Saudi Arabien – Teil 6

17.1. Noch am Abend stellte ich mich unter die Dusche und am Morgen war auch meine Wäsche gemacht. Vielen Dank an Sherif Mohammed! Den nächsten Morgen ging ich wieder einmal zum Friseur, man muß ja schließlich auch was gleich schauen. Dann gehe ich weiter zur Saudi Post im Stadtzentrum, wo ich ein kleines Paket mit Gewand, das ich nicht mehr brauche, nach Hause schicke. Dann meldet sich Sherif Mohammed am Telefon und er bringt mich von der Stadt wieder mit seinem Auto nach Hause. Wir essen gemeinsam, dann erhole ich mich von den letzten Tagen. Um ca. 22h kommt José mit seinem Freund Abel vorbei.

José (zweiter von links) und Abel zu Besuch bei Sherif Mohammed (rechts), in Medina
Selfie mit José, dem Spanier

Beide sind Spanier, die hier leben und zum Islam konvertiert haben. Wir trinken Tee und unterhalten uns bis nach Mitternacht bevor wir uns verabschieden.

19.1. Heute gehe ich früh aus dem Haus und gehe zum Berg Uhud. Der Berg Uhud bei Medina ist berühmt für die Schlacht von Uhud (625 n. Chr.), eine entscheidende Auseinandersetzung zwischen den frühen Muslimen und den Mekkanern, bei der viele Gefährten des Propheten, darunter sein Onkel Hamza, den Märtyrertod starben, was Uhud zu einem Symbol für Standhaftigkeit und eine wichtige Lektion im islamischen Glauben machte. Der Berg selbst ist ein bedeutender Pilgerort, an dessen Hängen die Gräber der Märtyrer liegen.

In dieser Höhle wurde der Prophet Mohammed während der Schlacht von Uhud verarztet.
Am heutigen Bogenschützenhügel

Geschichte der Schlacht von Uhud

Folgen: Die Muslime erlitten schwere Verluste, darunter etwa 70 Märtyrer. Der Prophet wurde verletzt, und die Schlacht wurde zu einer wichtigen Lektion über Disziplin und die Gefahr von Ungehorsam. 

Hintergrund: Die Schlacht war eine Vergeltung der Quraysh aus Mekka für ihre Niederlage in der Schlacht von Badr.

Verlauf: Die muslimische Armee unter dem Propheten Muhammad (ﷺ) stellte sich den Mekkanern in einem Tal nahe Uhud. Der Prophet postierte Bogenschützen auf einem Hügel (dem heutigen Bogenschützenhügel), um die Flanke zu sichern, mit dem Befehl, die Stellung nicht zu verlassen.

Wendepunkt: Als die Muslime zunächst die Oberhand gewannen, verließen die Bogenschützen ihre Posten aus Gier nach Beute, was den Mekkanern ermöglichte, die Muslime einzukesseln.

Am Nachmittag haben Abel und ich uns heute verabredet die Quba Moschee zu besuchen. Sherif Mohammed, Abel und ich essen zumittag Reis und Hendl, es schmeckt hervorragend! Dann fahren Abel und ich zur Quba Moschee. Sie wurde im 7. Jahrhundert n. Chr. zu Lebzeiten des islamischen Propheten Mohammed erbaut . 
Man nimmt an, dass sie die erste Moschee der Welt war und am ersten Tag von Mohammeds Auswanderung nach Medina errichtet wurde. Der Prophet soll den Grundstein gelegt und seine Gefährten den Bau vollendet haben . 
Die Moschee wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, bis sie in den 1980er Jahren vollständig durch einen Neubau ersetzt wurde, der heute noch steht.

Abendgebet vor der Quba Moschee, in Medina

Abel kommt ursprünglich aus Barcelona und studiert hier Arabisch und Theologie. Nebenbei arbeitet er auch als Reiseführer. Gegen Abend kommen wir wieder zurück in das Haus von Sherif Mohammed. Abel, vielen Dank für die Tour! Gegen 22h kommt dann auch Sherif Mohammed nach Hause und er erzählt mir, dass noch sechs seiner Arbeitskollegen zum Abendessen vorbei kommen. Es gibt Fisch und wir verbringen einen lustigen und langen Abend bis 2h morgens.

Abendessen mit den Arbeitskollegen und Freunden von Sherif Mohammed (links)

20.1. Halb ausgeschlafen verlasse ich heute so um 8h morgens das Haus. Ich besuche verschiedene Moscheen, unter anderem auch die Prophetenmoschee. Sie ist nach der Al-Haram Moschee in Mekka die zweitheiligste Moschee im Islam. Im Inneren befindet sich die Grabstätte Mohammed’s, errichtet über seinem Wohnhaus.

Prophetenmoschee in Medina. Unter der grünen Kuppel liegt der Prophet Mohammed begraben.

