Noch bevor es finster wird, sehe ich wie sich die Polizei bei den Afghanis erkundigt wo ich schlafe. Dann kommt der Wagen zu mir und reicht mir Wasser und eine Mehlspeise. Es ist in der Zwischenzeit nicht mehr so kalt und ich verbringe eine angenehme Nacht. Ich wache nächsten Morgen auf und was sehe ich als erstes? Einen Polizisten, der bei der Tür der Moschee herein schaut. Schön langsam nervt es…

Ich packe meine Sachen und erkläre ihm dann, dass ich seine Hilfe, Beschützung und was auch immer er anführt, nicht brauche… Zwecklos! Er klebt an diesem Tag an meiner Pelle! Am Vormittag hält ein Auto neben mir. Es ist Gerfried, der hier mit seinem Freund Franz auf einen Kurzurlaub hierher gekommen ist.

Es gibt ein nettes Wiedersehen und Gespräch mit Gerfried, dem Veranstalter des El Mundo Festivals in Judenburg. Dort haben wir uns auch kennengelernt.


Bei einer Tankstelle mache ich dann Mittag bevor ich die Abzweigung Richtung Medina gehe. Nach einer halben Stunde wieder dasselbe Spiel, ich werde von der schurta (Polizei) ‚beschattet‘. Es sei ausschließlich zu meiner Sicherheit, etc versichern sie mir 🙂 Ich merke je mehr ich denen erkläre, dass ich sie nicht brauche, desto näher rücken sie mir. So beschließe ich sie einfach zu ignorieren und es als zusätzliches Service zu sehen. Auch wenn es mir sehr schwer fällt.

Am Abend eskaliert die Situation als sie mit Scheinwerferlicht vor der Moschee beginnen die Nacht im Auto zu verbringen. Ich verstaube sie… Am nächsten Morgen wache ich um 5h auf und wieder das gleiche Bild. Im Abstand von ca. 200 Metern sehe ich das Licht vom Polizeiwagen. Ich frühstücke und gehe los, die schurta schön langsam hinter mir. Zumittag habe ich dann die Gelegenheit mit Mohammed, dem Polizisten zu reden. Er erklärt mir, dass er mir noch 7 km folgen wird, dann übernimmt ein anderer Polizist meine Bewachung. Als die 7 km um sind sehe ich schon das nächste Polizeiauto kommen und sehe wie sie sich lange unterhalten. Dann stellt sich mein neuer Bewacher bei mir vor und ich erkläre ihm im Guten wieder, dass ich es sehr schätze, Ihr Gast zu sein, etc aber letztlich Ihre und seine Hilfe nicht brauche. Ich glaube sie meinen es wirklich nicht böse und machen nur ihren Job. Helfen tut mir das aber herzlich wenig. Ich merke allerdings, dass sich mit diesem Polizisten besser reden lässt und er es fast einsieht, dass er hier überflüssig ist. Letztlich bleibt ein Tourguide aus Jeddah bei mir stehen und reicht mir Datteln und Wasser. Während er sich für meine Geschichte interessiert, kommt auch schon mein neuer ‚Beschützer‘ vorbei. Um nicht zu sagen, ein saudischer Aufpasser :-))) Der Tourguide versteht meine Situation und ich bitte ihn ein Wort für mich einzulegen. Dann hat dieser Tourguide eine blendende Idee. Er zückt das Handy und fragt ob er ein Video/Interview mit mir machen kann um es in Snapchat zu posten. Ich willige gerne ein und ab diesem Moment ändert sich die Meinung des Aufpassers schlagartig. Die Polizei will um jeden Preis im Netz einen guten Eindruck abgeben. Schon gar nicht will sie den Eindruck erwecken, einem ausländischen Reisenden Probleme zu bereiten. Plötzlich sei es auch kein Problem mehr, dass ich alleine weiter gehen kann, etc.. Letztlich sind alle zufrieden und gehen von dannen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich den Polizisten nicht mehr gesehen. Es scheint sie lassen jetzt los von mir, inshallah… Ich glaube es erst wenn ich in Medina und Jeddah bin!
Ich gehe noch einige Kilometer und auch der nächste Supermarkt stellt sich als Ente heraus. Da ging schon länger nichts mehr über den Tresen… Da ich mich auf diesen Markt verlassen habe um mein Essen wieder aufzustocken, habe ich plötzlich ein kleines Problem. Ich habe so gut wie kein Essen mehr und der nächste Supermarkt befindet sich in ca. 80 km Entfernung. Es bleibt mir also nichts anderes übrig als in der Nähe einer Moschee bei einem Haus vorstellig zu werden. Ich werde zu Kaffee und Tee eingeladen und der Mann erlaubt mir auch in der Moschee zu übernachten. Er gibt mir auch Essen und ich möchte ihm wirklich gerne Geld dafür geben. Da hast Du hier keine Chance…


