6.3. Frühmorgens gehe ich zur Busstation und besuche am Weg nach einmal die beiden Schreine.


Dann gelange ich für umgerechnet ca. 2 Euro um ca. 11h vormittag mit einem größeren Bus in die Hauptstadt Bagdad. Vorbei am Bahnhof gehe ich ca. 1 Stunde in mein Hotel namens Qasr al Barakat.


Für 35k IQD quartiere ich mich hier ein. Es arbeiten ausschließlich Jesiden hier, eine religiöse Minderheit aus dem NW des Iraks. Sehr freundlich und zuvorkommend das gesamte Personal. Ich gebe meine Wäsche ab und werde jetzt dann gleich einmal die Stadt unsicher machen. Mit frischem Gewand gehe ich am östlichen Ufer der Tigris Richtung Norden und Mutanabbi-Straße, wo reges Treiben herrscht. Die Mutanabbi-Straße ist seit langer Zeit das Zentrum für den Buchhandel und somit auch der Kulturszene. Namensgebend für die Mutanabbi-Straße ist der klassische arabische Dichter al-Mutanabbi des 10. Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung. Am 5. März 2007 explodierte in der Mutanabbi-Straße eine Autobombe. Es wurden 26 Menschen getötet und fast alle Buchläden zerstört. Erst nach der Wiedereröffnung Ende 2008 normalisierte sich das Leben hier wieder. Bagdad ist eine 8 Mio. Einwohner Stadt und überrascht mit interessanten Stadtvierteln und Straßen. So auch die Al Rasheed Straße, die mit ihrer Architektur der Häuser an vergangene Zeiten erinnert.


Mit Einbruch der Dämmerung versinkt die Al-Rasheed-Straße, einst ein pulsierendes Zentrum Bagdads, in Dunkelheit. Die vollständige Schließung von Geschäften und Märkten verstärkt die melancholische Stimmung einer Straße, deren heutiger Zustand ihrer historischen Bedeutung nicht mehr gerecht wird. Nur noch streunende Hunde und vereinzelt fahren Autos durch die einst so lebendige Allee, die sich von Bab Al-Sharqi bis Bab Al-Mu’azzam erstreckt. Die Al-Rasheed-Straße, 1916 vom osmanischen Gouverneur Khalil Pascha eingeweiht, war die erste moderne Straße des Irak. Sie entwickelte sich rasch zu einem Zentrum für Handel und Kultur mit Cafés, Buchhandlungen, Theatern und Verwaltungsgebäuden. Trotz jahrzehntelanger Vernachlässigung und des Niedergangs ist sie bis heute ein Symbol für Bagdads politischen und sozialen Wandel geblieben.

Anschließend stärke ich mich mit zwei Tellern Fleischsuppe und kehre dann noch in das Shabandar Café ein. Das Shabandar Café ist eines der ältesten und bekanntesten Kaffeehäuser in Bagdad. Es gibt eine lange Kaffeehaus Kultur in Bagdad.

Es wurde 1917 gegründet und diente auch als Treffpunkt und kulturelles Zentrum für verschiedene Schriftsteller, Dichter und Intellektuelle. Im März 2007, nach den Unruhen im Irak infolge der US Invasion 2003, wurde das Shabandar Café in der al-Mutanabbi-Straße Opfer eines Bombenanschlags aus einem mit Sprengstoff beladenen Auto. Über hundert Menschen starben. Die verheerende Explosion zerstörte das Café samt Bibliothek vollständig. Es wurde wieder aufgebaut und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Letztlich bringt mich ein Taxi um ca. 22h für 5.000 irakische Dinar (umgerechnet ca. 3 €) wieder zurück ins Hotel.
7.3. Nach dem Frühstück besuche ich heute den Second Hand Markt in Bagdad.

Es wird gehandelt, repariert und ausgetauscht was nur geht, tolle Stimmung! Dann gelange ich mit einem Bus zum Märtyrer Monument (asch-Schahid Monument), das den gefallenen irakischen Soldaten aus dem Iran-Irak Krieg (1. Golfkrieg, von 1980 bis 1988) gedenkt.