Am Weg Richtung Quba Moschee kehre ich in ein pakistanisches Restaurant ein wo ich gerade bei einem cay diese Zeilen schreibe. Dann ruft Mohammed Sherif an und wir vereinbaren, dass ich zu ihm ins Büro komme. Von dort fahren wir dann am Abend zu Sherif Mohammed’s Farm, wo er einige Schafe und ein Pferd besitzt.

Auf der Farm von Sherif Mohammed, in der Nähe von Medina

Am Abend essen Sherif Mohammed und ich einmal alleine. Dabei erzählt er mir, wie glücklich er wäre, wenn ich zum Islam konvertiere:-))) Wir verabschieden uns dann und ich habe das Gefühl, einen Freund gewonnen zu haben.

21.1. Ich stehe früh auf und verlasse das Haus um 7h morgens. Vier Nächte war ich hier in Medina, jetzt ist es wieder an der Zeit weiter zu gehen. Jeddah an der Küste wartet auf mich. Es sind ca. 400 km bis dorthin. Am Weg zur Quba Moschee komme ich bei der Eisenbahnendstation der Hedschasbahn vorbei.

Endstation Medina – einst verband die Hedschasbahn Damaskus mit Medina, heute ist das Bahnhofsgebäude nur mehr von außen zu besichtigen

Das Museum darin ist allerdings derzeit geschlossen. Dann schaue ich noch einmal kurz bei der Quba Moschee vorbei und erreiche schließlich um ca. 17h eine Moschee, wo ich mir Instant Nudeln koche.

Gläubige beim Gebet in der Quba Moschee, Medina

Der Imam erlaubt mir leider nicht die Nacht hier zu verbringen und so gehe ich zur nächsten. Während kleine Buben einen Koranunterricht bekommen, warte ich hier auf den nächsten Imam und hoffe, dass er ein Einsehen mit mir hat.

Nun, es kam dann doch wieder ganz anders. Auch der Imam dieser Moschee beharrte darauf, dass hier niemand schlafen könne. Dies hörte jedoch zufällig ein Saudi, der daneben stand, als und meinte schließlich, dass ich mit ihm mitkommen soll. Er wohnte in der Nähe und lud mich ein sein Gast zu sein.

Zu Gast bei einem Saudi, außerhalb von Medina

Wir hatten einen schönen Abend mit seinem Bruder und seiner kleinen Tochter Dami. Am nächsten Morgen schlafe ich etwas länger. Ich merke, ich hatte die letzten Tage zu wenig geschlafen. Dann geht es auf die Straße Richtung Jeddah, das ca. 400 km von hier entfernt liegt. Es passiert heute nicht allzu viel, manchmal bleibt ein Auto stehen, usw… Zumittag esse ich in einem pakistanischen Restaurant und am Abend erreiche ich wieder eine Moschee, wo es auch eine Tankstelle gibt. Ich habe von einem Bengali die Erlaubnis bekommen in der Moschee zu schlafen. Die Nacht ist gesichert… Die Moscheen bei den Tankstellen sind meistens auch in der Nacht gut besucht und so komme ich dieses Mal nicht allzu viel zum Schlafen. In der Früh koche ich mir warmes Wasser und esse zwei Kuchenstücke, die ich mir gestern gekauft habe. Kurz nach dem ich losgegangen bin, erreiche ich eine Polizeikontrollstelle. Ich war schon fast vorbei als dann doch noch einer munter wird und mich zur Reisepasskontrolle bittet. Nach einem Kaffee und einem kleinen Tratsch, reicht er mir den Reisepass und wünscht mir eine gute Reise. Kurz danach hängt sich allerdings wieder einmal ein Polizeiauto an mir an und nach zweimaliger Erklärung, dass ich ihre Hilfe und Begleitung nicht brauche, lässt er überraschend von mir ab und wünscht mir ebenfalls eine gute Wanderung. Ich glaube schon, dass mir da meine kleinen Arabischkenntnisse zu Gute kommen. Von der Polizei abgelenkt, übersehe ich den nächsten Supermarkt und überlege wie ich ohne Zurückgehen zu etwas Essbaren komme. Da bleibt auch schon ein Einheimischer stehen und er bringt mich mit dem Auto ca. 10 km zu einem Supermarkt und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt. Nicht nur das, er zahlt mir dann auch noch das Essen. Auch eine kleine Gaskartusche hat der Shop, die alte wurde heute früh leer. Ich esse Brot und Thunfisch und gehe dann noch bis ca 15h als ich zu einem weiteren Shop komme. Er wird von einem Inder betrieben und er bietet mir an, dass ich in der kleinen Moschee nebenan übernachten kann. Dankend nehme ich an. So kann ich mich auch duschen und mein Leiberl und die Socken waschen. Dann koche ich mir wieder Nudeln und freue mich jetzt auf eine ruhige Nacht mit viel Schlaf!

Während eines Einkaufs beim freundlichen Inder

24.1. Frühmorgens kommt gleich einmal ein Polizist zum Beten in die Moschee. Nicht einmal da hat man seine Ruhe vor denen 🙂 er ist aber sehr höflich und verabschiedet sich schnell. Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von dem netten Inder und erreiche nach ca. 20 km ein bengalisches Restaurant.

