Am 22. Dezember ist es dann soweit. Ich nehme Abschied von Mohammed, der mir in den letzten Tagen wirklich ans Herz gewachsen ist.


Am Weg raus aus dem Wadi kommen mir Ulf und Regine mit ihrem Auto entgegen.

Sie haben es sich anders überlegt und bleiben auch noch ein wenig länger hier. Zumittag komme ich zu einer Tankstelle, wo ich bei Yemeniten eine Pause einlege und zumittag esse. Gegen Abend erreiche ich dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine kleine Ortschaft mit einer Moschee, einem Restaurant und einem kleinen Supermarkt. Alles was ich für den heutigen Abend brauche. Die Nacht in der Moschee verläuft ruhig und am nächsten Morgen deutet mir beim Beten in der Moschee der Angestellte vom Supermarkt, dass ich zu ihm kommen solle. Meine Stecken befinden sich bei ihm – Glück gehabt! Nach einem cay im Supermarkt geht es wieder weiter. Ich befinde mich nun auf ca. 350 Höhenmeter und es ist angenehm warm. Auf einer Tankstelle mache ich Mittag und schreibe meine Weihnachtsgrüße, dann geht es weiter.

Kurz nach der Ortschaft Shuwaq bleibt ein Auto stehen. Es ist Saber und er lädt mich ein bei seiner Farm zu übernachten. Ich nehme gerne an und wir verbringen gemeinsam den Abend in seinem Camp.

Er möchte hier gerne auf seinem Farmland einen Campingplatz machen, er setzt auf den Tourismus. Sicher nicht falsch, das Land öffnet sich seit 2019 ganz bewusst dem Tourismus um so weniger abhängig von den Öleinnahmen zu werden. Nächsten Morgen, es ist der 24. Dezember, starte ich noch bei Finsternis.

Es warten heute viele Kilometer und vor allem auch Höhenmeter auf mich.

Es scheint als hätte ich mir diese kleine Prüfung für Weihnachten vorgenommen 🙂 Letztlich erreiche ich bereits um halb vier nachmittags eine kleine Moschee, in der ich mein Quartier aufschlage.


Ich verbringe den Heiligen Abend auf ca. 1.300 Meter Seehöhe, weitab von jeder Zivilisation. Sternenklar und kalt war die Nacht, aber wunderschön!
Nach einem kurzen Frühstück mit warmen Wasser, Brot und einer Orange ziehe ich weiter Richtung Al’Ula. Nach ca. 15 km kommt mir eine Kamelherde entgegen und ich mache Halt. Der Kameltreiber kommt aus Kordofan im Sudan und erlaubt mir kurz sein Kamel zu reiten – vielen Dank!


Am Nachmittag erreiche ich eine Tankstelle wo ich Brot und Thunfisch aus der Dose esse. Ich erspähe in der Nähe eine Moschee und frage den Tankstellenbetreiber ob ich übernachten könne – kein Problem! Und so sitze ich gerade in der Sonne vor der Moschee und schreibe diese Zeilen.

Am Abend kommt noch der Imam vorbei. Er wird von einem Jungen geführt, der Imam ist blind. An den Gesichtszügen merke ich, dass er mir gut gesinnt ist. Ich erkläre ihm woher ich komme und wohin ich wolle und schließlich gibt auch er mir noch das OK, dass ich in der Moschee schlafen kann. Um ca. halb 6h am Morgen kommen die beiden wieder und es ertönt der Ruf zum Gebet. Und ich bin munter 🙂 Ich koche mir auf der Stiege vor der Moschee Wasser und esse Brot und Erdnussbutter. Dann gehe ich in Richtung der Ortschaft Al Faraah, die 22 km entfernt liegt. Plötzlich bleibt ein Auto stehen. Es ist Mubarak, ein Tourguide aus Al’Ula, der hier gerade mit zwei Schweizerinnen eine Rundtour ins Wadi Disah, nach Tabuk und wieder zurück nach Al’Ula macht.

