukommen, ein wenig zu verschnaufen und Leute zu beobachten. Noch immer gehen mir die Worte von Diana, unserem guide während der kostenlosen Stadtführung, durch den Kopf. Ca. 1. Mio. Einwohner hat die Stadt, Kroatien selber so um die 3,6 Mio. Ca. 82% der Einwohner sind römisch katholisch, Tendenz sinkend aufgrund der Zuwanderung.

Unsere Stadtführerin Diana in ihrem Element – hier vor der St. Markus Kirche in der Oberstadt von Zagreb

Im Jahr 2020 hat es im März hier in Zagreb und in Kroatien zwei Erdbeben der Stärke 6 auf der Richterskala gegeben. In den Medien hatten wir damals ein anderes Thema… 🙂 Aufgrund der Erdbeben vor drei Jahren sind auch fast alle Kirchen und Klöster eingerüstet und müssen renoviert werden.

Auch die Kathedrale von Zagreb blieb von dem Erdbeben 2020 nicht verschont…

Der Eintritt ist daher erst wieder in ein paar Jahren möglich, wie uns Diana verspricht. Mich stört es nicht wirklich, da ich am Balkan wirklich schon sehr viele Gotteshäuser von innen sehen konnte. Am Nachmittag gehe ich dann noch eine Runde durch die Stadt bis zum Zugbahnhof, der nur ca. 1 km vom Stadtzentrum entfernt ist.

Nationalbank von Kroatien
Statue des Königs Tomislav, erster König der Kroaten im 10 Jhdt. n. Chr. – am Bahnhof von Zagreb

Am Abend koche ich mir in der Unterkunft Spaghetti mit Sugo und Parmesan vom Markt und lasse mir eine Flasche Pan Bier schmecken. Nudeln gehen wirklich immer und die kann sogar ich machen… 🙂

5.9. Heute morgen gibt es bereits um 7h Frühstück und ich schlage mir mein Bäuchlein mit Müsli, Banane und verschiedenen Broten mit Salami und Käse voll. Dann mache ich mich auf den Weg zum Technischen Museum, das nach Nikola Tesla, dem Erfinder des Wechselstroms, benannt ist.

Statue von Nikola Tesla, dem Erfinder des Wechselstroms.

Ich verbringe den ganzen Vormittag drinnen und um ca. 13h setze ich mich in ein Café und telefoniere wieder einmal mit zuhause.

Im Technischen Museum (Nikola Tesla Museum) von Zagreb

Nach ca. zwei Stunden Pause gehe ich wieder in die Stadt zurück. Ich gehe noch einmal dieselbe Tour wie bei der Stadtführung, nur jetzt alleine. Und so habe ich jetzt mehr Zeit mir die sogenannte Oberstadt, den alten Stadtteil Gradec, anzuschauen. Vom Turm Lotrscak, einem Wehrturm aus dem 13. Jhdt., wird täglich seit dem Jahre 1877 um 12h Mittags eine Kanone abgefeuert. Die Kanone sollte den Glockenläutern der Kirchen der Stadt das Zeichen für den genauen Mittag geben. Ich genieße den schönen Blick auf die Stadt und die dahinter liegenden Berge. Am Abend esse ich zwei Pizzaschnitten und betrachte dabei das Treiben auf dem Hauptplatz der Stadt.

Alter Straßenbahnwagen am Ban Josip Jelačić Platz, dem Hauptplatz der Stadt Zagreb

6.9. Heute morgen lerne ich beim Frühstück David aus Mexico City kennen. Er ist gerade dabei einen kroatischen Pass zu bekommen und wird künftig in Amsterdam leben. Hier im Hostel ist immer viel los, ein Kommen und Gehen… Mein Handy streikt seit gestern, ich kann es weder laden noch erkennt es einen USB Stick. Nach ein wenig Suchen werde ich im Shop ‚Repair Pro‘ fündig. Der Techniker erkennt den Fehler und fixiert den lose gewordenen USB Eingang wieder. Nach einer halben Stunde funktioniert alles wieder einwandfrei. So sichere ich wieder einmal meine Fotos auf zwei verschiedene USB Sticks ab, die ich an unterschiedlichen Stellen aufbewahre. Zudem lasse ich mir von einem Filippino die Haare schneiden und den Bart abrasieren. Ein gutes Gefühl wieder einmal so schön sauber zu sein… 🙂 Den Nachmittag verbringe ich im botanischen Garten, der um die Jahrhundertwende nach Vorbild des Gartens in Schönbrunn erbaut wurde. Nach einem Kaffee vor dem Bahnhofsgelände fahre ich mit einer der alten Straßenbahnen wieder zum Hauptplatz zurück und verbringe den Abend im Hostel.
Gewächshaus im botanischen Garten

7.9. Am Morgen treffe ich wieder David und er bietet mir an, mir seine Playlist an Musik zu schicken. Eine willkommene Abwechslung, da ich schön langsam meine heruntergeladene Musik auf meinem Handy auswendig kenne. Wobei so viel zum Musikhören komme ich eh auch wieder nicht, meistens bin ich am Abend zu müde dazu. Den Vormittag verbringe ich nochmals auf dem Dolac Markt, wo ich mir Nüsse, Rosinen, etc für die kommenden Tage nach Laibach kaufe. Dann gehe ich noch einmal in die Oberstadt und höre mir den Kanonenschuss um 12h Mittags an, verfolgt natürlich auch von vielen anderen Touristen. Die Rezeptionistin im Hostel hat mir noch ein besonderes Museum an das Herz gelegt. Das Museum der zerbrochenen Beziehungen.

Wie wahr… 🙂

Nun, ein wenig kann ich mich da ja auch angesprochen fühlen 😊 und so statte ich diesem Museum einen Besuch ab. Sehr interessante Gegenstände und Geschichten dazu, die nach beendeten Beziehungen zurück geblieben sind. Zumittag esse ich dann ein Käse Burek und fahre dann noch in den Maksimir Park, dem ältesten öffentlichen Park im Balkan. Er wurde 1787 angelegt und 1794 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Viele Seen, alte Bäume und auch der Stadtzoo befinden sich hier, sodass es ein schöner und erholsamer Ausflug von der Stadt ist.

Viel Botanik im Maksimir Park, dem ältesten öffentlichen Park im Balkan

Derzeit bin ich wieder in der Unterkunft und bereite meine weitere Wanderung nach Slowenien und Laibach vor.

8.9. – 12.9. Diese fünf Tage war ich vor allem damit beschäftigt, die ca. 150 km von Zagreb nach Laibach, der Hauptstadt von Slowenien, zu spazieren. Am ersten Tag geht es recht flach dahin und erst am Nachmittag wird mir klar, wie nahe Zagreb an der Grenze zu Slowenien liegt. Und so überquere ich noch am ersten Tag die Grenze von Kroatien nach Slowenien.

Oberansicht eines Spaziergängers bei der Rast… 🙂

Beide Länder sind im Schengenraum, so gibt es auch keinerlei Grenzkontrollen mehr. Am Abend erreiche ich in der ersten Ortschaft Obrezje in Slowenien ein Restaurant und die Wirtin empfiehlt mir ein Wiener Schnitzel mit Salat und Pommes. Gemeinsam mit einem gezapften slowenischen Lasko Bier lasse ich mir dann also die Nationalspeise Österreichs schmecken.

Ein Schnitzel geht immer!!!

Am Abend lässt sie mich dann mein Zelt in ihrem Garten aufstellen und ich verbringe eine ruhige Nacht auf einem schön gepflegten Rasen. Die nächsten Tage geht es entlang der Save und der Krainer Gurk unaufhaltsam Richtung Ljubljana, dem slowenischen Namen der Stadt Laibach. Ich übernachte jetzt immer schon im Zelt, da ich so besser vor den Gelsen geschützt bin und die Nachte doch auch schon wieder kühler werden.

Übernachtung vor der Kirche in Groblje Prekopi zwischen Zagreb und Laibach

Als ich die Grenze von Kroatien nach Slowenien überquert habe, wurde das Gelände schlagartig hügeliger. Vieles wie die Architektur der Häuser, der fein gemähte Rasen vor dem Haus, etc erinnert schon sehr stark an Österreich. Ich fühle mich quasi schon zuhause…

Burg Wördl, eine Wasserburg auf einer kleinen Flussinsel inmitten der Krainer Gurk in der Ortschaft Otocec

Zudem kommen noch Supermärkte wie Hofer, Lidl, Spar, etc… und ich genieße wieder einmal Joghurtgetränke, Mohnflesserl, Semmeln, usw, ein wenig Aufholbedarf habe ich ja doch.

Das Joghurtgetränk mundete, hier mit einem deutschen Studenten aus Berlin
Marterl am Weg nach Laibach

Am letzten Tag (12.9.) treffe ich dann am späten Nachmittag in Laibach ein. Ich werde hier einige Tage verbringen und habe dafür im Most Hostel, direkt am Fluss Laibach gelegen, eine geeignete Unterkunft gefunden.

Drachenbrücke in Laibach

Am Abend schaue ich mir gemeinsam mit Jerry, einem Schweden aus Malmö, das Fußballspiel Schweden vs Österreich an, das Österreich zu meiner Freude 3:1 gewinnt. Jerry fand das nicht so toll, das lokale Union Bier vom Fass schmeckt ihm trotzdem noch… 🙂

Das Fußballspiel Schweden vs Österreich tat dem Schweden Jerry nur bedingt weh…

13.9. Heute morgen gebe ich meine Wäsche zum Waschen ab und mache einen ersten Streifzug durch die Stadt. Ich muss sagen – wirklich sehenswert diese Stadt mit ihren knapp 300.000 Einwohnern. Mir fehlen die Worte…

In den Straßen von Laibach
Drei Brücken über dem Fluss Laibach mit der roten Franziskanerkirche, einem der Wahrzeichen der Stadt
Kathedrale von Laibach
Franziskanerkirche mit einer Statue des slowenischen Dichters France Preseren – am Preseren Platz, dem Hauptplatz in Laibach

Gesamtkilometerca. 8.910

Fazit: Zagreb hat mich schon sehr an Wien erinnert. Mit all der Architektur, den Parks, den Kirchen und vielen Museen. Kaum war ich über der Grenze in Slowenien wurde es auch schon hügeliger. Jeden Tag sehe ich etwas was mich immer mehr an zuhause erinnert, ich bekomme es stückchenweise ab… 😉 Laibach gefällt mir als Stadt außerordentlich gut. Beim Durchgehen durch die Stadt merke ich immer wieder wie ruhig ich werde. Fast könnte man sagen, dass es mir die Rede verschlägt, so schön sind die Gebäude und Straßen hier. Ich werde hier wieder einige Tage bleiben und dann weiter Richtung Kärnten und Österreich gehen.

BOSNIEN UND HERZEGOWINA – Teil 4 / KROATIEN – Teil 1 (Banja Luka – Kozarska Dubica – Zagreb)

27.8. Ein heisser Sonntag geht in Banja Luka zu Ende. Die Temperatur ging heute wieder Richtung 40 Grad, zu heiß um weiter zu gehen. Ich verbringe den frühen Abend damit, dass ich mir in einem gut gekühlten Raum das Fußballspiel Newcastle vs Liverpool anschaue, das Liverpool zu meiner Freude 2:1 gewinnt. Danach esse ich noch eine Pizza und genieße noch ein wenig den lauen Abend in der Innenstadt.

28.8. Heute soll laut Wetterbericht der letzte wirklich heisse Tag hier in Bosnien und Herzegowina sein. So beschließe ich wieder weiter Richtung Kroatien zu gehen. Auf kleinen Straßen und Wegen gelange ich durch kleinere Ortschaften, wo ich mich immer wieder ein wenig stärken und meine Wasserflaschen auffüllen kann. Schließlich gelange ich am Abend nach ca. 30 km in die Ortschaft Ivanjska, wo ich in einem kleinen Restaurant einen Einheimischen kennen lerne. Er spricht etwas Deutsch und lädt mich auf ein serbisches Jelen Bier ein. Er ist bereits in Pension und lebt ein halbes Jahr in Frankfurt und ein halbes Jahr hier in seinem Geburtsort. Nach dem er sich verabschiedet esse ich noch Cevapi und die freundliche Wirtin füllt mir meine Wasserflaschen auf. Dann begebe ich mich wieder einmal auf Herbergssuche und werde wie schon des öfteren bei einem versteckten und überdachten Schuleingang fündig. Die Überdachung war mir heute besonders wichtig weil in der Nacht Gewitter, Wind und Regen angesagt waren. Tatsächlich beginnt es so um 22h zu donnern und das Gewitter bringt die ersehnte Abkühlung.

29.8. Um 5h früh bleibt plötzlich ein Auto mit Scheinwerfern auf mich gerichtet vor mir stehen. Ich war schon munter und wunderte mich über diesen zeitigen Besuch. Es war der Schulmeister, der etwas vergessen hatte in der Schule, wie er mir zu verstehen gab. Ich erkläre ihm, warum ich hier bin und so schnell er gekommen ist, war er auch wieder weg. Er wollte wohl auch wie ich noch ein wenig weiter schlafen. Auf ebenen und einfachen Straßen geht es heute bis Mittag dahin. Nach der Mittagspause geht es nun in den Kozara Nationalpark und somit hinein in den Wald und bergauf auf einen Berg. In der Zwischenzeit sind hier auch schon die Zwetschgen reif und ich verkoste sie ein wenig. Sie schmecken herrlich. Dann erreiche ich so um 17h den Berg Mrakovica, wo ich mich in einem kleinen Restaurant niederlasse.

Spomenik Monument, ein Denkmal des jugoslawischen Widerstands im 2. Weltkrieg – am Berg Mrakovica

Es hat in der Zwischenzeit zu regnen begonnen und ich lasse mir wieder einmal Cevapi schmecken. Nachdem das Restaurant so um 19h schließt und niemand mehr hier ist, gehe ich in den überdachten Vorbereich der Tourismus Information und verbringe eine ruhige Nacht.

30.8. Es hat sich übernacht richtig eingeregnet und so bin ich froh ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Ich frühstücke heute Brot und Wasser und starte früh mit dem Gehen. Gegen 9h bemerke ich, dass ich mich vergangen habe und nach ca. 1 Stunde bin ich wieder auf der richtigen Spur. Gegen Mittag komme ich in die kleine Ortschaft Maglajci, wo gerade Birnen geerntet werden. Ich koche mir hier eine Suppe und esse das restliche Brot dazu. Als ich fertig gegessen habe, setzen sich die Arbeiter zu mir. Sie haben den ganzen Tag Birnen geerntet und es ist Zeit jetzt für eine Pause. Ein Einheimischer spricht gut Deutsch und erzählt mir, dass sie zwischen 8 und 9 € Stundenlohn bekommen. Für bosnische Verhältnisse sei das ein sehr gutes Entgelt. Die Birnen gehen angeblich nach Russland, wo ein guter Preis zu erzielen ist.

Einladung von Erntearbeitern auf Kaffee und Kuchen – vielen Dank!

Als dann die Bezahlung für ihre getane Arbeit beginnt, verabschiede ich mich von Ihnen. Nach ca. zwei Stunden erreiche ich die Grenzstadt Kozarska Dubica wo ich im Hotel UNA eine geeignete Unterkunft finde. Nach einer Dusche esse ich im dazugehörigen Restaurant Bohnensuppe mit einem Salat. Am Abend kaufe ich mir mit den restlichen bosnischen Marks noch ein paar Packerl Erdnüsse und gehe früh schlafen.

31.8. Heute morgen regnet es ganz leicht und ich hole wieder einmal meine Regenjacke aus dem Rucksack. Sie braucht Frischluft… Der Grenzübertritt zwischen Bosnien und Herzegowina und Kroatien erfolgt völlig problemlos.

Willkommen Kroatien, willkommen EU!

Seit langem bekomme ich jedoch wieder einmal einen Stempel in meinen Pass. Es ist ja immerhin eine EU Aussengrenze. Zudem ist Kroatien seit Jahresbeginn 2023 vollständig im Schengenraum und hat als Zahlungsmittel den Euro. Der kroatische Kuna gehört somit der Vergangenheit an. Ich befinde mich nun in Slawonien, einer historischen Region im Osten Kroatiens. Sie gilt als Kornkammer Kroatiens. Slawonien erstreckt sich in Ost-West-Richtung etwa 150 km zwischen Südungarn und Bosnien. Einen Großteil der Fläche Slawoniens nehmen die Ebenen zwischen den großen Donau-Nebenflüssen Save und Drau ein.

Fahrender Kiosk im kroatischen Slawonien

Und entlang der Save werde ich nun auch die nächsten Tage und Wochen Richtung Zagreb, Laibach, etc bis zum Saveursprung am Triglav gehen. Ich gehe oft entlang dem Damm der Save. Kleiner Nachteil ist, dass hier die Gelsen extrem zutraulich werden.

Holzhaus im kroatischen Slawonien, erinnert bereits ein wenig an Österreich

Die Hunde tun mir hier wirklich leid, sie sind so gut wie alle angekettet und können so ihrem Job nur bedingt nachkommen. Letztlich finde ich am Abend kurz vor der Save einen geeigneten Schlafplatz in einem Rohbau der Ortschaft Gradusa Posavska.

1.9. In der Früh wecken mich heute Kühe in einem nahegelegenen Stall und ich mache mich früh auf die Socken. Um 6:30 beginnen die Fähren auf der Save zu verkehren, hat mir gestern noch eine Kellnerin verraten. Und tatsächlich, als ich so um 6:45 an die Save komme, ist der Fährmann schon aktiv. Es herrscht hier vollständige Ruhe und es liegt noch morgendlicher Nebel über dem Fluss.

Morgendlicher Fährbetrieb an der Save, einem der längsten Donauzuflüsse

Als ich für die Fahrt bezahlen möchte, lehnt der Fährmann ab. Er lädt mich dazu ein… Entlang des Dammes der Save gehe ich in ebener Landschaft wieder flussaufwärts weiter Richtung Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. Am Abend erreiche ich die Ortschaft Martinska Ves, wo ich vor einem Kircheneingang einen geeigneten Platz für meine Isomatte finde. Allerdings muss ich mich hier wiederholt mit meinem Gelsenspray einsprühen um nicht vollständig von ihnen ‚verspeist‘ zu werden. Kein zweites Mal, denke ich mir…

Übernachtung im überdachten Vorbereich einer Kirche, die Gelsen hatten trotz Gelsenspray ihre Freude…:-)

2.9. Am Morgen frühstücke ich Salzstangerl und Schokocroissant bevor ich wieder zum Gehen anfange. Es macht mir nach wie vor Spaß, die Gegend zu Fuß zu erkunden. In dieser flachen Gegend ist es auch sehr einfach voran zu kommen.

Brücke über die Save, hier in Martinska Ves

Am späten Nachmittag erreiche ich dann die Ortschaft Jalsevec Nartski. Hier kaufe ich mir Käse, Wurst und zwei Mohnweckerl, die ich bei einer Busstation esse. Dann stelle ich mir heute das Zelt hinter einer Kirche auf und verbringe dieses mal eine von Gelsen ungestörte Nacht!

3.9. Heute ist Sonntag und im hoch katholischen Kroatien sind auch hier die meisten Geschäfte geschlossen. So esse ich zum Frühstück die zwei Croissants, die ich mir gestern vorsorglich schon gekauft habe und gehe wieder weiter meines Weges. Heute sind es nur mehr ca. 20 Kilometer in die Hauptstadt und ich erreiche bereits am Vormittag die ersten Industrieviertel der Stadt.

Ortsschild von Zagreb…

Im ersten Lokal, das offen hat, esse ich Käse Burek und lasse während dem mein Zelt, etc trocknen. Um ca. 15h erreiche ich dann den Hauptplatz von Zagreb und ich quartiere mich für einige Tage im Main Square Hostel ein. Es tut natürlich wieder einmal gut zu duschen und die Wäsche gemacht zu bekommen.

Hauptplatz von Zagreb

4.9. Ich habe heute wohl ca. 8 oder 9 Stunden geschlafen, weit mehr als im Durchschnitt. So bin ich um 7h früh putzmunter und ich erkundige mich bei der Hostelangestellten über die Stadt, Empfehlungen, etc… Um 8h beginnt dann das Frühstück, allerdings ohne Kaffee oder Tee, da es einen Stromausfall gibt. Der kommt allerdings später wieder. Eine junge Deutsche gibt mir während dem Frühstück noch einige Tipps für Zagreb und auch Slowenien bevor ich um 11h eine gratis Stadtführung mitmache. Diana heißt unser guide und sie bringt uns in ca. zwei Stunden die Geschichten der Altstadt Zagrebs näher. Derzeit sitze ich in einem kleinen Café beim Dolac Markt und schreibe diese Zeilen.

Dolac Markt im Zentrum von Zagreb

Gesamtkilometerca. 8.750

Fazit: In 7 Tagen bin ich also die ca. 220 Kilometer von Banja Luka nach Zagreb, in die Hauptstadt Kroatiens gewandert. Hauptsächlich entlang der Save, einem der längsten Donauzuflüsse. Die Holzhäuser im kroatischen Slawonien erinnern schon ein wenig an Österreich, auch das Preisniveau…:-) Daran muss ich mich erst wieder einmal gewöhnen, muss ich gestehen. Zagreb selbst erinnert mich von der Architektur und den Straßen und Häusern ein wenig an Wien, auch mit den vielen Museen und Galerien, etc. Ich werde hier noch ein paar Tage bleiben bevor es weiter geht Richtung Slowenien und Ljubljana (Laibach).

BOSNIEN UND HERZEGOWINA – Teil 3 (Sarajevo – Visoko – Travnik – Jajce – Banja Luka)

15.08. Heute nachmittag habe ich noch Zeit mir die Ausstellung ‚Galerija Srebrenica 11/07/95‘ anzuschauen. Sehr interessant, informativ und bedrückend zugleich. Es geht hier um den Genozid an muslimische Bosnier am 11/07/1995 und die Tage danach… Wer mehr dazu wissen möchte, hier der link – – > https://bs.m.wikipedia.org/wiki/Genocid_u_Srebrenici

Wandbemalung in der Ausstellung ‚Galerija Srebrenica 11/07/95’…

Am Abend lasse ich mir noch einmal eine Creme pita (Cremeschnitte) und einen bosnischen Kaffee schmecken bevor ich mich zum Kino aufmache.

29. Internationales Filmfestival in Sarajevo

Der Film ‚We are no angels‘ aus dem Jahre 1989 wird im ehemaligen Apollo Kino gezeigt. Es ist dies das einzige Kino, das in Sarajevo während des Bosnienkrieges und der Belagerung der Stadt geöffnet hatte. Der Kinosaal ist nicht groß und erinnert mit dem Holzbalkon an die Kinos früherer Zeit. Diese Art von Kinos gibt es fast nicht mehr, denke ich mir. Robert de Niro in Bestform lassen mich den Abend in diesem historischen Kino richtig genießen.