Ein Kashmiri auf einem Rad, ein seltener Anblick.

Hier stärke ich mich bei Chicken Curry, Linsen und Brot. Ich beschließe hier die Route nach Jeddah zu ändern. Ich gehe ab jetzt wieder auf kleineren Straßen und die ca. 30 km längere Strecke macht mir dafür nichts aus. Gegen 16:30 erreiche ich eine kleine Moschee wo es Trinkwasser, Strom, etc gibt.

Oft gibt es bei Moscheen auch Wasserbehälter für Trinkwasser, ein wahres Juwel…

Alles was ich gut gebrauchen kann. Ich freue mich wieder auf eine ruhige Nacht inmitten der saudischen Wüste.

25.1. Die Nacht war ruhig und ich konnte gut schlafen. Selbst zum Morgengebet kommt niemand vorbei, es ist eine sehr kleine Moschee. Kleine Moscheen sind mir am liebsten, weil man da mehr Ruhe hat. Am Weg Richtung Süden kommen mir heute Esel und Kamele entgegen.

Eine Eselsfamilie beäugt mich, am Weg nach Jeddah

Um ca. 10h kaufe ich in einem kleinen Supermarkt Essen für heute ein. Zumittag esse ich wieder bei einer Moschee und ein vorbei fahrender Saudi gibt mir Wasser aus dem Auto. Am Weg Richtung Jeddah merke ich dann sehr schnell wie sich ein weißes Auto hinter mir befindet. Wie sollte es anders sein, es ist wieder einmal die Polizei, dieses Mal in Zivil. Sie sind überaus freundlich und erklären mir wo sich die nächste Moschee zum Übernachten befindet. Als der Imam in der Moschee von Al Shfeah von mir erfährt, lässt er Kaffee in die Moschee bringen. Wir haben ein angeregtes Gespräch und letztlich lässt er mir auch noch von einem Jungen eine Matratze bringen. So wird es eine sehr angenehme Nacht hier werden. Die Polizisten machen sich auch wieder aus dem Staub und ich esse Reis mit Huhn, das mir heute jemand aus einem Auto gereicht hat. Sitze gerade vor der Moschee während die Gläubigen zum Abendgebet kommen. Am Abend kommt noch einmal Farhan, so heißt der Imam, zu mir und reicht mir eine Orange und ein Glas warmen Tee. Sie wissen was einem gut tut. Ich schlafe die ganze Nacht durch und um 6h morgens kommt Farhan um mit dem Gebetsruf den Tag einzuleiten. Dann lässt er mir auch noch zum Frühstück ein Reisgericht und ein Glas Tee bringen, vielen Dank! Zum Abschied fragt er mich auch noch warum ich diese Reise mache. Nachdem ich ihm einige Gründe genannt habe, meint er schlicht nur: Du brauchst nichts sinnvolles im Leben tun. Der Inhalt des Lebens sollte sein, Allah anzubieten. Letztlich sterben wir alle. Er hat mir da was zum Nachdenken mitgegeben… Nach einigen Kilometern nähert sich die Schurta (Polizei) wieder und nach einer kurzen Diskussion zieht er wieder Leine. Nach knappen 20 km mache ich in Al Faqirah Mittagspause. Es gibt zur Abwechslung einmal Hendl mit Reis…:-) Nach einem kurzen Nickerchen erkundige ich mich bei den Yemeniten im Supermarkt über den Zustand des Weges, den ich gehen will. Mit dem Auto sei er ein Problem, zu Fuß aber nicht. Mehr brauche ich nicht zu wissen um die eingeschlagene Richtung beizubehalten. Um ca. 16h erreiche ich einen kleinen Markt, wo mir ein Bengali hilft meine STC SIM Karte im ein weiteres Monat zu verlängern. Morgen ist der letzte Tag der Gültigkeit und ich möchte nicht in den Bergen ohne Signal landen. Dann richte ich mich in der kleinen Moschee daneben ein, esse ein wenig etwas und werde gleich schlafen gehen.

2 Kommentare

    Kiwi Girl

    Ah, I see you are becoming Saudi Arabia’s star ‚tourist‘. The police seem to want you to have such a great time that you become their (unpaid) PR executive.
    When you reach Jeddah they’ll probably ask you to write an article about how helpful they are. And your photograph will be on huge billboards all over the country. (Do’t forget to ask for copyright payment on your image; they can afford it.)
    Insh’allah you will continue to have wonderful days , and nights, great food and fascinating company. Keep on rockin‘

      Georg

      The thing is that they really always mean it in a good way. Somehow they also want to contribute to this journey, they are Muslims. So they think they help you when they are next to you. It takes them a long time to understand that I don’t need them. Anyway, I enjoy my time here and the people are wonderful here. Greetings to Chelsea and enjoy your coffee 🙋‍♂️✌️

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