Es ist offiziell geschlossen, der Wachmann lässt mich jedoch liebenswerter Weise hinein und so kann ich mich ungehindert umsehen. Im Anschluss schaue ich mich auch noch im Stadtteil Karrada um, einem wohlhabenden Viertel Bagdads, in dem es auch noch Christen und Kirchen gibt.



Zurück im Hotel erkundige ich mich bei Naschuan, einem Jesiden aus dem Norden, wie ich am besten Richtung Kurdistan und der Türkei komme. Den Abend verbringe ich in der Kadhimiya Moschee und esse mit den Einheimischen gemeinsam das Iftar (Abendessen nach dem Fasten).


Derzeit sitze ich gerade gemütlich im Beirut Café direkt am Fluss Tigris und schreibe diese Zeilen.
Zurück im Hotel treffe ich mich mit Matjas, dem Slowenen aus Ljubljana. Auch er ist Richtung Türkei unterwegs und wir beschließen am kommenden Montag gemeinsam weiter nach Erbil zu fahren.
8.3. Am frühen Morgen gehe ich noch einmal die Al-Rasheed-Straße entlang. Heute herrscht hier reges Treiben, ganz im Gegensatz zu vor zwei Tagen als es wie ausgestorben war weil Freitag war.

Ich verliere mich in den engen Gassen und komme auch beim Kupfermarkt vorbei.

Die offiziellen Öffnungszeiten der Museen, Galerien, etc vergisst man während des Ramadan am besten. Untertags so gut wie alles geschlossen, dafür sind sie dann am Abend bis in die frühen Morgenstunden geöffnet.


Nach dem Mittagessen gehe ich über die Märtyrerbrücke auf das westliche Ufer der Tigris. Wunderschön hier entlang der Tigris auf und ab zu spazieren.


Zurück in der Al-Rasheed-Straße mache ich heute eine Kaffee- oder besser Teehaustour. Die Einheimischen spielen Domino, Schach und Karten oder rauchen eine Shisha (Wasserpfeife).


Ich sitze gerade in einem dieser schönen Teestuben und warte auf das Fastenbrechen. Im Hotel treffe ich mich dann noch einmal mit Matjas und wir vereinbaren, morgen früh gemeinsam nach Erbil zu fahren.
9.3. Nach dem Frühstück bringt uns ein Taxi zur richtigen Busstation. Hier werden wir schnell nach einer Mitfahrgelegenheit in einem Sammeltaxi fündig. Am Weg nach Erbil gibt es viele Polizeikontrollen und wir werden oft nach unseren Pässen gefragt.

Schließlich gelangen wir am frühen Nachmittag gut nach Erbil und wir quartieren uns zentral in ein Hotel neben der Zitadelle im Zentrum der Stadt ein.

Erbil ist die Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan im Irak. Laut UNESCO ist die Zitadelle einer der ältesten durchgängig bewohnten Orte der Welt. Die frühesten Spuren einer Besiedlung reichen bis ins 5. Jahrtausend vor Christus, möglicherweise noch früher.

Am Abend treffen wir noch die ‚Wondering Woman‘ aus London, die hier lebt und uns ein wenig in der Stadt herumführt.
10.3. Nach dem Frühstück mache ich heute einen ausgedehnten Morgenspaziergang während Matjas in einem Pegasusbüro seinen Rückflug von Istanbul nach Laibach bucht.



Gegen Mittag trinke ich noch einmal einen kurdischen Kaffee mit Pistazien. Dabei komme ich auch mit Journalisten ins Gespräch, die hier von Erbil und dem Krieg berichten. Letztlich ist es ein entspannter Tag im Reich der Kurden. Morgen geht es weiter nach Mossul.

