NEPAL 2020 – Teil 4

Stranded in Nepal

Lower Mustang

22.03. Das chinesische Paerchen nimmt Rudra noch am selben Tag mit nach Pokhara. Ich beschliesse hier zu bleiben und geniesse im Hotel Lhasa wieder eine warme Dusche. Dann gebe ich meine Waesche zum Waschen und plane meine Weiterreise hier in Lower Mustang. Mein Plan ist weiterhin von hier nach Pokhara zurueckzuwandern.

Kagbeni – das Tor zu Upper Mustang

24.03. Da es hier in Kagbeni aufgrund der starken Schneefaelle zu einem laengeren Stromausfall kommt beschliesse ich nach zwei Naechten nach Jomsom zu gehen. Am Weg dorthin mache ich wieder in Old Kagbeni im Hillton Hotel (Betonung auf 2 l) eine Kaffeepause. Kurz darauf setzt sich ein Ukrainer zu mir und erzaehlt mir, dass seit heute frueh 06:00 ‘army hour’ hier in Nepal herrscht. Dh es gilt auch hier Ausgangssperre, die die Armee ueberwacht. In den Bergen wird es (noch) nicht so eng gesehen.

Als ich im HiLLton Kaffee von einem Ukrainer erfuhr, dass seit heute ‘army hour’ herrscht

Ich gehe weiter und erreiche ungehindert Jomsom. Am Ortseingang stehen 3 Armeejungs mit ihren MGs und ich erzaehle ihnen, dass ich ins Pride & Spa Hotel will. Sie lassen mich ungehindert passieren, weisen mich aber darauf hin eine Maske zu tragen, was ich dann auch tue. Im Hotel kennen Sie mich schon und geben mir auch wieder ein Zimmer.

Immer spassig die Zeit mit dem Koch und seiner Frau im Hotel Pride&Spa in Jomsom, Lower Mustang

Ich sondiere hier meine neue Lage. In der Zwischenzeit hoere ich auch von Tenzin, dem Hotelmanager, dass es wahrscheinlich in den naechsten Tagen nicht mehr moeglich sein wird weiterzugehen. Die Streckenposten halten einen auf. Auch wurden alle Hotel- und Lodgeeigentuemer dazu aufgefordert ihre Haeuser zu schliessen. Dh es wird nicht mehr moeglich sein eine Unterkunft zu finden, etc… Es wird auch hier von Tag zu Tag ‘ungemuetlicher’ und ich merke auch wie die lokale Bevoelkerung Abstand zu uns westlichen Touristen nimmt. Auch in den Medien hoeren sie wie stark das Corona Virus bereits in Europa verbreitet ist und sehen uns als Bringer dieses Uebels in ihr Land an. Am naechsten Tag versuche ich dann die Streckenposten auf einem Nebenweg via Thini zu umgehen. In Thini teste ich die Lage ab und frage einfach einmal ca 10 Hotelbesitzer um eine Unterkunft. Ich bekomm nur Absagen obwohl die Haeuser leer sind. Tenzin’s Worte finden hier Bestaetigung und anstatt nach Marpha (wo es vermutlich dasselbe sein wird) weiterzugehen, gehe ich wieder nach Jomsom ins Pride & Spa Hotel zurueck, wo ich zumindest eine Unterkunft habe. Am naechsten Tag treffe ich 5 andere Touristen, die die gestrige Nacht in einer Notunterkunft verbrachten da sie kein Zimmer fanden. Tenzin nimmt sie in seinem Hotel auf und am Nachmittag kommen nochmals ca 15 Touris nach Jomsom und quartieren sich auch im Pride & Spa Hotel ein. Tenzin erweist sich hier als sehr hilfreich, er gibt uns hier allen eine Unterkunft und verhandelt mit der lokalen Polizei einen Transport nach Kathmandu aus.