Dann sperrt er mir noch die Moschee auf und fährt mit seinen drei Buben ins Nachbardorf. Am Abend kommt der Imam und ein Pakistani zum Beten vorbei und ich erkläre ihnen warum ich hier bin. Dann wird es ruhig und ich werde mich dann auch gleich niederlegen. Es warten wieder lange 150 km auf mich, auf denen es keine Versorgungsmöglichkeiten gibt. Ich verbringe den Abend wieder einmal ohne Polizei und merke wie mir die wiedergewonnene Freiheit gut tut. Ich hoffe es bleibt auch so… Die folgende Nacht verläuft ruhig und siehe da, in der Früh keine Polizei weit und breit! Nach dem Frühstück ziehe ich los. Ich bin jetzt in einer Gegend, in der es für ca. 150 km keine Tankstellen und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Aber es bleibt in dieser Gegend fast alle zehn Minuten ein Auto stehen und reicht mir Wasser und Proviant. Sehr schnell wird mein Rucksack voll und ich muß jeglichen zusätzlichen Proviant ablehnen.

Zumittag mache ich bei einer Moschee halt und lege mich in den Schatten. Zumittag wird es auf ca. 250 Meter Seehöhe schon wieder ganz schön heiß und ich merke, daß es besser ist wenn ich während der Mittagszeit pausiere.

Nach knapp 30 km erreiche ich wieder eine Moschee im Nirgendwo. Ich wasche meine Füße, mein Gesicht, usw und richte mich in der Moschee ein.

Ich brauche auch wieder einmal das mitgebrachte Nelkenöl gegen die vielen Fliegen. Und von der Polizei keine Spur mehr – Halleluja!
12.1. Ich stehe heute schon vor 5h auf, frühstücke einen Teil der geschechenkten Sachen und starte kurz nach 6h. Es ist noch finster, windstill und es hat angenehme Temperatur.

Immer wieder prasseln auch heute wieder die Geschenke herein. Wasser, Energy drinks, Obst und Süßigkeiten gehören dazu. Manchmal werde ich auch auf einen saudischen Kaffee mit Datteln aus dem Auto eingeladen. Willkommene Pausen! Heute habe ich einen Abschnitt vor mir mit absolut gar nichts ausser einem kleinen Fettblattbaum.

Selbst um die Mittagszeit versuche ich vergebens nach einem Schatten. Am Nachmittag beginnt es auch noch stürmisch zu werden und ich schlucke viel Sand.

Ziemlich abgekämpft erreiche ich um ca 16h eine offene Moschee in der ich nächtigen werde. Immer wieder kommen Gläubige zum Gebet bis es finster und ruhig wird.
13.1. Die Nächte im Freien sind hier bereits angenehm warm und so starte ich frühmorgens ausgeschlafen Richtung Medina. Am Vormittag komme ich bei einem Zelt vorbei und da ich eh schon ca. 2 Stunden gegangen bin, gehe ich auf das Zelt zu um Rast zu machen. Es kommt ein Imker aus dem Yemen heraus und lädt mich auf einen Tee ein.

Im Zelt lässt er mir dann zwei seiner Honige kosten. Einen von Tabuk und einen von Medina. Der von Tabuk schmeckt eher herber während der von Medina eher lieblicher schmeckt. Er erklärt mir, dass er schon sechs Jahre hier ist und mit den Bienenvölkern mitzieht. Er ist sozusagen ein nomadischer Imker.

Wo auch immer die Bienen hinziehen, er folgt ihnen mit seinem Zelt. Er macht dann auch noch ein Video von mir bevor ich mich von ihm verabschiede. Zumittag komme ich zu einer offenen Moschee wo ich pausiere und mit einem Afghanen längere Zeit rede.

