05.10. Da ich wieder einmal eine Dusche brauche und hier auch länger bleiben möchte, quartiere ich mich für 350 TL im Nicea Hotel ein. Während mir die Putzfrauen die Wäsche macht, besorge ich mir zwei neue Ersatzheringe. Da es hier keine Heringe für mein Zelt gibt biegt mir ein geschickter Türke zwei 200er Nägel zurecht. Sie sind zwar etwas schwerer aber brechen auch nicht so schnell. Dann besuche ich das sehenswerte Museum mit Fundgegenständen hier aus Ephesus.

Als ich vom Museum zurückkomme, bringt mir die Putzfrau die gewaschene und trockene Wäsche. Frisch geschniegelt gehe ich mich mit meiner Hose und meinem Zelt wieder einmal zu einem terzi (Schneider), der mir versichert bis morgen wieder alles geflickt zu haben. Dann mache ich noch eine Runde in der Stadt, esse im Zentrum der Stadt und liege wiederum vor 20h im Bett und schreibe diese Zeilen.
06.10. Heute werde ich die antike Stadt Ephesus besuchen und habe mir dabei einiges vorgenommen. Zuerst frühstücke ich in einer kleinen Bäckerei Börek und Simit bevor ich mich zu Fuß auf den Weg Richtung Ephesus und dem Haus der Mutter Maria mache. Es ist immer ein ganz eigenes Gefühl so in alten Überresten von Städten zu gehen mit der Vorstellung, dass diese vor Jahrtausenden erbaut und entstanden sind.

Ephesus, oder Efes wie es in der Landessprache auch genannt wird, ist natürlich ein Besuchermagnet und bereits um 9h morgens werden Touristen in großen klimatisierten Bussen herangebracht. Es gelingt mir gerade noch vor dem großen Andrang einen ersten Eindruck der Stadt zu bekommen, bevor ich weiter zum Haus der Mutter Maria gehe. Diese Kapelle auf einer Anhöhe von ca. 380m wird von Pilgern als möglicher Wohn- und Sterbeort der Maria Mutter Gottes gesehen.

Danach gehe ich noch einmal zu den Überresten der antiken Stadt Ephesus zurück um sie mir noch genauer anzusehen. Am Weg hinunter nach Ephesus verabschiede ich mich auch vom Meer und der Ägäis. In Ephesus angekommen stärke ich mich mit einem halben Liter Wasser, die Preise sind hier ein Vielfaches vom Normalpreis. Allerdings schon sehr beeindruckend wieviel noch von dieser ehemaligen römischen Hauptstadt der römischen Provinz Kleinasiens erhalten ist.


Auch ein österreichisches Archäologenteam war hier mit den Ausgrabungen beschäftigt und ist es auch heute noch.

Ziemlich müde komme ich nach ca. 20 km wieder zurück nach Selcuk und schaue mir auch kurz noch den Artemistepel und die Johanneskirche an.

Nach einer kurzen Stärkung bei Wasser und Cay hole ich mir vom Schneider die Hose und das genähte Zelt ab. Einwandfreie Arbeit um 30 TL (keine 2 €). Als ich ihm Trinkgeld geben will lehnt er dankend ab. So sind sie, die Türken… Ich kaufe mir dann noch einen Lippenschutz in der Apotheke, da der Wind und die Sonne noch immer sehr stark sind hier untertags. Auch das Ladekabel für mein Handy hat den Geist aufgegeben. Schön langsam wird mein mitgebrachtes Material müde, wie mir scheint… 🙂
Morgen früh geht es von hier wieder weiter landeinwärts Richtung Osten und dem zentralen Anatolien.
07.10. – 09.10. Ich verließ am 7. Oktober Selcuk in Richtung Osten und Sirince.



Die letzten drei Tage ging ich also weg von der Küste und landeinwärts in das große Anatolien. Hier ist gerade Erntezeit. Jeden Tag kommen mir viele Traktoren entgegen, geladen mit Strohballen, Baumwolle oder Holz. Auch hier steht der Winter vor der Tür.

Manchmal wird es auch eng auf den Straßen und ich muß aufpassen, daß mich nicht einer der LKWs oder Traktoren ungewollt mitnimmt.

Die Gegend ist relativ flach, so komme ich gut voran. Gehen, Essen, Trinken und Schlafen könnte man die letzten Tage wohl am besten beschreiben bei meinem Spaziergang nach Jerusalem.


