13.3. Matjas und ich nehmen nach einem Falafelsandwich ein Taxi zur Busstation Richtung Norden. Wir haben Glück, da bereits ein Taxi mit einem älteren Iraki auf die Abfahrt zur Grenze in die Türkei wartet. Wir beide komplettieren das Auto und es geht los. Es sind noch ca. 120 Kilometer zur Grenze und wir passieren wieder unzählige Passkontrollen, etc… Letztlich erreichen wir um ca. 10h die Grenze.

Hier versuchen uns Taxifahrer gegen viel Geld über die Grenze zu bringen. Matjas und ich beschließen die Grenze zu Fuß zu überqueren was uns auch gelingt. Mit all den benötigten Stempeln machen wir uns auf den Weg und es gibt ein freudiges Wiedersehen mit der Türkei. Direkt an der Grenze sehen wir einen großen Bus mit der Aufschrift Diyarbakir, genau da wollen wir hin. Wir fragen einen Einheimischen, der gerade vor dem Bus steht, ob sie noch zwei Platzerl für uns haben. Auch hier haben wir Glück und wir haben eine direkte Verbindung von der Grenze nach Diyarbakir, der Hauptstadt von dem türkischen Teil Kurdistans. Es wird hier im Bus ordentlich geschmuggelt, vor allem Zigaretten und Handies, die im Irak extrem billig und in der Türkei teuer sind. Am Weg nach Diyarbakir kommen wir auch in Hasankeyf vorbei. In der Zwischenzeit alles vom Tigris überflutet, es wurde hier ein Staudamm zur Elektrizitätsgewinnung errichtet. Gegen Abend erreichen wir Diyarbakir und wir quartieren uns in das Hotel Kaplan ein. Matjas kennt es noch von früher und 1.200 TL (ca. 24€) für ein schönes Einzelzimmer mit Frühstück kann man lassen. Am Abend kaufen wir uns in einem kleinen shop zwei Flaschen Bomonti Bier, das Wiedersehen mit der Türkei gehört gefeiert. Aber es ist gar nicht so einfach hier in Diyarbakir das Bier auch zu trinken. Es ist ja Ramadan… Im Lokal wo wir einen Döner essen, heisst es nein. Auch in der Hotellobby, nein… Als wir uns dann im 7. Stock im Finsteren in die Küche setzen fühlen wir uns bereits sicher, aber auch hier werden wir von den Kameras erspäht und von einem Hoteljungen vertrieben… 😉

Es bleibt uns also wirklich nur unser eigenes Zimmer. Hier im strengen und konservativem Teil der Türkei wird der Islam noch anders gelebt. Nach dem Bierchen in Ehren verabschiede ich mich dann von Matjas. Er wird morgen früh nach Istanbul und weiter nach Laibach fliegen. Ich bleibe noch eine weitere Nacht und fahre dann mit dem Nachtzug nach Ankara.
14.3. Ich habe mir vorgenommen meine Rückreise nach Österreich dann zu planen wenn ich wieder zurück in der Türkei bin. Und das ist nun ja auch der Fall. So gehe ich heute zur Zugstation in Diyarbakir und kaufe zwei Zugtickets.

Ein Ticket von Diyarbakir nach Ankara und ein weiteres von Ankara nach Istanbul. Von Istanbul geht es mit einem Flieger zurück nach Wien. So schließt sich der Kreis meiner Nahosttour… Ich war ja letztes Jahr Anfang September mit einem Flieger nach Istanbul gekommen und von hier Richtung Süden gereist. Eine junge Kurdin, die gut Englisch spricht, hilft mir beim Kauf der Zugtickets. Sie wartet hier mit ihrer Schwester auf den Zug nach Siirt Richtung Osten und die beiden laden mich dann auch noch auf einen cay ein.

Ich gehe dann zurück in die Stadt wo heute ein Fleischmarkt stattfindet. Überall Schafsköpfe, Innereien, etc…


Diyarbakir wird von einer Stadtmauer umgeben und ich gehe einen Teil außerhalb der Stadtmauern entlang. Nach einem Döner besuche ich die armenische Kirche, die mir sehr gut gefällt. Dann beginnt es leicht zu regnen und ich gehe wieder ins Hotelzimmer zurück. Hier buche ich auch noch meinen Rückflug von Istanbul nach Wien und den Zug zurück von Wien nach Linz. Irgendwann muß man sich ja doch wieder einmal entscheiden wann es zurück gehen soll. Am Abend esse ich eine doppelte Portion Lahmacun, der laut den beiden Kurdinnen speziell in Diyarbakir gut schmecken soll. Sie haben recht 😉👍 Ich besuche auch noch einmal die große Moschee und lausche vor dem Bettgehen noch zwei Gitarrenspielern in einem Kulturcafe in der Nähe der Moschee.

