INDIEN 2019_2020 – Teil 1

I. Uttar Pradesh

Varanasi

Letzlich wird es dann in Nepal ca. Mitte Dezember doch in hoeheren Gefilden zu kalt zum Wandern (es faellt auch der erste Schnee) und so verhalte ich mich wie bei uns daheim die Schwalben, ich ziehe weiter in den Sueden.

Kurz vor der Grenze zu Indien lege ich noch einen kurzen Stop in Lumbini, dem Geburtsort Buddhas, ein und einen Tag spaeter gibt es ein Wiedersehen mit Varanasi im noerdlichen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Ich geniesse es an den ghats das rege Leben zu beobachten und die Sonnenauf- und untergaenge am Assi Ghat in der Naehe meiner Unterkunft zu erleben.

Morgengrauen am Assi Ghat in Varanasi (ehemaliges Benares), Uttar Pradesh, Indien

Da es in Varanasi im Dezember auch immer noch relativ frisch ist und mich immer noch ein Reizhusten aus dem Himalaya plagt beschliesse ich Richtung Suedindien zu fahren und Bundesstaaten wie Kerala und Tamil Nadu zu besuchen. Von Weihnachten merkt man hier so gut wie nichts und so kommt nur bei Anrufen zuhause ein leichtes Weihnachtsgefuehl auf…

II. Maharashtra

Mumbai (ehemaliges Bombay)

Gemeinsam mit einem Perser und zwei indischen Familien verbinge ich mehr als 30 Stunden in einem Zug von Varanasi nach Mumbai, die wirtschaftliche Metropole Indiens. Zugfahren ist immer ein Hit in Indien, es wird auf engstem Raum geplaudert, Essen geteilt, gelacht, gespielt. In den Gespraechen erfahre ich, dass Hochzeiten in Indien immer noch grossteils arrangiert sind und letzlich oft Familienentscheidungen sind. Solange ist es ja bei uns zuhause auch noch nicht her, dass es so war…

Letzlich kommen wir am spaeten Nachmittag in Mumbai an und ich quartiere mich in der Naehe der Central Station in einem hostel ein.

Central Station in Mumbai (ehemaliges Bombay), Maharashtra, Indien

Mumbai ist hektisch, es herrscht viel Verkehr, es wird gehupt und die Leute laufen in den Strassen. Das Leben ist hier sehr schnell und es geht hier vor allem um eines wenn man hier lebt, Busienss, Geld… Mir gefaellt diese Stadt trotzdem, sie hat noch etwas von dem kolonialen Charme. Es gibt viele kleine shops in den Strassen wo man bestes Essen wie paratha ( mehrschichtige Brotfladen), gebratenes Huehnchen, gebratenen Reis, usw bekommt. Ich besuche das Gateway of India, die Elefanteninsel mit Ihren Hoehlen und Goetterfiguren und verbringe die Abende meist am Marine Drive am Strand wo die Einheimischen sich zum Sonnenuntergang auf ein Schwaetzchen treffen.

III. Goa

Goa eilt wohl schon der Ruf voraus. War es vor Jahrzehnten beliebt bei den Blumenmaedchen ist es auch heute noch ein wenig so die Absteige einiger Europaer, die dem kalten Winter in Europa entgehen wollen. Gemeinsam mit Ayumu, einem Japaner aus Tokyo, verbringe ich drei schoene Tage am Meer, besuche ich die ca 400 Jahre alten Kirchen in Old Goa und geniesse die guten Fische hier an der Westkueste Indiens.

Neujahrsanstoss mit Ayumu, dem Japaner in Goa, Indien
Franz von Assisi Kirche in Old Goa, Goa, Indien

Das Feuerwerk zu Sylvester am Strand war definitiv das wildeste das ich je erlebet habe. Die Raketen flogen Dir quasi links und rechts ueber den Kopf…:-)

IV. Karnataka

Hampi

Ich wollte immer schon einmal nach Hampi, einem bedeutenden Pilgerort im suedlichen Indien. Mein Freund Panagiotis aus Athen hat mir vor ca 10 Jahren als wir uns in Afrika kennenlernten davon vorgeschwaermt wie schoen es hier sei. Nun, ich muss sagen, es halt alles gehalten und statt zwei oder drei Tage blieb ich eine ganze Woche. So hatte ich Zeit viele kleine Wanderungen zu den abgelegenen Steintempeln durch Reisfelder und Bananenplantagen zu machen.

