Am 03. Dezember am späten Nachmittag war es wirklich so weit. Ich hatte meinen Eingangsstempel im Pass und darf mich nun 3 Monate innerhalb 1 Jahr hier aufhalten, mit multiple entry. Der Wagen von meinem Taxifahrer wurde von einem Hund auf Drogen untersucht. Auch ich musste meinen Rucksack öffnen. Dann musste der gesamte Wagen noch mit unserem Gepäck durch eine XRay Anlage, sie nehmen es sehr genau! An der Grenze in Saudi Arabien erspähe ich eine Moschee und der Imam erlaubt mir spontan zu übernachten! Er zeigt mir die Schlafstelle, reicht mir Wasser und zeigt mir auch die Toiletten.

Welche Unterschied zu Ägypten wo Du nur abgezockt wirst! Die Gastfreundschaft in Saudi Arabien wird groß geschrieben. Nächsten Morgen koche ich mir noch Tee und frühstücke, bevor ich losgehe. Keine 5 Minuten gegangen, fängt mich einer von der Grenzwache ab und ich werde noch einmal verhört, von wo ich komme, etc… Im Nachhinein war es wahrscheinlich sogar gut, nicht via Israel nach Ägypten eingereist zu sein sondern mit dem Schiff direkt von Jordanien. Auch mit Israel sind die Beziehungen nicht die besten. In der ersten saudischen Stadt Haql besorge ich mir Geld, eine STC SIM Karte und esse einen Falafelsandwich.

Dann gehe ich nach ca. weitere 8 km und frage wieder bei einer Tankstelle ob ich in der Moschee schlafen darf. Überhaupt kein Problem und ich werde hier im daneben liegenden Restaurant freundlich aufgenommen. Ich mache hier eine Rast und werde mir dann das Essen von dem pakistanischen Koch schmecken lassen.
Das Essen war schmackhaft und die Einladung folgte zugleich. Bevor ich mich in die Moschee zum Schlafen begebe, sagt mir der pakistanische Koch vom Kasimir, dass ich nichts bezahlen müsse. In der Moschee schlafe ich mit einigen anderen auch und es kommen die ganze Nacht über Gläubige um hier ihr Gebet zu verrichten.
Am nächsten Morgen wird gegen 5h Licht gemacht und ich schaue den Einheimischen und Pakistanis beim Morgengebet zu. Dann esse ich noch einmal gutes pakistanisches Brot mit Eierspeise und Tee mit Milch, auch dazu werde ich eingeladen. Vielen Dank!

Noch im Dunkeln starte ich dann los. Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass heute ca. 1.000 Höhenmeter auf mich warten.

Es bleiben heute immer wieder Autos stehen und reichen mir Wasser. Sogar die Polizei gibt mir eine Wasserflasche, was für ein Unterschied zu Ägypten!!!


In einem Shop kaufe ich mir Brot und eine Dose Tuna, die ich direkt vor dem Shop verzerre. Dann gehe ich weiter und erst gegen Sonnenuntergang erreiche ich eine kleine, verlassene Moschee. Ideal für mich hier mein Quartier aufzuschlagen. Ich koche mir noch heisses Wasser und esse Süßigkeiten, die ich vom Auto gereicht bekommen habe.




Wenn immer ich erwähne, dass ich von Österreich nach Medina gehe, breiten sie mir sprichwörtlich den Teppich aus. Sie tragen mich förmlich nach Medina!
Am Morgen packe ich meine Sachen und erreiche nach ca. 10 km eine Tankstelle mit einem pakistanischen Restaurant. Auch hier werde ich zu Tee und Brot eingeladen.

Für heute ist Schlechtwetter angesagt und schön langsam wird es auch finsterer. Gegen Mittag kommt ein Junge auf seinem Moped zu mir gefahren und zeigt mir ein großes Zelt unter dem ich Schutz vor dem nahenden Unwetter finden könne. Ich nehme die Einladung an und ca. 5 Minuten später beginnt es auch schon zu schütten.

Auch Wind kommt auf und das große Zelt wird ordentlich durchgeschüttelt. Ich fühle mich wohl und geborgen im Zelt. Es beginnt dann auch zu blitzen und zu donnern und für ein paar Minuten hagelt es sogar. Wer würde das in Saudi Arabien erwarten 🙂 Nachdem sich das Unwetter beruhigt hat, beginne ich wieder weiter zu gehen, werde aber von einer weiteren Front erwischt.



Erst gegen den späteren Nachmittag kommt wieder die Sonne heraus und ich treffe Straßenarbeiter, die an meiner Geschichte interessiert sind.