Nach einer heißen Dusche schlafe ich gut ein.
15.3. Es regnet heute noch immer und so werde ich den heutigen Vormittag im Zimmer verbringen bevor ich mich zumittag dann zur Zugstation begebe. Um 13:30 geht der Zug von hier nach Ankara, das ich morgen um die Mittagszeit erreichen werde. Ich freue mich schon auf diese Zugfahrt. Es ist einer der langsamen Züge und man durchquert in 24h einen Gutteil der Türkei.

Vor der Abfahrt trinke ich noch einen cay am Bahnhofscafe. Dann rollt der Güney Expresi aus Kurtulan ein. Ich bin bereits das dritte Mal auf dieser Strecke unterwegs und es ist meine Lieblingsstrecke in der Türkei. Am Nachmittag durchqueren wir eine bergige Landschaft, es geht bergauf und auf einer Höhe von ca. 1.200 Meter lächelt der Schnee runter.

Ich sehe seit langem wieder Nadelbäume wie Fichten und Föhren, aber auch Birken mischen sich dazwischen. Während ich so aus dem Zug Fenster hinausschaue wird es Abend und ich schlafe früh ein.

Speziell in Zügen kann ich gut schlafen, das Rütteln wirkt auf mich wohl wie eine Wiege 😉
16.3. Nach einem guten Schlaf versuche ich es ein paar Mal um ca. 8h einen cay zu bekommen. Der Zug ist allerdings so gut wie leer und der Junge, der das Restaurantcafe im Zug betreibt, schläft noch gut. Gegen 10h wird dann aufgesperrt und ich genehmige mir zum Frühstück eine Mercimek Suppe. Mit ca. zwei Stunden Verspätung erreichen wir dann um ca. 14:30 Ankara. Ich trinke zuerst einmal einen Cay, esse ein Simit und besuche das Bahnhofsmuseum, das der Vergangenheit der türkischen Bahnlinien gewidmet ist.

Zuallererst kaufe ich mir wieder eine Ankaracard, mit der ich die Metrolinien, etc benutzen kann. Es gibt in Ankara neuerdings auch ein Hostel, was ich von einer Französin erfahren habe. Und so quartiere ich mich hier im Deeps Hostel in einem Ausgehviertel in Ankara ein.

Nach einem Döner sitze ich gerade gemütlich in einem Café und schreibe diese Zeilen.
17.3. Ein junger Pakistani im Hostel empfiehlt mir zum Frühstück ein Lokal direkt gegenüber des Hostels. Die selbstgemachte Hühnersuppe schmeckt tatsächlich sehr gut. Ankara ist nicht nur die Hauptstadt der Türkei sondern auch bekannt dafür, dass es hier gute Museen gibt. So viele Möglichkeiten hatte ich in letzter Zeit eh nicht und so gehe ich heute morgen zuallererst zum Ethnographischen Museum.

Hier wurde Mustafa Kemal Atatürk nach seinem Ableben im Jahre 1938 für 15 Jahre bis 1953 aufgebahrt. Daneben liegt auch gleich das Staatliche Kunst – und Skulpturenmuseum, das ich auch gleich besuche.


Beide Museen wirklich sehr interessant und gut gemacht und beschriftet. Heute ist ein schöner Tag und so besuche ich auch noch einmal die Burg, wo ich letztes Jahr auch schon einmal war.


Nur dieses Mal weit weniger Touristen, der März ist halt doch nicht die bevorzugte Reisezeit. In einer kleinen Lokantasi esse ich Köfte, während alte Männer mit ihren typischen Kappen und Hüten Tee schlürfen.

In einem großen Markt in der Nähe des Ulusplatzes kaufe ich Datteln und Walnüsse für zuhause. Dann besuche ich auch noch die Hacy Bayram Moschee und den daneben liegenden Augustustempel aus der Zeit der Römer.