Publikum in der Obala Open Stage, dem ehemaligen Apollo Kino in Sarajevo

16.08. Nach einem kurzen Frühstück in einer Bäckerei packe ich meine Sachen und verlasse Sarajevo nach mehr als einer Woche Richtung Norden und Banja Luka, der Hauptstadt der serbischen Republik. Ich komme durch viele Ortschaften und erreiche am späten Nachmittag die Stadt Visoko. Hier lasse ich mich in einer Pizzeria in der Nähe eines Flusses nieder und tanke mit einer Pizza Capricciosa meinen Kalorienbedarf auf. Visoko ist für die bosnischen Pyramiden bekannt, die in unmittelbarer Nähe von hier liegen. Die Sonnepyramide (220 m hoch), die Mondpyramide (190 m hoch), die Drachenpyramide und die Liebespyramide, wie sie allesamt so schön heißen.

Die Sonnepyramide (220 m hoch) von der Stadt Visoko aus gesehen

Der Tempel der Mutter Erde komplettiert den bosnischen Pyramidenkomplex. Zudem gibt es hier ein unterirdisches Tunnelsystem, das sich bis zu den einzelnen Pyramiden erstreckt. Die Forschungen begannen im Jahre 2005 und man kam überein, dass noch weiter geforscht werden solle. Sollte es sich tatsächlich um Pyramiden handeln, dann wäre zB die Sonnepyramide um einiges höher als die Cheopspyramide in Ägypten und vor allem auch um einiges älter. Die Geschichtsbücher müssten neu geschrieben werden… Auf der Suche nach einer Unterkunft treffe ich einen Holländer, der schon länger hier ist und mir noch mehr von diesen Pyramiden erzählt. Auf meine Frage, ob er denn an diese Geschichte mit den Pyramiden glaube, meint er nur augenzwinkernd – Find out yourself (Finde es selber heraus)… 🙂

Vor einem etwas versteckten Schuleingang gegenüber einer Moschee finde ich dann ein schönes Plätzchen für meine Isomatte und ich verbringe hier eine ruhige Nacht.

17.08. Gut ausgeschlafen kaufe ich mir so um 6h morgens in einer Bäckerei ein paar Kipferl, die ich mir in einem Café mit einem kleinen Espresso und einem Glas Wasser schmecken lasse. Dann frage ich den Besitzer ob ich für einige Stunden meinen Rucksack bei ihm lassen könne, was natürlich kein Problem ist. So gehe ich ohne Gepäck zuerst zu dem Tunnelkomplex. Bis 10h vormittags kann man den selber erkunden bevor dann geführte Touren beginnen, hat mir der Holländer gestern noch auf meinen Weg mitgegeben. Im Inneren befinden sich bereits einige Leute, die vor allem zum Meditieren hierher kommen.

Im Inneren des Tunnelkomplexes in der Nähe der bosnischen Pyramiden

Messungen ergaben, dass es tatsächlich ein Kraftort ist und auch ich kann etwas spüren. Nach ca. 1 Stunde gehe ich wieder durch das weitverzweigte Tunnelsystem hinaus und treffe den Holländer von gestern. Er ist mit seinem Freund hier, der ebenfalls Holländer ist. Nach ca. 1 Stunde gehen wir dann alle drei gemeinsam weiter zur Sonnenpyramide, die ich besteigen möchte. Die beiden waren selber schon oben und gehen weiter zur Liebespyramide.

Mit den beiden Holländern am Weg zur Sonnenpyramide

Ca. 220 Meter ist die Sonnenpyramide hoch, durch das feuchte Klima ist sie natürlich mit Vegetation bewachsen. Ich glaube man braucht wirklich etwas Zugang zur Esoterik um an das ganze zu glauben. Allerdings gibt es auch viele wissenschaftliche Messungen, etc, die tatsächlich auf die Existenz dieser Pyramiden schließen lassen. ‚Find out yourself‘ würde auch ich sagen… 🙂

Dann gehe ich wieder zurück in das Café, hole meinen Rucksack ab und esse zum Mittagessen Cevapi.

Kriegerdenkmal in Visoko

Am Weg weiter Richtung Norden finde ich in einem kleinen Dorf ca. 15km nördlich von Visoko in einem Rohbau ein ideales Platzerl zum Schlafen.

18.08. Heute starte ich ohne Frühstück und nach einigen Kilometern esse ich in einem kleinen Restaurant zwei Spiegeleier, Käse und Brot.

Katholische Kirche am Weg nach Travnik

Heute ist es bewölkt und ideal zum Wandern und so gelange ich nach ca. 36 km zu einem Sportplatz mit einer überdachten Vereinshütte. Gegenüber esse ich etwas und genehmige mir ein Bierchen. In der Zwischenzeit fahren auch die Jungs mit ihrem Fußball nach Hause und die Vereinshütte wird ‚frei‘. Es beginnt auch zu regnen und ein leichtes Gewitter zieht auf. So bietet mir die überdachte Vereinshütte einen idealen Schutz vor Wind und Regen und ich verbringe hier eine schöne Nacht.

19.08. Nach einer ruhigen Nacht gehe ich heute wieder ca. 5 km bevor ich in einem kleinen Café frühstücke. Dann gehe ich die letzten ca. 10 km weiter Richtung Travnik, einer schönen und kleinen bosnischen Stadt. Ich habe mich heute hier im ABA Motel für ca. 20 € die Nacht einquartiert. Zuerst duschen, dann die Wäsche zum Waschen abgeben und Mittagessen. Mein übliches Programm wenn ich wo nach ein paar Tagen im Freien wieder in einer richtigen Unterkunft ankomme.

In den Straßen von Travnik
Bunte Moschee im Zentrum von Travnik
Eingang zur Bunten Moschee in Travnik

Den Nachmittag nütze ich um mich in der Stadt umzusehen. Es gibt hier einige schöne Moscheen, Kirchen und auch eine über die Stadt thronende Burg.

Burg in Travnik

Vor einer Bäckerei komme ich mit Armin ins Gespräch. Er spricht gut Deutsch und erzählt mir, dass 99% seiner Klassenkameraden bereits das Land verlassen haben. Es gibt einfach keine Jobs und die jungen Leute suchen ein besseres Leben im Ausland. Zudem sei das Land korrupt, so sind Uniabschlüsse, etc gegen Geld erhältlich. Natürlich nicht sehr motivierend für Leute, die es ehrlich meinen und pauken… Am Abend gibt es ein heftiges Gewitter mit Starkregen und ich betrachte interessiert und aufgeregt das Naturschauspiel. Natürlich bin ich auch froh in einem feinen Zimmer zu sein.

Burg von Travnik
Frau vor ihrem Haus in Travnik – der nächste Winter kommt bestimmt…

20.08. Ich werde wohl heute noch hier bleiben. Es gibt noch einiges zu erkunden und vor allem möchte ich mir auch das Geburtshaus von dem ehemaligen jugoslawischen Schriftstellers Ivo Andric anschauen, der 1961 den Literaturnobelpreis bekommen hat.

Geburtshaus von Ivo Andric, dem jugoslawischen Literaturnobelpreisträger

Nach dem ich mir das Geburtshaus von Ivo Andric angesehen habe, bekomme ich am Vormittag plötzlich das Gefühl doch weiter gehen zu wollen. So starte ich um ca. 11h und erreiche am Abend die Ortschaft Hamandzici, wo ich bei einer Moschee mein Zelt aufstelle.

Zeltplatz in der Ortschaft Hamandzici

Während ich meine Isomatte aufblase, ruft mir eine Frau von einem Haus zu, dass ich auf einen Kaffee vorbeikommen soll. Zeitgleich kommt auch ein anderer Nachbar zu mir und er erzählt mir, dass sein Bruder in Wien arbeitet. So haben wir schon ein Gesprächsthema und wir trinken dann alle einen Kaffee bei der Frau, die mich und dann auch die anderen eingeladen hat.

Einladung im bosnischen Dorf Hamandzici – vielen Dank!

Wir sitzen inmitten eines wunderschönen Gartens und es gibt neben Obst auch Süßigkeiten zum Kaffee. Die selbstgemachten Kolaci schmecken hervorragend. Gegen 8h abends verabschieden wir uns und ich gehe ins Zelt schlafen. Der andere Mann kommt dann noch einmal mit Bureks, Hähnchen und einer Flasche Saft vorbei. Die Gastfreundschaft lebt auch hier in Bosnien – vielen Dank!

21.8. Heute morgen esse ich einen Teil der Bureks von gestern und beginne so um 7h Richtung Jajce zu gehen. Ich befinde mich auf ca. 1.000 Höhenmeter und die Temperaturen sind angenehm. Es geht dann auf einer Forststrasse bergab und nach einer kurzen Pause erreiche ich am frühen Nachmittag die Stadt Jajce. Die Stadt befindet sich auf ca. 350 Höhenmeter und es ist deutlich wärmer als die letzten Tage.

Wasserfall inmitten der Stadt Jajce

So quartiere ich mich für 8€ die Nacht in einer Jugendherberge ein und wasche mein Leiberl, das völlig nass ist. Dann raste ich ein wenig bevor ich am Abend noch einmal in die Altstadt gehe. Es gibt hier einen Wasserfall mitten in der Stadt und auch sonst finde ich die Stadt sehr schön. Ich werde hier eine zweite Nacht bleiben und morgen die Stadt weiter erkunden.

22.8. Da es untertags derzeit ganz schön heiß wird, gehe ich bereits am Morgen entlang des Pliva Flusses zu den Mlinovi Wassermühlen.

Mlinovi Wassermühlen entlang des Pliva Flusses – außerhalb von Jajce

Die im Mittelalter erbauten Mühlen, die den großen vom kleinen Pliva-See trennen, gehören zu einem der 29 Nationaldenkmäler in Jajce, die unter staatlichem Schutz stehen. Frühmorgens liegt noch Nebel über dem Wasser und es ist noch angenehm kühl. Danach frühstücke ich im Hotel Pliva-See bevor ich noch einmal zu den Wassermühlen zurückgehe. Zwei Einheimische, die gut Deutsch sprechen und in Frankfurt leben, nehmen mich in ihrem Auto die 5 km wieder zurück in die Stadt. Wir führen zudem ein interessantes Gespräch in diesen paar Minuten, die wir Zeit haben. Bosnien sei seit dem Dayton Abkommen im Jahre 1995 (es beendete den Bosnienkrieg) zum Scheitern verurteilt, erklärt mir der Fahrer. ‚Drei Präsidenten in einem Land, wie soll das gut gehen. Und zwei davon (der von den bosnischen Serben und der von den bosnischen Kroaten) arbeiten gegen das Land. Sprich, sie bringen das Geld ins Ausland nach Kroatien und Serbien, wo sie und ihre Familien und Freunde in ihren Villen leben. Nur der bosnische Präsident setzt sich für das Land ein, ist aber bei drei Präsidenten in der Minderheit. Das Land steht seit Jahrzehnten quasi still!‘ Kein Wunder, dass die jungen Bosnier alle auswandern, denke ich mir nur… Sie lassen mich dann bei der Jugendherberge aussteigen und ich bedanke mich bei Ihnen.

Bevor die Mittagshitze wieder hereinbricht gehe ich noch einmal in die Stadt. Ich besuche das AVNOJ Museum, in dem am 29. und 30. November 1943 die zweite Sitzung des Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ) stattfand. Bei dieser Sitzung gaben die Vertreter von Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Slowenien einen Teil ihrer Souveränität auf um eine sozialistische föderative Republik Jugoslwien zu schaffen. Zu der Museumseinrichtung gehört u.a. auch der originale Sessel von Tito und andere originale Möbeln dieser Sitzung.

Originalsessel von Tito – im AVNOJ Museum in Jajce

Danach gehe ich auf die Burg von Jajce hinauf, die im 14. Jhdt erbaut wurde. 1461 wurde hier der letzte bosnische König gekrönt bevor das Land unter osmanischer Herrschaft geriet.

Burg aus dem 14. Jhdt in Jajce

Derzeit sitze ich in einem kleinen Café und habe soeben wieder mit Muttern telefoniert. Alles bestens und sie erzählt mir wieder die letzten Neuigkeiten aus der Heimat.

Am Abend sitze ich noch in einem Café direkt unter den alten Stadtmauern mit Einheimischen zusammen. Ein älterer Bosnier spricht gut Deutsch und hat viel in Frankfurt gearbeitet. Er wurde sehr gut von seinen deutschen Kollegen und Chefs behandelt und habe hier zu Hause jetzt ein gutes Auskommen. Am Rückweg zur Unterkunft schlecke ich noch einmal ein Eis. So richtig abkühlen tut es allerdings auch nicht… 🙂

23.8. Gut ausgeschlafen esse ich zum Frühstück bosnische Mehlspeisen mit Kirschen und Vanillecreme, die ich mir gestern noch von der Bäckerei mitgenommen habe. So um 8h verlasse ich dann die Herberge von Jajce. Zuerst geht es einige Höhenmeter bergauf, dann durch schöne hügelige Landschaft Richtung Norden. Man könnte fast glauben, man spaziert im Mühlviertel dahin. Zumittag komme ich nach ca. 25 km in der Stadt Mrkonjic Grad an, wo ich in einem kleinen Restaurant Cevapi esse.

Orthodoxe Kirche in Mrkonjic Grad, einer Stadt in der serbischen Republik des Landes Bosnien und Herzegowina

Ich kaufe mir dann in einer Bäckerei einige Lebensmittel, da ich heute Abend und morgen keine Lebensmittel bekommen werde. Um 16h, als die Mittagshitze allmählich nachlässt, gehe ich dann noch ca. 10 km weiter. Auf einer Anhöhe finde ich unter einem Baum einen langen Tisch mit Holzbänke. Ideal um hier wieder einmal meinen Gaskocher anzuwerfen und Nudeln zu kochen. Mit dem mitgebrachten Brot immer eine willkommene Verpflegung. Die Bauern nebenan winken mir zu, so habe ich das Gefühl willkommen zu sein. Letztlich verzichte ich heute auf mein Zelt und verbringe eine schöne Nacht auf meiner Isomatte unter dem Sternenhimmel. Irgendwann in der Nacht werde ich munter und ich schaue mir die verschiedenen Sternenbilder am Himmel an. Man kommt sich so klein vor wenn man das alles länger betrachtet.

24.8. Am Morgen packe ich meine Sachen zusammen, während eine einheimische Frau in der Nähe auf eine Mitfahrgelenheit wartet. Sie zeigt mir wo es hier Wasser gibt und mit aufgefüllten Flaschen gehe ich wieder weiter meines Weges.

Am Weg nach Banja Luka in der serbischen Republik

Wieder so um 14h komme ich in der kleinen Ortschaft Kola vorbei und das auf meiner Karte eingezeichnete Restaurant hat geschlossen. Na super… Dafür gibt es in der Nähe ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo ich mir einen Zitronenradler und salzige Chips zum Mittagessen kaufe. Ich lerne hier einige Einheimische kennen, die auf den Bierkisten sitzen.

Nachmittagsschoppen in Kola – vielen Dank für die Einladung auf zwei Zitronenradler!

Einer davon spricht gut Deutsch und arbeitet in Linz. Er sei gerade mit seiner Familie hier in seiner Heimat auf Urlaub und freut sich seine alten Kumpels zu treffen. Es sind nur mehr ca. 15 km bis Banja Luka, der Hauptstadt der serbischen Republik und ich beschließe noch heute bis dorthin weiter zu gehen.

Banja Luka in Sicht…

Um ca 19h erreiche ich dann Banja Luka und ich quartiere mich im Motel Kobilj in der Nähe von warmen Thermalquellen ein. Die freundliche Rezeptionistin macht mir dann noch etwas zum Essen und ziemlich müde schlafe ich früh ein.

25.8. Ich schlafe heute bis 7:30 und genieße lange das Frühstück auf der Terrasse des Hotels mit Blick auf den Fluss Vrbas, der sich durch die Stadt Banja Luka schlängelt. Da es heute wieder sehr heiß (bis zu 40 Grad) wird, beschließe ich hier einen Rasttag einzulegen. So kann ich mich ein wenig in die Thermalquellen setzen, im kalten Gebirgsfluss Vrbas schwimmen und mich von den letzten Tagen und der Hitze erholen.

Thermalquellen am Ufer des Flusses Vrbas, ca. 3 km außerhalb des Stadtzentrums von Banja Luka

Heute habe ich seit langem mal wieder einen richtigen Badetag gehabt. Ich habe es genossen im kalten Gebirgsfluss Vrbas zu schwimmen und anschließend in den ca. 38 Grad warmen Thermalquellen zu entspannen. Für mich genau das Richtige… Am Abend bin ich in das Restaurant Slap essen gegangen. Cevapi nach Banja Luka Art und ein heimisches Nektar vom Fass stillen meinen Hunger.

Cevapi nach Banja Luka Art, hier wird ausschließlich Rindfleisch verwendet. Dazu Ajvar (im Hintergrund), ein Püree aus Paprika und Auberginen, Knoblauch, etc

26.8. Ich möchte mir auch die Stadt Banja Luka, die Hauptstadt der serbischen Republik, selber anschauen und so gehe ich mit meinem Rucksack in das Stadtzentrum.

Ratko Mladic findet man auch an den Mauern von Banja Luka. Er sitzt gerade seine lebenslange Haft für das Kriegsverbrechen in Srebrenica ab…

Im Apartmani Kobilj finde ich eine gute Bleibe entlang des Flusses wo es nicht so heiß ist. Am Abend durchstreife ich die Altstadt von Banja Luka. An diesem warmen Samstag Abend herrscht großes Treiben in den Straßen, Banja Luka ist ja auch für sein Nachtleben bekannt.

Lauer Samstag Abend im Zentrum von Banja Luka – im Hintergrund die Christ Erlöser Kathedrale

27.8. Auch heute geht der Thermometer noch einmal Richtung 40 Grad und ich beschließe hier zu bleiben. Ab morgen wird es wieder etwas kühler werden und somit auch wieder besser zum Gehen. So habe ich heute morgen Zeit die Stadt genauer zu erkunden.

Burg von Banja Luka
Orthodoxe Christ Erlöser Kathedrale in Banja Luka
Katholischer Gottesdienst in der katholischen Kirche von Banja Luka
Mittagsgebet in der Ferhadija Moschee von Banja Luka

Die Stadt selbst ist sehr grün mit vielen Bäumen und Parks, in denen man gut entspannen kann. Vormittags war ich innerhalb ein paar Stunden sowohl bei einem orthodoxen als auch katholischen Gottesdienst und letztlich auch beim Mittagsgebet der Muslimen. Alle drei Religionen leben hier nebeneinander. Schließlich esse ich zumittags drei Kugeln Eis und kühle mich gerade in meiner Unterkunft etwas ab.

Fabrika Kaffee – die Antwort des Balkans auf Starbucks, nur etwas besser…

Gesamtkilometerca. 8.530

Fazit: Bosnien und Herzegowina ist definitiv mehr als nur Sarajevo und Mostar. Auch kleinere Städte wie Travnik und Jajce laden mit ihren Burgen, Museen, etc zu einem Besuch ein. Der günstige Wechselkurs zwischen bosnischer Mark und dem Euro trägt zusätzlich noch dazu bei. Das Land ist quasi dreigeteilt mit drei Präsidenten, jeweils einen für die muslimischen Bosniaken, die orthodoxen Serben und die katholischen Kroaten. Definitiv alles andere als gut für die Entwicklung dieses Landes. Während meinen mehr als fünf Wochen in Bosnien und Herzegowina habe ich allerdings sehr viel Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren, weit mehr als ich erwartet habe. Vielen Dank Ihr lieben Bosnier!

BOSNIEN UND HERZEGOWINA – Teil 2 (Sarajevo – Mostar – Sarajevo)

05.08. Nachdem ich also auf dem Bahnhof in Sarajevo die Zugverbindungen nach Mostar für kommenden Dienstag herausgefunden habe, verbringe ich einige Zeit im Holiday Hotel. Am Dach dieses Hotels befanden sich während des Bosnienkrieges zwischen 1992 und 1995 Snipers, also Scharfschützen, der serbischen Republik.

Hotel Holiday in Sarajevo – vom Dach dieses Hotels schossen während der Belagerung Sarajevos zwischen 1992 und 1995 Scharfschützen der serbischen Republik auf die bosnische Bevölkerung

Im Anschluss daran besuche ich das sehenswerte Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina.

Im Botanischen Garten des Nationalmuseums von Bosnien und Herzegowina

Es regnet heute, so habe ich auch das Gefühl, nichts draußen zu versäumen. Auch hat es ordentlich abgekühlt, herrlich… Dann gehe ich entlang des Miljacka Flusses wieder in die Innenstadt zurück und verbringe den Abend in der Altstadt und im alten Basar der Stadt.

Muslimischer Grabstein am Friedhof hinter der Kaisermoschee

06.08. Heute ist Sonntag und nachdem ich mir sowieso die Kathedrale von Sarajevo anschauen möchte, beschließe ich gleich zum Gottesdienst zu gehen. Um 8h versammeln sich doch einige katholische Gläubige in dieser wunderschönen Kirche.

Kathedrale von Sarajevo

Nach ca. 35 Minuten ist die Messe vorbei und ich gehe noch einmal in die Unterkunft zurück um meine Reservierung für weitere 4 Nächte bei Adna zu bestätigen. Ich werde ja einige Tage in Mostar verbringen, bevor ich wieder zurück nach Sarajevo komme und mit Andreas gemeinsam noch ein paar Tage hier bleibe.

Hauptplatz von Sarajevo mit dem Sabil, einer Brunnenstube mit öffentlich zugänglichem Wasser – Wahrzeichen der Stadt

Dann geht meine Wanderung wieder von Sarajevo weiter gen Norden und Kroatien. Adna empfiehlt mir das War Childhood Museum zu besuchen und ich komme ihrem Rat nach. Es behandelt persönliche Erlebnisse und Erfahrungen von Kindern während des Bosnienkrieges zwischen 1992 und 1995.

Teddy… Er war für ein junges Mädchen während des Krieges ihr bester Freund! – War Childhood Museum in Sarajevo

Zumittag esse ich am alten Markt Brot und Fleisch mit Kaymak (Käse) bevor ich noch einmal in das Museum zurückkehre und mir den Rest anschaue. Diese Stadt hat schon eine Geschichte…

Kaffeepause in der Altstadt von Sarajevo – die Kaffeehauskultur hat in Bosnien eine lange Tradition

Den Nachmittag und Abend verliere ich mich in der Stadt bevor ich mir noch ein weiteres kleines Museum mit dem Titel ‚Belagerung von Sarajevo‘ (Siege of War) anschaue. Derzeit liege ich bereits im Bett und werde bald schlafen.