Die ‘Gang’ bereit zur Busfahrt von Jomsom nach Kathmandu

Es wird wohl die letzte Moeglichkeit werden hier wegzukommen, das naechste mal in 2 bis 3 Monaten wenn der lockdown zu Ende ist (vielleicht?). Es wird mir hier dann rasch klar, dass hier meine Wanderung zu Ende geht. Es ist einfach nicht die richtige Zeit hier zu sein, auch nicht in den Bergen… Am naechsten Tag vormittags wird dann von einem Polizisten eine Liste mit unseren Daten gemacht und mit einer Sondergenehmigung wird dann am nachmittag ein Bus bereitgestellt, der uns via Pokhara direkt nach Kathmandu bringt. Die Strasse nach Pokhara ist schlecht und gegen 2h frueh kommen wir im Yeti Hotel in Pokhara an. Tenzin ist als Dolmetsch mit von der Partie und erntet letzlich Applaus fuer seinen Einsatz hier uns alle rauszubringen. Ziemlich muede fallen wir alle ins Bett und schlafen ein paar Stunden. Simona aus Italien und Greg aus UK entscheiden sich in Pokhara zu bleiben und den lockdown abzuwarten. Sie haben ja noch ein Jahr Auszeit vor sich und zuhause wuerd sie ja auch nichts Besseres erwarten. Es hat so jeder seine eigene Geschichte und Gruende das eine oder andere zu machen. Der Song ‘Should I stay or should I go’ von den Clash findet hier grossen Gefallen…;-) Bei mir waer die Reise in ein paar Wochen sowieso zu Ende gewesen und nachdem an ein Wandern zumindest in der Fruehjahrssaison hier eh nicht mehr zu denken ist entschliesse ich mich mit nach Kathmandu mit zu fahren und auf einen geeigneten Flieger nach Europa zu kommen.

Kathmandu

Kurz vor Kathmandu hat der zweite Bus, der ebenfalls Touristen in die Haupstadt bringt, eine kleine Panne und ich nuetze die Pause um mit Burak vom Maya Home, Tushal und Herrn Sautter vom oesterreichischen Konsulat in Kathmandu Kontakt aufzunehmen. Nach unserer Ankunft in Kathmandu uebergibt mir Burak im Maya Home mein zurueckgelassenes Gepaeck, dann holt mich Tushal vorm Maya Home ab. Nach einigem Suchen finden wir gemeinsam in der Naehe seines Wohnorts das Kathmandu Regency Hotel, eines der wenigen Hotels das offen hat. Ich bekomme fuer 1.800 NRP die Nacht inkl Fruehstueck ein sehr schoenes Zimmer, ein wuerdiger Ausklang meiner Reise. Es gibt hier einen schoenen Innenhof und letztlich wird es mir auch ermöglicht am PC in der Rezeption meine Geschichten in Nepal online zu bringen. In Kathmandu wird die Ausgangssperre um einiges strenger gehandhabt als in den Bergen. Nur am Morgen zw ca 7 und 9h und am Abend zw ca 17 und 19h darf man hier rausgehen, nur mit Maske und vorwiegend nur um Lebensmittel zu kaufen. Noch nie habe ich Thamel, das Stadtzentrum von Kathmandu, so leer gesehen.

Menschenleeres Thamel, Stadtzentrum von Kathmandu – hier vor dem Kaffee Pumpernickel, ein ungewohnter Anblick…

Ich habe mich ja nach Anraten von einigen dt Wanderern schon vor einigen Tagen auf dem deutschen Rueckholprogramm fuer einen Flug mit Quatar Airways von Kathmandu via Doha nach Frankfurt gemeldet. Gestern bekam ich die Bestaetigung von der dt Botschaft, dass in den nächsten Tagen der naechste Flug nach Frankfurt geht und ich dafuer eingeplant sei. Deutsche werden natuerlich bevorzugt und als Nicht-Deutscher ist man quasi auf standby. Ich glaubs erst wenn ich im Flieger sitz…:-)

Wer haette zu Beginn meiner Reise gedacht, dass diese Reise so zu Ende geht. Aber es gibt definitiv schlechtere Orte als in Nepal zu stranden. Die Nepalis erweisen sich auch in dieser Situation als sehr human, nachsichtig und hilfsbereit. Ein wahrer Schatz dieses Volk und ich werde mich sicher ewig an diese Situation und an die Leute hier erinnern!

PS: Und grad in dieser Minute erreicht mich ein mail, dass es morgen einen Flug von hier nach Prag geben wird, hurra!!