Es ist dies eine der Hauptmoscheen in Ankara und beim Nachmittagsgebet ist sie gerammelt voll. Am Abend esse ich einen Döner in der Nähe des Hostels bevor ich mich unter die Decke verkrieche.
18.3. Nach einer weiteren Suppe zum Frühstück besuche ich heute Mustafa Kemal Atatürk im Anitkabir.


Dieses Mausoleum wurde eigens für ihn gebaut und seit 1953 liegt er hier in Frieden. Im Musuemscafe esse ich ein Stück Böreg bevor es wieder weiter geht. Ankara hat noch mehrere Museen zu bieten. Und so statte ich heute dem Republikmuseum und dem Museum des Unabhängigkeitskrieges einen Besuch ab.

Beide auch sehr interessant, weil beide Häuser zu Beginn der Republik Türkei als Parlament und Versammlungsort dienten.



Es gibt heute noch die großen Sitzungssäle, alle in Holz, zu sehen. Man möchte meinen, die Zeit ist stehen geblieben. Zurück im Hostel unterhalte ich mich ein wenig mit Math, dem Betreiber des Hostels. Die Türkei ist stark von der Inflation betroffen, Städte wie Ankara und Istanbul sind nicht mehr so billig wie früher. Das Leben wird für die Einheimischen immer schwerer, die Bürokratie tut ihres dazu. Nach einem Lahmacun und einem Ayrancı gehe ich auch heute wieder früh schlafen.
19.3. Frisch ausgeschlafen mache ich im Hostel den Online check-in für meinen Flug. Dann übergebe ich Math meinen Rucksack, den er mir untertags hinter seinem Schreibtisch aufbewahrt. Bei mir geht es heute Abends ja mit dem Zug nach Istanbul. Am Vormittag besuche ich heute noch einmal das anatolische Zivilisationsmuseum in der Nähe der Burg. Für mich eines der besten Museen, das die Türkei zu bieten hat. Vielleicht sogar das beste…



Danach beginnt es leicht zu regnen und ich kaufe mir am Markt zwei große Fladenbrote, die ich in einem Teehaus aufesse. Als der Regen wieder nachlässt, nehme ich einen Bus zurück in die Nähe des Hostels. In einem Café warte ich die letzten Stunden ab bevor ich mich am Abend zum Bahnhof aufmache. Istanbul, ich komme (zurück 😉)! Und auch meine ausgedehnte Tour durch den Nahen Osten neigt sich dem Ende zu. Wie schnell es wieder einmal ging…

Ich finde mich bereits ca. 2 Stunden vor der Abfahrt im alten Teil des Bahnhofes in Ankara und pünktlich um 22h fahren wir Richtung Istanbul ab. Im Halbschlaf rattern wir Richtung der Metropole am Bosporus. Ich komme mit einem Studenten aus dem Iran zu reden. Er wünscht den Iranern das Beste. Da kann ich mich nur anschließen…
20.3. Am Morgen kommen wir um halb acht mit ca einer Stunde Verspätung in Istanbul an. Nach einem cay in einem Café gehe ich die paar Kilometer in das Kalkedon Hostel. Ich habe hier 4 Nächte gebucht, ich möchte hier so meine Reise in den Mittleren Osten ausklingen lassen. Es regnet halbwegs, ich glaube ich habe Istanbul noch nie so verregnet gesehen 😃😃 Aber ich hatte das letzte halbe Jahr so gut wie keinen Regen, also mal wieder was Neues. Trotz des Regenwetters mache ich die Stadt unsicher.

So durchstreife ich das Sultanahmet Viertel und ein Einheimischer verrät mir ein gutes, altes Kaffeehaus. Beim Topkapi Palast erkundige ich mich wieviel der Eintritt kostet, knappe 55€😃😃 Ich kenne kein Museum in Österreich, das sich das verlangen traut… Tja, ohne mich 😊 Am Abend komme ich wieder ins Hostel und gehe früh schlafen. Ich habe Schlaf nachzuholen.


21.3. Während die Jungs in meinem Zimmer noch schlafen (sie sind irgendwann in der Früh von ihrem Streifzug nach Hause gekommen 😊) gehe ich um ca. 8h zur Fähre. Am Weg zur Fähre ist es schon Tradition, dass ich mir 1 oder 2 Simits kaufe, die ich dann mit einem cay auf der Fähre Richtung europäische Seite esse. Frühstück auf hoher See quasi… Heute regnet es immer noch und so gehe ich mehr oder weniger von einem Kaffeehaus zum anderen. Im Pera Palace Hotel genehmige ich mir auch wieder einmal einen Tee. Eine sehr noble Absteige…

Dann gehe ich entlang der Unabhängigkeitsstrasse weiter zum Taksimplatz. Ich kehre in einem Irish Pub ein und schaue mir ein Liverpool Spiel an, das sie glatt auch noch verlieren. Am Abend lässt der Regen wieder nach und ich komme wieder trocken ins Hostel zurück.