‚Siege of Sarajevo‘ Museum in Sarajevo

07.08. Nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich heute zum Österreich-Platz (Trg Austrije). Er befindet sich in der Nähe der Lateinerbrücke, wo 1914 das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie stattfand. Mit der Buslinie 103 gelange ich dann nach ca. einer halben Stunde in das Stadtviertel Dobrinja in der Nähe des Flughafens. Von dort gehe ich dann noch ca. eine weitere halbe Stunde zum Stadtviertel Butmir auf der anderen Seite des Flughafens. Da während der Belagerung Sarajevos zwischen 1992 und 1995 der Flughafen Sarajevos von der UN, den Vereinten Nationen, kontrolliert wurde, und auch sie die Bevölkerung nicht entkommen lassen durften, beschlossen die muslimischen Bosnier einen unterirdischen Tunnel unter dem Rollfeld des Flughafens zu graben.

Einfamilienhaus in dem Stadtteil Butmir – von hier gelangten Lebensmittel, etc in die von Serben belagerte Stadt Sarajevo. Heute haben die Besitzer des Hauses ein Museum draus gemacht.

Man muss sich das vorstellen, der Tunnel war ca. 800 m lang und 1,5 Meter hoch, das war sozusagen das ‚Stadttor‘ für die Bosnier in Sarajevo. Und mit blosser Hand haben sie ihn in genau 4 Monaten und 2 Tagen gebaut, von beiden Seiten aus grabend. Als der Tag gekommen war, dass beide Seiten zusammenfanden beschrieb ein Arbeiter am Tunnel sein Gefühl wie folgt: ‚Ich war bei der Geburt meiner beiden Töchter dabei, aber mein wohl glücklichster Tag war als der Tunnel von beiden Seiten passierbar war’…

Nachbau des ‚Tunnel of Hope‘, wie der Tunnel heute genannt wird – der Original Tunnel ist aus Sicherheitsgründen nicht mehr begehbar und auch sicher schon größtenteils eingestürzt.

Ohne diesem Tunnel hätte die Stadt nicht überlebt. Niemand durfte davon wissen und so dienten zwei Familienhäuser auf beiden Seiten des Tunnels als Ein-und Ausgang des Tunnels. Es konnten so Lebensmittel, Wasser, Benzin, Waffen, etc in die Stadt gebracht werden.

Rosen von Sarajevo – so werden in dieser Stadt bestimmte Formen von Gedenkstätten genannt, an denen während des Bosnienkrieges Leute gestorben sind…

Um die Mittagszeit fahre ich mit dem Bus wieder zurück in die Stadt und bei einem bosnischen Kaffee lerne ich Istvan aus Transylvanien kennen. Er ist Pianolehrer an einer Uni in Rumänien und ist mit seinem Auto auf Urlaub hier in Bosnien und Herzegowina. Ich solle mich doch melden bei ihm wenn ich in sein Land komme, meint er noch bevor er mit seinem Auto Richtung Banja Luka weiter fährt.

Mit Istvan im Cafe Andar in der Altstadt von Sarajevo

Den Abend verbringe ich auf der gelben Burg (Zuta Tabija) von wo man einen schönen Blick auf die Stadt genießen kann.

Blick von der gelben Burg auf die Stadt Sarajevo

08.08. Frühmorgens klettere ich aus meinem Bett und mache mich zum Bahnhof auf.

Bahnhofshalle in Sarajevo

Ich fahre heute mit dem Zug nach Mostar, der Hauptstadt der Herzegowina. Diese Stadt ist ja vor allem für ihre alte Steinbrücke aus osmanischer Zeit bekannt. Der Zug passiert viele Tunnels und Brücken und die Berglandschaft nach Mostar ist wunderschön. Neben mir sitzt Alper, ein Englischlehrer aus der türkischen Stadt Konya, und wir tauschen Nummern aus. Wer weiß vlt gibt es ja wo ein Wiedersehen. In Mostar quartiere ich mich für drei Nächte im Downtown Hostel ein. Das Haus befindet sich auf der bosnischen Seite der Stadt, wie mir Sonja, die Besitzerin, erklärt. Auf der anderen Seite der Stadt leben hauptsächlich bosnische Kroaten.

Blick auf die Altstadt von Mostar

Auch hier hat der Bosnienkrieg Anfang der 1990-er Jahre gewütet und viele Leute sibd dabei ums Leben gekommen. Im Restaurant Radobolja etwas außerhalb der Stadt gönne ich mir heute eine gebratene Forelle mit Kartoffeln und einem guten Glas Weißwein. Das ganze kostet 20 bosnische Mark, also umgerechnet 10 Euro und schmeckt ausgezeichnet. Dann gehe ich in die Unterkunft zurück und raste mich ein wenig aus bevor ich den Abend in der mit Touristen gefüllten Altstadt verbringe.

Mostar 2023

09.08. Heute schlafe ich mich wieder einmal richtig gut aus und um ca. 7:30 frühstücke ich in einer Bäckerei auf der kroatischen Seite der Stadt. Dann besichtige ich heute noch einmal die Altstadt, die alte und bekannte Steinbrücke über den Fluss Neretva und den alten Markt.

Alte Steinbrücke über den Fluss Neretva, die die beiden Stadtteile der Bosnier und bosnischen Kroaten miteinander verbindet – in Mostar

Ein wenig Geschichte zu der alten Steinbrücke von Wikipedia: ‚Am 9. November 1993 haben Truppen der bosnischen Kroaten das Wahrzeichen der Stadt Mostar, die alte Brücke über den Fluss Neretva (stari most), gezielt zerstört. Nach Kriegsende wurde sie zunächst durch eine Hängebrücke ersetzt und dann wieder aufgebaut. Im Jahr 2005 wurde sie als Teil der Altstadt in die Liste UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen.‘

Die Morgenstunden sind in Mostar definitiv am Schönsten weil es am ruhigsten ist. UNESCO-Weltkulturerbestätten ziehen halt auch dementsprechend viele Urlauber und Touristen an, so wie mich halt auch.

Morgenstimmung in der Altstadt von Mostar

In der Zwischenzeit raste ich mich in einem Cafe an der Tito-Brücke aus und werde dann weiter die Stadt erkunden. In diesem Café lerne ich auch noch Edvin kennen, einen Bosnier aus Mostar. Er erzählt mir wie er damals mit 12 Jahren gemeinsam mit seiner Familie zuerst nach Zagreb und von dort nach Deutschland geflohen ist. Jetzt lebt er in Chicago, arbeitet erfolgreich als Modeberaterund macht einige Wochen Urlaub in seiner Heimat. Bzgl meiner Mode enthält er sich vornehm der Stimme… :-)))

Gemeinsam mit Edvin in einem Café an der Tito-Brücke – in Mostar

10.08. Am Morgen mache ich heute einen Ausflug nach Blagaj, einem Ort in der Nähe von Mostar. Es gibt hier ein historisches Sufikloster und Derwischhaus, das Anfang des 16. Jhdt mit dem Ankommen der Osmanen erbaut wurde.

Derwischkloster aus dem 16. Jhdt – in Blagaj in der Nähe von Mostar

Seit dem Ende des WK2 ist der Sufismus in Bosnien und Herzegowina verboten und es wird heute als Museum verwendet. Den restlichen Tag verbringe ich noch in Mostar und genieße vom Ufer der Neretva den Blick auf die alte Steinbrücke und die Altstadt.

11.08. Da mein Zug heute bereits um kurz nach halb sieben nach Sarajevo geht, stehe ich wieder einmal früh auf und verabschiede mich von der lieben alten Frau des Hauses. Nach Ankunft in Sarajevo gehe ich wieder in das Balkan Han Hostel und stelle meinen Rucksack ab. Dann geht es direkt in das Hotel Astra, in dem Andreas seit gestern residiert. Im Frühstücksraum gibt es ein freudiges Wiedersehen und das Schokocroissant schmeckt gut:-)

Wiedersehen mit Andreas – hier im Café Fabrika Coffee in der Nähe meiner Unterkunft

Wir werden gemeinsam hier ein paar Tage in Sarajevo verbringen bevor er wieder zurück nach Wien fliegt und ich weiter gehe. Er hat mir u.a. auch wieder neue Schuhe gebracht, die ich gut für meine restlichen Kilometer nach Hause gebrauchen kann. Die Berge zwischen Tirana und Sarajevo haben dem Profil ordentlich zugesetzt. Dann erkunden wir gemeinsam die Stadt, trinken Kaffee und essen Cremeschnitte. Dann erkundigen wir uns auch über das Programm des internationalen Filmfestivals, das heuer das 29. mal stattfindet.

Rathaus der Stadt Sarajevo und ehemalige Bibliothek
Poster der Contemporary Art Ausstellung im Rathaus von Sarajevo

Wir besuchen auch das Museum, direkt am Ort des Attentats in Sarajevo 1914, die Brauerei Sarajevsko und die Heilige Anton Kirche.

Sonderausgabe der Bosnischen Post am 28. Juni 1914, dem Tag des Attentats auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie

Den Abend verbringen wir im Cafe Ministry of Cejf, von wo wir einen schönen Blick auf den Hauptplatz der Stadt haben. Die eigentliche ‚Attraktion‘ dieses Cafés ist allerdings der Besitzer… 🙂

Eingang zur Nationalbank mit der Nationalflagge von Bosnien und Herzegowina – in Sarajevo

12.08. Nach einem Frühstück in einer Bäckerei hole ich um 10h wieder Andreas von seinem Hotel ab. Während wir uns heute morgen beim Ticketschalter zwei Karten für den Film ‚Freedom‘ im Rahmen des Sarajevo Filmfestivals kaufen, treffen wir Bernd und Amelie aus Lübeck. Andreas war gemeinsam mit ihnen in Sarajevo mit dem Flieger hier angekommen und mit dem Taxi in die Stadt gekommen. Bernd lädt uns spontan zu einem Kaffee ein und erzählt uns von ihrer Tätigkeit als Fotografen. Auch sie haben hier bereits Fotografien ausgestellt und kommen schon öfters hierher. Dann verabschieden wir uns von ihnen und fahren mit der Gondelbahn auf den Berg Trebevic, den Hausberg von Sarajevo.

Alte Gondel aus dem Jahre 1984 während der Winterolympiade 1984 in Sarajevo

Hier befindet sich die ehemalige Bobbahn der Winterolympiade 1984, die derzeit nicht mehr aktiv genutzt wird und somit zu Fuß begangen werden kann.

Bobbahn aus der Zeit der Winterolympiade 1984 in Sarajevo

Während der Belagerung Sarajevos wurde auch von hier auf die Stadt geschossen… Bei einem Kaffee genießen wir von hier oben die Aussicht auf die Stadt bevor wir uns wieder in das Getümmel der Altstadt begeben.

Blick auf die Stadt Sarajevo – vom Hausberg Trebevic

Am Abend fühle ich mich nicht so wohl und ich gehe früh schlafen. Der kühle Wind gestern Abend im Ministry of Cejf hat mir wohl nicht gut getan.

13.08. Nach dem es mir heute wieder besser geht, besuchen wir vormittags das jüdische Museum, das sich in der alten Synagoge der Stadt befindet.

Alte Synagoge in Sarajevo

Sie wird nur mehr an Feiertagen zum Gebet benützt, wie uns die Frau beim Eingang erzählt. Im Anschluss daran lernen wir im Cafe Slatko Cose zwei junge Bosnier, Ivan und Samil, kennen, die beide in Mannheim leben und perfekt Deutsch reden.

Mit Ivan (2. v. rechts) und Samil (rechts) im Café Slatko Cose in der Altstadt von Sarajevo – vielen Dank Samil für die Einladung auf einen bosnischen Kaffee und die gute Creme Pita

Ivan hat einen Teil seiner Kindheit während der Belagerung in Sarajevo verbracht und es ist sehr interessant seine Schilderungen davon zu hören. Im Anschluss daran bringe ich Andreas noch zum Zugbahnhof, der ihn auch interessiert und während Andreas den alten jüdischen Friedhof besucht, gehe ich in das historische Museum in der Nähe des Nationalmuseums.

Bus on Coast (Kopar) von Ernest Tomasevic ca. aus dem Jahr 1970 (Öl auf Leinwand) – im historischen Museum von Sarajevo

Im Café Tito neben ein paar herumstehenden Panzern treffen wir uns dann wieder und essen danach in dem Restaurant Zmaj in der Nähe des Busbahnhofs gute Pljeskavicas. Beim Rückweg in die Stadt lassen wir uns im Café Cejf guten Kaffee und Karottenkuchen schmecken.

14.08. Heute morgen besuchen wir gleich als erstes die einzige noch aktive Synagoge der Stadt, die sich auf der anderen Seite des Flusses befindet.

In der einzigen noch aktiven Synagoge von Sarajevo

Früher habe es sieben Synagogen gegeben, heute gibt es nur mehr eine und es leben noch ca. 750 Juden in der Stadt, wie uns hier eine Frau in der Synagoge erzählt. Im Anschluss daran gehen wir in die Nationalgalerie, die verschiedene Exponate von mehreren bosnischen Künstlern zeigt. Die Teestube Franz & Sophie wurde uns von Bernd empfohlen und da auch Andreas gerne Tee trinkt, statten wir dieser Teestube einen Besuch ab.

In der Teestube ‚Franz & Sophie‘ in Sarajevo

Adnan, der Besitzer, spricht gut Deutsch und während Andreas ein wenig Tee verkostet, kaufen wir auch doch einige Teesorten ein. Teesorten wie Sarajevo oder Orientexpress sprechen einem ja schon alleine vom Namen an und der nächste Winter kommt bestimmt… 🙂 Gleich ums Eck von hier befindet sich das Restaurant ‚Singing Nettle‘, das mir von Cat empfohlen wurde. Zara, die Besitzerin, ist wirklich einen Besuch wert und die Speisen, meist mit pürierten Brennnesseln zubereitet, schmecken hervorragend.

Lateinerbrücke in Sarajevo und Ort des Attentats auf Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie im Jahre 1914

Am Abend schauen wir uns dann im Nationaltheater den Film ‚Freedom‘ an, in dem es um den Umsturz des Regimes in Rumänien 1989 in der rumänischen Stadt Sibiu geht. Im Anschluss daran kaufen wir uns beide noch ein Leiberl vom Filmfestival, das mir Andreas liebenswerter Weise gemeinsam mit dem gekauften Tee mit nach Hause nehmen wird. In der Fußgängerzone lassen wir den Abend mit einem guten Tee ausklingen und verabschieden uns dann so gegen Mitternacht wieder für eine längere Zeit. Während Andreas morgen ja wieder nach Hause fliegt, werde ich morgen wahrscheinlich noch einen Tag hier bleiben und mir einen weiteren Film anschauen.

15.08. Am Morgen organisiert mir Unkas, der Besitzer der Unterkunft, noch eine weitere Nacht und so steht tatsächlich nichts mehr im Wege noch einen weiteren Tag hier in Sarajevo zu verbringen. Ich benütze den heutigen Tag mich wieder einmal bei einem Friseur rasieren zu lassen. Dann ist endlich auch einmal die alte orthodoxe Kirche offen, die auch innen sehr interessant ist.

Alte orthodoxe Kirche in Sarajevo

Während jetzt gerade meine gewaschenen Socken in der Sonne trocknen, schreibe ich diese Zeilen und werde mir heute Nachmittag noch die eine oder andere Ausstellung anschauen. Für den heutigen Abend habe ich gestern noch eine Restkarte um 2,50€ für den Film ‚We are no Angels‘ aus dem Jahre 1986 mit Robert de Niro, Sean Penn, Demi Moore, etc bekommen, den ich mir auf alle Fälle noch anschauen werde. Dann wird meine Pause vom Wandern wieder vorbei sein und so werde ich morgen wieder weitergehen Richtung Norden und Banja Luka, der Hauptstadt der serbischen Republik.

Gesamtkilometerca. 8.310

Fazit: Die beiden Städte Sarajevo und Mostar sind für sich alleine schon eine eigene Reise wert. Es gibt hier viele Museen und Ausstellungen, die an die Kriegszeiten vor ca. 30 Jahren erinnern. Es gibt hier somit auch viel aufzuarbeiten und wieder in Erinnerung zu rufen. Die Einheimischen machen allerdings hier jetzt einen sehr glücklichen und zufriedenen Eindruck, sodass ich glaube, dass es ihnen doch bereits relativ gut gelungen ist, die Vergangenheit zu bewältigen. Sarajevo für sich ist für mich ein kleines Schmuckstück. Es gibt hier viele interessante Orte, kleine Cafés, Restaurants, etc und vor allem während des Filmfestivals ist hier auch richtig viel los auf den Straßen. Für mich wieder einmal eine willkommene Abwechslung bevor es wieder hinaus geht in die freie Landschaft und die kleinen Dörfer und Ortschaften des Landes.

BOSNIEN UND HERZEGOWINA – Teil 1 (Maglic – Foca – Stirinsko Jezero – Kalinovik – Umoljani – Sarajevo)

24.7. Heute ist mein erster Tag in Bosnien und Herzegowina, das mein 14tes Land auf meiner Wanderung ist.

Hier ein paar geschichtliche Erinnerungen an die Entstehung dieses Landes. Am Ende des Bosnienkrieges, der 1992 begann, stand der 1995 in Dayton (USA) paraphierte und in Paris am 14. Dezember unterzeichnete Dayton-Vertrag, der den nunmehr föderal organisierten Staat Bosnien und Herzegowina schuf, bestehend aus den beiden Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina und Republika Srpska. Bosnien selbst bildet heute keine administrative Einheit mehr, sondern ist innerhalb des Staates Bosnien und Herzegowina auf die Republika Srpska, die Föderation Bosnien und Herzegowina sowie den Distrikt Brčko aufgeteilt.

Wie bereits im letzten Bericht beschrieben, erklimme ich an diesem Tag den Berg Maglic (2.386m), den höchsten Berg von Bosnien und Herzegowina.

Am Weg zum Maglic (2.386m), dem höchsten Berg von Bosnien und Herzegowina
Maglic (2.386m) in Sicht
Gipfelfoto am Maglic (2.386m), dem höchsten Berg von Bosnien und Herzegowina

Den Abend verbringe ich am Trnovacko See wieder auf montenegrinischem Staatsgebiet.

25.7. Ich verabschiede mich frühmorgens von den Belgiern und Engländern und finde mich wieder alleine auf der Via Dinarica. In der ersten Ortschaft Tjentište erklärt mir eine Betreiberin eines Lebensmittelladens, dass sich der nächste Bankomat in der 28 km entfernten Stadt Foca befindet. Da ich lokale Währung (Bosnische Mark) brauche, beschließe ich dorthin zu stoppen. Ich werde in Foca Geld abheben, mich etwas erholen und dann wieder nach Tjentište zurückkehren. Dann werde von Tjentište die Wanderung Richtung Heimat fortsetzen. Letztlich nimmt mich ein Buschaffeur gratis mit nach Foca, wo ich im Hotel Zelengora eine gute und preiswerte Unterkunft finde. Als erstes hebe ich Geld ab, 2 bosnische Mark (BAM) entsprechen ca. 1 Euro. Ein Friseur rasiert meinen Bart ab und macht mich so wohl wieder ein paar Jährchen jünger. Letztlich finde ich an diesem Tag früh das Bett, die letzten Tage haben auch bei mir Spuren hinterlassen.

26.7. Heute früh regnet es und es gibt auch wieder einmal ein leichtes Gewitter. Ich bin froh hier im Trockenen zu sein.

Feuchte Morgenstimmung über Foca, einer Stadt in der serbischen Republik, die Teil des Landes Bosnien und Herzegowina ist

Nach einem Frühstück in einer Bäckerei gehe ich zu einer Schneiderin, die mir meine kleinen Löcher in der Hose näht. Zwei Mark verlangt sie dafür, durchaus leistbar also. Bosnien und Herzegowina ist übrigens offiziell das ärmste Land Europas und hat eine Arbeitslosenquote von ca. 40%. Dementsprechend billig und niedrig ist auch das Preisniveau hier. Im Café und Restaurant Monte Christo schreibe ich dann heute wieder einmal meinen Bericht über Montenegro fertig und schicke ihn via WhatsApp aus.

Die Panna Cotta mundet – im Café Monte Cristo

Am Abend schaue ich mir noch im nahegelegenen Kino den Film ‚Oppenheimer‘ an. Er wird in Englisch mit serbischen Untertiteln gezeigt und der Eintritt kostet 5 BAM (umgerechnet 2,50€). Er dauert an die drei Stunden und er gefällt mir sehr gut.

27.7. Heute ist mein zweiter Rasttag hier und ich werde bald frühstücken gehen. Dann werde ich heute meine weitere Wanderung und Route planen. Nach dem Frühstück schaue ich kurz bei einer Erste Hilfe Station vorbei und der Arzt bescheingt mir, dass der kleine Schnitt auf der rechten Ferse bereits am Ausheilen ist und ich wieder weiter gehen kann. Ich habe mir bei den scharfen Steinen beim Baden am Trnovacko See eine kleine Schnittwunde zugezogen, die aber schon wieder besser wird. Dann schaue ich mir die Stadt Foca ein wenig an und besuche auch das örtliche Museum in Foca, das Ausstellungen aus dem WK2 und dem Bosnienkrieg zeigt.

Aladza Moschee in Foca – eine im Jahr 1550 und im Jahr 1992 während des Bosnienkrieges gesprengte Moschee im Herzen von Foca. Sie wird seit 2016 wieder aufgebaut.
Kommandant Josip Broz Tito beim Diktieren einer Nachricht im Jahre 1942 während des WK2. Er führte als kommunistischer Partisanenführer Jugoslawien gegen die faschistischen deutschen und italienischen Besatzungsmächte in die Freiheit und wurde später Parteichef und Präsident Jugoslawiens – im Stadtmuseum von Foca
Einzelne Gebäude erinnern immer noch an den Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 – in Foca

Ich sitze derzeit wieder im Café Monte Christo und schreibe diese Zeilen. Den restlichen Nachmittag und Abend verbringe ich damit, meine Applikation zur Navigation und Trackaufzeichnung (Oruxmaps) zu reparieren. Schon seit ca. 2 Wochen funktioniert es nicht mehr richtig und es wurde schön langsam nervig. Erst nach einer völligen Neuinstallation der Applikation funktioniert am Abend wieder alles so wie es sein soll und ein Test um ca. 21h mitten in der Stadt verläuft erfolgreich. Zufrieden gönne ich mir dann noch ein Bierchen und gehe schlafen.

28.07. Ich werde heute mit dem Bus wieder nach Tjentište zurück fahren. Von Tjentište, wo ich vor drei Tagen meine Wanderung unterbrochen habe, werde ich wieder weiter entlang der Via Dinarica Richtung Sarajevo gehen.

Karte der drei verschiedenen Routen der Via Dinarica von Slowenien nach Albanien – ich folge der weißen Route von Albanien bis nach Sarajevo

Am Weg zur Busstation trinke ich in einem Café noch einen Espresso. Bei der Busstation sehe ich bereits von weitem eine junge Frau mit ihrem Blondschopf. Das kann nur Alice, die Engländerin, sein. Matt trinkt gerade einen Kaffee, wie sie mir verrät und auch sie haben hier ihre Lebensmittelvorräte aufgestockt. Gemeinsam fahren wir also mit dem Bus wieder zurück nach Tjentište. Nach ca. drei Stunden Aufstieg zum Donje Bare, einem Bergsee, essen wir hier gemeinsam zu Mittag. Es gibt hier auch eine Wasserquelle und ich fülle meine Flaschen auf.