Gegen Abend erreiche ich wieder eine Raststätte, wo es Restaurants und eine Moschee gibt. Hier bleibe ich und ich sitze wieder in einem pakistanischen Restaurant, sie sind hier wirklich stark vertreten.

In der Zwischenzeit regnet es immer wieder, die Regenzeit hat hier begonnen! Zum Abendessen werde ich wieder von den pakistanischen Köchen aus dem Kaschmir eingeladen.


Am nächsten Tag hat sich der Regen wieder verzogen und ich setze meine Wanderung fort. Es ist heute um vieles weniger staubig noch als an den Tagen davor, der Regen hat dem Land gut getan. Es stehen überall Wasserlacken, selbst die Tankstellen stehen zum Teil unter Wasser.


Den Saudis gefällt das natürlich und Kinder plantschen in den Wadis (ausgetrocknete Flußtäler). Zumittag werde ich bei einer Polizeistation zum Mittagessen eingeladen. Sogar die Socken waschen sie mir, unglaublich.



Die Gegend hier ist wunderschön und gegen Abend beschließe ich am Fuße eines Berges mein Zelt aufzustellen. Es befinden sich in der Nähe auch Einheimische aus Tabuk und sie laden mich zum Kaffee ein. Nachdem ich ein gutes Plätzchen für mein Zelt gefunden habe, besuche ich die zwei Familien. Es gibt zuerst Kaffee und Datteln.

Als ich dann gehen will deuten sie mir, dass ich noch bleiben soll. Es gibt Abendessen, und zwar Kabsa, das Nationalgericht Saudi Arabiens mit Reis und Hendl. Gegessen wird natürlich mit den Händen.

Während bei ihnen kaum ein Reiskorn den Boden findet, mache ich einen ziemlichen Saustall:-))) Mafi muschkel – kein Problem, meinen sie nur und haben Nachsicht mit mir. Die Frauenwelt bekommt man bei so einem Besuch nicht zu Gesicht. Ich verabschiede mich von diesen wunderbaren Menschen und verbringe eine ruhige Nacht in meinem Zelt.



Frühmorgens geht es weiter und es bleiben immer wieder Autos stehen, die mir Wasser, Datteln und Kekse reichen.


Ich durchwandere eine wunderschöne Gegend und ich bleibe immer wieder stehen um Fotos zu machen.


Am Abend finde ich ein schönes Plätzchen wieder für mein Zelt und ich esse von den Süßigkeiten, die ich heute geschenkt bekommen habe.

In der Nacht wird es bereits ordentlich kalt und ich schlüpfe in die zweite Hose und ziehe mehr oder weniger alles an was ich mit habe. Ich befinde mich auf ca. 1.200 Höhenmeter, das merkt man. Am nächsten Tag komme ich wieder aus den Bergen heraus und zumittag werde ich bei einer Tankstelle zum Essen einladen.


Dann geht es weiter und da es heute nach Regen aussieht und ich auch meine Powerbank, Handy, etc aufladen muss, mache ich heute um 15h früh Schluss und sitze gerade in einem indischen Restaurant. Die Powerbank lädt gerade und ich werde heute wieder in einer Moschee übernachten. Die Nacht verläuft ruhig und am nächsten Morgen holt mich der Muezzin um 5h mit seinem Gebetsruf aus den Federn.

Ich packe meine Sachen und nach einem pakistanischen cay und gutem Brot mache ich mich wieder auf den Weg.


Um die Mittagszeit erreiche ich Bir Ibn Hirmas wo ich in einem jemenitischen Restaurant esse.

Hier kommt die Straße von Norden runter und es geht jetzt Richtung Süden weiter nach Tabuk.


Gegen Abend versuche ich wieder in einer Moschee Unterschlupf zu finden, werde aber überraschenderweise vom Imam abgewiesen. 15 km gibt es die nächste Moschee, meint er… Es wird bereits finster und so setze ich meinen Weg fort. Die Polizei wird jetzt auch munter und macht Fotos von meinem Reisepass, etc… Dann kommt derselbe 10 Minuten noch einmal und will noch einmal den Reisepass sehen. Er hat die falschen Seiten abfotografiert… 🙂 Es ist dies die erste etwas unangenehme Erfahrung, die ich hier mit der Polizei mache. Dann gehe ich weiter und Pakistanis laden mich zum Abendessen ein und lassen mich in ihrem Quartier schlafen.

Als ich bereits beinahe schlafe, klopft es noch einmal an der Tür. Ein Polizist steckt seinen Kopf rein und will wissen, daß ich hier bin. Erinnerungen an Ägypten kommen schön langsam hoch 🙂
Am nächsten Morgen koche ich mir Wasser und ich verabschieden mich von den liebenswerten Pakistanis. Ich werde dann noch zweimal von der Polizei kontrolliert und merke, dass sie mir langsam mit dem Auto folgen. Erst als ich in die Aussenbezirke von Tabuk komme, habe ich das Gefühl, dass sie von mir abgelassen haben.