Am Nachmittag komme ich endlich wieder einmal bei einer Tankstelle vorbei und ich kaufe mir eine Fischdose. Dann geht es weiter. Kurz vor einer Hedschasbahnstation machen drei Autos halt und füllen mir die Wasserflaschen an. Sie reichen mir Süßigkeiten und Orangen bevor sie wieder weiterfahren. Ohne der Unterstützung der vorbei fahrenden Autos wären die langen Strecken ohne Versorgungsmöglichkeiten kaum zu schaffen! Neben der Hedschasbahnhofsstation befindet sich eine kleine offene Moschee und ich verbringe einen friedlichen Abend hier.

14.1. Die Nacht verlief ruhig und war sternenklar. Nach einem halben Liter warmes Wasser und einigen Essensresten von gestern starte ich in den Tag hinein. Bald sehe ich langsam einen Schatten auf mich zukommen. Es ist Henk aus Holland und hält an.

Wir unterhalten uns eine Weile und tauschen Nummern, etc aus. Er ist bereits 75 Jahre alt und ist gerade dabei seine Afrikaumrundung zu beenden. Mashallah, würden die Saudis sagen 🙂 Für mich auch eine Inspiration, dass noch nicht aller Tage Abend ist. Er fährt weiter Richtung Norden und ich gehe weiter Richtung Süden, mit einigen Tipps von Henk im Gepäck. In einem pakistanischen Restaurant esse ich zwei Paratha und ein Bohnengericht, dazu einen Tee mit Milch. Dann geht es weiter bis zu einer Moschee wo ich über die Mittagszeit etwas schlafe. Währenddessen lade ich die Powerbank wieder auf.

Letztlich gelange ich an diesem Tag gegen Abend zu einer Moschee, wo es Trinkwasser und Strom gibt. Genau das, was ich am meisten brauche. Zum Abendgebet kommen einige Gläubige und zwei davon wollen mich stantapede zum Islam konvertieren :-))) Nur mit Mühe kann ich sie davon abbringen und versichere ihnen, dass der Islam eine gute Religion ist. Zufrieden ziehen sie von dannen und ich werde mich jetzt dann auch gleich niederlegen. Gute Nacht!
15.1. Start heute um 7h bei Morgengrauen. Der Wind hat nachgelassen und gegen Mittag erreiche ich eine Moschee und einen kleinen Markt. Hier mache ich Mittag mit Brot, Käse und Süßigkeiten, die mir der Tag brachte. Dann gehe ich bis ca 17h weiter Richtung Medina und schlage mein Quartier in einer Moschee auf. Ein Afghani versorgt mich hier mit Wasser, so ist der Abend gesichert. Die Nacht verläuft ruhig und so starte ich am nächsten Tag bereits kurz nach 6h früh, es ist noch finster. Dafür geht in der Früh meist noch kein Wind. Heute beginnt er so wie fast jeden Tag so um 9h, heute einmal direkt auf die Nase. Ich verzehre die letzten Datteln, die ich von Ibrahim geschenkt bekommen habe, und gehe dieses Mal ohne Essensvorräte und einem halben Liter Wasser Medina entgegen. Ich merke wie leicht der Rucksack auch plötzlich wieder ist:-) Am Vormittag kommt die schurta wieder einmal vorbei und will meinen Pass sehen. Mein Ton ist bereits ein ziemlich bestimmter. Als mich der Polizist fragt ob ich ein Reisender oder ein Tourist bin, frage ich ihn forsch was denn der Unterschied sei. Er zuckt mit den Achseln und ich lasse ihn stehen. Ich habe ihn nicht mehr wieder gesehen… :-))) Um ca. 14h erreiche ich dann nach 30 km eine Hendlbude und es gibt Brathendl mit Pommes und verschiedenen Saucen. Welche ein Genuss! Nach weiteren 10 km sitze ich gerade in einem pakistanischen Restaurant und ein Pakistani namens Riaz hat mir versprochen, mit dem Imam zu reden. Mit seiner Erlaubnis könne ich in der Moschee übernachten.

Als ich ihm auch erzähle, dass ich seit zwei Wochen keine Dusche mehr hatte, verspricht er mir für eine Dusche mit warmen Wasser zu sorgen. Inshallah! Tatsächlich wird die Dusche mit warmen Wasser wahr, dieses Mal mit dem Becher aus einem Kübel. Es braucht dieses Mal drei Waschgänge bis ich das Gefühl habe wieder sauber zu sein. Dann sitze ich geschniegelt mit Riaz im pakistanischen Restaurant.