Kleine Hütte am Donje Bare, einem der vielen Bergseen in Bosnien und Herzegowina
Blumen am Donje Bare

Während die beiden hier übernachten werden, gehe ich an diesem Abend noch weiter zum Gornje Bare, einem weiteren der vielen wunderschönen Bergseen. Auf einer kleinen Anhöhe übernachte ich hier völlig alleine vor einer romantischen Bergkulisse.

Zeltplatz am Gornje Bare, einem der vielen Bergseen in Bosnien und Herzegowina

29.07. Am Morgen esse ich Müsli, Walnüsse und getrocknete Früchte und um ca. 7:30 ist mein Rucksack gepackt und wieder fertig zum Abmarsch. Ich auch? Nein, noch einmal setze ich mich nieder, genieße noch einmal die morgendliche Stimmung an diesem See und um ca. 8h bin dann auch ich bereit weiter zu gehen.

Blick auf den Gornje Bare (Bergsee) mit der umgebenden Bergkulisse der Zelengora Berge
Schmetterling in den Zelengora Bergen
Und noch einer…

Nach einigen Stunden bergauf erreiche ich um die Mittagszeit den Gipfel des Bregoč, mit 2.014m der höchste Berg des Zelengora Gebirges. Auch ein junges belgisches Pärchen ist hier oben und wir tauschen einige Informationen aus.

Am Weg zum Bregoč (2.014m), dem höchsten Berg der Zelengora Berge

Am Weiterweg sehe ich von weitem auch schon Alice und Matt herantraben, auch sie mussten relativ früh gestartet sein. Ich gehe weiter und denke mir: Auch die bosnischen Berge sind wunderschön, auch wenn bereits ein wenig niedriger als in Albanien und Montenegro. Am Nachmittag komme ich dann am nächsten Bergsee vorbei, dem Orlovacko Jezero. Heute ist Samstag und da dieser See auch mit dem Auto erreichbar ist, geht es hier relativ geschäftig und laut zu. Ich komme mit Bosniern aus Sarajevo ins Gespräch und nach ca. 10 Minuten packt einer von ihnen zwei Gaskartuschen zum Kochen aus. Ich konnte beinahe meinen Augen nicht trauen als ich diese Kartuschen sah. Es waren welche mit Drehgewinde, die ich sowohl in ganz Albanien als auch in Montenegro nirgendwo finden konnte. Die Bosnier sahen meine Erstaunung und fragten mich was denn los sei.. 🙂 Ich erzählte ihnen, dass ich schon seit ca. zwei Monaten solche Gaskartuschen suche. Mehr brauchte der eine Bosnier nicht zu hören und drückt mir eine in die Hand. Was er dafür bekommt, meine ich… Keine Chance, das ist ein Geschenk. Auch er möchte einmal die Via Dinarica gehen und ich gebe ihm als Dankeschön zumindest noch viele Tipps dafür. Dann verabschiede ich mich von Ihnen, tanke meine Wasserflaschen auf und gehe noch bis zum Stirinsko Jezero weiter. Es ist dies ein völlig einsamer, relativ großer Bergsee auf ca. 1.700 Höhenmeter und es leben hier viele verschiedene Vögel und Entenarten. Ich stelle hier an einer etwas tiefer gelegenen und windstillen Stelle mein Zelt auf und verbringe einen ruhigen und schönen Sonnenuntergang an diesem See.

Nickerchen am Stirinsko Jezero auf ca. 1.700 Höhenmeter

30.7. Frühmorgens genieße ich noch einmal die Stimmung am Stirinsko Bergsee und gehe dann weiter in Richtung Kalinovik, der nächsten kleineren Stadt.

Morgenstimmung am Stirinsko Jezero (ca. 1.700 Höhenmeter), einem einsamen Bergsee in den Zelengora Bergen

Der Weg ist heute teilweise wirklich schwierig zu finden, es sind meistens nur leicht ausgetretene Pfade zu erkennen. Zum Teil muss man sich den Weg durch die vielen Latschen wirklich selbst frei machen. Wer meint, dass die Via Dinarica ein schöner, frei begehbarer Wanderweg von Slowenien bis Albanien sei, liegt definitiv nicht richtig. Aber es macht es dadurch wohl um Vieles abenteuerlicher. Um die Mittagszeit erreiche ich einen Sattel auf ca. 1.900 Höhenmeter, von dem es nur mehr ca. weitere 100 Höhenmeter zum Gipfel des Velika Lelija (2.032m) sind. Ich lasse hier etwas abseits des Weges mein nasses Zelt trocknen und verspeise meine letzten Bureks, die ich mir in Foca gekauft habe.

Mittagspause am Fuße des Velika Lelija (2.032m)…

Nach ca. einer Stunde ist alles wieder trocken und ich packe mein Zelt fein getrocknet in meinen Rucksack ein. Gestärkt von der Pause verstecke ich meinen gepackten Rucksack hinter einer der vielen Latschen und besteige noch den Gipfel des Velika Lelija (2.032m). Der Aufstieg hat sich wirklich noch gelohnt und ich kann von weitem noch einmal die zwei höchsten Berge von Bosnien (Maglic, 2.386m) und Montenegro (Bobotov Kuk, 2.523m) erkennen.

Am Gipfel des Velika Lelija (2.032m)

Während ich so vor mich hinträume wird es relativ finster und hurtig begebe ich mich wieder in niedrigere Gefilde. Nach ca. einer Stunde begegne ich dann einer Schweizerin, die in Slowenien mit der Via Dinarica begonnen hat. Sie meint, der slowenische Teil ist relativ einfach, in Kroatien seien die Berge noch einmal niedriger als hier, auch gebe es in Kroatien keine oder so gut wie keine Bergseen und weniger Wasser, da alles unterirdisch verläuft. Dafür gebe es in Kroatien mehr bewirtschaftete Hütten mit gutem Essen, etc… In Bosnien und Herzegowina seien die Berge wunderschön und die Leute superfreundlich… Das also eine kurze Zusammenfassung von Tamara, der Schweizerin, über die Via Dinarica von Slowenien bis Bosnien und Herzegowina. Dann gehe ich noch die letzten 15 Kilometer nach Kalinovik und quartiere mich im Hotel Moskva ein. Kalinovik ist das erste Dorf in Bosnien und Herzegowina, das rein von Serben bewohnt wird, bosnischen Serben also. Schon ein Porträt von Vladimir Putin in der Rezeption des Hotels lässt die politische Einstellung hier erkennen.

Auch ein Portrait von Vladimir Putin darf nicht fehlen – in der Rezeption des Hotel Moskvas.

Das Hotel selbst macht den Eindruck als hätte sich die Einrichtung in den letzten 50 Jahren nicht verändert. Ich habe ja eine gewisse Vorliebe für solche Plätze und werde hier zwei Nächte bleiben. Am Abend trinke ich noch ein gemütliches Jelen auf der Terrasse des Hotels. Jelen ist ja das bekannteste Bier aus Serbien, das in der serbischen Stadt Apatin gebraut wird. Bereits letztes Jahr konnte ich mich ja dort selbst bereits davon überzeugen.

31.7. Heute morgens wasche ich zuerst meine Socken, mein Leiberl, etc und um 8h gibt es ein Frühstück mit Spiegeleier, Würstchen, Brot und Kaffee. Derzeit sitze ich hier wieder auf der Terrasse und werde heute im Laufe des Tages den Ort ein wenig erkundigen und mich für die weiteren Wandertage nach Sarajevo vorbereiten. Zumittag gibt es Cevapi und ich habe heute endlich auch einmal Zeit ein Buch zu lesen. Am Abend gehe ich noch auf die ehemalige Burg von Kalinovik und kaufe noch ein paar Lebensmittel für die kommenden Tage ein.

01.08. Bereits um halb acht bekomme ich heute wieder die Spiegeleier und so starte ich kurz nach 8h.

In Bosnien und Herzegowina bleibt man besser am Weg, noch immer sind Teile des Landes vom Bosnienkrieg vermint.

Hauptsächlich auf einer Forststrasse erreiche ich heute am Nachmittag nach mehr als 20 km die kleine Ortschaft Ljuta. Weder das Gästehaus noch das auf meiner Karte eingezeichnete Restaurant existiert oder hat offen. Andere Wanderer hatten mich gestern schon in Kalinovik darauf aufmerksam gemacht. Der Ort wirkt ausgestorben und so mache ich es mir auf einer kleinen Veranda gemütlich. Ich lese weiter im Buch und gegen Abend koche ich mir eine Nudelsuppe und esse Brot dazu. Auch drei Katzen leisten mir Gesellschaft und bei einer kleinen Unachtsamkeit haben sie auch schon meine geräucherte Wurst entdeckt. Und nicht nur entdeckt… 🙂

Schlafplatz in Ljuta

02.08. Am heutigen Morgen stehen beim Frühstück natürlich auch wieder die Katzen Spalier und bekommen noch ein wenig was davon ab. Dann erreiche ich nach ca. 600 Höhenmeter eine kleine asphaltierte Straße, die mich wenig später nach Tusila bringt. Hier gibt es eine Herberge für Wanderer und der freundliche Fuat mit dem klingenden Spitznamen Koko bereitet mir Bohnen mit Würstchen zu. Er stammt aus Sarajevo und gibt mir noch einige Tipps für die Stadt. Hier erfahre ich auch von meinem Freund Andreas, dass er die neuen Schuhe für mich bereits von Iris bekommen hat. Er wird damit am 10.8. abends für ein paar Tage nach Sarajevo kommen und so werden wir gemeinsam ein wenig die Stadt unsicher machen. Zwischen Tusila und Umoljani beginnt es dann leicht zu regnen und ich spüre wie angenehm sich dieser Regen auf meiner Haut anfühlt. Kurz vor Umoljani hört es dann wieder auf zu regnen und der Besitzer des Restaurants Cardak erlaubt mir in seinem schönen Garten zu übernachten. Am Nachmittag und Abend lese ich dann noch das Buch Gittersee von Charlotte fertig. Sehr interessant und gut, nicht umsonst hat es einen 15.000€ dotierten Preis gewonnen. Vielen Dank liebe Charlotte! Dann esse ich noch eine Hühnersuppe und schlüpfe zufrieden in mein Zelt.

03.08. Ich schlafe heute relativ lange und koche mir dann heisses Wasser und esse mein restliches Müsli mit Trockenfrüchten. Da auch mein Zelt durch die Luftfeuchtigkeit vom gestrigen Regen ziemlich nass ist, beschließe ich hier ein wenig länger zu bleiben. So kann alles trocknen bevor ich weiter gehe. Es ist jetzt schon kurz nach 9h, der Kaffee schmeckt und das Zelt ist auch fast schon trocken. Sarajevo, ich komme!

Am Weg nach Sarajevo treffe ich Cat, eine Amerikanerin, die schon seit über 10 Jahren in Sarajevo lebt. Wir unterhalten uns länger und sie gibt mir gute Tipps für die Stadt. Zumittag erreiche ich die Talstation eines Schigebiets wo ich in einem Restaurant Bohneneintopf esse, der hier Grah genannt wird. Unweit von hier haben auch einige Disziplinen während der Winterolympiade 1984 in Sarajevo stattgefunden. Ich besuche das ehemalige Olympiahotel Ignam, das während des Bosnienkrieges zwischen 1992 und 1995 stark zerstört wurde.

Olympischer Verfall in den Bergen von Sarajevo – hier das ehemalige Olympiahotel Ignam, das 1984 über 5.000 Leute und Sportler beherbergte…

Am Nachmittag gehe ich dann entlang einer Straße runter von den Bergen Richtung Sarajevo, das ich von weitem schon sehen kann. Gegen Abend erreiche die Ortschaft Krupac, die sich ca. 15 km außerhalb von Sarajevo befindet. Im Restaurant As esse ich ein gutes Schnitzel mit Champignons und der Kellner verrät mir einen guten Platz zum Zelten. In der Nähe einer Brücke übernachte ich letztlich auf einem öffentlichen Spielplatz und verbringe eine ruhige Nacht hier.

04.08. In der Früh esse ich heute das restliche Brot von gestern und einen Apfel. Dann packe ich meine Sachen und während mein Zelt auf einem Zaun trocknet lasse ich mir in einem Café am Stadtrand einen Kaffee schmecken. Es ist wirklich ein Vagabundenleben, denke ich mir immer wieder. Und wie schön es ist ein Vagabund zu sein… Gegen Mittag erreiche ich dann Sarajevo und beim alten jüdischen Friedhof lege ich in der Nähe der Synagoge eine kurze Pause ein.

Jüdischer Friedhof in Sarajevo

Dann tauche ich hinein in die Stadt. Sarajevo wird ja auch oft das ‚Jerusalem von Europa‘ oder das ‚Jerusalem des Balkans‘ genannt. Sarajevo ist eine der wenigen größeren Städte in Europa, in der es Moscheen, orthodoxe und katholische Kirchen und Synagogen im selben Stadtteil gibt. Sarajevo ist die Hauptstadt des Landes Bosnien und Herzegowina und auch das finanzielle und kulturelle Zentrum des Landes. Es war der 28. Juni 1914 als hier in der Nähe der Lateinerbrücke der österreichische Thronfolger und Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie von Gavrilo Princip, einem jungen bosnischen Serben, erschossen wurde. Dies löste letztlich den 1. Weltkrieg aus, die Folgen sind bekannt. 1984 war Sarajevo Austragungsort der olympischen Winterspiele. Während des Jugoslawienkrieges erlebte die Stadt die längste Belagerung einer Hauptstadt in der Geschichte der modernen Kriegsführung überhaupt, insgesamt 1.425 Tage. Und zwar während des Bosnienkrieges von April 1992 bis Februar 1996. Sarajevo war mit seinen knapp 300.000 Einwohnern 2014 auch Kulturhauptstadt Europas und ist auch Austragungsort eines jährlichen internationalen Filmfestivals. Dieses Jahr findet dieses Festival von 11. bis 18.8., gemeinsam mit Andreas werden wir in dieser Zeit auch hier sein.

Ich habe vier Nächte im Balkan Han Hostel reserviert und ich quartiere mich in einem 8-Bettzimmer für 15€ die Nacht ein. Nach einer Dusche lasse ich mir meine Wäsche waschen. Den Abend verbringe ich in der Altstadt und in der Blind Tiger Cocktail Bar, in der es gute Musik und lokales Bier vom Fass gibt.

Rathaus von Sarajevo

05.08. Wie bereits angekündigt regnet es heute früh und so ist es schön angenehm kühl heute morgen. In einer Bäckerei esse ich wieder einmal einen Kornspitz und ein Schokocroissant, bevor ich zum Bahnhof gehe. Hier lerne ich Inaki, einen baskischen Kameramann, kennen. Er kommt gerade von Mostar und wir trinken gemeinsam einen Kaffee.

Mit Inaki, dem Basken, am Bahnhof von Sarajevo

Dabei erzählt er mir, dass sich am Dach des nahegelegenen Hotels Holiday während des Bosnienkrieges Snipers, also Scharfschützen, der serbischen Republik befunden haben. Schon alles sehr bedenklich, noch keine 30 Jahre her… Ich sitze derzeit in diesem Hotel in der Empfangshalle und schreibe diese Zeilen.

Gesamtkilometerca. 8.310

Fazit: Die Via Dinarica ist wunderschön, abenteuerlich und zum Teil herausfordernd zugleich. Es befinden sich nicht viele Wanderer auf diesem Weg zwischen Slowenien und Albanien. Auch die bosnischen Berge sind atemberaubend schön und die Einwohner freundlich und zuvorkommend. Dieses Land hat wohl am meisten vom Jugoslawienkrieg abbekommen, viele zerstörte Häuser erinnern immer noch daran. Es gilt heute offiziell noch immer als ärmstes Land Europas. Die Arbeitslosenquote beträgt an die 40%, wodurch viele, vor allem Jugendliche, ihr Glück im Ausland versuchen. Neben den muslimischen Bosniaken leben in diesem Land auch orthodoxe Serben, katholische Kroaten und Roma. So wünsche ich diesem Land vor allem eines, Frieden…

MONTENEGRO – Teil 2 (Mojkovac – Zabljak – Bobotov Kuk (2.523m) – BOSNIEN (Maglic (2.386m))

18.7. Nachdem ich mich von Rafael verabschiedet habe, gehe ich auf kleinen Wegen entlang des Tara Flusses in Richtung Dobrilovina Kloster. Es geht immer wieder leicht bergauf und bergab. Nach ca. 15km zeigt mein Tacho bei einer Brücke des Tara Flusses 8.000 km an. Schön langsam zieht es sich nach Hause… 🙂

Nach 8.000 km erreiche ich diese Brücke über den Fluss Tara – 8.000 km und (fast) kein bisschen müde

An einer Stelle, wo ich den Bistrica Fluss überqueren möchte, hält mich ein Einheimischer an. Irgendwann verstehe ich was er meint, das Wasser sei zu tief um den Fluss zu durchwaten. So gehe ich weiter auf der Straße, auf der es ca. 8 km weiter bis zum Kloster sind. Was sind schon 8 km…

Blick in den Tara Canyon

Bei diesem Umweg komme ich auch noch beim Ursprung des Tara Flusses vorbei und lasse in einem kleinen Restaurant entlang des Flusses die ärgste Mittagshitze vorbeiziehen. Hier schreibe ich auch wieder einmal meinen Bericht fertig und sende ihn aus. Für mich ist das Berichteschreiben schon auch immer wieder etwas ganz Besonderes. So erlebe ich quasi das bereits Erlebte noch einmal und es intensiviert das Ganze noch. Manchmal muss ich auch im Internet über Informationen nachlesen und lerne dabei auch noch etwas über Orte, die ich bereits gesehen habe. Dann gehe ich durch einen alten Kiefernwald bis zum Kloster Dobrilovina. Es hat zu, aber es dauert keine paar Minuten bis eine Nonne herauskommt und die Tür öffnet.

Kloster Dobrilovina aus dem 16. Jhdt

Es ist ein ganz kleines Kloster aus dem 16. Jhdt, wie mir die Nonne erzählt, und ist dem Heiligen Georg gewidmet. Als ich ihr erzähle, dass ich aus Österreich komme und Georg heisse, schenkt sie mir ein kleines Abbild des Heiligen Georgs. Ich bedanke mich und werde mir das Abbild mit nach Hause nehmen. Der Heilige Georg ist ja so ganz nebenbei auch der Beschützer der Reisenden. Dann finde ich in der Nähe des Klosters ein überdachtes und verlassenenes Gebäude, wo ich auf meiner Isomatte übernachte.

19.7. Um 2h früh holt mich ein kräftiger Donner aus dem Schlaf. Ein Gewitter mit Regen ist aufgezogen und ich verstaue alle meine Sachen im Rucksack, da auch ein kräftiger Wind weht. Glück gehabt, dass ich nicht in meinem Zelt schlafe. Um ca. 05:30 werde ich dann das zweite Mal munter und nach einem kleinen Frühstück gehe ich die 700 Höhenmeter hinauf zum Zabojsko Jezero, einem Bergsee auf ca. 1.400 Meter Seehöhe.

Zabojsko Jezero auf ca. 1.400 Metern Seehöhe

Ich merke gleich, dass die Temperaturen hier oben angenehmer sind als im Tal und an der Küste. Die hohen Temperaturen im Juli und August waren einer der Hauptgründe, warum ich den Weg durch die Berge Richtung Bosnien und nach Hause gewählt habe. Im Zweifelsfall bin ich allerdings auch lieber in den Bergen als am Meer. Zudem sind die Leute in den Bergen meist besser und höflicher als sonst wo und Touristen gibt es auch weniger. Es gibt hier oben am See auch eine kleine Hütte, die bewirtschaftet ist. Die Hüttenwirtin macht mir Kaffee und bereitet mir Brot, Käse und Marmelade zu. Alles selbstgemacht, wie sie mir mit einem Schmunzeln versichert. Dann schenkt sie mir noch einen Raki auf Kosten der Hütte ein, bevor ich zum See runtergehe. Direkt am Ufer treffe ich ein junges Pärchen aus Frankreich, Arthur und Nolene. Sie sind bereits seit über zwei Monaten auf der Via Dinarica unterwegs und sind am Weg nach Albanien.

Arthur und Nolene aus Frankreich – vielen Dank für Eure Infos!

Da sie von Norden kommen, können Sie mir wertvolle Informationen über meinen weiteren Weg geben. Wo gibt es Hütten, welche sind offen, wo gibt es Wasser, Essen, etc… Ich gebe Ihnen auch noch einige Tipps für Albanien mit, bevor wir wieder unseres Weges gehen. Zurück bei der Hütte, tanke ich noch einmal all meine Wasserflaschen auf und verabschiede mich bei der sehr freundlichen Hüttenwirtin. Bis zum nächsten Bergsee, dem Zminicko Jezero, sind es ca. 20 km. Der Weg geht hier für ca. 10 km querfeldein durch steinige Wiesen und Geröll.

Am Weg zum Zminicko Jezero – verlassene Gehöfte aus vergangenen Zeiten

So mache ich um ca. 13h unter einem Baum im Schatten Halt und esse das mitgebrachte Käsebrot von der Hütte. Ohne GPS Datei wäre es schwierig bis unmöglich am Weg zu bleiben.

Pause am Weg zum Zminicko Jezero

Dann komme ich so um 15h wieder auf eine bessere Straße. Unweit davon sehe ich einen Mann vor einem Haus sitzen und ich gehe auf ihn zu. Es ist Miroslav aus der Stadt Bar an der Küste und er verbringt hier die Sommerzeit mit seinen Kindern.

Miroslav aus der Stadt Bar an der Küste Montenegros – er ist viel lieber hier in den Bergen, vor allem im Sommer wenn es hier deutlich kühler ist als an der Küste

Er bietet mir Wasser, Kaffee und Saft an und so kann ich mich wieder von den Anstrengungen erholen. Auf ca. 1.400 Metern hat es hier im Winter bis zu zwei Metern Schnee, wie er mir versichert. Er liebt den Balkan, den er sehr treffend, wie ich finde, charakterisiert. Kein Geld, wenige Jobs, viel Korruption, große Gastfreundschaft, viel Herz und Zusammenhalt in der Familie, etc… Dann verabschiede ich mich von ihm und seinen zwei Töchtern und gehe die letzten Kilometer zum Zminicko Jezero, wo ich mit dem Einverständnis des Kellners mein Zelt hinter dem Seerestaurant aufstelle. Zur Feier des Tages gehe ich auch noch eine Runde schwimmen im See bevor ich mir im Restaurant Fleischlaibchen mit Erdäpfelpüree schmecken lasse.

20.07. Beim Aufstehen beginnt es heute plötzlich wieder zu donnern. So war ich heute früh gefühlsmäßig beim Zeltabbau und Rucksackpacken noch nie so schnell… nur das dann eh kein Regen, etc kam…:-) Der Hund des Restaurants begleitet mich noch rund um den See, dann heißt es Abschied nehmen von einander.