Ich sitze gerade in einem pakistanischen Restaurant, wie sollte es anders sein, und werde in der daneben liegenden Moschee schlafen. Es war dem aber nicht so, da es hier security gibt und ich auch hier nicht in der Moschee schlafen konnte. So nahm ich mir ausnahmsweise einmal ein Hotelzimmer und genoss nach 10 Tagen wieder einmal eine Dusche. Am nächsten Morgen besuche ich noch eine verlassene kleine Station der Hejazbahn, bevor ich meine Wanderung fortsetze nach Tabuk.

Heute ist Freitag und auch hier wird um ca. 13h das Gebet außerhalb einer Moschee verrichtet.


Um ca. 16h erreiche ich dann das Zuhause von Salem, den ich auf dem Weg zwischen Haql und Tabuk kennengelernt habe. Ich bin sein Gast und ich könne hier solange bleiben wie ich will. Er betreibt hier eine Reiseagentur. Am Abend kommen seine Freunde und wir verbringen einen lustigen Abend beim Lagerfeuer. Es wird Tee gereicht und es jagt ein Spaß den anderen. Obwohl ich so gut wie nichts verstehe, bleibe ich bis fast Mitternacht bei Ihnen sitzen nur um die Stimmung zu erleben.



Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 270
Zusammenfassung:
Das Königreich Saudi Arabien ist ein Wüstenstaat mit ca. 33 Mio. Einwohnern. Es existiert in dieser Form seit 1932. König Salman regiert das Land seit 2015, der de facto Herrscher des Landes ist jedoch sein Sohn Mohammed bin Salman ibn Saudi, auch bekannt als MbS. Er ist auch der Enkel des Staatsgründers Ibn Saud. Die Währung ist der saudische Riyal (SAR), für 1 Euro bekommt man ca. 4,4 SAR. Am Weg von der Küste am Roten Meer in das Hedschasgebirge geht es gleich einmal über 1.000 Höhenmeter hinauf und ich bekam einen ersten Eindruck von der saudischen Wüste. Das Hedschasgebirge zieht sich vom NW Saudi Arabiens parallel hinunter bis zum jemenitischen Hochland. In Saudi Arabien arbeiten viele Männer aus Pakistan, Indien, Bangladesh, Yemen, Sudan, etc. Sie verdienen sich hier ’schnelles‘ Geld um später daheim ein besseres Leben zu haben. Die Gastfreundschaft ist unglaublich hier. Jeden Tag bleiben viele Autos stehen und reichen mir Wasser, Essen und reden mir gut zu. Moscheen eignen sich meist auch zum Übernachten. Die Saudis selbst sehen das allerdings nicht so gern, da für sie die Moschee zum Gebet da ist. Aber für Reisende wird eine Ausnahme gemacht, wie mir versichert wurde. Ich bin äußerst positiv überrascht wie gastfreundlich dieses Land ist und freue mich auf mehr!

Robert
Danke für die wunderschönen Bilder und Beschreibung.
Ich werde im Jänner und Februar in Saudi Arabien mit dem Motorrad unterwegs sein. Vielleicht sehen wir uns?
Dir weiterhin eine gute und schöne Reise.
Liebe Grüße Robert
Georg
Hallo Robert, ah interessant! Ja, das wäre toll! Ich werde im Januar und Februar voraussichtlich von Al’Ula nach Medina und weiter nach Jeddah wandern. Also wenn Du da zu dieser Zeit auch in dieser Gegend bist können wir uns gerne auch treffen. Liebe Grüße aus dem wunderschönen Wadi Disah, Georg.
Fredi
Hallo Georg, endlich bist du wieder in deinem Element👣, sehr schöner Bericht, super Gastfreundschaft, wunderschöne Landschaft, wünsche dir alles Gute auf deiner Wanderung, wie lange dauert es diesmal 🤔??
Liebe Grüße aus St.Veit v. Fredi
Georg
Hallo Fredi, Du sagst es, ich bin wieder in meinem Element:-) ich werde voraussichtlich im Frühjahr 26 wieder zurück sein. Liebe Grüße nach St. Veit, Georg.
Alfred Cervinka
Hallo spannend Deine Reise freue mich schon auf Deine weiteren Berichte Alfred
Georg
Hallo Alfred, freut mich, dass dir mein Bericht gefällt. Ich werde voraussichtlich im Frühjahr 26 wieder zurück nach Österreich kommen. Liebe Grüße Georg!