Hanuman Languren beherrschen den Pilgerort Hampi, Karnataka, Indien
Bildnis von Hanuman, dem “Affengott”, in Hampi, Karnataka, Indien
Steinerner Streitwagen im Vittala Tempel in Hampi, Karnataka, Indien

Greg, ein kanadischer Journalist und schon im Ruhestand, verbringt hier schon seit 15 Jahren die Winter und macht mich mit dem halben Dorf bekannt…

Bangalore

Die Hauptstadt des Bundestaates Karnataka ist als das Silicon Valley Indiens bekannt. Grosse internationale Firmen, selbst auch IBM, haben hier grosse Zentren. IBM beschaeftigt allein in Bangalore mehr als 100.000 Mitarbeiter… Geetha, die aus Bangalore kommt und derzeit bei der IBM in Bruenn/CZ arbeitet ist gerade zuhause bei Ihrer Familie und sie laedt mich ein zur Taufparty Ihrer kleinen Nichte zu kommen. Bei einem hervorragenden brunch lerne ich Ihre gesamte Familie und Freunde kennen, es war ein sehr schoenes Wiedersehen. Naechstes mal wieder in Wien oder eben Bruenn.

V. Kerala

Munnar

Munnar ist die naechste Station meiner Reise Richtung Sueden. Die kleine Stadt liegt auf ca 1.500 Meter und hat daher ein sehr angenehmes Klima. Die Briten haben das als damalige Kolonialherren auch erkannt und begannen mit Teeanbau, der auch heute noch betrieben wird.

Teepflueckerin in Munnar, Kerala, Indien

Es ist ueberall gruen hier soweit das Auge reicht. Nur derzeit ein wenig ueberlaufen von Tamilen, da im angrenzenden Bundesstaat Tamil Nadu gerade Neujahr gefeiert wird…

Kumily

Ich fahre daher weiter nach Kumily, das vor allem fuer seine Gewuerze bekannt ist und verbringe zwei schoene Tage inmitten von Natur pur. Speziell die Geraeusche in den Naechten wenn dann die vielen Tiere aktiv werden sind mir noch gut in Erinnerung. Im Periyar Nationalpark mache ich mit den Tamilen eine Bootsfahrt bei der wir unter anderem viele Vogelarten und Elefanten sehen koennen.

Allepey

Manchmal passiert es so… Du kommst wo an, hast nicht viel davon gehoert und doch merkst Du vom ersten Augenblick an, dass Dir dieser Ort gefaellt. Allepey war so einer und so wurden aus einer geplanten Nacht fuenf. Die kleine Stadt liegt an einem See und angrenzenden Wasserkanaelen, die hier auch unter backwaters bekannt sind. Im KTC Guesthouse quartiere ich mich fuer 800 Rupien die Nacht in einem wunderschoenen alten Zimmer mit Ventilator ein. Martin gibt mir viele Tips fuer die Stadt, u.a. die Bootsfahrten nach Kavalam und Pullinkoonu mit einem government Boot.

Fischer in den Wasserstrassen (backwaters) von Allepey, Kerala, Indien
Einheimischer in Kavalam, Kerala, Indien
Kingfischer in den Wasserstrassen von Allepey, Kerala, Indien

Vor allem die Bootsfahrt nach Kavallam, die schon um 6:30 morgens beginnt ist unsagbar schoen und ich mache sie gliech dreimal…:-) Das Boot gleitet durch die Kanaele wo immer wieder Einheimische zu- und aussteigen. Speziell am Morgen sind die verschiedensten Voegel wie der blaue Kingfischer, Kormorane, verschiedene Storch- und Reiherarten und viele mehr zu beobachten. Es ist mir als wuerde ich eine Universumserie ueber Voegel sehen…