Blumen am Zminicko Jezero

Auf guten Wegen erreiche ich schließlich um die Mittagszeit die kleine Stadt Zabljak. Sie liegt auf ca. 1.450 Metern Seehöhe und ist der ideale Ort für Bergtouren in das Durmitormassiv.

Durmitormassiv in Sicht, hier kurz vor der kleinen Stadt Zabljak

Dementsprechend ist hier auch viel los und erst nach längerer Suche finde ich im Apartmani Cetkovica, etwas außerhalb der Stadt, eine Unterkunft. Jovana, die Tochter des Hauses, wäscht mir auch noch die Wäsche, die ich dann auf der Terrasse aufhänge. Dann gehe ich in den Supermarkt Lebensmittel einkaufen für die nächsten Tage. Ab morgen komme ich in das abgelegene Durmitormassiv und die Verpflegungsmöglichkeiten werden die nächste Zeit sehr spärlich sein.

21.7. Um 5h früh läutet heute morgen mein Wecker auf dem Handy. Ich habe mir heute vorgenommen den höchsten Berg im Durmitormassiv zu besteigen. Bobotov Kuk heißt er und am Gipfel misst er 2.523m. Ich starte letztlich so um 6:30 von der Unterkunft in Zabljak und nach ca. 1 Stunde treffe ich beim Schwarzen See auf ein junges belgisches Pärchen und eine Baskin. Während Anna und Louis, das belgische Pärchen, auch auf dem Weg zum Bobotov Kuk sind, verabschiedet sich die Baskin früh Richtung einer Eishöhle.

Am Weg zum Bobotov Kuk, dem höchsten Berg im Durmitormassiv – im Vordergrund die Baskin, im Hintergrund das belgische Pärchen Anna und Louis

Gegen die Mittagszeit erreichen wir drei gemeinsam einen Sattel, wo wir unsere Rucksäcke bei einem Felsen verstecken.

Am Weg zum Bobotov Kuk (2.523m)

Ohne Gepäck ‚fliegen‘ wir förmlich die letzten 300 Höhenmeter zum Gipfel hinauf. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, ein paar Stellen sind mit Seilen gesichert und so erreichen wir sicher um ca. 13h den Gipfel.

Mit Anna und Louis am Gipfel des Bobotov Kuk (2.523m)

Wunderschöne Aussicht von hier oben auf das gesamte Durmitormassiv, alle Gipfel erscheinen klein.

Blick vom Bobotov Kuk (2.523m) auf das Durmitormassiv und dem Bergsee, unserem späteren Schlafplatz

Dann begeben wir uns zum Abstieg und machen beim Sattel, wo wir unsere Rucksäcke versteckt haben, an einem windstillen Plätzchen eine wohlverdiente Mittagspause.

Mittagspause an einem windstillen Plätzchen am Fuße des Bobotov Kuk (2.523m)

Beim Abstieg gehe ich voraus und gemeinsam mit einem englischen Pärchen aus London, Matt und Alice, erreiche ich die zwei Seen. Wir nehmen im kleinen See, dem Malo Skrcko Jezero, ein Bad und genießen das traumhaft schöne Panorama. Während ich gemeinsam mit den Engländern am kleinen See mein Zelt aufstelle, entscheiden sich Anna und Louis am größeren See zu übernachten.

Zeltplatz am Malo Skrcko Jezero, dem kleineren der beiden Bergseen

Es war ein langer und wunderschöner Tag heute mit mehr als 1.600 Höhenmetern. Am Abend nach dem Essen kommt Matt noch auf ein Schwätzchen vorbei bevor wir uns alle in unseren Zelten verkriechen.

22.7. So um halb sechs stehe ich heute auf und starte noch vor den Engländern Richtung bosnische Grenze. Am Weg dorthin treffe ich auch noch das belgische Pärchen, die gerade am Packen sind und wir vereinbaren uns bei einem Restaurant in ca. 15 km zum Mittagessen zu treffen. Zuerst steige ich ca. 500 Höhenmeter ab und bei einem Fluss fülle ich meine Wasserflaschen auf. Während ich mir hier dann mein Frühstück schmecken lasse, kommen auch schon die Engländer daher. Gemeinsam gehen wir dann zum Restaurant, wo wir uns eine Erdäpfelsuppe und Schinken-/Käseplatte schmecken lassen.

Mittagspause mit Alice und Matt aus London – im Nedajno Guesthouse

Ich habe mir vorgenommen heute hier zu übernachten, weil es die nächsten 20 km kein Wasser gibt und nach einigem Überlegen entscheiden sich die Engländer auch hier zu bleiben. Nach ca. 2 Stunden kommen Anna und Louis auch hier an.

Eine zweite Mittagspause mit Anna und Louis, dem belgischen Pärchen – im Nedajno Guesthouse

Sie hatten zwei kleine Missgeschicke, daher ihre Verspätung. Zum Ersten verstaucht sich Anna ganz leicht den Knöchel, zu guter letzt vergisst Louis bei einer Pause sein gewechseltes T-Shirt und muss eine ziemlich lange Strecke zurückgehen. Da es nun schon mitten im Nachmittag ist, bleiben sie auch übernacht hier. Wir verbringen alle einen entspannten ruhigen Nachmittag hier bevor die Grillerei beginnt. Am Nachmittag lerne ich noch ein junges deutsches Pärchen kennen, das mir einen Teil ihres Müslis und vor allem ein Buch (Titel: Gittersee) schenkt. Es hat vor allem Charlotte, die junge Frau, erst kürzlich selber geschrieben. Es ist zusätzliches Gepäck und vor allem bei einem Buch war ich aus Gewichtsgründen bisher immer zurückhaltend. Aber wenn Du ein Buch von der Autorin höchst persönlich geschenkt bekommst, kannst Du einfach nicht Nein sagen. Ich freue mich darauf es zu lesen, wenn die Zeit dafür kommt. Vielen Dank Charlotte!!!

Am Abend essen wir noch alle gemeinsam bevor wir in unsere Zelte schlüpfen.

23.07. Heute steht wieder eine längere Etappe am Programm. Weniger Höhenmeter, dafür mehr Kilometer und ein ziemlich trickreifer Abstieg zu einem Stausee, mehr dazu später. Deshalb starte ich bereits im Morgengrauen vor den anderen. Das belgische Pärchen wird folgen, das englische Pärchen überlegt noch wie es weitergeht und ob es sich diese Bergtour nach Bosnien wirklich auf dieser Route antun will…:-) Es geht zuerst auf einer kleinen asphaltierten Straße bergauf und bergab und nach ca. drei Stunden füllt mir bei einem der wenigen Häuser eine Frau meine Wasserflasche nach. Ich mache dann eine längere Pause und als ich aufbrechen will, kommen auch schon Anna und Louis daher. Wir gehen ca. eine Stunde gemeinsam bevor sie eine längere Pause machen. Ich gehe wieder alleine weiter und erreiche um die Mittagszeit die Stelle, wo es quasi im freien Fall ca. 1.000 Höhenmeter hinunter zum Piva Stausee geht. Ich setze mich noch einmal kurz für 10 Minuten hin, trinke viel Wasser und schärfe gedanklich die Spitzen meiner Wanderstöcke. Dann geht es los, immer wieder ‚recht interessante‘ Stellen und ich merke wie mein Rucksack anschiebt. Diese Art von Hilfe bräuchte ich eigentlich gar nicht, denke ich mir nur…:-) Letztlich komme ich ca. 1 Stunde später gut am Stausee an. Es gibt hier ein kleines Gebäude und ein Geländer wo ich mich ziemlich müde niederlasse. Ich breite mein nasses Zelt, usw. am Geländer in der prallen Mittagssonne aus und bekomme dabei von einem Sicherheitsbeamten Würste, Käse und Brot geschenkt. Während also alles schön trocknet, stärke ich mich im Schatten und leere meine 1,5 Liter Wasserflasche. Gestärkt gehe ich dann langsam über die Staumauer auf die andere Seite des Pivasees. Es geht hunderte Meter runter und mir wird alleine beim Runterschauen schon leicht schwindlig.

Piva Staudamm – ein Blick in die Senkrechte. Das dazugehörige Wasserkraftwerk versorgt das Land mit Strom.

Auf der anderen Seite geht es dann durch viele Tunnels und einer einsamer Straße weiter in die Ortschaft Mratinje. Hier soll es laut Matt, dem Engländer, eine Unterkunft mit Campingmöglichkeiten geben. Tatsächlich finde ich um ca. 16h Petar, den Hausherrn und um 3 Euro läßt er mir mein Zelt in seinem Garten aufstellen.

Mit Petar in seinem Zuhause in Mratinje

Ich wasche bei einem Fluss meine Füße und erkundige mich bei Petar über die Route, Wasserversorgung, etc für den kommenden Tag. Gegen 19h kommen dann auch Anna und Louis an und ich bin ehrlich gesagt froh sie hier zu sehen. Anna hatte beim Abstieg Schwierigkeiten und sie brauchten fast 3 Stunden für den Abstieg… Sie sind froh hier zu sein und wir gehen alle ziemlich früh schlafen. Matt schreibt mir dann, dass er es sich mit seiner Frau Alice doch anders überlegt hat und sie mit Autostop und Wandern auf einer anderen Route nach Bosnien versuchen werden. So wissen wir Bescheid und brauchen nicht mehr auf sie warten.

24.7. Noch einmal wartet eine lange Etappe entlang der Via Dinarica nach Bosnien auf uns. Wir drei werden heute auf der grünen Grenze von Montenegro nach Bosnien rübergehen. Davor warten allerdings noch ca. 1.700 Höhenmeter Anstieg auf uns und vor allem auch der Berg Maglic, mit 2.386 Metern der höchste Berg Bosniens. Es gibt laut Petar eine Wasserquelle ca. in der Mitte des Anstiegs, allerdings ist die oft von ca. 15 bis 20 frei lebenden Bullen für Stunden ‚besetzt’… 🙂 So starte ich heute bereits um 05:45 und beim Weggehen winken mir die Belgier noch in der Horizontalen aus dem Zelt zu.

Letzte Behausungen am Weg zum Maglic (2.386m)
Ein paar Meter haben wir noch…: -) beim Aufstieg zum Maglic (2.386m)

Es geht durch wunderschöne Bergwelt Höhenmeter um Höhenmeter hinauf und um ca. 11h erreiche ich die Wasserstelle. Ich habe Glück, da die Bullen ca. 100 Meter entfernt vor sich hingrasen und ich ungestört meine Wasserflaschen auffüllen kann. Die Bullen waren mir also gut gesinnt. Dann erreiche ich die Abzweigung zum Maglic (2.386m).

Der Berg Maglic ist mit seinen 2.386m der höchste Berg Bosniens

Ich lasse hier hinter einem Felsen meinen Rucksack und gehe nur mit einem Liter Wasser und einer Jause die letzten 300 Höhenmeter zum Gipfel hinauf. Um die Mittagszeit erreiche ich auf schönen Pfaden den Gipfel und Bosnien liegt mir quasi zu Füßen.

Bosnien, ich komme…

Beim Blick tief hinein in das Land gehen mir doch einige Gedanken durch den Kopf. Ich werde in Bosnien ja doch einige Zeit bis an die Grenze zu Kroatien weiter gehen, neue Abenteuer warten auf mich. Ich kann mich übrigens auch nicht erinnern, dass ich in einem neuen Land gleich am ersten Tag mit dem höchsten Berg des Landes begonnen habe. Alles muß wohl das erste Mal sein… Ich verbringe hier oben am Gipfel die meiste Zeit alleine und wieder, als ich mich nach ca. 1,5 Stunden am Gipfel zum Abstieg bereit mache, kommen die Belgier daher.

Gipfelfoto vom Maglic (2.386m) – mit Anna und Louis aus Brüssel

Sie haben meinen Rucksack bei der Suche nach einem Versteck gefunden und sich mit ihren Rucksäcken dazugesellt. Ich bleibe dann noch ca. eine weitere halbe Stunde mit ihnen am Gipfel bevor wir gemeinsam zu unseren Rucksäcken zurück gehen. Am Weg zum Trnovacko Jezero, einem Bergsee, sind es jetzt nur mehr ca. 600 Höhenmeter, die wir hinunter gehen müssen. Louis begibt sich mit Anna auf die Reise hinunter. Ich lasse dabei die zwei wieder alleine und gehe alleine runter. Beim Abstieg zu diesem See klitzert der See einmal richtig silbern, sodass ich unweigerlich an das Karl May Buch ‚Der Schatz am Silbersee‘ denken muss. Wenn jetzt noch Old Surehand um die Ecke geritten kommt und Nscho-Tschi Old Shatterhand nachtrauert… 🙂

Karl May Stimmung in Montenegro – der Bergsee Trnovacko Jezero

An einem geeigneten Platz für mein Zelt stelle ich meinen Rucksack ab und gehe das Stück zur Hütte um Wasser aufzutanken. Siehe da, die Engländer liegen in der Sonne und haben dabei fast einen Sonnenbrand bekommen. Sie erzählen mir, dass ihnen die Tour zu viel gewesen wäre und sich dann für Autostop, etc entschieden haben. Fair enough, wie man so schön auf Englisch sagt… Ich erzähle ihnen von unserer Tour und gehe dann zurück zu meinem Platz. Ab ins kühle Nass und ich genieße die traumhafte Bergkulisse hier an diesem See. Als ich mich in der Sonne trocknen lasse, kommt das belgische Pärchen herangetrabt. Speziell Anna hat der letzte Abstieg ziemlich zugesetzt. Noch dazu ist einer ihrer Stöcke abgebrochen und sie ist ziemlich sauer. Ich lasse die beiden einmal ankommen und sammeln, zwei Stunde später ist sie schon wieder quitsch vergnügt… 🙂

Schlafplatz am Trnovacko Jezero

Wir verbringen einen ruhigen Abend und genießen das traumhafte Bergpanorama an einem der schönsten Bergseen, den ich je gesehen habe. Am Abend tauschen wir noch alle Nummern aus, da uns morgen unsere weitere Route trennen wird. Während Anna und Louis in ca. 1 Woche wieder zurück in Brüssel sein müssen und auch die Engländer per Autostop auf Sarajevo zusteuern, werde ich vorerst von hier weiter zu Fuß tiefer in die Republika Srpska, der serbischen Republik, hineintauchen. Die Republika Srpska ist neben der Föderation Bosnien und Herzegowina eine von zwei Entitäten von Bosnien und Herzegowina.

25.7. Nach einem guten Schlaf breche ich auch heute bereits um 6h auf. Anna winkt mir noch verschlafen aus dem Zelt zu und ich wünsche Matt noch alles Gute bei ihrer weiteren Reise. Dann finde ich mich wieder alleine auf der Via Dinarica und ich wandere an der grünen Grenze von Montenegro nach Bosnien und Herzegowina. Natürlich keine Kontrollen, wie könnte es anders sein am Balkan…:-) Tjentište heißt die erste Ortschaft in Bosnien und die Betreiberin eines Lebensmittelladens erklärt mir, das der nächste Bankomat in der 28 km entfernten Stadt Foca sei. Bosnien hat ja die Mark (100 Pfennige) als Zahlungsmittel, 2 Mark entsprechen ca. 1 Euro. Da ich lokale Währung brauche, entscheide ich mich die 28 km zu stoppen. Natürlich um dann wieder hierher zurück zu kommen und von hier weiter zu gehen. Beim Autostoppen sehe ich einen stehenden Bus in der Nähe und der freundliche Busfahrer nimmt mich ca. eine halbe Stunde gratis mit. So ist der Balkan, meint er nur lachend. In Foca finde ich im Zelengora Hotel eine preiswerte Unterkunft und ich bin auch froh wieder einmal ein wenig verschnaufen zu können. Die Bankomaten kassieren hier nur 3,5 Prozent Spesen. Gefällt mir schon viel besser als die Spesen der Banken in Montenegro und Albanien (zw. 8 und 10%), die ich ja erfolgreich verweigert habe. Dann gehe ich wieder einmal zum Friseur, lass mich schniegeln und schön machen. Danach gefalle ich mir dann doch auch wieder etwas besser. Es gibt hier auch ein Kino, heyho… Der Film ‚Oppenheimer‘ steht auf dem Programm. Ich verschiebe den Film allerdings auf morgen und gehe früh schlafen. Ich werde morgen einen Rasttag hier einlegen. Die letzte Woche hatte es doch in sich.

Gesamtkilometerca. 8.160

Fazit: Montenegro, ein Land im Umbruch und im Wandel. Flächenmäßig so groß wie die Steiermark. Und die Seele der Menschen, die hier leben, so groß wie halb Russland. Miroslav, der Montenegriner in den Bergen, brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt. Wenig Geld, wenige Jobs, viel Korruption, gute Nachbarschaft, große Gastfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft und starke familiäre Bande – das ist Montenegro und das ist der Balkan! Dem möchte ich nichts hinzuzufügen… Abgesehen davon hat Montenegro so ziemlich alles zu bieten was das Herz begehrt. Wunderschöne Küstenabschnitte, exzellentes Essen, alte Städte aus vergangenen Zeiten, eine wilde und traumhaft schöne Bergwelt, Bergseen zum Abwinken und Gastfreundschaft hoch drei. So kann ich auch dieses Land nur jedem wärmstens weiterempfehlen. Es wird euch herzlich empfangen!

MONTENEGRO – Teil 1 (NP Prokletie – Park Komova – NP Biogradska Gora – Mojkovac – Podgorica – Kloster Ostrog – Niksic – Cetinje – Kotor – Mojkovac)

04.07. Nachdem ich gestern ein schönes Plätzchen für mein Zelt in Theth gefunden habe, starte ich heute bereits um 6h früh von meinem Zeltplatz los.

Zeltplatz vor dem Rrashkadoli Guesthouse

Es stehen gleich in den ersten Stunden mehr als 1.000 Höhenmeter auf dem Programm.

Am Weg von Albanien nach Montenegro – im Hintergrund der Arapi, ein Berggipfel (2.218m) im Gebiet der verfluchten Berge im Norden Albaniens

Ich befinde mich seit heute auf dem beliebten ‚Peaks of the Balkan’s‘ Trail und dementsprechend begegne ich heute doch wieder vielen Touristen. Auch landschaftlich ist der heutige Tag wunderschön, mit all den über 2.000 Meter hohen Gipfeln in den albanischen Alpen, den verwunschenen Bergen wie sie auch genannt werden.

Im Gebiet der verfluchten Berge am Weg nach Montenegro

Die ‚weiße‘ Via Dinarica verläuft übrigens auch hier. Ihr werde ich weiter in Montenegro folgen. Letztlich überquere ich am Nachmittag die grüne Grenze zwischen Albanien und Montenegro. Nicht einmal ein Stein oder so findet sich hier als Grenzmarkierung.

Am Weg nach Montenegro

Gegen Abend erreiche ich dann die erste Ortschaft in Montenegro namens Vusanje. Hier stärke ich mich in einem Restaurant mit einem gefüllten Paprika mit Schafskäse bevor ich mich auf ‚Quartierssuche‘ begebe… 🙂

Gefüllter Paprika mit Schafskäse, eine Delikatesse

Vor dem verlassenen und uneinsichtigen Schuleingang werde ich fündig und schlafe in meinem Schlafsack und meiner Luftmatratze im Freien.

05.07. Nachdem mich in der Nacht ein paar Mal Hunde aufgespürt und angebellt haben, packe ich ziemlich verschlafen frühmorgens meine Sachen und gehe ein paar Kilometer weiter in den Ort Gusinje. Hier gibt es wieder Lebensmittelmärkte, Cafés, etc und ich kaufe in der Bäckerei reichlich für den Tag ein. In einem kleinen Café plane ich meine weitere Tour und beschließe der Via Dinarica zu folgen. Sie kommt ja vom nördlichen Kroatien und endet hier. Ich gehe sie also in umgekehrter Richtung. Seit Theth versuche ich schon jemanden zu finden, der diese Route schon gegangen ist oder sie zumindest kennt, vergebens. So verlasse ich mich auf meine GPS Datei und starte los. Zuerst geht es wieder zurück nach Albanien in das Vermosh Tal.

Kaum war ich in Montenegro, verließ ich es schon wieder Richtung Albanien, aber nur für 1 Tag…

Der Vermosh ist ein Gebirgsfluss und als ich Einheimische darin schwimmen sehe, tue ich es ihnen gleich. Ca. 12 Grad soll das Wasser haben, a….kalt…:-) aber auch sehr erfrischend und beim zweiten Mal reingehen ging es schon besser.

Abkühlung im Gebirgsfluss Vermosh

In dieser Gegend wechselt das Wetter blitzschnell. War heute früh noch wolkenloser Himmel, schaut bereits ein Gewitter um die Ecke als wir wieder in unsere Gewänder schlüpfen. Ich erreiche gerade noch die einzige Kneipe in der Ortschaft Vermosh als es wieder wie gewohnt loslegt. Starker Regen und Wind, Blitz und Donner, alles was das frohe Wanderherz begehrt. Auch hier kennt niemand die Via Dinarica und ich werde in das Peraj Guesthouse weiter verwiesen. Florida, die für Albanien sehr emanzipierte Tochter des Hauses, bietet mir für 25 Euro einen eigenen kleinen Bungalow zum Schlafen an, inklusive Frühstück und Essen für den nächsten Tag. Angesichts des Wetters nehme ich dankend an. Eine sehr nette Schweizerin mit ihrem Mann aus dem Kosovo kocht Fleisch und bringt mir noch ein Stück vorbei, sehr nett und vielen Dank!


06.07. Ohne wirklich vielen Informationen über die Route des heutigen Tages starte ich mit einigem Proviant (falls die Hütten unterwegs geschlossen sind) und vollen Wasserflaschen in den Tag.

Typische Behausungen im Vermoshtal im äußersten Norden von Albanien

Der Tag beginnt schon mal gut als sich nach ca. 1 Stunde herausstellt, dass die GPS Datei nicht stimmt. So endet der vorgeschlagene Weg in einem steilen Buchenwald ohne jegliche Anzeichen eines Pfades, etc… Ich orientiere mich dann selber ohne dieser Datei und erreiche nach ca. 2 Stunden Aufstieg durch diesen rutschigen und steilen Buchenwald eine Almwiese. Hier empfängt mich eine wunderschöne Blumenwiese und von einer kleinen Anhöhe sehe ich noch einmal das gesamte Panorama der albanischen Alpen.

Blick auf die albanischen Alpen – und Blumen über Blumen

Der Anblick ist so schön, dass ich mich einmal hinsetzen muss. Erstens um mich von diesem ungewollten Aufstieg zu erholen und zweitens um dieses herrliche Panorama zu genießen. Die restlichen paar Kilometer westlich zurück auf den richtigen Weg sind dann problemlos, da ich in der Wiese einen ausgetretenen Pfad finde, der genau dort hinführt. So um die Mittagszeit erreiche ich eine kleine orthodoxe Kirche, alles menschenleer hier.