Während wir essen erzählt er mir auch dass es nicht immer leicht ist hier zu arbeiten, nicht alle Saudis seien nett zu ihnen… Mit vollem Magen gehe ich dann in die Moschee schlafen.
17.1. Ich konnte kaum schlafen, weil ich einfach zu viel gegessen habe. Ich muss mich in Zukunft wieder ein wenig mehr zügeln, wenn es gutes Essen gibt. Am Morgen lasse ich mir noch ein Paratha (pakistanisches Brot) und einen cay schmecken bevor der Tag beginnen kann. Es sind heute nur mehr ca. 20 km bis ins Zentrum von Medina.


Um ca. 14h stehe ich dann vor der Prophetenmoschee, die für Nicht-Muslime geschlossen ist.

Ein erhabener Moment zumindest von außen diese Moschee zu sehen, in der der Prophet Mohammed begraben ist. Ich bin heute bei Sherif Mohammed eingeladen bei ihm zu übernachten. Er ist ein Freund von José, dem Spanier, den ich am Weg hierher kennengelernt habe. Sherif Mohammed ist ein mauretanischer Araber und spricht Spanisch und Arabisch. Wir unterhalten uns auf Spanisch, da mir diese Sprache doch geläufiger ist als Arabisch. Er erzählt mir, dass er zwei Frauen hat und so besuchen wir am Nachmittag eine von den beiden. Es gibt Reis und Grillhendl, danach guten mauretanischen Minztee. Dann fahren wir wieder in die Wohnung von Sherif Mohammed zurück. Hier kann ich mich duschen und die Haushälterin wird mir auch die Wäsche waschen. Mehr als notwendig, sag ich nur 🙂 Ich bin froh hier zu sein.
Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 1.250
Gesamtdauer in Saudi Arabien: 46 Tage
Gesamtkilometer von Österreich nach Medina in Saudi Arabien: 6.900
Gesamtdauer von Österreich nach Medina in Saudi Arabien: 11 Monate
Zusammenfassung:
Es war ein langer und letztlich auch kräftezehrender Weg von Al’Ula hierher nach Medina. Über 350 km mit nur wenigen Versorgungsmöglichkeiten und Tankstellen. Letztlich waren es die Autofahrer, die mir das Leben leichter machten und mir täglich Wasser und Proviant aus den Fenstern reichten. Der starke Wind und zwei Sandstürme inmitten der Wüste setzten mir zusätzlich auch noch zu. Die Distanzen in diesem Land sind schon noch einmal anders als in Jordanien oder Israel. Die Polizei hat sich Gott sei Dank nach zwei Tagen wieder abschütteln lassen. Dank an alle Saudis und sonstigen Helfern auf dem Weg! Ohne Euch wäre diese Strecke nur sehr schwer machbar gewesen!

Robert
Wunderschöne Beschreibung deiner Reise! Danke
Georg
Vielen Dank Robert! Wünsche Dir eine schöne Zeit in Saudi 🙋♂️✌️
Fredi
Grüß dich Georg, eine sehr gute Schilderung und tolle Fotos von dir👍 Sandstürme , hartnäckige Polizei u.u.u….🫣 sehr anstrengend👣🥵 , weiterhin gut Fuß und liebe Grüße von Fredi
Georg
Hallo Fredi, ja, die letzten 300 km nach Medina hatten es in sich. Es wird nicht langweilig 🙂
Liebe Grüße und alles Gute dir weiter auch, Georg 🙋♂️✌️
Sven
Hallo Schorschi,
ich muss sagen, als Sheikh gehst Du problemlos durch. 😄
Toll finde ich, wie Du dem geneigten Leser Saudi-Arabien näher bringst. Da kann man wirklich etwas lernen. Offenbar ist auch die Saudische Polizei lernfähig…
Wie war eigentlich Deine Route von der Abreise bis Haql?
Ich wünsche Dir weiterhin ein gutes Vorankommen und freue mich schon auf Deine kommenden Reiseberichte.
Herzliche Grüße
Sven
Georg
Hallo Sven,
es freut mich Dich als geneigten Leser begrüßen zu dürfen…:-)
Saudi ist tatsächlich eine Reise wert und birgt viele Überraschungen.
Bzgl Route lass uns das zu Hause bei einem Bierchen besprechen.
Liebe Grüße und auf bald wieder zuhause, Georg 🙋♂️👍