Gebratener Pomfret (Seebrasse) mit Zitronenreis, ein Spezialitaet im Restaurant Thaff in Allepey, Kerala, Indien

Trivandrum

Mit einem weiteren government Boot geht es dann einen ganzen Tag weiter Richtung Sueden und Kollam von wo ich dann mit zwei Inderinnen aus Mumbai noch mit dem Nachtzug in Trivandrum, der Hauptstadt Keralas, ankomme. Am naechsten Morgen besuchen wir noch den Sree Padmanabhaswamy Tempel, der von aussen wunderschoen ausschaut. Weiter komme ich auch nicht da der Besuch fuer Nicht-Hindus untersagt ist.

Morgenbesuch im Sree Padmanabhaswamy Tempel, Trivandrum, Kerala, Indien

Tamil Nadu

Kanyakumari

Seit gestern befinde ich mich am suedlichsten Ende Indiens im Pilgerort Kanyakumari. An diesem Ort kannst Du Sonnenaufgang und -untergang ueber dem Meer erleben. Das wissen auch die Inder und sie kommen hierher in Massen.

Fischer bei der Morgenarbeit in Kanyakumari, Tamil Nadu, Indien

Ich werde morgen mit dem Nachtzug entlang der Ostkueste Indiens wieder Richtung Norden reisen und plane ca Ende Februar wieder in Nepal zu sein.

Fazit

Der Sueden Indiens ist komplett anders als der Norden. Sprache, Leute, Kultur, Essen und letztlich auch Denkweisen. Speziell Kerala hat es mir angetan mit Allepey, den Wasserstrassen und der wunderschoenen Natur und den Straenden. Auch ist es einer der wenigen Bundesstaaten in Indien wo mir die Inder nicht zu aufdringlich erscheinen und es sehr angenehm war zu bleiben.

18 Kommentare

    Ingrid Denks

    Hi Georg,
    dein Reisebericht ist wie immer phaszinierend! Danke!
    LG und fleißig weitere Erfahrungen sammeln 😉
    i.

      Georg

      Hi Ingrid,
      vielen Dank, ich versuch mein Bestes.
      Liebe Grüße und wünsch Dir auch weiter alles Gute, Georg.

    heindl johann

    hallo georg habe mir gerade deinen bericht über südindien angeschaut interessant und wunderbar. ich habe hier eine südinderin rosmarie kennengelernt sie studiert im softwarepark sie ist katholisch ich war ein bisschen überrascht wie ich das gehört habe sie hat mir gesagt das es viele katholiken gibt in südindien. ich wünsche dir noch eine schöne zeit in indien und nepal und bleib gesund und pass auf dich auf. un fuerta abrazo hansi!!!

      Georg

      Hallo Hansi,
      freut mich wenn Du meinen Bericht interessant findest!
      Im südlichen Bundesstaat Kerala ist der christliche Anteil etwa 20% gemessen an der Gesamtbevölkerung in Kerala, also ganz schön hoch. Auch ist hier die kommunistische Partei am Regieren, die Analphabetenrate geringer als 10% (die geringste in alles 29 indischen Bundesstaaten), die verschiedenen Religionen wie Hindus, Muslims und Christen leben in Kerala friedlich zusammen. Was im restlichen Indien leider nicht immer der Fall ist…
      Wünsch Dir auch weiter alles Gute und Grüße nach Hagenberg, Georg.

    Kurt

    Lieber Georg, weiterhin eine gute Reise und bring noch viele interessante Geschichten mit Heim! LG, Kurt

      Georg

      Lieber Kurt, danke und das werd ich machen…🙂
      LG Georg.

    Peter Hartl

    Lieber Georg !

    Dir scheint es ja super gut zu gehen. Nur weiter so. Schöne Geschichten.
    Pass auf wenn du wieder zu Hause bist das der Kulturschock nicht all zu groß wird. 😉
    Dein Auto habe ich bewegt, alles ok in deinem Haus.

    glg Peter

      Georg

      Lieber Peter,
      mir geht’s hier bestens, auch die Wärme hat mir gut getan.
      Was den zu erwartenden Kulturschock angeht kann ich aus sagen, daß ich mich normalerweise immer recht schnell wieder auf neue Umgebungen einstellen kann, mal schauen…;-)
      Und schön auch zu hören, daß zuhause alles in Ordnung ist, vielen Dank nochmals dafür!!!
      LG und auf bald wieder im Mühlviertel, Georg.