Es gelingt mir immer wieder eine geeignete Unterkunft zu finden, bei den Preisen hier kann ich nicht widerstehen. So war es das Itak Hotel bei der Tankstelle in Ortaklar (195 TL), das Aydın Cembilitas Hamam Otel in Aydın (350 TL) und gestern das Kolcuoğlu Hotel ebenfalls bei der Tankstelle in Yenipazar (120 TL).
10.10. Ich gehe die paar Kilometer vom Hotel zurück nach Yenipazar und erledige ein paar Telefonate, die bereits anstanden. Es ist hier das Land der Baumwolle. Die Ernte hat jetzt voll eingesetzt und wie ein Tourguide aus Pamukkale erklärt, können auch viele der Einheimischen davon leben.

Die Bauern bringen auch die Strohballen für den Winter heim, die Kühe werden es ihnen danken.

Gegen Abend erreiche ich dann doch noch die Ortschaft Pirlibey. ‚Es gebe hier keine Unterkunft, nur im ca. 5 km entfernten Kuyucak‘, wird mir gesagt. Da es allerdings bereits finster wird auch keine gute Option. Auf meine Frage, ob es möglich wäre, in der Moschee zu schlafen, meint ein Einheimischer, er müsse den Imam fragen. Ich höre ihn darauf hin mit ihm telefonieren, viel ‚tamam‘ (okay) und nach ein paar Minuten sagt er mir, dass auch der Imam einverstanden ist. Zuvor esse ich noch eine sehr gute pide im einzigen Esslokal des Ortes. Immer wieder interessant zuzusehen, wie der Teig gestreckt wird und die länglichen Teigformen dann im Holzofen verschwinden. Zurück am Dorfplatz lerne ich Yusuf kennen, der 18 Jahre in Linz in der Voest und in der Schiffswerft gearbeitet hat. Jetzt ist er in der Pension und lebt wieder in seinem Heimatort.

Er spricht noch immer sehr gut Deutsch und zeigt mir dann so gegen 21h in der Moschee den Platz, wo ich die Nacht verbringen kann. Er übernimmt die Rechnung für cay, cahva, etc, ich sei der Gast des Dorfes – vielen Dank Yusuf und all ihre Türken!

11.10. Ich wache früh auf und während ich meine Sachen zusammenpacke kommt auch schon der Imam vorbei. Er wusste von mir und wir tauschen uns so gut es geht aus bevor er zum Gebetsruf ansetzt. Übrigens hat er dies hier noch selbst getan, von wegen Tonband, etc… Während zwei oder drei Gläubige zum Beten kommen, verlasse ich auch schon wieder die Moschee und werde letztlich auch noch zum cay eingeladen. Ich gehe heute bei staubiger Luft über 40 km, teils durch eine große Baustelle wo eine neue Straße gebaut wird. Zweimal halte ich einen LKW an um mir einen halben Liter Wasser zu geben. Einmal bleibt einer selber stehen und gibt mir zwei hartgekochte Eier und Brot raus.

Nach mehreren Cay Pausen erreiche ich dann ein Hotel mit einem Thermalbad. Genau das Richtige für mich heute und kurz darauf sitze ich schon im warmen Thermalwasser und entspanne mich vom langen Tag. Auch hier spricht der Besitzer Thair gut Deutsch und wir verbringen den Abend gemeinsam.
12.10. Zum Frühstück esse ich heute etwas von meinem Müsli. In Sarayköy macht mir eine Frau eine Kelle Paca csorba. Es ist dies ein Suppe mit Fleischstückchen drinnen, die auch recht gut schmeckt.

Wieder eine der angeblich über 100 verschiedenen Suppen in der Türkei kennengelernt. In der Ortschaft Asagisamli lerne ich einen Tourguide kennen, der gut Englisch und Deutsch spricht. Obwohl ich wirklich nicht hungrig bin und noch 10 km bis Pamukkale vor mir habe lässt er es sich nicht nehmen, mich auf einen Köftesandwich einzuladen. Nach weiteren 10 km erreiche ich gegen Abend dann die Ortschaft Pamukkale und quartiere mich im Otel Anatolia (350 TL inkl. Frühstück pro Nacht) für zwei Nächte ein. Pamukkale ist für seine natürlichen Thermalbecken, umgeben von weißem Kalkstein, sehr bekannt und daher auch bei den Touristen sehr beliebt. Auch die Preise sind hier daher wieder andere. Weysel, der Hoteljunge, übernimmt meine schmutzige Wäsche, und nach ein paar cays gehe ich früh schlafen.
13.10. Heute mache ich wieder einmal einen Rasttag und genieße es um 8h beim Frühstückstisch zu sitzen. Mit frisch gewaschener Wäsche starte ich dann so um 9:30 in Richtung der weißen Sinterterassen, für die Pamukkale bekannt ist. Beim Eingang muss man nicht nur 200 TL Eintritt zahlen sondern auch die Schuhe ausziehen.