22.3. Der Regen lässt heute ein wenig nach und so mache ich mit dem Schifferl einen Ausflug in den Bosporus, der Meerenge zwischen Europa und Asien.

Ich bin hier schon einige Male gewesen, allerdings immer bei schönem Wetter. Auch beim Dolmebahce Palast verlangen sie inzwischen umgerechnet ca. 55 €, unerhört wie ich finde… Ich kenne in Österreich keinen Palast oder Museum, für den man ähnlich viel bezahlt.

Gegen Abend komme ich wieder nach Kadıköy und gehe in der Kadi Lokantasi essen.
23.3. Heute ist der letzte Tag hier in der Türkei. Ich stehe spät auf und esse zum Frühstück zwei Simits, dazu natürlich cay. Da es heute endlich wieder einmal trocken ist, setze ich mich auf das Schiff und fahre zur Insel Kinaliada, der kleineren der vier Prinzeninseln.

Kaum Leute hier und irgendwie eine tolle Stimmung. Die Möwen und das Rauschen des Meeres bestimmen hier was du zu hören bekommst. Nach einem kleinen Rundgang kehre ich in das Hafencafe ein wo kräftig Karten gespielt wird.

Um die Mittagszeit fahre ich weiter zur Insel Büyükada, der größten der vier Prinzeninseln. Es herrscht hier schon mehr Betrieb, eindeutig die touristischste Insel aller Prinzeninseln.

Gegen Abend komme ich mit dem Schiff wieder zurück in mein Viertel. Morgen geht es frühmorgens zum Flughafen und ab nach Hause. Der Lenz ist nun wieder vorbei 😃
24.3. Da bereits um 4h früh munter bin, nehme ich sicherheitshalber schon den Bus um 04:45 zum Sabiha Gökcen Flughafen und bin drei Stunden vor dem geplanten Abflug beim Check-in. Nach gut zwei Stunden Flugzeit lande ich mit einem Pegasus Flieger gut in Wien Schwechat.

Mit einem Zug der ÖBB geht es dann direkt vom Flughafen nach Linz. Ich gönne mir einen Leberkäse beim Leberkäse Pepi und ein Seiterl Schladminger. Mit dem nächsten Postbus fahre ich dann nach Waxenberg und steige bei der Schallenberg Station aus. Und wer fährt mit dem 15er runter? Der Robert, mein Pächter, mit dem ich bereits in der Volksschule studiert habe. Nach einem kurzen Plausch gehe ich auf dem ‚Schuß‘ hinauf und stehe nach knapp 7 Monaten wieder vor meinem Haus.

Alles gut gegangen, nix is geschehen 😊👍 Kurze Zeit später kommt auch noch Burli und wir trinken ein Willkommensbier. Alles mehr oder weniger beim Alten.
Zusammenfassung:
Es waren schöne, interessante und spannende Zeiten bei meiner Nahost Tour dabei. Die Türkei quasi zum Aufwärmen, mit dem Libanon und Syrien dann doch zwei Länder, die eher selten besucht sind. Den Jordan Trail ein zweites Mal musste ich leider krankheitsbedingt abbrechen und in Ägypten ließ mich die Polizei nicht gehen. Ich entschied mich anstatt dessen für Saudi Arabien, eine gute Wahl wie sich herausstellen sollte. Als sich die Lage im Nahen Osten bereits zuspitzte, gelangte ich via Kuwait gerade noch in den Irak. Trotz des Angriffskriegs von Israel und den USA fühlte ich mich im schiitischen Irak relativ sicher. Als ich dann das Gefühl hatte, im Irak alles was ich wollte gesehen zu haben, fuhr ich mit dem Zug via Diyarbakir und Ankara wieder nach Istanbul, dem Ausgangspunkt meiner Tour. Ich habe den Nahen Osten zeitlich gut erwischt, in der jetzigen Situation würde ich die Tour nicht angehen. Ich bin froh wieder gut nach Hause gekommen zu sein und freue mich der Dinge.