    Herbert

    Danke für Deine Worte, die mit ein bißchen Reiseerfahrung wunderschöne Bilder mit Ton und Geruchskulisse im Kopf entstehen lassen. Karin macht gerade Sambar zum Frühstück:-) . Schön, daß Du läufst und läufst…und Deine Gesundheit im Auge hast. Freue mich auf einen Schwarz bei einem Bierchen. LG Herbert

      Georg

      Hallo Herbert,
      jaja, die südindischen Saucen haben es in sich, geniesse es… ich muß hier auch aufpassen, daß ich nicht jeden Tag zuviel esse…;-)
      Und stimmt, die Gesundheit ist ein kostbares Gut auf das man immer schauen muß…
      Freu mich auch schon wieder auf ein Plauscherl mit Dir bei einem Bierchen.
      LG, auch an Karin, Georg.

    Claus

    Take care

      Georg

      Will do…

    Paul Hofmann

    Ganz herzlichen Dank Jorgito fuer den interessanten und schoenen Bericht ueber Indien. In meiner “Jugend” war ich ja auch schon 2-3mal dort, aber nie sooo ausgiebig.
    Jetzt geniesse ich die “Ruhe” hier in Kolumbien und wuensche dir weiterhin viel Spass und super Erlebnisse.
    Meine Mutter/96 – in Rapperswil/Schweiz – erinnert sich auch an dich, wenn ich sie frage. Auch von ihr schoene Gruesse und bis bald wiedermal…??? Wo??

      Georg

      Freut mich Pablo wenn Dir mein Bericht gefällt!
      Hoffe auch wir sehen uns bald wieder! Vielleicht zieht es mich ja doch auch wieder einmal nach Südamerika, dann aber sicher…😉 sonst halt wieder einmal bei einem Deiner Heimatbesuche oder in vielleicht ja auch einmal in Österreich? Bist auf alle Fälle herzlich eingeladen…
      Liebe Grüße, auch an Deine Familie und Mutter, und alles Gute, Georg.

    Silke

    Schön, deine Reiseerfahrungen zu lesen und die schönen Bilder zu sehen.

    Mein jüngerer Sohn ist mit einer Inderin zusammen, die in Wien geboren wurde. Vater und Mutter sind Sikh und stammen aus dem Norden von Indien.

    Ihr Bruder wurde mit einer Inderin verheiratet, die direkt aus Indien nach Wien kam. Er durfte sie selbst aussuchen.

    Die Akzeptanz der Beziehung mit einem Österreicher ist langsam und vorsichtig. Bin gespannt, was noch kommt.

      Georg

      Hallo Silke,
      freut mich daß Dir meine Bilder gefallen.
      Ja, sie dürfen sich die Partner natürlich auch selber aussuchen und nach dem Einverständnis der Eltern auch heiraten.
      Lass Dich überraschen bzgl der Beziehung Deines jüngeren Sohnes, ich kenn auch einige derartige Beziehungen die sehr gut gehen.
      Liebe Grüße und alles Gute, Georg.

    Gerhard Schiener

    Hallo lieber Georg, wunderschöne Bilder und gute Texte, würde sehr gerne,
    mit Dir Reisen, da es nicht möglich ist möchte ich mich bei dir bedanken dass
    ich wenigstens, dank deiner Reiseberichte, im Gedanken mit Reise.
    Vielen Dank

      Georg

      Hallo lieber Gerhard,
      freut mich, dass Dir meine Geschichten gefallen und ich Dich so ein wenig mit auf die Reise nehmen kann.
      Wir muessen uns definitv wieder einmal in Wien treffen nach meiner Rueckkehr!
      Liebe Gruesse, auch an Potula, und viel Gesundheit wuenscht Dir Georg.

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