11.3. Nach einer guten Eierspeise in einem der kleinen Cafés in Erbil fahren Matjas und ich mit einem Taxi zur Busstation. Hier finden wir schnell wieder ein Taxi mit mehreren Leuten und gegen 11h erreichen wir Mossul.
Mossul erlangte traurige Berühmtheit als im Juni 2014 der ‚Islamische Staat‘ die Stadt einnahm und daraufhin mehr als 500.000 Leute flüchteten. Die Stadt diente als Hauptsitz des von Abu Bakr al-Baghdadi ausgerufenen Kalifats. Während der dreijährigen Besatzung wurden Tausende Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, ermordet. Minderheiten wie Christen, Jesiden und andere wurden vertrieben oder getötet. Historische Stätten, einschließlich der 842 Jahre alten Großen Al-Nuri-Moschee, wurden zerstört. Die Offensive zur Rückeroberung durch irakische Kräfte und einer internationalen Koalition begann im Oktober 2016 und endete im Juli 2017. Die Stadt wurde dabei massiv zerstört. Die Stadt ist heute noch immer ein Ort, der unter den langfristigen Folgen der Herrschaft des „Islamischen Staates“ leidet, wobei der Wiederaufbau nur langsam voranschreitet.
Matjas und ich quartieren uns für ca. 15€ im Hotel Kahramana ein und erkundigen dann die Stadt. Mossul ist mit ca. 1,7 Mio Einwohner die zweitgrößte Stadt im Irak. Wir durchstreifen den alten Markt, in dem reges Treiben herrscht.

Er ist groß, alt und es gibt jede Menge von Gewürzen, etc. Am Fischmarkt werden jetzt hauptsächlich Karpfen verkauft. Masgouf ist das irakische Nationalgericht, bei dem frischer Karpfen (oft aus dem Tigris) der Länge nach aufgeschnitten, gewürzt und langsam am offenen Feuer gegrillt wird. Wir überqueren die Tigris und kommen in den neueren Teil der Stadt.


Matjas versucht eine Burg zu finden, die es allerdings nicht mehr gibt. So kehren wir am Nachmittag wieder zurück in den alten Teil der Stadt. Ein großer Teil der Stadt liegt immer noch in Trümmern. Spuren des Islamischen Staates sind nach wie vor sichtbar.

Wir besuchen die Große Moschee des an-Nuri aus dem 12. Jhdt. Sie wurde am 21. Juni 2017 weitgehend zerstört. Nur das gekrümmte Minarett ist noch original erhalten. Uns gefällt Mossul sehr gut. Angenehme Atmosphäre, interessantes Strassenleben und äußerst freundliche Menschen, die sich wohl freuen, dass unsereiner sie besucht.

Am Abend essen wir noch Reis mit Bohnen, trinken einen Cay und gehen dann wieder zurück ins Hotel. Frisch geduscht schreibe ich diese Zeilen auf meinem Handy.
12.3. Heute schlafen wir uns wieder einmal richtig aus. Um 9h gehen wir frühstücken und werden zu Tee und Tomatensuppe eingeladen. Die Menschen in Mossul sind bis jetzt die freundlichen in ganz Irak. Überall werden wir begrüßt, es werden neugierig Fragen gestellt, etc. Mit einem Wort, sie freuen sich uns hier zu sehen. Danach gehen wir noch einmal zum alten Markt wo ich mir 200g verschiedene Nüsse und Schwarztee für zuhause kaufe. Alles um weniger als einen Euro.


Wir besuchen noch einmal die große Moschee und einige Kirchen, die aber allesamt zerstört sind und erst wieder aufgebaut werden müssen.



Nach einem Falafelsandwich gehen wir zurück ins Hotel und machen eine Rast. Morgen wartet ein langer Tag auf uns.



Es geht um die 150 km an die Grenze zur Türkei und noch am selben Tag weiter nach Diyarbakir, der Hauptstadt der Kurden in der Türkei. Maa salaam Iraq! Aufwiedersehen Irak!
Zusammenfassung:
Das Timing zum Besuch für dieses Land hätte wahrscheinlich besser sein können. Ramadan und der Beginn des Angriffskrieges auf dem Iran machten die Sache nicht wirklich leichter. Vor allem sind während des Ramadans viele Museen, Restaurants, Cafés, etc geschlossen. Das Land erwacht am Abend. Der Irak ist insgesamt definitiv nicht für den Tourismus gemacht. Sie haben derzeit wirklich andere Probleme wie hohe Korruption, Arbeitslosigkeit, etc… Und nun auch noch dieser Krieg. Der Irak und die Kurden müssen vorsichtig sein um hier nicht mit hinein gezogen zu werden. Wenn man mit den Leuten hier redet hört man immer wieder eines: Alles ist recht, nur Frieden soll herrschen. Sie hatten genug Krieg… Ich wünsche es Ihnen von Herzen! Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft!