Ich bekomme Süßigkeiten zur Stärkung und er bietet mir auch an, mein Zelt auf seinem Campingplatz in Al’Ula aufzustellen. Wann immer ich erzähle, dass ich hier zufuss von Österreich hierher gegangen bin, beginnen die Leute mich anzustarren und Fragen zu stellen. Letztlich gibt mir Mubarak auch noch die zusätzlichen Infos für meine bevorstehende Route auf einer kleinen Nebenstraße. Sie sei befahren, wenn auch sehr wenig und es gibt dort auch Beduinen, die dort leben. Genau diese Informationen brauchte ich um beruhigt dort in diesen Abschnitt hinein zu gehen. Es wird dort ca. 80 km keine Möglichkeit geben, etwas einzukaufen, etc… Mein Motto lautet immer: Wo immer Menschen leben, kann auch ich leben! Als nächstes kommt die Ortschaft Al Faraah. Es gibt wieder einmal ein ordentliches Mittagessen mit Reis und Hendl. Hier telefoniere ich längere Zeit mit Ylmaz, den ich in Aqaba kennengelernt habe. Er ging die letzten drei Jahre von Südafrika hier herauf nach Saudi Arabien. Er ist derzeit in Tabuk und als Muslim am Weg nach Mekka. Es gibt einige kleine Probleme bei ihm und wir tauschen uns aus… Auf der Karte sehe ich, dass die nächste Ortschaft knappe 25 km entfernt liegt. Zu weit um diese heute noch zu erreichen. Und wieder dasselbe Spiel. Ich sehe eine Moschee und frage den Betreiber eines kleinen Supermarkts daneben ob ich hier schlafen könne. Er gibt mir nicht nur seine Zustimmung sondern auch noch Wasser mit und wünscht mir einen schönen Abend. Am nächsten Morgen gehe ich Richtung Abu Rakah, das ich um die Mittagszeit erreiche.


Ein Sudanese aus Khartoum lässt mich in seinem kleinen Zimmer jausnen.

Dann gehe ich noch ca. 10 km weiter bevor ein Ehepaar mit ihrem Sohn halt machen. Es ist dies Tarek aus Ägypten mit seiner Frau Linda und ihrem Sohn.


Sie bereiten mir Tee auf der Straße und reichen mir soviel Proviant dass ich für die nächsten Tage nichts mehr einkaufen muss. Vielen Dank Euch dreien! Kaum einen Kilometer weiter ist eine Moschee, in der ich mein Quartier aufschlage.

Es kommt den ganzen restlichen Nachmittag und Abend niemand in diese Moschee. Es gibt auch wenige Leute hier. Nur in einem benachbarten Gebäude finde ich Einheimische als ich auf Wassersuche bin. Die Frauen bedecken sich rasch mit dem Gesichtsschleier, als sie mich sehen. Das ist hier Tradition sobald ein Fremder auftaucht oder sie ausser Haus gehen. Im selben Moment kommt der Mann nach Hause und ich werde zum Lagerfeuer gebeten. Es gibt den Begrüssungskaffee mit Datteln, gefolgt mit Tee. Dann gehe ich wieder mit zwei kleinen Wasserflaschen zurück in die Moschee, wo ich früh einschlafe. Es steht nun ein Abschnitt von ca. 70 km vor mir auf dem es keine Behausung, keine shops, etc gibt. Nur Wüste, Steine und Sand, das wars.

Es bleiben wieder einige Autos stehen und ich werde wieder reichlich mit Wasser versorgt. So wie Yuki aus Japan, der mich ordentlich mit Wasser versorgt.

Um ca. 15h komme ich zu einer offenen Moschee und ich beschließe hier zu übernachten.

Es bläst hier ordentlich der Wind, der mir das Zeltaufstellen ordentlich erschwert. Eigentlich hätte ich mir eine geschlossene Moschee mit vier Wänden, etc gewünscht. Letztlich schaffe ich es und ich raste mich ein wenig auf meiner Isomatte aus. Gegen Abend lässt der Wind Gott sei Dank nach und ich verbringe eine windstille Nacht.


Die Nacht ist sternenklar und der Halbmond liegt auf dem Rücken! Wunderbar! Allerdings habe ich hier auch keinen Empfang mehr hier, das sollte bis kurz vor Al’Ula so weitergehen. Die nächste Moschee liegt mehr als 40 km entfernt und so stelle ich mir für den nächsten Tag den Wecker auf 5h früh. So sollte ich diese vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Bei Dunkelheit packe ich meine Sachen zusammen und ich starte den Tag noch vor der Dämmerung. Es geht heute noch auf 1.600 Meter Seehöhe. Es ist ziemlich frisch und der Wind bläst den ganzen Tag über. Ich esse mein restliches Brot und die Datteln und um 12h habe ich bereits 25 km geschafft. Danach geht es durch einsame Wüste wieder hinunter auf ca. 1.000 Höhenmeter. Es wird auch wieder deutlich milder. Kurz vor der Moschee beschließe ich bei Einbruch der Dunkelheit bei einem Haus um Unterkunft zu fragen. Mohammed und seine Frau sitzen beim offenen Feuer und bitten mir Kaffee und Datteln an.