Barfuß wandere ich dann mit vielen anderen Touristen aus allen Ländern der Welt die einzelnen mit mineralhaltigen Thermalwasser gefüllten Terassen hinauf. Im Anschluss daran gibt es hier auch mit Hierapolis wieder eine antike griechische Stadt zu besichtigen. Der Ort war im Altertum schon berühmt für die warmen Quellen, deren Wasser unterhalb der Stadt die weißen Kalksinterterassen von Pamukkale entstehen ließ. Besonders gefallen mir die Nekropolis mit den vielen Sarkophagen und das römische Theater.

Während ich mich zur Mittagszeit bei einem Tee stärke, rufe ich bei Muttern an. Alles in Ordnung zuhause und sie wird heute wieder einmal in den Schallenberg fahren.

Viel gut erhaltene Bausubstanz, ein gutes Museum und eine schöne Aussicht auf die Umgebung lassen mich letztlich den ganzen Tag da oben verbringen, bevor ich die weißen Sinterterassen wieder herunter spaziere in die kleine Stadt Pamukkale.



Zuerst stärke ich mich mit einer EzoGelin Suppe bevor ich meine Schwester Edith anrufe. Sie hat ja heute ihren 60. Geburtstag und ich gratuliere ihr dazu. Es geht ihr soweit gut und sie feiert gerade das freudige Ereignis mit Kaffee und Kuchen bei ihrer Nachbarin.
Dann kehre ich wieder in mein Hotel zurück wo ich gerade einen Kaffee in der Lobby trinke und diese Zeilen schreibe.
Gesamtkilometer: ca. 3.555
Fazit: Die Gastfreundschaft der Türken ist wirklich legendär. Es gibt so gut wie keinen Tag ohne irgendeiner Einladung. Ich fühle mich sehr wohl und sicher hier in diesem Land. Möge es so bleiben!

Max Frühwirt
Hallo Georg, ich bin ganz begeistert von deinen Erlebnissen würde mir sehr gefallen. Alles Gute weiterhin. LG Max
Georg
Hallo Max,
das glaube ich auch, dass dir das alles gefallen würde 👌👍
Vielen Dank und wünsche dir auch weiter alles Gute, Georg 👣🕊️
Richtsfeld Elfriede
Hallo Georg, habe gerade deine Berichte gelesen. Hoffe es geht dir gut. Bis bald. LG. Mama
Georg
Hallo Mama,
alles gut bei mir, war wieder einmal schön mit dir zu telefonieren.
Liebe Grüße Georg 👣🕊️
Holly Fredi
Hallo Georg, bei uns ist es trüb und schiach, richtiges Herbstwetter. War übrigens auch schon mal in Pamukkale, schaut wirklich gut aus dort. Aber jetzt wünsche ich dir auf deinem weiteren Weg alles Gute und halt die Ohren steif 👍😏👣Liebe Grüße aus St. Veit von Fredi 😀
Georg
Hallo Fredi,
vielen Dank, werde ich machen…:-)
Pamukkale hat mir auch sehr gut gefallen 😎👌
Liebe Grüße und lass dich nicht unterkriegen von dem Wetter, Georg 👣🕊️😉
Edith Danner
Hallo Georg, danke nochmal für die Glückwünsche. Wünsche dir weiter schöne Begegnungen und gute Weiterreise.
Liebe Grüße Edith
Georg
Hallo Edith,
vielen Dank und alles Gute dir weiter auch!
Liebe Grüße aus Pamukkale, Georg👣🕊️
Franz Manzenreiter
Danke für deine Berichte, lese mit großer Neugier,…alles gute auf deinem weiteren Weg wünscht dir Franz,..
Georg
Vielen Dank lieber Franz 🙏🙏🙏