Orthodoxe Kirche in der Bergwelt Montenegros an der Grenze zu Albanien

Waren auf dem Peaks of the Balkan’s Trail die Leute noch zu Hunderten am Wandern, treffe ich hier keine Menschenseele. Die erste Hütte, die ich dann erreiche, hat geschlossen. Ehrlich gesagt habe ich damit eh gerechnet…

Erste Wegweiser in Montenegro

So beschließe ich zur nächsten Hütte 12 km weiter zu wandern. Durch unglaublich schöne Bergwelt führt mich die Tour durch schöne Kare und selbst auf 2.000 Metern finden sich hier noch Schneefelder.

Wunderschöne Bergwelt im Norden Montenegros – hier in der Region Komova
Schneefelder auf 2.000 Meter Höhe im regionalen Park Komova, und das im Juli…

Der Sommer hat spät begonnen heuer. Gegen 16h wird es beim letzten Anstieg richtig finster und ich bete heimlich, dass heute kein Gewitter loslegt.

Auch ein fescher Kerl, denke ich mir nur…
Eine der verschiedenen Markierungen der Via Dinarica
Unglaublich, wie meisterhaft die Natur sein kann…
Zurück in der Zivilisation – hier ein Blick zurück in die Bergwelt des regionalen Parks Komova, durch die ich von Albanien nach Montenegro kam

Wider erwarten bleibt es nur dunkel und ich erreiche gegen 18h nach mehr als 1.500 Höhenmetern die Stavna Region, wo auch eine Straße vom Tal hinaufführt. Plötzlich stehen da gleich wieder polnische 4×4 und bei Deutschen mit ihrem Campingbus bekomme ich Wasser und eine Banane angeboten. Ein junger Deutscher sagt mir dann, dass es hier in 5 Gehminuten eine offene Hütte gibt. Das ist genau diejenige, die ich angepeilt habe und ich bin froh zu wissen, dass sie offen ist. Während wir so plaudern wird es noch finsterer und ich gehe die letzten Meter zur Hütte. Ca. 50 Meter vor dem Hütteneingang verspüre ich die ersten Tropfen und als ich in der Hütte den Rucksack abstelle, beginnt es draußen schon zu schütten. 10 Minuten später wieder Blitz und Donner und ich danke dem Herrgott, dass er mich hier gut durch die verlassene Bergwelt des regionalen Parks Komova gehen hat lassen. Es wird dir erst da oben klar wie klein und verletzlich Du bist. Die Natur ist der Boss, das ist klar! Branko, der gesprächige Hüttenwirt der Eko Katun Stavna Hütte bietet mir um 15€ eine Nacht in seinem Bungalow an.

Eko Katun Stavna Hütte im regionalen Park Komova – am nächsten Morgen

Normalerweise kostet er 30€ aber weil ich die Via Dinarica gehe, gibt er mir den Nachlass. Auf meine Frage hin warum denn sowenige Leute die Via Dinarica gehen, meint er, dass in einem normalen Jahr nicht mehr als 10 bis 15 Leute bei ihm vorbei kommen. Heuer sei ich der Erste, der von Albanien hierher rüber gekommen ist. Das erklärt auch warum ich keine Leute treffe. Also, die Via Dinarica ist echt noch ein Geheimtipp! Nach einer Dusche schlafe ich früh ein.

07.07. Frühmorgens gehe ich auf 1.700 und 1.800 Höhenmeter auf einfachen Forststrassen ca. 20 km nach Vranak, wo es auch ein Schigebiet für die Wintersportler gibt.

Und endlich gibt es auch Wegmarkierungen für die Via Dinarica
Almlandschaft im Norden Montenegros – hier in der Region Komova

Die Hüttenwirtin der Planinarski Dom Vranak Hütte gibt mir einen Tee und zwei Schalen Eis, die ich dankend annehme. Es gewittert in der Zwischenzeit schon wieder draußen und ich werde jetzt bald in eine benachbarte Hütte rübergehen um dort ein Quartier zu finden.

Die nette Hüttenwirtin der Planinarski Dom Vranak Hütte – sie versorgte mich wieder mit dem Notwendigsten

Am späten Nachmittag gehe ich dann in die Eko Katun Vranjak Unterkunft wo mir die einheimische Hüttenwirtin eine kleine Hütte zum Schlafen gibt.

08.07. Am Morgen vergewissere ich mich noch einmal bei der Hüttenwirtin ob von hier eh ein Steig oder Pfad zum Biogradsko jezero (einem Gletschersee im Nationalpark Biogradska Gora) gibt und sie bejaht.

Eko Katun Vranjak Unterkunft im NO von Montenegro

Ein schmaler Hirtenpfad führt durch einen 16 km2 großen Urwald mit über 500 Jahre alte Bäume. Um die Mittagszeit erreiche ich den See ohne jemandem begegnet zu sein.

Urwald im Biogradska Gora Nationalpark – am Weg nach Mojkovac

Erst beim See selbst gibt es ein Restaurant und ich setze mich zu den Ausflüglern dazu. Am Nachmittag gehe ich dann noch die letzten Kilometer in die Stadt Mojkovac. Es ist die Zeit der ersten Mahd hier und immer wieder höre ich wo einen Motormäher oder sehe Leute mit dem Rechen arbeiten. Für Traktoren wäre es hier zu steil zu fahren.

Einheimischer beim Dengeln seiner Sense – am Weg nach Mojkovac

In Mojkovac visiere ich direkt den Bahnhof an und der Bahnhofsvorsteher bestätigt mir, dass morgen vormittag um 09:40 ein Zug von hier in die montenegrinische Hauptstadt Podgorica geht. Dann quartiere ich mich für 20€ inkl. Frühstück im guten Hotel Dulovic ein. Ein genieße eine Dusche und lasse mir die Cevapcici schmecken. Ich werde von hier in den kommenden Tagen mit dem Zug einen Abstecher ans Meer machen, bevor ich mit dem Zug wieder hierher zurück komme. Dann gehe ich von hier wieder weiter auf der Via Dinarica Richtung Bosnien.

09.07. Der Kellner bringt mir heute zum Frühstück ein riesiges Teller Ham and eggs, selbstgemachtes Brot und eine Tasse Schwarzen Tee. So gehe ich mit vollem Bäuchlein zur Zugstation wo mit ein wenig Verspätung der Zug daher kommt.

Mit diesem Zug aus Belgrad geht es in die montenegrinische Hauptstadt Podgorica.

Es gibt hier von Belgrad in Serbien einen Direktzug nach Bar an die Küste von Montenegro. Durch viele Tunnels, entlang einiger Schluchten und über die höchste Eisenbahnbrücke Europas schlängelt sich der Zug hinab in die Niederungen Montenegros und in die Hauptstadt Podgorica. Es ist dies die Bahn Titos, der von Belgrad eine möglichst schnelle Zugverbindung zum Meer wollte.

Mala-Rijeka Viadukt, Europa’s höchste Eisenbahnbrücke – am Weg nach Podgorica

Hier angekommen setze ich mich einmal in das Bahnhofslokal und der Kellner empfiehlt mir für die Übernachtung das Hotel Evropa. Ich quartiere mich hier für zwei Nächte ein. Dann gebe ich die Wäsche zum Waschen ab und esse im selben Lokal einen riesigen Chickenburger um 3 Euro. Ich werde hier morgen, wenn die Geschäfte wieder offen haben, auch versuchen, eine neue Spitze für einen meiner Wanderstöcke zu bekommen.

Nach ca. 8.000 km darf sich die Stahlspitze von einem meiner Wanderstöcke auch einmal lösen…

Die Bergtouren in letzter Zeit haben nicht nur bei mir Spuren hinterlassen. Den Abend verbringe ich mit einer kleinen Runde in der Innenstadt bevor ich ziemlich müde ins Bett falle.

10.07. Zok, der Rezeptionist im Hotel Evropa, hat mir einige Tipps gegeben, wo ich evtl meine Wanderstöcke reparieren lassen kann. Frühmorgens, als es noch nicht so heiß ist, mache ich mich auf zu einer Stadtbesichtigung und mache dann neben einem kleinen Trekkingshop eine Kaffeepause. Podgorica, das von 1946 bis 1992 zu Ehren Titos Titograd hieß, ist eine moderne und junge Stadt. Nach Warschau wohl die Stadt, die während des WK2 am meisten bombardiert wurde, sowohl von den Deutschen als später auch von den Alliierten. 74 mal soll sie laut Zok bombardiert worden sein… Dementsprechend wenig ist hier von früheren Zeiten noch zu sehen.

Statue von König Nikola I (1910-1918), dem letzten König Montenegros bevor sich das Land mit Serbien vereinte
Millennium Brücke und das Denkmal für Wladimir Wyssozki, einem russischen Schauspieler, Dichter und Sänger

Ich bekomme hier in diesem kleinen Trekkingshop zwar keine neuen Spitzen aber ein paar neue Merinosocken, die alten haben ausgedient. Dann gehe ich in die Delta City, ein Shopping Center etwas außerhalb der Stadt. Es gibt hier einen Intersport und überraschenderweise gibt es auch zwei verschiedene Arten von Leki Wanderstöcken, meine Marke also. Da sie keine Spitzen zum Auswechseln haben, kaufe ich mir gleich ein neues Paar. Sie sind günstiger als bei uns zuhause und so bin ich für die restlichen Kilometer nach Hause auf der sicheren Seite. Am Nachmittag bringe ich dann die neuen Stöcke in die Unterkunft und schicke die alten Stöcke nach Hause.

Bis zu 200 kg schafft diese robuste Waage noch auf dem Postamt in Podgorica – sollte für meine gut verpackten alten Wanderstöcke kein Problem sein:-) sie wiegen samt Schachtel genau 0,5kg… Gute Reise!

Ich werde sie zu Hause reparieren lassen. Den Abend verbringe ich mit Zok auf der Terrasse des Hotels Evropa und er gibt mir noch einige Tipps für die bevorstehende Wanderung in Montenegro.

Njeguški steak – das Nationalgericht von Montenegro. Schweinefleisch gefüllt mit Schinken und Käse

11.7. Heute morgen früh fahre ich um 8h mit dem Zug Richtung Niksic und steige bei der Station Ostrog aus. Es gibt hier das bekannte, serbisch-orthodoxe Kloster des Heiligen Basilius von Ostrog, der hier vor ca. 350 Jahren gelebt hat. Es besteht aus einem unteren und oberen Kloster. Im unteren Kloster befindet sich auch eine Herberge, wo man für 5€ in einem Schlafsaal übernachten kann. So quartiere ich mich zuerst einmal hier ein.

In der Rezeption der Herberge im Kloster Ostrog

Wassily, ein Mitarbeiter des Hauses, erklärt mir, dass es ab 10h immer ein Frühstück gibt und da es jetzt ca. 11h ist, sollte ich noch etwas bekommen. Für mich ist es ein verfrühtes Mittagessen und ich lasse mir eine Klostersuppe, Kartoffeln, Spinat und Salate, alles frisch aus dem Klostergarten, schmecken. Im Anschluss daran besuche ich das sehenswerte untere Kloster, in dem noch ca. 10 Mönche und 10 Nonnen leben.

Unteres Kloster im Kloster Ostrog
Mönch im unteren Kloster des Klosters Ostrog

Dann ist es Zeit für mich ein wenig in der Herberge zu rasten bevor ich am Nachmittag die letzten 200 Höhenmeter in das obere Kloster hinaufgehe. Es ist dies einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in der serbisch-orthodoxen Kirche, dementsprechend geschäftig ist es auch hier im oberen Kloster. Der alte Teil des Klosters wurde Mitte des 17. Jhdt. vom Heiligen Basilius von Ostrog selbst mitten in den Felsen hinein erbaut.

Der ältere Teil des oberen Klosters aus dem 17. Jhdt im Kloster Ostrog – hier sind nach wie vor die sterblichen Überreste des Heiligen Basilius von Ostrog aufbewahrt

Die sterblichen Überreste des Heiligen Basilius kann man selbst heute noch besichtigen, stets bewacht von einem der Mönche. Im unteren Kloster angekommen nehmen mich am Abend Wassily und sein älterer Arbeitskollege mit zum gemeinsamen Abendessen.

12.7. In der Nacht sind noch zwei weitere Ankömmlinge in den Schlafsaal schlafen gekommen. Da ich heute beinahe 9 Stunden durchschlafe, habe ich das nicht mitbekommen. Um 7h frühstücke ich einen Apfel, den ich mir gestern vom Abendessen mitgenommen habe und mache mir in der Küche einen Tee. Um 08:47 geht mein Zug von der Station Ostrog nach Niksic, der zweitgrößten Stadt des Landes. So verabschiede ich mich von den Mitarbeitern hier und ca. eine halbe Stunde später bin ich wieder pünktlich bei der Zugstation. Gegen 09:30 erreichen wir dann Niksic und ich quartiere mich hier im Evropa Hostel für 13€ ein. Gerald (der Motorradfahrer aus Bischofshofen), den ich am Ohridsee kennengelernt habe, meldet sich. Er sei wieder in dieser Ecke, diesmal mit Freundin und Auto. Spontan verabreden wir uns für heute Abend hier in Niksic auf ein Bierchen und Plauscherl. Untertags mache ich hier ein wenig sightseeing, schaue mir die Burg und die Stadt an. Niksic ist keine touristische Stadt, sie erinnert viel mehr mit der Architektur der Häuser an eine typisch kommunistische Stadt. Sie ist so gesehen eine ‚ehrliche‘ Stadt, die sich nicht schmückt oder verstellt um mehr Touristen anzulocken. Wer kommt, kommt und wer nicht kommt, kommt eben nicht…

Blick auf die Stadt Niksic – Sicht von der Burg
Orthodoxe Kirche des Heiligen Basilius von Ostrog – Kathedrale der Stadt Niksic

Derzeit trotze ich allerdings auch der Hitze draußen und raste mich ein wenig aus.

Um 18h treffe ich Gerald und seine Freundin Doris, ebenfalls aus Bischofshofen im Restaurant Kastel. Es gibt viel zu erzählen und so verbringen wir einen schönen und lustigen gemeinsamen Abend.

Mit Gerald und seiner Freundin Doris in Niksic – das offene Niksicko schmeckte so richtig 🙂

13.7. Nach einem Frühstück auf der Busstation bringt mich ein mittelgroßer Bus nach Cetinje. Cetinje mit ihren knapp 15.000 EW ist der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten und war bis 1918 die Hauptstadt des Landes. Im Gegensatz zu Podgorica, der Hauptstadt seit 1918, gibt es hier noch viele liebe und schöne alte Häuser aus der Jahrhundertwende. In der Nähe der Busstation finde ich in der Pension 22 ein kleines Zimmer und miete mich hier für zwei Nächte ein. Am Nachmittag und Abend erkundige ich die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Angefangen vom königlichen Palast des Königs Nikolaus II, das jetzt als Museum fungiert.

Königlichen Palast des Königs Nikolaus II, dem letzten König Montenegros

Der 13. Juli wird in Montenegro übrigens als Nationalfeiertag gefeiert. Es war der 13. Juli 1878 als Montenegro vom Berliner Kongress zu einem eigenständigen Staat anerkannt wurde. So gibt es heute am Abend auch Feierlichkeiten, volkstümliche Tänze und letztlich ein Konzert eines bekannten montenegrinischen Sängers. Nur ich kannte ihn nicht, was allerdings nichts heißt…

Volkstümliche Tänze anlässlich des Nationalfeiertages

14.7. Heute morgen ist Markttag und es gibt auch Wuchteln hier, die übrigens genauso schmecken wie zuhause. Um 9h sperrt dann das Nationalmuseum von Montenegro auf, das in einem sehr schönen Gebäude untergebracht ist.

Nationalmuseum von Montenegro – in Cetinje
Plakate aus vergangenen Zeiten – im Nationalmuseum von Montenegro in Cetinje

Die Stadt erinnert ein wenig an ein Freilichtmuseum und man fühlt sich um Jahre zurück versetzt. Vor allem die alten Gebäude der ehemaligen Botschaften sind eine Augenweide. Heute befinden sich meist universitäre Einrichtungen darin.

Die ehemalige ‚Gesandtschaft‘ (Botschaft) von Österreich und Ungarn – in Cetinje. Selbst den Doppeladler haben sie noch belassen.
Ehemalige russische Botschaft in Cetinje

Am Abend gehe ich dann noch auf den Eagle Hill, einen Hügel, von dem man einen guten Rundblick auf die Stadt genießen kann. Zudem wurde hier das Mausoleum für Bischof Danilo errichtet, dem Metropolitan Cetinjes zwischen 1697 und 1735.

Blick auf Cetinje – vom Eagle Hill

Den Abend verbringe ich noch geruhsam in der Altstadt bevor ich früh schlafen gehe.

Abendstimmung in Cetinje

15.7. Gegen 7h morgens frühstücke ich am Weg zur Busstation Käseburek und Joghurt. Gegen 8h kommt dann der Bus aus Podgorica, der uns nach Kotor bringt. Die Fahrt führt via Budva und die Sicht von ca. 1.000 Meter Seehöhe runter auf die Stadt Budva am Meer ist sensationell. So um halb 10h erreiche ich dann die Busstation in Kotor und wie gewohnt, setze ich mich einmal auf einen Espresso nieder. Rafael, mein spanischer Freund aus London, hat sich gemeldet. Er ist derzeit hier mit seinem Auto unterwegs und wir werden uns wahrscheinlich morgen in Kotor treffen. Dann gehe ich in die Altstadt von Kotor und quartiere mich im Old Town Youth Hostel ein.

In der Altstadt von Kotor

Die Altstadt von Kotor und deren Befestigungsanlagen sind seit 1979 Teil des UNESCO Weltkulturerbes und das nicht zu unrecht. Es befinden sich hier wunderschöne, alte Gebäude und Kirchen und direkt hinter der Stadt ragen die Berge hoch.

Sankt Tryphon Kathedrale in der Altstadt von Kotor. Sie ist die größte noch erhaltene romanische Kirche der östlichen Adriaküste
Im oberen kleinen Sarkophag befinden sich die Gebeine des Heiligen Tryphon, einem christlichen Märtyrer aus dem 3. Jhdt n. Chr. Er ist der Schutzpatron und Beschützer der Stadt – in der Sankt Tryphon Kathedrale in der Altstadt von Kotor.

Die Bucht von Kotor besteht eigentlich aus drei Buchten, die schmetterlingsförmig angeordnet sind. Sie sind Ziel vieler Reisender. Es herrscht dementsprechend auch viel Betrieb hier und die Preise sind auch andere als im Rest des Landes. Sie wissen schon auch wo sie Geld verlangen können. Derzeit mache ich eine kleine Mittagspause bevor ich am Abend auf die Burg hinaufgehe. Von dort soll es einen schönen Blick auf die Stadt und die Bucht von Kotor geben.

Blick auf die Altstadt und die Bucht von von Kotor – Sicht von der Burg
Mit Audy aus Suriname auf der Burg von Kotor

Wunderschön war er, der Blick auf die Altstadt und die Bucht von Kotor. Den Abend verbringe ich in den engen und romantischen Gassen der Altstadt.

16.7. Nach zwei Tassen Tee und einer Mehlspeise im Hostel gehe ich heute entlang dem Strand und der Küste Richtung Perast. Die Altstadt ist um 7:30 morgens menschenleer und wunderschön. Die drei Buchten von Kotor sind der südlichste Fjord Europas und das tiefe Meer erlaubt auch großen Kreuzfahrtsschiffen hier anzulegen.

Willkommen in Kotor…

Nach ca. einer Stunde Gehen setze ich mich am Strand in ein Café und telefoniere wieder einmal mit Muck und Muttern. Alles okay bei Ihnen zuhause, vor allem Muttern geht es auch wieder um Vieles besser. Sie kann nicht klagen, sagt sie, einen besseren Kommentar von ihr kann man sich nicht wünschen… Dann setze ich meinen Spaziergang fort und genieße die mediterrane Stimmung in diesem Fjord mit den steil aufragenden Bergen.

Am Weg von Kotor in die Ortschaft Donji Orahovac

Derzeit sitze ich gerade in einer Strandbar in der Ortschaft Donji Orahovac und lasse mir einen weiteren Kaffee schmecken.

Um 15h bin ich ja heute Nachmittag mit Rafael aus San Sebastian in meiner Unterkunft verabredet. Als ich in das Hostel zurückkomme, sitzt Rafael schon gemütlich im Empfangsraum. Er ist hier direkt von Sarajevo mit seinem Auto runter gefahren und so gibt es ein freudiges Wiedersehen. Das letzte Mal haben wir uns in London in Twickenham bei ihm zuhause gesehen, das ist aber auch schon wieder ein paar Jährchen aus. Wir verbringen den Nachmittag und Abend mit Geschichten erzählen, Wimbledon Finale schauen (siehe da, der Spanier Alcaraz fügt dem favorisierten Djokovic eine doch etwas überraschende Niederlage zu, ganz zur Freude von Rafael) und einem Abendessen in einem Restaurant außerhalb der Altstadt, wo es gleich um ca. 50% billiger ist.

Wimbledon Finale im Old Town Hostel von Kotor

Rafael habe ich 2016 in Tadschikistan kennengelernt als er mit Freunden und seinem Fahrrad nach Kirgisistan geradelt ist. Diesmal ist er mit seinem Ford Fiesta und dem Zelt im Balkan unterwegs. Mit dem Ziel in den bulgarischen Bergen eine alt christliche Bevölkerungsgruppe zu besuchen bevor er wieder zurück in seine Heimat ins Baskenland fährt. Da ich vorhabe morgen wieder nach Mojkovac in die Berge von Montenegro zurück zu fahren und auch er kein großer Freund von Küste und Touristen ist, beschließen wir, morgen gemeinsam mit seinem Auto von Kotor nach Mojkovac zu fahren.

Rafael mit seinem über 20 Jahre alten Ford Fiesta

Gegen Mitternacht schlafen wir im gleichen Schlafsaal in unseren Betten ein.

17.7. Um 05:15 läutet mein Wecker und um ca. 05:30 sitzen wir schon in der Küche bei einer Tasse Tee und einer Mehlspeise. Wir haben uns vorgenommen früh zu starten weil es untertags heiß wird und der Morgen am Schönsten ist. So fahren wir noch vor 7h früh über die Serpentinen den Fjord von Kotor hinauf und genießen die Aussicht auf die drei Buchten und den Fjord Kotors.

Blick auf den Fjord und die Altstadt von Kotor

Am Weg nach Cetinje liegt der Lovcen Nationalpark und so statten wir auch noch dem Mausoleum von König Peter II Petrovic-Njegos direkt am Berg Lovcen einen Besuch ab.

Mausoleum von König Peter II Petrovic-Njegos direkt am Berg Lovcen

Vor allem die Aussicht von hier oben auf die karstige Gebirgslandschaft des Lovcen NPs und dem nahegelegenen Meer ist grandios. Dann fahren wir mit Rafaels Fiesta weiter nach Cetinje und besuchen das Kloster von Cetinje. Wir haben Glück und können während unseres Besuches auch einen Blick auf die Hand des Heiligen Johannes des Täufers (die Hand die Jesus taufte) erhaschen. Fotografieren natürlich strengstens verboten. Nach einem Mittagessen legen wir uns in einen Park und holen ein wenig Schlaf nach.