Danach kommen auch noch zwei ihrer Söhne vorbei. Insgesamt haben sie zwölf Kinder, alhamdulillah! Eine junge Afrikanerin aus Uganda bringt uns Orangen frisch von der Farm. Sie schmecken vorzüglich. Dann gibt es Kabsa und gegen 21h zeigen sie mir mein Schlafgemach.

Ich verbringe die Nacht mit einem Ägypter, der hier auf der Farm arbeitet. Morgen werde ich nach neun Tagen Wandern vom Wadi Disah Al’Ula erreichen.
29.12. Um 6h betet der Ägypter und so stehe auch ich früh auf. Wir verabschieden uns und ich gehe wieder meines Weges. Der Rucksack ist gefüllt mit Orangen von Mohammed, es ist derzeit gerade Orangenerntezeit.

Am Weg nach Al’Ula kommt mir noch ein Kamelhirte aus dem Sudan entgegen. Kamelhirten sind hier meistens Sudanesen wie mir auffällt.


Als ich dann wieder gegen Mittag auf die Hauptstraße nach Al’Ula komme, biege ich rechts anstatt nach links ab. Nach ca 2 km komme ich drauf und ein sudanesischer LKW Fahrer bringt mich wieder zur Abzweigung zurück. So brauche ich zumindest das gleiche Stück nicht zweimal gehen. Bei der Einfahrt zur Hejaz Railway Station werde ich mit Wasser und Snacks versorgt, da es hier immer noch kein Restaurant oder ein Geschäft gibt. Da ich für heute noch keine Unterkunft habe, gehe ich ca. 2km später in einen Palmenhain hinein und klopfe bei der erstbesten Tür an. In Saudi Arabien gibt es ja immer eine Frauen- und Männersektion. Und ich gelange akkurat in die Frauensektion. Als ich wieder gehen will, kommt ein junger Mann auf mich zu und fragt mich woher ich komme. In solchen Fällen kommt mir dann doch mein spärliches Arabisch zur Hilfe. Nach einem kurzen Gespräch bietet er mir an bei ihm Übernacht zu bleiben. Ibrahim, so heißt er, bringt mir eine Matratze und eine Decke. Ich kann mich endlich wieder einmal duschen und fühle mich wie neu geboren. Ich bin Ibrahim’s Gast und er erfüllt mir quasi jeden Wunsch. Er lässt meine Wäsche waschen und als ich ihm erzähle, dass meine saudische SIM Karte morgen abläuft, sitzen wir auch schon in seinem Auto und fahren zum nächsten Supermarkt. Hier lasse ich ein weiteres STC Monatspaket auf mein Handy laden. Am Abend trinken wir mit seinem jüngeren Bruder Mohammed und seinen Freunden Kaffee und Tee, dazu gibt es wie üblich Datteln.

Seine warme Pelzhaube setzt mir Ibrahim dann auch noch auf und meint, dass er mir sie schenkt. Unglaublich diese Gastfreundschaft, fast schon beschämend! Ich fühle mich hier so richtig wie im Paradies und bin so froh hier gelandet zu sein.

Sie bieten mir an auch länger zu bleiben. Ich treffe mich allerdings morgen mit Ylmaz, der von Tabuk nach Al’Ula kommt. Nach einigen Gesprächen mit Ibrahim, seinem Freund Khalid und Ylmaz, laden sie auch Ylmaz ein hier zu bleiben. So wird Ylmaz morgen auch hier eintreffen und wir werden hier gemeinsam den Jahreswechsel mit diesen liebenswerten Beduinen verbringen. Am Abend gibt es dann noch selbstgemachtes Kabsa von Ibrahim und nach einem Tee verabschiede ich mich von der Runde. Die neuntägige Wanderung hat doch auch Spuren hinterlassen.

Gesamtkilometer in Saudi Arabien: 765
Zusammenfassung: Die Gastfreundschaft der Saudis ist ungebrochen und fast schon ein wenig beschämend. Auf diesem Abschnitt lernte ich einen eher unbekannten und abgelegenen Teil von Saudi Arabien kennen. Die Frauenwelt bekommt man hier so gut wie gar nicht zu Gesicht. Wenn doch, fällt sofort der Gesichtsschleier. In jedem Haushalt gibt es auch einen Frauen- und einen Männerbereich. Trotzdem haben sich ihre Rechte in den letzten Jahren verbessert. So dürfen sie zB seit 2018 legal Autofahren nachdem ein jahrzehntelanges Verbot aufgehoben wurde. Ebenfalls seit 2018 dürfen sie erstmals in der Geschichte des Landes ein Fußballspiel besuchen.
Ich werde den Jahreswechsel hier mit Ylmaz und den saudischen Freunden verbringen. Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr mit viel Gesundheit und freudigen Momenten!