Es geht letztlich dann alles sehr schnell, Sachen packen, Geld zurückwechseln, etc… und schon sitzen wir in einem Hotel in der Naehe des Sammelplatzes in Thamel und warten auf den Shuttle Bus der uns zum Flughafen bringt. Ich lerne hier Mimi aus Wien kennen, die hier schon seit ca 15 Jahren lebt und auch abrauscht in die Heimat. Da sie um ein Hauseck zuviel Gepäck dabei hat bittet sie mich einen Teil Ihres Handgepaecks zu uebernehmen. Letztlich lassen sie uns alle beim check-in durch.

Mit Czech Airlines retour von Kathmandu nach Prag – ein Danke an die Tschechen!

Ca 2 Stunden später sitzen wir dann in einem mittelgrossen Vogel der Czech Airlines, der uns gemeinsam mit vielen Tschechen via Jerewan (Armenien) gut nach Prag bringt. Hier wird uns das Fieber gemessen und wir unterschreiben einen Wisch, der uns nach unserer Heimkehr zu einer 14-tägigen selbstüberwachten Heimquarantäne verpflichtet. Wird das angenehm…;-) Und so gegen halb zwei in der frueh finden wir uns dann wieder in einem Shuttle Bus der uns in einer Nacht und Nebel Aktion gut über die Grenze nach Österreich und nach Wien bringt. Am Wiener Hauptbahnhof ist um 6h morgens alles wie ausgestorben, nur der gute Anker Bäcker hat offen. Nichts wie hin auf einen guten Cappuccino und eine Zimtschnecke…;-) Und Mimi und ich müssen lachen als uns die Verkäuferin mit Ihrem Dialekt bedient, spätestens da weiss man wieder dass man zuhause ist.

Im Zug von Wien nach Linz – selbst Schaffner gibt es keine mehr…

Um halb sieben sitz ich so gut wie alleine im Zug nach Linz, die Fahrkarte hätte ich mir sparen können. Für ‘soviele’ Passagiere rentiert sich wohl kein Schaffner mehr. Eine halbe Stunde später geht ein Postbus nach St. Veit von wo ich dann die letzten Kilometer zu fuss nachhause in den Schallenberg gehe.

Zuhause im Schallenberg

Fazit:

Es waren wunderschöne 6 Monate in Nepal und Indien und ich konnte letztlich so gut wie alle meine Reiseziele besuchen, die ich mir vorgenommen hatte. Speziell die Bergwelt in Nepal ist halt schon was Besonderes, auch wenn es diesmal ein eher abruptes Ende genommen hat. Aber auch solche Situationen gehören zum Reisen und ich möchte keines dieser Erlebnisse missen.

4 Kommentare

    Haider Hermann

    Servus Georg!
    Scheen, dasd wieda do bist!
    Du wirst uns bestimmt von deinen künftigen Vorträge benachrichtigen.
    Vielleicht geht sich ja auch einer in Waxenberg aus, wenn die Luft wieder reiner ist ;-))
    Und bitte bei Gelegenheit am Amt vorbeischaun, du weist ja, wo ich sitz.
    Alles Gute weiterhin & xund bleibn!!!
    Hermann

      Georg

      Lieber Hermann,
      auch ich geniesse wieder das Zuhause sein und erfreue mich dem frühlingshaften Wetter!
      Wir werden sehen was sich vortragsmäßig ausgeht und wenn’s passt schau ich wieder einmal bei Dir am Amt vorbei.
      Liebe Grüße und alles Gute weiter, Georg.

    Ingrid

    Bei allem was wir in Österreich mit der Covid-19 Pandemie erleben, war es sehr interessant und eigentlich erschreckend, dass dieses ‘Monster’ sogar die abgelegensten Orte dieser Welt erreicht. Ich bin froh, dass du gut daheim angekommen bist!
    Ich wünsche dir ein schöne Zeit daheim und hoffe, dass wir uns bald mal wieder sehen werden.
    Alles Liebe – und g’sund bleiben!

      Georg

      Stimmt! Nepal hat vor allem präventiv alles dicht gemacht und ist mit den Maßnahmen dem ‘großen Bruder’ Indien gefolgt. Wir werden sehen wie es in diesen Ländern weitergeht…
      Freu mich auch schon wieder auf ein Wiedersehen mit Dir, wann auch immer und bis dahin xund bleim!
      Liebe Grüße und alles Gute Georg.

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