Kleines Nickerchen im Klostergarten von Cetinje

Gegen 16h starten wir dann die letzten ca. 120 Kilometer nach Mojkovac und da alles auf einer Autobahn zu fahren ist, planen wir gegen 18h in Mojkovac anzukommen. Es sollte jedoch etwas anders kommen, da sich auf der Autobahn zwischen Cetinje und Podgorica kurz vor uns ein Unfall ereignet und wir zur Umkehr gezwungen werden. Über kleine Nebenstraßen und einer sehr abgelegenen Gegend erreichen wir dann mit ca. 3 Stunden Verspätung Podgorica und beschließen doch noch am Abend weiter nach Mojkovac zu fahren. Um ca. 21:30 erreichen wir ziemlich geschafft dann doch noch Mojkovac und wir bekommen gerade noch ein Zimmer im Hotel Dulovic. Da die Restaurants bereits zu haben kaufen wir uns im Supermarkt zwei Dosen Niksicko, Chips und Nüsse, die wir uns im Zimmer schmecken lassen. English Pub Style, wie Rafael nur meint… 🙂 Wieder gegen Mitternacht schlafen wir müde und zufrieden ein.

18.7. Um 7h lassen wir uns noch ein gutes Frühstück mit Eierspeise und Schinken schmecken. Dabei gebe ich Rafael noch ein paar Tipps für den Kosovo, den er als nächstes besuchen möchte. Rafael wird hier noch einen Tag Pause einlegen, Wäsche waschen, etc… ich setze hier heute jedoch wieder meine Wanderung fort. Rafael gibt mir noch seine restlichen Mark aus Bosnien mit, die er nicht mehr braucht, und so verabschieden wir uns um ca. 9h vor einer Bäckerei. Es war eine sehr schöne Zeit mit Dir Rafael, buen viaje!

Gesamtkilometerca. 7.985

Fazit: Montenegro ist mit seinen ca. 600.000 Einwohnern das kleinste Land der ehemaligen sechs Teilrepubliken Jugoslawiens. Als Währung haben sie den Euro und sie sind ebenso wie Albanien ein EU Beitrittskanditat. Der Tourismus boomt und speziell an der Küste gibt es wunderschöne Strände und viele Hotels, etc. Auch die Berglandschaften im Norden des Landes haben mit den vielen Nationalparks einiges zu bieten. Montenegro, das Land der schwarzen Berge, wie es so schön heisst. Die Berge sind zwar nicht schwarz, dafür aber wunderschön. Ich werde nun die nächste Zeit durch den Durmitor Nationalpark in den Bergen nach Bosnien wandern und noch mehr von den ’schwarzen‘ Bergen genießen können.

ALBANIEN – Teil 4 (Tirana – Shkodra – Koman Stausee – albanische Alpen)

15.06. Am späten Nachmittag sind dann all meine Sachen wieder trocken und ich gelange durch den Stadtpark ins Zentrum von Tirana. Tirana ist mit ca. 800.000 Einwohnern mit Abstand die größte Stadt von Albanien, das insgesamt ca. 3 Mio. Einwohner hat. Ich gelange zum Boulevard Deshmoret e Kombit, der wichtigsten Prachtstraße von Tirana. Dieser beginnt bei der Universität am Mutter Teresa Platz und endet am Hauptplatz von Tirana, dem Skenderbeg Platz.

Ankunft in Tirana, hier am Mutter Teresa Platz vor der gleichnamigen Universität

Tirana scheint mir zwei Kleider zu haben. Zum einen ältere brutalistische Gebäude aus der kommunistischen Zeit und zum anderen Gebäude der Moderne und ab und zu auch ein richtiger Wolkenkratzer. Am Skenderbeg Platz angekommen steuere ich als erstes meine Unterkunft an. Ich habe im Tirana Backpacker Hostel ein Bett in einem 6 -Bettzimmer inkl. Frühstück um 15 € pro Nacht reserviert. Es ist ein altes Gebäude mit einem großen Garten im Hinterhof wo es das Frühstück gibt.

Im Tirana Backpacker Hostel lässt es sich im Garten gut entspannen

Am Abend beginnt es dann ordentlich zu regnen, sodass Andreas und ich unser Treffen auf morgen verschieben.

16.06. Am Morgen hole ich mir die gewaschene Wäsche ab und genieße ein ausgiebiges Frühstück im Garten. Sehr freundliches Personal und zentrale Lage (ca. 5 Minuten zu Fuß zum Skanderbeg Platz), sehr empfehlenswert diese Unterkunft.

6-Bettzimmer im Tirana Backpacker Hostel

Ich besuche dann Andreas um ca. 10h morgens in seinem Hotel La Boheme.

Wiedersehen mit Andreas in seinem Hotel La Boheme

Seine ‚Besuche‘ auf meinen Reisen sind ja schon fast Routine, das letzte Mal haben wir uns letztes Jahr in Istanbul getroffen. Auch dieses Mal bringt er mir wieder ein neues Paar Schuhe mit, das ich dringend benötige. Ausserdem auch eine Hirschtalgcreme, Moskitospray und… ein Sackerl Mozartkugeln, er kennt mich… 🙂 Vielen Dank Andreas!!!

Die neuen Schuhe sind wie immer Goldes wert – vielen Dank Andreas für das Zustellservice…:-)

Da er eine kleine Verletzung am Arm hat gehen wir in ein nahegelegenes Gesundheitszentrum, wo ihm zwei Schwestern den Verband wechseln. Dann steht uns nichts mehr im Wege gemeinsam die Stadt zu erkunden. Einem Besuch im Kadare Museum (Ismail Kadare ist der wichtigste Schriftsteller Albaniens) folgt eine Kaffeepause in einem der drei nebeneinander liegenden Cafés vor der Oper. Es hat sich viel getan seit unserem letzten Treffen, so gibt es viel zu erzählen. Ich bringe dann die mitgebrachten Sachen von Andreas in meine Unterkunft und am Abend essen wir in einem ‚türkischen‘ Restaurant innerhalb den Überresten der Burg von Tirana. Wir haben schon einmal besser und billiger türkisch gegessen… 🙂

17.06. Wie jeden der folgenden Tage treffen wir uns auch heute in einem der Cafés am Skanderbeg Platz.

Skanderbeg Platz in Tirana – der Hauptplatz der Stadt
Statue von Skanderbeg, dem albanischen Nationalhelden aus dem 15. Jhdt – am gleichnamigen Hauptplatz von Tirana

Dann besichtigen wir gemeinsam die einzelnen Gebäude und Sehenswürdigkeiten entlang des Boulevards.

Andreas und ich auf der Pyramide – in den 1980er Jahren für stolze 4 Mio. USD als Museum für Enver Hoxha erbaut, wird es jetzt gerade zu einem Jugendzentrum umfunktioniert

Letztlich enden wir am späten Nachmittag im Lake View Cafe, das an einem See neben dem Stadtpark liegt. Hier legen wir eine Pause ein bevor wir am Abend um 18h bei einer geführten Tour teilnehmen. Eric, unser guide, vermittelt uns in ca. 2 Stunden einen guten Überblick über die Vorkommnisse und die Geschichte Albaniens und bringt uns so ganz nebenbei auch an den wichtigsten Gebäude der Stadt vorbei.

Stadtführung mit Eri, unserem guide – hier in ‚The Cloud‘, einem Pavillion erbaut von einem japanischen Künstler namens Sou Fujimoto

Am Abend essen wir in einer Bäckerei im alten Basarviertel bevor ich mir in einem der Cafés die zweite Halbzeit des Fußballspiels Albanien gegen Moldawien anschaue. Zur Freude der Einheimischen gewinnt Albanien 2:0 und die Welt scheint wieder in Ordnung zu sein. Andreas ist nicht so Fußball interessiert und verabschiedet sich etwas früher heute Abend. Ich besuche dann noch den Schlagzeuger im Charl’s Club, den ich in Elbasan kennengelernt habe und am Heimweg zu meinem Hostel kehre ich noch in die Hemingway Bar ein.

Ein wenig Nachtleben in Tirana – hier vor dem Charl’s Club

Bei einem Mojito und guter kubanischer Musik lerne ich hier einen Slowenen aus Marburg kennen, der mir noch viele gute Tipps für die kommenden Länder mitgibt.

18.06. Heute ist der letzte Tag von Andreas und so überlasse ich ihm, was er sich noch gerne anschauen möchte. Zuerst statten wir dem Historischen Nationalmuseum am Skanderbeg Platz einen Besuch ab.

Historisches Nationalmuseum von Tirana
Jungs aus dem Kosovo nach einem traditionellen Tanz am Skanderbeg Platz

Es ist das wichtigste Museum des Landes und allemal einen Besuch wert. Zumittag stärken wir uns bei Kaffee und Kuchen im Cafébereich des International Hotels am Skanderbeg Platz bevor wir uns eine kleine Kunstgalerie in der Nähe meiner Unterkunft anschauen.

In einer kleinen Kunstgalerie von Tirana – Andreas am Navigieren…
Vor der Oper in Tirana

Am späten Nachmittag besuchen wir noch einen Atomschutzbunker mitten in der Stadt, er wird hier Bunk Art 2 genannt. Diese Bunker wurden während der kommunistischen Zeit unter Enver Hoxha gebaut. Der Bunker war auch mit dem Innenministerium verbunden, dh im Notfall hätte sich zumindest die militärische Elite hierher retten können… Enver Hoxha fürchtete sowohl Amerikaner als auch Russen vor einem Überfall und ließ diese Bunker in großen Mengen erbauen, während das Volk nichts davon hatte. Nach einer weiteren Kaffeepause suchen wir uns noch das ehemalige Bahnhofsgelände, das sich nur ca. 1 km vom Skanderbeg Platz befindet.

Kinder beim Spielen – am ehemaligen Bahnhofsgelände der Stadt

Vor ca. 5 Jahren musste ja der Bahnhof von Tirana einem weiteren Boulevard weichen und so ist Tirana die einzige Hauptstadt Europas, die derzeit keinen Zugbahnhof hat. Die Städteplanung habe hier versagt, wie uns Eri, unser guide, erzählt hat. Danach essen Andreas und ich noch ein traditionelles Bohnengericht im guten Timy King Pils Restaurant in der Nähe meiner Unterkunft bevor wir uns verabschieden. Andreas fliegt ja morgen wieder zurück nach Wien und so wünsche ich ihm noch eine gute Heimreise. Wir haben allerdings auch schon wieder ein Wiedersehen geplant, das nächste Mal in Sarajevo in Bosnien. Wir werden sehen, bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit.

19.06. Da das Frühstück bei mir im Hostel erst um 08:30 beginnt, mache ich heute in der Früh einen kleinen Spaziergang und beobachte wie die Stadt schön langsam erwacht.

Moderne trifft Kirche – Alban Turm und der Glockenturm der Kathedrale der Auferstehung Christi, im Stadtzentrum von Tirana

Dann stärke ich mich im Hostel mit einem Porridge und einigen Nutellabroten. Heute habe ich mir vorgenommen einen weiteren Bunker zu besuchen, der ca. 6 km außerhalb der Stadt liegt. Bunk Art 1 wird er genannt und ein öffentlicher Bus bringt mich für 40 albanische Lek (umgerechnet 30 Cent) von der Oper in die Nähe des Bunkers. Auch diesen Bunker ließ der kommunistische Diktator Enver Hoxha erbauen um sich und seine Gefolgschaft im Falle eines Krieges zu schützen. Man kann nun den fünfstöckigen Bunker besuchen, der in ein Museum umgewandelt wurde.

Eingang zum Bunk Art 1, am Stadtrand von Tirana

Enver Hoxha litt Zeit seines Lebens unter Angst überfällen zu werden und so sind diese Bunker Produkte seiner Ängste und Paranoia. Dieser Bunker wurde 1978 fertiggestellt und bis zu seinem Tode 1985 hat Enver Hoxha diesen Bunker nur einmal selber besucht. Der Bunker hat Millionen gekostet und wurde paradoxerweise nie verwendet…

Versammlungshalle im Bunk Art 1 – im Notfall für Versammlungen im Kriegsfall, es kam nie dazu…

Am Nachmittag fahre ich dann mit der Seilbahn auf den Berg Dajt, einem Aussichtsberg von Tirana. Ich sitze hier gerade in einem Café mit Blick auf die Stadt Tirana und werde erst am Abend wieder in die Stadt zurück fahren.

Kurz vor 18h nehme ich dann eine der letzten Gondeln wieder in das Tal hinunter. Wunderschön der Blick auf die Stadt dabei und bei bekannter Doppelmayr Qualität der Seilbahn fühle ich mich ja fast ein wenig heimisch. Am Weg zurück in die Unterkunft esse ich nochmals im Timy King Pils Restaurant, dieses Mal Köfte (die Albaner sagen hier Qöfte) mit Brot und Tsatsiki, extrem gut und geschmackig auch diese Speise.

Qöfte mit Tsatsiki, Brot und ein King’s Pils – eine beliebtes Menü hier

Bei der zunehmenden Hitze beginnt mich auch mein Bart wieder ein wenig zu stören. Der Friseur neben der Moschee verbringt am Abend noch eine Stunde damit mir meine Haare zu schneiden und zu rasieren. Und das alles für umgerechnet 10 Euro. Frisch geschniegelt schaue ich mir noch die zweite Halbzeit des Fußballspiels Belarus gegen Kosovo an, das die Kosovaren leider mit 1:2 verlieren. Die Albaner sind darüber nicht erfreut, da im Kosovo größtenteils Albaner wohnen, die sogenannten Kosovoalbaner.

20.06. Nach dem Frühstück schaue ich mir noch einmal einige Gebäude entlang des Prachtboulevards genauer an, trinke gemütlich einen Kaffee, usw…

Maritim Hotel Plaza Tirana – einer der vielen Türme im Zentrum von Tirana
The Cloud – ein Pavillion, erbaut von einem japanischen Künstler namens Sou Fujimoto
Unabhängigkeitsdenkmal im Rinia Park im Zentrum von Tirana – es wurde zum Gedenken an die Gründung des unabhängigen albanischen Staates im Jahr 1912 errichtet

Um 11h habe ich mich dann für das Bankenmuseum in der Nationalbank von Albanien vormerken lassen.

Nationalbank von Albanien – am Skenderbeg Platz von Tirana
Flachrelief an der Aussenmauer der Nationalbank von Albanien

Das Gebäude befindet sich direkt am Hauptplatz und eine Mitarbeiterin der Bank empfängt mich hinter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Vorher muß ich noch meine Sachen inkl. Handy, Reisepass in einem Schließfach abgeben, bevor die Tour losgeht. Shpresa, die Frau, die mich durch die ersten beiden Stockwerke des Gebäudes führt, erzählt mir viel zu den ausgestellten Münzen und Geldscheinen. U.a. haben bereits die Illyrer, deren Nachfahren ja die Albaner sind, ab dem 6. Jhdt. v. Chr. Münzen gemacht bevor sie 168 v. Chr. von den Römer besiegt und als Provinz in das römische Reich eingegliedert wurden. Den albanischen Lek als alleinige Währung gibt es seit 1947. Vorher gab es auch noch den Franga, wobei 1 Franga = 5 Lek waren. Die Geldscheine wurden unterschiedlich in Jugoslawien (zw 1947 – 1949), Russland (1949 – 1954) und China (1954 – 1992) gedruckt, je nach dem zu welchem Land es gerade gute Beziehungen gab… Erst seit 1992 wird das Geld in Albanien selbst gedruckt. Heute bekommt man für 1 Euro ca. 100 Lek. Da wir völlig alleine in den alten Räumlichkeiten der Bank sind, gewährt sie mir auch interessante Einblicke was die albanische Bevölkerung heutzutage über den letzten König Albaniens, Ahmet Zog, und den kommunistischen Diktator Enver Hoxha denkt. Unter dem König Ahmet Zog zwischen 1928 und 1938 seien die Leute frei gewesen und auch sei er ein starker Mann gewesen. Allerdings wird ihm auch vorgeworfen, dass er Jugoslawien einen Teil des Ohridsees abgegeben hat um an die Macht zu kommen. Auch habe er die Goldreserven mit in das Exil nach Paris gemommen und die Bevölkerung so bestohlen… Also alles hat zwei Seiten. Er durfte allerdings während des Kommunismus unter Enver Hoxha nie mehr in sein Heimatland einreisen. Zu Enver Hoxha und den ca. 50 Jahren Kommunismus bis 1991 meinte sie, dass nicht alles schlecht gewesen sei. So sei während des Kommunismus noch der Zusammenhalt innerhalb der Familie stärker gewesen. Auch hätten sie alle zwar nicht viel gehabt aber doch jeder zumindest seine Arbeit. Der schlimmste Nachteil war, dass es keine persönliche Freiheit gegeben hat. Auch habe es keine Meinungsfreiheit gegeben. Die Albaner seien über viele Jahrzehnte hinweg eingesperrt gewesen und über die Realität außerhalb des Landes hinweg getäuscht worden…

Nach ca. 45 Minuten endet dann die Tour und mit dem Kopf noch bei den Erzählungen wechsle ich noch einmal ein paar USD, um weiter liquid zu bleiben… 🙂 Derzeit sitze ich wieder einmal im Timy King Pils Restaurant und esse noch einmal Fasule, das Gericht mit den großen Bohnen. Ich werde jetzt in die Unterkunft zurück gehen und noch um eine Nacht verlängern, die Stadt gefällt mir wirklich sehr gut. Am Nachmittag schreibe ich im Café Opera wieder einmal ein paar Postkarten, die ich auf dem zentralen Postamt aufgebe.

Beim Kartenschreiben im Café Opera

Im Anschluss daran besuche ich das ‚House of Leaves‘, das seinen Namen davon hat, dass es tatsächlich mit Blätter von Pflanzen bedeckt ist, die über seine Fassade klettern.

House of Leaves – früher als Geburtshilfeklinik erbaut, wurde das Gebäude mit der Machtübernahme der Kommunisten 1944 zum Hauptquartier des albanischen Geheimüberwachungsapparats Sigurimi

Es diente in der Zeit des Kalten Krieges und des Kommunismus in Albanien (1944-1991) als Hauptquartier des albanischen Geheimüberwachungsapparats, der berüchtigten Sigurimi. Die Sigurimi war etwa gleichzusetzen mit der Stasi (Staatssicherheit) in der ehemaligen DDR oder der Securitate in Rumänien. Das Gebäude war über Kabeln mit mehreren Gebäuden verbunden und so wurden zB die jugoslawische Botschaft in Tirana oder einige internationale Hotels mit ‚Wanzen‘ abgehört. Wer verdächtigt wurde, politisch anders zu denken, etc wurde entweder langjährig eingesperrt, gefoltert oder umgebracht. Es diente alles natürlich nur der Staatssicherheit, dem obersten Gut im Staat.

Karussell am Skenderbeg Platz von Tirana

Mit einem leichten ‚Knödel‘ im Bauch esse ich am Abend noch einmal Qöfte, Tsatsiki, etc und schaue mit den Einheimischen das Fußballspiel Färöer Inseln gegen Albanien, das die Albaner 3:1 gewinnen. Also keine Wiederholung des Färinger Pepis, für die, die sich noch erinnern können. So nebenbei erfahre ich auch, dass Österreich gegen Schweden zuhause 2:0 gewonnen hat. Schön langsam könnte es also doch einmal was werden mit einer EM (2024 in Deutschland). Vor dem Schlafengehen genehmige ich mir in der Hemingway Bar einen Daiquiri. Ein wenig Aufholbedarf habe auch ich, wie ich merke… 🙂

Hemingway Bar in der Rruga (Straße) Kont Urani im Zentrum von Tirana

21.6. Heute ist Sommer Beginn und der längste Tag des Jahres. Ich habe mir vorgenommen, wirklich einmal einen Rasttag einzulegen, bevor ich morgen wieder weiter gehe Richtung Shkoder und Shkoder See an die Grenze zu Montenegro. Nach dem Frühstück trinke ich in einem kleinen Café einen Espresso zum Munterwerden und nehme dann einen Bus, der mich zum Monument der Mutter Albaniens bringt.

Mutter Albanien Monument – sie soll symbolisch über dem ewigen Schlaf derjenigen wachen, die für sie ihr Leben gaben. 

Es befindet sich etwas außerhalb der Stadt auf einem Hügel, von der man einen sehr schönen Blick über die Stadt hat.

Blick auf das Zentrum von Tirana – vom Monument Mutter Albanien

Auch der nationale Märtyrerfriedhof Albaniens mit über 28.000 gefallenen Soldaten während des WK2 befindet sich hier. Während zwei Albaner Domino spielen, mache ich einige Dehnungsübungen um weiter fit zu bleiben. Dabei zeigt mir der rechts Sitzende oft die Faust, Zeichen des Kommunismus, und lacht dabei… 🙂 er dürfte nach wie vor überzeugt davon sein.

Albaner beim Dominospiel – in der Nähe des nationalen Märtyrerfriedhofs von Tirana

Derzeit sitze ich gerade in einem Café am Tirana See und werde schön langsam in die Stadt zurück gehen.

Am künstlich angelegten Tiranasee in der Nähe des Stadtparks
Marriott Hotel mit dem angrenzenden Fußballstadion in Tirana

Den letzten Abend in Tirana verbringe ich mit einem Stück Pizza und einer Dose Peja Bier aus dem Kosovo mitten auf dem Skenderbeg Platz. Die Sitzgelegenheiten, die an das Museumsquartier in Wien erinnern, sind ein idealer Platz um sich zu erholen und das Treiben auf dem Platz zu beobachten. Auch die Einheimischen machen reichlich davon Gebrauch, sodass alle Sitzmöglichkeiten am Abend so gut wie immer besetzt sind. Früh dran sein, heißt hier die Devise.

Skenderbeg Platz in Tirana – im Hintergrund die bunten Sitzgelegenheiten

Zum Platz selber muß ich sagen, dass ich ihn nach jedem Besuch immer mehr mochte. War er mir am Anfang zu leer oder zu groß, wusste ich später das immer mehr zu schätzen. Es ist eben ein Platz auf dem es noch viel Platz. Und die Einheimischen machen reichlich davon Gebrauch, sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad.
22.6. Während in der Unterkunft noch alles schläft, packe ich meine Sachen und verlasse nach genau einer Woche wieder Tirana. Wunderschön diese Stadt, denke ich mir nur. Zuerst geht es hinaus durch die Vororte, wo ich in einem Café, an einem See gelegen, frühstücke.

Fuhrwerk auf dem Weg nach Kruje

Nach ca. 30 km erreiche ich dann mein heutiges Tagesziel. Kruje, die Stadt am Fuße eines steilaufragenden Berges gelegen. Sie wurde vor allem dadurch bekannt, dass Skanderbeg (alias Georg!!!😉Kastrioti), der Nationalheld Albaniens, hier im 15. Jhdt bis zu seinem Tode mehrere Angriffe der Osmanen abwehrte.
Wie ich es so des öfteren handhabe, setze ich mich meist einmal bei der Ankunft in einem Ort in ein Café und trinke etwas. Dabei kann ich mich gut vom Gehen erholen und kann dann frisch ausgeruht auf Quartierssuche gehen. So verlaufen oft Verhandlungen über den Preis, etc weit ruhiger als wenn du noch müde vom Gehen bist. Und manchmal bekommst du auch von jemandem im Café einen guten Tipp für eine Unterkunft oder, wie dieses mal, gleich eine Einladung. Florian, der liebe Besitzer des Cafés am Rande von Kruje, bietet mir sofort an, dass ich auf seinem Grund hinter dem Lokal zelten könne. Nach einer kurzen Inspektion des Platzes komme ich zum Schluss, dass es wohl in ganz Kruje kein besseres Plätzchen für mein Zelt gibt.

Beim Zeltaufbau in Kruje – im Hintergrund rechts die Burg von Kruje

Zur einen Seite sehe ich hinunter auf das ca. 30 km entfernte Tirana und zur anderen Seite sehe ich hinüber zur Stadt Kruje, der Burg und dem dahinter liegenden Berg. Am Abend grillt Florian dann auch noch Qöfte, die wir uns mit einigen Kindern schmecken lassen.

Florian beim Qöftegrillen – in Kruje

23.6. Als ich beim Frühstück noch einmal die wunderschöne Aussicht auf die Burg genieße, kommt Florian vorbei und lädt mich auf einen Cafe bei sich ein. Vielen Dank Florian, Du hast mir sehr viel geholfen!!!

Mit Florian in seinem Café in Kruje

Auch erwähnt er, dass Österreich und Albanien in der Geschichte immer eine gute Beziehung hatten. Vor allem half das österreichisch-/ungarische Kaiserreich Albanien während der Balkankriege (vor dem WK1) die Osmanen fernzuhalten in dem es zwischen 1912 und 1915 eine Schutzmacht für Albanien war. So konnte Albanien 1912 von den Osmanen unabhängig werden und einen eigenen Staat ausrufen. Schön auch hin und wieder Positives aus der Geschichte zu hören… Dann verabschiede ich mich von ihm und schaue mir in der Burg das Skanderbeg Museum an. Dieses ist vor allem Skanderbeg und seinem Leben gewidmet ist.

Skanderbeg Museum in der Burg von Kruje
Gravur von Skanderbeg und seiner Gefolgschaft aus dem 16. Jhdt – im Skanderbeg Museum in Kruje

WIKIPEDIA: Durch seine Verteidigung des Fürstentums Kastrioti gegen die Osmanen wurde Skanderbeg berühmt und erhielt 1457 von Papst Calixtus III. sowohl den Titel Fidei defensor („Verteidiger des Glaubens“) als auch den Ehrentitel Athleta Christi („Kämpfer des Christentums“). Heute wird er von vielen als albanischer Nationalheld gefeiert.

Souvenirs, souveniers… Im alten Basar von Kruje

In der Zwischenzeit ist es auch hier in Albanien heiß geworden und die Sonne scheint vor allem um die Mittagszeit unerbärmlich darnieder. Ich habe mir heute vorgenommen entlang eines Flusses zu gehen. Bis mich ein Einheimischer mit seinem Auto aufmerksam macht, dass es auf dieser Straße Probleme mit Steinen gebe und ich daher einen anderen Weg nehmen solle. Nach ein wenig Bedenkzeit glaube ich ihm dann doch und gehe ein paar Kilometer Umweg bis in die Mittagszeit hinein, bevor es mir zu heiß wird.

Recht hatte er, der Einheimische…

Bei einer Baustelle frage ich um Wasser. Mit aufgefüllten Wasserflaschen packe ich bei einem passenden Plätzchen mein Zelt aus und lasse es trocknen. Währenddessen mache ich auf meiner Luftmatratze ein Nickerchen und lasse so die ärgste Mittagshitze vorbeiziehen. Gegen 16h fange ich dann wieder an zu gehen und während ich so gehe, hält ein Auto an. Von woher ich komme, fragt er in gutem Deutsch und reicht mir zwei kühle Flaschen Wasser. Er arbeite in Deutschland und habe die zwei Flaschen extra für mich gekauft, als er mich gehen sah. Dann sei er mir nachgefahren. Ihr seid wirklich unglaublich, ihr Albaner!

Schafhirte am Weg nach Lac

An diesem Abend gehe ich noch mehr als 30 km bis ich bei einbrechender Dunkelheit in die Stadt Lac gelange. Ich merke, dass ich von der Hitze völlig durchnässt bin. Ohne dass ich es vorhabe in einem Hotel zu übernachten, frage ich im Zentrum den ersten jungen Mann ob er hier ein Hotel kennt. Das Unterbewusstsein ist nicht zu unterschätzen… 🙂 In ca. 5 Minuten erreichen wir gemeinsam das Hotel Ambassador und um 25 € gibt mir die Angestellte ein gutes und vor allem kühles Zimmer. Nach einer Dusche esse ich im dazugehörigen Restaurant noch eine Gemüsesuppe und trinke eine Flasche Tirana Bier. So läßt es sich wieder leben… So nebenbei erzählt mir der junge Mann im Hotel auch noch, dass sein Vater vor 2 Jahren gestorben ist. Seit dem muß er als Juniorchef den Laden schupfen, mit 21 Jahren eine ganz schöne Aufgabe… Alles Gute!


24.6. Ich beginne heute früh zu gehen, da ich morgen in Shkodra, einer Stadt an der Grenze zu Montenegro, ankommen möchte. Ich sitze gerade in Lezhe, einer kleinen Stadt im NW Albaniens, und werde wieder so ab 16h weitergehen. Um ca. 18h erreiche ich mitten in der Landschaft ein Häuschen inmitten von Weingärten. Ich frage zwei Jungs um Wasser und letztlich endet es mit einer Einladung auf ein Peja Bier, selbst gebackenes Brot, selbstgemachten Käse und Gurken frisch aus dem Garten. Der Vater spricht gut Italienisch, so kann ich zumindest halbwegs verstehen was er meint. Er meint, dass schon einige Radfahrer bei ihm vorbei gekommen sind, Fußgeher allerdings noch keiner. Ist ja schon fast eine Auszeichnung, wenn man sowas hört… 🙂 Nach ca. 1 Stunde verabschiede ich mich von dieser netten Familie weil jetzt die beste Zeit zum Gehen ist. Kurz vor Dunkelheit stelle ich dann mein Zelt hinter einem Damm auf und schlafe mit dem Geräusch der verschiedenen Zirpen und Frösche ein.

Besuch auf meinem Zelt – am Weg nach Shkodra

Um ca. Mitternacht holt mich allerdings ein lauter Donner aus dem Tiefschlaf. In den letzten Stunden hat sich ein Gewitter über mich zusammengebraut. Durch das Zelt sehe ich zwar die einzelnen Blitze nicht, es schimmert nur die ganze Zeit zwischen den Farben Gelb und Rot durch das Zelt. So schön so ein Naturschauspiel auch ist, mit dem Schlafen war es für den Rest der Nacht vorbei.

25.6. Pünktlich mit Tagesanbruch hört auch der leichte Regen und das Gewitter auf, sodass ich aus dem Zelt klettere und einige Dehnungsübungen mache. Die Achillessehnen mögen den Asphalt nicht so sehr. Da muß ich aufpassen und eben auch immer wieder dehnen. Aber bald sollte ich eh wieder mehr weg vom Asphalt und auf Wanderwege kommen. Ich esse noch eine Gurke, die mir die Mutter von den Jungs von gestern aus dem Garten mitgegeben hat und esse mein letztes Brot dazu. Ich trinke meistens ca. einen halben Liter Wasser in der Früh, dann kann es wieder losgehen. Heute ist Sonntag und um ca. 8:30 höre ich die Kirchenglocken von der Ortschaft Nenshat. Hier beginnt gerade der Gottesdienst und die katholische Kirche ist gut besucht.

Katholischer Gottesdienst in Nenshat
Frau in ihrer traditionellen Kleidung – beim Gottesdienst in Nenshat

In dieser Gegend gibt es auch noch die meisten Christen in Albanien. Ich fülle hier meine Wasserflaschen auf und lausche eine Weile dem schönen Gesang bevor ich weitergehe. Gegen Mittag erreiche ich die nächste Ortschaft Mjede wo ich während der Mittagspause wieder einmal meine Sachen trockne. Um ca. 15h gehe ich weiter, da ich nicht zu spät in Shkodra ankommen möchte. Um diese Zeit wird es jetzt schon wieder ordentlich heiß und so mache ich kurz vor Shkodra noch einmal einen kurzen Boxenstopp. Gegen 19h komme ich dann im Hostel Mi casa es tu casa an, wo mich Samuel in die Gepflogenheiten des Hauses einführt.

Mi casa es tu casa Hostel in Shkodra – der Garten wurde von der Besitzerin Alma persönlich angelegt

Für 15€ die Nacht hat er mir für die nächsten vier Nächte ein Bett in einem 4 – Bettzimmer reserviert. Und so ist das erste wieder einmal eine Dusche, dann kommt die Wäsche dran. Da ich die letzte Nacht ja nicht viel geschlafen habe, gehe ich früh ins Bett und schlafe somit auch früh ein.

26.6. Nach mehr als 8 Stunden Schlaf werde ich kurz nach 5h früh munter und setze mich in den gemütlichen Aufenthaltsraum des Hostels. Eine etwas ältere Frau kommt auch in den Raum, öffnet die Türen, lässt Kaffee runter, etc… So frage ich sie ob ihr Name Alma sei und sie bejaht. Ich richte ihr dann die Grüße von Resi aus Tirana aus, die mir dieses Hostel empfohlen hat. Alma ist die Eigentümerin dieses Hostels und lebt hier mit ihren drei Hündinnen Mira, Bimba und Luna. Sie gibt mir einige Tipps für die Region, etc während ich ihren Kaffee verkoste. Nach 6h beginnt sich dann das Haus zu bewegen und sie kümmert sich um die restlichen Gäste. Ich hole mir meine trockene Wäsche von der Terrasse, und frühstücke in einem der Cafés in der Innenstadt. Am Vormittag schaue ich mir das Marubi Nationalmuseum für Fotografie an.

In der Fußgängerzone von Shkodra – rechts das weiße Gebäude mit den roten Fenstern ist das Fotografiemuseum

Es zeigt hier schwarzweiß Fotografien aus vergangenen Zeiten und zum Teil auch wie im 19. Jhdt fotografiert wurde. Das Museum besteht hauptsächlich aus ausgearbeitetes Bildern von Glasnegativen.

Marubi Nationalmuseum für Fotografie – in Shkodra
Glasnegativ im Marubi Nationalmuseum für Fotografie – es erinnerte mich auch an meinen Großvater mütterlicherseits, der anno dazumal auch mit dieser Technik arbeitete…
Albanerinnen in ihren traditionellen Trachten Ende des 19. Jhdt – ausgearbeitetes Foto eines Glasnegatives mit dem Gelatin-Silber-Verfahren

Es ist so interessant, dass ich mehr als drei Stunden darin verbringe. Danach lasse ich mir von einer lieben Schneiderin meine Hose nähen. So wie gestern eine andere Schneiderin einen Knopf annähte und nichts verlangte, will auch sie für ihren Dienst kein Geld nehmen… Wie oft während meiner Wanderung habe ich mir wohl schon gedacht, wer das bei uns noch machen würde…

Trafik in den Straßen von Shkodra

Bei einem Mittagessen im guten Restaurant Rubi treffe ich Samuel wieder, der hier auch als Kellner arbeitet. Dann gehe ich zurück ins Hostel und verbringe die heisse Mittagszeit mit dem Schreiben hier und ein wenig ausrasten. Den Abend verbringe ich u.a. bei einem Gottesdienst in der katholischen Kathedrale der Stadt und genieße die schöne Stimmung in der Innenstadt.

Vor der katholischen Kathedrale in Shkodra

27.6. Alma gibt mir heute morgen noch weitere Tipps für meine weitere Wanderung in die albanischen Alpen. Dann schaue ich mich in der Stadt um, die ja das Zentrum der katholischen Kirche in Albanien ist.

Am Bahnhofsgelände in Shkodra – die Züge nach Durres verkehren auch hier nicht mehr, ein Erdbeben vor ca. 4 Jahren habe lt. Alma eine Brücke zerstört, die seitdem nicht mehr aufgebaut wurde

Am späten Vormittag gehe ich dann zum Shkodrasee, wo ich in der Ortschaft Shirokke Mittagspause mache. Wunderschön der See, der von Bergen umgeben ist und der größte See des Balkans ist.

Interessante Mitbewohnerin am Shkodrasee, dem größten See am Balkan

Am Abend gehe ich zurück in die Stadt und gehe noch auf die Rozafa Burg hinauf. Sie thront über der Stadt und dem See und am Abend verfärben sich die Berge in wunderschöne Lilatöne.

Hier die beiden Zuflüsse des Shkodrasees Kir (links) und Drin – Blick von der Rozafaburg in Shkodra
Braut auf der Rozafaburg von Shkodra, im Hintergrund die Stadt Shkodra und die albanischen Alpen

Erst gegen 23h komme ich wieder zurück in die Unterkunft und schlafe nach einem sehr schönen Tag zufrieden ein.

28.6. Die Morgen in der Unterkunft beginnen immer mit einem Kaffee und einem Glas Wasser im Garten von Alma. Heute früh ist sie schwer beschäftigt sodass ich früh in die Bäckerei Velipoja frühstücken gehe. Am Vormittag besuche ich noch das historische Museum, wo ich ein junges Pärchen aus Linz-Urfahr treffe. Dann plaudere ich auch noch mit Felix, der hier das Museum überwacht. Ich habe mit noch keiner Person in Albanien gesprochen, die mit der Politik hier zufrieden wäre… 🙂

Historisches Museum in Shkodra
Keramik Büste eines Priesters oder Stammeshäuptlings aus dem 5. Jhdt v. Chr. – im historischen Museum von Shkodra

Derzeit verbringe ich die heiße Mittagspause wieder in der Unterkunft und plane ein wenig auch schon meine Wanderung in den albanischen Bergen und weiter dann in Montenegro. Am späten Nachmittag fragt mich dann Alma ob ich morgen zu einem Frühstück bei einer Freundin von ihr mitkommen möchte und ich bejahe. Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Am Abend treffe ich im Restaurant Temali zwei Radfahrer aus Lindau und wir verbringen einen lustigen gemeinsamen Abend.

Gëzuar (Prost)! Marvin (links, mit seinem Vater) ist mit seinem Fahrrad am Weg nach Indien, good luck! Der Raki schmeckte übrigens auch gut… 🙂

29.6. Gegen 8h fahren wir heute mit dem Bus von Alma zu ihrer Freundin in den Ort Guri i Zi. Es liegt ca. 7 km von Shkodra entfernt und wir bekommen reichlich Köstlichkeiten von ihrem Garten.

Frühstück bei einer Freundin von Alma – köstlich!

Zurück in der Unterkunft borge ich mir eines der Fahrräder des Hauses aus und fahre damit noch einmal zum Shkodrasee. Nach ein paar Runden Schwimmen im See sitze ich derzeit im gleichen Restaurant wie vorgestern und warte auf meine Pizza.

Auch die Jungs haben Spaß beim Baden im Shkodrasee

Die Pizza schmeckt gut und so strample ich noch eine Ortschaft weiter bis nach Zogaj. Den Abend verbringe ich noch einmal in der Altstadt von Shkodra und schlafe auf der Sofa, da heute alles ausgebucht ist.

30.06. Noch vor 6h früh verlasse ich heute mit meinem Rucksack das Hostel und frühstücke am Weg zur Mes Brücke Dhalle (Buttermilch) und Burek.

Mes Brücke am Weg zum Koman Stausee – ein Relikt aus osmanischen Zeiten

Ich kaufe auch gleich jede Menge von verschiedenen Burek so, da es am Weg zum Koman Stausee nicht viel Möglichkeiten zum Essen geben wird, wenn überhaupt welche. Ich passiere die Mes Brücke, eine Bogenbrücke aus der osmanischen Zeit und gehe bei zunehmender Hitze weiter bergauf Richtung Koman Stausee. Zumittag schaue ich Albanern beim Holzkohlemachen zu, bevor ich weiter gehe. Zweimal finde ich heute Nachmittag bei heißem Wetter den Weg nicht, was wieder einmal im Unterholz und einem Weg querfeldein endet.

Wäre ich am Weg geblieben, hätte ich Euch nicht kennengelernt… 🙂

Ziemlich durchschwitzt und wieder am richtigen Weg erreiche ich eine Gaststätte wo ich Wasser auftanke und viel trinke. Möchte ich morgen um 9h die Fähre am Koman Stausee erreichen, muß ich heute noch ein Stück weiter gehen. Was ich auch mache… Bei einbrechender Finsternis finde ich kurz nach 21h bei einer Kirche eine geeignete Stelle zum Übernachten. Ich übernachte auf meiner Isomatte vor der Kirchentür und sprühe mich davor noch mit Moskitospray ein.

Übernachtung vor der Kirche in der gut klingenden Ortschaft Vukjakaj-Gegaj

01.07. Bereits kurz nach 4h werde ich munter und während der Morgen graut packe ich meine sieben Sachen. Letztlich erreiche ich heute kurz nach 8h die Fährstelle und erfahre, dass die Fähre in ca. einer halben Stunde kommt. Es bleibt also noch Zeit für einen Kaffee und Käseburek. Auf Anraten von Alma nehme ich das Dragobia Schiff, das hauptsächlich Einheimische befördert und auch immer wieder Leute an verschiedenen Stellen ein- und aussteigen lässt.

Die Dragobia schippert uns den Drin Fluss Richtung Norden – am Koman Stausee
Nette Bekanntschaft an Bord der Dragobia – am Koman Stausee

In Markaj steige dann auch ich aus und gehe mit ein paar Einheimischen die paar Kilometer hinauf nach Lekbibay. Kaum in der einzigen Kneipe des Dorfes angekommen, legt ein ordentliches Gewitter mit viel Regen den ganzen Ort lahm. Inklusive Stromversorgung, etc…

Da bleibt kein Auge trocken – Unwetter in Lekbibay

Der junge Kellner ruft einen Freund von ihm an, der mir bei seiner Familie Unterschlupf gewährt. Er holt mich mit seinem alten Mercedes ab, da ich sonst sein Zuhause nicht finden würde. So komme ich auch noch zu einer Mercedesfahrt in Albanien… 🙂 Nach einer Dusche schlage ich mir mit einer Suppe und selbstgemachtem Brot und Käse den Magen voll. Danach lege ich mich nieder und schlafe am hellichten Tag fast 5 Stunden durch. Der Körper holt sich was er braucht. Am Abend wird gegrillt und ordentlich gefeiert.

Brel (links) mit seinen beiden Brüdern

So nebenbei erfahre ich von Brel, meinem Gastgeber, dass er auch einmal für 2 bis 3 Jahre in England war. Und er erzählt mir auch von der Überfahrt im Ärmelkanal in einem kleinen Boot.. 🙂 Jetzt betreibt er hier eine Unterkunft und verdient sich damit etwas Geld.

02.07. Nach einem albanischen Frühstück mit selbstgemachtem Brot, Käse, Kaffee und Raki zeigt mir der Vater von Brel noch eine kleine Abkürzung zurück zum richtigen Weg nach Abat und Theth in die albanischen Alpen. Über 1.200 Höhenmeter sind heute nach Abat zu überwinden. Doch bevor ich losgehe, gehe ich noch einmal zurück in die Bar von wo mich Brel gestern Nachmittag abgeholt hat. Nur nicht zum Schummeln anfangen, denke ich mir nur. Jeder Kilometer sei brav gegangen😉Dann geht es heute zuerst auf einer guten Straße hinauf bevor der Weg enger wird.

Am Weg nach Abat – hier in der Nähe der Ortschaft Lekbibay

Er ist allerdings gut markiert, sodass ich mich heute so gut wie nie vergehe.

Buchenwald am Weg nach Abat
Katholische Kirche in Abta

Gegen 16h erreiche ich dann die Ortschaft Abta wo ich im Guesthouse Shenaj eine Unterkunft finde. Den Nachmittag und Abend genieße ich heute mit etwas Ausrasten und Plaudern mit dem Hausherrn Sefi und seiner Tochter.

Sefi vor seinem Guesthouse Shenaj in der Ortschaft Abta

03.07. Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschiede ich mich von Sefi und seiner Familie und gehe ca. 10 km bis zum ersten Cafe.

Ausgiebiges Frühstück im Guesthouse Shenaj in der Ortschaft Abta
Hat es da jemand eilig? 😉 Am Weg nach Theth
Ortsschild auf Albanisch
Und Grabpflege auf Albanisch – es geht auch so… 🙂

Hier erzählt mir der Kellner, dass es in der Nähe ein sogenanntes ‚Blue Eye‘ gebe. Ich lasse meinen Rucksack bei ihm und gehe ca. 1 Stunde bis zu diesem natürlichen Wasserbecken mit einem Wasserfall, das eben aufgrund seiner Farbe den Namen ‚Blue Eye‘ bekam.

‚Blue Eye‘ in der Nähe von Theth

Ich sitze derzeit wieder im Café wo mir die Chefin Tave Dheu, ein traditionelles albanisches Gericht mit Käse, Tomaten, Zwiebeln, etc… macht. Nach einer kleinen Mittagspause werde ich heute noch die letzten Kilometer in die Ortschaft Theth gehen und dort irgendwo übernachten.

Gesamtkilometerca. 7.875

Fazit: Albanien ist fantastisch! Wunderschöne Natur, wilde Blumenwiesen, schöne Seen und Berglandschaften laden hier zum Verweilen ein. Letztlich bin ich überall ein wenig länger geblieben als geplant. Auch scheint jede Stadt in Albanien sich deutlich von den anderen Städten zu unterscheiden. Zudem ist das Preisniveau für unsere Verhältnisse noch recht niedrig und macht so den Urlaub noch leistbar. Natürlich sind die Albaner auch Meister der Gastfreundschaft und bei jedem Besuch wird zumindest ein Raki spendiert. Ohne Werbung für dieses Land machen zu wollen, kann ich es nur zu einem Besuch empfehlen. Natürlich gibt es auch Probleme in diesem Land, in dem der Kommunismus erst 1991 endete. Hohe Arbeitslosigkeit zwingt viele junge Albaner ins Ausland zum Geldverdienen zu gehen weil es zuhause keine Arbeit für sie gibt. Auch Korruption in der Politik, etc scheint immer noch ein großes Problem zu sein. So wird es wohl noch einige Zeit dauern bis aus dem EU Beitrittskandidaten ein EU Mitgliedsland wird. Ich wünsche dem Land und seinen Leuten alles Gute und vor allem eine friedliche Zeit!